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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 21.48 Uhr eingetragen.
Kommentar von Diplomatisch, verfaßt am 26.09.2008 um 08.33 Uhr
"Ich höre auf, solange die Leute fragen, warum hört der auf, damit ich nicht erst aufhöre, wenn sie sagen, wann hört der endlich auf."
(Rudolf Rolfs) Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 25.09.2008 um 20.54 Uhr
Dies vorweg: dies soll mein Rückzug sein. Ich weiß, ich habe hier viel Unsinniges geschrieben, aber auch viel Unfreundliches gelesen, deshalb noch folgendes zur Klärung: Ich wünschte, ich hätte richtig "Holmesscher" geschrieben, nur habe ich da in meinem Übereifer die Zischlaute zusammengefaßt. (Als Norddeutscher spreche ich auch "Ferd" und "Flanze", weiß aber um die richtigen Schreibweisen.)
Ich finde auch eigentlich die Reformschreibweise "Grass'sche Schriften" nicht so schlecht; ich kritisiere daran nicht die Idee, sondern lediglich das Ergebnis, daß sie nämlich das Deppenapostrophentum befördert.
Nur in einem höheren Fall der Anerkennung kann hier auch die Kleinschreibung eintreten, etwa wenn nicht mehr von "Platon'scher Liebe", sondern von "platonischer Liebe" die Rede ist.
Ob mein Beitrag insgesamt so intelligent war, das weiß ich nicht. Vermutlich nicht.
Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 24.09.2008 um 19.29 Uhr
Zum Kommentar von Ingrid, verfaßt am 24.09.2008 um 08.23 Uhr
"Muss es nicht richtig 'Holmes'scher' heißen?
Ich verstehe das nicht."
Liebe Ingrid, da Ihr Hausarzt heute offensichtlich den ganzen Tag verhindert war: Herkömmlich schreibt man Holmesscher und holmesscher, reformiert darf man nur Holmes'scher, aber auch holmesscher schreiben. Das verstehen übrigens auch die meisten Ärzte nicht.
Kommentar von Ingrid, verfaßt am 24.09.2008 um 08.23 Uhr
Muss es nicht richtig "Holmes'scher" heißen?
Ich verstehe das nicht.
Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 23.09.2008 um 01.42 Uhr
Ach, das ist ja besonders maliziös und feige von der Red., mit dem Zusatz "[Philip Köster, Red.]" den Anschein von Holmscher und Watsonscher Intelligenz zu erwecken, dabei habe ich ja nie Zweifel ob meiner wahren Identität geschürt, sondern immer klare Fährten gelegt. Beim nächstenmal gehe ich cleverer vor. Warum konnten Sie, die Red., mich nicht einmal in den Glauben lassen, mit Herrn Isleif einen Seelenbruder gefunden zu haben? Wollten Sie mir diesen Erfolg nicht gönnen, aus Neid nicht? Herr Isleif, nächstesmal gehe ich klandestin vor, versprochen. Das intellektuelle Niveau der Red. hier langweilt mich.
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aus »Persönliches«
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David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 21.35 Uhr eingetragen.
Es gibt mehrere Definitionen von Partikel. Für manche ist jedes unflektierbare Wort eine Partikel. Andere unterteilen die Unflektierbaren in Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Partikeln.
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aus »Bestimmung der Wortart«
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Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 20.48 Uhr eingetragen.
"...Adjektive, Adverbien oder Partikel, aber nicht gleichzeitig." (Germanist) Adverbien SIND Partikeln. Oder hat sich hier etwas geändert? KHI
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aus »Bestimmung der Wortart«
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 20.37 Uhr eingetragen.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.10.2008 um 16.01 Uhr
Dann gibt es nur eine Lösung: Für deutsche Wörter gilt dasselbe wie für die Strahlungsquanten, die je nach Art ihrer Messung entweder Materieteilchen oder Wellen sind (Dualismus Welle - Korpuskel, De-Broglie- oder Materie-Wellenlänge). Deutsche Wörter sind je nach ihrer grammatischen Analyse entweder Verbformen, Adjektive, Adverbien oder Partikel, aber nicht gleichzeitig.
Kommentar von Karl-Heinz Isleif, verfaßt am 05.10.2008 um 13.57 Uhr
In "Das Auto ist gut" ist gut ein Adjektiv. In "Das Auto fährt gut" ist gut ein Adverb. Man kann sicher nicht sagen, das zweite 'gut' habe eine andere Herkunft und eine andere Bedeutung (Definition von Homonymen) wie das erste. Habe ich etwas übersehen?
KHI
Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.10.2008 um 11.56 Uhr
Wenn im Deutschen ein Wort nicht verschiedenen Wortarten angehören kann, dürfte es die Begriffe "Partizip" (teilhabend an Verb und Adjektiv) und "Mittelwort" überhaupt nicht geben, sondern die Verbform und die Adjektivform sind Homonyme völlig verschiedener Wörter, die zufällig aus dem Verb (hier "folgen") entstanden sind.
Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 04.10.2008 um 22.32 Uhr
Auch im Deutschen kann ein Wort nicht verschiedenen Wortarten angehören. Es gehört überhaupt nicht an, sondern wird de gusto des Linguisten einer Wortart zugeordnet. Ein Linguist, der etwa etwas zwei Wortarten zuordnet, hat nicht begriffen, daß er es mit Homonymen bzw. Homographen zweier verschiedener Lexeme zu tun hat.
Das Wort folgendes als Adjektiv zu betrachten, weil es ja Syntagmen wie folgendes Beispiel gibt, ist ergo wahrlich kein linguistischer Gedanke.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.10.2008 um 17.54 Uhr
"folgendes" kann auch Adjektiv sein: "folgender Weg, folgende Straße, folgendes Tunell führen nach ..."
Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.10.2008 um 11.12 Uhr
Auch im Deutschen können Wörter unterschiedlichen Wortarten angehören, je nachdem, wie sie gebraucht werden. Vor einem Doppelpunkt können stehen: dieses, jenes, folgendes u.a. Das sind vom Gebrauch her hier Demonstrativpronomen, und sie sind demzufolge an dieser Stelle kleinzuschreiben.
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aus »Bestimmung der Wortart«
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Wolfram Möhrlein
Niederstetten
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 18.20 Uhr eingetragen.
Aus der "Allgäu Aktuell"
"Elefanten reiten im Zelt"
Also das hätte ich gerne gesehen.
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aus »Fundstücke«
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 13.52 Uhr eingetragen.
Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 05.10.2008 um 03.56 Uhr
Lieber Germanist, lieber Herr Ickler,
fern liege es mir, Herrn Ickler zu widersprechen. Meine Position erlaubt mir überhaupt nicht, dergleichen auch nur in Betracht zu ziehen. Ich betrachte allerdings Herrn Icklers Diskussionsweg zur Verteidigung von Adelung ein wenig mit Sorge, und so seien mir vielleicht wenigstens vorsichtige Zweifel an dieser Strategie gestattet. Letztlich gelange ich zum selben Schluß wie Herr Ickler, daß nämlich die Vorteile von Adelung bei weitem überwiegen, nur ist der Weg, auf dem ich dorthingelange, vielleicht ein anderer.
Herr Ickler betont, s-Fehler hätten sich mit Heyse signifikant vermehrt. Ich widerspreche dem nicht, aber ich halte Fehler wie "er laß ein Buch", "das Haus, dass da steht", "das er aber auch immer recht behalten muss" eben gerade nicht stichhaltig für eine Argumentation gegen Heyse. Es gibt Fehler, die sowohl nach Adelung als auch nach Heyse populär sind; sie unterscheiden sich lediglich darin, daß die einen Schüler mit ß, die anderen mit ss falsch schreiben. Das kann meines Erachtens kein Beleg dafür sein, daß Heyse untauglich ist, Schülern eine gebrauchssichere Anleitung an die Hand zu geben.
Wie ich auch schon geschrieben habe, offenbart sich die große Unsicherheit darin, daß selbst professionelle Werbefachleute, keine Schweizer zumal, inzwischen nicht selten "Weissbier", "ausser Haus" und dergleichen schreiben. Das ist die wahre Konsequenz von Heyse: daß die Deutschen ihr Eszett nicht mehr verstehen. Es hatte eben noch nie die Aufgabe, die Aussprache zu regeln, und nun, da versucht wird, diesem Zeichen nachträglich diese Rolle zuzuweisen, ist die Verwirrung komplett. Wir haben eigentlich nur die Wahl zwischen Adelung und der schweizerischen Schreibweise. Irgendwelche halbgaren Kompromisse sind da weder Fisch noch Fleisch.
Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.10.2008 um 12.15 Uhr
Gegen die "dass-Krankheit" in Relativsätzen hülfe wohl nur das Weglassen des Kommas vor Relativsätzen, wie es in sehr vielen Sprachen üblich ist und ausländischen Deutschlernern eine deutsche Besonderheit ersparen würde.
Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 03.10.2008 um 21.59 Uhr
Doch, rrbth,
genau das passiert: es gibt immer noch genug Lehrer da draußen, die ihren Schülern einbleuen, daß das "das" nach einem Komma in jedem Falle als "dass" zu schreiben sei. Das sind also studierte Germanisten, die nicht zwischen einem Relativpronomen und einer Konjunktion unterscheiden können. Die werden jeden Tag auf unsere Kinder losgelassen . . .
Kommentar von rrbth, verfaßt am 03.10.2008 um 18.50 Uhr
Zum Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 03.10.2008 um 15.16 Uhr
«Der "Das/daß-Fehler" hat sich meiner Beobachtung nach verändert. Früher wurde zumeist "das" statt "daß" gesetzt, während heute häufig "dass" statt "das" steht; dazu trägt sicher auch die törichte Losung bei, daß nach einem Komma "dass" stehe.»
Dazu eine kleine Anekdote, die sich heute zugetragen hat:
Meine Tochter (5. Klasse Gymnasium) hatte in ihr Mathematikheft folgenden Antwortsatz geschrieben:
„Nein, dass ist nicht richtig.“
Als Begründung für ihre Schreibweise sagte sie, nach einem Komma komme immer „dass“, das habe sie so in der (Grund-)Schule gelernt.
Ich habe dann mit ihr das Problem besprochen.
Dabei diktierte ich ihr einen Beispielsatz, den sie folgendermaßen aufschrieb:
„Das Mädchen das neben mir sitzt hat rotbraune Haare.“
Auf die fehlenden Kommas angesprochen, trennte sie richtig den Relativsatz mit Kommas ab und flickte gleichzeitig ein „s“ ans „das“.
Man kann sich ja nicht vorstellen, daß ein Grundschullehrer den Kindern die „Regel“, daß nach einem Komma „dass“ stehe, so beigebracht hat. Allerdings läßt das Verhalten meiner Tochter diesen Verdacht schon aufkommen. Auch jeden Fall erinnert mich das stark an die irreführende „ß-Regel“, die Frau Pfeiffer-Stolz neulich hier vorgestellt hat.
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aus »Systemvergleich der s-Schreibung«
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 13.48 Uhr eingetragen.
§ 55 Abs. 4 E 2 und die häßliche Wirklichkeit:
»Gold gilt als Vermögensabsicherung par Excellence.«
SPIEGEL ONLINE, 02.10.2008
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aus »GKS in der Praxis«
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 13.43 Uhr eingetragen.
Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 03.10.2008 um 18.46 Uhr
Herr Konietzko, wie kommen Sie darauf? Nichts von dem, was ich gesagt habe, deutet darauf hin, daß ich das so sehe.
Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 03.10.2008 um 18.43 Uhr
Nach Herrn Mahlmanns Logik kann jedes Schriftzeichen (wohl überhaupt jede sprachliche Einheit) immer nur eine einzige Funktion haben. Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 03.10.2008 um 17.47 Uhr
Ich sehe keinen Grund, warum man eszettlose Schreibweisen auf ihre Vereinbarkeit mit den (angeblichen) Grundannahmen der Heyseschen s-Schreibung hin überprüfen sollte, denn es handelt sich eben um zwei verschiedene Systeme.
Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 03.10.2008 um 17.33 Uhr
Erst mit der Reform wurde dem ß die Funktion der Längenmarkierung für den vorhergehenden Vokal gegeben. Zuvor ließ sich am ß nicht ablesen, ob der Vokal lang oder kurz war. Mithin machte es auch dafür keinen Unterschied, wenn man es durch ss ersetzte. Daß die Schweizer nach wie vor kein ß gebrauchen, ist kein Argument dagegen, daß durch die Reform das ß längenbezeichnend wurde. Sie machen eben einfach nicht mit und stellen eine Ausnahme dar. Daran hat die Reform nichts geändert, an der Verwendung des ß schon.
Zu Pt: Adelung selbst hat das ß für eine Variante des Doppel-S gehalten, typographisch ist es eine, und verwandt wurde es als solche, bis Heyse eingeführt wurde. Erst dann, wenn man das ß für einen eigenständigen Buchstaben hält, wird Heyse überhaupt erst möglich. EDV-Programme haben tatsächlich nicht nur mit dem ß, sondern auch mit den Umlauten und Sonderzeichen anderer Sprachen Schwierigkeiten. Ich berichte hier (das zur Klarstellung) nicht von meiner Überzeugung, sondern von Aussagen deutscher Programmierer, die die Probleme mit deutschen Schriftzeichen sehen. Ich berichte davon, daß jene sich nicht klarmachen, daß erstens auch Sonderzeichen anderer Sprachen Probleme bereiten, zweitens der Fehler in den amerikanischen Programmen liegt und daß sie drittens allzu gern bereit sind, die deutsche Sprache mit ihren Sonderzeichen zu verteufeln. Darüber hinaus sind alle deutschen Sonderzeichen längst in alle gängigen Programmiersprachen eingepflegt – nur eben nicht einheitlich. Es macht Mühe, Umlaute und das ß in die jeweilige Sprache einzubinden. Ohnehin werden in vielen Fällen verschiedene Sprachen parallel eingesetzt, die jeweils andere Codes erfordern. Das wollen die Programmierer nicht und machen ihrem Ärger in der besagten Weise Luft. Der von mir angesprochene Ausweg, den Zwist zwischen Adelung und Heyse durch die ß-lose Schweizer Schreibweise aufzulösen, bezieht sich nicht auf die IT-Ebene, sondern auf den allgemeinen Sprachgebrauch.
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aus »Systemvergleich der s-Schreibung«
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 13.38 Uhr eingetragen.
Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 03.10.2008 um 16.56 Uhr
"...daran hat die Reform nichts geändert." (David Konietzko) Doch. Sobald "ss" die Kürze des vorangegangenen Vokals markieren soll, und sonst nichts, ist z.B. STRASSE falsch, und Strasse sowieso.
Kommentar von Pt, verfaßt am 03.10.2008 um 16.52 Uhr
Zu Marko Mahlmann:
''Die Reform hat erst einen Zwang zum ß begründet.''
Nun ja, die Schweiz schreibt weiterhin ohne ß!
''Zuvor war das ß einfach eine Schreibweise des Doppel-S.''
So habe ich das nie gesehen. Für mich war das ß immer ein eigenständiges Zeichen. Ich kann mich auch nicht erinnern, je wirklich Regeln dafür gelernt zu haben. Zwar hat mich ein ansonsten ziemlich perverser Lehrer mal auf den richtigen Gebrauch hingewiesen, aber wirklich Regeln gebüffelt habe ich dafür nicht. Wenn es nur eine Schreibweise des Doppel-s gewesen wäre, dann hätte man es ja beliebig durch Doppel-s ersetzen können, und dem war eben nicht so. Natürlich war Doppel-s eine Erstatzdarstellung für das scharfe S, genauso wie ae, oe und ue Ersatzdarstellungen für ä, ö und ü waren, aber das galt nur, wenn z. B. die verwendete Schreibmaschine kein ß oder keine Umlaute hatte.
''Ich beobachte allerdings auch, daß viele Deutsche das ß als deutschtümelnd, altbacken und überkommen ablehnen ...''
Damit dürften Sie – zumindest bei einigen – recht haben, siehe:
http://www.antimoon.com/forum/t11030.htm
(Es ist aber nicht klar, inwieweit die diversen Gäste dort auch Deutsche sind. Guest2 bin ich!)
''... in der EDV oft auch deshalb, weil die zumeist aus den USA stammenden Programme damit Schwierigkeiten haben.''
Haben sie nur mit dem ß Schwierigkeiten, oder auch mit den Umlauten, diakritischen Zeichen wie Accents, Caret, e mit Diaresis, g mit Brevis, i ohne Punkt, I mit Punkt, Ogonek, etc? Bei heutigen Computern dürfte es damit aber keine Probleme mehr geben, zumindest nicht im deutschen Sprachraum.
''Mit dem Hinweis, daß da der Fehler wohl im Programm liegt und nicht im deutschen Schriftzeichen, ist denen auch nicht beizukommen. Schuld ist die deutsche Sprache.''
Man könnte auch sagen, daß eine gewisse Ignoranz der Amerikaner anderen Sprachen gegenüber schuld daran sei. Vielleicht sollte man mal darauf hinweisen, daß Deutsch nicht die einzige Sprache ist, die Sonderzeichen aufweist. Deutsch ist, was das angeht, da eher noch moderat.
''Im allgemeinen befürchte ich allerdings, daß der Ausweg aus Heyse oder Adelung wohl die ß-lose Schweizer Schreibweise sein wird.''
Auch hier wieder: dann müßten auch die Umlaute und sämtliche anderen Sonderzeichen ein Problem sein. Dieser ''Ausweg'' schafft aber eine ganze Menge anderer Probleme auf dem Gebiet der Textrezeption. Die scheinbare Bequemlichkeit beim Schreiben kostet dann viel Zeit beim Lesen und Verstehen.
Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 03.10.2008 um 16.42 Uhr
Herr Mahlmann: »Die Reform hat erst einen Zwang zum ß begründet. Ihr folgend muß nach langem Vokal und Diphthong das ß stehen, sofern nicht Auslautverhärtung vorliegt oder etwas anderes dagegenspricht. Zuvor war das ß einfach eine Schreibweise des Doppel-S.«
Das verstehe ich nicht. Überall, wo nach Heyse ein Eszett stehen muß, muß doch auch nach Adelung eines stehen. Wenn man auf einer Tastatur ohne Eszett schreibt, kann man natürlich behelfsmäßig ss statt ß schreiben – daran hat die Reform nichts geändert.
Kommentar von Pt, verfaßt am 03.10.2008 um 16.20 Uhr
Zu Herrn Köster:
Die Frage ist, wie häufig ein Fehler vorkommt. Neben den s/ss/ß-Fehlern gibt es natürlich noch eine Menge anderer Fehler, vor und nach der Reform. Wir sollten nicht so auf eine spezielle Fehlerart herumreiten, die so häufig dann auch wieder nicht war (vor der Reform) bzw ist. Schlimm sind z. B. die reformieten Schreibungen von ''bißchen'' oder ''Schloßstraße'' oder ''Goethestraße'', letzteres könnte man auch (nichtreformiert) als ''Goethes Trasse'' interpretieren. (Letzt habe ich auch eine Form des Wortes ''lesen'' mit Doppel-s gesehen.)
''Es scheint, als wollten sich die Deutschen eines deutschen Buchstabens entledigen, den sie nie so recht verstanden haben.''
Ja, auch ich habe bei einigen Reformenthousiaten den Eindruck, daß sie sich eines in ihrem Glauben ''deutschen'' Buchstabens entledigen wollen, den diese vielleicht auch nie wirklich verstanden haben. Dann sollten sie sich das aber auch selber und anderen gegenüber eingestehen, und nicht der Allgemeinheit die Folgen ihrer rechtschriftlichen Defizite aufnötigen. Vielleicht sollten sie etwas für die Beseitigung dieser Defizite unternehmen, das wäre weniger aufwendig. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, daß ''die Deutschen'' diesen Buchstaben nie so recht verstanden haben. Was gibt es da viel zu verstehen? Vielmehr sollte mal untersucht werden, soweit das jetzt im nachhinein noch möglich ist, inwieweit im Zeitraum von nach dem Krieg bis zur Reform der Rechtschreibunterricht nicht bewußt vernachlässigt wurde, insbesondere dem ß und der Groß- und Kleinschreibung gegenüber, um eben jenen Effekt zu erzielen, den Sie jetzt beschreiben.
Daß aber das scharfe S von den Deutschen generell nicht verstanden wurde, das wage ich zu bezweifeln.
Das scharfe S wurde zwar mal kurz vor der Reform in den Nachrichten als ''der deutscheste Buchstabe'' bezeichnet, er wurde früher aber auch in anderen Sprachen verwendet. (Das wurde hier in einem anderen Thread auch schon mal diskutiert. Jemand hat dort auf meine Anregung hin vor etwa einem dreiviertel Jahr mal einen entsprechenden Verweis gesetzt, vielen Dank nochmal dafür.) Es wäre mal interessant zu recherchieren, in wievielen (natürlichen) Sprachen dieser Buchstabe früher verwendet wurde. (Es gibt auch Conlangs, die das ß verwenden.)
Den Deutschen mangelt es sicher nicht an diesbezüglichen Selbstbewußtsein, eher möchte man etwas opfern, um sich selber von einer eingebildeten Schuld reinzuwaschen. Das gilt für alle, die von ihrem Alter her nicht schuld am Krieg und dessen Folgen sein können, und das ist heutzutage die Mehrheit. Das scharfe S ist der Sündenbock, den man in die Wüste schickt, damit man nicht selbst dorthin muß. Wenn man das so interpretieren will, dann wäre das eher ein Zeichen dafür, daß man nicht wirklich mit der historischen Schuld der Deutschen umgehen kann. (Entschuldigung, wenn das jetzt etwas gestelzt klingt.) Wir opfern einen Buchstaben, und schon ist alle unsere Schuld getilgt? Kann es so einfach sein? Warum opfern wir nicht unsere Fußballbegeisterung? Nach dem Halbfinale waren die Leute hier so aus dem Häuschen, daß man hätte meinen können, wir hätten die Weltmeisterschaft gewonnen. Da haben die Leute auch kein Problem, zu ihrer Nation zu stehen.
Das scharfe ß ist sicher nicht schuld an den ''Irrungen und Wirrungen des letzten Jahrhunderts'', Ihre Argumentation ist zwar verständlich und naheliegend, aber sie ist ungerecht.
Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 03.10.2008 um 15.16 Uhr
Die Reform hat erst einen Zwang zum ß begründet. Ihr folgend muß nach langem Vokal und Diphthong das ß stehen, sofern nicht Auslautverhärtung vorliegt oder etwas anderes dagegenspricht. Zuvor war das ß einfach eine Schreibweise des Doppel-S. Ich beobachte allerdings auch, daß viele Deutsche das ß als deutschtümelnd, altbacken und überkommen ablehnen – in der EDV oft auch deshalb, weil die zumeist aus den USA stammenden Programme damit Schwierigkeiten haben. Mit dem Hinweis, daß da der Fehler wohl im Programm liegt und nicht im deutschen Schriftzeichen, ist denen auch nicht beizukommen. Schuld ist die deutsche Sprache. Und daß das ß 2000 Jahre jünger ist als das lateinische Alphabet, ficht auch niemanden an, der das ß für altertümlich hält.
Der "Das/daß-Fehler" hat sich meiner Beobachtung nach verändert. Früher wurde zumeist "das" statt "daß" gesetzt, während heute häufig "dass" statt "das" steht; dazu trägt sicher auch die törichte Losung bei, daß nach einem Komma "dass" stehe.
Im allgemeinen befürchte ich allerdings, daß der Ausweg aus Heyse oder Adelung wohl die ß-lose Schweizer Schreibweise sein wird.
Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 03.10.2008 um 06.51 Uhr
Ich möchte gerne zur aktuellen S-Schreibungsdebatte eine kontroverse und bisher nichtdebattierte Position einnehmen, die der Herrn Icklers möglicherweise zuwiderläuft: Es ist gar nicht das "Eiß", das mich stört – okay, dieser Fehler ist zu beobachten. Auch sind "dass"-Fehler an der Tagesordnung, nur: Sie waren es immer schon. Was mich viel mehr ärgert, sind Fehler wie "Blumenstrauss", "Aussenminister", "Strasse" und "liess". Es scheint, als wollten sich die Deutschen eines deutschen Buchstabens entledigen, den sie nie so recht verstanden haben. Tenor scheint zu sein: "Nach der Rechtschreibreform ist es doch egal, ob man ß oder ss schreibt." Das ist das, was ich bemängele. Beispiele habe ich genug. Den Deutschen mangelt es einfach an Selbstbewußtsein, einen deutschen Buchstaben zu pflegen. Sie haben offenbar das Gefühl, irgendwie hätten sie nach den Irrungen und Wirrungen des letzten Jahrhunderts kein Recht mehr auf ihr Eszett. Witzigerweise scheint im Ausland eine größere Sensibilität dem deutschen Eszett gegenüber zu bestehen als inlands.
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aus »Systemvergleich der s-Schreibung«
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Matthias Künzer
Herzogenrath
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 12.36 Uhr eingetragen.
Um dem negativen Image des akademischen Personals mit Schwerpunkt Grundschuldidaktik entgegenzuwirken, plant unsere Kommission die Herausgabe eines Comics, in welchem die drei cleveren Grundschüler Dik, Dak und Tik den stockkonservativen Professor Dagobert durch ihre Findigkeit immer wieder "aufs Glatteis" führen, während dieser eifersüchtig darauf bedacht ist, seine einstmals erzielten, aber von niemandem jemals verstandenen Resultate in seinem Elfenbeinturmspeicher unter Verschluß zu halten. In der ersten Folge finden Dik, Dak und Tik weitere Ungereimtheiten in der überkommenen Rechtschreibung und suchen einen Weg, untenstehende Korrekturen am starrsinnigen Professor Dagobert vorbei in den Duden zu "schmuggeln". Zunächst scheint es ihnen zu gelingen. Doch dann übernimmt ihr Onkel Donald den Vorsitz des Rechtschreibrates... Mehr soll hier aber noch nicht "verraten" werden.
* Gewähr leisten (vgl. Stand halten), es ist Gewähr leistet * gut heißen, gleich tun (vgl. gut tun), er versucht es ihr gleich zu tun * den Rechner hoch fahren (vgl. voll tanken), sie beschrieb ihn als hoch fahrend * über wiegend, bevor stehend, supra leitend, über raschend, beein druckend, wohl meinend, voraus eilender Gehorsam, hin reichend, weit gehend, weitest gehend, dahin gehend, durch gehend, damit einher gehend, um gehend, nieder schmetternd, durch laufende Nummern (vgl. unten stehend, allein stehend) * Staat tragend, Leben bejahend (auch: bejaend, vgl. rau), Ertrag bringend (vgl. Verfassung gebend) * die besser Verdienenden (vgl. die allein Erziehenden) * Dienst habend, Kraft strotzend, Bundesprüfstelle für Jugend gefährdende Schriften, Ausschlag gebend, Feder führend, Flächen deckend, Mark erschütternd (vgl. Erfolg versprechend, Krebs erregend) * ebenbürdig (heute zu: Bürde, vgl. Quäntchen) * aufs Geradewohl (auch: gerade Wohl), das Rückgrad (heute zu: gerade, vgl. einbläuen) * sich gebärten (heute zu: Bart, vgl. schnäuzen) * die Wenigsten (vgl. die Einzelnen) * gegebenen Falls (Abk. gg. F.), keines Wegs (vgl. des Weiteren) * Hipphopp, Atlantick, Gipps, Lollipopp, Spinn-Doctor, Schnippsel (vgl. Tipp, Stopp) * musikzieren (alt: musizieren; vgl. platzieren) * Platzebo (heute zu: platzieren) * Erstens, Zweitens (kurz für des Ersten, des Zweiten; vgl. als Erstes, als Zweites) * bis Dann, von Gestern, bis zu Letzt (vgl. seit Langem) * ein klitzekleines, winziges Bisschen (zu: Biß) * Tonnen schwere Stahlträger, Millionen schwere Kunden, seine sieben Sachen (vgl. hier zu Lande) * es ist Rand voll (vgl. eine Hand voll) * im Hand Umdrehen (vgl. eine Hand voll) * es ist Kaputt gegangen (vgl. es ist Pleite gegangen) * je Mals, letzt Mals (vgl. jedes Mal) * schlicht weg (vgl. so genannt, eine Hand voll), der Schlüssel war schlicht weg weg * sie war bereit willig (vgl. sich bereit erklären) * fehl schlagen (vgl. schief gehen) * er ist Polizei bekannt (vgl. er hat Stand gehalten), viele Polizei-Bekannte wurden fest genommen * durchläuchten (zu: Durchlaucht, vgl. aufwändig) * quängeln (analog zu drängeln; vgl. Quäntchen) * das gibt es für Lau, für Schuldig plädieren, mir ist Elend, er hat es Halt gemacht, Schluss mit Lustig, er hat es Kund getan (vgl. Leid tun, Recht haben) * keiner Seele etwas zu Leide tun (vgl. Leid tun) * aller Orten, von Nöten, in Punkto (vgl. hier zu Lande) * das Deteil (heute zu: Teil, vgl. einbläuen) * von der Pieke auf (heute zu: pieken) * Pizzaria (zu Pizza; vgl. selbstständig) * hoch karätig (vgl. hoch begabt) * na so was! (vgl. so viel) * kollapieren (zu: Kollaps, vgl. platzieren) * Absorbtion (zu: absorbieren, vgl. platzieren) * reflexieren (zu: Reflexion, vgl. platzieren) * Förderation (heute zu: fördern, Länderfinanzausgleich) * behütsam (zu: behüten, vgl. überschwänglich) * verbalhornen (heute zu: verbal), Karrussell (zu: Karren), aus dem Stehgreif (vgl. Zierrat) * scheuslich (zu: Scheusal, vgl. überschwänglich) * brächen (heute zu: brachial), Bächer (zu: Bach), Kälter (heute zu: kalt(gepreßt)), Gespännst (heute zu: spannend), Ungehäuer (heute zu: hauen), drähen (zu: Draht), ausgemärgelt (heute zu: mager), mäutern (heute zu: Maut), Täufel (heute zu: Taufe) (vgl. schnäuzen, Quäntchen, einbläuen) * Kommfort, Fressko, Faschissmus, Schockolade, Tabackwaren, Banderolle, Paartner, Wehrmutstropfen, Wehrwolf, hahnebüchen, Impressario, Schlammmassel, Zwergfell (vgl. Tollpatsch) * Eiechse (heute zu: Ei, vgl. einbläuen) * wohltund, alleinseind (es heißt ja auch nicht häkelend oder bastelend, vgl. selbstständig, verfassunggebend) * ansehenlich (zu: ansehen, vgl. selbstständig) * versehendlich (zu: sehend)
Denksport:
* "Die Entwicklung gefällt mir überhaupt nicht. Wir werden so viele Mitglieder verlieren, ich möchte es mir gar nicht vorstellen." Wieviele? * "Wir wollen so so genannte Tester einsetzen." Warum werden la la genannte Testerinnen hierbei nicht berücksichtigt? * "Wir sollten genauer untersuchen, wie viele unserer Projekte vergangenes Jahr gescheitert sind." Was gibt es an der Zahl 5 genauer zu untersuchen?
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aus »Erforderliche weitere Reformschritte«
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Reinhard Markner
Berlin
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Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 03.35 Uhr eingetragen.
Bei der F.A.Z. gibt es in der Tat keine Lektoren. Korrektoren beschäftigt man dort aber durchaus noch.
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aus »Fundstücke«
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Kratzbaum
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Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 23.34 Uhr eingetragen.
Naja, darauf will ich nicht herumreiten, ob die Maschine nicht doch schreibt, wenn sie trennt... Ich denke vor allem an die armen Schulkinder, die doch neuerdings die so frisch und bunt daherkommende FAZ lesen - und dann solche Trennungen schwarz auf weiß sehen. Wie leicht kann sich da etwas Falsches in den noch bildsamen jungen Gehirnen festsetzen!
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aus »Fundstücke«
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