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23.07.2012
Studenten können nicht richtig schreiben
Umfrage unter Uni-Professoren
Bayreuth – Junge Studenten haben nach Erkenntnissen von Hochschullehrern große Probleme mit der Rechtschreibung. Auch stießen Professoren in schriftlichen Arbeiten häufig auf Grammatikfehler.
Zudem fehlten vielen Erst- und Zweitsemestern die Lesekompetenz sowie die Grundlagen der Satzbaulehre, wie aus einer bislang unveröffentlichten Umfrage unter deutschen Philologie-Professoren hervorgeht. Über das Ergebnis hatte auch der Radiosender Deutschlandradio Kultur berichtet.
“Ein Problem ist auch die mangelnde Fähigkeit mancher Studenten, selbstständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben“, beklagte Professor Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nur wenige Studenten seien beispielsweise in der Lage, eine Vorlesung mit eigenen Worten angemessen zusammenfassen. “Viele Studenten können kaum noch einen Gedanken im Kern erfassen und Kritik daran üben“, sagte Wolf.
“Mit der argumentativen Logik haben es die Studenten immer weniger. Diese Fähigkeiten gehen langsam verloren“, fügte der Germanist hinzu, der in Bayreuth deutsche Literatur lehrt. Hier schlage sich anscheinend der schwindende Wortschatz nieder. “Dagegen nimmt die Jargonhaftigkeit zu: Die jungen Studenten verwenden in ihren Arbeiten immer häufiger Begriffe, die sie mal gehört haben, ohne aber zu wissen, was sie eigentlich bedeuten.“
Viele Studenten hätten auch Probleme, einer 90-minütigen Vorlesung konzentriert zu folgen. “Viele gehen offenbar mit der Haltung in die Vorlesung, “die Fakten stehen doch eh' alle im Internet. Ich muss deshalb in der Vorlesung nicht alles verstehen“.“
Wolf sieht nicht nur die Schulen gefordert, die mehr Wert auf die Sprachkompetenz ihrer Schüler legen sollten, sondern auch die Hochschulen. Universitäten sollten überlegen, ob sie für Studienanfänger künftig sogenannte Vorschaltkurse anbieten, in denen Basiswissen vermittelt werde. Wolf räumte allerdings ein, das dies dem Bestreben vieler Politiker entgegenlaufe, die Studienzeit zu verkürzen.
An der Umfrage hatten sich Professoren an 135 deutschen geisteswissenschaftlichen Fakultäten in 62 deutschen Universitäten beteiligt. Sie war im Jahr 2011 vom Philosophischen Fakultätentag, einem Zusammenschluss von 135 deutschen philologischen Uni-Fakultäten, angeregt worden. Die Geisteswissenschaftler an den deutschen Hochschulen verstehen die Umfrage als Beitrag zur Diskussion über neue Bildungsstandards an deutschen Gymnasien, die derzeit von deutschen Kultusministern geführt wird.
Quelle: Münchner Merkur
Link: http://www.merkur-online.de/nachrichten/deutschland/professoren-junge-studenten-haben-probleme-rechtschreibung-2428495.html
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Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 29.08.2012 um 23.09 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9074 |
"Rechtschreibungs-, Interpunktions- und Grammatikfehler beeinträchtigen die Lesbarkeit einer Seminar- oder Diplomarbeit und sind Ausdruck einer gewissen Gleichgültigkeit oder Flüchtigkeit."
Es dauerte ein wenig, bis ich glauben konnte, was ich soeben gelesen hatte. Zunächst:
a) Daß am Kieler Pädagogik-Institut die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung "der jeweils aktuellen Ausgabe des DUDEN entsprechen" sollen bzw. "müssen", ist für eine wissenschaftliche Institution blamabel: Sprachwissenschaft muß als solche deskriptiv sein; eine Vorschrift, einen staatlichen Eingriff in die Sprache zu unterstützen, sagt viel über den (un)wissenschaftlichen Charakter des Instituts - und sicher auch über seinen Pädagogik-Begriff.
b) Daß Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung nicht etwa dem Amtlichen Regelwerk entsprechen sollen, sondern der Interpretation desselben ausgerechnet durch den DUDEN, ist wohl kein Zufall, sondern Ausdruck ideologischer Festigkeit.
c) Schier unglaublich ist aber die oben zitierte Aussage: Die Aussage, Orthographie-, Interpunktions- und Grammatikfehler beeinträchtigten die Lesbarkeit eines Textes, trifft grundsätzlich ja durchaus zu, wie die Kritiker der RSR immer wieder an konkreten Beispielen nachgewiesen haben; aber zu suggerieren, es sei das Festhalten an konventioneller, bewährter Schreibung, welches das Textverständnis verhindere, und die RSR (im Umkehrschluß) fördere sie - das wurde nie bewiesen, es läßt sich nicht beweisen, und es kann, wenn nicht als ideologisches Dogma, dann getrost als Lüge bezeichnet werden.
Daß Pädagogik eine wissenschaftliche Disziplin sein soll, fällt mir nach der Lektüre eines solchen Merkblatts nicht leicht ...
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2012 um 16.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9072 |
Aus dem Kieler Institut für Pädagogik wird wohl niemals eine lesenswerte Arbeit hervorgehen, insofern sind die Vorschriften zur reformierten und sexbesessenen Schreibweise unschädlich. Übrigens entspricht durchnumeriert nicht dem selbstgesetzten Maßstab.
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Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 28.08.2012 um 20.22 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9071 |
Die Formulierung „jeweils aktuelle Ausgabe des DUDEN“ lehnt sich unverkennbar an die Vertragsbedingungen im Ingenieurwesen an, in denen auch die Einhaltung der jeweils aktuellen Normen gefordert wird. Mitunter wird dort sogar die Einhaltung geplanter Vorschriften der Normentwürfe gefordert.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.08.2012 um 18.11 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9070 |
Wenn man heutige indoeuropäische Sprachen vergleicht, erscheint z.B. die deutche "Ingenieurin" schon hervorstechend modern zu sein, denn in sehr vielen dieser Sprachen gibt es nur den Ingenieur. Das wäre ein Fall für die Europäische Kommission. Man glaubt gar nicht, welche europäische "Macho-Sprachen" es gibt.
Das deutsche "Fräulein" gehört abgeschafft, denn es geht nicht an, daß es kein Geschlecht hat.
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Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 28.08.2012 um 16.24 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9069 |
Hier zur Abwechslung etwas recht Amüsantes, nämlich das "Merkblatt zur Anfertigung von Seminar- und Diplomarbeiten" des Instituts für Pädagogik der Christian-Albrechts-Universität Kiel (www.uni-kiel.de/paedagogik/brouer/grafik/merkblatt.pdf). Das Thema Rechtschreibung wird recht kurz abgehandelt, wobei der Hinweis auf die jeweils neueste Ausgabe des Duden ein wenig komisch wirkt:
"Sprache, Stil und Interpunktion
Seminar- und Diplomarbeiten werden in deutscher Sprache abgefasst. Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung müssen der jeweils aktuellen Ausgabe des DUDEN entsprechen, es gelten die neuen Regeln der deutschen Rechtschreibung. Rechtschreibungs-, Interpunktions- und Grammatikfehler beeinträchtigen die Lesbarkeit einer Seminar- oder Diplomarbeit und sind Ausdruck einer gewissen Gleichgültigkeit oder Flüchtigkeit. Eine unvertretbare Häufung sprachlicher Mängel führt zu Konsequenzen bei der Bewertung der Prüfungsleistung."
Sprachliche Mängel sind also anscheinend nicht weiter tragisch, wenn man es nicht übertreibt. Dafür wird auf Seite 8 bis 11 (von nur insgesamt 13 Seiten) dem Thema "Geschlechtsneutrale Schreibweise in wissenschaftlichen Arbeiten" die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Offenbar ist an diesem Institut die "geschlechtersensible Formulierung" das Hauptkriterium bei der Beurteilung einer Arbeit. Dies könnte ein ganz neues und lukratives Beschäftigungsfeld für "geschlechtergerechte Korrektoren" eröffnen.
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.08.2012 um 15.25 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9068 |
"Hier kann Zivilcourage unerwünscht sein." Vor allem, wenn die Machthabenden denken, daß sie mit der Macht auch den Verstand dazu bekommen haben. Und gerade deshalb ist etwas Wesentliches faul im Zustand der Vierten Gewalt und damit eben überhaupt in unserm Staate.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.08.2012 um 11.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9067 |
Jeder hat das Recht, so zu schreiben, wie er es für den Leser am verständlichsten hält. Aber gegenüber Vorgesetzten oder Beurteilenden ist es manchmal besser, herauszufinden, welche Form erwünscht ist. Hier kann Zivilcourage unerwünscht sein.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2012 um 06.49 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9066 |
Mir ist nicht klar, wo hier ein Eingriff in die Gegebenheiten (den "Markt") ansetzen sollte. Man kann Hochschullehrer nicht zwingen, höhere Anforderungen an die Rechtschreibung in Qualifikationsarbeiten zu stellen, nur damit die Korrektoren besser verdienen (oder die Verfasser sich mehr Mühe geben; Rechtschreibung ist schließlich kein Geheimwissen, und eigentlich sollte es Korrektoren in diesem Bereich überhaupt nicht geben!).
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Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 26.08.2012 um 23.13 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9065 |
Wie zu erwarten war, verschwand das Inserat (150 Franken für die Korrektur einer Masterarbeit) nach kurzer Zeit, der arme Student (oder die arme Studentin) hat also einen anderen armen Studenten gefunden, der entweder derart in Existenznot war, daß er a) eine gute Arbeit sozusagen für Gotteslohn machte oder aber b) seinen Auftraggeber dreist reinlegte, indem er die Arbeit zu einem für ihn akzeptablen Stundenhonorar schnell zurechtpfuschte. Ich tippe auf die zweite Möglichkeit.
Ob man auf derartige Arbeiten, bei denen das gewünschte Ergebnis, in diesem Fall eine einwandfreie Orthographie, vom Auftraggeber gar nicht definiert werden kann, weil er es selbst nicht kennt, das ökonomische Kriterium des Marktpreises anwenden kann, bezweifle ich. Der Marktpreis bezieht sich ja auf den niedrigsten Preis am Markt für eine qualitativ identische Arbeit und nicht auf den niedrigsten Preis für die schlechteste Arbeit. Sagen wir es mal so: "Die Festsetzung von Mindestqualität durch die Auftraggeber dürfte, wie jeder Ökonom wissen sollte, zu erhöhter Arbeitslosigkeit unter Geringqualifizierten führen".
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 26.08.2012 um 16.07 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9064 |
Zur "Korrektur von Studentenarbeiten" (#9053, #9063) etwas Ähnliches: Ich sagte meinen Studenten in Deutsch, 2. Jahr immer, daß sie bei allen Übersetzungsersuchen 5 Cent pro Wort verlangen sollten, mit Mindestgebühr $5.– (Postkarten, aber auch einzelne Sätze), und gezählt werden die Wörter in der Sprache, in der es mehr sind. Allerdings müßte die Übersetzung auch formal sauber sein und über der Unterschrift den Satz enthalten: This is a true translation of the German original. Dazu sagte ich ihnen auch noch, ich selbst verlange 50 Cent pro Wort, und einen Dollar pro Wort, wenn der Text schwer ist. Und die Definition von "schwer" ist: Ich muß dazu in die Universitätsbibliothek gehen.
Das Resultat war natürlich, daß niemand mehr zu mir mit unangebrachten Anliegen kam. Aber bei besonderen Fällen (Rechtsfällen) wurde ich schon mal zu Rate gezogen, und da ließ ich mich nach Stundensätzen honorieren, wie die Rechtsanwälte selbst das ja auch tun (jede angebrochene Viertelstunde wird als volle Viertelstunde gerechnet, usw., wo dann einer am Telefon sogar tatsächlich mal sehr schnell sprach). Den armen Studenten mit ihren 150 Franken würde ich raten, dann doch dahin zu gehen, wo sie's für 150 Franken gut gemacht bekommen. — Ansonsten allerdings gilt sowieso #9048, wonach "die beurteilenden Doktorväter die Rechtschreibung entweder selbst nicht mehr beherrschen und/oder aber ihnen das alles völlig egal geworden ist."
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Kommentar von R. M., verfaßt am 25.08.2012 um 14.47 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9063 |
Wenn sich jemand findet, der die Korrektur einer solchen Arbeit für 150 Franken übernimmt, dann ist das eben der Marktpreis, Herr Niemz. Die Festsetzung von Mindestlöhnen führt, wie jeder Ökonom weiß, lediglich zu erhöhter Arbeitslosigkeit unter Geringqualifizierten.
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 24.08.2012 um 17.20 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9061 |
Sowas (#9059, #9060 u.a.) sollte in Briefform an die Zeitungen gehen und nicht bloß hier angeboten werden. Geschieht das? (Ich kann das von hier aus natürlich nicht nachprüfen; aber ich meine wirklich, man sollte denen immer wieder in den Ohren liegen, d. h. es ihnen schwarz auf weiß auf den Schreibtisch legen.)
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Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 24.08.2012 um 16.23 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9060 |
Rechtschreibreform – was bleibt?
Ich kenne niemand, der sagt, er beherrsche die reformierte Schreibung intuitiv. Sowohl bei Profis als auch bei Gelegenheitsschreibern entstehen laufend die abenteuerlichsten Phantasiekonstruktionen, die mit dem reformierten Regelwerk nichts gemein haben (s-Schreibung, GKS, GZS, aber auch Einzelschreibungen).
Lesestolpersteine durch früher weitgehend vermiedene Dreifachbuchstaben wurden eingeführt.
Neue willkürliche Mehrdeutigkeit, wo früher Eindeutigkeit herrschte.
Trotz der häufigen Klage, daß selbst Abiturienten auf breiter Basis früher übliche Standards verfehlten, ist für die maßgebende Politik die Reform trotzdem ein Erfolgsprojekt, warum – das wissen nur die Götter …
Mein Resümee: die Masse wird durch die Politik gegen besseres Wissen einfach nur angelogen (und fast alle fressen es, nicht nur in diesem Fall)!
Oder: die Politik glaubt wirklich, was sie sagt, dann wird daraus ein Fall von Realitätsverweigerung!
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.08.2012 um 23.46 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9059 |
Wenn die deutsche Grammatik tatsächlich zu schwierig ist, muß eben eine Grammatikreform her. Z.B. Wegfall aller Substantiv-Deklinations-Endungen wie im Italienischen und Spanischen und neuem Einheits-Plural-s wie im Spanischen. (Spanisch hat nach Englisch die zweit-leichteste Grammatik.) Die Artikel genügen doch.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.08.2012 um 16.54 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9054 |
Durch die Reform ist die Rechtschreibung erst wirklich zum Herrschaftswissen geworden.
Gefordertes häufigeres Nachschlagen im Wörterbuch ist praxisfremd.
Es erinnert an den im lateinischen Frühmittelalter notwendig gewordenen Beruf des Schreibers, weil durch die Abschaffung des klassischen, aber "heidnischen" allgemeinen Schulsystems des Römischen Reiches in Westeuropa nicht einmal mehr Könige und Kaiser schreiben konnten. Vorher konnten auch Sklaven schreiben.
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Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 22.08.2012 um 02.31 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9053 |
Hier zum Thema Korrektur von Studentenarbeiten noch ein hübsches aktuelles Beispiel (es stammt aus der Rubrik "Jobangebote" auf der Internetseite einer schweizerischen Universität):
"Um meine Master-Arbeit (Phil I) im Umfang von 60 Seiten orthografisch korrigieren zu lassen, suche ich jemanden, der darin Übung hat und in der Rechtschreibung/Interpunktion sehr sicher ist. Ich biete dafür CHF 150.- [umgerechnet 125 Euro]"
Bereits die Angabe von 60 Seiten ist windig. Es kann sich dabei nämlich durchaus um 120 Standardseiten (30 Zeilen zu 55 Zeichen einschließlich Leerschlägen) handeln. Neben den mittlerweile üblichen vielen Fehlern bei Orthographie, Grammatik und Stil muss man nach meiner Erfahrung zusätzlich durchgehend mit Fehlern in der Bibliographie (beispielsweise falsche Buchtitel, Autorennamen, Erscheinungsjahre und -orte) sowie mit inkorrekten Zitaten, technischen Problemen mit der Datei (Instabilität, Fehler bei der Generierung von Inhaltsverzeichnis und Index) und diversen weiteren bösen Überraschungen rechnen.
Als seriöser Korrektor sollte man sich zumindest nach meiner Auffassung mit allen diesen Fehlern beschäftigen. Nimmt man nur schon den schweizerischen Mindestlohn von ca. 3200 Franken (für Hilfsarbeiten) als Basis, dann sollten alle Korrekturarbeiten samt der Anfertigung von Ausdrucken, dem Verfassen einer Liste mit den unumgänglichen Fragen und dem Eintragen der Korrekturen in die Datei in ca. sechs Stunden erledigt sein. Bei einem hierzulande üblichen Stundenlohn für freie Korrektoren von mindestens 80 Franken müsste man sogar bereits nach kaum zwei Stunden fertig sein.
Beim Angebot, die Arbeit zu einem angemessenen Stundenhonorar und nach Aufwand zu berechnen, dürfte das übliche Gejammer losgehen ("Ich bin ein armer Student, ich habe doch kein Geld, das ist einfach unfair" usw. in diesem Stil).
Der Student (vielleicht handelt es sich auch um eine Studentin; die sind übrigens im Jammern und Erregen von Mitleid besonders talentiert) wird vermutlich trotz allem jemanden finden, der diese Korrekturarbeit für nur 150 Franken erledigt, denn andere arme Studenten auf der Suche nach irgendeiner Verdienstmöglichkeit gibt es in einer Universitätsstadt reichlich, und das zu erwartende desaströse Ergebnis (denn welcher Student beherrscht heutzutage noch eine einigermaßen fehlerfreie Orthographie?) wird dann von den beurteilenden Dozenten vermutlich gnadenvoll schweigend akzeptiert werden. Denn man will ja auf gar keinen Fall pedantisch erscheinen, Inhalt und Einstellung sind eh wichtiger als Äußerlichkeiten, und durch die Rechtschreibreform weiß sowieso keiner mehr, was richtig und was falsch ist (und deshalb interessiert es auch nicht mehr).
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Kommentar von Rubbeldiekatz, verfaßt am 19.08.2012 um 15.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9049 |
Ich kann dies nach meinen eigenen Erfahrungen voll und ganz bestätigen. Aber auch die Schreiberzeugnisse von Behördenmitarbeitern (weibliches Personal eingeschlossen) oder jüngeren Selbständigen mit Hochschulabschluß (oft promoviert) sind voll von Fehlern, von denen ich annehme, daß sie eine Konsequenz der Rechtschreibreform(en) sind. Ich erhielt jüngst ein Rundschreiben einer kommunalen Verwaltung, bei dem ich mich als Verantwortlicher geschämt hätte, wenn es so nach draußen gegangen wäre. Was mich am meisten beim Lesen irritiert, ist neben der Großschreibung von adverbialen Ausdrücken wie "vor Kurzem" (Duden-Empfehlung) die Getrenntschreibung von Verben mit übertragener Bedeutung, die ja im Duden als Variante gegenüber der Zusammenschreibung empfohlen wird – oder es wird die Zusammenschreibung gelb markiert; eine Logik kann ich dabei nicht erkennen.
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Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 18.08.2012 um 20.38 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9048 |
An diesem Rechtschreib-, Grammatik- und Stildesaster tragen die Hochschullehrer eine wesentliche Mitschuld. Wenn ich sehe, was alles an Diplom- oder Doktorarbeiten akzeptiert wird (im Internet sind in Form von PDF-Dateien wahre Prachtexemplare davon zu finden), dann wird für mich deutlich, daß die beurteilenden Doktorväter die Rechtschreibung entweder selbst nicht mehr beherrschen und/oder aber ihnen das alles völlig egal geworden ist.
Auch die Verlage, die diese Arbeiten dann drucken, begnügen sich mit den Dateien (nach Unterzeichnung einer scheinheiligen Versicherung, daß der darin enthaltene Text fehlerfrei sei) und verzichten auf ein teures Lektorat. Und auch jene einsichtigen Studenten, die ihre Arbeiten zur Korrektur geben, behandeln den Korrektor meist mit einer gewissen Hochnäsigkeit, die an Verachtung grenzen kann. So wird auf die Forderung nach einem halbwegs angemessenen Honorar zuerst oft mit Erstaunen, ja sogar Fassungslosigkeit reagiert ("Ja soll ich denn etwa dafür bezahlen? Aber ich habe doch überhaupt kein Geld!"). Oder aber es wird ein unrealistisch geringer Aufwand zugrunde gelegt (es handelt sich dann durchgehend um drei- bis viermal soviel Arbeit).
Einige dieser erbärmlich jammernden armen Studenten, deren Arbeiten ich teilweise völlig überarbeiten musste, um sie vor dem Durchfallen zu retten, gingen dann wenig später lustig und fidel auf teure Reisen in andere Kontinente. Angesichts all dieser schlechten Erfahrungen korrigiere ich keine Diplom-, Lizentiats- oder Doktorarbeiten mehr.
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Kommentar von Hamburger Abendblatt, 23. Juli 2012, verfaßt am 09.08.2012 um 19.01 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9042 |
Auch dort dieser "das-Fehler", der damit wohl auf das Konto von dpa geht:
"Wolf räumte allerdings ein, das dies dem Bestreben vieler Politiker entgegenlaufe, die Studienzeit zu verkürzen."
www.abendblatt.de/vermischtes/article2347691/Professoren-beklagen-Orthografie-...
(Bei Welt online dagegen einen Tag später in korrigierter und leicht ergänzter Fassung.)
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Kommentar von www.n24.de, 23. Juli 2012, verfaßt am 09.08.2012 um 18.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9041 |
"Massive Lücken bei Studienanfängern": www.n24.de/news/newsitem_8088024.html
"Professoren beklagen sinkendes Niveau": www.n24.de/news/newsitem_8088563.html
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Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 04.08.2012 um 12.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9032 |
Häufig hört man derzeit, Studienanfänger hätten wenig Ahnung von Rechtschreibung und Grammatik.
Vermutlich handelt es sich um jene Jahrgänge, bei denen die Verwirrung durch die Reform groß war und wo die Lehrer die Sache vielfach sich selbst überließen. Man hörte seinerzeit zwar, die Umsetzung der Reform laufe problemlos; wie problemlos, kristallisiert sich jetzt halt langsam heraus.
Aber natürlich sieht man keine Versäumnisse in der Vergangenheit, man akzeptiert den Status quo einfach und fordert die Unis auf, nach unten zu nivellieren, damit die Uniabsolventen ihre Schwächen in Rechtschreibung und Grammatik auch als Akademiker weiterhin behalten können!?
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Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 27.07.2012 um 00.30 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9019 |
Das Interview zum Thema gibt es hier: www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1818985
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Kommentar von PW, verfaßt am 24.07.2012 um 16.19 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9018 |
zu #9017:
Laut der SÜDWEST PRESSE vom 24. Juli 2012 bescheinigen Professoren Studienanfängern massive Probleme mit der deutschen Sprache. Eine bisher unveröffentlichte Umfrage an 135 geisteswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland komme zu einem erschreckenden Ergebnis: Studenanfänger wiesen massive Lücken in Rechtschreibung und Grammatik auf. Jürgen Wertheimer, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Uni Tübingen, wird zitiert, für den der Fehler im System liege. Man dürfe sich nicht beklagen, wenn die deutsche Sprache sich nach "zweieinhalb durchgeführten Rechtsschreibreformen" selbst auflöse. (www.swp.de)
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Kommentar von B.Troffen, verfaßt am 24.07.2012 um 08.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=680#9017 |
Jetzt hat auch die WAZ (und einige andere) was entdeckt:
"Relative Reife - Abiturienten haben Probleme mit der Rechtschreibung"
Ein Alarmruf aus der Professorenschaft mal wieder (genauer: der "Philosophische Fakultätentag"). Von einer gewissen Reform ist allerdings nicht die Rede, aber vielleicht ist ja deren Anteil an der Problemlage tatsächlich eher gering.
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