zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


04.03.2014
 

Grammatische Exerzitien 6
Spalt- und Sperrsätze

Satzglieder und Gliedteile können durch Satzspaltung an den Anfang oder an das Ende eines Satzes, also die Ausdrucks- oder Eindrucksstelle gestellt und dadurch hervorgehoben werden. Man spricht von Spalt- und Sperrsatz, nach dem Vorbild der generativen Grammatik auch von Cleft- und Pseudocleft-Konstruktionen, nach Ulrich Engel von Links- und Rechtsspaltung.

Spaltsatz
Ein hervorzuhebendes Satzglied wird zunächst in einem Kopulasatz genannt, der ein Vorgreifer-es enthält. Die inhaltliche Bestimmung erfolgt durch einen extraponierten Gliedsatz. Der Anschluß kann auf unterschiedliche Art hergestellt werden. Das Vorgreifer-es bewirkt keine Kongruenz der Verbform.
Bei nichtpersönlichem Bezugsgegenstand kann das verallgemeinerte Relativpronomen was gesetzt werden:
Es ist die Verbindung von Gebärden- und Lautsprache, was dem Kind die Verfügung über die Wörter verschafft. (Friedrich Kainz: Psychologie der Sprache, Bd. 1. Stuttgart 1969:21)
Unsere Ausdünstungen, unser Schweiß, und das CO2, das wir ausatmen, sind es, was Mücken anzieht. (n-tv 27.7.07)
Oft wird jedoch ein kongruierendes Relativpronomen verwendet:
Es sind die kleinen Rechthabereien, die eine große Liebe zermürben. (Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein. Frankfurt:129)
Der Begriff der mechanischen Kausalität war es, der Goethe gänzlich abging. (Emile du Bois-Reymond: Reden. Band 2, Leipzig 1912:172)
Die entsprechenden beiden Möglichkeiten gelten auch für Präpositionalobjektsätze: sie werden bei nichtpersönlichem Bezug mit Präpositionaladverb (woran usw.) oder Präposition und Relativpronomen angeschlossen:
Es ist nicht der gesamte Bereich des Wortschatzes, worauf/auf den sich diese sprachlichen Bemühungen erstrecken. (DaF 6, 1969:415)
Personenbezeichnungen werden durch d-Relativpronomina wiederaufgenommen:
Es war der junge Kant, der 1775 als erster eine Erklärung für die oft kreisrunden, aber meist elliptischen Nebelchen gab. (Rudolf Kippenhahn: Licht vom Rande der Welt. Stuttgart 1984:114)
Adverbialsätze werden durch die entsprechenden Konjunktionen eingeleitet:
Es war im Winter 1962, als ich Günter Matthes zum ersten Mal begegnete. (Zeit 28.12.90)
Jedoch ist auch ein Anschluß mit daß möglich:
Es war wohl in dieser Zeit, daß Feist zum ersten Mal auf die Veneter stieß. (Muttersprache 91, 1981:257)
Da der Spaltsatz der Hervorhebung eines Satzgliedes dient, steht das Vorgreifer-es meist am Satzanfang und kann daher leicht mit der gleichlautenden Vorfeldpartikel verwechselt werden. Keine solche Verwechslung ist möglich, wenn das Vorgreifer-es im Satzinneren steht:
Hier war es, wo der Wirsich seine ersparten Gehälter und Löhne vertrank. (Robert Walser: Der Gehülfe. Frankfurt 1978:150)
Die Umstellprobe zeigt gegebenenfalls, ob es sich tatsächlich um das Vorgreifer-es handelt; nur dieses übersteht den Test:
Es sind die kleinen Rechthabereien, die eine große Liebe zermürben.
Die kleinen Rechthabereien sind es, die eine große Liebe zermürben.
In Fragesätzen steht ohnehin das Fragepronomen bzw. das finite Verb an erster Stelle:
Was ist es, das den Erfolg dieses Dirigenten bestimmt? (FAZ 4.5.85)
Ist es das, was du wolltest? (Schlagertext)
Der abgespaltene Satz kann auch Nebensatz sein:
Es muß hier betont werden, daß es vor allem in der internationalen Gemeinschaftsarbeit war, wo Wüster noch zu Lebzeiten seine Ideen verwirklichen konnte. (Muttersprache 92, 1982:296)

Sperrsatz
Das Gefüge aus Obersatz und meist vorangestelltem freiem Relativsatz heißt Sperrsatz; er ist gewissermaßen die Umkehr des Spaltsatzes, denn nun steht der identifizierend hervorhebende Obersatz am Ende, und die nähere Bestimmung wird durch einen Relativsatz vorweggenommen:
Was nicht läuft, ist die Beschäftigung. (Zeit 28.6.85)
Was wir brauchen, ist ein Erfolgserlebnis. (sportschau.de 28.2.14)
Die Numeruskongruenz wird vom Subjekt des Obersatzes gesteuert:
Was hier so dumpf dröhnt, sind Handkes Mystifikationen. (Volker Hage, Hg.: Deutsche Literatur 1982. Stuttgart 1983:177)
Der Kasus wird manchmal aus dem Relativsatz in den Obersatz übertragen (Attractio inversa):
„Was ich möchte, ist euren Respekt.“ (SZ 13.4.99)
Was ich suche, ist den richtigen Mann fürs Leben. (http://www.spin.de/hp/Josy-2011/)
Andere Einleitungselemente als wer/was sind selten:
Wo ich nie hin möchte, ist Pakistan.
Die Wiederaufnahme durch das Demonstrativum das ist möglich:
Wer aber hereinkam, das war der Wolf. (Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Bd. 1. Frankfurt:62)
Anstelle des verallgemeinernden Relativs kann auch das bestimmte (d-Relativpronomen) stehen:
„Wir müssen erkennen: die fetten Jahre sind vorbei.“ Der dies sagt, ist ein Landwirt aus Franken. (FAZ 14.9.85)


Anmerkungen

Spaltsätze sind von echten Korrelativkonstruktionen zu unterscheiden:
(Wenn in einer Gesellschaft nichts mehr zu erwarten ist, dann bedarf es des radikalen Bruchs mit der alten Existenz.) Das ist das, was wir fürchten und wozu die Kunst ermutigt. (http://www.deutschlandfunk.de/unerhoerte-toene.871.de.html?dram:article_id=125854)
= Das fürchten wir, und dazu ermutigt uns die Kunst. Das Bezugselement dás ist betonbar und wird stets kongruierend (was) aufgenommen.

Zu Es sind die kleinen Rechthabereien, die eine große Liebe zermürben. Das kongruierende Relativpronomen in diesem Satz stellt eine im Grunde unlogische Beziehung her: „die kleinen Rechthabereien, die eine große Liebe zermürben“ sind ja nicht gemeint. Vielmehr bezieht sich der Relativsatz sinngemäß auf jenes Etwas, das sich in es verbirgt und erst danach als die kleinen Rechthabereien identifiziert wird. Man könnte also paraphrasieren:
Das(jenige), was eine große Liebe zermürbt, sind die kleinen Rechthabereien.
Vgl. auch:
Diese sprachliche Wirkung war es auch, die die Rhetorik einigen Philosophen verdächtig werden ließ. (Am Anfang war das Wort. Dortmund 1983:168)
Nichtextraponiert würde der Satz lauten:
Diese sprachliche Wirkung, die die Rhetorik einigen Philosophen verdächtig werden ließ, war es auch.
was nicht den gemeinten Sinn ergibt.

Mit den Spaltsätzen sind die funktional gleichwertigen verkappt-abhängigen Sätze verwandt:
Elf Jahre ist es her, da entwickelten Physiker vom Watson Research Center ein überzeugendes Konzept, wie sich im Labor die Teleportation verwirklichen ließe. (FAZ 23.6.04)
Zum Sperrsatz: Trotz Wiederaufnahme durch ein Demonstrativum bleibt der Relativsatz im Sperrsatzgefüge ein freier.
Die Spiegelbildlichkeit von Spalt- und Sperrsatz wird nur durch das Vorgreifer-es und die oft herrschenden Kongruenzverhältnisse gestört, vgl.
Der Begriff der mechanischen Kausalität war es, der Goethe gänzlich abging.
Der Begriff der mechanischen Kausalität war es, was Goethe gänzlich abging.

Hier wäre das Stützwort sogar weglaßbar:
Der Begriff der mechanischen Kausalität war, was Goethe gänzlich abging.
Dann wäre die genaue Umkehrung möglich:
Was Goethe gänzlich abging, war der Begriff der mechanischen Kausalität.

Als verkürzte Sperrsätze können auch einleitende freie Relativsätze wie Was mich am meisten erstaunte(:) angesehen werden, vgl. Dudengrammatik 1045. Man könnte fortsetzen ist folgendes.
Umgekehrt entspricht was zu beweisen war einem verkürzten Spaltsatz = Das ist es, was zu beweisen war.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Grammatische Exerzitien 6«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2018 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#40135

Im Wahlkampf schien es der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater zu genießen, den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern. (FAZ 20.11.18)

Das Vorgreifer-es (Korrelat des Infinitivsatzes) steht an einer Stelle, wo der "vorgegriffene" Satz so gut wie gar nicht stehen könnte:

*Im Wahlkampf schien, den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern, der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater zu genießen.

Eher möglich, aber auch nicht gut:

Im Wahlkampf schien der noch immer jugendlich wirkende, in zweiter Ehe verheiratete Familienvater den Präsidenten zu einer ganzen Reihe Themen herauszufordern zu genießen.

Das es im Akkusativ ist nicht betonbar, muß sich also in eine Betonungssenke verkriechen. Im Original hängt es sich enklitisch an das Verb an, sogar schien´s wäre möglich. Der Nachteil ist, daß die Konstruktion von genießen schon ziemlich lange vor seinem Auftreten bekannt, das Verb also schon früh ausgewählt sein muß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.06.2018 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38974

Daß er reiste, war das erste Mal
müßte nach Prof. Icklers Ausführungen eigentlich Sperrsatz heißen. Der ausdrückliche Bezug auf Relativsätze beim Sperrsatz ist wohl ähnlich locker wie beim Spaltsatz zu verstehen.

Die Bezeichnungen Spalt- und Sperrsatz irritieren mich etwas, als ob es verschiedene Dinge seien. Eigentlich geht es doch nur um Abspaltung nach links oder nach rechts, deshalb finde ich die Engelsche Terminologie, Links- und Rechtsspaltung, einleuchtender.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.06.2018 um 00.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38972

Lieber Herr Hilscher,
wir müssen bedenken, daß das erste Mal im Nominativ und im Akkusativ gleich ist.

Genauso wie man
Er reiste zum ersten Mal dorthin
nicht umwandeln kann in
Es war zum ersten Mal, daß er dorthin reiste
(auch ich halte das für schlechtes Deutsch), kann man auch
Er reiste das erste Mal [Akk.] dorthin
nicht umwandeln in
Es war das erste Mal [Akk.], daß er dorthin reiste,
sondern man kann es nur umwandeln in
Es war das erste Mal [Nom.], daß er dorthin reiste.

Es ist also nur ein Trugschluß wegen der Doppelform das erste Mal, daß Sie meinen, das eine geht, das andere nicht. In Wirklichkeit geht beides nicht.

Manche Adverbiale werden halt auch prädikativ verwendet, manche nicht, wer weiß, warum.

Mich würde aber auch interessieren, warum man als Spaltsatz nur solche mit Kopula bezeichnet. Warum wird
Es war das erste Mal, daß ...
Spaltsatz genannt, aber
Es geschah zum ersten Mal, daß ...
nicht? Oder verstehe ich etwas falsch?
Warum muß es unbedingt ein Vorgreifer-es sein, geht ein das oder dieses nicht?
Und auch:
Daß er reiste, war das erste Mal
ist in diesem Sinne kein Spaltsatz?
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 26.06.2018 um 20.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38971

Ein letzter Einwand meinerseits gegen die Spaltsatz-Interpretation:
Wenn „Es war das erste Mal, daß er dorthin reiste“ ein Spaltsatz ist, der inhaltlich dem Nichtspaltsatz „Er reiste das erste Mal dorthin“ entspricht, wie läßt sich dann erklären, daß zu „Er reiste zum ersten Mal dorthin“ nicht der Spaltsatz „Es war zum ersten Mal, daß er dorthin reiste“ gebildet werden kann?
Grundsätzlich sind Spaltsätze mit daß, bei denen auf es war ein Adverbiale folgt, ja möglich, siehe oben: „Es war wohl in dieser Zeit, daß Feist zum ersten Mal auf die Veneter stieß.“
(Ja, die Google-Suche nach „Es war zum ersten Mal, daß“ liefert nicht so viel weniger Treffer als die zu „Es war das erste Mal, daß“, aber mein Sprachgefühl sträubt sich auf jeden Fall gegen die erste Variante.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.06.2018 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38968

Ja, vielleicht könnte man statt "es" oder "das" sogar noch klarer rückbezüglich formulieren:

Diese Reise war das erste Mal, daß ein General aus dem ehemaligen Mutterland in das frühere Ostpakistan reiste.

Da bin ich mir nun unsicher, ob man das noch Spaltsatz nennen kann, und das beträfe natürlich auch den Originalsatz, wenn man ihn (das "es") so versteht. Aber das Duden-Beispiel ist immerhin als Spaltsatz interpretierbar, die andere denkbare Bezugnahme mit dem "es" scheint mir etwas weiter hergeholt.
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 24.06.2018 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38967

Lieber Herr Riemer, ich muß mich gleich einmal für eine falsche Quellenangabe entschuldigen: Mein Beispiel stammt aus der 8. Auflage von 2009, nicht aus der 4. (Auf die Vier bin ich wohl deshalb gekommen, weil die Grammatik Band 4 der Duden-Reihe ist.)
Zum Thema: Das es in Ihrem Satz (2) („Es ist der erste Besuch“) ist ja kein Vorgreifer-es, und vor allem deshalb habe ich Zweifel, ob das es in Satz (1) („Es ist das erste Mal, daß er reist“) eines ist.
Anders gesagt: Muß der daß-Satz denn das es wieder aufnehmen, oder kann er nicht auch zu das erste Mal gehören? Für mich klingt nämlich der Satz „Das ist das erste Mal, daß er reist“ (3) genauso normal wie Satz (1), während Sätze, in denen sich das eindeutig auf den folgenden daß-Satz bezieht, umgangsprachlich wirken: „Das ist gut, daß er dorthin reist“ (4).
Daraus würde ich dann schließen, daß sich das das in (3) wohl nicht auf den daß-Satz bezieht. Und weil ich keinen allzu großen Unterschied zwischen (3) und (1) sehen kann, würde ich daraus wiederum folgern, daß auch das es in (1) nicht auf den daß-Satz verweist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.06.2018 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38966

Um die Sätze handlicher zu machen, lasse ich alles Unwesentliche weg und setze sie ins Präsens:

(1) Es ist das erste Mal, daß er reist.
(2) Es ist der erste Besuch.

Es ist hier nicht nur Vorfeldfüller, sondern Subjekt. Beide Sätze sind grammatisch völlig gleich strukturiert, außer daß in (1) das Subjekt es durch den restriktiven daß-Nebensatz näher bestimmt wird. Prof. Ickler nennt es ein Vorgreifer-es. Das es bezieht sich also eindeutig auf den Fakt, daß er reist. (2) kann natürlich als einfacher Hauptsatz kein Spaltsatz sein, während (1) einer ist.

Ich habe diesen Grammatikduden nicht zur Hand, sondern die 7. Auflage von 2005. Dort werden (auch unter Nr. 1662) Spaltsätze als restriktive Relativsätze nach dem Muster Es ist X, der/die/das ... bezeichnet. Nun ist zwar ein daß-Satz kein Relativsatz, daher ist dieses Dudenbeispiel vielleicht nicht ganz passend zur Definition im Duden, aber sonst treffen die Merkmale eines Spaltsatzes zu.

Prof. Ickler macht es nicht am Relativsatz fest, sondern schreibt allgemeiner von einem "extraponierten Gliedsatz". Siehe auch sein Beispiel im Hauptartikel:
Es war im Winter 1962, als ich Günter Matthes zum ersten Mal begegnete mit daß statt als.
 
 

Kommentar von Georg Hilscher, verfaßt am 24.06.2018 um 01.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#38965

Der Grammatik-Duden (4. Aufl.) faßt Sätze wie „Es war das erste Mal, dass ein General aus dem ehemaligen Mutterland in das frühere Ostpakistan reiste“ als Spaltsätze auf (vgl. S. 1036, Abschn. 1662). Kann man diese Einordnung irgendwie begründen?
Das „es“ bezieht sich hier doch wohl auf etwas vorher Gesagtes, vielleicht auch auf etwas, was erst in den folgenden Sätzen genannt wird – auf jeden Fall nicht auf den daß-Satz. Denn der Beispielsatz, scheint mir, ist vergleichbar mit einem Satz wie „Es war der erste Besuch eines Generals aus dem ehemaligen Mutterland im früheren Ostpakistan“, also einem Satz, der offensichtlich kein Spaltsatz ist.
Außerdem kann man nicht sagen: „Es war zum ersten Mal/erstmals, daß ein General …“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2017 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#35533

Wo Marx allerdings wieder falschlag, war sein Bild des Unternehmers. (FAZ 30.6.17)

(Ich habe diesen Satz anderswo wegen falschliegen angeführt.)

Das ist ein gutes Beispiel für einen "Sperrsatz mit ungenauer Passung". Eigentlich müßte der freie Relativsatz durch ein Ortsadverbial aufgegriffen werden: ... war in/bei seinem Bild des Unternehmers. Oder: Worin Marx falsch lag, war sein Bild des Unternehmers.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.03.2014 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25334

BREAKING NEWS – Rechtschreibreform von 1901 endgültig durchgesetzt! Der Verband der Cigarettenindustrie hat sich aufgelöst, und die Nachfolgeorganisation nennt sich jetzt Deutscher Zigarettenverband.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2014 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25332

Na ja, mit "Widerstand" meinte ich ausdrückliche Ablehnung oder Kritik. Daß die Zigarettenindustrie aus Werbegründen einen besonderen Schreibbrauch pflegt, ist gerade kein Widerstand in diesem Sinne, sondern setzt den Usus voraus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.03.2014 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25330

Der Widerstand nahezu der gesamten deutschen Cigaretten-Industrie gegen das Z ist schon bemerkenswert. Aber das Thema wurde ja schon mal an anderer Stelle abgehandelt, und hier ging es eigentlich um etwas anderes, um Spalt- und Sperrsätze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2014 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25329

Die Zweite Orthographische Konferenz hatte die allmähliche Eindeutschung der Fremdwörter, insbesondere die Ersetzung von c durch z bzw. k in geläufigen Wörtern befürwortet, ohne alle Einzelfälle aufzulisten. Dagegen gab es meines Wissens auch keinen nennenswerten Widerstand.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.03.2014 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25327

Zitiert habe ich nach der Ausgabe von 1912. Dort ist tatsächlich die ß-Schreibung eingeführt. Allerdings kann man sich auf den Standpunkt stellen, das die ß-Schreibung in Antiqua weniger eine orthographische als eine typographische Frage war.

Über die Schreibung von Causalität/Kausalität gibt die amtliche Wörterliste von 1901 keine Auskunft. Der Duden 1908 kannte nur die Schreibung mit K.

Übrigens: Die amtliche Schreibung von 1901 ließ auch "Cigarette" zu. Auch diese Schreibung hat der Duden 1908 getilgt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2014 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25318

Ich habe den Originaltext gerade nicht zur Hand, aber die Ausgabe der Reden von 1912 dürfte durchgehend in der Orthographie des 20.Jahrhunderts gedruckt sein; so ist auch die ß-Schreibung eingeführt gegenüber dem ausschließlich verwendeten ss der Erstausgabe. Das war aber allgemeine Praxis, man denke nur an die Klassikerausgaben.
Aber die Frage, die Herr Achenbach aufwirft, ist durchaus bedeutsam. Ich meine: Wenn die Neuregelung in Ordnung wäre, hätte niemand etwas gegen die "Anpassung" von Texten, solange es sich nicht um historisch-kritische Ausgaben handelt, sondern die Leser am Inhalt interessiert sind. Welcher Schriftsteller hat sich beschwert, daß in seinen Romanen Zigarette steht, wo er vor 1900 Cigarette geschrieben hatte? Sogar die Germanisten lesen das meiste in angepaßten Texten, darunter fast alles Mittelhochdeutsche. Nur im engeren Sinne philologische Arbeiten müssen auf ein Original zurückgreifen, sofern überhaupt noch möglich. Bei Wörterbüchern wie dem großen Dudenwörterbuch hatte ich kritisiert, daß die zitierten Belege wegen der angewandten Reformschreibung teilweise geradezu ungrammatisch sind. Bei lebenden Schriftstellern, die sich gegen die Rechtschreibreform ausgesprochen hatten oder ihr stillschweigend widerstanden, finde ich es außerdem unzulässig und geradezu gemein, ihnen durch falsches Zitieren eine frühe Unterwerfung unter die Neuregelung zu unterstellen. Die Dudenredaktion hat das verbrochen, als die Neuregelung noch nicht von ihren gröbsten Fehlern kuriert war und die Redakteure sehr wohl wußten, wie unsinnig manche Neuschreibungen waren.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.03.2014 um 19.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25316

Was Du Bois-Reymond geschrieben hat, ist:

"Der Begriff der mechanischen Causalität war es, der Goethe gänzlich abging."

Wieder ein Beispiel für orthographische Zitatverfälschung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2014 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25313

Blatz kommentiert:

„Eigentlich ist es, das der Träger des Relativs, z. B. Die Macht ist's was sie wollen (Grill.) (....) Statt dessen kann auch Kongruenz mit dem Substantiv eintreten (Die Religion allein war es, die fesselte) (...) Regelmäßig ist dies der Fall, wenn ein Personalsubstantiv vorausgeht, z. B. Der Graf war es, der (welcher) uns besuchte. Sehr selten: War es denn nicht die schöne Tochter, was ihn zur Fahne des Vaters führte? (Hauff)“ (Blatz II:896)

Das Problem ist also, daß das Substantiv (auch mit Artikel) logischerweise gar nicht das Bezugselement für den Relativsatz sein kann, denn es geht ja, wie oben gesagt, nicht um die Religion, die fesselte usw. Eher vergleichbar ist das, was ich den echten Korrelativsatz nenne: Die Religion war das, was fesselte. Der schwächere (nicht betonbare) Vorgreifer es ist gewissermaßen nicht stark genug, diese Kongruenzrichtung auf sich zu ziehen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.03.2014 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1607#25312

Es ist schlechter Stil, was der Kainz da schreibt – der definite Artikel schreit doch nach dem kongruierenden Pronomen. In einer Vorlesung läßt sich so etwas natürlich dahersagen, aber ausgeschrieben sieht es unbeholfen aus. Man kann sich schwer vorstellen, daß Du Bois-Reymond erwogen hätte, Der Begriff der mechanischen Kausalität war (es), was Goethe gänzlich abging zu schreiben. Nicht nur die fehlende Kongruenz stört, das ggf. wegzulassende Vorgreifer-es wirkt zu modern, aufgesetzt salopp wie im Spiegel.
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM