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10.07.2009
Chuckchee
Auswüchse der Sprachtypologie
Die Großen der Sprachwissenschaft haben sich nur über Sprachen geäußert, die sie einigermaßen beherrschten. Das ist völlig passé.
Nicht selten vergleichen Sprachtypologen Hunderte von Sprachen, von denen sie höchstens ein Dutzend kennen. Der Rest wird aus Grammatiken abgeschrieben. Wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten es auch in grundlegenden Fragen des Deutschen noch gibt, einer der am besten bekannten und beschriebenen Sprachen, bekommt man große Bedenken. Wie viele Germanisten haben sich über das Dyirbal ausgelassen!
Ein Germanistin diskutiert die deutschen Objektinkorporationen, die uns wegen der GZS und GKS ja auch interessieren, und erwähnt mal eben das "Chuckchee": "In einer ergativen Sprache, in Chuckchee, wird das Subjekt eines Verbs mit inkorporiertem Objekt wie ein intransitives Subjekt kasusmarkiert. Zudem wird in Sprachen mit Objektkongruenz des Verbs der Kongruenzmarker verändert oder getilgt."
Was das alles in einer so unbekannten Sprache bedeutet, kann der Leser so wenig beurteilen wie die Verfasserin, denn beide kennen höchstens ein einziges Wort aus diesem ominösen "Chuckchee": Keta (wegen des Kaviars).
Übrigens handelt es sich um das gute alte Tschuktschische, wie man auf deutsch sagt.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2009 um 18.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1186#14999
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In dem Sammelband von Ludger Hoffmann (Deutsche Wortarten) äußert sich eine andere Germanistin über lauter Sprachen, von denen sie offensichtlich keine Ahnung hat. Man liest das, wenn überhaupt, mit größtem Mißtrauen, da ja sämtliche Einzelheiten nur aus zweiter, dritter oder vierter Hand stammen können. Bei einer so großen und bekannten Sprache wie Chinesisch stimmt schon die Transkription ganz gewöhnlicher Wörter nicht: piaolang soll "schön" heißen, und das gleich zweimal (statt piaoliang). Und was soll man von Sprachen halten, die nur eine einzige Wortart kennen? Dann ist eben der Begriff "Wortart" nicht anwendbar. Das ist wie bei den ominösen Sprachen, deren Substantive nur ein Genus haben ...
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2011 um 17.52 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1186#18773
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Typologische Literatur ist mit größter Vorsicht zu genießen. Ich zum Beispiel verstehe kein Wort Khmer. Wenn ich mich dazu äußern wollte, könnte ich an ein Handbuch geraten, mit dem es sich folgendermaßen verhält: Ein nicht ganz unbekannter Germanist hat dazu einen Artikel über das Khmer beigesteuert, obwohl er von dieser Sprache, wie er mir schmunzelnd erzählte, ebenfalls kein Wort versteht.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 01.06.2011 um 21.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1186#18775
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Das i-Tüpfelchen ist wirklich "Chuckchee", das ich für eine nordamerikanische Sprache gehalten hätte wie Cherokee oder so. Das zeigt mal wieder die sklavische Abhängigkeit der deutschen Germanisten von ihren US-amerikanischen Vorbildern.
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