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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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05.05.2010
 

Meinungsmache
Auf die Formulierung kommt es an!

Bei Welt-online kann man sich gerade an einer Umfrage beteiligen:

"Hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Griechenlandkrise eine gute Figur abgegeben?
+ Ja, sie hat Deutschlands Interessen zu Recht souverän vertreten.
+ Nein, ihr Zögern und ihre Unentschlossenheit waren fatal."

Ich formuliere mal probeweise anders:

+ Nein, mit ihrem Eintreten für deutsche Interessen hat sie den Rückfall in den nationalen Partikularismus gefördert.
+ Ja, mit kluger Hinhaltetaktik hat sie Griechenland zu größeren Eigenleistungen gezwungen und damit der EU einen Dienst erwiesen.

Nicht daß ich eine dieser Meinungen verträte, aber man sieht, wie fies das Ganze ist. (Die Meinung der Mehrheit dürfte sein, daß die deutsche Politik mittelmäßig ist, aber diese Meinung fällt durchs Raster glatt hindurch.)



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Kommentare zu »Meinungsmache«
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Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 03.02.2022 um 15.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#48465

Ich kann die Grundsatzkritik an dem Artikel nicht ganz nachvollziehen. Ich bin selbst zwar gegen eine Impfpflicht, aber wenn man wie die Autoren (und die Regierung) dafür ist, muß man sich eben mit den im Artikel genannten Problemen auseinandersetzen. Was macht er da falsch? Welche Rolle hätten Impfgegner im Artikel spielen sollen? Es geht da doch nur um die verwaltungstechnischen Probleme.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.02.2022 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#48464

Wie eng die Scheuklappen dieser Schreiber anliegen, sieht man auch daran, daß sie nie über den Tellerrand hinausblicken. Es ist billig, das eigene Land als rückständig darzustellen, wenn man die Situation in anderen Ländern allenfalls aus Schlagzeilen kennt.

Dabei braucht man gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen. In den Niederlanden zum Beispiel, die in puncto Digitalisierung tatsächlich um einiges weiter sind als Deutschland (und damit nach der Logik des Autors weniger »verkrustet«), ist die »Impflücke« nicht kleiner. Man muß sich nur die Mühe machen, die offiziellen Statistiken etwas genauer zu lesen. Das RIVM (das ndl. Pendant zum RKI) veröffentlicht beeindruckende Zahlen zur hiesigen Impfquote. Danach sind mittlerweile über 86 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, während es in Deutschland gerade mal 74 sind. Ein Blick ins Kleingedruckte verrät, daß sich die niederländischen Zahlen auf die Einwohner ab 18 Jahren beziehen! Die entsprechende Quote in Deutschland beträgt aktuell 84,3 Prozent. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß die deutschen Zahlen nur die offiziell registrierten Meldungen wiedergeben und das RKI selbst sagt, daß die tatsächliche Quote um bis zu 5 Prozentpunkte höher liegt, während das RIVM aufgrund von Schätzungen einfach ein paar Prozentpünktchen draufrechnet und das Ergebnis dann als offizielle Impfquote ausgibt, bleibt von dem vermeintlichen Impfvorsprung der Holländer nichts übrig, vielleicht ist der Anteil der Geimpften in Deutschland sogar höher. Die Boosterquote ist in Deutschland sowieso höher.

In Wirklichkeit ist alles ziemlich kompliziert, weil sehr viele und sehr unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Ein Land, das uns heute in den Schlagzeilen als großes Vorbild empfohlen wird, dem Deutschland endlich nacheifern sollte, wird uns morgen als abschreckendes Beispiel verkauft, und umgekehrt. Das geht ständig hin und her, und wenn man genauer hinschaut, findet man auch vernünftige Erklärungen für diese Entwicklungen, die uns so oft überraschen. Eine sachliche Berichterstattung hilft, die Dinge auseinanderzuklamüsern. Artikel mit einem Wort wie »Impf-Sumpf« im Titel lese ich schon gar nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2022 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#48463

Das große Scheitern – Deutschland im Impf-Sumpf (t-online.de 3.2.22)

Ein typischer t-online.de-Titel.

Wer auf die Suche nach den Gründen dafür geht, findet sie im Föderalismus, in unklaren politischen Vorgaben, teilweise auch im Datenschutz. Und im fehlenden Willen, etwas zu ändern. Wie Deutschland das Schließen der Impflücke verstolpert, erzählt etwas über die verkanteten und verkrusteten Strukturen des Landes. Die möglicherweise ein vorzeitiges Ende der Pandemie verhindern.

Nur die Impfgegner werden nicht erwähnt. Das ist kritischer Journalismus. Man braucht gar nichts zu wissen, um sich solche Metaphern (verkantet und verkrustet) auszudenken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2022 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#48438

Wir machen uns lächerlich
(...)
Impfregister, Testkapazitäten, Schutzhelme für die Ukraine – was diese drei Meldungen im Innersten zusammenhält? Sie sind ein Hinweis darauf, dass Deutschland nicht auf der Höhe der Zeit regiert wird.
(Sven Böll t-online.de 1.2.22)

Ein schönes Beispiel für den erhabenen Standpunkt, von dem aus ein deutscher Journalist die Welt be- und verurteilt. Er kann das, denn er weiß alles. Anders als unsereins kennt er auch die „Höhe der Zeit“.

Für den Pseudojournalismus von t-online.de sind Überschriften typisch, die scharf kritisch die Regierungspolitik zu verurteilen scheinen, während der Artikel selbst ein solches Urteil keineswegs rechtfertigt. So wird zum Beispiel die deutsche Energiepolitik als unverantwortlicher Alleingang usw. angeprangert, und am Schluß heißt es, sie könne, wenn alles gut geht, Deutschland zum weltweiten Vorbild machen. Was denn nun? Nach diesem Schema funktionieren die meisten Texte, und es paßt dazu, daß die wenigen Verfasser sich zu allem und jedem äußern, denn dazu braucht man keine Sachkenntnis. Bei unschuldigen Lesern bleibt der Eindruck eines beachtenswerten kritischen Journalismus zurück (Sturmgeschütz der Demokratie...).
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 31.10.2012 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#21824

Pünktlich zu Halloween läßt die Netzausgabe der FAZ nichts aus:

Immer mehr Kinder (und Erwachsene) feiern am 31.10. Halloween - ein Brauch aus Amerika, den man übernehmen sollte?

Und wie üblich mit vorgegebenen Begründungen für die Antworten (und deshalb wie üblich nicht brauchbar):

Ja, ist doch lustig. Verkleiden macht nicht nur zum Fasching Spaß.

Nein, fürchterlich. Bettelnde Kinder in scheußlichen Kostümen - ohne mich!

Angeblich sind bislang 85 Prozent gegen Halloween.

In spätestens fünf Jahren wird niemand mehr eine eigene Meinung zu etwas haben. Dann warten alle darauf, etwas anzukreuzen und sich der von einem Institut generierten Begründung der vermeintlichen Allgemeinheit anzuschließen. Paßt aber sehr gut zur Unterrichtsplanung und Wissensvermittlung in Modulhäppchen...
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.07.2012 um 20.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#21099

Sind die Deutschen mit den Maßnahmen zur Euro- bzw. Kristenstaaten- und Bankenrettung einverstanden? Je nach Fragestellung mögen sich die Prozentzahlen in den Umfragen unterscheiden, aber unter dem Strich zeigt sich eine deutliche Ablehnung. In den angeblich begünstigten Ländern sieht es ähnlich aus, weil die dortigen Bürger nichts von der Unterstützung haben, sondern im Gegenteil unter den harten Sparauflagen leiden. Das erinnert an die Einführung und Durchsetzung der Rechtschreibreform: Die Regierung zieht eine Politik durch, die das Volk ablehnt. Wie es wohl diesmal ausgeht?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2012 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#20777

Ist das nicht ein bißchen verrückt? Der Hochstapler zu Guttenberg war noch nicht richtig weg, da wurde schon gefragt, wann er denn wiederkäme. Auf Röttgen dagegen, der sich nun wirklich nichts als politische Fehler vorzuwerfen hat, werden überall nur Grabesreden gehalten, der aktuelle Spiegel titelt auf S. 4 "Der Todesstoß", und über Merkel wird geurteilt als hätte sie ihn tatsächlich ermordet. Röttgen wird ganz selbstverständlich wiederkommen, und auch Merkel wird nichts dagegen haben.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.11.2011 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#19600

Alternative Antwort-Angebote:

Ja. Sonst bekommt er ja gar nicht mit, wie sehr man ihn inzwischen verachtet.
Nein. Ein junger Familienvater sollte vor allem für seine Kinder da sein.

Ja. Er sorgt für Aufmerksamkeit und ist deshalb für die Demokratie wertvoll.
Nein. Er hat ja selbst gesagt, daß er chaotisch arbeitet.

Warum nicht? Die anderen sind auch nicht besser.
Nein. Er ist zu elitär, um sich in die Bürger hineinversetzen zu können.

Ja. Ohne Brille sieht er jetzt noch besser aus, zum Verlieben!
Nein. Seine neue Frisur überzeugt mich nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2011 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1304#19599

Focus fragt:

Sind Sie für ein Politik-Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg?
- Ja, er hat eine zweite Chance verdient.
- Nein, ein Plagiator hat in der Politik nichts zu suchen.


Das ist wieder eine dieser unbrauchbaren Umfragen, weil zusammen mit der Zustimmung oder Ablehnung auch gleich eine bestimmte Begründung mitabgefragt wird. Die erste Antwort bemüht eine geläufige Redensart: Jeder hat eine zweite Chance verdient, nicht wahr? Als ob Guttenberg resozialisiert werden sollte. Hätte man statt "Plagiator" "Betrüger" oder "Hochstapler" gesagt, wäre die Antwort bestimmt wieder anders ausgefallen. Es gibt auch noch viele andere Menschen, die eine Rückkehr zwar nicht für wünschenswert halten, aber nicht aus dem genannten Grund.
 
 

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