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15.07.2012
Ohne große Mühe
Latein reicht fürs ganze Leben
2002 hielt der Journalist Theo Sommer auf dem Kongreß des Altphilologenverbandes einen Vortrag „Latein und Griechisch – heute erst recht!“. Der Text wurde auch in der ZEIT abgedruckt; der Verbandsvorsitzende Helmut Meißner beruft sich darauf beim Kongreß zwei Jahre später (Forum Classicum 2004).
Sommer hatte, wie er berichtet, sieben Jahre Lateinunterricht. Seit seine 13jährige Tochter Katharina sich für Latein entschieden hat, frischt er seine Kenntnisse auf: „Seitdem habe ich mich wieder ein Stück weit in die Feinheiten und Schönheiten dieser Sprache vertieft, auch in ihre Vertracktheiten. Vor vierzehn Tagen habe ich zusammen mit Katharina die Gründungssage Roms übersetzt. Es hat mich mit großer Befriedigung erfüllt, dass ich den Text des Livius noch immer ohne große Mühe grammatikalisch aufzuschlüsseln und ins Deutsche zu dolmetschen wusste: ‚Tunc et eo loco, ubi Faustulus geminos invenerat, urbem novam condere constituerunt. Sed quod uterque frater regnare cupivit, Romulus et Remus in foedum certamen venerunt. Romulus autem iratus fratrem interfecit.‘
Sommer hat offenbar nicht erkannt, daß er es mit einem leichten Übungstext aus einem Schulbuch zu tun hatte. (Darin bleibt übrigens unerklärt, warum Romulus „iratus“ war.)
Bei Livius steht: Tenet fama cum fluitantem alveum, quo expositi erant pueri, tenuis in sicco aqua destituisset, lupam sitientem ex montibus qui circa sunt ad puerilem vagitum cursum flexisse; eam submissas infantibus adeo mitem praebuisse mammas ut lingua lambentem pueros magister regii pecoris invenerit—Faustulo fuisse nomen ferunt—ab eo ad stabula Larentiae uxori educandos datos. (...) Volgatior fama est ludibrio fratris Remum novos transiluisse muros; inde ab irato Romulo, cum verbis quoque increpitans adiecisset, "Sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea," interfectum. Ita solus potitus imperio Romulus; condita urbs conditoris nomine appellata.
Sommer, übernehmen Sie! – Soweit zur Beschäftigung mit den „Feinheiten und Schönheiten“ der lateinischen Sprache...
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Kommentar von BS, verfaßt am 01.03.2013 um 18.08 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22732
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Nachlassende Lateinkenntnisse:
Der Kabarettist Dietmar Wischmeyer brachte gestern in einem Beitrag (in "Spaß5" auf WDR5) die Formel "In nomine patri et filii...". Den Unsinn höre ich nicht zum ersten Mal; wenn man sich über die katholische Kirche lustigmachen will, ist das allerdings schon etwas peinlich... (Daß das dritte Glied dann spiritûs heißt, überfordert die Leute vollends, vielleicht hören sie deshalb nach dem Sohn auf.)
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.02.2013 um 17.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22723
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Was gegen die aktive Beherrschung des klassischen Lateins spricht, steht in meiner Lateinischen Sprachlehre von Schmidt / Wecker von 1950: "Der Lateiner faßt auch alle abhängigen Fragen als bloße Meinung des Fragenden, also als innerlich abhängig auf, der Deutsche nicht alle. Sie stehen im Lateinischen im Konjunktiv. ... Im Lateinischen steht der Konjunktiv, auch wenn der Satz nach unserem Empfinden eine Tatsache enthält. ... Im Deutschen steht in allen diesen Fällen der Indikativ."
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2013 um 17.19 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22709
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Der Deutsche Altphilologenverband gibt eine Online-Zeitschrift "Pegasus" heraus:
"Es gilt die neue Rechtschreibung."
Das wollen wir uns einmal ansehen:
Josef Rabl berichtet über das Bundessprachenfest, dass vom 12.-14. Juni in Erfurt durchgeführt wurde.
Frauke Hanebeck und Christina Portz stellen ein Projekt vor, dass zu den Siegern des Bundesfremdsprachenwettbewerbs 2006 gehörte.
Manfred Fuhrmann, seither verstorben, entwickelt in einem Beitrag die Bildungsidee des Lateinunterrichts:
„Die aktive Beherrschung des Lateinischen ist seit dem 18. Jahrhundert dahin, und der humanistische Glaube an die Bildung seit der ersten Hälfte des zwanzigsten. Doch Teilfunktionen haben diese Schwundprozesse ohne Schaden überlebt, und eine davon ist die Schulung in der Muttersprache. ‚Lateinunterricht ist Deutschunterricht’: diese Devise gilt zunächst, wie allgemein anerkannt, für die Syntax, für die grammatischen Strukturen. Keine romanische und keine andere germanische Sprache hat ein dem Deutschen vergleichbares Flexionssystem bewahrt, und slawische Sprachen pflegen bei uns wenig erlernt zu werden. So bleibt das Lateinische, als Kontrast, aber auch als Parallele, die viel gerühmte Sprachreflexion zu betreiben und hierdurch zu bewusster Handhabung des Deutschen anzuleiten. Wer nach einem Beispiel für diese Thesen fragt, der sei auf die indirekte Rede verwiesen: Hier liegt eine Besonderheit des Deutschen vor, deren korrekte Handhabung vielen schwer fällt und für die allein das Lateinische mit Vergleichbarem aufwartet.“
Wie wäre es, wenn die Herausgeber sich einmal mit dem deutschen Relativsatz beschäftigten? Es gibt allerdings noch mehr zu tun: Detlev Baur vergleicht zwei münchner Inszenierungen der Euripidestragödie ...
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2013 um 07.15 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22623
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Die Ansprache, mit der Papst Benedikt seinen Rücktritt ankündigte, ist in sehr einfachem Latein verfaßt. Man kann es auch ohne vertiefte Kenntnisse beim ersten Hören verstehen. Damit sind wir wieder bei der alten Einsicht, daß Sprachen, wenn sie von Nichtmuttersprachlern verwendet werden, tatsächlich besonders einfach werden. Englisch wird vielleicht inzwischen mehr als Zweit- und Fremdsprache verwendet denn als Muttersprache, ist daher in seinem Kern besonders einfach. "Eine Sprache ist einfach, wenn man schnell an jenen Punkt gelangt, an dem jede Sprache schwer wird." (Gauger, aus dem Gedächtnis zitiert). "Harry Potter" konnte wohl nur auf englisch von Millionen nicht-anglophonen Kindern verschlungen werden.
Man sagt ja auch, Latein hätte Welthilfssprache bleiben können, wenn die Humanisten nicht den Ehrgeiz gehabt hätten, wie Cicero zu schreiben und jede Abweichung als Barbarismus zu verdammen. Das kann sich nur jemand leisten, der außer Lateinlernen gar nichts anderes vorhat.
Wenn die Entscheidung nicht längst für Englisch gefallen wäre, könnte man sich eine zweite Schiene des Lateinunterrichts vorstellen, der ohne philologischen Ehrgeiz eine Welthilfssprache Latein vermittelt. Aber wie gesagt, die Chance ist vorbei.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2013 um 05.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22557
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Landshuter Literaturtage: Ausstellung über bayerische Emi- und Immigranten (Literaturportal Bayern Nov. 2012)
vom Emi- zum Immigranten (Rüdiger Zill)
Es gibt noch mehr Belege für solche Granten.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 28.11.2012 um 17.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#22021
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Inzwischen ist bei Wikipedia zu Motu proprio der Plural Motuproprios angegeben, was schon besser ist (vgl. Kommentar vom 04.09.2012). Aber schief ist es immer noch, weil Motuproprios nicht die Pluralform von Motu proprio ist, sondern von Motuproprio, der eindeutschenden Zusammenziehung.
Ich stieß auf dieses Thema, weil bei Wikipedia ab und zu die Genitivform des Motu proprios auftaucht, z. B. im Artikel über das Bistum Palestrina. Obwohl es genauso klingt wie ein korrekt gebildeter Genitiv des Motuproprios, wirkt des Motu proprios falsch. Analog gebildet wäre ungefähr *des Primus omniums oder im Deutschen *des Vater unsers.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2012 um 07.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21998
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Vergangene Woche hat die päpstliche Lateinakademie ihre Arbeit aufgenommen. Das Personal wird hauptsächlich aus italienischen Altphilologen bestehen. Mal sehen, ob es was bewirkt. Joseph Ratzinger verfolgt damit ja eine bestimmte innerkirchliche Absicht, die nicht auf die Förderung des Lateins in der heutigen Welt hinausläuft.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2012 um 11.26 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21766
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Der betagte Jesuitenpater Peter Gumpel berichtet (SZ 23.10.12), daß beim II. Vaticanum viele Bischöfe nicht genug Latein konnten, so daß er selbst rund 100 Reden geschrieben oder redigiert habe. Die Abkehr von der lateinischen Liturgie sei auch durch diesen Umstand motiviert gewesen. Vermutet hatte ich es schon.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2012 um 05.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21656
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Hildegard von Bingen, deren Name heute im Milieu der Reformhäuser vermarktet wird, ist kürzlich heiliggesprochen und nun auch zur Kirchenlehrerin ernannt worden. Die meisten Journalisten scheinen etwas ratlos zu sein, was den „Schatz“ (Deutschlandradio) betrifft, der in ihrer Hinterlassenschaft zu heben sei. Manche bezeichnen sie als „deutschsprachige Kirchenlehrerin“. Da muß man ein bißchen warnen: ohne Latein geht es nicht.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2012 um 04.16 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21373
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Nachdem ich bemerkt hatte, daß die deutschen Bischöfe nicht wissen, ob man im kirchensprachlichen Motu proprio das Adjektiv groß oder klein schreiben soll, bin ich bei Wiki auf etwas noch viel Seltsameres gestoßen, nämlich die Pluralbildung:
Ein Motu proprio (lateinisch „aus eigenem Beweggrund“, sinngemäß: „selbst veranlasst“; auch: Motuproprio; Plural: Motibus Propriis) (...) Liste von Motibus propriis
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.09.2012 um 08.25 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21356
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Nur in der deutschen Meldung steht inscription. Wenn man nach "Andrea Tornielli" zusammen mit "cursus electronici" sucht, sieht man, daß es im Original inscriptio heißt. Daß einem Schreiber die Endung ...tion herausrutscht, wo es ausnahmsweise ...tio heißen sollte, ist ein nachvollziehbarer Tippfehler. Außerdem könnte es sich um eine Einwirkung des Rechtschreibprogramms handeln.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2012 um 05.37 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21353
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Papst Benedikt will eine Latein-Akademie einrichten. Die Presse berichtet:
„Im Vatikan wird ‚E-Mail-Adresse‘ mit inscription cursus electronici übersetzt.“
http://www.katholisches.info/2012/08/31/benedikt-xvi-errichtet-papstliche-lateinakademie-starkung-der-universalen-sprache-der-kirche/
Wirklich?
„Tornielli erinnert daran, daß nach der Veröffentlichung der Enzyklika Caritas in veritate im Juli 2009 von der renommierten Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica einige der neugeschaffenen Worte als diskutabel bezeichnet wurden, so die Begriffe delocalizatio, anticonceptio und sterilizatio, während sie andere ausdrücklich begrüßte, so plenior libertas für Liberalisierung oder fanaticus furor für Fanatismus. Zu den Neuschöpfungen gehören auch fontes alterius generis für alternative Energiequellen oder fontes energiae qui non renovantur für nicht erneuerbare Energiequellen.“
Warum nicht gleich Esperanto? Latein als „heilige“ und „unveränderbare Sprache“ der Kirche (Johannes XXIII ebd.) ist doch eine Illusion.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 25.08.2012 um 02.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21309
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Im Duden 11 "Redewendungen" heißt es zu stolz wie ein Pfau, schon Ovid habe für eine Frau das Bild stolzer als ein Pfau gefunden, superbio pavone. Ausgerechnet das hintere r von superbior fehlt im Zitat – man mag nicht so recht an einen Tippfehler glauben. Denn superbio sieht schön lateinisch aus, so wie superbia (Stolz).
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.08.2012 um 17.19 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21270
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Interessante Frage, wer mit der Latinisierung griechischer Namen angefangen hat, die Römer oder die lateinische Kirche. Luther hat sich wohl nicht getraut, bei der deutschen Bibelübersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen auf die griechischen Originalnamen zurückzugreifen, sonst hätte Schiller sicher Ibykos auf Timotheos gereimt. (Den Sänger Ibykos hat es wirklich gegeben.)
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2012 um 06.51 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21268
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Hatte ich eigentlich erwähnt, daß Theo Sommer von "algorythmischem" Denken und den "Kranichen des Ibikos" spricht?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2012 um 16.32 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21094
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Ich habe vor 45 Jahren mit einem kleinen Langenscheidt-Übungsbuch ("Russisch in 30 Stunden") angefangen. Das fing mit Leseübungen an, und zwar so, daß vertraute Wörter (tomat) allmählich durch weniger vertraute ergänzt wurden, so ging das ganz leicht.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.07.2012 um 15.41 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21092
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Die Besonderheiten der kyrillischen Schrift bestehen darin, daßvom griechischen Alphabet das Fehlen eigener Schriftzeichens für die Konsonanten [h] und [j] übernommen wurde und dann die unterschiedlichsten und uneinheitlichen Methoden entwickelt wurden, diese Laute ausdrücken zu können. (Zur Zeit der Entstehung der kyrillischen Schrift hatten die Griechen den Spiritus asper schon aufgegeben. Ukrainer und Weißrussen sprechen einfach den Buchstaben für g als [h].) Nur für den Konsonanten für [b] wurde ein eigenes Zeichen erfunden, weil der griechische Buchstabe Beta damals schon als [w] gesprochen wurde.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 19.07.2012 um 14.32 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21090
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Das Schnellernen fremder Schriften trifft wohl zu auf unsereinen, die wir sprachlich vorbelastet sind. Ich habe etliche Nachmittage und Abende zugebracht, um einer Freundin die kyrillische Schrift zu erklären, damit sie im Rußlandurlaub wenigstens ein paar Schilder lesen kann. Allein schon der Unterschied zwischen Es und Se (nicht der See oder die See, sondern das Se...) war ein Kraftakt, von Feinheiten wie weiches und hartes Zeichen gar nicht zu reden.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2012 um 05.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21087
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In der Tat, das kyrillische Alphabet zu lernen ist eine Sache von Minuten, und dann braucht man noch einen Nachmittag, um es einzuüben. Anders sieht es dann mit Handschriftlichem aus. (Falls Sie mir einen russischen Brief schreiben wollen, benutzen Sie bitte die Maschine.)
Meine eigene Handschrift kann fast niemand lesen, aber meine Frau und meine Töchter sind daran gewöhnt und haben keine Probleme. (Vielleicht rührt meine Kritik an der Graphologie auch daher, daß ich fürchte, mir ein ebenso vernichtendes Urteil zuzuziehen, wie der bucklige Lichtenberg es von der Physiognomik zu gewärtigen hatte ...)
Wenn man in die ältere Schrift eingeübt ist, liest man wohl auch die von Herrn Markner angeführten Gleim und Kästner ohne Mühe. Ich habe Kollegen, deren handschriftliche Briefe ich so gut wie nicht entziffern kann. Jeder nutzt die Redundanzen auf seine Weise, und in jede kann man sich eingewöhnen, das wissen die Herausgeber handschriftlicher Nachlässe.
Ich hatte kürzlich Gelegenheit, 40 Jahre alte Schönschreibhefte aus einer bayerischen Dorfschule durchzusehen. Umwerfend! Man kann natürlich fragen, wozu das gut war, ebenso wie die kilometerlangen Stickereien unserer Großeltern usw. Aber was tun die Leute heute mit ihrer angeblich gewonnenen Zeit? Diesen Vergleich halten die Älteren jedenfalls aus.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 19.07.2012 um 04.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21086
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Ein paar Proben gefällig?
www.ub.uni-bielefeld.de/cgi-bin/nav_autogr.cgi?autogr=gleim-1
www.ub.uni-bielefeld.de/cgi-bin/nav_autogr.cgi?autogr=kaestner-1
(Mehr an gleicher Stelle.)
Beide Autoren, Gleim und Kästner, waren gleichaltrig.
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.07.2012 um 23.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21085
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In dieser Hinsicht sind die mathematischen Wissenschaften außerordentlich bildend. Ich habe daraus das griechische Alphabet und die „deutsche Schrift“ gelernt. Ersteres hat mir in der Tat das Erlernen des russischen Alphabets erleichtert. Allerdings empfand ich das Erlernen des Alphabets sowieso als das Leichteste am Russischlernen. Ich hätte es wohl auch so schnell gelernt.
Die Verwendung von Frakturbuchstaben für Vektoren ist inzwischen aber wohl auch der Globalisierung zum Opfer gefallen.
Noch zur „kulturellen Amnesie“: Ich kann mich nicht erinnern, daß mir irgend jemand in meiner Schulzeit in den 50er und 60er Jahren das Lesen von Frakturschriften beigebracht hätte. Das habe ich mir wohl in der elterlichen Bibliothek selbst beigebracht. Die handschriftliche Form habe ich aber erst in der Physik gelernt.
Ich muß allerdings gestehen, daß mir die Lektüre der schriftlichen Hinterlassenschaften meines Großvaters doch größte Mühe bereitet. Ich nehme mir immer mal wieder vor, mich auf den Hosenboden zu setzen, aber ...
Dabei habe ich den Eindruck, daß die frühere deutsche Handschrift bei unterschiedlichen Schreibern viel einheitlicher ausfällt als die lateinische Handschrift. Täusche ich mich, weil mir die Unterschiede nicht so ausfallen? Wenn nicht, liegt es daran, das man früher in der Schule und im Leben größeren Wert auf eine saubere Handschrift legte? Oder liegt es daran, daß diese Schrift von vornherein besser auf Handschrift zugeschnitten war als die aus Druckbuchstaben abgeleitete lateinische Handschrift?
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.07.2012 um 16.08 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21084
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Allein schon, um sich nicht als "Mrs. Maloprop" zu blamieren. Z.B. kann man sich in der Mathematik, Naturwissenschaft und Technik Fremdwörter viel besser merken, wenn man ihre wörtliche Bedeutung kennt oder ableiten kann..
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2012 um 15.47 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21083
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Warum denn das? Und warum jeder Abiturient?
Ja, Homer habe ich gern gelesen, aber es ist natürlich ein ganz anderes "Lesen" als bei Autoren der Neuzeit. Homers Sprache ist auch für jemanden, der gründlich das attische Normalgriechisch gelernt hat, schockierend fremdartig und schwierig, es gibt ganze Bücher über ungeklärte oder zumindest besonders erklärungsbedürftige "Homerische Wörter" (das ist ein bekannter Titel).
Mein Homer ist von Anfang bis Ende mit meinen Bleistifteintragungen verziert, das Ergebnis Tausender von Nachschlaghandlungen.
Dazu fällt mir etwas Anekdotisches ein: Während meines Indogermanistikstudiums besuchte ich ein Seminar beim betagten Josef Weisweiler in Marburg: "Sprachwissenschaftliche Lektüre der Odyssee" oder so ähnlich. Wir waren nur drei oder vier Studenten, deshalb konnte ich schlecht wegbleiben, aber wir sind in einem ganzen Semester nicht über den ersten Vers hinausgekommen!
Ich selbst habe ja erst als Student angefangen, Griechisch zu lernen, dann allerdings mit Lust die wesentlichen Werke durchgearbeitet, später selbst an der Uni und in der Schule Griechisch unterrichtet. Gerade deshalb bin ich skeptisch, wenn von "jedem Abiturienten" altsprachliche Kenntnisse verlangt werden. Schön, wenn man's kann, aber es geht auch anders.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.07.2012 um 15.26 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21082
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Nicht jeder "Gebildete" muß die griechischen und lateinischen Schriftsteller im Original lesen können (obwohl es bei Homer wirklich Spaß macht). Aber jeder Abiturient sollte in der Lage sein, lateinische und griechische Fremdwörter und ihre Wortbildung zu analysieren, und dazu das griechische Alphabet soweit kennen, daß er Wörter im Griechisch-Wörterbuch nachschlagen kann. (Außerdem erleichtert das Griechische Koinä-Alphabet das Erlernen der kyrillischen Druckbuchstaben.)
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Kommentar von R. M., verfaßt am 18.07.2012 um 02.04 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21081
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Kulturelle Selbstentwurzelung und kollektive Amnesie ist für deutsche Schüler billiger zu haben. Man verzichtet einfach darauf, ihnen das Lesen von Frakturschriften beizubringen.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.07.2012 um 16.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21079
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Wenn es um "ein Modell für Sprache überhaupt" geht, bei der "die Strukturen von Sprache" im "Grammatikunterricht systematisch und sicher nicht ohne Mühen grundgelegt" werden, sollten wir an unseren Schulen vielleicht Sanskrit unterrichten (da lernt man was über Dual und so).
Das Klagen über "kulturelle Selbstentwurzelung und kollektive Amnesie" hört man auch oft, wenn die Leute heute nicht mehr die diversen christlichen Heiligenlegenden und ihre Ikonographie kennen. Desgleichen, siehe den im Diskussionsforum dargestellten FAZ-Artikel, wenn die Schüler nicht mehr, wie noch im Rühmann-Film zu sehen, wie aus der Pistole geschossen die diversen Schlachtorte des Dreißigjährigen Krieges herunterbeten können – im damals selbstverständlich noch völlig ideologiefreien Unterricht ("Unser Kaiser ist ein guter Mann, er wohnet in Berlin; und wäre es nicht so weit, ich ginge heut' noch hin.")
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2012 um 12.37 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1528#21077
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Sommer spekuliert auch, daß Lyndon B. Johnson sich vielleicht nicht auf den Vietnamkrieg eingelassen hätte, wenn er Thukydides gelesen hätte (dort besonders die Sizilien-Expedition). Wie kann man solch einen Unsinn verzapfen? Übrigens hat der Vietnamkrieg meiner Ansicht nach wenig Ähnlichkeit mit dem Peloponnesischen Krieg. Eher könnte man an den Rußlandfeldzug Napoleons denken. Aber Napoleon dürfte Thukydides gelesen haben, auf französisch.
Dieselben Philologen, die es falsch finden, die Antike nur durch Übersetzungen kennenzulernen, schreiben: „Genau genommen verkörpern freilich nicht die Römer, sondern die Griechen den Anfang unserer kulturellen Einflussgrößen. Doch vermittelt gerade das Lateinische die griechische Geistestradition in die folgenden Jahrhunderte. Hier sei als idealtypisches Beispiel der enzyklopädische Eklektizismus Ciceros angeführt.“ (Friedrich Maier) – Hier soll also das „Ad fontes!“ plötzlich nicht mehr gelten, man begnügt sich mit der römischen Übersetzung der griechischen Kultur, als wenn das nicht ebenso eine Umgestaltung wäre wie die moderne Rezeption. Der einzige Grund ist die Tatsache, daß praktisch kein Griechischunterricht mehr stattfindet und daher auch kein Bedürfnis mehr besteht, ihn zu rechtfertigen.
Auch Friedrich Maier versteigt sich zu der Behauptung: „Ein Verzicht auf das Lateinische käme sicherlich, zugespitzt gesprochen, einer kulturellen Selbstentwurzelung und kollektiven Amnesie gleich, was schon aus anthropologischen Gründen fragwürdig wäre.“
„Aus anthropologischen Gründen“! Wissen diese Leute, was sie da sagen? Das volle Menschsein beginnt mit dem Lateinunterricht; diesseits davon gibt es höchstens Anthropoiden - oder wie soll man das verstehen?
Auch Sommers Vortrag enthält, bei allen Vorbehalten, viel Kränkendes für Menschen, die kein Latein gelernt haben. Sie haben anscheinend einen Defekt, gerade auch in moralischer Hinsicht.
Helmut Meißner schreibt: „Latein ist nach wie vor ein Modell für Sprache überhaupt und damit im Idealfall – als erste Fremdsprache – und auch sonst ein symbolisches Charakterfach des Gymnasiums. Die Strukturen von Sprache werden im lateinischen Grammatikunterricht systematisch und sicher nicht ohne Mühen grundgelegt, sprachliche Phänomene nach Form und Funktion eingeordnet. Weder das Fach Deutsch noch die modernen Fremdsprachen bieten vergleichbare Bildungseinsichten.“
Ausgerechnet an einer toten Sprache, die üblicherweise auch nicht so unterrichtet wird, als könne sie noch gesprochen werden, soll das Wesen der menschlichen Sprache schlechthin gezeigt werden? Seit 200 Jahren bemüht sich die Sprachwissenschaft, andere Sprachen nicht mehr durch die Brille einer einzigen zu sehen, d. h. sich vom Modell der lateinischen zu befreien. Die lateinische Sprache steht gleichberechtigt, aber nicht privilegiert unter den Sprachen der Welt. Sie ist nicht ein „Modell für Sprache überhaupt“. Gegen diese Einsicht ist die Mehrheit der Altphilologen immun.
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