11.10.2008


Theodor Ickler

Typographie

Bitte um lesbare Schriften

In der Werbung kann natürlich jeder machen, was er will, aber wo es um mitteilende Texte geht, sollte man doch in der heutigen Zeit erwarten, daß auch die Schriftgestaltung auf die Ergebnisse der Lesbarkeitsforschung Rücksicht nimmt. Doch weit gefehlt!
In Zeitschriften und anderen Veröffentlichungen findet man seit Jahren immer wieder schwer lesbare Schriftarten, oft noch auf farbigen Hintergrund gesetzt, so daß man Schwierigkeiten hat, bei normaler Beleuchtung überhaupt noch etwas zu erkennen, und längere Texte möchte man in dieser Form schon gar nicht lesen.
Die Stadt Erlangen brachte vor einem Jahr eine aufwendig gestaltete Werbebroschüre heraus, in der man zum Beispiel sehr dünne weiße, serifenlose Schrift auf hellgrünem Grund fand. Die Seiten sahen aus zwei Meter Entfernung unbedruckt aus, und bei näherer Betrachtung war auch kaum etwas zu erkennen. Unser Uni-Kurier-Magazin ist in lesepsychologischer Hinsicht so miserabel gestaltet, daß man sich fragt, ob die Universität in allen Bereichen "exzellent" sein will (wie es auf jeder zweiten Seite heißt), nur auf diesem nicht. Na, abgesehen von der grotesken Orthographie natürlich. Das sind elementare Dinge, und minima non curat praetor, nicht wahr? Korrektur wird auch nicht gelesen. Zwischen die wirklich sehr gute Wissenschaft und die Öffentlichkeit schiebt sich hier wie überall die Torheit der Pressestelle. Und so gehen die Erkenntnisse unserer Spitzenforscher im denkbar schäbigsten Gewand in die Welt hinaus. (Das Vorwort des Rektors heißt "Editorial", selbstverständlich. Es ist und bleibt aber ein Vorwort.)


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