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04.05.2007
Der Geist weht, wo er will
Bei der Süddeutschen sucht er besonders Willi Winkler heim
Gestern berichtete er von "proturbierenden Bäuchen". Ich habe meine letzten Bildungsreserven mobilisiert, um herauszufinden, ob mir vielleicht eine Pointe entgangen ist.
Es wird aber wohl so sein, daß dem anglophilen Autor ein "protrude" in die Tasten fließen wollte, dann aber die Masturbation dazwischenkam, so daß wir nun eine neue Wortmischung zu bewundern haben.
Im Feuilleton wird allerorten die Aufhebung der Buchpreisbindung in der Schweiz beklagt, während das Wirtschaftsressort zufrieden ist. Diese Kluft klafft seit Jahrzehnten. Der Börsenverein ereifert sich auch wieder, während er gegen die Rechtschreibreform nichts einzuwenden hatte. Das Gerede von der "Kultur" entlarvt sich immer wieder selbst als Heuchelei. Wenn der Staat die Buchwirtschaft subventionieren will, soll er es offen sagen. Verlage machen mit Büchern Geschäfte, und die Konzentration geht immer weiter, so daß wir z. B. in Erlangen praktisch nur noch eine einzige Buchhandlung haben, Thalia (Douglas-Konzern) mit diversen Filialen. (Es gibt noch ein paar kleine, ich weiß, aber nicht mehr lange.)
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Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 04.05.2007 um 10.08 Uhr
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Laut Google protrudieren hauptsächlich Frontzähne.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2007 um 15.21 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#8430
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Ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung erfreut uns heute Franziska Augstein mit der Erkenntnis, "dass manch ein Zirkushund sehr behände auf seinen Hinterläufen einherschreiten kann". - Aber wieso dann "behände"? Besser wäre doch "geläufig"!
Es ist immer wieder hübsch zu beobachten, wie die Zeitungsleute in die selbstgestellte Falle tappen.
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Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 04.05.2007 um 16.13 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#8432
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Die besten Behänden vom April
Saurier stapften vor Millionen von Jahren auch durchs Ünglertstal
Diese Saurier haben sich behände auf vier Beinen fortbewegt, die meisten von ihnen waren Fleischfresser.
Rhein-Neckar-Zeitung 13.04.07
WAS MACHT EIGENTLICH ... der Trabi?
… Noch kann man sie in Treptow-Köpenick, Pankow und vereinzelt auch in Mitte und Kreuzberg sehen. Behändeschlängeln sich die winzigen DDR-Autos mit Vollplaste-Karosserie durch den Stadtverkehr und parken frech in jeder noch so kleinen Parklücke….
(taz Berlin lokal vom 10.4.2007)
Das kleine Wunder Pierre Boulez
Alles an diesem 82-jährigen Dirigenten ist bewundernswert: Wie er leichten Schrittes in den Saal huscht, wie behände er die vier Stufen auf die Bühne nimmt, ...
(WirtschaftsWoche - 4. Apr. 2007)
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Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 04.05.2007 um 19.00 Uhr
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Google weiß eine ganze Menge, man muß es allerdings zu deuten wissen.
Frontzähne protrudieren nicht, sondern sind allenfalls protrudiert oder man protrudiert sie (beispielsweise durch prolongiertes Daumenlutschen in früherer Jugend). "Protrudieren" heißt "nach vorn neigen", das Gegentum dazu wäre "retrudieren".
Im Bedarfsfall einfach mal den Kiefernorthopäden fragen; das ist bekanntlich der Mann, der dafür sorgt, daß im Wald die jungen Kiefern gerade wachsen.
"Proturbierend" dürfte richtig "protubierend" heißen. "Tuber" ist lat. "Beule, Höcker", und "hockerartig nach vorn herausstehend" dürfte einen Bierbauch ganz gut charakterisieren. Woher das r kommt? Keine Ahnung. Möglicherweise hyperkorrektes postvokales r.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.05.2007 um 19.36 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#8437
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Ach so! Aber wenn schon, dann: protuberierend
Gemeinsam schaffen wir den Winkler! Ich bezweifle aber, daß Willi Winkler das meinte und sich dann verschrieben hat. Es schreibt ja auch niemand Proturbanzen, wenn er Protuberanzen meint. Ich glaube, Sherlock Ickler ist schon auf der richtigen Spur.
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Kommentar von "Germanist", verfaßt am 04.05.2007 um 21.06 Uhr
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lat. turbare in Unordnung bringen; proturbare forttreiben;
trudere stoßen, drängen;
dt. Protuberanz Med. stumpfe Vorsprünge an Organen und Knochen
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Kommentar von Thomas Roediger, verfaßt am 05.05.2007 um 08.57 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#8441
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Aber Herr Theodor Ickler! Es gibt doch keine Buchhändler mehr, man nennt ihn neuerdings doch "Medienberater". Es wird ihm so ergehen, wie es dem Setzer erging (der wiederum ja längst zum "Mediengestalter" mutierte): er kann alles ein bißchen und nichts. Die Listen im VLB sind ja übrigens längst mit Kuriosa vollgestopft, wir nannten das noch schön mit unserem Spartendenken "Non-Books". So wird wohl der Antiquar die Rolle in Zukunft übernehmen müssen. Auch die letzten Buchhandlungen werden in den nächsten Jahren demzufolge zu "Medienkaufhäusern" hochgerüstet werden -- und die Buchhandlung um die Ecke wird wohl zum Synonym für das Antiquariat werden, Staubgeruch und Sessel wandern einfach mit.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2012 um 08.04 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#20438
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In den Zeitungen steht, daß etliche Thalia-Läden schließen müssen, weil der Buchverkauf die hohen Mieten in besten Lagen nicht mehr trägt. Man versucht mit allerlei Schnickschnack (40 % des Umsatzes mit Non-Books) davonzukommen, aber das wird nicht lange klappen.
Ich brauche Thalia nicht, ich brauche überhaupt keine Buchhandlungen mehr. Vielleicht habe ich's schon mal berichtet: Vor einiger Zeit wollte ich was Ansehnliches von Alexander von Humboldt einem lieben Verwandten schenken, und ging erst mal zu Thalia, um mir etwas anzusehen. Mein Wunsch löste Ratlosigkeit aus. Zuerst wurde ich in die Reiseabteilung geschickt, wo tatsächlich ein Taschenbüchlein mit irgendwas Ausgewähltem stand. Dann bequemte sich eine "Buchhändlerin" nach gutem Zureden an ihren Computer, fragte mich aber vorsichtig nach der Schreibweise des Namens Humboldt, den sie offenbar noch nie gehört oder gelesen hatte. Amazon hilf! (Amazon half.)
Man sollte meinen, daß eine Buchhandlung, die das ganze riesige Gebäude des früheren Kaufhofs einnimmt, wenigstens das Wichtigste der gelben Reclamreihe vorrätig hat. Pustekuchen! Rowohlts Monographien werden überhaupt nicht gehalten, man muß jedes einzelne Bändchen bestellen.
Jahrzehntelang ist uns eingeredet worden, die Buchpreisbindung diene dem Erhalt der Buchhandlungen. Die Rabatte, von denen der Endabnehmer nichts sieht und nichts hat, haben aber die wirklichen Buchhändler ruiniert und zur beherrschenden Stellung der Ketten geführt, die nun in die verdiente Pleite segeln.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2012 um 10.46 Uhr
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In Mannheim gibt es zwei große Thalia-Buchhandlungen. An ihnen stört mich in letzter Zeit, daß sie immer mehr zu Ramschläden verkommen. Hörbücher würde ich ja noch akzeptieren. Aber nach und nach wurden immer mehr Bücher regalweise von Film-DVDs verdrängt. Außerdem gibt es Unmengen von Spielzeug, Duftkerzen, Schampoo, Küchengeräte, aller möglicher Kram, er nimmt wohl bald (gefühlt) die Hälfte der Verkaufsfläche ein. Dafür ist das Angebot an Fachbüchern geradezu lächerlich. Die Buchhändler brauchen sich nicht zu wundern, wenn immer mehr Bücher online bestellt werden.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.04.2012 um 10.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#20442
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Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich Bücher bei Amazon kaufe. Obwohl es nicht nur Bequemlichkeit ist. Neulich wollte ich einem Verwandten ein Buch über Typographie schenken, in dem die verschiedenen Schriftarten abgebildet und erläutert werden. Ich ging in den großen Hugendubel in München am Marienplatz, weil ich dem stationären Buchhandel etwas Gutes tun wollte. Die hatten ein solches Buch einfach nicht vorrätig. Bestellen und dann extra noch mal in die Stadt fahren, um das Buch abzuholen, das war mir dann doch zuviel Aufwand. Ich habe bei Amazon gekauft. Mit schlechtem Gewissen. Der Buchhandel geht kaputt, und ich kann nicht behaupten, daß ich damit nichts zu tun hätte.
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Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 16.04.2012 um 11.36 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#20444
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Man kann auch online beim Grossisten bestellen und als Abholadresse den Buchhändler seiner Wahl angeben: www.buchkatalog.de
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2012 um 13.14 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#20446
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Früher leisteten die Buchhändler noch etwas. In Marburg haben meine Freunde und ich oft Literatur zu exotischen Sprachen aus exotischen Ländern bestellt. Die mußten zuerst in entlegenen Katalogen gefunden und dann bestellt werden. Die Lieferung konnte ein halbes Jahr dauern, und am Ende kostete das Buch vielleicht nur zwei DM, aber sie haben es besorgt.
Heute wäre das bloße Ansinnen in den Augen der Buchkettenangestellten ein Fall von Beleidigung in Tateinheit mit Körperverletzung.
Was ich heute bei Amazon bestelle, habe ich morgen auf dem Tisch. Noch reizvoller ist der verzweigte "Marketplace". Da habe ich schon unzählige sonst kaum noch (nicht einmal bei ZVAB) auffindbare Bücher bekommen, oft praktisch umsonst, nur fürs Einheitsporto – selbst aus den USA. Was ist daran schlecht?
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