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16.06.2009
Noch ein Duden
Die 25. Auflage soll am 21. Juli erscheinen

Eine Neuauflage des Rechtschreibduden erscheint zum 21. Juli. Sie wird sich als erste Auflage seit der Reform nicht mehr auf die neuen amtlichen Regeln, sondern auf die aktuellen amtlichen Regeln berufen.
Angekündigt ist auch eine Erhöhung der Einträge von 130.000 auf 135.000. Obwohl einschneidende Änderungen nicht zu erwarten sind, wird es sich nicht um einen bloßen Nachdruck der 24. Auflage handeln. Der Rotdruck sowie sämtliche Hinweise auf die bisherige Orthographie werden in der 25. Auflage getilgt sein. Zudem ändert die Dudenredaktion die Anordnungsreihenfolge bei Schreibvarianten, so daß immer die von der Redaktion empfohlene Variante, die wie in der 24. Auflage durch Gelbmarkierung kenntlich gemacht wird, als erste erscheint. Die 24. Auflage des Mannheimer Rechtschreibwörterbuchs war vor drei Jahren erschienen und berücksichtigte die vom Rat für deutsche Rechtschreibung betriebene Revision der Rechtschreibreform.



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Kommentare zu »Noch ein Duden«
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Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 07.12.2011 um 23.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#8775

Was unsere Kritik an der Druckqualität der gebundenen Ausgabe des Rechtschreibdudens angeht, scheint man diese beim Dudenverlag ernst genommen zu haben:

Während der Rechtschreibduden als Taschenbuch – wie berichtet – schon seit längerem verramscht wird, hat man dessen gebundene Version inzwischen ein wenig aufgewertet: Für die (auch als solche gekennzeichneten) Nachdrucke der 25. Auflage (2009) von 2011 hat man sich von der Pößnecker Druckerei in Thüringen getrennt und läßt diese Aufgabe nun von einem Konkurrenten in Italien erledigen. Gleichzeitig wurde Band 1 mit dem deutlich stabileren und höherwertigen Einband des Universalwörterbuchs versehen, welcher zwar für das große DUW-Format noch immer zu schwach ist, aber wenigstens für den deutlich kleineren Rechtschreibduden ausreicht.

Im übrigen hat das Universalwörterbuch in seiner 7. Auflage von 2011 einen orthographischen Anhang bekommen: eine umfangreiche Liste der am häufigsten falsch geschriebenen Wörter (*projezieren, *Terasse usw.).

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2010 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#8294

Ein Wörterbuch "Deutsch–fremd" gab es schon vor zwanzig Jahren vom Eichborn-Verlag. Der Duden empfiehlt ja den Gebrauch der Fremdwörter zwecks Wiederholungsvermeidung (Ausdrucksvariation). In meinem Fachsprachenbuch habe ich ausführlich davon gehandelt. Mich interessiert das Irrationale, Rhetorische an der Ausdrucksvariation. Es ist dem Fachsprachlichen genau entgegengesetzt. Stillehrer wie Reiners haben gar nicht erkannt, daß ihr oberster Grundsatz, nämlich die Suche nach dem "treffenden Wort", dem Streben nach Ausdrucksvariation widerspricht.

Die Wiederholungsvermeidung ist tatsächlich ein Hauptgrund für das Weiterbestehen überflüssiger Fremdwörter. Ich habe festgestellt, daß in etwa neun von zehn Fällen zuerst der deutsche Ausdruck, dann erst das Fremdwort eingesetzt wird, was eben nochmals bestätigt, daß man nach einem Synonym sucht und dann erst auf das Fremdwort verfällt. Musterbeispiele:
War ehedem der unternehmerische Erfolg ein Zeichen der moralischen Rechtfertigung, so bedarf heute das Streben nach eben diesem Erfolg selbst der moralischen Justifikation. (FAZ 3.7.82)
Die Ausrottung der Pocken war der erste Testfall und wurde von den Gesundheitsstrategen mit Bravour gemeistert. Die Eradikation der Kinderlähmung sollte der nächste Meilenstein sein. (FAZ 26.2.03)

 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.10.2010 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#8293

Das Duden-Fremdwörterbuch bietet noch eine ganz besondere Dienstleistung an:

»In einem eigenständigen Teil ist ein „umgekehrtes Fremdwörterbuch“ enthalten. Der Benutzer findet hier für über 16 000 deutsche Wörter den passenden fremdsprachigen Ausdruck.«

Soll das heißen, daß die deutschen Wörter nicht passend sind?
Oder will man denen helfen, denen nicht genug Fremdwörter einfallen, um ihre sprachlichen Ergüsse schön gelehrt klingen zu lassen?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2010 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#8292

Im Duden-Fremdwörterbuch steht auch folgender Satz:

Die Aufnahme neuer und das Aussterben alter Fremdwörter hält sich seit Jahrhunderten nahezu die Waage.

Ich halte das für falsches Deutsch. Es kommt zwar vor, daß nach pluralischem Subjekt das Verb im Singular steht, aber nur, wenn die Subjekte eine Einheit bilden. Die Waage halten können sich aber nur mindestens zwei numerisch klar geschiedene Gegenstände.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2010 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#8291

Im Duden-Fremdwörterbuch sind auch in der Neubearbeitung wieder einige Kästen mit grundsätzlichen Ausführungen enthalten, die man sich auf der Verlags-Website herunterladen kann. Das Wort "sogenannte" ist meist zusammengeschrieben, manchmal aber auch getrennt. Das orthographische Schicksal dieses Wortes ist ein Kapitel für sich.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.10.2009 um 22.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7991

Als ich letzte Woche in einer Berliner Buchhandlung das Rechtschreibwörterbuch von PONS in Händen hielt, schlug ich spaßeshalber den Eintrag zum Stichwort »Not« nach. Dort fand ich die seit 2006 nicht mehr korrekte Schreibung Not sein. Auch die 24. Auflage des Rechtschreibdudens enthielt – über ein Jahr lang – diesen Fehler (siehe auch hier). Laut Verlagswerbung handelt es sich bei dem Buch um eine »vollständige Neuentwicklung«. Haben wir es womöglich mit einer willentlichen Abweichung vom Regelwerk zu tun? Aber warum steht dann auf dem Buchdeckel »Auf der Grundlage der neuen amtlichen Regeln«? Warum sollte man dieses Wörterbuch kaufen?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2009 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7989

Ich habe es ja oft genug selbst erlebt, wie man in "Mannheim" über Z. denkt. Das will ich aber nicht noch einmal hier ausbreiten.
Daß die Internetseite des Rechtschreibrates vernachlässigt wird, steht allerdings ebenfalls fest. Der Rat nimmt sich selbst nicht ernst, natürlich mit Recht.

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 29.09.2009 um 21.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7988

Ich glaube übrigens nicht, daß hier bewußt Geringschätzung berieben wird, ich vermute eher, solche Schnitzer fallen einfach nicht auf.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2009 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7987

Nach Zehetmair ist die Sprache nicht nur "die wichtigste Kommunikation des Menschen", sondern er sagt in seinem Grußwort auch über die Arbeit des Rechtschreibrates:
"Als Ergebnis dieser anspruchsvollen und schwierigen Arbeit legte der Rat im Frühjahr 2006 eine revidierte Fassung des amtlichen Regelwerks vor, das [!] am Schreibgebrauch ausgerichtet und dabei systematischer als die alte Rechtschreibung ist."
Hier muß es zweifellos "die" heißen. Komisch, daß solche Schnitzer jahrelang stehenbleiben. Die Mannheimer Entourage gibt sich freilich auch sonst keine Mühe, ihre Geringschätzung des Vorsitzenden zu verbergen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2009 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7986

In der größten Erlanger Buchhandlung ("Thalia") fand ich nach einigem Suchen das neue PONS-Wörterbuch, das wohl nicht gerade zum Bestseller aufgebaut werden soll. Kaufen will ich es nicht, habe nur mal die Namen der Bearbeiter angesehen. Mir sind nur Werner Wolski, der bisher mit Rechtschreibung nichts zu tun hatte, und Uwe Quasthoff bekannt, der schon den mißratenen neuen Dornseiff zu verantworten hat (darüber ist hier das meiste schon gesagt worden).
Die Schrift ist wirklich sehr unangenehm zu lesen. Unter heutigen Verhältnissen würde es mich aber nicht wundern, wenn der Band zu den "schönsten deutschen Büchern" gezählt würde.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2009 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7985

Seltsamerweise sind es genau die Formulierungen Zehetmairs, auf die wir hier die Aufmerksamkeit gelenkt haben. Man scheint bei uns mitzulesen.

Übrigens scheint Klett unter dem Titel PONS eine Reihe ähnlich wie Duden und Wahrig aufbauen zu wollen, als nächster Band ist eine Grammatik angekündigt. Die Verfasser konnte ich bisher nicht feststellen. Ich glaube allerdings, daß für so viele Reihen kein Platz ist und daß insbesondere PONS scheitern wird.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 22.09.2009 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7984

Auch wenn ich demnächst zum Pons-Wörterbuch noch mehr schreiben werde, möchte ich die schönste Stelle des Buches niemandem vorenthalten:

»Im Rückblick auf die heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen zur Rechtschreibreform lässt sich zunächst Folgendes feststellen: Bereits im Zeitraum vor und um 1996 hätten viele Verlautbarungen auf beiden Seiten (Kritiker und Befürworter) vorausgesagt werden können, ohne Wahrsager zu sein oder empirische Untersuchungen durchgeführt zu haben. Dies gilt zunächst für banale (damit nicht immer sachlich falsche) Formulierungen zur Sprache, die den Charakter von Leerformeln haben: „die“ Sprache „ist ein hohes Gut“, sie „wandelt sich“, sie „dient der Kommunikation“ bis hin zu absolut abwegigen Fassungen der Art, sie sei „die wichtigste Kommunikation des Menschen“.«

All diese Zitate stammen von niemand anderem als dem Ratsvorsitzenden höchstpersönlich. Dies wird allerdings nirgends erwähnt. Der normale Nutzer des Wörterbuchs dürfte von diesem Seitenhieb gegen Herrn Zehetmair nichts mitbekommen. Unabsichtlich ist dieser aber mit Sicherheit nicht. Wer soll also der eigentliche Adressat sein? Der Rechtschreibrat als ganzer? Zehetmair selbst? Die Wahrig-Redaktion? Die Reformkritiker, von denen bekannt sein dürfte, daß ihnen solche Dinge nicht verborgen bleiben würden?

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.09.2009 um 00.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7983

zu #7981:
Laut altem Duden (d.h. vor der Reform) und Mackensen ist Gamsen (kein Umlaut!) der Plural zu Gams. Gams ist landschaftlich und in der Jägersprache Synonym zu Gemse.
Neben Gamsbart usw. gibt es auch die Form Gemsbart.
Plural zu Gemse ist Gemsen.
Neuschrieb statt Gemse ist Gämse mit dem Plural Gämsen.

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 21.09.2009 um 22.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7982

»Die Erweiterung des Programms um ein Wörterbuch zur Rechtschreibung erfolgt in einer Phase, in der Kontroversen um verschiedene Änderungen der deutschen Rechtschreibung keinen Einfluss mehr auf die Gestaltung eines solchen Wörterbuchs haben.«


Zu dieser Behauptung steht die spätere Aussage, der Rechtschreibrat habe Änderungen bei der Laut/Buchstaben-Zuordnung ins Auge gefaßt, nicht zwingend in Widerspruch. Die Inkonsistenz verschwindet unter der Voraussetzung, daß man sich bei der "Gestaltung eines solchen Wörterbuchs" um den Rat für deutsche Rechtschreibung nicht zu scheren braucht. Unter derselben Voraussetzung wurden schließlich schon die jüngsten Ausgaben von Duden und Wahrig auf den Markt geworfen.

 

Kommentar von Paul Westrich, verfaßt am 21.09.2009 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7981

Ich habe mir die Mühe gemacht, in einem ausführlichen Kapitel über die "Gämse" in dem Grundlagenwerk "Die Säugetiere Baden-Württembergs" (erschienen 2005, in neuer Rechtschreibung, obwohl frühere Werke in klassischer Rechtschreibung gedruckt sind), nach entsprechenden Begriffen zu suchen. Ich kam zu folgendem Ergebnis:
Die Gämse (Einzahl = Bezeichnung für eine Tierart), die Gämsen (Mehrzahl), zwei Gämsenarten in Europa.
Die Gams (Einzahl, = Bezeichnung für eine Tierart), Gamsvorkommen, Gamswild, Gamskolonien, Gamsdichte, Gamsbestand, Gamsrudel, Gamsgebiet, Gamsbrunft, Gamsbock, Gamsgeiß, Gamskitz, Gamsbart, Gamsnahrung, Gamskrankheiten, Gamsseuche, Gamsblindheit, Gamsräude, Gamsverbiss, die Kohlgams (dunkle Variante); letztere Kombinationen werden in diesem Beitrag fast nie mit "Gämse" gebildet, immer nur mit Gams, nur einmal fand ich Gämsenbestände und Gämsenpopulation. Ein einziges Mal findet sich "Waldgemsen" (sic!). Für die zoologische Spezies werden also sowohl Gams als auch Gämse gebraucht, z.B. "die Verbreitung der Gams", "das Nahrungsspektrum der Gams", "der Lebensraum der Gams" oder "Die Gämse ist ein mittelgroßes Huftier". Gams wird also synonym zu Gämse verwendet. Eine Mehrzahl von Gams gibt es nicht, für mehrere Exemplare wird stets "Gämsen" gebraucht.
Hilft Ihnen das weiter, Herr Strasser?

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 21.09.2009 um 19.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7980

Weil im Beitrag #7979 auch von Gämse die Rede ist:
ist Gämse eigentlich die Mehrzahl von Gams oder gibt es Gams, Gämse und Gämsen? Wäre dann Gams ein Männchen und Gämse ein Weibchen?

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 21.09.2009 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7979

Erster Kurzeindruck zum neuen Rechtschreibwörterbuch von Pons

Nachdem gestern nun auch die gedruckte Fassung des Pons-Wörterbuchs erschienen ist, mußte ich mir diese dann heute doch einmal ansehen.

Drucktechnisch ist es nicht besser als die Konkurrenz, und der durchgängige Blau- statt Schwarzdruck läßt das Buch insgesamt sehr blaß erscheinen. Es umfaßt 1200 Seiten, erscheint aber schlanker als der Duden (1216 Seiten), da man auf dünneres Papier gesetzt hat (nur aus diesem Grund ist im übrigen die 25. Auflage des Rechtschreibdudens voluminöser als die 24., obwohl beide aus 1216 Seiten bestehen).

Die Namen der (zahlreichen) Bearbeiter des Wörterbuches sind in der bisherigen Reformdiskussion allesamt nicht zur Sprache gekommen. Ein bekannter Reformbefürworter ist darunter nicht auszumachen.

Das Buch beinhaltet neben dem Wörterverzeichnis eine eigene Fassung des Regelwerks, einen ziemlich umfangreichen Aufsatz über die Geschichte der deutschen Rechtschreibung, eine Kurzgrammatik und im Gegensatz zum Duden auch das amtliche Regelwerk.

Im Vorwort liest man im zweiten Satz:

»Die Erweiterung des Programms um ein Wörterbuch zur Rechtschreibung erfolgt in einer Phase, in der Kontroversen um verschiedene Änderungen der deutschen Rechtschreibung keinen Einfluss mehr auf die Gestaltung eines solchen Wörterbuchs haben.«

Es wird also wieder einmal mit Endgültigkeit geworben, wie man dies bereits seit 1996 kennt.

Auf farbige Markierungen der Neuschreibungen wird verzichtet, um nicht »Neuerungen der Rechtschreibung durch farbige Hervorhebungen über Gebühr einen dramatischen Stellenwert zu geben«.

Von Schreibempfehlungen bei Varianten nimmt man Abstand, was im Vorwort nochmals deutlich betont wird.

Anschließend folgt der Aufsatz zur Reformgeschichte. Klagen darüber (insbesondere von Augst), wie böse, unsachlich und polemisch Schriftsteller, die Presse und Reformgegner zwischen 1954 und 1996 immer wieder eine Reform verhindert hätten, wird breitester Raum eingeräumt. Auch die Stuttgarter und Wiesbadener Empfehlungen sowie die Reformbestrebungen von 1973 werden auf mehreren Seiten ausführlich erläutert.

Der erfolgreiche Volksentscheid in Schleswig-Holstein gegen die Reform wird sogar mit den prozentualen Ergebnissen erwähnt, nicht jedoch dessen Rücknahme durch den Landtag, sondern er wird statt dessen als »retardierendes Moment« bezeichnet.

Danach liest man: »Für den Zeitraum nach 1998 kann davon die Rede sein, dass die Diskussionen in der Öffentlichkeit zur Ruhe kommen.« Daß dies nicht den Tatsachen entspricht, dürfte bekannt sein.

Das Jahr 2000 mit der Rückumstellung der F.A.Z. sowie die Rückkehr des Springer-Konzerns 2004 werden nicht erwähnt, dafür aber die Äußerungen von Herrn Wulff, die dann gemeinsam mit Kritik in den Medien zur Gründung des Rates geführt haben sollen.

Der Hinweis, daß im Rat für »die nächste Sitzung [...] eine Überprüfung im Bereich der Laut-Buchstaben-Zuordnungen (A) geplant sein (Typ Gämse)« soll, steht allerdings im Widerspruch zum Vorwort, dem zufolge keine Änderungen mehr zu erwarten seien.

Weiter unten liest man: »Für die überschaubare Anzahl von Einheiten, deren alte Schreibung nicht mehr gültig ist, wird ausschließlich das Stichwort mit Neuschreibung angeführt: die Gäm|se <-, -n>«. Interessant, wo doch gerade hier angeblich in Bälde Änderungen bevorstehen könnten ...

Auf dem Gebiet der Fremdwortschreibungen seien zahlreiche Varianten zulässig, so unter anderem Platitüde und Plattitüde, aber genau das ist falsch. Die Neuregelung will die bisherige Schreibung Platitüde durch zwei neue ersetzen: Plattitüde und Platitude. Im Wörterverzeichnis findet man hingegen nur Plattitüde.

Durch die Revision des Rates seien statt Pleite gehen und Bankrott gehen nun wieder ausschließlich wie bisher pleite gehen und bankrott gehen korrekt. Leider stimmt auch dies nicht, denn der Rat hat hier eine bislang völlig unübliche obligatorische Zusammenschreibung eingeführt (Gallmann lobt diese übrigens in der Neuausgabe des »Heuer«, weil sie dem Schreiber erspare, darüber nachzudenken, ob hier ein Substantiv vorliege. Daß dies in getrennter Stellung (das Unternehmen ging pleite) nach wie vor nötig ist, übersieht er). Im Wörterverzeichnis werden pleitegehen und bankrottgehen richtig dargestellt.

Was die Reformkritik betrifft: Die »Frankfurter Erklärung« und der »Frankfurter Appell« werden kurz erwähnt, ebenso das Buch »Der große Blöff« von Claudia Ludwig und sogar Uwe Grunds Studie von 2008: »Hier ist es ausgerechnet die als leicht nachvollziehbare angesehene Schreibung mit „ss“ bzw. „ß“, welche bei Schülern zu Falschschreibungen geführt haben soll.«

Der VRS wird angeführt, ebenso dessen Internetauftritt. Die FDS und die SOK werden totgeschwiegen. Auch die umfangreiche Kritik durch Prof. Ickler kommt nur in einer einzigen Nebenbemerkung zur Sprache: »Der Reformkritiker Theodor Ickler verließ den Rat im Februar 2006.«

Manchmal schwingt sogar ein wenig Nachdenkliches mit:

»Bemerkenswert ist zum Beispiel, dass Ausdrücke wie rau im Rahmen der Paragrafen des amtlichen Regelwerks nicht erwähnt werden (!), obwohl gerade diese (oder weil gerade diese?) Gegenstand heftiger Kritik in der Öffentlichkeit gewesen sind. Gleiches gilt für den neu geschaffenen Ausdruck Gämse.« (Ausrufezeichen im Original.)

In der anschließenden (sehr umfangreichen) Literaturliste fehlen reformkritische Werke.

Obwohl auf Empfehlungen angeblich verzichtet wird, trifft bei der Zeichensetzung genau das Gegenteil zu (wo der Duden keine Empfehlungen abgibt!). In den (auf gerade einmal drei Seiten zusammengefaßten und viel zu knappen) Ausführungen zu den Kommaregeln liest man:

»6.2.3.3 Empfehlungen zur Kommasetzung bei Infinitiven und Partizipien

Wer geringe Schwierigkeiten hat, erweiterte Infinitive und Partizipien im Satz zu erkennen, sollte sie immer durch Komma abtrennen. Dadurch vermeidet man Missverständnisse und die Gefahr, Ausnahmeregelungen zu übersehen (vgl. Z 2.12/Z 2.13). Wer Schwierigkeiten mit dem schnellen Erkennen solcher Wortgruppen hat, sollte auf jeden Fall darauf achten, lange Sätze ausreichend durch Kommas zu gliedern und Nachträge durch Kommas abzutrennen (vgl. Z 2.13). Bei kurzen Sätzen werden der/dem Schreibenden kaum Fehler unterlaufen.«

Auch die Political correctness darf also nicht zu kurz kommen.

Die Fehler im Regelwerk bezüglich der Getrennt- und Zusammenschreibung (siehe meinen Artikel in der SZ vom 3. August) sind auch in der gedruckten Fassung nicht korrigiert.

Manches klingt schon beinahe delirierend. Im eigenen Regelwerk findet man folgende Erklärung für die bisherige ck-Trennung:

»Das „ck“ war früher eine Ausnahme im Deutschen (als festegelgte Schreibweise für „kk“). Deshalb hatte man die „ck“-Variante bei Trennung wieder auf die Grundform zurückgeführt: Ein „k“ blieb auf der einen Zeile, das andere „k“ rückte bei Trennung auf die nächste; vgl. zur früheren Trennung *Bäk-ker.

Mit der Neuregelung wird folglich die Trennung vereinfacht: Ha-cke, le-cker, Lü-cke

Daß hier durch die Neuregelung gar keine Ausnahme beseitigt wurde, sondern mit der Ausnahme nur schlechter als bisher verfahren wird, erkennen die Bearbeiter nicht.

Ansonsten werden im Wörterverzeichnis alle Trennstellen kommentarlos angeführt, also auch Anal-phabet und die Lieblingstrennung des Ratsvorsitzenden: Urin-stinkt.

Das Wörterverzeichnis ist vom Umfang her vergleichbar mit den Konkurrenzwörterbüchern (etwas mehr Einträge im Vergleich zur Konkurrenz, allerdings zu Lasten der Bedeutungsangaben). Bei den besonders kritischen Verbverbindungen, bei denen die Getrennt- und Zusammenschreibung zweifelhaft ist und somit Nachschlagebedarf herrscht, ist es allerdings knapper. Dafür wurde viel orthographisch Irrelevantes aufgenommen, z. B. die Rechtschreibkommission.

Die CD läßt sich nur installieren, wenn man sich mit Hilfe einer Internetaktivierung ausspähen läßt, so daß ich von einer Installation Abstand genommen habe. So etwas kommt nicht in Frage, und nicht einmal der Dudenverlag ist bisher auf solche kundenunfreundlichen Ideen gekommen. Bei Pons verwundert dies um so mehr, als das Wörterverzeichnis und der Regelteil kostenlos im Internet zugänglich sind.

Verärgert stellt man Buch und CD zurück in den Schrank.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.08.2009 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7908

Auf Neu-Guinea soll es bei den Eingeborenen hin und wieder noch hart gesottene Geschäftsleute geben.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2009 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7907

"Für Erwachsene geschenkt" – ja, aber eben nicht für Rechtschreibreformer und erst recht nicht für Ratsmitglieder, die es mit der Unterscheidungsschreibung von bloßen Metaphern noch weiter getrieben haben. Allerdings nur bei der GZS, nicht bei der GKS, sonst hätten sie mit viel besseren Argumenten die Kleinschreibung von im allgemeinen usw. wiedereinführen sollen.
Versteht sich, daß in meinem Rechtschreibwörterbuch frisch_gebacken als fakultativ zusammengeschrieben verzeichnet ist, ohne Unterscheidung zwischen Broten und Ehepaaren.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.08.2009 um 22.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7905

Soll es denn mit schnüren tatsächlich anders sein als mit knoten? Ich meine, die Beispiele im Kasten sind nur etwas unglücklich angeordnet. Es kommt ja neben festbinden (= anbinden) auch festschnüren (= anbinden) vor, und die aufgeführte Schreibung die festgeschnürte Schlinge kann durchaus auch auf die Schlinge fest (= in fester Weise) schnüren bezogen werden, denn es wird ja hier auf K 58 verwiesen, wonach sich die Schreibung von Partizipien nach den zugrunde liegenden »Verbindungen mit Verben« richtet, wobei aber immer auch die Zusammenschreibung zulässig sein soll (siehe auch das feststehende Rednerpult).

Übrigens stolperte ich beim neuerlichen Studium der Regeln zu den »resultativen Prädikativen« zum wiederholten Male über die Formulierung des § 34 (2.2). Dort heißt es nämlich:

»Es wird zusammengeschrieben, wenn der adjektivische Bestandteil zusammen mit dem verbalen Bestandteil eine neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmt werden kann«

Wieso läßt sich die Bedeutung von sich kranklachen nicht anhand der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmen? Ich würde, im Gegenteil, sagen, daß sich die Bedeutung überhaupt nur auf der Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmen läßt. Wenn man so lange lacht, daß man davon krank wird, dann hat man offenbar besonders heftig, womöglich zu heftig gelacht. Daß man davon nicht im medizinischen Sinne krank wird, ist doch unter Erwachsenen geschenkt, oder nicht? Wenn einer von tosendem Lärm »ganz krank« wird, dann liegt er auch nicht krank im Bett, sondern ist in höchstem Maße enerviert. Kein Mensch versteht das falsch; jeder ist in der Lage, die Bedeutung zu »ermitteln«.

Außerdem legt die Regelformulierung den falschen (Umkehr-)Schluß nahe, daß man bei nichtidiomatisierter, konkreter Verwendung die Bedeutung immer aus den Bedeutungen der einzelnen Teile erschließen könnte. Bei den Pudding kalt stellen ist aber, wenn man sich, den Erwartungen der Regelformulierer entsprechend, dumm stellt, keineswegs klar, was gemeint ist. Geht derjenige, der den Pudding stellt, besonders kalt (= kaltherzig) vor? Oder ist der Pudding schon kalt, wenn man ihn irgendwohin stellt?

Ein neuer »Stern am Hollywood-Himmel« ist kein Gestirn im Weltall. Das weiß jeder. Deshalb schreibt man auch nicht *Stärn am Hollywood-Himmel oder etwas Ähnliches. Eine orthographische Differenzierung ist hier nicht nur unsinnig, sie macht das – ja nicht zufällig gewählte – sprachliche Bild geradezu kaputt!

So gesehen ist auch gegen das frisch gebackene Ehepaar eigentlich nichts einzuwenden. Das dampfende Brot aus dem Ofen hat das Bild für diesen Ausdruck geliefert, und der Gedanke daran ist – zumindest bei mir – so lebendig, daß ich die Getrenntschreibung nicht abwegig finde. Daß hier die Zusammenschreibung möglicherweise viel üblicher ist und daß ein Rechtschreibwörterbuch dem auch Rechnung tragen kann, steht auf einem anderen Blatt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2009 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7903

Der Duden hat weiterhin einen Kasten zu "fest", aber daraus wird niemand klug. Bei "festknoten" ist Getrenntschreibung vorgesehen, wenn es sich um ein Adverb handelt, man kann es wohl so paraphrasieren: "in fester Weise knoten". Das ist trivial und entspricht der herkömmlichen Schreibweise. Warum es mit "schnüren" anders sein soll, fragt man am besten die Redaktion. Natürlich steht im Hintergrund die ominöse, von Eisenberg wiederbelebte Sonderstellung von "fest-", "voll-" und "tot-". Sie macht drei eigene blaue Kästen im Duden notwendig. Ein wirklichkeitsfernes Zusatzpensum für besonders gedächtnisstarke Schüler.
Man könnte die Verteidiger der Reform fragen, was die Schüler und was die Deutschen insgesamt eigentlich davon haben, daß sie "sich tot stellen" und "sich totlachen/sich totlaufen" usw. verschieden schreiben sollen. Warum muß man das lernen, und worin besteht die Vereinfachung?

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.08.2009 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7902

Sind für den Duden damit die Unterschiede zwischen 'fest geknotet' und 'festgeknotet' bzw. 'fest geschnürt' und 'festgeschnürt' aus der Welt geschafft?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2009 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7901

Zur Logik der Duden-Empfehlungen gehört es, daß man regelgemäß zwar "festgeknotet" schreiben muß, laut Empfehlung aber "fest geschnürt" schreiben soll. Wie viele hundert oder tausend Subtilitäten dieser Art es gibt, hat wohl noch keiner nachgerechnet. Die Schwätzer, die all dies zu den begrüßenswerten "Freiheiten durch Varianten" zählen, sollen endlich still sein.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.07.2009 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7883

"eigensicher": Noch allgemeiner steht es in der "Sicherheitsfibel für die Elektroinstallation nach VDE 0100": 5.1 "Schutzmaßnahmen ohne Abschaltung bei einem Fehler"
"Schutzmaßnamen, die ohne besondere Abschaltvorrichtungen arbeiten, sind sozusagen "eigensicher". Man ist für ihr Funktionieren weder auf ein vorgeschaltetes Überstromschutzorgan noch auf einen speziell dafür vorgesehenen Schaltapparat angewiesen. Das ist der beachtliche Vorteil dieser Art von Schutzmaßnahmen. Dafür haben sie leider den Nachteil, daß sie nicht immer ohne weiteres anzuwenden sind. Denn entweder müssen sie bereits vom Gerät her vorgesehen, also herstellungsmäßig in dessen Konstruktion berücksichtigt sein, wie die Schutzisolierung, oder es sind schaltungsmäßige Voraussetzungen in der Anlage zu erfüllen, wie bei der Schutztrennung und bei der Kleinspannung, die besonders bei größeren Anlagen eine untragbare Belastung bedeuten können.
5.1.1 Schutzisolierung
5.1.2 Schutzkleinspannung
5.1.3 Funktionskleinspannung
5.1.4 Schutztrennung
5.1.5 Schutz durch nichtleitende Räume

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 31.07.2009 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7882

Ein eigensicherer Stromkreis ist einer, bei dem im Fall eines Kurzschlusses kein Funke entstehen kann. Im Raffinerieumfeld ist das z. B. vorgeschrieben. Wo das nicht möglich ist, muß gekapselt werden, was dann ex-geschützt genannt wird.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2009 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7881

Die meisten Neueinträge im neuen Duden sind keine neuen Wörter, sondern längst bekannte, bisher aus irgendeinem Grunde nicht aufgenommene. Davon kann man für jede Neuauflage mühelos 5.000 aktivieren, z. B. Partikelfilter, niedrigschwellig, Rettungsschirm, Datenklau - usw., die ich alle schon in zehn Jahre alten Zeitungen gefunden habe.
Was man dagegen nicht findet: z. B. das schöne Wort eigensicher. Unser Öltank ist eigensicher. Von der Wortbildung her würde man eher "selbstsicher" erwarten, aber das geht natürlich nicht. Interessanter Fall. Kein Dudenwörterbuch enthält "eigensicher", obwohl es doch im legendären Korpus vorkommen müßte. Nur im Muret-Sanders findet man es als Übersetzung von "intrinsically safe", aber nicht in umgekehrter Richtung! (Die beiden Teile sind gar nicht aufeinander abgestimmt.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2009 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7879

Da habe ich wohl etwas übersehen! Und mit den nichtamtlichen Erläuterungen meine ich diesen Bericht. Meines Erachtens gehört er nicht zu den amtlichen Teilen der Rechtschreibreform. Die Geschäftsführung hebt den subjektiven Charkater ja auch selbst hervor. Der Rat hat diesen Bericht anscheinend nicht diskutiert und verabschiedet. Das hätte ja auf der 9. Sitzung im September 2006 geschehen müssen, aber im Protokoll steht nichts. Wohl aber wurde damals ein Beschluß gefaßt, gegen den der Duden bis heute verstößt:
„Es ist nicht Intention des Rats für deutsche Rechtschreibung, dass vom Rat beschlossene Schreibvarianten in allgemeinen Rechtschreibwörterbüchern durch die Empfehlung nur einer Form eingeschränkt werden.“

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 28.07.2009 um 18.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7878

Zu #7874: Der 2006er Bericht ist als PDF-Datei auf den Ratsseiten unter "Download" erhältlich (http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/).

Wo aber finden sich die "nichtamtlichen Erläuterungen"?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2009 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7877

Ich bezweifle, daß die beiden Wörterbücher tatsächlich auf der Grundlage von umfangreichen Textkorpora erstellt worden sind. Dazu enthalten sie zu viele äußerst seltene Wörter, andererseits fehlen ganz geläufige. Zum Beispiel wimmelt es in Zeitungen, besonders im Wirtschaftsteil, von "aufgestellt" – aber keines der beiden Wörterbücher hat es. Wie oft ist im Dudenkorpus von Flurhüterinnen, Agioteurinnen und Provisorinnen die Rede? Das ist doch alles Humbug.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2009 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7874

In den neuen Wörterbüchern findet man immer noch Nachwirkungen des nichtamtlichen Berichts, der den Empfehlungen des Rechtschreibrates 2006 beigefügt war. Leider kann ich auf den Seiten des Rates keine Dokumentation dieses Berichts (mehr) finden, er scheint überhaupt nur noch unter http://dokumentation.htu.tugraz.at/rechtschreibung/?dok=rr2006-1 im Netz zu stehen. Mein Kommentar dazu unter http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=433.
Vielleicht sollten wir den Bericht auch hier auf unseren Seiten dokumentieren?

Bei dieser Gelegenheit erinnere ich auch noch einmal an den ungerechtfertigten Informationsvorsprung, den die drei im Rat vertretenen Wörterbuchredaktionen genießen. Bisher war das nicht so wichtig, aber nun ist mit Klett-Pons ja ein ernsthafter Konkurrent aufgetreten, der sich wohl in den Rat "einklagen" könnte.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 27.07.2009 um 00.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7870

Was das dudeneigene Regelwerk betrifft, so wurde eine bereits 2006 monierte Lücke nicht geschlossen, was um so schwerer wiegt, als das amtliche Regelwerk im Duden nun nicht mehr abgedruckt ist.

Bekanntlich hatte die Revision von 2004 die Zusammenschreibung bei adjektivtisch gebrauchten Partizipien vom Typ alleinerziehend, allgemeinbildend, leichtverletzt, schwerbeschädigt usw. fakulativ wiederhergestellt, jedoch nicht bei Adjektiven, also noch nicht allgemeingültig, leichtverdaulich usw. Diese Schreibungen wurden erst durch die erneute Revision 2006 möglich.

Bis heute hat es die Dudenredaktion versäumt, ihr Regelwerk dieser Änderung anzupassen. Sucht man im Wörterverzeichnis bei diesen Wörtern nach einem Verweis auf die betreffende Kennziffer, so wird man nicht fündig. Vielmehr besagen die Duden-Regeln: »Für Fälle, die in K 57 bis 59 nicht beschrieben sind, gilt in der Regel Getrenntschreibung.« Die auf diesen Satz folgende Einschränkung (Verbindungen mit »nicht«) ist nicht einschlägig, so daß der Ratsuchende davon ausgehen muß, daß Schreibungen wie allgemeinverbindlich unzulässig wären.

Im Wahrig, wo auch das amtliche Regelwerk noch abgedruckt ist, wird in solchen Fällen korrekterweise auf § 36 (2.2) verwiesen, so daß der Benutzer nicht allein gelassen wird.

Im ÖWB ist das amtliche Regelwerk zwar nur noch in der (kaum verbreiteten) Buchhandelsausgabe abgedruckt und nicht mehr in der Schulausgabe (die Vollversion fristet in Österreich im Gegensatz zur Schulausgabe, die so gut wie jeder zu Hause hat, ein absolutes Nischendasein!), aber auch das eigene Regelwerk des ÖWB hat die Änderung längst umgesetzt:

»2.2 Getrennt oder zusammen schreibt man

[...]

2.2.2 Verbindungen mit einem einfachen Adjektiv, das das folgende in seiner Bedeutung abstuft:

schwer verständlich/schwerverständlich
eng verwandt/engverwandt
allgemein gültig/allgemeingültig
Aber nur getrennt bei Steigerung oder Erweiterung des Adjektivs: leichter verdaulich, besonders schwer verständlich, höchst erfreulich

Sowohl der Wahrig als auch das ÖWB beschreiben somit im Gegensatz zum Duden den Sachverhalt zutreffend.

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.07.2009 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7869

zur Frage von Frau van Thiel, #7860:
Bis 2006 ließ der Duden nur "eine Hand voll Kirschen" gelten. Danach (also schon seit der vorletzten Auflage 24) wird die Handvoll nicht nur wieder erlaubt, sondern ist sogar die vom Duden empfohlene Variante.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 26.07.2009 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7868

Anscheinend sind 29 Einträge betroffen:

1. der Arianische Streit
2. das Augusteische Zeitalter
3. die Dakischen Kriege
4. der Deutsch-Französische Krieg (1870/71)
5. der Dreißigjährige Krieg
6. der Dritte Punische Krieg
7. das Elisabethanische Zeitalter
8. der Erste Weltkrieg
9. das Franziskojosephinische Zeitalter
10. die Französische Revolution
11. der Kalte Krieg
12. die Erste Katilinarische Verschwörung
13. die Konstantinische Schenkung
14. der Korinthische Krieg
15. das Obere Kambrium
16. der Lange Marsch
17. der Peloponnesische Krieg
18. die Punischen Kriege
19. Saturnisches Zeitalter
20. der Schwarze Freitag
21. der Siebenjährige Krieg
22. Sizilianische Vesper
23. der Spanische Erbfolgekrieg
24. der Trojanische Krieg
25. die Viktorianische Zeit
26. der Westfälische Friede
27. das Wilhelminische Zeitalter
28. der Zwanzigste Juli
29. der Zweite Weltkrieg

Sofern die Suchfunktion richtig funktioniert hat, müßte die Liste vollständig sein.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2009 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7867

Herr Dörner analysiert ganz richtig die Verschiebung der Bezeichnungen historischer Ereignisses usw. in den Paragraphen 60. Dies geht auf die AG GKS im Rat zurück und wurde am 3. Februar 2006 beschlossen. Die Dudenredaktion scheint das nicht mitbekommen zu haben. Erst in der Neubearbeitung 2009 werden die Konsequenzen für die dudeneigenen Regeln gezogen, aber noch nicht für die Verweispraxis im Wörterverzeichnis. Wie viele Fälle das betrifft, könnte man leicht herausfinden, wenn man eine elektronische Fassung besitzt.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 26.07.2009 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7866

Wie der Wahrig auf 90 % Übereinstimmung seiner Empfehlungen mit denen der Presseagenturen kommt:

Im Wörterverzeichnis werden 52 Empfehlungen abgegeben. In sieben Fällen (blauer Brief, braungebrannt, engbefreundet, Fastfood, Kupplung kommenlassen, nahegelegen und Smalltalk) geben die Presseagenturen anderslautende Empfehlungen ab, so daß die Redaktion auf eine Übereinstimmungsquote von 86,5 % kommt, die sie großzügig auf 90 % aufrundet, obwohl in einigen Fällen die Presseagenturen gar keine Empfehlung abgegeben haben und so eine Diskrepanz nicht auftreten kann (z. B. beim Grünen Tisch (der Duden kennt nach wie vor nur den grünen Tisch!) oder beim Runden Tisch).

Infokästen zur Fremdwortschreibung sind zwar zahllos vorhanden, aber dort erfährt man nur, daß man entweder so oder auch anders schreiben kann. Was diese Kästen mit den Empfehlungen zu tun haben sollen, bleibt im unklaren.

Da die Presseagenturen in ihren Listen die jeweils abgelehnte Variante nicht angeführt haben, mußte sie die Wahrig-Redaktion selbst suchen, und gleich auf der ersten Seite springt ein alleinseligmachend ins Auge, was natürlich nicht die Variante von allein seligmachend ist, sondern die traditionelle Schreibung, die nicht mehr zulässig sein soll.

Und eine schon in einer Rezension des Knaur von 1992 (also der 2. Auflage des Wahrig) bemängelte Vergeßlichkeit ist auch 2009 nicht korrigiert, wie ich soeben sehe: Die SPÖ wird im Wahrig 18 Jahre nach deren Umbenennung noch immer Sozialistische Partei Österreichs genannt. Glücklicherweise hat die Redaktion im Gegensatz zum Duden keinen »Österreich-Wahrig« herausgegeben ...

Der Blaudruck von Existenzialismus usw. ist ungerechtfertigt, denn diese Schreibung war schon im Duden von 1991 verzeichnet. Bei weniggelesen/wenig gelesen wurde der Blaudruck genau falsch herum verwendet. In der 24. Auflage des Dudens findet man noch, wie es sich wirklich verhält. Bei bereithalten und bereitmachen sind Blau- und Schwarzdruck jeweils völlig durcheinandergeraten. Man muß dem Wahrig allerdings zugute halten, daß dem Duden in seiner 24. Auflage dasselbe passiert ist. Die ÖWB-Redaktion erkannte schon 1990 die Schwierigkeiten bei Fügungen mit bereit und wies im Einbanddeckel der 37. Auflage (alte Rechtschreibung!) darauf hin, daß ab sofort in Österreich in allen Fällen mit bereit grundsätzlich Zusammen- wie auch Getrenntschreibung zulässig wäre. Im Wörterverzeichnis wurde dies auch umgesetzt. Leider konnten sich die Reformer nicht auf solche einfache Lösungen einigen.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 26.07.2009 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7864

Zu K 89 und K 151:

Hier hat sich eine (zunächst weitgehend unbemerkte) Änderung des amtlichen Regelwerks von 2006 im Vergleich zu 1996/2004 mit einer Unachtsamkeit der Bearbeiter des »Österreich-Dudens« vermengt.

Die Auflösung, wie es dazu kommen konnte:

Laut den amtlichen Regelwerken von 1996 und 2004 schrieb man Westfälischer Friede usw. nach § 64 (4) groß, obwohl kein Eigenname vorliegt. Insofern war die seit der 22. Auflage (2000) praktizierte Einordnung dieser Begriffe unter K 89 und K 151 richtig.

Den Bearbeitern des »Großen österreichischen Schulwörterbuchs« (also dem Prototypen der 25. Auflage des Rechtschreibdudens) war aufgefallen, daß historische Ereignisse vom amtlichen Regelwerk 2006 plötzlich als Namen aufgefaßt werden und nach § 60 (6) groß geschrieben werden müssen. Aufgrund dessen wurden der entsprechende Unterpunkt aus K 89 und K 151 entfernt, und die Beispiele wurden (wie jetzt auch im deutschen Duden zu sehen) nach K 88 verschoben, wo korrekterweise auf § 60 verwiesen wird.

Leider hat es die Redaktion beim »Großen österreichischen Schulwörterbuch« übersehen, die Verweise im Wörterverzeichnis zu ändern, so daß jetzt auch im Rechtschreibduden konsequent auf die nun nicht mehr einschlägigen K 89 und K 151 (statt auf K 88) verwiesen wird.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 26.07.2009 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7863

Zu Nr. 7859:
Ich glaube, es liegt daran, daß im einen Fall der Artikel eingespart wurde. Im ursprünglichen Regelwerk, das im 1996er Duden abgedruckt ist, steht in § 36: "Substantive, Adjektive, Verbstämme, Adverbien oder Pronomen können mit Adjektiven oder Partizipien Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie zusammen." Und weiter: "Dies betrifft (1) Zusammensetzungen, bei denen der erste Bestandteil für eine Wortgruppe steht, zum Beispiel: angsterfüllt (= von Angst erfüllt), bahnbrechend (= sich eine Bahn brechend), ... freudestrahlend (= vor Freude strahlend), herzerquickend (= das Herz erquickend) ..."
Die Duden-Redaktion hat dann in ihrer Regel 40 (ebenfalls 1996) geschrieben: "... Man schreibt zusammen, wenn gegenüber einer entsprechenden gebräuchlichen Wortgruppe z. B. eine Präposition (ein Verhältniswort) oder ein Artikel eingespart wird [36 (1)]."
Den Umkehrschluß hat sie aber nicht so deutlich benannt, daß man dann, wenn etwas eingespart wird, eben nicht auseinanderreißen darf.
Ich denke, daß in diesem Fall die Regel noch halbwegs logisch ist und die Reformer nicht völlig wirr im Kopf waren. Man muß diese Regel aber wirklich mit der Lupe suchen, und "bei den Leuten" ist sie nie angekommen. Deswegen wurde und wird auseinandergerissen, was das Zeug hält. Die Ergebnisse sind auf diesen Seiten unter "Fundstücke" zu besichtigen.
Über eine eventuelle Fortschreibung dieser Regel weiß ich nichts. Im Regelwerk von 2006, herausgegeben vom Institut für Deutsche Sprache, habe ich gar nichts gefunden.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2009 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7862

Duden und Wahrig haben jeweils genau 1216 Seiten, beide wiegen je zweieinhalb Pfund, sind buchtechnisch minderwertig – und stammen aus derselben Fabrik in "Pößneck (Stadt in Thüringen)" (Duden). Beide erscheinen unter demselben Verlagsdach, so daß weitere Synergie-Effekte in Kürze zu erwarten sind, nämlich das Verschwinden eines der beiden Werke vom Markt.

Klett hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt mit seinen PONS-Wörterbüchern auf das Wiki-Prinzip: Die Benutzer arbeiten am Wörterbuch mit. Das einzige Problem besteht darin, die Ergebnisse auch in Korrekturprogramme umzusetzen. Mit Programmen glaubt Duden noch einen Vorsprung zu haben, aber wie lange noch?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2009 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7861

Zur Frage von Herrn Strasser: Die Logik dahinter ist die, ob gegenüber der Wortgruppe z. B. der Artikel eingespart ist. Ich selbst hatte vor dreizehn Jahren darauf hingewiesen, daß man eher sagt: "saugt Blut", aber "stillt das Blut" - ohne natürlich die Reformschreibung zu unterstützen. Also auch: "spart Energie", aber "schont die Nerven".
Aber das Ganze geht natürlich an der tatsächlichen Univerbierung vorbei und führt, wie man ja sieht, in nicht mehr nachvollziehbare Subtilitäten. Dagegen hilft nur Orientierung an der Empirie; dem bin ich gefolgt.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 26.07.2009 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7860

Frage zu Nr. 7958:
Gibt es "die Handvoll" jetzt tatsächlich wieder? Ist das nur eine "erlaubte" Variante oder wieder der ursprüngliche Zustand?
(Ich besitze das neueste Kunstwerk aus dem Hause Duden nicht, deswegen die Frage.)

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 26.07.2009 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7859

Die lexikalische Logik verstehe ich noch nicht ganz.
Wenn Energie sparend die Hauptform von energiesparend ist und beides verzeichnet, wieso wird dann z. B. nur nervenberuhigend und nicht auch Nerven beruhigend angeführt?
Heißt das, daß es Nerven beruhigend gar nicht gibt, oder ist es nur lexikalische Schlamperei?
Andererseits, wenn es Nerven beruhigend gar nicht gäbe, wieso gibt es dann Energie sparend?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2009 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7858

Die unverwüstliche Clara Zetkin ist im Wahrig weiterhin enthalten. Da Hitler nicht erwähnt werden darf, fehlt auch der Hitlergruß, der heutzutage selbst von Gartenzwergen gezeigt wird und die Staatsanwälte beschäftigt, in beiden Wörterbüchern. Stalin und daher auch seine Orgel passieren die Zensur dagegen unbeanstandet.

Duden: Unter K 89 und K 151 ist jeweils der Punkt gestrichen, der die Großschreibung bei historischen Ereignissen regelt. Trotzdem wird z. B. unter Elisabethanisches Zeitalter, Franziskojosephinisches Zeitalter, Westfälischer Friede auf jeweils eine dieser K-Nummern verwiesen.

Hier ein knapper Einblick in die Praxis der Duden-Empfehlungen:

Furcht einflößend, furchterregend, Energie sparend, platzsparend, Raum sparend, zeitsparend, Staaten bildend, klassenbildend, Sporen bildend, blutbildend, Segen spendend, gnadenbringend, kaputt machen, kaputtsparen, stramm ziehen, strammstehen, geradebiegen, gerade richten, allgemeingültig, allgemein verbindlich, nichtssagend, nichts ahnend, weit gereist, weitverbreitet, hochdekoriert, hoch dotiert, eine Handvoll, eine Zeit lang

Alles klar?

Der Duden empfiehlt die Großschreibung von Hunderte, Tausende, Dutzende, „da vor allem die Kleinschreibung von 'Dutzende' sehr ungewohnt sein dürfte.“ (S. 18) – Ungewohnt? Wenn es doch die „alte“ Rechtschreibung praktisch gar nicht mehr gibt, wie der Dudenchef behauptet?

Beide Wörterbücher berufen sich auf umfangreiche Textkorpora. In beiden Fällen verdient dies kein Vertrauen. Ich hatte schon beim vorigen Wahrig gefragt, wie oft wohl die Sternutationstheorie im Korpus belegt ist, und so in unzähligen Fällen.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.07.2009 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7857

Das griechische Originalwort wird "phoonä" die Stimme und "phooneoo" sprechen, tönen geschrieben, im Unterschied zu "phonos" 1) Mord, 2) Masse, Klumpen und "phonaoo" morden.

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 26.07.2009 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7856

Unter http://www.owid.de betreibt auch das Institut für Deutsche Sprache ein Online-Wörterbuch.
So genannt ist okay, sogenannt wird als Variante in alter Rechtschreibung dargestellt.
Jedesmal ist verboten, jedesmalig aber erlaubt.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 25.07.2009 um 21.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7855

"Phon" ist nun gerade kein einheimisches Wort, aber "schon" kann man doch wohl als ein solches bezeichnen. Dann müßte man demnach regelkonform (Regel konform?) "schohn" schreiben. Schließlich sind alle genannten Bedingungen erfüllt.

Wer weiß, vielleicht hätten wir uns alle nach zwanzig Jahren staatlich verordneter Gehirnwäsche auch "schohn" daran gewöhnt. Was macht es da, daß das schohn schohn direkt nach dem Tippen schöhn blöhd aussieht! (Aber halt, womöglich gilt die Regel gar nicht bei Umlauten!)

 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.07.2009 um 20.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7854

Phon (Neuschreibung Fon) ist offenbar kein einheimisches Wort, sonst müßte es (lt. Wahrig) nämlich Phohn (oder Fohn) geschrieben werden.
Aber das wissen die Kinder klarerweise, Gott sei Dank ...

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 19.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7853

Den § 34 legt Wahrig so aus, als gebe es von den „untrennbaren Verben“ wie brustschwimmen gar keine gebeugten Formen. Aus der amtlichen Regelung geht nicht hervor, daß daran gedacht sein könnte. Die Wörter brustschwimmen, delfinschwimmen und marathonlaufen stehen in einer Reihe mit brandmarken usw. Es ist anzunehmen, daß amtlich gilt: daß wir brustschwimmen/wir wollen brustschwimmen. Nach Wahrig würde aber gelten: daß wir Brust schwimmen/wir wollen brustschwimmen, denn: „Die gebeugte Form schreibt man immer getrennt“ und: „Im Falle der Getrenntschreibung wird das Substantiv stets großgeschrieben.“ (S. 254)
Die Neuschreibung Föhn (für den Haartrockner) wird so begründet:
„In einheimischen Wörtern, in denen auf die Konsonanten l, m, n, oder r kein weiterer Konsonant folgt, wird nach einem betonten langen Vokal ein Dehnungs-h ein gefügt.“ Es wird auf § 8 (1) verwiesen. Dort steht allerdings: „Wenn einem betonten langen Vokal einer der Konsonanten l, m, n oder r folgt, so wird in vielen, jedoch nicht in der Mehrzahl der Wörter nach dem Buchstaben für den Vokal ein h eingefügt.“

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 18.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7852

Bin ich begriffsstutzig oder vergeßlich? Der neue Wahrig gibt S. 99ff. ein Verzeichnis: „Empfohlene Schreibweisen der deutschsprachigen Presseagenturen“. Dazu heißt es: Die Empfehlungen stimmen zu rd. 90 Prozent mit von WAHRIG empfohlenen Schreibungen überein (vgl. z. B. die Info-Kästen in 'WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung' zur Fremdwortschreibung).“
Welche WAHRIG-Empfehlungen und welche Info-Kästen sind gemeint?
Es gibt doch kaum mehr als 50 Empfehlungen in diesem Wörterbuch. - Sollte die "Wahrig-Hausorthografie" "Ein Wort - eine Schreibung" gemeint sein?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7850

Gewiß werden wir unsere gesammelten Beobachtungen zum Duden und zum Wahrig (und ÖWB, auch zum angekündigten PONS-Wörterbuch, das nächste Woche gratis im Netz stehen soll – es toppt die anderen mit 140.000 Einträgen ...) bald zu einer Gesamtschau vereinigen können, aber bis dahin dürfte es das beste sein, wenn wir sie erst einmal hier zusammentragen. (Dank an Hern Dörner für seine gewissenhaften Untersuchungen!)

Zwischen Eurhythmie und Eurythmie gibt es nichts zu empfehlen, denn das zweite, nach wie vor vom Duden empfohlene, entspricht der anthroposophischen Terminologie. Immerhin ist die Empfehlung für den medizinischen Sprachgebrauch gestrichen, die ich an der vorigen Auflage moniert hatte.
Eisschnell-Lauf ist wieder getilgt.
Der Duden weiß, daß die Mathematiker nichteuklidisch schreiben, empfiehlt aber für den sonstigen Gebrauch Getrenntschreibung. Aber wo kommt dieser Fachausdruck überhaupt vor, wenn nicht in mathematischen Zusammenhängen?
Im Kasten zu allgemein steht weiterhin:
„In Verbindung mit einem Adjektiv kann je nach Betonung getrennt oder zusammengeschrieben werden: die allgemeingültigen od. allgemein gültigen Bestimmungen.“ Daraus geht aber nicht hervor, ob es sich um eine obligatorische Unterscheidungsschreibung handelt; die verschieden betonten Konstruktionen sind ja auch semantisch verschieden und keine bloß orthographischen Varianten. Dagegen werden wiedereröffnen und wieder eröffnen mit ihrer unterschiedlichen Betonung nicht mehr als Schreibvarianten, sondern tatsächlich als verschiedene Ausdrücke nebeneinandergestellt. So hätte es eigentlich in zahllosen ähnlichen Fällen gehandhabt werden müssen. Zwischen hoch gelobt mit betontem Zweitglied und hochgelobt mit Betonung auf der ersten Silbe ist nicht durch eine Empfehlung zu entscheiden; es sind ja verschiedene Ausdrücke, nicht nur verschiedene Schreibweisen. Ebenso kann man zwischen weiterbestehen (mit Anfangsbetonung) und weiter bestehen (mit zwei Akzentstellen) doch keine orthographische Empfehlung (Duden natürlich für Getrenntschreibung!) aussprechen.

"Wird die Fortdauer eines Geschehens ausgedrückt, schreibt man im Allgemeinen zusammen, wenn 'weiter' die Hauptbetonung trägt, und getrennt, wenn das Verb gleich stark betont wird:
- weitermachen; weiterspielen usw.
- sie hat dir weiter (weiterhin) geholfen
- die Probleme werden weiter bestehen od. weiterbestehen" (S. 1169)
Die Konstruktion mit Adverb ist grammatisch verschieden von der Verbzusatz-Konstruktion. Haben die Verfasser der Dudengrammatik hierzu denn gar nichts zu sagen?

Der Duden glaubt, die Unterscheidungsschreibung blaurot (Farbmischung) vs. blau-rot (Farbkombination) empfehlen zu können, aber im Wörterverzeichnis findet man nur blaurot, und auch das amtliche Regelwerk kennt die Unterscheidungsschreibung nicht mehr. Wahrig stellt die Sache richtig dar. Der Bindestrich ist aber auch nicht mit dem Hinweis auf unübersichtliche Zusammensetzungen zu rechtfertigen, denn blaurot ist so übersichtlich wie nur möglich.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7849

In den "Hinweisen zur Benutzung" steht bei Wahrig neuerdings:
„Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist die verbindliche Instanz für die deutsche Orthographie.“ (S. 8)
Das ist nicht wahr, der Rat kann lediglich Vorschläge machen, die von den Kultusministern erst noch gebilligt und umgesetzt werden müssen. Er ist also ein Beratungsgremium.
„Der Rat ist somit die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung ...“ (Der Rat über sich selbst) – „die zentrale Instanz in Fragen der Rechtschreibung“ (Zehetmair über den Rat)

An sich ist die beratende Funktion des Rechtschreibrates klar definiert, aber die Reformbetreiber geben sich Mühe, diese Funktion zu verunklaren, um eines Tages den Rat auch ohne die Kultusminister zu einem entscheidungsbefugten Gremium umdeuten zu können. Das ist in der gegenwärtigen Besetzung allerdings schwer vorstellbar.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7847

Das Vorwort von Zehetmair zum neuen Wahrig ist zwar nicht mehr ganz so verdreht wie das frühere, enthält aber auch seltsame Wendungen. Natürlich suggeriert der Verfasser am Anfang wieder mal die Allgemeinverbindlichkeit der Neuregelung. Dann geht es weiter:
"Sprache ist der Schlüssel von Kultur." Hat Kultur einen Schlüssel?
Wieso hat Sprache eine "kulturelle Leitfunktion"?
Wie kann man "beobachten", wie weit sich die Neuregelung in der Schule durchsetzt? Die Schule setzt halt die Reformschreibung durch, dank der "Regelungsgewalt" der Schulministerien. Lehrer dürfen sich nicht widersetzen, Schüler bekommen Fehler angerechnet, basta.
Wiederum "gratuliert" (vorige Auflage: "beglückwünsche") der Ratsvorsitzende der Wahrig-Redaktion "sehr herzlich". Warum eigentlich? Die Leute machen doch nur ihre Geschäfte oder versuchen es wenigstens.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 24.07.2009 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7838

Herr Dörner, danke, daß Sie den niedergeschriebenen Irrsinn bei Wahrig so genau dokumentiert haben. Wer kann denn noch klar denken, wenn er das alles gelesen hat? (Ich nicht.)

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.07.2009 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7837

Durch die gelben Variantenmarkierungen im Duden (25. Auflage) werden einige Wörter ohne triftigen Grund so überdeutlich hervorgehoben, daß man unwillkürlich hinsehen muß und ständig abgelenkt wird, wenn man eigentlich etwas ganz anderes sucht.
Die Information, daß eine Variante empfohlen wird, ist hinreichend bereits dadurch gegeben, daß sie an erster Stelle steht. Das ständige Gelb ist nicht nur überflüssig, sondern äußerst aufdringlich und lästig.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 24.07.2009 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7836

Zur Flut an Hausorthographien bei der Wahrig-Redaktion:

Ganz interessant ist, daß der Wahrig nun über mindestens drei (wenn nicht vier) aktuelle Hausorthographien bzw. Variantenempfehlungen verfügt.

Beginnen wir mit der ersten, der sogenannten Hausorthografie von Wahrig (namens Ein Wort – eine Schreibung), welche inzwischen kostenlos auf der Homepage des Verlags herunterzuladen ist und im Oktober 2006, also wenige Monate nach der 6. Auflage des Wahrig, herausgegeben wurde. Schon damals fiel auf, daß die dort empfohlenen Schreibweisen weder mit den 52 Empfehlungen im Wahrig (2006) noch mit der dort von der Redaktion selbst praktizierten Orthographie in Einklang zu bringen ist.

Sowohl in der 6. als auch (unverändert) in der 7. Auflage (2009) findet man zwar keine vollständig ausgearbeitete Hausorthographie, aber die soeben erwähnten 52 Empfehlungen der Wahrig-Redaktion. Nach diesen soll man beispielsweise im nahegelegenen Gasthof schreiben, da diese Verbindung gemäß Schreibgebrauch und Bedeutung als zusammengehöriges Adjektiv empfunden wird. Ein Blick in die Hausorthografie verrät jedoch, daß die Wahrig-Redaktion Getrenntschreibung empfiehlt, denn dort kennt sie nur die Getrenntschreibung nahe gelegen. Man soll sie gehen im nahe gelegenen Park spazieren schreiben.

Als dritte Hausorthographie bietet der Wahrig in seiner 7. Auflage jetzt auf 15 Seiten die Empfehlungen der deutschsprachigen Presseagenturen an, ohne seine eigenen Empfehlungen diesen anzupassen oder sich gar danach zu richten. Will der Ratsuchende also wissen, wie er braungebrannt/braun gebrannt am besten schreibt, so empfehlen ihm die Tabellen die Getrenntschreibung: braun gebrannt. Schlägt er jedoch im Wörterverzeichnis nach, so lernt er, daß [i]diese Verbindung gemäß Schreibgebrauch und Bedeutung als zusammengehöriges
Adjektiv empfunden wird[/i], er also ein braungebrannter Urlauber schreiben solle.

Als vierte Hausorthographie muß die eigene Praxis der Wahrig-Redaktion betrachtet werden: Sie schreibt (entgegen ihrer Hausorthografie oder den Tabellen der Nachrichtenagenturen) Geographie, Paragraph usw. und bleibt sogar bei Orthographie (nur auf dem hinteren Einbanddeckel hat sich ein orthografisch eingeschlichen).

Ob sich noch eine fünfte Hausorthographie entdecken läßt? Was die abgedruckte Reihenfolge der Varianten bei der Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft, so herrscht im Wörterverzeichnis der 7. Auflage jedenfalls nach wie vor Chaos: blank legen kommt z. B. vor blanklegen, blankliegen aber vor blank liegen. Um ein Überbleibsel aus der bewährten Orthographie kann es sich nicht handeln, da diese für beide Fügungen Getrenntschreibung vorsieht. Zufällig stimmen diese Reihenfolgen aber mit den Empfehlungen der Nachrichtenagenturen überein, nach denen man blank legen, aber Nerven, die blankliegen schreiben soll. Sucht man aber weiter, entpuppt sich diese Vermutung schnell als Trugschluß: Obwohl die Nachrichtenagenturen z. B. breitgefächert bevorzugen, führt der Wahrig breit gefächert vor breitgefächert an. Wieder nichts. Allerdings läßt sich dem Wahrig auch noch eine sechste Hausorthographie entnehmen, da Neuschreibungen im Gegensatz zum Duden noch durch Blaudruck kenntlich gemacht werden: bei Varianten die herkömmliche, die auch von der SOK empfohlen wird. Unter all den möglichen Hausorthographien innerhalb der Regelung von 2006 ist sie mit Sicherheit die beste.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2009 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7834

Der neue Duden beruft sich auch wieder auf das legendäre Duden-Textkorpus, an dem er sich bei der Auswahl seiner Stichwörter orientiert haben will. Ich bezweifle nach wie vor, daß die "Voltairianerin", die "Ziegelbrennerin" und andere exotische Geschöpfe darin mit nennenswerter Häufigkeit belegt sind.
Zum Kapitel Politische Korrektheit gehört, daß weiterhin die orthographisch schwierigen Namen der Nazi-Größen unterdrückt sind, nicht aber die der Helden des Sozialismus. Auch "Sippenhaft" ist weggelassen, obwohl es ungleich häufiger gebraucht wird als "Ziegelbrennerin".
Man folgt offenbar dem archaischen Grundsatz, verurteilenswerte Dinge sollten - sei es auch zum Zwecke der Verurteilung - nicht einmal genannt werden dürfen. You-know-who ... Kaum zu glauben, aber so sind diese Leute, vom glücklich entnazifizierten Duden gleich ins andere Extrem fallend.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2009 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7833

Sogar das dicke Universalwörterbuch ist ja so gebunden, daß der Pappdeckel nur über ein wenig Papier mit dem Rücken verbunden ist. Vo einigen Jahren fiel mir der Band mal vom Schoß auf den Teppich, sofort war der gesamte vordere Einbanddeckel abgerissen. Mein erster Reformduden verlor bei ganz normaler Behandlung alsbald den Rücken und dann auch die Einbanddeckel. Man vergleiche ältere Ausgaben des Muret-Sanders! Oder mein Rechtschreibwörterbuch, das dank Matthias Drägers Sorgfalt so fest gebunden ist, daß man damit eine Weile Fußball spielen kann, bevor es Schaden nimmt ... Der Dudenverlag tut so, als wisse er gar nicht, wie Wörterbücher strapaziert werden.

 

Kommentar von Pt, verfaßt am 23.07.2009 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7832

Wurden die Kopfnoten nicht bereits vor längerer Zeit abgeschafft?

 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 23.07.2009 um 09.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7831

Da 2011 schon wieder neue Wörterbücher erscheinen müssen, dürfte auf eine gute Verarbeitung der 2009er-Auflagen verzichtet worden sein.

 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 23.07.2009 um 09.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7830

Herr Dörner, mein 2009er-Wahrig ist ebenfalls in der von Ihnen beschriebenen Weise „wellig“. Mein 2005er-Wahrig weist dieses Phänomen nicht auf. Druck und Bindung wurden von derselben Firma ausgeführt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2009 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7829

Der Wahrig wird auch mit dem Hinweis auf "zahlreiche" Neuaufnahmen beworben - ganz verständlich, weil sich ja orthographisch nichts Neues bietet. Aber die Zahl wird nicht genannt, und wie Herr Dörner zeigt, kann sie nicht bedeutend sein. In der Werbung werden Kopfnote, Speeddating, Whiteboard, Exoplanet genannt, also lauter Wörter, die nicht im neuen Duden stehen. Kopfnote hat noch nie dringestanden, auch nicht in den großen Dudenwörterbüchern, obwohl es schon viele Jahrzehnte ziemlich bekannt ist. Als Schulkinder hatten wir stets auch "Kopfnoten" im Zeugnis. Man kennt es auch in der Sprache der Parfümeure und in der "Weinansprache"; beide Bereiche sind sprachwissenschaftlich bearbeitet (Peter Blumenthal, Hans Peter Althaus u.a.).
Es ist gewissermaßen ein Akt der Selbstbezichtigung, wenn nun damit geprahlt wird, man habe Kopfnote endlich aufgenommen.
Das ist aber sowieso alles Firlefanz. Man kann den täglichen Neologismen nicht mit einem Druckmedium gerecht werden. Hätten die Redaktionen bis vorgestern gewartet, wären sie auf die "Flatrate-Hure" gestoßen, die in einem entsprechenden "Flatrate-Bordell" arbeitet usw. Was soll's?
Man kann auch die Hälfte des bekanntlich nicht kleinen englischen Wortschatzes aufnehmen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2009 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7828

Den Eindruck kann ich bestätigen. Überhaupt ist der Duden mit über 1200 Seiten geradezu lächerlich verarbeitet, ein lappiger Pappband, der offensichtlich nicht auf Dauer angelegt ist. Wenn man bedenkt, wie die früher wesentlich besser gebundenen Duden nach einiger Zeit intensiven Gebrauchs aussahen, kann man vor der Benutzung der neuen (gelben) Duden nur warnen – sie halten das nicht aus. Gleichwohl ist ein solch miserables Buch vor einiger Zeit unter die "schönsten Bücher" geraten – Schiebung? Das Unzweckmäßige, Allzubillige kann nicht schön sein.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 23.07.2009 um 01.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7827

Noch ein kurzer Nachtrag, der mehr technischer Natur ist:

Sowohl beim neuen Duden als auch beim neuen Wahrig zeigt das Papier der Bücher eine deutlich sichtbare Wellenbildung, welche am auffälligsten ist, wenn man direkt von oben auf den Schnitt blickt. Da ich die Bücher sehr gut behandele, schließe ich auf eine mangelhafte Verarbeitung.

Keine der Vorauflagen (weder beim Duden noch beim Wahrig) war bzw. ist von diesem Phänomen betroffen. Vertragen die Bücher möglicherweise nur meine Raumluft nicht, oder sind die Exemplare der anderen Diskussionsteilnehmer ebenfalls schlecht verarbeitet?

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 23.07.2009 um 00.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7826

Hier beispielhaft die komplette Aufstellung der Unterschiede zwischen der 6. und der 7. Auflage des Wahrig beim Buchstaben A:

S. 147: Abwrackprämie hinzugefügt, Eintrag abwerben leicht gekürzt, Beschreibung von A-cappella-Chor getilgt.

S. 162: allgemeine Hochschulreife unter allgemein ergänzt.

S. 163: Eintrag alphabetisieren gekürzt.

S. 168: Im Kasten an, anstatt, an ... statt ein Beispielsatz modifiziert, Eintrag Anachronismus gekürzt, Analogkäse hinzugefügt.

S. 171: Eintrag Anekdote gekürzt, im Eintrag Anemograf/Anemograph eine unnötige Trennung aufgehoben, anfixen hinzugefügt.

Resultat: ganze drei neue Einträge unter A.

Die Änderungen gegenüber der Vorauflage müssen mit der Lupe gesucht werden. Ob das die Käufer wissen?

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.07.2009 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7824

Offensichtlich hat es man bei der Überarbeitung des ursprünglichen Regelwerks versäumt, den Verweis auf § 45 (2) anzupassen. In der Fassung von 1996 waren Fälle wie wissenschaftlich-technischer Fortschritt und lateinisch-deutsches Wörterbuch tatsächlich noch dort aufgeführt, neben Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz und anderen Nominalkomposita. Bei der Revision 2004 wurden »unübersichtliche Zusammensetzungen aus gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven« ausgelagert und im neu eingefügten § 44 (2) untergebracht. Auch bei der Revision 2006 wurde der falsche Verweis nicht korrigiert.

Übrigens glaube ich nicht, daß man in lateinisch-deutsches Wörterbuch den Bindestrich deshalb setzt, weil lateinischdeutsches unübersichtlich wäre. Vielmehr markiert der Bindestrich hier die Grenze zwischen zwei gleichrangigen Adjektiven, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Eine deutschschweizerische Arbeitsgruppe ist etwas anderes als eine deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.07.2009 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7823

In der polnischen Lateinschrift "borszcz", das russische und das ukrainische Alphabet haben einen kyrillischen Einzelbuchstaben für den Laut "schtsch".

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2009 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7822

Zur Empfehlungspraxis des neuen Duden: Was ich schon 2006 moniert hatte. ist stehengeblieben:(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=607), ich setze es noch einmal hierher.

In den Benutzungshinweisen liest man zur Empfehlungspraxis: "Bei zusammengesetzten Farbbezeichnungen können die Abtönung einer Farbe (z. B. ein bläuliches Rot) durch Zusammenschreibung ('blaurot'), das Nebeneinander zweier Farben durch Bindestrichschreibung (ein Kleid in Blau und Rot ist ein 'blau-rotes' Kleid) ausgedrückt werden. Diese Unterscheidung hilft, Missverständnisse zu vermeiden, und wird deshalb von uns empfohlen." Das Wörterverzeichnis kennt dann aber doch nur blaurot. Nur der Kasten zu blau enthält einen Hinweis auf die genannte Differenzierung, die als Regel unter K 23 formuliert ist. Sie stimmt mit der alten Dudenregel überein, hat aber keine Entsprechung im reformierten Regelwerk. Dieses sieht unter § 36 (1.4) gerade für nebengeordnete Adjektive nur Zusammenschreibung vor, blaugrau und grünblau sind ausdrücklich angegeben; der Verweis auf § 45 (2) (Bindestrich bei unübersichtlichen Zusammensetzungen) ist nicht einschlägig.

Auch jetzt wieder steht der Benutzer vor der Schwierigkeit, eine Bedeutungsunterscheidung aus Schreibweisen herauszulesen, die ausdrücklich nicht bedeutungsunterscheidend sein sollen. Und wiederum steht im Wörterverzeichnis nur "blaurot", nicht als Empfehlung, wie versprochen, sondern als einzige zulässige Schreibung überhaupt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2009 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7821

Der neue Duden enthält ein Kapitel "Sprache in Zahlen". Darin wird behauptet, das Wort "Borschtsch" enthalte "acht aufeinanderfolgende Konsonanten". Hier wie auch bei den übrigen Angaben werden Laute und Buchstaben verwechselt. Meiner Ansicht nach folgen in "Borschtsch" gerade mal zwei Konsonanten aufeinander - oder sind es drei? Ich bin leider kein Slavist.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2009 um 17.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7820

Begeisternde Werbung treibt auch die "Hessisch-Niedersächsische Allgemeine": "Der neue Duden ist da" - unter der Rubrik "Nachrichten für Kinder"! (Paßt zum Niveau dieser Zeitung!)

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 22.07.2009 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7819

Kurze Anmerkungen zum neuen Wahrig:

Wie der Wahrig seinen Wortbestand angeblich um 5000 von 125.000 auf 130.000 steigern kann, erschließt sich nicht, denn das Wörterverzeichnis, unverändert in Layout und Schriftgröße, umfaßt nach wie vor exakt 1049 Seiten (von zwei entfernten Leerseiten zu Beginn einmal abgesehen). Viele Seiten im Wörterverzeichnis sind schlichte Kopien (!) der Vorauflage, so daß sich nicht einmal ein einziger Eintrag verschoben hat. Dies ist im Duden bekanntlich ganz anders. Daß der Wahrig nicht mit Neologismen wirbt, ist aus dieser Sicht nachvollziehbar, da es sich in der Neuauflage nur um eine fehlerkorrigierte, nicht aber um eine wirklich überarbeitete oder gar erweiterte Fassung des Wörterverzeichnisses handelt. Ob überhaupt im nennenswerten Umfang und, wenn ja, wie viele neue Wörter ungefähr aufgenommen wurden, muß noch überprüft werden. Platz hierfür ist jedenfalls keiner.

Warum die Seitenzahl der 7. Auflage des Wahrig konstant bleibt:

Abgänge:

- Geschichte der Rechtschreibung (– 7 Seiten und – 1 Leerseite)
- Rechtschreibung 2006: Was ist neu? (– 15 Seiten)
- Wörterverzeichnis (– 2 Leerseiten)

Gesamtseitenzahl der Abgänge: 25

Zugänge:

- Verzeichnis der empfohlenen Schreibweisen der deutschsprachigen Presseagenturen (+ 25 Seiten)

Gesamtseitenzahl der Zugänge: 25

Um Götzes Aufsatz ist es selbstverständlich nicht schade, durchaus aber um die umfangreiche Gegenüberstellung der Änderungen seit 2004.

Das amtliche Regelwerk ist nach wie vor komplett abgedruckt, und auch die Blaumarkierungen werden beibehalten – zwei entscheidende Vorteile gegenüber dem neuen Duden.

Wahrig empfiehlt Orthografie und Paragraf, schreibt jedoch im gesamten Werk durchgängig Orthographie und Paragraph. Im Gegensatz zur Dudenredaktion, welche die von ihr propagierten, minderwertigen Schreibungen wenigstens auch selbst benutzt, möchte die Wahrig-Redaktion bessere Schreibungen verwenden, als sie empfiehlt.

Fehler wie Spätgebährende sind beseitigt. Bei Nummer Sicher/sicher folgt der Wahrig auch diesmal nicht der seltsamen Interpretation des Regelwerks 2006, aus der die Dudenredaktion fälschlicherweise ableitete, es wäre hier nur noch Kleinschreibung zulässig. Sowohl der Wahrig als auch das ÖWB bleiben korrekt bei der Wahlfreiheit.

Die Trennung Sprecher-ziehung ist nicht nachgetragen, obwohl der Rat ausdrücklich beschlossen hat, auch sinnentstellende Trennungen anzugeben (wie dies natürlich auch schon vor der Reform der Fall war, denn die Dudenredaktion wäre seit 1967 – so lange stehen die Trennstellen im Duden – nie auf die Idee gekommen, Spargel-der, Urin-stinkt usw. zu unterschlagen).

Lob ist dem Wahrig dafür zu zollen, daß er sich im Gegensatz zur Dudenredaktion und zum ÖWB nicht bedingungslos der Political correctness unterwirft, sondern an seiner schon in der 1. Auflage (1973) beschriebenen, bewährten Tradition festhält, bei der Stichwortauswahl ökonomisch vorzugehen:

»Weibliche Formen sind in der Regel nicht angeführt, wenn sie durch einfaches Anhängen der Silbe -in gebildet werden können (Schauspieler / Schauspielerin). Dagegen sind sie immer angeführt, wenn bei ihrer Bildung die männliche Form verändert wird, z. B. Zauberer / Zauberin (nicht: Zaubererin), Landsmann / Landsmännin

Betrachtet man die Menge an wertvollen Einträgen, die z. B. das DUW noch 1989 verzeichnete und die aufgrund der Aufnahme von meist kaum belegbaren und völlig informationslosen weiblichen Formen schrittweise in den Neuauflagen 1996, 2001, 2003 und 2006 verschwinden mußten (zwischen 15 und 20 Wörtern je Seite!), wird schnell deutlich, daß die Vorgehensweise des Wahrig die bei weitem sinnvollere ist.

Als Zugabe folgt noch das neue Vorwort des Ratsvorsitzenden, der – im Gegensatz zur Homepage des Rates – im Wahrig brav bei orthographisch bleibt.

»Vorwort zur Neuausgabe 2009

Seit drei Jahren ist die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in Kraft. Nachdem am 31. Juli 2009 die Übergangsfristen nun auch in der Schweiz und in Liechtenstein enden, besteht in allen deutschsprachigen Ländern Europas eine einheitliche und verbindliche Rechtschreibung. Dem Rat für deutsche Rechtschreibung war es ein entscheidendes Kriterium, sich bei seinen Vorschlägen zur Neuregelung der Rechtschreibung am Sprach- und Schreibgebrauch zu orientieren. So kann mit Zufriedenheit festgestellt werden, dass die Neuregelungen von den Schreibenden und insbesondere von den Zeitungs- und Buchverlagen weitestgehend angenommen und umgesetzt wurden.

Sprache ist der Schlüssel von Kultur, Sprache erschließt Kultur. So haben Sprache und eine einheitliche und verbindliche Rechtschreibung eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung und kulturelle Leitfunktion. Der Rat für deutsche Rechtschreibung sieht daher auch künftig seine Aufgabe darin, sich zum einen für die Etablierung der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung einzusetzen und zum anderen durch die Beobachtung des Schreibgebrauchs festzustellen, inwieweit die neuen Regeln und Schreibungen in Schule, Verwaltung und anderen öffentlichen Bereichen akzeptiert werden und welche Schreibungen im Falle von möglichen Schreibvarianten verwendet bzw. bevorzugt werden. Da Sprache und Schreibung sich von jeher weiterentwickelt haben und dies auch in Zukunft so sein wird, ist es eine mittel- und langfristige Aufgabe des Rates für deutsche Rechtschreibung, eine einheitliche Weiterentwicklung der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu fördern und zu begleiten und das orthographische Regelwerk dem Sprach- und Schreibgebrauch anzupassen.

Dem trägt die Neuausgabe von »WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung« in gewohnter Form Rechnung. Der neue WAHRIG stellt auf der Basis des amtlichen Regelwerks zur Rechtschreibung den aktuellen Wortschatz der Gegenwartssprache dar, der um die wichtigsten neuen Wörter, die in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben, erweitert wurde. Darüber hinaus bietet ein Verzeichnis von Schreibvarianten einen Überblick über die Schreibweisen, die für die deutschsprachigen Presseagenturen verbindlich sind.

Ich gratuliere der WAHRIG-Redaktion, die als Mitglied des Rats für deutsche Rechtschreibung stets eine konstruktive, wichtige und engagierte Rolle bei der Neufassung des Regelwerks und bei der jetzt begonnenen Beobachtungsphase gespielt hat und spielt, sehr herzlich zur Neuausgabe von »WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung«. So wird auch der neue WAHRIG allen, ob Lernenden und Lehrenden, ob im privaten oder beruflichen Leben, eine verlässliche Orientierungshilfe sein.

Dr. h. c. mult. Hans Zehetmair
Staatsminister a. D.
Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2009 um 12.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7806

Der Mannheimer Hofberichterstatter Thomas Groß stellt den neuen Duden vor und interviewt dazu Herrn Wermke, so daß der ganze Beitrag praktisch aus dem Hause Duden kommt.
(http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20090717_srv0000004479305.html)
"Der Erfolg gibt dem Verlag immerhin recht, das kann Wermke guten Gewissens sagen, auch wenn das Unternehmen weiterhin aus Prinzip keine Auflagenzahlen nennt."
Er nennt keine Auflagenzahlen, aber die enormen Verluste, die kürzlich zum Verkauf des Unternehmens führten, ließen sich nicht verheimlichen. Nur Thomas Groß scheint davon nichts gehört zu haben.

Immerhin schreibt er jetzt "recht geben" wieder klein, vor ein paar Jahren schrieb er noch: "Wie Recht er damit bei manchen hat, zeigt sich auch hier." (28.7.2000)

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 15.07.2009 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7794

Da die Dudenredaktion neuerdings großen Wert auf Zahlen zu legen scheint, gibt es hier für alle, die sich gefragt haben, wie der Duden trotz 5000 neuer Wörter den Seitenumfang von 1216 Seiten halten konnte, die Auflösung.

Warum die Seitenzahl der 25. Auflage des Dudens konstant bleibt:

Abgänge:

- Vergleichende Gegenüberstellung alter und neuer Schreibungen; im Duden 2009: Heute nicht mehr der amtlichen Regelung entsprechende Schreibungen (– 3 Seiten)
- Amtliches Regelwerk (– 56 Seiten und – 1 Leerseite)

Gesamtseitenzahl der Abgänge: 60

Zugänge:

- Textverarbeitung und E-Mails (+ 2 Seiten)
- Wichtige Stationen aus der Geschichte der deutschen Orthografie (+5 Seiten und + 1 Leerseite)
- Sprache in Zahlen (+ 11 Seiten)
- Wörterverzeichnis (+ 41 Seiten)

Gesamtseitenzahl der Zugänge: 60

Im übrigen ist zum erstenmal seit 1986 (!) im Vorwort weder das Wort Rechtschreibreform noch der Ausdruck neue Rechtschreibung zu finden. Die Dudenredaktion nutzt abwechselnd die Formulierungen gültige amtliche Rechtschreibung und aktuelle amtliche Regeln.

Als einziger Hinweis auf die Reform bleibt (umbenannt, s. o. ) ein stark gekürzter Rest der Übersichtstabelle über sogenannte alte und neue Schreibungen zurück. Nicht mehr.

Zu Beginn des Regelteils wird zum Herunterladen des amtlichen Regelwerks nicht wie im »Österreich-Duden« auf http://www.rechtschreibrat.com verwiesen, sondern man nennt die Adresse http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de, wo sich der Käufer des Buches informieren soll. Die Reform ist also wieder dort, wo sie ursprünglich herkam: beim Institut für deutsche Sprache.

Und für die ganz Interessierten: Das erste neue Wort im Duden 2009 ist abbusseln – zwar keinesfalls ein Wort, das dem Zeitraum zwischen 2006 und 2009 entstammt, aber unvermeidlich, wenn man einen Prototypen der Neuauflage des Rechtschreibdudens in Österreich als »Schulwörterbuch« herausgibt. (Die beiden nächsten neuen Wörter lauten Abendakademie und Abendgarderobe – damit kann man wohl auch kaum Werbung machen.) Wie immer bestehen also auch diesmal die 5000 neuen Wörter aus ca. 250 wirklich neuen und 4750 vergessenen, und viele Wörter, welche als angebliche Neologismen gepriesen werden, sind keine: Sofortrente ist beispielsweise eine Wortschöpfung einer großen deutschen Lotteriekette aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre, und den Nicknamen hätte man zwar nicht 1991, aber spätestens 1996 längst verzeichnen können. Ähnliches gilt für den Inselbegabten.

Orthographisch relevant sind Neubildungen nur selten, so daß diese nur ein schwaches Kaufargument für ein Rechtschreibwörterbuch liefern, was den meisten Verbrauchern sicherlich bewußt sein dürfte.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 13.07.2009 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7789

Sitta und Gallmann schrieben bekanntlich schon 1996 in ihrer »Stellungnahme zu den Unruhen bezüglich der Umsetzung der neuen Rechtschreibregelung in Deutschland«:

Wir halten es für ein Unglück, dass nun in allen Rechtschreibwörterbüchern das amtliche Regelwerk abgedruckt ist.

Im »Österreich-Duden« (»Das große österreichische Schulwörterbuch«) wurden zum Beispiel die Hinweise auf das amtliche Regelwerk in den dudeneigenen Richtlinien nicht entfernt, aber selbstverständlich laufen sie nun ins Leere, da das Regelwerk nicht mehr abgedruckt ist (wohl aber so »schulrelevante« Dinge wie Vorschriften über Ligaturen im Antiquasatz oder Transkriptions- und Transliterationstabellen für Rußland).

In der Einleitung zu den 169 Dudenregeln schreibt die Redaktion daher:

Diejenigen, die sich für den genauen Wortlaut der zugrunde liegenden amtlichen Regeln interessieren, finden zahlreiche Hinweise auf die Paragrafen und Unterabschnitte des Regelwerks, das der Rat für deutsche Rechtschreibung unter der Internetadresse http://www.rechtschreibrat.com dokumentiert hat.

Sowohl der Wahrig als auch das neue ÖWB drucken hingegen die amtliche Regelung nach wie vor ab. Das ÖWB bemüht sich hierbei sogar um eine äußerst ansprechende optische und typographische Gestaltung.

Durch die forcierte Herausnahme sämtlicher Unterkapitel und Tabellen, die auf die Rechtschreibreform und die Änderungen zwischen 1996 und 2006 hinweisen, ist im übrigen trotz der Neuaufnahme etlicher Wörter die Seitenzahl des ÖWB von 1008 (40. Auflage (2006)) auf 992 (41. Auflage (2009)) gesunken (auch wenn das Buch nach wie vor mit 1008 Seiten beworben wird). Mir ist kein anderer Fall bekannt, in dem ein Wörterbuch durch eine Neuauflage an Seitenumfang verloren hätte.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2009 um 15.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7788

Wenn die neue Generation von Rechtschreibwörterbüchern die amtlichen Regeln nicht mehr enthält, ist wieder der Zustand wie vor der Reform erreicht. Gerade darüber haben die Reformer lautstark geklagt. Zwar sind die amtlichen Regeln grundsätzlich erhältlich und herunterladbar, aber für die Öffentlichkeit sind sie praktisch verschwunden, wenn sie nicht mehr im Duden abgedruckt sind. De facto ist es auch jetzt schon so, daß die Regeln, von denen ja einer ihrer Verfasser ausdrücklich sagte, sie seien nicht für den Laien gemacht, keine Rolle mehr spielen; sie sind hinter den wörterbucheigenen Fassungen verschwunden. Damit ist auch die Fiktion hinfällig, daß die Wörterbucheinträge Anwendungen der Regeln seien.
Es ist also alles wie früher, nur schlechter.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 10.07.2009 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7781

Kurze Anmerkungen zum »Großen österreichischen Schulwörterbuch« und zur 41. Auflage des ÖWB, die ich seit heute in Händen halte und kurz überflogen habe:

Wie vermutet, handelt es sich beim »Großen österreichischen Schulwörterbuch« (im folgenden: Österreich-Duden) tatsächlich um eine (minimal) abgespeckte und um ein paar Austriazismen erweiterte Ausgabe der 25. Auflage des Rechtschreibdudens, welche jetzt erscheint.

Man nehme also den Rechtschreibduden in seiner 24. Auflage, entferne das amtliche Regelwerk, die Rotmarkierungen, alle Hinweise auf eine Reform sowie ein paar unbedeutende Wörter , bereichere ihn um zusätzliche Austriazismen, und schon hat man ein ganz neues Wörterbuch, welches selbstverständlich, wie Wermke ausdrücklich betont hat, keine bloße Österreichausgabe des Rechtschreibdudens darstellt. Nun wird auch klar, warum er dies so betonen mußte: weil es sich so verhält wie angenommen.

Als kleine Beigabe hat der Österreich-Duden eine Kurzgrammatik der deutschen Sprache, welche – wie sollte es anders sein? – aus dem DUW kopiert wurde. Auch hier hat man sich nicht unnötig Arbeit gemacht. Im hinteren Buchdeckel findet man neben den deutschen Wörtern und Unwörtern des Jahres auch die österreichischen. Wer die Unwörter betrachtet, stellt schnell fest, daß sich die deutsche und die österreichische Jury jedenfalls politisch nicht unterscheiden.

Wie der Österreich-Duden hat auch das ÖWB sämtliche Hinweise auf die bisherige Orthographie getilgt (eine Gegenüberstellung bewährter und neuer Schreibungen wird man ebensowenig finden wie Markierungen der Neuschreibungen), druckt aber im Gegensatz zum Duden das amtliche Regelwerk noch ab, und dies optisch bei weitem schöner und lesbarer, als dies bisher beim Duden (21. bis 24. Auflage) der Fall war.

Die Diskrepanz der Wörterbücher bei Nummer Sicher/sicher ist noch immer nicht beseitigt. Bekanntlich stellte die Reform dem bewährten Nummer Sicher die Kleinschreibung zur Seite. 2006 ist der betreffende Eintrag plötzlich aus dem Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks verschwunden, was der Rat natürlich nie beschlossen hat, die Dudenredaktion aber zum Anlaß nahm, anzunehmen, es sei ab sofort nur noch Nummer sicher zulässig. Dies wurde im Österreich-Duden, der, wie erwähnt, im wesentlichen eine Kopie des Rechtschreibdudens darstellt, folglich auch so übernommen. Allerdings wollen weder Wahrig noch das ÖWB etwas von dieser Änderung wissen: Bei beiden heißt es nach wie vor auf Nummer Sicher/sicher.

Allerdings könnte die Dudenredaktion ihre Rechnung ohne die prüden österreichischen Eltern gemacht haben. Die ÖWB-Redaktion hat sich nach massiven Elternprotesten dazu gezwungen gesehen, in der 40. Auflage die zweite Bedeutung von pempern aus der Schulausgabe des ÖWB zu entfernen. In der jetzigen 41. Auflage findet man sie nicht einmal mehr in der großen Buchhandelsausgabe, welche überhaupt nicht für Schulen gemacht ist. Man sieht, wie vorsichtig die Bearbeiter waren.

Der Österreich-Duden, der sich »Schulwörterbuch« nennt, weiß von dieser Geschichte offenbar nichts und führt die zweite Bedeutung unschuldig an. Auch die bösen Wörter mit fi- und sogar das Wort mit Fo- (durchaus orthographisch relevant!) sind mitsamt Bedeutungsangaben im Schulwörterbuch zu finden. Ob das keinen Ärger gibt?

Ganz anders als beim völlig untauglichen Schweizer Schülerduden von Peter Gallmann hat man beim Österreich-Duden zumindest keine Qualitätsabstriche zu befürchten, was aber kein Verdienst der Bearbeiter, sondern unmöglich ist, wenn man den Rechtschreibduden einfach übernimmt. Unter K 108 hat man sich wenigstens die große Mühe gemacht, Mannheim durch Linz zu ersetzen.

Und nach kurzer Zeit wird auch offensichtlich, warum der Dudenverlag nicht bereit ist, das »Große österreichische Schulwörterbuch« an Deutsche abzugeben: weil man ihnen den Rechtschreibduden in fester Bindung und mit der gleichen Austattung wie die deutsche Ausgabe nicht für 11,50 Euro statt für 21,95 Euro verkaufen möchte. Denn auch wenn einzelne Wörter fehlen, so ist das »Schulwörterbuch« kein bloßer Schülerduden, welcher für den Alltag Erwachsener nicht ausreicht, sondern eine nur so leicht gekürzte Ausgabe des Rechtschreibdudens (selbst schwierigste Wörter aus Fachsprachen, welche niemals schulrelevant sein können, durften bleiben), daß ihr Umfang sogar die 20. Auflage (1991) um mehr als hundert Seiten übertrifft.

 

Kommentar von GL, verfaßt am 07.07.2009 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7777

Ein kleiner Vorgeschmack neuer Wörter von Duden (25. Auflage) unter dem Titel „Wenn komasaufende Lölis twittern“ präsentiert der TagesAnzeiger unter Kultur in seiner heutigen Ausgabe inkl. erster Kommentare. Das wird Ärger geben!

(Siehe dazu hier. Red.)

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 30.06.2009 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7769

Sehr geehrte Frau Müncher,

es handelt sich ja auch nicht um das ÖWB des öbv, sondern um dessen Konkurrenzprodukt von Duden:

http://www.lesenetzwerk.at/index.php?id=336

 

Kommentar von Inge Müncher, verfaßt am 30.06.2009 um 11.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7768

Im „Österreichischen Bundesverlag“ werden zwei neue Wörterbücher, 41. Auflage, angeboten:

1.Österreichisches Wörterbuch, Schulausgabe, 41.Auflage, 864 Seiten, mit Preisangabe.

2.Österreichisches Wörterbuch, 41. neu bearbeitete Auflage, 1008 Seiten.
Zurzeit keine Preisangabe möglich.
Fragen an: service@oebv.at

Bei beiden Angeboten findet man zwei Probeseiten. Sie sehen dem Schülerduden von 2006 und der 23., 24. und wahrscheinlich auch der neuen 25. Ausgabe des Dudens nicht ähnlich.

Man findet sie unter „Österreichisches Wörterbuch“ und dann ganz unten auf der Seite:
öbv - Österreichischer Bundesverlag Schulbuch GmbH & Co. KG

Beides eingeben. Wählt man nur die letzte Eingabe, dann findet man nur das zweite Angebot, ohne Preisangabe.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 29.06.2009 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7767

Kurzer Nachtrag zum »Österreich-Duden«:

Wie ich weiter unten vermutet hatte, ist der Dudenverlag nicht bereit, »Das große österreichische Schulwörterbuch« in Deutschland zu verkaufen. Als ich es mit Hilfe einer Verlagsbestellung über den Buchhandel erwerben wollte, kam es zur einer Absage. Der Buchhändlerin wurde tatsächlich mitgeteilt, man verkaufe dieses Produkt nicht an deutsche Buchläden.

Inzwischen konnte ich das Wörterbuch allerdings von einem österreichischen Buchhändler erwerben, und es ist unterwegs nach Deutschland.

Nach Eintreffen werde ich es insbesondere hinsichtlich der (wahrscheinlich kaum vorhandenen) Unterschiede zur jetzt erscheinenden 25. Auflage des Rechtschreibdudens untersuchen und die Ergebnisse hier in Form einer Zusammenfassung einstellen.

 

Kommentar von GL, verfaßt am 27.06.2009 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7758

Sprachpuristen warnen vor Gerichtsklagen

Neue Rechtschreibung: Politik soll Notbremse ziehen
(Tages-Anzeiger – Schweiz – 26.06.2009 / 22.40 Uhr)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2009 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7757

Zum Thema "Schwere Ranzen" noch dies:

"Der 'Duden Rechtschreibung' und das 'Duden Fremdwörterbuch' dürfen in keiner Schultasche fehlen." (www.news4press.com)

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.06.2009 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7750

Bei Forderungen nach einer "einheitlichen Rechtschreibung" juckt es mir in den Ohren und Fingern, das Lied von der "Arbeiter-Einheitsfront" in "Rechtschreiber-Einheitsfront" umzuschreiben.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2009 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7747

Meiner Ansicht nach könnten sich Eltern dagegen wehren, einen Duden anschaffen zu müssen. Selbst ein verkleinerter Schülerduden oder so etwas ist nicht sinnvoll, auch wenn der Kauf möglicherweise in solchen Fälle nicht abgewendet werden kann. Die Verlage tun natürlich alles, um bei den Schulen und Schulbehörden den Fuß in der Tür zu behalten, denn wer es schafft, ein Schulbuch flächendeckend einzuführen, der hat die Lizenz zum Gelddrucken (wie mir ein Verlagsmitarbeiter mal sagte).

Was zunächst das Gewicht betrifft, so haben wir darüber ja schon gesprochen, nebst Hinweis auf "www.schwereranzen.de" (vgl. hier).

Aber auch sonst: Der Gedanke, daß Schüler im Unterricht "mit dem Wörterbuch arbeiten", ist an sich schon etwas weltfremd, denn Wörterbücher sind größtenteils die ödesten Texte, die man sich denken kann. (Ich sage dies als SPIEGEL-notorischer Wörterbuch-Freak.) Und nun erst das Rechtschreibwörterbuch! Welcher Erwachsene kann sich länger als ein paar lästige Minuten mit dem Duden beschäftigen, außer wenn er krank genug ist, die Rechtschreibreform bekämpfen zu wollen und sich aus der Fahndung nach Fehlern einen Spaß zu machen?

Der liebe Kollege Peter Kühn hat sich vor Jahren viel Mühe gegeben, "Mein Schulwörterbuch" herauszugeben und dazu eine umfangreiche Lehrerhandreichung "Didaktik/Methodik der Wörterbucharbeit" (Dümmler), aber es hat mich nicht überzeugt.

Dabei könnte ich mir im Klassenzimmer jeweils ein Wörterbuch von verschiedener Art durchaus vorstellen, für gelegentliches Nachschlagen. Vielleicht ein etymologisches bzw. wortkundliches, kommentierte Sammlungen von Wörtern "aus dem Arabischen" usw., ein Wörterbuch ausgestorbener Berufsbezeichnungen, ein kulturgeschichtlich kommentiertes Wörterbuch der Familien- und der Ortsnamen, ein distinktives Synonymwörterbuch (wenn's bloß ein gescheites gäbe!). Aber es gibt sicher angenehmere und freudenvollere Arten, sich mit den Wörtern zu beschäftigen, als ausgrechnet über Wörterbücher und nun gar noch orthographische!

 

Kommentar von Galina Leljanowa, verfaßt am 25.06.2009 um 14.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7746

Wer in diesem elenden Chaos benötigt noch eine „amtliche Rechtschreibung“ und warum nennt sich Duden auch heute noch Duden? In der Tat kein Renommee, das zum Kaufen einlädt.

Wo nur ist der gesunde Menschenverstand geblieben?

 

Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 24.06.2009 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7745

Die hiesigen Gymnasien verlangen, daß jeder neue Schüler einen Duden kauft. Benutzt oder gar sinnvoll in den Unterricht eingebunden wird der Ziegelstein natürlich nicht, sondern er verbraucht lediglich Raum im "Fach", das heutzutage jeder Schüler in seiner Schule hat. Tut sich ein Erwachsener schon schwer mit der Handhabung des kiloschweren Buches, so gilt das umso mehr für einen Sextaner. Ggf. täglich zwischen Schule und Wohnung hin und her schleppen kann man das Werk eigentlich auch nicht, obwohl: Ich sehe morgens viele Schüler der nahegelegenen Schule zustreben, davon etliche einen Rollkoffer mit den Schulbüchern hinter sich herziehend. Vielleicht braucht man einen solchen ja des Dudens wegen.

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob nun, nach lediglich drei Jahren, die weitgehend unbenutzten Bücher entsorgt und durch die neue Auflage ersetzt werden sollen. Gerade sind hier Ferien, in sechs Wochen werde ich neue Entwicklungen schon gewahr werden.

Die letzte Neuauflage vor drei Jahren hat sich sicherlich für die Buchhändler gelohnt (für den Verlag bekanntermaßen nicht unbedingt). In meiner Schulzeit habe ich keinen eigenen Duden besessen, nun kommen sie alle drei oder vier Jahre, und streng genommen braucht man jeweils den neuesten. Wenn es um die Anschaffung von Büchern geht, die andere bezahlen müssen, sind Lehrer heutzutage recht großzügig. Und wenn ein Titel dann gleich in Klassensätzen gekauft wird ...

Andererseits: In meiner Schulzeit waren Schreiben der Schulleitung ausnahmslos fehlerfrei. Das gibt es heute trotz aktuellem Duden im Schulsekretariat nicht mehr. Und auch die Lehrer tun sich mit der Rechtschreibung ziemlich schwer, auch die Deutschlehrer.

War das nicht auch ein Zweck der RSR? Herrschaftswissen zerschmettern?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2009 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7744

Ist es nicht grotesk, daß der Duden nun als "alte" Rechtschreibung die reformierte, vor kurzem noch hoch gelobte von 1996 darstellt? Die von den besseren Schriftstellern nach wie vor gepflegte ist demgegenüber so alt, daß sie schon gar nicht mehr erwähnt wird. Man sieht hier nochmals, warum der Duden pleite gehen mußte.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 24.06.2009 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7743

http://www.lesenetzwerk.at/index.php?id=254

Nicht nur, daß in sich in den fünf Beispielen schon wieder zwei Fehler eingeschlichen haben (jenseits von gut und böse ist natürlich nicht die Regelung von 2006, und jenseits wird auch nicht groß geschrieben), sondern der Artikel verdeutlicht vielmehr, daß man sich in Österreich gar nicht darüber im klaren ist, schon einmal eine wesentlich liberaler geregelte Rechtschreibung besessen zu haben. Ein Blick in das letzte unreformierte ÖWB (37. Aufl. 1994) hätte bereits genügt.

Man liest und staunt:

»In manchen Fällen sind beide Schreibweisen zulässig:

[...]

allzu bald | allzubald
allzu früh | allzufrüh
allzu viel (aber nur: allzu viele) | allzuviel
an Hand | anhand
an Stelle | anstelle
auf Grund | aufgrund
außer acht lassen | außerachtlassen
nach Haus(e) | nachhaus(e)
so daß | sodaß
um so | umso

[...]

In manchen Fällen sind zwei Schreibweisen möglich, z. B. radfahren, Rad fahren; eislaufen, Eis laufen; Kegel scheiben, kegelscheiben; Kopf stehen, kopfstehen.« (S. 35)

Oder:

»Wo das ÖWB Schreibweisen anbietet, die von jenen anderer Rechtschreibwörterbücher abweichen, verzeichnet es jeweils beide Formen (z. B. sodaß neben so daß) – denn eine Schreibung, die im Sinne außerösterreichischer Wörterbücher „richtig“ ist, soll nicht etwa auf Grund des ÖWB als „falsch“ beurteilt werden.
Orthographische Alternativenangebote im ÖWB können auf verschiedenen Überlegungen beruhen:
– [...]
– Entschärfung von Unzukömmlichkeiten auf Grund zu starrer und schwer durchschaubarer Rechtschreibregelungen in Randbereichen. Daher z. B. nicht nur Päd|ago|ge, sondern auch Pä|da|go|ge; nicht nur in bezug, sondern auch in Bezug.
– Berücksichtigung des historisch gegebenen Nebeneinanderbestehens zweier Schreibweisen für bestimmte Wörter. Derartiges findet sich u. a. im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung, z. B. wehtun neben weh tun.« (S. 11 f.)

Und im Wörterverzeichnis des alten ÖWB findet man tatsächlich zutagetreten neben zutage treten, instandhalten neben instand halten, radfahren neben Rad fahren (sowie ich fahre rad/Rad), in bezug neben in Bezug usw. friedlich nebeneinander.

Es ist gut vorstellbar, daß die österreichischen Reformer diese Regelungen im Rat nicht angesprochen haben, weil sie die Unnötigkeit einer Orthographiereform (statt einer leichten Öffnung der GZS-Regeln, wie dies – laut Nerius (1980) – Reformgegner schon seit 1954 gefordert hatten) um so mehr verdeutlicht hätten.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2009 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7742

Dank an Herrn Dörner!
Interessant auch das Interview mit Herrn Blüml, Mitverfasser des Österreichischen Wörterbuchs, dem Duden also Konkurrenz macht.
http://www.lesenetzwerk.at/index.php?id=327
(Der Interviewer ist offenbar ein Reformpropagandist des Auftraggebers, also des österreichischen Kultusministeriums.)

Sehr hübsch auch die Festellung des Ministeriums anläßlich des Endes der "Toleranz" in Österreich:
"Diesen Sommer dürfen Schüler also nur noch "Rad fahren", und nach einigen Jahren "Eis laufen" diesen Winter wieder richtigerweise "eislaufen" gehen." Das schreibt sich so leicht hin, aber wäre nicht ein Wort des Bedauerns über die eigene Verfehlung angemessen? Aber im Gegenteil: von irgendwelchen Problemen hat Blüml all die Jahre ebenso wenig mitbekommen wie die deutschen Kultusminister.
(http://www.lesenetzwerk.at/index.php?id=254)

Aus dem letzterwähnten Text ein hübsches Beispiel:

"Ein Beispiel für die nunmehr deutlichere Beistrichsetzung: 'Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen'."

Dazu fällt einem wieder mal Nestroy ein: „Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß er viel größer ausschaut, als er wirklich ist."

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.06.2009 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7741

Das klingt aber alles verdächtig nach dem, was wir vom Schweizer Schülerduden kennen.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 23.06.2009 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7740

In Deutschland weitgehend unbemerkt, hat der Duden im März dieses Jahres in Österreich ein Konkurrenzprodukt zum ÖWB auf den Markt gebracht, welches jedoch nur auf der österreichischen Homepage der Dudenredaktion erscheint und in Deutschland nicht einmal bestellbar ist:

http://www.duden.at/

Betrachtet man die Einträge und die Gestaltung des Buches ein wenig näher, wird schnell klar, daß »Das große österreichische Schulwörterbuch« nichts anderes als eine abgespeckte und um ein paar Austriazismen sowie Erklärungen (nord)deutscher Wörter erweiterte Ausgabe der bald erscheinenden Neuauflage des Rechtschreibdudens darstellt:

http://www.duden.at/images/musterspalte.jpg

Ganz interessant ist auch das Interview mit Herrn Wermke zu diesem Thema:

http://www.lesenetzwerk.at/index.php?id=336

Ziel ist anscheinend der direkte Versand an österreichische Schulen, während nicht geplant ist, das Buch über den normalen Buchhandel zu vertreiben. Daß den Reformkritikern ein Exemplar in die Hände fällt, an Hand dessen dann die weitgehende Identität mit dem Rechtschreibduden festgestellt werden kann, scheint nicht erwünscht zu sein.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.06.2009 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7739

Da drängt sich die berechtigte Frage an Leute wie Bastian Sick auf: Welches Wörterbuch enthält die "amtlichste Rechtschreibung"?

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 22.06.2009 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7738

"Der Duden ist amtlich": Das war ja die zentrale Aussage der Duden-Reklame nach der Einführung des sogenannten Dudenprivilegs, und zugleich ein semantischer Trickbetrug. Denn nicht der Duden selbst war amtlich, sondern die amtliche Rechtschreibung folgte dem Duden. Sicherlich hatte der Verlag die Werbeaussage in der Annahme gewählt, daß sie einer Erwartung der Kunden entgegenkommt, andererseits hat die Aussage diese Erwartung bestätigt und befördert: daß für die Rechtschreibung der Staat zuständig sei. Wahrscheinlich hat man später sogar im Verlag selbst angenommen, mit dem Duden irgendwie etwas Amtliches zu produzieren. Das wäre eine Erklärung dafür, daß der Duden mit seiner vermeintlichen Amtlichkeit weiter renommierte, obwohl er ohnedies unumstritten und alternativlos war. Jedenfalls hat der Verlag den Leuten so lange erfolgreich eingeredet, daß die Rechtschreibung vom Staat kommt, bis sie schließlich tatsächlich eine staatliche Orthographie bekamen, zum eigenen Verdruß und zum Schaden der Propagandisten.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.06.2009 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7737

Es ist schon grotesk. Früher war der Duden amtlich, unabhängig von der Qualität. Dann kam die Reform, und die Amtlichkeit war dahin. Es hätte nun also endlich ein von diesem Aspekt unbeeinflußter Wettbewerb um das bessere Wörterbuch entbrennen können. Statt dessen verwenden die Wörterbuchmacher seither viel Mühe darauf, sich den Anschein der Amtlichkeit zu geben. Ein rückwärtsgewandter Wettstreit um das höhere Maß an Offizialität ist ausgebrochen. Warum versucht man nicht, die potentiellen Käufer mit qualitativen Argumenten von seinem Produkt zu überzeugen? Oder macht die Akribie, mit der man die amtlichen Vorgaben umzusetzen sich beeifert, an sich schon die Qualität aus? Wenn ja, wozu brauchen wir dann überhaupt mehrere Wörterbücher? Wäre es da nicht sinnvoller (und billiger), wenn die Kultusminister einer der beiden Redaktionen oder einer gemischten Redaktion mit Vertretern von Duden und Wahrig den Auftrag zur Abfassung eines amtlichen Wörterbuchs erteilten? Wenn die Amtlichkeit allen Beteiligten so sehr am Herzen liegt, warum stehen sie dann nicht einfach dazu?

Sind denn die Redakteure der Duden- und der Wahrig-Redaktion wirklich mit allem einverstanden, was da im amtlichen Regelwerk steht? Und wo bleibt eigentlich die Sprachbeobachtung, wenn man sich krampfhaft vornimmt, eine einmal beschlossene starre Vorlage eins zu eins umzusetzen? Überläßt man die etwa dem Rat, der ja laut Statut tatsächlich dafür zuständig ist? Oder versteckt man sich nur – aus Bequemlichkeit – hinter diesem offenkundig klinisch toten Gremium?

Hier in Holland gibt es übrigens ein Rechtschreibwörterbuch, das in einigen Punkten bewußt von den offiziellen Schreibweisen abweicht. Seine Verfasser lehnen verschiedene Änderungen, die bei den Reformen von 1996 und 2006 beschlossen worden sind, ab. Dennoch wenden sie sich mit ihrem Werk, wie sie im Vorwort schreiben, ausdrücklich auch an jene, die, aus welchen Gründen auch immer, den amtlichen Regeln folgen wollen oder müssen (oder zu müssen glauben). Da die Abweichungen im Wörterverzeichnis gekennzeichnet sind, ist das Buch theoretisch sogar für den Schulgebrauch geeignet. Es geht also auch anders.

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.06.2009 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7736

(Um mich zu präzisieren: Mit den »Urhebern« des Satzes meinte ich diejenigen, die den offenbar von der FAZ gedruckten Satz zitiert haben.)

 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.06.2009 um 18.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7735

»Das Rechtschreibwörterbuch Wahrig bildet die von den Kultusministern verordnete Schulorthographie zuverlässiger ab als der Duden.«

Wer mag wohl der Adressat dieser Werbeaussage sein? Sind es die besorgten Eltern, die verwirrten Schüler, die zermürbten Lehrer? Die erwachsenen Durchschnittskäufer? Wie auch immer, der Satz läßt tief blicken. Er sagt viel über das Bild, das seine umsatzinteressierten Urheber von ihrer Kundschaft haben. Eine amtliche Vorgabe akkurater umzusetzen als ein anderer – damit brüstet sich vielleicht ein karrieristischer Ministerialbeamter, der seinen Mitbewerber um die nächste Beförderung ausstechen will, aber doch kein seriöser Wörterbuchverlag!

»Von den Kultusministern verordnet« – verbirgt sich hinter dieser Formulierung womöglich ein leiser, ironischer Protest gegen jene, denen der Verlag machtlos ausgeliefert zu sein vermeint? Wohl kaum.

Wenn sie wenigstens brillant wäre, diese Vorlage, die so getreulich wie möglich umzusetzen man sich vorgenommen hat. Ist sie aber nicht. Das amtliche Regelwerk von 2006 weist, wie auch auf diesen Seiten vielfach belegt worden ist, noch so viele Unzulänglichkeiten auf, daß man den Hinweis darauf besser in einer Fußnote zum Vorwort versteckt hätte, als damit Werbung zu machen.

Während ich dies niederschreibe, geht meine Phantasie auf Reisen. Ich stelle mir vor, wie ich im Urlaub auf der Suche nach einem schmackhaften Abendmahl den Speisekartenauszug des gediegen wirkenden »Gasthofs zur Post« studiere. In Fettdruck lese ich dort auf der ersten Seite: »Bei der Zubereitung unserer Speisen setzen wir die von den Kulinarikministern verordneten Rezepte zuverlässiger um als der ›Goldene Hirsch‹!«

Überlassen wir die Herde der Republik doch wieder denen, die was vom Kochen verstehen! Meine Mutter gehört ebenso dazu wie Vincent Klink.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2009 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7734

Die Idee, daß alle Schüler ein Rechtschreibwörterbuch haben sollten, paßt zur paradoxen Strategie der Reformer: Die Rechtschreibreform hat das Schreiben so leicht gemacht, daß nur ständiges Nachschlagen hilft. Entsprechende Zitate auch von offizieller Seite haben wir zur Genüge kennengelernt.
Ich glaube aber nicht, daß die Rechnung aufgeht. Wann solten die Schüler das Rechtschreibwörterbuch benutzen? Während der Klassenarbeit wohl kaum, da fehlt die Zeit, und gerade beim Aufsatz zählt Rechtschreibung auch nicht viel. Zu Hause? Da hat man das Programm auf dem PC. Meine Töchter benutzen kein Rechtschreibwörterbuch, obwohl wir seit der Reform eine ganze Menge davon im Hause haben. In den Schulrucksack wird den kiloschweren Klotz auch niemand stecken.
Die einzigen, die in der Schule ein Rechtschreibwörterbuch brauchen, sind die Lehrer, und die kriegen es nun geschenkt - ein ziemlicher Schlag für die Buchhändler.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.06.2009 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7733

Wer hindert die Buchhändler daran, diejenigen anzusprechen, die bei der bisherigen Rechtschreibung bleiben und in dieser richtig schreiben wollen, und ihnen dafür z.B. den "Ickler" zu empfehlen? Haben sie Angst, daß die Duden-Mafia ihnen die Scheiben einwerfen oder den Laden abfackeln könnte?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2009 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7732

Der hohe Nutzen des Wahrig steht außer Frage:

http://video.google.de/videosearch?q=wahrig&hl=de&emb=0&aq=f

Aber auch die folgende Meldung läßt das Herz höher schlagen:

"Prüfexemplare für über 50.000 Deutschlehrer
In Kooperation mit dem Cornelsen Verlag erhalten mehr als 50.000 Deutschlehrer WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung als Prüfexemplar. Mit dieser Aktion empfehlen wir den WAHRIG für klassenweise Bestellungen im örtlichen Buchhandel."

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2009 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7731

Ein sehr erfahrener Buchhändler sagte mir vor etlichen Jahren, daß die Rechtschreibreform wegen der damit einhergehenden Unsicherheiten zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung im gesamten Wörterbuch- und Lexikonsegment geführt habe. Das war noch vor den Revisionen. Wie will man die Leute davon überzeugen, daß sie im Jahre 2009, also drei Jahre nach den "endgültigen" Wörterbüchern, schon wieder andere anschaffen müssen? Gerade die Endgültigkeitsposaunen von damals könnten sich jetzt fatal auswirken.

Natürlich werden immer noch viele Wörterbücher gekauft, verglichen mit Lyrikbänden, aber bei Duden und ähnlichen Unternehmen liegt die Entscheidung zwischen Leben und Tod vielleicht irgendwo zwischen zwei Millionen und vier Millionen Bänden. Außerdem dürften die Werbungskosten sich verzehnfacht haben, der Duden verkauft sich nicht mehr von selbst.

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 19.06.2009 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7730

Nun bin ich mit dem Verlagswesen nicht vertraut, aber ein wenig wundert es mich doch, daß der Duden-Verlag so hohe Verluste macht. Technisch bedingte höhere Kosten durch Buntdruck, höherer redaktioneller Aufwand durch ständige Überarbeitung des Bestands – gewiß. Stehen dem nicht höhere Auflagen und kürzere Wiederbeschaffungszeiträume der Kunden gegenüber?

Früher gab es keinen Anlaß, den Duden zu ersetzen, wenn er nicht gerade aus dem Leim ging oder im Zug vergessen wurde; heute muß man jede Auflage mitnehmen, wenn man orthographisch aktuell sein will.

Verkauft der Duden-Verlag nach der Reform nicht mehr Wörterbücher als zuvor?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2009 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7729

Zu den neuesten Katastrophenmeldungen aus dem Hause Duden schreibt ein Gast unter heise.de:

„Die treibenden Kräfte hinter der Rechtschreibreform waren doch vor allem die Schulbuchverlage, Duden & Co - und nicht etwa die Germanisten...“

Nein, so war es leider nicht. Die Schulbuchverlage waren dagegen und haben horrende Kosten an die Wand gemalt. Und der Dudenverlag wollte auch nicht, vielleicht in weiser Vorahnung, daß diese Reform, deren nicht unwichtiges Nebenziel ja gerade die Entmachtung oder sogar Vernichtung des Duden war, ihm das Genick brechen würde. Zu Zeiten des Dudenmonopols garantierte allein schon die Ersatzbeschaffung ein bescheidenes, aber ungefährdetes Einkommen, und das hätte auch im Zeitalter der Software so bleiben können. Nachdem der Verlag sich einmal entschieden hatte, auf den Reformkarren zu springen, gab es natürlich kein Halten mehr, jetzt mußte man an die Spitze der Reformpropaganda treten. Und so geschah es – bis zum bitteren Ende.

Es waren Germanisten und Deutschdidaktiker, die im Verein mit der GEW diese Reform auf den Weg brachten.

Enzyklopädien haben heute aufgrund des technischen Fortschritts einen schweren Stand, aber mit Wörterbüchern kann man immer noch Geld verdienen. Daß der Duden just in diesen Jahren zusammenbricht, in denen die Rechtschreibreform über uns gekommen ist und von Revision zu Revision geschleppt wird, zum unendlichen Verdruß der Bürger (vgl. die jüngste Umfrage des IDS) – das kann kein Zufall sein.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2009 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7728

Das neue ÖWB wird auf der Homepage des Verlags mit dem Satz beworben:

Ab sofort ist die 41. Auflage des Österreichischen Wörterbuchs auch für Zuhause erhältlich.

Das ist ja nun schon mal falsch, es muß entweder zuhause oder zu Hause heißen. Die Fehlschreibung entspricht den Vorstellungen der Ratsmitglieder Gallmann und Schrodt, die aber bisher nicht durchgesetzt werden konnten.

Im neuen ÖWB – allerdings kann ich nur mit der 38. Auflage vergleichen – sind Marandjosef und Marantana neuerdings groß geschrieben, marantanna ist ganz getilgt. Manu-skript wird nur noch so getrennt, die Trennung Manusk-ript ist getilgt – obwohl die Reform sie zuläßt. Ebenso nur noch de-pressiv, nicht mehr dep-ressiv. Der Rechtschreibrat hat hier nichts geändert, die laienhaften Trennungen müßten weiterhin verzeichnet sein, sonst werden den Schülen gerade die wohltätigen Folgen der Reform vorenthalten, auf die man seinerzeit besonders stolz war.

 

Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 19.06.2009 um 10.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7727

Duden und Wahrig – neue Ausgaben

Theodor Ickler ist zuzustimmen, wenn er schreibt, daß "die drei privilegierten Wörterbuchverlage, die im Rechtschreibrat vertreten sind, sich abgesprochen [haben], eine neue Generation von Wörterbüchern herauszubringen, die keinerlei Erinnerung mehr daran enthält, daß es auch noch eine andere Rechtschreibung gab (und gibt)".
Sie wollen offenbar jetzt die Stunde nutzen, um so etwas wie vollendete Tatsachen zu schaffen. Man denke auch daran, daß die "Übergangszeit" in wenigen Wochen, am 31. Juli 2009, in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein (wie die Website des Rechtschreibrats an hervorgehobener Stelle vermerkt) zu Ende geht. Natürlich sollen Revisionsversuche abgewehrt werden. Wer Kontakte zu den Wörterbuchverlagen hat, weiß dies. Dort wird bei Gelegenheit kräftig beteuert, man müsse Änderungswünschen entgegentreten.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 18.06.2009 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7725

Aber haben denn die einzelnen Wörterbuchverlage nicht schon mehrmals mit vermeintlicher "Endgültigkeit", neuer "Amtlichkeit" oder gar den neuen "gültigen" Regeln geworben? Alles nur heiße Luft! Die Reform ist bei der Bevölkerung nicht angekommen und daran ändert auch noch so viel hektische oder aggressive Propaganda nichts. Und je mehr neue, "endgültige" und noch so amtliche Auflagen von Wahrig und Duden auch kommen, desto peinlicher ist das eigentlich für die Reformer. Wie mißraten muß etwas sein, wenn man es alle Augenblicke den Leuten wie saures Bier unter die Nase hält!

Aber zu den – wohl noch folgenden – weiteren Endgültigkeitsschritten habe ich einen praktikablen Vorschlag, der allerdings nicht von mir selber stammt. In Otfried Preußlers Kinderbuch "Der Räuber Hotzenplotz" muß Kasper (verkleidet mit Seppels Hut!) bekanntlich für den Zauberer Petrosilius Zwackelmann Kartoffeln schälen und darf nicht in den Schloßkeller gehen, was er dann natürlich doch macht. Im Keller schließlich wird ihm das Weitergehen nacheinander durch drei drohende Warnschilder verboten: "Eintritt verboten!", "Eintritt strengstens verboten!" und "Eintritt allerstrengstens verboten!".
Das kann man doch etwas verändert sehr gut auf Bauchbinden drucken: "Deutsche Rechtschreibung: Endgültige amtliche Fassung!", "Deutsche Rechtschreibung: Endgültigste amtlichste Fassung!" und "Deutsche Rechtschreibung: Allerendgültigste alleramtlichste Faasung!" Bei weiteren Zwischenschritten kann jeweils ein weiteres aller- vorgeschaltet werden. Wichtiger als "allerallerallerendgültigste alleralleralleramtlichste Fassung" kann dann kaum noch ein Wöterbuch daherkommen. Vielleicht kaufen so die Eltern für ihre Kleinen neben dem "Räuber Hotzenplotz" gleich noch einen "alleralleralleramtlichsten" Duden oder Wahrig. Das war ja eh die avisierte Zielgruppe der Reformer...

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2009 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7724

Offenbar haben die drei privilegierten Wörterbuchverlage, die im Rechtschreibrat vertreten sind, sich abgesprochen, eine neue Generation von Wörterbüchern herauszubringen, die keinerlei Erinnerung mehr daran enthält, daß es auch noch eine andere Rechtschreibung gab (und gibt).

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 18.06.2009 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7723

Kurzer Nachtrag: Wie bei Duden und Wahrig wird auch beim ÖWB, welches sich in seiner 40. Auflage noch auf die »neue Rechtschreibung« berief, der Hinweis auf die Orthographiereform entfernt und durch »auf Grundlage des aktuellen Regelwerks« ersetzt werden.

Die Betonung der Endgültigkeit der amtlichen Regelung in ihrer jetzigen Fassung scheint ein wesentlicher Grund für die Neuauflagen der Wörterbücher 2009 zu sein.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 18.06.2009 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7722

Auch der Österreichische Bundesverlag (öbv) hat den Vertrieb der 40. Auflage des Österreichischen Wörterbuchs mit sofortiger Wirkung eingestellt und kündigt das baldige Erscheinen der 41. Auflage an, welche unverändert 1008 Seiten umfassen wird.

Die Schulausgabe des neuen ÖWB, die in etwa mit dem Schülerduden zu vergleichen ist, aber in Österreich eine ungleich bedeutendere Rolle als in Deutschland der Schülerduden spielt, ist bereits lieferbar.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2009 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7721

Die (über den Umweg eines Zitats) vergleichende Werbeaussage des Wahrig läßt mir keine Ruhe: „Das Rechtschreibwörterbuch Wahrig bildet die von den Kultusministern verordnete Schulorthographie zuverlässiger ab als der Duden.“
Wenn der Duden ganz und der Wahrig halb unter dem Dach "Cornelsen" erscheinen, dann besagt das doch: "Wir verkaufen zwei Rechtschreibwörterbücher, eines davon ist teuerer und zugleich schlechter. Nun entscheiden Sie sich!"
Wie kann das in Zukunft aussehen? Vielleicht ist ein Fusion zu erwarten: "Duden-Wahrig" (für das gesamte Programm). Gewaltige Synergien könnten freigesetzt werden und das Geschäft beleben.
Jedenfalls müssen die vielfach im Rechtschreibrat vertretenen beiden Verlage bzw. Redaktionen alles daran setzen, eine nochmalige Revision zu verhindern.

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 18.06.2009 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7720

Der Hinweis auf Neologismen, die erstmals verzeichnet sind, ist wohl ein Überbleibsel aus der Zeit, als sich an der Orthographie nichts änderte und die Verlage andere Argumente brauchten, um das neue Wörterbuch anzupreisen. Wem aber nutzt es tatsächlich, daß 5.000 neue Wörter aufgenommen wurden?

Was sollen aber die Verlage machen, die mit dem Wörterbuch Geld verdienen wollen, sollen und müssen? Sie müssen die Leute davon überzeugen, daß die neue Auflage besser ist als die alte, damit jene den tadellos erhaltenen alten Band zur Seite legen und sich den neuen kaufen. Hilfreich sind dabei substantielle (bzw. so scheinende) orthographische Änderungen. Rechtschreibunsicherheit in der Bevölkerung ist auch ein Argument. Wer sich sicher in der Orthographie fühlt, braucht kein Wörterbuch.

Akademische Überlegungen kann nur der Verlag anstellen, der ein Wörterbuch ohne finanzielle Interessen herausgibt. Der kann alle Jubeljahre mal eine überarbeitete Auflage bringen, die nah an der Sprachentwicklung ist. Welcher Verlag aber hat keine finanziellen Interessen?

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.06.2009 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7719

Die süddeutsche und österreichische Form von "Schweinegrippe" ist in Analogie zu norddeutsch "Schweinebraten" und süddeutsch und österreichisch "Schweinsbraten" natürlich "Schweinsgrippe". Kennen die Wörterverzeichnisse das schon?

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 18.06.2009 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7718

Richtig, wo die Nachrichtenagenturen nicht dem Duden folgen, folgen sie dem Wahrig. Und wenn der Wahrig 2009 jetzt seinerseits den Nachrichtenagenturen folgt, folgt er eben teilweise dem Duden 2006 – soweit er nicht seine eigenen damaligen Empfehlungen rückübernimmt.

Allerdings sind in der Liste abweichender Schreibungen auf www.die-nachrichtenagenturen.de nur 500 Wörter aufgeführt. Von ihnen heißt es, es seien "die" 500 Wörter, bei denen die Empfehlungen von Duden und Wahrig nicht übereinstimmen. Tatsächlich sind es viel mehr.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 17.06.2009 um 22.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7717

Wie die Wörterliste der dpa (PDF-Datei) zeigt, folgen die Nachrichtenagenturen in vielen Fällen nicht den Empfehlungen der Dudenredaktion.

Ohne die Beispiele im einzelnen anzuführen, läßt sich festhalten, daß die bevorzugten Varianten der dpa in Summe deutlich konservativer als die Gelbmarkierungen im Duden sind.

Der ehemals so reformkritische Springer-Verlag schreibt daher aufgrund der strikten Befolgung der Duden-Empfehlungen inzwischen »progressiver« als die Zeitungen, die der dpa folgen.

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.06.2009 um 21.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7716

Wenn Wahrig konsequent dpa folgt, nähert sich das Wörterbuch dem Duden 2006 an, da die Hausorthographie der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen (Ausnahme: SDA) von 2007 ihrerseits aus Duden und Wahrig 2006 zusammengeschnitten ist. Dennoch gewinnt der Wahrig eine starke Position, weil erstmals wieder ein für die Zeitungsredaktionen und -korrektorate brauchbares Wörterbuch zur Verfügung zu stehen scheint.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.06.2009 um 20.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7715

Im wirklichen Leben nennt man so etwas fabrikneuen Schrott.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 17.06.2009 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7714

Die 25. Auflage? So schnell veraltet unsere Rechtschreibung? Sind die neuesten Modelle also Schrott und schon in die Brüche gegangen? Wie seltsam, daß ältere Exemplare (zum Beispiel Baujahr 1968) immer noch "fahrbar" sind und in der Praxis keineswegs versagen ...

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2009 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7713

Zum Thema "Nachahmung": Im Herbst soll auch das "Herkunftswörterbuch" von Wahrig erscheinen - der Einband ist genau im selben Blauton gehalten wie das "Herkunftswörterbuch" von Duden. Es hat schon Gerichtsverfahren wegen geringerer Ähnlichkeiten gegeben ...

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2009 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7712

Der Wahrig wird auf der Verlagsseite mit einem Satz aus der Rezension von Heike Schmoll (F.A.Z. 22. 7. 2006) beworben:
„Das Rechtschreibwörterbuch Wahrig bildet die von den Kultusministern verordnete Schulorthographie zuverlässiger ab als der Duden.“
Dieser Satz war dem Verlag offenbar so wertvoll, daß er den reformkritischen und daher geschäftsschädigenden Zungenschlag überhörte.

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 17.06.2009 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7711

Durch die Entfernung sämtlicher Hinweise auf die Änderungen der Rechtschreibung bezüglich der bewährten Orthographie und den Neuregelungen von 1996 und 2004 sowie der voraussichtlichen Herausnahme der Übersichtstabellen läßt sich durchaus Platz für 5000 Neueinträge schaffen.

Interessanterweise wird auch beim neuen Wahrig die Seitenzahl (wie schon 2006) exakt 1216 betragen, und auch dieser wirbt mit 5000 neuen Wörtern (wenn auch immer noch 5000 weniger als der Duden).

Während die Dudenredaktion nach wie vor auf die eigenen Variantenempfehlungen setzt, hofft Wahrig auf eine Steigerung seines Marktanteils durch konsequente Empfehlung der von der dpa bevorzugten Schreibweisen:

Das Standardwerk "WAHRIG Die deutsche Rechtschreibung" erscheint jetzt topaktuell um zahlreiche Neologismen erweitert - und mit den Empfehlungen der deutschsprachigen Presseagenturen bei Schreibvarianten.

Aufgrund dessen wird sich der Wahrig sowohl von seinen Empfehlungen 2006 als auch von seiner eigenen Hausorthographie, welche wiederum davon abweicht und inzwischen kostenlos im Internet herunterzuladen ist, verabschieden müssen.

Der Duden wird somit wie schon 2006 80er-Jahre, Albtraum, bei Weitem, mithilfe usw. empfehlen, während sich Wahrig auf 80er Jahre, Alptraum, bei weitem, mit Hilfe usw. festlegen wird.

Zur Einheitlichkeit der Rechtschreibung wird die Veröffentlichung der beiden Wörterbücher mit Sicherheit nicht beitragen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2009 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7710

Ob der neue Wahrig das delirierende Vorwort von Zehetmair beibehält (vgl. hier)?

Der Duden hat meiner Ansicht nach gar keine andere Wahl, als den Zwei- oder Dreifarbendruck einzuführen: Vierfarbendruck ist für ein Rechtschreibwörterbuch tödlich – wie vorausgesagt und eingetreten. Einfarbig geht auch nicht, weil die Unmenge kommentarlos nebeneinandergestellter Varianten die Kunden in den Streik treibt. Andererseits muß die Amtlichkeit gewahrt, also jede Variante angegeben werden. Die vielgerühmten Dudenempfehlungen müssen also bleiben, auch wenn vielleicht nicht mehr dasselbe empfohlen wird wie vor drei Jahren. Hinzu kommen wahrscheinlich die Infokästen in Grau oder Blau.

Woran ich anläßlich der Dudenpleite noch gar nicht gedacht habe: Der Wahrig erscheint ja tatsächlich auch unter dem Namen Cornelsen – da wird man doch auf die Dauer nicht die beiden Konkurrenzprodukte im selben Hause herstellen? Das kann ja noch spannend werden. Mir fehlt leider der Überblick, wie gut die Marke Wahrig insgesamt etabliert ist. Die beiden parallelen Buchserien – Original und krampfhafte Nachahmung – lassen sich wohl kaum gewinnbringend verkaufen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2009 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7709

Die Seitenzahl des neuen Duden ist immerhin unverändert ...

 

Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 17.06.2009 um 14.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7708

Duden und Wahrig – upgedated: 2

Ich muß mich in einem Punkt korrigieren: siehe meinen Eintrag von gestern.

Der neue "Wahrig" ist auch für Juli angekündigt – nicht schon für Juni, wie ich mit Blick auf das Datum des Gütersloher Werbebriefs (der früher als der Mannheimer eintraf) versehentlich mitteilte.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 16.06.2009 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7707

Hört ihr Leut‘ und laßt euch sagen, das Haus Wahnschrieb tut zu wissen kund:

Duden - Die deutsche Rechtschreibung
Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der neuen amtlichen Regeln
ISBN: 978-3-411-04015-5
25. Auflage
1216 Seiten
21,95 € (D)
22,60 € (A)
38.80 CHF
Voraussichtlich lieferbar ab
Juli 2009
Die 25. Auflage des umfassenden Standardwerks ist so zuverlässig wie immer und so umfangreich wie nie zuvor: Rund 135.000 Stichwörter, davon 5.000 neue Wörter, über 500.000 Beispiele, Bedeutungserklärungen und Angaben zu Worttrennung, Aussprache, Grammatik, Etymologie und Stil lassen keine Fragen offen. In 400 übersichtlichen Infokästen werden schwierige Zweifelsfälle anhand von Beispielen ausführlich erklärt. Bei mehreren zulässigen Schreibweisen helfen gelb markierte Dudenempfehlungen. Neu: der Sonderteil mit wissenswerten Informationen rund um den deutschen Wortschatz.
(www.duden.de)

Und wieder Lügen über Lügen aus Mannheim. Wer hat denn bitte behauptet, der Duden sei noch zuverlässig? Und gerade die berüchtigten „Angaben zu […] Grammatik, Etymologie und Stil“ lassen mehr als eine Frage offen. Und warum sollen „[b]ei mehreren zulässigen Schreibweisen“ ausgerechnet die Mannheimer helfen? Was für eine Selbstüberschätzung!

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 16.06.2009 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7705

Sehen Sie, Herr Albert (vgl. hier), natürlich zieht das bananengelbe Buch nach, so lange das noch geht.

Aus Kostengründen ist diesmal wohl der Vierfarbdruck durch schlichte Bananenfarbe ersetzt worden. Aber dafür tut die Dudenredaktion nun durch die Anordnung so, als würde alle bereitwillig (bereit willig) ihren sogenannten Empfehlungen folgen. Das meinte also Herr Wermke damit, daß der Duden die Akzeptanz der Reform stärken wolle.

Aber auch die Durchsetzung mit Brachialgewalt, weitere überflüssige Dudenauflagen und das Ausblenden von anderen Schreibweisen werden am faktischen Scheitern der Reform nichts ändern. Die Reform selbst, die Reformer und deren Durchsetzer sollten endlich in den letzten Resten der ihnen verbliebenen Ehre abtreten. Je länger sie ihren Abgang mit albernen Auflagen und Aufgüssen einer Totgeburt hinauszögern, desto lächerlicher machen sie sich.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.06.2009 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7704

Leidfäden für die Deutsche Leidkultur

 

Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 16.06.2009 um 19.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=618#7703

Duden und Wahrig – upgedated!

Nicht am 1. Juli, aber wenig später, am 21. Juli wird "Duden 1", um ein paar neue Stichwörter bereichert und, wie der Eingangsartikel vermerkt, um einiges bereinigt, herauskommen. Wir warten ja alle sehnlichst darauf.
Dazu in einem "Medienpaket", preiswert und als Verkaufsschlager aufgezäumt (manche Verlage verkaufen Bücher ja schon kiloweise). Auch die Grammatik und anderes wird kostengünstig angepriesen ... Mein Gott, was müssen sich Dudenredaktion und -marketing ins Zeug lassen – Argumente der Ladenkasse.

Der "Wahrig" sitzt ihnen im Nacken und ist ja für Ende dieses (diesen?) Monats angekündigt. (Zu Cornelsen sage ich hier kein Wort.)

Geht es nur mir so: ein trostloses Schauspiel, eine ernüchternde Veranstaltung? (Pardon, ein Event. Ob wenigstens der "content" okay ist?) Hat ein Wort wie "Schriftkultur" noch einen Sinn?

 

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