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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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25.04.2008
 

Neuer Auftritt
Der Rechtschreibrat hat sich eine neue Website zugelegt

Pünktlich zur Ratssitzung am 25.4.2008. In seinem Grußwort – übrigens auf den Juni 2008 datiert – schreibt Zehetmair jetzt:
"Die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung bestand zunächst einmal darin, einen Kompromiss zwischen Reformbefürwortern und Reformkritikern auszuarbeiten." Das ist wieder ein bißchen anders als bisher. Leider erwähnt Zehetmair nicht, daß der Rat diese Arbeit auf Druck der Kultusminister mittendrin abbrechen mußte.
In einer Zeittafel zur Reformgeschichte wird die Mannheimer Anhörung wieder nicht erwähnt. Sie war ja auch peinlich, Frau Güthert hat sie protokolliert und weiß das am besten. Das neue Regelwerk stelle, so liest man weiter, "den Urmeter" der deutschen Rechtschreibung dar. Das kann nur von Frau Güthert formuliert sein, denn alle anderen Deutschen sagen "das Urmeter". Mal sehen, wann es korrigiert wird.



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Kommentare zu »Neuer Auftritt«
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Kommentar von ub, verfaßt am 25.04.2008 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12012

Die Sitzung des Rechtschreibrates war selbst dpa diesmal keine Zeile mehr wert (aber wer weiß, vielleicht verfaßt Herr Zehetmair ja in dieser Stunde gerade ein Kommuniqué, und es kommt später doch noch etwas über Agentur). Statt dessen berichtet dpa heute ausführlich über die Wahl des "besten eingewanderten Wortes".
 
 

Kommentar von Klaus Malorny, verfaßt am 25.04.2008 um 22.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12014

Welch eine Überheblichkeit! Wäre das Urmeter wie die reformierte Rechtschreibung, so wäre es heute nur noch 73 cm lang und zudem völlig verbogen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.04.2008 um 00.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12016

Eine Bestätigung von »höchster« Stelle dafür, daß auch in Reformschreibung nach dem Doppelpunkt nicht, wie viele vermeinen, grundsätzlich groß geschrieben wird, wenn sich ein vollständiger Satz anschließt, kann man in folgendem Satz sehen, der die neue Website des Rechtschreibrats ziert: »Die nebenstehenden Links zeichnen nicht nur den Weg bis zum Kompromiss des Jahres 2006 nach, sondern weisen auch in die Zukunft: neben wichtigen Eckdaten zur Reformdiskussion und einem Überblick zur Genese des amtlichen Regelwerks sind die Arbeitsgrundlagen des Rats eingestellt.« (http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/dokumentation/)

Abgesehen davon meine ich, daß es ein hundsgemeiner Punkt hier auch getan hätte: Wenn man nur lange genug darüber nachdenkt, findet man fast immer Argumente, die für den Doppelpunkt sprechen: Am Ende gibt es kaum noch Sätze, die ohne ihn auskommen: Ob das im Sinne des Erfinders ist?

Wie können übrigens Links einen Weg nachzeichnen? Gemeint sind ja wohl die Texte, zu denen man über diese Links gelangt. Ein Fall von nicht zu beanstandender Metonymie? Oder hat der Autor (oder die Autorin ...) nachlässig formuliert?
 
 

Kommentar von M. Mann, verfaßt am 26.04.2008 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12021

Rechtschreibrat.com > Downloads: Unter "Historische Dokumente" findet man das Amtliche Regelwerk aus dem Jahr 2004. Noch 1995 konnte man sich mit gutem Gewissen an 90 Jahre alte Regeln halten, und nun ist ein vier Jahre altes Dokument bereits "historisch". Deutlicher kann man doch gar nicht zugeben, wie undurchdacht das eigene Handeln war und wie "gut" die Reform angenommen wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2008 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12023

„Die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung bestand zunächst einmal darin, einen Kompromiss zwischen Reformbefürwortern und Reformkritikern auszuarbeiten und somit für die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung Sorge zu tragen.“ Das war nie die Aufgabe und steht weder im Statut noch anderswo. Wenn es um einen Kompromiß zwischen Reformkritikern und Reformbefürwortern gegangen wäre, hätten ja auch Reformgegner in den Rat aufgenommen werden müssen. Es ist aber nur ein einziger, nicht gerade erwünschter, eingetreten und nach einem Jahr wieder ausgetreten. Seither waren die Reformbefürworter unter sich, und die entschiedensten gaben den Ton an. Sie haben ein bißchen an ausgemachten Fehlern herumrepariert, aber einen "Kompromiß", wie es der Denkweise des Politikers entspricht, haben sie nicht ausgearbeitet.
Ebendort bezeichnet Zehetmair den Rechtschreibrat als „zentrale Instanz in Fagen der Rechtschreibung“. Aber der Rat kann weder etwas entscheiden noch Auskunft geben – dazu ist er personell gar nicht ausgestattet.
Man kann die Rechtschreibung aber auch nicht, wie es anderswo heißt, „beobachten und weiterentwickeln“. Hier wird nämlich „Rechtschreibung“ jeweils in verschiedener Bedeutung gebraucht. Beobachten kann man nur den Schreibbrauch, weiterentwickeln die gesetzte Norm.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2008 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12024

Der Vorsitzende Zehetmair hat ja als sein Ziel bekannt, den Rechtschreibrat einschlafen zu lassen, und spätestens 2010 wird das auch der Fall sein; man wird die sechs Jahre der ersten Amtsperiode als definitiv verstehen und sich zur Ruhe setzen. Insofern würde es passen, wenn Zehetmair gestern gar keine Pressekonferenz mehr gehalten hätte und es somit auch nichts zu berichten gäbe. Mit der "Beobachtung" der Schreibentwicklung scheint es auch nicht so gut zu laufen. Wir anderen haben allerlei beobachtet und auch darüber berichtet. Zehetmair ist inzwischen, wie die Zeitung mitteilt, zur Wallfahrt nach Tuntenhausen aufgebrochen, wo er ja Mitglied im Katholischen Männerverein ist. Stoiber freut sich, nach 17 Jahren auch wieder mal dabeizusein.

(In einem anderen Zusammenhang titelt die SZ heute übrigens "Dabei sein ist alles" – wo sie sicher gern zusammengeschrieben hätte, aber sie traut sich nicht.)

Ob Peter Schlobinski als Hobergs Nachfolger einen anderen Standpunkt vertritt als dieser, steht dahin. Nach seinen früheren Äußerungen ist es kaum zu erwarten, würde im übrigen auch nichts ändern. Hier noch einmal Schlobinski im Jahre 2004:
„Grundsätzlich aber sei die Reform »nicht konsequent und fehlerhaft«. Schlobinski plädierte dafür, jetzt schrittweise bestimmte Verbesserungen vorzunehmen. Das könne »ganz unaufgeregt geschehen«. Bei Veränderungen müssten auch nicht gleich wieder alle Schulbücher neu gedruckt werden, das habe man schließlich früher bei einzelnen Änderungen auch nicht getan. Er wies darauf hin, dass es für die Schüler auch nicht einfacher wäre, wenn man die Reform jetzt völlig zurücknähme. Außerdem könne man diesen auch »zumuten, mit bestimmten Problemen umzugehen«."
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 26.04.2008 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12025

Daß bei der Arbeit des Rates eher ein Kompromiß hätte herausspringen können, wären an ihr mehr Reformgegner beteiligt worden, bezweifle ich. Der Kompromiß ist ein politisches Instrument (oder ein zivilrechtliches, dann heißt er "Vergleich") und in dieser Sphäre häufig besser als die Alternative, nämlich zu schießen bzw. schießen zu lassen.

Die Dinge, die im Rat verhandelt wurden und werden, sind jedoch nicht kompromißfähig. Bitte das jetzt nicht als Ausdruck eines irredentistischen Standpunktes mißzuverstehen. Es geht auch nicht darum, jedenfalls nicht in erster Linie, daß der Unterschied zwischen richtig und falsch ebensowenig verhandelbar ist wie die Antwort auf die Frage, wieviel 2+2 gibt.

Vielmehr ist schon die Frage nicht kompromißfähig, ob die Rechtschreibung in die Zuständigkeit des Staates oder der bürgerlichen Gesellschaft fällt (in einem anderen Strang haben wir es gerade davon). Daran ändert auch die Unterscheidung zwischen der Regularitäten entwickelnden Sprachgemeinschaft und einer diese Regelmäßigkeiten in eine Norm überführenden Instanz nichts. Auch eine Akademie kann nur entweder ein Organ der bürgerlichen Gesellschaft oder des Staates sein (wobei dann gegebenenfalls weiter zwischen ihrem institutionellen Status und ihrem Selbstverständnis zu unterscheiden wäre).

Tatsächlich hat ja irgendein Kultuspolitiker, dessen Name mir (ich schreibe nicht: leider) entfallen ist, den Rechtschreibrat einmal als deutsches Pendant zur Académie française bezeichnet. Das war natürlich schon damals eine groteske Behauptung, aber immerhin konnte man die Einrichtung des Rates zunächst als einen Versuch deuten, die usurpierte Verantwortung für die Rechtschreibung aufzugeben und sie in andere Hände zu legen.

Das bedeutete im herkömmlichen (bürgerlichen) Verständnis des Zusammenhangs zwischen Freiheit und Verantwortung auch den Verzicht auf die Verfahrensherrschaft. Daß den Kultusministern freilich ein solcher Verzicht fernlag, zeigte sich spätestens, als sie die bis zu diesem Zeitpunkt vom Rat noch nicht aufgegriffenen Teile der Reform für "unstrittig" erklärten.

Dabei wäre ein Kompromiß 2004 ganz leicht zu haben gewesen, nämlich einfach durch die Aufhebung der Übergangsfrist. Damit wären die Reformgegner zufrieden gewesen, die statt dessen mit einer nur teilweisen Aufhebung der Frist abgespeist wurden (das ist das faktische Ergebnis der Arbeit des Rates aus seiner aktiven Zeit), und die Politiker hätten ihr Gesicht gewahrt (⇒ "Staatsraison"). So aber haben sie einen politischen Kompromiß, der möglich war, durch einen Kompromiß in der Sache zu ersetzen versucht, der nicht möglich ist. Die Franzosen haben es klüger angestellt.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 27.04.2008 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12028

Beim Aufblättern des Valerio-Bändchens 3/2006 ("Niemand hat das letzte Wort") fiel mir eben zufällig ein Satz ins Auge, der mir bei der ersten Lektüre entgangen war und den ich sehr klug finde (er steht wider Erwarten auf Seite 84, also mitten in dem Beitrag von Professor Clemens Knobloch): "Allenthalben stehen einheitliche orthographische Normen im engen Zusammenhang mit der Gründung (oder Umgründung) von Staaten."

Gibt es diesen Zusammenhang, dann ist klar, warum der Rat einschlafen muß. Er würde auch erklären, warum ausgerechnet eine Verfassungsrechtlerin die Realität der deutschen Rechtschreibverhältnisse fiktionalisiert. Schließlich bietet er eine Erklärung für die merkwürdige Absence des Professors, der ja im übrigen die Dimension des Eingriffs kleinzureden versucht. Er hat offensichtlich gar nicht gemerkt, was er da schrieb. Die Reform ist gewissermaßen ein Ereignis, das aus der Zeit fällt.
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 28.04.2008 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12029

Überraschend hat in BILD.de Peter Hahne nochmal gegen die Reform vom Leder gezogen – nachdem 62% die BamS-Sonntagsfrage nach der Gewöhnung an die Reform negativ beantwortet haben. Vom "Rat" ist freilich nicht die Rede.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2008 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12030

Die geisterhafte Existenz des Rechtschreibrates kommt auch in einem Satz zum Ausdruck, den die Bundesregierung im Jugendmagazin "Schekker" veröffentlichen ließ:

„Seit 1997 begleiteten zuerst eine Zwischenstaatliche Kommission und später der Rat für deutsche Rechtschreibung die Umsetzung und Verbesserung des Regelwerks.“ (Schekker 42, Februar 2007, hg. von der Bundesregierung)

Das ist eine besonders seltsame unter den Umschreibungen der Aufgaben des Rechtschreibrates. Wer verbessert denn das Regelwerk, wenn der Rat die Verbesserung nur „begleitet“?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2008 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12041

Lustigerweise schmückt der Rechtschreibrat seine neue Seite ja nicht nur mit einem Porträt des Vorsitzenden, sondern auch mit einer Fotografie aus dem amtlichen Wörterverzeichnis, die ausgerechnet das Prachtstück "Dasssatz" zeigt. Das ist es also, worauf Herr Zehetmair so besonders stolz ist?

"Überholte Schreibweisen" müssen ja in Deutschland nun als Fehler angestrichen werden. Hat jemand schon erlebt, daß bei seinen Kindern "heute abend" und solche Sachen als Fehler angestrichen und notenrelevant bewertet wurden? Dann sollte er auch dies Herrn Zehetmair vorlegen und ihn fragen, was daran verkehrt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2008 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12042

Auch auf der neuen Website wird der Rechtschreibrat als "Letztinstanz in Fragen der Rechtschreibung" bezeichnet. Das ist und bleibt eine Lüge. Die Schulorthographie wird von den Kultusministern festgelegt, nicht vom Rechtschreibrat, der nur Vorschläge unterbreiten darf. Frau Güthert weiß das ganz genau.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.05.2008 um 22.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12113

Auf der neuen Website des Rats stachen mir sofort, sicher ganz im Sinne des Erfinders, die riesenhaften roten Anführungszeichen ins Auge, die links und rechts der Kopfleiste auf der Startseite prangen. Merkwürdigerweise hat man sich für „66 unten – 99 oben“ entschieden statt für die klassischen deutschen Anführungszeichen „99 unten – 66 oben“. Warum? Hielten die Webdesigner ihre „weltumarmende“ Lösung für harmonischer? Hat womöglich die Geschäftsführung zu bedenken gegeben, provokant nach außen weisende Hakenspitzen könnten als indirekte Aufforderung zur Wiederaufnahme der für abgeschlossen erklärten häßlichen Debatte über die Jahrhundertreform mißdeutet werden? Oder zerbreche ich mir schon wieder ganz unnötig den Kopf, weil irgendwelche Ästheten einen ebenso unbekümmerten wie beherzten Griff in die Zeichenkiste getan haben – und weiter nichts?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2008 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12114

Der Rat als "Letztinstanz" – diese Idee mag auf jenen Vorschlag der Kultusminister zurückgehen, die zwischenstaatliche Kommission mit dem alleinigen Verfügungsrecht über die deutsche Rechtschreibung auszustatten. Die KMK wollte damals die ganze Verantwortung loswerden. Die Kommission wurde wenig später aufgelöst, der Vorschlag wurde damit gegenstandslos, aber Frau Güthert mag die frohe Botschaft noch im Ohr behalten haben.

Über die letzte Sitzung des Rechtschreibrates scheint die Öffentlichkeit diesmal rein gar nichts erfahren zu sollen. Die Sitzung soll übrigens kurzfristig nach Eupen verlegt worden sein.
 
 

Kommentar von b.eversberg, verfaßt am 20.05.2008 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12192

Der Rat hat eine "Zeitleiste zur Reformgeschichte" aufgelegt (PDF-Datei). Die beschränkt sich strikt auf die Geschichte ab 1996 und auf seine eigene Sichtweise. Die rechte Spalte, "Eckdaten Reformdiskussion", listet ein paar Aktionen von Quertreibern auf und endet dann mit der Umstellung der FAZ und der Agenturen. Am Ende also alles schön auf Linie. Schlußsatz:
"Der Rat tritt in die Beobachtungsphase ein. Er hat im Weiteren die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln."
So steht es auch, weltfremd und verlogen wie nur etwas, linker Hand schön fett auf der neuen Homepage. Ein Protokoll der letzten Sitzung z.B. sucht man noch vergebens. Der Masse wegen noch nicht geschafft?
Auf welchem Gebiet kann sich ein Gremium solche horrenden Unverschämtheiten leisten, ohne daß eine Partei, ein Verband oder die Medien drüber herfallen? Sehr bemerkenswertes Faktum, das gehört auf die Zeitleiste: Rechtschreibfrieden auf ganzer Linie, Bemühungen können eingestellt werden, dem Schreibvolk ist offensichtlich auf allen Ebenen alles piepegal.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 20.05.2008 um 14.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12193

Am Freitag hielt ich das Exemplar einer frisch erschienenen Festschrift in der Hand: in herkömmlicher Rechtschreibung. Im Herbst wird der erste Band einer von mir angefertigten Übersetzung aus dem Lateinischen erscheinen: in herkömmlicher Rechtschreibung. Ich habe das Buch bereits meiner geduldigen Familie gewidmet. Stilvoller wäre eine Widmung an die Büttenredner vom Rechtschreibrat und ihren Präsidenten gewesen. Nun ist’s zu spät.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 20.05.2008 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12194

Normalerweise neige ich ja auch sehr zur Schwarzmalerei, lieber Herr Eversberg, aber diesmal interpretiere ich die Aussagen des Rechtschreibrates anders. Das ist in meinen Augen das bekannte Pfeifen im Walde, denn nur jemand, der mit dem Klammerbeutel gepudert wurde, kann ernsthaft noch an eine einheitliche Rechtschreibung (auf welcher "orthografischen" Grundlage auch immer) im deutschen Sprachraum glauben. Auf die Schweiz brauche ich hier nicht mehr hinzuweisen. Und daß es in Deutschland keine einheitliche Rechtschreibung mehr gibt, ist eine Tatsache, die sich jeden Tag an allen angeblich reformierten Druckwerken nachweisen läßt. Hier entsteht ja übrigens im Diskussionsforum eine ganz beachtliche Quellensammlung, für den Fall, daß die Presse und die Verlage eines Tages mal ihre Archive "säubern" sollten.

Unwillkürlich muß ich bei so verzweifelter Propaganda, wie der des Rechtschreibrates, an die ebenso verzweifelten Meldungen des Großdeutschen Rundfunks vom deutschen Endsieg denken. Der hat ja bekanntlich auch bis zuletzt brav gesendet. Vor allem das tapfere Festhalten an der Schreibung "Orthografie" ersetzt dem Rechtschreibrat doch eigentlich nur den Strohhalm.

Und noch etwas, auch wenn ich mich da wiederhole: Von den zweiundzwanzig Jahren, die das Vorbild unseres glorreichen Aufgusses weiland in Österreich vor sich hin kränkelte, haben wir zwölf schon irgendwie überstanden. Denn wir müssen die zweijährige vorauseilende Geiselhaft der Schüler ab 1996 einbeziehen. Da kommen nun also nur noch zehn Jahre. Daher sollten wir tatsächlich alle am 1. August dieses (!) Jahres auf

a) zehn offizielle Jahre (1998–2008) gescheiterter, oder

b) nur noch zehn weitere Jahre (2008–?) vertrackter Rechtschreib"reform" trinken. Gescheitert ist das Projekt so oder so.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2008 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#12197

Die "Zeitleiste" ist offensichtlich von Frau Güthert verfaßt. Das erkennt man schon am "Arrondieren", in der bekannten eigentümlichen Redeweise. Die Reformschreibung ist wirklich sehr schwer zu lernen: "als letztes" ist ja nun leider falsch.
Die Aufgabe des Rechtschreibrates wird schon wieder neu beschrieben: einen "Kompromiss" habe er finden sollen. Das Statut weiß davon nichts. Aber das sind wir ja gewohnt.
Die Mannheimer Anhörung wird nicht erwähnt, war ja auch eher peinlich. Auch daß es einmal einen Beirat gab, der mit der Kommission aufgelöst wurde, aber im wesentlichen als Rechtschreibrat wiederauflebte, wird verschwiegen.
Aus diesem Text und allen anderen auf den Seiten des Rechtschreibrates geht nicht deutlich genug hervor, daß wir in 10 Jahren nicht weniger als drei Rechtschreibreformen hatten, die jeweils den Neudruck aller Wörterbücher erzwangen. Wenn man dies weiß, klingt der siegesgewisse Ton schon viel matter.
Ob man in Mannheim bemerkt hat, daß die FAZ in gewissen Bereichen dezidiert von der vorgeschriebenen Schulorthographie abweicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2010 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#15770

Hat eigentlich schon mal jemand bei der KMK (Generalsekretär Thies) nachgefragt, was man dort von der Selbstermächtigung des Rates für deutsche Rechtschreibung hält? "Letztinstanz" – das ist doch eindeutig gelogen!
Vielleicht könnte jemand aus dem Schulbereich mal eine Anfrage abschicken und die Antwort dann hier mitteilen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.02.2010 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#15771

Wo steht »Letztinstanz«? Auf der Website ist von einer »zentralen« (Zehetmair) und »maßgebenden Instanz« (mutmaßlich Güthert) die Rede.
 
 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 26.02.2010 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#15772

Von der »Letztinstanz« ist im Jahresbericht 2007 des IDS die Rede:

»Der Rat ist somit die Letztinstanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung und trägt Sorge für die verbindliche Festlegung der Schreibung der Wörter nach den amtlichen Regeln.«

Siehe hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=992
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2010 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#15773

Es steht auch immer noch auf der Homepage unter "Dokumentation":

»Dokumente zur Reform von 1996 bis heute
Die Dokumentation beginnt mit der "Gemeinsamen Absichtserklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung", die im Jahre 1996 von acht Staaten mit Deutsch als Amts- bzw. Minderheitensprache unterzeichnet wurde. Die Absichtserklärung sieht die Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung in Schulen und Behörden und die Einsetzung eines zwischenstaatlichen Gremiums vor, das mit der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung betraut wird und somit die Letztinstanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung darstellt.«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2010 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#16245

"01.08.2009: Neue Rechtschreibung nach Ende der Übergangszeit in Schulen notenrelevant "

Daß ausgerechnet dieser Aspekt der Reform auf der Eingangsseite des Rechtschreibrates prangt, ist doch sehr bezeichnend: Den Geiselhäftlingen werden die Instrumente gezeigt... "Wagt es nicht, euch zu widersetzen!" Den Germanisten und sonstigen Akademikern braucht man sie nicht zu zeigen, die unterwerfen sich freiwillig und mit Lust.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2014 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#25865

Zehetmair gibt den Vorsitz der Hanns-Seidel-Stiftung auf. Möglicherweise wird er sich nun auch vom dahindämmernden Rechtschreibrat verabschieden. Übermorgen tagt er wieder. Man wird aber nichts erfahren, und es ist auch gleichgültig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2014 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003#25912

Von der letzten Ratssitzung gibt es wieder keine Pressemitteilung, und es fragt sinnvollerweise auch niemand nach.

Man könnte auch Bastian Sick oder Günther Jauch mit der Zuständigkeit beauftragen - die Deutschen würden sich klaglos fügen.

 
 

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