Wolfgang Wrase zu »Mit schlechtem Beispiel voran«
Dieser Kommentar wurde am 19.06.2013 um 15.33 Uhr verfaßt.
|
Die Formulierung "vertritt dort die Interessen von XY" ist bestimmt ohne tieferen Sinn gewählt worden. Vermutlich spontan und aus Gewohnheit. Der VFLL stellt sich nach außen und nach innen permanent als Verband dar, der die Interessen seiner Mitglieder (und der sonstigen Lektoren) vertritt. Es gehört dort zur gedanklichen Routine, die Arbeit in einem Gremium mit "Interessen vertreten" gleichzusetzen.
|
Jan-Martin Wagner zu »Mit schlechtem Beispiel voran«
Dieser Kommentar wurde am 19.06.2013 um 13.12 Uhr verfaßt.
|
Die Mitgliederliste des Rechtschreibrates ist zuletzt Anfang Februar 2013 auf den neuesten Stand gebracht worden (siehe mitgliederliste.pdf).
|
Theodor Ickler zu »Mit schlechtem Beispiel voran«
Dieser Kommentar wurde am 19.06.2013 um 12.17 Uhr verfaßt.
|
Schlobinski ist also schon wieder draußen, was ich ihm nicht verdenken kann. Stutzig macht mich die Formulierung, Olaf Krause vertrete die Interessen der Gesellschaft für deutsche Sprache. Diese Gesellschaft hat eigentlich keine Interessen zu haben, anders als Krause persönlich, der ja nach eigener Aussage an der reformbedingten Unsicherheit Geld verdient.
|
Wolfgang Wrase zu »Mit schlechtem Beispiel voran«
Dieser Kommentar wurde am 19.06.2013 um 11.52 Uhr verfaßt.
|
Soeben erhalte ich einen Newsletter des VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren), in der vorrangig mitgeteilt wird, daß es eine neue Pressesprecherin gibt. In einem weiteren Absatz heißt es:
Und es gibt noch ein Gremium, in dem wir inzwischen mit einem Verbandskollegen präsent sind: der Rat für deutsche Rechtschreibung. Olaf Krause aus Hannover vertritt dort die Interessen der Gesellschaft für deutsche Sprache. Nach eigenem Bekunden wird er auch seine Erfahrungen aus dem Lektorats- und Journalistenberuf (auch Mitglied im DJV) mit einbringen.
|
Theodor Ickler zu »Die neue Schlechtschreibung«
Dieser Kommentar wurde am 19.06.2013 um 11.18 Uhr verfaßt.
|
Der überaus dumme SPIEGEL-Artikel spielt auch auf dem gesunden Volksempfinden, das sich natürlich gleich in Empörung steigert, wenn jemand empfiehlt, die ersten Schreibversuche unserer Kinder nicht durch Korrekturen zu entmutigen. Die beiden Journalistinnen scheinen auch noch keinem Kind das Schreiben beigebracht zu haben. Bezeichnenderweise kommt keine auf die Idee, daß man korrektes Schreiben durch Lesen lernt. Der Glaube an "Regeln" ist so undurchdacht, daß man ihn nicht einmal kritisieren möchte.
Die Pädagogikprofessoren sollte man allesamt in den Ruhestand versetzen und ihre Stellen ersatzlos streichen. Ich hatte in meinen Leben noch nie einen Grund, von dieser Meinung abzugehen.
|
Marco Mahlmann zu »Die neue Schlechtschreibung«
Dieser Kommentar wurde am 18.06.2013 um 17.38 Uhr verfaßt.
|
Da ist ja mal wieder das alte Lied, daß Kinder der Unterschicht von der böswilligen Lehrerschaft nicht auf's Gymnasium gelassen werden; und das Vehikel dazu ist das »Machtinstrument Rechtschreibung«, das schon in den Siebzigern das Lieblingshirngespinst selbsternannt alternativer Weltverbesserer war.
Man fragt sich, was für Leute es sind, die heute den Spiegel lesen und sich diesen Blödsinn bieten lassen, ohne sofort das Abonnement zu kündigen.
Ob die Redaktion sich selbstzensiert oder ob die Redakteure tatsächlich glauben, die Rechtschreibreform habe nichts mit den miesen Rechtschreibleistungen zu tun, kommt letztlich auf das gleiche raus: Journalisten werden ihrem immerzu vorangetragenen Anspruch nicht gerecht, nur der Wahrheit verpflichtet zu sein und den Leser ohne Rücksicht auf Machtverhältnisse und das eigene Fortkommen zu informieren.
|
Theodor Ickler zu »Die neue Schlechtschreibung«
Dieser Kommentar wurde am 18.06.2013 um 11.53 Uhr verfaßt.
|
Einen Augenblick hatte ich erwogen, mir den SPIEGEL zu kaufen, aber dann sagte mir ein Freund, daß die Rechtschreibreform nicht erwähnt wird und im übrigen die üblichen Verdächtigen wie schon seit Jahren und Jahrzehnten ihre ideologischen Scharmützel weiterführen.
Die SPIEGEL-Redakteure müßten es besser wissen, aber wahrscheinlich dürfen sie nicht schreiben, was sie denken (wir haben andere Beispiele von innerer Zensur noch in Erinnerung). Wer das Sturmgeschütz von Klatsch und Tratsch noch erträgt, kann es sich ja kaufen.
Es ist keine große Kunst, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Eine Schule, die das nicht schafft, und Kultusminister, die den Lehrer die Lust daran austreiben, sind einfach Versager.
Selbsthilfe ist anzuraten. Wer es irgend kann, sollte seinen Kindern das Lesen und Schreiben schon lange vor der Einschulung beibringen, dann kann der Schaden nicht mehr allzu groß werden.
|
Chr. Schaefer zu »„Kein Ruhmesblatt“«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2013 um 07.53 Uhr verfaßt.
|
Noch ein Problem im Hinblick auf die Tageszeiten: "über nacht/Nacht" bzw. "über tag/Tag", vielleicht sogar "übernacht" und "übertag"?
Ich finde momentan weder im Regelteil noch im Wörtververzeichnis etwas Brauchbares für diesen Fall. Wahrscheinlich gilt einfach die alte DUDEN-Festlegung weiter.
|
Chr. Schaefer zu »„Kein Ruhmesblatt“«
Dieser Kommentar wurde am 12.06.2013 um 06.39 Uhr verfaßt.
|
Prioritätsansprüche wollte ich Ihnen gewiß nicht unterstellen, sondern nur auf den bis heute anhaltenden Zynismus der Reformer und Kultusministerien aufmerksam machen: Erst schreit man Zeter und Mordio, weil nicht alles aus Regeln ableitbar ist, dann verfaßt man ein riesiges Regelwerk mit der Zielsetzung, auch noch den hinterletzten Winkel zu regeln und dafür zu sorgen, daß sich jede Schreibung aus einer Regel ableiten läßt sowie entsprechende Verweisbeziehungen zwischen Regelteil und Wörterverzeichnis existieren. Spätestens beim Erstellen des Wörterverzeichnisses merkt man dann aber, daß das Regelwerk lückenhaft, widersprüchlich und unklar ist, so daß man doch wieder auf Einzelfestlegungen zurückgreift oder (besonders in der Version 2006) problematische Fälle einfach wegläßt.
Als das ganze Ausmaß des Debakels sichtbar wird, erklärt man (wie in dem Zitat von Sitta/Gallmann angedeutet) die Regeln nur zu einer untergeordneten Quelle und statt dessen die eigenen "Intentionen" für maßgeblich. Weil sich aber Intentionen ändern können und ohnehin für niemanden nachprüfbar sind, stellt man sich auf diese Weise einen Freibrief für Willkür aus.
Aus dem Archiv:
Steigerungsformen wie am Aufsehen erregendsten und noch viel sagender sind ungrammatikalisch und entsprechen weder der Intention des Regelwerkes noch werden sie in einem der gängigen Rechtschreibwörterbücher aufgeführt. ("Immer wieder falsche Beispiele" (2000))
Die genannten Möglichkeiten werden im Regelteil nirgends explizit vorgeführt. Es lässt sich höchstens aus ein paar Einträgen im Wörterverzeichnis rekonstruieren, dass beide logisch denkbaren Schreibungen tatsächlich zugelassen sind. (3. Bericht der ZK der KMK, 2001)
Seither gibt es nur Auslegungen. (Augst in einem Zeitungsinterview, 2002)
Und so weiter.
Eine wesentliche Grundlage der Reform, nämlich durchgehende Verregelung, ein Argument, das die Kultusminister wohl neben dem Schwindel mit der verringerten Regelanzahl zur Zustimmung veranlaßt hat, war aber dem Brief von Sitta und Gallmann zufolge schon 1996 hinfällig. Das wahre Motto schien nun zu sein: "Früher hat die DUDEN-Redaktion willkürliche Entscheidungen getroffen, jetzt sind wir am Zug, Regeln hin oder her." Und der Rat macht munter weiter. Das ist aber wohl ohne Bedeutung, denn die Regeln als solche sind zwar sakrosankt, aber ohnehin sch***egal.
|
Theodor Ickler zu »„Kein Ruhmesblatt“«
Dieser Kommentar wurde am 11.06.2013 um 08.56 Uhr verfaßt.
|
Ich wollte auch nicht etwa irgendwelche Prioritätsansprüche erheben, das wäre ja lächerlich, sondern auf die krummen und oft lachhaften Wege hinweisen, die die Kommission gerade in ihren Anfangszeiten genommen hat. Manches habe auch ich schon wieder vergessen und stoße erst in alten Aufzeichnungen wieder darauf. Wie lange das schon wieder her ist!
Heute bemühen sich ja das IDS und der Rat, die Zeit zwischen 1996 und 2004 vergessen zu machen. Vielleicht gerade deshalb, weil die Aktivitäten der ziemlich kopflos gewordenen Kommission die ganze Undurchdachtheit der Reform so deutlich an den Tag brachten. Das Karlsruher Urteil von 1998 hat eine gewisse Beruhigung gebracht, weil dadurch wenigstens die Machtfrage zugunsten der KMK und der Reformer entschieden war. Aber das hat sie auch ein wenig übermütig gemacht, und damit mag die Auflösung der Kommission zusammenhängen.
|
Chr. Schaefer zu »„Kein Ruhmesblatt“«
Dieser Kommentar wurde am 11.06.2013 um 08.07 Uhr verfaßt.
|
Natürlich ist es sehr wahrscheinlich, daß die Reformer erst durch Ihre Kritik auf das Problem aufmerksam geworden sind, Herr Ickler. Sie haben ja wie kein anderer die Schlamperei und Schludrigkeit der Reformer bloßgelegt (und in Wahrheit ist es ja noch viel schlimmer).
Man sollte aber in diesem Zusammenhang immer wieder den berühmt-berüchtigten und zutiefst zynischen Brief von Sitta und Gallmann an den "lieben Christian" in Erinnerung rufen:
Es gibt die richtige Auslegung einer Regel; »richtig« heisst hier: in Übereinstimmung mit den Intentionen der Regelverfasser.
Es gibt – was den Regelverfassern möglicherweise entgangen ist – oft mehrere »richtige« Auslegungen einer Regel; »richtig« heisst dann zum einen das vorangehend Genannte: in Übereinstimmung mit den Intentionen der Regelverfasser. Zum andern kann es sich aber auch um eine von den Verfassern nicht beabsichtigte, wohl aber vom Wortlaut der Regel gedeckte Interpretation handeln.
Es gibt die falsche Auslegung einer Regel; »falsch« heisst hier: nicht in Übereinstimmung mit den Intentionen der Regelverfasser und mit dem Wortlaut des Textes. Mit falschen Auslegungen muss man natürlich vor allem dort rechnen, wo Menschen interpretieren, die die Arbeit am Regelwerk nicht mitgemacht haben.
Übersetzung: Richtig ist, was unseren eigentlichen Intentionen entspricht, auch wenn das nicht mit den ausformulierten Regeln übereinstimmt. Falsch ist, was sowohl nach dem Wortlaut der Regeln als auch nach unseren Intentionen als falsch gilt. Weil aber kaum ein Mitglied der Sprachgemeinschaft "die Arbeit am Regelwerk" mitgemacht hat und deshalb die eigentlichen "Intentionen" nicht kennen kann, können wir machen, was wir wollen.
Man nennt das gemeinhin Willkür.
|
Theodor Ickler zu »„Kein Ruhmesblatt“«
Dieser Kommentar wurde am 11.06.2013 um 06.03 Uhr verfaßt.
|
Ich bilde mir immer noch ein, daß die Reformer bei der Schreibweise der Tageszeiten durch meinen Hinweis im Schildbürger-Büchlein (und Aufsätzen) zum Nachdenken gebracht worden sind. In "Regelungsgewalt" habe ich dann zum neuen Duden geschrieben:
Völlig neu und sehr überraschend ist die Großschreibung bei heute Früh. Die Kritik hatte darauf hingewiesen, daß es widersinnig ist, in heute abend usw. die Tageszeit anders aufzufassen als in heute früh und daher groß zu schreiben. Diesem Einwand will der Duden nun offenbar zuvorkommen, indem er auch Früh als Substantiv deutet. Allerdings ist die Früh gar nicht durch ein eigenes Stichwort vertreten, sondern kommt nur idiomatisch gebunden unter die Frühe vor: in der Früh. Die Frühe wiederum kommt hier nicht in Betracht: heute Frühe gibt es nicht. Vielleicht erklärt sich daher, daß heute Früh nur fakultativ („auch“) möglich sein soll, anders als all die obligatorischen Großschreibungen der anderen Tageszeiten. Im amtlichen Regelwerk gibt es dazu kein Beispiel. Der Duden hat es auch versäumt, für Dienstag früh usw. die notwendige Folgerung zu ziehen, daß hier zumindest auch Dienstagfrüh (wie Dienstagabend) vorgesehen werden muß. (Zufällig findet man dieses Versäumnis schon im Mustereintrag auf dem vorderen Einbanddeckel.)
|