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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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31.07.2008
 

Jede und jeder
Die Politische Korrektheit spaltet die Sprachgemeinschaft

Noch stärker als die Rechtschreibreform trägt die Politische Korrektheit zur Sprachverhunzung bei.
Hier kommt ja noch hinzu, daß nur ein bestimmter Teil der Bevölkerung, nämlich die Behörden und einige Wissenschaftler (besonders Linguisten), sich dem Wahn unterwirft. Zeitungen und Schriftsteller widersetzen sich, sie wollen ja auch gelesen werden.

Vor mir liegt eine neue Broschüre des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bundesministerium für Bildung und Forschung) vom Juli 2008. Die feministische Sprachregelung ist äußerst konsequent durchgeführt.
Bewerberinnen und Bewerber, Arbeitgeber/innen
Ausbilder/innen, Personalberater/innen und Personalchefs und -chefinnen.
Versuche, gemeinsam mit deiner Tischnachbarin oder deinem Tischnachbarn eine entsprechende Bewerbung zu verfassen.
Die Inhalte werden von jeder und jedem selbst erstellt.
eine Erläuterung, die jeder und jedem Interessierten zur Verfügung steht
.

Orthographisches:
dem einzelnen
zurecht finden
schwer fallen
allgemein bildende Schulen
(aber im selben Text auch allgemeinbildend)



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Kommentare zu »Jede und jeder«
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.05.2022 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49128

"Einfach mal ausprobieren." Nö.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.05.2022 um 09.28 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49127

Dazu passend eine vom Familienministerium NRW finanzierte Broschüre:

https://schlau.nrw/wp-content/uploads/2020/01/TransUndSchule_Brosch_2020_web.pdf

Ein paar Auszüge in diesem Thread:
https://twitter.com/wifeofanagp/status/1524711497888317440
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2022 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49123

Die meisten Menschen sind bisexuell, leben es aber nicht, sagt die deutsch-kanadische Autorin Julia Shaw. Sie empfiehlt: Einfach mal ausprobieren. (SZ Magazin, ähnlich zur gleichen Zeit in FAZ und anderen Medien, Bi ist zur Zeit der Renner)

Als Kinder waren wir alle polymorph-pervers, wie Freud es so nett ausdrückt. Das bleibt aber nirgendwo auf der Welt so. Die Menschheit pflanzt sich „heteronormativ“ fort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2022 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49119

Wieviel reden wir im Laufe unsere Lebens? Manche schätzen eine halbe Milliarde Wörter, John L. Locke kommt auf 700 Millionen. Natürlich sind die Unterschiede riesig. Frauen reden doppelt soviel wie Männer. Ich bin eher schweigsam, habe aber beruflich eine ganze Menge geredet.

Neuerdings kommt hinzu, daß viele mehr lesen und schreiben als hören und reden. Soll man das hinzurechnen?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.05.2022 um 23.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49115

Ich gehörte auch zu denen, die glaubten, Gendersprech hätte keinen Platz in der schönen Literatur. Aber dieser Liedtext hat mich eines besseren belehrt:

https://twitter.com/Hallaschka_HH/status/1521113433420222466
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.05.2022 um 21.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49114

Am Wahlabend sagt NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst im WDR in einer Gesprächsrunde mit den Spitzenkandidaten, er werde »auf alle Demokratinnen und Demokraten hier am Tisch zugehen«. Am Tisch stehen außer ihm die männlichen Spitzenkandidaten der SPD, der FDP und der AfD, die Spitzenkandidatin der Grünen, ein Moderator und eine Moderatorin. Preisfrage: Mit welchen Demokratinnen wird Wüst Gespräche führen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.05.2022 um 00.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49102

Köstlich

Bei der Stadt Soest bilden unsere Verwaltungsfachangestelltinnen und Verwaltungsfachangestellten und Beamtinnen und Beamten im mittleren und gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst (Laufbahngruppe 1 und 2) das Rückgrat.

(https://www.karriere-soest.de/berufsfelder/verwaltungsberufe)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2022 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49101

Das erste Foto vom Schwarzen Loch in der Mitte unserer Galaxie wurde natürlich von „Forscherinnen und Forschern“ präsentiert, aber dann geht es im langen Bericht der SZ ganz manierlich weiter. Was der hypothetische „Beobachter“ sehen und der hypothetische „Raumfahrer“ erleben würde, die zu didaktischen Zwecken gern eingeführt werden, bleibt im generischen Maskulinum, also geschlechtslos. Welches Geschlecht sollte ein hypothetischer Mensch auch haben?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 11.05.2022 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49091

Gerade hörte ich Markus Feldenkirchen, wie er in seinem "Spitzengespräch" die von Svenja Flaßpöhler erwähnte mögliche Generalmobilmachung in Rußland für die Zuschauer zu erläutern versuchte. Er begann zu sagen "alle männlichen Russinnen und Russen". Nach "Russinnen" korrigierte er sich: "… äh, Russen".

Dabei hatte er, intelligent wie er ist, eigentlich keinen Fehler gemacht. Nach "alle männlichen" kann es nicht mit "Russen" weitergehen, weil die sowieso nach Gender-Logik männlich sind. Es muß eine Gruppe folgen, die Männer und Frauen umfaßt, also: "alle männlichen Russinnen und Russen". Oder doch nicht? Die Lösung: Er hätte schon vermeiden müssen, "männlichen" zu sagen. Das ist natürlich schwierig, wenn man genau dieses Wort verwenden will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2022 um 03.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49086

Die neue DGB-Chefin hat erwartungsgemäß die Frauenpolitik zu ihrem Hauptthema erklärt. Ein sicherer Weg zum weiteren Niedergang. Es gibt viele Beispiele (etwa die Demokraten in den USA), aus denen man lernen könnte. Gendern, Political correctness und anderes "Gedöns" schrecken eher ab. Dazu kann man stehen, wie man will, es ist einfach so. Unsere Grünen haben die Lektion schon verstanden, jedenfalls an der Spitze, weniger in der Grünen Jugend.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.05.2022 um 21.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49085

Es holpert immer gewaltig bei den Sprechern im Fernsehen. Die ARD-Korrespondentin in Moskau, Ina Ruck, erwähnte heute im "Brennpunkt" des Ersten zweimal dieselben zwei Akteure des russischen Fernsehens:

"zwei Mitarbeiter [...], ein Redakteur, eine Redakteurin"

"Und was den beiden Journalistinnen und Journalisten, also den beiden, dem Mann und der Frau, passieren wird, werden wir jetzt sehen."

Ohne Gendern wäre diese Stolperei nicht passiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2022 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49083

Heute, gestern und immer wieder lese ich in der Zeitung Beiträge, die mit den "Ärztinnen und Ärzten" o. ä. anfangen und dann ins generische Maskulinum wechseln, wie es im Deutschen üblich ist. Dazwischen längere Artikel, die das hinreichend beschriebene Chaos praktizieren, als ob es eine Sprache geben könnte, die nach tausend Jahren immer noch nicht weiß, wie sie mit der Kategorie Genus umgehen soll. Was für ein Stumpfsinn muß in den Redaktionen herrschen!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.05.2022 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49082

Wobei der Duden aber nicht recht hat, wenn er den Kreis der Wähler auf den männlichen Teil der Bevölkerung reduziert (»männliche Person, die [...]«). Er widerlegt sich mit den zahlreichen angeführten Beispielen auch gleich selbst, denn in keinem einzigen Fall dürften nur Männer gemeint sein:

die Wähler haben entschieden
die Wähler für sich gewinnen
die Mehrheit der Wähler
um die Gunst der Wähler kämpfen, werben

die Wähler dieser Partei
sie bedankte sich bei ihren Wählern für das Vertrauen

Der ergänzende Standardhinweis, in »bestimmten Situationen« werde die maskuline Form gebraucht, um damit Personen aller Geschlechter zu bezeichnen, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil, wenn sechs von sechs Beispielen die generische Verwendung belegen, kann mit der Bedeutungsangabe etwas nicht stimmen. Die Behauptung »Bei dieser Verwendung ist aber sprachlich nicht immer eindeutig, ob nur männliche Personen gemeint sind oder auch andere. Deswegen wird seit einiger Zeit über sprachliche Alternativen diskutiert« grenzt schon an eine Frechheit. Man würde sich von Duden ein wenig mehr Redlichkeit wünschen. Die meisten Befürworter des Genderns schieben längst nicht mehr diese fadenscheinige Begründung vor, warum begibt sich die Dudenredaktion auf dieses Niveau?

Wenn Uneindeutigkeit im Sinne möglicher Mißverständnisse das Problem wäre, würde ich sofort mithelfen bei der Suche nach Alternativen zum generischen Maskulinum. Aber Mißverständnisse kamen und kommen so gut wie nie vor. Entweder das Geschlecht der Handelnden ist unerheblich, dann ist die Uneindeutigkeit gerade erwünscht und der klassische Anwendungsfall des generischen Maskulinums gegeben, oder es ist sehr wohl erheblich, dann aber wird die generische Form überhaupt nicht benutzt und werden die zur Verfügung stehenden Differenzierungsmittel eingesetzt. Grund für die Diskussion über sprachliche Alternativen ist einzig und allein das verbissene Bestehen auf »Sichtbarmachung« des Geschlechts in dem, was wir sagen und schreiben, und zwar gerade immer dann, wenn es nichts zu »sehen« gibt. Entweder die Redaktion hat die Diskussion jahrelang nicht verfolgt, oder sie streut den Leuten bewußt Sand in die Augen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2022 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49080

Die Zeitung spricht von "Wählenden", auch wo sie Wähler meint. Wähler sind, wie der Duden ganz richtig sagt, sowohl die Wahlberechtigten als auch die tatsächlich ihre Stimme Abgebenden. Die Wählenden sind also eine Teilmenge der Wähler.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 06.05.2022 um 09.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49066

Darum ist funk so inkompetent:
https://pbs.twimg.com/media/FR-jJSpX0AA7CPL.jpg
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.05.2022 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49055

Sosehr sich die Gegner des generischen Maskulinums auch abstrampeln, sie kommen einfach nicht ohne es aus und liefern mit jedem der unzähligen Texte, die sie tagtäglich produzieren, den Beweis, daß es bestens funktioniert. Ein willkürliches Beispiel von heute (https://www.spiegel.de/wirtschaft/start-ups-in-deutschland-gruender-kaempfen-mit-rassistischen-erfahrungen-a-7b1c0c1c-f0a2-4b34-b789-c4b8cc341414):

Gründer (Pl.) [in der Überschrift!]
Unternehmern [im Anreißer!]

Unternehmer (Pl.)
Unternehmern und Unternehmerinnen
jeder Dritte
Investoren
Vermietern
Kooperationspartnern
Gründer (Pl.)
Gründerinnen und Gründer
Unternehmer und Unternehmerinnen
Gründer (Pl.)
Unternehmer und Unternehmerinnen
Akademikeranteil
Gründer (Pl.)

Der Autor ist offenbar – wie die allermeisten – darum bemüht, nicht völlig abzudriften und den Großteil seiner Leser nicht ohne Not zu verprellen. Er scheint auch Wortbildungen wie »Unternehmende« oder »Gründende« zu scheuen, die immerhin denkbar sind und nicht dämlicher wären als die »Anfangenden« und die »Politikmachenden« (eben in einer Studienordnung gelesen bzw. gestern irgendwo gehört).

Grammatisch auch noch interessant:
»Unter den jungen Unternehmern und Unternehmerinnen, die im Ausland geboren wurden, hat jeder Dritte im Zuge der Gründung rassistische Erfahrungen gemacht.«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2022 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49027

In Berlin wird die Klage einer Frau verhandelt, die des Schwimmbades verwiesen wurde, weil sie barbusig in der Sonne gelegen und damit gegen die Bekleidungsordnung verstoßen hatte. Sie wird wohl recht bekommen. Trotzdem ist die Berufung auf die Gleichstellung mit den Männern nicht stichhaltig. Evolutionär haben sich die weiblichen Brüste als sekundäre Geschlechtsmerkmale, also als Zeichen, entwickelt; vergleichbare Primaten haben keine, sie sind physiologisch überflüssig. Der Oberkörper des Mannes ist unbeträchtlich; auch die schönsten Muskelpakete sind nur Symptome, nicht zeichenhaft, und die Natur hat den Aufwand gescheut, auch die Brustwarzen noch wegzuretuschieren.
Außerdem ist die Gleichstellungspolitik nicht hinreichend, um zu begründen, warum es überhaupt Bekleidungsvorschriften im öffentlichen Raum gibt. FKK in der S-Bahn – wer findet dagegen ein Argument? Ein neuer rechtspolitischer Gesichtspunkt ist allerdings die vorauseilende Rücksichtnahme auf die Gefühle der Muslime bzw. die Furcht vor deren Reaktionen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2022 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49026

Die Folgen des Genderns für die bekannte Haplologie sind ein interessanter Hinweis. Die Gender*innen empfehlen: "Person auf Wanderung, kommst du nach Sparta..."

Abgesehen vom Sprachlichen: Um den Gender pay gap zu belegen, vergleicht das Ministerium die Durchschnittsvergütung von Azubis im Zimmererberuf (wo es fast nur Männer gibt), mit dem Durchschnitt bei Augenoptikern, einem typischen Frauenberuf. Leser, die bis drei zählen können, haben den Betrug durchschaut: es ist eine Folge der Berufswahl, nicht des Geschlechts. (In diesem Fall geht es allerdings darum, mehr Frauen für typische Männerberufe zu gewinnen, wo sie dann auch mehr verdienen würden. Aber die Milchverkaufspersonenrechnung ist immer wie gleiche. – Eine andere Konsequenz wäre, manche typischen Frauenberufe besser zu bezahlen. Es bleibt aber die Frage: Warum zieht es Frauen in schlecht bezahlte Berufe? Sie wissen doch, was sie erwartet.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.04.2022 um 02.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49024

Zimmer*in

https://twitter.com/BMAS_Bund/status/1519549785065283585

BMAS = Bundesministerium für Arbeit und Soziales
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.04.2022 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49022

Man kann es natürlich irgendwie auf völlig geschlechtslos und neutral hintrimmen. Fragt sich nur, was dann aus dem Stil wird:

"Alle auf ihr Leben Zurückblickenden und ihre Dankesschuld gegenüber ihren Eltern Erkennenden werden ihre Familie ..."
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.04.2022 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49021

Für die siebte Stelle haben die Genderleitfäden ja schon eine Lösung, da soll man das böse Wort einfach weglassen ...
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.04.2022 um 06.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49020

Die Frage, wo das scheinbar elegante Jeder-und-jede hinführt, wenn man es durchzieht (und damit zwangsläufig auf alle folgenden Pronomen anwendet), wird viel zu wenig gestellt.
Man betrachte den Satzanfang:

"Jeder, der auf sein Leben zurückblickt, und dem klar wird, was er seinen Eltern zu verdanken hat, der wird seine Familie ..."

Ersetzt man "Jeder" durch "Jeder und jede", dann hat man ja auf einen Schlag sieben Stellen mitzuändern. Der Satz lautet dann konsequenterweise so:

"Jeder und jede, der/die auf sein/ihr Leben zurückblickt, und dem/der klar wird, was er/sie seinen/ihren Eltern zu verdanken hat, der/die wird seine/ihre Familie ..."

Oder wenn man es nach dem Vorbild der Neusser Ratsverordnung macht:

"Jeder und jede, der*die auf sein*ihr Leben zurückblickt, und dem*der klar wird, was er*sie seinen*ihren Eltern zu verdanken hat, der*die wird seine*ihre Familie ..."

Fabian Payr hat diesem Punkt in seinem Gendersprachen-Buch ein Kapitel gewidmet, es ist übertitelt "Die Schrecken der Konsequenz".

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2022 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49019

Genau richtig beschrieben. Aber in den feministischen Zirkel versuchen unsere Erzieher uns alle einzubeziehen. Die sprachlichen Formen signalisieren, ob wir schon drin sind oder nicht. Geßlerhütchen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.04.2022 um 01.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49018

»Ich bitte jeden und jede, jetzt schon einen Beitrag zum Energiesparen zu leisten«, ließ sich neulich unser Wirtschaftsminister vernehmen. Jeden und jede? Man glaubt hier das Muster »Lehrer und Lehrerinnen« zu erkennen, aber der Fall liegt meines Erachtens etwas anders. »Jeder« steht nie nur für Männer, sondern bezeichnet immer alle, egal welchen Geschlechts sie sind, welche Geschlechtsidentität sie empfinden usw. usf. Der Satz »Jeder hat wohl schon mal Hodenschmerzen gehabt« ergibt im Deutschen schlicht keinen Sinn. Gleichzeitig ist »jede« zur Bezeichnung von Frauen völlig unüblich, außer vielleicht in den sehr überschaubaren feministischen Zirkeln. »Fast jede ist in ihrem Leben schon mal von einem Mann sexuell belästigt worden« – schon recht, aber würde man hier in normalem Deutsch nicht immer »jede Frau« sagen?

»Jeder und jede« ist demnach nicht, wie man meinen könnte, eine Erweiterung von »jeder« um »jede«, sondern Ergebnis einer gleich doppelten Mißachtung des normalen Sprachgebrauchs. Wahrscheinlich eignet es sich gerade deshalb so gut als Erkennungszeichen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.04.2022 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#49014

Mehrere Medien berichten über Äußerungen Kubickis zur Ausstattung der Altkanzlerbüros im Bundestag. Der Wortlaut ist überall fast derselbe und basiert natürlich auf einer Agenturmeldung. In einem Punkt aber beweist der SPIEGEL wieder einmal, daß er schlauer ist als die Konkurrenz, in dem Fall sogar schlauer als die FR. Er hält es für sinnvoll, von »Altkanzlerinnen und Altkanzlern« und »ehemaligen Kanzlerinnen und Kanzlern« zu sprechen. Man soll beim Lesen darüber stolpern und tut es auch. Ob wohl auch Journalisten, die so schreiben, gelegentlich ahnen, wie ineffektiv diese Borniertheit ist? Die anderen Bornierten sind ja längst im Boot, und das große Publikum mag es nicht, pausenlos belehrt zu werden.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.04.2022 um 22.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48997

Wir brauchen noch einen Tag der Sichtbarkeit von Littles.
https://youtube.com/watch?v=DnhpLDKX-s4
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.04.2022 um 16.28 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48996

"Mit Marine Le Pen und Emmanuel Macron stehen sehr unterschiedliche Kandidaten zur Wahl – einer wird ins Élysée einziehen."
Erstaunlich, das so auf SPON zu lesen.
Oder ist Le Pen dem Spiegel so unsympathisch, daß ihr die Geschlechtergerechtigkeit versagt werden darf?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2022 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48993

Es ist immer der gleiche Widerspruch: Die Gleichstellung, die am Anfang der Menschenrechte stand, widerspricht der Identitätspolitik. Statt alle möglichen Unterschiede bei jeder Gelegenheit hervorzuheben (wie in der „Charta der Vielfalt“ gefordert und auch am „Tag der lesbischen Sichtbarkeit“ und zuvor schon am „Tag der trans*Sichtbarkeit“ gefeiert), könnte man auch die Gleichheit hervorheben und einen Tag der Unsichtbarkeit begehen. Aber „Farbenblindheit“ ist zur Zeit nicht gefragt, weiß und schwarz (bzw. Schwarz) sind auf ewig getrennt, and never the twain shall meet! Und so auch alle anderen. Die Gruppen werden immer kleiner, am Ende steht jeder für sich allein, unverstanden und sogar sich selbst ein Rätsel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2022 um 12.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48986

Zu Lesbe vermerkt der Duden:
"umgangssprachlich und Eigenbezeichnung"

Indem das Familienministerium sich diesen Sprachgebrauch anstelle des amtlichen zu eigen macht, legt es ein Bekenntnis ab. Es ist auch ein Signal dafür, daß die Ideologie beim Marsch durch die Institutionen eine weitere Bastion erobert hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2022 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48983

Durch die einschlägige Literatur zieht sich ein Bedauern, daß weibliche Homosexualität entweder gar nicht oder bei weitem nicht so stark wie männliche verfolgt worden ist. Der Opferstatus dieser Minderheit läßt sich nur mit einer vagen Diskriminierung begründen. Das Ministerium dafür zu gewinnen ist ein beachtlicher Erfolg.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2022 um 21.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48982

»Als Frauen und als homosexuelle Menschen gehören Lesben gleich zwei Gruppen an, die von Diskriminierung und Gewalt betroffen sind und die in der Gesellschaft oft "übersehen" werden.«

Wie wärs mit einem "Tag der behinderten dunkelhäutigen Lesben"? Die gehören gleich vier diskriminierten Gruppen an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2022 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48981

Das Bundesfamilienministerium widmet sich jetzt der drängenden Aufgabe, "Lesben sichtbarer zu machen":

https://www.regenbogenportal.de/aktuelles/welttage-kalender/26-04-tag-der-lesbischen-sichtbarkeit

Endlich! Die sexuellen Vorlieben gehören in die Öffentlichkeit und in staatliche Hände. Das gilt natürlich auch für andere als Lesben.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.04.2022 um 12.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48972

Hier eine bessere Quelle:
https://ordentliche-gerichtsbarkeit.hessen.de/pressemitteilungen/berufung-der-vertriebstochter-des-gr%C3%B6%C3%9Ften-deutschen-eisenbahnkonzerns-gegen
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.04.2022 um 12.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48971

Es gab gerade ein Berufungsurteil zur Ansprache "nichtbinärer" Personen. Allerdings geht es da wohl um Formulare oder Automaten.

https://mannschaft.com/urteil-deutsche-bahn-muss-nicht-binaere-person-korrekt-ansprechen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2022 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48965

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#38313

Dazu ein Beispiel:

“I don’t, fathead,” said Lord Peter, with the easy politeness of the real aristocracy. (Wimsey zu seinem besten Freund; Dorothy Sayers: Whose body?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2022 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48964

Da ist was dran. Wir haben übrigens Talebs "Black Swan" gelesen, weil er ja in aller Munde war. Ich hatte aber die ganze Zeit ein mulmiges Gefühl, weil ich nicht wußte, ob ich Tiefsinn, Scharfsinn oder Unsinn las. Vor allem wußte ich nicht, wie man aus den Thesen zu Handlungsanleitungen kommen soll. Das betrifft aber nicht die Statistik selbst, wo die angegriffenen Profis sich ja auch reichlich gewehrt haben.

Es wird ja immer wieder mal jemand zum wichtigsten Intellektuellen der Welt hochgejubelt (Chomsky, Pinker...).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.04.2022 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48962

"Jene 99,5 Prozent des Publikums, die sich mit »Damen und Herren« höflich und angemessen angesprochen fühlen, werden schon nicht auf die Barrikaden gehen."

https://medium.com/incerto/the-most-intolerant-wins-the-dictatorship-of-the-small-minority-3f1f83ce4e15
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.04.2022 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48961

Gestern abend im Fernsehen: "Manche mögens heiß" (1959). Natürlich immer noch durch und durch sexistisch, Osgood Fielding III. hat sogar wieder "ein Rasseweib" gesagt. Mehrfach. Heute abend läuft "Der Partyschreck" von Blake Edwards (1967). Den Film kann ich nicht empfehlen, will aber meine Fernsehzeitung loben. Sie zeigt sich nicht etwa empört darüber, daß Peter Sellers darin mit braungeschminktem Gesicht als stereotyp freundlicher, unbeholfener Inder auftritt, sondern merkt an, der Film sei damals in Indien sehr beliebt gewesen, die spätere Premierministerin Indira Gandhi habe sich sogar als Fan geoutet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.04.2022 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48960

Tja, solche »empathischen« Maßnahmen kosten nichts und lassen sich heutzutage ohne große Umstände durchsetzen. Jene 99,5 Prozent des Publikums, die sich mit »Damen und Herren« höflich und angemessen angesprochen fühlen, werden schon nicht auf die Barrikaden gehen.

Der Verzicht auf die persönliche Anrede hat noch weitere Vorzüge, die in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung finden. So macht er endlich auch Schluß mit der Diskriminierung der – gar nicht so kleinen – Gruppe der Antiadressisten, die jegliche Form unmittelbarer Ansprache als übergriffig ablehnt. Vergessen wir auch nicht die Blinden und Sehbehinderten, die den Fernseher natürlich genauso einschalten wie alle anderen, sich aber mit »Zuschauer«, »Zuschauerinnen und Zuschauer«, »ZuschauerInnen», »Zuschauer*/:/_/.innen« oder »Zuschauende« ausgegrenzt fühlen. Ach, tun sie gar nicht? Egal, dann müssen ihre Beschützer ihnen einfach mal in Ruhe erklären, warum ihnen dieses Sich-nicht-ausgegrenzt-Fühlen aus übergeordneten Gründen nicht zusteht.

Das krampfhafte Bemühen, eine angebliche Höflichkeitslücke gegenüber einer verschwindend kleinen Minderheit zu beseitigen, rechtfertigt aus Sicht der besserwissenden Erzieher, der auf der Welle mitreitenden Firmen und Funktionäre und der verunsicherten Mitläufer die Abschaffung der Höflichkeit in Gänze. Ein merkwürdiges Verständnis von Etikette ist das. Wir alle haben als Kinder gelernt, daß man in einem Zugabteil nicht einfach so das Fenster aufreißt, ohne die Mitreisenden vorher zu fragen. Vielleicht bekommt jemandem die Zugluft nicht usw. Das war und ist noch immer sinnvoll, so wie es ein Gebot der Höflichkeit ist, einen Menschen, der nicht als Mann oder Frau angesprochen werden möchte, zu fragen, welche Anrede statt dessen gewählt werden soll. Aber wenn im Hochsommer in einem mit 400 Personen besetzten ICE die Raumtemperatur durch Einschalten der Klimaanlage von 38 auf 26 Grad gesenkt werden kann, dann sollte der Schaffner doch bitte zur Tat schreiten, auch wenn vielleicht 2 Fahrgäste an Bord sind, die die Hitze eigentlich ganz prima finden. Der Traum von einer Etikette, die ohne Verhältnismäßigkeit auskommt, wird unerfüllt bleiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2022 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48959

Man verzichtet also gleich ganz auf die persönliche Anrede, so groß ist die selbstgeschaffene Verlegenheit. Manche würden wohl gern sagen „liebe Menschen“. Allerdings ist Mensch maskulin.

Die Lufthansa will in Zukunft auf die Begrüßungsfloskel »Sehr geehrte Damen und Herren« verzichten, wenn sie Gäste an Bord begrüßt. Das ist nur ein kleiner, überfälliger Schritt von vielen kleinen, überfälligen Schritten, die Unternehmen machen, um ein bisschen inklusiver zu sein – und ein bisschen Werbung zu machen. Das weiß ich. Und trotzdem hinterlässt es mich merkwürdig melancholisch. So schnell klingt man wie Harald Martenstein. (Franziska Bulban SPON 14.7.21; Redakteurin, Studium der Theaterwissenschaft)

Das inklusive Exkludieren führt sich selbst ad absurdum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2022 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48952

Wer bisher glaubte, mit "Damen und Herren" könne es sein Bewenden haben, wird umdenken müssen. Wie ich lese, ist die Formel zu Beginn der Tagesschau jetzt weggelassen, denn es gibt ja auch Diverse. Sehr aufmerksam! Aber letzten Endes könnte es auch das Ende von Binnen-I und *innen einleiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2022 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48933

Bei Fischer sind vier Bände einer Vortragsreihe erschienen, die das „Forum für Verantwortung“ in der Europäischen Akademie Otzenhausen abgehalten hat. Die Beiträge sind von mehr als 60 Männern und 3 Frauen (von denen eine noch nachträglich aufgenommen worden ist). Das ist doch merkwürdig – gerade weil es Buchbindersynthesen zu sehr allgemeinen Themen sind. Ich bin ja nicht für Proporz, aber die akademische Welt sah auch damals schon anders aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2022 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48918

Früher gab es unter Pädagogen den Schnack: "Jede Stunde eine Deutschstunde." Heute ist jede Stunde eine Stunde Sexualkunde, und dank Ministerin Faeser (das ist die mit den Regenbogenflaggen) wird bald jede Behörde eine Gleichstellungsbehörde sein.

Die sexuellen Vorlieben der Bürger müssen endlich Chefsache werden! (Die "Charta der Vielfalt" war immerhin ein Anfang.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2022 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48905

Zum vorigen: Josef Kraus kommentiert das auf seine höhnische, aber nicht besonders tiefschürfende Art. Es lohnt nicht, darauf einzugehen, aber eins will ich doch zitieren: "Redepult statt Rednerpult! (Wie wenn ein Pult reden könne!)" Die Sprachkritik springt wieder mal zu kurz. Auch eine Wahlurne oder eine Wählscheibe können nicht wählen. Die Wortbildung gibt eine solche Pointe nicht her.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2022 um 03.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48869

Die Katholische junge Gemeinde will jetzt Gott+ schreiben, um der Vorstellung vom alten Mann mit Rauschebart entgegenzuwirken. Warum schließt man sich nicht einfach der "Bibel in gerechter Sprache" an? Über die Aussprache wird noch diskutiert.

Die Kritiker des Christentums können sich zurücklehnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2022 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48741

Die Klausel "im Wesentlichen" öffnet die Tür für den Verstoß gegen das Grundgesetz.
 
 

Kommentar von Tante Google, verfaßt am 19.03.2022 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48740

18.03.22

"Am Zentrum für Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) der Universität Passau ist im Rahmen des Forschungsprojektes DeepWrite eine Stelle als

Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Wissenschaftlicher Mitarbeiter (w/m/d)

zu 100 Prozent zu besetzen"

Für die mit divers bezeichneten Menschen gibt es noch keine sinnvolle eigenständige Variante. Wären mehrere Stellen zu besetzen, wäre immerhin "Mitarbeitende" möglich, im Singular geht es nicht.
Die Option "d" wirkt so nur pflichtschuldigst eingefügt. Ohnehin scheinen andere Gruppen mehr Chancen zu haben:

"Die Universität Passau hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Anteil von Frauen in Forschung und Lehre zu erhöhen, und fordert Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf. Die Stelle ist für die Besetzung mit schwerbehinderten Menschen geeignet. Diese haben bei der Einstellung Vorrang vor gesetzlich nicht bevorrechtigten Personen bei im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung."
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.03.2022 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48711

Der arme Dolmetscher kann ja nichts dafür, er meinte halt, feministisch nachwürzen zu müssen. Aber das Ergebnis ist doch unfreiwillig komisch: Journalistnn und Journalistn. Am besten die Wiedergabegeschwindigkeit auf 0,5 setzen (für Genießer: 0,25).
https://youtu.be/fAcLDnp65wU?t=1282
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2022 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48708

Wohl nach einer dpa-Meldung schreiben heute verschiedene Zeitungen: »Selenski drohte Statthalterin Daniltschenko mit dem Tod. Örtliche Medien bezeichneten die Abgeordnete am Sonntag in Anlehnung an die SS-Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg als „Gauleiterin im Rock“.«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2022 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48704

Der Aktenvermerk „Bitte noch gendern“ (und dann „imprimatur!“) gefällt mir ausnehmend gut, weil er blitzartig eine gern verschwiegene Wahrheit enthüllt: Der Text ist eigentlich in Ordnung, es fehlt nur noch eine Geste der Unterwerfung unter einen vermeinten Zwang. So wurden wissenschaftliche Texte in der DDR früher wenigstens im Vorwort mit einem Schnörkel verziert, der die Erlösungstat von Marx und Lenin pries. So wurde das Imprimatur gesichert. Wer übt aber die stille Zensur aus, die unerbittlicher als jede offene wirkt? Eine Tyrannei des Vermeintlichen, an der sich die Charaktere scheiden. Ministerin Spiegel sagt von sich selbst, daß sie durch den Feminismus zu ihrer politischen Laufbahn gekommen sei.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 11.03.2022 um 19.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48701

Zu Gysi: Der Titel kann auch vom Verlag so gewünscht worden sein. Denn ansonsten ist Gysi mit den Doppelnennungen ja unerbittlich, siehe http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#44995
Bei Basads Buch "Schäm Dich" hatte der Verlag (ein anderer) auch den Untertitel "Wie Ideologinnen und Ideologen bestimmen, was gut und böse ist" durchgesetzt, höchst unpassend zum Inhalt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.03.2022 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48700

passend zu #48682:

In der Politik gehört das Mundwerk zum Handwerk, [...]

Gregor Gysi, Was Politiker nicht sagen, Ullstein, Berlin 2022, S. 12

Zur Geschlechtergleichheit schreibt Gysi übrigens auf S. 16:

Gendersternchen zum Beispiel, den Doppelpunkt im Wort oder das große Binnen-I mag ich nicht. Was ich nicht sprechen kann, will ich auch nicht schreiben. Aber ich spreche und schreibe gewissermaßen doppelt, zum Beispiel: Politikerinnen und Politiker.

Ausgerechnet beim Titel des Buches macht er aber eine Ausnahme, da reichen ihm dann doch die Politiker.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.03.2022 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48698

E-Government ermöglicht Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen den unkomplizierten und zeitlich unabhängigen Zugang zu den Leistungen des Staates. (bmi.bund.de)
Hier wird also scheinbar drei Gruppen (A, B und C) etwas ermöglicht. In Wirklichkeit sind es nur zwei.

Ähnlich verkorkst: Positive Sozialbeziehungen zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften sind ein wichtiges Merkmale (!) guten Unterrichts. (fdz-bildung.de)
Zwischen A und B und C – also wer denn nun mit wem? Dann aber gleich anschließend: Die Skala bildet die globale Einschätzung der Schüler-Lehrer-Beziehungen an der jeweiligen Schule aus Sicht der Lehrkräfte ab. Warum nicht gleich so? Oder sind etwa plötzlich nur noch Jungen und Männer gemeint? Natürlich nicht. In den allermeisten der scheinbar gegenderten Texte, denen man heute allenthalben begegnet, wimmelt es von solchen kraftvollen Bestätigungen des generischen Maskulinums. Es ist einfach nicht totzukriegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2022 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48694

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/flutkatastrophe-sms-protokolle-setzen-anne-spiegel-unter-druck-17867332.html

Das jetzt aufgedeckte Verhalten der einstigen Umweltministerin Anne Spiegel könnte sie das Amt kosten, aber eigentlich hat sie mit ihrer Torheit der deutschen Sprache einen Dienst erwiesen. "Bitte noch gendern, dann Freigabe" ist die kürzeste Formel der Lächerlichkeit und dürfte zum geflügelten Wort werden. Es klingt wie: Noch ein wenig Rouge auflegen, und dann rein ins Vergnügen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2022 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48693

Studiert schon, aber sie können es trotzdem nicht, das ist ja das Problem. Sie beherrschen den Beton nicht, anders als die alten Römer.
Übrigens: "Pontifex"...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.03.2022 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48692

Alle möglichen Leute werden als "Brückenbauer" bezeichnet und alles Mögliche als "Brückentechnologie". Trotzdem sind sehr viele Brücken einsturzgefährdet. Das Brückenbauen sollte doch besser den Bauingenieuren überlassen werden. Die haben das schließlich studiert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.03.2022 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48684

Wie kam es eigentlich, daß von die Munt das männliche der Vormunt/Vormund abgeleitet wurde?
Offenbar muß doch schon bei der Entstehung des Wortes die volksetymologische Assoziation zu der Mund (Körperteil) mitgewirkt haben?

Beispielsweise beschweren sich drei Skatbrüder ja auch nicht, daß die Vorhand weiblich ist und deshalb besser der Vorhand heißen müßte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.03.2022 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48682

Wenn auch der Vormund erstaunlicherweise etymologisch mehr mit der Hand als mit dem Mund zu tun hat, so muten mich die "Vormunde und Vormundinnen" heutzutage doch wie eine Bildung von Starr- und Dummköpfinnen an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2022 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48678

Der Sprachgebrauch ist hier behandelt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vormundschaft
 
 

Kommentar von Tante Google, verfaßt am 07.03.2022 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48677

"Vormundinnen" ergibt aktuell 1070 Ergebnisse, "Vormünderinnen" 2110.

Klingt beides irgendwie schief.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.03.2022 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48676

[...] ehrenamtliche Vormunde und Vormundinnen [...]

Aufgeschnappt im DLF, 7.3.22, Sendung "Deutschland heute", 14.10 Uhr, Thema: "Vormundschaft für unbegleitete Flüchtlinge".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2022 um 03.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48620

Eine Demenz kann jede:n treffen. (FR 28.2.22)

Noch glaubt die Frankfurter Rundschau ihrer schrumpfenden Leserschaft eine solche erzieherische Maßnahme aufzwingen zu können. Laut Wikipedia gibt sie seit 2013 keine Auflagenzahlen mehr bekannt. Wäre ich Abonnent, würde ich schon aus Selbstachtung kündigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2022 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48614

Ich habe jetzt auch ohne Nachzählen doch den bestimmten Eindruck, daß die "sexualisierte Gewalt", der man bis vor kurzem in der Zeitung täglich begegnete, nur noch sehr selten vorkommt. Sei es nun wegen der Unhandlichkeit vor allem bei Weiterbildungen und Ableitungen oder wegen Einsicht in die sachliche Verkehrtheit - das Verschwinden der Marotte läßt es als nicht ganz unmöglich erscheinen, daß auch die (übrige) feministische Sprachverhunzung irgendwann stillschweigend aufgegeben wird.
 
 

Kommentar von Tante Google, verfaßt am 22.02.2022 um 22.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48605

Die Gremien des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) haben beschlossen, die eigene Zeitschrift umzubenennen. Statt „der architekt“, wie das renommierte und zumeist anregende Blatt seit 1952 in damals hochmoderner Kleinschreibung hieß, lautet der Titel neuerdings „Die Architekt“.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/bund-deutscher-architekten-nennt-zeitschrift-die-architekt-17822293.html#void
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.02.2022 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48590

Herr Metz spricht sehr anschaulich vom Scheinwerfer, den das Gendern aufs Frausein richte. Nun will mir das Wort Muschideutsch nicht mehr aus dem Kopf.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.02.2022 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48589

Kein Mensch ist heute mehr entspannt – man ist tiefenentspannt. Da müssen anstelle von Interviews natürlich auch Tiefeninterviews geführt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2022 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48588

Zu Rheingold und dem famosen Herrn Grünewald:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1227#22268

Er gehörte ja auch Laschets Beratungsteam an:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47616

In dieser Szene geht alles.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.02.2022 um 08.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48587

Falls die Links nicht an die richtige Stelle springen (bei mir funktioniert es nicht zuverlässig), kann man es mit den Kapitelmarken unter dem Player versuchen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.02.2022 um 08.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48586

Falscher Link.
https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/koeln/videos/video-geht-gendern-auch-op-koelsch-100.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.02.2022 um 08.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48585

Unmittelbar vor dem Interview läuft ein anderer Bericht übers Gendern: https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/koeln/videos/video-studiogespraech-judith-barbolini-rheingold-institut-100.html
Da lernt man immerhin, welche Probleme das Gendern bei Artikeln und Pronomen macht.

Es wird dann übergeleitet mit: "ernstzunehmen ist aber die Studie, die das rheingold institut heute veröffentlicht hat".

Dieses Institut macht übrigens Marktforschung mithilfe von "Tiefeninterviews" (https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Gr%C3%BCnewald).
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.02.2022 um 08.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48584

Dieses Interview muß man sich mal anschauen:
https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/koeln/videos/video-studiogespraech-judith-barbolini-rheingold-institut-100.html

Diese Barbolini, Leiterin einer neuen Genderstudie, vertritt offen ihren Aktivismus, beherrscht aber nicht einmal die deutsche Sprache (glaubt, daß die Movierung "Diebin" etwas Neues sei). Die Studie selbst kommt zu offensichtlich unsinnigen Ergebnissen (von 2000 Befragten würden 27 Prozent sich nicht klar dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen, https://spiegel.de/kultur/gendern-als-stolperfalle-gendern-polarisiert-auch-in-der-jungen-generation-a-2608c97f-9aeb-4859-b173-0d1a7a91e3d4). Kritische Fragen werden nicht gestellt. Barbolini meint übrigens, man solle im Job gendern, aber nicht beim Bier.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2022 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48573

Herr Metz hat den innersten Kern der feministischen Ideologie bloßgelegt: Das biologische Geschlecht ist demnach wirklich niemals "irrelevant". Wir haben erlebt, daß sogar die Relativitätstheorie revidiert werden muß, weil sie sexistisch ist: Begriffe wie "Lichtgeschwindigkeit" sind betont männlich usw. (Kenner wissen, daß ich nicht karikiere).

Auch das Gender mainstreaming geht ausdrücklich davon aus, daß ALLES einen sexuellen Aspekt hat.

Dieser Sexbesessenheit steht natürlich die Leugnung der natürlichen Geschlechter gegenüber, ein ewiger Widerspruch, mit dem wir uns zum Glück nicht herumschlagen müssen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.02.2022 um 01.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48572

Ich glaube nicht, daß ernsthafte Recherchen dahinterstecken. Die wären auch gar nicht nötig, denn ein paar Frauen werden schon dabeisein, und wie das Beispiel des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan zeigt, reicht schon ein äußerst geringer Anteil, um den Menschinnen-und-Menschen-Reflex auszulösen. Einige besonders genderfromme Medien ziehen auch im Fall der russischen Truppen ihre Linie ungerührt durch. So schrieb etwa die Frankfurter Rundschau vor ein paar Tagen: »Die Zahlen schwanken, doch bislang gehen internationale Beobachtende von rund 130.000 russischen Soldatinnen und Soldaten im Grenzgebiet aus.« (https://www.fr.de/politik/ukraine-konflikt-russland-invasion-satellitenbilder-videos-aufruestung-krim-belarus-krieg-news-91345230.html) Da hat kein Mensch in der Redaktion auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ob und, wenn ja, wie viele Frauen darunter sind. Es wird mechanisch umformuliert, vielleicht sogar mit Unterstützung entsprechender Programme.

Der selektive Rückgriff auf maskuline Formen dort, wo Personen oder Sachverhalte negativ beschrieben werden sollen, entspricht allerdings einem Muster, wie hier auch schon mehrmals erwähnt wurde. So benutzte die neue Grünenvorsitzende Ricarda Lang in einem Interview am Rande der Bundespräsidentenwahl vergangenen Sonntag konsequent eine Art generisches Femininum (»Europäerinnen« usw.), sprach aber zugleich von Rußland als »Aggressor«. Warum nicht »Aggressorin«? Das sollte schon drin sein, wenn man, ganz im Sinne von Luise Pusch, die nächsten zweihundert Jahre eine »weibliche« Sprache pflegen will.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.02.2022 um 00.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48571

Die russischen "Soldaten" sind mir in den letzten Wochen auch immer aufgefallen und ich habe mich gefragt, ob erstens das Militär dort tatsächlich rein männlich ist und ob zweitens der Schreiber diese Information eingeholt hat und daher differenziert und korrekt schreibt. Oder ob man angesichts der Bedrohlichkeit der Situation einfach in das normale Sprechen verfällt.

Letzteres wäre ja eigentlich weniger wahrscheinlich, wenn man das Beispiel der "Meteorologinnen und Meteorologen" angesichts einer drohenden Sturmflut nimmt.

Danke für die Beobachtungen und Beschreibungen, Herr Metz.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.02.2022 um 23.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48570

Die Sprachbeschwerten beklagen ja immer wieder, daß sich etwa eine Gruppe von Lehrerinnen schlagartig in einen Männerhaufen verwandele, sobald auch nur ein einziger männlicher Kollege dazustoße. Sie können oder wollen nicht verstehen, daß schon die Verwendung der movierten Form zur Bezeichnung der erstgenannten Lehrergruppe eine zwar übliche, meist aber eigentlich unnötige Spezifizierung ist, die mit dem Erscheinen des Mannes auch noch falsch wird und daher der generischen Form Platz macht, jedenfalls in gutem, ökonomischem Deutsch. Die Frauen werden dadurch also nicht sprachlich schlechtergestellt, sondern es wird nur der vorübergehend auf ihr Frausein gerichtete Scheinwerfer wieder ausgeschaltet.

Den Sichtbarmacherinnen und Sichtbarmachern ist quasi kraft Amtes der Gedanke fremd, daß das biologische Geschlecht in einer sprachlichen Äußerung über Personen je irrelevant sein könnte. Deshalb bestehen sie auch darauf, daß bei einer Evakuierungsmission der Bundeswehr, an der rund 500 männliche und eine Handvoll weibliche Soldaten teilnehmen, konsequent von Soldatinnen und Soldaten gesprochen wird. (Wenn es dagegen um böse russische Truppen an der Grenze zur Ukraine geht, schließen sie sich der Rede von »Soldaten« gerne wieder an.)

Die törichte Macke trieb auch heute wieder seltsame Blüten. In der Wiedergabe einer amtlichen Unwetterwarnung schrieb der WDR ernsthaft: »Meteorologinnen und Meteorologen rechnen damit, dass auch Norddeutschland stark betroffen sein wird, an der Nordsee könnte es Sturmböen von bis zu 160 km/h geben.« In einer so gefährlichen Lage empfinde ich das als besonders penetrant und unpassend. Es kommt mir vor, wie wenn ein Gemüsehändler eine Grabrede dazu mißbraucht, Werbung für seine Ware zu machen. Der bisher wohl nur in Genderpersiflagen vorkommende Ausruf »Ist ein*e A/Ärzt*in im Saal?« ist da nicht mehr weit.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 16.02.2022 um 02.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48553

Aus einem Verwendungsnachweis für die Förderung durch den Bund:

"Eingereichte Abbildungen bzw. Fotografien können [...] unter der Nennung des Urhebers unbegrenzt und unentgeltlich für Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit oder weitere Publikationen genutzt werden. Der Urheber (= Fotograf) ist bei Einreichung der Bilder zwingend zu übermitteln."

"Der Zuschussempfänger/in informiert seine betroffenen Vertragspartner/innen"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2022 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48529

Zu diesem Verein vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=806
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.02.2022 um 17.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48527

Exmitglied Josef Bayer berichtet – leider hinter Paywall (Welt) – über die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft. Es gab Streit bezüglich der Satzung, die einigen Progressiven offenbar nicht zeitgeistig genug ist. Ein Neuentwurf mit Gendersternen ist wohl wegen mangelnder Leserlichkeit gescheitert. Da man aber bei so einem wichtigen Thema nicht gleich aufgeben darf, gibt es inzwischen einen zweiten mit den typischen Vermeidungsschreibungen (Partizipien, Abstraktionen). Sogar der Possessivartikel sein nach dem Pronomen wer wurde gecancelt. Bei Interesse kann ich die im Artikel zitierten Beispiele hier reinkopieren, allerdings kennt man das ja zur Genüge.

Interessanter ist der Streit als solcher; der wäre doch ein schöner Anlaß für eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Gendersprechs. Bayer sieht es jedoch eher pessimistisch:

Neben Peter Eisenberg haben sich prominente Vertreter und Vertreterinnen des Fachs, unter anderen Manfred Bierwisch, Rüdiger Harnisch, Wolfgang Klein, Manfred Krifka, Christoph Schwarze, Heide Wegener, einige davon Gründungsmitglieder der Gesellschaft, in Brandbriefen an den Vorstand der DGfS gewandt. Peter Suchsland, der nach Peter Eisenberg von 1994 bis 1997 dreimal zum ersten Vorsitzenden der DGfS gewählt wurde, ist nach Bekanntwerden der geplanten Satzungsänderung unter Protest aus der Gesellschaft ausgetreten. Eine Spaltung der DGfS kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Sie wäre vermutlich das Ende einer 43 Jahre alten und bisher weitgehend harmonisch verlaufenen Erfolgsgeschichte.
https://welt.de/kultur/plus236785523/Deutsche-Gesellschaft-fuer-Sprachwissenschaft-Streit-ums-Gendern.html
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.02.2022 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48519

Ich bin ooch schonn ma gegendert, aber ich hab noch nie gegendert.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.02.2022 um 13.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48518

Den muß ich loswerden: Gendern ist, wenn ein Sachse mit dem Boot umkippt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.02.2022 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48517

Die Nachricht aus Osnabrück ist an sich erfreulich, nur bestätigt sie auch wieder, daß es nur noch darum geht, die schlimmsten Auswüchse des Genderns abzuwehren. Sonst wäre die Anmerkung sinnlos, die Verwaltung müsse wieder »die Sprache der Bürgerinnen und Bürger« sprechen, denn welche Bürgerin und welcher Bürger sagt schon »Bürgerinnen und Bürger«? Die zitierte Umfrage von infratest dimap schloß übrigens die Paarformeln mit ein, aber solche vermeintlichen Details gehen in der Berichterstattung unter. Es wird nur noch das Schlagwort »Gendern« verwendet, und kaum ein Politiker denkt dabei noch an die sperrigen Doppelkonstruktionen. Die Parteizugehörigkeit ist schon lange kein verläßlicher Indiaktor mehr für die Position eines Politikers zu diesem Thema, wie man gerade am Beispiel Osnabrück sehen kann. Einzige Ausnahme ist hier dummerweise die AfD.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 09.02.2022 um 12.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48516

Vielleicht sollte man die Maler mit ihrem Sexismus konfrontieren. (Machen sie wenigstens die Hälfte der Hausarbeit?)

https://loginportal.funnyjunk.com/comments/I+gotchu+_1ae0093d3503f4d80b7db48162cd030c.jpg

Hoffentlich sind sie alle geimpft und geboostert.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 09.02.2022 um 11.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48515

Osnabrücker Stadtverwaltung verzichtet wieder auf Gendersternchen
https://hasepost.de/osnabruecker-stadtrat-will-uebers-gendern-abstimmen-291530/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2022 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48511

Da wir gerade die Maler im Haus haben, fällt mir etwas auf und ein. Im Laufe der Jahrzehnte wird immer wieder mal etwas fällig, und wenn man Glück hat, bekommt man Maurer, Maler, Dachdecker, Installateure, Elektriker, die einen naturgemäß kleineren Auftrag zwischen ihre Neubauprojekte schieben können. In all den Jahrzehnten meines Erdendaseins habe ich nur männliche solche erlebt. Die gegenderten Ausbildungsordnungen, mit denen ich mich beschäftigt habe, sehen das nicht vor, aber es ist so. Die Pferdewirtin mag es geben, aber wo bleiben all die anderen?
(Was man oft erlebt, ist ein Gespann aus zwei Handwerkern, von denen einer ein Migrant ist. Aber da ist erst recht keine Afghanin dabei.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2022 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48469

Schauspielende (SZ 4.2.22, im SZ-Magazin dann Schauspieler*innen). Und der ganze Artikel über „nichtbinäre“ Schauspieler wird ausdrücklich angekündigt als sternchen-gegendert. Die Verfasserin Lara Fritzsche empfiehlt Lann Hornscheidt. Gut zum Abgewöhnen, gerade durch das Nebeneinander mit normaldeutschen Texten.

Die Zeitungen starten immer wieder mal Versuchsballons, um zu sehen, wie weit wir schon bereit sind, auf den Karren der Umerzieher zu springen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.02.2022 um 12.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48448

Neuer Fall von Punktabzug wegen unterlassenen Genderns, leider hinter Paywall.
https://genderama.blogspot.com/2022/02/auch-uni-gieen-punktabzug-fur-fehlendes.html
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 31.01.2022 um 20.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48432

Und wieder wimmelt es in den Texten von »Tatverdächtigen«, jenen vorbildlich genderneutral beschriebenen Personen, unter denen sich viele, wenn nicht die meisten dennoch vermutlich Männer vorstellen. Was sagen denn die »Studien« dazu?

Ein Polizeisprecher meint, es gebe möglicherweise weitere Tatverdächtige. Es gibt also vielleicht weitere Personen, die die Polizei verdächtigt? Nein, gemeint sind Mittäter.

Derweil kondoliert Ministerpräsidentin Dreyer den »Freundinnen und Freunden« der Getöteten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2022 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48431

Generisch in Überschriften:

Was wir zum Fall der getöteten Polizisten wissen und was nicht (SZ)
Das wissen wir über die tödlichen Schüsse auf junge Polizisten (WELT)
Zwei Polizisten erschossen (ntv)

(In der Texten dann eine Polizistin und ein Polizist)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.01.2022 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48423

Kein Wunder. Trojanische Pferde haben nun mal keinen guten Leumund.

Apropos Pferde, in Wien heißen nicht nur die berühmten Kutschen Fiaker, sondern auch ihre Fahrer. Nun gibt es aber seit langem auch Fiakerfahrerinnen. Einen Eintrag »Fiakerin« sucht man im Duden allerdings vergebens. Wie lange wohl noch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2022 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48422

Feministinnen wollen eine grüne Transfrau nicht als Frau im Sinne der Quote anerkennen. Alles wie vorausgesagt. Wenn die „Identitäten“ immer weiter aufgesplittert werden, kämpft am Ende jeder gegen jeden um die Pfründe, und derjenige, dem das Ganze sowieso nie paßte, lacht über seinen kampflosen Sieg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2022 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48400

Wissenschaftlerinnen und Virologen, Aktivisten und Bloggerinnen

Noch einmal: Mit der alternierenden Benennung ist die implizite Aussage verbunden, daß die Movierung im Deutschen keine Funktion habe. Das ist falsch und widerspricht auch der sonstigen Praxis der gleichen Sprecher. Außerdem ist es unmöglich, daß eine Sprache eine solche Inkonsistenz auf Dauer mit sich schleppt (vgl. Bréals Verteilungsgesetz). Gleichgültig kann eine Unterscheidung nur auf dem Wege der Neutralisation werden, die aber gerade voraussetzt, daß es eine Unterscheidung (Opposition) gibt.

Ausdrücke wie die zitierten könnten allenfalls als Aneinanderreihung von Beispielen unproblematisch gelesen werden; so sind sie aber offensichtlich nicht gemeint, sondern im bekannten erzieherischen Sinn.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.01.2022 um 15.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48372

Nach der Rechtschreibreform ist endlich auch die Gendersprache in der Sackgasse.

Nun soll demnach der Magistrat beschließen, dass er vom Bremer Senat einen Vorschlag zu einer verbindlichen gesetzlichen Regelung für die Verwendung gendersensibler Sprache für das Land Bremen erwartet.

https://butenunbinnen.de/nachrichten/bremerhaven-magistrat-gender-beschluss-aufgehoben-100.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2022 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48339

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Streit um die Aufnahme der Klarinettistin Sabine Meyer, die zwar, wie ich bei Wikipedia lese, nicht die erste Frau bei den Philharmonikern war, aber diejenige, die – auch wegen Karajans Hartnäckigkeit – am meisten Aufsehen erregte. Das hatte eine andere Qualität als das, was man heute manchmal über Mädchen in Knabenchören usw. lesen kann.
Meiner Ansicht nach muß die Vertrags- oder Vereinigungsfreiheit auch Männer- oder Frauenvereinigungen zulassen, aber für ein mit öffentlichen Mitteln subventioniertes Orchester gibt es keinen sachlichen Grund. Bei den Berlinern war es nur die Verstocktheit, die einen Mediziner 100 Jahre früher zur Theorie vom physiologischen Schwachsinn des Weibes geführt hatte.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 24.01.2022 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48329

Die Webseiten der Orchester präsentieren sich jedenfalls generisch maskulin. Die Wiener haber sogar einen Shop, in dem man Atemmasken und Kaffeebecher mit dem Aufdruck „Wiener Symphoniker“ bestellen kann.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.01.2022 um 10.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48327

Der Kommentar bezog sich auf die Philharmoniker.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.01.2022 um 10.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48326

Vielleicht sind das Hochwertworte (Sitta)?

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen sollten aber mal ihre URL updaten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2022 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48325

Im Rundfunk wird zwar nicht konsequent, aber doch sehr viel gegendert, meist in der wenigstens nicht sprachwidrigen, aber doch lästig leiernden Form der Doppelnennung: Außenministerinnen und Außenminister und natürlich auch Schülern und Schülern. Gegenwehr ist aus den bekannten Gründen nicht möglich, die Abstimmung mit den Füßen wäre wirkungslos. So kann man denn zehnmal täglich hören, wie Journalist*innen implizit belehrend ernsthafte Professoren usw. befragen, die aber, wenn sie etwas zu sagen haben, nicht bereit sind, sich dem sanften pädagogischen Terror zu unterwerfen. Noch nicht. Denn es wird kommen wie immer und überall: Dummheit siegt. Oder sagen wir höflicher: geistige Unselbständigkeit und die bekannte Feigheit vor dem Freund.

Der „Partnerzwang“ (wie es Els Oksaar genannt hat) führt dazu, daß Gesprächspartner, ohne es eigentlich zu wollen, die Redeweise ihrer „Lehrerinnen“ übernehmen. Auch das trägt zur Gleichschaltung bei. Ein beliebter Trick der folgsamen Journalisten ist es auch, Nichtgendern als hoffnungslos gestrig darzustellen. So hat man ja auch die Rechtschreibreform, kaum war sie bekannt geworden, als vollständig durchgesetzt dargestellt und Kritiker als verschlafene „ewig Gestrige“.

Ich sehe keinen Silberstreif am Horizont, die deutsche Sprachgemeinschaft muß da wohl durch, bis nach unabsehbar langer Zeit eine andere Lösung sich findet, von der jedenfalls ich noch keine Vorstellung habe.

Was machen eigentlich die Schnelleseverfahren mit dem Gendern? Üben sie ausdrücklich ein, das Geleier zu übergehen, um zur eigentlichen Botschaft durchzudringen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2022 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48323

Sind die Berliner Philharmoniker und die Wiener Symphoniker wirklich noch nicht gegendert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2022 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48315

Ja, ich glaube auch, daß es nicht nur um Wissen geht. Das sehe ich ja täglich an den Querdenkern und Verschwörungsgläubigen, sogar im engeren Umkreis. Vielleicht hätten sich die Genderer wenigstens auf ein anderes Argument kapriziert, wenn sie in sprachlichen Dingen nicht so unbelehrt und allerdings auch unbelehrbar wären. Ein ähnliches Problem ergibt sich aus dem weitverbreiteten Mangel an evolutionärem Denken. Die Kreationisten werden eher mehr als weniger.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.01.2022 um 14.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48314

Ist das richtig, daß dieses Prinzip zuerst auf der lautlichen Ebene entdeckt wurde (Jakobson?) und von dort aus verallgemeinert wurde?

Ich bezweifle, daß Bildung helfen würde. Meines Erachtens stehen dahinter handfeste politische Forderungen. Das ist wie bei Ablehnung des biologischen Geschlechtsbegriffs, der uns aus der Schule bestens vertraut ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2022 um 13.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48313

Markiertheit und Neutralisation (strukturalistisch gesprochen) auf den verschiedensten Gebieten sind bewährte Verfahren vieler – vielleicht aller – Sprachen. Wenn jemand sagt, er habe im Restaurant XY gegessen, kann man mitverstehen, daß er auch getrunken hat. Das hebt den Gegensatz von essen/trinken nicht auf. Solche Erscheinungen gibt es phonologisch (Auslautverhärtung), morphologisch (Präsens für Vergangenes und Zukünftiges) und eben in weitestem Ausmaß auch semantisch. Auch die Genderer machen davon Gebrauch, aber sie wissen es nicht. Das ist eine Bildungslücke und ein Versäumnis der Schule.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.01.2022 um 13.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48312

Ich beziehe mich nur auf die (einstige?) Argumentation der Genderer, daß Frauen immer erst eine kognitive Leistung vollbringen müssen, um zu erkennen, ob von ihnen die Rede ist. Allerdings wechseln die ihre Lieblingsargumente ständig. Momentan scheint die Sichtweise hoch im Kurs zusein, daß auch der Nichtgenderer gendert, nämlich männlich.

Aber zurück zum ersten Argument: Für Männer muss es vollkommen uninteressant sein, zu wissen, ob bei der Einladung zur Erstsemester-Party auch Frauen mitgemeint sind. Hauptsache, die männlichen Buddies sind alle da, dann ist für gute Stimmung schon gesorgt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.01.2022 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48311

Wer bei Sätzen wie »Zur Ausstellungseröffnung fanden sich viele Gäste ein« angestrengt darüber nachdenkt, ob der Sprecher damit vielleicht nur Männer gemeint haben könnte, weil er sonst möglicherweise »Gästinnen und Gäste« gesagt hätte, dem ist aber auch nicht mehr zu helfen, oder?

Der Grundfehler derer, die in den allgemein üblichen Bezeichnungen ein Problem sehen, liegt darin, daß sie nie das Ganze betrachten, sondern immer nur einzelne Elemente isolieren und dann unter dem Mikroskop sezieren. Dabei läßt sich bestimmt allerlei Interessantes entdecken, es hat aber mit dem tatsächlichen Sprachgebrauch nichts zu tun und verkennt völlig, daß dieser Gebrauch fast immer bestens funktioniert. Dort, wo realistischerweise Zweifel aufkommen könnten, ob eine Bezeichnung generisch oder spezifisch gemeint ist, kann man mit den vorhandenen Mitteln eindeutig formulieren, dazu brauchen wir keine brachialen Eingriffe in gewachsene Strukturen, zumal wenn die übergroße Mehrheit ohnehin daran festhalten möchte.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.01.2022 um 12.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48310

Das "Problem" gibt es in anderer Form schon länger. Wenn jemand nämlich von "Gästen" spricht, ist nicht mehr erkennbar, ob die Bezeichnung nun für alle gilt oder nur für männliche Personen. Denn man ist sich nicht einig, ob Gast für Weibspersonen moviert werden muß. "Gast" kann somit generisch sein, muß es aber nicht.

Damit ist tatsächlich der Fall eingetreten, daß unsere Vertreterinnen des schönen Grschlechts lange nachdenken müssen, ob sie mitgemeint sind.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.01.2022 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48309

Daß irgendwer »mitgedacht« werden muß, hat die Stadt Freiburg mit ihrer neuen Sprachregelung nicht etwa abgeschafft, wie sie triumphierend verkündet, sondern gerade erst eingeführt. Während nämlich die (a)llen seit langem zur Verfügung stehende generische Form kein Geschlecht meint und damit auch niemanden »mitmeint«, sondern schlicht alle Menschen bezeichnet, wenn es auf das Geschlecht nicht ankommt – was auch jeder weiß und fast niemand für ein Problem hält –, basteln die Gerechtigkeitsamateure nun an Bezeichnungen herum, die von niemandem als generisch erkannt werden. Das ist zwar beabsichtigt, weil hier ja vorgeblich verfestigte Vorstellungen durchbrochen werden sollen (so wie man eben auch versucht, todbringende Krebszellen mit hochgiftigen Medikamenten zu bekämpfen), macht aber einen erklärenden Klammerzusatz erforderlich, der selbst wiederum niemandem bekannt ist und deshalb seinerseits erst umständlich erklärt werden muß. Dümmer geht’s nimmer. Eine törichte Spielerei, die niemandem hilft, weder denen, die man »offensiv einwerben« will, noch den Freiburgernden im allgemeinen, die sich vermutlich einfach nur wünschen, daß die Mitarbeiter der Stadt ihre Arbeit gut machen. Das hätte man in Schilda nicht besser hinbekommen. Vergessen wir aber nicht: Die Narren nutzen nur die Freiheit, die ihnen die breite Masse (die andere Sorgen hat) bislang achselzuckend gewährt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.01.2022 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48308

Was mag mit sexueller Behinderung gemeint sein? Erektionsstörungen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.01.2022 um 22.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48304

Ich habe mir diese Freiburger Seite gerade erst angeschaut.

Oberbürgermeister Martin Horn: „Die unzähligen, individuellen Unterschiede einer vielfältigen Gesellschaft sind eine Bereicherung und sollen nicht nur mitgedacht, sondern künftig offensiv von uns eingeworben werden. Zu einer bunten Stadt gehört auch eine bunte Stadtverwaltung.“

Als einbeinige, diverse, bisexuelle "Schwarze" mit Down-Syndrom hat eine "Bewerberin" also künftig die besten Chancen, "Oberbürgermeisterin" von Freiburg zu werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.01.2022 um 19.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48301

Fachliche und charakterliche Eignung und Voraussetzungen sind völlig zweitrangig. Hauptsache, man hat unterschiedliches Geschlecht, Hautfarbe usw.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.01.2022 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48300

Menschen mit unterschiedlicher Geschlecht und unterschiedlicher Alter gibt es tatsächlich ganz schön viele, die sind ja alleine schon »alle«. Das riesige Tollhaus, in dem wir leben, hat unglaublich viele Räume, darunter eben auch ein buntes Kinderzimmer namens Freiburg. Laßt sie dort in Ruhe spielen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.01.2022 um 17.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48299

Die Stadt Freiburg geht ab sofort einen neuen Weg bei den Stellenausschreibungen. Künftig werden sie beispielhaft so aussehen:

Vermessungsingenieurin (a)

Wir lieben Freiburg, weil es ganz schön bunt ist. Auch als Arbeitgeberin. Wir freuen uns auf Bewerbungen (a)ller, die für ihr Thema brennen und uns und unsere Stadt weiterbringen wollen. Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Geschlecht, geschlechtlicher Identität, Alter, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder Behinderung sind bei uns willkommen. Vielfalt. Dafür stehen wir. Und das (a) im Jobtitel.

https://freiburg.de/pb/1836696.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.01.2022 um 08.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48297

Auch auf Youtube:
https://youtube.com/watch?v=lje6pbFhtRk
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.01.2022 um 08.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48296

Das ist jetzt auch so eine Masche: Man muß während einer Diskussion verschiedene Plätze einnehmen, je nachdem, wo man sich inhaltlich positioniert. Im ZDF scheint dieses "13 Fragen" sehr erfolgreich zu sein (https://youtube.com/playlist?list=PLdPrKDvwrog6koR50MR9Pwg7AsyTriyz9) Es gibt aber noch andere solche Formate. Eine eher wilde Mischung von Diskutanten gehört dabei zum Spiel (https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification). Ich verstehe nicht, wie man sich dafür hergeben kann.

Hier sowas ähnliches mit Stefanowitsch zum Genderthema:
https://stern.de/kultur/politisch-korrekte-sprache–sollte-gendern-pflicht-sein––stern-diskuthek-31548878.html

02:47 – Statement 1: Gendern geht an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei.
10:40 – Statement 2: Gendern macht unsere Gesellschaft gerechter.
27:17 – Statement 3: In Kitas und Schulen sollte Gendern Pflicht sein.
33:25 – Statement 4: Gendern zerstört unsere Sprache.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.01.2022 um 14.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48272

Dresden – Ein Zeichen der Gleichberechtigung oder eine Verhunzung der deutschen Sprache? Darüber wird beim Gendern heftig gestritten – auch in Dresden. Nun hat dieser Konflikt sogar Auswirkungen auf die Stadtpolitik. So wurde im Stadtbezirksbeirat Loschwitz kürzlich eine gegenderte Vorlage des Rathauses abgelehnt. Grund: "Nicht-Lesbarkeit."
https://www.tag24.de/dresden/gender-irrsinn-im-rathaus-vorlage-wegen-zu-vieler-innen-abgelehnt-2275828
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.01.2022 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48270

Noch zum Zuschandenwerden schöner Theorien an der Wirklichkeit. Zur Zeit der "Beatlesmania" fand ich das Verhalten der Mädchen befremdlich, wäre ja beim Anblick der vier Musiker niemals kreischend in Tränen ausgebrochen, sondern hätte ihnen atemlos gelauscht (leider habe ich sie nie aus den Nähe gesehen). Ich war aber von ihrem Feuerwerk aus immer neuen Liedern und Klängen so hingerissen, daß mir die weibliche Hysterie immerhin erklärlich erschien. Die hatte jedoch andere Gründe. Heute schwärmen die Mädels zu Millionen für die "elevator boys", sechs junge Männer, deren Kunst darin besteht, schön zu sein, Aufzügen zu entsteigen und den Oberkörper freizumachen. Das reicht. "Es geht immer nur um das eine."
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 18.01.2022 um 01.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48263

Wenn Dichter, die noch reimen, die neuen Möglichkeiten erkennen, die sich durch die zusätzlichen Movierungen dafür ergeben, könnte vielleicht aus dieser Richtung Unterstützung aufkeimen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.01.2022 um 22.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48260

Es gibt sicher viele Menschen, die solchen Versuchen aufgeschlossen gegenüberstehen. Es soll eine Inkonsistenz bereinigt werden, und nebenbei vielleicht auch präzisere Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen.

Allerdings ist eine gewisse Unschärfe charakteristisch für die Gemeinsprache. In den Fachsprachen hat man oft eine klarer definierte Begrifflichkeit, und insgesamt eine gewisse Systematik, die der Alltagssprache fehlt. Einige Befürworter einer "gendergerechten" Sprache sehen darin vielleicht ein Vorbild.

Andererseits liegt eine Stärke der Gemeinsprache gerade in dieser Unschärfe. Gedanken gewinnen ihre Klarheit erst durch geschickte Kombination von Wörtern (und Dialog mit anderen). Das hat den Vorteil, daß alles irgendwie ausgedrückt werden kann.

"Die reifen Früchte an den Boden klopfen" (Stefan George)
"Ein dicker Junge spielt mit einem Teich" (Alfred Lichtenstein)
Die Beispiele sind hier aus dem Tagebuch.

Neue Ausdrucksmittel werden durch kreative Geister geschaffen. Komiker, Drehbuchschreiber, Influencer, Schriftsteller.

Wortschöpfungen aus der Ministerialbürokratie werden zwar durchaus angenommen, aber eher, um sie zu verballhornen.

Von den Kreativen ist bislang wenig zur Gerechtigkeit beigetragen worden. Alle Formen von Gendersprech sind eher ein Werk von Technokraten. Offenbar besteht kein Bedarf an sowas, sonst hätte es sich schon irgendwie entwickelt.

Die Aktivisten selbst haben kein Interesse an einer leicht zu lernenden, eleganten Sprache. Das sieht man schon daran, daß Luise Pusch mit ihrem Vorschlag aus den Siebzigern gescheitert ist.

Gerade ein Vorschlag, bei dem man sich um die Verwendung neuer Formen drücken kann (wie Pusch oder Melsa), würde zu wenig politischen Druck erzeugen. Teilweise wird offen zugegeben, daß Sperrigkeit erwünscht ist. Man soll sich seiner Privilegien bewußt werden, indem man stolpert.

Sprache mag sich auch lange androzentrisch entwickelt haben in einer Zeit, in der noch eine starke Trennung in Öffentlichkeit als männlicher und Heim als weiblicher Domäne herrschte. Im Zeitalter moderner Zivilisation haben wir es mit anderen Bedingungen zu tun, mit Werten wie Individualismus, Freiheitsideal, Diskriminierungsverbot.

Ich dachte, wir hätten uns auf gynozentrisch geeinigt. Meines Erachtens ist der heutige Feminismus erzreaktionär. Vielleicht sogar eine Gegenbewegung zu den wilden Siebzigern. (Weiter unten im Thread fiel das Wort Galanterie – diese wird nach wie vor eingefordert, nur eben auf andere Art und Weise.) Man muß sich nur anschauen, wie extrem mädchenhaft sich viele Feministinnen geben.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 17.01.2022 um 19.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48259

Hermes Phettberg hat doch das -y eher als lustige Marotte entwickelt. Ich würde ihn eher als Vertrety der komödiantischen denn der feministischen Linguistik einordnen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.01.2022 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48258

Grammatik in Not. Binnen-I und Gendersternchen, Puschs generisches Femininum, Hornscheidts „Prof.ens Dr.ens“, selbst Phettbergs "Arztys, Kellnys und Fahrys" sind allein der beherzten feministischen Linguistik zu verdanken. Wo bleibt die anthroposophische Linguistik? Die astrologische? Die orthopädische? Auch katholische Halbleiterforschung, antirassistische Quantenphysik und sadomasochistische Nautik lassen auf sich warten.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 17.01.2022 um 18.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48257

Das hindert aber trotzdem viele nicht daran, die gegebene Asymmetrie als unterdrückend zu deuten.

Soll humanistische, antisexistische Denkweise sprachlich ausgedrückt werden, wäre es am besten, überhaupt kein Geschlecht einseitig als "das normale" oder in Opposition dazu als "das besondere" zu kennzeichnen. Beide sind gleichermaßen normal und besonders. Weder herkömmliches generisches Maskulinum (ohne männliche Movierungsoption) noch gendersternartige Hybridformen bieten diese Möglichkeit.

Queere Abinarität zeichnet sich dadurch aus, daß sie absichtlich aus einer gegebenen Norm ausbricht. Gleichzeitig wird von dessen Repräsentanten eingefordert, nicht als unnormal wahrgenommen zu werden. Da hätte eine gleichgestellte Movierung sicher auch integrativere Wirkung als unaussprechliche Sterne oder Doppelpunkte (die als Symbol ausgerechnet für Abinarität ohnehin absurd ungeeignet sind).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2022 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48254

Man sollte von "Normalfall" (linguistisch: unmarkierter Teil einer Opposition) nicht ohne weiteres zu "bevorzugt" übergehen. Man sagt ja nicht ohne Grund auch "stinknormal" (wie wir bei anderer Gelegenheit schon mal besprochen haben).
Daß Frauen, linguistisch gesehen, als etwas Besonderes ausgezeichnet sind, ist an sich weder positiv noch negativ zu verstehen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 21.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48253

... und besonders für Feministen. Das gehört noch an den zweiten Satz meiner Antwort.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 21.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48252

Natürlich sind Menschen sowohl sexistisch als auch gynozentrisch. Das ist ja gerade typisch für Säugetiere.

"Normalfall" ist etwas mißverständlich. Man könnte unterscheiden zwischen human beings und human doings. Dann ergibt sich auch ein gewisser Zusammenhang mit dem Nomen agentis.

Ganz voneinander lösen kann man Genus und Sexus wohl nicht, wie die Bezeichnung von Verwandten zeigt.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48251

> Meines Erachtens ist es kein Bug, sondern ein Feature, daß man per Gendersprech
> weibliche Morpheme vervielfältigen will. Im Grunde handelt es sich ja um ein
> generisches Femininum mit eingeschobenem Sonderzeichen.

Auch dies wieder eine Frage der Perspektive. Für ein Feature wird es ganz sicher von gynozentrischen Sexisten gehalten, die eigentlich gar keine Geschlechtergerechtigkeit anstreben, sondern einen Regimewechsel von Patriarchat nach Matriarchat anstreben.

Aus Sicht des Grundgesetzes und allgemein anerkannter humanistischer Prinzipien ist es aber natürlich ein Bug.

Übrigens geht vielleicht auch Feministen bald auf, daß es irgendwie ungünstig wirken könnte, wenn der semantische Kern einer Personenbezeichnung sich immer in dem als spezifisch männlich deklarierten Teil einer Hybridform befindet und alles spezifisch Weibliche nur als Anhängsel vorkommt, dieses Anhängsel dafür aber so häufig in immer identischer Gestalt an alle Personenbezeichnungen rangepappt auftaucht, daß es unweigerlich schnell als redundant und überflüssig wahrgenommen wird. Was für ein Frauenbild wird so wohl geradezu antrainiert? Mann erfüllt die eigentliche Funktion, gefolgt von allgegenwärtiger Quotenfrau als störender Ballast?

> Einr Markierung des Männlichen hätte wahrscheinlich keine Chance. Das
> entsprechende Selbstverständnis existiert nicht.

Keine Chance bei den gynozentrischen Sexisten. Es gibt aber schon noch andere Einflüsse auf das Geschehen, möchte ich meinen. Es gibt ja auch Leute, die vernünftigen Argumenten zugänglich sind.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 20.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48250

Mir leuchtet nicht ein, wie sich aus "Frauen und Kinder zuerst" und 40% Fortpflanzungsrate bei Männern früherer Zeiten das Männliche als menschlicher Normalfall ergeben soll. Es zeigt, daß Männer für die Fortpflanzung entbehrlicher sind als Frauen. Müßte sich daraus nicht eher eine Anordnung ergeben, bei der Weiblichkeit zentral ist? Biologisch gesehen sind Frauen ja auch tatsächlich der Normalfall und Männer die Besonderheit.

Eine Frage der Perspektive natürlich. Sprache mag sich auch lange androzentrisch entwickelt haben in einer Zeit, in der noch eine starke Trennung in Öffentlichkeit als männlicher und Heim als weiblicher Domäne herrschte. Im Zeitalter moderner Zivilisation haben wir es mit anderen Bedingungen zu tun, mit Werten wie Individualismus, Freiheitsideal, Diskriminierungsverbot. Ich finde es legitim, Sprache passend gestalten zu wollen.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48249

> Das Männliche würde ja weiter bevorzugt, und mit Artikeln, Pronomen,
> Adjektivendungen klappte überhaupt nichts.

Das "Männliche" weiter als bevorzugt wahrzunehmen, setzt voraus, Genus weiterhin als sehr eng mit dem Sexus gekoppelt zu sehen. Objektiv trifft das bei all den generischen Maskulina ja schon sowieso nicht zu, subjektiv läßt es sich aber leicht so empfinden, da dieselbe Form auch tatsächlich für spezifisch männliche Adressierung verwendet wird. Mit der -an-Movierung erhoffe ich mir eine zunehmende Entkoppelung in der Wahrnehmung.

Die Situation bei Artikeln, Pronomen und Adjektiven wäre nicht anders als in der normalen herkömmlichen Sprache.

Frau Schmidt ist an dieser Schule der Vertrauenslehrer.
Das Arschloch hat sich einfach vorgedrängelt. Sie hat nicht einmal gefragt!
Ich habe gerade ein nettes Mädchen kennengelernt, ich weiß leider nicht ihren Namen.

> Was sollte man denn sagen, wenn der Fahrstuhl fast voll ist,
> aber "eins" noch rein kann? Doch nicht etwa "einer"?"

Warum nicht? Das Fragepronomen wäre wer: Ob hier noch wer reinpaßt? Deshalb tritt bei abstrakten Personenreferenzen zunächst einmal immer das Genus Maskulinum auf. Bezieht sich die Referenz auf ein konkretes Substantiv, nimmt sie dessen Genus an. Weiterhin kann auch ein Genuswechsel zur Sexusmarkierung stattfinden. Alles wie gewohnt.

Die aktuellen Gendersprachausprägungen bieten diesbezüglich jedenfalls keine bessere Lösung, im Gegenteil, sie verheddern sich hoffnungslos darin, andauernd alles gleichzeitig spezifisch abbilden zu wollen bzw. es krampfhaft vermeiden zu wollen, nur eines davon abzubilden.

Auch MO4= ist nicht perfekt, aber jedenfalls in jeder Hinsicht besser als das.

Die Schlagseite, die sich aus der Rolle des Maskulinums als personalem Standardgenus ergibt, könnte man nur mit einem größeren Eingriff loswerden, indem man Genera gleich komplett aus der Sprache tilgt, nach englischem Vorbild. Und dann bei der Gelegenheit am besten auch noch jeden Sexusbezug aus Pronomen entfernt. Dazu gibt es ja auch schon diverse Ideen, wie das aussehen könnte. Liefe auf jeden Fall auf eine erst einmal sehr fremdartig wirkende Sprache hinaus, die Gewöhnungshürde wäre beträchtlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2022 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48248

In den Medien wird soviel Unsinn über den früheren Sprachgebrauch verzapft: "Verzwergung", "als Freiwild ausgeliefert" usw. – alles durch die Anrede Fräulein! Es hat aber keinen Zweck, das immer wieder richtigzustellen. Und wer Frau Pusch fragt, hat sowieso schon verloren.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 16.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48247

In einer gewissen Szene wird Feminismus als ein einziger "shit test" bezeichnet. (Das Wort kann man leicht googeln, erstes Ergebnis: https://www.wie-flirte-ich.com/flirttipps/shittest-frauen-testen-maenner)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 16.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48246

Fräulein ist hoffnungslos veraltet. Deshalb beschäftigt man sich lieber mit "junge Dame". Frauen werden damit kleingeredet.
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/gleichberechtigung-fraeulein-social-media-100.html#xtor=CS5-62
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 15.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48245

Herr Ickler weiter unten im Thread: Trotzdem kann ein wahrer Kern darinstecken. Der Mann könnte sozusagen der Normalfall von "Mensch" sein, die Frau das Besondere.
An anderer Stelle wies er auf "Frauen und Kinder zuerst", und zwar als evolutionär entstandenes Prinzip.

Man kann gentechnisch nachweisen, daß sich Männer in früheren Zeiten nur zu 40% fortgepflanzt haben. (Siehe z.B. Roy Baumeister - Is There Anything Good About Men?)

Die besondere sprachliche Markierung folgt dieser Logik.

Interessanterweise nehmen Feministinnen wenig Anstoß an den konservativen Verhaltensnormen anderer Völker, mit denen wir uns vermehrt auseinandersetzen müssen.

Kleines Beispiel: "Spend an afternoon on any major dating app and you’ll come across (generally white) men saying openly sexist and misogynistic things." (https://refinery29.com/en-gb/2020/01/9244509/laurence-fox-anti-woke-meaning)

Möglicherweise liegt das Unglück der Frauen woanders. Männer können sich vielleicht leichter anpassen an eine Gesellschaft, in der Familie nicht mehr diesen Stellenwert hat. Man schimpft ja gern auf die "Incels" und die MGTOW-Weltanschauung (die eigentlich diametral zum Rechtsextremismus steht). Ich kann da nur spekulieren, aber man müßte mal herausfinden, warum der Feminismus heute stärker ist als je zuvor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2022 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48244

Die Gleichstellung der Frauen hat eine lange Geschichte, und sie hat sich unabhängig von der Sprache vollzogen. Wenn man die Rückblicke auf die amtliche Abschaffung von "Fräulein" liest, trifft man auf viel Unverständnis und historische Unbildung. Es stimmt einfach nicht, daß mit der Bezeichnung und Anrede eine "Infantilisierung" (ntv) oder Geringschätzung der Frau verbunden war. Und an diesem einen Punkt mag man aus der Sprache die Markierung der unverheirateten Frau entfernt haben, aber es ist selbstverständlich für jede Gesellschaft von vitalem Interesse geblieben, die noch ungebundenen und die schon vergebenen möglichen Geschlechtspartner auseinanderzuhalten. (Warum tragen die meisten Verheirateten immer noch Eheringe?) Ich habe ja schon mehrmals daran erinnert, wie all die schönen Theorien an der Wirklichkeit von Mode, Kosmetik, Werbung, Unterhaltung, Kino usw. zuschanden werden. Es geht immer nur um das eine. Man muß blind sein, um das nicht zu sehen.
Anders gesagt: Man hätte das "Fräulein" beibehalten können, ohne daß die Entwicklung anders verlaufen wäre. Aber weil es nun mal so gekommen ist, kann man sich damit abfinden, es ist buchstäblich einerlei.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2022 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48243

Ich hielt es für selbstverständlich, daß in dieser Konstruktion der generische Ausdruck neutral sein müßte. Was hätte das ganze sonst für einen Sinn? Das Männliche würde ja weiter bevorzugt, und mit Artikeln, Pronomen, Adjektivendungen klappte überhaupt nichts.

Was sollte man denn sagen, wenn der Fahrstuhl fast voll ist, aber "eins" noch rein kann? Doch nicht etwa "einer"?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 14.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48242

Ich vermute, es hat seine Gründe, daß auf die spezielle Markierung männlicher Personen immer verzichtet wurde. Hatte es hier mal angesprochen:
http://sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47808

Meines Erachtens ist es kein Bug, sondern ein Feature, daß man per Gendersprech weibliche Morpheme vervielfältigen will. Im Grunde handelt es sich ja um ein generisches Femininum mit eingeschobenem Sonderzeichen.

Einr Markierung des Männlichen hätte wahrscheinlich keine Chance. Das entsprechende Selbstverständnis existiert nicht.

Gendern hat eine ähnliche Funktion wie der "deutsche Gruß". Bekenntnis zu einer Weltanschauung und Separierung der Gesellschaft in Gute und Böse.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48241

Also die Beispiele würden nach MO4= korrekt so ausfallen:

Der Bundeskanzler kommt. Er spricht übers Klima.
Der Bundeskanzleran kommt. Er spricht übers Klima.
Jeder zweite Lehrer ist eine Frau.

Jeder Mensch hat das gleiche Recht.
Jede Person hat das gleiche Recht.
Jeder Bürger hat das gleiche Recht.
Jede Bürgerin und jeder Bürgeran haben gleiche Rechte.


An der Verwendung des generischen Maskulinums ändert sich nichts. Es handelt sich weniger um einen Eingriff in die Sprache als um eine Ergänzung, mit der die Sexusmarkierungen symmetrisch vervollständigt werden. Sehr dezent, sehr wirkungsvoll. Viel fundamentaler und nicht so eine Flickschusterei wie die heute gängigen Gendersprachtechniken.

Noch einfacher wäre es, auf Movierung komplett zu verzichten, wie es der weibliche YouTuber Alicia Joe in seinem Video hier vorschlägt: https://www.youtube.com/watch?v=aZaBzeVbLnQ

Das hat für einige Aufmerksamkeit gesorgt, ist schon fast eine Million Mal gesehen und auch von klassischen Medien wahrgenommen worden.

Gar nicht zu movieren, ist halt auch eine Form gleichgestellter Movierung. Wer bisher schon Gendern für nötig hielt, wird dort aber einwenden, es bestehe beim generischen Maskulinum immer noch das Problem der vorwiegend männlichen Assoziierung.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 13.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48240

Neutrum für die generische Form wäre die noch radikalere Variante. Dann ist aber die Abwärtskompatibilität dahin und die Umgewöhnungshürde größer. Das generische Maskulium für Personenbezeichnungen wurzelt ohnehin noch viel tiefer, wie am Interrogativpronomen wer erkennbar ist.

Wenn es eine männliche Movierung gibt und die geläufigen maskulinen Personenbezeichnungen eben nur noch generisch gedeutet werden können, fällt es auch nicht mehr so leicht, das maskuline Genus generell für ein Zeichen von Männlichkeit zu halten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 12.36 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48238

"Jedes Bürger hat das gleiche Recht."

Habe ich das überlesen? Neutrum wurde meines Erachtens nicht vorgeschlagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2022 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48234

Ich denke, die Handhabung von Artikeln und Pronomen ist schon klar und logisch geregelt, sie gerät jedoch zu einer üblen Posse bzw. Karikatur der Sprache.

(Das Bundeskanzler kommt. Es spricht übers Klima.
Der Bundeskanzleran kommt. Er spricht übers Klima.
Jedes zweite Lehrer ist eine Frau.

Jeder Mensch hat das gleiche Recht.
Jede Person hat das gleiche Recht.
Jedes Bürger hat das gleiche Recht.
Jede Bürgerin und jeder Bürgeran haben gleiche Rechte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2022 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48233

Auf dem Gender-Ticket unterwegs zu sein verschafft viele Vorteile. Der Rest ist Kopfrechnen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.01.2022 um 09.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48232

Abgesehen davon, daß solche Vorschläge eh keine Chance haben, fehlen Hinweise, wie in diesem Neusprech Artikel und Pronomen gehandhabt werden sollen.

Der Sinn des Genderns ist übrigens nicht, die deutsche Sprache präziser zu machen, sondern politischen Druck auszuüben. Man will eine andere Gesellschaft. Man will z.B. paritätisch besetzte Wahllisten, man will, daß 12jährige ohne jede Einschränkung medizinische Eingriffe an ihrem Körper vornehmen können, man will junge, schwarze, linksradikale Frauen als Leitfiguren, man will die Wissenschaften zu politischen Propagandainstrumenten machen. Die Behauptung, daß Menschen sich durch die bestehende Grammatik/Wortbildung diskriminiert fühlen, ist vorgeschoben.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 00.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48228

"So wie ich es verstehe, wird man auf subversive Weise (unter Nutzung der Gender-Nomenklatur) auf verschlungenen Pfaden zum generischen Maskulinum zurückgeführt."

Ja, man landet wieder beim generischen Maskulinum, das aber nun gewissermaßen kastriert ist. Dank einer parallel zur weiblichen funktionierenden männlichen Movierung läßt es sich nicht mehr für geschlechtsspezifisch halten. Daß Angehörige aller Geschlechter gleichermaßen gemeint sind, ist in diesem System nicht mehr zu bestreiten.
 
 

Kommentar von Chri, verfaßt am 16.01.2022 um 00.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48227

"Tatsächliche Ungerechtigkeiten gab und gibt es, sie sind aber nicht von der Sprache verursacht."

Die Wechselwirkungen zwischen Sprachstrukturen und Gesellschaftsnormen scheinen mir nicht erschöpfend genug erforscht zu sein, um das klar bejahen oder verneinen zu können.

Stand der Dinge ist jedenfalls: Eine beträchtliche Gruppe von Leuten in Leitmedien, Politik, Behörden, NGOs hält es für wichtig, irgendwie gendersensibel zu formulieren. Sie wollen an dieser Stelle wirken, ein ethisch korrektes Sprachhandeln praktizieren. Es ist ja auch ein Zeichen von Anstand und Sitte, sich gepflegt und respektvoll ausdrücken zu wollen.

Dann sollen sie es aber auch richtig machen und nicht eine Fehlkonstruktion zur neuen Standeskonvention erheben, die alles nur noch schlimmer macht, was zuvor an der Sprache als problematisch diagnositiziert wurde.
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 16.01.2022 um 00.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48226

Auch den Genderstern hat sich irgendjemand mal im kleinen Kämmerlein zuerst ausgedacht. Dessen Anwendung konnte sich trotz eigentlich offenkundiger Untauglichkeit erstaunlich weit ausbreiten. Wenn Claus Kleber im Heute-Journal Glottisschlag-Innen sagen kann, warum soll nicht "Bundeskanzleran" in der Tagesschau gehen? "Bundeskanzlerin" ging doch auch. Jedenfalls kann dann permanentes "innen" nach allen möglichen generisch gemeinten Personenbezeichnungen mitsamt zerstückelter Pronomen und kongruenter Adjektive einfach unterbleiben. Ist also die viel ökonomischere Lösung und dürfte auch das Publikum weniger stören. Erst recht in schriftlichen Medien.

Natürlich ist der Duktus des MO4=-Erklärtextes so gehalten, daß Leute mit progressivem Selbstverständnis ihn sich wenigstens durchlesen mögen. Tatsächlich würde eine gleichgestellte Movierung die progressive Intention der Geschlechtergerechtigkeit auch viel besser erfüllen können als Genderstern und Partizipitis. Und auch besser als normale herkömmliche Sprache.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2022 um 00.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48225

Oh, wenn es ironisch gemeint war, dann bin ich natürlich voll dabei.
Es passiert leider bzgl. Genderei soviel Unglaubliches, aber Wahres, daß ich hier nicht an so einen netten Trick gedacht habe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2022 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48224

In Ihrem ersten Satz habe ich "geschlechtergerechte Sprache" so interpretiert, wie Sie es offenbar meinen.
Eigentlich finde ich aber, daß sich unsere herkömmliche Sprache mit dem generischen Maskulinum schon sehr gut im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit bewährt hat. So gesehen ist der Satz schon immer eine sprachliche Selbstverständlichkeit.

Eine angebliche Ungerechtigkeit der Sprache wird erst von Genderern heraufbeschworen.
Tatsächliche Ungerechtigkeiten gab und gibt es, sie sind aber nicht von der Sprache verursacht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.01.2022 um 00.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48223

Ich glaube Sie haben die Seite mißverstanden, Herr Riemer. So wie ich es verstehe, wird man auf subversive Weise (unter Nutzung der Gender-Nomenklatur) auf verschlungenen Pfaden zum generischen Maskulinum zurückgeführt.
Die Ironie darin ist nicht ganz einfach zu erkennen.
Und was diejenigen angeht, die es eigentlich ansprechen sollte, kommt mir das Buch von Jan Fleischhauer "Unter Linken" in den Sinn, wo ein Kapitel mit "Die Linken und der Humor" betitelt ist.
Er beschreibt darin so treffend, wie den Linken der Humor abgeht, da sie ja ständig für die Rettung des Guten und der Welt agieren und hier keinen Spaß verstehen können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.01.2022 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48222

Tut mir leid, aber an Ihrer Arbeit mißfällt mir schon der erste Satz: "Geschlechtergerechte Sprache gehört heutzutage zum guten Ton." Das bestreite ich. Die meisten Menschen fühlen sich dadurch belästigt. Sie sagen es ja selbst, wie verträgt sich "guter Ton" mit "starken Akzeptanzproblemen"?

Wörter wie "inklusiv" sind für mich rote Tücher. Das generische Maskulinum meint niemanden mit, sondern alle Geschlechter direkt.

Man kann sich im stillen Kämmerlein allerlei Sprachen ausdenken, aber diese einem Millionenvolk beizubringen, halte ich für unmöglich. Können Sie sich ernsthaft vorstellen, daß in der Tagesschau der "Bundeskanzlerankandidatan" Scholz genannt würde?
 
 

Kommentar von Christian Melsa, verfaßt am 15.01.2022 um 22.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48220

Nach langer Abstinenz bin ich durch Umwege über das Virch-Blog wieder auf dieses Forum gestoßen, in dem ich einer altvertrauten Schar Diskutanten gern ein Projekt unterbreiten möchte, mit dem ich mich in der letzten Zeit verstärkt beschäftige.

Es geht um einen alternativen Ansatz für geschlechtergerechte Sprache, zu dessen Erklärung ich folgendes Manifest verfaßt habe:

http://gendern-ändern.de/darum

Kommentare, Fehlerhinweise, Anregungen, Weitersagungen sehr willkommen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2022 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48203

Die Beilage „Freude pur – Urlaub mit Kindern“ in der heutigen SZ zeigt auf dem Titel die typische Familie: Vorn liegt der Vater auf dem Rasen, auf ihm und etwas weiter hinten die Mutter, dann kommt der Sohnemann und dann ganz verschwommen, weil außerhalb der Schärfentiefe, die kleine Tochter. Es ist wie ein Löwenrudel. Eigentlich müßte die Mutter die Hautperson sein. Die Verzerrung wird anscheinend gar nicht wahrgenommen (außer von uns Feministen). Da könnt ihr noch so viel gendern, solche Bilder verraten: es bleibt alles beim alten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 09.01.2022 um 23.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48185

Es gibt offenbar eine kleine Korpusuntersuchung zur Gendersprache. Im folgenden PDF ab S. 9 (gedruckte Seitenzahl 149) beginnt das entsprechende Kapitel, zwei Seiten später dann die graphische Auswertung, DeReKo von 1990 bis 2016 (Abb. 4).
https://ids-pub.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/8511/file/Adler_Plewnia_Die_Macht_der_grossen_Zahlen_2019.pdf

Die Limitierung durch die Wahl des Lemmas (Studenten) wird kurz diskutiert, da könnte man sicher noch mehr Einwände vorbringen.

Das Ergebnis ist für die Genderapologeten desaströs. Der beschworene Sprachwandel hält sich sich doch sehr in Grenzen. Gut daß man nicht das Lemma Briefträger verwendet hat, so hat man immerhin die Studierenden. Seit 1990 übrigens in gleichbleibender Häufigkeit.

Gleichzeitig wurde mit dem gleichen Lemma eine Umfrage gemacht. Die hat ein geradezu diametrales Ergebnis – wie aus einer anderen Welt. Die Umfrage scheint mir allerdings eher zweifelhaft. (Kaum Zustimmung zum generisches Maskulinum, ganz besonders bei älteren Jahrgängen.)

Aber Korpusuntersuchungen zur Gendersprache? Das ist doch keine schlechte Idee! Ist Anatol Stefanowitsch nicht Korpuslinguist?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.01.2022 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48177

Die Angestelltinnen dürften mir gestern in Söders Regierungserklärung zur Corona-Pandemie aufgefallen sein. Ich finde die Stelle nun auch nicht wieder, traue aber meinen Ohren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2022 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48168

Als Söder-Zutat kann ich es auch nicht finden, aber sonst sind die "Angestelltinnen" reichlich belegt – womit bewiesen ist, daß die Verfasser nicht die Gleichstellung, sondern nur ihre eigene Gedankenlosigkeit im Kopf haben.
 
 

Kommentar von Tante Google, verfaßt am 08.01.2022 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48167

An welcher Stelle hat Söder so gesprochen ?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.01.2022 um 10.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48164

Söder spricht soeben von "Angestelltinnen und Angestellten".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.01.2022 um 23.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48160

Die Bundesregierung informiert:

»Das Klimavorsorgeportal bietet Kommunen, Ländern, Verbänden aber auch Bürgerinnen und Bürgern Daten und Informationen, sowie diverse Dienste zur zielgerichteten Anpassung an den Klimawandel. [...] Die Expertinnen und Experten des Zentrums KlimaAnpassung entwickeln individuelle Anpassungskonzepte für Kommunen und soziale Einrichtungen. Das Zentrum bietet Kompetenzen, Erfahrungen und Wissen und arbeitet eng zusammen mit lokalen Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgerinnen. [...] Das Förderprogramm „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel“ soll mithilfe lokaler Anpassungsmanager und Anpassungsmanagerinnen die Umsetzung der Anpassungskonzepte in der Praxis begleiten und lokale Strategien konsequent auf Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Klimaverträglichkeit ausrichten.«

Dieser Text ist ein Musterbeispiel für mißlungene Öffentlichkeitsarbeit, ein kommunikatives Fiasko. Er wäre auch schon ungegendert nur schwer zu lesen, aber so ist es noch schwieriger, zum Kern der – ohnehin mageren – Aussagen vorzudringen. Statt bei der Sache selbst zu bleiben, wird an jeder nur denkbaren Stelle die unfaßlich banale Tatsache in Erinnerung gerufen, daß es auf der Erde Männer und Frauen gibt. Das ist etwa so, als ob in einer Kunstauktion das Scheinwerferlicht kurz vor Aufruf eines Loses vom Objekt der Begierde weg- auf den Lichtschalter an der weißen Wand gelenkt würde.

Im Namen der vielbeschworenen »Bürgernähe« wollten die Behörden eigentlich mal verständlicher formulieren und haben tatsächlich lange Zeit einen gewissen Aufwand getrieben, um diesem Ziel näher zu kommen. Das ist alles vorbei. Der von oben verordnete rigorose Sprachfeminismus verträgt sich nun mal nicht mit den Interessen jener schweigenden Mehrheit, der, ebenfalls von oben, in anderen Zusammenhängen neuerdings gern Respekt gezollt wird für ihr vernünftiges Verhalten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.01.2022 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48138

"Viele männliche Mathematiker sagten, eine Frau könne das nie schaffen", sagt er.
(SZ, 4.1.22, S. 14)

Man muß es also schon immer noch ausdrücklich dazusagen, wenn man mit der unmarkierten, männlichen Form ausschließlich Männer meint. Von wegen, das generische Maskulinum habe ausgedient (siehe #47804).
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.01.2022 um 23.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48128

Text-Bildschere im heute-journal. Generisches Maskulinum im Bild, generisches Femininum aus dem Off. Ab 2:25.
https://zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-5-01-2022-100.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2022 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48107

Herr Riemer hat schon daran erinnert, daß im Afghanistan-Einsatz auf deutscher Seite nur Soldaten, keine Soldatinnen gefallen sind. Namensliste hier:
https://www.aixpaix.de/afghanistan/deutsche_tote.html

Ich finde es ungerecht, daß junge Frauen und Mütter anscheinend keine Chance haben, ihr Leben für Deutschlands Sicherheit und Freiheit zu opfern. Das würde doch den Dienst in der Bundeswehr viel attraktiver machen. Was sagt denn das Familienministerium zu dieser Schieflage?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 01.01.2022 um 17.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48096

Und noch ein Widerspruch bei Sibylle Berg: Darf ein maskulines Pronomen verwendet werden, wenn es eine Frau betrifft?
Nein: Das Einzige, was für einen anderen Menschen wichtig wird, ist, ob es für sie oder ihn angenehm ist ...
Doch: dass ein weiblich gelesener Mensch ... Einfluss auf seine Lebenszeit hat.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.01.2022 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48095

Noch zu Sibylle Berg: sie schreibt aber auch »männliche und weibliche Kommentatoren« und bestätigt damit, daß das generische Maskulinum funktioniert.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.01.2022 um 09.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48094

Der alternierende Gebrauch (moviert/nichtmoviert) hat zwei Besonderheiten, die den Genderern entgegenkommen:
1. Formal ist der Unterschied zum bisherigen Sprachgebrauch relativ gering. Die Movierung wird übermäßig oft gebraucht und verliert dann ihre Bedeutung. Das war’s.
2. Ein gewohnheitsmäßig/versehentlich gebrauchtes generisches Maskulinum ist kein Verstoß gegen die Regeln.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 01.01.2022 um 08.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48093

Sybille Berg auf Spiegel online hat eine neue Masche, Pronomen im Neutrum:
"Keines hält sich für die Norm – Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe?...Jedes könnte glauben, was es will."
Später dann plötzlich ein Binnen-R:
"KeineR wird mehr in den angenommenen Erwartungen der anderen funktionieren müssen."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2021 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48086

Bisher scheint niemand von den Türkinnen und Türken vor Wien oder dem Weltreich der Mongolinnen und Mongolen zu sprechen. Vielleicht haben die Genderer, die ja nicht zu den Gescheitesten gehören, noch gar nichts davon gehört?

Besonders unangenehm liest sich "Forschung & Lehre", die Zeitschrift des Hochschulverbands. Nur Fremdtexte sind nicht gegendert. Die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitgliedern (Hochschullehrern!), ihre penetrante Bevormundung und Belehrung, würde mich zum Austritt treiben, wenn ich nicht schon längst ausgetreten wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48085

Diese Praxis setzt stillschweigend einige Behauptungen voraus:

1. Genus und Motion haben im Deutschen keine Funktion. Sowohl das Maskulinum als auch das Femininum können (generisch) Personen beiderlei Geschlechts bezeichnen.

2. Genus und Motion haben eine Funktion. Darum soll man um der Gerechtigkeit willen beide Geschlechter nennen: Musiker und Musikerinnen.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Alternieren und additive Beidnennung vertragen sich nicht.

Nebenthese: Männer und Frauen sind gleichgestellt -Frauen müssen aber immer zuerst genannt werden, weil sie gleicher sind. (Anders gesagt: Galanterie ist zwar altmodisch und auf Ungleichheit gegründet, wir behalten sie aber bei und verstärken sie noch: Frauen die Tür aufhalten und in den Mantel helfen...)

Man könnte auch unterstellen: Es geht nicht um Thesen über das bisherige Deutsch, sondern um das Neue Deutsch, das wir planen und voranbringen. In dieser Sprache wird das Genus funktionslos sein, und movierte und unmovierte Wortbildungen werden unterschiedslos nebeneinander gebraucht. Kommentar: Das ist unmöglich; es gibt keine solche Sprachen.

Und über allem das Motto: Wir kümmern uns nicht um Sprache und Sprachwissenschaft – Hauptsache, wir sind gut und fortschrittlich und können unsere Mitmenschen zu ebensolchen erziehen! So haben wir ihnen ja auch schon eine neue Rechtschreibung beigebracht, ob sie wollten oder nicht. Die Wünsche der Leser haben eine solche Oberlehrerin der Deutschen wie die ZEIT noch nie interessiert.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 31.12.2021 um 00.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48084

Die Zeit bringt einen Artikel über den evolutionären Sinn von Musik. Titel "Schräge Töne".
Die Zeit schreibt gendergerecht. Der Preis sind Tautologien, Widersprüche und Umständlichkeiten:
"Wenn es darum geht, kleine Kinder zu beruhigen oder in den Schlaf zu begleiten, waren traditionell Frauen die Musikerinnen." Tautologie.
"Das hören die Musikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nicht gerne, von denen die meisten selbst Musiker sind." Widerspruch.
"die Forschenden" Umständlich.
"Zu diesen Kritikern gehört Melanie Wald-Fuhrmann..." Widerspruch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2021 um 20.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48073

Die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der KI (Sprachsimulation) sind phantastisch. Chinesische Computer stellen für die "Sprachmodelle" schon 1,75 Billionen künstliche "Synapsen" zur Verfügung.

Weniger erfreulich ist, daß zumindest unsere deutschen Spezialisten die Sprachmodelle so anlegen wollen, daß sie von vornherein "gendergerechte" und überhaupt nichtdiskriminierende Sprache erzeugen. Wenn das gelingt, ist kein Halten mehr, dann werden wir vor lauter Gendern und Volkspädagogik keine Luft zum Atmen mehr bekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2021 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48069

Die SZ vom 29.12.21 stellt Bücher von „Schriftstellern, Wissenschaftlerinnen und Intellektuellen“ vor, hat sich also wieder einmal für die schlechteste aller Möglichkeiten des Genderns entschieden. Man staunt immer wieder, daß Menschen, die von ihrer Allgemeinbildung und geistigen Beweglichkeit leben, in sprachlichen Dingen solche Trottel sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2021 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48068

Ja, mit diesem Sophisma muß man rechnen. Dann wäre es allerdings unmöglich, überhaupt einen Fehler zu identifizieren, nicht nur im Sprachlichen. Man muß immer das Ziel kennen, um sagen zu können, daß es verfehlt wurde.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.12.2021 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48039

Die Befürworter würden sagen: Sie haben ja offenbar verstanden, daß es generisch gemeint ist, also funktioniert es!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2021 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#48038

Physiker und Meteorologinnen
Schneeforscherinnen und Meteorologen

(Nora Ederer in SZ Wissen Weihnachten 2021)

Generisch, wie es gemeint ist, funktioniert das nicht, sondern allenfalls exemplarisch, wenn also die Personen beiderlei Geschlechts nur als Beispiele genannt sein sollen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.12.2021 um 15.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47987

Noch ein paar Ratschläge von Luise Pusch zum Schmuckfest.

https://mdr.de/nachrichten/podcast/beste/audio-gender-weihnachtsmann-christkind-weihnachtsfrau-100.html
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.12.2021 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47975

Unter anderem der SPIEGEL hatte ja im September über Pläne zur Einführung weiblicher Dienstgradbezeichnungen bei der Bundeswehr berichtet (die dann erst mal gescheitert sind). Ich habe den Artikel noch einmal nachgelesen: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-verteidigungsministerium-plant-weibliche-dienstgrade-a-a03d8e92-b02e-4b8e-b225-afcafe385b7f

Kurz gesagt, sind die Frauen in der Bundeswehr dagegen. Das ficht ein (männliches) Mitglied des Personalrats aber nicht an: »Ingo John, Sprecher der Beamten im Wehrressort, bezeichnete eine Reform der Dienstgrade im Gespräch mit dem SPIEGEL als "überfällig". "Der Dienstgrad sollte, wo immer es sprachlich möglich ist, wie bei den Beamten Ausdruck des Respekts sein", forderte John.« Das heißt, er fordert Respekt für Frauen ein, indem er eine Änderung anmahnt, die die Frauen selbst nicht wollen. Das ist nicht nur absurd, sondern vor allem anmaßend.

Nach derselben Logik werden Frauen Vorhaltungen gemacht, die erklären, mit ihrem Leben als Hausfrau und Mutter oder auch als Mitarbeiterin (statt Vorgesetzte) sehr zufrieden zu sein. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Wer als Frau so redet, muß damit rechnen, von den aufgeklärten Zeitgenoss:innen geächtet zu werden. Für sie sind solche Frauen dann doch nur wieder die dummen Gänse, die nichts kapiert haben und deren Wünsche umstandslos übergangen werden können. Aber ist das nicht genau die patriarchalische Haltung, die der Feminismus zu überwinden angetreten war?

In Wirklichkeit ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern unendlich viel reicher, als die Gleichmacher wahrhaben wollen. Männer sind oft viel schwächer, als sie tun, Frauen viel stärker, als es scheint. Das ist doch keine Frage von Suffixen! Aber die Frauen wissen es, und die Männer wissen es auch. Manches spielt sich im verborgenen ab, vieles ist unausgesprochen allen klar. Stille Bewunderung und Verachtung sind das Ergebnis eines hochkomplizierten Zusammenspiels aller möglichen Faktoren. Das alles platt auszusprechen und damit kaputtzumachen ist eigentlich eine sehr männliche Herangehensweise. Was ist gewonnen, wenn Frauen nun auch die Planierraupe spielen? Und wo bleibt eigentlich die vielbeschworene Vielfalt, wenn alles nivelliert worden ist?

Damit will ich nicht sagen, daß Benachteiligungen in Ordnung sind, solange sie im verborgenen bleiben, natürlich nicht! Die müssen angegangen werden, aber das geschieht doch auch auf breiter Front und mit beachtlichem Erfolg.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 19.12.2021 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47974


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2021 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47956

Herr Metz hat es wieder sehr gut dargestellt: Einerseits gibt man sich höchst empfindlich, wenn es um Gleichstellung geht, andererseits nimmt man den gröbsten (sprachlichen) Unfug klaglos hin.

Das ist, nur vergrößert, ähnlich wie bei der Rechtschreibreform: Jahrelang schien es kein größeres bildungspolitisches Problem zu geben als die Vereinfachung der Orthographie. Sogar der Staat mußte eingreifen, um die zu schwierig gewordene Schriftsprache in Ordnung zu bringen (Urteil des BVerfG). Hinterher krähte kein Hahn mehr danach, die beschämenden Ergebnisse werden bis heute beschwiegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2021 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47955

Herstellerinnen und Hersteller müssen während der üblichen Nutzungszeit Updates bereitstellen. (Koalitionsvertrag)

Da es sich um Unternehmen handelt, ist eine „geschlechtergerechte“ Sprache hier besonders sinnlos.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.12.2021 um 00.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47954

Ähnlich:

Von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen - den drei Bundesländern, durch die Gas aus Nord Stream 2 nach Tschechien geleitet werden soll, wird ein Baustopp kurz vor Fertigstellung abgelehnt. Sowohl Dietmar Woidke und Manuela Schwesig (beide SPD) als auch Michael Kretschmer (CDU) haben dies bereits erklärt. (rbb24.de, 7.9.20)

Dieses Beispiel und auch der Satz über die Kanzler zeigen, wie sehr das Gendern Frauen diskriminieren kann. Die Sätze so umzuformulieren, daß sie außer grammatisch auch inhaltlich korrekt wären, würde nicht helfen, denn dann läge die Ausgrenzung nur noch offener zutage. Klammert man nämlich die Kanzlerin und die Ministerpräsidentin aus den Konstruktionen aus, hebt man sie noch deutlicher als eine Besonderheit hervor, und der Leser fragt sich unwillkürlich, worin diese Besonderheit wohl bestehen mag. Daß es sich um Frauen handelt? Was soll daran im Jahr 2021 besonders sein? Daß sie sich irgendwie anders verhalten hätten als die männlichen Kollegen? Nein, es soll ja gerade eine bestimmte Gemeinsamkeit zwischen den Handelnden ausgedrückt werden. (Was denken Sie über Lisa oder Leo, wenn Sie hören: »Alle in der Klasse haben das Abitur bestanden, auch Lisa/Leo«?)

Routinemäßig konstruierte »Sichtbarkeit« trägt nichts bei zur Erreichung der angeblichen Ziele des Sprachfeminismus. Im Gegenteil, sie suggeriert Ungleichheiten dort, wo es längst keine mehr gibt oder nie welche gegeben hat. Damit durchkreuzt sie die Bemühungen um Gleichbehandlung von Männern und Frauen, statt sie zu unterstützen. Und sprachliche Gleichbehandlung müßte doch eigentlich Gleichbenennung bedeuten.

Dort, wo die Unterschiede zwischen den Geschlechtern relevant sind, sollen sie selbstverständlich auch sprachlich zum Ausdruck kommen. Dazu haben wir ja die entsprechenden Formen. Aber das Erzeugen von Aufmerksamkeit will gelernt sein. Die Dosis macht’s. Wenn die Doppelformen nur noch mechanisch heruntergebetet werden wie ein Rosenkranz, verpufft der von den Feministen erhoffte Effekt ziemlich schnell. Ganz am Anfang horcht man vielleicht noch auf, wenn man irgendwo »Lokführer und Lokführerinnen« liest, aber schon bald kann man die Leier nicht mehr hören (zumal nach erfolgter Einreihung in das Standardmuster: Lokführerinnen und Lokführer) und stumpft letztlich vollends ab. Eine einzelne Ohrfeige kann richtig wehtun, aber wenn uns jemand ohne Unterlaß immer wieder auf dieselbe Wange schlägt, wird sie irgendwann taub. Am Ende nehmen wir die weibliche Form gar nicht mehr als solche wahr, sondern verstehen alles nur noch generisch. Das hatten wir aber schon, nämlich mit dem generischen Maskulinum, nur eben ohne Schläge, wobei ich mit »wir« sowohl Männer als auch Frauen meine. Die windigen »Studien«, die ergeben haben sollen, daß man bei »Bürger«, »Gäste« oder »Kunden« nur oder vornehmlich an Männer denkt, grenzen ans Possenhafte. Es ist schon erstaunlich, wer sich alles nicht zu schade ist, sich darauf zu berufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2021 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47952

Deutsche Kanzler und Kanzlerinnen haben in ihre ersten Regierungserklärungen stets... (SZ 16.12.21)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.12.2021 um 20.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47951

Gutachten hier:
https://hannover.de/content/download/882119/file/Gutachten-Genderstar-Amtssprache_Lembke_Dezember2021.pdf

Zusammenfassung:
https://hannover.de/content/download/882117/file/gutachten-genderstar-amtssprache_ergebnisse_lembke2021.pdf
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.12.2021 um 17.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47947

Das Copy & Paste ist mir etwas verunglückt. Hier der Artikel: https://faz.net/aktuell/politik/inland/gendergerechte-sprache-in-verwaltung-hannover-legt-gutachten-vor-17686090.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.12.2021 um 17.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47946

FAZ 15.12.2021
Belit Onay, Oberbürgermeister von Hannover, hisst vor dem Neuen Rathaus eine Inter* Pride Flagge.
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Als Hannover die gendergerechte Sprache in der Verwaltung zur Norm machte, hagelte es Kritik. Nun liegt ein Rechtsgutachten vor, das über die Vorgaben der Stadt noch hinaus geht.

Die Stadt Hannover hat vor drei Jahren als eine der ersten Städte in Deutschland die geschlechtergerechte Sprache zur verbindlichen Norm in der Verwaltung erklärt. Das „Rednerpult“ ist seither ein „Redepult“, aus „Wählern“ wurden „Wählende“. Die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ soll von den Mitarbeitern der niedersächsischen Landeshauptstadt ebenfalls vermieden werden. Denn so könnten sich Personen diskriminiert fühlen, die sich „nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben“, heißt es. Man greift in Hannover auch auf den Genderstern (Bürger*innen) zurück.

Auf die Sprachvorgaben der Stadt habe es „viel negatives Feedback gegeben, das kritisch bis beleidigend war“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Friederike Kämpfe (Grüne). In den Sitzungen des Stadtrats und der Ausschüsse verweigert die AfD regelmäßig dem Protokoll die Zustimmung, weil dort auch die Äußerungen der AfD-Ratsleute gegendert werden, obwohl diese Wert darauf legen, dass sie in ihren Redebeiträgen nicht gegendert hätten. Da die Gender-Sprachregelungen der Stadt Hannover nicht im Einklang mit dem amtlichen Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung stehen, werden bisweilen sogar Zweifel an der Gültigkeit städtischer Entscheidungen geäußert.


Den Rest kann ich leider nicht lesen, da hinter Paywall. Folgende Textabschnitte gehören wohl noch dazu. Interessant, weil es auf das Rechtschreib-Urteil des BVerfG zurückgreift.

https://twitter.com/_homoduplex/status/1471475262126755841

https://twitter.com/_homoduplex/status/1471475269005418502
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2021 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47942

Ein Intensivmediziner wird im Radio interviewt. Er spricht nicht gut, zu viele Pausenfüller (Murmellaute), vor allem aber: generisches Maskulinum, generisches Femininum, Beidnennung (oft mit verschluckter Motion). Dieses Durcheinander könnte man „wildes Gendern“ nennen. Den Ausdruck schlage ich hiermit vor und gebe ihn zur allgemeinen Nutzung frei. (Manche Kollegen würden ihn unverzüglich schützen lassen.)

Zukunft hat das nicht. Die Sprache ist nicht „wild“ in diesem Sinne. Sie kennt nur Regeln und Spielräume.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2021 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47915

Ein Beitrag über Astronomie bei RND ist auf quälende Weise gegendert – bis im letzten Absatz plötzlich die Normalsprache zurückkehrt:

Den neuerlichen Erfolg der inzwischen über hundert Jahre alten Allgemeinen Relativitätstheorie von Einstein sehen die Astrophysiker mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weitaus spannender nämlich wäre es für die Wissenschaftler, eine Abweichung von den theoretischen Vorhersagen zu finden – denn eine solche könnte ein Fenster zu „neuer Physik“ aufstoßen. Das heutige physikalische Weltbild ruht auf zwei Pfeilern – der Quantenmechanik und der Relativitätstheorie. Doch die beiden Theorien passen nicht recht zusammen – deshalb suchen die Forscher nach einer übergeordneten „Theorie von Allem“. (RND 14.12.21)

(Inhaltlich scheint da ein Stück Poppersche Wissenschaftstheorie in psychologische Ferndiagnose umgeschlagen zu sein, aber das ist ein anderes Thema.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.12.2021 um 14.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47894

Angeblich läßt sich den Moderatoren des öffentlichen Rundfunks das Gendern nicht verbieten. Das müßte dann auch für das Tragen von Parteiabzeichen gelten.
https://tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/missmut-im-zentrum-der-freude-sollen-die-mainzelmaennchen-gendern-oder-nicht/27883656.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.12.2021 um 13.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47893

Future Bond could be "non-binary" and use the pronoun "they," Barbara Broccoli, 007’s producer, has revealed.
https://twitter.com/disclosetv/status/1469979387445616647

Das wäre mal interessant, wenn es denn stimmt. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, wie das als Anredepronomen funktionieren soll. Oft behaupten ja diese aufmerksamkeitsgeilen Transen, daß sie selbst diese Pronomen für sich benutzen. In Gedanken?

Im Englischen ist they natürlich schon verbreitet als politisch korrektes, unbestimmtes Pronomen für den Singular. Aber dieser Gebrauch dürfte wohl kaum gemeint sein.

Das letzte funk-Video zum Thema:
https://youtube.com/watch?v=jS_Behtx8IA&t=0s
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.12.2021 um 09.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47892

Leute, die gendern, befürworten natürlich auch Sonderrechte für Frauen. Das Gendern ist letztlich ein Druckmittel für feministische Politik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2021 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47890

Durch solche Stolpersteine gibt man zu verstehen, daß man den Rest der Bevölkerung für erziehungsbedürftig hält. Kein einziger deutscher Text soll mehr einfach glatt lesbar sein. Bei jeder Gelegenheit wird ein „ceterum censeo“ eingeschoben – dabei habe ich wehrloser Leser keineswegs vergessen, daß es auch Frauen gibt. Es kann doch niemand glauben, mit solchen penetranten Belehrungen sei etwas für die Frauen getan?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.12.2021 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47884

»Roheit« trifft es ganz gut. Etwas zurückhaltender könnte man von »Unhöflichkeit« sprechen. Die woken Erfinder dieser Sprache bestehen aber gerade darauf, daß es ein Gebot der »Höflichkeit« sei, sie zu benutzen. Was nun?
 
 

Kommentar von , verfaßt am 11.12.2021 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47883


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2021 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47875

Der Trick mit dem Urheberrecht erinnert an eine Episode aus der Geschichte der Rechtschreibreform, die in meinem "Sackgassen"-Buch dokumentiert ist. Ich hatte damals die Änderungpläne der Kommission veröffentlicht.

Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung
Geschäftsstelle am Institut für Deutsche Sprache (IDS)

S t e l l u n g n a h m e
des derzeitigen Vorsitzenden der Kommission,
Dr. Karl Blüml
19. Februar 2004

Betr.: Ausarbeitung des Buchstabens „D“ auf der Basis des Österreichischen Wörterbuches

Bezug: Veröffentlichung auf der Homepage des IDS

Ich, als derzeitiger Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung und Delegationsleiter der österreichischen Kommissionsmitglieder möchte – in der Folge von diversen Spekulationen von Einzelpersonen – folgende Feststellung treffen:

Die Zwischenstaatliche Kommission ist verpflichtet, alle zwei Jahre einen Bericht an die zuständigen staalichen Stellen, von denen sie eingesetzt und beauftragt wurde, abzuliefern.

Dies ist auch im Dezember 2003 mit dem 4. Bericht geschehen. Dieser vierte Bericht wurde ergänzt durch eine vorläufige Darstellung der Auswirkungen der im Bericht vorgeschlagenen Präzisierungen und Modifikationen des Regelwerks von 1996. Dies erfolgte auf der Basis des Österreichischen Wörterbuches und ist eine Arbeit ausschließlich für die Auftraggeber.

Ich habe daher darum gebeten, jene Buchstabenstrecke, die hier aus dem Österreichischen Wörterbuch (für die nächste Auflage) bearbeitet wurde, d e f i n i t i v n i c h t a n d i e Ö f f e n t l i c h k e i t zu geben, sondern ausschließlich an die zuständigen staatlichen Stellen.

Der Grund für die Nicht-Veröffentlichung ist – so hoffe ich – einleuchtend: Hier wird ein Teil aus einer zukünftigen Auflage eines Wörterbuches dargestellt, der redaktionell noch keineswegs endbearbeitet ist und zu dem die (im Buch genannten) Autoren noch nicht ihre Zustimmung gegeben haben (und auch nicht ihre inhaltlichen Bemerkungen).

Dies ist eine reine Arbeitsfassung, die niemals zur Veröffentlichung bestimmt war. Kein deutsches Wörterbuch würde einer solchen Veröffentlichung zustimmen – und auch kein österreichisches.

Wenn gelegentlich behauptet wird, diese Wörterbuchseiten seien anderswo im Internet auffindbar, dann kann dies der Fall sein. Es handelt sich dabei jedoch um eine i l l e g a l e V e r ö f f e n t l i c h u n g , für die diejenigen Personen die Verantwortung tragen, die das veröffentlicht haben – auf keinen Fall jedoch die Zwischenstaatliche Kommission, auf keinen Fall die österreichische Vertretung in der Kommission und auf keinen Fall die Autoren des Österreichischen Wörterbuches.

Es muss betont werden, dass die Inhaber des Urheberrechtes an dieser Wörterbuchstrecke keine Bewilligung zur Veröffentlichung gegeben haben. Sie haben lediglich genehmigt, dass im Rahmen der Arbeit der Zwischenstaatlichen Kommission diese Wörterbuchstrecke als Arbeitshilfe verwendet wird. Jede Veröffentlichung außerhalb des klar definierten Rahmens (Zwischenstaatliche Kommission, Beiräte in den drei Staaten – Deutschland, Österreich, Schweiz – und zuständige staatliche Stellen in Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz) muss daher als eine Verletzung des Urheberrechtes betrachtet werden.

Für die Kommission

gez. Karl Blüml


Das Ganze verpuffte naturgemäß. Es wirkte damals schon ziemlich verrückt. Die Reparatur der Reform kam wie vorgsehen, durfte aber nicht so heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2021 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47874

Schulunterricht ist hierzulande wissenschaftsorientiert (im Gegensatz etwa zu religiöser Fundierung). Lehrer dürfen also keine objektiv falschen Theorien vermitteln.
Mit der Rechtschreibreform waren einige falsche Behauptungen über die deutsche Sprache verbunden, z. B. im Bereich der Wortarten. Die These, Rechtschreibung sei so konventionell wie die Postleitzahlen, wurde vom damaligen Direktor des IdS, Stickel, vertreten, ist aber nachweislich falsch. Seither unterrichten die Lehrer Falsches, was nur deshalb hingenommen wird, weil die Öffentlichkeit und auch ein Teil der Akademiker sich nicht dafür interessieren.

Der feministische Umbau der Sprache beruht ebenfalls auf Unkenntnis der sprachlichen Gesetzmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Genus und Sexus. Seit das Gendern wie die Rechtschreibreform in staatliche Vorgaben Eingang gefunden hat, werden diese unrichtigen Thesen amtlich unterrichtet. Noch kann man sehen, daß die Genderwilligen durch ihre eigene Praxis widerlegt werden. Der Umbau kann aber so weit getrieben werden, daß auch dies verschwindet. Dann werden wir eine andere Sprache haben. Das ändert nichts daran, daß die bisher übliche Sprache aus objektiv falschen Gründen abgeschafft wurde.

Viele Lehrer wissen das, aber sie sind weisungsgebunden. In den Schulen einiger Länder wird die Schöpfungslehre unterrichtet.

Es bleibt natürlich ärgerlich, daß eine Handvoll mediokrer Germanisten es geschafft hat, deutsche Texte bis hin zu Wikipedia usw. in einer sinnlosen Weise zu verändern, am sichtbarsten durch die Wiedereinführung der Heyseschen s-Schreibung. Nun geschieht Vergleichbares im Bereich der Grammatik. Und wieder: Was für Leute waren es, die das erreicht haben!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 10.12.2021 um 16.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47873

Um das Kasseler Gender-Gutachten dürfte es noch Streit geben.

Ein Gender-Gutachten, das die Universität Kassel in Auftrag gegeben hat, scheint so geheim zu sein, dass man es nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen will. (...) Die Stellungnahme der Universität zum Gutachten, die zudem zwei Tage ausschließlich über interne Server der Uni erreichbar war, sei daher mit Vorsicht zu genießen, so Klatte: „Die Uni redet sich das Gutachten schön.“ Ein zusätzliches Geschmäckle tritt dadurch auf, dass sie das Gutachten nicht, wie es üblich ist, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt: „Es geht hier nicht um Geheimnisse, die die nationale Sicherheit gefährden, sondern um eine uni-interne Praxis und die Frage, ob Genderregeln vorgeschrieben werden dürfen.“ Die Universität verweist laut Presseberichten auf das Urheberrecht des Autors, um das Gutachten unter Verschluss zu halten. Der schwarze Peter wird allerdings hin und her geschoben: Dem VDS liegt ein Schriftwechsel vor, nach dem man wegen der Angst vor sog. „Shitstorms“ vereinbart habe, das Gutachten vertraulich zu behandeln. „Das Gutachten gibt offenbar nicht das her, was die Uni sich erhofft hatte“, so Klatte, „und statt eines offenen Austausches, wie es in der Wissenschaft üblich ist, will man lieber alle, die es betrifft, im Dunkeln lassen – selbst den Studenten, der das Gutachten ins Rollen gebracht hat.“
https://vds-ev.de/mitteilungen/geheimniskraemerei-um-gutachten-ist-einer-uni-unwuerdig/
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 10.12.2021 um 09.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47867

Neben dem Impfmuffel gibt es jetzt den Gender-Muffel. Eun Glück, daß sich Muffel nicht gendern läßt.
https://hessenschau.de/panorama/uni-gutachten-punktabzug-fuer-gender-muffel-zulaessig,uni-kassel-gendern-pruefungen-100.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2021 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47866

Ein Weg ohne Wiederkehr...

Wenn die Bundesregierung (nicht erst die neue) sich die Durchsetzung der Gendersprache zum Ziel setzt, ist diese Rechtsprechung nur folgerichtig. Bisher nur ein Gutachten, aber die Richtung ist klar.

Vergleichbar wäre die Beachtung religiöser Grundsätze, wenn die "Lehrenden" es für richtig halten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 10.12.2021 um 00.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47864

Rechtsgutachten bewertet die Vorgabe zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache in Prüfungen in bestimmten Fällen als zulässig

https://uni-kassel.de/uni/aktuelles/meldung/2021/12/9/stellungnahme-geschlechtergerechte-sprache
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.12.2021 um 20.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47850

Eben typisch fünfziger Jahre.

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=ahh-001%3A1955%3A59%3A%3A1017
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 08.12.2021 um 20.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47849

Schirmfrauschaft

https://demokratie.niedersachsen.de/startseite/news/pilotregion-digitale-jugendbeteiligung-202284.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2021 um 08.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47844

Protagonisten und Protagonistinnen (Nils Minkmar in der SZ 8.12.21)

Je komplexer die Wörter, um so lästiger das Gendern, was man besonders beim Vorlesen merkt. Auch der im Küchenradio voreingestellte DLF bereitet Verdruß durch die widrige Sprache. Überall soll es barrierefrei zugehen, nur hier nicht. Volksfeinde.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.12.2021 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47836

8 Frauen und 8 Männer hat Scholz in seinem Ministerkabinett. Das sei aber nur dann paritätisch, wenn man ihn selbst als Kanzler nicht mitzähle, melden verschiedene Medien.

Mein Gott, was ist nur aus uns geworden, daß jetzt schon eine halbe Person moniert wird, um die das weibliche Geschlecht angeblich im Nachteil ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.12.2021 um 20.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47835

Ich habe mich gefragt, ob die Auffassung von »Königinmutter« als »Königin« mit nachgestellter Apposition nicht zwingend voraussetzt, daß die betreffende Mutter zugleich Königin ist. Keine regierende vielleicht, denn der Fall, daß eine Königinmutter ihrem Sohn oder ihrer Tochter auf dem Thron folgt, dürfte kaum vorkommen, aber zumindest doch Königin im Sinne des entsprechenden Titels. Beatrix ist aber – eine Besonderheit der niederländischen Monarchie – seit ihrer Abdankung 2013 nicht mehr Königin, sondern wieder Prinzessin, und sie wird auch nicht mehr mit »Majestät« angeredet, sondern mit »Königliche Hoheit«. Niemand spricht mehr von ihr als der Königin (Máxima würde sich bedanken), sie ist Prinzessin Beatrix, in den Medien, im privaten Gespräch (nach anfänglicher Umgewöhnung). Das war etwa bei Queen Mum anders.

Nun lese ich aber im Grimm unter dem Stichwort »Königin«:

die mutter des königs heiszt, mit bei uns seltener anwendung der apposition, kurz königin mutter (SCHILLER 248b, der königin mutter in Denemark ELIS. CH. V. ORL. 232 Holl.), die verwitwete königin königin witwe, franz. reine mère und reine douairière, denen jenes nachgebildet scheint. denn die alte wendung für das erste war wol einfach die alte königin, wie noch das volk sagt. königin bedeutete nämlich bis ins 16. jh. oder länger königliche princessin

Die Duden-Definition »Mutter eines Königs, einer Königin« erscheint mir übrigens zu kurz gegriffen. Auch hier scheint mir die Erklärung im DWDS zumindest besser: »Mutter eines regierenden Königs, einer regierenden Königin«. Oder würde man die Mutter von Königin Máxima als »Königinmutter« bezeichnen? Wohl kaum.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.12.2021 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47834

Im DWDS stimmt die Aussprache: https://www.dwds.de/wb/Königinmutter
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2021 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47832

Zur Königinmutter noch ein Nachtrag: Unsere Wörterbücher geben Anfangsakzent an und sprechen es einem auf Wunsch auch so vor. Die Grammatiken schweigen sich über den Akzent dieses Typs von Zusammensetzung aus, stellen auch Königinmutter und Prinzregent zusammen, was meiner Ansicht nach ebenfalls irrig ist. Königinmutter hat einen zweiten, vielleicht sogar den stärkeren Akzent auf dem Zweitglied. Früher schrieb man Königin Mutter (wohl nach frz. reine mère) mit nachgestellter Apposition.
Nur in einem älteren Aussprache-Duden finde ich die Betonung richtig angegeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2021 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47831

Im Koalitionsvertrag sind übrigens nur Arbeitnehmer gegendert, nicht Arbeitgeber. Wir hatten ja schon früher beobachtet, daß Gendern als Auszeichnung edlerer Geschöpfe benutzt wird, also nicht zum Beispiel für Dauerausscheider oder – in Berichten über die USA – Republikaner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2021 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47830

Niederländische Königsmutter Beatrix positiv auf Corona getestet (stern.de)

Der "Stern" glaubt anscheinend, die Mutter eines Königs könne nicht Königinmutter sein. Das Kompositum wird nicht mehr richtig verstanden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.12.2021 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47829

Nur ein Beispiel für den falschen Gebrauch des Partizip Präsens: Arbeitslose sind Arbeiter, aber keine Arbeitenden; usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2021 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47826

Gleich auf der ersten Seite radebrecht die SZ von „Arbeitnehmenden“. Dann kommen dreimal „Arbeitnehmer“, und erst am Schluß „Chefinnen und Chefs“, „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Es wird immer peinlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2021 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47824

Die Werbung bestimmt das Bewußtein (Marx/Ickler).
Mit superschönen Frauen werden Handtaschen, Autos, Parfum beworben. Der irrationale Kunde fällt zuverlässig auf die Kontaktmagie herein, sonst würden die Unternehmen nicht soviel Geld dafür ausgeben. Die Werbung bestätigt auch Tag für Tag das Klischee der Geschlechterbeziehungen, das die offizielle Ideologie bekämpft. Frauen wollen keine Objekte der männlichen Begierde mehr sein, scheuen aber weder Arbeit noch Kosten, sich als Leckerbissen für Männer anzurichten. Ist das nun lustig oder traurig?

Man sagt, das kopernikanische Weltbild sei nicht wirklich in den Köpfen der Menschen verankert. Das macht aber keinen großen Unterschied im Alltag; die „Jagd des Lebens“ (Knecht Ruprecht) bleibt dieselbe, ob wir nun um die Sonne kreisen oder umgekehrt. Anders das Darwinsche Weltbild. Wenn wir uns als Vehikel für Gene betrachten, daher als Fortpflanzungsmaschinen, sehen wir manches gelassener. Es gibt aus biologischer Sicht nur Frauen und Männer, alles andere läuft so mit – kein Grund zur Aufregung. Biologisches Denken ist wirklich wünschenswert. Auf eine größere Bekanntheit oder gar Verinnerlichung der naturalistischen Verhaltensanalyse (Skinner) wage ich noch gar nicht zu hoffen, obwohl sie die natürliche Ergänzung wäre. Also wenn man aufhörte, sich über „Jenseits von Freiheit und Würde“ zu empören...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2021 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47817

Offenbar die bekannte neurotische Reaktion auf das Lautmuster er, oft zu beobachten.

Obwohl ich sonst die Übertragung medizinischer Ausdrücke vermeide, scheint es mir hier angemessen, von einer Neurose zu sprechen. Bekanntlich vermeiden es manche Menschen, auf Trennlinien zwischen Bodenplatten zu treten usw., und das nennt man durchaus unmetaphorisch Zwangsneurose. Am verbreitetsten ist wohl der Waschzwang, danach auch der Riegelkomplex. Die Krankheit bleibt von anderen meist unbemerkt.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.12.2021 um 10.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47816

Das Wort ist, wie ich gerade erkennen muß, mindestens 10 Jahre alt.
https://youtube.com/watch?v=2N970HpKJ_0

Hier Olaf Scholz:
https://twitter.com/ben_brechtken/status/1467396259434700800
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.12.2021 um 10.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47815

Olaf Scholz sagt lobend "Kinderkrankenschwesterin".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2021 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47814

Zum Beispiel in Indien, wo ich es in mehreren Familien selbst gesehen habe. Besonders wenn, wie in vielen Teilen der Welt noch üblich, die Frau in das (Eltern-)Haus des Mannes ziehen muß.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.12.2021 um 08.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47813

Welche Frau muß sich schikanieren lassen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2021 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47811

Selbstverständlich müssen alle Geschlechter gleichberechtigt sein. Das ist wahrscheinlich eine der größten historischen Umwälzungen. Es bricht einem ja das Herz, wenn man liest, wieviel weibliche Begabung sich nicht entfalten konnte, und geradezu unausstehlich ist es, wenn noch heute die Paschas zugucken, wenn die Frauen sich abrackern und zusätzlich schikaniert werden, wenn sie nur Töchter kriegen.

Gleichberechtigung kann nur bedeuten, daß jeder die gleiche Chance hat, seine Neigungen und Talente zu verwirklichen. Das ist das Gegenteil von Proporz, der vielmehr wieder eine Art von Bevormundung ist. Bei Chancengleichheit werden auf bestimmten Gebieten mehr Männer, auf anderen mehr Frauen zu finden sein. Na und?

Das Quotendenken, das auch die Regierungen immer mehr leitet, ist primitiv und ungerecht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.12.2021 um 08.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47810

Noch was Wichtiges vergessen:

Die "typische" Frau ist die junge Frau auf dem Höhepunkt sexueller Macht. Der typische Mann ist nicht mehr jung.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.12.2021 um 08.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47808

An der Aldi-Karottenfamilie – an der einige Anstoß nahmen, weil sie nicht divers genug ist – sieht man, daß das Männliche keiner besonderen Attribute bedarf. Es ist sozusagen generisch.
https://horizont.net/news/media/36/Aldi-Kai-Karotte-2021-357239.jpeg

Auch das asexuelle Strichmännchen ist eher männlich als weiblich. Gesteigerte Männlichkeit gibt sich nicht unmittelbar zu erkennen, sondern ergibt sich eher aus dem Handeln, braucht sozusagen mehr Zeit.

Ähnliches sieht man bei Social-Media-Accounts. Weibliche Teilnehmer geben sich gern weibliche Nutzernamen und Profilbilder, legen Wert darauf, als Frauen wahrgenommen und entsprechend behandelt zu werden. Hinter nichtmenschlichen Selbstdarstellungen verbergen sich eher Männer.

Interessant auch das Umgangsprachliche:
Mann: Typ
Frau: Tussi

Die Farbe knallrot ist für Männer unakzeptabel, außer bei Sportlern und Künstlern, was man als Relikt vergangene Zeiten betrachten könnte. Für Frauen ist die Farbe unverfänglich, besonders beliebt die Pastellvariante (aus Gründen).

Herrschaftsattribute haben ausgedient. Diamanten und aufwendige Kleider sind Frauensache.

Gender-Feministinnen beschweren sich ja gern darüber, daß wir Männer "die Norm" und Frauen nur die Abweichung sind. Die Welt sei zuerst eine männliche. Da ist, glaube ich, durchaus etwas Wahres dran. Der Denkfehler des Gender-Feminismus liegt nicht so sehr in dieser simplen Betrachtung. Er liegt mehr in daraus folgenden Bewertung.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 04.12.2021 um 23.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47805

Sprache gehört der Gesellschaft, und die möchte bekanntlich gendern.
https://tagblatt.ch/meinung/kommentare/wem-gehoert-die-sprache-der-kampf-gegen-den-genderstern-ld.2223518
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.12.2021 um 19.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47804

Petra Gerster, ZDF-Moderatorin, sagt im Interview des Mannheimer Morgen:
"Die rein männliche Pluralform für alle Geschlechter – das generische Maskulinum – hat nun eben auch ausgedient."
(MM, 30.11.2021, S. 28)

Dabei verwendet sie selbst in ebendiesem Interview mehrfach das generische Maskulinum.
Nun gut, geschenkt seien ihr die Wörter Zigeuner und Krüppel, da sie sie gewissermaßen nur zitierend aus einer früheren Zeit verwendet. Aber dann erzählt sie auch, was die alten Römer schon wußten, als ob es nicht auch alte Römerinnen gegeben hat, und sie erzählt von der Verfolgung der Juden, als ob Jüdinnen nicht ebenso darunter gelitten haben.
Und daß der MM-Interviewer in einer Frage an sie nur von den "Anhängern der Identitätspolitik" spricht, bemerkt sie auch nicht.

Schließlich sagt sie laut MM noch in bezug aufs Zigeunerschnitzel: "Nur muss der- oder diejenige sich dann halt sagen lassen, dass er oder sie ein ungehobelter und beleidigender Mensch ist."

Sie bringt also gleich selbst zwei Beispiele dafür, daß das generische Maskulinum (hier wären es "derjenige" und "er") nicht unbedingt etwas mit dem Plural zu tun hat, wie sie vorher behauptet. Es ereifern sich doch immer wieder Leute, die in Wirklichkeit von Sprache nicht viel Ahnung haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2021 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47801

Künftige Familienministerin wünscht sich einheitliche Gender-Sprache für Ampel

Wie vorausgesagt: Das Familienministerium ist der Hebel. Der Anfang ist längst gemacht, daher ist mit Widerstand nicht zu rechnen. Im Gegenteil: der Protest der AfD wird als Bestätigung genutzt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2021 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47787

Die neue Regierung „will den umstrittenen Paragrafen im Strafgesetzbuch abschaffen, der es Ärztinnen verbot, über die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs in ihrer Praxis auch nur zu informieren“. (SZ 2.12.21)

Gerade im Zusammenhang mit Abtreibung ist es nicht ganz abwegig, zunächst nur an weibliche Personen zu denken, bevor man die Albernheit durchschaut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2021 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47770

Wenn eine Frau aufsteigt, scheint es im Rückblick ein ständiger Kampf gegen Männer gewesen zu sein. Wenn ein Mann aufsteigt, war es das gleiche, ist aber nicht der Rede wert, weil es sich von selbst versteht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2021 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47758

Politikerinnen und Politiker
Ärztinnen und Pflegende
Intensivpatienten
Lehrende und Lernende


So schreibt die hochgeschätzte Christina Berndt in der heutigen SZ. Von allem etwas. Aber ein Dauerzustand ist das nicht, keine Sprache der Welt kann es dulden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2021 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47714

Heute morgen in den News: Ein prominentes, mir allerdings bisher unbekanntes Paar, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, bekommt bald Zwillinge. Ich soll ankreuzen, ob ich mit zwei Jungen, zwei Mädchen oder einem Jungen und einem Mädchen rechne.

Dieser Verstoß gegen die Gleichstellung wird wohl von der neuen Regierung nicht mehr geduldet werden. Eines der Kinder oder beide könnten ja divers sein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.11.2021 um 14.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47712

In der Sondersprache der Politik ist das Gendern mit Beidnennung ja seit vielen Jahren Standard, und zwar bei sämtlichen Parteien außer der AfD. Der aktuelle Koalitionsvertrag schreibt diese Praxis nur fort. Er enthält, bezogen auf den Textumfang, sogar deutlich weniger Doppelformen als die Koalitionsverträge von 2018, 2013 und 2009, während neuere Formen wie die Wechselnennung von weiblich und männlich (Ärztinnen und Pfleger) kaum vorkommen.

Ich denke auch, daß sich Gendersternchen & Co. in der Politik nicht allgemein durchsetzen werden, selbst nicht bei den Grünen, abgesehen vielleicht von offiziellen Parteidokumenten. Auf den nachgeordneten Ebenen der öffentlichen Verwaltung und bei den Hochschulen bin ich mir da aber nicht so sicher. Dort werden sie sich voraussichtlich noch am längsten halten. Bei den privaten Unternehmen ist das Bild sehr uneinheitlich. Einige preschen opportunistisch vor, andere warten ab. Ich rechne damit, daß viele Unternehmen, die jetzt glauben, dem vermeintlichen Zeitgeist (in Wirklichkeit ist ja die große Mehrheit dagegen) nachrennen zu müssen, über kurz oder lang zumindest zu einer grammatisch korrekten Sprache zurückkehren werden.

Das generische Maskulinum ist derweil nicht so schnell totzukriegen. Die allermeisten gegenderten Texte enthalten im Moment ja ein buntes Durcheinander von Formen, und darunter ist fast immer auch das generische Maskulinum, das mit jeder Verwendung neu bestätigt wird. Mit der penetranten Beidnennung sollen die Sprachteilhaber dazu gebracht werden, sich unter »Touristen« nur noch Männer vorzustellen. Dieser Plan kann theoretisch innerhalb weniger Jahrzehnte aufgehen, wenn man die Kinder während des Spracherwerbs konsequent darauf trimmt. Die große Mehrheit der Eltern lehnt das aber ab oder läßt es an der nötigen Konsequenz fehlen. Und die Möglichkeiten der Schule sind begrenzt, wenn die Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem gar nicht oder nur punktuell gegendert wird. Eher schon werden sie die Gendersprache als eine Art Sozio- bzw. Situalekt erlernen und immer dann anwenden, wenn es gesellschaftlich gefordert ist. Die große Frage bleibt, in wie vielen Bereichen und Situationen dies künftig der Fall sein wird.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.11.2021 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47709

Tja, Pusch und Co. haben ein Problem erfunden, dessen Lösung sich selbst nötig macht, indem sie es entstehen läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2021 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47708

Das Gendern wird sich wohl auf die Beidnennung einpendeln. Das macht die Texte zwar pedantischer und schwerfällig (wie man besonders beim Vorlesen merkt), aber es ist aus linguistischer Sicht die harmloseste Variante, weil es lediglich eine seit je genutzte Möglichkeit weiter ausdehnt und nicht gegen grammatische oder orthographische Grundregeln verstößt. Ein Musterbeispiel ist der plump dahinrumpelnde Koalitionsvertrag. Vielleicht wird es nach längerer Zeit eine andere Lösung geben, die die Schwerfälligkeit wieder wegkürzt, aber das ist noch nicht abzusehen. Einstweilen gilt die Maxime, daß kein Preis zu hoch ist für die Herstellung von Politischer Korrektheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2021 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47706

Die Koalition führt sehr breit aus, was sie nach der Pandemie tun will, aber für die Bekämpfung der Seuche selbst hat sie weniger Zeilen übrig als für das Zählen der Wölfe.

Übrigens: "Wölfe zählen" wäre viel zu einfach, man sagt: „die Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe realitätsgetreu abbilden“.

Wölfe sehen gut aus und können auch beißen, aber tausendmal wichtiger sind die Regenwürmer.

Die deutsche Raumfahrt (gibt es die?) soll die Mülltrennung auf den Weltraum ausdehnen: "Vermeidung und Bergung von Weltraumschrott". Vielleicht nehmen die Astronauten in Zukunft gelbe Säcke mit. In Wirklichkeit sinnt die Raumfahrtindustrie schon lange darüber nach, wie sie den Schrott vermeiden kann, der ihr allmählich das eigene Geschäft unmöglich macht.
(In diesem Absatz fehlt die Forderung nach mehr Pilotinnen und Astronautinnen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2021 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47705

Die feministische Außenpolitik wird wohl Papier bleiben. Das Durchgendern der Gesellschaft dürfte das Familienministerium als Hebel ansetzen. Der Wille zur Unterwerfung ist besonders in den Medien weit verbreitet. Der Testfall Rechtschreibreform hat ja auch geklappt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2021 um 08.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47704

Unser Ziel ist es, das Zusammenleben von Weidetieren, Mensch und Wolf so gut zu gestalten, dass trotz noch steigender Wolfspopulation möglichst wenige Konflikte auftreten. Wir werden mit allen in diesen Fragen befassten Organisationen und Verbänden einen institutionalisierten Dialog „Weidetierhaltung und Wolf“ einrichten. Wir werden durch eine Überarbeitung der Monitoringstandards die Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe realitätsgetreu abbilden und wollen den Ländern europarechtskonform ein regional differenziertes Bestandsmanagement ermöglichen. (Koalitionsvertrag)

Und die Wölfinnen?

Aber mal im Ernst: Hat es je ein Regierungsprogramm gegeben, das sich die Zählung der Wölfe zum Ziel setzte? Vielleicht müssen wir "Modernisierung" neu interpretieren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2021 um 08.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47703

Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir im Sinne einer Feminist Foreign Policy Rechte, Ressourcen und Repräsentanz von Frauen und Mädchen weltweit stärken und gesellschaftliche Diversität fördern. (Koalitionsvertrag)

Wie gut, daß man es nicht auf deutsch sagen muß! Allerdings ist es nicht besonders dringlich, die Beziehungen zu Schweden und ähnlichen Staaten aufzubessern. Auf Frau Baerbock warten ganz andere Aufgaben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.11.2021 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47695

zu "haushalteerisch":
zusätzliche haushälterische Spielräume
gibt es auch.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.11.2021 um 22.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47693

Es gibt natürlich wie immer auch in diesem Vertrag Genderlücken, d.h. das generische Maskulinum haben sie auch hier nicht totgekriegt:

Würde des Einzelnen, Partner, Hersteller, Arbeitgeber, Garanten, Akteure, Kapitalgeber, Betreiber, Nutzer, Anbieter, Entwickler, Beitragszahler, Spätaussiedler, EU-Bürger, Patientenlotsen, Verfahrenslotsen, Makler, Verwalter, Senioren, Händler
(keine Garantie auf Vollständigkeit, einige davon kommen außerdem auch in Paarformeln vor)

Besonders schön die Terroristen und Terroristen, daneben noch ein Kommafehler:
Die weit überwiegende Zahl der Waffenbesitzerinnen und -besitzer ist rechtstreu. Terroristen und Terroristen sowie Extremistinnen und Extremisten gilt es, konsequent zu entwaffnen.

Und Gendern ist natürlich viel wichtiger als Grammatik:
Den Europäischen Auswärtigen Dienst gilt es zu reformieren und zu stärken, einschließlich der Rolle der Hohen Vertreterin bzw. des Hohen Vertreters als echte "EU-Außenministerin" bzw. echtem "EU-Außenminister".
Was denn nun, Nominativ oder Dativ, oder nicht doch lieber Genitiv?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.11.2021 um 21.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47692

Kardinal*innen und Päbst*innen darf es ja nicht geben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2021 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47691

Da sind Sie mir nun zuvorgekommen, Herr Schardt. Die Suche nach »innen und« ergibt 108 Treffer. Beim 109. Treffer handelt es sich um das Ressort des Innenministeriums: »Die SPD stellt die Leitung folgender Ministerien: Innen und Heimat […]«.

Einige Leckerbissen:
- Anglerinnen und Angler (wie viele Anglerinnen gibt es eigentlich oder sollte es nach dem Willen der Koalitionäre geben?)
- Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (wer um alles in der Welt denkt bei »Zeitzeugen« nur an Männer??)
- Whistleblowerinnen und Whistleblower
- Imaminnen und Imame
- Zivilgesellschaften – insbesondere Journalistinnen, Aktivisten, Wissenschaftlerinnen und andere Menschenrechtsverteidiger – sind unverzichtbar für den Aufbau und Erhalt funktionierender Gemeinwesen.
- haushalteerisch (hübsch)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.11.2021 um 16.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47690

Der Koalitionsvertrag ist erwartungsgemäß komplett mit Doppelnennungen durchgegendert, an mindestens einer Stelle auch mit Wechselnennung. Nur wenige Ausreißer wie "Arbeitgeber".

"Jede und Jeder hat die gleichen Rechte, ..." Das hat gleich zwei Macken:
1. die falsche Großschreibung bei "Jeder".
2. "Jeder" ist Singular, "Jede" auch, aber wenn man die beiden mit "und" verbindet, haben wir ja Plural und es müßte lauten: "Jede und jeder haben die gleichen Rechte...".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2021 um 02.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47687

Neulich habe ich bei einem Händler im Westerwald ein Käsemesser bestellt. Der Pappkarton, in dem das gute Stück transportiert wurde, war mit Zeitungspapier ausgepolstert. Die Lektüre der lokalen Stellenanzeigen ist erhellend.

Aus einem Inserat der Evangelischen Kirchengemeinden Kirchen und Freusburg:

Jugendleiter/in (m/w/d)
Regelmäßige Mitarbeit in der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden
Konfirmandenunterricht
Konfirmandenfreizeiten
mit einem Abschluss als Gemeindepädagog*in, Diakon*in, Religionspädagog*in
Sozialpädagog*in oder Erzieher*in

Auch hübsch: Planung und Durchführung von Angeboten für Kinder- und Jugendliche

Die Jonas Schaltanlagenbau GmbH versucht es mit lockeren Sprüchen:

DU hast alles im Griff und keine Angst vor einer neuen Herausforderung!
DU bist Elektrohandwerker oder Schaltanlagenbauer.
Dann kannst DU uns mal…
Deine Bewerbung schicken!

Hinter Elektrohandwerker und Schaltanlagenbauer ist etwas erkennbar, was zunächst wie ein winziger Farbklecks anmutet. Wenn ich meine stärkste Lesebrille aufsetze und das Gebilde zusätzlich mit dem Zoom meiner Handykamera vergrößere, lese ich: (m/w/d).
Ins Auge springt dagegen der reißerische Titel in überdimensionierten Großbuchstaben:
POWER
MANAGER

Ein Artikel soll Lust auf den Beruf des Fachverkäufers machen. In dem Text wird durchgängig, insgesamt siebenmal (!), von Fachverkäufer/innen gesprochen. Darüber prangt in riesigen Lettern die Überschrift: Der Kunde ist König.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2021 um 00.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47686

Vielleicht ist diese Schreibung authentischer als die »richtige« …
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 23.11.2021 um 23.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47685

Phishing-Mails, mit denen Internet-Ganoven auf der Jagd nach Kontozugängen sind, waren ja lange Zeit richtig plump. Eingestreute kyrillische Buchstaben, miserable Rechtschreibung und absurde Formulierungen entlarvten die Täuschung umgehend.
Dann wurden sie aber immer ausgefeilter, so daß auch der Kenner mittlerweile genau hinschauen muß, bevor er die Mail in den Orkus befördert.

Nun möchten sie anscheinend eine neue Stufe der Authentizität erklimmen und fangen an, zu gendern.
Ich würde sagen, mißglückt:

Verehrter Kunde*in, ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2021 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47668

Verkäufer (m/w/d) gesucht

Die Formel erkennt das generische Maskulinum gleich doppelt an: erstens durch die Wahl der maskulinen Stammform, zweitens durch die Explikation, daß sie alle Geschlechter umfaßt. Wenn das aber so ist – wozu dann die ganze Verklausulierung?

Spätere Philologen werden historische Texte nach dieser Epochensignatur datieren können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2021 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47606

Der Corona-Aufruf der 35 Wissenschaftler ist schlecht formuliert und schwächt seine Wirkung zusätzlich durch kapriziösen Umgang mit dem Genus/Sexus; er will alles gleichzeitig:

Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger
Verantwortungsträger
Fachexpert*innen
Patientenzahlen
Bürger*innen
Bürgerinnen und Bürger
Wissenschaftler*innen
Intensivpatienten

 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.11.2021 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47577

Ich meine, die flüchtige Andeutung eines kessen Backfischlächelns bei Göring-Eckardt gesehen zu haben. Immerhin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2021 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47576

Beim Gendern setzt der Verstand aus.

Hat wenigstens jemand gelacht?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.11.2021 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47575

„Ich glaube, wir werden nicht umhinkommen, werden diesem Ganzen nicht Herr und Frau werden, wenn es uns nicht gelingt, die Älteren ein drittes Mal zu impfen …“ (Katrin Göring-Eckardt gestern abend im Interview)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2021 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47543

Ich vermute, daß es mit der Freiwilligkeit des Genderns bald vorbei sein wird. Auch die Ampel wird, wie es aussieht, eher eine Genderpflicht als eine Impfpflicht einführen. (Danke, Herr Lindner!)

Die Gleichstellungsbeauftragten wissen, daß Landesregierungen, besonders rot-grüne, der Locus minoris resistentiae sind. Schon jetzt herrscht weithin ein Gruppendruck, besonders unter Akademikern, die gewohnheitsmäßig der Faszination durch „Theorie“ erliegen und daher der feministischen Ideologie viel abgewinnen können. Geschlecht als gesellschaftliches Konstrukt – das macht uns Intellektuelle noch viel wichtiger.

Übrigens fällt wieder auf, daß die Gleichstellungsbeauftragten sich überproportional auf die Schriften homosexueller Autoren und Autorinnen stützen. Gegenargumente werden oft als „biologistisch“ abgefertigt. Sex ist biologistisch, Gender ist das Wahre. Die Allgegenwart von Werbung und Pornographie bezeugt zwar das Gegenteil, aber das muß man ja nicht zur Kenntnis nehmen. Credo quia absurdum – welche Wonne!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 09.11.2021 um 17.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47538

Aufstand der Mietenden

https://derstandard.at/story/2000130973078/wohnungspolitik-aufstand-der-mietenden
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.11.2021 um 00.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47528

Besonders schön: tote Radfahrende
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2021 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47526

Hier findet man das ideologisch korrekte Dokument der Landeskonferenz:

https://lakog-bw.de/wp-content/uploads/LaKoG-Empfehlung-Geschlechtergerechte-Sprache-2021.pdf

"Nicht verpflichtend"? Noch nicht, aber das kommt schon noch. Und außerdem sind Akademiker erfahrungsgemäß immer gern zu Diensten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2021 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47525

Das Genderwörterbuch ist Zeile für Zeile ein Dokument haarsträubender Dummheit.

Mutter – Elternteil
Lehrerberuf – Lehrberuf
(schon besetzt, aber das weiß die Verfasserin nicht)
Mädchen für alles – Mensch für alles
Nonne – Ordensperson

(Das ist ja eine Einladung zur Promiskuität in Klöstern... Sollte man hier nicht die Kirche fragen?)
Milchmädchenrechnung – Trugschluss; Irrtum; falsche Erwartung; Fehlschluss; Illusion
(Warum muß „Milchmädchenrechnung“ überhaupt geändert werden? Lautet der Auftrag, die Kategorie Geschlecht völlig zu beseitigen? Personen werden dabei ja nicht geschont oder „sichtbar gemacht“.)
Opfer – [als Neutrum ist dieses Wort schon gendergerecht: DAS Opfer]
(Hier scheint es bei jemandem wegen -er geklickt zu haben, das Wörterbuch gibt sogar die Zurückweisung noch als eigenen Eintrag.)
Herrenfahrrad – Diamantrahmenfahrrad
Ingenieurberuf – Ingenieursberuf
(?)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 08.11.2021 um 09.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47523

Die Gleichstellungsbeauftragten geben die Richtlinien vor. Was kann da schon schiefgehen?

An den Hochschulen in Baden-Württemberg soll eine geschlechtergerechte Sprache Einzug halten. Dazu hat die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an den wissenschaftlichen Hochschulen Leitlinien verabschiedet. "Sprache erzeugt Bilder im Kopf, und wir wollen diese Bilder so divers wie möglich halten, damit unsere Handlungen dieser Vielfalt gerecht werden", sagte die Sprecherin der Landeskonferenz, Birgid Langer, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Hochschulen sollen sich in ihrer internen und externen Kommunikation an den kürzlich verabschiedeten Empfehlungen orientieren. Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Studierenden sind die Vorschläge nicht verpflichtend.
https://swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/gender-sprache-an-hochschulen-100.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 08.11.2021 um 01.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47521

Der Drachenlord ...

(das ist der hier: https://spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/der-fall-drachenlord-ein-jahrelanges-martyrium-in-deutschland-und-niemand-haelt-es-auf-kolumne-a-91b94ce3-ab01-4ac1-9286-d85bea144928)

... wird jetzt gegendert:

"herrschende Drachenperson" (www.geschicktgendern.de)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2021 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47517

Ohne Rücksicht auf Verluste. Kein Preis ist zu hoch für die Durchsetzung des rechten Glaubens. Man muß immer wieder an Luise Pusch erinnern: "Die hier vorgeschlagene Umstrukturierung tut dem deutschen Sprachsy­stem nicht mehr Gewalt an als dieses System uns Frauen antut."
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.11.2021 um 00.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47515

Wer nicht gendert, hat den Vorteil, erzählen zu können, was Menschen tun. Wer gendert, muß jedesmal deutlich machen, daß die Menschen, von denen er erzählt, verschiedenen Geschlechts sind oder sein könnten, auch wenn es, wie meist, überhaupt nichts zur Sache tut.

Ich zitiere Auszüge eines Textes der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz (https://www.fraenkische-schweiz.com/de/erleben/sehenswert/sehenswert.html):

Entdecker aufgepasst! In kaum einer anderen deutschen Ferienregion gibt es so viel zu sehen wie in der Fränkischen Schweiz […].

Besucher der Fränkischen Schweiz erleben zwischen Burgen, Ruinen und Tropfsteinhöhlen eine einzigartige Reise in die Vergangenheit. […] In historischen Zügen erleben Gäste auf ihrer Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft des Wiesenttals Technik und Geschichte hautnah.

Wissen Sie eigentlich, was Osterbrunnen oder Tanzlinden sind? Die Bewohner der Fränkischen Schweiz informieren Sie gerne über regionales Brauchtum.«

Und hier ein Text aus der wundersamen Welt der Genderer. Es handelt sich wohlgemerkt um wichtige Informationen einer deutschen Landesregierung zur Coronapandemie für ein breites Publikum (https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/meldung/pid/corona-beschraenkungen-fuer-geimpfte-und-genesene-werden-weitgehend-aufgehoben-1/):

Anbieterinnen/Anbieter, Veranstalterinnen/Veranstalter, Betreiberinnen/Betreiber und Dienstleisterinnen/Dienstleister sind generell verpflichtet, ein Hygienekonzept zu erstellen und die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher bzw. Kundinnen und Kunden zu erfassen.

Das konsequente Durchgendern ist den Verfassern eine Aufblähung des Textes um über 50 Prozent wert. Die gebetsmühlenartige Wiederholung der Banalität, daß Veranstalter, Kunden usw. Männer oder Frauen sein können, läßt die eigentliche Aussage völlig verblassen, ja sie geht fast unter. Die Erfassung des Sinns dieses ohnehin nicht gerade leichtfüßigen Satzes wird so zusätzlich erschwert.

Bei der Lektüre kommt bei mir an (und soll wohl auch ankommen):

Frauen und Männer, die etwas anbieten, Frauen und Männer, die etwas veranstalten, Frauen und Männer, die etwas betreiben, und Frauen und Männer, die eine Dienstleistung erbringen, sind generell verpflichtet, ein Hygienekonzept zu erstellen und die Kontaktdaten der Frauen und Männer zu erfassen, die die Veranstaltungen oder Etablissements besuchen bzw. die Dienstleistungen kaufen.

Hier zum Vergleich der Text in normalem Deutsch:

Anbieter, Veranstalter, Betreiber und Dienstleister sind generell verpflichtet, ein Hygienekonzept zu erstellen und die Kontaktdaten der Besucher bzw. Kunden zu erfassen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.11.2021 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47514

Als einstiger Arnsberger habe ich die Auszüge aus dem Newsletter der Firma Graefe mit besonderem Vergnügen gelesen. Da Arnsberg (die Perle des Sauerlandes) im schönsten Westfalen liegt, hilft es, bei den zitierten Stellen an Jürgen von Manger zu denken, dann gehen sie wirklich zu Herzen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.11.2021 um 00.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47512

Die Firma Graef aus Arnsberg schickt mir den ersten Newsletter. Schon die Anrede läßt mich aufmerken: »Liebe(r) GRAEF Freund(in)«. Was die fetten Buchstaben sollen, weiß ich nicht, vielleicht sollen sie mein Herz anrühren. Und solche Klammerkonstruktionen kenne ich aus amtlichen Formularen; in Produktwerbung eines privaten Unternehmens wirken sie auf mich besonders unbeholfen. Leider wird es dann aber nicht besser. Im Text selbst werde ich plötzlich geduzt. Das finde ich zwar unangemessen, und ich bezweifle auch, daß sich die Zielgruppe damit mehrheitlich richtig angesprochen fühlt, aber sei’s drum. Ich halte noch ein wenig durch, kämpfe mich durch Sätze wie »Nachhaltigkeit is Key!«, »Mehr denn je liegt der Fokus beim Konsum auf einem achtsamen Genuss« und »Das gilt übrigens auch für Filterkaffee, der durch frisch gemahlene Bohnen ein echtes Upgrade erfährt«, aber der gute Wille ist aufgebraucht, als ich lese: »Du bist selbst passionierte:r Kaffeetrinker:in oder auf der Suche nach einem tollen Weihnachtsgeschenk?« Nein, eigentlich nicht. Vielleicht hast du, liebe(r) Verfasser:in des Newsletters, bei anderen Empfangenden mehr Erfolg.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.11.2021 um 21.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47511

Da ich es angekündigt habe, muß ich es wohl nachreichen.
https://youtube.com/watch?v=6ThI3fcR5k8
Naja, einmal hören reicht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 03.11.2021 um 12.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47495

Hallervorden demnächst mit Lied gegen Gendersprache. Junge Freiheit, die sich auf dpa-Meldung bezieht; sonst habe ich nichts dazu gefunden.
https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/dieter-hallervorden-veroeffentlicht-lied-gegen-gendersprech
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2021 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47475

Heute dürfen wir in Bayern schon wieder nicht tanzen oder sonstige Tätigkeiten von "fröhlichem" Charakter ausüben (Allerheiligen). Die Grünen wollen diesen Zopf abschneiden, dafür aber viele neue Zöpf:innen einführen. Da die anderen seriösen Parteien keinen Widerstand leisten werden, ist ein edler Wettbewerb zu erwarten: "Wer gendert mehr?"
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.10.2021 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47466

Auf Twitter meint ein Nutzer aus der Schweiz, die »Städterinnen und Städter« seien die neuen »Sündenböcke« (!) der SVP. Da ist die taz schon einen Schritt weiter: sie kennt außer »Sündenböcken« auch »Sündenziegen«. Wenn das mit der Farbe nicht so verteufelt knifflig wäre, könnte man auch gleich die »Schwarze Petra« in die Wunderkammer der Gendersprache aufnehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2021 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47450

Alan Posener pflegt (jetzt vor allem in der ZEIT) seine feministische Marotte, so daß seine Texte stellenweise wie lustige Selbstparodien wirken. Daß es dem Ernst der Sache schadet, scheint er nicht zu spüren.

Außerdem hat die SPD eine Deckelung der Sozialabgaben der Bürgerinnen bei 40 Prozent versprochen. (ZEIT 12.10.21)

Nein, das hat sie nicht versprochen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2021 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47445

Als wäre es nicht so, daß die meisten Whistleblowerinnen versuchen, Schaden von ihrem Arbeitgeber abzuhalten. (SZ 27.10.21)

Der Verfasser gibt zu verstehen, daß für ihn Maskulinum und Femininum genau dasselbe bedeuten. D. h. er kann kein Deutsch.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.10.2021 um 00.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47427

Ist mir auch aufgefallen. Wörtlich hat sie gesagt: »Doch Politik ist nur dann gut, wenn sie auch verständlich ist. Das ist auch ein großes Versprechen der Demokratie. Und das hat viel mit unserer Sprache zu tun. Verstecken wir uns nicht hinter einem komplizierten Fachjargon, hinter Meinungen von Expertinnen und Experten. Ich wünsche mir, daß wir schwierige juristische Fragen, mit denen wir es zu tun haben, in die Sprache übersetzen, die in unserem Land gesprochen und verstanden wird.« (Applaus des ganzen Hauses.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2021 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47425

Die neue Bundestagspräsidentin hat sich für eine verständlichere Sprache ausgesprochen. Mal sehen. Mit Gendern wird das nicht zu erreichen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2021 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47394

Man muß der Frau nicht glauben. Es geht ums Geschäft, und da versucht das Unternehmen irrtümlicherweise, sich – sogar "proaktiv", wie man den vorauseilenden Gehorsam heute nennt – an die Spitze des Zeitgeistes zu setzen, um jung und modern zu erscheinen. Grundlage ist eine gewisse Unkenntnis sprachlicher Tatsachen, sowohl systematischer als auch soziologischer. An dieser Bildungslücke trägt die Schule die Hauptschuld.
Die Betriebsamkeit der Frauenbeauftragten ("Diversitätsmanagerinnen" usw.) können sich der Staat und Großunternehmen leisten, die so manches mitschleppen, was eigentlich die Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigt. Bis schlankere Konkurrenten ohne solchen Ballast vorpreschen... Unnötige Pöstchen und klumpfüßige Kommunikation werden dann abgestoßen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.10.2021 um 01.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47393

Die WELT hat die »Diversitätsmanagerin« von Audi dazu befragt, wie die Einführung des Genderns in jenem Unternehmen so läuft, was das alles kostet und welche Ergebnisse damit bisher erzielt worden sind. Ich würde gern schreiben, daß es sich um Frau Wadé handelt, denn ich lese in dem Artikel, daß diese Person (bisher war »diese Person« eher ein Schimpfwort, aber das wird jetzt halt geändert) mit Vornamen Antonia heißt. Auf dem Foto sieht diese Person eindeutig wie eine Frau aus, aber ich will ihr nicht zu nahe treten, also verwende ich im folgenden, der Empfehlung dieser Person entsprechend, den Vor- und Nachnamen, ohne spekulative und genderunsensible Zusätze wie »Herr« oder »Frau«.

Gleich in der Antwort auf die erste Frage sagt Antonia Wadé: »In der schriftlichen externen Kommunikation mit Kunden (sic!) und Partnern (sic!) gendern wir konsequent. Es kann sein, dass mal eine Formulierung durchrutscht, aber das ist eher die Ausnahme.« Da ist dieser Person offenbar gleich zweimal hintereinander etwas durchgerutscht. Aber ein Interview mit der WELT, selbst wenn man davon ausgehen darf, daß die interviewte Person den Entwurf des Artikels gelesen und genehmigt hat, fällt wohl nicht unter »schriftliche externe Kommunikation«.

Das Credo der für die Spracherziehung zuständigen »Audianer_innen«, verrät sie uns wenig später, sei, »bisherige Formulierungen nicht einfach durch den Gender Gap zu ergänzen, sondern Texte anders aufzusetzen. Das schult auch den bewussten Umgang mit Sprache ganz allgemein.« Wir erinnern uns, auch die Rechtschreibreform hat, wenn sie denn sonst schon nichts Positives bewirkt haben mag, immerhin dafür gesorgt, daß alle mal wieder so richtig über Sprache nachgedacht haben! Auf die Bitte, ein Beispiel zu nennen, sagt Antonia Wadé: »Elegant (sic!) sind neutrale Formulierungen mit allumfassenden Begriffen: etwa „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“ oder „Führungskraft“ statt „Chef“.« Ein gedrechseltes Kunstwort wie »Mitarbeitende«, das von der übergroßen Mehrheit als bürokratisch und eher unbeholfen empfunden werden dürfte, wird aber nicht dadurch »elegant«, daß es eine Spur weniger sperrig erscheint als »Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter« oder »Mitarbeiter_innen«. Man sieht hier sehr schön, wie durch die künstliche Veränderung der Bezugsgröße kurzerhand die Bedeutung von Allerweltswörtern im Sinne einer Ideologie verschoben wird.

Audi betreibt einen ungeheuren Aufwand, auch finanziell, um die eigenen Mitarbeiter umzuerziehen. Das ficht Antonia Wadé nicht an: »Für uns geht es hier um eine Haltungsfrage, nicht um eine monetäre Bewertung.« Donnerwetter! So spricht nur jemand, der von ganz oben freie Hand bekommen hat. Noch ist die falsche Haltung im Unternehmen nicht verboten, denn offiziell beruht ja alles auf Freiwilligkeit. Aber wie lange noch?

Sogar die gesamte IT wird umprogrammiert, um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Die WELT fragt lapidar: »Ein IT-System neu zu programmieren dürfte allerdings äußerst teuer sein. Was erhoffen Sie sich davon?« Antonia Wadé: »Generell geht es uns darum, Sichtbarkeit für alle Geschlechter zu erzeugen, die mehr Chancengerechtigkeit zum Ziel hat. Eindeutig messen lassen sich entsprechende Erfolge aber kaum.« (!!)

Das bemerkenswerte Interview endet so:

»WELT: Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung genderneutrale Formulierungen ablehnt. Gibt Ihnen das zu denken?

Wadé: Genderneutrale Sprache gehört gerade bei der jungen Generation zum gängigen Sprachgebrauch. Als moderner Arbeitgeber ist es uns wichtig, den Blick nach vorne zu richten und als verantwortungsvolles Unternehmen wahrgenommen zu werden.«

Ach so!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.10.2021 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47392

Das Buch "Die Abgehobenen" (Untertitel "Wie die Eliten die Demokratie gefährden") von Michael Hartmann, erschienen 2018 im Campus Verlag, liest sich soweit vom Stil her recht flüssig, was wohl auch daran liegt, daß kaum gegendert wird.

Aber als ich es durch hatte, las ich die erste Anmerkung (die entsprechende Fußnote zu Beginn des Buches hatte ich übersehen):

1. Hier wie im gesamten Buch wird nur die männliche Form verwendet, weil es bei einem Anteil der Männer in den Eliten von ungefähr 90 Prozent der Realität weitgehend entspricht.

Sehr interessant! Ab welchem Prozentsatz von Frauen genau kann man sie denn vernachlässigen?

Er verwendet also nicht etwa das generische Maskulinum, sondern "die männliche Form".

Nun ist allerdings im gesamten Buch durchaus nicht nur von den Eliten die Rede, sondern auch von
Arbeitern, Bürgern, Wählern, Touristen, Schülern, Journalisten, Autoren, Rechtspopulisten, Empfängern von Hartz IV, ...,
d. h. es geht sehr wohl ohne Genderei quer durch die ganze Gesellschaft mit weit höherem als nur zehnprozentigem Frauenanteil!

Das gilt jedoch bis auf genau drei Seiten: Von Seite 49 bis 51 tummeln sich
Hochschulabsolventen und -absolventinnen, Kandidaten und Kandidatinnen, Absolventen und Absolventinnen, Bewerber und Bewerberinnen (2x), Kollegen und Kolleginnen, des Bewerbers bzw. der Bewerberin.
Sonst nirgends, obwohl solche Personengruppen noch öfters im Buch vorkommen. Man hat den Eindruck, diese drei Seiten seien von jemand anderem geschrieben worden.

Lediglich auf den neun Seiten 55 bis 63 kommt noch 13mal das Wort Studierende vor (Studenten gibt es nirgends), alle anderen o.g. Gruppen (z. B. Absolventen) sind auch dort wieder wie im gesamten sonstigen Buch nicht gegendert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2021 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47373

Von einer "Aktivistin", die auch Romane schreibt, darf man nicht erwarten, daß ihre flotten Berichte auch noch wahr sind. Es geht schließlich um Höheres.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 19.10.2021 um 04.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47371

Unsere Autorin bekam als Schülerin noch Punktabzug für das Gendern. Dass jetzt die rein männliche Form bestraft wird, weckt heimliche Freude

(...)

Wenn ich jetzt lese, dass manche Dozierende das generische Maskulinum in ihren Kursen mit Punktabzug bestrafen – ja, dann wünschte ich, ich könnte sagen: Nein, man sollte das Gendern nicht erzwingen! Aber mein 18-jähriges, mit Punktabzug bestraftes Ich klatscht dafür gerade einfach zu laut in die Hände, es hüpft, applaudiert und ruft: Ha! Endlich! Die Angst hat die Seite gewechselt.

https://freitag.de/autoren/elsa-koester/die-angst-hat-die-seite-gewechselt

Richtig glaubwürdig finde ich die Geschichte nicht. Vor 20 Jahren sagte man doch noch nicht "gendern".
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 19.10.2021 um 02.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47370

Es ist vor allem sehr gewählt und zugleich weltoffen. Der gemeine Pöbel weiß doch gar nicht, daß es solche Zeichen gibt und wie man sie herbeizaubert.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.10.2021 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47369

Aber meine Herren, das ist doch sehr kreativ! Ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Einführung des generischen Femininums. Das Trema dürfte von vielen gar nicht wahrgenommen, geschweige denn ausgesprochen werden. So werden wir auch den törichten Schluckauf wieder los.

Ich zitiere noch einmal Luise Pusch, die sich dem Thema bereits ähnlich phantasievoll genähert hatte:

Weitgehend ignoriert wird in der deutschen Sprache die Mehrheit, die Frauen nämlich. Die Intersexuellen und Nichtbinären sind eine Minderheit, aber natürlich hat auch sie ein Recht auf sprachliche Repräsentanz. Deshalb habe ich einen Kompromiss vorgeschlagen, etwa eine Fusion aus dem großen I und dem Gendersternchen, geschrieben als kleines i mit Sternchen anstelle des i-Tüpfelchens. Wichtig ist, dass der Genderstern das schöne Femininum nicht in drei Teile zerlegt, zerreißt, zerstückelt und die Frauen symbolisch an dritter Stelle stehen, nach den Männern und der Queer-Gruppe. Das ist nicht akzeptabel. Die Sprachgemeinschaft muss letztlich entscheiden, welche Form sich in der Praxis durchsetzt. Die Queer-Bewegung mit ihrem hohen Männeranteil hat jedenfalls sehr viel mehr Lobbypower gehabt als die Feminist:nnen und der Debatte viel Schwung verliehen. (spiegel.de, 6.3.21)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.10.2021 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47368

Wahnsinn!
Im Text kommen außerdem noch
Großverdienerïnnen,
Literatïnnen
Autorïnnen (ca. 15mal),
Nutzerïnnen,
Unterzeichnerïnnen
und schließlich sogar
die Gesetzgeberïn,
wobei es aber wohl dïe heißen sollte.

Und warum eigentlich nur
der Bundesrat
anstatt
dïe Bundesrätïn?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.10.2021 um 17.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47367

Liebe Leserïnnen
https://steadyhq.com/de/ennopark/posts/8101e357-fb34-425a-a41c-96ca7a39b77b
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2021 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47365

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nannte die Senkung der EEG-Umlage eine «sehr gute Nachricht» für die Umwelt, aber auch für Verbraucherinnen und Verbraucher. «Es ist in Zeiten steigender Preise für Kohle, Öl und Gas ein Glücksfall für Deutschland, dass wir die erneuerbaren Energien haben. Wind- und Sonnenkraft sind längst keine Preistreiber mehr, sondern Preisbremser.»

(Nanu? Sollte man hier nicht von Treiberinnen und Bremserinnen sprechen? Die Schulzin ist doch sonst sehr rigoros.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.10.2021 um 20.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47361

Na bitte, geht doch!

In einem Wasserkochertest lese ich: »Material innen: …«. Sie ahnen, was ich sagen will. Ich glaube, ich bin urlaubsreif!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.10.2021 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47358

Gallien besteht insgesamt aus drei Teilen, von denen die Belgerinnen und Belger einen bewohnen, die Aquitanierinnen und Aquitanier den zweiten und den dritten die in ihrer eigenen Sprache als Keltinnen und Kelten, in der unseren als Gallierinnen und Gallier bezeichneten. Sie alle unterscheiden sich voneinander in Sprache, Gebräuchen und Gesetzen. Der Fluß Garumna trennt die Gallierinnen und Gallier von den Aquitanierinnen und Aquitaniern, Matrona und Sequana trennen sie von den Belgerinnen und Belgern. Die Belgerinnen und Belger sind von allen die Härtesten, weil sie von der Lebensart und der Kultur der römischen Provinz am weitesten entfernt sind, Händlerinnen und Händler bei ihnen am seltensten ein- und ausgehen und mitbringen, was zur Verweichlichung des Charakters führt, und weil sie die nächsten Nachbarinnen und Nachbarn der Germaninnen und Germanen sind, die jenseits des Rhenum wohnen, und mit denen sie unentwegt Krieg führen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.10.2021 um 08.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47357

Es gibt Textsorten, da hilft nur noch "ens".

1. Die Spielvorbereitung
Jeder Spieler sucht sich eine Spielfigur aus. Bis zu 6 Spieler können mitspielen – mindestens braucht es jedoch Zwei. Die Spielfiguren werden auf das „Los“-Feld gestellt.

Die Gemeinschafts- und Ereigniskarten werden, verdeckt, auf die markierten Felder in der Mitte des Spielbretts gelegt.

Danach würfelt jeder Spieler einmal mit beiden Würfeln. Der Spieler mit der höchsten Würfelzahl beginnt, dann werden die Würfel im Uhrzeigersinn weitergereicht.

Ein Spieler muss die Funktion des Bankhalters übernehmen – also über die Ein- und Auszahlungen in die Bank wachen. Bei fünf Spielern kann der Bankhalter auch nur diese Funktion übernehmen und nicht am eigentlichen Spielgeschehen teilnehmen.


Die alternierende Beidnennung ist sicher ganz besonders progressiv. Aber gerade da müßte auffallen, daß man sich nie ernsthaft um die sprachliche "Repräsentation" des dritten Geschlechts gekümmert hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2021 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47354

Wenn zum Beispiel eine Ölspur auf der Straße festgestellt wird, lautet die Frage immer: Wer ist der Verursacher? Kommen Frauen gar nicht Frage? Ich finde das ungerecht.

Eine weitere und vielleicht die stärkste Bastion des Maskulinums sind Gerätebezeichnungen usw. Eine Fliehkraftreglerin gibt es nicht. Der Stamm des Nomen agentis ist zugleich die maskuline Form. Es gibt keinen Grund, warum dies bei Personenbezeichnungen anders sein sollte – außer wenn man das natürliche Geschlecht ausdrücklich hervorheben will. Die Genderer wollen, daß man eben dies IMMER tun muß, und das ist der Angriff einer "Community", wie es treffend heißt, auf die Gesellschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2021 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47353

In „Max Planck Forschung“ werden im selben Beitrag verschiedene Gendertechniken nebeneinander angewandt, außer Sternchen und Schrägstrich.
Eine davon ist die alternierende Beidnennung: Wüssten Ärztinnen, ob ein Patient... Überweist der Hausarzt die Patientin... Damit sind aber nicht alle genannt, sondern man könnte die Nennung allenfalls im Sinne von Beispielen verstehen. Zwischendurch überwiegen maskuline Formen, aber der Leser weiß nicht, ob er sie in der üblichen Weise generisch verstehen darf. Die Texte in diesem Gratis-Magazin sind seit längerer Zeit unangenehm zu lesen, weil die Ausdrucksweise nicht selbstverständlich geworden ist, sondern verkrampft und aufgesetzt wirkt. Die Forscher (Max-Planck-Forschenden) haben Besseres verdient als eine solche redaktionelle Bevormundung. Der Gegensatz zwischen erstklassiger Forschung und kriecherischer Anpassung der Pressestelle ist ein dauerhafter Makel.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.10.2021 um 22.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47352

Eines überrascht die Beraterin und Investorin Tijen Onaran immer wieder: Am Ende der von ihr veranstalteten Diversity-Workshops äußern sich die teilnehmenden Geschäftsführer und Top-Manager häufig erfreut, dass sie keine Gendersternchen gefordert, sondern vor allem die Vorteile von Vielfalt für das Unternehmen herausgearbeitet hat.
https://wiwo.de/27708724.html

Immerhin ist das Gendersternchen siebenmal beliebter als der Unterstrich:

In der Kommunikation innerhalb der eigenen Belegschaft halten nur sieben Prozent der deutschen Entscheider das Gendersternchen (Manager*innen) für geeignet, um alle Geschlechter anzusprechen. Das Binnen-I (ManagerInnen) befürworten nur fünf Prozent, den sogenannten Gender-Gap (Manger_innen) gerade einmal ein Prozent.

Ob es an den Strahlen liegt? (genderleicht.de sagt ja: Die Queercommunity wünscht sich die vorrangige Nutzung des Gendersterns. Seine vielen Strahlen stehen für die vielfältigen Formen der geschlechtlichen Vielfalt. Dem Doppelpunkt dagegen fehlt diese Symbolkraft.)

Es geht im Artikel auch um Diversity in Unternehmen. Manche Daten wie sexuelle Orientierung dürfen gar nicht erfragt werden. Dennoch:

Einzelne Unternehmen geben sich aber hierzulande durchaus selbst Quoten für Gruppen, die bislang im Arbeitsleben unterrepräsentiert sind. So hat die Unternehmensberatung BCG kürzlich angekündigt, den Anteil der Beschäftigten aus der „LGBTQ+"-Community zu erhöhen. Menschen, die lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell sind oder eine andere Geschlechtsidentität haben, sollen, so das Ziel, in Deutschland und Österreich bis zum Jahr 2025 mindestens 5 Prozent der Belegschaft ausmachen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.10.2021 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47351

Munske meint nicht nur die direkte Anrede. In einem früheren Artikel hat er die Agenturen für ihre neue Sprachregelung, die auf eine allmähliche Abschaffung des generischen Maskulinums hinausläuft, über den grünen Klee gelobt. Siehe auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46418. Er hat das klassische Paarformelgendern längst akzeptiert und kämpft nun (nur noch?) gegen das ungrammatische Knacklautgendern. Ob er das aus strategischen Überlegungen tut, weil er den Kampf gegen das klassische Gendern für verloren hält, oder ob er dieser Form des Genderns tatsächlich etwas abgewinnen kann, weiß ich nicht. Wenn er es aus Resignation tut, wäre das aus meiner Sicht zwar ein nachvollziehbares Motiv. Aber man muß sich klarmachen: Wenn nun auch ein öffentlich beachteter emeritierter Germanist wie er, also nicht nur die ideologisch getriebenen, opportunistischen oder phlegmatischen Nachwuchskräfte so argumentieren, ist der Ruf nach mehr Unterstützung aus der Sprachwissenschaft im Kampf gegen die Agitation für eine vermeintlich »geschlechtergerechte« Sprache wohl als hinfällig zu betrachten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.10.2021 um 15.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47350

Munske argumentiert etwas um die Ecke:

Ganz anders beim Gendern. Diese Zeichen werden jetzt gegen alle Regeln der normierten Rechtschreibung im Wortinneren eingesetzt als Bürger*innen, Bürger:innen oder Bürger_innen – und zwar bei allen Personenbezeichnungen. Auf diese Weise soll systematisch das generische Maskulinum, die neutrale geschlechtsunspezifische Form Bürger, ersetzt werden. Diese Zeichen sollen jetzt eine ideologische Botschaft vermitteln, die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Sprache.

Dies geschieht nicht nur mit den drei Sonderzeichen, sondern auch durch einen Trick: die Pluralendung -innen, die ja im System der deutschen Wortbildung weiblichen Personen vorbehalten ist, soll jetzt generisch, also für beide Geschlechter, verwendet werden. Stern, Doppelpunkt oder Unterstrich sind die Signale dieser grammatischen Umpolung. Diese besondere Funktion, der Verwendungszwang für alle Personenbezeichnungen und die Position der Zeichen im Wortinneren – das sind die Merkmale dieser Form des Genderns. Mit der vertrauten Rechtschreibung hat dies nichts gemein.

Die Konstruktion einer neuen generischen Form hat aber weitere einschneidende Folgen für einen zentralen Bereich der deutschen Grammatik: die Kongruenz in Numerus und Genus, welche zwischen Artikeln, Pronomen und Adjektiven und ihrem Bezugssubstantiv besteht. Dazu nur ein einfaches Beispiel. Der bekannte Satz aus der Pharmaziewerbung „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“ ist gendermäßig so umzuformen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren/Ihre Ärzt*in oder Apotheker*in“.

Daß das Pluralsuffix -innen jetzt generisch zu verstehen ist, scheint mir nicht so klar. Eigentlich sehen wir nur eine modernisierte Fortführung älterer Behelfslösungen mit Schrägstrich oder Klammern. Zwar haben die neuen Genderformen oft den Charakter eines generischen Femiinums. Aber nur dann, wenn man sagt: „Fragen Sie Ihre Ärzt*in oder Apotheker*in“.

Zweierlei lässt auf das Bessere hoffen: einerseits der wachsende Widerspruch aus dem konservativen politischen Lager, andererseits die zunehmende Praxis des gemäßigten Genderns, liebe Bürgerinnen und Bürger.

Hier ist nicht klar, ob Munske nur die direkte Anrede meint. Nehmen diese Doppel-Anreden überhaupt zu? Sie werden doch schon lange gebraucht, aber nur in sehr formaler (unfreier) Rede. So machen es dagegen Kinder:
https://youtube.com/watch?v=k7j-CceRTI8&t=5m16s
"Tschüs, liebe Zuschauer!" (5:16)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.10.2021 um 08.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47349

Von Horst Haider Munske erschien gestern in der "Welt" (Bezahlschranke) ein Artikel überschrieben mit "Die entscheidende Parallele zwischen Rechtschreibreform und Gendern".
Er weist darin auf die zwangsweise Einführung einer von einer kleinen Gruppe gewünschten Sprachänderung hin. Bei der Rechtschreibreform hatte dieses Vorgehen Erfolg (Erfolg im Sinne von Durchsetzung), beim Gendern beobachten wir gerade, wie der Zwang losgeht.

Der Artikel endet mit folgendem Absatz:
"Zweierlei lässt auf das Bessere hoffen: einerseits der wachsende Widerspruch aus dem konservativen politischen Lager, andererseits die zunehmende Praxis des gemäßigten Genderns, liebe Bürgerinnen und Bürger. Das allein ist geschlechtergerecht und sprachgerecht."

Seltsam, daß ausgerechnet er als Germanist nicht erkennt, daß die Doppelnennung – die sich ja bereits seit dreißig Jahren verbreitet – das Grundübel ist, indem sie ja mit stetigem Tropfen für die Aushöhlung des generischen Maskulinums sorgt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.10.2021 um 12.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47328

Gerade kam diese Email herein:
Liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Organistinnen und Organisten,
vielleicht kennen Sie noch Sängerinnen und Sänger oder Organistinnen und Organisten, die eventuell an unserem Kirchenmusiktag teilnehmen möchten. Gerne die Anmeldungen der Interessentinnen und Interessenten per Mail an mich.


Fabian Payr hat in seinem gerade erschienenen Gendersprachen-Buch ein Kapitel mit Der Schrecken der Konsequenz überschrieben und fragt darin "Wo hören wir auf?".

Das ist es halt, es gibt eben kein natürliches Ende der Umstellerei. Wenn man erst einmal angefangen hat, das generische Maskulinum zu delegitimieren, dann gibt es auch kein Halten und man muß die Sache durchziehen.

Wie kurz und elegant wäre die Botschaft doch formulierbar:

Liebe Sänger und Organisten,
vielleicht kennen Sie noch Gleichgesinnte, die eventuell an unserem Kirchenmusiktag teilnehmen möchten. Gerne die Anmeldungen per Mail an mich.

 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.10.2021 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47321

Die heutige Tagesschau berichtete über den Großen Zapfenstreich zur Ehrung der "Soldatinnen und Soldaten" des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr und über das Gedenken an die 59 "Soldaten", die diesen mit ihrem Leben bezahlten.

Hätte man die Toten auch als "Soldatinnen und Soldaten" bezeichnet, es wäre falsch gewesen, denn es sind tatsächlich nur Männer.
Aber auch die ausdrückliche Hervorhebung, daß es ausschließlich "Soldaten" waren, die umgekommen sind, ist irgendwie seltsam peinlich bis fast makaber. Das Geschlecht hat in einem solchen Zusammenhang einfach nichts verloren. Merkt man das in der Tagesschauredaktion nicht, oder geht die Genderei jetzt im wahrsten Sinne des Wortes schon über Leichen?

Unsere Sprache braucht geschlechtsneutrale Bezeichnungen, und sie hat sie, solange wir die Sprache nicht absichtlich künstlich kaputtmachen.
 
 

Kommentar von Fleischhauer Stephan, verfaßt am 13.10.2021 um 16.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47317

Neues aus der Anstalt
Nur durch Zufall drauf gestoßen, ich guck den Mist sonst nicht. Die quälen sich merklich mit Gendersprech.
https://zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-5-oktober-2021-100.html

4:19 bis 5:14 Wechsel zwischen der Wähler/ die Politiker*innen. Aber so, daß wirklich jeder darüber stolpern muß.

Ab 6:39 (Kontext ab 6:17)
Jede vierte volljährige Berliner*in darf zum Beispiel nicht mitwählen (...) jeder siebte Erwachsene

Aber irgendwie paßt es auch in den typischen Politkabarett-Predigerton. Haben die in der Anstalt eigentlich keine Aufseher im weißen Kittel?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 09.10.2021 um 12.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47287

Nochmal Spiegel Online zum Friedensnobelpreis für Maria Ressa, wieder eine Agenturmeldung:
"In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters nannte sie den Preis »eine globale Anerkennung der Rolle des Journalisten bei der Reparatur, der Wiederherstellung unserer kaputten Welt«. Noch nie sei es so schwer wie heute, ein Journalist zu sein, sagte die 58-Jährige. »Dies ist wirklich für alle Journalisten auf der ganzen Welt«, sagte Ressai".
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.10.2021 um 07.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47286

Meine Schwiegermutter, seit vielen Jahren bettlägerig im Heim, lebt vor allem in ihren Erinnerungen an die Vergangenheit. Das Gewohnte, Verläßliche ist für sie wie für alle Alten dort ein wichtiger Halt. Neuerdings belehrt man selbst die Hinscheidenden unter ihnen anhand aufdringlicher Hinweise und Broschüren darüber, daß sie Bewohner*Innen seien. Langsam wirds geschmacklos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2021 um 03.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47283

Aus Ratgebern werden Richtlinien, aus Richtlinien Verordnungen und Gesetze. So wird das Gendern zur Pflicht. An den Universitäten kann man es schon beobachten.

Vom deutschen Historikertag wird berichtet, daß viele jüngere Historiker heftig gendern. Es paßt zum Bild des deutschen Akademikers. Auch er muß seine Ware nicht verkaufen, sondern nur der Obrigkeit und der DFG andienen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 08.10.2021 um 14.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47281

Es geht auch immer noch anders, selbst bei Spiegel online.
https://www.spiegel.de/ausland/stockholm-friedensnobelpreis-geht-an-maria-ressa-und-dmitri-muratov-a-6914a77d-c0ae-462f-bab7-a29851987580

Titel: "Friedensnobelpreis geht an die Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratov"
Einleitung: "Der Friedensnobelpreis 2021 geht an die philippinische Journalistin Maria Ressa und den russischen Journalisten Dmitri Muratov." Da in letzterem Satz der Unterschied der Preisträger (das Land) als Unterscheidung ins Spiel kommt, ist die damit einhergehende Anbringung der genus-konformen Berufsbezeichnung in Ordnung.
Im Text dann wieder: Journalisten (4x), Agenten, Preisträger.

Wie kommt es zu so einem Text bei Spon? Es ist eine Agenturmeldung, die offenbar nicht durch die Hände eines übereifrigen Praktikanten gegangen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2021 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47280

Seinen völlig unbelegten Vorwurf des Wahlbetrugs hatte er auch am 6. Januar vor Anhängerinnen und Anhängern in Washington wiederholt, als der Kongress Bidens Wahlsieg zertifizieren wollte. Trump rief seine Zuhörerinnen und Zuhörer dabei auf, zum Kapitol zu marschieren und "auf Teufel komm raus zu kämpfen". Hunderte radikale Trump-Anhängerinnen und -Anhänger stürmten in der Folge das Parlamentsgebäude. (ZEIT 9.10.21)

Ist das die sprachliche Zukunft? Ich kann es immer noch nicht glauben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2021 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47279

Viele Sprachwissenschaftler würden wahrscheinlich wie seinerzeit zu Rechtschreibreform sagen: "Das interessiert uns nicht." (Germanist Oskar Reichmann)

Viele Professuren sind auch auf dem Frauen-Ticket besetzt worden oder haben sogar das Unfach "feministische Linguistik" zum Hauptthema gemacht.

Die meisten wären vielleicht dagegen, machen aber mit (ebenfalls wie damals).
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.10.2021 um 15.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47278

Spiegel online zitiert Christoph Ploß (CDU): "...gegen eine vermutlich große Mehrheit der Mitgliedschaft...". Er meinte natürlich die Mehrheit der Mitglieder, also hätte er zumindest Mitgliederschaft sagen müssen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.10.2021 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47277

Die Linguisten sind nicht befragt worden, aber was hätten die denn gesagt? Soweit ich die öffentliche Diskussion verfolgt habe, haben nur emeritierte Sprachwissenschaftler gegen das Gendern Stellung bezogen (und mußten sich dann sagen lassen, daß sie die aktuelle Studienlage nicht kennen), einer hat sich zuletzt sogar ausdrücklich fürs Gendern ausgesprochen und nur die schlimmsten Auswüchse kritisiert. Von den Aktiven hört man eher Positives. Würde die Befragung der heute tätigen Linguisten etwas anderes zutage fördern als allgemeine, wenn auch verhaltene Zustimmung?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.10.2021 um 11.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47276

Rolf Mützenich bringt sich in Stellung für das Amt des Bundestagspräsidenten. Die neue Grammatik hat er schon drauf: »Es muss jemand werden, der oder die sich seit Beginn ihres Mandats für die Stärkung des Parlaments eingesetzt hat.« (Er meint sich selbst.) Damit dürfte er zumindest schon mal für FDP und Grüne, die neuen Reformkräfte in unserem Land, wählbar sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2021 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47275

Mir ist nicht bekannt, daß eine Universität zum Thema Gendern ihre eigenen Linguisten konsultiert hätte, ganz zu schweigen von einer offenen Diskussion der Frage, bevor sie von Genderbüro und Pressestelle entschieden wurde.
Diese praktische Geringschätzung der Sprachwissenschaftler wird, wie bei der Rechtschreibreform, durch deren Stillhalten jeden Tag bestätigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2021 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47274

An den bayerischen Hochschulen, die bekanntlich von ihren Genderbüros (früher: Frauenbeauftragte) regiert werden, ist das Gendern klammheimlich eingeführt worden und wird immer mehr verpflichtend. Zu den Leitfäden gab es nie eine Diskussion der Betroffenen, hier geht es immer noch vordemokratisch zu, ungeachtet des radikaldemokratischen Getues. Die traditionelle Duckmäuserei der Professoren macht es möglich.

Interessant:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/geschlechtergerechte-sprache-gibt-es-eine-genderpflicht-an.1001.de.html?dram:article_id=503922
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2021 um 07.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47273

Die Medien mögen am Gendersternchen herummäkeln – die Wahnvorstellung vom geschlechtergerechten Sprachgebrauch haben sie sich völlig zu eigen gemacht. Das hatte ich mit meiner ironischen Bemerkung ausdrücken wollen. Da ist im Augenblick nichts zu machen, auch wenn die Journalisten sich durch die eigene Praxis ständig selbst widerlegen (ohne es zu merken).

Im Deutschlandfunk wurden die drei Physik-Nobelpreisträger "Preisträgerinnen" genannt!
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.10.2021 um 06.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47272

Frau Lambrecht ist mit ihrem Ministeriumsschreiben keinesfalls vom Saulus zum Paulus geworden.
Sie fordert ja weiterhin, das generische Maskulinum abzuschaffen, und möchte die Behörden anweisen, durch die üblichen Verfahren wie Doppelnennung, Partizipien und Ausweichformen an dieser Abschaffung mitzuwirken.
Die Beschädigung des generischen Maskulinums, also eines wesentliches Strukturelement der deutschen Sprache, ist die eigentliche Sünder der Sprachfeministen.
Und von diesem Vorsatz macht sie ja keine Abstriche. Lediglich die übelsten Auswüchse sollen nicht offiziell benutzt werden.
Leider wird das in der Berichterstattung und in den Kommentaren dazu nicht wirklich erkannt. Stattdessen findet man Bezeichnungen wie "sinnvoller Kompromiß, Rückkehr zur Vernunft, damit kann ich leben, wird beiden Seiten gerecht...".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.10.2021 um 00.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47268

Sehr richtig! Man sollte auch nicht vergessen, daß jüngere und ältere Frauen und Männer unterschiedliche Blutgruppen und Rhesusfaktoren haben, keiner davon, auch nicht mit einer seltenen Kombination, darf nicht nur mitgemeint werden!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.10.2021 um 23.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47267

Wie sehr die sprachliche Sensibilisierung zur Lösung realer gesellschaftlicher Probleme beiträgt, kann man an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Vor dreißig Jahren brachte der SPIEGEL (Heft 50/1981) einen Artikel, der mit dem folgenden Anreißer beginnt:

Die Bundesregierung will den Zuzug von Ausländern eindämmen, CDU-Politiker möchten abschieben, unter den Bürgern kommt Fremdenfeindlichkeit auf. Das Kernproblem bleibt ungelöst: In den Türkenvierteln sammelt sich sozialer Sprengstoff, Politiker warnen vor Konflikten »wie zwischen Holländern und Molukkern«.

Schlimm. So ein Text wäre heute undenkbar. Heute würde der SPIEGEL ungefähr so formulieren:

Die Bundesregierung will den Zuzug von Personen aus anderen Ländern begrenzen, CDU-Politikerinnen und -Politiker möchten abschieben, unter den Bürgerinnen und Bürgern kommt Fremdenfeindlichkeit auf. Das Kernproblem bleibt ungelöst: In den Vierteln mit einer hohen Konzentration von Menschen mit Einwanderungsgeschichte sammelt sich sozialer Sprengstoff, Politikerinnen und Politiker warnen vor Konflikten »wie zwischen Niederländerinnen und Niederländern und Menschen von den molukkischen Inseln«.

Diesem Text fehlt die menschenverachtende Kompaktheit des Originals. Alle Gruppen werden wertschätzend angesprochen, Frauen sind sichtbar gemacht!

Das Problem scheint also gelöst. Aber Vorsicht! Menschen, deren Eltern oder Großeltern oder die selbst aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, nicht mehr als »Ausländer« zu bezeichnen, reicht nicht. Frauen sichtbar zu machen, die wir bisher einfach nicht sehen wollten, ist richtig und wichtig, aber ebenfalls völlig unzureichend. Strukturelle Alters-, aber auch Jugenddiskriminierung ist ein mindestens ebenso großes Problem wie die Benachteiligung von Frauen oder falsche Bezeichnungen für Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Deshalb hier mein Vorschlag für einen weiteren, vorsichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit:

Die Bundesregierung will den Zuzug von älteren und jüngeren Personen aus anderen Ländern begrenzen, ältere und jüngere CDU-Politikerinnen und -Politiker möchten abschieben, unter den älteren und jüngeren Bürgerinnen und Bürgern kommt Fremdenfeindlichkeit auf. Das Kernproblem bleibt ungelöst: In den Vierteln mit einer hohen Konzentration von älteren und jüngeren Menschen mit Einwanderungsgeschichte sammelt sich sozialer Sprengstoff, ältere und jüngere Politikerinnen und Politiker warnen vor Konflikten »wie zwischen älteren und jüngeren Niederländerinnen und Niederländern und älteren und jüngeren Menschen von den molukkischen Inseln«.

Natürlich können wir hier nicht stehenbleiben. Wenn wir nicht zulassen wollen, daß die Sprache Unterschiede zwischen Personengruppen zukleistert, müssen wir alle noch einige Schippen drauflegen. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, wir müssen nur wollen. Damit so etwas wie 1981 nie wieder geschehen kann!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2021 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47266

Ministerin Lambrecht will Gendersternchen unterbinden

Was für eine böse Frau!

Das Frauenministerium empfiehlt aber geschlechtsneutrale Begriffe wie „Pflegkraft“, „Belegschaft“ oder „Vorsitz“ und den Verzicht auf das generische Maskulinum.

Ach so, doch nicht böse. Nur ein bißchen unwissend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2021 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47255

In einem Bericht der Tagesschau über Korruption (Pandora-Papers) sind nur die Journalistinnen und Journalisten, Reporterinnen und Reporter durch Doppelnennung geehrt, alle anderen müssen sich mit dem schnöden generischen Maskulinum begnügen.
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/pandora-papers-schattenfinanzplaetze-101.html

Entscheidend ist letzteres: Noch nie hat jemand in der Praxis widerlegen können, daß das generische Maskulinum klaglos funktioniert. Das entzieht den mehr oder weniger grotesken feministischen Eskapaden die Grundlage.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.10.2021 um 10.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47243

Gerechtigkeit, die man nicht bemerkt:
Besonders gelungen sind Meldungen immer dann, wenn man selbst gar nicht mehr merkt, dass sie geschlechtergerecht formuliert wurden.
https://deutschlandfunk.de/aus-der-nachrichtenredaktion-geschlechtergerechte-sprache.2533.de.html?dram:article_id=477770

Das Interview ist schon älter, aber ganz interessant, weil einerseits gesagt wird, Gendersprache sei nicht schwer, anderseits die Worte "verzwickt" und "knifflig" fallen.

Grundsätzlich muss man aber sagen, dass es nicht schwierig ist, geschlechtergerecht zu formulieren und dabei auch verständlich zu bleiben. [...]

Besonders kniffelig wird es für uns immer dort, wo wir keine neutralen Formulierungen und keine Partizipialkonstruktionen finden, und eben nicht in jedem zweiten Satz die weibliche und männliche Formulierung benutzen möchten. [...]

Das sind vor allem die langen Wörter, für die es keine neutralen Formulierungen gibt, die sind immer sehr verzwickt. Wörter wie zum Beispiel Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, Regierungschefs und Regierungschefinnen.

 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.09.2021 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47220

„Von Menschen und Mensch*innen“ ist ein schöner Titel, steht (wenn auch ohne Sternchen) seit 2013 als Überschrift in meinem Blog. Da langsam auch die Tierwelt ins Visier der Genderer gerät, werden die Mäusinnen nicht lange auf sich werten lassen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.09.2021 um 11.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47219

Ich hatte schon darauf hingewiesen, daß Constantin van Lijnden eine Podcast-Reihe zum Thema Gendersprech macht. Wahrscheinlich ist das Thema mit den bisherigen zwei Folgen abgeschlossen. Hier die Links:

https://welt.de/podcasts/con-und-pro/article233967530/Podcast-Die-Kritik-am-Gendern-basiert-oft-auf-albernen-Uebertreibungen.html
(mit Prof. Damaris Nübling, Institut für Historische Sprachwissenschaft des Deutschen, Uni Mainz, Autorin des Lehrbuchs „Genderlinguistik. Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht“.)

https://welt.de/podcasts/con-und-pro/article234116480/Podcast-Gendern-ist-unwissenschaftlich-und-sexistisch.html
(mit Fabian Payr, Germanist, Musiker und Autor des Buchs „Von Menschen und Mesch*innen“)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2021 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47211

Ich höre mit halbem Ohr: ...die Suche nach einem neuen Vorsitzenden oder nach einer neuen Vorsitzenden... (bei Spitzenkandidat verheddert sich die Sprecherin, muß noch einmal ansetzen). – Wie kompliziert die einfachsten Sätze werden! Es trägt jedesmal ein Quentchen zur allgemeinen Unlust bei, das Radio überhaupt noch anzuschalten.

Wie viele Prozentpünktchen kostet das Gendern bei der Bundestagswahl? Wer sonst überall die Flöhe husten hört, müßte doch auch dafür ein Ohr haben und das mal untersuchen. Aber es gibt radikale Feministen, die sagen: Wenn morgen die Welt untergeht (und wir aus dem Parlament fliegen) – gegendert muß sein!

Wer das Gendern ablehnt, wird mit einer Selbstverständlichkeit als Rechter eingestuft, die mir aufs Gemüt schlägt. Erst gestern hat sich die SZ das wieder in einem Nebensatz erlaubt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.09.2021 um 00.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47210

Wie Frau Göring-Eckardt ein selbstgemachtes Problem löst

Interview in den ARD-Tagesthemen. Katrin Göring-Eckardt wird nach den Lehren gefragt, die sie aus den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen vor vier Jahren gezogen hat. Zunächst einmal, so antwortet sie, müsse man ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Und dann sagt sie dies: »Das haben wir in den letzten Jahren getan, das war mir jedenfalls wichtig, mit den Kollegen [sie betont die letzte Silbe, wobei dies aber ungeplant wirkt] von der FDP – das sind ja eigentlich alles Männer.« In normalem Deutsch würde man hier einfach »Kollegen« sagen, ohne besondere Betonung. Denn Männer und Frauen ticken in der Kommunikation zwar teilweise unterschiedlich, aber wenn es darum geht, Vertrauen zu Menschen aufzubauen, zu denen man bisher bewußt Distanz gehalten hat, spielt das Geschlecht zunächst keine Rolle. Nun hat sich Frau Göring-Eckardt aber eine Redeweise antrainiert, in der das generische Maskulinum nicht vorkommen darf (sie praktiziert sogar den Schluckauf). Um ja nicht in den Verdacht zu geraten, sie hätte ein Maskulinum generisch verwendet, muß sie die irrelevante Information nachreichen, daß es sich überwiegend um Männer handele. So werden die Texte immer geschwätziger, und es wird immer schwerer, dem eigentlichen Gedankengang zu folgen.

Die nachgereichte Rechtfertigung der Verwendung eines Maskulinums als geschlechtsspezifisch wirkt aber nicht nur kleinlich und verbissen, sie verkehrt auch das Prinzip der Genderer, Frauen (und/oder Nichtbinäre) auch dann explizit zu nennen, wenn sie in der Gruppe der zu bezeichnenden Personen eine winzige Minderheit bilden. Wenn Frau Göring-Eckhardt dabei bleibt, kann sie künftig auch wieder getrost von »Lokführern« reden (Männeranteil 95 %) oder sich bei den knapp 500 »Soldaten« bedanken, die am Evakuierungseinsatz in Afghanistan beteiligt waren (Männeranteil 96 %).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2021 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47199

The term man is sometimes used to describe the experience of all human beings.
However this practice ignores the experience of women as equal members of the human race and contributes to their omission from public life. It can have a real impact on their lives, for example if the word man is used throughout a job advert a woman may be less likely to apply.
You should not use man to refer to the experiences of all people. 

Example

Gender-discriminatory language
Under the law, all men are equal.

Gender-neutral language
Under the law, all people are equal.

Gender-sensitive language
Under the law, all women and men are equal.

Tip: When writing about the history of human achievement it is very important not to use the male as generic.
...
Man in the street > Average person

(European Institute for Gender Equality https://eige.europa.eu/publications/gender-sensitive-communication/challenges/invisibility-and-omission/do-not-use-man-neutral-term)

(Eine Einrichtung der EU, 2006 gegründet)

Wie üblich, ist die Wirkung von Sprache und Sprachregelung nur ausgedacht; das genügt heutzutage.

Wie die SZ berichtet, sind die Cricket-Regeln gegendert worden, batter statt batsman usw.

All dies geschieht "von oben nach unten", durch das eine oder andere Sprachamt; die Sprecher werden nicht gefragt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.09.2021 um 23.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47190

Es geht sogar noch besser. Jörg Schönenborn: "für die SPD-Wählerinnen und Wählerinnen"
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.09.2021 um 22.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47189

Wählerinnen und Wähler, Wählerinnen und Wähler, Wählerinnen und Wähler. Hinter dem Moderator die bildschirmfüllende Graphik „Wählerwanderung“.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.09.2021 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47188

https://virchblog.wordpress.com/2021/09/25/zeit-fur-einen-doppelten/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2021 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47184

ALS PAT:IN ZUKUNFT SCHENKEN! PAT:IN WERDEN (Werbung von „Plan International“)

Ob das mehr Geld in die Kasse spült?

Auf den Kinderspielplätzen mahnt die Stadt Erlangen, Rücksicht auf die "Anwohner*innen" zu nehmen.

Ob sinnvoll oder nicht – eine Minderheit tut es einfach, und die Mehrheit nimmt es hin.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 25.09.2021 um 18.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47181

Etwas ähnliches wollte ich auch gerade schreiben. Daher hier nur eine Ergänzung: Die sprachkonformen Gender-Varianten wie Doppelnennung, "jeder und jede", "der ein oder die andere" usw. werden wie Sie es sagten, Herr Metz, nicht einmal mehr als Gendern erkannt. Dabei sind sie meines Erachtens die Ursünde der Genderei, weil durch sie die Beschädigung des generischen Maskulinums am wirksamsten erfolgt ist und nach breiter Durchsetzung den anderen, nicht-sprachkonformen Unsinn fast zwangsläufig nach sich zog.

Ist die Wechselnennung noch sprachkonform? Könnte man annehmen, denn formal enthalten solche Sätze zwar nichts falsches. Aber die z.B. "Ingenieurinnen" werden dabei generisch gemeint, was ja sprachlich nicht möglich ist.

Trotzdem greift letztere Form auch bei den Pseudo-Gender-Gegnern um sich. Ich habe sie zuletzt bei Lindner (bzgl. der Genderei ein Oberbeflissener) und auch bei Laschet gehört.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.09.2021 um 17.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47180

Diejenigen Politiker (außer von der AfD), die am lautesten über das Gendern schimpfen, gendern selber, daß es nur so eine Art hat. Wobei sie unter »Gendern« längst nur noch das Sternchen und den Schluckauf verstehen. Sollte das eigentliche Ziel der Knacklautfanatiker gewesen sein, das brave, das »klassische« Gendern vor der Drohkulisse des radikalen Genderns als das kleinere Übel erscheinen zu lassen und ihm so zu allgemeiner Verbreitung auch bei eher konservativen Politikern zu verhelfen, dann haben sie dieses Ziel erreicht. Ich nehme an, daß ein Friedrich Merz und ein Markus Söder auch von den Paarformeln herzlich wenig halten. Offenbar meinen sie aber, sie ausgiebig verwenden zu müssen, um nicht als rückschrittlich dazustehen. Für mich hat das etwas Anbiederndes.

Jüngstes Beispiel ist die Fernsehdebatte der Spitzenkandidaten von sieben Parteien (»Schlussrunde«). Darin übertraf Söder beim Gendern sogar den bekennenden Feministen Scholz, und zwar um Längen. Während Scholz, für seine Verhältnisse zurückhaltend, ab und zu mal die üblichen »Bürgern und Bürger« abspulte, zündete Söder geradezu ein Genderfeuerwerk: »Aber es gibt so viele, viele Menschen, engagierte Medizinerinnen und Mediziner, Pflegerinnen und Pfleger, als (sic) Journalistinnen und Journalisten, Kommunalpolitikerinnen, Kommunalpolitiker, die einem Druck ausgesetzt sind.«

Das alles wird aber nichts daran ändern, daß das Gendern, in welcher Form auch immer, in der Alltagssprache – und damit auch in Filmen, in der Literatur, in der Werbung usw. – eine Randerscheinung bleiben wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2021 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47173

… "Schlussrunde" in ARD und ZDF – die dieses Mal unter Anwesenheit von Vertreterinnen aller Bundestagsparteien stattfand … (ZEIT 24.9.21)

Abwechselnd das Maskulinum und das Femininum generisch zu benutzen ist besonders irreführend. Die ZEIT-Leser scheinen es zu schlucken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2021 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47171

"Es geht den Parteien jetzt um jede Stimme, jede und jeden noch Unentschlossenen."

(Nachrichtensprecher, ZDF, 23.9.2021, 19.00 Uhr)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 22.09.2021 um 07.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47166

Söders Formulierung "die Gesellschaft nicht überfordern" ist so oder ähnlich immer wieder aus dieser Ecke zu hören, auch jüngst von Laschet.
Man schiebt damit den schwarzen Peter auf die Tumben, die es nicht hinbekommen, und adelt implizit die Gutwilligen und ihre hehren Absichten.
Das ist feige, es geht am Kern vorbei und schwächt die eigene Position.
Die Genderei an sich ist sprachzerstörend, spalterisch, autoritär, sexistisch, und allein aus diesen Gründen abzulehnen.
Aber kaum einer der Gegner wagt es deutlich zu sagen, keiner geht wirklich auf Kontra.
Wäre nicht jetzt die Stunde der Konservativen? Ist es nicht das ureigenste Feld des Konservativen, kulturelle Errungenschaften zu erkennen, zu bewahren und zu verteidigen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2021 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47162

Hausärzt:innen wollen simultan impfen
Einzelne Hausärzte sehen das aber durchaus anders.
(dpa 19.9.21)

Die Männer scheren wieder mal aus...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2021 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47161

Markus Söder hält offenbar nicht viel vom Gendern. Deshalb soll es in Bayern auch keine Sanktionen für Schüler und Studenten geben, die in Prüfungen keine gendergerechte Sprache verwenden. »Das ist etwas, was nicht prüfungsrelevant sein darf«, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts. Es dürfe nicht zu einer »Überforderung« der Gesellschaft durch das Gendern kommen. »Sprache ist frei«, sagte Söder.

Diese Einsicht hätte man sich bei der Rechtschreibreform auch schon gewünscht. Aber immerhin! Ein Musterprozeß, damals vermißt, wäre jetzt sehr willkommen. Alle Forderungen gendergerechter Sprache in Prüfungsordnungen sind nichtig und rechtswidrig. Die Sekte muß unter sich bleiben.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.09.2021 um 22.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47159

Schüler streicht Gendersprech-Suffixe aus Arbeitsblatt:
https://twitter.com/DrRodenb1/status/1440255024274104327
(Arwin Dunkelelf - @adunkekelf - ist seine Ethiklehrerin, hat Tweet gelöscht.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.09.2021 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47158

Mit penetranter Besserwisserei über die Einsichten und Bedürfnisse der großen Mehrheit hinwegzutrampeln ist alles, aber bestimmt nicht höflich.

So, wie es im wirklichen Leben oft praktiziert wird, macht das Gendern Frauen übrigens vollends unsichtbar. Wenn »Touristen« nur Männer sind, sind »Touristen und Touristen« noch mal so viele Männer! Eine schallende Ohrfeige für alle Gerechten.

Hier ein weiteres erschütterndes Beispiel (ab 01:59): https://www.welt.de/politik/bundestagswahl/live232931519/Bundestagswahl-Empoerung-ueber-CDU-Wahlwerbespot-mit-Querdenker.html
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.09.2021 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47157

Leicht erträglich ist Frau Baerbock nicht. Gendern eine Frage der Höflichkeit? Es erfordert schon einige Impertinenz, der großen Mehrheit zu bescheinigen, sie habe keine Manieren.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.09.2021 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47152

Das Ziel nimmt sich eigentlich hübsch aus: eine harmonische Welt ohne Geschlechterrollen und geschlechtliche Eigenheiten, dafür mit beliebig vielen, frei wählbaren Geschlechtern. Das Elysium soll durch einen sprachlichen Moriskentanz heraufbeschworen werden, der immerzu mindestens zwei Geschlechter getrennt aufruft und das einzige problemlos verfügbare, alle vereinende Genericum meidet wie die Pest – weil es sich dabei um ein Maskulinum handelt. Wer zuvor nicht wußte, was "generisch" bedeutet, weiß nun, daß das generische Maskulinum etwas Böses ist, von dem die Sprache befreit werden muß. Mit dem Ergebnis, daß Mädchen keine Schüler mehr sein dürfen und Frauen keine Autofahrer. Erstaunlich, was simpler Männerhaß auslösen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2021 um 03.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47148

Das gemischte Tripel selbst und die Berichte darüber haben in der Tat offengelegt, daß die deutsche Sprache in den Händen der Ideologen und ihrer naiven Anhänger an einem Punkt angelangt ist, wo man sich sagt: So geht es nicht weiter. Gerade weil die sprachlichen Eiertänze nicht mehr auf Konventikel-Texte beschränkt sind, um die man einen Bogen machen kann.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 20.09.2021 um 02.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47143

Oder noch einfacher: Bei der Verwendung des generischen Maskulinums muß man nur den Artikel vor dem Substantiv (abhängig von Kasus und Numerus) anpassen, während die Genderei eine ganze Reihe an numerischen, sachlichen und grammatischen Problemen hinter dem ersten Substantiv erzeugt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 20.09.2021 um 00.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47142

Nachtrag zum Vorausgegangenen:
1. Laschet stutzte, bevor er die beiden Gegener jeweils im Plural ansprach. Es kam ihm merkbar seltsam vor. Jedoch blieb ihm keine Alternative. Wer die Beschädigung des generischen Maskulinums gedankenlos mitmacht, kommt eben zwangsläufig in diese Schwierigkeiten.
2. Das "Problem der kleinen Zahl" könnte man so beschreiben: Die korrekte Ansprache einer Gruppe brauchte bislang zwei Formen, Singular und Plural.
Durch die Aufspaltung in Mann und Frau braucht sie jetzt bis zu fünf unterschiedliche Formulierungen. Je kleiner die Zahl der Angesprochenen ist, desto größer ist die Chance, daß eine der beiden Gruppen im Singular genannt werden muß und damit der generelle Doppelplural nicht funktioniert (sondern irritiert).
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 20.09.2021 um 00.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47141

Dazu passen meine Notizen:
Laschet (blickt die beiden Gegner im "Triell" an): "Das ist fundamentale Unterschied zwischen mir und den beiden Mitbewerberinnen und Mitbewerbern."

Maybrit Illner:
"Dank an die drei Kandidaten und Kandidatinnen".

Ich würde es mal das Problem der kleinen Zahlen nennen: Wenn wir mit einer Bezeichnung auskommen (wie das generisches Maskulinum), dann haben wir nur die Unterscheidung Einer/Viele zu beachten.
Wenn wir zwei Bezeichnungen brauchen, dann wird es schon erheblich komplizierter: Bei zwei Angesprochenen gibt es schon drei Unterscheidungen, nämlich zwei Männer (die Teilnehmer), zwei Frauen (die Teilnehmerinnen) ein Mann und eine Frau (der Teilnehmer und die Teilnehmerin). Bei drei Angesprochenen sind es bereits vier Unterscheidungen, nämlich drei Männer (die Teilnehmer) zwei Männer eine Frau (die Teilnehmer und die Teilnehmerin), ein Mann und zwei Frauen (der Teilnehmer und die Teilnehmerinnen), drei Frauen (die Teilnehmerinnen). Bei vier Angesprochenen haben wir fünf Unterscheidungen, nämlich die vier vorigen sowie zwei Frauen und zwei Männer (die Teilnehmerinnen und Teilnehmer).
Bei allen größeren Zahlen bleibt es bei diesen fünf Unterscheidungen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.09.2021 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47140

Aus dem letzten TV-Dreikampf der Kanzlerkandidatinnen [!] und -kandidaten vor der Bundestagswahl ist SPD-Kandidat Olaf Scholz einer Umfrage zufolge als Sieger hervorgegangen. […] In den vergangenen Wochen hatte es bereits zwei TV-Diskussionen der drei Kanzlerkandidaten gegeben. […] Für die Umfrage befragte Forsa nach Senderangaben 2291 wahlberechtigte Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Umfrage bezieht sich somit nicht auf alle Wahlberechtigten in Deutschland, sondern nur auf die TV-Zuschauer.

(tagesspiegel.de, 19.9.21, Hervorhebungen von mir)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2021 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47132

Vielen Dank, Herr Metz! Ich hatte so etwas auch schon vermutet. Daß man sozusagen mit der Lupe hinschauen muß, um den Tribut an die PC zu erkennen, bestätigt die Sinnentleerung des Rituals. Es paßt zu "Scholzomat" (obwohl ich sonst nichts gegen den Mann habe).

Wo ich schon beim Politisieren bin oder eher bei der Medienkritik:

Wenn Laschet geraten wird, im letzten Triell polemischer, aggressiver aufzutreten, wäre er damit schlecht beraten. So etwas wirkt immer unsouverän. Die Wähler wollen etwas Staatsmännisches, das sollte doch inzwischen klar geworden sein. Ein Behördenleiter aus der Provinz, der die zarten Fäustchen ballt (oder in Boxhandschuhe steckt...), wäre das Letzte.

Die Medien beklagen die von ihnen selbst erzeugte Zuspitzung auf Personen; das ist so lächerlich wie die Ratlosigkeit angesichts der Tatsache, daß Merkel und nun Scholz so viel Zustimmung finden, obwohl sie doch "keine guten Redner" sind. Fiel mir gerade wieder ein, weil ich zum zweiten- oder drittenmal Wilfried Strohs "Die Macht der Rede" lese, ein Buch, das ich auch gern geschrieben hätte. (Natürlich sind alle Aussagen über die Wirkung rhetorischer Mittel spekulativ.)

Folgerungen der Rhetoriklehrer für die Gegenwart, für die Schule usw. halte ich für problematisch. Merkel und Scholz sind nicht durch Debattierklubs gegangen. Sie folgen eher dem Faustschen Grundsatz: „Es trägt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor.“ Die Folge ist, daß bei ihnen nichts aufgesetzt wirkt. Man kann es „Authentizität“ nennen (was nicht heißt, daß sie immer ehrlich sind...), oder einfach "bei der Sache sein". Die Frage nach der Rhetorik stellt sich nicht, wenn man den durchweg konzentriert vorgetragenen Gedanken folgt. Für die meisten Journalisten ist das natürlich zum Verzweifeln. Sie suchen den Fehler aber nicht bei sich selbst.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.09.2021 um 18.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47131

Eben gesehen ...
https://abload.de/img/img_20210917_173739590pj5g.jpg

Ist Giovanni L an der Frage gescheitert, wo man den Genderstern setzen muß? geschicktgendern.de hat auch keinen Rat. An das ursprünglich französische Movierungssuffix wurde wohl noch das deutsche angehängt, ähnlich Äbtissin.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.09.2021 um 17.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47130

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_deutschsprachigen_Einrichtungen,_die_Genderzeichen_nutzen
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.09.2021 um 23.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47121

Auf Youtube kann man die Wiedergabegeschwindigkeit eines Videos verändern, zum Beispiel um den Faktor 0,5 oder 1,25 (unten rechts auf das Rädchen für die Einstellungen klicken). Bei der verlangsamten Wiedergabe von gesprochenem Text erkennt man bestimmte Aussprachemerkmale viel besser als in der Originalgeschwindigkeit, zum Beispiel die Färbung und Länge von Vokalen, Betonungsgipfel oder die Sorgfalt der Artikulation. Bei Olaf Scholz hat mich vor allem interessiert, wie sich die »Bürgern und Bürger« usw. anhören.

Hier zwei Beispiele (stellen Sie spaßeshalber mal 0,5 ein):
Mitarbeitern und Mitarbeiter, Kollegin und Kollegn: https://youtu.be/8fuVgiU2RDQ?t=662
Fußgängern und Fußgänger, Fahrradfahrern und Fahrradfahrer: https://youtu.be/8fuVgiU2RDQ?t=5526
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.09.2021 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47105

Sprachliche Diskriminierung ist auch in Griechenland verpönt. Die Frau meines Automechanikers hat mir gestern davon abgeraten, den Wagen im Winter draußen stehen zu lassen, er werde sonst womöglich von den "Gyphtes" geklaut. Sie hat aber gleich angefügt, daß man "Gyphtes" nicht mehr sagen dürfe. Erlaubt seien nur noch "Roma" und "Zigani". Eine Zigeunersoße gibt es hier zum Glück nicht, auch keine Gyphtessoße.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.09.2021 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47103

Wer unbedingt will, kann im Deutschen Feminina generisch benutzen, er sollte nur nicht damit rechnen, daß er dann auf Anhieb oder überhaupt richtig verstanden wird. Am schlechtesten stehen die Chancen, wenn er diese private Sprachspielerei nur punktuell betreibt. Wenn ich im SPIEGEL lese: »Tausende Afghanen planen die Flucht vor den neuen Taliban-Machthabern. Deutschland will nun Aktivisten und Künstlerinnen aufnehmen«, dann bin ich nicht sicher, ob wirklich nur weibliche Künstler gemeint sind (was in diesem speziellen Fall durchaus sein könnte) oder doch Männer und Frauen, so wie ja wohl auch mit »Afghanen« und »Aktivisten« Männer und Frauen gemeint sind. Erst der überübernächste Satz bringt Klarheit: »Das Bundesinnenministerium hat nun für gut 2600 Menschenrechtsaktivisten, Künstler, Wissenschaftler, Journalisten und andere potenziell gefährdete Menschen aus Afghanistan eine Aufenthaltszusage erteilt.«

Stellen wir uns vor, der Autor des Artikels hätte wirklich nur von Künstlerinnen im heute üblichen Sinne, also von Frauen, berichten wollen, was hätte er dann wohl geschrieben? »Künstlerinnen« fällt aus, weil er diese Wortform ja offenbar generisch verstanden wissen will. »Weibliche Künstler« kommt ebenfalls nicht in Betracht, weil in jener Sondersprache »Künstler« nur Männer sein können. Er müßte also »weibliche Künstlerinnen« schreiben. Vielleicht würde er das aber bestreiten und darauf hinweisen, daß er das generische Femininum nach Belieben im Wechsel mit dem generischen Maskulinum verwendet, so daß er eventuell auch »weibliche Künstler« schreiben würde. Das wäre dann endgültig die rausgestreckte Zunge gegenüber den Lesern.

Solange es im Deutschen kein allgemein akzeptiertes generisches Femininum gibt, haben die movierten Formen die eindeutige Funktion, das weibliche Geschlecht anzuzeigen. Eine parallele Verwendung von generischem Maskulinum und generischem Femininum produziert unverständliche Texte, wie man nun täglich beobachten kann. Daß ausgerechnet Journalisten, deren Handwerkszeug doch die Sprache ist, diese Unverständlichkeit um kleiner moralisierender Sticheleien willen in Kauf nehmen, geht mir nicht in den Kopf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2021 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47100

Fleisch und Speck teilen sich die Einwohnerinnen und Einwohner. (tagesschau.de 15.9.21 über die Delphinjagd der Färinger)

Das ist nett, daß auch die Frauen etwas bekommen. Nicht so beim SPIEGEL.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.09.2021 um 19.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47096

zu "Leser:innenmagazin" Was ist denn ein "innenmagazin"?
Die deutsche Sprache wird immer unverständlicher
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.09.2021 um 17.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47092

Constantin van Lijnden will in seinem Podcast "Con und Pro" demnächst Sprachwissenschaftler zum Gendern befragen. Er ist selbst kein Befürworter. Vielleicht wird das ganz interessant.
https://youtube.com/watch?v=mC5VhL48r7U
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2021 um 20.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47077

Im ICE liegt bekanntlich "DB Mobil" aus, das "Leser:innenmagazin", in dieser Weise radikal durchgegendert. Die Leser (ja, die Leser!) wollen das nicht, aber das ist den Macher:innen egal; es muß ja nicht verkauft werden.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 12.09.2021 um 21.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47065

Laschet: "Das ist fundamentale Unterschied zwischen mir und den beiden … (zögert) … Mitbewerberinnen und Mitbewerbern."
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.09.2021 um 15.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47051

Sicher, das wäre dann Bequemlichkeit. Manche haben vielleicht auch schon vergessen, wie man es normal ausdrückt. Ich habe aber den Eindruck, daß viele von denen, die gern sagen, sie fänden das Gendern »grundsätzlich« gut, gar nicht so recht wissen, was sie tun, wenn sie die Partizipien auch im Singular verwenden. Man will halt irgendwie mitmachen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.09.2021 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47050

Wer sonst gern gendert, könnte halt argumentieren, wegen des Vorteils im Plural grundsätzlich das substantivierte Partizip zu wählen.

Nicht klar ist jedoch, ob und wieso der geschlechtsneutrale Plural auch den Plural der *-"Geschlechter" einschließt.

Noch ein Beispiel aus dem heutigen MM (S. 32):

[...] waren die Täter überwiegend Männer [...]
87 Prozent männliche und 13 Prozent weibliche Täter wurden festgestellt.
Zehn Prozent der Täter und Mittäter waren Mütter.

Lediglich in der dazugehörigen Graphik ist von "Täterinnen und Tätern" die Rede.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.09.2021 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47048

Genau darum ging es mir. Wer sich als Lehrender bezeichnet statt als Lehrer, übersieht, daß er die Genderei damit ad absurdum führt. Die von den Genderleitfäden angebotenen Ausweichformen (Teilnehmende, Zu-Fuß-Gehende usw.) können ihre vermeintlich geschlechtsneutralisierende Wirkung ja nur im Plural entfalten, im Singular funktioniert das nicht. (Man könnte Teilnehmende*r bzw. der*die Teilnehmende* bilden, aber was soll das bringen? Dann kann man auch gleich Teilnehmer*in bzw. der*die Teilnehmer*in schreiben.) Offenbar wird im vorliegenden Fall aber nicht einmal eine Neutralisierung angestrebt, der Kandidat präsentiert sich eindeutig als Mann. Somit hat er die Genderregeln nicht richtig angewendet und sich in diesem Sinne »vergendert«. Es steht ihm natürlich frei, aus dem Genderwort Hochschullehrende eine männliche Singularform zu bilden, aber mit Gendern hat das dann eigentlich nichts mehr zu tun. Die einzige Funktion des Wortes Hochschullehrender auf dem Stimmzettel ist das Signal an den Leser: Seht her, ich gendere!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2021 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47045

Ich verstehe es so: Hochschullehrende zeigt kein Geschlecht an, der Singular Hochschullehrender aber sehr wohl, so daß der inklusive Effekt wieder verlorengeht. Warum auch nicht? Der Mann wird ja wissen, ob er Männlein oder Weiblein ist. Dann hätte man aber auch gleich das übliche Hochschullehrer verwenden können.

Gestern abend in der "Wahlarena" fiel mir wieder auf, wie oft Olaf Scholz Bürger und Bürger usw. sagte. Jedenfalls für meine Ohren war das movierende Suffix oft nicht wahrnehmbar. Mit der Doppelnennung an sich war der herrschenden Ideologie Genüge getan.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 08.09.2021 um 00.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47044

Ehrlich gesagt verstehe ich den Beitrag nicht. Er ist "Hochschullehrender", ja, das ist auch in meinen Augen töricht und schädlich. Weil es umständlich ist und weil es eine grammatische Unterscheidungsmöglichkeit einebnet. Aber in seinem System konsequent. Wo hat er sich "vergendert"?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.09.2021 um 21.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47043

Auf einem Stimmzettel zur Bundestagswahl firmiert ein Kandidat als »Hochschullehrender«, ein anderer gibt seinen Beruf mit »Werkzeugmacher« an. Was lernen wir daraus? Wer nicht gendert, kann sich auch nicht vergendern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2021 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47016

Posener schreibt:

"Amerika, du hast es besser / Als unser Kontinent, das alte, / Hast keine verfallene Schlösser / Und keine Basalte." So reimte Deutschlands Dichterfürst 1827, und man muss feststellen: Goethe, du hattest es besser: Um den Reim auf "Basalte" zu ermöglichen, veränderte er einfach das Geschlecht des Worts "Kontinent".

Es ist nicht einzusehen, was sich dadurch am Reim ändert; beim Zitieren des bekannten Verses wird das Genus ja auch meist an den heutigen Gebrauch angepaßt. Aber Goethe hat auch nichts verändert, das neutrale Genus war damals durchaus noch üblich.

Interessanter wäre die Frage, warum es besser sein soll, keine Basalte zu haben... Der Streit zwischen Vulkanisten und Neptunisten tobte damals wie heute der zwischen den laut Posener progressiven Genderern und uns verknöcherten Konservativen. Die neuen „Sensibilitäten“, denen die Sprache angeblich gerecht werden muß, sind nicht einfach gegeben, wie Posener annimmt. Die Interessen dahinter sieht er nicht, nur die hinter der Kritik des Genderns.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2021 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47015

Wahrscheinlich habe ich gestern aus alter Gewohnheit WELT statt ZEIT angegeben, ohne noch einmal nachzusehen.

Posener hat aber seine Stellung zum Gendern selbst klargemacht, so daß mit einer Nachbearbeitung nicht zu rechnen ist: https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-06/gendern-sprache-grammatik-deutschland-amerika-dichtung-gesellschaft/komplettansicht vom 3.6.21

Dazu wäre manches zu sagen, es ist aber schon oft genug gesagt worden.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.09.2021 um 01.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47014

Ich fand den Alan-Posener-Kommentar nicht auf welt.de sondern auf zeit.de, hier:
https://www.zeit.de/mobilitaet/2021-09/bahnstreik-kritik-gdl-deutsche-bahn-tarifkonflikt-lokfuehrer-evg-konkurrenz

Vermutlich vom Gender-Team der Zeit nachbearbeitet, denn normalerweise schreibt Posener ja bei der Welt und sicherlich ungegendert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2021 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47013

Die EVG organisiert nicht nur die Lokführer – die Elite der Arbeitnehmerinnen – und profitiert daher vom Tarifeinheitsgesetz ... GDL-Chef Weselsky versucht daher, der EVG Mitglieder abzuwerben, indem er mit radikaleren Forderungen auftritt, denen er ja dank der Schlüsselrolle der Lokführerinnen Nachdruck verleihen kann und die nach seinen Vorstellungen für alle GDL-Mitglieder gelten sollen, Tarifeinheit hin oder her. ...die Arbeitsplätze der Lokführer ... Bosch weist darauf hin, dass schon im Juli 2016 37 Städte weltweit über vollständig automatisierte Metrolinien verfügten. Schon seit 2009 fährt die U2 in Nürnberg ohne Fahrerinnen. Kurz und gut: Lokführerin ist kein Beruf mit Zukunft. Und je mehr ein Claus Weselsky seine Muskeln spielen lässt, desto härter werden die Bahn-Chefs über Möglichkeiten nachdenken, den Betrieb auch ohne die aufsässigen Lokführer aufrechtzuerhalten. (WELT 3.9.21, Alan Posener)

Ein solches Durcheinander ist immer die schlechteste Lösung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.09.2021 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47012

Amüsant finde ich dort auch die "5 sich als demokratisch identifizierenden Parteien", auch "alle fünf potentiellen Regierungsparteien". Das sollen dann SPD, Linke, Grüne, CDU/CSU und FDP sein.

Meines Wissens identifiziert sich die AfD sogar als demokratischste Partei von allen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.09.2021 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47011

Nein, der Tweet wurde nicht zitiert. Ihn kannte ich nicht, die Wahl-o-mat-Zitate schon. Am besten gefällt mir dort "Wir haben Respekt vor und für die Menschen." (SPD)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 03.09.2021 um 12.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47010

Wurde bei facebook dieser Tweet zitiert?
https://twitter.com/_homoduplex/status/1433100945500643336

Gendersprache ist wohl auch Thema beim Wahl-o-maten:
https://twitter.com/_homoduplex/status/1433527795427131394/photo/1
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.09.2021 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47008

Im Facebook gesehen: „Gendersprache ist der Zwang, beim Schreiben oder Sprechen über jegliches Thema regelmäßig ein politisches Glaubensbekenntnis abzulegen, das nichts mit dem Thema zu tun hat. Das ist völlig einmalig in unserer Sprache.“ (Johnny Renner)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.08.2021 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47003

Es ist von vornherein ausgeschlossen, daß alle oder auch nur die meisten Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau die verordnete Sprachverhunzung richtig finden. Sie fügen sich der Sklavensprache, weil sie Sklaven sind.
Auch muß dort jemand eigens dafür abgeordnet sein, die Doppelpunkte per Hand einzufügen, denn es können nicht alle Zivilisten automatisch durch Zivilist:innen ersetzt werden, z. B. nicht bei Doppelnennung und nicht, wenn wirklich mal nur Männer gemeint sind. Ähnlich bei anderen Blättern. Es ist peinlich anzusehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2021 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#47001

Die Verfassenden sind inzwischen tausendfach belegt, aber eigentlich verfassen sie den jeweiligen Text nicht, sondern haben ihn bereits verfaßt, so daß sie die Verfaßthabenden heißen müßten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2021 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46996

Im "Triell" der Kanzlerkandidaten (und -kandidatinnen?) ging es kurz auch ums Gendern. Baerbock und Scholz praktizierten es (teilweise, wie immer), wollen es aber niemandem vorschreiben, obwohl sie es für moralisch geboten halten.
Bei Scholz habe ich durchweg nur Bürger und Bürger usw. gehört. Die Moderatorin verfiel einmal in den Sternchen-Schluckauf, sehr häßlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2021 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46984

Auch die geschätzte Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt (SZ) läßt sich zu Parlamentarierinnen und Bürger hinreißen, obwohl sie sonst nicht gendert. Das ist nicht geschlechtergerecht, sondern ein sprachlicher Salto mortale.

Wenn man bedenkt, wieviel Spezialwissen unsere Schulen vermitteln, sticht die linguistische Unbildung besonders hervor. Nicht einmal die Grundzüge der eigenen Sprache scheinen im Kapitel "Reflexion über Sprache" vermittelt zu werden. Ich bin schon lange raus, aber ich kann mir denken, was die Deutschlehrer unseren Kindern beibringen, weil sie es nach Bearbeitung durch die Stefanowitschs an den Universitäten selbst nicht besser wissen.

Wenn schon diese Bundesregierung dem Genderwahn so wenig Widerstand entgegensetzt, ist für eine rötlich-grünliche erst recht nichts zu erhoffen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 27.08.2021 um 14.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46974

Ein Teil der Anti-Männlichkeits-Kampagne des Auswärtigen Amts gehört eigentlich hier her.

(Mein Kommentar dazu: http://sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#46971)

Den Verweis auf geschicktgendern.de (laut Bild online) habe ich jetzt gefunden, er befindet sich auf der letzten Seite eines Sprachleitfadens:

https://zeichensetzen.jetzt/wp-content/uploads/2021/07/2021_AA_Leitfaden_geschlechtergerechte_Sprache-1.pdf

In dem PDF werden auch gleich einige Argumente gegen das Gendern ausgeräumt.

„Geschlechtergerechte Sprache ist kompliziert, umständlich, unnatürlich und missverständlich!“
Dass geschlechtergerechte Sprache kompliziert und umständlich sein kann, kann - je nachdem wie sie angewendet wird - nicht wirklich abgestritten werden. Sätze wie „Der/die Mitarbeiter/in , der/die in der Mittagspause…“ erfordern tatsächlich Geduld und sehen zugegebenermaßen nicht schön aus. Außerdem ist es sehr anstrengend, wenn man darauf achten muss, dass der Satz auch ohne die Schrägstriche noch Sinn ergibt. Aber es gibt ja genügend Alternativen, die problemlos verwendet werden können. Wie wäre es beispielsweise mit: „Die Mitarbeiter:innen, die …“ oder „Die Mitarbeitenden, die…“? [Damit gibt man zu, daß Gendersprache im Singular nicht funktioniert.]
Zur vermeintlichen Unnatürlichkeit möchten wir entgegnen, dass Sprache einem kontinuierlichen Wandlungsprozess unterliegt und wir diesen auch mitgestalten können. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Wörter aus anderen Sprachen ins Deutsche übernommen (ob man das persönlich schön findet, sei dahingestellt!) und Wörter wie Pointe, googlen, Jeans oder Sneakers sind fester Bestandteil unseres Wortschatzes – auch wenn es natürlich auch hier Gegner:innen gibt. Ferner ist es auch ganz natürlich, dass gewisse Wörter in einer Sprache aussterben oder nur noch selten verwendet werden. Wissen Sie beispielsweise, was eine „Kaltmamsell“ ist oder wann haben Sie das letzte Mal die Wörter „Muhme“ oder „Oheim“ benutzt?
Missverständlich ist geschlechtergerechte Sprache aber auf gar keinen Fall.

„Gendern nervt!“
Das ist kein valides Argument. Menschenrechte mögen bestimmt auch einige Personen nerven. Aber macht sie das weniger wichtig und wertvoll? Sollte man tatsächlich gewisse Dinge abschaffen oder gar nicht erst einführen, nur weil sie ungewohnt sind oder eventuell Mehrarbeit verursachen?

„Binnen-I, Sternchen, Gendergap oder andere Varianten sind nach dem Duden oder juristisch nicht richtig!“
Okay, sie sind aber auch nicht wirklich falsch. Das „Handbuch geschlechtergerechte Sprache“ aus dem Dudenverlag sagt dazu:
„Aktuell, im Frühjahr 2020, sind diese Möglichkeiten, d. h. Binnen-I, Genderstern, Gendergap, Doppelpunkt und Mediopunkt zwar noch nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung, doch sind die drei zuerst genannten als weitverbreitete und legitime Mittel des Strebens nach geschlechtergerechtem schriftlichen Ausdruck durchaus anerkannt und werden auch in den Sitzungen des Rats für deutsche Rechtschreibung zumindest diskutiert – besonders der Gebrauch des Gendersterns wird von Rechtschreibrat intensiv beobachtet.“
Da aber diese Normierungen, wenn sie einmal stehen, selten infrage gestellt werden, gelten sie als „feststehend“ und werden im Laufe der Zeit nicht weiter verändert, sondern einfach nur reproduziert. Des Weiteren stellt sich auch die Frage, ob unsere Grammatik und/oder Rechtschreibung tatsächlich als wichtiger und unveränderlicher angesehen werden sollten als Gleichstellung.

„Auch viele Frauen lehnen geschlechtergerechte Sprache ab!“
Ja, das ist allerdings wahr, aber auch kein wirkliches Argument. Es gibt auch viele Frauen, die aus verschiedenen Gründen das Fortbestehen patriarchalischer Strukturen bejahen oder die einfach generell keine Änderungen bei altbekannten Mustern wünschen und diese damit aber replizieren.
Es gab und gibt beispielsweise auch Frauen, die dagegen waren, dass Frauen ohne Einverständnis ihres Ehemannes arbeiten gehen dürfen, eigenes Vermögen haben durften oder dass Vergewaltigung in der Ehe als Straftat angesehen wurde. Die Zeiten ändern sich und oftmals ändern sich Meinungen auch erst mit der Zeit.


Wenn es mit dem Gendern mal nicht klappt, hat man noch eine Bastelanleitung für den "Genderwürfel" beigefügt. Wie man ihn benutzt, wird leider nicht mitgeteilt. Vielleicht sollte man da mal anfragen.
Lassen Sie sich auf jeden Fall nicht entmutigen: Der Versuch zählt, oftmals funktioniert nicht jede hier vorgeschlagene Lösung für ein Problem und es ist Kreativität und Ausprobieren gefragt.
Falls Sie sich nicht entscheiden können, haben wir auf der nächsten Seite für Sie einen „Genderwürfel“ gebastelt, der für Sie vielleicht eine kleine Alltagshilfe darstellen kann: [Bastelbogen]


In dem Leitfaden wird auch auf die Bezeichnung Sekretärin hingewiesen. Das finde ich ganz interessant, weil ich es tatsächlich nicht anders kenne, daß die üblichen Schreibkräfte in Schulen oder Anwaltsbüros immer Frauen sind.

Wenn nun aber nicht mehr von Chefs und Sekretärinnen, sondern vielleicht von Leitung/Team oder Führungskraft/Sekretariat die Rede ist, verändert sich auch langsam und allmählich unser Bild davon, wer in unserer Gesellschaft welche Rolle übernehmen kann.

Auf Wiktionary besteht eine Asymmetrie der Bedeutungsbeschreibung:

https://de.wiktionary.org/wiki/Sekretär
[1] Person, die für ihren Dienstgeber das Vorzimmer führt, den Arbeitstag organisiert, Kommunikation vorbereitet oder durchführt
[2] Person, die in einer Organisation an leitender Stelle arbeitet
[3] Beamtenposition im mittleren Dienst

https://de.wiktionary.org/wiki/Sekretärin
[nur 1] Verwaltungsangestellte, die sich unter anderem um Korrespondenz, Büro- und Assistenzaufgaben kümmert
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 25.08.2021 um 02.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46938

Stern, Doppelpunkt und Unterstrich sowie Partizip Präsens haben gerade einen Lauf bei den Woken.
Denn sie versprechen eine vergleichsweise schlanke Lösung des Nicht-nur-Mitmeinen-Problems (im Gegensatz zur Doppelnennung).
Leider funktioniert das nur für den Plural, wo alle Genera denselben Artikel haben. Im Singular sieht es anders aus. Und wenn dann noch unklar ist, ob Singular oder Plural zu benutzen ist, wird es gänzlich verworren.

Schön zu sehen ist das am Bericht der FR über das Verbrechen in Darmstadt (Vergiftungen auf dem Campus).
https://www.fr.de/rhein-main/darmstadt/staatsanwalt-wertet-giftanschlag-in-darmstadt-als-versuchten-mord-90939869.html
Man liest:
"...die Motivation des Täters oder der Täter:innen."
Korrekt im Sinne der FR wäre aber "des Täters/der Täterin oder der Täter:innen".
Dann:
"...Mordkommission, die nun zügig den oder die Verursacher:innen ausfindig machen will. "
Korrekt wäre statt dessen so etwas wie "den oder die Verursacher:in oder die Verursacher:innen ".
Zuletzt bleibt man dann wieder ganz einfach beim generischen Maskulinum:
".. keine Hinweise auf einen möglichen Täter "
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.08.2021 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46935

Ronya Othmann (eine 28jährige islamkritische Schriftstellerin halb-kurdischer Herkunft) schreibt in der FAS vom 22.8.21; sie will, daß 19 Mill. afghanische Frauen sich nicht verschleiern müssen, ihre Nägel lackieren dürfen usw. Das hat die Bundeswehr nicht erreicht – aber was geht es die NATO überhaupt an?

In der SZ vom 23.8. setzt sich Kia Vahland für die westlichen Werte ein, vor allem Frauenrechte. Nicht nur Ortskräfte müßten ausgeflogen werden. Wie das alles geschehen soll, sagt sie nicht, spricht aber schon mal von den „Wählenden“ im Westen.

Was als Vergeltung für 9/11 begann, wenn auch am untauglichen Objekt, und nach einer Viertelmillion Toten endet, soll als Kampf für westliche Gesellschaftsmodelle weitergehen. Allerdings steht dann nicht nur Afghanistan auf der Liste, sondern mindestens die Hälfte der Welt.

An den „Wählenden“ sieht man übrigens das Problem: Wähler sind auch die Wahlberechtigten, also die potentiellen Wähler, Wählende sind nur die tatsächlich Wählenden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.08.2021 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46931

Hab mir mal spaßeshalber die heutige Seite 1 des MM komplett hinsichtlich der Genderei angesehen.

generisches Maskulinum (insgesamt 13mal):
Experten (2), Häuslebauer, Kritiker, Zivilisten (2), US-Soldaten, Ideologen, Staatsbürger, Politiker, Teilnehmer, Sozialdemokraten, Immobilienbesitzer

gemischte Aufzählung (insgesamt einmal):
Oppositionelle, Journalistinnen, Menschenrechtsaktivisten und auch Ortskräfte

(kein weiteres generisches Femininum oder Genderformen mit Sonderzeichen)

Kleines Schmankerl zum Schluß (auch S. 1):
Wahlumfragen sind allerdings generell unsicher und geben nur die Stimmung zum Befragungszeitpunkt wider.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2021 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46904

Im Rundfunkprogramm wurde gestern für RTL eine Sendung über die schönsten Hunde und ihre Halter:innen angekündigt. Warum werden die Hunde nicht gegendert? PETA sollte einschreiten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.08.2021 um 00.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46902

funk, das "Content-Netzwerk" von ARD und ZDF über Braunbären und Vegetarier:innen
https://instagram.com/p/CStl1KpIopu
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.08.2021 um 19.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46901

Wenn man "innen" mit Pause davor spricht, ist es ein eigenes Wort wie ein nachgestelltes Adjektiv und berechtigt zu der Frage, was diese Leute "außen" sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2021 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46897

Die Böll-Stiftung produziert unlesbare Texte, genau wie Baerbock und andere, die sich lieber ins Abseits manövrieren, als sich linguistisch sachkundig zu machen. Die Frankfurter Rundschau, der das gefällt, referiert:

Gerade weist die Heinrich-Böll-Stiftung darauf hin, dass zum Beispiel die kanadische Regierung auch andere besonders gefährdete Gruppen in ihr Aufnahmeprogramm einbezogen habe: „Menschenrechtsverteidiger:innen, Autor:innen, Künstler:innen, Sportler:innen, Angehörige religiöser und sexueller Minderheiten“. (FR 18.8.21)

Andererseits leitartikelt sie in der gleichen Ausgabe:

Olaf Scholz verwendet „liebe Bürgerinnen und Bürger“. Er würde nicht mehr das generische Maskulinum verwenden, eckt auch nicht an mit Gendersternchen oder indem er „innen“ mit Pause spricht.

Wie kann man mit etwas anecken, was angeblich der moderne deutsche Sprachgebrauch ist? Oder geht es etwa doch um die Umerziehung der Deutschen, die nicht so gut ankommt, wie die Zeitung will?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 20.08.2021 um 05.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46894

Bei Korinthenkacker steht noch unter Statistischen Angaben:
Partizipial­form (keine Form wie der/die Studierende möglich)

Warum ist das nicht möglich?

Seltsam auch diese Angabe:
Kurzformen der/die Korinthenkacker*in
grammatikalisch falsch, wird aber als korrekt postuliert (= generisches Femininum wie Kolleg*innen)

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.08.2021 um 00.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46893

Aus Spaß an der Freude habe ich mal in dem hier schon erwähnten »Genderator« das unfeine Wort »Arschloch« eingegeben. Ich war wohl nicht der erste, denn die Verfasser merken an, daß sie es »wegen der häufigen Suche nach diesem Wort (oder Hinweises an uns)« in das Wörterbuch aufgenommen haben. (www.genderator.app/wb/arschloch)

Die einleitenden Hinweise klingen vielversprechend: »Sie möchten das Wort ›Arschloch‹ geschickt und korrekt gendern? In diesem Wörterbucheintrag des Genderwörterbuchs finden Sie sämtliche möglichen Formen, Informationen zur Grammatikalität, Anmerkungen zum Wort und mögliche alternative Formulierungen.« Und man wird tatsächlich nicht enttäuscht:

Es folgt zunächst eine als Tatsachenfeststellung getarnte Ermahnung: »Dass es nicht gebraucht werden sollte, ist klar.« Dann die erhellende Auskunft: »Warum es nicht gegendert werden kann oder sollte: Es ist neutral (das) und kann nicht auf ein Geschlecht referieren (vgl. Mitglied).« Sehr informativ. Jetzt weiß ich immerhin, daß ich das Wort beim Gendern bedenkenlos verwenden könnte, wenn es denn nicht als solches schon tabu wäre. Eine Partizipialform ist übrigens leider »nicht bildbar oder nicht bedeutungsgleich«.

Nach diesem Erfolgserlebnis wollte ich noch wissen, wie ich denn »Korinthenkacker« geschickt und korrekt gendere. Ich kann die Fülle der Möglichkeiten hier nicht wiedergeben, aber wer interessiert ist, der kann es hier nachlesen: www.genderator.app/wb/korinthenkacker

Laut lachen mußte ich über den nachstehenden Ratschlag. Wenn ich den Verfassern dieses Wörterbuchs auch nur einen Funken Humor zutraute, würde ich so etwas wie Selbstironie vermuten, aber ich fürchte, das kann man in dem Fall wirklich vergessen.

»Besser nicht: Korinthenkacker wollen alles bis ins kleinste Detail beschreiben und regeln.
Besser so: Korinthenkackerinnen und Korinthenkacker wollen alles bis ins kleinste Detail beschreiben und regeln.«

Hanns Dieter Hüsch hätte gesagt: »So etwas kann man nicht erfinden. Zuhören, aufschreiben, vortragen!«
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 19.08.2021 um 22.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46892

Die*der Bundeswahlleitende
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.08.2021 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46891

Der Bundeswahlleitende spricht ja auch schon seit langem von Briefwählenden ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46890

Bei der Bundestagswahl 2021 sind rund 5,1 Millionen Jungwählende, also Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren zur Wahl aufgerufen, davon sind 2,8 Millionen Erstwählende. (tagesschau.de 19.8.21)

Als Quelle wird der Bundeswahlleiter angegeben, im Text selbst heißt es Erstwähler, Jungwähler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46882

Die Frauenquote bringt Frauen in höhere Positionen, weil sie Frauen sind (ein Verstoß gegen das Grundrecht der Chancengleichheit); aber die gesetzlich vorgeschriebene „geschlechtsneutrale“ Stellenausschreibung dürfte noch keiner Frau zu einer Stelle verholfen haben. Es zweifelt ja ohnehin niemand daran, daß Stellen nicht nur für Männer ausgeschrieben werden. Was nicht heißt, daß nicht in manchen Berufen Männer, in anderen Frauen überwiegen. Das hat aber keine sprachlichen Gründe.
Schlichte Wahrheiten, die aber in unserer ideologisch hochgerüsteten Gesellschaft keine Chance haben.
 
 

Kommentar von Theodor Icler, verfaßt am 19.08.2021 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46881

Wenn ein Sprachwissenschaftler ideologisch verzerrte, offensichtlich falsche Behauptungen über sprachliche Tatsachen aufstellt (z. B. über die Obsoletheit des generischen Maskulinums), ist er ein schlechter Sprachwissenschaftler, und ich würde meinen Kindern und Enkeln nicht raten, seine Lehrveranstaltungen zu besuchen. Dies muß einmal deutlich gesagt werden. Eine Checkliste zur Professorenbewertung sollte diesen Punkt enthalten.
Das gleiche gilt für Zeitungen und Bücher. Gegendert oder gar mit Genderthesen verziert? Ab in die Tonne!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.08.2021 um 12.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46879

Vielleicht hätte man sich bei der Förderung von Gender Mainstreaming nicht so auf die Ring Road konzentrieren sollen. Hier erzählt ein ehemaliger Bundeswehrsoldat etwas über Topographie und Familienstrukturen des Landes:
https://youtube.com/watch?v=UCg30D8Y3rM

Man hätte mehr Fachfrauen für Medienarbeit einsetzen sollen, Elisabeth Wehling zum Beispiel. Immerhin gab es noch 50 Millionen für ein Taliban-Aussteigerprogramm.
https://spiegel.de/politik/deutschland/afghanistan-strategie-berlin-zahlt-50-millionen-fuer-taliban-aussteiger-a-674048.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2021 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46877

"Die Amerikaner senden Soldaten nach Afghanistan" – hier würde niemand "die Amerikaner und Amerikanerinnen" sagen oder erwarten. Gibt das den Journalisten nicht zu denken? Aber wenn es nicht einmal Linguisten wie Horst Simon zu denken gibt...

Ich habe den achtseitigen Politikteil der gestrigen SZ durchgesehen. Nur auf der Meinungsseite kommen einmal die bereits erwähnten „Afghaninnen und Afghanen“ vor und zweimal die schon automatisierten „Schülerinnenundschüler“, was man ja nicht als Gendern im eigentlichen Sinne ansehen kann. Sonst gar nichts, obwohl es Dutzende von Gelegenheiten gegeben hätte. Das ist die Wirklichkeit, und die Herrschaft des generischen Maskulinums fällt NICHT auf, im Gegensatz zu Horst Simons Behauptung.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.08.2021 um 06.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46876

Gendern in Afghanistan? Ihr Freund, Herr Metz, rennt da offene Türen ein. Es wurde z.B. im Zeitraum 2010–12 mit 2.000.000 Euro von uns gefördert. Siehe Seite 3 in https://dserver.bundestag.de/btd/17/082/1708256.pdf
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.08.2021 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46873

Ich lese gerade Texte zum Thema ambulante und stationäre Altenpflege. Auf pflege.de gibt eine Frau aus der Praxis Auskunft und Ratschläge. Zur Frage, wann eine vollstationäre Pflege unausweichlich wird, sagt sie unter anderem: »Immer dann, wenn eine psychische oder physische Gefährdung vorliegt – sowohl für den Pflegebedürftigen als auch für den pflegenden Angehörigen. Wenn es beispielsweise nachts häufiger vorkommt, dass der Pflegebedürftige alleine aufsteht und fällt, kann der Angehörige ja nicht mehr ruhig schlafen und sich erholen.« Ich lese diese Sätze und frage mich, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die uns weismachen wollen, daß hier nur von Männern die Rede ist, daß Frauen hier nicht »angesprochen« würden und allenfalls »mitgemeint« seien. »Da gibt es vielleicht auch noch Frauen, aber vielleicht auch nicht.« Auf welchem Planeten leben diese Leute? Und wer gibt ihnen das Recht, ihre verkorkste und weltfremde Sicht auf die Dinge Abermillionen von Menschen aufzudrücken? Wenn man die Wirklichkeit nur lange genug verbiegt, erscheint sie manchen tatsächlich irgendwann krumm, und sie glauben dann, sie begradigen zu müssen.

Ein Freund fragte mich gestern, ob man den Frauen in Afghanistan nicht wenigstens ein bißchen helfen könnte, indem man dort das Gendern einführt. Ich konnte dazu leider nichts sagen, weil ich nicht weiß, wie es das Paschtunische mit dem Genus bei Personenbezeichnungen hält. Wie heißt »Wählerinnen und Wähler« auf paschtunisch (oder in den vielen anderen in Afghanistan gesprochenen Sprachen)? Keine Ahnung.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.08.2021 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46871

Heißen die weiblichen Afghanen-Windhunde auch Afghaninnen?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.08.2021 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46870

Zu #46861: In den Zeitungen haben wir diese Frauenquote ja schon, und zwar beträgt sie exakt 50 Prozent: Afghaninnen und Afghanen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46868

Zum Gendern befragt die SZ (17.8.21) den Sprachhistoriker Horst Simon. Da ist natürlich klar, was dabei herauskommt. Er selbst gendert (wenn auch nicht lückenlos) und behauptet, ein 10 Jahre alter Text im generischen Maskulinum „fällt inzwischen auf“. (Leuten wie ihm vielleicht, aber sonst nicht. Die meisten Texte der SZ sind nicht gegendert, und das fällt überhaupt nicht auf. Man sollte bei der Wahrheit bleiben.)

Vgl. DLF vom 8.6.18:
(Horst Simon:) „In meiner Vorlesung sitzen 100 Studenten“: Mit diesem Maskulinum im Beispielsatz will der Professor für Historische Sprachwissenschaft an der FU Berlin zeigen, worum es hier geht: „Dass das die schlechteste aller Lösungen ist, dazu gibt es eine Menge Forschungen mittlerweile.“ Bei rein maskulinen Formen würden sich die Leute vorstellen, es gehe im Wesentlichen um Männer. „Da gibt es vielleicht auch noch Frauen, aber vielleicht auch nicht“, so Horst Simon. Zwar seien Sternchen, Binnen-I oder Unterstrich nicht gerade schön – doch „besser als das Maskuline auf jeden Fall“.

Und vgl. schon http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=188#1064
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46866

Eigentlich sollte uns nach 25 Jahren Rechtschreibreform nichts mehr schrecken, aber das Gendern setzt noch eins drauf. Diese sprachliche Abgestumpftheit bei Journalisten, die man doch zu den Sprachberufen im weiteren Sinn rechnen kann!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.08.2021 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46864

Das kommt dabei heraus, wenn man aus Unwissenheit oder ideologischer Verkrampftheit (oder beidem) die generische Form verschmäht, die allen kostenlos zur Verfügung steht und von freien und informierten Schreibern auch ganz selbstverständlich benutzt wird. Es ist ein Trauerspiel.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.08.2021 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46862

"Er ist ohne Zweifel einer der einflussreichsten deutschsprachigen Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts: Heute vor 65 Jahren starb Bertolt Brecht." WDR3
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46861

Brauchen wir eine "Frauenquote für Geflüchtete"? Dann sollte wir die Herkunftsländer überreden, uns nicht so viele Männer zu schicken.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.08.2021 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46843

Zahlreiche Medien richten einen dringenden Appell an die Bundeskanzlerin und den Bundesaußenminister, Mitarbeiter und Helfer, die ihre Arbeit jahrelang in Afghanistan unterstützt haben, jetzt nicht im Stich zu lassen. Der Text des offenen Briefs ist noch chaotischer gegendert, als wir das von der täglichen Zeitungslektüre kennen. Offenbar soll für jeden etwas dabeisein. Ich meine jetzt wohlgemerkt nicht die Betroffenen, sondern die an der Initiative beteiligten Medien. In der vom SPIEGEL veröffentlichten Fassung geht alles kunterbunt durcheinander: Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, MitarbeiterInnen, Mitarbeiter:Innen (wobei nicht einmal die taz in ihrer Fassung den Doppelpunkt verwendet, was sie in ihren eigenen Texten ja durchgehend tut, und wobei das i in dem Fall klein zu schreiben wäre und nicht groß). Das muß man erst einmal hinkriegen in einem so kurzen Text!

Selbst bei einem derart ernsten Thema gelingt es den Handelnden also nicht, von ihrer notorischen Kinderei abzusehen. Statt ihren Forderungen mit prägnanten Formulierungen Nachdruck zu verleihen und es den Empfängern durch eine konzentrierte, stringente Argumentation Zeile für Zeile unmöglich zu machen, sich der angemahnten Schlußfolgerung zu entziehen, lenken sie deren Aufmerksamkeit um einer albernen Marotte willen in fast jedem Satz auf ein Nebenthema und schwächen damit ihr eigenes Anliegen, zumindest rhetorisch, aufs empfindlichste. Haben die Damen und Herren Journalisten tatsächlich kein Gespür mehr für so etwas? Ich empfinde das als unglaublich kokett, um nicht zu sagen schändlich.

SPIEGEL-Fassung (15.8.21, 16.30 Uhr):

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
JournalistInnen, Stringern und ÜbersetzerInnen [was ist mit den Stringerinnen?]
Mitarbeiter:Innen
Mitarbeiter:Innen
Mitarbeiter:Innen
Journalisten
Täter
Mitarbeiter
Journalist:Innen
MitarbeiterInnen
Übersetzer
Mitarbeiter:Innen
Afghanen
Bundeswehrübersetzer
Mitarbeiter:Innen
Mitarbeiter
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2021 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46838

Die SZ (14.8.21) berichtet über „Solarfarmen im Weltall“. Die Forscher sind durch Forschende ersetzt, alle anderen maskulinen Personenbezeichnungen bleiben erhalten. Dieser Zustand könnte in den Medien noch eine ganze Weile herrschen. Wen kümmert’s? Genau das ist unser Problem. Den meisten ist es wurscht, was die da (oben oder drüben) treiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2021 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46827

Wenn die Motion noch eine Funktion haben soll - und das wird ja nicht bestritten -, kann ein Mann nicht Bundeskanzlerin werden. An dieser Tatsache wird die öffentlich-rechtliche Umerziehung scheitern.

Die grammatisch maskuline Form ist zugleich der geschlechtsneutrale Stamm, oft ein Nomen agentis. Es gibt Tausende von Beispielen wie Bestäuber. Gelegentlich wird eine Biene oder Fliege Bestäuberin genannt, aber nicht wegen ihres Geschlechts (ich habe Arbeitsbienen mal als "sexuell abgerüstet" bezeichnet), sondern als grammatische Angleichung (wie bei den Tochterfirmen usw.). Man könnte von einer grammatischen Gefälligkeit sprechen. Anders sieht es aus, wenn in amerikanischen Texten die Biene mit she pronominalisiert wird; das ist dann Ideologie, leider auch in der Wissenschaft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.08.2021 um 01.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46826

Marietta Slomka im »heute journal«: Auf die Frage »Wen hätten Sie am liebsten als Bundeskanzlerin?« sprechen sich 44 Prozent für Olaf Scholz aus, das ist ein Zuwachs von 10 Prozentpunkten gegenüber dem letzten Politbarometer. Scholz wird also immer mehr als Frau wahrgenommen. Das ist in der heutigen Zeit sicher kein Nachteil.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.08.2021 um 23.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46813

Noch zu #46729: Die Wörterbuchmacher waren immer schon anfällig fürs Moralisieren. Als Kinder und Jugendliche haben wir uns darüber geärgert, daß die Englischwörterbücher damals noch sämtliche Vokabeln zur Beschreibung des Geschlechtsakts sorgsam mieden. Die heutige Verfälschung der sprachlichen Wirklichkeit entspringt im Grunde derselben Haltung wie die damalige Prüderie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2021 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46807

Der übliche Widerspruch ist hier besonders klar zu sehen: Man greift in die Sprache ein und tut zugleich so, als beobachte man diesen Eingriff wie ein Geschehen, das sich einfach so ereignet.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 11.08.2021 um 13.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46806

Der Diversity-Beirat des WDR wird in der Mitarbeiterzeitschrift Fünkchen zitiert:

Sprache bildet gesellschaftliche Strukturen ab und ist wandelbar. Als Medienhaus nehmen wir mit unseren Texten Einfluss auf die Veränderung des Sprachgebrauchs – und prägen damit auch die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Vielfalt. Deshalb achten wir konsequent auf eine gendergerechte und wertschätzende Sprache.
https://twitter.com/VDS_weltweit/status/1425331602268250114
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.08.2021 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46784

Eine Berliner Grundschullehrerin berichtet in der WELT (8.8.21) darüber, wie sie während des Studiums und ihres Referendariats unter Druck gesetzt wurde zu gendern, zunächst in der klassischen Form mit Doppelnennungen, dann mit Gendergap einschließlich Aussetzer beim Sprechen. Angeblich ist sogar damit gedroht worden, Kandidaten durchfallen zu lassen, wenn sie die Gendervorgaben nicht befolgten.

[…] die verordneten Sprechpausen habe Jasmin M. nur bei Unterrichtsbesuchen und in ihren Abschlussprüfungen gemacht. „Für die meisten Kinder war das schwierig, weil im Alltag fast niemand so redet“, sagt die junge Lehrerin. Sie habe sich daher auch angewöhnt, wenn möglich geschlechtsneutrale Begriffe zu verwenden – „Kinder“ oder „Lehrkräfte“.

Ob das in der Lehrerausbildung Alltag ist oder ob hier nur ein paar übereifrige Prüfer übers Ziel hinausgeschossen sind, weiß ich nicht. Wichtiger erscheint mir die Erkenntnis, daß das Ganze schon im Ansatz falsch ist:

Im Kern gehe es darum, dass jedes Kind sich angenommen fühle. „Wenn jetzt ein Kind zu mir sagen würde, ich finde schlimm, dass du Schülerinnen und Schüler sagst, würde ich eben fragen: Wie möchtest du denn, dass wir sagen?“

Dass das Gendern in ihrer Ausbildung, auch schon im Studium, immer wieder eine große Rolle gespielt habe, kann Jasmin M. nicht verstehen. Im Schulalltag gebe es andere Herausforderungen: dass zum Beispiel alle Kinder mit auf Klassenfahrt könnten. Bei manchen Mädchen sei das nicht selbstverständlich. In vielen der Fälle, die Jasmin M. kennt, kämen die Schülerinnen aus arabischstämmigen Familien, in denen Bildung für Frauen niedrig gewichtet würden – weil die Tochter später Hausfrau und Mutter werden solle.

„Eine Zwölfjährige muss sich um den Haushalt kümmern, hat kaum Zeit für Hausaufgaben“, sagt sie. „Ein anderes Mädchen bleibt zu Hause, um mitzuhelfen, nachdem ihre Mutter ein Kind bekommen hat. Was hilft es diesen Mädchen, wenn ich gendere?“ M. fragt sich, ob man Kinder aus Familien mit stark patriarchalen Vorstellungen durch Gender-Unterstriche nicht sogar eher verliert – weil sie das Gefühl bekommen könnten, in der Schule eine Welt vorzufinden, die mit ihnen nichts zu tun hat.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 09.08.2021 um 11.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46783

Eine Journalistin twittert:

Geil. Beim #BR darf man jetzt nicht mehr mit * #gendern. So viel zum Thema Journalist:innen wird "von oben" was vorgeschrieben. Das ist das erste Mal, dass ich so eine "von oben" Ansage erlebe und - siehe da - es ist eine, die konservativen Kräften gefallen will. Yo. Gute Nacht.
https://twitter.com/mrshalser/status/1422852822828265473

Sie übersieht da etwas. Sie selbst würde nicht gendern, wenn es gewisse Autoritäten ihr nicht vorgegeben hätten. Nur sind diese Autoritäten nicht Führungspersonal beim BR, sondern "Influencer" ihres selbstgewählten Umfelds. Es gibt also auch für sie eine Ansage "von oben". Diese selbstgewählte Unfreiheit läßt sich immer dann sehr gut erkennen, wenn gerade eine neue Sau durch Twitter getrieben wird. Soll irgend ein Wort nicht mehr gesagt werden, irgend eine Person nicht mehr eingeladen werden, sind die Sektenmitglieder ihrer Blase innerhalb von Sekunden überzeugt und einer Meinung. Und wer sich dem entgegensetzt, wird exkommuniziert.

Die starren Regeln einer religiösen Sekte gelten in erster Linie ihren Mitgliedern.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.08.2021 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46779

Eine Spielerfrau hat sich Gedanken über das Gendern gemacht und aus dem Ergebnis ihrer Überlegungen Konsequenzen gezogen: https://www.stern.de/lifestyle/cathy-hummels-will-auf-instagram-zukuenftig-nur-noch-gendern-30650088.html
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.08.2021 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46775

Die große Mehrheit war damals auch gegen die Rechtschreibreform, aber wirklich bekämpft hat sie kaum jemand. Die meisten wollten einfach mit dem Thema Rechtschreibung in Ruhe gelassen werden, es interessierte sie nicht. Sie waren gegen die Reform aus Trägheit, nicht weil sie sie für falsch oder die herkömmliche Rechtschreibung für bewährt und besser hielten. Das brauchten die Reformer nur auszunutzen.

Ich fürchte, ähnlich ist es jetzt mit der Genderei. Solange die Leute sich dafür anstrengen müssen, lehnen sie sie ab. Aber was Computerprogramme ohne ihr Zutun automatisch machen, regt niemanden auf.

Meine Zuversicht schöpfe ich nur daraus, daß die Genderei und die neue sogenannte Geschlechtergerechtigkeit, wenn sie denn wirklich komplett durchgezogen würden, unüberhör- und -sehbar lächerlich und eigentlich unmöglich sind.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.08.2021 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46774

Dieser Tage mußte ich öfter an die Hauptstadtdebatte vor dreißig Jahren denken.

Damals verbanden viele mit dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin die Hoffnung auf mehr »Bürgernähe« der Politiker. Noch ein Jahr vor der ersten Sitzung des Bundestages im umgebauten Reichstagsgebäude, im Oktober 1998, formulierte Wolfgang Thierse: »Die Stadt ist lauter, aggressiver, widersprüchlicher als das idyllisch anmutende Bonn. Das Verhältnis zwischen Politik und Kultur, Wissenschaft und städtischem Leben wird sich ändern. Dem können sich die Abgeordneten nicht entziehen. Berlin ist eine Anti-Idylle. Und die Abgeordneten werden sich nicht einigeln. Dann fahren sie auch U-Bahn oder S-Bahn. Und dann werden sie die unfreundlichen Berliner erleben. Sie werden auch davon etwas mitnehmen und lernen.« (https://www.politische-bildung-brandenburg.de/ausstellungen/wendepunkte/hauptstadtdebatte)

Angesichts der erstaunlichen Gleichgültigkeit fast aller politischen Parteien gegenüber der Ablehnung des Genderns durch die große Mehrheit der Bevölkerung muß man sich fragen, ob sich diese Hoffnung erfüllt hat und was genau die Politiker eigentlich in Berlin gelernt haben und bei wem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2021 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46764

Ich dachte an die unflektierte Formel analog Schülerinnen und Schüler, aber natürlich weiß man es nicht, und es kommt ja tatsächlich nur auf die Gedankenlosigkeit des Herunterleierns an.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.08.2021 um 12.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46763

"von Ingenieurinnen und Ingenieure"
Es ist kaum vorstellbar, daß eine automatische Ersetzung so abgrundprimitiv ist und diesen einfachen Fall nicht korrekt behandelt.
Eher wurde das wohl von einem Menschen geschrieben, der beim Schreiben von demselben Grauschleier beeinträchtigt wird, wie der dem Leser zugemutet wird. Die aufgeblasenen Konstruktionen erschweren die korrekte Kasusmarkierung, wie die regelmäßigen Fehler dieser Art belegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2021 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46762

Die Universität Erlangen hat das Gendern automatisiert, ohne die Tücken der Ersetzungsfunktion zu bedenken:

die nächste Generation von Ingenieurinnen und Ingenieure aus Erlangen (https://www.fau.de/files/2021/07/13_alexander_116_2021_web.pdf)

Während die Textproduzenten das Bewußtsein ausgeschaltet haben, soll das der Leser erzieherisch beeinflußt werden. So ist es von ganz oben (dem Gleichstellungsbüro) angeordnet.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 06.08.2021 um 15.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46754

Microsoft schreibt allen Ernstes: Kaufen Sie bei den folgenden Handelnden einen Windows 11-kompatiblen PC
https://microsoft.com/de-de/windows/windows-11

Interessant wird es, wenn IT-Dienstleister die Autovervollständigung auf Gagasprech umstellen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.08.2021 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46753

Die Titelgeschichte des aktuellen SPIEGEL (32/2021) ist auch unter dem Aspekt des Genderns interessant. Die Autoren hatten nämlich 37mal die Gelegenheit, das generische Maskulinum zu vermeiden (wobei ich Fälle wie Chiphersteller, Ausreißer und Vorgängerbericht nicht mitgezählt habe). Davon haben sie 35 ungenutzt gelassen! Allein 9mal ist die Rede von Forschern, 5mal von Wissenschaftlern, man begegnet Experten, Meteorologen, Besuchern, Landwirten, Warnern, Autoren, Kollegen und Regierungschefs. Es kann jeden treffen, heißt es da, jeder Bergwanderer wisse dieses oder jenes, usw. Keine Spur von Forschenden, keine umständlichen Umschreibungen von Allerweltswörtern wie 250-Einwohner-Dorf, nichts von alledem.

Man kann den ganzen Artikel von der ersten bis zur letzten Zeile ganz normal lesen. Die Autoren gewähren ihren Lesern die beim SPIEGEL inzwischen selten gewordene Gunst, sich ganz auf den Inhalt zu konzentrieren, und nötigen sie nicht, in jedem dritten Satz einen Gedankenausflug in die sicher auch ganz interessante Welt des Feminismus zu absolvieren. Nur an zwei Stellen wurde eine Paarformel in den Text hineingequetscht: Forscherinnen und Forscher, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es geht wohl nicht ganz ohne beim SPIEGEL, aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen. Den Autoren ist hoch anzurechnen, daß sie einen solchen Text abgeliefert (und womöglich auch gegen interne Widerstände durchgesetzt) haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2021 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46729

Die Wörterbücher haben ihren klassischen (Grimmschen) Grundsatz aufgegeben, die Sprache so zu dokumentieren, wie sie ist, und geben statt dessen an, wie sie sein sollte. Diese Beobachtung machte zu Beginn der Rechtschreibreform Frau Wahrig-Burfeind, ich wiederhole das Zitat:
„Vor diesem turbulenten orthographischen Hintergrund ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu bearbeiten, kehrt die lexikographische Tätigkeit, die sich üblicherweise mit der Vergangenheit und der Gegenwart des Sprachgebrauchs befasst, in ihr Gegenteil. Die heute alles beherrschende Frage lautet: Wie schreibt man in Zukunft?“
Was die Rechtschreibreform betrifft, war mein Wörterbuch das letzte vom alten Schlag. Ungefähr zur gleichen Zeit führte Dudens Universalwörterbuch über 3000 weibliche Personenbezeichnungen ein, darunter völlig unbelegte. Das war also keine Dokumentation mehr, sondern eine Anleitung zum Gendern. Auf diesem volkserzieherischen Weg ist der Verlag weitergegangen und produziert heute eine ganze Menge solcher Ratgeber, damit wir bessere Menschen werden.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 04.08.2021 um 23.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46728

Auf den Wiesen tummeln sich Grashüpfende und Zitronenfaltende. Gendern für Anfangende.
https://twitter.com/_homoduplex/status/1422898319613906949
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.08.2021 um 22.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46727

Doch, doch, den »Perso« gibt es schon, wenn auch bisher nur als Kurzwort für »Personalausweis«. Und die »Menschin« kennt der Duden schon seit 1994 (Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 2. Aufl.). Siehe auch den aktuellen Eintrag im Online-Duden: https://www.duden.de/rechtschreibung/Menschin
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.08.2021 um 21.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46726

So wie ich die Genderei verstehe, ist im Singular "der Mensch" ein Mann und "die Person" eine Frau, weil es "die Menschin" und "den Perso" nicht gibt.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 04.08.2021 um 13.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46721

Interessant, wie Baerbock gendert:
https://youtube.com/watch?&v=7TJp8Ii4dM4
Generisches Femininum. Allerdings berichtet sie auch von ihren "Freunden", nicht Freundinnen.

Man hat wie so oft den Eindruck, daß es nur um Rollenumkehr geht.

Gibt es eigentlich auch Redeausschnitte, in denen sie nachdenklich wirkt und in Ruhe ihre eigenen Gedanken setzt? In der Art einer Auseinandersetzung mit Gegenargumenten? Auf mich wirkt das immer wie Geplapper.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2021 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46698

Entspricht ganz meiner Erfahrung und meiner Meinung.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.08.2021 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46697

Die allgemeine Schulpflicht garantiert tatsächlich weder Wissen noch „Kompetenz“. Was ich während der Gymnasialzeit meiner Kinder an Lehrermurks mitansehen mußte, hat mir jahrelang die Zehennägel hochgerollt. Dann die unzähligen Unterrichtsausfälle, die ständigen Vertretungsstunden, die läppischen Projektwochen, die Betriebspraktika, die Girls’ Days bzw. Boys’ Days und so fort. Und dann die Einführung des Schulfachs „darstellendes Spiel“, heiliger Bimbam!

Abgesehen davon, daß es verantwortungslos und rücksichtslos ist, die Lebenszeit junger Menschen zu verplempern, ist es kein Wunder, wenn mittlerweile selbst höchste Kreise mit Blödheit geschlagen sind. Hohle Phrasen nachplappern kann man zwar auch aus anderen Gründen; Frau Pareigis etwa wird einfach nur ein sicheres Gefühl dafür haben, was ihrer Karriere beim ZDF nützt. Daß aber Menschen mit Schulabschluß das Impfen für böse halten können, daß die Hälfte der Grünen an Globuli und Bachblüten glaubt, daß die einstige Arbeiterpartei SPD völlig losgelöst gegen die eigene Klientel angendert, weist bedenkliche Defizite nach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2021 um 03.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46693

Einerseits kann man es diesen Leuten nicht durchgehen lassen, wie sie sich auf Kosten anderer einen Pluspunkt zu verschaffen suchen, andererseits muß man ihnen im Hinblick auf ihre eigene Praxis zugestehen: Sie wissen buchstäblich nicht, was sie tun.

Wer es sich leisten kann, in jeden zweiten Satz eine "Pause" einzuschalten, in der er über Geschlechtliches nachdenkt, hat bestimmt nicht viel zu sagen.

Das Nachplappern der feministischen Parolen geschieht mittlerweile flächendeckend bis in die höchsten Kreise und ist erschreckend bei einem Volk mit allgemeiner Schulpflicht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 02.08.2021 um 00.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46692

Zu Jana Pareigis: Das Interview machte die Runde und die anmaßende Attitüde, die sie von Petra Gerster übernommen hat, und deren Begründung sich letztlich in der Wiedergabe der unreflektierten Slogans erschöpft (nicht nur mitmeinen, alle ansprechen, sich in Frage stellen, zum Nachdenken bringen) sind wirklich sehr ärgerlich. Für Zwangsgebührenzahler sowieso.
In der Praxis scheint es sich aber zu relativieren: Die Sendung vom 31.7.21 schmückt sie mit gerade mal mit Tourist__innen und Menschenrechtler__innen, jeweils recht dezent artikuliert.
Die Einspieler erzählen dagegen unverdrossen von Hoteliers, Eifelianern, Touristen, Gastronomen, Nachbarn, Kurden.
Auch scheint ihr zu entgehen, daß sie ihren eigenen Prämissen widerspricht, als sie im allerersten Anreißer der Sendung sagt: "Jeder Fünfte zwischen 12 und 17 Jahren..."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.08.2021 um 23.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46691

Daß die einfache, unmarkierte Form, die nach wie vor auch im Bestimmungswort von Zusammensetzungen immer noch fast ausschließlich verwendet wird, bereits alle Geschlechter gleichermaßen anspricht, ist nicht vergessen, weil es auch gar nicht anders geht. Die das Gegenteil behaupten sind Idealisten, denen der Blick auf die Realität völlig fehlt. Irgendwann wird diese Dummheit von allen belächelt werden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.08.2021 um 21.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46690

Jana Pareigis führt beim ZDF die wichtige Arbeit von Petra Gerster fort:

In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte Pareigis vor ihrem Debüt zu dem Thema noch erklärt: „Mir ist es wichtig, dass man alle anspricht, nicht nur Männer und Frauen. Da ist das Gendersternchen jetzt das Instrument, das man dafür hat“.

Auch privat gendere sie, auch wenn sie sich daran gewöhnen müsse und es ein Prozess sei. „Ich finde es aber gut, weil man sich auch selbst hinterfragt. Diese Pause, die man beim Sprechen des Sternchens macht, ist ein Moment, in dem man überlegt.“

(welt.de, 28.7.21)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2021 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46689

Wenn die Nachrichtenagenturen sich zusammentun, um – wie seinerzeit bei der Rechtschreibreform – eine gemeinsame Genderstrategie zu vereinbaren, tun sie es wohl nicht aus idealistischen Beweggründen, etwa um die Einheitlichkeit der Schriftsprache zu wahren. Vielmehr dürfte es ihnen wie damals um eine Kartellbildung gehen, um die Ausschließung von Wettbewerb. Außerdem hilft es bei der Verschleierung von Verantwortung für etwas, was eigentlich keiner will.
Bei der Rechtschreibreform ist es ihnen leidlich gelungen, zum Schaden der deutschen Sprache. Das Gendern wird selbst in der vereinbarten gemäßigten Form allen schaden, auch der Auflage. Der Leser wird auf jeder Seite viel deutlicher als bei der Rechtschreibung merken, daß die Zeitungen sich von der allgemein üblichen Sprache abwenden, um ihn umzuerziehen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.08.2021 um 09.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46686

Das Interview ist leider hinter Paywall, aber Baerbock sagt wohl bezüglich auf Gesetzestexte: „Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mitzumeinen.“

Jeder Text wird inzwischen als Anrede interpretiert. Gerade bei Gesetzestexten Probleme dürfte das Gendern Probleme verursachen. Gendersprache bekommt dadurch auch einen offiziellen Status.

Ich hatte unten das Zündfunk-Interview mit Stefanowitsch erwähnt. Dort sagt er:

In den Bereichen, wo Aktivismus oder Sprachplanung betrieben wird, sollte man sich überlegen: Was wollen wir eigentlich erreichen mit unserer Sprache? Was wollen wir signalisieren? Und dann sollte man die Formen des Genderns auswählen, die zu diesem Vorhaben passen. Ich glaube, es geht erstmal gar nicht unbedingt darum, die Zustimmung der Bevölkerung zu kriegen, sondern darum, überhaupt erstmal ein Wissen zu verankern, worum es hier geht. Dafür ist ganz viel Bildungsarbeit nötig, ganz viel Aufklärungsarbeit und auch ganz viel Diskussion.

Er kommt nahtlos von Aktivismus über Sprachplanung zu Bildungs- und Aufklärungsarbeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2021 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46684

"Sprache verändert sich" – und darum muß man sie verändern?

Ich wünsche den Grünen viel Erfolg, sie werden gebraucht, aber die Dummheiten zum Gendern, jetzt auch wieder aus dem Mund von Frau Baerbock, kosten viele Stimmen. Wie kann man ein solches Nebenthema so katastrophal als Mordwaffe gegen sich selbst richten?

Die Nachrichtenagenturen bekleckern sich auch diesmal nicht mit Ruhm, wenn sie statt der allgemein üblichen Sprache eine ideologische Kopfgeburt zur Norm machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2021 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46660

FR zum Erntenotstand in GB:

Die Kombination aus Corona-Pandemie und Brexit habe es so gut wie unmöglich gemacht, Erntehelfende vom europäischen Kontinent zurück auf die Insel zu holen. Doch die Geschäftsführenden der Farmen und Betriebe sehen die Hauptursache für die verheerende Lage auf den Feldern Großbritanniens beim Brexit, nicht bei den coronabedingten Reisebeschränkungen. Die Anstellung von Kräften aus dem Ausland müsse unbürokratischer gestaltet werden. Zusätzlich braucht es nach Ansicht der Landwirt:innen eine Kampagne der Regierung, die europäische Arbeitskräfte zur Rückkehr auf die Insel bewegt. (29.7.21)

Zwischendurch fehlt es an „Kunden“, während es arbeitslose „Briten“ und warnende „Experten“ gibt. Da stimmt doch etwas nicht! Von den Leserbriefschreibern gendert kein einziger. Das zeigt, wie sich das ideologisch gleichgeschaltete Blatt von den Kunden entfernt. Es wird böse enden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2021 um 03.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46646

Der normale Unterschied zwischen Volks- und (konservativer) Bildungssprache ist aber doch nicht vergleichbar mit der gegenwärtigen Sprachspaltung.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.07.2021 um 01.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46645

In Rom sprachen die Bürger das "Bürgerlatein", das in den romanischen Sprachen überlebt hat. Das "klassische" Latein wurde geschrieben und im Senat gesprochen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.07.2021 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46644

zu #46632, Herr Fleischhauer:
"In einer Welt, in der Leute sich durch Negerküsse beleidigt fühlen"

So eine Welt, denke ich, haben wir nicht.
Wir haben eine Welt, in der Leute glauben, sich wegen Negerküssen schämen oder fremdschämen zu müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46643

Meinen Sie das Humanistenlatein als Schul- und Hochschulsprache? Das war aber doch kein willkürlich verhunztes, und das Volk sprach auch längst kein Latein mehr. Aber vielleicht haben Sie ein anderes "Damals" im Sinn?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.07.2021 um 21.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46642

Es gibt jetzt also zwei hochdeutsche Sprachen: Das "normale" Hochdeutsch, das von den Menschen gesprochen wird, und das "Gender-Hochdeutsch", das in der Schule gelehrt wird. Beim Latein hat es damals genauso angefangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46638

Wir sehen immer die gleiche Autoritätsgläubigkeit, Verantwortungsscheu, den Verzicht aufs eigene Denken.
Als die Zeitungsverleger die Rechtschreibreform durchsetzen wollten, beriefen sie sich auf die Vorgaben der dpa (die ihnen gehörte), während die dpa sich auf die Wünsche der Zeitungsverleger berief. Das haben beide mir seinerzeit schwarz auf weiß gegeben.
Was das Gendern betrifft, so höre ich ständig: Es gibt eine Partei, die das ablehnt. – Kein guter Grund, die Rechtsextremen zu wählen, aber immerhin ein Grund. Man sollte die Wut der Bürger nicht unterschätzen. Gerade bei einer solchen Nebensache ist es sehr riskant, gegen das Volk zu regieren.
Freie Texte werden niemals gegendert sein, die unfreien aus der Schule werden also immer kraß an der Allgemeinsprache vorbeigehen und Tag für Tag eine schulspezifische, ideologische Sondersprache vorführen. Und wie steht es mit Sanktionen (Noten)? Weiß diese Frau, was da auf sie zukommt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46637

Das grüne Kultusministerium von BW will in den Schulen gendern lassen:

„Der Rechtschreibrat habe den Asterisk („Gender-Stern“) oder den Unterstrich („Gender-Gap“) nicht in sein Regelwerk aufgenommen, ihn aber auch nicht als falsch verboten. Diese Regelungslücke macht sich das Ministerium offenbar zunutze.“ (FAZ 28.7.21)

Man sieht hier, wie solche Dinge laufen. Der Rechtschreibrat kann den Kultusministern Vorschläge machen, mehr nicht. Die Kultusminister können sich weder auf den Rat noch auf Lücken in dessen Empfehlungen berufen, um sich selbst vor einer Entscheidung zu drücken.

Nur weiter so, Frau Minister! Wer nicht hören will, muß fühlen (beim Stimmenzählen). Anders geht es nicht.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 28.07.2021 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46636

Frage: Haben wir es bei der Azubi/die Azubi wirklich mit Differentialgenus zu tun oder vielmehr mit zwei unterschiedlichen, homonymen Wörtern? Können die Pluralformen Ahnen, Azubis und Hindus eine geschlechtsspezifische Bedeutung (weiblich) haben, da man im Singular die Ahne, die Azubi etc. sagen kann? Setzt die Geschlechtsneutralität von Ahnen im Plural das generische Maskulinum (DER Ahne) voraus? Wie sieht es mit substantivierten Adjektiven aus, könnte Vorsitzende gar als Pluraletantum (→ vorsitzende Leute) verstanden werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46635

Auch wer, wie die SZ, die nachgerade groteske Verfremdung der deutschen Sprache nicht mitmacht, teilt doch meistens den Mythos von der gerechten und ungerechten Sprache. Man könnte es zurückhaltend Sprachidealismus (nach Humboldt usw.) nennen oder schlicht Aberglauben und Atavismus.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.07.2021 um 11.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46634

Noch was vergessen. Hier steht, wer den Kanal finanziert: https://entr.net/de (runterscrollen)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.07.2021 um 11.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46633

Alle benutzen vermeintlich das Pronomen ich
= Alle Personen im Video benutzen ...
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.07.2021 um 11.36 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46632

Das Wort Anrede hat im Kontext der political correctness einen Bedeutungswandel durchgemacht. In einer Welt, in der Leute sich durch Negerküsse beleidigt fühlen, ist das auch folgerichtig, es verschieben sich jetzt manche Kategorien. Wir Alten werden uns nicht nur von überkommenen Geschlechterbildern, sondern auch von Unterscheidungen wie 1./2./3. Person verabschieden müssen. Wie das funktioniert, kann man sich in diesem Video anschauen:
https://youtube.com/watch?v=VDFiSajLwTY
(Das hier gehört wohl noch dazu: https://youtube.com/watch?v=_aQnGiYeOeM)
Alle benutzen vermeintlich das Pronomen ich, aber hier muß ich schon zögern, denn ist benutzen noch das alte benutzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46631

"Die Anrede Fräulein ist nur noch üblich, wenn die angesprochene Frau diese Bezeichnung selbst wünscht." (Duden online)

Eine etwas geschraubte Aussage, weil sie das Übliche konditioniert, ohne zu sagen, wie üblich die Konditionierung selbst ist. Sollte man Frauen nicht zureden, die Bezeichnung Fräulein nicht zu wünschen? (Wie ist es mit Zigeunern und Negern?) Überflüssig zu sagen, daß die Tilgung aus dem Amtsdeutschen nichts zur Besserstellung der Frauen beigetragen hat. Magie hat noch nie geholfen.

Übrigens wäre Fräulein ein Kandidat für die Verklausulierung als „F-Wort“, wenn nicht inzwischen Frau und Mann/Herr selbst zur Unterdrückung anstünden. Es geht auch nicht nur um "Anrede", wie der Duden kurzsichtig meint.

Nebengedanken bei der Lektüre eines Beitrags, in dem die SZ ihren gemäßigten Umgang mit dem Gendern erläutert (28.7.21).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.07.2021 um 00.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46628

Gendern nach Art des SPIEGEL, noch ’n Beispiel: Artikel über die Flutfolgen für die Winzer im Ahrtal (https://www.spiegel.de/panorama/flutfolgen-fuer-winzer-im-ahrtal-wenn-wir-das-nicht-wiederaufbauen-wird-das-hier-ein-geistertal-a-17a93723-5383-4f92-8a50-cd7f3d98996f):

Unterüberschrift:
Flutfolgen für Winzer im Ahrtal

Anreißer:
Die Winzer im Ahrtal hat das Hochwasser hart getroffen

Haupttext:
Vor zwei Wochen war die Welt der Winzerinnen und Winzer entlang der Ahr noch ziemlich in Ordnung
wünschen allen Winzern bis dahin starke Nerven [O-Ton Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr]
die Weinbauern brauchen jetzt nicht nur starke Nerven
wie die anderen 465 Winzerinnen und Winzer
Zahlreiche Weinbauern können das Ausmaß des Schadens noch nicht voll erfassen
Es sind Zehntausende, die er und seine etwa ein Dutzend Helferinnen und Helfer einzeln reinigen
Nach Aussagen mehrerer Winzer
Ein Hoffnungsschimmer für die Winzerinnen und Winzer im Ahrtal
Laut Baltes warteten die Winzer auf staatliche Sondergenehmigungen
damit Hubschrauber großflächig Pestizide versprühen dürfen*
Die Winzerinnen und Winzer wollen daher dem ökologisch schonenden Anbau jetzt keinen Vorrang einräumen
hofft auf die Hilfe heimischer Bauunternehmer und der Bundeswehr, um die Straßen freizuräumen. Und auf die Unterstützung von Winzerinnen und Winzern außerhalb des Tals.
Es fehle an Gerät und Handwerkern, um die Betriebe rasch wieder auf Vordermann [!] zu bringen. Er selbst will befreundete Kollegen [nur Männer oder bei der Vergenderung übersehen?] im Burgund fragen, ob sie ihm nicht mit Maschinen aushelfen könnten.
Er soll diejenigen Weinproduzentinnen und -produzenten unterstützen, die Existenznöte haben

* Achtung, Satire! (Oder doch nicht?)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.07.2021 um 01.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46606

Der SPIEGEL befragt die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks, Sabine Lackner, zu Anfeindungen gegen ehrenamtliche Helfer des THW (https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/thw-vizechefin-sabine-lackner-ueber-hilfe-im-flutgebiet-manche-sagen-jetzt-erst-recht-a-e695c827-2ef2-4c69-bf4f-0b00e2840ed4). Wer wissen möchte, wie der SPIEGEL es mit dem Gendern hält, sollte das Interview lesen (Hervorhebungen von mir):

Unterüberschrift: »THW-Vizepräsidentin zu Übergriffen auf Helfer«

Anreißer: »Die freiwilligen Helfer in den Flutgebieten gehen »physisch und psychisch an ihre Grenzen«, sagt THW-Vizepräsidentin Sabine Lackner – und doch werden sie angegangen und beleidigt. Wie geht man damit um?«

Im Text des eigentlichen Interviews wird dann viel von »Einsatzkräften« gesprochen, auch die »Ehrenamtlichen« und »Freiwilligen« kommen vor. Ansonsten gehen generisches Maskulinum und Doppelformen scheinbar munter durcheinander.

Aber vielleicht stecken doch gewisse Überlegungen hinter der Verteilung der Gendersignale über den Text. So scheinen die Autoren des SPIEGEL Häufungen von Doppelformen vermeiden zu wollen, vielleicht um die Geduld ihrer Leser nicht überzustrapazieren. Sie verfahren oft nach dem Schema »Eins links, eins rechts, eins fallenlassen«, das heißt, generisches Maskulinum, Doppelform und formal neutrale Bezeichnung (Teilnehmende, Ehrenamtliche) wechseln einander ab. Außerdem scheint man Wert darauf zu legen, daß sich Befrager und Befragter in ihrem Bemühen um sprachliche Gerechtigkeit nicht gegenseitig übertrumpfen. Wenn der Interviewer gegendert hat, muß der Interviewpartner, zumindest teilweise, erst einmal normal formulieren, und umgekehrt.

Drei typische Beispiele aus dem Gespräch mit Frau Lackner:

»SPIEGEL: Sind die Helferinnen und Helfer von ihren Arbeitgebern freigestellt für diese Arbeit?

Lackner: Ja. Das ist auch im THW-Gesetz festgelegt. Ich frage an jedem Einsatzort, an dem ich bin, wie es mit den Arbeitgebern läuft und bisher sagen alle, dass es super klappt. Deshalb ganz herzlichen Dank an die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber! Viele von ihnen verzichten sogar auf die Lohnfortzahlung, die ihnen eigentlich zusteht, wenn sie ihre Mitarbeiter entsenden.«

»SPIEGEL: Es war die Rede von Anfeindungen gegen THW-Helfer, offenbar auch aus der Querdenker-Szene. Was haben Sie da erlebt?

Lackner: Mir hat ein Helfer davon erzählt, wie das THW nach vier Tagen in ein bis dahin völlig abgeschnittenes Dorf gekommen ist. Da waren die Bewohner regelrecht sauer, weil sie das Gefühl hatten, es kümmere sich niemand um sie. Das kann ich nachvollziehen. Was ich aber nicht verstehe: Es gibt Menschen, die filmen und fotografieren unsere Helferinnen und Helfer und behaupten, die staatlichen Stellen würden nichts tun und nur sie selbst würden wirklich helfen.«

»SPIEGEL: Hat schon jemand gesagt, das belastet ihn oder sie zu sehr, um weiterzuarbeiten?

Lackner: Nein. Bisher nicht. Eher im Gegenteil, manche sagen ›Jetzt erst recht‹.

SPIEGEL: Könnte grundsätzlich etwas besser laufen bei der Hilfe für die Betroffenen?

Lackner: Wer nach einem Einsatz nicht sagt, man könnte noch etwas verbessern, der irrt.«

Das alles lenkt leider sehr vom Inhalt ab, was professionelle Journalisten eigentlich um den Schlaf bringen müßte. Als Leser habe ich das Gefühl, ungefragt zum Zeugen einer chaotischen Gruppentherapiesitzung gemacht zu werden, obwohl ich mich eigentlich nur über einen bestimmten Sachverhalt informieren wollte.

Sosehr das halbherzige Gendern nervt und Kopfschütteln verursacht, es kann nur auf dem Fundament eines gefestigten und richtig verstandenen generischen Maskulinums existieren. Gelegentliches Gendern kann jederzeit abgeschafft werden, ohne daß die Texte dadurch unverständlich würden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2021 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46584

Das katholische Magazin „Leben“ ist ebenso (unvollständig) gegendert wie sein evangelisches Pendant mit dem exotischen Titel „Chrismon“ – obwohl die Kirche selbst ja von Gleichstellung nichts wissen will.

Interessant: Die Pandemie wirkt oft als Verstärker in beide Richtungen. Hier handelt es sich um das unpersönliche reine Nomen agentis, per default im generischen Maskulinum.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.07.2021 um 22.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46562

Aus den Tagesthemen, heute abend im Ersten:

Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und Politiker, sie sind weltweit mit einer mächtigen Spionagesoftware ausgespäht worden, ohne es bemerkt zu haben.

Wenn ich diesen Satz oder einen gleichwertigen irgendwann einmal perfekt gegendert im öffentlich-rechtlichen Fernsehen höre, egal wie, dann werde ich wahrscheinlich im fortgeschrittenen Wahn auch anfangen zu gendern.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.07.2021 um 17.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46552

Gibt es eigentlich schon Studien, die zeigen, daß sich die mentale Repräsentation von Intersexmenschen durch _ * oder : erhöht? Frage für 1 Bekanntschaft/Lieblingsmensch/Bezugsperson.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2021 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46550

S. a. Deutsches Wörterbuch Bd. 10, Sp. 2118/ zu "inhaben" (seit 15. Jhdt.)
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 18.07.2021 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46549

Oh, wie ich sehe, ist inhabend kein reines Genderphänomen:

https://www.google.de/search?q=%22inhabender+Gesch%C3%A4ftsf%C3%BChrer%22

Dagegen kaum Ergebnisse für innehabender Geschäftsführer.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.07.2021 um 21.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46545

Was nun Armin Laschet auch immer gesagt hat, es war auf jeden Fall unsensibel.

Er hätte wissen müssen, in welchem Kontext er hier spricht. Ein Kontext der Traumatisierung, denn "junge Frau" – das kommt ja nicht so aus dem Nichts. Wir erinnern uns:

Vier Männer sitzen auf dem Podium. Ich setze mich auf den reservierten Platz in die erste Reihe.

Vorsitzender vom Podium aus: ,Die Staatssekretärin ist nicht da. Ich würde sagen, wir fangen mit den Reden dennoch an.‘ Ich antworte ihm aus der ersten Reihe: ,Die Staatssekretärin ist da und sitzt vor Ihnen.‘ Er antwortet: ,Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.‘


Da wird es nicht besser, wenn Laschet solche Kränkungen chiffrenartig verkürzt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 17.07.2021 um 14.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46544

Spiegel Online: "Doch wer von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leserin, hat eine solche App in Betrieb?"
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.07.2021 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46543

Ungefähr gleichaltrige junge Leute würden sich gegenseitig nie mit "junger Mann" ansprechen, höchstens wenn es scherzhaft gemeint ist. Als ich selbst jung war, empfand ich diese Anrede von Älteren immer als gönnerhaft und überheblich, also jedenfalls als unangenehm. Jetzt als Rentner werde ich z. B. als Kunde in Geschäften manchmal immer noch so angesprochen, es soll wohl höflich oder als Kompliment verstanden werden, aber nun ist es mir aus anderen naheliegenden Gründen immer noch unangenehm. Es klingt für mich albern, ich fühle mich verschaukelt. Manchmal habe ich das den netten Verkäuferinnen auch schon schonend beigebracht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 17.07.2021 um 09.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46542

Zu Laschet und der "jungen Frau": Laschet sagte in diesem Interview genau das Richtige, indem er letztlich auf den langfristigen Horizont aller getroffenen Maßnahmen verweist. Die Moderatorin bearbeitet ihn aber recht penetrant, verlangt im Grunde eine Panikreaktion und wirft ihm als Gipfel vor, kein Aktivist zu sein. WDR eben.

Hätte er in dieser Situation die väterlich-herablassende Anrede "junge Frau" verwendet, könnte ich ihm das durchaus nachsehen. Er hat es aber gar nicht, wenn ich es richtig höre:
https://youtu.be/SdpCoM9Eyi8?t=1440
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2021 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46540

Das entspricht genau meinen Beobachtungen. So ist es auch allgemein akzeptiert. Man muß schon einen besonderen Geschmack haben, um daran etwas auszusetzen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.07.2021 um 09.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46539

Meine Beobachtung: Zur Anrede junge Frau wird in vielen Regionen Deutschlands gegriffen, wenn der Name der Angesprochenen nicht bekannt ist oder vergessen wurde. (Man sagt halt nicht mehr gnädige Frau.) Junger Mann ist ebenso verbreitet. Im Dialog ist das jung nicht üblich; stattdessen läßt man das Herr in einem äh ausklingen: "Sie haben völlig recht, Herräh …" Auf dem Wochenmarkt ist eher mit "Was darfs sein, junge Frau" zu rechnen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.07.2021 um 04.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46538

Zu #46535: Eine unsägliche Debatte angesichts der Katastrophe, die sich gerade ereignet hat. Sie zeigt noch einmal, wie künstlich und unverhältnismäßig die Aufregung ist, die von den Sprachhysterikern organisiert wird.

Als ich mir den Ausschnitt zum erstenmal ansah und anhörte, verstand ich tatsächlich »junge Frau«. Allerdings habe ich aufgrund des Hinweises hier regelrecht auf »junge Frau« gewartet. Stunden später ließ ich die ganze Sendung im Hintergrund laufen und hörte dabei auch das gesamte Interview. Diesmal konzentrierte ich mich auf den Inhalt und bemerkte erst ein paar Sekunden nach der bewußten Äußerung, daß sie gerade gefallen war. Denn jetzt verstand ich einfach nur »Entschuldijung … äh … Frau …«. Ich glaube, daß meine zweite Wahrnehmung die unbefangenere ist. Deshalb stimme ich all denen zu, die sagen, daß Laschet gar nicht »junge Frau« gesagt hat, darunter auch die Interviewerin, Frau Wieseler, selbst.

Wäre es denn schlimm gewesen, wenn Laschet »junge Frau« gesagt hätte? Eine Zwitscherin weist unter dem genannten Hastag darauf hin, daß sie diese Anrede sehr respektvoll fand, als ein älterer Herr ihr einmal die Tür aufgehalten hat. Aber der Ton macht natürlich die Musik. Wenn eine Mutter ihrer zehnjährigen Tochter, die nicht hören will, sagt: »So nicht, junge Frau!«, dann ist das nicht eben freundlich gemeint. Laschet war in dem Interview sichtlich und hörbar genervt von den kritischen Nachfragen der Journalistin. Hätte er im selben Tonfall tatsächlich »junge Frau« gesagt, hätte ich das auch als zurechtweisend wahrgenommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2021 um 03.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46537

Während Werbung und Unterhaltungsindustrie sexualisiert sind wie noch nie, ist jeder Hinweis auf die Existenz verschiedener Geschlechter als Sexismus verpönt.

Zur "dummen Gans": richtig wäre "intellektuell herausgeforderte Gans".

Zu Behinderten: https://www.deutschlandfunkkultur.de/diskriminierung-durch-sprache-behinderter-ist-ein-unwort.1005.de.html?dram:article_id=492753

(Konfabulationen eines Schriftstellers über edle Wilde, die niemanden ausschlossen, bevor die europäischen Konquistadoren kamen).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.07.2021 um 01.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46536

Zur Frage von Herrn Fleischhauer, was der Eintrag »Tote – Getötete; zu Tode/ums Leben Gekommene« soll:

Man kann ja nur mutmaßen, aber vielleicht hat die Autorin mal läuten hören, daß man nicht mehr »Flüchtlinge« sagen soll, sondern »Geflüchtete«, um die Flüchtlinge nicht auf ihre Flucht zu »reduzieren«. So wird jedenfalls gern argumentiert. Das Partizip soll demnach verdeutlichen, daß die Flucht nur einer von ganz vielen Aspekten im reichen Leben der Betroffenen ist. Sie haben diesen oder jenen Beruf, sprechen diese oder jene Sprache, hören diese oder jene Musik usw., und außerdem sind sie auch noch aus ihrer Heimat geflohen.

Das ist natürlich blanker Unsinn, denn die Bezugnahme auf die Flucht ist in den allermeisten Fällen ja sinnvoll oder sogar zwingend, wenn man über Flüchtlinge spricht, denn es geht dabei fast immer um ihr Flüchtlingsein. So gesehen ist jede solche Bezugnahme eine willkommene Reduktion auf das jeweils Wesentliche. Wenn ich einer Kollegin von einem Arztbesuch berichte und den Arzt dabei als »Arzt« bezeichne, reduziere ich ihn auf sein Arztsein, was denn sonst? Ich bestreite damit nicht, daß er auch Familienvater und Schalke-Fan ist, außerdem katholisch und farbenblind. Vielleicht ist er das alles aber auch nicht, es ist mir egal und kann auch meiner Kollegin egal sein, es tut nichts zur Sache. Außerdem lügen sich die Sprachsensiblen in die eigene Tasche, wenn sie so argumentieren. Denn auch »Geflüchtete« nimmt ja ausdrücklich Bezug auf die Flucht! Sie bürden damit einer sprachlichen Formalität, die kaum ein normaler Mensch wahrnimmt, eine Bedeutung auf, die sie gar nicht tragen kann. Das mögen sie untereinander gerne so halten, aber sie können nicht erwarten, daß alle anderen es übernehmen.

Im übrigen glaube ich, daß die oben beschriebene Argumentation nur vorgeschoben ist. In Wahrheit sind wir wieder in der Euphemismustretmühle gelandet. Weil sich manche eher negativ über Flüchtlinge äußern, muß das Wort ersetzt werden, so einfach ist das. Mal sehen, wie lange »Geflüchtete« durchhält. Spätestens wenn auf Plakaten »Geflüchtete raus!« zu lesen stehen wird, muß wieder ein neues Wort her. Vielleicht sollte man auch gar nicht mehr von »Flucht« sprechen, das hat etwas Feiges, Unsouveränes. Wie wäre es mit »Akutmigration«?

Jedenfalls könnte es sein, daß die Autorin des Glossars – um darauf zurückzukommen – auch die Toten nicht auf ihr Totsein reduzieren mag, daher »Getötete«. Da aber nicht alle Toten getötet worden sind, fehlt eigentlich noch »Gestorbene«. Aber wer weiß, vielleicht meint sie ja, daß man Gestorbene als »ums Leben Gekommene« bezeichnen kann. Ihr Deutsch scheint ja nicht sehr gut zu sein, man kann das also nicht ausschließen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 22.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46535

Nicht erlaubt ist junge Frau. Auf Twitter geht jedenfalls der Hashtag #JungeFrau um. Weil Laschet bei 24:18 "junge Frau" sagt.

https://youtube.com/watch?v=SdpCoM9Eyi8&t=24m16s
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 20.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46534

Gänse als dumm zu bezeichnen, halte ich rein vom Gefühl her für grenzwertig. Soweit ich das beurteilen kann als alter weißer heterosexueller nichtbehinderter Mann. Vielleicht besser unwissende Gans?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2021 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46533

Ich frage mich die ganze Zeit, ob dumme Gans noch erlaubt ist.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.07.2021 um 16.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46532

Fauler Sack, faule Säckin.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 16.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46531

Mir geht es gerade so, daß ich etwas nachschlage, mich schüttele und die Seite ganz schnell wieder schließe. Dann fällt mir etwas ein, und das ganze beginnt von vorne.

Jetzt schaue ich unter Engel und erwarte sowas wie geflügelte Jahresendfigur. Aber da ist noch kein Eintrag.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 16.07.2021 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46530

Diese Seite ("gg") ist so bescheuert, daß sie nur Satire sein kann.

Theoretiker (pl.) – theoretisch Arbeitende
Gehören dazu auch faule Säcke, Lehrer, Beamte ...?

Zauberer (pl.) – Zauberkunstschaffende
Harry Potter geschickt gegendert.

Zuhörer (pl.) – [...] Zuhörerschaft
Ohne Worte.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 16.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46529

Tante und Onkel sind jetzt Geschwister der Eltern.
Sohn und Tochter haben keinen Eintrag.

Den Eintrag verstehe ich nicht:
Tote – Getötete; zu Tode/ums Leben Gekommene
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 16.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46528

Bei den Vätern (die es wohl nicht mehr gibt) haben sie janlicherseits und olaflicherseits.

Hagen und Siegfried waren wohl zu südländisch.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 16.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46527

Quizfrage: Was sind "feindliche Spielende"?

Das hier wird sicher Begeisterung hervorrufen:
geehelichte Person; Ehemensch (für Ehepartner)
Statt "mütterlicherseits" heißt es jetzt [vornamen-]licherseits [mit Infobox, dort die Beispiele brittalicherseits, martinalicherseits – soll irgendwas mit gleichgeschlechtlichen Ehen zu tun haben]
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.07.2021 um 15.10 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46526

Interessant auch, wo die Grenze gezogen wird: bürgerlich ist okay, bürgernah ist sexistisch.
Man wird beobachten müssen, ob sich nicht doch ein paar Menschen ausgegerenzt fühlen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.07.2021 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46525

Neuling für Amateur geht schon deshalb nicht, weil es gleich doppelt unkoscher ist: maskulin und auf -ling endend.

Ich war irgendwann schon einmal auf geschicktgendern.de gestoßen, aber daß es so schlimm ist, war mir nicht klar. Ich stelle mir für eine Sekunde vor, ich könnte dem Gendern ein klein wenig abgewinnen und wäre nun auf der Suche nach praktischen Tips – ich käme mir hemmungslos verschaukelt vor! Dort steht ja fast nur unbrauchbarer Schwachsinn. Man könnte fast meinen, hier wäre irgendein automatisches »Übersetzungsprogramm« zum Einsatz gekommen. Jemand, der des Deutschen einigermaßen mächtig ist, kann so etwas eigentlich nur fabrizieren, um die Absichten der Genderer zu sabotieren. Steckt womöglich Putin dahinter …?

Einerseits wird Genderwilligen gern empfohlen, auf genaues Formulieren zu achten, so auch in den Tips auf genderleicht.de: Seien Sie präzise. (Gemeint ist aber wohl nur: Nennen Sie außer der männlichen auch die weibliche Form.) Andererseits werden gängige präzise Begriffe einzig und allein wegen ihres grammatischen (!) Geschlechts massenhaft für tabu erklärt und sollen durch oft recht lange Umschreibungen ersetzt werden, die nicht nur unpräzise sind, sondern häufig etwas anderes bedeuten. Allerspätestens da hört der Spaß auf. Auch aus anderen Gründen ist das Glossar ein Witz.

Nur einige wenige Beispiele:

Sporttreibende ist kein Synonym für Athleten. Muß man das wirklich erklären?

Journalisten sind vielleicht auch Medienschaffende, aber nicht alle Medienschaffenden sind Journalisten.

Ein Kriminalbeamter soll zu einer Person im Beamtenverhältnis bei der Kriminalpolizei mutieren. Alles klar!

Was ich bisher für meine Erfindung hielt, taucht nun tatsächlich in besagter Wörterliste auf: die Backenden!!!

Was drückt den Sachverhalt präziser aus: Arzt-Patient-Verhältnis oder ärztliches Vertrauensverhältnis bzw. medizinisches Behandlungsverhältnis?

Ein Abonnent bezieht zwar eine Zeitung, Zeitschrift usw., ist aber doch bitte etwas anderes als eine Bezugsperson!

Ein Abteilungsleitertreffen ist ein Treffen der Abteilungsleiter, meinethalben auch der Abteilungsleiter und/oder Abteilungsleiterinnen, aber nicht ein Treffen der Abteilungsleitungen! Der Abteilungsleitung können mehr Personen als der/die Abteilungsleiter(in) angehören, zum Beispiel auch dessen/deren Stellvertreter(in).

Kennen Sie noch das Wort Astronaut? So nannte man früher eine ins Weltall reisende Person. Richard Branson hat erst vor ein paar Tagen so eine Reise unternommen (jedenfalls, wenn man keine allzu strengen Maßstäbe an die Definition von Weltall anlegt).

Atheist ist nicht dasselbe wie religionsfreie/nichtgläubige/irreligiöse/glaubenslose/areligiöse Person.

Welche Gefahr geht wohl von dem Satz Anna und Peter sind Arbeitskollegen aus? Daß Anna meinen könnte, man hielte sie für einen Mann?? Ist es wirklich so schlimm, ein Mann zu sein?

Man kann Augenzeugen nicht einfach als Beobachtende bezeichnen!

Vor Bankräubern hätte ich Respekt, vor Bankausraubenden kaum.

Demokraten sind nicht unbedingt Demokratiebegeisterte. Viele halten die Demokratie unter allen Staatsformen für das geringste Übel. Man sieht hier sehr schön, daß beim Gendern, entgegen allen Beteuerungen, das Streben nach formaler Korrektheit absoluten Vorrang vor dem Bemühen um inhaltliche Korrektheit hat.

Selbst englische Wörter sind vor der Umbenennungsmeute nicht sicher. Bachelor klingt irgendwie männlich, weshalb es durch die Abkürzung B. A. bzw. B. Sc. zu ersetzen ist. Das kommt mir ziemlich duckmäuserisch vor. Maskulines hinter Abkürzungen zu verstecken müßte eigentlich unter der Würde der Sprachrevolutionäre sein. Komischerweise soll Bachelor dann aber doch erlaubt sein in einem Satz wie Sie hat den Bachelor of Arts in Geschichte, keinesfalls aber in Sie ist Bachelor of Arts in Geschichte. Merke: Frauen können Männer haben, aber nicht sein.

Waghals als »geschlechtergerechtes« Synonym für Abenteurer soll ja hoffentlich ein Scherz sein.

Auf dem Index steht auch jemand, der …. Was ist daran nun wieder auszusetzen, das man in jemand oder das maskuline Relativpronomen der? jemand scheint okay zu sein, sonst würden die Autorin und ihre Helferlein es ja nicht in ihren eigenen Vorschlägen verwenden, zum Beispiel gleich im nächsten Eintrag: Ich suche jemanden mit guten Englischkenntnissen statt Ich suche jemanden, der gut Englisch spricht. Das Relativpronomen ist also der Bösewicht. Aber halt! Warum wird dann empfohlen, jemand, der … in ein Mensch, der … aufzulösen??

Noch ein hochinteressanter Fall zum Schluß. Ich habe hier schon mal in einem Beitrag geschrieben, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß jemand, der sich unter Parlamentarier (Pl.) nur Männer vorstellt, bei Abgeordnete plötzlich auch an Frauen denkt, nur weil dieses Wort nach der Theorie der Sprachwandler perfekt genderneutral ist und deshalb diese Wirkung erzielen soll. In ihrem Eintrag zum Stichwort Ältestenrat räumt die Autorin nun ungewollt selbst mit dieser Theorie auf, mit einer unscheinbaren Anmerkung in Klammern, deren Tragweite weder ihr selbst noch vielen ihrer Mitstreiter bewußt sein dürfte. Sie schreibt nämlich (ich übernehme alle Fehler): [dieses Wort ist schon gendergerecht; wer sich unter dem Begriff dennoch eine Rat aus Männern, kann diese Alternativen verwenden: Senat; Rat weiser Menschen; Rat der Erfahrenen; Beratungsgruppe der ältesten Menschen; Gremium der ältesten Menschen; Senioritätsrat].

Das Ganze ist so niveaulos und so dilettantisch gemacht, daß man sich eigentlich nicht näher damit beschäftigen sollte. Die Website hieße besser totalungeschicktgendern.de. Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß sie von vielen Wohlmeinenden tatsächlich benutzt wird. Sollten sich einige von ihnen hierher verirren, regen sie unsere Kommentare vielleicht zum Nachdenken an. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2021 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46523

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46520

Wenn ein Amateur ein Neuling wäre, bestünde für mich noch Hoffnung. Ich bin ein Amateur auf dem Klavier und mache seit 50 Jahren keine Fortschritte, weil ich zu wenig übe.

Die Verfasserin gibt weiter an:

Amateure – Anfangende, Beginnende

und beweist damit, wie mit ihrem ganzen Machwerk, daß sie die deutsche Sprache nicht beherrscht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2021 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46521

Moritz Rauchhaus hat Boccaccios "Büchlein zum Lobe Dantes" neu übersetzt und dabei gegendert. Aus agli altri italiani wird den anderen Italienerinnen und Italienern usw. (Aufgedeckt von Gustav Seibt in der SZ)

Übersetzer sind Verräter, wie die Italienerinnen und Italiener sagen. Aber dies hier ist eine Sauerei. Es handelt sich ja nicht um einen Gebrauchstext wie die Bibel (in gerechter Sprache), den man nach den Bedürfnissen der Gebrauchenden ummodeln darf.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.07.2021 um 18.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46520

Amateur auf geschicktgendern:

Neuling; Person ohne Vorkenntnisse

Man wollte wohl nicht liebhabende Person vorschlagen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.07.2021 um 01.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46508

Lächerlich, das ist es.

https://virchblog.wordpress.com/2018/08/01/pc-das-toedliche-furzkissen/
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.07.2021 um 22.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46507

Ich sehe es so: Wer nicht gendert, schreibt für 100 Prozent, aber eine Minderheit will davon nichts mehr wissen. Wer klassisch gendert (Bürgerinnen und Bürger), schreibt für fast 100 Prozent, nämlich alle minus Nichtbinäre, die sich damit nicht angesprochen fühlen, aber die Mehrheit findet das störend, übertrieben, überflüssig. Und wer radikal gendert (Bürger*innen), schreibt nach offizieller Lesart wieder für 100 Prozent, aber fast niemand versteht, was das Ganze überhaupt soll, und viele fühlen sich damit gerade nicht angesprochen.

Daß das Gendern gut zu den Grünen als erklärtermaßen feministischer und queerfreundlicher Partei paßt, ist nicht schwer zu verstehen, aber was daran links sein soll, habe ich bis heute nicht kapiert. Die Linke (die Partei) mag treiben, was sie will, aber daß die SPD als – ihrem Selbstverständnis nach – antielitäre (Volks?-)Partei da mitmacht, läßt betrüblich tief blicken.

Im Diskussionsforum von Spiegel Online kommentiert ein Leser den x-ten Artikel von Margarete Stokowski über sprachliche Rücksichtnahme auf »trans Personen« mit treffenden Worten:

Tut mir leid aber das die Probleme einer sehr sehr kleinen Minderheit vom großteil der Bevölkerung Ignoriert wird ist nur menschlich. Menschlich in dem Sinne das viele ihre eigenen Probleme haben, und diese einfach ignoriert werden von den Medien weil es nicht kontrovers genung ist. Was für Demütigung erleben Harz 4 Kinder Tag für Tag in Schulen? Wenn es einen Artikel im Jahr dazu gibt ist das schon viel. Was ist mit den Menschen die sich keine Wohnung mehr leisten können. Was ist mit den Frauen die weil sie sich um die Kinder gekümmert haben in Altersarmut gefallen sind. Über Armut wird in Deutschland geschwiegen. Aber alle sollen sich Kopf stellen für die Trans Leute. Was man damit macht man treibt die Leute in die Arme der Populisten....
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46504

Wer gendert, schreibt nicht für alle, sondern nur für die Minderheit, die das gut findet. So gäbe es für die Grünen durchaus einiges zu tun, aber mit dem stumpfsinnigen Gendern verderben sie alles. Auch über Baerbocks Buch, das mich freilich ohnehin nicht interessiert, ist jemand mit der Sternchentüte drübergegangen. Daß die Leute dessen gar nicht überdrüssig werden! Was glauben sie denn damit zu erreichen? Daß wir endlich die Existenz von Frauen bemerken? Es ist einfach lächerlich, und die meisten Menschen sehen es ebenso.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46501

Was wird eigentlich aus den Verbindungen (vor allem in der Anrede) Herr Meier, Frau Müller? Werden eigentlich Sir und Madam noch gebraucht?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 17.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46500

Naja, man unterschätzt ja leicht das exponentielle Wachstum.

Es lohnt sich aber wirklich, auf jeden Link zu klicken. Eine Sache finde ich noch ganz bemerkenswert: Es gibt da eine Anleitung, perfekt gendern in 7 Schritten oder so ähnlich:
https://genderleicht.de/gendergerecht-schreiben-in-sieben-schritten

Den Tonfall dort kennt man auch von anderen Texten der Sprachmissionare. Aber zur Erfolgskontrolle wird man dann auf diese Seite geleitet, die offenbar aus einem ganz anderem Zusammenhang stammt:
https://genderleicht.de/gendercheck

Da sieht man dann, was dem ganzen tatsächlich zugrundeliegt: frauenpolitische Forderungen

Das sind die eigentlichen Ziele.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46498

Danke für die Links! Da wird man ja fast in jeder Zeile fündig! Eine solche sprachliche Abgestumpftheit würde man kaum für möglich halten. "Dummheiten von A bis Z" wäre ein passender Titel.

Ich bleibe bei meiner These, daß niemand, der sich diesem Geschäftszweig widmet, auf anderen Gebieten Nennenswertes geleistet hat. Es ist immer das gleiche Völkchen von Beratern, Coaches usw. Allerdings treten sie sich inzwischen gegenseitig auf die Füße, was die Verdienstmöglichkeiten in Grenzen halten dürfte.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 15.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46497

Ich dachte erst, Angelmensch kann nicht sein.
https://bild.de/politik/inland/politik/gender-sprache-auskundschaftende-person-anstatt-spion-77060222.html

Aber von der Genderleicht-Seite wird man an dieses Wörterbuch verwiesen: https://geschicktgendern.de

Und für Angler bekommt man dann folgende Vorschläge:
angelnde Person; Fisch fangende Person; Angelsport betreibende Person; Mensch mit Angel; wer gern angelt, ... ; Person, die angelt; Angelmensch
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 13.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46496

Diese vom Bundesfamilienministerium geförderte Seite ist wirklich Gold.

https://genderleicht.de

Da muss man sich mal durchklicken, man kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

Ein Appetithäppchen:
Die Queercommunity wünscht sich die vorrangige Nutzung des Gendersterns. Seine vielen Strahlen stehen für die vielfältigen Formen der geschlechtlichen Vielfalt. Dem Doppelpunkt dagegen fehlt diese Symbolkraft.

Es gibt auch eine Seite zur Aussprache. Formen wie jede:r werden da leider nicht behandelt, aber ich glaube, man kann Anfragen stellen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 11.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46494

Horst Haider Munske: Das radikale Konzept des grünen Genderdeutschen
https://welt.de/kultur/plus232469601/Wahlprogramm-Buendnis-90-Gruene-Linguist-prueft-das-gruene-Genderdeutsch.html
(hinter Paywall)

Munske schreibt regelmäßig für die Welt und hat sich diesmal das grüne Wahlprogramm vorgenommen.
https://gruene.de/artikel/wahlprogramm-zur-bundestagswahl-2021

Ich hab mir das Programm selbst noch nicht angesehen.

Munskes Artikel ist eher eine Beispielsammlung ohne besondere Analyse. Er interpretiert aber ganz richtig:
Es geht um das Gendern, den Umbau aller maskulinen Personenbezeichnungen in feminine Formen mit Genderstern. (erkennbar an Formen wie Bäuer*innen, Junglandwirt*innen)

Ein paar Skurrilitäten habe ich mal herausgepickt:

Heilmittelerbringer*innen
Menschenrechtsverteidiger*innen sind Held*innen
Bildungslots*innen
Kindersoldat*innen
Imam*innen
(Munske: Mit dem Letzteren reformieren die Grünen das patriarchalische System des Islam.)

Viele schwerfällige Komposita nach dem Muster Mieter*innenschutz (Munske: Das ist linguistisches Neuland. Denn im Kompositum ist das Genus der Substantive neutralisiert. In der Regel stehen hier nur Grundwörter.)

Der Singular wird laut Munske vermieden, er nennt aber zwei Beispiele:
jede*r siebte Europäer*in (S. 90)
ein*e Nachfolger*in (S. 49)

Es wurde wohl relativ konsequent gegendert, jedoch abweichend:
Jüdinnen und Juden (Doppelnennung statt Asterisk)
Judenhass
Judenfeindlichkeit
Beraterverträge
Fahrgastrechte
Vorreiterrolle
Unternehmerketten
Mindestkurzarbeitergeld
Verbraucherschutz
Künstlersozialkasse
Verbraucherzentrale
„Berufsverbrecher“
(in Anführungszeichen)
Player (doch Whistleblower*in)

Sonstiges Neusprech:
Ein-Eltern-Familien
Mehr-Eltern-Familien
Zwei-Mütter-Familien

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.07.2021 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46493

Das habe ich auch schon gedacht. Aber wie viele mag es überhaupt geben, die bei »Gästin« nicht sofort an eine satirische Wortbildung denken? Wohl um diesem Eindruck entgegenzuwirken, hat der Duden (duden.de) seinen Wörterbucheintrag inzwischen mit auffällig vielen Beispielen gespickt. Sie dürften überwiegend erfunden sein. Die Redaktion hat sich, wie leider immer öfter, nicht am tatsächlichen Sprachgebrauch orientiert, sondern einfach »Gast/Gäste« aus gängigen Verwendungen durch »Gästin/Gästinnen« ersetzt. Wie leicht dieses Vorgehen zu durchschauen ist, zeigen Beispielsätze wie »in dieser Saison wurden nur wenige Zimmer an ausländische Gästinnen vermietet«. Mit Verlaub, das ist doch idiotisch!

Übrigens wäre die Lufthansa – sollte ihr das wichtig sein – mit »Sehr geehrte Fluggäste« durch die aktuellen Dudendefintionen gedeckt. Denn anders als etwa beim »Mieter«, der laut Duden neuerdings grundsätzlich ein Mann ist, präsentiert das Wörterbuch uns den »Gast« immer noch ausdrücklich als männliche oder weibliche Person.

Und dann gibt es ja immer noch das bürokratische »Flugreisende«. Was der Bahn recht ist, könnte der Lufthansa billig sein.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.07.2021 um 08.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46491

Nun rächt sich die altkluge Einführung der "Gästin". Wie unverkrampft könnte die Lufthansa ihre Fluggäste als Fluggäste an Bord begrüßen!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 07.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46489

Kommentare aus der rechten Ecke

Je nach dem, ob Gendersprachler in der Offensive oder in der Defensive sind, präsentieren sie die Sache als Schaffung einer gerechten Gesellschaft durch Reformierung des Bewusstseins oder als Nebensächlichkeit, die gar nicht der Rede wert ist
https://twitter.com/_homoduplex/status/1414905765488472067

"Herzlich willkommen an Bord" ist keine Anrede. Es müsste nach der Anrede kommen. Dass es keine Anrede mehr gibt, ist schon spürbar.
https://twitter.com/_homoduplex/status/1414912585342783489

"Sehr geehrte Damen und Herren, sowie verachtenwert-bigotte Umweltschweine..."
https://twitter.com/_donalphonso/status/1415062670407999489
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46480

Es freut mich als Frau und als Astronautin, aber auch einfach als Mitglied der ESA. Den Frauenanteil zu erhöhen, war ein Ziel von uns, gerade weil der Weltraum mehr und mehr zu dem Leben auf der Erde gehören wird. Nicht, dass wir in 30 oder 40 Jahren dastehen und sagen: Raumfahrt ist von Männern für Männer gemacht worden. Frauen müssen teilhaben, um mitzuwirken.

Warum das sein muß, wird gar nicht mehr gefragt. Das Proporzdenken versteht sich von selbst.

Ich habe übrigens auch Zweifel, was die Idee von einer Besiedelung des "Weltraums" angeht. Es ist ja bemerkenswert, daß seit 50 Jahren keine Menschen mehr auf dem Mond waren und schon die Versorgung der ISS kaum noch zu stemmen ist. Flüge zum Mars werden wahrscheinlich nicht einmal unsere Enkel erleben.

In den letzten Tagen wurde gefragt, wie viele Impfdosen man für das Geld hätte kaufen können, die Herr Branson für seinen Hüpfer ins "Weltall" ausgegeben hat. (Bei der Fußball-EM fragt keiner.) Um wieviel mehr müßte man bei der bemannten Raumfahrt fragen, was auf der Erde zu tun bleibt. Der Forschungsertrag steht in keinem Verhältnis zum Aufwand und ist auch immer nur ein Vorwand gewesen. "Weltraum gehört zu unserer Kultur" titelt t-online als Zitat jener Astronautin, einer italienischen Kampfpilotin. Vager geht es nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.07.2021 um 00.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46477

Wie mehrere Medien berichten, will die Lufthansa ihre Fluggäste künftig nicht mehr mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ begrüßen. Auch das englische „Ladies and Gentlemen“ soll der Vergangenheit angehören. Stattdessen sollen Formulierungen wie „Guten Tag“, „Guten Abend“ oder „Herzlich willkommen an Bord“ benutzt werden.

Fast 100 Prozent der Fluggäste werden also künftig nicht mehr so angesprochen, wie sie es gewohnt sind und vermutlich auch als angemessen und höflich empfinden. Ein merkwürdiges Verständnis von Willkommenskultur!

Wie verlogen das Ganze ist, zeigen die Äußerungen einer Unternehmenssprecherin, die unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zitiert (https://www.rnd.de/reise/lufthansa-schafft-bord-begruessung-damen-und-herren-ab-kuenftig-geschlechterneutrale-sprache-PI5DIXBKTZEUXEIVL22MOWXR2A.html):

Die Entscheidung [welche Formulierung verwendet wird] liege dabei in der Verantwortung der Purser und Purserinnen der Kabine, so die Sprecherin gegenüber dem RND.

Mit anderen Worten, die Fluggäste sollen vor der Ansprache als Frau oder Mann geschützt werden, weil nach Schätzungen 1 von 300 Passagieren sich nicht korrekt angesprochen fühlen könnte, die eigenen Mitarbeiter müssen aber nach wie vor ins Frau-Mann-Schema (Purser und Purserinnen) passen! Wie sicher muß sich ein Unternehmen fühlen, wenn es meint, sich eine solche Volksverdummung leisten zu können? Die jüngste Rettungsaktion mit Steuermitteln scheint ihm allerdings recht zu geben. Systemrelevanz verleiht Narrenfreiheit.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.07.2021 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46474

Es war bei der Rechtschreibreform durchaus hilfreich, die Theorien der Reformer zu kennen, denn so konnte man sie Punkt für Punkt widerlegen. Daß die meisten Durchsetzer und Mitläufer die Details nicht kennen oder die Theorien, auf die sie sich in allgemeiner Form berufen, durch ihre selbstgebastelten Argumente sogar ad absurdum führen, gehört dazu.

Ich glaube übrigens nicht, daß jemand das bewußte Kunststück fertigbringt. Im Hintergrund wird sicher schon emsig an einer Alternative zum Glottisschlag gearbeitet. Nicht umsonst werden wir immer wieder darauf hingewiesen, daß wir uns mitten in einem »spannenden« Prozeß befinden und der Weisheit letzter Schluß noch nicht gefunden ist.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.07.2021 um 15.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46473

Ich hatte noch nie den Eindruck, daß sich bei den Sprachsensiblen irgend jemand mit Detailfragen beschäftigt. Da sind einige "Theorien" im Umlauf, die eher den Status nachträglicher Rationalisierungen haben (z.B. Repräsentation Nichtbinärer). Das darf man alles gar nicht ernstnehmen.

Mich interessiert hier eigentlich nur, ob man es tatsächlich fertigbringt, einen Glottisschlag vor dem r einzufügen. Das gibt es ja eigentlich nur in der Grundschule beim Buchstabenlernen, daß man das r einzeln spricht: rrrrr

Das möchte ich gern mal hören.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.07.2021 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46472

Selbst wenn sie es tut, ihre Äußerungen zeigen, wie wenig sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. So scheint auch sie zu glauben, das Sonderzeichen sei dazu da, nichtheterosexuelle Menschen anzusprechen. Meint sie wirklich, daß beispielsweise lesbische Frauen nicht mit »Frau« angesprochen werden wollen? Oder daß ein bisexueller Mann sich nicht als Mann fühlt, weil er Frauen und Männer liebt? Die übergroße Mehrheit der »LGBTQ-Gemeinschaft« fühlt sich perfekt »repräsentiert«, wenn man sie als Mann oder Frau anspricht, ebenso wie die übergroße Mehrheit des übergroßen »Rests« der Bevölkerung. Biologisches Geschlecht und sexuelle Orientierung sind zwei Paar Stiefel. Hat sie auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht? Wohl nicht. Die Gruppe, der Frau Klum angeblich etwas Gutes tun will, muß sich verulkt vorkommen.

Niemand ist verpflichtet, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen, aber wenn jemand es nutzt, um damit sein eigenes Produkt zu bewerben, dann kann man schon ein Mindestmaß an Kenntnissen verlangen. Sonst liegt der Verdacht nahe, daß es sich um einen billigen Marketinggag handelt.

Typisch auch: »Jeder soll sich in der Show willkommen fühlen.«
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.07.2021 um 12.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46471

Vielleicht spricht es die Moderatorin Johanna Klum mit hörbarem Gendersternchen. Würde mich schon interessieren.
https://www.rnd.de/medien/johanna-klum-gendert-in-neuer-show-jeder-soll-sich-willkommen-fuehlen-SA6KETLP6FBR5LEC5CS6XIPQNI.html
Auf der Seite des Senders sind die Aufzeichnungen wohl nicht frei verfügbar.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.07.2021 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46470

Zu #46466: Man sieht hier sehr schön, wie die Marotte von Leuten übernommen wird, die mit der Sache selbst überhaupt nichts am Hut haben, sondern ganz andere Interessen verfolgen. Geschrieben wird, ganz zeitgemäß, EINE:R, aber gesprochen wird, ganz normal, »einer«. Hier noch eine kleine Erweiterung: https://www.youtube.com/watch?v=LWnfu4ez_dM. Der Moderator erklärt uns, daß es in der Show darum geht, nie »der oder die Letzte« zu sein, eingeblendet wird dann aber: 99 MAL NICHT LETZTE:R WERDEN!, und auch hier wird der Doppelpunkt vom Off-Sprecher komplett ignoriert. Damit wird die Genderei ad absurdum geführt.

Die Anhänger des Genderns für Nichtbinäre (also mit Sonderzeichen) treibt genau diese Sorge um. Je mehr mitmachen, um so mehr wird ihr Anliegen verwässert, weil eigentlich kaum jemand weiß, worum es dabei geht. Das sprechen auch die »Diskutierenden« im Weblog des Herrn S. unverblümt an.
Einer schreibt: »Gerade in eigentlich wohlmeinenden Artikeln über Asterisk und Co. wird oft formuliert, dass diese Sonderzeichen angeblich auf trans Menschen oder sogar auf die gesamte LGBTTIQ+-Community aufmerksam machen sollten. Der Grundgedanke scheint zu sein: Es gibt Männer, Frauen und “Sonstige”, und in die letzte Schublade packen wir nicht etwa nur nichtbinäre Menschen, sondern auch schwule Männer, lesbische Frauen, alle trans Männer und trans Frauen und alle intersexuellen Menschen, obwohl sich auch von diesen sehr viele eindeutig binär verorten.« (http://www.sprachlog.de/2021/06/18/funktioniert-das-gendersternchen-und-wie/#comment-1564612) Ob das die Macher der SAT1-Show wissen …?
Ein anderer warnt: »Das Sternchen (oder auch jedes andere Störsignal) wieder (sic) […] gerade dadurch entwertet, dass es im (gehobenen) Mainstream angekommen ist und vermehrt unreflektiert verwendet wird.« (http://www.sprachlog.de/2021/06/18/funktioniert-das-gendersternchen-und-wie/#comment-1564624)

Die Ausbreitung des folkloristischen Genderns trägt ungewollt zur weiteren Festigung des generischen Maskulinums als unentbehrlicher Ausdrucksform bei.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.07.2021 um 04.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46467

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) klärt die "Kids" über Gendersprech auf.
https://youtube.com/watch?&v=LkiyBKwFeMo
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.07.2021 um 04.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46466

Jetzt weiß ich endlich, wie eine:r ausgesprochen wird. Man höre und staune:
https://youtube.com/watch?v=P_YmGrKlMJg

Man könnte denken, das sei ein generisches Maskulinum.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 12.07.2021 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46464

Wenn Trainer nur für das männliche Geschlecht gelten soll, ist mRNA-Impfstoffe als gute Trainer:innen (so in Das Impfbuch für alle) in der Tat konsequent. Ebenso: Staubsauger*innen, Salzstreuer*innen.

Ansonsten könnten es Genderer auch so halten: Wir haben die geschlechtsspezifische feminine Personenbezeichnung Trainerin, wenn also von Trainern im Maskulinum die Rede ist, kann mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, daß mindestens ein nichtweiblicher Trainer dabei ist, da sonst Trainerinnen gesagt werden könnte. Wenn Trainerinnen dabei sind, soll dies zum Ausgleich des non-female bias daher erwähnt werden (vgl. #46124). Das Gendersternchen oder dergleichen wäre in dieser Hinsicht jedoch nicht nötig, wenn so etwas nicht erst eingeführt worden wäre, denn das Maskulinum würde bereits alles Nichtweibliche abdecken, seien es Nichtlebewesen (Salzstreuer) oder Hermaphroditen bzw. (wenn wir uns nicht auf das gonadische Geschlecht festlegen) Genderqueere/Nichtbinäre.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.07.2021 um 01.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46456

Was ist mit "Otto Normalverbraucher"?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.07.2021 um 00.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46454

Noch zu #46450: Die ZDF-Redakteurin, Shakuntala Banerjee, ließ in dem Interview jede Gelegenheit zum Gendern aus und sprach wiederholt von »Wählern«, was ja schon fast als AfD-Sprech verpönt war. Selbst Frau Wissler benutzte das Unwort! Allerdings sagte sie auch irgend etwas über die »Mieterinnen und Mieter«. Das ging zwar von ihrer Redezeit ab, aber darüber dürfte sie in dem Fall nicht unglücklich gewesen sein, denn sie schien mir bei den meisten Fragen nicht so recht zu wissen, wie sie die Zeit füllen sollte, ohne daß ihr ständiges Ausweichen allzu offensichtlich wird.

Das ZDF-»heute journal« gestern erneut genderfrei. Hier die verpaßten Gelegenheiten:
– »wir Normalbürger« (Moderatorin Bettina Schausten)
– »Bei CDU und FDP träumt mancher von einer Deutschlandkoalition« (Schausten)
– »die obersten Herrscher der deutschen Banken« (Andreas Künast im Off)
– »Tausende Anwohner wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen« (Gundula Gause im Nachrichtenblock)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.07.2021 um 00.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46453

Die Mühe des Autors verdiente allerdings mehr Respekt, wenn er sie statt auf komplizierte Zeichenpuzzle darauf verwendet hätte, leserfreundlich zu formulieren.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 12.07.2021 um 00.15 Uhr   Mail an
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Stimmt, Herr Riemer, danke fürs genaue Hinschauen. Den Dativ Pural hatte ich tatsächlich nicht beachtet. Der Autor hat in seinem System perfekt geschrieben. Hut ab vor Ihnen, daß Ihnen das aufgefallen ist. Und vor dem Autor, der sich der Mühe unterzogen hat, die grammatische korrekte Binnensetzung des Schrägstrichs perfekt auszuführen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.07.2021 um 23.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46451

Lieber Herr Schardt,
es sieht zwar nicht schön aus und ist schlecht lesbar, aber in sich konsistent und der eigenen Logik entsprechend ist es schon, d.h. kein Schrägstrich zuviel oder falsch sitzend. Man muß den Kasus jeweils mitbeachten:
"Den Protagonist/inn/en, Träger/inne/n [...]"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2021 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46450

Linken-Vorsitzende Janine Wissler weist die Kritik zurück. Im ZDF-Sommerinterview sagt sie in Bezug auf die schlechten Umfragewerte der Linken: "Ich glaube nicht, dass es am Gendern liegt." Eine sensible Sprache sei nicht zuviel verlangt. Wissler sagt: "Es verliert doch niemand etwas, wenn man eine sensible Sprache wählt."

Die Sprache verliert, alle verlieren. Wie kann man das übersehen? Wie kann man das Kauderwelsch für "sensibel" halten? In welcher elitären Nische will die Linke überleben?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 11.07.2021 um 20.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46449

"Protagonist/inn/en, Träger/inne/n"

Da ist ein Schrägstrich zuviel und säße ohnehin falsch. Es klappt einfach nicht. Später dann noch:
Anhänger/inne/n...Befürworter/inne/n...Unterstützer/inne/n
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2021 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46447

Fast möchte man Hoffnung schöpfen. Kann die Unbelehrtheit es so weit treiben, daß ein Kippunkt erreicht wird?

Die Vorschläge könnten im einzelnen kommentiert werden. Ich will nur darauf hinweisen, daß eine Rednerliste nicht dasselbe ist wie eine Redeliste.

Die vielen tausend Gleichstellungsbeauftragten zu entlassen oder anderswo zu verwenden scheint inzwischen eine so riesige Aufgabe, daß sich wohl kein Politiker rantrauen wird.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 11.07.2021 um 17.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46446

Die neue Genderrichtlinie der Stadt Bonn hat ein interessantes Detail: Das Pronomen "man" soll nicht mehr verwendet werden. Stattdessen wir/sie.

https://www.bonn.de/themen-entdecken/soziales-gesellschaft/geschlechtergerechte-sprache.php

Dort unter "Umformulierungen"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2021 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46445

Den Protagonist/inn/en, Träger/inne/n und Sympathisant/inn/en der neurechten Sammlung treten ihre Gegner/innen mit Verachtung gegenüber. (...) In dieser Konstellation kann auch die Verachtung der profitierenden Verlierer nicht sie selbst bleiben. [Verlierer und Gewinner sind durchweg generisch maskulin gebraucht.] (Peter Wiersbinski in https://philoklesonline.files.wordpress.com/2017/11/philokles22_final.pdf)

Das Interesse an der Lesbarkeit der eigenen Texte ist bei manchen nicht besonders ausgeprägt. Manchmal haben sie recht, der Lektüre vorzubeugen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 11.07.2021 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46443

Besser: "mit ihrer eigenen Wahl der Tempora".
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 11.07.2021 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46442

"Der ganze Strand war knallvoll, alles Touristinnen und Touristen" wäre tatsächlich schräge. In Alltagsgesprächen mit ihren vielen Auslassungen und kurzen Hauptsätzen, ihren eigenen Tempora und ihrer eigenen Wortwahl hat das Gendern keine Chance.

"Wir sitzen gestern abend beim Italiener und wollten gerade bestellen, da kommt ne Horde Motorradfahrende rein"? Nö. Auch Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer kommen nicht rein, und Motorradfahrer*innen schon gar nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.07.2021 um 00.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46440

Es gibt auch Ermutigendes zu berichten. Einige Beispiele:

Anne Will hat das Knacklautgendern in ihren Sendungen dem Vernehmen nach inzwischen aufgegeben.

In der Tagesschau kommen meist nur ein oder zwei pflichtschuldigst aufgesagte Paarformeln pro Sendung vor, ansonsten herrscht nach wie vor das generische Maskulinum.

Selbst beim ZDF ist seine Stellung unter dem Strich bisher unangefochten.

Die Studenten der Universität St. Gallen haben im Frühjahr in einer Urabstimmung mehrheitlich gegen die Umbenennung ihrer Studentenschaft in »Studierendenschaft« votiert (https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/genderdebatte-hsg-studierende-stimmen-gegen-namensaenderung-studentenschaft-wird-nicht-in-die-gendergerechte-form-studierendenschaft-umbenannt-ld.2113972). Der Durchgenderung der Statuten der Studentenschaft haben sie zwar zugestimmt, aber wer liest die schon?

Heute habe ich in einer deutschen Buchhandlung bestimmt sieben oder acht Reiseführer verschiedener Verlage durchgeblättert, die gerade erst neu oder in einer überarbeiteten Auflage erschienen sind. Von Gendern keine Spur! Es wimmelt von Wanderern, Naturfreunden, Musikliebhabern, Passagieren, Unternehmern, Bewohnern, Wienern usw. Vor Konstruktionen mit man oder des Musters jeder, der … / wer …, der … kann man sich kaum retten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.07.2021 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46439

Wir sollten nicht voreilig die Flinte ins Korn werfen. Das generische Maskulinum ist fest in unserem Sprachgebrauch verankert, und auch wenn uns in Zukunft immer mehr gegenderte Texte begegnen werden, wird die Mehrheit sich nicht so schnell einreden lassen, ihre Sprache sei diskriminierend.

Wir werden erleben, daß mehr junge Leute (nicht jedoch die Mehrheit) den Knacklaut sprechen, aber das werden sie nach einiger Zeit auch wieder aufgeben, da bin ich ziemlich sicher. Wir werden erleben, daß immer mehr Behörden-, Verbands- und Unternehmenstexte Sternchen oder Doppelpunkte enthalten, aber die breite Masse wird das auch noch in vielen Jahren als eine Art Jargon empfinden, der mit ihrer eigenen Sprache nichts zu tun hat. Diese Kluft war schon immer da und wird jetzt noch etwas größer. In der Alltagssprache werden wir noch mehr »Man soll ja«- und ähnliche Sätze hören: »Bei Nasenbluten soll man ja den Kopf nicht mehr in den Nacken legen.« »Gestern haben wir weiße Negerküsse gegessen, sehr lecker! Obwohl … ›Negerkuß‹ soll man ja nicht mehr sagen.« »Die Wähler – oder meinetwegen auch Wählerinnen und Wähler – wissen auch nicht, was sie wollen.« Davon abgesehen wird sich wenig ändern. Kein normaler Mensch wird »Touristinnen und Touristen«, »Impfschwänzende« oder »Pendler:innen« sagen.

Das generische Maskulinum wird nicht unlädiert davonkommen, aber es wird dem Dauerbeschuß am Ende standhalten. Dafür sorgen schon die Genderer selbst, indem sie ihre Marotte fast nie konsequent durchziehen. Jeder nur teilweise gegenderte Text ist nicht bloß eine willkommene Bestätigung der Funktionsfähigkeit des generischen Maskulinums, sondern stellt sich auch kraftvoll seiner Tabuisierung entgegen. In offiziellen Verlautbarungen mag es diese Tabuisierung geben, aber das wird auf die Dauer nicht verfangen. Eher werden die Leute das Gendern als hyperkorrekten Sprachgebrauch wahrnehmen und nur so weit mitmachen, wie es unbedingt nötig ist. Darin steckt die Bestandsgarantie des generischen Maskulinums.

Das oben Gesagte gilt selbstverständlich nicht für bestimmte intellektuelle Kreise, denen ich mit meiner Prognose nicht zu nahe treten möchte. Ihr Elfenbeinturm wird noch ein Stück weiter in den Himmel wachsen und hier und da einen noch größeren Schatten werfen als bisher. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.07.2021 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46438

Impfstoffe als Trainer:innen – gruselig. Klingt obendrein wie "Wellness für Ihr Haar".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.07.2021 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46437

Man muß wohl davon ausgehen, daß das Ganze nicht satirisch gemeint ist, denn Humor spielt bei diesem Thema ja eher eine untergeordnete Rolle. Wenn es aber ernst gemeint ist, dann werden hier gleich beide Seiten verhöhnt: die Gegner und die Befürworter des Genderns. Die Gegner fühlen sich in ungehöriger Weise zurechtgewiesen, wenn ihnen derart provokativ vorexerziert wird, wie man korrekt zu schreiben habe. Und die Befürworter, jedenfalls die seriösen, werden ebenfalls sofort merken, daß der Bogen hier überspannt worden ist, und fragen sich vielleicht sogar, ob das RKI sich mit diesem Schundwerk über ihr Anliegen lustig machen will.
Jedenfalls kann die Leitung des RKI nicht aus Überzeugung hinter dem ach so wichtigen Anliegen der Genderer stehen, wenn es zuläßt, daß so etwas veröffentlicht wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2021 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46436

Regierungen, die so etwas an die Öffentlichkeit bringen, machen sich lächerlich, und das ist ziemlich das Schlimmste, was ihnen passieren kann. Ich bin versucht, es dem zuständigen Minister (Spahn) zu schreiben, aber nach jahrzehntelangen Erfahrungen mit Behörden und Papierkörben lasse ich es bleiben.

Die Redaktion des Büchleins lag zwar bei Scholz & Friends, aber verantwortlich sind natürlich die Herausgeber.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.07.2021 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46435

Impfstoffe sind Trainer:innen, was denn sonst? Das RKI möchte auch diejenigen Impfstoffe korrekt ansprechen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen können oder wollen. Das ist eine Frage der Höflichkeit. Außerdem tut es nicht weh, und niemandem wird damit etwas genommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2021 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46434

Das kostenlose „Impfbuch für alle“ vom RKI ist aufs lächerlichste gegendert (Zu dieser Bewegung gehörten: Vegetarier:innen und Naturfreund:innen, Antikapitalist:innen und Antisemit:innen, Staats- und Technikkritiker:innen, christliche Fundamentalist:innen und Anthroposoph:innen), wendet sich also nur an eine Minderheit und nicht an alle. Besonders amüsant: Impfstoff-Forschernde. So steht es auch im Netz: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Broschueren/BMG_Impfbuch-fuer-alle_210602_bf.pdf
Man sieht also noch, was zunächst im Text stand und wie es dann von der Hilfskraft schlecht und recht überarbeitet wurde. Während normal vom Erreger einer Krankheit und Impfstoffkandidaten gesprochen wird, heißt es dann: Wie ein/e Sparringpartner:in übt der Impfstoff mit dem Immunsystem, wie es den Kampf gegen das echte Virus am besten führen und gewinnen kann. (...) Auch nach den ersten Monaten im Impfeinsatz und weltweit mehreren 100 Millionen damit geimpften Menschen haben sich die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe als gute Trainer:innen unseres Immunsystems erwiesen.

So kommen auch die Impfstöffinnen zu ihrem Recht. Es gibt keine Krise ohne Krisengewinner:innen und extreme Situationen bringen regelmäßig nicht nur Held:innen sondern auch Schurk:innen hervor. (...) Die oder der Forschende kann zwar ganz auf sich allein gestellt einen Impfstoff finden, aber sie/er kann ihn nicht alleine zulassen; sie/er kann ihn nicht alleine millionenfach produzieren und auch nicht im ganzen Land oder der ganzen Welt verbreiten. (...) Die Pest wurde im 14. Jahrhundert von Fernhändler:innen aus der Schwarzmeer-Region nach Europa gebracht.

An einigen Stellen vergessen sie aber ihre guten Vorsätze: … mit Plattform-Spezialist:innen zusammenzuarbeiten, was die Zahl der möglichen Impfstoffentwickler (!) und damit auch die der möglichen Impfstoffe deutlich erhöht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 10.07.2021 um 00.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46431

Es tut gar nicht weh.

Edeka: Student*innenfutter (neues Produkt in unserem Sortiment) geht gerade auf unserem Facebook-Auftritt steil.
Welche Gefühle genau verletzt #Gendern eigentlich?

https://twitter.com/EdekaWollny/status/1413204084694437888

Krautreporter: Mittlerweile #Gendern wir bei @krautreporter auch fast alle beim Sprechen. Auf einmal unterbricht es unseren Redefluss, wenn wir *nicht* gendern. Das ist dann, als würde dich jemand zwicken – nur, dass es gar nicht weh tut.
https://twitter.com/BentFreiwald/status/1413516683797581827

Verstehe ich das richtig: das generische Maskulinum tut gar nicht weh?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.07.2021 um 19.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46430

Bei "Eingeborenen" denke ich an die inoffizielle westdeutsche Nationalhymne von 1948: "Wir Sind die Eingeborenen von Trizonesien".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2021 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46422

Die Sache mit den Nomina agentis (*Reiser) wird noch dadurch kompliziert, daß der Wortbildungstyp zwar heute unmittelbar an die Verben angeschlossen wird (auch von Sprachwissenschaftlern wie Eisenberg), aber eigentlich von anderen Substantiven abzuleiten ist. Daher Redner, Lügner, Sänger usw. (nicht Reder, Lüger, Singer); das hatten wir schon besprochen. Und daher auch die große Gruppe Patzer, Versprecher, Aussetzer, Hingucker, Aufkleber usw., die keine Täter bezeichnet.
Wir sprechen von Kulturschaffenden, obwohl Schaffer auch denkbar wären. Es gibt noch viele Zufälligkeiten und Gewohnheiten auf diesem Gebiet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2021 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46421

In einer Rezension (SZ 9.7.21) verwendet Nils Minkmar nun das generische Maskulinum und nur ein einziges Mal engagierte Wissenschaftler und Naturschützerinnen. Gerade diese sporadische Verwendung des Femininums kann nur (soll aber offensichtlich nicht) bedeuten, daß nur Frauen gemeint sind. Der Verfasser ist in die selbstgestellte Falle geraten. Er kann selbst einen sehr einfachen Gedanken nicht mehr so ausdrücken, daß er verstanden wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2021 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46420

Die Gegner könnten argumentieren: Das generische Maskulinum war nicht diskriminierend, ist es aber geworden, seit wir die Möglichkeit des Genderns entdeckt haben. So wie Neger, Zigeuner, Eskimo, Eingeborene nicht rassistisch waren, bevor wir auf die Möglichkeit der Umschreibung oder Vermeidung aufmerksam wurden.
Man könnte hier den schon zitierten Satz sinngemäß anwenden: „Der Ersatz ist vor dem Verluste da und wird Ursache des Verlustes.“ (Wilhelm Scherer: Zur Geschichte der deutschen Sprache. Berlin 1868:XV)
Je länger gegendert wird, desto unmöglicher wird das generische Maskulinum. Spüren wir das künstlich herbeigeführte "Veralten" nicht schon selbst? Das ist wie bei der Rechtschreibreform: Die Sprachwandler verweisen auf den von ihnen selbst verursachten Sprachwandel als neue Tatsache, der man sich anpassen müsse. Wegen der Konventionalität der Sprache läuft das sogar ziemlich glatt, auch wenn es insgesamt überflüssig und verlustreich war.
Ein pessimistischer Blick in die Zukunft: Alle gendern, aber keiner tut es wirklich konsequent. Na und? Es geschieht soviel Sinnloses in der Welt...
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.07.2021 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46418

Wenn man eine Veränderung X gegen den Willen einer Gruppe Y durchsetzen will, malt man am besten ein Schreckensszenario an die Wand, zum Beispiel 5X, und bekommt am Ende die – wenn auch zähneknirschende – Zustimmung von Y zu X. Ein Unternehmensvorstand, der 50 Mitarbeiter entlassen will, kündigt den Abbau von 250 Stellen an und läßt sich dann vom Betriebsrat auf 50 (oder 60) »runterhandeln«.

So läuft es auch gerade beim Thema Gendern. Nach monatelanger quälender Diskussion über »Pendler*_:innen« und »Pendelnde« empfinden wir die »Pendlerinnen und Pendler« fast wie Balsam auf unsere geschundene Sprachseele. Indem man die Grenze zwischen bedenkenswert und unzumutbar grammatisch definiert, legitimiert man das penetrante »klassische« Gendern mit den Doppelformen, obwohl es nicht nennenswert weniger elitär und sprachspalterisch ist als das Sternchengendern und obwohl es von derselben falschen Prämisse ausgeht, nämlich daß Texte, die nicht permanent, also auch dort, wo sie nichts zur Sache tun, »Geschlechtsidentitäten« thematisieren, grundsätzlich diskriminierend sind und daher nicht mehr veröffentlicht werden sollten. Die gemeinsame Aktion der Nachrichtenagenturen, die Herr Munske neulich in der WELT geradezu euphorisch gelobt hat (»Chapeau!«), hat genau diese Legitimierung zum Ziel: »Pendlerinnen und Pendler« ja, Gendersternchen nein!

Jeder soll sprechen und schreiben, wie er will, aber wenn seriöse Nachrichtenagenturen verkünden, sie wollten künftig »diskriminierungssensibel« formulieren und hätten sich deshalb vorgenommen, das generische Maskulinum zurückzudrängen, dann ist das einfach nur unverschämt. Man mag sein eigenes Verhalten im Rückblick als diskriminierend oder nicht »diskriminierungssensibel« genug (das läuft aufs selbe hinaus!) empfinden oder wider besseres Wissen so bezeichnen, aber es ist ein Unding, der überwältigenden Mehrheit einer riesigen Sprachgemeinschaft quasi im Vorbeigehen zu attestieren, sie benutze diskriminierende Sprache.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 07.07.2021 um 11.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46409

Die reguläre Substantivierung wäre eigentlich "Reiser" (von reisen).
Tomas Kubelik hat in seinem Buch "Genug gegendert!" eine Liste von 12 Wörtern, für die es keine "-er"-Form gibt (S. 96):
Liebende, Trauernde, Reisende, Hungernde, Notleidende, Streikende, Flüchtende, Wartende, Abwesende, Vorsitzende, Vortragende, Unterrichtende.

Ich weiß nicht, inwieweit die Liste vollständig ist (neben den Abwesenden dürfte es natürlich auch die Anwesenden geben, aber darauf kommt es wohl nicht an). Interessant wäre, warum die gewöhnliche Ableitung auf -er vermieden wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.07.2021 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46408

Ich denke, daß das auch auf die Sichtweise ankommt. Meiner Ansicht nach reist ein Reisender sehr wohl gerade, auch wenn er im betrachteten Augenblick nicht im Zug, Auto, Schiff oder Flugzeug sitzt.

Allerdings müßte dieses Argument einer etwas erweiterten Sicht dann auch beispielsweise für Studierende zutreffen.

Ich sehe darum den Reisenden eher als praktikable und begründbare Ausnahme und Notlösung, weil es den "Reiser" nun mal nicht gibt. Für Studierende ist aber die Differenzierung zu Student möglich und sollte deshalb auch wie bei Partizipien üblich angewandt werden.

Daß Student auch auf ein Partizip zurückgeht, dem kann man wohl mit dem Argument begegnen, daß es bei der heutigen Verwendung nur auf die heutige Grammatik und Bedeutung ankommt. Etymologisches ist zwar nützlich, um die Sprachentwicklung zu erklären, spielt aber keine Rolle in der aktuellen Sprache.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.07.2021 um 00.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46402

Richtig. Allerdings weisen die Geschlechtergerechten gern darauf hin, daß beispielsweise »Student« ebenfalls aus einem Partizip Präsens abgeleitet sei und daß »Reisende« auch nicht immer gerade reisen, wenn von ihnen die Rede ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.07.2021 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46401

Das Partizip Präsens drückt die Gleichzeitigkeit aus. Folglich bedeutet "die Trinkenden", daß jemand gerade jetzt am Trinken ist, während "die Trinker" das nicht unbedingt gerade jetzt tun. Es ist ein Mißbrauch des Partizip Präsens.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.07.2021 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46400

Lese gerade: »Berliner Zeitung – Für Berliner, von Berlinern«. Viel Spaß bei der Suche nach einer diskriminierungsfreien Alternative!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.07.2021 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46399

"… niemand will ein Streber sein!“ Hoffentlich kommt das nicht Herrn Stefanowitsch zu Ohren. Er würde die negative Konnotation bestimmt wieder in der Endung orten wie beim -ling.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2021 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46397

Nicht zu vergessen das bekannteste und schlagendste Beispiel Trinker. Sind die Trinkenden schon aufgetaucht mit ihrer Trinkendenleber?

Sie haben recht: Es ist kein besonderes Sprachgefühl nötig, sondern die Sprachgemeinschaft hatte das mit ihrem gesunden Durchschnittsverstand längst geregelt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.07.2021 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46396

»Auch im Hamburger Impfzentrum verfallen derzeit täglich Hunderte Termine.
Hauptgrund seien aber nicht die sogenannten Impfschwänzerinnen und Impfschwänzer, heißt es aus der Gesundheitsbehörde, sondern Menschen, die versuchen, das System auszutricksen, um früher eine Zweitimpfung zu bekommen.«

(https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Impfzentrum-Hamburg-Hunderte-Termine-verfallen,impfung746.html)

Sogenannt? Nein, niemand nennt Impfschwänzer »Impfschwänzerinnen und Impfschwänzer«, das tun nur die übereifrigen Nachrichtenredakteurinnen und Nachrichtenredakteure des NDR. Googeln Sie mal, Sie werden staunen!

Die taz schreibt derweil ungerührt »Impfschwänzer:innen« und »Impfschwänzende.« Diese künstlich gebildeten Partizipien sind nicht viel besser als die Konstruktionen mit Sonderzeichen. Letztere haben erklärtermaßen die Funktion, unser Sprachgefühl zu stören, sie sollen uns aufrütteln und dazu zwingen, immer und immer und immer wieder über Geschlechtlichkeit nachzudenken, auch wenn sie für die Aussage nicht relevant ist. Das lehne ich zwar ab, aber da sind die Fronten sozusagen von vornherein geklärt, man sieht mit einem Blick, was los ist. Die Partizipien dagegen werden in die Welt gesetzt, um Genderzweifler einzufangen und Genderkritiker einzunebeln. In Genderleitfäden werden sie als »elegante« Möglichkeit angepriesen, unschöne Konstruktionen zur Benennung beider bzw. aller möglichen Geschlechter zu vermeiden.

In Wirklichkeit richten sie große Schäden an. So machen sie viele Wörter saft- und kraftlos und nehmen ihnen bestimmte Konnotationen oder verändern sogar ihre Bedeutung. Das Abwertende an »Schwänzer« etwa steckt nicht nur in der Bezeichnung des Vorgangs als Schwänzen, sondern auch in der prägnanten Wortform, die stigmatisieren und nicht neutral beschreiben soll. Viele Schimpfwörter sind nach diesem Muster gebildet: Blender, Kriecher, Schwätzer, Spinner, Streber, Wichser usw. Jemand, der ab und zu mal ein Schwätzchen hält, ist kein Schwätzer, jedenfalls nicht deswegen. Und jemand, der nach etwas strebt, muß kein Streber sein.

Die Partizipien neutralisieren Wörter, die nicht neutral verstanden werden sollen. Stellen wir uns vor, jemand erwacht morgen aus einem zweijährigen Koma und liest in der Zeitung von »Impfstrebenden«. Da er von der Pandemie nichts mitbekommen hat, wird er nur Bahnhof verstehen. Bei »Impfstreber« müßte er zwar auch rätseln, was genau damit gemeint ist, er wüßte aber sofort, daß es sich um eine abschätzige Bezeichnung handelt. »Strebende« ist neutral, warum sollte man nicht streben wollen? Aber niemand will ein Streber sein!

Das zu verstehen erfordert nicht mal ein überdurchschnittliches Sprachgefühl. Wie desorientiert muß man sein, um bei so etwas mitzumachen, ohne dazu genötigt zu werden?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.07.2021 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46395

Wie heißt die weibliche Form von "Profi"? "Profine"? Und die weibliche Mehrzahl? "Profinen"? Es gibt sicher noch mehr lustige Beispiele.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2021 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46394

Der MM erscheint heute mit einer Sonderbeilage zum 75. Jahrestag seines Bestehens. Ich lese und frage meine Frau, wie heißen eigentlich die Einwohner von Zweibrücken, Zweibrückener oder Zweibrücker? Letzteres stand in der Zeitung. Sie sagt sofort, Zweibrückener*innen, darauf kommt es an, das andere ist egal.

Wir lachen und ich sehe mir den halbseitigen Artikel über Pfälzer, Kurpfälzer u.a. Einwohner, Völker und Herrscher (Beilage S. 8) genauer an. Er enthält genau 43mal ein generisches Maskulinum (keine andere Form) und endet dann mit guten Wünschen an die "Kolleginnen und Kollegen" und die "Leserinnen und Leser".

Man muß sich also um das Aussterben des generischen Maskulinums keine Sorgen machen. Ich würde zu gern einmal wissen, wie Leute wie Herr Stefanowitsch diesen Artikel geschrieben hätten. Wahrscheinlich so, daß man nach den ersten zwei Absätzen völlig entnervt die Zeitung weglegte.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.07.2021 um 01.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46393

Das Wort »Terrorist« ist schon öfter als Beispiel dafür angeführt worden, daß sich die Vorstellung von einem Objekt mit dem Objekt ändert und nicht mit der Bezeichnung. Wie haben wir uns in den siebziger und achtziger Jahren Terroristen vorgestellt? Das waren Männer und Frauen, teilweise sogar überwiegend Frauen (ich erinnere mich an manches Fahndungsplakat), und sie sahen aus wie alle anderen »Biodeutschen«. Heute denken wir, vom NSU mal abgesehen, eher an islamistischen Terror und damit an Männer, genauer: bärtige Männer, die irgendwie arabisch anmuten. Das Wort hat sich nicht geändert, wohl aber die Vorstellung, die wir damit verbinden, weil heute nun mal andere Leute Terror ausüben als damals. Welches grammatische Geschlecht das Wort »Terrorist« hat, tut dabei nichts zur Sache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2021 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46392

Inzwischen korrigiert: https://www.deutschlandfunk.de/niedersachsen-entdecktes-erddepot-wurde-von-den.1939.de.html?drn:news_id=1277197

Anscheinend hat jemand etwas gemerkt. Es gibt aber genügend weitere Belege beim DLF, auch im Archiv.
 
 

Kommentar von Mitgliederin, verfaßt am 05.07.2021 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46391

Deutschlandfunk, Nachrichten um 14:00 Uhr:

"Die Mitgliederinnen und Mitglieder führten meist ein bürgerliches Leben und planten die Anschläge in ihrer Freizeit, weshalb sie auch als „Feierabendterroristen“ bezeichnet wurden".
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 05.07.2021 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46390

"Reporter (!) ohne Grenzen hat heute eine neue Liste mit den weltweit größten „Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit“ veröffentlicht".

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/rsf-veroeffentlicht-neue-feinde-der-pressefreiheit
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2021 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46385

Die Vermeidung des generischen Maskulinums (besonders Forscher) führt bei heilpraxisnet.de zu einem regelrechten Tanz der Wörter um die leere Mitte herum. Ein Beispiel: https://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/neue-effektive-behandlung-fuer-einige-der-toedlichsten-krebsformen-20210702542341/.

Google News verlinkt einen Artikel gleichen Inhalts, aber ohne die Scheuklappen: https://www.wirtschaftsblatt-bg.com/gesundheit/eine-neue-wirksame-behandlung-fur-einige-der-todlichsten-krebsarten-ist-entdeckt-worden/.

Der Vergleich läßt das Treiben des heilpraxisnet-Redakteurs noch alberner erscheinen (wieder mal Alexander Stindt, aber seine Kollegen müssen es ebenso halten). Beiden liegt dieselbe englische Vorlage zugrunde: https://www.eurekalert.org/pub_releases/2021-06/uol-nto063021.php
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.07.2021 um 12.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46383

Es gibt ja beim generischen Maskulinum theoretisch das gleiche Problem, aber das hatte sich bereits eingespielt, und wo es darauf ankam, daß tatsächlich nur Männer gemeint waren, wurde das im Kontext besonders ausgedrückt. Bei dem jetzigen Durcheinander aber weiß man gar nichts mehr, man ist ständig irritiert, und ohne ständige genaue Erklärung im Kontext geht es einfach nicht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.07.2021 um 11.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46382

Gute Debattenkultur in der taz. Das Blatt hat sich dem Gendern per Doppelpunkt verschrieben, läßt aber andere Stimmen zu Wort kommen:
https://taz.de/Gendern-als-Ausschlusskriterium/!5782080/
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.07.2021 um 11.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46381

Spiegel online titelt heute: "Giffey kritisiert Umgang mit Plagiatsverdacht bei Politikerinnen"

Springt sie jetzt ihren Geschlechtsgenossinnen bei oder generell den Personen in der Politik? Man kann es nicht sagen, da Spiegel online mittlerweile die Wechselnennung der Geschlechter mit beabsichtigtem generischen Sinn weiträumig eingeführt hat.
Man muß bis zum Ende des Artikels lesen, bis man anhand der Formulierung "beklagt einen härteren Umgang mit Frauen als mit Männern" erkennt, daß sie sich speziell für die Frauen einsetzt.

Das Reden über Menschen im allgemeinen sowie Frauen und Männer im speziellen wird zunehmend erschwert, wenn das generische Maskulinum beschädigt wird und wenn die markierte Form als generische Femininum in ihrer Bedeutung aufgeweicht wird.
Man bleibt in Unsicherheit und muß im weiteren Text nach Hinweisen fahnden, was denn nun tatsächlich gemeint ist.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.07.2021 um 16.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46366

Wann wäre er denn ein fähiger Linguist? Wenn er die Tatsachen kennt oder wenn er sie nicht kennt?

Mit feministischer Sprache beschäftigt er sich meines Erachtens weit über 10 Jahre, auch wenn sein Hauptgebiet wohl Anglistik ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2021 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46365

Auch sind alle Fortschritte zur Gleichberechtigung der Frauen von Menschen erreicht worden, die das generische Maskulinum verwendeten, auch Frauen.

Kann man so sprechen, als ob die Welt nur aus Männern bestünde, wenn man nicht glaubt, daß die Welt nur aus Männern besteht? Was soll das überhaupt bedeuten?

Ich halte es immer noch für möglich, daß Stefanowitsch die Tatsachen nicht kennt. Allerdings habe ich seine Schriften nicht gelesen und weiß nicht, wie fähig er als Linguist ist. In Sachen Gender ist er jedenfalls von seinem moralischen Engagement überwältigt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.07.2021 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46364

"Es geht im Kern darum, dass wir lange Zeit, ca. 150 Jahre, das sogenannte generische Maskulinum im Deutschen gepflegt haben. Also über die Welt gesprochen haben, als ob sie nur aus Männern bestünde."

"Fehlende Sachkenntnis" ist ein sehr höflicher Kommentar dazu. Stefanowitsch weiß selbstverständlich, daß seine Behauptung falsch ist, sie ist deshalb eher verlogen zu nennen. Dazu paßt seine bizarre Auslegung des mißliebigen Umfrageergebnisses:

"Wir haben eine Gesellschaft, die zu heterogen und zu divers ist, um sich das [das generische Maskulinum] noch gefallen zu lassen."

https://virchblog.wordpress.com/2021/06/14/das-letzte-gefecht/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2021 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46357

Unserer Ansicht nach war der Auslöser für den Anstieg der Heuschreckenzahlen die Veränderung des Klimas ...

Kohle ist ein Energielieferant...


Der Stamm der Nomina agentis wird als grammatisch maskuline Form verwendet, generisch.

Gelegentlich kommt es zur Angleichung: die Bank als Kundin, als Tochter(gesellschaft) usw. – Wie im letzten Beispiel wirkt auch ein Hang zu stimmigen Metaphern mit, aber im wesentlichen ist es eine "mechanische" Angelegenheit wie Assimilationen usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2021 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46355

Wo die Sachkenntnis fehlt, genügt die "Moral". Was der Germanistin Nübling recht ist, kann dem Nichtgermanisten Stefanowitsch billig sein. Die neuen "Wahrheiten" dieser Gruppe werden sich unaufhaltsam verbreiten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.07.2021 um 01.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46354

Das Interview ist hier:
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/meinungsumfragen-zum-thema-gendern-extreme-positionen-anatol-atefanowitsch-100.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.07.2021 um 01.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46353

Ich frage mich manchmal, ob Anatol Stefanowitsch selbst glaubt, was er behauptet. In irgend einem Vortrag meinte er, es gebe mehr Schimpfwörter für Frauen als für Männer. Und "Schlampe" sei ein Synonym für Frau. Jetzt lese ich in einem Interview folgendes:

Was muss bei der Aufklärungsarbeit hauptsächlich transportiert werden?

Es geht im Kern darum, dass wir lange Zeit, ca. 150 Jahre, das sogenannte generische Maskulinum im Deutschen gepflegt haben. Also über die Welt gesprochen haben, als ob sie nur aus Männern bestünde. Das war nie in Ordnung, aber es gab natürlich eine lange Zeit, in der Männer im öffentlichen Leben so eindeutig das Sagen hatten, dass das niemand angezweifelt hat, dass das die richtige Art ist darüber zu sprechen. Und diese Zeit ist vorbei. Wir haben eine Gesellschaft, die zu heterogen und zu divers ist, um sich das noch gefallen zu lassen.


Was meint er mit diesen 150 Jahren? Und was für eine Sprache hat man davor gesprochen?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.06.2021 um 20.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46349

Nur zur Klärung: Das mit der "Plage" ist natürlich auf die Textsorte Populärwissenschaftliches Buch eines*einer Politiker*in bezogen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.06.2021 um 20.26 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46348

Durch die unermüdliche und wegweisende Arbeit der Sprachwissenschaft nimmt die geschlechtergerechte Sprache langsam Form an.

Ehrlicher wäre es, über die Textsorte „Populärwissenschaftliches Buch eines*einer Politiker*in, verfasst mit Hilfe eines*einer (offen benannten!) Ghostwriter*in“ zu sprechen. Diese Textsorte ist eine Plage, niemand braucht diese Bücher, und niemand sollte sie schreiben (müssen).
https://twitter.com/astefanowitsch/status/1409881007579353089

Wie man hier sieht, wurde das Genitiv-s geschickt auf die Artikel konzentriert. Das entlastet die Substantive und macht alles noch einmal eleganter! Die Artikel-Dopplungen werden in nächster Zeit noch überarbeitet werden, so daß die Effizienz noch weiter gesteigert wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.06.2021 um 12.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46343

Leserbrief im heutigen Mannheimer Morgen:

Sprachwandel verläuft grundsätzlich evolutionär und ungesteuert, das heißt von unten. In letzter Zeit gab es zwei größere Ansätze des gesteuerten Wandels: zuerst die Rechtschreibreform und nun der Versuch, Gendersprache durchzusetzen.

Der Einfluss Goethes und Luthers mit der Bibelübersetzung ist anders zu bewerten: Es gab keine Sprachvorschriften, und die Menschen mochten einfach deren Sprache. Im heutigen Bemühen, eine vermeintlich patriarchale Sprache den Ansprüchen geschlechtergerechter Gleichstellung und Vielfalt anzupassen, forciert eine Minderheit von Aktivisten semantische und orthografische Konstruktionen, die keine realen Probleme lösen, dafür aber die Sprache verkomplizieren, entstellen und sexualisieren.

Für Gleichstellung sind die rechtlichen und sozialen Regeln beziehungsweise Einstellungen maßgeblich, nicht die Sprachstruktur. Und die Bevölkerungsmehrheit sieht die angemahnte Vielfalt in unserer Sprache verwirklicht. Durch Gendersprache wird nur das Sprechen und Hören sowie das Schreiben und Lesen und nicht zuletzt das Lernen erschwert. Und die Sprache wird dabei zum seelenlosen Bastelkonstrukt, ohne Not und Gewinn.

Ihre Sinnlosigkeit, Hässlichkeit und Unpraktikabilität sind die wichtigsten Gründe für die anhaltende Ablehnung der Gendersprache. Laut neuester Umfrage des Allensbach-Institutes sind das 71 Prozent der Gesamtbevölkerung, in Abstufungen Männer wie Frauen, Alte wie Junge, quer durch alle politischen Parteien. Nur 19 Prozent bejahen hiernach die Gendersprache. Ablehnung finden auch die Durchsetzungsmethoden. Das Gendern mancher Sprecher, Moderatoren und Redakteure in den Medien irritiert viele Menschen, die sich nicht in „ihrer“ Sprache angesprochen fühlen und – im Falle der Öffentlich-Rechtlichen – dafür auch noch zwangsweise bezahlen müssen.

Gleichstellungsbeauftragte in Behörden und manchen Unternehmen schreiben ihren Mitarbeitern Gendersprache für die interne und externe Kommunikation vor. Und in vielen Bildungseinrichtungen werden Dozenten sowie Schüler und Studenten zum Gendern angehalten. Nicht Freiwilligkeit, sondern Vorschriften und strenge „Empfehlungen“ beziehungsweise Erwartungen sind das Mittel der Wahl. Immerhin darf, wer nicht „Untertan“ eines Gleichstellungsbeauftragten ist, vorerst weiter normales Deutsch einsetzen.

Peter Roemer, Mannheim
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.06.2021 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46335

Was sprachwissenschaftlich korrekt wäre, interessiert leider außer Sprachwissenschaftler und ein paar Interessierte anscheinend niemanden. Die "Guten" und "Geschlechtergerechten" bestehen darauf, daß "Studien" angeblich gezeigt hätten, daß das generische Maskulinum Frauen benachteilige.

Ich weiß, welche Mängel solche Studien haben, aber das wird viel zu wenig, so gut wie gar nicht, thematisiert, darum ist es auch in der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt.

Enttäuschend für mich ist vor allem, daß sich die hier gefragten Sprachwissenschaftler, auch die Personen, für die Sprache zum Werkzeug gehört, wie die vielen guten Schriftsteller, kaum engagieren, kaum zu Wort melden. Die wenigen Ausnahmen, zu denen Sie, lieber Professor Ickler, gehören, können allein nichts ausrichten. Warum haben die Gerechtigkeitsfanatiker so leichtes Spiel gegen die Vernunft?

Unter Freunden, Bekannten und Verwandten höre ich immer wieder, daß sie die Sprachverhunzung verabscheuen. Aber sie werden leider von der Wissenschaft allein gelassen, sie kennen die richtigen Argumente nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2021 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46333

Wenn man vom generischen Maskulinum sagt, weibliche Personen seien "nur mitgemeint", packt man schon die ganze Ideologie in die vermeintliche Beschreibung des Sachverhalts und impliziert den Appell, hier etwas zu ändern. Sprachwissenschaftlich korrekt wäre es, den Sachverhalt in Begriffen wie "markierte vs. unmarkierte Form" und "Neutralisation" darzustellen; dann sieht die Sache gleich ganz anders aus.

Die entsprechende Manipulation wird ganz offen und sozusagen amtlich ausgeübt, wenn man die Leute mit Begriffen wie "geschlechtergerecht" ködert.

Die Rechtschreibreform wurde als "Vereinfachung" und "Erleichterung" verkauft; auch darauf fielen manche herein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2021 um 03.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46328

Auch wenn die vorgeschriebene "neutrale" Form von Stellenausschreibungen nichts nutzt, macht es sich doch gut, ein Gesetz dazu erlassen zu haben. Vor allem: es kostet nichts. Auch sonst neigt der Staat dazu, eher ein Strafgesetz zu verschärfen als die Polizei besser auszustatten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2021 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46327

Referendare (w/m/d) für alle Rechtsgebiete
BEITEN BURKHARDT Düsseldorf

Referendar (Anwalts-/Wahlstation) (m/w/d)
Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH London


Mal so, mal so.

Hat jemals eine Juristin geglaubt, sie könne sich auf die Stelle eines Referendars nicht bewerben? Und wenn nicht, was folgt daraus für den millionenfachen Hinweis „m/w/d“ oder noch besser „w/m/d“ (aber nie d/w/m)?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2021 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46326

Nach einem Bericht von Jochen Buchsteiner in der FAS gibt es in GB schon eine Gegenbewegung zur sich selbst überschlagenden Politischen Korrektheit (cancel culture), auch seitens der Regierung, zumal an Colleges jetzt auch schon die Queen abgehängt wird. Konsequenterweise müßte man die ganze Vergangenheit der Damnatio memoriae übergeben, weil die Menschen früher natürlich noch nicht so gut waren wie wir.

Mit dem Gendern könnte es ähnlich laufen. Ich könnte klischeehaft sagen: Die Welt steht vor großen Herausforderungen, und das wäre gewiß nicht falsch. Ein gewisser Überdruß an der Gender-Schnüffelei wäre verständlich. Kein bedeutender Kopf hat sich je daran beteiligt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.06.2021 um 23.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46324

Das generische Maskulinum für »nicht zulässig« zu erklären, egal in welchem Bereich, erscheint mir ungefähr so weltfremd und lachhaft wie ein Verbot aller Wörter, die mit einem bestimmten Buchstaben anfangen. Morgen ächtet jemand das Präsens zur Beschreibung künftiger Ereignisse, und ab übermorgen muß man sagen »Die Woche hat sieben Tage und Nächte«. Wie kann man sich nur so verrennen?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.06.2021 um 14.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46323

Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, vielleicht waren es auch Zeichensetzungsfehler.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.06.2021 um 13.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46322

Des Öfteren ist ja auch nur ein Rechtschreibfehler, das wurde bei uns in der Schule nur als halber Fehler gewertet.
 
 

Kommentar von tk, verfaßt am 26.06.2021 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46321

Witzig, daß sie „Ärzt*in“ als grammatischen Fehler bezeichnen (und offenbar keine machen wollen), aber dann „des Öfteren“ schreiben.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.06.2021 um 12.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46320

Die Schweizer Bundeskanzlei hat einen Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren veröffentlicht.

https://bk.admin.ch/bk/de/home/dokumentation/sprachen/hilfsmittel-textredaktion/leitfaden-zum-geschlechtergerechten-formulieren.html

PDF:
https://www.bk.admin.ch/dam/bk/de/dokumente/sprachdienste/sprachdienst_de/20210615_Weisung%20der%20BK%20zum%20Genderstern.pdf.download.pdf/20210615_Weisung%20der%20BK%20zum%20Genderstern.pdf

Gendersonderzeichen sollen nicht verwendet werden, aber auch das generische Maskulinum gilt als "nicht zulässig". Einen großen Raum in der Begründung nimmt die angeblich beabsichtigte "Repräsentation" nichtbinärer Menschen ein.

Die Bundeskanzlei ist sich bewusst, dass Menschen, die vom herkömmlichen binären Geschlechtermodell nicht erfasst werden, auch in einer Sprache, die ebenfalls nur zwei Geschlechter kennt, nicht gleich repräsentiert sind wie Frauen und Männer. Die Bundeskanzlei anerkennt deshalb auch das Anliegen, das hinter dem Genderstern und ähnlichen neueren Schreibweisen zur Gendermarkierung steht: eine Sprache zu verwenden, die möglichst alle Menschen einbezieht und niemanden ausschliesst. Aus Sicht der Bundeskanzlei sind typografische Mittel wie der Genderstern, Genderdoppelpunkt, der Gender-Gap und Gender-Mediopunkt aber nicht geeignet, diesem Anliegen gerecht zu werden: Zum einen leisten sie nicht, was sie leisten sollten, und zum andern verursachen sie eine ganze Reihe von sprachlichen Problemen. Ausserdem sprechen auch sprachpolitische und rechtliche Gründe gegen die Verwendung dieser Mittel (vgl. hierzu Teil B, Ziff. 3).
In den Texten des Bundes werden der Genderstern und ähnliche Schreibweisen deshalb nicht verwendet. Stattdessen kommen je nach Situation Paarformen (Bürgerinnen und Bürger), geschlechtsabstrakte Formen (versicherte Person), geschlechtsneutrale Formen (Versicherte) oder Umschreibungen ohne Personenbezug zum Einsatz. Das generische Maskulin (Bürger) ist nicht zulässig.


Immerhin werden ein paar grundlegende Schwierigkeiten der Genderspracge angesprochen.

(b) Beeinträchtigung der Lesbarkeit: Der Gebrauch des Gendersterns oder ähnlicher typografischer Mittel kann bei einer konsequenten Verwendung zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lesbarkeit eines Textes führen (Der*die Leiter*in bezeichnet eine*n geeignete*n Mitarbeiter*in, die*der ihn*sie bei Abwesenheit vertritt).

(c) Grammatisch falsche Formen: Die gegenwärtig zu beobachtende Verwendung des Gendersterns führt laufend zu grammatisch falschen Formen (Ärzt*in, Bauer*in, ein*e gute*r Schüler*in). Es herrscht ein gewisser Wildwuchs (z. B. findet man des Öftern auch Verwendungen wie Frauen* und Liebe*r Hans Müller). Es bräuchte demnach klare Regeln. Solche zu formulieren, ist jedoch schwierig, weil sich typografische Mittel wie der Genderstern nicht einpassen lassen in das morphologische und syntaktische System des Deutschen. Zudem bräuchte es nicht nur Regeln für die Setzung des Zeichens selber, sondern man müsste auch eine Reihe von Folgeproblemen in den Griff bekommen, z. B. die Artikelverwendung oder die pronominale Wiederaufnahme von Nomen mit solchen Zeichen (vgl. das Beispiel unter Bst. b).

[...]

(g) Politisches Statement:
Mit dem Genderstern und ähnlichen Zeichen wird nach wie vor stark experimentiert. Die Zeichen sind heute noch vorwiegend Ausdruck einer bestimmten gesellschaftspolitischen Haltung, sie haben den Aspekt eines «Statements»: Man zeigt damit, dass man offen ist für das Anliegen von Menschen, die vom binären Geschlechtermodell nicht erfasst werden. Der Bund sollte mit seinen Texten keine solchen Statements abgeben, bevor die entsprechenden gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Diskussionen geführt und entsprechende Beschlüsse gefasst worden sind.


Ich frage mich nur, wie man da ohne Beibehaltung des generischen Maskulinums heil herauskommen will.

Die Weisungen im einzelnen:
Weisungen für die Bundesverwaltung

1. Der Genderstern, der Gender-Gap, der Genderdoppelpunkt werden in deutschsprachigen Fliesstexten des Bundes nicht verwendet. Stattdessen werden Sprachmittel wie Paarformen, geschlechtsabstrakte oder geschlechtsneutrale Ausdrücke und Umschreibungen ohne Personenbezug verwendet. Das generische Maskulinum wird nicht verwendet.
2. Genderstern und ähnliche Schreibweisen zur Gendermarkierung werden auch in verknapptem Text, wo Sparschreibungen ausnahmsweise zulässig sind (z B. in einer Tabelle, einem Formular), nicht verwendet. Stattdessen wird der Schrägstrich (Antragsteller/in) verwendet. Das gilt auch für Kurztexte in den sozialen Medien.
3. Wenn Externe im Auftrag des Bundes Texte schreiben, die später auf den Webseiten des Bundes publiziert werden sollen (z. B. Berichte, Gutachten), ist darauf hinzuwirken, dass auch in diesen Texten die Schreibweisungen des Bundes beachtet werden.
4. Wo die Bundesverwaltung Texte des Parlaments übersetzt (z. B. Vorstösse), gibt sie in der Übersetzung den Genderstern und ähnliche Schriftzeichen nicht wieder, zeigt aber, wo dies sinnvoll erscheint, in einer Klammer die Schreibung im Original an.
5. Die Bundeskanzlei akzeptiert die Verwendung des Gendersterns im Text einer Volksinitiative, die sie vorprüft, unter Verweis auf die Schreibweisungen des Bundes nicht.
6. Verwendet ein Initiativ- oder Referendumskomitee in seinem Text für die Abstimmungserläuterungen den Genderstern oder ähnliche Schreibweisen, so wirkt die Bundeskanzlei darauf hin, dass diese Zeichen weggelassen werden.
7. Der Bund antwortet auf Texte, die an ihn gerichtet sind und Gendersterne oder ähnliche Schreibweisen verwenden, mit Texten ohne diese Zeichen. Wo nötig, wird der abweichende Sprachgebrauch thematisiert.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2021 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46305

Ergänzend: Wenn den Leuten ab und zu eine gegenderte Form auffällt, gewinnen sie leicht den Eindruck, der Text sei gegendert. Die normalen Ausdrucksweisen übersehen sie. Daher das falsche Bild und die übertriebenen Hoffnungen.
Bei Durchsicht der Süddeutschen Zeitung finde ich ganze Seiten, auf denen kein einziges Mal gegendert ist, es herrscht ausschließlich das generische Maskulinum. Nicht auszudenken, das würde alles umgestellt!

Suchen Sie mal nach weniger häufigen Personenbezeichnungen, z. B. Grenzschützerinnen. Man stößt auf Genderwörterbücher – oder die taz bzw. neuerdings auch die Frankfurter Rundschau, die ihre Pflichtübung abziehen.

Übrigens: Mit https://www.genderator.app/ wird man sozusagen automatisch ein besserer Mensch. Darauf wird es wohl hinauslaufen. Wenn die Überzeugung längst abhanden gekommen ist, übernehmen die Programme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2021 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46289

Die Ablehnung des Genderns wäre wohl noch deutlicher, wenn die Leute wüßten, wie ein wirklich konsequent gegenderter Text aussieht. Bisher haben sie ja fast immer nur halb oder noch weniger gegenderte zu Gesicht bzw. zu Gehör bekommen.
Im übrigens trifft leider zu, was Herr Virch sagt: Nur auf der extremen Rechten gibt es einen einigermaßen geschlossenen und programmatischen Widerstand, das ist wirklich schade. Aber es gilt eben auch hier: Das allgemeinste Interesse ist am schwersten zu organisieren und gerät leicht unter die Räder.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.06.2021 um 13.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46288

Mannheimer Morgen, 22.6.21, S. 17 (Hervorhebungen von mir):

Weinheimer gewinnt Jackpot im Spiel 77
Mit 2,50 Euro zum Millionär

Ein Lottospieler aus dem Rhein-Neckar-Kreis hat mehr als eine Million Euro gewonnen. Nun sucht die Lotteriegesellschaft in Baden-Württemberg den Glücklichen.
[...]
Damit hat der oder die Gewinnerin mit einem Einsatz von 2,50 Euro den Jackpot geknackt.

Na, so ein oder eine Glückspilz!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.06.2021 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46287

Daß dieses diffuse Unbehagen nicht nur die Abwendung von den Medien, sondern auch die Zuwendung zu unseriösen Quellen und rechten Gruppierungen fördern dürfte, wird von der Gendergemeinde höhnisch bestritten: solches Unbehagen ist für sie schlicht ein Zeichen rechter Gesinnung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2021 um 02.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46286

Das "gemeinsame Vorgehen" ist wichtig. Niemand soll sich einen Vorteil verschaffen, indem er besser lesbare Texte verkauft.

Auf der Seite der freien oder ungebundenen Texte steht dann neben der Alltagssprache immer noch die schöne Literatur. Die Kluft wird tiefer, und ich vermute, daß ein diffuses Unbehagen an der krampfhaft umgestellten Sprache sich zu einem gewissen Verdruß und Überdruß verdichten wird, der die Abwendung von den Medien beschleunigen dürfte.

Wie bei der RSR schieben sich die Agenturen und ihre Kunden, also die Zeitungen und anderen Medien, gegenseitig die Verantwortung zu. Nur die Endabnehmer, die Leser und Hörer, werden wieder einmal nicht gefragt. Auch darum ist die Einheitsfront so wichtig: Niemand soll eine Ausweichmöglichkeit haben.

Nachdem wir erlebt haben, daß sogar namhafte Journalisten die reformierte Rechtschreibung für gesetzlich verpflichtend hielten (übrigens ohne daran Anstoß zu nehmen – auch das war bemerkenswert), könnte sich auch zum Gendern die Meinung einstellen: "Das macht man jetzt so, das muß man doch jetzt so machen!" Ein entscheidender Schritt wird getan sein, wenn die Regierungen, besonders die Schulministerien, einen "geschlechtergerechten" (magisches Wort!) Umgang mit der Sprache anordnen. Das ist zweifellos möglich, und auch hier wird man vielleicht eines Tages sagen: "Alle waren dagegen, aber unterschrieben haben sie doch!" (Rechtschreibreformbetreiber Niehl über die Kultusminister)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.06.2021 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46285

Druck dürften auch diejenigen Medien auf die Agenturen ausüben, die selbst gendern und keine Lust haben, die Agenturmeldungen immer erst umzuschreiben, damit sie sie ihren Leser*innen zumuten können.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.06.2021 um 21.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46284

Mit der Ankündigung, die Entwicklung des Sprachgebrauchs zu beobachten, lassen sich die Agenturen ein Hintertürchen offen. Der Text liest sich fast wie eine Verlautbarung des Rats für deutsche Rechtschreibung. Ich kenne die Hintergründe nicht, aber das Ganze wirkt auf mich, als hätte man erst mal irgendwie auf den immensen Druck reagieren wollen, den jetzt alle spüren, um damit Zeit zu gewinnen.

Noch ist unklar, ob und welches der Sonderzeichen (Genderstern, Unterstrich, Doppelpunkt etc.), die auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten abbilden sollen, sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird. Bis auf weiteres verzichten die Nachrichtenagenturen daher auf die Verwendung dieser Zeichen. Bislang entsprechen sie auch weder dem amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung noch dem allgemeinen Sprachverständnis beziehungsweise der allgemeinen Sprachpraxis. Aber viele andere Möglichkeiten zur Vermeidung diskriminierender Sprache und zur Sichtbarmachung von Diversität sind konsequent zu nutzen.

Die Nachrichtenagenturen wollen die Entwicklung der Sprache in den nächsten Jahren gemeinsam beobachten und in enger Abstimmung mit ihren Medienkunden regelmäßig neu bewerten.

Also künftig öfter als bisher (aber wieviel öfter, wird nicht gesagt): Schülerinnen und Schüler (statt: Schüler); ärztlicher Rat (statt: Rat des Arztes); die Leitung (statt: der Leiter); alle, die dieses Programm nutzen (statt: alle Nutzer dieses Programms) usw. usf.

Das möchte ich erleben, daß eine Nachrichtenagentur schreibt »alle, die dieses Programm nutzen«!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2021 um 20.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46283

Auf genau die gleiche Weise haben die Agenturen die Rechtschreibreform gegen den Wunsch der Leser durchgesetzt. Aber die Änderung der Grammatik wird schwerer, das haben inzwischen viele eingesehen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.06.2021 um 20.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46282

Herr S. leidet darunter, daß diese komischen menschlichen Wesen, deren Sprache möglichst genau zu beobachten und objektiv zu beschreiben seine Aufgabe als Sprachwissenschaftler wäre, durch die Bank Waschlappen sind. Mit diesem müden Haufen ist kein Blumentopf zu gewinnen. Ich verstehe seinen Frust. Er sollte sich ein anderes Betätigungsfeld suchen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.06.2021 um 20.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46281

Stefanowitsch meint in den Kommentaren:
Das Englische und das Deutsche sind sprachtypologisch grundverschieden, nicht nur, aber auch im Bereich der Versprachlichung von Geschlecht. Das Englische hat das grammatische Geschlecht vor über 500 Jahren durch Lautwandelprozesse komplett verloren, wodurch diese Kategorie für die Sprechenden weitgehend ihre Relevanz verloren hat – mögliche morphologische Geschlechtermarkierungen (-ix in aviatrix, ‑ette in usherette oder ‑ess in waitress) konnten sich danach nicht durchsetzten und blieben auf jeweils eine Handvoll Wörter beschränkt. Nur bei den Pronomen findet sich überhaupt noch eine Unterscheidung nach Geschlechtern. Im Deutschen ist das anders – das grammatische Geschlecht ist hier eine fest verankerte Kategorie, die von alleine nicht so schnell verschwinden wird. Und das grammatische Geschlecht von Wörtern korreliert bei Menschen (und uns vertrauten Tieren) sehr stark mit dem biologischen und/oder sozialen Geschlecht der Bezeichneten. Diese Verbindung lässt sich nicht einfach auflösen, indem man erklärt, man wolle „den Weg des Englischen gehen“. Sicher, wir könnten das grammatische Geschlecht abschaffen – Wege dahin haben feministische Linguist_innen und andere kreative Menschen immer wieder aufgezeigt. Aber dass sich derartig weitreichende Eingriffe in die Grammatik in einer Sprachgemeinschaft durchsetzen lassen würden, die schon beim Gendersternchen Schnappatmung bekommt, halte ich für ausgeschlossen.

Spricht er sich also gegen tiefe Eingriffe in das deutsche Genussystem aus? Fragen über Fragen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.06.2021 um 17.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46280

Mich stört auch, daß er keine ordentlichen Quellenangaben macht. Die den Studienteilnehmern gestellten Aufgaben wären schon interessant, es sind zudem mehrere Studien. Vielleicht läßt sich das konkretisieren, wenn man recherchiert, hatte nur noch keine Zeit. Aber bessere Quellenangaben würden es erleichtern.

Ich setze hier mal rein, was ich kommentiert habe (überarbeitet).

Nach drei Personen zu fragen, statt nur nach einer, hat zwei Vorteile: Die Fragen können im Plural gestellt werden, und die Versuchspersonen können ein flexibleres Assoziationsverhalten zeigen.

Es hat noch einen anderen Vorteil: Man sieht nicht, wie schlecht das Gendern im Singular funktioniert, siehe zum Beispiel die neue Geschäftsordnung des Neusser Rathauses.

Schema „männlicher Wortstamm + weibliche Nachsilbe“

Da hat Herr Stefanowitsch das Schema meines Erachtens noch nicht richtig durchschaut. Wo ist denn bitte der "männliche Wortstamm" bei Ärzt*in, Bäuer*in, Französ*in?

Zur Frage der mentalen Repräsentation von Transpersonen möchte ich nur darauf verweisen, daß es im Gendersprech keine nichtbinären Formen für den Singular gibt (Ärzt* – für eine nichtbinäre Person mit medizinischer Qualifikation?). Kaum zu glauben, daß die Transaktivisten das vergessen haben. Und ebenso kaum glaubhaft, daß sie sich Sonderzeichen und Glottisschläge zu ihrer Repräsentation gewünscht haben. Wie überhaupt wäre ein Glottisschlag im Singular zu realisieren? Wie muß man jede*r aussprechen, das auch Stefanowitsch im schriftlichen Interview schon verwendet hat? Was wäre die nichtbinäre Entsprechung zu den Wortpaaren Mann/Frau, Junge/Mädchen, Bruder/Schwester?

Ich halte ohnehin nichts von der Prämisse, daß man sich Personen, die bei welcher Gelegenheit auch immer erwähnt werden, immer ganz konkret – mitsamt ihrer Geschlechtlichkeit – vorstellt. Sprache dient ja nicht dazu, eine Folge von photorealistischen Bildern im Hirn zu erzeugen, und das funktioniert auch nicht. Aber von solchen grundsätzlichen Einwänden abgesehen ist die Erklärung für eine mangelnde "Repräsentation" von Nichtbinären ganz einfach: Die Sternchen-, Unterstrich- und Doppelpunktformen sind nie etwas anderes gewesen als wichtigtuerisches Aufbrezeln der inzwischen 40 Jahre alten Binnen-I- und Schrägstrich-Schreibungen – man will ja sein Anliegen immer wieder allen bewußt machen und durchaus damit nerven. So erklärt sich auch der mehrfache Wechsel der Sonderzeichen. Vor Jahrzehnten schon haben manche Leser behelfsmäßig eine Sprechpause eingefügt, um die Neubildungen von der Femininform lautlich unterscheiden zu können. Das ist nicht einmal kreativ.

Um eine echte sprachliche Integration aller Geschlechter, sofern es mehr als zwei sind, hat man sich also nie bemüht. Das sieht man schon am nach wie vor binären Singular. Und nicht ohne Grund sind alle Gendersprecher immer auch mit Herzblut Feministen, ist der Transaktivismus ein eher umstrittenes Randthema (siehe TERF). Wie es Stefanowitsch einmal in der Zeit dargestellt hat, ist das Gendern ein Community-Marker, das Ziel bloß ein anderes, als er vorgibt. Es geht um Frauenpolitik an allen Ecken und Enden. (Und damit übrigens um auch das Aufbürden neuer Rollenerwartungen, nicht die Befreiung davon.)

Eine Frage nebenbei: Woher weiß eigentlich Stefanowitsch die Antwort auf seinen vielrezitierten moralischen Imperativ? Woher will er oder sonst jemand wissen, was er "wollen würde", wenn er nicht der wäre, der er ist? Aus den ständig wiederkehrenden Umfragen, die uns zeigen, wie Frauen und Minderheiten sich sprachlich repräsentiert wünschen?

Die Studienergebnisse, die Stefanowitsch hier vorstellt, sind wie zu erwarten inkonsistent. Mal macht die Doppelnennung den Unterschied, mal nicht. Daraus kann man schließen, daß man nichts so recht schließen kann. Auf die prinzipiellen methodischen Schwierigkeiten geht er auch gar nicht ein, etwa das Lenken der Aufmerksamkeit auf die Opposition, die ja gerade das Gegenteil der Neutralisierung ist, oder die politische/feministische Vorbildung der Versuchspersonen.

Stefanowitsch spricht hier als Aktivist, nicht als Wissenschaftler. Aber das macht er ja gern.

Es läßt sich übrigens vielfach belegen, daß die neuen Genderschreibungen als Femininum interpretiert werden. Quasi ein Femininum mit kleiner Unterbrechung des Redeflusses. Die durchbrochene weibliche Form schließt zwar vorgeblich alle mit ein, ist deshalb aber keineswegs "neutral". Man nennt sie folglich auch gar nicht "neutral". Man nennt sie "gerecht". Diesen – politischen – Bias der Gendersprache erkennt man auch in all diesen Studien, die von der Art sind, wie Stefanowitsch sie hier vorstellt. In der Disziplin "mehr an Frauen denken" gewinnt nämlich regelmäßig die Genderschreibung vor der Beidnennung. Und das entspricht ganz der gelebten Praxis in der kleinen Blase der Gendersprecher. Es haben sich durchgehend Formen wie "die Ärzt*in" / "eine Ärzt*in" etabliert – das ist ohne lebensfremde Laborfragebögen zigtausendfach belegbar. Arzt*in oder A*ärzt*in oder sonst abweichende Formen kommen praktisch nicht vor.

Wenn nun Stefanowitsch selbst bekennt, daß das alles nicht wirklich konsequent ist – sollte man sich freuen oder lieber fürchten?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.06.2021 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46279

Eine "neue psycholinguistische Studie" nach altbewährtem Muster. Man erfragt die Namen bekannter Musiker, Sportler etc. und erhält das abzusehende Ergebnis, daß vorwiegend Männer genannt werden. Wüßten die Probanden nicht, um was es geht, fielen ihnen überhaupt keine Frauen ein; niemand würde Helene Fischer als Musiker bezeichnen. Das Geschlecht berühmter Individuen ist nun mal wichtig – im Gegensatz etwa zu jenem berühmter Sinfoniker. Das Leipziger Gewandhausorchester "gehört international zu den führenden Orchestern und gilt mit derzeit etwa 185 Berufsmusikern als weltweit größtes Berufsorchester". (Wikipedia)

Immerhin räumt Stefanowitsch ein, das Gendersternchen sei "nicht die Lösung für das Problem der Unsichtbarkeit nicht-binärer Menschen", sondern "nur ein erster Schritt. … Indem wir das Gendersternchen bewusst und aus eigener Entscheidung verwenden, zeigen wir der betroffenen Gruppe wenigstens, dass wir sie wahrnehmen wollen." Damit liegen wir moralisch auf jeden Fall weit vorn.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.06.2021 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46278

Herr S. und Konsorten versuchen verzweifelt, die Existenz und das Funktionieren des generischen Maskulinums zu widerlegen, indem sie nachweisen, daß nichtgenerisch verwendete Maskulina keine generischen Maskulina sind. Das ist so armselig, daß man sich fast schon für sie schämt.

Die Ergebnisse dieser psychologischen Experimente auf Sextanerniveau sind nicht nur deshalb wertlos, weil sie überwiegend mit Anekdoten und Fallbeispielen arbeiten, in denen die männlichen Personenbezeichnungen gar nicht generisch, sondern spezifisch verwendet werden; sie gehen auch von der falschen Prämisse aus, daß die Welt und das Leben der Menschen einem strikt paritätischen Muster folgen: alles ist zu gleichen Teilen auf Frauen und Männern verteilt, nur die böse deutsche Sprache macht daraus ein null zu hundert.

Wenn mir bei so einem Test mehr Romanhelden als Romanheldinnen (die man im übrigen wohl auch immer so bezeichnen würde) einfallen, dann könnte das ja auch daran liegen, daß es in Romanen schlicht viel mehr männliche als weibliche Helden gibt. Wenn ich die Probanden aber durch die explizite Nennung der weiblichen Form sozusagen durchrüttle und sie so dazu zwinge, angestrengt darüber nachzudenken, ob sie nicht vielleicht doch noch ein paar mehr Romanheldinnen kennen, dann ist doch völlig klar, daß mehr Frauen genannt werden. Nicht die ursprüngliche Frage führt zu einer Schieflage bei den Antworten, sondern, im Gegenteil, erst der ausdrückliche Hinweis auf eine Untergruppe verfälscht die Ergebnisse. Man könnte auch etwas unfeiner von Manipulation sprechen. Wenn ich Probanden bitte, mir fünf Hauptstädte Europas zu nennen, erhalte ich selbstverständlich andere Ergebnisse, als wenn ich dazusage: »Sie dürfen auch gerne Hauptstädte kleinerer Länder nennen«. Es kann doch nicht sein, daß ein Linguist so etwas übersieht!

Hinzu kommt das grundsätzliche Problem, daß die Probanden im Grunde schon dadurch von vornherein für den Test »versaut« sind, daß sie in der Regel wissen, daß sie an einem sprachpsychologischen Experiment teilnehmen. Wenn die Aufmerksamkeit erst einmal auf den Untersuchungsgegenstand gelenkt ist, kann man den Versuch eigentlich abbrechen. Es fehlt der natürliche Kontext, der in realen Situationen fast immer dafür sorgt, daß die Aussagen praktisch in Echtzeit richtig verstanden werden.

Probanden wollen auch gern alles richtig machen und hören besonders genau hin. Sie wittern in Betonungen, Formulierungen usw. versteckte Hinweise, die es entweder nicht gibt oder die sie falsch verstehen. Dazu gehört auch die bewußte Uminterpretierung der an sich richtig verstandenen generischen Form in eine spezifisch männliche.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.06.2021 um 16.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46277

https://presseportal.de/pm/8218/4947122
Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen AFP, APA, dpa, epd, Keystone-sda, KNA, Reuters und SID haben ein gemeinsames Vorgehen vereinbart, um diskriminierungssensibler zu schreiben und zu sprechen. Das generische Maskulinum wird in kompakter Nachrichtensprache noch vielfach verwendet, soll aber schrittweise zurückgedrängt werden. Ob die Nachrichtenagenturen in einigen Jahren ganz darauf verzichten können, hängt von der weiteren Entwicklung der Sprache ab.

Da drücken wir die Daumen, das muß doch zu schaffen sein.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.06.2021 um 14.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46275

Stefanowitsch hat jetzt noch bessere Beweise, wie gut das Gendern funktioniert.

http://sprachlog.de/2021/06/18/funktioniert-das-gendersternchen-und-wie

Ich habe da mal zwei Kommentare hinterlassen, aber ich bekomme bei ihm selten etwas durch.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.06.2021 um 01.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46272

Es wird jetzt oft so getan, als handele es sich beim Streit ums Gendern um einen Generationenkonflikt: hier die Jungen, die es wollen, dort die Alten (besonders Männer), die es ablehnen. Da scheint auf den ersten Blick etwas dran zu sein. Die Lust auf Experimente zur Veränderung der Welt schwindet nun einmal bei den allermeisten mit wachsender Lebenserfahrung. Das ist ganz normal und wird schon bald auch diejenigen Jünglinge ereilen, die jetzt noch glauben, mit einem Gummischwert den Drachen töten zu können, der den Menschen, zumal den schwachen, so arg zusetzt. Bis dahin werden massenhaft Gummischwerte ausgegeben werden. Viele werden damit in der Luft herumfuchteln und sich hinterher besser fühlen, auch wenn der Drache nicht einmal Notiz von ihnen genommen haben wird.

Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man ganz andere Zusammenhänge. Keine Volontärin entscheidet beim ZDF oder beim Deutschlandfunk, wie der Sender es mit dem Gendern hält. Frau Gerster hat in Interviews unumwunden zugegeben, daß sie persönlich mit dem generischen Maskulinum überhaupt kein Problem hat, weil sie sich damit immer angesprochen gefühlt hat und noch immer fühlt. Gefragt, warum sie denn dann gendere, verweist sie auf junge Frauen, die das offenbar anders sähen.

Eine ältere Leserin bekennt in einem Online-Diskussionsforum, sie halte eigentlich nichts vom Gendern, weil es die Welt eben gar nicht besser, sondern nur die Sprache schlechter mache, fügt aber hinzu, sie wolle ihren Standpunkt überdenken, denn das sei ja offenbar eine Forderung der Jugend, und der Jugend gehöre die Zukunft.

Im SPIEGEL wanzt sich Christina Pohl mit einer Kombination aus gespielter Lockerheit und unappetitlicher Selbstkasteiung an die Jugend heran: »Es ist längst überfällig, dass die Gleichberechtigung in der Sprache Einzug hält, aber auch in meinem Gehirn haben sich mehr als 50 Jahre Sprecherziehung mit dem generischen Maskulinum eingebrannt. Ich brauche eine jugendliche Bewegung, die das alles mal gründlich durcheinanderbringt. Die mir eine neue Sprache beibringt.«

Überall ist zu beobachten, daß sich alternde Menschen auf »junge Leute« beziehen, die entweder gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, weil ihnen das ganze Gewese genauso auf den Zeiger geht wie der übergroßen Mehrheit der Reiferen, oder die ihr Glück kaum fassen können, weil sie nicht damit gerechnet hatten, daß Ältere ihre unausgegorenen Ideen ohne jede kritische Nachfrage eins zu eins übernehmen und dann mit missionarischem Eifer über etablierte Kanäle in die Sprachgemeinschaft pumpen.

Nein, die aktuelle Misere ist nicht in erster Linie das Ergebnis eines Generationenkonflikts, und sie geht schon gar nicht auf das Konto der jungen Leute, die sich das Gendern nach der aktuellen Allensbach-Umfrage in ihrer übergroßen Mehrheit genausowenig vorschreiben lassen wollen wie die Älteren. Natürlich gibt es junge Experimentierer, und dagegen ist gar nichts zu sagen. Schuld sind nicht die Jungen, die ein Problem mit den Alten haben; schuld sind die Alten, die ein Problem mit dem Altern haben! Und damit meine ich nicht etwa »alte weiße Männer«, die zurück in die Vergangenheit wollen (die gibt es auch). Ich meine jene angegrauten intellektuellen Herrschaften, die plötzlich nicht mehr mit ihrem saturierten Leben klarkommen und jetzt ohne Rücksicht auf Verluste nach Auswegen aus dieser Sinnkrise suchen. Inspiriert von bereits »erweckten« Leidensgenossen, verfallen manche auf die Idee, sich das Büßerhemd (allerdings ein neonfarbenes!) anzuziehen und öffentlich alles in Frage zu stellen, was sie und ihresgleichen bisher so gedacht und getrieben haben. Das erweist sich bei genauerer Betrachtung nämlich als frauenfeindlich, rassistisch und auf jeden Fall viel zu wenig »empathisch«. Statt abzuwarten, wie sich die »woke« Marotte im Laufe der Zeit von selbst totläuft, verhelfen sie ihr maßgeblich zu dauerhafter Verbreitung. Die Sprachgemeinschaft zahlt den Preis für diese egozentrischen Selbsttherapieversuche. Die Benachteiligten und Unverstandenen gehen derweil leer aus, denn ihnen helfen keine sprachformalistischen Sandkastenspiele und opportunistischen Mitmachrituale – im Gegenteil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2021 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46261

Die ausdrückliche Nennung weiblicher Personen war schon immer möglich und wird heute nur viel häufiger praktiziert als früher und in "gebundenen" Texten häufiger als im Alltag. Auch wo sie konsequent durchgeführt ist, impliziert sie an sich noch keine ausdrückliche Leugnung des generischen Maskulinums, sondern einfach den Verzicht darauf. Dahinter kann sich die theoretische Leugnung verbergen, aber das ist Interpretation. Man könnte von einem "Frequenzspezifikum" sprechen (in den Begriffen, die ich in meinem Fachsprachenbuch zur stilistischen Differenzierung nutze).

Je mehr Beidnennung, desto pedantischer, bürokratischer, schwerfälliger, elitärer, volksfeindlicher. Alle anderen Formen des Genderns greifen dagegen in die Grammatik und/oder Orthographie ein.

Die Zwecklüge von der Allgemeinüblichkeit des Genderns erinnert an die Rechtschreibreform, wo gleich nach den Sommerferien, in denen die Reform beschlossen und bekanntgegeben wurde, die Schulminister behaupteten, die Neuschreibung sei an den Schulen eingeführt und könne mit Rücksicht auf die Schüler nicht mehr zurückgenommen werden.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 19.06.2021 um 23.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46260

Mir war der Spiegel-Artikel auch aufgefallen, und es hätte mich interessiert, ob sich Frau Amann tatsächlich als moderate Stimme einbringt.
Leider steht der Artikel hinter der Bezahlschranke.

Die Einschränkung des Begriffs "Gendersprache" auf den neuesten Zeichen-Firlefanz ist mir in letzter Zeit auch aufgefallen.
Dabei ist es genau so, wie Sie es sagen, Herr Metz: Die Doppelnennung bestreitet das generische Maskulinum und die Wechselnennung behauptet das generische Femininum. Beides ist falsch, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.06.2021 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46259

Wer wissen will, wie man beim SPIEGEL tickt, sollte den jüngsten Artikel von Melanie Amann, seit kurzem Mitglied der Chefredaktion, lesen (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gendergerechte-sprache-wer-veraenderungen-will-braucht-gute-argumente-a-8a738833-0002-0001-0000-000177967136). Er bestätigt, was ich seit langem beobachte: Unter »Gendersprache« versteht man in diesen Kreisen nur noch Sternchen und Schweigesekunde. »Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfänger«, neuerdings auch »Ärztinnen und Pfleger«, halten SPIEGEL-Redakteure längst für normal und akzeptiert. Klar, sie schreiben ja selber so. Nun warnt Amann vor einer Vertiefung der »Kluft zwischen jungen, großstädtischen, linksliberalen Milieus, in denen der Glottisschlag längst gelebte Normalität ist, und der ›Lebenswirklichkeit der Bürger‹ (Allensbach), die sich kulturell marginalisiert und bevormundet fühlen.« Das ist rührend. Gehören die bleiernen Doppelformen etwa zur Lebenswirklichkeit der Bürger? Wer sagt denn bitte im echten Leben »Wortführerinnen und Wortführer« oder »Journalistinnen und Politiker«, wie Amann es in ihrem Artikel tut? Die Warnung vor der Vertiefung der Kluft zwischen bestimmten Milieus und der breiten Masse wäre glaubhafter, wenn die Autorin nicht selbst durch ihre Sprache an dieser Vertiefung mitwirken würde, wenn auch (bisher noch) in einer anderen Spielart.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2021 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46256

Im Prädikat steht üblicherweise die Rolle, nicht das Individuum. Eben das, was ausgesagt wird. Auch eine Ärztin übt den Arztberuf aus.

Die SZ widmet heute eine ganze Seite der Genderdiskussion. Die Journalisten sehen manches Problem ganz richtig, aber man kann nichts anderes erwarten, als daß sie es am Ende auch nur für eine Frage der Gewohnheit und der Zeit halten, bis sich das Gendern durchgesetzt hat. Selbst wenn sie Germanistik studieren – wir sehen ja, bei wem sie es studieren... (und was für Lehrer und Materialien auf die Schüler losgelassen werden).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.06.2021 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46255

"Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß." Selbst im Singular hat das generische Maskulinum also schon immer anstandslos funktioniert, wenn es etwa um das gesellschaftliche Sein ging, die Stellung, das Amt, die Funktion, den Beruf. Tritt das Individuum auf den Plan, bekommt das Geschlecht Gewicht – es sei denn, die Kategorie bleibt im Vordergrund: "Meine Frau ist ein unverbesserlicher Optimist."
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.06.2021 um 10.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46254

Angesichts der schlagenden Beweise finde ich es sehr höflich anzunehmen, daß Nübling nur schlecht informiert ist. Sie wird ganz opportunistisch tun, was sie ihrem Ticket schuldig ist, und die Realität leugnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2021 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46251

Es gibt selbstverständlich sehr gute Sprachwissenschaftlerinnen. Man muß aber kein wütender alter Mann sein, um festzustellen, daß viele Linguistinnen über das Frauen-Ticket zu Professuren gelangt sind und daß sich mittlerweile der unvermeidliche Qualitätsverlust bemerkbar macht. Er hat auch noch andere Gründe, teils in der Hochschulpolitik, teils in der Geschichte des Faches selbst; die Männer sind auch nicht besser. (Einiges habe ich unter "Abfall für alle" exemplifiziert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2021 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46250

Auch wer gendert, beweist durch den ausschließlichen Gebrauch von die Amerikaner (= die USA), die Russen (= Rußland) und natürlich auch die Autohersteller Tag für Tag, daß das generische Maskulinum entgegen der Behauptung klaglos funktioniert. Niemals liest man: Die Chinesinnen und Chinesen treiben ihr Projekt Neue Seidenstraße voran. – Ob es mal jemandem auffällt?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.06.2021 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46248

Gerade lief "Tootsie" auf ZDF Neo. Der Film wurde von der Kritik 1982 vor allem als Travestiekomödie aufgefaßt und mit "Charleys Tante" verglichen. Er parodiert aber vor allem sämtliche feministischen Klischees, die heute zum Sturmgepäck der woken Genderisten gehören.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.06.2021 um 21.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46247

Schottland gegen England,
der ZDF-Kommentator der Fußball-EM:

22500 Zuschauer innen, etwas mehr als 2000 Schotten, sollen im Stadion sein.

Na so was, gar keine Schott innen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2021 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46246

Nachtrag: Man sieht an den Beispielen wieder einmal, daß das generische Maskulinum (meist mit dem Stamm identisch) besonders im Prädikatsbereich herrscht: Herr sein, König sein, der größte sein usw. Wenn die Königin kommt, würde man nicht sagen: Der König kommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2021 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46245

Zu Nübling s.

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#15801

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42120

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=843#15810

Zum generischen Maskulinum (unter anderer Bezeichnung) kurz

Jacob Wackernagel: Vorlesungen über Syntax II:28f. über maskuline Epicoena, mit älterer Lit.

Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei.

Maria Stuart:
Regierte Recht, so läget Ihr vor mir
Im Staube jetzt, denn ich bin Euer König.


Nübling ist auch in dieser Frage schlecht informiert.

Übrigens: Nicht erst bei Luther, sondern schon bei Lukas finden wir das generische Maskulinum:

Wer dieses Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer der Kleinste ist unter euch allen, der ist groß.

(Die „Bibel in gerechter Sprache“ läßt hier das Korrelat der weg, korrigiert also auch den Urtext im feministischen Sinne. Man kann das nur so verstehen: Der liebe Gott, die Griechen, Lukas und Luther wußten es eben nicht besser, jedenfalls nicht so gut wie wir.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.06.2021 um 15.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46244

Hach, die bunte Welt der Linguistik!

https://abendblatt-berlin.de/2021/05/06/linguistin-erklaert-sprachdebatte-wuetende-maenner-wollen-zurueck-in-die-vergangenheit/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2021 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46233

Sehr gut! (Könnte von meiner Frau sein, die tickt genauso.)

Heute feiert die Zeitung die Regensburger Spätzle als Schritt der "Emanzipation", was mir doch etwas übertrieben erscheint. Jeder kann einen Mädchenchor gründen, das war noch nie revolutionär. Der junge Brahms leitete in Hamburg einen Frauenchor, und da er ein großer starker blonder Mann war, kann man sich denken, woran die Sängerinnen immer nur dachten (s. o.).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.06.2021 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46232

Als heute früh im Fernsehen von Studierenden die Rede war, habe ich meine Frau gefragt: "Jetzt mal ehrlich, wenn damals an der Uni von Studenten die Rede war – hast du da nur an Männer gedacht?" Lakonische Antwort: "Ich habe immer nur an Männer gedacht." Das Problem der Sprachfeministen in einem ironischen Satz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2021 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46228

Meine jüngste Tochter, selbst Chorsängerin, schlägt Dom-Spätzle vor, mit zugehörigem Spezialitäten- bzw. Spätzialitäten-Restaurant.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.06.2021 um 11.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46227

Domseln? Dann würde ich aber noch die Konsonanten etwas umsortieren, damit es auch dem Stand der akademischen Forschung nach Hornscheidt entspricht:
ens Regensburgens Dolmens

Die einschlägigen Gender-Ratgeber fordern ja immer wieder, daß man sprachlich kreativ vorgehen sollte. Schön, daß man hier in der Gruppe diese Ermunterung beherzt aufnimmt und kreativ-iterativ zu perfekten Lösungen kommt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.06.2021 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46226

Vielleicht könnte man sie Regensburger Domseln nennen (in Anlehnung an die Amsel).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.06.2021 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46225

Was ist eigentlich mit Orchesternamen wie »Berliner Philharmoniker« oder »Bamberger Symphoniker«? Müssen die nicht auch endlich verzeitgeistigt werden? Auf Auslandstourneen wäre so auch dem Rest der Menschheit schnell klarzumachen, wie fortschrittlich man in Deutschland »unterwegs« ist: Berliner Philharmoniker*innen, Bamberger Symphonikerinnen und Symphoniker. Es gibt noch viel zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2021 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46222

Die Regensburger Domspatzen nehmen jetzt auch Mädchen auf. Schon überlegt man, wie sie in Zukunft heißen sollen. "Domnachtigallen" wurde verworfen, weil die Spatzen-Marke weltbekannt sei. "Domspätzinnen" hat wohl auch keine Chance. Da ist guter Rat teuer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2021 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46219

Die Europäische Metropolregion Nürnberg lädt zum 14. Wissenschaftstag ein:

Unter dem Motto „Raum für Vielfalt –Zeit für Zukunft“ greifen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen im Dialog mit der Praxis aus Unternehmen, Institutionen und Gesellschaft in fünf Panels aktuelle Herausforderungen auf. (...) Wissenschaftliche Gastgeber sind in diesem Jahr die Hochschule Ansbach, die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, dieAugustana-Hochschule Neuendettelsau, die Hochschule fürangewandtes Management Treuchtlingen sowie der kunstoff-campus bayern. Öffentliche Partner sind der Bezirk Mittelfranken, die Stadt Ansbach sowie die drei Landkreise Ansbach, Neustadt a.d. Aisch/Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. (...) Wir danken den Premiumpartnern Siemens und der Sparkasse Ansbach sowie den lokalen Sponsoren GEKA und Oechsler für die Unterstützung des diesjährigen Wissenschaftstages.

Es lebe das generische Maskulinum!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.06.2021 um 01.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46218

Voll im Trend: alles durcheinander

»Unsere Musiker*innen im Porträt
Wer sind die Menschen hinter dem Orchestermitglied? Was bewegt sie, weshalb sind sie ausgerechnet Musikerin geworden und nicht Arzt oder Lehrerin? Wie lebt es sich in der Gemeinschaft Orchester?
Lernen Sie unsere Musikerinnen und Musiker von einer ganz persönlichen Seite kennen in den Porträts von Melanie Kollbrunner.«
(https://www.tonhalle-orchester.ch/orchester/musiker-innen/)

Hier will jemand es mal wieder allen recht machen, aber so kann es niemals funktionieren. Dröseln wir es mal auf:

Weiblich:
Frau Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Frau Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Männlich:
Herr Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Herr Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Divers:
Bernd/Christa/Helge Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Bernd/Christa/Helge Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Ich will den Autoren nicht unterstellen, daß sie das generische Femininum durch die Hintertür einführen wollen, so weit reichen ihre Gedanken vermutlich gar nicht. Aber es fällt mir doch auf, daß nach unseren heutigen Sprachregeln, die trotz aller Störmanöver immer noch weithin anerkannt sind, und nach dem mutmaßlichen Sprachgefühl der überwältigenden Mehrheit einzig die Fragesätze unter »Weiblich« einen Sinn ergeben. Weiter fällt auf, daß nicht nur Männer, sondern auch nichtbinäre Personen sich geradezu verhohnepipelt fühlen müssen, wenn sie diese Sätze lesen. Wer nicht als Mann oder Frau »gelesen« werden möchte, muß sich mit dem hingeworfenen Genderstern in der Überschrift begnügen und ansonsten im Haupttext tapfer alle explizit weiblichen und männlichen Formen überlesen und damit viel mehr »Angriffen« standhalten, als je von der alle inkludierenden generischen Form ausgehen könnten. (Explizit weiblich oder männlich sind die Personenbezeichnungen, weil es nicht gleichzeitig ein generisches Femininum neben einem generischen Maskulinum geben kann.)

Der wohlmeinende Leser erkennt das Bemühen um »gendersensiblen« Sprachgebrauch, muß aber doch, wenn er gewisse Mindestanforderungen an den Informationsgehalt und die Verständlichkeit von Texten stellt, zu dem Schluß kommen, daß dies keine Zukunft hat.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.06.2021 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46212

Die Kommentare zur Focus-Hymne scheinen durchweg scharf ablehnend zu sein. Nebenbei: was soll „ohne großes Plem-Plem“ bedeuten? Und wieso darf es „alle freuen, dass Apple hier den Schritt ergreift“? Wieso darf Apple das? Als Hallervorden unlängst den schrittgreifenden Trump besang, wurde er von den Kritikern zerrissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2021 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46211

Kürzlich wurde über Forschungen zur Geräusch-Überempfindlichkeit berichtet (https://www.spektrum.de/news/misophonie-ein-hypersensibler-spiegel/1882024).

Nix Genaues weiß man nicht. Aber abgesehen von dieser Leere: Man bemüht sich um Geschlechtergerechtigkeit, bis dann doch wieder die "Kollegen" unterlaufen, obwohl im "Team" der "Forschenden" auch Frauen waren.

Dafür sind zweifellos bald Geldstrafen fällig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2021 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46209

Besonders beschämend finde ich die Lobeshymnen des FOCUS-Redakteurs. Immerhin jubelt hier ein Riesenkonzern den Menschen etwas unter, was sie mehrheitlich nicht wollen. Die wunderbare Rechtschreibreform wird als Vorlage gepriesen.

In Erinnerung an damals könnten manche bald auch die Regierung um mehr Zwang zum Gendern bitten. Wir wollen die Geschlechtergerechtigkeit nicht verweigern dürfen! Bestraft uns, wenn wir nicht gendern! Anders geht es in Deutschland nicht!

Die gesetzlichen Grundlagen sind schon längst gelegt.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.06.2021 um 18.10 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46208

Apples neues mobile Betriebssystem iOS 15 wird mit Doppelpunkt gendern.
https://p6.focus.de/img/fotos/id_13388923/ios-gendern.jpg?im=Resize%3D%28800%2C450%29&hash=bec4be9985d289d2fc479231891b29df3cd84b986ec825c3538d3b050b6cdbd5
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.06.2021 um 17.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46190

Katrin Göring-Eckardt:

Es gibt kaum jemanden, die so klar, differenziert und eindringlich gegen jede Menschenfeindlichkeit eintritt

https://twitter.com/GoeringEckardt/status/1403794623366041602
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.06.2021 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46185

"Die Antworten Hanikas sind aber allesamt in alter Rechtschreibung, die Fragen jedoch in neuer"

Na ja, ein paar "daß" haben sie ihr zwar gelassen, auch ein "muß" und ein "müßte", aber ansonsten gibt es auch in den Antworten jede Menge "dass" (fast so viele wie "daß") sowie "jedes Mal" und "alles Mögliche".
Die Zeitungen können heutzutage gar nicht mehr richtig schreiben, das Herkömmliche haben sie schon vergessen und die Reform nie richtig begriffen (was ja auch verständlich ist).
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.06.2021 um 11.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46184

Interessantes Interview mit Iris Hanika, einer Preisträgerin der Leipziger Buchmesse.

Sie spricht sich gegen das Gendern und für die alte Rechtschreibung aus.

https://mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/buchpreis-gewinnerin-iris-hanika-das-gender-sternchen-ist-irrwitzig-art-10615244

Bemerkenswert finde ich noch etwas anderes, und das paßt thematisch hier nicht ganz rein (ich habe aber keinen passenden Thread im Forum gefunden). Es handelt sich laut Einleitung um ein Telefoninterview, das nachträglich verschriftlicht wurde. Anders wäre wohl auch folgende "Antwort" nicht möglich.

Frage: Lächeln oder lachen Sie eigentlich beim Schreiben?
Hanika (lacht): . . . .

Die Antworten Hanikas sind aber allesamt in alter Rechtschreibung, die Fragen jedoch in neuer (am Ende findet man die Schreibung "Schluss").

Ich vermute mal, daß Hanika dies bei der Autorisierung durchgesetzt hat.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.06.2021 um 09.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46182

Sehr penetrant ist auch das ständige Beschwören der Demokratie. Man sollte vielleicht über eine Umbenennung in Deutsche Demokratische Republik nachdenken, Umbenennungen sind ja zur Zeit in Mode.

Das Magazin kann man sich runterladen und vorlesen lassen (echte Stimme).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2021 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46177

Das erwähnte Regierungsmagazin "Schwarzrotgold" wird übrigens zu einem knappen Viertel von Carolin Emcke gefüllt, die ja gleichzeitig als Gastrednerin auf dem Parteitag der Grünen Aufsehen erregte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2021 um 12.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46174

Nicht taufrisch, aber immer noch nett:

Bitte eine Radlerin!

- Tut mir leid, die Zapfhenne ist kaputt.


Wenn ich noch Einführungskurse gäbe, würde ich es benutzen, um auf verschiedene sprachliche Dinge hinzuweisen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2021 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46173

„Schwarzrotgold“, das Magazin der Bundesregierung, liegt wieder der Zeitung bei und ist penetrant durchgegendert. Nur die Aussteiger, denen Frau Merkel helfen will, und die Schleuser, die nichts anderes verdient haben, bleiben männlich. Und über dem Kapitel, das die Ausbildung von Polizistinnen und Polizisten behandelt, steht der Kürze halber "Demokraten in Uniform" - das generische Maskulinum lebt!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.06.2021 um 01.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46170

Jetzt verstehe ich. Das geschlechtslose Wesen Lann Hornscheidt hat ein Buch geschrieben, und das war für die Tagesthemen wohl der Anlaß, sie aus der Versenkung zu holen.

Dort behauptet sie ja, ihr neuester Vorschlag sei ganz leicht umzusetzen: "ein Käufer und sein Einkaufskorb" wird zu "ens Käufens und ens Einkaufskorb" (sie wiederholt direkt darauf es noch einmal: "ens Käufer [sic] und ens Einkaufskorb", und zeigt damit, daß es gar nicht so einfach ist).

In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagt sie jedoch, der unbestimmte Artikel wäre nicht "ens", sondern "einens".
https://berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/lann-hornscheidt-der-staat-wird-seinen-eigenen-gesetzen-nicht-gerecht-li.135480.amp?__twitter_impression=true

Können diese Leute ihre Hirngespinste eigentlich beliebig weit treiben, oder gibt es da irgend eine Grenze, ab der man sie nicht mehr ernst nimmt?

Sie liebäugelt auch mit dem Zwang per Verwaltungsakt.

Wenn ich in einem Telefongespräch sage, ich verstehe mich nicht als Frau oder Mann, dann entschuldigen sich viele sofort. Es ist keine Diskussion mehr. Natürlich hat das auch so Blüten, wie dass die GEZ nach mehrmaligen Aufforderungen, die gegenderte Anrede sein zu lassen, mir im letzten Brief geschrieben hat, ich könne sicher sein, dass sie mich nicht diskriminieren wollen, aber damit sie es nicht machen, würden sie jetzt nicht mehr mit mir kommunizieren. Das habe ich jetzt weitergegeben an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Ich fürchte ja, daß sie hier die "GEZ" hier auch nicht korrekt benannt hat.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 11.06.2021 um 17.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46164

ARD (Tagesthemen) macht Gender-Propaganda.
https://youtube.com/watch?v=DpqEcD0oKsA
Sendung von vorgestern

Die Befürworter Carolin Müller-Spitzer und Moritz Rödler verwenden natürlich selbst das generische Maskulinum:
Wenn jemand nicht gendern möchte, dann kann er ...
Jeder, der will ...

Daß es längst Zwang gibt, wird nicht erwähnt, es wird auch vom Moderator nicht kritisch nachgefragt, stattdessen immer wieder die versteckte Behauptung, daß der Widerstand von rechts käme, daß Frauen sich das Gagasprech wünschten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2021 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46152

Die SZ (10.6.21) kommentiert den Genderstern zwar recht oberflächlich, kommt aber zu dem begrüßenswerten Ergebnis, daß das generische Maskulinum die beste Lösung wäre. Es vermittelt (im Gegensatz und Widerspruch zur ebendort weitergetragenen Annahme) kein männlich dominiertes Weltbild. Unser Weltbild steckt in dem, was wir sagen, nicht in der Sprache, in der wir es sagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.06.2021 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46150

Du musst kein Wort sagen, aber ich freue mich über das kleinste. Mit mir ist das anders. Ich bin wohl der Einfachere von uns beiden [...]

Das schrieb Ingeborg Bachmann 1949 an Paul Celan (Herzzeit Briefwechsel, Suhrkamp Taschenbuch, 2008, S. 14).

Vor solchen lyrischen Texten wirkt die heutige "geschlechtergerechte" und gegenderte Sprache wie ein Verbrechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2021 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46149

„Ist es denn überhaupt so wichtig, das Geschlecht eines Menschen zu erfahren?“ (Aus einem Bericht über Bestrebungen tschechischer Feministinnen, die weibliche Endung von Familiennamen (Navrátilová) aufzugeben.) Bei anderen Gelegenheiten scheint den Genderern nichts wichtiger zu sein als die Erwähnung des Geschlechts. Immer das gleiche Dilemma der Identitätskämpfer. Übrigens: Das Anhängsel sei „besitzanzeigend“. Das stimmt natürlich nicht. Auch wenn der Knecht von „seinem“ Herrn spricht, drückt er nicht dessen Besitz aus (wenn er nicht gerade Hegel gelesen hat).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2021 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46147

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46142

Herr Voß hat laut Wikipedia auch eine "Auszeichnung" erhalten: eine Übersetzungsförderung. Ich habe auch mal einen Druckkostenzuschuß erhalten.

Hat er eigentlich persönlich unter der Nazi-Erfindung der Zweigeschlechtigkeit zu leiden? Das ist in diesem Zusammenhang nicht unwichtig. Die eigene "Betroffenheit" wird doch immer als theoretischer Faktor ins Spiel gebracht, vor allem wenn es um Stellenbesetzung geht.

(Manche Wikipedia-Artikel neigen dazu, das eigene Leben in Echtzeit wiederzugeben.)
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 09.06.2021 um 01.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46145

Tolle Dokumentation, Herr Metz.
Mir geht es so: Als Sprachbewegter habe ich immer ein Ohr auf den Gender-Anteil dessen, was ich höre und lese. Und ich protokolliere es oft mit, für meine eigene Dokumentation. Aber packt mich dann das Thema eines Beitrags selbst, ist alle Buchführung vergessen.
Vielleicht ist es hier ähnlich: Die Machtergreifung ist ausgeblieben, aber alle sind noch erregt durch die Prognosen vor der Wahl. Und daher reden sie aus sich heraus, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.06.2021 um 01.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46144

Vorhin im Fernsehen (frontal 21, ZDF) gehört:
Das große Beben [Kunstpause] es ist ausgeblieben.
Kurz darauf:
Der Gewerkschafter [Kunstpause] er innert sich.
Oh! Da habe ich wohl was falsch verstanden.

Auch ganz im Trend:
Und doch hat sich eine Partei festgesetzt, die die Bundesrepublik als Diktatur und seine Repräsentanten als Volksverräter sieht.

Aber wie sieht es mit dem Gendern aus? In 43 Minuten kommen in 6 Beiträgen zu diversen Themen 46 Personen verschiedenen Alters, beiderlei Geschlechts und mit höchst unterschiedlichen Berufen und Funktionen zu Wort, nicht mitgerechnet eine Handvoll Personen, die griechisch sprechen und deren Sätze vom Off-Sprecher in deutscher Übersetzung wiedergegeben werden. Die Moderatorin im Studio sagt einmal Seniorinnen und Senioren, scheut sich aber, wie eine Stichprobe zeigt, in anderen Folgen der Sendung nicht, Ärzte, Polizisten usw. zu sagen, sie macht es mal so, mal so. In einer Texttafel am Ende eines Beitrags steht zu lesen: Autor*innen.
Ansonsten: Fehlanzeige! Weder die Off-Sprecher noch die Reporter vor Ort, auch nicht die interviewten Passanten, Privatleute und Praktiker gendern, selbst Frau Kemfert vom DIW sagt die Bürger:
Wahlkämpfer
Politiker
Bürger 2 x
Pendler 2 x
Touristen 4 x
Griechen 3 x
Ärzte 2 x
Chefs
Schüler 2 x
zwei Grundschüler (= ein Grundschüler und eine Grundschülerin)
Gefährder
Autoren
Wissenschaftler
Risikopatienten
Lehrer
Pflegeexperten
der Patient
Patienten
Immigranten
Repräsentanten
Volksverräter
Wähler
Täter

Außerdem:
wer …, der …
jeder, der
jeder Fünfte
keiner
Herr der Lage

Aus der Reihe tanzt nur wieder ein Politiker, in dem Fall Olaf Scholz, der schriftlich mit Bürgerinnen und Bürger zitiert wird.

Robert Habeck hat sich kurz nicht im Griff: vom Säugling bis zum Senior, […] vom Millionär bis zum Hartz-IV-Empfänger.

Wenn so das Ende des generischen Maskulinums aussieht, wird es sich wohl noch über einige Generationen hinziehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.06.2021 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46143

Voß schreibt:
"Aber ich hoffe, dass dann Kinder, die weder Junge noch Mädchen sind, in Ruhe aufwachsen können, ohne gewaltsame geschlechtszuweisende Eingriffe."

Das ist so das Typische, erst den Teufel an die Wand malen ("gewaltsame geschlechtszuweisende Eingriffe"), wogegen selbstverständlich jeder vernünftige Mensch sein muß, um dann völlig harmlose Dinge mit unnötigen Forderungen zu belegen, wie z. B. daß man auf dem Standesamt weder das Kreuz bei männlich oder weiblich machen noch ganz weglassen könne, oder daß man in der Anrede unbedingt mit einem Sternchen ausdrücklich kenntlich machen müsse, der Angesprochene könne ja vielleicht homo-, hetero-, a-, bi-, trans-, super-, mega-, uni- oder unsexuell sein, oder daß man unbedingt für 0,1 Promille der Bevölkerung eine dritte Art von Toiletten bräuchte.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 08.06.2021 um 22.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46142

Schreck laß nach. Ich lese gerade, daß die Zweigeschlechtlichkeit von den Nazis erfunden wurde:

https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/weder-mann-noch-frau-19543

Heinz-Jürgen Voß muß es wissen: Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, Sexualwissenschaft, Queer Studies und Intersektionalität.
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-J%C3%BCrgen_Vo%C3%9F_(Sozialwissenschaftler)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.06.2021 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46137

Daß die Genderer und Gendererinnen immer noch nicht moniert haben, daß das vermeintlich neutrale Pronomen (Nom. es) diskriminierende Ableitungen bildet, die eindeutig und einseitig den männlichen Ableitungen (von er) entsprechen:

seiner, ihm sowie possessiv sein!

Ebenso der vermeintlich neutrale Artikel (das), der wie männlich des, dem dekliniert wird, sowie unbestimmt gleich dem männlichen ein lautet.

Und der weibliche Artikel (die) heißt im Genitiv und Dativ sogar der, das geht ja nun gar nicht!

Daß im Plural die weiblichen Formen die sowie ihr, sie auch für männliche Wörter mitverwendet werden, gleicht dieses Manko nur unzureichend aus.

Das gesamte grammatische System von Pronomen und Artikeln samt ihrer Deklination im Deutschen gehört endlich von Grund auf überarbeitet und an Schulen, in öffentlichen Institutionen und in den Massenmedien verpflichtend eingeführt!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 07.06.2021 um 15.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46135

Manche Gendersterntexte sind so gut, daß man sie sich beiseitelegen muss. Vielleicht trifft man ja mal eine Person, die einem zeigen kann, wie man sie vorliest. Heute stieß ich wieder auf ein paar Sätze, die mir ohne Hilfe von Expert*innen nicht von den Lippen gehen wollen.

https://editionf.com/sechs-tipps-gegen-hass-und-verschwoerungstheorien

Ob am Ende ein*e religiöse*r Fanatiker*in oder ein [sic] Neonazi herauskommt

Hat sie*er persönlichen Kontakt zum*r Anführer*in?

Könnten ein*e neue*r Partner*in, neue Freund*innen oder neue Internetkontakte sie*ihn beeinflussen?

Auch wenn sie*er wirkt, als seist du ihr*m egal


Das generische Maskulinum entfaltet nicht nur als Neonazi seine Macht:
Möchte sie*er seinen [sic] Alltag als sinnvoll(er) erleben?
Gerade diese subtile Eindringen des Maskulinums in vermeintlich neutrale Sprache zeigt, wie nötig das Gendern ist.

Mir gefällt der Text auch inhaltlich. Da sitzt einfach alles, gerade der letzte Satz und besonders das letzte Wort:
Sollte dein Gegenüber Gewalt verherrlichen, kontaktiere Beratungsstellen wie EXIT, MBR (Berlin), der Goldene Aluhut oder die Polizei.

Ein paar Infos zur Autorin sind auch dabei:

Dana Buchzik
Autorin, Journalistin und Dozentin. Lehrauftrag an der FU Berlin, Workshops zum Umgang mit Hass im Netz u.a. für die Bertelsmann Stiftung. Journalistische Beiträge für bpb, FAZ, Goethe-Institut, SPON, SWR, SZ, taz, WDR, WELT, ZEIT

Die Journalistin Dana Buchzik ist in einer radikalen Sekte aufgewachsen – seit ihrem Ausstieg beschäftigt sie sich mit den Themen Radikalisierung und Deradikalisierung. Sie erklärt, wie man am besten mit Menschen umgeht, die in eine extreme Richtung abzudriften drohen.

 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.06.2021 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46125

Als ich vor einiger Zeit das Fehlen einer spezifisch männlichen Endung beklagte und mit Blick auf den Enterich einen Lösungsvorschlag machte, hätte ich nicht gedacht, daß ihn ausgerechnet eine Feministin, Stefanie Lohaus, aufgreifen würde. Leider hat sie den Gag sehr weiblich vergeigt.

https://www.youtube.com/watch?v=e1xD72fvy3M
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 06.06.2021 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46124

Ickler: „Die psycholinguistischen Experimente isolieren stets das Unterscheidende, erfassen daher – weil eben der natürliche Kontext fehlt – die Neutralisationen nicht.“ Es geht aber auch ohne psychologisches Gesülze über angebliche Assoziationen oder Bilder im Kopf: Eine spezifisch weibliche Bezeichnung wie Lehrerin wird der nicht movierten Entsprechung normalerweise vorgezogen, wenn es um eine reine Frauengruppe geht, während es kein nur für das männliche Geschlecht reserviertes Pendant gibt. Konsequenz: Wenn es um eine bestimmte Gruppe geht und die Personen bloß als Lehrer bezeichnet werden, befindet sich (andere Faktoren außen vor gelassen) mit etwas größerer Wahrscheinlichkeit eine männliche Person darunter als eine weibliche. So gesehen gibt es hier einen male bias.

In einigen Fällen ist das Vorhandensein von Frauen allerdings sowieso klar („Deutschland hat 83 Millionen Einwohner“ – natürlich hat Deutschland auch Einwohnerinnen), bei Allaussagen wie „Jeder Interessierte ist eingeladen“ würde die weibliche Form nichts hinzufügen. Man könnte also gelegentlich Doppelnennungen vornehmen (oder es auch sein lassen, zumal Wahrscheinlichkeitsunterschieden ein längerer Text gegenübersteht), ohne alles durchzugendern. Gelegentliche Doppelnennungen gibt es nicht erst seit dem Zweite-Welle-Feminismus.

Herrn Kubeliks Vortrag mag stellenweise gut sein, die Plattform (Demo für Alle) ist furchtbar.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 06.06.2021 um 16.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46123

Anatol Stefanowitsch, der Lauterbach des Genderthemas, meint in diesem Interview, die Umstellung aufs Gendern wäre ganz leicht. Die Eingangsfrage, wie man den Satz "ich gehe zum Arzt" richtig gendert, kann er allerdings nicht beantworten.
https://sat1.de/tv/fruehstuecksfernsehen/video/2021369-gendersprache-sorgt-fuer-diskussionen-clip
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.06.2021 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46120

Die Lücke wird von Genderpropagandisten ja genutzt, indem sie etwa zur Nennung dreier bedeutender Politiker auffordern und dann triumphieren, wenn drei Männer genannt werden. Kunststück – Individuen haben halt ein biologisches Geschlecht. Für meine Frau war es trotzdem selbstverständlich zu sagen „Ich bin Arzt“, wenn gefragt wurde, ob ein Arzt anwesend sei. Daß „die beste Ärztin der Stadt“ generisch aufgefaßt wird, glaube ich nicht. Auf dem Praxisschild der Nachfolgerinnen meiner Frau steht „Ärzte für Frauenheilkunde“.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.06.2021 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46119

Die Lücke ist mir bewußt, ich hatte ja selbst schon von einer »Schwäche« des Deutschen an dieser Stelle gesprochen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45701), und wir haben das Thema auch schon mal im Diskussionsforum erörtert (http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=97#11248). Ich glaube aber, daß die aktuelle Diskussion die Lage noch unübersichtlicher macht, weil sie das Augenmerk sehr einseitig auf das biologische Geschlecht lenkt, was die Art und Weise beeinflussen könnte, wie wir versuchen, die Lücke zu schließen. Bei der Wahl von Formulierungen und ihrer Interpretation scheinen sehr unterschiedliche Faktoren eine Rolle zu spielen. Das allgemeine Unbehagen, eine Frau im Singular mit einem maskulinen Pronomen zu benennen, gehört dazu. Vor allem aber ist das enzyklopädische Wissen hier im Dauereinsatz. Selbst ein vermeintlich unproblematischer Satz wie »X ist die erste Kanzlerkandidatin der Partei Y« kann nur mit dem nötigen Hintergrundwissen richtig verstanden werden. Wenn er sich auf die Grünen bezieht, sollen wir denken: Stimmt, die hatten ja noch nie einen Kanzlerkandidaten. Wenn die SPD bei der nächsten Bundestagswahl eine Frau fürs Kanzleramt ins Rennen schickt, sollen wir denken: Stimmt, das waren bisher ja immer Männer!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2021 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46115

Hier gab es schon immer eine Ausdrucksnot, auch vor unserer fatalen "Sensibilisierung" durch die Genderideologie. Beim Mädchen, Fräulein usw. haben wir oft das grammatische Geschlecht zugunsten des biologischen sausen lassen und mit sie, ihr statt es, sein weitergemacht – auch wenn Schulmeister in Leserbriefen darauf bestanden, das sei falsch. Es gibt die Rolle des Bundeskanzlers, aber trotzdem widerstrebt es uns, vom Bundeskanzler Merkel zu sprechen, und erst recht, mit er fortzufahren. Dieses Problem hat, wie gesagt, mit Geschlechtergerechtigkeit fast nichts zu tun.

Wie sind die Tatsachen? Ich vermute, daß die meisten, wenn man sie nicht eigens auf ein Problem hinweist, die bedeutendste Bundeskanzlerin generisch verstehen, auch wenn es kein generisches Femininum gibt; sie verstehen es "ad sensum". Entgegenkommender wäre die bedeutendste unter den Bundeskanzlern (was grammatisch auch "falsch" ist; aber wenn man es groß schreibt, ist Merkel sowohl Bundeskanzlerin als auch bedeutend in irgendeiner Hinsicht – und das ist ja nicht gemeint).

Wahrscheinlich haben alle Sprachen irgendwo solche Systemlücken. Aber sie kommen irgendwie damit zurecht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.06.2021 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46114

Die Tagesschau berichtete gestern über den Tod der österreichischen Schriftstellerin Friederike Mayröcker. Sie habe zu den »bedeutendsten Dichterinnen der Gegenwart« gehört. Der Trend zur Kennzeichnung des biologischen Geschlechts auch dort, wo es nichts zur Sache tut (oder tun sollte), verdunkelt immer häufiger den Sinn einfachster Aussagen. Vielleicht liegt es an mir, aber für mich sind Dichterinnen immer noch weibliche Dichter. Demnach zählte Frau Mayröcker nur unter den weiblichen Schriftstellern (ich schalte den Synonymmodus mal aus, in den die Tagesschau sofort im zweiten Satz verfiel) zur Spitze und war damit wesentlich weniger bedeutend, als wenn sie zur Spitze der männlichen und weiblichen Schriftsteller gehört hätte. Aber ist das wirklich gemeint? Bei der Schriftstellerei kann es Gründe geben, zwischen Frauen und Männern zu unterscheiden, insofern ist diese Interpretation nicht abwegig. Aber bei all dem antiemanzipatorischen Getue um das biologische Geschlecht in der Sprache, das wir zur Zeit erleben, glaube ich eher, daß hier wieder mal zwei Aussagen durcheinandergeraten sind, nämlich die – relevante – Aussage, daß Frau Mayröcker gut schreiben konnte, und die – irrelevante – Aussage, daß sie eine Frau war. Immer öfter bin ich verunsichert, wenn ich solche Sätze lese.

In ihrem jüngst in der FAZ erschienen Gastbeitrag »Die Siegerin bleibt Zweite« (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sprache-warum-das-generische-maskulinum-erhalten-bleiben-muss-17150583.html?premium) macht Dorothea Wendebourg anhand von zwei Beispielen anschaulich klar, worum es hier geht:

»Vor Jahren schrieb eine große Zeitung der Vereinigten Staaten: „Angela Merkel is the leading politician of the Western world.“ In einem Interview mit Markus Lanz bezeichnete Barack Obama A.M. als „one of my favorite partners on the world stage“. Das erste Zitat wurde in der deutschen Presse wiedergegeben mit: „Angela Merkel ist die führende Politikerin der westlichen Welt.“ Und das zweite übersetzte der ZDF-Dolmetscher mit den Worten, dass A.M. eine von Obamas „Lieblingspartnerinnen auf der Weltbühne“ gewesen sei. Beide Übersetzungen sind falsch.

Und, was mir hier wichtiger ist: Sie sind ganz und gar frauenverkleinernd. In ihnen wurde A.M. zur Nummer 1 der kleinen Zahl leitender Politikerinnen gemacht – eine Minikönigin in einem Minireich. Die amerikanischen Sätze hingegen machten sie groß: Sie sei die Nummer 1 unter allen Politikern der westlichen Welt, unter allen politischen Partnern auf der Weltbühne – einschließlich der Männer.

Woran liegt dieser Fehler zu Lasten einer Frau? Daran, dass „politician“ und „partner“ in den Übersetzungen mit sprachlichen Frauenformen wiedergegeben werden. Hieße es, A.M. sei „der führende Politiker der westlichen Welt“ beziehungsweise „einer meiner Lieblingspartner auf der Weltbühne“ – dann wäre diese Frau als die weltweite große Nummer erschienen, als welche die amerikanischen Sätze sie priesen. Das -in-Suffix nimmt ihr diese Bedeutung. Und daran könnte auch das Gendersternchen nichts ändern: „A.M. ist die führende Politiker*in der westlichen Welt“ – da hört und versteht man eben doch: die Politikerin.

In weit kleinerem Rahmen ist mir vor Jahren dasselbe geschehen. Ich wurde von einem Journal zur „Theologieprofessorin des Jahres“ erklärt. Als ich mich etwas spöttisch bedankte, das sei ja ein umwerfendes Kompliment angesichts der geringen Zahl von Theologieprofessorinnen, die es damals noch gab, erhielt ich die entrüstete Antwort: Nein, man meine doch die gesamte Theologieprofessorenschaft! Dieselbe Frauenverkleinerung durch sprachliche Reduktion auf die eigene Gruppe.«
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.06.2021 um 07.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46113

Neulich bin ich auch auf eine Seite gekommen, auf der alle Formen des Genderns durcheinandergewürfelt werden: https://hpd.de/artikel/rachepornos-und-digitale-gewalt-ganz-mexiko-verboten-19302

Es geht um ein neues Gesetz in Mexiko, das sich angeblich gegen "Ex-Partner" richtet. Mir ist nicht klar geworden, ob das auch Frauen sein können.

In der Kommentardiskussion wird noch die Rede vom "Femizid" aufgegriffen. An dieses Wort werden wir uns wohl auch gewöhnen müssen.

Nicole Diekmann gendert übrigens im verlinkten Podcast nicht. Sie sagt Freunde, kein anderer, Höckes Jünger. Ist sie am anderen Ufer schon angekommen? Beisenherz erwähnt, daß viele Leute irritiert seien, weil er jetzt auch gendere – "auch hier im Podcast". Aber auch er verwendet in dieser Folge nur das generische Maskulinum (vielleicht ist auch mal eine Beidnennung dabei, dafür müsste ich es nichmal durchhören). Offenbar merkt es selbst nicht, sonst müsste er es bei der Gelegenheit ansprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46112

In einem Gastbeitrag von Jutta Allmendinger in der SZ (5.6.21) wird wild durcheinandergegendert: generisches Maskulinum, generisches Femininum, Beidnennung. Sehr unerfreulich und so ablenkend, daß ich nicht zu Ende lesen konnte. Bezeichenderweise bleibt im Prädikat das generische Maskulinum unangefochten: Bildung lässt Menschen nicht zu Bittstellern werden. Woraus folgt: Das generische Maskulinum funktioniert nach wie vor – aber wozu dann der ganze Aufwand, der doch voraussetzt, daß es nicht mehr funktioniert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2021 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46111

Wir benutzten auch die Erbsensprache: erbs, rerbs, berbs, serbs, erbs

Mehr davon: https://de.wikipedia.org/wiki/Spielsprache

Der Vergleich ist gut, darauf war ich noch nicht gekommen!

Allerdings: Wer gern mit Privatsprachen experimentiert, sollte sich fragen, ob Journalismus der richtige Beruf ist. Und wie schon bei Frau Gerster: Wie gut es den Journalistinnen selbst gefällt, ist dem Publikum ziemlich egal.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 05.06.2021 um 01.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46110

Köstlich! Ja, Herr Metz, auch mich erinnert das Getue von Diekmann und Konsorten an alte Kinderspiele: Rückwärtssprechen als Geheimsprache, keiner in der Straßenbahn konnte einen verstehen, oder Vertauschung von Worten, Dekonstruktion als infantiles Experiment.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.06.2021 um 01.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46109

Frau Diekmann experimentiert halt gern. Das ist doch sympathisch und beweist geistige Frische und Aufgeschlossenheit für Neues, und wenn es noch so idiotisch ist. Als Kinder waren wir auch so drauf. Da haben wir in der Schule eine eigene Sprache erfunden. Das Vokabular war, bis auf wenige Ausnahmen, mit dem identisch, was wir kannten, aber wir erfanden eine ganz neue Grammatik. Ich meine mich zu erinnern, daß Infinitive eine zentrale Rolle spielten und daß an Substantive ein langgezogenes »das« angehängt wurde. Eigenwillige Interjektionen, die in jedem zweiten Satz zu wiederholen waren, hatten ebenfalls eine wichtige Funktion. Aussprache und Intonation wurden leicht verfälscht, um weitere Unterschiede zur Normalsprache einzubauen.

Anders als das, was Frau Diekmann treibt, handelte es sich bei uns um harmlose Spielereien. Die große Gemeinsamkeit besteht darin, daß es auch uns damals darum ging, uns von dem Öden, das wir kannten, abzuheben, die Erwachsenen zu provozieren und durch die Sondersprache eine Art Gruppenidentität zu etablieren. Wir sind da irgendwann rausgewachsen. Wenn es bei Frau Diekmann & Co. soweit sein wird, werden sie betonen, wie wertvoll es trotz allem gewesen sei, das ungemein wichtige Thema auf mutige und unkonventionelle Weise ins Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit zu heben. Wir sollten also unsere Bedenken überwinden und ihnen schon jetzt dankbar sein, auch wenn wir aufgrund unserer intellektuellen Trägheit gedanklich noch etwas hinterherhinken.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 04.06.2021 um 15.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46108

Nicole Diekmann – die mit dem besonders hervorgehoben Genderpausen bei Maischberger – erklärt die Vorzüge von Gendersprech:

Ich bin gar nicht sicher, ob ich in ein, zwei Jahren noch gendere, ich halte das für ein Experiment, ja. Ich finde das interessant, ich find’s [wird unterbrochen, nimmt Stichwort Brückentechnologie auf] Vielleicht ist es eine Brückentechnologie, hoffentlich kommen wir auch irgendwann mal an ein Ufer, ja, und ... Also, ich glaube nicht, daß wir zurückgehen werden, das ist jetzt irgendwie in der Welt, und ... Egal, wieviel Häme man dafür bekommt, und die bekomme ich zum Beispiel im Moment, ich hab ja Die Shitstorm-Republik geschrieben, habe das dann auch im Fernsehen mal vorgestellt in den letzten Wochen, unter anderem in der Sendung Maischberger, und habe da gegendert, und was habe ich darauf bekommen? Haha, einen Shitstorm.

Das ist famos gekontert. Wer möchte da nicht mitgendern, aus Solidarität?

aus
Zeiten gendern Dich (mit Nicole Diekmann)
ab 28:22
https://apokalypse-und-filterkaffee.podigee.io/201-zeiten-gendern-dich-mit-nicole-diekmann
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.06.2021 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46103

Mit dem grammatischen Geschlecht tun sich die Medien wirklich schwer.
Freie Presse, 3.6.21, Seite 1 (Hervorhebungen von mir):

Bildunterschrift:
Die Spornschildkröte Helmut krabbelt mit seinem Spezial-Rollbrett durch das Freigehege der Zoom-Erlebniswelt.

Helmuth ist eine 108 Kilogramm schwere Spornschildkröte aus dem Gelsenkirchener Zoo. Das 24 Jahre alte Tier leidet an Schulterarthritis. Deshalb konnte die Schildkröte nicht mehr ihre Runden durch das Freigehege ziehen. Doch jetzt ist Hellmuth wieder mobil. Dank eines kevlarverstärkten Spezial-Rollbretts krabbelt die Spornschildkröte wieder durch sein Außengehege in der "Zoom-Erlebniswelt" in Nordrhein-Westfalen.

Vielleicht sind es ja drei verschiedene Tiere, zwei männliche und eine weibliche Schildkröte? Etwas später im Text wird er oder sie noch einmal Hellmuth genannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2021 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46101

Die implizite Voraussetzung, daß Grundform und movierte Form dasselbe bedeuten, also auch generisch gebraucht werden können, ist unhaltbar. Eine Frau kann die Rolle eines Radfahrers (Nomen agentis) ausfüllen, ein Radfahrer aber nicht die Rolle einer Radfahrerin.

Die weitere Voraussetzung, daß man gegen Strukturgesetze der Sprache verstoßen darf, um der "Geschlechtergerechtigkeit" zu genügen, ist nur mit Zwang durchzusetzen. Das spüren sicher auch die unbedeutenden Journalisten, die da mitmachen und stets aufpassen müssen, daß ihnen kein natürlicher Ausdruck unterläuft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.06.2021 um 21.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46100

Fährt ein Bus auf eine Haltestelle zu, blinkt er meist – oft rechts, manchmal schaltet er die Warnblinkanlage ein. Nicht immer wissen nachfolgende Autofahrerinnen und Radfahrer jedoch, was die Blinkzeichen für sie bedeuten. Das führe immer wieder zu gefährlichen Situationen, erklärt die Prüforganisation Dekra. (so die ZEIT und viele andere Medien Anfang März 2020 aufgrund einer dpa-Meldung)

Wenn das nicht Sexismus ist!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.06.2021 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46099

Guter Vortrag! Danke für den Link!
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 03.06.2021 um 06.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46097

Das erinnert mich an die Geschäftsordnung des Neusser Rathauses. Man schreibt dort der*des Bürgermeisterin*Bürgermeisters. Nicht ohne Grund, denn wie bringt man ein Genitv-s beim Gendern unter? Die Frage stellt auch Tomas Kubelik in seinem Vortrag "Wie Gendern unsere Sprache verhunzt" (und https://youtube.com/watch?v=Ri-kVYDTEAk)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.06.2021 um 22.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46094

»Bei den Wählerinnen und Wählern kommt das [Benzinpreiserhöhung] gar nicht gut an. Fast drei Viertel halten das Vorhaben demnach für falsch. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL. […] Unter Autofahrerinnen und -autofahrern ist die Ablehnung mit 81 Prozent sogar noch größer.« (spiegel.de, 2.6.21)

Klar, Autoautofahrer sind erst recht dagegen. – Ab zur Gendernachhilfe!
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 01.06.2021 um 23.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46086

https://www.zeit.de/2021/20/soziale-ungleichheit-corona-krise-einkommen-armut-reichtum-wirtschaft/komplettansicht

"Die oft schlechter bezahlten Berufe des Herzens und der Hand aber, vom Pfleger bis zur Fliesenlegerin, mussten weiter im Kontakt mit anderen erledigt werden. Manche verloren sogar ihren Job, wenn sie etwa Kellner oder Köchin waren."

Eher ungewöhnliche Rollenverteilung. Vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl der Redakteurin an die Fortschrittlichen in der Redaktion.

Abgesehen davon komplett mit generischem Maskulinum, sogar in der Wendung "Forscher wie die Ökonomin ...", nur einmal mit Verdopplung ("Schülerinnen und Schüler").
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 01.06.2021 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46084

Nicole Diekmann auf Twitter:

„Eine Linguistik-Professorin schreibt übers Gendern. In den Kommentaren wird ihr empfohlen, mal ein Proseminar Linguistik zu besuchen. Das bildet die Debatte wunderhübsch ab & das Prinzip Mansplaining & das Phänomen Social Media-Expert:innen @& Populismus.“

https://twitter.com/nicolediekmann/status/1399025424932409347

Ich habe in die Kommentare geschaut – die Sache mit dem Proseminar betraf nicht die Professorin, zudem ging es um eine Frage, die gegebenenfalls mit ja beantwortet werden kann; Zitat (Hervorhebung von mir): „Wenn und weil man voraussetzt, dass Sie Grips haben, auch den, wo es weh tut. Bei allen anderen müsste man fragen, ob sie das Proseminar wissenschaftliches Arbeiten im ersten Semester nicht bloß besucht, sondern auch dem Sinn nach und dem tieferen Sinn nach verstanden haben und verinnerlicht haben.“

Dafür wurde dem Kommentator von der Bloggerin erklärt, sie wisse viel mehr zu dem Thema als er. Wie war das mit Mansplaining?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.06.2021 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46083

Ein bemerkenswertes Bekenntnis von jemandem, der 1966 geboren wurde. Herr Minkmar war also zeitlebens ein unhöflicher Mensch ohne Herzensbildung – bis er erweckt wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2021 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46082

Jedem Menschen mit etwas Höflichkeit und Herzensbildung leuchtet ein, dass man nicht an der männlichen Form festhält, wenn nicht nur Männer gemeint sind. (SZ 1.6.21)

Nils Minkmar, früher FAZ, seit 1.5.21 SZ, gendert seinen ganzen Artikel, aber nicht konsequent. (Nachbarn, Hotelier; Duden kennt auch die Hotelierin.) Die anderen Beiträge der Zeitung halten fast immer am generischen Maskulinum fest, verfallen also Minkmars Urteil. Wie soll das weitergehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2021 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46074

Im Nachruf auf Ulrich Engel schreibt IDS-Direktor Lobin:

Das IDS und seine vielen Weggefährtinnen und Weggefährten werden diesem großen Germanisten und Brückenbauer ein ehrendes Andenken bewahren.

Er nutzt die Gelegenheit noch für weiteres Gendern. Das ehrende Andenken wird ins Amtdeutsche verschoben und dadurch spürbar unglaubwürdiger. Niemand spricht nach solchen Richtlinien, wenn er es wirklich meint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2021 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46073

Ein Gastbeitrag von Eva Horn in der FAS (29.5.21) befaßt sich kritisch mit Querdenkern und Besserwissern. Er gendert auf verschiedene Weise, aber die kritisierten Querdenker und Besserwisser selbst bleiben stets männlich. Man findet das oft, gleichsam als doppelte Pädagogisierung: Erstens geschlechtergerecht gendern, zweitens diese Gunst den Kritisierten vorenthalten. Negative Personenbezeichnungen werden seit je viel seltener gegendert. Das fiel uns ja schon am Duden auf (vgl. die lange vermißte Dauerausscheiderin...).
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.05.2021 um 08.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46068

Sorry, der Kommentar sollte nicht hierhin.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.05.2021 um 08.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46067

Das ist der Übeltäter: https://de.wikipedia.org/wiki/Prime_(Typografie)

Prime, Hochstrich oder auch Minutenzeichen
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.05.2021 um 19.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46056

Richtig interessant wird es, wenn Texte, die eine größere Verbindlichkeit haben, umgeschrieben werden müssen. Wikipedia, Gesetze und Verordnungen, Schulbücher usw. Dann kann man nämlich nicht mehr gendern, wie es gerade paßt. Wir hatten schon die zu Fuß Gehenden (war es in der StVO?). Spieleanleitungen stelle ich mir besonders schwierig vor. Irgendwann werden die Inkonsistenzen für jeden wahrnehmbar werden. Bei der Rechtschreibreform wurde vieles letztlich nicht umgesetzt. Aber aus dem Genderthema kommt man nicht so einfach raus.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.05.2021 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46055

In der öffentlichen Diskussion scheinen sich die Begriffe »gendern«, »Gendersprache« und »geschlechtergerechte/geschlechtersensible [usw.] Sprache« allmählich auf die Verwendung von Sternchen und Partizipien zu verengen (Pendler*innen, Pendelnde). Die Doppelformen (Pendlerinnen und Pendler) werden offenbar kaum noch als Gendern wahrgenommen. Erst der für alle sofort erkennbare Grammatikbruch, verbunden sogar mit der Forderung, Wörter anders auszusprechen, hat konservative Politiker auf die Idee gebracht, gegen das »Gendern« Stellung zu beziehen. Der Beifall der Mehrheit ist ihnen sicher, auch wenn das Wettern folgenlos bleiben dürfte.

Christoph Ploß, der jetzt die »Gendersprache« an staatlichen Einrichtungen verbieten will, sagt zum Beispiel (SPON, 24.5.21): »In der deutschen Sprache gibt ja (sic) jetzt schon sehr viele Möglichkeiten, unterschiedlichen (sic) Nuancen auszudrücken und dabei auch die einzelnen Geschlechter hervorzuheben.« Mit den vielen Möglichkeiten, gegen die er nichts hat, dürfte er vor allem die Paarformeln meinen. Ein Aufschrei gegen diese Art des Genderns wäre von seiten der CDU auch unglaubhaft, denn mittlerweile ist sie bei allen Parteien links der AfD Standard, wenn sie auch unterschiedlich konsequent vollzogen wird.

Ähnlich Friedrich Merz. Als er dem SPIEGEL im April ein längeres Interview gab, vermied er in den Sätzen, in denen er die »Gendersprache« in öffentlichen Institutionen kritisierte, den Gebrauch des generischen Maskulinums und sprach von »Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren«, »Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern«, »Studentinnen und Studenten«. War das eine Persiflage? Ich glaube eher, daß er signalisieren wollte: Die Doppelformen sind nicht das Problem, mit denen können wir leben. Zumal er im selben Interview in einem anderen Zusammenhang ebenfalls von den »Wählerinnen und Wählern« sprach.

Auch bei der neulich hier erwähnten Erhebung von infratest dimap zur »gendergerechten Sprache« wurden die Teilnehmer nur nach ihrer Meinung zu Binnen-I, Gendersternchen und Partizipien gefragt, nicht zu den Doppelformen (https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/).

Nach der vom SPIEGEL in Auftrag gegebenen Umfrage von Civey (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/spiegel-umfrage-haelfte-der-deutschen-befuerwortet-gender-verbot-fuer-staatliche-stellen-a-f611d490-cf36-4358-9054-f08392af9fdf) befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent der Deutschen ein Genderverbot für öffentliche Institutionen, 38 Prozent sind dagegen. Die Fragestellung laut SPIEGEL: »Wie bewerten Sie den Vorschlag, staatlichen Stellen gesetzlich zu verbieten geschlechtergerechte Sprache zu benutzen?« Ob den Teilnehmern die Frage näher erläutert wurde, weiß ich nicht. Aber wer wird sich schon gegen Gerechtigkeit aussprechen?

Im Moment geht alles kunterbunt durcheinander. Aber das ist egal. Man ist entweder dafür oder dagegen. Wer dafür ist, braucht sich nicht weiter zu erklären. Wer dagegen ist, kann sich den Mund fusselig reden und wird am Ende doch in die reaktionäre, oft auch gleich in die rechtsradikale Ecke gestellt, auch wenn er vielleicht einfach nur Sozialdemokrat ist, mit der Linken sympathisiert, soweit sie noch die Interessen der sozial Benachteiligten vertritt, sich als Liberaler volkspädagogischen Bestrebungen widersetzt oder einfach nur stramm konservativ ist. Die wenigen, denen es egal ist, verweisen achselzuckend auf den unvermeidlichen »Sprachwandel«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2021 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46054

Meine Frau meint in ihrer mütterlichen Art, ich sollte den hoffnungsvollen jungen Mann nicht so bloßstellen. Das liegt mir fern, schuld sind die oberen Herrschaften, die beim zwangsfinanzierten Rundfunk das Gendern angeordnet haben. Beim Deutschlandfunk kann man nicht einmal die Nachrichten noch ohne Haarsträuben hören.

Übrigens gibt es ein Vorbild:

“Curiouser and curiouser!” cried Alice (she was so much surprised, that for the moment she quite forgot how to speak good English).”
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.05.2021 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46053

Bäuern, Französen, Jüden …
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.05.2021 um 12.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46052

Mein Vorschlag zur Vereinfachung:
Bäuer_innen mit einem deutlichen Bäuerchen in der Mitte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2021 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46051

Es kommt noch besser:

Beim Deutschlandfunk unterhielt sich gestern der Volontär Gregor Lischka mit einem Bauernvertreter. Mehrmals sprach er von Bäuerinnen und Bäuern.
Das Gendern suspendiert offenbar das Sprachgefühl so fundamental, daß dem jungen Mann nichts auffiel. Zwischendurch kamen dann wieder die Bauern allein vor, aber auch die europäische Steuerzahlerin. Der Bauernvertreter genderte gar nicht.

Zum Nachhören:
"Ist die neue EU-Agrarpolitik zukunftsfest?" Udo Hemmerling vom DBV im Interview
https://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.05.2021 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46028

Noch gibt es keines. Aber daß es darauf gar nicht mehr ankommt, ist einer der Unterschiede zu damals.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 25.05.2021 um 18.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46027

ändert nichts daran, daß es den identitätspolitisch bewegten Genderern hauptsächlich um die Diversen geht, jedenfalls geben sie das vor

Letzterem würde ich teilweise zustimmen, aber schauen Sie sich mal Artikel der etablierten Medien oder Sendungen z.B. des öffentlichen Runfunks zum Thema an und Sie werden feststellen, daß es fast ausschließlich um vermeintliche Interesse der Frauen geht. Ich sehe auch nicht, daß sich Gruppen von "Nichtbinären" zu Wort melden. Jedenfalls nicht in relevanter Weise Vermutlich hat man sie eh nicht gefragt.

Das Binnen-I sollte ausdrücklich diesem Ziel dienen [Sichtbarmachung von Frauen], hat sich aber unter anderem deshalb nicht durchgesetzt, weil diejenigen in den öffentlichen Institutionen, die im Prinzip offen dafür waren, kreuzbrav auf das Fiat aus Mannheim gewartet haben, das aber nie kam.

Welches "Fiat" kam denn beim Genderschluckauf?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.05.2021 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46026

Herr Fleischhauer hat es noch einmal auf den Punkt gebracht. Man muß, wie gesagt, unterscheiden zwischen den Motiven und Argumenten der Aktivsten in ihren verschiedenen Lagern (auf die ich mich ausdrücklich bezogen habe) einerseits und der Rezeption des Sternchens durch die breite Öffentlichkeit andererseits. Daß bei den meisten Normalsterblichen statt Wähler*innen nur Wählerinnen ankommt – nicht nur beim Lesen, sondern auch beim Hören, weil manche Mitmachwillige nicht genau wissen, wie man das Sternchen zu sprechen hat, oder es schlicht nicht hinbekommen – ändert nichts daran, daß es den identitätspolitisch bewegten Genderern hauptsächlich um die Diversen geht, jedenfalls geben sie das vor. Die sprachliche »Sichtbarmachung« von Frauen ist ja in vielen Bereichen längst Realität. Das Binnen-I sollte ausdrücklich diesem Ziel dienen, hat sich aber unter anderem deshalb nicht durchgesetzt, weil diejenigen in den öffentlichen Institutionen, die im Prinzip offen dafür waren, kreuzbrav auf das Fiat aus Mannheim gewartet haben, das aber nie kam. Das Gendersternchen dagegen soll erklärtermaßen ein Platzhalter für alle Geschlechtsidentitäten zwischen bzw. jenseits von männlich und weiblich sein. Das ist das entscheidende Argument, mit dem es jeweils durchgedrückt wird, weshalb es auch in jedem Hausgenderleitfaden sofort im ersten Absatz wiedergekäut wird (gleich nach dem bekannten Hinweis auf die Wirkmacht der Sprache im allgemeinen). Daß es grammatisch und in der Sprachpraxis vorne und hinten nicht funktioniert und von vielen, vielleicht den meisten mit dem feministischen Gendern gleichgesetzt wird und daß zudem manche es womöglich nutzen wollen, um das generische Femininum durch die Hintertür einzuführen, steht auf einem anderen Blatt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.05.2021 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46025

Sprache und Wirklichkeit im Bild:

http://pics.virch.net/fmhaar.jpg
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 25.05.2021 um 15.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46024

Zum Thema Geschlechterdimporphismus/Intersexualität hier mal die Durchsagen von WDR Quarks & Co.

https://twitter.com/_homoduplex/status/1397164431449198594

https://twitter.com/quarkswdr/status/1396928426230140932
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 25.05.2021 um 12.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46021

Auch zu https://taz.de/Gendergerechte-Sprache/!5769880/

Bemerkenswert an diesem kurzen Kommentar ist die Selbstentlarvung in zwei Punkten:
1. Der unverhohlen autoritäre Anspruch (einem Kommentator kommt dabei das Wort "Totalitarismus" in den Sinn).
2. Es geht letztlich um die Selbstdarstellung ("Sie könnten... damit zeigen, dass Sie gerecht und inklusiv sind.").

Ebenfalls interessant ist die Tatsache, daß die Kommentare nahezu durchgehend ablehnend sind, und das auf dem taz-Portal.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 25.05.2021 um 11.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46020

Hier nochmal ein schöner Beleg:

https://taz.de/Gendergerechte-Sprache/!5769880/

"Nun, Tür ­schreiben Sie auch nicht mehr Thür. Im Stile eines Thomas Mann verfasst heute kaum noch ein:e Au­to­r:in ihre Texte."

- "ihre", nicht "seine" Texte. Ich weiß nicht, ob es Absicht ist oder nur ein Versehen, aber "ihr" und "sein" haben unterschiedliche Wortstämme, hier läßt sich also nicht so flussig gendern. Muß es ihre:seine heißen?

Im Zweifel gilt eben das Femininum. Da braucht es auch kein Sonderzeichen mehr, um Nichtbinäre zu inkludieren.

Auch sonst hübsche Textstellen:

"Noch tun sich zwei Drittel der Deutschen schwer mit dem Gendern. Früher oder später werden sie sich aber doch damit arrangieren müssen."

"Den Veränderungen ist nicht zu entkommen"

"Sie könnten aber auch versuchen, die Neuerungen anzunehmen und damit zeigen, dass Sie gerecht und inklusiv sind. Sie schaffen das. Ganz bestimmt."
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.05.2021 um 19.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46014

Daß das Gendersternchen Frauen (und Mädchen) an dritte Stelle rückt, ist nicht mein Eindruck. Gendersprache dient meines Erachtens eher der Hervorhebung von weiblichen Markierungen, es ist z.B. niemals von Bauer*innen die Rede, und die Sprechpause hindert Nicole Diekmann im kürzlich verlinkten Video nicht, alle femininen Suffixe hervorzuheben. Die Endposition ist dafür auch nicht ungeeignet.

Das Gendersternchen ist in der Tat nur ein Update der 40 Jahre alten Binnen-I-Schreibung. Um "Nichtbinäre" geht es nur am Rande, da wird ja auch politisch nichts Substantielles gefordert, nichts was irgendwie vergleichbar wäre mit der ständigen Frauenförderung.

Die Sprechpause kam auch nicht erst mit dem Genderstern auf. Daß diese Pause irgend jemanden repräsentiert, erscheint mir ohnehin ziemlich absurd. Ebensowenig erscheint es mir besonders "respektvoll", wenn man ständig wechselt zwischen Unterstrich, Asterisk, Punkt und Doppelpunkt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.05.2021 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46012

Ich freue mich über die Zustimmung, vielen Dank! Das Thema bewegt mich, und manchmal hilft es, gegen die gefühlte Ohnmacht anzuschreiben.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 24.05.2021 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46011

Ich habe mir erlaubt, den Beitrag auf meinem Blog zu verlinken.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.05.2021 um 07.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46006

Herr Metz, vielen Dank. Ich schließe mich Herrn Icklers Urteil uneingeschränkt an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2021 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46005

Lieber Herr Metz, Ihr Beitrag ist kein bißchen zu lang, sondern das Beste, was es in diesem Strang zu lesen gibt. Wem könnte man es noch zu lesen geben?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.05.2021 um 00.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46003

Die Äußerung von Frau Lambrecht bestätigt meinen Verdacht, daß viele wirklich nicht wissen, daß der Einsatz von Sonderzeichen und Schweigesekunden etwas völlig anderes ist als das Aufschreiben und Aufsagen der Paarformeln. Sternchen, Unterstrich und Doppelpunkt sind nicht etwa dazu da, die sperrigen Paarformeln abzukürzen, sprich Wähler*innen ist nicht einfach die Kurzform von Wählerinnen und Wähler. Das Mißverständnis rührt wohl daher, daß unterschiedslos vom »Gendern« gesprochen wird. Nichteingeweihte reimen sich das Ganze vermutlich so zusammen: Erst hat man Wähler zu Wählerinnen und Wähler aufgebläht, und jetzt ist dieses Gebilde implodiert, das Ergebnis ist Wähler*innen.

Weit gefehlt. Der Gebrauch der Paarformeln ist eine feministische Praxis, die Frauen in der Sprache »sichtbar« machen sollen, wo sie bisher angeblich unsichtbar waren. Man müßte wohl noch »hörbar« hinzufügen. Wobei viele Feministen, darunter nicht zuletzt Luise Pusch, radikalere Lösungen wollen und jegliche Formen, die Frauen als »Anhängsel« von Männern erscheinen lassen, also auch die Endung -in, eigentlich als diskriminierend ablehnen.

Dagegen zielt das Sternchen- und Knacklautgendern darauf ab, Menschen, die weder als Mann noch als Frau angesprochen werden möchten, sprachlich sicht- und hörbar zu machen. Die fatale Folge: das sprachliche Tamtam um diese Gruppe lenkt das Augenmerk plötzlich wieder weg von den Frauen (jenen 50 Prozent) und hin zu den Diversen (0,5 Prozent?). Die Frauen werden dabei ganz nach hinten geschoben, an die dritte, die letzte Stelle, noch hinter die Diversen, die mit Stern und Knack einen prominenten zweiten Platz zu erobern sich anschicken. Sehr zum Mißfallen vieler Feministinnen. Ihre einstige Forderung nach Durchsexualisierung der Sprache zwecks Sichtbarmachung ihrer eigenen Gruppe erweist sich nun als Bumerang. Zähneknirschend müssen sie anerkennen, daß man anderen Gruppen nicht verweigern kann, was man für sich selbst in Anspruch genommen hat.

Frau Lambrecht und viele andere scheinen zu denken, die Sternchen seien nur so etwas wie eine erweiterte Spielart der Paarformeln, also praktisch das gleiche, nur vielleicht noch eine Spur korrekter. In Wirklichkeit schließen die binären Pärchen die Diversen explizit aus. Denn wer die generische Redeweise ablehnt, weil sie den nichtmännlichen Teil der Bevölkerung ausgrenze, und deshalb immer und überall zusätzlich jene Gruppe mit buchhalterischer Pedanterie benennt, die von der generischen Form angeblich nicht erfaßt ist, hat sich für eine erschöpfende Aufzählung entschieden und kann nicht für sich in Anspruch nehmen, nichtgenannte dritte Gruppen mitzumeinen. Das ist keine Rabulistik, sondern ein zentraler Punkt, der allzu häufig übersehen wird. Entweder generisch, dann kann man darüber streiten, inwieweit die benutzten Formen (noch) funktionieren; oder spezifisch, dann kann man aber keine generische Aussageabsicht reklamieren und muß sich überlegen, wie viele Gruppen man der Aufzählung noch beitreten lassen will.

Mit anderen Worten, wer sich für das Sternchen entscheidet, setzt Frauen zurück, und wer die Paarformeln benutzt, grenzt Diverse aus. Beides wohlgemerkt nur, wenn man der Logik der jeweiligen Lager folgt. Aber wer kennt die schon so genau? In Wahrheit will keiner der Wohlmeinenden, ob sie nun knacken oder doppelmoppeln, irgendwen ausschließen oder benachteiligen, im Gegenteil (ebensowenig übrigens wie die anderen 90 Prozent, die klassisch generisch formulieren). Hier zeigt sich, wie gefährlich es ist, sich auf ein Spiel einzulassen, das einem von einer kleinen, aber zum Teil recht aggressiven Interessengruppe aufgezwungen wird, die sehr genau weiß, welche Hebel sie bedienen muß, um ihrem Ziel näher zu kommen.

Sich mit Kritik an sprachlichen Konventionen ernsthaft auseinanderzusetzen sollte in einer demokratischen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit sein. Aber wenn Bestehendes durch gezielte Eingriffe geändert werden soll, liegt die Beweislast immer bei denen, die diese Eingriffe wollen. Dieser Grundsatz wird hier in eklatanter Weise mißachtet, genau wie damals bei der Rechtschreibreform. Es kann nicht sein, daß öffentliche Sendeanstalten auf eine Sprache umschalten, die nicht die Sprache ihrer Hörer und Zuschauer ist, nur weil irgendwann einmal eine Volontärin der Geschäftsleitung in einer zwanzigminütigen Powerpoint-Präsentation dargelegt hat, warum das dringend geboten sei. Auch die öffentliche Verwaltung ist zur Neutralität verpflichtet und hat nicht das Recht, sich zum Handlanger einer sprachagitatorischen Sekte zu machen und die Bürger, die das in ihrer großen Mehrheit strikt ablehnen, mit einer von dieser Sekte erfundenen Kunstsprache zu belästigen.

Die Wechselwirkungen zwischen Sprache und Wirklichkeit sind meiner Ansicht nach hochkomplex. Die paar »Studien«, die immer wieder ins Feld geführt werden, sind nicht nur wegen handwerklicher Fehler und Mogeleien wertlos, sondern sie kratzen schon von ihrer Fragestellung her nur an der allerobersten Oberfläche und versprechen nicht einmal ansatzweise Antworten auf die wirklich interessanten Fragen. Daß trotz dieser kümmerlichen Beweislage sämtliche Parteien links der AfD mehr oder weniger widerstandslos (einige auch bereitwillig, weil sie sich davon etwas versprechen) auf die Linie der Sprachmanipulierer eingeschwenkt sind, dürfte die Politikverdrossenheit mehr schüren als der x-te Korruptionsskandal und erschwindelte Doktortitel. Überdies rückt so das angeblich damit verfolgte Ziel, nämlich Abbau von Diskriminierungen, in noch weitere Ferne. Unausgesetzte Belehrungen und Direktiven von Personen und Institutionen, denen die erdrückende Mehrheit das Recht dazu abspricht, können nichts Gutes bewirken. Statt erst einmal breite Aufklärung zu betreiben und um Verständnis für die Situation von Menschen zu werben, die in der überkommenen binären Ordnung, aus welchen Gründen auch immer, nicht glücklich werden und deshalb einen Weg einschlagen, der den meisten verständlicherweise zunächst suspekt ist, werden diese Menschen uns zuallererst als eine Besonderheit vorgestellt, die zwingend unseren Verzicht auf unsere sprachlichen Gewohnheiten erfordere. »Vorgestellt«, weil ich glaube, daß die allermeisten Menschen über dieses Thema so gut wie gar nichts wissen! Solange das so ist, mutet das Hauruckverfahren, mit dem jetzt unsere Sprache umgeformt werden soll, wie eine Vergewaltigung an. Selbst Luise Pusch, die nicht zimperlich ist, wenn es darum geht, die deutsche Sprache im Namen einer Weltanschauung umzubauen, hat eingeräumt, daß die Sprache zum Intimbereich gehört, in dem niemand etwas zu suchen hat: »Wenn andere da eindringen und wollen, dass ich anders spreche, ist das fast, als ob mir jemand in der Nase bohrt.« (DER SPIEGEL 10/2021, S. 10)

Es hat viele Jahrzehnte gedauert, bis eine breitere Öffentlichkeit zu einem nüchternen Umgang mit dem Thema Homosexualität gefunden hat. Viele Vorurteile konnten nach und nach überwunden werden. Das ging nur durch sachliche Information und die Bereitschaft zu einer differenzierten Betrachtung der Lebenswirklichkeit der allermeisten Schwulen und Lesben, die genauso facettenreich, aber eben auch unspektakulär ist wie die heterosexueller Menschen. Erst das genauere Hinsehen, die Abwendung des Blickes von einer kleinen, schrillen Szene im grellen Scheinwerferlicht auf jene vielen im Halbdunkel, die Entdeckung der Gemeinsamkeiten, hat das Verständnis nachhaltig gemehrt, nicht die Betonung tatsächlicher oder vermeintlicher Unterschiede.

Daraus hätte man lernen können. Stattdessen hat man wieder zum Holzhammer gegriffen. Statt die Menschen behutsam in das Thema einzuführen, halten die Aktivisten ihnen Vorträge darüber, welch arme Würstchen sie doch sind, daß sie noch immer nicht kapiert haben, was die Stunde geschlagen hat. Damit erweisen sie denen, als deren Fürsprecher sie sich ausgeben, einen Bärendienst. Im besten Falle wird der Aufklärungsprozeß dadurch nur verzögert. Wahrscheinlicher aber ist der schlimmere Fall, nämlich daß an sich aufgeschlossene Zeitgenossen die moralische Hoffart der Regulierer derart abstößt, daß sie alsbald ihr Visier herunterlassen. Und mit ganz viel Pech wählen sie im September auch noch die AfD!

Daß die notorischen Volkserzieher nicht so weit denken, ist schlimm genug, wenn auch nicht überraschend. Daß sie aber ihre Narrenfreiheit einzig dem intellektuellen Phlegma, der Naivität und zum Teil auch der Rückgratlosigkeit der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung und in den öffentlich-rechtlichen Medien verdanken, halte ich für besorgniserregend. Wer nicht verstanden hat, was es bedeutet, wenn die überwältigende Mehrheit der Zuschauer eines Fernsehsenders ihre Ansprache als verfehlt empfindet, ohne daß die Sendeleitung darauf reagiert, oder wenn ein Student an einer deutschen Universität mit Notenabzug rechnen muß, weil er sich dem Sprachdiktat der von der Gleichstellungslobby eingenordeten Hochschulleitung nicht beugen mag, sollte fortan nur noch wandern, stricken oder Radieschen züchten, aber bitte keine Verantwortung mehr für große Gruppen von Menschen tragen.

Pardon, der Beitrag sollte viel kürzer werden. Und vielleicht sind meine Sorgen auch übertrieben und meine Analyse zu einseitig, ich weiß es nicht. Aber so stellt sich mir die Lage im Moment dar. Ich gelobe, erneut vorzutragen, sobald ich Anzeichen für eine Besserung sehe …
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 23.05.2021 um 14.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46002

Ups ... da fehlt ein "auch"
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 23.05.2021 um 14.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#46001

Kommt ja wie gerufen:

My friend gave a talk to some 9th graders and was told to avoid the use of any gendered pronouns because half the class identified as non-binary
11:59 nachm. · 22. Mai 2021

https://twitter.com/wesyang/status/1396224243495546882

Da muss beim deutschen Gagasprech nachgearbeitet werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2021 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45999

„Warum muss sich die Hälfte der Bevölkerung mitgedacht fühlen, wenn nur die männliche Form verwendet wird?“ (Bundesjustizministerin Lambrecht, WamS 23.5.21)

Sie weiß es nicht besser. Insgesamt zeigt sich weiterhin eine große Ablehnung des Genderns:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article231304851/Politisch-korrekte-Kommunikation-Die-Gender-Sprache-ist-eine-Top-Down-Veranstaltung.html
Viele wissen nicht, was das Ganze bedeutet, aber die Praxis zeigt ihnen, wohin es führt.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.05.2021 um 22.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45997

Ansprechen im Sinne von erwähnen?

Sehr gute Frage. Gilt aber auch für den Plural. Wenn das Geschlecht bekannt ist, soll man ja durchaus die herkömmlichen Formen verwenden. Aber solche gibt es eben nur in männlich und weiblich. Was macht man mit den anderen Geschlechtern? Da bräuchte man noch eigene Formen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2021 um 21.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45996

J_u*ü_d_en*innen

Schwierig wird es auch, wenn man man eine*n Angehörige*n des diversen Geschlechts im Singular ansprechen will. Ist es dann z. B. ein* Jud*e oder ein*e Jüd*in?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.05.2021 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45992

Gekonnt konsequent:

https://www.youtube.com/watch?v=9xhHZydl5Xs
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.05.2021 um 11.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45991

Die Jüdische Rundschau stört sich an der Schreibweise "J_üdinnen"
https://juedischerundschau.de/article.2021-05.j_uedinnen-wo-gender-wahn-den-letzten-respekt-fuer-juedische-menschen-vermissen-laesst.html

Hatte ich schon geschrieben, daß gegenderte Begriffe als Femininum interpretiert werden? Der erste Satz der unten verlinkten Neusser Stadtverordnung beginnt mit "Die Bürgermeister*in".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2021 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45972

Einzelne Wörter können strenggenommen nicht lügen, aber geschlechtergerecht, gendergerecht sind nahe dran. Wenn man darüber diskutiert, ob und wann und wo geschlechtergerecht formuliert werden soll, wird schon vorausgesetzt, daß Sprache geschlechtergerecht sein könne oder eben nicht. Gerade das steht aber in Frage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2021 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45966

Ich habe das Heft von S&W durchgesehen. Ungefähr die Hälfte der Personenbezeichnungen ist gegendert, den Rest hat man übersehen.

Die gequälte Erklärung erinnert an die Durchsetzung der Rechtschreibreform: Die Redakteure wissen, daß es Unsinn ist, können aber gegen die Entscheidung von ganz oben nichts machen.

Ich selbst kann über gelegentliches Gendern hinwegsehen wie über Fettflecken und Eselsohren, aber die grundsätzliche Entscheidung eines Verlags zur Umerziehung der Leser ertrage ich nicht, daher habe ich dieses Opfer gebracht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.05.2021 um 03.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45965

Die Sache hat sich noch ein wenig entwickelt, siehe hier:
https://de.rt.com/inland/117560-kommandeurinnen-und-kommandeure-hamas-tagesschau/
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.05.2021 um 02.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45964

Aus einem Bericht der @tagesschau zum Nahostkonflikt: "In einer früheren Version dieses Textes war von Kommandeurinnen und Kommandeuren die Rede. Bei der Hamas gibt es jedoch keine Kommandeurinnen. Dies wurde redaktionell hineinredigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen"
https://twitter.com/Bundesheerbauer/status/1393481306571411458
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.05.2021 um 21.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45963

Das Wort "Tribut" deutet gleichzeitig darauf hin, daß der Verlag spürt, daß seine Entscheidung mit Kosten verbunden ist. Man gibt die Gepflogenheiten, die Selbstverständlichkeit, die Verständlichkeit und die Einfachheit preis, um dafür die Zugehörigkeit zu den "Fairen und Weltoffenen" zu erlangen.
Weltoffen? Was hat die Bestreitung des generischen Maskulinums mit Weltoffenheit zu tun? Natürlich nichts. Aber die Wortwahl zeigt, daß hier ein unreflektiertes Benutzen der woken Begrifflichkeit erfolgt, die letztlich nur eines transportieren soll: Wir gehören zu den Guten, was auch immer das gerade ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.05.2021 um 21.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45962

Man beachte den gedanklichen Salto mortale in dem Satz: »Das ist kein politisches Statement, sondern ein Tribut an die Fairness und Weltoffenheit.« Tribut hat ja etwas Unfreiwilliges, Auferlegtes, dem man sich beugt. Was aber sollte man gegen Fairness und Weltoffenheit haben können? Und wie sähe denn ein politisches Statement aus, wenn das hier keins sein soll? In einer Phase der Debatte, in der man durchaus noch abwarten könnte, wie die Sache ausgeht, schlägt sich der Verlag eindeutig auf eine Seite. Politischer kann ein Signal nicht sein.

Ehrlicher wäre gewesen: Für uns braucht es das alles nicht, wir haben mit dem Gendern eigentlich nichts am Hut, aber alle machen es jetzt so, und da schwimmen wir halt mit, sorry!
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 16.05.2021 um 14.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45961

Wir reihen uns mit diesen Anpassungen in die Gepflogenheiten anderer Medien und Wissenschaftsorganisationen ein.
"Gepflogenheiten"? Verlogenheit wäre das passende Wort, denn es handelt sich ja um das genaue Gegenteil, einen Bruch mit den Gepflogenheiten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.05.2021 um 14.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45960

zu #45953:
Nach meinem Verständnis schlage ich nicht Pflöcke ein, sondern halte mich nur an denen fest, die die Natur selbst eingeschlagen hat.

Es ist schwer, "meiner Meinung nach" zu sagen, wenn es um grundlegende Tatsachen geht. Es wirkt dann, als zweifelte man selbst noch daran. Es ist immer gut, einen Ausweg offenzulassen, aber bei bestimmten Grundfesten kann ich es einfach nicht. Ich kann nicht sagen, "ich halte 1+1=2 für die richtige Lösung", ich sage "1+1=2". Wenn das basta ist, na ja, dann meinetwegen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.05.2021 um 13.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45959

Ob Verwaltungssprache gegendert sein soll, wäre doch eine klassische Frage für einen Volksentscheid.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.05.2021 um 13.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45958

Ich weiß nicht, was an der Auffassung, daß es nur zwei Geschlechter gibt, zu beanstanden sein soll. Wie viele Geschlechter gibt es denn sonst?

Man muß das begrifflich davon unterscheiden, daß das Geschlecht einer Person nicht immer eindeutig ist – aber deshalb kann man ja nicht von einem anderen oder neuen Geschlecht reden. Welchen Sinn soll das haben, außen vielleicht einer politischen Positionierung?

Natürlich kann es auch biologisch begründet sein, wenn sich jemand nicht in die "heteronormative Matrix" einordnen kann (wie manche Aktivisten es ausdrücken).

Aber selbst wenn man die biologische Ursache gefunden hat (z.B. auf hormoneller Ebene), bedeutet das doch nicht, daß man ein neues (biologisches) Geschlecht gefunden hat.

Wenn die biologische Zweigeschlechtlichkeit aus irgendwelchen Gründen "außer Kraft gesetzt" ist, hat man damit noch kein neues Geschlecht gefunden. Man befindet sich deshalb auch nicht auf einer Art Geschlechtskontinuum, selbst dann, wenn männliche und weibliche Anteile gleichzeitig vorhanden sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2021 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45957

Zweierlei fällt mir bei solchen Gelegenheiten immer wieder auf:
Kein Verlag wagt es, seine Leser zu fragen.
Und wenn das Gendern ein Teil des Sprachwandels ist – warum muß man es dann beschließen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2021 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45956

Die Gesellschaft und die Sprache entwickeln sich weiter. Bislang hatten wir in unseren Texten ausschließlich das generische Maskulinum verwendet. Im Spektrum Verlag haben wir beschlossen, von nun an auch eine geschlechtsneutrale und inklusivere Sprache umzusetzen. Das ist kein politisches Statement, sondern ein Tribut an die Fairness und Weltoffenheit. Wir reihen uns mit diesen Anpassungen in die Gepflogenheiten anderer Medien und Wissenschaftsorganisationen ein. (Sterne und Weltraum 6/2021)

Es klappt zwar nicht so richtig, aber mit den „Beobachtenden“ von Sternen möchte ich nichts zu tun haben. Ich habe mein Abo natürlich sofort gekündigt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.05.2021 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45955

Ich wollte nur andeuten, welch grenzenlose Spielwiese sich die Genderforschung herbeiformuliert hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2021 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45953

Mit Butler und anderen kann ich nichts anfangen. Andererseits versucht Herr Riemer mit "biologisch", "genetisch" und "fest vorgegeben" Pflöcke (eben doch "basta!") einzuschlagen, die mir nicht so sicher zu sein scheinen.
Herrn Riemers Ausdrucksweise "darüberhinaus sein möchte oder subjektiv zu sein glaubt oder wozu er sich äußerlich macht oder machen läßt" verschiebt das Problem des Transsexuellen zu sehr ins Subjektive, in Wunsch und Einbildung. Ich fürchte, das reicht nicht aus.
Aber ich muß mich ja hier zum Glück nicht festlegen, Laie, der ich bin.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.05.2021 um 08.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45951

Seit Judith Butler die Anatomie zum sozialen Konstrukt erklärt hat, spielen biologische Fakten eine untergeordnete Rolle. "Die Vorstellung vom Körper als ahistorische Universalie ist, so Butler, Wirkung von Macht. Diese verschleiert den Vorgang seiner kulturellen Herstellung." (Hannelore Bublitz)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.05.2021 um 01.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45946

So meinte ich es nicht, und das glaube ich auch nicht.

All die möglichen Defekte und Mißbildungen muß man m. E. sowieso gesondert behandeln. Damit läßt sich auch kein drittes biologisches Geschlecht begründen. (Wobei ich aber keinesfalls jede Abweichung vom physischen oder psychischen Mittelwert für irgendwie defektiv halte.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.05.2021 um 00.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45945

Ich würde Petra Gerster gern mal zuhören, wie sie die unten verlinkte Neusser Stadtverordnung vorliest. Das ist der Text mit den vielen gegenderten Pronomen und Artikeln (die*der). Besonders die glottalen Plosive könnten Gesetzestexte neu und aufregend klingen lassen. Menschen dritten Geschlechts fühlen sich verständlicherweise damit angesprochen. Also Glottisschlag bei die*der!

Diese Stadtverordnung würde auch gut in den Kopfrechnen-Thread passen. Darin steht der folgende Satz: Ein*e Stadtverordnete*r darf nur das Wort ergreifen, wenn ihm die*der Bürgermeister*in das Wort erteilt hat.

Das ist nicht richtig, es muß heißen ... wenn ihm*ihr die*der Bürgermeister*in das Wort erteilt hat.

Aber da kann man natürlich durcheinanderkommen bei soviel Geschlechtern. Daß es nicht Bürger*innenmeister*in heißt, ist wohl ein Zugeständnis an die alten weißen Männer, die nicht zu viele Neuerungen vertragen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.05.2021 um 23.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45944

Das habe ich nicht verstanden. Spricht man nur bei Transsexualität von Gender? Warum?

Mit dem biologischen Geschlecht ist es manchmal auch recht kompliziert. Z.B. gibt es Menschen, die genotypisch männlich, aber phänotypisch eher weiblich sind (mit gewissen Einschränkungen), siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Komplette_Androgenresistenz

Ich würde nicht sagen, daß Geschlecht in jedem Einzelfall eindeutig männlich oder weiblich ist. Andererseits finde ich es irreführend, wenn man nun vorgibt, Geschlecht sei ein Kontinuum oder es gäbe mehr als zwei Geschlechter. Das bringt das Verständnis dieser komplexen Materie kein bißchen weiter. Ganz auf dieser Linie war ja das BVerfG mit seiner unsinnigen Entscheidung zum Personenstandsrecht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2021 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45943

Ja, das alles ist mit Transsexualität nicht vereinbar, da weicht sie von nur zwei Verhaltensmustern, die man den biologischen Geschlechtern zuordnen könnte, ab. Deshalb spricht man im Zusammenhang mit Transsexualität ja auch eher vom Gender statt vom biologischen Geschlecht. Allerdings benutzt man das biologische Geschlecht manchmal, um bestimmte Transgender zu erläutern (Transmann, Transfrau, Frau-zu-Mann, Mann-zu-Frau). Das sind keine biologischen Geschlechter.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.05.2021 um 18.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45942

Mit normaler Zweigeschlechtlichkeit meinte ich auch Verhaltensaspekte. Paarungsverhalten, Rollenverhalten, Arbeitsteilung usw. Also ganz allgemein das, was man als geschlechtertypisch bezeichnen könnte, nicht nur das Körperliche.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.05.2021 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45941

Frau Gerster macht keinen Hehl daraus, daß sie sich über den Willen ihres Publikums hinwegsetzt. Eine Erzieherin richtet ihr Verhalten ja auch nicht nach dem Willen der Kinder aus.

»Die ZDF-Moderatorin Petra Gerster hat nach eigenen Angaben viele wütende Nachrichten bekommen, seit sie begonnen hat, in der Nachrichtensendung „heute“ zu gendern. „Die Mehrheit der Zuschauer lehnt das ab“, sagte Gerster am Mittwochabend in der Talkshow „Maischberger“. „Ich bekomme viel Zuschauerpost und muss jede Woche sehr viele Briefe beantworten.“«

(https://www.rnd.de/medien/petra-gerster-zum-gendersternchen-zdf-moderatorin-erhalt-wutende-nachrichten-3LKMHZNGTWWEUCUP5O2CF6HU2Q.html)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2021 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45940

Was heißt "normale Zweigeschlechtlichkeit"? Ich nehme an, Sie meinen die beiden biologischen Geschlechter. Wieso sollte Transsexualität damit nicht vereinbar sein?

Jeder Transsexuelle ist biologisch ein Mann oder eine Frau wie jeder andere Mensch. Was er darüberhinaus sein möchte oder subjektiv zu sein glaubt oder wozu er sich äußerlich macht oder machen läßt, hat mit dem genetisch fest vorgegebenen biologischen Geschlecht nichts zu tun, sondern das gehört zum Gender-Gebiet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2021 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45939

Petra Gerster beschreibt in einem ihr gewidmeten SZ-Magazin, wie leicht sie sich daran gewöhnt hat, den Gender-Gap (Schluckauf) zu sprechen und wie gut ihr das gefällt. Ob es auch den Hörern gefällt, fragt sie mit Recht nicht – die sind ja zahlungspflichtig, ob sie es hören wollen oder nicht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.05.2021 um 14.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45938

Zitat Manfred Riemer
Hetero- und Homosexualität und alle verschiedenen Arten sexuellen Verhaltens sind psychische Erscheinungen, die die physischen nicht ändern.
Da gibt es auch andere Meinungen. Es könnte z.B. durch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone in bestimmten Abschnitten der Schwangerschaft die Hirnentwicklung gestört sein. Auch eine epigenetische Verursachung wurde schon diskutiert. Vielleicht gibt es sogar evolutionäre Vorteile (kin selection). Homosexualität ist interkulturell relativ stabil.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.05.2021 um 14.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45937

Wir sollten einen Streit um Begriffsdefinitionen vermeiden. Wenn ich z.B. sage, Geschlecht ist durch den Chromosomensatz bestimmt und damit basta, ist das nicht unbedingt eine Aussage über die Welt, sondern vielleicht nur über den persönlichen Gebrauch eines Worts. Je nach Fachgebiet kann eine solche Definition sinnvoll und etabliert sein oder auch nicht.

Vielleicht wäre es hilfreicher, konkrete Beispiele heranzuziehen und diese genauer zu beschreiben. Dafür werden Begriffe wie männlich, weiblich, Geschlecht und Gender vermutlich nicht ausreichen.

Herr Ickler hatte Transsexuelle genannt. Das ist nur ein spezieller Fall von vielen, die mit der normalen Zweigeschlechtlichkeit nicht vereinbar sind.

Man kann für solche Fälle Begriffsdefinitionen ändern, aber besser wäre es vielleicht, sich auf neue Begriffe zu einigen.

Man müßte sich auch darüber klären, inwieweit man die Dinge auf einer biologischen oder überhaupt aus einer wissenschaftlichen Basis betrachtet. Wie behandelt man z.B. Phänomene, die sich nur im Verhalten bemerkbar machen? Nehmen wir Hengameh Yaghobifarah, die von sich behauptet, weder männlich noch weiblich zu sein.

Ob jemand jemand eine verengte Sichtweise hat, hängt meines Erachtens nicht davon ab, wie konservativ er bestimmte Begriffe verwendet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2021 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45936

Vielleicht bin ich hier in meiner Wortwahl auch deswegen so strikt und eingeengt, weil es sich im Grunde um einen Zirkelschluß, eine Art Tautologie handelt.
Wenn ich das (biologische) Geschlecht als die Kategorie verstehe, für die nur fortpflanzungsrelevante Merkmale eine Rolle spielen, dann ist es nicht anders, als wenn ich das Geschlecht gleich als Zusammenspiel und Gegensatz von männlich und weiblich definiere.

Hetero- und Homosexualität und alle verschiedenen Arten sexuellen Verhaltens sind psychische Erscheinungen, die die physischen nicht ändern. Wenn man sie dennoch unters biologische Geschlecht subsumiert, findet man keine neuen Geschlechter nach der ursprünglichen biologischen Sicht, sondern man erweitert diese Sicht.

Diese Erweiterung ist aber m. E. genau das, wofür der Begriff Gender bereits steht.
Es bringt nichts Neues, das biologische Geschlecht mit dem Gender zu vermischen.

Um den Gender-Begriff wird ja eine ganze Ideologie aufgebaut, siehe Gendersternchen usw. Ihre Verfechter merken wohl auch, daß ihre Sprachregelungen im sprachlich einfacheren biologischen Geschlecht einen starken Konkurrenten haben. Deshalb versuchen sie nun, das biologische Geschlecht umzudefinieren und aufzuweichen, indem sie ihm, wie Herr Virch schon schrieb, ebenfalls soziale Aspekte andichten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2021 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45933

Lieber Herr Riemer, ich möchte Ihnen nichts unterstellen, aber nun tun sie wieder genau dasselbe: Sie erklären etwas für einfach und evident, was ich mit einer gewissen Begründung nicht so sehen kann. Schon daß es nur um Fortpflanzung gehe, trifft meiner Ansicht nach nicht zu. Übrigens ist lange Zeit die Homosexualität auch deshalb als widernatürlich verurteilt worden, weil sie der Fortpflanzung entgegenstehe. Welchen Sinn sie haben könnte, ist von Platon bis Schopenhauer mit mehr oder weniger abstrusen Ergebnissen erörtert worden. Die katholische Kirche sieht in der Fortpflanzung die einzige Rechtfertigung des Geschlechtsverkehrs, der daher in jedem Fall "offen für die Empfängnis" sein müsse und nicht etwa purer Lust dienen dürfe. Darum erkennt sie heute zwar die Homosexuellen als Gottes Geschöpfe an, untersagt ihnen aber den Geschlechtsverkehr.

Ich glaube auch nicht, daß die heutige Biologie, Medizin, Sexualwissenschaft die Sache so sehen. Fortpflanzung, Chromosomen, Hormone usw. sind objektive Tatsachen, aber sie sind nicht die einzigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.05.2021 um 20.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45931

Ich denke, manch einer sagt "Basta!", wenn es um eine wirklich strittige Behauptung geht, und er hat keine Lust weiter zu streiten, sondern legt das jetzt einfach fest, weil er gerade die Möglichkeit dazu hat. Das würde ich nie wollen, und es täte mir leid, wenn es so rübergekommen ist.

In diesem Fall mit den zwei biologischen Geschlechtern denke ich einfach, daß es so klar und evident und unstrittig ist, daß es gar keine andere Ansicht geben kann. Ist das Paar männlich/weiblich denn nicht genauso ein Paar wie die zwei Seiten eines Blattes, wie Yin und Yang, wie rechts und links? Was sollte es da noch geben, worüber man überhaupt streiten könnte?

Wir sprechen doch hier übers biologische Geschlecht. Das definiert sich nur über das Leben, die Fortpflanzung. Geschlechtliche Fortpflanzung ist überall auf der Erde zweigeschlechtlich. Ein drittes hätte gar keine Funktion, keinen Sinn, außer vielleicht auf einem anderen Planeten. Es gibt allenfalls organische Abweichungen bis hin zur Unfruchtbarkeit, aber dadurch wird doch kein drittes biologisches Geschlecht bestimmt. Ich möchte das wirklich nicht im Basta-Ton verstanden haben wollen, sondern ich bin eher ratlos darüber, wie man über solch eine Selbstverständlichkeit überhaupt diskutieren kann.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.05.2021 um 12.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45930

Die Frage nach der Anzahl der Geschlechter hängt davon ab, was man unter Geschlecht versteht, wie man es definiert.

In der Biologie gilt es als sinnvoll, die Keimzellen als Maßstab zu nehmen. Denn diese bilden das Fundament der geschlechtlichen Vermehrung.

Bei den Keimzellen gibt es keine Zwischenformen.

Ebenso gibt es keine Menschen, die Zwischenformen von Keimzellen ausbilden. Oder gleichzeitig männliche und weibliche Keimzellen.

Phänotypische Abweichungen vom Geschlechterdimorphismus werden deshalb mit anderen Begriffen bezeichnet.

Man muss sich natürlich nicht an die Fachsprache der Biologie halten. Aber man sollte Dinge, die nicht zusammgehören, begrifflich trennen.

Solche Diskussionen lassen sich im gegenwärtigen Klima allerdings nicht führen, man sollte ihnen lieber aus dem Weg gehen. Insofern letztlich alles egal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2021 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45928

Ob Paulus einen Apostel Iunias oder eine Apostelin Iunia meint, läßt sich schlechterdings nicht feststellen.

Seit 2012 gibt es in Deutschland eine Apostelin-Junia-Kirche: Die alt-katholische Gemeinde Augsburg hat in der Gemeindeversammlung vom 2. Oktober 2011 über die Namensgebung der neu gebauten Kirche im Sheridan-Park abgestimmt und sich mit großer Mehrheit für die Apostelin Junia entschieden. Die Kirche wurde am 8. Juli 2012 durch Bischof Matthias Ring geweiht. (Wikipedia)

Das erinnert an die Rechtschreibreformer, die auch manchmal linguistische Fragen durch Mehrheitsbeschluß entschieden haben. In religiösen Dingen ist es allerdings unschuldiger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2021 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45926

Was die Gendersprache betrifft, sind wir uns ja einig. Der Eintrag von Herrn Virch bestätigt, daß "Gender" ein Sammelbegriff ist, also im logischen Sinn eigentlich gar kein richtiger Begriff, sondern mehr eine Überschrift über die verschiedensten Thesen.
Beim biologischen Geschlecht wollte ich mein Unbehagen an "Basta!"-Thesen zum Ausdruck bringen wie "Es gibt nur zwei Geschlechter". Woran will man das festmachen? An den Chromosmen? Und warum nur daran? Ich bin dafür, erst mal die Tatsachen zusammenzutragen, von denen ich eine erwähnt habe, zusammen mit meiner Ratlosigkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2021 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45925

Warum ich nicht mehr nach China reise
China setzt deutsche Wissenschaftler unter Druck, das Kanzleramt schweigt. Thorsten Benner erklärt hier, warum er Reisen nach China meidet.

(Tagesspiegel 10.5.21)
Professor Benner verwendet abwechselnd generisches Maskulinum und ein generisches Femininum, das es im Deutschen nicht gibt: Expertentreffen mit Politikerinnen und Unternehmensvertretern... Sehr verwirrend.
(Die Leser schildern in Zuschriften, wie sie alle Produkte aus China meiden. Natürlich nur wenn es draufsteht. Das wird den Chinesen eine Lektion sein! Ebenso der Entschluß, nicht mehr nach China zu reisen.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.05.2021 um 23.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45924

Wer hätte das gedacht? Carola Rackete Mitglied im Verein für deutsche Sprache.

In der Tat sind viele Prominente im Verein Mitglied – wie ich schon mal in MG Direkt erwähnte auch Carola Rackete. Will man der nun auch schon Fremdenfeindlichkeit unterstellen? :grinning: Sie hat beim Gendern (zu meinem Erstaunen) eine harte Haltung und besteht zum Beispiel darauf, Kapitän genannt zu werden und nicht Kapitänin.

https://forum.massengeschmack.tv/t/themenvorschl%C3%A4ge-mediatheke/76128/3792
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.05.2021 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45923

Selbstverständlich müssen wir jedem Menschen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es gibt ja bei uns auch keinen Zwang, sich nach althergebrachten Geschlechtermoden zu kleiden, und für wen es ein sonst unlösbarer Konflikt wäre, der mag sich halt umoperieren und seinen Eintrag im Paß ändern lassen, womit er zwar genaugenommen sein biologisches Geschlecht auch nicht ändert, aber zumindest äußerlich und körperlich im anderen Geschlecht zufrieden leben kann. Für diese Menschen ist das biologische Geschlecht zwar ausnahmsweise auch eine eigene Entscheidung, aber doch eine, die amtlich und medizinisch begleitet und wohlüberlegt ist und nicht alle naselang wieder geändert werden kann.

Das hat aber alles mit der ganzen Genderei, mit sämtlichen Arten sexueller Ausrichtung und mit den zwei biologischen Geschlechtern, außer denen es nun mal keine anderen gibt, nichts zu tun. Ich habe für alles Verständnis, nur nicht dafür, daß eine absolute Minderheit von vielleicht einem oder zwei von je einer Million Menschen sich nicht für eine von zwei Toiletten (M oder F) entscheiden kann, und ich habe auch kein Verständnis dafür, daß man sich per Sternchen oder Pause in den Anreden ständig außer aufs biologische Geschlecht auch noch ausdrücklich aufs Gender beziehen muß.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.05.2021 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45922

Der Begriff Gender ist nicht einfach mit "soziales Geschlecht" zu übersetzen. Er bezieht sich sowohl auf die selbstempfundene Geschlechtsidentität als auch auf die mittels Bewertung von Aussehen, Körpersprache etc. definierten Geschlechterrollen. Ihm steht das biologische Geschlecht gegenüber. Daß es sich auch bei letzterem um ein soziales Konstrukt handeln soll, macht die Sache nicht übersichtlicher. Sollte das "Gewese" Menschen helfen, die es schwer haben, hätte es zumindest diesen Sinn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2021 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45920

Ich habe mich damit nicht beschäftigt und verstehe wenig davon. Insbesondere weiß ich nicht, was es bedeutet, daß ein Mann sich als Frau fühlt oder umgekehrt – ohne homosexuell zu sein, wohlgemerkt.
In die logopädische Praxis kommen zuweilen Männer, die sich seit ihrer Kindheit als Mädchen bzw. Frauen fühlen und so weit gehen, daß sie sich sukzessive umoperieren lassen. Das muß also schon ein enormer Druck gewesen sein. Logopädisch soll dann eine höhere Sprechstimme eingeübt werden. Ich habe keine Ahnung, wie das erlebt wird, daß man sich im falschen Körper fühlt. Es ist für mich schwerer vollstellbar als eine homosexuelle Orientierung. Aber ich zweifle natürlich nicht daran, daß es das gibt, und finde schon, daß man diesen Menschen Gerechtigkeit wderfahren lassen muß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.05.2021 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45918

Ich nehme an, daß die Verfechter der Gender-Ideologie meinen, das sog. soziale Geschlecht hätte sich auch niemand ausgesucht, sondern es sei jedem in seiner Eigenheit oder Persönlichkeit vorgegeben. Vor allem meinen sie wohl, es sei irgendwie wichtiger als das biologische Geschlecht.

Aber wer sollte dieses soziale "Geschlecht" letztlich festlegen, wenn nicht jeder für sich selbst? Daher eignet es sich auch nicht zur Identifikation einer Person, denn jeder kann ja jederzeit behaupten, jetzt fühle er sich eben anders als früher.

Ich halte das "Gender" bzw. das sog. soziale Geschlecht nicht für blanken Unsinn, nicht für nichtexistent, aber ich meine, es ergibt gar keinen Sinn, so viel Gewese darum zu machen. Es läuft letztlich darauf hinaus, daß jeder Mensch seinen individuellen Charakter, seine Vorlieben, seine Persönlichkeit, sein eigenes Gender hat.

Ich halte es nur für absoluten Humbug, das biologische Geschlecht durch "Gender" ersetzen zu wollen. Männer und Frauen bleiben biologisch, was sie sind, egal zu welchem Gender sie sich sonst noch zählen oder wie sie sich auch kleiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2021 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45917

Wenn jeder sein Gender frei wählen könnte, brauchte man ihm nicht mit gegenderter Sprache entgegenzukommen. Deren Begründung ist doch Nichtdiskriminierung, und die gilt gerade schicksalhafter Identität, die man sich nicht aus Jux und Dollerei ausgesucht hat.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.05.2021 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45916

Vollends verlogene Propaganda ist die Bezeichnung "nichtdiskrimimierend" fürs Genderdeutsch.

Mit dem sozialen Geschlecht scheinen die gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen gemeint zu sein, die von "Cis-Menschen" relativ leicht auszufüllen seien, von Transmenschen jedoch nicht. Daß die Bezeichnung "Cis-Menschen" für korrekt erachtet wird, wundert mich, schließlich verortet sie alle anderen im Jenseits.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2021 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45914

Es hat zwar nicht viel mit meinem Versuch zu tun, die FAZ-Frage zu verstehen, aber ich muß gestehen, daß ich das mit dem sozialen Geschlecht immer noch nicht ganz verstanden habe. Ist es eine Rolle, die man "sich selbst aussuchen kann", wie Sie sagen? Dann wäre ja jeder für sein Gender selbst verantwortlich. Meinen das die Gender-Leute tatsächlich? So habe ich es bisher nicht gesehen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 13.05.2021 um 13.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45913

Gestern bei Maischberger: Nelson Müller, Fernsehkoch und Restaurantbesitzer, schildert seine aktuellen Nöte in normaler Sprache. Dann Nicole Diekmann, ZDF, mit penetrant gegenderter Sprache: Nachgeschobenes "innen", mit hartem, deutlichen Glottisschlag und langer Pause, wie z.B. "Pendler___INNEN". Mancher ihrer Sätze wird zu einem Meinungsbeitrag unterbrochen von zwei bis drei unangemeldeten Demos.
Susanne Gaschke, die Dritte am Tisch, läßt sich davon nicht irritieren und spricht wie immer normal. Aber bei Nelson Müller merkt man eine Wirkung, er spricht in der Antwort von "Pendlerinnen". Ohne akustisches Schnickschnack, also eigentlich von Frauen. Er merkt es und bekommt ein Lächeln im Gesicht. Vielleicht wollte er auch nur dezent persiflieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.05.2021 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45912

Ich bin jetzt nicht sicher, ob Sie meinen, man könne das Wort Gender, also die Rede vom sozialen Geschlecht an sich nicht ernst nehmen, oder ob Sie meinen, daß die Fast-Lüge nur im aktuellen Gebrauch von gendergerecht und -sensibel steckt.

Im deutschen Reisepaß steht zwar nach wie vor auf deutsch nur "Geschlecht", aber daneben auf englisch "Sex", was eindeutig darauf hinweist, daß es sich um das biologische Geschlecht handelt. Das gilt m. E. für alle Gesetzestexte und amtlichen Dokumente. Meiner Ansicht nach hat man bei der ganzen Genderdiskussion und Einführung des dritten "Geschlechts" versäumt, stärker auf diesen Punkt hinzuweisen,

Es gibt nun einmal nur zwei biologische Geschlechter. Das sog. dritte ("divers") ist eine formale, rein bürokratische Lösung für Personen, bei denen das biologische(!) Geschlecht nicht medizinisch klar nachweisbar ist.

Im Gegensatz zum sozialen Geschlecht, das jeder für sich selbst finden und selbst bestimmen mag, von dem es auch mehr als drei gibt und das amtlich und vor dem Gesetz keine Rolle spielt, kann man sich das biologische Geschlecht ebensowenig selbst aussuchen, wie man sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies (Mensch oder Tier) selbst aussuchen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2021 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45907

Die FAZ meldet:

Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hat die Nutzung der gendergerechten Schriftsprache an Schulen und in seinem Ministerium verboten.

Außerdem fragt sie die Leser:

Finden Sie eine gendersensible Sprache gut?

Die Meldung ist zwar erfreulich, aber die Ausdrücke gendergerecht, gendersensibel sind nahe an einer Lüge – es sei denn, man ist aufgeklärt genug, das Wort Gender als bloßes Zitat zu verstehen, ohne es ernst zu nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2021 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45900

Man stößt, wie bei der Rechtschreibreform, immer wieder auf die Tatsache, daß die Mitschwimmer im Mainstream von keiner eigenen Gesinnung (Ideologie) getrieben sind, sondern der Losung folgen "Das macht man doch jetzt so, oder nicht?" Und wenn viele es so halten, dann macht man es tatsächlich so. Daher meine Formulierung von der "Tyrannei des Vermeintlichen". Die ganze Political Correctness lebt davon, sonst würde sie nicht zur selbstverstärkenden Massenbewegung. Ich habe Einblick in die Unternehmenskommunikation und finde (selbstverständlich!) nirgendwo eine feministische Ideologie, aber überall den Zwang des "Das macht man doch jetzt so".
Wer sich auf seine bessere Einsicht verläßt, steht mit seinem "Ego non" auf verlorenem Posten. Eine kluge Regierung, die etwas durchsetzen will, wendet keinen Zwang an, sondern verbreitet das Gerücht: "Das macht man jetzt so" – und überläßt alles andere der Gruppendynamik. Irgendwann macht man es wieder anders, und alles geht von vorn los.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.05.2021 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45899

»Was uns bewegt

Kund*in

Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen immer unsere Kund*innen. Der Fokus liegt auf ihren Bedürfnissen

Wir kennen die Anforderungen unserer Kund*innen […], wir beziehen Kund*innenbewertungen in unsere Optimierungsprozesse ein und gehen mit ihnen in den Austausch […] Doch eine so kund*innenzentrierte Haltung will gelernt sein. Wie ist der/die OTTO-Kund*in überhaupt, was möchten sie und wie hören sie sich an? Um diese Fragen direkt zu Beginn ihrer Zeit bei OTTO zu beantworten, durchlaufen alle neuen Mitarbeiter*innen in den ersten Tagen des neuen Jobs ein Programm mit dem Namen „Love Your Customer”. So arbeiten alle Kolleg*innen für zwei Tage im Kund*innencenter von OTTO, sprechen und chatten mit Kund*innen. Der Fokus steht im gesamten Programm auf der Kund*innenorientierung.«

(https://www.otto.de/unternehmen/de/was-uns-bewegt/kundin-kunde)

Besonders erfolgreich scheinen all diese Bemühungen nicht zu sein. Oder glaubt man in der Firmenzentrale allen Ernstes, daß die Kunden so angesprochen werden möchten? Schlechter kann man es kaum machen. Der Text ist eine Zumutung und derart respektlos gegenüber den vorgeblich so geschätzten Kunden, daß man an Selbstverspottung glauben könnte, wenn man es nicht besser wüßte. Wie lange bewahren sich wohl die bedauernswerten neuen »Mitarbeit*innen« ein Gefühl dafür, daß hier etwas ganz gewaltig nicht stimmt?

Immerhin drückt man sich nicht um die Beantwortung der immer noch ungeklärten Frage, wie man denn bitte im Singular geschlechtsneutral formulieren soll. Die hier gewählte Lösung »der/die Kund*in« dürfte aber kaum Chancen haben, sich durchzusetzen. Nicht, weil Männer (der Kund?) damit »unsichtbar« werden (damit könnten die Genderaktivisten bestens leben), sondern weil diejenigen, für die man den ganzen Aufwand angeblich treibt, ja gerade nicht mit »der« oder »die« identifiziert werden wollen. Neulich habe ich irgendwo einen durchgegenderten Text gelesen, in dem auf Artikel ganz verzichtet wurde. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Umbau der deutschen Grammatik hat gerade erst begonnen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.05.2021 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45897

Ich hatte mir so vorgenommen durchzuhalten, aber ich konnte mir Scholz’ Rede nicht länger als zehn Minuten anhören. Das ist nicht ironisch gemeint. Die Atmosphäre auf so einem Online-Parteitag empfinde ich sowieso schon als gespenstisch, bedrückend, sauerstoffarm, ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Das ist dem Redner nicht anzulasten, das hat er sich nicht ausgesucht. Um so stärker ist meine Erwartung an ihn, daß er dieses erstickende Ambiente mit seiner Rede vergessen macht. Das gelingt den wenigsten, und es kann überhaupt nicht gelingen, wenn der Redner sich permanent selbst unterbricht. Bei Scholz kommt hinzu, daß er dadurch noch weniger überzeugt. Die Art, wie er das Mikrofon hält, sein kontrolliertes Treten auf der Stelle, seine Blickführung und eben auch das Durchdeklinieren der Paarformeln – das alles wirkt auf mich emsig eingeübt und unecht. Ich versuche, ihm zuzuhören, aber es gelingt mir nicht, weil ich mir immer nur vorstellen muß, wie seine »Coachs« ihm eingebimst haben, wohin er zu gucken hat, wann er welches Wort zu betonen hat usw. Ein authentisch verschnarchter Scholz, der einfach sagt, was er zu sagen hat, wäre mir tausendmal lieber gewesen als das, was er mir dort geboten hat.

Die teuer bezahlten Berater haben vermutlich eine präzise Vorstellung von der Zielgruppe des Gendersignals in Scholz’ Rede. Sie übersehen, daß die »Sozialdemokratnn und Sozialdemokratn« es sich am wenigsten leisten können, eine pseudointellektuelle Kunstsprache zu pflegen. Nicht, weil die »Arbeiter« so nicht sprechen – die sind der SPD schon vor längerem abhanden gekommen –, sondern weil fast niemand so spricht. Die Anbiederung an jene, die Sarah Wagenknecht »Lifestylelinke« nennt, wird nichts bringen, die wählen gleich das Original. Wenn die SPD ihren Status als Volkspartei erhalten will, muß sie die Leute in der Mitte überzeugen. Diese Mitte ist breiter – oder vielleicht besser: die Ränder dieser Mitte sind schmaler, als Frau Esken & Co. offensichtlich meinen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2021 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45892

Wenn man, wie Olaf Scholz, kein hinreißender Redner ist, fällt dem geduldigen Zuhörer besonders auf, wie sehr das Gendern gerade auf Parteitagen den Redeschwung lähmt. Die Zeitungen zitieren es getreulich, fallen aber in eigenen Zusammenfassungen sofort in normales Deutsch zurück.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2021 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45887

Das Lesbenfrühlingstreffen wird wegen Transfeindlichkeit kritisiert.

Ich kenne die Einzelheiten nicht, aber die Meldung überrascht mich nicht. Identitätspolitik erzeugt ihre eigenen Widersprüche, nur Universalismus geht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 08.05.2021 um 00.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45868

Es wird spannend:
„Ziel ist es, ein Grundsatzurteil zu erstreiten, um diesem opportunistisch-heuchlerischem Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben.“
Das schreiben die Anwälte des Klägers, der von Audi nicht gezwungen werden möchte, die Gendersprache zu verwenden. Der VDS unterstützt die Klage, siehe
https://vds-ev.de/mitteilungen/klage-gegen-audi-im-gender-streit
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45853

Im Programm der Grünen stören mich die Gendersternchen fast noch mehr als die abgestandenen sozialistischen Ideen bei der Wohnraumbewirtschaftung. Diskussion in beiden Fällen zwecklos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2021 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45836

Lieber Herr Metz, ich kenne Ihre Selbstzweifel nur zu gut. Aber ich schätze Ihre sachlichen und sachkundigen Beiträge sehr und speichere sie größtenteils in meiner eigenen Materialsammlung. Ob ich noch mal was Zusammenhängendes dazu schreiben werde, weiß ich nicht, viele Projekte liegen herum, und ich werde älter (plane aber mit der Unvernunft eines 18jährigen).
Sie haben ganz recht: Man wird bald nicht mehr wissen, wie es gekommen ist. Und man wird es nicht einmal mehr wissen wollen... Den Journalisten ist sowieso alles wurscht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.05.2021 um 01.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45834

Inzwischen beschleicht mich eine gewisse Scheu, hier den x-ten Beleg für das Genderkauderwelsch beizubringen, der dieser Tage in einigen Medien herrscht, denn ich möchte niemanden langweilen, und es kostet mich, nebenbei gesagt, auch (wertvolle) Zeit. Andererseits finde ich, daß das alles dokumentiert werden sollte, weil in zehn oder fünfzehn Jahren vermutlich niemand mehr genau wissen wird, wie es zu dem hat kommen können, was wir dann haben werden.

In SPIEGEL ONLINE fand man gestern ein besonders eindrückliches Beispiel für das heillose Durcheinander, das manche Journalisten anrichten, weil sie glauben, irgendwie mitmachen zu müssen – mit Betonung auf »irgendwie«. Maria Stöhr berichtet in einem Artikel über die Beschneidung von Freiheitsrechten in manchen Ländern unter dem Vorwand der Seuchenbekämpfung (https://www.spiegel.de/ausland/coronakrise-wie-regierungen-weltweit-in-pandemie-zivilrechte-einschraenken-a-b21dc6f9-4186-4c70-8851-1963475ab0cd).

Die Lektüre vernebelt den Kopf, man wird ständig gezwungen, über Dinge nachzudenken, die nichts zur Sache tun, zum Beispiel darüber, ob ein bestimmter Bericht nun von Männern und Frauen oder doch nur von Männern geschrieben worden ist oder ob unter Kritikern auch Frauen oder nur Männer sind. Mit dieser Vergewaltigung ihrer Leser verstößt die Autorin gegen eine Grundregel effektiver Kommunikation, nämlich die, daß wenn irgend möglich nichts von der Botschaft des Textes ablenken sollte. Das ist ihr entweder nicht bewußt, oder sie nimmt es in Kauf, um eines vermeintlich höheren Zieles willen (Überzeugung, Anpassung an die Wünsche der Redaktion?).

Der Text beginnt sprachlich unauffällig: »Da ist das Beispiel des 43-jährigen Anwalts Javier Ordóñez aus Kolumbien, der im September während des strengen Lockdowns seine Freundin besuchen wollte. Polizisten fingen ihn ab, verletzten ihn durch Elektroschocks und Schläge so schwer, dass er starb.« Waren unter den Polizisten womöglich auch Frauen? Keine Ahnung. Ist auch egal, der Mann ist tot, das Geschlecht der Handelnden ist völlig unwichtig.

Dann ist die Rede von einer »Aufforderung an Sicherheitskräfte und Polizei, gegen Protestierende und Regierungskritiker mit Gewalt vorzugehen.« Wieder wird die generische Form korrekt verwendet: ob Männer oder Frauen die Regierung kritisieren, ist unerheblich.

Nun aber lese ich: »Drei Politikerinnen der wichtigsten Oppositionspartei wurden im vergangenen Frühsommer in der Hauptstadt Harare bei einer friedlichen Demonstration festgenommen.« Früher wäre für mich klar gewesen, daß es sich um Frauen handelt. Heute aber zweifle ich. Zu oft habe ich in den letzten Monaten im SPIEGEL und anderswo von »Klinikleiterinnen«, »Expertinnen« usw. im generischen Femininum gelesen (und die weitere Lektüre des Artikels, siehe unten, bestätigt meine Skepsis). Der übernächste Satz schafft immerhin Klarheit: »Der Staat […] klagte die Frauen an.«

In der nunmehr gefestigten Erwartung, daß dieser Artikel offenbar doch in normalem Deutsch verfaßt ist, lese ich weiter. Doch urplötzlich drängen sich »Bürgerinnen und Bürger« in den Text. Geschenkt, denke ich da, »Bürger« gibt es ja eigentlich nur noch bei der AfD, wahrscheinlich ist es der Autorin nicht mal aufgefallen, daß sie hier die Doppelform verwendet hat. Am Ende des Absatzes ist auch wieder von »Bürgerbeteiligung« die Rede.

Im nächsten Absatz aber wird klar, daß es sich nicht um einen Ausrutscher gehandelt hat: »Regierungen verletzten in der Pandemie die Meinungs- und Pressefreiheit und bauten die Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern, Kritikerinnen und Kritikern aus.«

Der übernächste Absatz bestätigt diesen Eindruck: »Zwei von drei Menschen weltweit leben laut der Autorinnen und Autoren in einem Land, in dem Protest oder aktives Engagement für die Gesellschaft unterdrückt werden. Aktivistinnen und Aktivisten, Medienvertreter und Menschenrechtsorganisationen werden zum Schweigen gebracht.«

Markiert das Wort »Medienvertreter« womöglich das Ende des (pflichtschuldigen) Genderausflugs in dem Artikel? Schwer zu sagen, denn jetzt ist erst mal viel von »Menschen« die Rede (zur Erinnerung, das ist der Plural von »der Mensch«). Doch dann: »Studienmacher«, »Menschenrechtsverteidiger«, »Journalisten«.

So weit, so gut. Dann aber wieder ein Moment völliger Verwirrung: »Die philippinische Journalistin Maria Ressa, eine der schärfsten Kritikerinnen Dutertes, warnte im SPIEGEL, dass die Maßnahmen gegen Covid-19 zum ›Tod der Demokratie‹ führen könnten. Kritiker sagen, die Befugnisse gehen viel weiter als das, was er zur Bekämpfung des Virus bräuchte.« Frau Ressa ist eine Kritikerin, aber ist sie nur Teil einer Gruppe von Frauen oder Teil einer – viel größeren – Gruppe von Männern und Frauen? Und sollen die »Kritiker« aus dem nächsten Satz dann wieder Frauen und Männer sein??

Der Rest des Artikels scheint wieder die Vermutung zu bestätigen, daß der Text grundsätzlich im ach so schrecklichen generischen Maskulinum geschrieben ist. Die »Autorinnen und Autoren« der zitierten Studie begegnen uns nun auf einmal als »Autoren« und, erneut, als »Studienmacher«.

Dann noch ein Knaller zum Schluß, den ich, inzwischen durch das heftige Hin und Her völlig gebeutelt, nur noch gedämpft wahrnehme: »Das Virus wirke, so die Autorinnen [!], ›wie ein Brandbeschleuniger‹, was Unruhen und soziale Ungerechtigkeiten im Land angehe.« Es folgen noch die »Menschenrechtsaktivisten«. Aha, also doch die generische Form?! Wieso ist von »Brandbeschleunigern« die Rede, denke ich, was ist mit Brandbeschleunigerinnen??

Ich fahre den PC runter und begebe mich zur Nachtruhe, in dem unbehaglichen Gefühl, gestern viel weniger zur Bekämpfung von Diskriminierung beigetragen zu haben als die Autorin des Artikels.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 04.05.2021 um 20.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45833

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#45831
taz: "Schüler*innen nur Mittelmaß"

Ich stelle mir diesen Satz gelesen vor, denke dabei an eine Meldung der letzten Tage über die Vorteile des Freiluftunterrichts und ergänze unwillkürlich:

Schüler*innen nur Mittelmaß, außen aber richtig gut.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.04.2021 um 20.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45801

Ich gehe davon aus, daß kaum jemand privat gendert. Denjenigen, die öffentlich gendern, merkt man ihre fehlende Routine deutlich an, da sie in freier Rede fast immer das Gendern vergessen. Das wäre sicher anders, wenn sie sich auch privat um die angebliche Geschlechtergerechtigkeit bemühten. Dann müßte das besser sitzen.

Heute habe ich einen Podcast gehört (NDR "Die Idee" mit Karagiannidis vom DIVI), den ich fast abgeschaltet hätte, weil der Interviewer so betont – gendert. Aber es waren eigentlich nur die einleitenden Phrasen, die er sich vorher offensichtlich zurechtgelegt hatte. Nach diesem Fähnchenschwenken wechselte er in normale Sprache.

Wäre dieser Interviewer ein Beleg dafür, daß Gendersprache sich durchgesetzt hat? Oder eher ein Beleg für das Gegenteil?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2021 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45795

Die Sprachbastler behaupten zwar, ihre Neusprache sei in der Gesellschaft "angekommen", aber ich meine nach wie vor, daß dies ein Wunschtraum ist. Leider wird die sprachsoziologische Frage, wer überhaupt gendert, kaum gestellt und nicht wissenschaftlich bearbeitet. Die veröffentlichte Rede erzeugt ein falsches Bild. Das Gendern ist und bleibt eine Angelegenheit bestimmter Konventikel, die zwar groß sind, aber bei weitem nicht so groß, wie sie glauben.

Wer den Zentralrat in diese Konventikel hineinzieht, entfernt ihn ein Stückchen weiter von den Gläubigen selbst, die weiterhin Normaldeutsch sprechen werden.
Sollten die Pfarrer ihre Predigten gendern (ich habe keine neuere Erfahrung mit dieser Textsorte), werden die Kirchenaustritte sich beschleunigen, auch wenn man wohl nie eine Korrelation nachweisen wird.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.04.2021 um 23.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45794

"Auch zeigen Studien, dass die Lesbarkeit von Texten kaum beeinflusst wird."
Das liest man in der Begründung des Beschlusses des ZdK zur Vorgabe der Gendersprache, und man liest es so oder ähnlich in allen vergleichbaren Publikationen.
Jeglicher noch so geringe Ansatz von Empirie spricht ja dagegen. So wie z.B. die Betrachtung der Neusser Ratsverordnung, die Herr Metz heute verlinkt hat, ein Dokument des Grauens mit 258 Sternen auf 15 Seiten.
Das ganze wird für das ZdK sicher ein Eigentor werden, wie Herr Ickler vermutet. Mir als Katholik ist die Schadenfreude daran leider verwehrt. Ich möchte stattdessen flehen "Herr lass regnen was immer diesen Leuten fehlt!".
 
 

Kommentar von , verfaßt am 28.04.2021 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45792


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2021 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45791

Verpflichten, zwingen... – die Sprache sagt alles.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.04.2021 um 14.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45790

Einer der besten Texte zur eigentlichen Funktion der Gendersprache ist lustigerweise von Anatol Stefanowitsch.

Er erklärt uns ganz freimütig, daß diese Sprache ein Erkennungszeichen bestimmter Communities ist:

Binnen-I, Gendersternchen usw. werden dagegen mit bestimmten „Communities of Practice“ in Verbindung gebracht: Gruppen von Menschen mit ähnlichen Zielen und Wertvorstellungen, wie eben die queere Community, die Frauenbewegung und andere.

Indem man die Bediensteten der Stadt Hannover zum Gendersternchen verpflichtet, zwingt man sie kurzfristig in eine Community of Practice, zu der sie eigentlich nicht gehören. Mittelfristig löst man damit dann die Verbindung des Markers zu dieser Gemeinschaft auf: Solange ich das Gendersternchen freiwillig – vielleicht sogar gegen gewisse Widerstände – verwende, kommuniziere ich damit auch, dass ich mich zu einer Gruppe von Menschen mit bestimmten Vorstellungen über Geschlecht rechne. Je mehr Menschen eine bestimmte Form verwenden, weil sie dazu gezwungen sind, desto schlechter lassen sich solche Rückschlüsse ziehen. Das Gendersternchen verliert so nicht nur seine Bedeutung im engeren Sinne, sondern auch seine Fähigkeit, die Weltsicht derjenigen zu vermitteln, die es verwenden.

(https://zeit.de/kultur/2019-01/gender-sprache-geschlechtergerechtigkeit-hannover-leitfaden-gleichstellung/komplettansicht)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.04.2021 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45789

Der Papst ist hoffentlich nicht gegen die ZdK-Entscheidung, denn in der Bergpredigt heißt es künftig:
Niemand kann zwei Herr*innen dienen; er/sie wird entweder den/die eine/n hassen und den/die andern/andere lieben oder er/sie wird zu dem/der einen halten und den/die andern/andere verachten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.04.2021 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45788

Und schon ist man in Neuss dem Ziel der Chancengleichheit wieder ein Stück näher gekommen. Leider aber nur in der Theorie. Denn in der Praxis bewirkt die Entstellung von Texten nur eins: daß sie unlesbar und unvorlesbar werden und damit noch unzugänglicher, als sie es ohnehin schon waren, gerade für die, die man ansonsten doch auch so angelegentlich fördern möchte. Selbst studierten Lesern, die einigermaßen abgehärtet sind, wenn es um die Lektüre schwerfälliger Rechts- und Verwaltungstexte geht, dürfte es schwerfallen, dem Gedankengang zu folgen, wenn zusätzlich sperrige Doppelgebilde und unzählige Asteriske die Aufmerksamkeit davon ablenken und den Fließtext zur Stolperstrecke machen. Wobei genau das ja sogar das erklärte Ziel der Verantwortlichen ist. Man soll ja stolpern und gerade nicht bequem durch den Text gleiten. Wir müssen raus aus unserer allzu kommoden Haltung und uns immer wieder und wieder klarmachen, daß es außer Männern auch noch Frauen gibt, und uns das ständig gegenseitig vorsagen.

Das vom BMJ herausgegebene und hier schon öfter zitierte »Handbuch der Rechtsförmlichkeit« gilt zwar nicht für Statute kommunaler Organe, aber danach würde die Geschäftsordnung des Rates der Stadt Neuss schon deshalb durchfallen, weil sie drei wesentliche Anforderungen nicht erfüllt:

»Der Text muss so formuliert sein, dass er auch dann verständlich ist, wenn er vorgelesen wird.
Der Text muss übersichtlich bleiben.
Die Formulierung sollte nicht zu sehr vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen.«
(Rn. 112: http://hdr.bmj.de/page_b.1.html#an_112)

Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern diese Eseleien der sprachlichen Gleichbehandlung von Männern und Frauen dienen sollen. Männer und Frauen sprachlich gleich zu behandeln bedeutet, sie gleich zu benennen. Genau das leistet das generische »Maskulinum«. Daß es völlig schnuppe ist, ob ein Mann oder eine Frau eine bestimmte Funktion ausübt, bringt man gerade nicht dadurch am besten zum Ausdruck, daß man das Mann- oder Frausein der Betroffenen ständig hervorhebt, sondern durch eine generische Benennung. Die haben wir längst, und sie muß nicht durch irgend etwas Kompliziertes und Unaussprechliches ersetzt werden, nur weil die immer selben vier oder fünf von Genderaktivisten gebetsmühlenartig zitierten unwissenschaftlichen »Studien« ein für allemal belegt haben sollen, daß die generischen Formen unser Bewußtsein in schlimmer Weise manipulieren. Das tun sie nicht, und es ist leicht zu erklären, aber niemand will es hören. Solange die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, in Unternehmen und Verbänden und an den Hochschulen in der Realität das Gefühl haben, keine zufriedenstellenden Erfolge im Kampf für mehr Chancengleichheit vorweisen zu können, verfahren sie nach dem Karottenprinzip. Der Sprachfetischismus als Möhre vor dem Maul kann den Esel eine Zeitlang in Bewegung halten, stillt aber seinen Hunger nicht. Mal sehen, wann der Esel das merkt und was er dann tut.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 28.04.2021 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45787

Endlich: kurz vor Schließung wegen Geschäftsaufgabe stellt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) noch schnell um auf "geschlechtersensible bzw. -gerechte Sprache".

In der Begründung zu einem Änderungsantrag heißt es, das Buch Genesis zu zitieren, sei "angesichts von Genesis 1,27 (als Mann und Frau schuf er den Menschen) und der Einbeziehung von "nicht-männlichen Menschen" (w, d) eher kontraproduktiv."

https://antrag.zdk.digiv.de/std
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.04.2021 um 09.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45786

Die Stadtverordnung ist ein Lesegenuß:
https://neuss.de/rathaus/ortsrecht/pdf/30-02-geschaeftsordnung.pdf

Fängt gleich an mit Die Bürgermeister*in.

Mich würde dabei interessieren, wie man jede_r korrekt ausspricht. Vielleicht kann hier jemand helfen?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.04.2021 um 06.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45764

Die ARD-Moderatorin Eva-Maria Lemke schreibt auf Twitter:
"Hey, ihr @rbbabendschau-Zuschauerinnen – ich hätte da mal ne Frage. Vielleicht auch zwei.
Meldet Euch per DM bei mir. Ick freu ma.
(Übrigens: kein generisches Femininum – wirklich nur Frauen!)"


So umständlich wird es halt, wenn man die Markierung "-innen" ihres Sinnes beraubt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.04.2021 um 06.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45763

Notizen zur der Anne-Will-Sendung gestern abend:
Anne Will gendert wie immer penetrant, gestern ohne Gender-Gap aber mit Doppelnennung, koste es was es wolle: "wenn die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern...".
Schreckt sie plötzlich vor dem gesprochenen Gender-Gap zurück? Oder sollen die zermürbenden Ausdrucksungetüme dem Gender-Gap den Weg bereiten?

Annalena Baerbock: "ich bin jemand, der... und der.....", es gibt also das generische Maskulinum und es rutscht ihr bisweilen durch.

Naturwissenschaftler tendieren dazu, normal zu sprechen. Anders die Physikerin Viola Priesemann, die derzeit oft in Talkshows zu sehen ist. Sie beherrscht den Gender-Slang und bedient sich der Stilmittel Doppelnennung und Abwechslung.
Schmunzelnd nimmt man aber zur Kenntnis, daß ihre Wendung "Frage an die Juristen und Politikerinnen" im simultanen Untertitel (optional einschaltbar in der Mediathek) normalisiert wird: "Frage an die Juristen und Politiker".
Anders als bei Youtube, wo die Untertitel per Spracherkennung – also akustischer Transkription – erzeugt werden, ist hier ist offenbar ein Mensch am Werke. Und der übersetzt in normale Sprache. Unter Zeitdruck spricht und schreibt man offenbar normal. Köstlich!
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 25.04.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45760

In der ZEIT mal wieder ein Artikel, in dem es random hin- und hergeht zwischen generischem Maskulinum und modischer weiblicher Form, inkl. hübschem Wortspiel:

"Wenn sich nun Liefers und rund 50 weitere Schauspielerinnen in den kurzen ironischen Clips der AllesDichtMachen-Aktion aus heimeligen Innenräumen heraus für bedingungslosen Gehorsam gegenüber Regierungshandeln aussprechen;"

Auch sonst sprachlich recht bunt, gesteltzt wirkende
"hülfe" und "fürderhin", dann wieder "sorry to say", "well" und "nope". So muß man wohl als Kulturwissenschaftler schreiben.

https://www.zeit.de/kultur/film/2021-04/allesdichtmachen-schauspieler-corona-massnahmen-pandemie-politik/komplettansicht
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2021 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45739

Einmal an der Regierung, hätten die Grünen dann wohl die Lizenz zum Nervtöten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45732

Wie gesagt: Im Corona-Podcast des NDR haben Drosten und Ciesek ausreichend Zeit, ihre Kenntnisse vorzutragen. Sie gendern nicht. Anders die inhaltlich gut vorbereiteten Wissenschaftsjournalistinnen, die offenbar gehalten sind, möglichst konsequent zu gendern. Je besser es ihnen gelingt, desto unangenehmer ist die Wirkung, und zwar auch deshalb, weil ihre Redeweise wie eine ständige implizite Zurechtweisung der beiden Wissenschaftler wirkt. Die moralische Überlegenheit scheint ihnen das Recht zu geben, den Fachleuten alle drei Minuten auf die Finger zu klopfen.

Wenn das Gendern in Prüfungsnoten einfließt, könnte man dagegen klagen. Ich bin aber nach meinen Erfahrungen mit der Justiz nicht sicher, wie das ausgehen würde. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Staat das Recht zugesprochen, in die Sprache einzugreifen; das läßt sich ausbauen.

Ein grüne Mehrheit im Bundestag verspricht in dieser Hinsicht auch nichts Gutes. Aber die schwarzbraune Alternative würde ich deshalb noch lange nicht wählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45731

Merz fordert ein Verbot der Gender-Sprache:

"Wer gibt zum Beispiel Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern das Recht, Prüfungsarbeiten auch danach zu bewerten, ob die Gender-Sternchen verwendet werden oder nicht?", fragte der CDU-Politiker. "Wer gibt Nachrichtenmoderatorinnen und -moderatoren das Recht, in ihren Sendungen einfach mal so eben die Regeln zur Verwendung unserer Sprache zu verändern?" (t-online.de 23.4.21)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2021 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45725

Die Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim ("Politbarometer" und Wahlhochrechnungen fürs ZDF) benutzt statt Anhänger und Anhängerinnen gern den Begriff Anhängerschaft.
Dort würden sie schreiben:
ein Viertel der Unionsanhängerschaft

Allerdings sind immer mehr "Genderierende" auch damit unzufrieden und würden die Unionsanhänger*innenschaft vorziehen. Dann könnten sie aber auch gleich bei Unionsanhänger*in(nen) bleiben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.04.2021 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45724

Außerdem hätte er dann auch schreiben müssen: »nur jeder Vierte und jede Vierte«.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.04.2021 um 09.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45723

Die Grundgesamtheit sind in dem Fall alle Unionsanhänger (wobei der Autor konsequenterweise natürlich »Unionsanhänger und Unionsanhängerinnen« hätte schreiben müssen). Wenn innerhalb dieser Gruppe Männer und Frauen gleich verteilt sind, stimmt die Aussage, sofern zusätzlich die Bedingung erfüllt ist, daß das Meinungsforschungsinstitut Civey, das die Umfrage durchgeführt hat, tatsächlich mit einer quotierten Stichprobe gearbeitet hat, »die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht«, wie es in den Erläuterungen zur Methodik im SPIEGEL heißt (https://www.spiegel.de/backstage/die-methodik-hinter-den-civey-umfragen-a-b50353b3-b072-43c8-ab70-7fab20d48710?d=1612960628). Allerdings glaube ich nicht, daß der frömmelnde Autor des Artikels auch nur eine Sekunde an diesen Aspekt gedacht hat. Er wollte uns einfach nur zeigen, wie gut er im Genderunterricht aufgepaßt hat.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 22.04.2021 um 07.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45719

Haargenau dieselben beiden Stellen des SPIEGEL sind gestern unter dem Stichwort "Tohuwabohu" in meinem Notizkasten gelandet.

Daniel Eckert in der welt-online heute kann es besser:
"Fest steht auch, dass die künftige deutsche Regierung mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Juristen geführt werden wird. Sowohl Armin Laschet von der CDU als auch Annalena Baerbock von den Grünen haben ein rechtswissenschaftliches Studium hinter sich."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45718

Der SPIEGEL schafft den Salto mortale beim Gendern:
Ausgerechnet unter Unionsanhängern hat Laschet laut einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstitutes Civey für den SPIEGEL einen schweren Stand. Nur jeder Vierte oder jede Vierte hält die Entscheidung gegen Söder als Kanzlerkandidat für richtig.
(Das würde, abgesehen von der Inkonsequenz, einschließen, daß Frauen und Männer gleiche Zustimmungswerte aufweisen – aber steht das überhaupt fest?)
Daß Olaf Scholz bei der „Kanzlerin-Frage“ nicht gut wegkommt, liegt vielleicht daran, daß er keine gute Kanzlerin wäre? – Usw. – es geht alles durcheinander.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2021 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45713

Es gibt offenbar auch einen Verband, der sich offiziell
Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. (BdB)
nennt, und auf diesen (ich schrieb irrtümlich "freier" statt "der") hat sich die Sendung Plusminus bezogen. Also wohl doch korrekt.

Was es allerdings mit diesen zwei irritierenden Namen genau auf sich hat und ob es sich evtl. um eine erneute Umbenennung desselben Verbandes handelt, konnte ich nicht herausfinden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2021 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45711

Wikipedia:

» Der Bundesverband freier Berufsbetreuer e.V. (BVfB) ist eine berufsständische Vertretung für selbständige Berufsbetreuer in Deutschland. [...]
Der Verein wurde 1995 in Münster als Verband freiberuflicher Betreuer/innen gegründet, verlegte 1998 seinen Sitz nach Berlin und wurde 2004 in „Bundesverband freier Berufsbetreuer“ umbenannt. 

Das ficht Das Erste (ARD) natürlich nicht an. In der heutigen Sendung Plusminus wurde ständig vom
Bundesverband freier Berufsbetreuer/innen
gesprochen (mit glottalem Plosivlaut) und dieser Name so auch bildlich eingeblendet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2021 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45704

In den Zeitungen kommt heute aus gegebenem Anlaß das Wort "Kanzlerkandidatin" sehr oft vor. Zum Beispiel auch im Mannheimer Morgen, mehrfach gleich auf Seite 1.

Aber dann wird es auf Seite 18 komplizierter (Hervorhebungen von mir):

Grüne aus der Region gratulieren Annalena Baerbock zur Kanzlerinnenkandidatur.
Annalena Baerbock zieht für die Grünen als Kanzlerinnenkandidatin in den Wahlkampf.
"Wir haben mit Annalena Baerbock eine großartige Kanzlerkandidatin", [...]
[...] die damals noch als Kanzlerin-Kandidatin geltende Annegret Kramp-Karenbauer[!]
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.04.2021 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45702

Vielleicht hat die Frauenfeindlichkeit mit der Männerfeindlichkeit zu tun, die in woken Kreisen so gewissenhaft gepflegt wird. Als Mann per se unrecht zu sein, gefällt nicht jedem. Und wem geht das allgegenwärtige "taffe" Frauenideal nicht auf die Nerven, das die Szene seit Jahren beherrscht? Ob Fernsehkommissarin oder unbeugsame Feministin, die Abziehbilder sind immer die gleichen. Da kommt Annalena Baerbock gerade recht. "Schon wieder ne Frau", seufzt selbst meine eigene: "Ich finde, langsam wärs mal wieder an der Zeit für Testosteron." Dieses Empfinden könnte es übrigens sein, das Söder beim Wahlvolk soviel beliebter macht als Laschet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.04.2021 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45701

Mir ist schon klar, wie der Satz gemeint war, nur meine ich, daß die Verschränkung der beiden Gedanken in dieser Weise problematisch ist, und ich wollte vorführen, welche ungewollte Konsequenz es hat, wenn man so formuliert, nur weil man sich lieber auf die Zunge beißt, als eine Frau einen Kandidaten zu nennen. Man liest ja auch oft, Merkel sei die »erste Bundeskanzlerin«, die dieses oder jenes getan hat. Auch das ist richtig, reduziert aber die Kanzlerin auf die Gruppe der Frauen, die bisher dieses Amt bekleidet haben, und die ist mit einer Person doch wesentlich kleiner als die Gruppe aller acht bisherigen Amtsinhaber. »frauenverkleinernd« nannte Dorothea Wendebourg das in der FAZ Anfang des Jahres.

Der Satz »Nur eine kann es werden«, hörbar verunsichert vorgetragen von Robert Habeck, der offenbar nichts falsch machen wollte, ist mir auch aufgefallen. Auch diesen Satz kann ich nicht generisch verstehen. Wenn klar war, daß es nur »eine« werden konnte, warum hat man Frau Baerbock dann nicht schon vor Monaten nominiert? Ich glaube übrigens, daß es tatsächlich schon lange klar war, so gesehen könnte es sich sogar um einen Freudschen Versprecher handeln (was ich aber nicht glaube, ich denke, er wollte das generische Maskulinum umschiffen).

Dazu passend: »Das WC zwischen Hauptbahnhof und Platzspitz ist das meistbesuchte WC der Stadt. Am Montag überraschte die Stadt Zürich die millionste Besucherin mit einem Blumenstrauss. Auch das Reinigungspersonal erhielt von der Stadt Anerkennung.« (toponline.ch, 19.4.21)

Das Deutsche hat an dieser Stelle eine Schwäche, keine Frage, denn der Sprecher oder Schreiber möchte bei der Schilderung einer konkreten Situation meist sofort das Geschlecht der handelnden Personen deutlich machen. Warum das so ist und ob man gegen dieses offensichtlich vorhandene Bedürfnis ankämpfen sollte, steht auf einem anderen Blatt. Phettbergs »Arztys« und »Lesys« sind nett, aber spätestens bei »Terroristys« und »Kinderschändys« hätte ich keine Lust mehr mitzumachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2021 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45700

Baerbock ist eine Frau und grün – mehr brauchen die Giftzwerge nicht zu wissen, um die Schmähungen auf sie niederprasseln zu lassen, die sie bisher Merkel zugedacht haben. Auch der frauenfeindliche Ton ist eins zu eins übernommen. Ein guter erster Schritt ist schon mal, sie „Annalena“ zu nennen.

Schon wenn man las, was alte Männer über junge Mädchen wie Greta Thunberg öffentlich sagten, fragte man sich ständig, welche Kinderstube solche Leute eigentlich genossen haben. Menschen, die selbst etwas können und leisten, erniedrigen sich nicht so weit, daß sie – im Schutz feiger Anonymität – andere Menschen in dieser Weise herabsetzen. Das gilt ohne Ausnahme. Überhaupt war mein ständiges Kriterium immer: Würdest du einer Person das, was du anonym über sie schreibst, auch ins Gesicht sagen? Merkel „dumm“, „Flintenweib“ usw. nennen? Nicht? Dann gehörst du zum Pack und bist nicht wert, daß man mit dir redet.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 20.04.2021 um 06.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45699

"Die Grünen haben ihre erste Kanzlerkandidatin."
Wie ist das zu verstehen? Frauen an der Spitze haben wir schon lange, bei den Grünen sowieso. Nur die Kanzlerkandidatur ist etwas neues.
Von daher habe ich den obigen Satz zweifelsfrei generisch verstanden, offenbar anders als Sie, Herr Metz ("Wo muß man leben, um die Tatsache, daß eine Partei, zumal die Grünen, anno 2021 eine Frau auf den Schild hebt, für etwas Historisches zu halten?").
Aber das zeigt genau den Schaden, der durch die Beseitigung des generischen Maskulinums entsteht: Beim Reden über Menschen kann man nicht mehr präzise und irritationsfrei sprechen, und zwar weder beim Reden über Menschen allgemein noch beim Reden über Frauen vs. Männer.

Die gestrigen vielfachen Äußerungen von Habeck, Baerbock und vieler Kommentatoren ("es kann nur eine geben", "wer die bessere Kanzlerkandidatin ist", usw.) zeigten in geballter Form diese Verwirrung und gleichzeitig die fortgeschritten wirksame Verpönung des generischen Maskulinums.

Bei diesem Chaos kommt einem der Vorschlag von Hermes Phettberg geradezu elegant vor. Danach würde es heißen "...haben ihr erstes Kanzlerkandidaty" oder "...kann nur eines geben".

Übrigens ist Baerbock dann doch einer durchgerutscht, als sie am Abend nämlich zu Karen Miosga sagte "...so wie sich jeder in seinem Leben weiterentwickelt". Na bitte.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 20.04.2021 um 01.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45693

Nun sollen die Grünen also »ihre erste Kanzlerkandidatin« bekommen, so als hätten sie bisher immer nur Männer ins Rennen geschickt. Die Formulierung wird der Bedeutung des Vorgangs nicht gerecht und schmälert die Rolle von Frauen. Wo muß man leben, um die Tatsache, daß eine Partei, zumal die Grünen, anno 2021 eine Frau auf den Schild hebt, für etwas Historisches zu halten? Die Grünen erheben erstmals den Anspruch, das Kanzleramt zu besetzen (= den Kanzler zu stellen), das ist ungleich mehr.

Man kann die beiden Aussagen »erste Kanzlerkandidatur der Grünen« und »Frau wird damit betraut« nicht in dieser Weise sinnvoll kombinieren, und zwar weder nach den bisher geltenden Grammatikregeln noch nach der Logik der Gendersprache, denn auch in dieser Parallelwelt kann »Kanzlerkandidatin« immer nur eine Frau bezeichnen. Wer die klassische generische Form unbedingt vermeiden will, muß auf pedantische und unaussprechliche Konstruktionen ausweichen, die das Pathetische der Aussage restlos zerstören. Dann hätten die Grünen »ihre(n) erste(n) Kanzlerkandidatin/-en«. Bei Einbeziehung der Diversen ist eine Bezeichnung im Singular sogar unmöglich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.04.2021 um 00.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45684

Eine Frau kann, so scheint sie also zu denken, nichts wie ein Mann sagen, sondern nur wie eine andere Frau. Was für irre Blüten doch die Genderei treibt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2021 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45683

Anne Will im Ersten, 18.4.21:

... um es mal ganz spießig und oberlehrerinnenhaft zu sagen.

Das muß man ihr lassen, sie kommt langsam in Übung.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.04.2021 um 23.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45674

Ich bin ja mit den Gepflogenheiten in anderen Ländern nicht so vertraut. Aber fest steht wohl, daß die englischsprachigen uns bezüglich der Menschenfreundlichkeit weit voraus sind.

Nur verstehe ich das mit den Pronomen noch nicht so ganz. Die australische Seite 7News schreibt z.B.:

"Individuals are also encouraged to take note of the pronouns people use for themselves and politely ask when unsure."

(https://7news.com.au/news/education/fresh-push-to-drop-gendered-terms-like-mum-dad-husband-or-girlfriend-c-2572877)

Was sollen das für Pronomen sein, die die Leute für sich selbst verwenden? Ich würde ja jederzeit sagen: "ich" oder - je nach Fall - "mir" oder "mich", im Englischen also "I" und "me".

Manchmal lese ich auch, daß es Personen gibt, die mit besonderen Pronomen angesprochen werden wollen. Normal wäre im Englischen wohl "you". Früher waren auch andere üblich, "thou" z.B.

Nun lese ich aber immer wieder von "they" umd "them". Das ist überraschend. Wie soll man sich das vorstellen? Reden die Leute jetzt von sich in der dritten Person Plural? Oder sprechen sich damit an?

Seltsam.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.04.2021 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45673

Darüber brauchen wir uns zum Glück keine Gedanken zu machen, das müssen die sich schon selber überlegen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.04.2021 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45672

Ein schöner Aspekt. Die Frage ist nur, wie soll die Sternchentrennregel überhaupt aussehen?

Ratgeber- *innen
oder
Ratgeber*- innen

sind ja nicht besser, denn man trennt auch bisher nur

Ratgebe-
rinnen
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.04.2021 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45671

Mich hat interessiert, ob die taz ernsthaft »Schulabbrechende«, »Abbrecher*innenquote« usw. schreibt. Dabei stieß ich in einem Artikel auf dies:

Ratgebe-
r*innen

Das Trennprogramm will wohl noch nicht so wie die Redaktion und ignoriert einfach das neckische Sternchen. Das sollte sie dringend korrigieren, denn solche Trennungen nähren den Verdacht, daß es der Zeitung und ihren Gesinnungsgenießenden gar nicht um die Ansprache einer verschwindend kleinen Minderheit geht, sondern um die Einführung des generischen Femininums durch die Hintertür. Das menschenverachtende Spiel mit dem Atemaussetzer zur Bezeichnung von Personen hat ohnehin keine Zukunft. Schon jetzt ist zu beobachten, daß immer mehr Wohlmeinende ungerührt die weibliche Form aussprechen, als hätten sie das Stigma gar nicht bemerkt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.04.2021 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45670

Klar, ein Reisender ist auch dann einer, wenn er gerade im Hotelbett schläft, aber manche Partizipien gehen einfach nicht. Ein Sprechender (gerade in einem Artikel über Anglizismen gelesen) muß schon reden, um die Bezeichnung zu rechtfertigen. "Nachrichten Sprechender"ist keine Berufsbezeichnung wie Nachrichtersprecher. So brav der Artikel ansonsten auch gegendert ist – "die Sprachen der Eroberer“ sind hineingerutscht. https://de.babbel.com/de/magazine/kolonialisiert-englisch-andere-sprachen?bsc=languagecolonialism-deu&btp=fb&fbclid=IwAR3CIuN0Xg4kHgr5OhtpQzYJydjlrLN5MF05w_KWIX53uGvBeIKdmVzGhPk&utm_campaign=languagecolonialism&utm_medium=social&utm_source=facebook&utm_term=organicpost
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 23.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45663

Ich erhielt vor ein paar Tagen eine Rundmail, überschrieben mit Liebe Mitglieder*innen, Fördernde und Freund*innen des ...,
Die Verfasserin engagiert sich seit vielen Jahren in der Organisation eines gemeinnützigen Vereins. Sie schrieb bislang völlig normal, gelegentlich mit Doppelnennungen. Jetzt schaltet sie um und läuft prompt in die altbekannte Falle.
Es juckt in den Fingern, zumindest auf den Fehler aufmerksam zu machen. Oder sogar eine Meinung zu dem Umschwenken auf Gender-Sprech zu äußern.
Sicher geht es den meisten wie mir: Ich lasse es bleiben, denn in Anbetracht des unschätzbaren Engagements der Dame, das sich in hunderten und aberhunderten von Stunden freiwilliger Arbeit für den gemeinnützigen Verein (neben Familie und Beruf) manifestiert, erscheint so eine Reaktion unweigerlich als Korinthenkackerei. Also läßt man sowas.

Wenn man sich in Kirchen- und Ehrenamtskreisen bewegt, hat man immer öfter mit derartigen Situationen zu tun. Und – wie gesagt – man unterläßt das Herumkritteln an der Sprache, da man allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Fleiß dankbar sein muß.

Umgekehrt kann es einem aber passieren, daß bei der Ansprache an eine Gruppe die Verwendung des generischen Maskulinums von jemandem aus der Gruppe mit einer "freundlichen Ergänzung" versehen wird ("UND SängerINNEN").

Ersteres wirkt also wie Korinthenkackerei, letzteres wie ein hilfreiches Beispringen im Sinne der Gerechtigkeit.

Gewissermaßen ein asymmetrischer Konflikt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2021 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45662

"Pariser und Pariserinnen" sehen zu:

"Die Handwerker stützen das Gewölbe."

(Tagesthemen, Das Erste, 15.4.21)

Toll, man weiß sofort, es waren keine Frauen dabei.
Oder besser:
Es sollen keine Frauen dabeigewesen sein.

Wenn etwas wirklich sexistisch ist, dann ist es die Genderei!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2021 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45661

Von der geplanten Bundesstiftung Gleichstellung erwarte ich leider auch neue Anschläge auf die deutsche Sprache. Nachdem die Gleichstellung schon gesetzlich geregelt ist, könnten hier noch weitere Forderungen durchgesetzt werden. Wer würde sich widersetzen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2021 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45660

In der Sendung Brisant (Das Erste) stand heute der Geschäftsführer des Pilgerheims Weltersbach kurz vor der Kamera. Er erwähnte zuerst

"Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeiter",

und kurz danach

"regelmäßige Testungen der Besucherinnen und Besucher, der Mitarbeitenden und Mitarbeitenden".

Solche Versprecher müßten nicht sein, wenn man einfach nur die unsinnige Genderei sein ließe.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 06.55 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45654

Spiegel Online betitelt heute einen Artikel:
Wie geht es Arbeitnehmern in der Pandemie?
Gleich danach liest man aber im Aufreißer:
Die einen bekommen eine Prämie von der Chefin, wenn Sie sich impfen lassen.
Offenbar nutzt der Autor die Wechselnennung der Geschlechter, um seine Tugendhaftigkeit zu belegen.
Im nächsten Absatz scheint sich das zu bestätigen: ..wer als Vorgesetzter oder Chefin auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter...
Dann verfällt er allerdings in einen Arbeitsmodus, bei dem er sich aufs Thema konzentriert, und daher von der Geschlechtszählerei abgelenkt wird.
Man liest
...Arbeitnehmern
...Teilnehmer
...Arbeitnehmer
...Arbeitnehmer
...jeder Zweite
...Kolleginnen und Kollegen
...Arbeitnehmer
...Chefs
...Arbeitgeber
...das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten verändern,
...Mitarbeiter
...Arbeitnehmer


Einzig die Kolleginnen und Kollegen stechen mitten drin heraus (die "Kollegen" sind ein Ausdruck, der das Gendern zuverlässig triggert).
Und am Ende muß er noch einmal eine Marke setzen. Aber so wie er es tut ("...das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten..."), bringt er unweigerlich eine Irritation in den Text. Denn man wird aufgrund der aktuellen Me-Too-Debatten unweigerlich auf das Thema "sexuelle Belästigung" gelenkt, um dann festzustellen, daß es nichts damit zu tun hat. Hier geht es nur um Corona.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2021 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45652

„Die sich aufopfernden Ärztinnen, Ärzte, Pflegerinnen, Pfleger, Assistentinnen und Assistenten“ (SZ 14.4.21) – gerade in einem appellierenden Text geht das angestrebte Pathos im bürokratischen Gendern unter. Dafür fehlt anscheinend das Gespür. (Der Text ist aber nur zur Hälfte gegendert, was die Sache nicht besser macht.)

Auch die Zusammenstellung von Herrn Metz widerlegt die Behauptung, das Gendern sei in der deutschen Sprache angekommen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.04.2021 um 00.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45651

Gute Zusammenstellung, Herr Metz, danke.

Dafür sind unsere Regierungsbeamten perfekt eingenordet. In einer Antwort des Gesundheitsministeriums an Herrn Kubicki liest man "...die Anzahl an Covid-19 Patientinnen und Covid-19-Patienten..."
so heute in einem Welt.de-Artikel.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.04.2021 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45650

Aktuelle Überschriften und Anreißer auf tagesschau.de (14.4.21):

SPD verteidigt Infektionsschutzgesetz
Spitzenpolitiker der SPD haben dazu aufgerufen, die Änderungen am Infektionsschutzgesetz zügig umzusetzen. Es gehe jetzt darum, "die Gesundheit der Bürger zu schützen", sagte Vizekanzler Scholz.

Ministerium weist Ärzte-Kritik zurück
Verbände der niedergelassenen Ärzte kritisieren, dass die Praxen deutlich weniger Impfstoff bekämen, als ihnen zugesichert worden wäre. Nach Ansicht des Gesundheitsministeriums ist das jedoch nicht der Fall.

Brandenburg stoppt Terminvergabe für Erstimpfungen
Weil unter 60-Jährige nicht mehr mit Astrazeneca geimpft werden dürfen, erhalten etwa 60.000 Brandenburger ihre zweite Impfdose mit Biontech oder Moderna. Deshalb muss an anderer Stelle gespart werden: bei denen, die auf eine baldige Erstimpfung gehofft haben.

BASF impft Mitarbeiter
Als erstes Unternehmen in Deutschland impft BASF von heute an ausgewählte Mitarbeiter gegen Corona im eigenen Impfzentrum. Weitere Konzerne erklären sich startklar und dringen auf eine Erlaubnis.

In 100 Tagen geht es los – oder nicht?
In 100 Tagen sollen die Olympischen Spiele in Tokio beginnen. Ob das wirklich klappt, kann jetzt noch niemand sagen. Die Athleten bereiten sich mit Hochdruck auf das sportliche Highlight vor – so gut es eben geht.

Mehr Schutz für Kleinanleger geplant
In den vergangenen Jahren zeigte sich: Der gesetzliche Schutz von Kleinanlegern reicht nicht aus. Nun berät der Bundestag, wie Risiken künftig leichter erkennbar werden. Auch ein Verbot ist geplant.

DAX bleibt im Seitwärtstrend
Die heimischen Anleger tun sich derzeit schwer damit, auf das hohe Niveau am Aktienmarkt noch draufzusatteln. Auch Rekorde an der Wall Street locken sie derzeit nicht aus der Reserve.

Der harte Kampf um Gleichberechtigung
Etwa 30 US-Bundesstaaten haben Gesetze in Arbeit oder schon beschlossen, die Trans-Mädchen vom Mädchen-Sport ausschließen. Die Republikaner wissen, dass das emotional aufgeladene Thema bei ihren Wählern ankommt.

Und so weiter. Im Haupttext wird nur selten gegendert, und wenn, dann sehr lückenhaft.

In Leitfäden zu »geschlechtergerechter« Sprache findet man gelegentlich den Hinweis, daß in Überschriften und einleitenden Absätzen im Interesse der Kürze und Effizienz auch das generische Maskulinum gestattet sei, solange man dann im eigentlichen Text wieder gerecht formuliere. Das ist widersinnig. Denn wenn es stimmte, daß Wörter wie »Verbraucher« und »Touristen« in den Köpfen der Leser die einseitige Assoziation »Mann« auslösen, wären sie gerade am Anfang von Texten verheerend, denn dort würde das Mißverständnis ja entstehen und wäre also auch dort unbedingt zu vermeiden. In Wirklichkeit ist dieses vermeintliche Zugeständnis der Beweis, daß das generische Maskulinum funktioniert und den Leser eben nicht in die Irre führt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2021 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45640

In Nachdrucken des "Struwwelpeter" peitscht der bitterböse Friederich nicht mehr "seine Gretchen gar", wie es der Hesse Heinrich Hoffmann tat, sondern "ach, sein Gretchen gar".

Immerhin ist der kohlpechrabenschwarze Mohr, der nichts dafür kann, noch erhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2021 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45615

Zervakis galt unter ihren Kolleginnen und Kollegen im "Tagesschau"-Team immer auch als eine der unprätentiösesten Nachrichtensprecher. (t-online 9.4.21)

Das geht grammatisch auch nicht (auch abgesehen vom prätentiösen unprätentiösest).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2021 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45592

Nicht die "Identität" von Verfasserin und Übersetzern ist das eigentliche Problem, sondern die Nichtwiederholbarkeit der Situation dieses "Gelegenheits-Gedichts" im wahrsten Sinne. So hat auch Martin Luther King mit seiner Dream-Rede Geschichte geschrieben, aber wer möchte solche Texte denn nachlesen? "Dann hat er die Teile in seiner Hand, fehlt, leider, nur das geistige Band." – So könnte man sinngemäß sagen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.04.2021 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45591

Tja, so was kommt von so was. Auf Feldern, die man selbst vermint hat, ist nicht gut spazierengehen. Wenn Schwarze nicht einfach schwarz sein dürfen, sondern stets und überall »Schwarz« sein müssen, weil es immer nur darum gehen kann, sie als Opfer von Rassismus zu begreifen und darzustellen, dann landet selbst ein so harmloses Wort wie »Farbe« auf dem Index. »Flüchtlinge« soll man nicht mehr sagen, um die Betroffenen nicht auf ihre Flucht zu »reduzieren«. Menschen mit schwarzer Hautfarbe dürfen, ja müssen dagegen auf ihre Rassismuserfahrungen reduziert werden. Wieso regt sich dagegen eigentlich kein Widerstand?

Herr Heibert ist höflich und deutet nur an, was er von der Übersetzung hält. Daß er den »Sound der 20- bis 30-jährigen deutschen Spoken-Word-Poeten« nicht gut hinbekommen hätte, kann ich mir kaum vorstellen. Er hätte es sicher nicht schlechter gemacht als das erlesene Kollektiv, das jetzt diesen hochheiklen Auftrag gewissenhaft erfüllt hat, indem es in vielen Fällen »Kompromisse« geschlossen hat, wie man liest! Lyrik nicht als Kunst, sondern als Verhandlungsmasse, das muß man sich mal vorstellen. Ich lasse mich gern belehren, aber wenn Formulierungen wie »alleinerziehende Mutter«, »Wir streben vielmehr nach Verbundenheit, gemeinsamen Perspektiven und Zielen« und »Soll an erster Stelle die Zukunft stehen, müssen wir erst von unseren Differenzen absehen« typisch für den Tonfall dieser Literaturgattung sind, dann ziehe ich das Original vor und lese lieber amtliche Merkblätter, Parteiprogramme und holländische Sinterklaas-Gedichte.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.04.2021 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45590

Wenn man auf politisch korrektes Behördendeutsch hinauswill, kann man "raised by a single mother“ zwar mit "Kind einer alleinerziehenden Mutter“ übersetzen lassen, aber um das Ergebnis „brillant“ zu finden, muß man schon der Verleger sein. Interessant ist die sachliche, praxisnahe Sicht des Übersetzers Frank Heibert: https://www.n-tv.de/leute/buecher/Gorman-Streit-setzt-an-der-falschen-Stelle-an-article22471293.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45588

Die taz ist natürlich begeistert, besonders wegen der Sklavinnen:

„Das (!) an dieser Stelle im Deutschen ein generisches Femininum steht, ist sprachlich wie politisch eine kluge Wahl, weil diese Variante den Geist des Ausgangstexts trifft.“
Aber woher soll der Leser wissen, daß das Femininum generisch gemeint ist? Nur ein taz-Leser ahnt das.

Der Verleger versucht die Wahl der beiden Aktivistinnen neben der eigentlichen Übersetzerin zu rechtfertigen:

https://www.ndr.de/kultur/Gorman-Gedicht-Verleger-Tim-Jung-ueber-die-deutsche-Uebersetzung,jung322.html

Im Sozialismus stand ein Parteikommissar neben jedem Experten und paßte auf, daß ideologisch nichts anbrannte. Vorbild war die Kirche, ohne deren Imprimatur nichts gedruckt werden konnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2021 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45568

Es gibt im Deutschen kein generisches Femininum. Natürlich kann man eine künstliche Sprache konstruieren, in der es eins gibt. Aber man kann die Sprachgemeinschaft nicht zwingen, es zu verstehen. Ich könnte mich auch darauf kaprizieren, die Arme eine Menschen als Beine zu bezeichnen, was sie ja "genau genommen" auch sind. Beim Essen sollte man die Vorderbeine auf dem Tisch lassen usw.

Die Sprache, wie sie ist, transportiert keine bestimmte Ideologie, im Gegensatz zu den Sprachidealisten, die das glauben oder zu glauben vorgeben. Man kann in derselben Sprache sämtliche Weltanschauungen ausdrücken, die der Menschheit je eingefallen sind. Ich selbst sehe nur zu deutlich, daß in der Alltagssprache eine gewisse "folk psychology" enthalten ist, aber ich habe keine Mühe, die antimentalistische Gegenposition zu vertreten. Theisten und Atheisten benutzen dieselbe Sprache usw. Die Belehrung und Bekehrung fängt erst beim Gesagten an, nicht schon mit der Wahl der Sprache.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.04.2021 um 23.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45566

Sprachlich und politisch eine kluge Wahl? Wie soll eine Formulierung in einer Übersetzung, die in eklatanter Weise gegen die Grammatik der Zielsprache verstößt, sprachlich klug gewählt sein? Das kann nur finden, wer zwischen »sprachlich« und »politisch« keinen Unterschied sieht, zum Beispiel weil er selbst von früh bis spät Sprachpolitik betreibt. Wobei man »politisch« vielleicht besser durch »ideologisch« ersetzen sollte. Die taz will uns wohl sagen: Gäbe es im Englischen ein generisches Femininum (bzw. wäre es formal konstruierbar wie im Deutschen), hätte Amanda Gorman es bestimmt verwendet. – Und solche spekulativen Überlegungen und gezielten Manipulationen sollen nun die Überlegenheit der eingesetzten Kommission gegenüber normalsterblichen Übersetzern belegen, die ganz und gar unempathisch »Sklaven« übersetzt hätten??
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.04.2021 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45565

Die lahme deutsche Übersetzung des hymnischen Gorman-Gedichts ist Gegenstand vieler Verrisse. Die tapfere "taz" hält, wenn auch verhalten, dagegen und attestiert den Autorinnen Strätling, Haruna-Oelker und Gümüºay: "Mission erfüllt".

Das Original sei schließlich auch nicht so doll. Anhand des nackten Textes lasse sich "schon bald nicht mehr nachvollziehen, warum der Auftritt der 22-jährigen Lyrikerin die Amtseinführung von Joe Biden überstrahlte. Mit etwas Abstand und bei genauer Lektüre fällt die simple Machart der Funktionspoesie eben auf".

Besonderes Lob hat die "taz" für die Übersetzung von skinny Black girl / descended from slaves and raised by a single mother mit Nachfahrin von Sklavinnen, Kind einer / alleinerziehenden Mutter "Das [!] an dieser Stelle im Deutschen ein generisches Femininum steht, ist sprachlich wie politisch eine kluge Wahl, weil diese Variante den Geist des Ausgangstexts trifft."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45560

Viele meinen anscheinend, gelegentliches Gendern könne nicht schaden oder man erfülle damit sein Soll auf eine unverfängliche Weise. Das ist falsch gedacht. Das gelegentliche Gendern widerlegt permanent die Grundvoraussetzung der feministischen Sprachregeung; daß das generische Maskulinum Frauen ausschließe. Die gemischten Texte zeigen: das generische Maskulinum lebt und funktioniert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2021 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45531

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am Freitag zwar die Anerkennung des Gendersternchens nochmals verweigert, ohne aber die Legende von der "geschlechtergerechten" Sprache anzuzweifeln. Das war bei dieser Besetzung auch nicht anders zu erwarten.

Leider erfährt man nichts über die Modalitäten der Sitzung. Aber eigentlich interessiert es auch niemanden mehr.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.03.2021 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45525

Lieber Herr Metz, zu meiner Entschuldigung kann ich nur vorbringen, daß die letzte Lünepost nicht in meinem Briefkasten steckte. In den vorherigen Ausgaben lagen die Sternchengegner klar in Führung. Mir schien übrigens schon die Einladung zur Diskussion einen süffisanten Unterton zu haben, der denn auch von einem Leser als tendenziös gerügt wurde. Daß die Meinungen ausgeglichen seien, behauptet die schamlose Redaktion bestimmt nur, um das Publikum nach dem Sturm wieder in Harmonie zu wiegen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45524

Zu #45513:

Die Dudenredaktion versucht sich abzusichern, indem sie die umgeschriebenen Einträge mit dem Standardhinweis versieht:

»In bestimmten Situationen wird die maskuline Form (z. B. Arzt, Mieter, Bäcker) gebraucht, um damit Personen aller Geschlechter zu bezeichnen. Bei dieser Verwendung ist aber sprachlich nicht immer eindeutig, ob nur männliche Personen gemeint sind oder auch andere. Deswegen wird seit einiger Zeit über sprachliche Alternativen diskutiert.«

Nein, deswegen gibt es diese Diskussion ganz gewiß nicht. Diese Begründung ist hanebüchen, die Autoren stellen sich dumm. Daß etwas »sprachlich nicht immer eindeutig« ist, ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, es ist ja der entscheidende Vorzug der generischen Verwendung, daß sie es uns ermöglicht, uneindeutig zu bleiben, wo Eindeutigkeit nur stören würde, weil sie von der Sache ablenkt. Und dort, wo sie erwünscht ist, kann sie leicht hergestellt werden. Die wahren Motive derer, die diese Diskussion vom Zaun gebrochen haben, liegen ganz woanders, und sie sind allgemein bekannt, schon weil die Einheizer selbst sie bei jeder Gelegenheit ausposaunen.

In ihrem Eifer scheint die Redaktion völlig zu übersehen, daß sie so einen Systemwechsel nicht nur halb vollziehen kann. Wenn man in den Bedeutungserklärungen von der generischen zur spezifischen Lesart wechselt, muß man auch die Beispiele anpassen. Jahrzehntelang war für die Dudenredaktion ein Einwohner »jemand, der in einer Gemeinde, einem Land seinen ständigen Wohnsitz hat«. Dazu paßte das Beispiel »die Einwohner des Saarlandes«. Nach der Neudefinition ist ein Einwohner laut Duden heute eine »männliche Person, die in einer Gemeinde, einem Land ihren ständigen Wohnsitz hat«. Trotzdem steht immer noch dasselbe Beispiel unter diesem Lemma. Es führt die neue Bedeutungserklärung ad absurdum, zumindest wenn man sich am tatsächlichen Sprachgebrauch orientiert, was die Dudenredaktion ja für sich in Anspruch nimmt. Der zitierte »Disclaimer« kann diesen Widerspruch nicht auflösen, im Gegenteil, er zeigt eindrücklich, daß nicht der herkömmliche Sprachgebrauch das Problem ist, sondern seine manipulierte Darstellung im Duden. Wie sollte ein Beispiel aussehen, das zur neuen Definition paßt? Etwa »Die Einwohner des Saarlandes verdienen im Schnitt immer noch mehr als die Einwohnerinnen des Saarlandes«?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45517

Wenn ich es zu Ende denke, sehe ich eigentlich nur noch eine Möglichkeit, korrekt mit dem Gedicht umzugehen: Frau Gorman liest es sich selbst vor! Aber bitte nicht zu laut, damit niemand mehr gestört wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2021 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45515

Unter den Zuhörern Amanda Gormans bei der Inauguration Bidens waren auch einige Weiße, das habe ich genau gesehen. Sie konnten das Gedicht nicht verstehen. Warum hat sie es überhaupt vorgetragen, sozusagen Perlen vor die Säue geworfen?

Das Problem mit dem Übersetzen stellt sich doch ebenso beim Hören und Lesen: Identität!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.03.2021 um 01.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45514

Lieber Herr Virch, Sie haben uns vorenthalten, wie die Diskussion ausgegangen ist. In der LÜNEPOST vom 24. März 2021 (https://www.luenepost.de/epaper/e0e570de6dca05c209f3e915b28c1698/LP-24_03_2021.pdf) lese ich:

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Thema bewegt die Massen: Nach der komplett „durchgegenderten“ Lünepost vom 13. März erreichten auch in dieser Woche noch viele Lesermeinungen die Redaktion. Während die einen die geschlechtergerechten Formulierungen ausdrücklich begrüßen, sind viele andere gegen die Veränderung der Schriftsprache.

Was auffällt: Die Zahlen der Pro- und die der Contra-Meinungen halten sich nahezu die Waage. Daher werden wir in der Redaktion weiter schreiben, wie gehabt – auch wenn diese Entscheidung natürlich nicht in Stein gemeißelt ist. Mit der heutigen Ausgabe schließen wir die Diskussion ums Gendersternchen – vielen Dank an alle Leser*innen für ihre Meinungen!

Die Redaktion

Hier aber noch ein paar Leckerbissen aus der Ausgabe vom 13. März:

Sparfüchse, aufgepasst!

Der bisherige „tejo‘s SB-Lagerkauf“ wird zu einem modernen Trendmöbel-Mitnahmemarkt, dem Opti-MegaStore, umgebaut, der besonders preiswerte Wohnideen zum Abholen hat. Das alles – Umbau des Einrichtungshauses und Umbenennung des bisherigen „tejo‘s SB-Lagerkauf“ – machen einen Sortimentswechsel mit Abverkauf im großen Stil nötig, bei dem besonders Schnäppchenjäger*innen auf ihre Kosten kommen dürften. (S. 4)

Der Online-Duden führt selbstverständlich auch die »Sparfüchsin« und bringt das erfundene Beispiel: »sie war nicht immer so eine Sparfüchsin«. Demnach hätte es heißen müssen: »Sparfüchs*innen, aufgepasst!«

Nicole E. ist Bürokauffrau, die Lüneburgerin verdient sich gerne mal mit Heimarbeit etwas dazu, betreibt auch selber einen kleinen Onlineshop. Und: „Ich bin schon einmal auf eine Stellenanzeige hereingefallen, bin sensibilisiert für dieses Thema.“ Vor rund drei Jahren ließ sie sich online für Heimarbeit anstellen und machte einen entscheidenden Fehler: „Ich gab damals meine Identität online über das Video-Identverfahren preis.“ Das Ergebnis: Betrüger*innen räumten ihr Konto ab. Jetzt ist sie vorsichtiger. (S. 5)

Nach Monaten mit Corona-bedingtem Online-Training und der Sorge, ob die Mitglieder*innen dem HCL treu bleiben, durften in dieser Woche die ersten Kids wieder auf den Platz. (S. 6)

Gewächshäuser im Garten können auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Schon die alten Römer*innen erstellten solche Gebäude, um ihre Pflanzen zu schützen und wachsen zu lassen. (S. 13)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2021 um 00.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45513

Wenn der Duden (online) z. B. zum Eintrag Teilnehmer schreibt,
Substantiv, maskulin – männliche Person, die an etwas teilnimmt,
dann ist das geradezu eine Lüge, eine Fälschung des Sprachgebrauchs. Auch weibliche Personen zählen zu den Teinehmern einer Veranstaltung.

Ein Bäcker sei ein
Handwerker, der Backwaren für den Verkauf herstellt,
und ein Handwerker ist wiederum eine
männliche Person, die berufsmäßig ein Handwerk ausübt.
Also hole ich meine Brötchen jetzt immer bei den Backenden. (Achtung, Falle! Der Artikel ist ganz wichtig, nicht etwa "bei dem ..."!)

Daß der Duden so dreist die Sprache zurechtbiegt, zeigt, daß er sich längst nicht mehr nur um die richtige Rechtschreibung, Bedeutung, Grammatik, Stil usw. kümmert, sondern sich anmaßt, uns Bürgern den Mund zu verbieten bzw. uns die angeblich korrekten Worte zum Nachsprechen vorzusetzen.

So war es auch schon bei selbständig. Ich höre jetzt ständig im Rundfunk und Fernsehen, wie sich die zutiefst untertänigen Sendeanstalten und ihre genötigten Sprecher deutlich abmühen, selbstständig zu sagen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.03.2021 um 23.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45512

Zu #45509: Übersetzen ist ein Akt kultureller Aneignung und damit per se rassistisch. Es sollte geächtet werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.03.2021 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45511

Die Genderwelle hat das Lüneburger Anzeigenblättchen erreicht. Der Aufmacher der vorletzten Lünepost kündigte an, daß zunächst nur eine Ausgabe gegendert werden solle (diese aber konsequent!), und lud die Leser*innen zur Stellungnahme ein. So ganz klappte das mit der Konsequenz dann doch nicht, und die Anzeigen sahen eh aus wie immer. Inzwischen liegen jede Menge Leserbriefe vor. Eine Dame ist begeistert und läßt Lüneburg wissen, daß sie Sprachphilosophin sei. Die meisten anderen Reaktionen sind grantig, man droht sogar damit, das Lesen einzustellen. Ich bewerte das alles positiv. Demnächst wird es das Gendern noch als Gebäck geben, als Gesellschaftstanz, als Haartönung und als App gegen Blähungen, und dann findet die ganze Seifenoper hoffentlich ein Ende.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.03.2021 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45510

https://virchblog.wordpress.com/2021/03/24/strange-fruit/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2021 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45509

Schon wieder eine Diskussion über die Frage, ob Gedichte einer jungen Schwarzen nur von einer jungen schwarzen Übersetzerin übersetzt werden sollten. (Daß die abgewiesene holländische Übersetzerin „nicht-binär“ ist, scheint ein Pluspunkt gewesen zu sein, der aber nicht ausreichte, sie zu halten. Das wäre inkonsequent, wenn Amanda Gorman nicht ebenfalls nicht-binär sein sollte. Eine Untersuchung ihres Geschlechtslebens ist dringend notwendig.) Es ist kein Geheimnis, daß es für Gorman enorm wichtig ist, einen hartnäckigen Sprachfehler überwunden zu haben. Diese Erfahrung sollte die junge schwarze Übersetzerin ebenfalls gemacht haben. Ist Gorman Vegetarierin? Auch das ist für viele Menschen existentiell.
Wir hatten schon das Paradox mit dem Bildungsziel „Nachahmung der alten Griechen“, die ihrerseits niemanden nachgeahmt haben, jedenfalls nicht bewußt, und auch keine Fremdsprachen lernten, schon gar keine 2000 Jahre alten.

Zuvor hatte ich im Küchenradio eine Besprechung neuer Kinderbücher gehört, die sich an Corona angehängt haben. Die Sendung war so widerwärtig gegendert, daß ich den Inhalt nicht ganz mitbekommen habe. Zwischen den willkürlich movierten Formen immer wieder die Leserschaft, die ich so bürokratisch finde wie Herr Metz den Reisenden.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.03.2021 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45496

Da ich vorgestern nacht sowieso nicht schlafen konnte, habe ich im Internet die Übertragung der Pressekonferenz von Merkel, Söder und Müller verfolgt. Außer den Corona-Beschlüssen selbst interessierte mich, wie die ermüdeten Herrschaften es nach einem 15stündigen Sitzungsmarathon zu nachtschlafender Zeit mit dem Gendern halten. Nun, so, wie erwartet. Die Kanzlerin sprach ganz normal. Nur am Anfang sagte sie einmal »von jedem (!) und jedem einzelnen«, danach ging es bis zum Schluß herkömmlich weiter: Forscher, Ärzte, Patienten, jeder, Hausärzte, Mitfahrer, Rückkehrer, Passagiere. Genderstreber Müller aus Berlin schwächelte gelegentlich: Hausärzte, Arbeitgeber, Ministerpräsidenten, Bewohner, Besucher, brachte aber auch zu nächtlicher Stunde immerhin die sicher eingeübten Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Lehrerinnen und Lehrer unfallfrei über die Lippen. Söder sprach relativ kurz und unauffällig: Intensivmediziner.

Heute im Bundestag war das Bild bei der Kanzlerin schon gemischter. Sie bat – selbstverständlich – die Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung, sprach von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, aber auch mal von den Ministerpräsidenten, von Experten, von Haushaltspolitikern und vom Steuerzahler, von Unternehmerinnen, sie verhaspelte sich in dem Satz »Wir haben dann mit den Arbeitgeberinnen … [kurzes Stutzen und Kopfschütteln] … mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern verabredet, daß […]«, und einmal mußte sie nachsetzen: »die Testzentren, wo jedem Bürger der Bundesrepublik Deutschland … und jeder Bürgerin jede Woche mindestens ein Test zur Verfügung steht«. Interessant auch dieser Satz: »Erst einmal danke, daß Sie die erwähnt haben, die jeden Tag wirklich Tag und Nacht, kann man sagen, neben den Medizinern und den Krankenschwestern und Krankenpflegern … äh, oder Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, um’s etwas zeitgemäßer zu sagen […]«, wobei es ihr hier vermutlich mehr um das altmodische Wort Krankenschwester als ums Gendern ging.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2021 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45478

Im DLF wurde ein Bundestagsabgeordneter der SPD interviewt. Seine Antworten waren so mit Hausärztinnen und Hausärzten, Betriebsärztinnen und Betriebsärzten durchsetzt, daß ich in bänglicher Erwartung der nächsten gar nicht mitgekriegt habe, was er eigentlich gesagt hat. Solche Texte bekommen durch die Doppelnennungen unvermeidlich etwas Leierndes, weil die vielen Silben ja doch immer unter einen einzigen Wortgruppen-Hauptakzent gebracht werden müssen. Die Konnotation ist: Aha, ein Funktionär!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2021 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45466

Um Vielfalt zu demonstrieren und mehr Frauen zu gewinnen, bezeichnet sich die Deutsche Bahn jetzt als ArbeitgeberIN. Die grammatische Angleichung des Genus bei Substantiven wie Firma, Aktiengesellschaft usw. war schon lange üblich, hat aber nichts mit dem Gendern als Teil der Frauenbewegung zu tun. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#36915.
Die DB hat schon früher bewiesen, daß sie sich leicht etwas einreden läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2021 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45463

Man könnte meinen, Behindertinnen usw. seien völlig undenkbar, und schaut gar nicht erst nach. Sollte man aber.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.03.2021 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45461

Mir ist jemand eingefallen, zu dem mein kleines Sonett übers Gendern passen könnte. Ich habe es an Petra Gerster geschickt und sie bei der Gelegenheit gefragt, ob ihr feministisches Ringen mit dem generischen Maskulinum nicht ein herrliches Thema für einen Lore-Roman wäre.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 18.03.2021 um 18.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45457

Ich hatte vor einem dreiviertel Jahr mit einer hessischen Verordnung zu tun, aus der ich hier bereits zitiert hatte:
http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#43451
Die Situation damals änderte sich im Dreiwochentakt und entsprechend gab es dann Neufassungen der Verordnung.
Für Altenheimleiter war das ganze rechtlich verbindlich, und daher müssen sie das alles lesen und verstehen.

Ich lag damals mit einem Altenheimleiter im Clinch, es ging buchstäblich um Leben und Tod. Meine vielen Mails in dieser Zeit versuchte ich immer knapp zu halten und wirkungsvoll zu formulieren. Als ich mich in meinen Mails dann im Detail auf diese Verordnung beziehen mußte, kürzte ich allen Genderballast heraus (obwohl ein copy&paste problemlos möglich gewesen wäre).
In dieser Situation erschien mir das ganze verbale Posieren nicht mehr nur lästig und lächerlich. Es kam mir vor dem Hintergrund des Kampfes um unsere Mutter abgrundtief pervers vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2021 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45456

Ich kann beim stillen Lesen eher über den Grauschleier hinwegsehen als beim Vorlesen solcher Texte. Und da meine Frau und ich uns täglich gegenseitig vorlesen, um dann desto besser über den Gegenstand sprechen zu können, empfinden wir beide diese Marotten als äußerst lästig. Wir haben sogar schon manchen Text beiseite gelegt. Darum kann ich mir auch gut vorstellen, daß das Gendern den Auflagenschwund nicht gerade bremst. Mal sehen, wie es mit der Frankfurter Rundschau weitergeht, die besonders rigoros gegen ihre Leser kämpft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.03.2021 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45455

Besonders verwirrend sind Texte, in denen die beiden Formen nicht wie in »Ärztinnen und Pfleger« direkt hintereinander stehen. Mit etwas Glück erkennt man im Laufe der Lektüre das angestrengte Bemühen des Autors, männlich und weiblich ungefähr gleich auf den Text zu verteilen. Da das aber vollkommen unsystematisch geschieht und in vielen Fällen dennoch Zweifel bleiben, ob eventuell doch eine nichtgenerische Aussage beabsichtigt war (wie im Beispiel »die Anhängerinnen Trumps« in #44823), ist diese Praxis nichts anderes als eine Rüpelei gegenüber dem Leser. Genausogut könnte der Autor in jedem dritten Satz eine unpassende Zeitform verwenden oder einfach mal ein paar falsche Artikel in den Text einstreuen (die Tisch und das Stuhl), im Vertrauen darauf, daß der Leser es sich schon zusammenreimen wird.

Wenn Zeitungsartikel, Merkblätter von Stadtverwaltungen und interne Firmenschreiben nur noch als Gelegenheiten angesehen werden, eine bestimmte Gesinnung zu demonstrieren, dann läuft etwas gewaltig schief. Die verantwortlichen Damen und Herren sollten sich fragen, welche Meinung sie eigentlich von ihren Lesern, ihren »Kunden«, haben, wenn sie ihnen bei jeder neuen dieser Gelegenheiten wieder die Zunge herausstrecken.

Eben gelesen:

Das Wort »Schmierinfektion« ging mir locker über die Lippen, und weil ich innerhalb von zwei Wochen mich wie sämtliche meiner Journalistenkollegen und Legionen von Twitter-Nutzerinnen zum kompetenten Virologen gegoogelt hatte, konnte ich auch jedem ziemlich genau erklären, warum eine Maske ziemlicher Unfug war in dieser Pandemie.

(https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-als-die-pandemie-italien-erreichte-a-b44285c6-5bfb-4954-94f7-21dd79278b8d)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2021 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45454

Ein Beitrag im Wissens-Teil der SZ vom 18.3.21 beginnt so:

Es ist genauso gekommen, wie es viele Expertinnen und Experten prognostiziert hatten. Die Mathematiker und Physikerinnen sahen in ihren Modellierungen eine sich erst langsam, dann immer schneller auftürmende Welle der Neuinfektionen. Die Epidemiologen und Virologinnen...

Später im Text wie auch in der Überschrift herrscht dann das generische Maskulinum: Experten, Modellierer.

Das ist nicht nur inkonsequent, sondern logisch widersprüchlich. Die Beidnennung widerspricht dem Gebrauch des generischen Maskulinums und des hinzuerfundenen generischen Femininums. Dagegen war die gelegentliche Beidnennung mit dem generischen Maskulinum verträglich, weil es nur die Neutralisierung des Geschlechts für den Einzelfall wiederaufhob. (Übrigens heißen die „Physikerinnen“ Viola Priesemann...)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.03.2021 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45453

DLF, 18.3.21, gegen 10.10 Uhr:

Bitte melden Sie sich über unser Hörer- und Hörerinnentelefon ...

Die Bürger- und Bürgerinnenmeister- und -meisterinnenkandidaten und -kandidatinnen gibt es fast schon.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2021 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45431

Ja, die Anrede, zumal die mündliche bei physischer Anwesenheit der Angeredeten, ist ein anderer Fall. Allerdings hätte er durchaus »Liebe Mitbürger« sagen können, ohne daß sich die anwesenden Frauen ausgeschlossen gefühlt hätten (dieses Sich-angesprochen-Fühlen soll ihnen jetzt ja ausgetrieben werden), während »Meine Herren« hier nicht in Frage gekommen wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2021 um 03.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45427

Danke, daß Sie sich die Mühe gemacht haben! Dabei ist die Anrede nicht einmal eine wirkliche Ausnahme, weil etwa "Damen und Herren" schon lange üblich war und nichts mit dem feministischen Gendern zu tun hat.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2021 um 00.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45426

Neulich habe ich nach langer Zeit mal wieder zwei Stunden am Stück vor der Glotze gesessen. Im WDR liefen »Rheingeschichten«. Ganz nett gemacht, mit historischen Aufnahmen, die ich teilweise noch nicht kannte, nicht sehr tiefschürfend, aber das muß auch nicht immer sein, vor allem nicht am Ende einer sehr anstrengenden Arbeitswoche.

Dann noch eine Folge aus der Reihe »Unser Westen«. Diesmal ging es um »besondere Plätze und Straßen«. Die Gezwungenheit, mit der hier eine Art NRW-Identität herbeigefilmt und -geredet werden soll, geht mir ein wenig auf die Nerven. Ständig wird betont, daß auch Nordrhein-Westfalen hübsche Ecken hat und daß »wir im Westen« darauf stolz sein können.

Mich interessiert aber natürlich die sprachliche Seite: Wie reden die Leute, was trägt der Sprecher vor? Und siehe da, sowohl die Off-Sprecher als auch sämtliche befragte Personen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts, ob im Studio oder auf der Straße, haben NICHT gegendert. Und es handelte sich um aktuelle Produktionen. In den Sätzen, die da gesprochen wurden, wimmelte es von Besuchern, Patienten, Autofahrern, Künstlern, Kunden, Pilgern, Schülern und Studenten, Journalisten, Freunden, Dortmundern, Münsteranern, Siegenern (Siegener*innen?) – halt ganz normales, modernes Deutsch. Einzige Ausnahme: In einer historischen Aufnahme aus dem Jahr 1979 sprach ein Redner (vermutlich der damalige Oberbürgermeister) die Zuhörer auf dem Marktplatz vor dem Aachener Rathaus mit »Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!« an …

Es folgte »WDR aktuell«. Auch hier regierte das generische Maskulinum, nicht nur bei allen Normalsterblichen, die irgendwas ins Mikrofon des Reporters sagten, sondern (sogar) beim Moderator im Studio und bei den Off-Sprechern. – Und dann, nach fast zwei genderfreien Stunden, tritt Jens Spahn auf die Bühne! Man zeigt uns einen Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz. Und was hören wir? »Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen«, »Bürger … [kurzes Stocken] … rinnen und Bürger«. Das kommt völlig unvermittelt. Es wirkt seltsam deplaziert, wie aus einer anderen Welt. Aber es steht nun mal so auf seinem Zettel, deshalb trägt er es brav vor. Dann benutzt der Moderator wieder ganz normale Wörter: Händler, Teleshopper, Fernsehmacher. Sogar der Bürgermeister von Dülmen (SPD) spricht in einem Interview von Händlern (hoffentlich hat Frau Esken das nicht gehört!).

Es ist schon merkwürdig: während Politiker und Funktionäre sich jahrzehntelang leidlich bemüht haben, ihren abgehobenen Jargon der Alltagssprache anzunähern, reißen sie jetzt, wie ferngesteuert, die alte Kluft wieder auf. Bei den wenigsten habe ich den Eindruck, daß sie es aus Überzeugung tun. Es klingt eher wie phonetisch auswendig gelernt.

Ähnlich bei den öffentlich-rechtlichen Medien. Lange Zeit bemühten sich die Redaktionen, den regierungsamtlichen Verkündigungsstil der Nachrichten (früher hielten viele Zuschauer Karl-Heinz Köpcke & Co. für Regierungssprecher!) abzulegen. Damit tat sich vor allem das ZDF hervor. Auch in den Unterhaltungssendungen zog nach und nach eine etwas normalere Sprache ein. Aber der Drang zur Erziehung ist wohl doch übermächtig. Und so kehrt man nun wieder zurück zu einer »korrekten« Sprache. Immer geht es darum, dem Publikum in überzeichnender Weise vorzuführen, wie man sich richtig verhält. Früher war es ein gepflegter Sprachstil, an dem die verehrten Hörer und Zuschauer sich ein Beispiel nehmen sollten, wobei die Grenze zwischen gepflegt und gespreizt regelmäßig überschritten wurde. Heute manifestiert sich Korrektheit wieder als Abweichung von der Normalsprache, nur wird der Erziehungsauftrag diesmal gesellschaftspolitisch überhöht.

Allerdings erkennt das Publikum, daß es sich um eine Inszenierung handelt, und hält an seinen Sprachgewohnheiten fest. Wie wohl auch die Inszenatoren. Oder glaubt irgend jemand ernsthaft, daß Frau Will und Frau Gerster, Herr Maas und Herr Hans im privaten Gespräch Sternchen verschlucken?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2021 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45425

In der SZ gendert Kurt Kister auf die „bunte“ Art: alles durcheinander. Wenn er dann mittendrin schreibt: Die 61-jährige Durchschnittswählerin der Zukunft, die in der Stadt lebt, neigt mal den Grünen zu, mal vielleicht einer Wählerinitiative ..., dann kann man auf keine Weise herausfinden, ob er dies nun generisch meint oder weiblich, was ja hier auch Sinn gäbe. Ich habe den Beitrag nicht ganz zu Ende lesen können, so schwindlig war mir.

Soviel sprachliche Unbildung bei einem Spitzenjournalisten ist nicht zu fassen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.03.2021 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45423

Ein ganz interessanter Fall:

Im Dezember diskutierte im ZDF Markus Lanz fast anderthalb Stunden lang mit der Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats Alena Buyx, Karl Lauterbach, Heiner Breme und Thomas Middelhoff über die Coronakrise. Keiner der Gesprächsteilnehmer hat in der ganzen Sendung auch nur ein einziges Mal gegendert! Einzig Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, der kurz zugeschaltet war, sprach von »Lehrerinnen und Lehrern« usw.

Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Frau Buyx genderte nicht nur nicht, sie leistete sich die Ungeheuerlichkeit zu sagen, daß der Bund sich nun einmal jedesmal mit den »Ministerpräsidenten«, mit »16 Mann«, auf Maßnahmen verständigen müsse.

Dieselbe Frau Buyx hat jetzt den Kinderreportern des SPIEGEL ein Interview gegeben. Und wie lautet ihr erster Satz? »Der Deutsche Ethikrat ist eine Gruppe von Expertinnen und Experten.« Ich bin ganz sicher, daß das nicht auf ihrem Mist gewachsen ist. Entweder die Redaktion hat ihre Aussage im nachhinein (im besten Fall mit ihrer Genehmigung) »korrigiert«, oder aber sie hat sich verstellt, weil sie meinte, heute so mit Kindern reden zu müssen. (Preisfrage: Was ist schlimmer?) Jedenfalls hat im weiteren Verlauf entweder die Redaktion oder sie nicht aufgepaßt. Denn was müssen wir dort lesen? »Wenn klar ist, dass Geimpfte das Virus nicht weiterverbreiten, müsste man wohl Quarantäne-Regeln ändern. Restaurant-Besitzer (sic!) könnten sagen: Bei mir kommen nur Geimpfte rein. Es gibt aber Situationen, in denen es komplizierter wird. Ein Beispiel: In einem Dorf gibt es nur eine Buslinie, die von einer privaten Firma betrieben wird. Die dürfte nicht sagen: Ich fahre in diesem Bus nur noch geimpfte Leute. Denn die Leistung des Unternehmens ist für das ganze Dorf wichtig. Aber der Italiener (sic!) um die Ecke, der kann das machen, wenn es ganz viele andere Restaurants gibt. Beim einzigen Bäcker (sic!) im Dorf wäre es schon wieder schwierig.«

Das Ganze ist übrigens nicht nur unter dem Aspekt des Genderns interessant. Die vermeintlich kindgerechte Aufbereitung des Textes erinnert stark an den Stil der »Leichten Sprache«. Ein paar zusätzliche Bindestriche und eine Portion mehr Parataxe hier und da, gekennzeichnet durch den neckischen Doppelpunkt, macht einen Text noch nicht verständlicher. »Quarantäne-Regeln ändern«, »Leistung des Unternehmens«, »von einer privaten Firma betrieben« – das sind doch, wenn überhaupt, die Stolpersteine in so einem Text!a
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2021 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45417

Die SZ (11.3.21) macht sich Gedanken, ob man geschlechtsneutrale Pronomina (ens) für das Deutsche erfinden könnte. Auch Lann Hornscheidt wird natürlich wieder aus der Versenkung geholt. Solche Sandkastenspiele gibt es seit Jahrzehnten (Pusch); das kindische Niveau im Vergleich mit anderen Beiträgen wird anscheinend nicht bemerkt.

Wer wirklich etwas mitzuteilen hat, nimmt an diesen Spielchen nicht teil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 17.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45411

Wenn wir uns dumm stellen, sammeln wir Texte aller Art, zählen die gegenderten Formen und stellen dann fest: Das Gendern ist in der Sprachgemeinschaft angekommen.

Es ist übrigens möglich, daß das Gendern auch wieder aufgegeben wird. Auf keinen Fall kann es so bleiben wie heute. Sprachhistoriker würden dann vor der einzigartigen Tatsache stehen, daß eine sprachliche Neuerung rückgängig gemacht wird. Das kommt nicht vor. Die althochdeutsche Lautverschiebung kann sich nicht zurückbilden, schon weil die unverschobenen Formen für den heutigen Sprecher nicht mehr "erreichbar" sind. Allenfalls in einem künstlichen Sprachexperiemnt kann ein Gelehrter den früheren Stand wiederherstellen.

Zurück zur Gegenwart! Die erste Frage, die der Chronist und besonders der Wörterbuchmacher stellen muß, ist die sprachsoziologische: Sind die Texte in meinem Korpus frei formuliert oder gebunden (an Verordnungen, Richtlinien, Style sheets...)?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat vor Jahren (in meinem neuen Buch dokumentiert) zugeben müssen, daß die Beobachtung von Texten in der Schule sinnlos ist, weil die Schulen verpflichtet sind, die Reformschreibung zu unterrichten und Abweichungen notenrelevant als Fehler zu bewerten. Ebenso ist das Gendern in unfreien oder eben gebundenen Texten zu beurteilen. Sie sind im philologischen Sinn "korrupt" und müßten emendiert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45407

Gestern wieder ein ausgezeichnetes Coronavirus-Update vom NDR mit Frau Ciesek. Die Journalistin genderte immer, Ciesek nie. Ähnlich läuft es mit Drosten. Dabei machen die beiden Wissenschaftsjournalistinnen ihre Sache gut, aber dies nervt. Man fragt sich ständig: Wer gibt nach? Es wirkt ja wie ein permanenter stiller Vorwurf an die beiden Virologen, eine implizite Korrektur und Zurechtweisung. Nie wird der Unterschied zwischen freien und gebundenen Sprechern deutlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45395

In der SZ lese ich einen Artikel über Steuerberater. Generisches Maskulinum, generisches Femininum und Doppelnennung gehen wild durcheinander. Wahrscheinlich glaubt der Verfasser, es "gerecht" zu machen, wenn er all diese Formen als gleichberechtigt behandelt und willkürlich zwischen ihnen wechselt. Er versteht zu wenig von Sprache, um den Irrtum zu erkennen. Opposition und Neutralisation sind nicht Beliebigkeit, sondern streng geregelt. Solche gemischten Texte sind nicht nur unangenehm zu lesen, sondern objektiv sprachwidrig und ohne Zukunft.

In den Schulen läuft etwas falsch, wenn aus Tausenden von Deutschstunden so wenig sprachliche Bildung hervorgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45391

Der Deutschlandfunk gendert heftig, aber unter jedem Interview steht:

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Er merkt nicht, daß er Frauen unsichtbar macht, und sie merken es auch nicht. (Vielleicht sollte ich keine schlafenden Hunde wecken...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2021 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45390

Sie will uns erziehen, dafür bezahlen wir sie.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.03.2021 um 23.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45388

Gerade bei Anne Will: Alle fünf Gäste reden normal "... Bürger, Besucher, Mitarbeiter, Experten, Lehrer, Ärzte, Unternehmer, … tausende Menschen, Mann an Mann ..."
Nur Anne Will selbst bleibt konsequent penetrant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2021 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45385

Männlich und weiblich sind Gegensätze, aber im Kontext kann dieser Gegensatz aufgehoben werden zugunsten des einen Pols. Dasselbe in der Synonymik überhaupt, wie unter diesem Titel dargestellt.

"Kontext" ist wichtig, denn "im Lexikon" bleibt der Gegensatz natürlich erhalten.

Eigentlich ist der Begriff der Neutralisation schon im Markiertheitsbegriff enthalten. Ärztin ist abgeleitet, aber man würde es nicht außerdem noch markiert nennen, wenn es das Prinzip der Neutralisation nicht gäbe.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.03.2021 um 08.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45384

...sollte man das Grundprinzip von Markiertheit und Neutralisation deutlich machen.

Markiertheit ist intuitiv verständlich, aber was bedeutet in diesem Zusammenhang Neutralisation?
Im Netz finde ich nur unverständliche Definitionen, meist im Zusammenhang mit Phonologie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2021 um 08.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45379

In überschaubaren Kreisen ist das Gendern halbwegs durchgreifend eingeübt, aber meistens wirkt es gezwungen und wird ständig durch Rückfälle ins generische Maskulinum unterbrochen oder beschränkt sich auf Standardformeln wie Schülerinnen und Schüler, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und läßt andere Teile des Vokabulars aus. (Die Erstnennung der femininen, markierten und meist längeren Form wird kaum noch diskutiert.) Der Zustand „gebundener“ Texte, wie ich es nenne, läßt sich nicht ohne weiteres als Beleg natürlicher Sprachentwicklung bewerten. Behörden oder Redaktionen erzwingen eine redaktionelle Überarbeitung, das ist eine politische und soziologische Tatsache, aber kein Schritt in der Sprachentwicklung. Wenn zum Beispiel die Dudenredaktion sich entscheidet, freie und gebundene Texte gleichrangig auszuwerten, geschieht das auf ihre eigene Verantwortung, ist aber sprachwissenschaftlich problematisch.

Die SZ (6.3.21) spricht mit der Duden-Chefin Kunkel-Razum über das Gendern im Duden. Auf seiten der Gender-Kritik wird ein Vertreter des rechtslastigen VDS gehört, mit passendem Hinweis auf die AfD. Gender-Kritik ist eben reaktionär, das haben nun alle verstanden.

Das generische Maskulinum bleibe erhalten, so wird versichert – aber wie kann das sein, wenn es zugleich als unzeitgemäß gebrandmarkt wird? Statt Tausende von männlichen und weiblichen Formen aufzulisten, sollte man das Grundprinzip von Markiertheit und Neutralisation deutlich machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2021 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45364

Übrigens: "Familienvater" hat bei Google 2 Mill. Einträge, "Familienmutter" nur 400.000. Die Zahlen stimmen natürlich nicht, nur die Größenordnung, und selbst da müßte man genauer hinsehen, weil "Familienmutter" wohl erst in neueren Texten häufiger vorkommt.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 02.03.2021 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45361

Unfreiwilliges Wortspiel in der ZEIT oder Absicht ?

"Houston in Texas, [..], samt teils 26-spuriger Hauptverkehrsader, die Vorstädterinnen zur ansonsten kaum bewohnten Innenstadt in die Arbeit bringt."

https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-02/einfamilienhaeuser-klimaschutz-debatte-eigenheim-gruene-stadt-land/komplettansicht
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2021 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45349

Man könnte z. B. in den USA keinen Handlungsbedarf sehen, weil Weiße und Nichtweiße "vor dem Gesetz" gleichberechtigt sind. Ich hatte schon auf das neue Buch des Republikaners und Wahlkampfmanagers Stuart Stevens hingewiesen, das auch in dieser Hinsicht lesenswert ist (voter suppression – nur ein Aspekt).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.02.2021 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45348

Auf einem unendlichen Weg erreicht man das Ende nie, aber wenn man auf dem Gipfel eines Berges steht, gehts nicht mehr höher.
Wenn alle Menschen gleiche Rechte haben, wenn vor dem Gesetz Männer und Frauen nicht mehr unterschieden werden, ist das Ende der Entwicklung erreicht.
Mit dem A und O bin ich natürlich einverstanden, aber es ist eine andere Sichtweise.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2021 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45347

Ich will das Thema hier nicht noch breiter treten. Aber etwas scheint mir doch erwähnenswert: Bis vor kurzem mußte eine Frau die Genehmigung ihres Mannes (der automatisch "Haushaltsvorstand" war) einholen, wenn sie berufstätig sein wollte. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein durfte eine Lehrerin nicht verheiratet sind und wurde entlassen, wenn sie heiratete (marriage ban auch in den USA). Usw. All das galt mal als vollkommen naturgegeben, eben mit der Biologie. Uns kommt es verrückt vor. Warum sollte heute das Ende der Entwicklung erreicht sein?

Übrigens kann man aus verschiedenen Gründen auf Nichtdiskriminierung klagen. Aber selbst wenn es anders wäre, würde ich das "ausgerechnet Frauen" nicht gelten lassen. Frauen ist das A und O oder etwa nicht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.02.2021 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45345

"Frauen, die schwanger werden könnten ... haben eindeutig schlechtere Chancen auf eine Anstellung"

Ich fühle mich hier noch mißverstanden. Dies bestreite ich ja gar nicht, sondern ich frage, warum wir glauben, dagegen etwas tun zu müssen. Chancen, und zwar nicht nur die auf eine Anstellung, sind schließlich über die ganze Menschheit ungleich verteilt.

Wir sehen keinen Anlaß einzugreifen, obwohl Häßliche, Behinderte, Ausländer usw. schlechtere Chancen bei Einstellungen, Wohnungssuche, Partnersuche ... haben (trotz moralischer Appelle sind diese Gruppen de facto alle in irgendeiner Weise benachteiligt).
Weshalb finden wir es dann so wichtig, ausgerechnet die Benachteiligung von Frauen bei Einstellungen zu beseitigen? Sie ist genausowenig absolut abschaffbar wie die anderen Benachteiligungen anderer Gruppen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.02.2021 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45344

Frauen, die schwanger werden könnten oder nur eingeschränkt einsetzbar sind, weil sie Kinder haben, haben eindeutig schlechtere Chancen auf eine Anstellung. Daß in den Stellenangeboten „m/w/d“ stehen muß, ist eine kosmetische Vorschrift, die den Staat nichts kostet und keiner Bewerberin nützt. Nützlich sind Kinderkrippen und -tagesstätten. Der Chef eines Kleinbetriebes stellt trotzdem lieber einen Mann ein, weil er sich Ausfälle nicht leisten kann und weiß, wie oft Kinder krank werden und die Mutter brauchen. Daran haben auch alle staatlichen Bemühungen, die Väter familiär stärker einzubinden (Elternzeit etc.), nicht viel geändert.

Feministen unterstellen als Grund gern männliche Obstinanz, es gibt aber auch weibliche Gründe wie eine geringere Risikobereitschaft, wenn es beispielsweise um eine ärztliche Niederlassung geht. Die meisten Ärztinnen wünschen sich eher eine Anstellung, oder eine eigene Praxis sollte zumindest nahebei in der Stadt mit dem Fahrrad erreichbar sein. Letzteres ist natürlich nicht statistisch belegt, sondern nur eine private Beobachtung, aber es würde mich wundern, wenn sie tröge.

Gewiß muß der Staat der Benachteiligung von Frauen energisch entgegenwirken. Er darf dabei aber nicht so weit gehen, weibliche Wünsche und Vorlieben zu vernachlässigen. Mädchen, die sich für MINT-Fächer einfach nicht begeistern können, sollen ihre eigene Wahl treffen – ohne sich von der Behauptung unter Druck gesetzt zu sehen, es gebe keinen Geschlechterunterschied. Sie unterstellt ja nicht nur männlichen Chauvinismus, sondern auch weibliches Versagen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2021 um 22.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45343

Vielleicht meinen wir wirklich dasselbe, aber ich nenne die Wirtschaft nicht familienfeindlich. Kein Wirtschaftsmagnat hat jemals verfügt, daß Männer nur arbeiten und daß nur Frauen Kinder kriegen sollen. Im Gegenteil, die Wirtschaft hat sich ausgesprochen familienfreundlich mit diesen Grundgegebenheiten arrangiert.

Frauen müssen sich mit den biologischen Gegebenheiten abfinden? Woher wissen wir, daß nicht noch mehr Frauen darin sogar ein Privileg sehen? Müssen sich Männer nicht auch damit abfinden, nur Arbeitstier zu sein, keine Kinder gebären und mit ihrem Körper nähren zu können?

Die Sicht, daß Männer angeblich alles können und nur Frauen irgendwie benachteiligt sind, finde ich einseitig. Männern und Frauen wurden von der Natur verschiedene Rollen im Leben zugewiesen. Trotzdem steht es jedem Mann und jeder Frau frei, sich darüber mit allen Kräften hinwegzusetzen. Wir haben alle das gleiche Recht für alles, nur eben nicht die gleichen natürlichen Möglichkeiten.

Mit unterschiedlichen Fähigkeiten sind auch verschiedene Männer begabt, und die Natur hat auch Frauen nicht alle gleich ausgestattet. Man muß diese „Ungerechtigkeit“ der Schöpfung, die sich Individualität nennt und die niemand wollte und niemand verschuldet hat, nicht genau an der Geschlechtergrenze festmachen.

Mit gleichen Rechten für alle tun wir alles, was wir vernünftigerweise tun können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2021 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45342

Wenn man zurückblickt, ist schon alles mögliche auf die "natürlichen biologischen Unterschiede" geschoben worden. Gesellschaftliche Verhältnisse sind aber nicht biologisch und haben sich schon in einem Maß geändert, das man vor 150 Jahren nicht für möglich gehalten hätte.
Übrigens habe ich ja dasselbe wie Sie gemeint, als ich die Wirtschaft "strukturell familienfeindlich" nannte. Ich bin nur nicht bereit, das hinzunehmen. Frauen sind heute ebenso qualifiziert wie Männer – wozu, wenn sie sich dann mit den "natürlichen biologischen Unterschieden" abfinden müssen?
Es ist schon viel geschehen, aber auch noch viel möglich.

Wie Sie wissen, bin ich alles andere als ein Feminist, aber ich war immer ein Befürworter der Emanzipation und zugleich ein "Familienmensch", der sich ein Leben ohne Kinder nicht vorstellen möchte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.02.2021 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45341

"inoffizielle Zurücksetzung ... daß Frauen nur befristete Stellen bekommen, weil man befürchtet, sie könnten schwanger werden"

So gehen eigentlich die üblichen Begründungen der Verfechter von Quotenregeln. Aber sind denn solche Befürchtungen nicht richtig?

Ist es für Arbeitgeber etwa kein Problem, daß eine Frau plötzlich für ein Jahr oder länger ausfallen könnte? Wieso nennt man das dann Zurücksetzung? Das ist m. E. Teil der objektiven biologischen Unterschiede.

Es gibt tausend Dinge, die man als ebenso "diskriminierend" anprangern könnte. Zum Beispiel das Aussehen. Kann man es einem Modedesigner verübeln, wenn er zur Präsentation seiner Ware nur schlanke junge Frauen oder kantige junge Männer einstellt?

Wegen einer Behinderung darf auch niemand diskriminiert werden. Aber ist es nicht verständlich und im Grunde selbstverständlich, daß das Fernsehen als Nachrichtensprecher niemanden mit einem Sprachfehler einsetzt?

Und so weiter. All diese Dinge überläßt man ganz einfach dem Wettbewerb. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Frau Merkel war keine Karriere auf dem Laufsteg vergönnt, dafür gehört sie zu den respektiertesten Politikern der Welt. Niemandem fällt das Wort Diskriminierung ein, solange dieser allgemeine Wettbewerb nicht über Geschlechtergrenzen geht. Aber dann wird es plötzlich heikel, müssen Quoten und Sondergesetze her. Warum?

Es sind nun mal nicht alle Menschen gleich, auch nicht innerhalb des gleichen Geschlechts. Was nötig ist, sind gleiche Rechte für alle, sonst nichts.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.02.2021 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45339

https://virchblog.wordpress.com/2020/07/18/quotennote/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2021 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45337

Das stimmt formal. Wie ich aber aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung weiß, gibt es eine inoffizielle Zurücksetzung der Frauen, die zum Beispiel darin besteht, daß Frauen nur befristete Stellen bekommen, weil man befürchtet, sie könnten schwanger werden.

Das gilt nicht nur für die freie Wirtschaft, die man mit Recht "strukturell familienfeindlich" nennt, sondern auch für staatliche Stellen. Überall wird der frei bewegliche Mann bevorzugt.

Kinder muß es geben, aber im Berufsleben stören sie, das ist das Kernproblem der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf".

Es gibt keine einfache Lösung. Der Staat muß die Nachteile ausgleichen, die einem Betrieb durch die Einstellung von Frauen (Müttern) entstehen, nicht durch Quoten, sondern durch Geld. (Kinderlose zahlen zu wenig Steuern – das ist keine Frage der "Bestrafung", sondern es geht um Familienlastenausgleich; der ist ins Stocken geraten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.02.2021 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45336

Ich bin der Ansicht, Frauen sind bei uns bereits voll gleichberechtigt. Bei allen weiteren Bestrebungen, mittels Quoten oder anderen Maßnahmen die sogenannte Lage der Frauen weiter zu verbessern, geht es in Wirklichkeit nicht um Gleichberechtigung, für die wir natürlich alle sind, sondern um Nötigung und Gleichmacherei unter Mißachtung unterschiedlicher Interessen sowie körperlicher, psychischer und biologisch-sexueller Unterschiede von Männern und Frauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2021 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45334

Das Ende wird, wie üblich, so aussehen:

Das Gendern hat zwar die Lage der Frauen nicht nachweisbar verbessert, aber es hat das Bewußtsein für ein Problem geweckt und war deshalb verdienstvoll. (Die Opfer, die es gekostet hat, verschwinden unter dem Mantel der Geschichte...)

So macht man es ja auch mit der Rechtschreibreform. Zehetmair pflegte in seiner gemütvollen Art zu sagen, die Reform sei zwar nicht nötig gewesen, habe aber dazu geführt, daß sich die Menschen wieder mehr Gedanken über die Sprache machten. Und das ist ja was Schönes. So hat jeder Skandal seine wohltätigen Seiten.

Nicht so schön für uns: Wir haben uns eigentlich umsonst abgestrampelt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2021 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45332

Ja, das ist sehr gut geschrieben. Deswegen glaube ich auch nicht an die Zukunft der Genderei. Es ist eine vorübergehende Modeerscheinung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.02.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45331

Ich empfehle die Lektüre dieses – nicht von einem alten weißen Mann verfaßten – Artikels: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article227000843/Sprache-Gendern-das-erinnert-mich-inzwischen-an-einen-Fleischwolf.html
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.02.2021 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45326

Köstlich!
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 23.02.2021 um 20.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45325

Das scheint zunächst erstaunlich, denn bei 2000 Euro/Sekunde Kosten zur besten Werbezeit würde dieser Tugendschlenker ja mit ca. 1500 bis 2000 Euro zu Buche schlagen. Jedes einzelne Mal.

Das ist es ihnen wirklich wert?

Aber dann kommt die Lösung (https://www.ard-werbung.de/tvtarife/?tab=1): Der sog. OTC-Pflichthinweis ist kostenfrei und wird nicht auf die Werbezeit angerechnet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.02.2021 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45324

Einmal mußte es ja kommen, heute habe ich es zum ersten Mal gesehen und gehört
(ZDF, kurz vor halb acht, Werbung für ein Mittel gegen Erkältungen):

bildlich eingeblendeter Text:
Zu Risiken oder Nebenwirkungen
lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie
Ihre(n) Arzt/Ärztin oder Apotheker/Apothekerin.

dazu gesprochener Text:
... und fragen Sie
Ihre Ärzt innen oder Apotheker innen.

Bemerkenswert ist der Unterschied im Numerus. Im Singular klappt das eben nicht.
Danach gab es noch mehrmals Medikamentenwerbung in der bisherigen Form (Ihren Arzt oder Apotheker).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.02.2021 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45310

Wenn überhaupt, dann gehört inzwischen eher Mut dazu, nicht zu gendern, jedenfalls wenn man Redakteur bei einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist oder in einer Behörde, einem Verband oder einer Hochschule arbeitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2021 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45309

Die FR findet, zum Gendern gehöre „Mut“, und den behauptet sie zu haben. Das kann man nicht bestreiten, wenn man die sinkende Auflage betrachtet.
https://www.fr.de/politik/der-schwangere-patient-90037253.html

Die Frankfurter Rundschau war schon immer in einem bestimmten "Milieu" zu Hause, und das ist allmählich immer kleiner geworden. Nach meinem Eindruck verdeckt das Volkserzieherische inzwischen die Reste von politischer Richtung. In der Gleichgültigkeit gegenüber den Leserwünschen gleicht man sich dem zwangsfinanzierten Rundfunk an, als wenn auch den Zeitungsabonnenten die Möglichkeit der Abstimmung mit den Füßen fehlte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.02.2021 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45293

Ja, natürlich. Hier die Nr. des Mitarbeitenden für alle zum Nachhören: 0621 2932253.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.02.2021 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45290

Wundervoll, vielen Dank, Herr Riemer! Ich hab es mir gleich heute früh angehört. (Habe mich natürlich nicht zu einem Mitarbeitenden durchstellen lassen.) Ich darf Ihre Beobachtung hoffentlich weitergeben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2021 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45289

Um das Problem zu entschärfen, verfolgen Wissenschaftlerinnen und Entwickler drei Strategien.. (SZ 18.2.21)

Es geht um Windräder und deren gegenseitige Störung in Windparks. Ich weiß ganz genau, daß auch Wissenschaftler daran arbeiten. Mein alter Rechtschreibkumpel Carsten Ahrens hat mir vor 20 Jahren am Juister Strand genau erklärt, was es mit Windrädern und Turbulenzen auf sich hat. Inzwischen sind wir beide Ruheständler:innen.

(LaiInnen fragen sich ja oft, warum die Räder nur drei Flügel haben und sich so langsam drehen und nicht dichter stehen...)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.02.2021 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45288

Telefon-Hotline des Gesundheitsamtes Mannheim:

Wenn Sie zu einem Mitarbeitenden durchgestellt werden möchten, wählen Sie die 9.

Ich wollte eigentlich lieber zu einer Mitarbeitenden durchgestellt werden und habe daraufhin spontan die 10 gewählt. Da war ich wieder draußen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2021 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45270

In der pädagogischen Subkultur geht Schülerinnenundschüler flott von den Lippen. Das ist ein leicht automatisierbares Pluraletantum.

Wie es in der Schülersprache selbst zugeht, ist noch gar nicht untersucht worden. Arschloch ist ja Neutrum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2021 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45269

Max Planck Forschende - so nennen sie sich zwar nicht selbst, aber so werden sie von der Pressestelle genannt, die alle Texte entsprechend redigiert. Alle Forschungsinstitutionen werden von einer Handvoll Leuten in Pressestelle und Gleichstellungsbüro beherrscht, und dagegen ist kein Appell möglich.

Die Folgen werden als Sprachwandel vorgezeigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2021 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45260

Wenn die Frankfurter Rundschau jemanden interviewt, trimmt sie dessen Antworten ebenso (und ebenso unsystematisch) aufs Gendern wie die eigenen Texte, z. B. hier:
https://www.fr.de/wirtschaft/rente-doppelbesteuerung-altersvorsorge-olaf-scholz-finanzministerium-absprache-heinrich-braun-klaus-schindler-90198804.html
Das Durcheinander und die Bevormundung sind ein Graus, der hoffentlich Folgen für die Auflage hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2021 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45258

Wie viele Menschen das Gendern billigen, ist objektiv kaum feststellbar. Manche finden es grundsätzlich gut, würden aber einen konsequent gegenderten Text nicht gern lesen. Viele halten einen Text für gegendert, obwohl er es in Wirklichkeit nicht ist. Gestern wieder im DLF: "Senatorinnen und Senatoren" (x-mal wiederholt), aber dann "Republikaner". Das ist der Normalfall, wie ja auch bei der Frankfurter Rundschau schon beobachtet.
Die Rücksichtslosigkeit, mit der das Gendern auch gegen den Wunsch der Leser und Hörer durchgesetzt wird, fällt noch stärker auf als bei der Rechtschreibreform. Die folgsamen Zeitungen vertrauen wohl darauf, daß auch diesmal nicht viele Abonnenten allein deswegen kündigen, aber unterschwellig dürfte es den Verdruß an Druckmedien verstärken. Bei der Rechtschreibreform war ihnen der Schulterschluß sehr wichtig: es sollte keine Ausweichmöglichkeiten geben. Das hat geklappt. Das Gendern ist noch im Versuchsstadium, aber manche wie die taz und jetzt die FR machen den gleichen Fehler wie damals die WOCHE: ganz vorne mitzuspielen. Die sexbesessenen Texte wirken aber nicht fortschrittlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2021 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45239

Die Esa sucht neue Astronauten – Diversität von „größter Wichtigkeit“
Zum ersten Mal seit elf Jahren sucht die Europäische Weltraumagentur Esa neue Astronauten, der Bewerbungsstart ist am 31. März.
Diversität sei dabei von großer Wichtigkeit, weshalb ausdrücklich Frauen aufgerufen werden sich zu bewerben.
Auch für Menschen mit Behinderungen soll ein neues Projekt gestartet werden.
Sämtliche Gruppen unserer Gesellschaft sollen abgebildet werden, versicherte David Parker, ESA-Direktor für Astronautische und Robotische Exploration.
(8.2.21)

Wirklich? Warum nicht alte Menschen, Dialysepatienten usw.? Muslime? Diskriminierung allerorten.
Dabei ist auf der Erde genug zu tun. So sind in Kitas und Grundschulen noch längst nicht genug Männer beschäftigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45238

Pressesprechende gibt es schon:

Clara Mayer ist eine 18 Jährige deutsche Klimaaktivistin und eine der Pressesprechenden von Fridays for Future. (https://www.itb-kongress.de/de/Programm/Personendetail.jsp?personId=633460)

Daß sie außerdem noch jährig ist, überrascht nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.02.2021 um 20.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45237

Noch zu Herrn Wrase:

Nicht ohne Grund gibt es in der freien Normalsprache zwar »Trinker«, aber keine »Ertrinker«. Trinker können auch mal nicht trinken, Ertrinkende sind aber immer nur mit dem Ertrinken beschäftigt.

Eines nicht allzu fernen Tages werden uns die Sprecher*innen eines Ministers oder einer Ministerin oder einer nichtbinären Ministerialpersönlichkeit als »Sprechende« begegnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2021 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45233

Zu wenig werden die Demokratinnen und Demokraten präsentieren können, um 17 republikanische Senatoren, die es für eine Mehrheit braucht, auf ihre Seite zu zwingen. (...) Die Demokraten im Repräsentantenhaus hatten das Verfahren eingeleitet, als Trump noch Präsident war. Ihre Anklage bezieht sich außerdem auf Handlungen während seiner Amtszeit. Es gibt durchaus Streit unter Juristinnen, ob die Verhandlung verfassungsrechtlich gedeckt ist (...) Eine Gruppe von Demokratinnen im Kongress, die das Amtsenthebungsverfahren managt, reagierte daher am Montag abweisend auf Trumps Stellungnahme. (...) Und laut einer aktuellen Umfrage von Politico sind zwar 54 Prozent der befragten Bürger der Meinung, Trump solle des Amtes enthoben werden, unter republikanischen Wählerinnen sagen das aber nur 19 Prozent. Das wird die Republikaner nicht unbedingt zu einer mutigeren Entscheidung motivieren. (...) Wenn in vier Jahren der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin gewählt wird (...) (ZEIT 9.2.21, Rieke Havertz )

(Dieses Kauderwelsch hat keine Zukunft. Übrigens: „die nächste Präsidentin“?)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.02.2021 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45224

Gerade lese ich: Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil zwölf Stunden lang in ihren Autos ausharren.

Nanu, warum nicht Fahrende und Mitfahrende? Dafür scheint es einen nachvollziehbaren Grund zu geben. Fahrende klingt nämlich mehr als Fahrer so, als ob sie gerade fahren, aber das tun sie in dem Fall ja nicht. Hingegen stellt man sich Mitfahrer immer als passive Geschöpfe vor, auch dann, wenn man sie Mitfahrende nennt, also ist diese Umbenennung eher möglich. Ergo Fahrer und Mitfahrende. Sehr feinfühlig, diese Schreibenden von Spiegel Online.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 08.02.2021 um 21.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45221

Könnte sich nicht einfach jemand das Gender-Binnen-* als Gebrauchsmuster schützen lassen? (Am besten den assoziierten Glottisschlag gleich hinzu.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.02.2021 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45220

Die Werbung hat das *innen als Gütesiegel entdeckt. Die Firma Scoyo verbindet das Versprechen mühelosen Lernens mit der Anmutung fachlich zeitgemäßer Gesinnung.

https://www.youtube.com/watch?v=jHsIRLa34WM
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45219

Aus einem Beitrag der Frankfurter:innen Rundschau:

Donald Trumps Lügen kosten Steuerzahlende Millionen
Ein besonders teurer Punkt, der auf die Steuerzahler zurückfällt: Der Sturm auf das Kapitol. (...) hat nicht nur Millionen Amerikaner:innen getäuscht (...)
(...) Nein, es sorgt auch für immense Kosten, die am Ende des Tages an den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern in den USA hängen bleiben. (...) Interviews mit Staatsbeamten geführt (...) Gewaltdrohungen von Trump-Unterstützenden (...) Die Demokraten könnten im Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump, das am Dienstag (09.02.2021) beginnt, die immensen verursachten Kosten anbringen - denn sie werden von Steuerzahler:innen getragen. (...) Strafverfolger (...) Extremisten

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45218

Wenn im durchgegenderten (und sehr unangenehm zu lesenden) Magazin Max Planck Forschung plötzlich steht Wissenschaftler können solche Hüllen bereits in großer Menge herstellen, dann muß man annehmen, daß Wissenschaftlerinnen es nicht können.

Zu den penetranten Forschenden sollte der Duden vermerken, daß es ein Pluraletantum ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45214

Wenn meine derzeitige Abonnementszeitung sich nach dem Vorbild der Frankfurter Rundschau entschließen sollte, das Gendern zur Regel zu machen, werde ich kündigen, das steht fest. Da wir einander gern vorlesen, bemerken wir das bisher inkonsequente Gendern besonders deutlich. Ich merke auch, wie ich in bangem Warten auf den nächsten Zwischenfall vom Inhalt abgelenkt werde.

In den letzen Monaten haben wir die Tagesschau aus dem Archiv gesehen, vor allem wegen der USA, anschließend einiges aus dem US-Fernsehen. Inzwischen haben wir es wieder aufgegeben zugunsten des Vorlesens gescheiter Bücher. Die ohnehin dürftige Tagesschau wird durch das Gendern unerträglich. Ich weiß, daß die Abstimmung mit den Füßen wegen der Zwangsfinanzierung ohne Wirkung bleibt, das muß ich leider in Kauf nehmen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.02.2021 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45213

Das Gendern soll ja Medizin gegen angeblich krankmachende Substanzen sein: bittere Tropfen gegen böse Wörter, die durch ihre Einnistung im Unterbewußtsein der Menschen ein System von Unterdrückung und Benachteiligung verfestigen. Daß einige Therapeuten versuchen, die Tropfen irgendwie zu versüßen, um den Patienten die Einnahme zu erleichtern, mag anerkennenswert sein, weil es zeigt, daß sie deren Befindlichkeit immerhin nicht ganz aus dem Auge verloren haben. Wenn aber die Substanzen nicht nur harmlos, sondern nützlich sind und die Ursachen der Krankheit ganz woanders liegen, sollte man die übel schmeckenden Tropfen schleunigst absetzen. Auch sollte man sich die Symptome noch einmal genauer ansehen. Nicht jedes Phänomen ist ein Krankheitssymptom, und die Symptome, die tatsächlich auf eine Krankheit hindeuten, verlangen ganz andere Therapien.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45211

Leichen seien geschlechtsneutral.

Ach ja? Aber auch nur, weil die Leiche grammatisch weiblich ist. Bei grammatisch männlichen Personenbezeichnungen kommt unweigerlich ein -in dran. Die Ausnahme Mensch zählt nicht, außerdem ist sie eh bald keine mehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2021 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45210

Also statt Bäcker soll man gemäß diesen Schreibenden jetzt Backende sagen, und natürlich im Plural.

Na schönen Dank auch. Dann geh ich jetzt mal zu den Backenden Brötchen holen.

Backe, backe Kuchen, die Backenden haben gerufen, ...

Fuchs, du hast die Gans gestohlen, ...
sonst werden dich die Jagenden holen, ...

Oder die bösen Wörter vermeiden. Geh ich eben in die Backfactory.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2021 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45209

Danke für die Hinweise! Natürlich muß es so etwas geben.

Vermeidungssprache ist ebenso unfrei wie gegenderte, nur bemerkt man es schwerer, wie Sie ja auch sagen. Erst die Statistik deckt es auf.

Ich habe auch schon mal alle ß vermieden, wenn eine Zeitung sie nach Heyse in ss umwandeln würde, also vor allem kein "daß". Niemand merkt es, aber es ist natürlich keine Lösung für jemanden, der Klartext reden will.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.02.2021 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45208

Es scheint bereits einige gegenderte Romane zu geben, allerdings wohl keinen mit Gender-Sonderzeichen. Hier beschreibt ein Autor, wie er das generische Maskulinum unverkrampft zu vermeiden sucht:

https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/08/romane-gendergerecht-schreiben/

Selbstverständlich kann man das so machen, und die Texte müssen nicht schlechter sein als solche ohne die Einschränkungen. Das Formulieren wird ja auch beim Gedichteschreiben durch Versmaß, Reime etc. gegängelt. Ein gelungenes Gedicht unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt von einem gelungenen Gendertext dieser Art: es bietet mit seiner Form einen besonderen Reiz. Der Gendertext ist dagegen unauffällig. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Der Autor muß schon über seine Verdienste reden, um sie ins Licht zu rücken. Das ist sympathischer als die Selbstbeweihräucherung mit Gendersternen, aber wo bleibt die Sichtbarmachung der Frau?
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 07.02.2021 um 13.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45207

Ja, es gibt ein Gegenbeispiel: Ein Schriftsteller, der in seinen Romanen gendert.
In hr-info wurde er am 6.3.2020 (Weltfrauentag) mit einer eigenen Sendung bedacht.
Die Journalistin interviewt ihn sehr wohlwollend aber durchaus mit kritischem Hinterfragen. Sein "Erweckungserlebnis" war ein Luise-Pusch-Buch, auf das er in einer Büchertelefonzelle gestoßen ist.
Und natürlich käut der die Mythen von Pusch wieder. Mit konstruierten und selektierten Beispielen. Die ganze Inkonsequenz und Absurdität wird bei ihm deutlich.
Denn die Umständlichkeit kommt durchaus zur Sprache und er räumt ein, die ganze Sache irgendwie "in Balance halten" zu wollen (sprich: eben doch nicht konsequent zu sein).
Letztlich bleibt der Wille "Aufmerksamkeit zu erzeugen" (für die Frauen). Zumindest ihm mit seinen Romanen ist am Weltfrauentag die Aufmerksamkeit sicher. Ob danach immer noch? Ich glaube eher nicht. Den Namen habe ich vergessen.
Der Link auf den Podcast funktioniert leider nicht mehr:
https://www.hr-inforadio.de/podcast/kulturlust/gendern-ohne-sternchen–wie-literarische-sprache-frauen-einbeziehen-kann,podcast-episode-65886.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2021 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45206

Manche halten ja das Gendern für einen Sprachwandel, dem man sich vernünftigerweise nicht entziehen kann.

„Für den Leser ist in dreißig Jahren ein Roman, in dem kein Binnen-I vorkommt, wahrscheinlich völlig kurios. Die werden denken: Haben das nur Männer geschrieben?“, glaubt der Typographie-Professor Victor Malsy. (FAS 7.2.21)

Anscheinend hat er nicht bemerkt, daß gerade Romane nicht gegendert werden. Auch Helmut Berschin hat das kürzlich festgestellt.

(Gibt es Gegenbeispiele?)

Wenn es in dreißig Jahren noch Zeitungen gibt, werden sie wahrscheinlich nicht gendern. (Man wird dann sagen: Das Gendern war zwar ein Irrweg, es hat aber die Menschen für die Probleme sensibilisiert und dadurch viel Gutes bewirkt...)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.02.2021 um 13.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45203

Ich fürchte, sowas schätzen nur Liebhaber. Seit ich weiß, daß Herr Bellut seine Praktikanten hier mitlesen läßt, habe ich immerhin die Hoffnung, daß die Bosheit den einen oder anderen Adressaten trifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2021 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45199

Das ist großartig! Können Sie es nicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.02.2021 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45197

Die Frau war unsichtbar im Nirgendwo verloren,
grammatisch eingekerkert in geheimnisvollen Tiefen.
Wenn wir nach Bürgern, Bäckern, Baggerführern riefen,
kam sie ja bestenfalles mitgemeint zu Ohren.

Der Sprache gab das Maskuli