zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


08.12.2007
 

Alles neu
Schulbüchereien nach der Rechtschreibreform

Hier habe ich noch einmal einige Meldungen zum Thema "Aussortieren" zusammengestellt, die größtenteils schon auf diesen Seiten erschienen sind:

Das Karls-Gymnasium Stuttgart berichtet 2004:

„Für die Lernmittelverwaltung war klar, dass die genannten Faktoren [neue Lehrpläne wegen des G8] zu einer enormen finanziellen Belastung werden würden – und dies vor dem Hintergrund, dass erst wenige Jahre zuvor hunderte von Büchern aufgrund der Rechtschreibreform ausgemustert und ersetzt werden mussten.“

Aus Bad Essen wurden ausgemusterte Schulbücher als Spende nach Polen geschickt:

„Und da fragte sich Lore Jeschke, was denn eigentlich mit den Lehrbüchern geschieht, die durch die Rechtschreibreform überholt sind. Die Idee war da, und sie ging einen Schritt weiter. Bei den Bad Essener Schulen wurde angefragt. Von dort kam 'grünes Licht'. Man war froh, ausgediente Bücher nicht in den Müll werfen zu müssen.“ (Neue Osnabrücker Zeitung 8.10.2001)

Unter dem Titel „Buchangebot auf neuestem Stand“ wird aus Lüneburg berichtet: Dank einer Spende von E.ON Avacon (50.000 €) konnten viele Bücher ausgetauscht werden. „Vor allem sei das Angebot im Hinblick auf die neue Rechtschreibung aktualisiert worden.“ (Landeszeitung 28.4.2006)

In Sachsen-Anhalt wurden dem Kultusministerium „für Lehr- und Lernmittel zusätzliche 600.000 Euro bewilligt. Begründet wurde diese einmalig für das Schuljahr 2007/08 für alle Schulformen geltende Aufstockung mit der abschließenden Einführung der Rechtschreibreform. Der erhöhte Verfügungsrahmen ist von den Schulen zum gezielten Austausch veralteter Lernmittelbestände einzusetzen. Staatssekretär Winfried Willems begrüßte diese Entscheidung. 'Nur wenn die Lehr- und Lernmaterialien an unseren Schulen so schnell wie möglich auf den neuesten Stand gebracht werden, werden sich die Schülerinnen und Schüler die geänderte Rechtschreibung wirklich aneignen können und die Diskussionen über dieses Thema werden zur Ruhe kommen.'“ (Pressemitteilung vom 5.12.2006)

Von der Hemsbergschule in Bensheim erfährt man im Dezember 2006:

„Fünfhundert aktuelle Titel hat der Förderverein für rund 5 000 Euro allein in diesem Jahr angeschafft. Alte Bücher von 'anno tobak' und solche, die nicht mehr der neuen Rechtschreibung entsprachen, wurden ausgemistet.“

Ähnlich an der Alteburgschule in Idstein-Heftrich:

„Vor drei Jahren fiel die Spende so großzügig aus, dass fast sämtliche Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert werden konnten. Auch ein Antrag ans hessische Kultusministerium auf finanzielle Unterstützung bewirkte, dass neue Kinderliteratur und Sachbücher zu vielen Wissensgebieten angeschafft werden konnten.“ (Wiesbadener Tagblatt 23.11.2007: „Schule fördert die Leselust“)

Aus Geinsheim wird berichtet:

„Fast ein Jahr lang war die Schulbücherei geschlossen. In dieser Zeit wurde der Bestand neu katalogisiert und Bücher mit alter Rechtschreibung wurden aussortiert.“ (5.12.07)

Im österreichischen Berndorf arbeiten Stadtbücherei und Schulen eng zusammen:

„Auch Schulen aus anderen Gemeinden nutzen das neugestaltete Angebot an Medien in der Kinder- und Jugendabteilung: Für jedes Alter wurden Mädchenromane, Krimis, Romane und Sachbücher angekauft. Bücher mit alter Rechtschreibung wurden ersetzt.“ (Dezember 2005)

Eine weitere Meldung aus Österreich:

„Die Stadtbücherei Neufeld verfügt über ca. 5.800 Bücher, davon ca. 1.400 Kinder- und Jugendbücher, viele Reisevideos, Bildbände und Zeitschriften. An Schulkinder werden nur mehr Bücher mit neuer Rechtschreibung ausgegeben.“ (Dezember 2004)

Die IG Autorinnen und Autoren ermittelte 2004 durch eine Umfrage, wie an den österreichischen Schulen verfahren wird. Hier die wichtigsten Ergebnisse, mitgeteilt von Ludwig Laher im Dezember 2004:

„Die zentrale empirische Aussage dieser Untersuchung ist zweifellos, daß in 38 % der österreichischen Pflichtschulbibliotheken der Bestand an Titeln, die nicht der neuen Rechtschreibung entsprechen, entfernt wurde bzw. in Kürze entfernt werden wird. Implizit ergibt sich daraus überdies, daß Neuanschaffungen in diesen Schulen an das Kriterium 'amtliches Regelwerk' gebunden sind. Dabei ist allerdings ein signifikanter Unterschied zwischen den Volks- und Hauptschulen zu bemerken: Während gar 50 % der befragten GrundschulleiterInnen die Säuberung der Bibliotheken vornahmen bzw. vornehmen werden, ist dies im Bereich der weiterführenden Pflichtschulen überhaupt nicht der Fall.“

An der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach gibt es nicht nur eine neue Mensa, sondern auch etwas zu lesen:

„Von den vorhandenen Büchern 'sind 60 bis 70 Prozent neu', versichert Marion Knöpfel, schließlich 'wollten wir möglichst wenige Bücher mit alter Rechtschreibung.' Bei allen war das natürlich nicht zu schaffen, schließlich 'sind einige Bücher im Bestand, die von Eltern gespendet wurden', so die Grundschullehrerin, und die sind verständlicherweise nicht immer nagelneu.“

Auch die kirchliche öffentliche Bücherei im Kirchenzentrum Wartberg sorgt für die jungen Leser:

„Die alten Regale mit Glasscheiben, hinter denen die Bücher verschlossen waren, wurden entfernt. Neue, ansprechende und für Kinder besser übersichtliche Regale wurden gekauft. Zudem wurde der alte Buchbestand aussortiert. Es blieb nur noch ein Drittel der vorhandenen Bücher zurück. Wie es weiter in einem Pressebericht der Bücherei heißt, werde der Buchbestand nun nach und nach mit neuen Büchern, nach der neuen Rechtschreibereform, aufgefüllt.“ (Fränkische Nachrichten 10.9.2004)

Das einzige, was die Kinder bei ausgedehnter Lektüre älterer Bücher in nennenswertem Umfang „falsch“ schreiben könnten, ist wohl die reformiert s-Schreibung (daß statt dass und einige andere Wörter). Dieser „Schaden“ scheint vielen Lehrkräften so gewaltig zu sein, daß man deshalb überall im deutschsprachigen Raum ganze Bibliotheken auf den Müll werfen zu müssen glaubte.

Da die Reform in den Jahren 2004 und 2006 in wichtigen Punkten geändert wurde, sind die vorher angeschafften neuen Bücher schon wieder veraltet und müßten nochmals ausgetauscht werden. Unterdessen schreiben die namhaften deutschen Autoren weiterhin in nichtreformierter Rechtschreibung und werden auf Wunsch auch so in den neuen Schulbüchern abgedruckt; die Kultusministerien haben nichts dagegen einzuwenden, ebenso wie der Rat für deutsche Rechtschreibung. Immer beliebter werden auch Schulausgaben der Klassiker in historischer Originalschreibweise (Suhrkamp, Deutscher Taschenbuchverlag).



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Alles neu«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2018 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#37510

„So sahen wir drei 1,1 Kubikmeter-Container voll mit teils sehr gut erhaltenen Büchern für Grundschulkinder“, wobei „Stempelaufdrucke der Schule im Inneren der Bücher“ als Eigentumsnachweis gelten müssen. Der Usinger fragt: „Hätten diese Bücher nicht lese- oder schreibschwachen Kindern überlassen werden können? Auch gibt es Familien, die sich finanziell keine Kinderbücher leisten können“, gibt der erregte Neujahrswanderer zu bedenken und schließt: „In jedem Fall ist es sehr traurig, dass so gut erhaltene Bücher gedanken- und ideenlos entsorgt werden.
Und dies in Zeiten, in denen „in der Presse über Mängel beim Lesen oder auch der Wortschatzfindung oder der Satzbildung berichtet wurde“.
Die „Aussortierung“ der auszuleihenden Bücher stehe im Zusammenhang mit der Aktualisierung der Schüler-Ausleihbibliothek, wusste Christine Stanzel vom Staatlichen Schulamt in Friedberg zu berichten, die in diesen Ferientagen die Schulamtsleitung inne hat und auch ALS-Rektorin Ulla Becker-Stadnik erreichte, zur Sache hörte und für sie den Vorgang erklärte.
Anlass der Aufräumaktion: Die Grundschule stelle die Verwaltung der Bücherei und der Ausleihe auf das Softwareprogramm „Littera“ um, das auch mit dem Lese-, Lern- und Quizprogramm „Antolin“ kooperiere, mit dem der einzelne Schüler von Klasse eins bis Klasse zehn auf über 70000 Kinder- und Jugendbücher zugreifen kann.
Die Umstellung sei Anlass, den über Jahrzehnten aus Spenden unter anderem des Fördervereins gewachsenen und von Generationen von Elternjahrgängen betreuten Bestand zu sichten und nach klaren Kriterien und keineswegs gedanken- und ideenlos auszusortieren: Die neue deutsche Rechtschreibung ab 2006 sei wichtig. „Alte“ Bücher mit „alter“ Rechtschreibung sollten nicht mehr verwendet werden, um lesehungrigen Grundschülern oder anderen nichts Falsches zu vermitteln. Man trenne sich von kaum oder nie gelesenen „Ladenhütern“ und Exemplaren, die abgegriffen oder aus dem Leim sind. Unterrichtsmaterialien („Schulbücher“) sind von der Aktion der Schule und des ehrenamtlichen Büchereiteams nicht betroffen. An der Schule sei also durchaus „pädagogisch verantwortlich gehandelt“ worden, so das Fazit der Schulamtsvertreterin.
(Usinger Anzeiger 4.1.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#31517

„Mit dem Jahresbudget von 15 000 Euro konnten Steinert-Block und ihre Kollegen den Bestand von 8963 auf 9823 Medien erhöhen. 2008 habe der Bestand sogar mal bei 12 300 Medien gelegen, erinnert sich die stellvertretende Leiterin, aufgrund der neuen Rechtschreibreform seien aber zahlreiche Bücher aussortiert worden.“ (NWZ 3.2.16 über die Bücherei in Wiefelstede)

(Daraus darf man folgern, daß rund 4000 Bücher, ein Drittel des Bestands, wegen der Rechtschreibreform weggeworfen wurden. Das ist wirklich ein Grund, stolz zu sein.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2015 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#30379

„Da das Team der Stadtbücherei darüber hinaus konsequent alle Titel mit alter Rechtschreibung aussortiert hat, also alle Titel mit Druckdatum vor 2006, verfügt die Einrichtung jetzt über einen sehr attraktiven und aktuellen Kinderbuchbestand.“ (Stadtbücherei Schortens, Jeversches Wochenblatt 6.10.2015)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2015 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#29818

„Selbst die F.A.Z., zunächst lange Bastion der bewährten Schreibung, musste sich letztendlich mit einer Hausorthographie behelfen.“ (Aus einem Leserbrief von Prof. Harald Lucht zum Bericht über die Büchervernichtung in Bad Dürrheim)

Das ist nicht ganz richtig, sie mußte nicht, sondern tat es aus freien Stücken.

Immerhin: Es ist nicht der erste kritische Leserbrief, den die FAZ abdruckt (nicht ohne ihn zuvor auf Reformschreibung umgestellt zu haben, da gibt es kein Pardon). Eigentlich ist die Zeitung reif, sich auf eine ordentliche Schreibweise zu besinnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2015 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#29809

Wer gar nichts wird, wird Wirt.

Oder Coach. Das ist die zeitgemäße Wahrheit des alten Sprüchleins. Wikipedia hat einen schönen Eintrag zu "Coaching" mit treffender Kritik an Scharlatanerie und Selbsttäuschung. Wie oft habe ich schon gefunden, daß jemand, mit dem nicht viel los war, schließlich als "Coach" (oder Veranstalter von Rechtschreibkursen) seine Dienste anbot!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2015 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#29802

Manchmal ist es ganz interessant, welche Personen sich als Bücher-Kommissare betätigen.

Christina Kälberer

Interkulturelle Trainerin (Universität Jena und interculture e.V.),
Interkultureller Coach nach systemischem Ansatz (Universität Jena und interculture e.V.),
Coach für berufliche und private Veränderungsprozesse,
Dipl-Bibl. (Hochschule der Medien Stuttgart),

Aus einem 15-jährigen Auslandsaufenthalt in Asien bringt Christina Kälberer einen reichen Erfahrungsschatz in der Anbahnung, Konzeption und Umsetzung internationaler Projekte mit.
In leitenden Positionen für Goethe-Institute in Südostasien sowie für Nokia Philipines setzte sie ihr fundiertes Know-how ein und entwickelte dieses weiter. Zu ihren Aufgabengebieten gehörten die Themenbereiche Wissen, Information und interkulturelles Management.
Persönliche Stärken liegen in der Vermittlung und Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen, sowie der erfolgreichen Verhandlungsführung in Asien. Christina Kälberers besondere Fähigkeit ist der konstruktive Umgang mit kultureller Vielfalt und die Begleitung von Veränderungsprozessen.

(http://coaching-culture-consulting.de/christina-kaelberer.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2015 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#29801

Lorenz Jäger hat den Fall Dürrheim in der FAZ vom 27.8.2015 aufgegriffen.
 
 

Kommentar von Südkurier, 15.08.2015, verfaßt am 20.08.2015 um 13.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#29747

»Aussortierungsaktion in Bad Dürrheimer Bibliothek

3200 Bücher, das sind 40 Prozent des Büchereibestands sind bei einer Aussortierungsaktion des Regierungspräsidiums vernichtet worden. (...)
Die Behörde hat nach Angaben von Bibliothekarin Christina Kälberer nicht ohne Grund und nicht „nach gut Dünken“ die Bücher aussortiert. „Wir gehen bei diesen Aktionen nach drei Kriterien vor“, erläutert sie. Diese sind: Aktualität, Häufigkeit des Ausleihens, Zustand. (...) Bei Kinder- und Jugendliteratur weist die Bibliothekarin darauf hin, dass einige Bücher in alter Rechtschreibung verfasst seien, „wobei die richtige Schreibweise gerade für Kinder wichtig ist.“ Außerdem sei das so genannte Wording, also die Formulierung, in einigen Büchern nicht zeitgemäß. Christina Kälberer nennt etwa das Wort „Neger“, das noch in Klassikern vorkomme.«

(www.suedkurier.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2014 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#25893

Ein Deutschlehrer rezensiert bei amazon eine Grammatik von Klaus Mackowiak. Er zitiert "... liegt die Vermutung nahe, daß (sic!) auch in Fällen ..." Dieses "(sic!)" ist doch sehr bezeichnend. Das besprochene Buch ist kein Schulbuch, folglich konnte der Verfasser 1999 so schreiben, wie er es für richtig hielt und wie es damals richtig war und heute richtig ist. Schulmeisterlich auf die letzten Eingebungen der Kultusminister lauernd, macht man sich daran, den Sprachgebrauch anderer Leute zu bekritteln. So einen Deutschlehrer habe ich nicht gehabt und wünsche ich niemandem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2014 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#24848

Manchmal leihe ich Bücher aus, die als Reihenwerke von der Universitätsbibliothek angeschafft werden, obwohl klar ist, daß niemand sie liest. So neulich ein paar Bände vom "Forum Alpbach", seit 10 bis 15 Jahren im Bestand und offenbar gänzlich ungelesen. Aber in reformierter Rechtschreibung! Fehlerhaft zwar, wie alles Reformierte, aber immerhin.
Ist es nicht ein gespenstischer Gedanke, daß alle Wendungen der Reform in ungelesenen Büchern zu finden sein werden, wenn in ferner Zukunft Archäologen oder gar Paläontologen die Fundamente der Erlanger UB freilegen?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 08.06.2013 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#23378

Ist das nicht so, als wenn man verdorbene Lebensmittel an Obdachlose verfüttert?

Aus der zynischen Sicht der Schule ist es eher so, daß verdorbene Lebensmittel zum Sonderpreis an die normale Kundschaft verscherbelt werden.

Von außen betrachtet wirkt es so, als ob ein Unternehmen ohne Not einwandfreie Ware weit unter dem Selbstkostenpreis verkaufte und dann die Allgemeinheit (auf dem Umweg über die Steuererklärung) um Übernahme der Verluste bäte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2013 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#23373

Die Wallschule in Wildeshausen verkauft ihre Bücher auf dem Flohmarkt und bittet um Spenden:
„'Da die Kinder der Wallschule gerade erst das Lesen gelernt haben, benötigen wir dafür ausschließlich Bücher mit der neuen Rechtschreibung, um die Kinder nicht zu verwirren', so die Förderkreis-Vorsitzende.“ (NWZ 6.6.13)

Und was geschieht mit den Kindern, die auf dem Flohmarkt die ausgesonderten Bücher erwerben und dadurch verwirrt werden? Ist das nicht so, als wenn man verdorbene Lebensmittel an Obdachlose verfüttert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2013 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#22555

„Die Bücherei der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein musste nach 40 Jahren schließen. (...) Nur der Kinder- und Jugendbuchbestand litt. ‘Da ist die Reform der Reform der Rechtschreibreform über uns hinweg gebraust’, bedauert Anne Prinz. Aber Leseanfängern könne man keine Bücher mit falscher Rechtschreibung geben.“ (WAZ 13.1.13)

Natürlich ist es ärgerlich, daß eine Handvoll hergelaufener sogenannter Kultusminister mit einem Federstrich Milliarden von Büchern "falsch" werden ließ. Aber es wäre nicht möglich gewesen ohne den Untertanengeist zahlloser Menschen, die sich dieser Zumutung nicht widersetzten. Es gehört doch kein besonderer Sachverstand dazu, die Irrelevanz der ss-Schreibung für die Leselust der Kinder einzusehen. Und der Sarkasmus der Formulierung kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, daß man offenbar glaubte, auch noch der Reform der Reform der Reform folgen zu müssen.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 26.10.2012 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#21786

Ist es nicht schön?

Außerhalb der Sphäre der Schulbücher, Zeitungen und sonstigen offiziellen Vorlautbarungen liest die Jugend im unvermittelten Leben Anschlußstelle (an Autobahnen), Sonderausstellung im Erdgeschoß (in Autohäusern), Nußecken (beim Bäcker, auch beim türkischen), und Bier vom Faß, wenn der Durst plagt.

Nicht immer, aber auch nicht selten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2012 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#21785

„Wir haben dann gesagt, wir gehen auf Spendersuche“, so Iris Adams, Vorsitzende des Fördervereins der Ablachschule. Die Eltern wurden an dieser Stelle mit ins Boot geholt und um Bücherspenden gebeten. Fast 800 Bücher kamen zusammen, von denen aber viele wieder aussortiert werden mussten, weil sie beispielsweise noch in alter Rechtschreibung geschrieben waren. „Das war sehr schade, die mussten wir rausnehmen“, so Adams. (schwäbische.de 24.10.12)
 
 

Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 19.01.2012 um 18.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19896

Besten Dank für den Hinweis. Herr Eversbergs Name kam mir zwar irgendwie bekannt vor (ich hatte schon seit längerem nicht mehr in die Seiten von Sprachforschung geschaut), aber wegen des erwähnten letzten Absatzes wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, ihn hier als einen Mitstreiter begrüßen zu können. Aber er hat ja offenbar seine Meinung zur Rechtschreibreform inzwischen zumindest teilweise geändert. Zum Glück, denn sein sachlicher und fundierter Beitrag zur Katalogisierungsproblematik wies ihn als intelligenten Fachmann aus. Um so größer war dann meine Enttäuschung, als ich den letzten Absatz las. Ohne ihn wäre seine Antwort auf Herrn Heller perfekt gewesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2012 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19893

Nun, Herr Eversberg hat sich auch auf diesen Seiten durch Hunderte von Beiträgen als mutiger und sachkundiger Mitstreiter erwiesen, und wir verdanken ihm viel.
 
 

Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 19.01.2012 um 16.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19892

Interessant in Zusammenhang mit den Universitätsbibliotheken sind mehrere Fachbeiträge zu den Problemen, die die Katalogisierungen von Werken in neuer Rechtschreibung (damals vermutlich noch in der ersten Fassung) bereiten, auf dieser Seite: www.allegro-c.de/formate/rref.htm.

Daraus ein Zitat von Klaus Heller, damals Geschäftsführer der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung am IDS: »Möglicherweise hat diesen Aspekt keiner so recht bedacht.« Heller versucht nach diesem Geständnis dann jedoch, diese lästige Angelegenheit kleinzureden: »Haben Sie das Problem nicht jetzt schon, wenn Sie Texte in anderer Schreibweise (alte Texte, literarische Texte, Texte in eigenwilliger Orthografie usw.) und auch Texte mit Variantenschreibungen (der alte Duden enthält ihrer ca. 6.000!) vercomputern? Sind Suchsystemen nicht immer irgendwelche Grenzen gesetzt? Ist die Verschlimmerung - abgesehen von der Zweigleisigkeit der Übergangszeit - wirklich so schlimm? Kann man nicht eine Liste der veränderten Stammschreibungen so in den Computer einbauen, daß er von sich aus beide Schreibweisen abfragt? Ist das nicht eher ein (computer-)technisches Problem?«

Bemerkenswert sind unter anderem folgende Aussagen von Bernhard Eversberg von der UB Braunschweig:

»Denn die Datenbestände, die wir jetzt schon haben, sind schon immens gross und werden uns begleiten bis ans Ende unserer Tage. An eine Umstellung dieser Bestände auf neue Rechtschreibung ist aus mehreren Gründen überhaupt nicht zu denken. Und die Unternehmungen zur Digitalisierung vorhandener Bücher sind gerade erst angelaufen! ALLE Bücher, die wir bisher haben, viele Millionen!, entsprechen nicht der neuen Rechtschreibung. Die weitaus meisten sind gar nicht mehr im Handel, niemand wird sie umstellen können, es würde astronomische Summen kosten. Aus dem zuletzt Gesagten ergibt sich ein anderes, skeptisches Argument zur Reform, welches ebenfalls noch selten zu hören war, wenn überhaupt: Rechtschreibung lernt der Mensch hauptsächlich durch Lesen, nicht durch das Pauken von Regeln. Beim Lesen prägen sich die Wörter optisch ein. Das braucht viele Jahre, bis ins Erwachsenenalter. Während dieser Zeit aber werden die jetzt Heranwachsenden zwangsläufig auch zu etwas älteren Büchern greifen, denn die meisten älteren werden nie neu überarbeitet in den Handel kommen, das wird m.E. ganz stark unterschätzt. Beim Lesen der älteren Texte werden sporadisch andere Schreibweisen wahrgenommen, aber oft nur unterhalb der Bewußtseinsschwelle, trotzdem hinterlassen auch diese eine Spur im Gedächtnis. Kann es nicht sein, daß das Ergebnis eine größere Unsicherheit sein wird als wir sie bisher hatten, folglich auch mehr Fehler trotz Vereinfachung der Regeln? Und das gilt natürlich nicht nur für Schüler, sondern auch für Ausländer, die unsere Sprache lernen. Auch diese werden auf lange Sicht mit einer Mischung aus alten und neuen Texten umgehen müssen. Wird dies das Lernen nicht schwieriger statt leichter machen? Vielleicht entwickelt sich sogar ganz schnell eine neue Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit, was die Absicht der Reform geradezu ins Gegenteil verkehren würde.«

Peinlich ist dann angesichts dieser recht deutlichen Kritik die Bekundung vollständiger Ergebenheit und Unterwerfung unter den Willen der Rechtschreibreformer im letzten Absatz:

»Auf jeden Fall wollte ich vermeiden, daß meine Argumente in die Ecke der rückwärtsgewandten Sektierer gedrängt werden. Lassen Sie mich deshalb noch erwähnen, daß ich die neuen Regeln persönlich gut finde, besser als die alten. Das ändert aber gar nichts an den Folgen. Betonen möchte ich auch, daß ich keinen Vorwurf an die Reformer richte. Die Reformbemühungen reichen weit zurück, in Zeiten, wo es noch gar keine Computer gab. Die jetzt sich abzeichnenden Folgen sind erst in den letzten drei Jahren so recht erkennbar geworden - da lagen die Reformdokumente schon fertig vor.«
 
 

Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 18.01.2012 um 20.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19890

Da erschließen sich ja konsequent weitergedacht völlig neue Betätigungsfelder für die unfaßbar vielen obrigkeitsgläubigen Dummköpfe, die keinen Unterschied zwischen Form und Inhalt machen können oder wollen: Die radikale Säuberung der Universitätsbibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Büchern aller Art in traditioneller und damit volksgefährdender Rechtschreibung. Diese Idiotie würde natürlich schwer ins Geld gehen, aber die Hauptsache wäre, daß die "orthographische Pornographie" restlos in die Verbrennungsöfen wandert. Und Platz in den Magazinen würde dadurch auch geschaffen, der in den nächsten Jahrzehnten für Neuanschaffungen in irgendeiner der zukünftigen Mischorthographien genutzt werden könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2012 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19888

Besondere Freude herrscht in Göttingen:

"Unsere Bücherei ist leer! Und zwar sehr leer, seitdem die Arbeitsgruppe alle Bücher aussortiert hat, die veraltet und vor allem noch in alter Rechtschreibung geschrieben waren." (Albanischule Göttingen 28.2.2011)

Damit ist der Idealzustand erreicht: eine leere Bücherei macht am wenigsten Arbeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2011 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19733

Der "Krieg der Knöpfe" war übrigens von Kultusminister Zehetmair nicht für den Schulgebrauch zugelassen worden, weil darin kopulierende Hunde vorkommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2011 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19122

Louis Pergaud: Der Krieg der Knöpfe. Cecilie Dressler 1997 (vorher in ordentlicher Rechtschreibung bei Rowohlt)

Er hatte ganz Recht, als er sagte, dass wir heute Abend lieber nicht ausrücken sollten. - Dabei hat sie ganz Recht. - Als die beiden sich wieder sahen ... - ... die erstaunt waren, ihren General in heiler Kleidung wieder zu sehen - La Crique antwortete nur mit einem äußerst viel sagenden Achselzucken.

Der Verlag hält das offenbar für gutes Deutsch, und so steht es nun, in 1996er Rechtschreibung, in den expurgierten Bibliotheken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2011 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#19121

Beinahe jede Woche liest man von Unterrichtsprojekten, bei denen die Kinder frei nach Schnauze schreiben sollen, ohne sich um Rechtschreibung zu kümmern, andererseits von besorgten Lehrerinnen, die von nichtreformierten Büchern irreparable Schäden in den Köpfen ihrer Schüler erwarten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2011 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#18509

Bibliotheksmitarbeiter und sogar Deutschlehrer wissen ja kaum etwas über das Hin und Her der Rechtschreibreformen. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber ob Potential mit t oder z oder beides erlaubt ist, war oder wieder ist – Gott bewahre.

Kontrolliert wird, ob daß und Fluß im Buche stehen, wenn ja, ist es eben alt und wird mit spitzen Fingern aussortiert, solange aber dass und Fluss drinstehen, tun andere Fehler niemandem "Leid".

Kürzlich erzählte mir ein Deutschlehrer, selbständig sei seit der Reform 1996 falsch, ich mußte ihm tatsächlich erst den neuesten Duden aufschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2011 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#18505

Der "Kurier" macht sich große Sorgen:

"Die neue Rechtschreibung ist noch nicht in allen Bücherregalen des Landes zur Gänze angekommen."

Die vollständige Dokumention der Dummheit hier:

http://kurier.at/nachrichten/burgenland/2091013.php
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2011 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#18501

Die Bibliotheksleiter scheinen nach dem Grundsatz zu verfahren: Reformiert ist reformiert. Sie schaffen also an, was seit 1996 in einer der drei Versionen reformierter Rechtschreibung gedruckt ist, ohne zu bedenken, daß die allerneueste Version viel näher an der herkömmlichen Rechtschreibung ist als an der reformierten von 1996. Die Kinder und Jugendlichen wären also durch gänzlich unreformierte Bücher viel weniger "gefährdet" als durch die erste Generation von reformierten. (Vgl. etwa die jüngst wiedergewonnene Unterscheidung von wörtlicher und übertragener Bedeutung bei der GZS: schiefliegen usw.) Aber soweit denken sie nicht. Jedenfalls habe ich unter den vielen Meldungen, von denen hier nur eine Auswahl wiedergegeben ist, noch niemals eine Spur von solchen Überlegungen gefunden.

Noch ein Nachtrag: Öfter als ausdrückliche Berichte über Büchervernichtung liest man Spendenaufrufe mit der Vorgabe, gespendete Bücher müßten in reformierter Rechtschreibung gehalten sein bzw. seien unter diesem Gesichtspunkt sortiert worden. Was mit den angeblich unbrauchbaren nichtreformierten geschieht, wird nicht gesagt, aber man kann es sich denken: Sondermüll, hochgefährlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2011 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#18450

In Hochheim wollen nicht einmal die Kindergärten Bücher in "alter" Rechtschreibung haben. (Mainzer Allgemeine Zeitung 18.6.10). In einer späteren Meldung heißt es, bei Kitas usw. sei die Rechtschreibung unwichtig, "da die Kinder noch nicht selbst lesen können". (Mainzer Allgemeine Zeitung 3.11.10) Sehr scharfsinnig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2011 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#18394

Die Wormser Zeitung meldet aus Bürstadt:

"Auch wurde die Bücherei nochmals unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass gerade die Kinder- und Jugendbücher veraltet sind und teilweise der neuen Rechtschreibung nicht mehr entsprechen. Nun heißt es, alles noch einmal zu durchforsten und die Bücherei so auf Vordermann bringen. Es kommt noch allerhand Arbeit auf die Mitarbeiterinnen zu.
Trotz allem herrschte immer gute Stimmung, es gab genügend Kaffee und Plätzchen ..."

Sollte man den Damen mitteilen, daß sie im Begriff sind, sich zu versündigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2011 um 15.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#17820

Vor einem Jahr hatte die Stadtbücherei Jever angekündigt, alle Bücher in alter Rechtschreibung aus der Kinder- und Jugendabteilung aussortieren zu wollen. Heute meldet sie Vollzug: „Bücher mit veralteter Rechtschreibung haben wir aussortiert und soweit möglich neue angeschafft.“ Herzlichen Glückwunsch!
(Ist jemand zufällig am Ort und könnte die stolze Bibliothekarin mal fragen, warum sie das getan hat? Die Antwort könnte uns hier interessieren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2010 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#17648

Der Förderverein der Münzenbergerschule in Eckenheim bekommt 1000 Euro von der Lottogesellschaft. Was macht er damit? Man ahnt es nun schon: "Wegen der Rechtschreibreform mussten alle Bücher ausgetauscht werden." (Frankfurter Neue Presse 14.12.2010)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2010 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#17356

Bibliothek der Grundschule Beuern frisch renoviert

Buseck (age). Am gestrigen Vorlesetag in der Grundschule Beuern hatte auch die frisch renovierte Schulbibliothek ihre Türen geöffnet.
Die Gäste hatten die Möglichkeit, Bücher zu kaufen, an einer Tombola teilzunehmen und konnten bei Kaffee und Kuchen im »Lesecafé« entspannen. Mit den Einnahmen soll der Bücherbestand der Bibliothek weiter aufgestockt werden, da im Vorfeld alle Bücher, die nicht der neuen deutschen Rechtschreibung entsprachen, aussortiert worden waren.
(Gießener Allgemeine 27.11.2010)


Drei Tage später:

Zur Anschaffung weiterer Bücher und um dem Bestandsrückgang durch das Aussortieren von Büchern mit alter Rechtschreibung entgegenzuwirken, gingen die Einnahmen aus dem Speiseverkauf, der Tombola und dem Bücherverkauf an die Bibliothek. (Gießener Anzeiger 30.11.10)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2009 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#15115

In einem Beitrag zur Buchmesse beschreibt FAZ.Net die Arbeit einer Buch-Schredder-Maschine (siehe auch hier).

"Weshalb werden Bücher überhaupt makuliert? 'Aus unterschiedlichen Gründen.' Auf hundertfünftausend Palettenplätzen lagern die kompletten Auflagen von etwa achtundvierzigtausend Titeln, Sigloch verschickt mehr als zweihunderttausend Sendungen täglich, knapp hundert Millionen Bücher pro Jahr. 'Es gibt zum Teil Neuerungen oder gesetzliche Auflagen wie die Rechtschreibreform, die eine Makulierung nötig machen.'"

"Gesetzliche Auflagen"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2009 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#15106

Bei Durchsicht einiger Leseproben stelle ich fest, daß Diogenes die Reformschreibung ziemlich fehlerhaft anwendet. Schön ist es sowieso nicht, mit den vielen "Mal" usw. Man wundert sich aufs neue über die freiwillige Qualitätsminderung.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 02.08.2009 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14879

Seitdem Diogenes sich vor einigen Jahren selbst gleichgeschaltet hat, kann man vor Publikationen des Züricher Verlages nur noch warnen (ich glaube, ich hatte damals hier darauf hingewiesen). Wenige Autoren wie Loriot oder Schlink widersetzen sich noch bewußt dem Reformschrieb. Neue Übersetzungen ausländischer Autoren erscheinen grundsätzlich nur noch in dieser seltsamen Reformschreibung und ältere Übersetzungen werden nach und nach durch Reformschrieb ausgetauscht. Wollschläger ist ja inzwischen tot, so daß auch für dessen Übersetzungen das schlimmste zu befürchten ist.

Alles natürlich ohne irgendwelche Hinweise. Da bekommt man jetzt Lektüre und Gehirnwäsche zum Preis eines Buches. Zum Glück bekommt man die meisten Titel von Diogenes auch antiquarisch. Man kann daher getrost auf den Verlag verzichten, dem ich gern einen Vers als Verlagsmotto geben würde: "E il naufragar m' è dolce in questo mare." Das würde sich doch gewiß hübsch über der Tür in der Eingangshalle machen: Und Ertrinken ist mir süß in diesem Meer ['der Dummheit' müßte man Leopardi freilich noch ergänzen].
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2009 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14878

Bei Diogenes ist kürzlich der "Anti-Struwwelpeter" von F. K. Waechter neu erschienen – in Reformschreibung, ohne jeden Hinweis, daß es sich nicht mehr um die Ausgabe von 1982 handelt, die das Impressum angibt.
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 21.07.2009 um 11.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14813

Nachtrag: ein Artikel aus dem Guardian: "Warning! Eating books could seriously damage your health"

Stop. Go and check your bookcases. Are there any children's books that were published before 1985? Maybe a bit of Beatrix Potter, Enid Blyton, or even a copy of The Very, Very, Very Long Dog? Well, put on some gloves and remove them immediately, because those things could be lethal. Don't burn them though – that might release poisons into the air. Don't bury them either, that could pollute an aquifer. In fact, I'm not sure what you should do. Ah, that's it! Panic.

You think I'm joking. But apparently the US government believes that these old publications might give children brain damage. You see, prior to 1985, many books were printed with inks and paints that used lead pigments. Last year, following the Chinese "killer toy" scandal, Congress passed the Consumer Product Safety Improvement Act, imposing strict limits on the amount of lead permitted in anything intended for use by children aged 12 and under, from toys to bikes to books. The law was retroactive and came into force on 10 February, and now – according to Walter Olson, an expert in American legal lunacy – anyone who tries to peddle old books for kids containing lead may be in serious trouble: "Penalties … can include $100,000 fines and prison time, regardless of whether any child is harmed."

[...]
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 21.07.2009 um 10.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14812

In den USA soll der Kongreß angeblich den Verkauf von Kinderbüchern verboten haben, die vor 1985 hergestellt wurden. Siehe: http://www.city-journal.org/2009/eon0212wo.html

Kann das jemand bestätigen?

It’s hard to believe, but true: under a law Congress passed last year aimed at regulating hazards in children’s products, the federal government has now advised that children’s books published before 1985 should not be considered safe and may in many cases be unlawful to sell or distribute. Merchants, thrift stores, and booksellers may be at risk if they sell older volumes, or even give them away, without first subjecting them to testing—at prohibitive expense. Many used-book sellers, consignment stores, Goodwill outlets, and the like have accordingly begun to refuse new donations of pre-1985 volumes, yank existing ones off their shelves, and in some cases discard them en masse.

The problem is the Consumer Product Safety Improvement Act of 2008 (CPSIA), passed by Congress last summer after the panic over lead paint on toys from China.
[...]
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2009 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14806

„Jeder, der Probenummern der beiden Zeitungen durchgeblättert hat, wird - resigniert oder freudig - feststellen, daß die immer wieder beklagte Notwendigkeit des bevorstehenden Neudrucks unserer Literatur keinesfalls erforderlich ist.“ (Zabel in der SZ vom 19.2.97; er bezieht sich auf „Woche“ und „Freitag“)
Abgesehen von der seltsamen Ausdrucksweise - jedenfalls für die Kinder- und Jugendliteratur trifft die Prognose nicht zu. Sie mußte entweder neu gedruckt werden oder verschwand aus den Bibliotheken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2009 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14780

Aus Neu-Isenburg:
„Mit dem Geld hat der Verein (Freundeskreis der Stadtbibliothek) unter anderem die Kinder- und Jugendbuchabteilungen der Haupt- und der Zweigstellen beschenkt. So wurden im April 2000 für 1500 Mark Lesebücher in neuer Rechtschreibung angeschafft.“ Dafür gab es die Bürgermedaille der Stadt. (15.7.09)
Vielleicht hat man diese neuen Bücher inzwischen wegen der doppelten Revision auch schon wieder ersetzt? Dafür gibt es bestimmt bald eine zweite Medaille.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 27.06.2009 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14697

Um zum letztenmal (gewissermaßen als Ergänzung zu 933#14671) auf den „Struwwelpeter“ zurückzukommen, und um gleichzeitig auch zu zeigen, wie sehr sich die Illustrationen des Erstdrucks von 1845 (tatsächlich erschien das Buch ohne Jahreszahl) von den heute bekannten, jedoch arg geglätteten, unterscheiden, erlaube ich mir den Hinweis auf die Frankfurter Universitätsbibliothek zu setzen:

http://www.ub.uni-frankfurt.de/wertvoll/erstausgabe.html

Man sieht die spätere Titelfigur, die hier in der ersten Gestalt noch an letzter Stelle des Bändchens steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2009 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14673

Die Wirkung von Büchern und Bildern aufs kindliche Gemüt ist sehr vielfältig, oft stark und unvorhersehbar. Angst muß nicht unbedingt schädlich sein. Bruno Bettelheim und andere haben jeweils auf ihre Art ziemlich viel Beherzigenswertes dazu gesagt. Den Struwwelpeter haben wir Geschwister, wenn ich mich recht erinnere, ohne große Angst immer wieder gern gehört und gesehen. Einer meiner Brüder hatte dagegen Angst vor der Ubbelohdeschen Illustration zum "Rumpelstilzchen". Eine meiner Töchter wollte um keinen Preis ein bestimmtes – naturgemäß völlig harmloses – Bild in einem "Kinderduden" (noch unreformiert!) betrachten, es mußte immer überschlagen werden. Viele werden ähnliche Erinnerungen haben. Das alles gehört zum Leben, und ich möchte es ausdrücklich gegen kleinmütige Besserwisser verteidigen, die all solche Erlebnisse von vornherein unmöglich machen wollen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 23.06.2009 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14672

Zum Aussortieren, besonders in den Schulbüchereien, ohne Ersatz (#14662): Ich habe das Gefühl (die Furcht) — aufgrund von allerdings wenigem, aber mir reichendem Hineinhören in Gespräche —, daß da oft Leutchen aussortieren, die gar nicht unbedingt gelesen haben und deshalb nicht wissen und politisch korrigiert gar nicht wissen wollen, was sie da entfernen. Und sie haben daher auch kein Gespür dafür, welche Eintagsfliegen sie da auf Kosten der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen stattdessen anschaffen. So vergeht eben einige Kultur. Wie T.P. schon ganz richtig fragte (#10918): "Was ist das eigentlich für ein Denken, daß Bücher ein Verfallsdatum haben?"
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 23.06.2009 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14671

Lieber Herr Paulwitz,

auf diese merkwürdige Praxis von Random House habe ich im Diskussionsforum schon einmal anläßlich des Kinderbuches "Peterchens Mondfahrt" hingewiesen. Für Eltern, die ihre lieben Kleinen vor der Unbill der besseren Orthographie des 20. Jahrhunderts zu schützen suchen, ist diese arglistige Täuschung des Verlages natürlich ein Schlag ins Gesicht. Mir zeigt es vielmehr die Dummheit von Random House.

http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4822

Wo ich übrigens gerade noch einmal indirekt beim "Struwwelpeter" bin: Eine echte Alternative zu allen Ausgaben von Esslinger oder Moewe (ist glaube ich noch in herkömmlicher Orthographie zu haben) stellt tatsächlich der von mir schon erwähnte Reprint des Inselverlages dar. Denn hier findet man die Texte und Bilder (!) in der Gestalt der ersten Auflage von 1845, die ganz erheblich von den heute bekannten Fassungen abweichen. Die Geschichten, die 1845 noch nicht erschienen waren, druckt die Inselausgabe (IB 66) ebenfalls in der jeweils frühesten Gestalt (Paulinchen und Zappel-Philipp aus der zweiten Auflage von 1846 und Hans Guck-in-die-Luft und der Fliegende Robert aus der fünften Auflage von 1847). Mit der fünften Auflage liegt dann auch die heutige Anordnung mit dem Struwwelpeter am Anfang vor. Diese heutige Anordnung behält die Inselausgabe bei, druckt aber die frühesten Texte und Bilder. Der Text ist zwar in Fraktur gesetzt, modernisiert jedoch die Othographie im Sinne der Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts. Also kein "Hanns Guck-in-die Luft", "Brod", "Muth", "Thränen", "Thor", "Noth" und "todt". Man darf daher bei Insel den "Reprint nach den ersten Auflagen" nicht ganz wörtlich nehmen. Es ist vielmehr ein Reprint der ersten Auflage der Insel-Bücherei Nr. 66 von 1933.

Auch wenn's nun ein bißchen viel geworden ist, mögen diese Informationen dem einen oder anderen Leser willkommen sein, weshalb ich die Redaktion um Nachsicht bitte.
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 23.06.2009 um 09.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14670

Im vergangenen Jahr habe ich in der Kinderbuchhandlung der Leipziger Buchmesse den "Struwwelpeter" erstanden. Dieses Buch ist im Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House, cbj, erschienen, der bekanntlich zu Bertelsmann gehört. Auf den Verlag habe ich beim Kauf nicht geachtet, mir war vor allem die Aufmachung wichtig, und daß die Rechtschreibung nicht verhunzt ist. Um so größer meine Verblüffung, als ich jetzt hinten im Drucknachweis las: „Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform“. Das stimmt nämlich überhaupt nicht.

Die starke Wirkung der Geschichten auf kleine Kinder läßt sich nicht bestreiten. Ich war selbst überrascht, denn ich kann mich nicht daran erinnern, daß die Geschichten mir seinerzeit selbst Furcht bereitet hätten. Daß ich mich nicht daran erinnern kann, muß aber nicht bedeuten, daß ich damals keine Furcht hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2009 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14662

Nicht in den Dudenwörterbüchern, wohl aber in "Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache" kommt das Wort Flusspirat vor. Es ist bekanntlich Titelwort eines vielgelesenen Abenteuerbuchs von Friedrich Gerstäcker, das seit einigen Jahren aus den Bibliotheken entfernt wird, ohne Ersatz, so daß es nur noch bei gutenberg.de zu lesen sein wird, also für die Jugend praktisch überhaupt nicht mehr existiert. Ach ja, die alte Verfilmung gibt es noch, aber nicht auf DVD. Karl May, gewissermaßen ein Schüler Gerstäckers, wird reformiert nachgedruckt, das Vorbild aber nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2009 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14620

Danke, Herr Höher! Ich hatte ja auch nachgesehen, dann aber irrigerweise angenommen, der Verlag zeige nur die Titelseite ...
Die Inselausgabe habe ich schon – gut, daß sie unverändert weitergedruckt wird!
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 14.06.2009 um 00.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14619

Der Vollständigkeit halber noch ein Nachtrag zum "Struwwelpeter", denn die Erwartungen von Herrn Ickler werden nicht enttäuscht. Die neue Ausgabe von Peter von Matt, die bei Reclam erschienen ist, druckt die Fassung von 1859 (der Erstdruck erschien 1845) in Originalorthographie. Reclam gestattet hier einen Blick ins Buch: http://www.reclam.de/data/blickinsbuch/978-3-15-018569-8.pdf
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 13.06.2009 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14618

Was die zahlreichen Billig-Nachdrucke vom "Struwwelpeter" betrifft, so haben Sie zweifelsohne recht, Herr Ickler. Aber zum Glück gibt es bei Insel noch immer den "Reprint nach der ersten Ausgabe", der als hübscher Band der Insel-Bücherei (IB 66) zudem auch als Geschenk bestens geeignet ist. Außerdem ist meiner Erinnerung nach auch die dreibändige Werkausgabe (tatsächlich eher in Einzelbänden!) desselben Verlages in herkömmlicher Orthographie gedruckt, weil die Bände allesamt aus den 80er Jahren sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2009 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14617

Das gigantische Unternehmen der Büchervernichtung und des nun schon mehrmaligen Umarbeitens und Neudruckens entspringt bestenfalls der Sorge, die Kinder würden einen Schaden erleiden, käme ihnen die "alte" Rechtschreibung unter die Augen.
Der Schaden wird lediglich vermutet, es gibt ja keinerlei Nachweise. Das erinnert mich an den ebenfalls nur vermuteten Schaden, der in Kinderseelen durch die Klassiker der vermeintlich "schwarzen Pädagogik" angerichtet wird. Ich denke natürlich aus gegebenem Anlaß an den Struwwelpeter – Heinrich Hoffmann ist vor zweihundert Jahren geboren, und die "Süddeutsche" bespricht heute Peter von Matts Neuausgabe bei Reclam. Es gibt massenhaft Kritik an Hoffmanns Werk, angeblich wirkt es traumatisierend auf Kinderseelen – eine verständige Betrachtung in der Rheinischen Post weist darauf hin, daß es dann Hunderte von Millionen traumatisierter Menschen geben müßte, denn so hoch ist die weltweite Gesamtauflage inzwischen. Manche scheinen auch zu denken: "Mir hat es zwar nicht geschadet, aber meinen Kindern würde ich es nie in die Hand geben." Wie bei der Rechtschreibung ...
Sogar die Mohrengeschichte wird ja verdammt, anscheinend wegen der bloße Erwähnung des Mohren, denn eigentlich kommt der Schwarze doch ganz gut dabei weg, jedenfalls für die damalige Zeit, als es in den USA noch Sklaven gab. Den Denkzettel bekommen die hochnäsigen weißen Buben ... (Für Grimms Märchen könnte man eine ähnliche Betrachtung anstellen.)
Soweit ich sehe, sind praktische alle Neudrucke auf Reformschreibung umgestellt, von der Reclam-Ausgabe erwarte ich es nicht, habe sie aber noch nicht gesehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2009 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14585

„Bücher mit alter Rechtschreibung werden rigoros ausgemustert. Sehr viele schöne neue Bücher wurden angekauft.“ (Ebener Gemeinde-Nachrichten Winter 2008) (Österreich)

„Derzeit sollen vor allem Kinder- und Jugendbücher in alter Rechtschreibung ausgemustert werden.“ (Bad Vilbeler Anzeiger 5.3.2009 über die Stadtbücherei)

„Bücher mit alter Rechtschreibung wurden aussortiert ...“ (Deutsche Schule Madrid, Elternbrief März 2009)

„die Exemplare mit alter Rechtschreibung mussten raus“, sagt Erdmann. (Grundschule Südkirchen Ruhrnachrichten 1.4.09)

Auch aus der Neumarkter Stadtbücherei werden Bücher in alter Rechtschreibung aussortiert und billig verkauft. (Neumarkter Nachrichten 8.11.2008)
 
 

Kommentar von Red., verfaßt am 09.03.2009 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14039

Das Thema hier ist die Aussonderung von Literatur aus Büchereien.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 08.03.2009 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14032

Liebe(r) jueboe, das sind ja interessante Informationen über Frau Wanka, die Sie da haben. Ich hatte die Dame, die unter anderem in einer Fernsehsendung behauptete, durch die Reform sei das "ß" abgeschafft, immer für besonders ignorant gehalten. Vielleicht können Sie Ihre Meinung ja etwas näher erläutern?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 08.03.2009 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14030

Zu #14028: Ich kann diese Verteidigung der Frau Wanka (Professorin und was weiß ich alles und ohnehin nur krasse Außenseiterin in der Laienspielschar der Kultusminister) nicht teilen. Hier aus einem Interview (live am 19.7.2005 um ca 20.45 live bei NBC GIGA):

»Wanka: Ja, vielleicht ist es für diejenigen komplizierter geworden, die nach der alten Rechtschreibung aufgewachsen sind und jetzt die neuen Regeln nicht in der Schule gelernt haben. Aber ansonsten - nehmen Sie mal ein Beispiel: Früher mußte man immer überlegen, ist nun Schifffahrt jetzt mit drei "f" oder mit zwei "f". Das hängt davon ab, wie der Vokal betont wurde etc. Und jetzt ist klar, wenn es so eine Häufung von Konsonanten gibt, dann sind es immer drei. Das ist eindeutig einfacher.
Giga: Aber die "ss"- und "ß"-Regel ist nicht einfacher geworden, muß ich ganz ehrlich eingestehen.
Wanka: Doch, wir schreiben jetzt immer mit Doppel-"s"; - das ist also einfach!
Giga: Nein, es gibt auch noch Wörter, die noch mit "ß" geschrieben werden. "Außenminister" zum Beispiel!
Wanka: Ja, aber es ging gerade darum, — es war die Bemühung bei der Rechtschreibreform, es zu vereinfachen, und zwar mehr durch Regeln und nicht so sehr durch Einzelbeispiele, die man lernen muß. Ich glaube, es gibt nie eine Reform, gerade im Bereich der Sprache, in der Rechtschreibung, die allen gleichermaßen gut gefällt. Man muß dann immer irgendwann sagen, jetzt ist Schluß, jetzt einigen wir uns auf den Kompromiß, und das haben alle Kultusminister - alle Kultusminister! - von den 16 Bundesländern gemeinsam beschlossen, und ich denke, das war eine gute Basis, daß wir das jetzt überall in der Bundesrepublik einführen könnten, - auch in Bayern und in Nordrhein-Westfalen.
[...]
Giga: [...] Zum Schluß noch eine Frage: Nach welcher Rechtschreibung schreiben Sie eigentlich, nach der neuen oder nach der alten?
Wanka: Ja, im Beamtenbereich, also im Verwaltungsapparat schreiben wir nach der neuen Rechtschreibung; und ansonsten habe ich jetzt eine Position, eine Dienststellung, wo ich weniger schreibe und mehr spreche.
Giga: Ok, ich versteh das ganze! Frau Wanka, danke, daß Sie uns Rede und Antwort gestanden haben, [...]!«

Professorin hin und Professorin her; hier jedenfalls sieht die Arme bestenfalls wie die aus dem Kreis der Laienspielschar gewählte Sprecherin der Laienspielschar aus. Das mit dem weniger Schreiben und mehr Sprechen ist ihr deshalb abzunehmen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 08.03.2009 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14029

Zu #14026, #14023, #14022, #14017, #13858, #13724 usw.:
Ich bin wirklich erstaunt, wie sehr und schön wir hier solches Gebaren wahrnehmen und verzeichnen, aber ich frage mich ehrlich, wieso derartiges Entrüsten nicht den lokalen Zeitungen, auch den Schülerzeitungen, auch Hausmitteilungen von Bibliotheken und anderen relevanten Kulturinstitutionen, geschrieben wird, immer wieder. Da muß man eben auch auf die Dörfer gehen und da auch — auch im Namen guter demokratischer Haltung und guten demokratischen Lebens — darauf hinweisen, daß hier Leutchen in Verantwortungspositionen am Werkeln sind, die doch offenbar nicht die geringste Voraussetzung mitbringen, hier verantwortlich zu handeln. Wo's ums Geld geht, da verstehen auch der einfache Bürger und seine Frau etwas. Und zu denen gilt es durchzudringen, auch zu den Schülern der oberen Klassen, die ja wählen dürfen oder bald wählen dürfen. (Und helfen würde hier in unserer Diskussion schon etwas, wenn die angesprochenen Fälle genau belegt würden, so daß man gleich an die lokalen Behörden schreiben kann!)
Wir wissen, klar, daß "die Süddeutsche Zeitung, aber auch die FAZ" (und das Springer-Imperium ja sowieso) nichts "zum Thema Rechtschreibreform [...] abgedruckt" haben wollen. Aber da gibt's doch auch anderes im öffentlichen Leben, wo Leute dem Selbstinteresse der Hochmächtigen auf die Finger schauen, — und mich stört's dabei gar nicht, wenn die das sensationslüstern tun; ich unterscheide nämlich zwischen Sensationslust aus Mangel an Information und Sensationslust, die auch zu etwas Wichtigem ihre Stellung nimmt. "Man kann nicht oft genug [an unseren Rechtschreibmißstand] erinnern, weil die spätere Geschichtsschreibung diese Lücke vielleicht gar nicht entdecken wird." Natürlich nicht. Aber Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Hic Rhodus, hic salta!
 
 

Kommentar von jueboe, verfaßt am 08.03.2009 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14028

zu #14023

Das berühmte Zitat von Johanna Wanka war als Backpfeife gegen die eigenen Kultusministerkollegen gedacht, gegen die sie trotz des Vorsitzes der KMK machtlos war.
Sie hätte sich diesen Satz mit Sicherheit verkniffen, wenn er ihre eigene Sicht der Dinge widergespiegelt hätte.
Nein, sie wollte ihrem Ärger und ihrer Frustration Luft machen und zeigen, mit wem man es bei dieser Laienspielschar zu tun hat. Als Professorin war sie in eben dieser Laienspielschar ohnehin nur krasse Außenseiterin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2009 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14026

Dem Versagen der sogenannten Pädagogen, die sich stolz vor ihren leergeräumten Bücherregalen "platzieren", entspricht das Verhalten der Zeitungen, über das ich mich gar nicht genug wundern kann. Ist es nicht so, daß die Süddeutsche Zeitung, aber auch die FAZ, seit fast genau einem Jahrzehnt keinen einzigen Leserbrief zum Thema Rechtschreibreform mehr abgedruckt haben? Ein paar Artikel über das Wirken des Rechtschreibrates (vor allem von mir Verräter) sind in der SZ dank Thomas Steinfeld noch veröffentlicht worden, aber seither herrscht absolute Stille. Gibt es ein anderes Thema, bei dem so verfahren wird? Wir müssen folgern, daß die Rechtschreibung das größte Tabu unserer Zeit ist. Die Ausrede, es interessiere die Menschen nicht, kann man nicht ernst nehmen. Über Modeschauen, drittrangige Theateraufführungen usw. wird lang und breit berichtet, und auch das Kabarett bestätigt, daß Rechtschreibreform noch immer als Skandal im allgemeinen Bewußtsein gegenwärtig ist.

Dieses angeordnete Schweigen überzieht auch alle schulpädagogischen und bildungspolitischen Beiträge mit einem Schleier der Unglaubwürdigkeit. Man fragt nebenbei immer: War da nicht noch etwas?
Man kann nicht oft genug daran erinnern, weil die spätere Geschichtsschreibung diese Lücke vielleicht gar nicht entdecken wird.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 07.03.2009 um 20.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14024

Vielleicht kommt demnächst noch die Abwrackprämie für "alte" Bücher. Ich halte inzwischen alles für möglich.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 07.03.2009 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14023

Wenn ich Geschichten wie die über den Rektor Peter Bonnen lese, leuchtet mir Johanna Wankas Rede von der Staatsraison ein. Eine Rücknahme der Reform hätte das Weltbild des Pädagogen zerschmettert. Und Leute wie er bilden nun einmal das Rückgrat unseres Gemeinwesens – zumindest in den Augen von Leuten wie Johanna Wanka.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2009 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14022

Das eigentlich Unfaßbare besteht in der völlig aberwitzigen Überschätzung der Orthographie – eine paradoxe Folge der Rechtschreibreform. Es macht erwachsenen Menschen offenbar gar nichts aus, ganze Bibliotheken auf den Müll zu werfen, nur wegen ein paar "ß". Der gesamte Unterricht und die Jugenbildung werden dem Fetisch Rechtschreibung untergeordnet, noch dazu einer Rechtschreibung, von der wir wissen, daß sie keinen Bestand haben wird. Die Kultusministerien können ruhig bekanntgeben, so sei es nicht gemeint gewesen – so kommt es jedenfalls bei Lehrern an, denen man das eigenständige Denken und Entscheiden längst ausgetrieben hat.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 06.03.2009 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14020

"... unisono für zu doof erklärt ..."
Genau das frage ich mich auch schon seit langem. Der früheren, offenbar viel klügeren Schülergeneration bei Einführung des Neuschriebs wurde nämlich zugemutet, sich gewissermaßen in wenigen Tagen die Heysesche Schreibung anzugewöhnen – um die dürfte es doch wohl vor allem gehen.
Bei der Einführung nahm man keine Rücksicht auf die Kinder, Rücksicht, die jetzt ständig eingefordert wird. Damals brauchte man nach verquerer Reformer- und Reformbefürworterlogik keine Rücksicht zu nehmen, denn es war ja keine brachiale Umstellung, sondern ERLEICHTERUNG.
Auch scheinen diese Büchereiensäuberer damit zu rechnen, daß die Kinder NUR diese Bücher, die der reinen Rechtschreiblehre entsprechen, lesen. Vielleicht setzt man ihnen außerhalb der Schule Scheuklappen auf.
Dieter E. Zimmer hat 1997 noch, die Reform bejubelnd, geschrieben:
"Wenn China eines Tages von seinen Logogrammen zum lateinischen Alphabet übergehen sollte, würden die traditionell geschriebenen Texte für die meisten Chinesen unlesbar ... Die deutsche Rechtschreibreform ist keine Zäsur dieser dramatischen Art, nicht im entferntesten. Ihre vorsichtigen Reparaturen werden keinen vorreformatorischen Text plötzlich alt aussehen lassen. Man wird sie kaum bemerken."
Was mag er heute dazu sagen??
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 06.03.2009 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14019

Ich bin mit dem Beamtenrecht nicht so vertraut, daß ich das sagen könnte. Reicht diese kultusministerliche Vorgabe aus für eine Dienstaufsichtsbeschwerde, wenn Schulbüchereien Bücher nur oder vorwiegend wegen der Orthographie austauschen?
Ist daraus auch juristisch ableitbar, daß, wenn sie nicht einmal für Schulbücher maßgeblich ist, die Rechtschreibung für die Belletristik in den Bibliotheken erst recht nicht entscheidend sein kann?

Was ich mich allerdings am meisten frage, ist, warum sich kein Elternverband dagegen wehrt, daß die Schüler unisono für zu doof erklärt werden, mit der sog. Alten Rechtschreibung klarzukommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2009 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14018

Aus dem Amtsblatt des hessischen Kultusministeriums:

"Umgang mit der Rechtschreibreform
1. Alle in den Schulen vorhandenen Schulbuchbestände können bis zum üblichen Erneuerungszeitpunkt benutzt werden. Kein Buch muss ausgesondert oder vorzeitig ersetzt werden, nur weil es die alte Schreibweise enthält.
Mehrbedarfsanträge dürfen daher weder direkt noch indirekt mit Anschaffungen rechtschreibreformierter Bücher begründet werden.
2. Um die Vermittlung der neuen Rechtschreibregeln zu erleichtern, bietet es sich an, im Rahmen der verfügbaren Mittel möglichst rasch den Bestand an Sprachbüchern für das Fach Deutsch zu erneuern. Bei Anschaffungsentscheidungen sollten diese daher Priorität haben.
3. Für bisher schon zugelassene Schulbücher, die nur hinsichtlich der Rechtschreibreform überarbeitet wurden, werden folgende weitere Hinweise gegeben:
a) Bei Sprachbüchern für das Fach Deutsch ist nicht nur die Anpassung an die neue Schreibweise erfolgt, sondern auch der Regelteil verändert worden. Alte und neue Ausgaben sind mit Einschränkungen nebeneinander verwendbar.
b) Dagegen wurde in den Büchern für andere Fächer in der Regel (außer unerlässlichen Korrekturen) nur die Anpassung an die neue Schreibweise vorgenommen. Die Ausgaben sind ansonsten identisch und können uneingeschränkt nebeneinander benutzt werden.
4. Soweit in den Schulbüchern Fremdtexte verwendet werden, ist es möglich, dass eine Umstellung noch nicht erfolgt ist bzw. nicht erfolgen wird.
5. Sobald in diesem Zusammenhang Entscheidungen getroffen wurden, Schulbücher für ein bestimmtes Fach und eine bestimmte Jahrgangsstufe zu ersetzen, sollte von der Möglichkeit der Aussonderung der alten Bestände nach der Verordnung über die Durchführung der Lernmittelfreiheit Gebrauch gemacht werden. Den Schülerinnen und Schülern, die zur Aussonderung vorgesehene Bücher als letzte im Rahmen der Ausleihe benutzen, können Eintragungen erlaubt werden."

(Lernmittelfreiheit im Schuljahr 2008/2009 an allgemein bildenden [!], beruflichen Schulen und Schulen für Erwachsene - Amtsblatt-Sondernummer des Hessischen Kultusministeriums)

Aus dem Jahresbericht der UB Bamberg 2004:

"Literaturaussonderung
Der Schwerpunkt der Literaturaussonderung lag im Berichtszeitraum mit 3.186 Bänden bei der Schulbuchsammlung der Teilbibliothek 2. Gut 10 % dieses häufig genutzten und mittlerweile auch vollständig im OPAC recherchierbaren Teilbestandes erwiesen sich bei einer kritischen Sichtung als entbehrlich. Als eine Hauptursache sind die Lehrplanreformen der letzten Jahre mit zum Teil erheblichen Paradigmenwechseln in verschiedenen Fächern zu nennen, der andere wesentliche Grund ist die in der öffentlichen Diskussion weiterhin heftig umstrittene Rechtschreibreform. Trotz dieser überwiegend mit guten Argumenten vorgebrachten Kritik geht die Universitätsbibliothek davon aus, dass es in den Schulen keine Rückkehr zur alten Schreibweise geben wird. Sie hat sich daher von einem erheblichen Teil der nach der alten Orthografie gestalteten Schulbücher getrennt. Die Gesamtzahl der ausgesonderten Einheitenbetrug 3.331 (2003: 3.460)."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2009 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#14017

Eine besondere Blüte treibt die Dummheit im Hochsauerland:

Neue Bücher gesucht

Fleckenberg, 11.02.2009

Wer sich in der Bücherei der Grund­schule Flecken­berg zurzeit ein Buch ausleihen möchte, steht vor fast leeren Regalen. "Vor zwei Wochen haben wir mit zwei Prak­ti­kan­tinnen des Gymna­siums unsere Bücher aussor­tiert, die noch die alte Recht­schrei­bung bein­hal­ten", erklärt Schul­leiter Peter Bonnen. Das Ergebnis: mehr als die Hälfte der Bücher sind nicht mehr zeit­gemäß.
(Foto, darunter steht:)
Peter Bonnen räumt die wenigen Bücher ein, die nach der Durchsicht übrig geblieben sind. Die leeren Regale sollen nun schnell wieder gefüllt werden.

"Das war schon längst überfällig, denn Kinder merken sofort wenn ein Wort anders geschrieben ist", weiß Peter Bonnen. Gefunden hat er unter anderem alte Schätzchen wie "Ferien auf Saltkrokan" von 1964. "Solche Bücher dürfen wir Kindern nicht mehr in die Hand geben", betont er.
Da der Schuletat knapp bemessen sei und für viele andere Dinge wie Möbel oder Unterrichts-Materialien verwendet wird, sucht die Schulleitung gemeinsam mit dem Förderverein der Schule neue Bücher. "Wir werden ein Rundschreiben an die Eltern schicken, mit der Bitte nachzuschauen, ob sie Bücher erübrigen können, die für Grundschüler geeignet sind", so Bonnen.
Die Schüler und Lehrer freuen sich aber auch über Bücherspenden von außerhalb. Wer also geeignete Bücher (Druckdatum: ab 2000) besitzt, kann diese gerne in der Schule abgeben. Auch über finanzielle Unterstützung freut sich die Schule. Denn wie in anderen Schule steht auch hier die Leseerziehung im Mittelpunkt. "Und mit der Bücherei wollen wir gegen die Lesearmut ansteuern", erzählt der Schulleiter.
Lehrer wie auch Eltern möchten nun so schnell wie möglich die Bücherei wieder bestücken. "Hier finden regelmäßig Lesestunden mit Eltern statt und die Schüler können sich natürlich auch Bücher ausleihen. Und das soll möglichst bald wieder so sein", fügt Peter Bonnen hinzu.
Damit den Kindern schnell wieder viele interessante und abwechslungsreiche Bücher angeboten werden können, freut sich Peter Bonnen auf möglichst viele Bücherspenden.


Soweit die Meldung. Ich weise nur auf zwei Ungereimtheiten hin: "Kinder merken sofort, wenn ein Wort anders geschrieben ist." Wenn das so ist, kann doch die Lektüre traditionell gedruckter Bücher nicht viel schaden, oder? Und was soll das Stichdatum 2000? Weiß der Schulleiter nicht, daß gerade nach diesem Jahr die beiden Revisionen stattgefunden haben, so daß auch fast alles danach Gedruckte vernichtet werden müßte?
Man kann sich richtig vorstellen, wie der Schulleiter und seine zwei Praktikantinnen am Ende ihrer Aktion hochzufrieden vor den "fast leeren Regalen" standen! Wer selbst einen Blick darauf werfen möchte: http://www.sauerlandkurier.de/druckansicht/1_129_76871.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2009 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13858

Die Schulbücherei von Porta Westfalica-Kleinenbremen meldet: "Die Schulbücherei freut sich übrigens über Bücher-Spenden aller Art. Einzige Voraussetzung: Sie müssen in der neuen Rechtschreibung erschienen sein."
Darf man fragen, in welcher neuen Rechtschreibung? Alles, was zwischen 1996 und 2006 gedruckt wurde, ist ja noch schädlicher als die – wenigstens sprachlich einwandfreie – nichtrefromierte Literatur. Und Klassiker wie der von mir gern genannte Friedrich Gerstäcker können nun gar nicht mehr gelesen werden: solche Bücher werden aussortiert, Spenden werden zurückgewiesen.

Übrigens: Wenn wir nach und nach eine Liste von Jugendbüchern zusammenstellen könnten, die nicht mehr umgestellt werden und damit für unsere Kinder endgültig verlorengehen, könnten wir damit vielleicht manchen Verantwortlichen zum Nachdenken bringen ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2009 um 18.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13724

Die Goslarsche Zeitung berichtet von strahlenden Gesichtern:

"Braunlage. Strahlende Gesichter voller Vorfreude gab es schon am Silverstermorgen, als die GZ-Glücksschweinchen reißenden Absatz fanden und die Verkaufssumme nach oben kletterte. Die Trinitatisgemeinde und die Bücherei der Wurmbergschule sind diesmal die Begünstigten.
Ehrenamtlich wird die Bibliothek der Schule betreut. Katja Janßen hat vor wenigen Wochen dieses Amt übernommen. Und jede Menge Bücher mit alter Rechtschreibung stehen in den Regalen. „Das können wir jetzt ändern“, strahlte Schulleiterin Maren Kolb, die das Geld stellvertretend für Elternratsvorsitzende Claudia Seele entgegen nahm."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2008 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13465

In den Salzburger Nachrichten regt sich Anton Thuswaldner darüber auf, daß sich Ludwig Laher über die Rechtschreibreform aufregt. Nun, Laher kennt sich mit der Reform und den Tricks ihrer Durchsetzung aus und nimmt die Sache so ernst, wie sie es verdient.
Immerhin hat Thuswaldner offenbar meine Dokumentation in den Wiener Sprachblättern gelesen und schreibt:
"Und befremdlich ist, wenn über die Schreibregeln nach dem Befehlen-Gehorchen-Prinzip befunden wird. Das zeigt das Beispiel der Säuberung von Schulbibliotheken, aus denen jene Bücher entsorgt werden, die nicht den Maßstäben der aktuellen Rechtschreibung entsprechen."
Eine sehr maßvolle Erregung. Aber was soll man machen, wenn man gezwungen ist, in Reformschreibung zu veröffentlichen?
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 12.11.2008 um 19.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13429

Ein Wort, das ich einmal gegen die Digitalisierung von Literatur habe sagen hören, scheint mir hier noch treffender:

kalte Bücherverbrennung
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2008 um 18.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13428

Die katholische öffentliche Bücherei in Münster-Gelmer ist wiedereröffnet, bittet aber, von Bücherspenden abzusehen: „Durch die Rechtschreibreform können wir ältere Bücher einfach nicht verwerten.“
Recht so! Lieber gar nichts lesen als die gesamte klassische Literatur!

(Wer Kinder und Jugendliche mit Büchern versorgt, "verwertet" doch diese Bücher nicht! Das klingt ja wie "an die Schweine verfüttern".)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2008 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13344

Auch im österreichischen Voitsberg ist die Stadbücherei um 5.000 Bände erleichter worden. Die Leiterin sagt: . "Es werden solche Bücher für den Flohmarkt freigegeben, die zerlesen oder noch nach der alten Rechtschreibung verfasst sind."
Herzlichen Glückwunsch!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2008 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#13185

In den neuen Wiener Sprachblättern ist meine Dokumentation „Ausgemistet“ abgedruckt. Reformgroßvater Otto Back verteidigt im selben Heft sein Enkelkind, besonders die Heysesche s-Schreibung (schreibt aber "daß", übrigens auch "soviel" und "die Ergebnisse waren nicht voll zufrieden stellend"), mit hanebüchenen Argumenten, auf die ich hier nicht mehr einzugehen brauche. Dudenredakteur Ralf Osterwinter verteidigt in einem Leserbrief die gemäßigte Kleinschreibung; er schätzt den zugegebenen Verlust an Lesegeschwindigkeit (4,5 bis 6,25 Prozent) als nicht so bedeutend ein, daß man sich mit der „unlernbaren“ GKS plagen müßte. (Osterwinter ist für den Schweizer Schülerduden mitverantwortlich.) Unlernbar war die bisherige GKS nur, wenn man die Dudenhaarspaltereien als Bezugsgröße annahm. Schriftleiter Gottfried Fischer unterzieht Hans Haiders Büchlein „Schreibfrieden“ einer vernichtenden Kritik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2008 um 18.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#12272

Nebenbei: Ist es nicht merkwürdig, daß ganze Bibliotheken weggeworfen werden, nur damit die Kinder nicht die eine andere Einzelheit aus der "alten" Rechtschreibung übernehmen und dann im Diktat gelegentlich einen "Fehler" machen (im streng legalistischen Sinn unserer Schulaufsicht)? Ist denn die Literatur um der Orthographie willen da? Hat es je eine krassere Überschätzung der Rechtschreibung gegeben als nun im Gefolge der Rechtschreibreform, die doch ganz das Gegenteil bezweckte?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2008 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#12215

Inzwischen sind ja noch mehr Siegesmeldungen eingegangen, als jüngste diese aus Falkensee, nach einem Bericht der Märkischen Allgemeinen:

"Von 1997 bis 2007 schrumpfte der Bestand an Medien (Bücher, CDs, Videos, DVDs, Spiele, Periodika) ziemlich drastisch, und zwar von 30 189 auf 25 857 – umkehrt proportional der Bevölkerungsentwicklung, denn die Bürgerschaft wuchs in diesen zehn Jahren von 27 505 auf 38 376.
Christiane Radon, die Leiterin des Hauses, erklärte, warum das so ist: Einerseits mussten viele Kinderbücher aussortiert werden, da sie nicht mehr der neuen Rechtschreibung entsprachen. Andererseits unterliegen die Medien bei der hohen Umschlagzahl (im Vorjahr wurden 117 800 Entleihungen registriert) einem hohen Verschleiß. Für Ersatz reicht das Geld kaum aus, denn obwohl die Stadt ihren Etat für neue Medien sanft, aber kontinuierlich anhob (auf 18 000 Euro 2008), bekommt sie immer weniger für ihr Geld."
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 11.05.2008 um 14.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#12106

In der Tat sind einige Parallelen einfach nicht zu übersehen.
 
 

Kommentar von jueboe, verfaßt am 11.05.2008 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#12105

Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai

Dieses Datum ist wie der 20. Juli eine Gelegenheit, in der sich unsere Entscheidungsträger und die für die Reform Verantwortlichen in großen Fensterreden und der Produktion von Seifenblasen üben.

Ungekrönter König der Seifenblasen dürfte unser Bundespräsident sein. Er setzt hier Maßstäbe. Zitat: "Es war eine freiwillige Selbstaufgabe des Geistes, wie sie in zivilisierten Staaten beispiellos ist" (Quelle: ZEIT online, 09.05.2008).

Für jemanden, der Reformgegner wie dumme Schuljungen abkanzelt (Aufruf an den Bundespräsidenten der Bürgerinitiative "Wir gegen die Rechtschreibreform" vom 20. Juni 2007), ist dieser Spruch schon ein starkes Stück. Ist denn die RSR nicht auch "eine freiwillige Selbstaufgabe des Geistes", die er als Inhaber des höchsten Amtes im Staat mitträgt und auch mitzuverantworten hat, weil er das Thema RSR einfach ausblendet und verdrängt?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 20.04.2008 um 22.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11954

Die stereotype Aussage, Bücher in herkömmlicher Orthographie "verwirrten" die Kinder, verhilft mir immer wieder zu einer Art grimmiger Befriedigung. Deutlicher läßt sich gar nicht, jedenfalls nicht seitens einschlägig interessierter bzw. betroffener Kreise, das Eingeständnis formulieren, daß die vermeintlich alte Rechtschreibung mitnichten veraltet, in Wirklichkeit vielmehr die modernere ist.

Damals, als ich mich als Zweitkläßler durch ein Bändchen Hauff aus dem Nachlaß einer Urgroßmutter (ediert irgendwann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) durchbuchstabierte, lag meinen Eltern der Gedanke völlig fern, die Lektüre könne meinen Schulerfolg gefährden; eher werden sie das Gegenteil vermutet haben. Dabei hat mich die Frakturschrift – die ich seitdem wenigstens mühelos lesen kann – zunächst tatsächlich verwirrt.
 
 

Kommentar von Allgemeine Zeitung, 19.04.2008, verfaßt am 20.04.2008 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11953

Buchausleihe mittels Scanner
Schulbücherei in Ober-Olm mit neuem Konzept und besserer Ausstattung

OBER-OLM Der Mehrzweckraum war fast zu klein, so groß war der Andrang, als am Freitag die neue Bibliothek der Grundschule eingeweiht wurde.

Von Michael Heinze

Alle 160 Schüler, dazu viele Lehrer und Eltern hatten sich in dem großen Raum im Erdgeschoss eingefunden, um bei der feierlichen Eröffnung dabei zu sein. "Eine Bibliothek haben wir zwar schon seit 1997", sagte Schulleiter Dieter Kowollik. Aber dank des Engagements von Lehrern und Eltern präsentiert sich die kleine, aber feine Bücherei nun so attraktiv wie nie zuvor.

"Wir haben das Projekt finanziell unterstützt und insgesamt 3000 Euro zur Verfügung gestellt für einen neuen Computer, einen neuen Scanner und viele neue Bücher", berichtete Dr. Birgit Ullmann, Vorsitzende des Fördervereins. Dank des Einsatzes von Ullmann & Co. konnte außerdem ein neues Softwareprogramm zur Verwaltung der insgesamt 693 Bücher angeschafft werden. Die Palette reicht von Sachbüchern über Abenteuerbücher bis hin zu Krimis.

Ganz klar, dass auch die Geschichten von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder Wickie aus Flake dabei sind. "Für Spenden von gebrauchten, aber gut erhaltenen Büchern sind wir nach wie vor dankbar", erläuterte Ullmann. "Aber es müssen Bücher mit der neuen Rechtschreibung sein. Sonst führt das zu Verwirrung bei den Kindern." (...)

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/objekt.php3?artikel_id=3247736
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 27.02.2008 um 14.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11559

Zu #11241 (Th. Ickler):
"Nochmals meine Frage: Wer hat über die hier angeführten Zufallsfunde hinaus noch weitere Informationen über Aussortierungaktionen?"

Siehe dazu "Orthographische Säuberungen und wie sie schmackhaft gemacht werden" im Forum (http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=65).
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 01.02.2008 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11324

Die Grundschule Heeseberg in Jerxheim bei Braunschweig:
"In den Regalen stehen mittlerweile etwa 1200 Bücher, von denen gut die Hälfte noch aussortiert werden könnte. Die Rechtschreibreform und die aktuellen Lesewünsche der Kinder zwingen zum Handeln, meinen Förderverein und Schule."
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2161/artid/7914679
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2008 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11272

Auch die Altstadtschule (Grundschule) in Wedel freut sich über eine Spende. Denn wegen der Rechtschreibreform mußten alle Deutschbücher ausgetauscht werden, wegen der Euro-Umstellung alle Mathematikbücher. . "Unsere Lehrerinnen stimmen sich bei der Unterrichtsgestaltung ab und lassen die gleichen Klassenarbeiten schreiben, um gut vergleichen zu können - dafür sind gleiche Bücher Voraussetzung." Ja, natürlich, Mathematikaufgaben in Euro und in DM zu vergleichen ist fast unmöglich, besonders im "Jahr der Mathematik", ganz zu schweigen von der Rechtschreibung.
 
 

Kommentar von GL, verfaßt am 24.01.2008 um 20.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11254

Wo ist der Unterschied zwischen Büchern auf brennenden Scheiterhaufen in der Öffentlichkeit und Büchern, welche auf dem Müll landen und dort entsorgt und verbrannt werden?
 
 

Kommentar von GL, verfaßt am 24.01.2008 um 20.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11252

933#11249 / Frau van Thiels Frage vom 24.01.2008

Zum gesuchten Thema Bücherverbrennung oder auch Büchervernichtung geben Sie oben links unter Start den gewünschten Suchbegriff ein und drücken anschliessend auf Suche starten.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 24.01.2008 um 18.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11249

Eine Frage an die Redaktion oder andere Mitleser: Gab es hier nicht noch irgendwo einen anderen Strang (falls man das so nennt) zum Thema Büchervernichtung? Ich finde ihn einfach nicht mehr.
 
 

Kommentar von B.Eversberg, verfaßt am 24.01.2008 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11248

Wenn das stimmt, was Herr Mahlmann schreibt, wäre es weit schlimmer, als ich gedacht hätte, es wäre ungeheuerlich. Es liegen aber genügend unzweideutige Hinweise vor, daß Freveltaten begangen werden. In der Regel vermutlich aus Gedankenlosigkeit oder sogar "gut gemeint", aber es bleibt ein Skandal, daß dergleichen geschehen kann, in Medien sogar vielfach erwähnt, und kein Kulturverantwortlicher rührt einen Finger. Verbände und Gremien tun sich leider allzu schwer, etwas auf den Weg zu bringen! Schreiben Sie alle an Köhler, ein einzelner Brief eines einzelnen Bürgers richtet dort ja doch nichts aus. Schriftsteller schon eher – in Österreich hat's ja was gebracht. Es sind doch hier mehrere im Beirat! Finden die sich damit ab, daß ihre Werke womöglich ausgemustert oder gar nicht erst angeschafft werden in den Schulen?
 
 

Kommentar von Adelung, verfaßt am 24.01.2008 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11247

Sie schreiben alle nur, man sollte oder müßte... wer von Ihnen will denn nun wirklich etwas tun? Und wer tut dann auch was?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 24.01.2008 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11246

Ich bin noch auf der Suche nach den entsprechenden Unterlagen, aber ich habe von einem Erlaß der Schulbehörden in Hessen gehört, in dem die Schulbibliotheken aufgefordert werden, Bücher in alter Rechtschreibung auszusondern. Um das zu befördern, wird Geld für die Neuanschaffung außerhalb der normalen Zuwendungen gewährt.

Die verpflichteten Lehrer tun sich damit beileibe nicht durch die Bank leicht. Es werden sogar Schwarzbestände in "alter" Rechtschreibung verwahrt. Offenbar finden überdies Prüfungen statt, um sicherzustellen, daß alle mißliebige Literatur fort ist.

Verschont bleibt allenfalls Schriftgut von Nobelpreisträgern und die Weimarer Klassik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2008 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11241

Wenn es die Zwischenstaatliche Kommission noch gäbe, wäre sie wohl zuständig, denn sie sollte ja die Umsetzung der Reform beobachten. Dieser Auftrag ist gewissermaßen auf den Rechtschreibrat übergegangen. Man sollte also auch dessen Vorsitzenden und vielleicht ausgewählte Mitglieder ins Bild setzen (Herr Laher ist ja sowieso dabei, da er die österreichische Umfrage zur Büchervernichtung vorgelegt hat).

Nochmals meine Frage: Wer hat über die hier angeführten Zufallsfunde hinaus noch weitere Informationen über Aussortierungaktionen?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.01.2008 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11239

Mit eindringlichen Warnhinweisen, daß nur die allerneuesten Bücher die jetzt für die Schulen gültige Rechtschreibung enthalten können, wäre die nächste große Aussortierungswelle für alle Bücher, die vor 2006 gedruckt wurden, leicht anstoßbar. Wem gehören die eigentlich?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.01.2008 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11238

Zuständigkeit

Kontrollfrage: Würde sich die KMK auch dann für unzuständig erklären, wenn plötzlich in großem Stil Bücher in Reformschreibung aus Schulbüchereien aussortiert würden?
 
 

Kommentar von B.Eversberg, verfaßt am 22.01.2008 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11237

Gut wäre, wenn sich mehr als eine Person in dieser Sache äußerte.
(Außerdem dringt ein No-Name wie ich sowieso nicht zur obersten Hierarchiestufe vor.)
Gestern habe ich gleichwohl sofort den Brief erneut nach Berlin geschickt, mit der Adresse dieser Liste dazu und dem Zusatz:

"Leider hat auf den Versuch eines Ihrer Sachbearbeiter hin, die KMK zu einer Klarstellung zu bewegen, diese nur, wiederum auf Sachbearbeiterebene, sich für unzuständig erklärt. Das Schreiben füge ich als Kopie bei. In Österreich, so möchte ich ergänzen, gab es eine Anweisung an die Schulen, keine Bücher aufgrund der Reform auszusondern:
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/13278/rs_runds_28_04.pdf "
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 22.01.2008 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11236

Ich schlage vor, auf jeden Fall dranzubleiben und den begonnenen Faden nicht abreißen zu lassen, denn sonst entstünde der Eindruck, die Sache sei nicht so wichtig gewesen. Da die KMK-Sachbearbeiterin es für "vereinzelte Fälle" hält, in denen Bücher aussortiert wurden, wäre es wohl hilfreich, die Mühe nicht zu scheuen und ihr eine ansehnliche Reihe konkreter Fälle aufzulisten, verbunden mit der Bemerkung, daß dieses Vorgehen wohl eher die Regel als die Ausnahme sein dürfte. Und mit dem Hinweis auf die KMK als eine Einrichtung der Länder-Kultusministerien könnte man verlangen, daß sich die KMK selber kundig macht, denn Zuständigkeit und Verantwortung liegen in ihrer Hand.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 21.01.2008 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11230

Eigentlich ist diese Unzuständigkeitsauskunft doch das optimale Ergebnis; denn sie straft Hottes Sachbearbeiter Lügen oder wenigstens Mangels an Ortskenntnis im Kompetenzdickicht.

Ich würde die KMK-Antwort "zuständigkeitshalber" an das Präsidialamt zurückleiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2008 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11227

Die Sachbearbeiterin irrt. Da die KMK kein verfassungsmäßiges Organ des Bundes ist, sondern eine Einrichtung der Länder-Kultusministerien, ist sie sehr wohl zuständig. Es wäre ihre Pflicht, den bekannt gewordenen Mißstand auf die Tagesordnung zu setzen bzw. setzen zu lassen. Das österreichische Kultusministerium hat eine entsprechende Stellungnahme herausgegeben, wie bereits angeführt.
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 21.01.2008 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11226

KMK auch nicht zuständig: Auf mein von Köhlers Amt "zuständigkeitshalber" weitergeleitetes Schreiben teilt mir eine Sachbearbeiterin der KMK dies mit:

"Sicherlich wird es in vereinzelten Fällen vorkommen, dass Schulbücher aus Schulbibliotheken aussortiert werden, weil sie nicht mehr den neuen Vorgaben der Rechtschreibung entsprechen. Dies ist jedoch in der Regel nur bei den Schulbüchern der Fall, die im Unterricht bzw. zur Vorbereitung des Unterrichts benutzt werden. Dieses Vorgehen ist verständlicherweise nachvollziehbar [!]. Mit Blick auf Belletristik und Sachliteratur hingegen erscheint mir [der Sachbearbeiterin] ein derartiges Verfahren nicht erforderlich [!]. Da die Beschaffung von Literatur und die Ausstattung von Schulbibliotheken jedoch in den Kompetenzbereich der Länder fällt, möchte ich Ihnen empfehlen, sich direkt an die jeweiligen Kulturverwaltungen (Adressen s. Anlage) zu wenden, die Ihnen in Bezug auf die konkret genannten Fälle sicherlich Auskunft erteilen können."

Meinem Schreiben war der Hinweis auf diese Seite beigefügt. Der KMK reicht dies also nicht einmal für eine Weiterleitung zuständigkeitshalber, ich soll gefälligst selber 16 Briefe auf den Weg bringen.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 19.01.2008 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11214

Diese Säuberungsaktionen sind vor allem eine Bestätigung für die Überlegenheit der herkömmlichen Orthographie: Wären die Reformschreibungen auch nur annähernd gleichwertig, könnten ihre Verfechter heute ganz gelassen in die Zukunft blicken. Sie glauben das aber offensichtlich nicht einmal selbst.

Neulich hatte ich beruflich mit einer Schule zu tun, die ihren Namen weiterhin heysewidrig mit "ß" schreibt, wie mir der Rektor ausdrücklich bestätigte: weil sie sich eben schon vor der Reform so schrieb. Das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und es in dem betreffenden Artikel ebenso gehalten.

Dann begann die Farce. Den Schlußredakteur konnte ich mit dem Hinweis überzeugen, es heiße schließlich auch auf dem zugehörigen Foto in dem Schriftzug über dem Schuleingang "ß" und nicht "ss"; er möge bitte darauf achten, daß das auch im Text so bleibt. Kurz darauf sein Rückruf: Der Korrektor (!) habe gegoogelt und den Internetauftritt der Schule gefunden, und dort stehe "ss". Nach erneuter Darlegung des Sachverhalts, Hinweis auf die Eigenheiten von Internetauftritten und zusätzlichem Hinweis auf den Telefonbucheintrag der Schule war er so weit beruhigt, den Korrektor ein zweites Mal anzuweisen, das "ß" unangetastet zu lassen. Kurz vor Feierabend holte ich den Artikel noch einmal auf den Schirm. Er wies tatsächlich alle von mir vorgesehenen "ß" auf und stand im Status Montage, hatte also die Katarakte des Korrektorats unbeschadet überstanden.

In der Zeitung war die Schule dann (außer auf dem Foto) trotzdem durchgehend reformiert. Auf meine Reklamation hin schwor der Schlußredakteur heilige Eide: noch als er den Seitenabzug abzeichnete, sei alles in Ordnung gewesen, er habe sich dessen eigens vergewissert. Also hat irgendein Irrer in einem Produktionsstadium in den Text eingegriffen, in dem das niemand mehr darf. Der Vorgang ist um so bemerkenswerter, als dem Betreffenden ernsthafter Ärger droht, wenn er identifiziert wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2008 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11213

Hoffentlich hat jeder bemerkt, daß in Unkel sogar die Lehrerbücherei expurgiert wurde! Die "alte" Rechtschreibung muß ein ganz gefährliches Gift sein.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 19.01.2008 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11211

Mainstream
nennt man es neudeutsch, bei dieser Sache dabei zu sein.
So ist das nun mal; es kommt nicht darauf an, was eigentlich gemacht wird, es kommt nur darauf an, es so zu machen, wie viele andere es auch tun. Das ist es, und nichts anderes.
Und klingen tut's auch "very sexy", den "alten Krempel" endlich auszumisten. Gott sei Dank sind wir all das altmodische Zeug nun los, an dem wenn überhaupt bestenfalls stockkonservative Ewiggestrige gefallen finden, sowas kann nichts für unsere heutige Schülergeneration sein …
 
 

Kommentar von jueboe, verfaßt am 19.01.2008 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11210

Schulleiter Michael Seim, der vor kurzem die Literatur mit alter Rechtschreibung aussortierte, ...

Hier sollte man vielleicht ein Exempel statuieren und eine Strafanzeige wegen vorsätzlichen Vernichtens von öffentlichem Eigentum erstatten.

Hierzu das Strafgesetzbuch:

§ 303 Sachbeschädigung

(1) Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.

(3) Der Versuch ist strafbar.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 18.01.2008 um 15.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11208

... und das alles, obwohl das Bundesverfassungsgericht am 29.7.1999 im Hinblick auf die Schüler urteilte:

Die Unterschiede zwischen herkömmlicher und neuer Schreibung sind geringfügig und beeinträchtigen die Lesbarkeit und Verwendbarkeit geschriebener Texte praktisch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2008 um 12.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11207

Am 5.7. 2006 wird aus dem österreichischen Altach berichtet:

"Reges Interesse unserer Schüler

Unser Buchbestand hat sich in diesem Schuljahr auf 3510 Stück erhöht. Über 150 Bücher wurden, da sie in alter Rechtschreibung waren, aussortiert. Dass die Bücher interessant, aktuell und dadurch auch viel gelesen werden, zeigt sich an den neuen Ausleihzahlen: Seit Jänner wurden insgesamt 3376 (!) Entlehnungen registriert – und das bei 240 SchülerInnen.

Wir freuen uns über diesen Erfolg!
Das Bibliotheksteam der HS Altach"


Und von der Grundschule in Unkel:

"12. Elternbrief 2004 / 2005
Unkel, 3. Mai 2005
Sehr geehrte Eltern,
(...)
Beim Umräumen der Lehrerbücherei wurden viele Bücher, z.B. Bücher mit alter Rechtschreibung, aussortiert.
Bevor diese Bücher weggeworfen werden, haben Sie am Freitag, dem 13.05.2005 zwischen 12.00 Uhr und 14.00 Uhr die Gelegenheit sich Bücher kostenlos auszusuchen. Vielleicht sind Bücher aus Ihrer eigenen Schulzeit dabei."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2008 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11205

Die Konrad-Adenauer-Gemeinschaftshauptschule Wenden berichtete am 19.09.07:

"Alte Schulbücher gehen

Bücher sind Schätze und manchmal enden sie trotzdem in der Altpapiersammlung. Im Bücherkeller, dem so genannten "Bunker", lagert Herr Helmes - der Meister aller Schulbücher an der KAS - tausende von Büchern, sowohl alt als auch neu. Während der Sommerferien sind die Regale im Keller mit Büchern gefüllt, welche die Schülerinnen und Schüler zurück gegeben haben, und wenn das neue Schuljahr beginnt, werden viele Bücher an die Schüler ausgegeben, für ein oder zwei Jahre, abhängig vom Buch und Fach. Bücher werden auch aussortiert, wenn sie verschlissen und zerrissen sind oder nicht länger an unserer Schule benutzt werden. Die Bücher im Bild wurden aussortiert, da sie entweder nicht länger in Gebrauch sind an der KAS oder noch die Rechtschreibung vor der Rechtschreibreform haben. Es gab zwei größere Rechtschreibreformen in den letzten Jahren und viele Deutschbücher sind damit nicht länger aktuell. Sie wurden jetzt als Altpapier entsorgt durch Herrn Schneider, der das Papier verkaufte und das Geld für wohltätige Zwecke ausgegeben wird."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2008 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11204

Über einen weiteren Fall von Vandalismus berichtet die HNA am 18.1.2008:

"Nagelneues zum Nulltarif

Förderverein der Johann-Heinrich-Schwalm-Schule sammelte 800 Euro für Bücher
Obergrenzebach. Madita, Pipi und Karlsson können sich die Schüler der Johann-Heinrich-Schwalm-Schule künftig mit nach Hause nehmen: Insgesamt 100 neue Bücher hat der Förderverein der Grundschule für die beiden Standorte Leimsfeld und Obergrenzebach angeschafft.

Den Wert schätzt die Vorsitzende Marion Blasius auf 800 Euro. Symbolisch überreicht wurde die Spende am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus Obergrenzebach.
Um eine kleine Bücherei aufzubauen, gingen die Mitglieder mit ihrer Idee buchstäblich hausieren: Brief um Brief verfasste Schriftführerin Barbara Scharf und verschickte die Anfragen an Verlage, den örtlichen Buchhandel, an Institutionen und die Gemeinde. Während es von großen Verlagen Absagen hagelte, wuchs die Bereitschaft in der Region, der Schule zu helfen. Viele kleine Spenden machten schließlich den Kohl doch fett: Der neue Fundus reicht von bekannter Kinderbuchliteratur, etwa dem Astrid-Lindgren-Paket von der Gemeinde Frielendorf, bis hin zu Wissensbüchern, gespendet von Stephanie Stirn vom Verlag Lies und Spiel.

Altes wurde aussortiert

Weitere Literatur zum Nulltarif ermöglichten mit einer Spende auch die Stadtbücherei Neukirchen, der Lions-Club Schwalmstadt, die Buchhandlung Hexenturm sowie das Buchhaus in Ziegenhain. Bei der Auswahl der Bücher verließ sich der Förderverein auf die Lehrer und auf Listen örtlicher Büchereien. Schulleiter Michael Seim, der vor kurzem die Literatur mit alter Rechtschreibung aussortierte, ist froh über die Idee des Fördervereins: 'Ohne ihn könnte sich das unsere kleine Schule niemals leisten.'"
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.01.2008 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11087

Verantwortungsbewußtsein? Eher ist davon auszugehen, daß die vorhandenen Meldungen über die Büchervernichtung nur die Spitze eines Eisbergs sind. Viele der Büchervernichter werden sich der schlechten Propaganda für die "Reform" soweit bewußt gewesen sein, daß sie wenigstens die Klappe halten konnten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2008 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11086

Vielleicht kann man die neue KMK-Vorsitzende ansprechen. Bei hinreichendem Verantwortungsbewußtsein hätte die KMK schon längst eine Erklärung herausgeben sollen, daß sie das Aussortieren von Bücher allein wegen der Rechtschreibung nicht gutheißt.
 
 

Kommentar von M. Schuchardt, verfaßt am 07.01.2008 um 13.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11085

@Herr Eversberg

Sie sollten den Bundesrechnungshof oder den Bund der Steuerzahler anschreiben. Angesichts von Büchereigebühren sowie Büchergeld für Schüler allerorten ist es eine unglaubliche Verschwendung, Bücher wegen fehlender Reformschreibung wegzuwerfen.

Das muß man mal denjenigen, die hier auf diesen Seiten und anderswo die Reformgegner als "radikal" beschimpfen, vorhalten. Hier würde niemand, hätte er die Macht die RSR entscheidend zu verändern, Bücher in Reformschrieb einfach aussortieren, deren Inhalt ansonsten wertvoll ist.

Die Radikalen sitzen nach wie vor in den Ministerien und Behörden, wo sie "hoch bezahlt" Schuld auf sich laden. Es mutet alles eher wie ein Alptraum in Huxleys BRAVE NEW WORLD an. Dort wurden ja alle Bücher und Zeitungen in den Archiven nach einer Gesetzesänderung so umgestellt, als hätte es das Gesetz immer schon so gegeben.
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 07.01.2008 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11084

Klar war das zu erwarten, aber jetzt haben wir schwarz auf weiß: Staatsoberhaupt reicht das Thema Bücherverbrennung weiter an die zuständigen Kultusminister. Unter anderen Umständen als den gegebenen würde fast jedes Massenmedium gerne was draus machen.
So bleibt es für uns nur ein Beleg für den Grad an Betroffenheit, die solche Geschehnisse noch auslösen können. (Daß man von der KMK nichts hören wird, kann man auch drauf wetten. Oder vom "Rat".)
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 07.01.2008 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11083

So war's zu erwarten.
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 07.01.2008 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#11082

Köhlers Amt teilte mir jetzt mit, man habe mein Schreiben (s. 927#10885) "zuständigkeitshalber an das Sekretariat der Konferenz der Kultusminister der Länder weitergeleitet".
Zuvor hatte der Sachbearbeiter nachgefragt, ob denn wirklich "Bücher allein aufgrund ihrer Rechtschreibung aussortiert worden sein sollen".
Worauf ich ihm als Beleg den Hinweis auf diese Seite übersandte.
 
 

Kommentar von Fundsache (18. 12. 2004), verfaßt am 11.12.2007 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10976

Siehe hier.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2007 um 10.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10973

Man könnte einmal alle Kinder- und Jugendbücher zusammenstellen, die nicht in reformierter (oder nicht in aktuellster reformierter) Orthographie erschienen sind, obwohl sie einen gewissen Wert haben und es bedauerlich wäre, wenn sie in Vergessenheit gerieten. Mit einer solchen Liste könnte man an die Ministerien herantreten. (Dies als Ergänzung zu meinem letzten Eintrag.)

Vielleicht könnten die Besucher dieser Seiten ihre Beobachtungen zu einzelnen Werken mitteilen, ich würde sie dann zusammenfügen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 10.12.2007 um 22.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10968

Auch aus Lünen kommt frohe Kunde. Dort ist in der Bücherei der Schule am Heikenberg die "Säuberung" bereits erfolgreich abgeschlossen.

Alle Bücher entsprechen der neuen Rechtschreibung!
Wir haben verschiedene Kategorien:
Sachbücher - Lexika
Kinder- und Jugendbücher

Abenteuer
Krimi
Lustig

Schüler und Lehrer besitzen eigene Leseausweise (jeweils mit Passfoto und Kennummer
[sic] versehen).

Mag ja auch sein, daß alle Bücher der neuen Rechtschreibung entsprechen, das fachkundige Personal beherrscht sie jedenfalls nicht. Auch bei den sogenannten Kategorien muß es jedem Bibliothekar gruseln. Was für ein Buchgenre soll denn "Lustig" bitte sein?

http://www.un.shuttle.de/un/schuleamhkbg/buecherei/buecherei_neu.htm

Lünen war hier übrigens schon einmal zu Gast. Am 14. März 2005 (213#455) als einziger Kommentar zum Eintrag "Sprachfähigkeit läßt nach". Wen wundert's bei einem Bestand von über 1100 Büchern in ausschließlich neuer Rechtschreibung. Aber dafür gibt es versteckt noch ein ganz neues Genre, die "Rückgabebücher". Ich frage gleich morgen mal meinen Buchhändler danach, ob er mir einen Titel empfehlen kann.

Schließlich noch der obligatorische Dank an die Mütter. "Ohne die Mütter wäre dieses Projekt schwer aufrecht zu erhalten!"
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.12.2007 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10967

Um die Trivialliteratur in den Schulbibliotheken ist es nicht schade. Aber wenn die Eltern Bücher vernichten, die im Unterricht oder in Schulbüchern in Originalschreibung gelesen werden, ist das unberechtigte Zensur und Benachteiligung von Schülern, die auf Schulbüchereien angewiesen sind. Es verwundert mich, daß die Lehrer zuschauen.

Zu Decknamen: Der rechtspolitische Sprecher der Union, Jürgen Gehb, MDB, hat gesagt: "Der Schutz der Privatsphäre ist zu einem Schutzschild für Verbrecher geworden, das Deutschland zu einem Biotop für Terroristen und organisierte Kriminelle macht." – Zuviel der Ehre, Herr Abgeordneter!
 
 

Kommentar von www.literaturhaus.at, verfaßt am 10.12.2007 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10965

Rechtschreiben und -lesen um jeden Preis?
Der Autor Ludwig Laher hat eine Studie gestartet, die belegt, daß an heimischen Schulen, Bücher, die nicht in der neuen Rechtschreibung verfaßt sind, in den Schulbibliotheken oftmals einfach aussortiert werden. Lesen Sie die Studie und eine gemeinsame Stellungnahme der IG Autorinnen Autoren und von Ludwig Laher.

IG-Studie belegt "Säuberungswelle" in Büchereien an Volksschulen
Orthographie besiegt Inhalt: An drei Viertel aller Pflichtschulen Klassenlektüre nur noch in neuer Rechtschreibung.

http://www.literaturhaus.at/headlines/2004/12/13/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2007 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10964

Wenn wir eine ansehnliche Zahl von Berichten beisammenhaben, wonach Schulbüchereien "ausgemistet" (s.o. was für ein Ausdruck!), während die Schulministerien dies durchaus nicht wünschen, dann könnte man daraus vielleicht etwas machen ... Ein größerer Zeitungsartikel etwa mit schöner Dokumentation der Untaten und entsprechender Stellungnahme der Schulministerien könnte vielleicht bewirken, daß die herkömmliche Schreibweise auch in den Schulen ihren verdienten Platz wiederbekommt.
 
 

Kommentar von rrbth, verfaßt am 09.12.2007 um 20.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10954

Gerade eben gefunden:

http://bvoe.at/pipermail/bibmail/attachments/20051205/3b92482e/attachment.htm From friedrich at bvoe.at Mon Dec 5 10:20:27 2005
(...) Seit 1992 befindet sich die Stadtbücherei direkt am Hauptplatz von Berndorf. (...) Bücher mit alter Rechtschreibung wurden ersetzt. (...) Der BVÖ verhilft Ihnen zu einer eigenen Bücherei-Website. Kontaktieren Sie uns einfach (...) Büchereiverband Österreichs Museumstraße 3/B/12 A-1070 Wien
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 09.12.2007 um 19.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10946

Eine einigermaßen vollständige Liste der Zeitungen und Zeitschriften, die weiterhin in unreformierter Rechtschreibung drucken, findet sich im Internet bei "Deutschland kehrt zurück".
http://www.deutschland-kehrt-zurueck.de/liste_zeitungen.html
 
 

Kommentar von Michael Blum, verfaßt am 09.12.2007 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10942

Mal was Positives: Während unsere Kleinen mit pseudoreformierten Texten und der Eliminierung von Büchern in "alter" Rechtschreibung zwangsbeglückt werden, erscheint für gebildete Leser im Verlag C.H.Beck seit Anfang 2007 die "Zeitschrift für Ideengeschichte" – in bewährter Rechtschreibung.

www.z-i-g.de
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.12.2007 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10925

T.P.: Was ist das eigentlich für ein Denken, daß Bücher ein Verfallsdatum haben? Dabei meine ich nicht Lehrbücher oder Lexika, die immer wieder (inhaltlich!) auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.

Das ist genau der Punkt, Herr Paulwitz. Für die wohlmeinenden Aussortierer heißt »unreformiert« soviel wie »unkorrigiert«, so als ginge es um fehlerhafte Mathematiklehrbücher, in denen zu lesen steht, daß eins und eins drei ergibt, oder um Konversationslexika aus dem 19. Jahrhundert, die ein völlig überholtes Frauenbild zeichnen. Sie sehen in den vermeintlich antiquierten Schreibungen einen gravierenden inhaltlichen Mangel und eben nicht bloß einen formalen Schönheitsfehler. Daß Werke in klassischer Rechtschreibung revidiert-reformierten Büchern in den entscheidenden Punkten, vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung, ähnlicher sind als Bücher, die der Norm von 1996 gehorchen, ist bei diesen Leuten noch nicht angekommen. Oder aber sie halten andere Punkte für entscheidend, zum Beispiel Heyse. Oder haben sie sich womöglich gar nicht so genau darum gekümmert und baden nach getaner Arbeit in dem unbestimmt wohligen Gefühl, wieder etwas Gutes getan zu haben?
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 08.12.2007 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10924

''Das Angebot der Schulbibliothek kann sich sehen lassen. Unter Erstlesebüchern über Vorschulbücher bis hin zur Erwachsenenliteratur und Fachbüchern zu fast allen Bereichen können die Schüler auswählen (...)''

Schüler – die ja zumeist noch Kinder sind – können auch aus Erwachsenenliteratur auswählen? Warum unterscheidet man das dann noch?
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 08.12.2007 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10923

„Die Stadtbücherei Neufeld verfügt über ca. 5.800 Bücher, davon ca. 1.400 Kinder- und Jugendbücher, viele Reisevideos, Bildbände und Zeitschriften. An Schulkinder werden nur mehr Bücher mit neuer Rechtschreibung ausgegeben.“ (Dezember 2004)

Verstößt das nicht gegen das Gundrecht auf Informationsfreiheit? Sollten Schulkinder nicht auch vergleichen dürfen, um wieviel besser sich die reformierte Schreibung gegenüber der klassischen Rechtschreibung liest? Oder hat man in Neufeld Angst davor, daß die Schüler dann nur noch Bücher in klassischer Rechtschreibung ausleihen? Vielleicht sollte ein Schulkind bzw. dessen Eltern hier mal eine Klage einreichen.
 
 

Kommentar von T.P., verfaßt am 08.12.2007 um 13.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10922

In Österreich hat das Kulturministerium im Jahr 2004 in einem Rundschreiben erklärt:

"Von einem grundlegenden Austausch der Bestände, welcher nur das Kriterium der neuen Rechtschreibung ohne inhaltliche Erwägungen im Auge hat, ist auf jeden Fall abzusehen." Ein Aussortieren von Büchern, die es nur in traditioneller Rechtschreibung gibt, "würde einen Eingriff in die literarische Vielfalt bedeuten".

Das Ministerium rät, nicht über den Rahmen der jährlichen Bestandspflege hinauszugehen.

http://www.bmukk.gv.at/medienpool/13278/rs_runds_28_04.pdf
 
 

Kommentar von Wiesbadener Kurier vom 19.03.2004, verfaßt am 08.12.2007 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10921

"Wilde Fußballkerle" sind der Renner
Bibliothek an der Theißtalschule gibt es seit fünf Jahren/Elterninitiative macht ganze Arbeit

( ...) Die Bibliothek in der Niedernhausener Theißtalschule gibt es seit fünf Jahren. Etwa 25 Frauen einer Elterninitiative halten die Schulbücherei ehrenamtlich an drei Tagen in der Woche geöffnet (...)

Der gesamte Betrieb wird von den Frauen organisiert, dazu gehört die Erfassung der ausgeliehenen Bücher auf Karteikärtchen ebenso wie das gemeinsame Besprechen, welche Bücher man als nächstes anschaffen will. Gekauft oder als Spende angenommen werden übrigens nur Bücher, die der neuen deutschen Rechtschreibung entsprechen.

Das Angebot der Schulbibliothek kann sich sehen lassen. Unter Erstlesebüchern über Vorschulbücher bis hin zur Erwachsenenliteratur und Fachbüchern zu fast allen Bereichen können die Schüler auswählen (...)

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/objekt.php3?artikel_id=1411022
 
 

Kommentar von David Weiers, verfaßt am 08.12.2007 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10920

Das ist eben kein Denken, sondern ein Nichtdenken, ähnlich blindem Gehorsam, mit dem das Nichtdenken in unserem Falle dann doch nicht eben wenige Gemeinsamkeiten aufweist.

Ich frage mich, ob die Schulen und Bibliotheken wirklich von sich aus darauf gekommen sind, einfach alles auszusortieren, was nicht in Reformschrieb gedruckt ist, und vor allem: ob sie das auch tatsächlich tun, oder ob Mitteilungen übers fröhliche Ausmisten einfach Propaganda sind.
Es muß doch auch dem Dümmsten klar sein, daß bei "Totalaussortierung" immense Lücken entstehen, denn auch neueste Auflagen so einiger "Standardwerke" (unter Vorbehalt) sind nicht reformiert gedruckt, wie z.B. die aktuelle Auflage vom Kluge; das Metzler Lexikon Sprache ebenfalls nicht. Und wenn es sich um Schulen handelt, die einigermaßen "eliteorientiert" sein wollen, sollten vielleicht (vielleicht!) die Bände zur Stoff- und Motivgeschichte von Frenzel auch nicht fehlen. Und siehe da: auch die sind unreformiert.
Aber vielleicht überschätze ich da die eifrigen Aussortierer ein wenig. Doch selbst wenn nicht: Gesetzt den Fall, es blieben einige Bände und Reihen in normaler Rechtschreibung an ihren Plätzen: wie wollen die das denn dann den Kindern erklären? Wie werden sich die Rechtschreibblockwarte dann anstellen und winden? Was ist mit den Klassikern? Was ist mit Lehrern, die Kopien austeilen, deren Texte eben nicht reformiert sind – werden die alle abgemahnt, an den Pranger gestellt, ausgegrenzt, schikaniert, öffentlich gedemütigt? Teilt sich dann die Gesellschaft in die die Guten (weil Kinderfreundlichen) und Schlechten (weil "ewig gestrig")?
Das Ganze ist gerade deshalb so eine unglaubliche Schande und Frechheit, weil es eben im Grunde genommen lächerlich ist.
 
 

Kommentar von rrbth, verfaßt am 08.12.2007 um 12.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10919

Ich hab mal den NK durchsucht und über Bücherbereinigung in Büchereien keinen Beitrag gefunden. Das muß aber nichts heißen, denn die Archivfunktion dieser Zeitung ist nicht besonders gut.

Verlage müssen alte Bücher vernichten
Rechtschreibreform verursacht kleinen Unternehmen existenzbedrohend hohe Kosten

HOLLFELD Auch in Oberfranken rechnen Schulbuchverlage nach der Korrektur der Rechtschreibreform mit hohen Kosten für die Überarbeitung von Lehrbüchern.

Vor allem auf kleine bis mittelständische Verlage kämen hohe finanzielle Belastungen zu, erklärte der Geschäftsführer des in Hollfeld ansässigen C. Bange Verlags, Thomas Appel. Beim ebenfalls in Hollfeld beheimateten Beyer Verlag will man trotz der erneuten Umstellung vorerst auf eine Aktualisierung von Schulbüchern verzichten.

Appel vom C. Bange Verlag ist vor allem mit der Art und Weise unzufrieden, mit der die Korrekturen durchgesetzt worden seien. Schließlich musste der 1871 in Hollfeld (Landkreis Bayreuth) gegründete Verlag bereits bei der ersten Reform vor zehn Jahren rund 50 000 Euro in die Aktualisierung seiner Lern- und Interpretationshilfen für den Deutschunterricht investieren. Für den kleinen Verlag mit elf Angestellten sei das keine unrelevante Summe, betonte Appel.

Nachdem vom 1. August an auch im Freistaat die neue Rechtschreibung gelte, sehe sich der Verlag nun erneut dazu gezwungen, seine Bücher möglichst schnell zu aktualisieren. „Auf den Verlag kommen Kosten von rund 50 000 Euro zu: Es muss ein Lektor mit der Überarbeitung beauftragt sowie der Neudruck finanziert werden. Zusätzlich müssen wir rund 15 000 veraltete Bücher vernichten, womit dann noch mal ein Verlust von 20 000 Euro Verlust hinzukommt“, sagte Appel.

Appel habe deshalb beschlossen, vorerst nur die Bücher umzustellen, die mit Rechtschreibung in direktem Zusammenhang stehen. Betroffen seien Werke, in denen Schülern die Rechtschreibung anhand von Übungen vermittelt werde. Appel möchte diese bis spätestens Anfang 2007 auf den neuen Standard umstellen. Interpretationshilfen für den Deutschunterricht würden aus Kostengründen erst dann aktualisiert, wenn eine zweite Auflage und damit sowieso ein Neudruck anstehe.

Diesen Beschluss hat auch Joachim Beyer, Inhaber des Beyer Verlags in Hollfeld, gefasst: „Der Inhalt von Goethes Faust wird sich auch mit der neuen Rechtschreibung nicht ändern. Bei unseren Interpretationshilfen ist die Erläuterung wichtig. Die Rechtschreibung hat in diesem Fall nachrangige Bedeutung“, erklärt Beyer. Der Unternehmer, der vier Angestellte beschäftigt, wolle zunächst abwarten: Er werde erst einmal keine seiner 100 Interpretationshilfen aktualisieren und sich damit unnötige Kosten sparen.“

Foto: Sich meldende Schüler im Klassenzimmer
Bildunterschrift:

„Allgemeine Schulbücher für den Deutschunterricht wollen die Verlage aus Kostengründen trotz neuer Rechtschreibreform nicht sofort ändern.“

Nordbayerischer Kurier – Montag, 6. März 2006, S. 4
 
 

Kommentar von T.P., verfaßt am 08.12.2007 um 09.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=933#10918

Was ist das eigentlich für ein Denken, daß Bücher ein Verfallsdatum haben? Dabei meine ich nicht Lehrbücher oder Lexika, die immer wieder (inhaltlich!) auf den neuesten Stand gebracht werden müssen.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2017: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM