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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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10.03.2011
 

Umfragen II
Untaugliche Methode

Wahrscheinlich haben Sie sich auch schon darüber geärgert: Man wird ständig eingeladen, irgendwo abzustimmen, aber die Antworten lauten nicht einfach Ja/Nein, sondern enthalten auch noch eine Begründung, die man in vielen Fällen gar nicht für die richtige hält.
Es sind also eigentlich zwei Antworten in eine zusammengeschoben:

Ist der Rücktritt von zu Guttenberg richtig?
– Ja, nach den Vorwürfen ist er nicht länger glaubwürdig.
– Nein, die Doktorarbeit hat nichts mit Guttenbergs Arbeit als Minister zu tun.



Ist es gerecht, dass alle die gleiche GEZ-Pauschale zahlen sollen?
– Nein, ist es nicht. Jeder sollte für das zahlen, was er auch wirklich benutzt.
– Ja, ist es. Radio, TV und Internet hat doch sowieso jeder Haushalt.
– Gerecht ist die Regelung nicht – aber ich zahle gerne, um weiterhin qualitativ hochwertiges Fernseh- und Radioprogramm geboten zu bekommen.


(Die letzte Antwort ist besonders tückisch, weil sie suggeriert, daß man im Verneinungsfall an "qualitativ hochwertigem Fernseh- und Radioprogramm", wie es angeblich bisher geboten wird, nicht interessiert ist.)



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Kommentare zu »Umfragen II«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2012 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#21604

Die FAZ läßt so abstimmen:

Ist Peer Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel?
– Ja, die SPD hat, wenn überhaupt, nur mit ihm eine Chance, die stärkste Partei zu werden.
– Nein, weil er zu stark polarisiert. Steinmeier hätte bessere Chancen gehabt.
– Es ist egal, mit wem die SPD antritt. Es gibt sowieso eine große Koalition.

Es fällt auf, daß die zweite Option sogar mit zwei Begründungen versehen ist. Die FAZ hatte ja früher durch Kurt Reumann und andere einen besonderen Draht zum Allensbacher Institut und sollte sich mit korrekten Umfragetechniken auskennen.

Ich habe mich dann auch noch an der Frage nach dem schönsten Philosophen beteiligt und mich natürlich für Sloterdijk entschieden. Und siehe da – die anderen haben denselben Scherz gemacht:

12% Richard Dawkins
19% Raphael Enthoven
13% Richard David Precht
18% Philipp Hübl
12% Bernhard-Henri Levy
26% Peter Sloterdijk

(Zwei Namen hatte ich noch nie gehört, aber schöner als Sloterdijk können ihre unbekannten Träger nicht sein.)
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 29.01.2013 um 22.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#22508

Selbst die vermeintlich alternative taz veranstaltet solche Umfragen, täglich, unter dem Titel (geht es noch bräsiger?) »Entscheidung des Tages«:

[i]Rainer Brüderle muss sich bei der „Stern“-Journalistin entschuldigen, sollten die Sexismus-Vorwürfe, die sie gegen ihn richtet, wahr sein, fordern 90 Prozent der TeilnehmerInnen einer „Emnid“-Umfrage. Schließen Sie sich dieser Meinung an?

- Ja. Anzüglichkeiten im beruflichen Umgang gehen gar nicht.
- Ein Brüderle-Pardon wäre doch nur eine halbherzige Sache.
- Ich verstehe die Aufregung um Brüderle nicht[/i]

(http://www.taz.de/1/poll-popup/?tx_jkpoll_pi1[uid]=5031)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2013 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#22858

Wie ausländerfeindlich die Deutschen sind, hat eine neue Befragung ergeben:

22,7 Prozent stimmen der Aussage "überwiegend" zu, dass Deutschland "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet ist", 14,5 Prozent stimmen ihr "ganz" zu.
Einen "Führer", der "zum Wohle aller mit starker Hand regiert", sehen sogar 14,5 Prozent positiv, teilweise 18,7 Prozent.
(http://www.heise.de/tp/artikel/38/38826/1.html)

Soweit der Wortlaut aus diesem Bericht hervorgeht, handelt es sich um Suggestivfragen mit dem Ziel, eine möglichst hohe Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalität herauszubekommen. Die erste Frage unterstellt, daß der Ausländeranteil ein gefährliches Maß erreichen kann, daß also Ausländer überhaupt etwas Gefährliches sein könnten. Die zweite Frage konstruiert in ähnlicher Weise, daß eine Diktatur dem Gemeinwohl nützen könne. Das mag ja alles sein, aber es ist umstritten und darf nicht in die Befragung hineinkonstruiert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2013 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24272

Zur Frage der Sommerzeit bringt der Bayerische Rundfunk eine Umfrage nach dem kritisierten Muster:

"Würden Sie persönlich die ewige Zeitumstellerei abschaffen?
- Ja, ich würde sie abschaffen. Die Umstellung bringt nichts für die Umwelt und nervt bloß.
- Nein. Wir würden uns von fast allen anderen europäischen Ländern unterscheiden.
- Das ist mir völlig wurscht."

Die Tagesschau dagegen stellt Antworten ohne hinzugefügte Begründungen zur Wahl. Das Ergebnis ist übrigens: Rund 80 % für Abschaffung der Sommerzeit, 17 % für Beibehaltung. Aber selbst wenn 100 % der Bevölkerung gegen die Zeitumstellung wären, könnte sie so wenig rückgängig gemacht werden wie die Rechtschreibreform. Das allgemeinste Interesse hat die geringste Chance, sich durchzusetzen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24273

Die schweigende Mehrheit ist immer häufiger eine zum Schweigen gebrachte Mehrheit.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 12.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24274

Wenn man fragt, ob es im Sommer abends früher dunkel werden soll, fällt die Antwort ganz anders aus.

Die sogenannte Normalzeit ist ohnehin eine politische Festlegung. Die MEZ stellt sich in Warschau ganz anders dar als in Bordeaux.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24275

Die Zeit bzw. der Sonnenstand selbst ist aber keine politische Festlegung. Für Deutschland paßt die MEZ leidlich gut, warum also im Sommer einen auf St. Petersburger Zeit spielen?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24276

Damit man im Sommer leidlich pünktlich mit dem Sonnenaufgang aufsteht und nach Feierabend noch Licht für nichtberufliche Sachen hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2013 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24278

Es steht jedem frei, früher oder später aufzustehen, ganz nach Belieben. Es anderen mit fadenscheinigen Argumenten vorzuschreiben ist hingegen Willkür.
 
 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 27.10.2013 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24279

"Es steht jedem frei, früher oder später aufzustehen, ganz nach Belieben. Es anderen mit fadenscheinigen Argumenten vorzuschreiben ist hingegen Willkür."
Lieber R. M., darf ich fragen, welchen Beruf Sie ausüben?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2013 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24280

Der MM verbindet heute die Nachricht vom Ende der Sommerzeit mit einem großangelegten Bericht und Kommentar (Seiten 1 und 2) über den angeblich zu frühen Schulbeginn. Vor allem die älteren, pubertierenden Schüler würden dadurch schlechter lernen.
MM-Kommentar: "Dabei ist wissenschaftlich erwiesen und unumstritten: 7.30 Uhr ist eindeutig zu früh."

Wirklich unumstritten? Allein der Verzicht auf die Sommerzeit brächte schon das gleiche wie eine Verschiebung auf 8.30 Uhr. Und haben die, die wissenschaftlich bewiesen haben, daß um 7.30 Uhr die Schüler noch zu müde seien, auch einmal die Effektivität des Unterrichts am Nachmittag gemessen? Natürlich hört es sich gut an, Unterrichtsbeginn erst um 9.00 Uhr. Aber die Konsequenzen scheint niemand zu bedenken.

Wer ist überhaupt der "Schlafforscher" Prof. Zulley, dessen Namen man in den meisten einschlägigen Artikeln findet? Doch nicht etwa ein neuer "Jürgen Reichen", zur Abwechslung mal einer, der meint, der frühe Schulbeginn sei an schlechten Lernergebnissen schuld?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2013 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24282

"Allein der Verzicht auf die Sommerzeit brächte schon das gleiche wie eine Verschiebung auf 8.30 Uhr."
Selbst wenn man die Sommerzeit ablehnt, ist das Unsinn. Die Schüler gehen auch eher schlafen im Sommer, haben also gleich viel Schlaf.

Wenn jeder aufstehen darf und kann, wann er will, hat er im übrigen keinen Anlaß, sich über die Zeitumstellung zu beschweren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.10.2013 um 21.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24283

Wenn es durch die Umstellung auf Sommerzeit draußen länger hell bleibt, gehen Schüler früher (d.h. zur gewohnten Uhrzeit) schlafen, weil sie am nächsten Morgen auch früher (zur gewohnten Uhrzeit) aufstehen müssen? Ich denke, die längeren Abende verführen besonders Schüler zum späteren Schlafengehen.

Der MM schreibt im genannten Artikel (S. 1) zum späteren Schulbeginn: US-Studien ergaben, dass die Schüler deshalb abends nicht später ins Bett gehen.
Ich bezweifle das, denn wenn sie morgens eineinhalb Stunden länger schlafen und die Schule eineinhalb Stunden länger in den Nachmittag hinein dauert, haben sie nach der Schule eineinhalb Stunden weniger Freizeit. Die werden sie sich abends wiederholen.

Meine Meinung: Durch die Sommerzeit schlafen Schüler weniger, ein späterer Schulbeginn in den Vormittag hinein würde nichts bringen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.10.2013 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24284

Hier noch einmal für die Begriffsstutzigen, die sich hier z. T. ja auch schon selbst als solche bezeichnen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jemand die Kleinschreibung der Substantive oder beispielsweise die Schreibung »Portmonee« liebt. Soll er sie also für sich einführen und sehen, was die Leute davon halten. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn jemand im Sommer exakt eine Stunde früher aufsteht als im Winter. Soll er machen. Ein Problem wird erst daraus, wenn aus solchen mehr oder minder versponnenen Vorlieben Dekrete werden, an denen sich das öffentliche Leben ausrichten soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2013 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24285

Jenseits der Bildung unversöhnlicher Meinungen darf man vielleicht daran erinnern, daß die Sommerzeit mit Energieeinsparung begründet wurde (Physiker mal weghören!). Dieses Ziel scheint nirgendwo erreicht worden zu sein, aber das ist eine rein empirische Frage. Andere Begründungen wie die Freuden langer Sommerabende sind nachgeschoben und könnten – das ist der zweite Punkt – einer Volksabstimmung überlassen werden. Dazu wird es aber nicht kommen.
Fest steht wohl, daß die viehhaltenden Bauern gestört werden und daher die Umstellung durchweg mißbilligen.

Es ist charakteristisch, daß solche Fragen mit der Zeit auf ein anderes Gleis geschoben und dort endlos und unentscheidbar diskutiert werden. Wir hatten das schon beim Kindergeld, das die Geburtenrate nicht erhöht habe – was allerdings niemals die Absicht gewesen war. Man sieht hier wie dort mit Widerwillen auf die fruchtlosen Debatten.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.10.2013 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24286

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und kenne einige Bauern. Die kennen ihr Vieh und wissen damit umzugehen. Keiner läßt sich von der Zeitumstellung beeindrucken. Heutzutage werden ohnehin immer mehr Melkroboter installiert, die die Kühe selbständig aufsuchen – rund um die Uhr nach Lust und Laune der Kühe, nicht der Bauern.

Daß Schulkinder durch die Sommerzeit weniger schlafen sollen, ist schlicht absurd. Allenfalls schlafen sie im Sommer weniger, weil die Tage länger sind. Das sind sie unabhängig von der Uhrzeit.
Und wenn die Relation von Sonnenstand und Uhrzeit wirklich etwas ausmachen sollte, müßten polnische Kinder weniger schlafen als französische. Gibt es dafür Belege?

Die Gegner der Sommerzeit behaupten seit Einführung der Sommerzeit, daß das Ziel Energieeinsparung verfehlt worden sei. Mit Beweisen halten sie sich ebenso zurück wie die Reformer, die die neue Rechtschreibung preisen.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.10.2013 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24287

Müßte man nicht umgekehrt vorgehen? Man müßte doch wohl fragen, mit welchen Argumenten die Sommerzeit damals eingeführt wurde und dann sehen, was davon erreicht wurde. Den rhetorischen Überbau, den die Sommerzeit im Laufe der Zeit noch zusätzlich bekommen hat, müßte man dabei natürlich außer acht lassen. Schließlich ist es seit Edisons Erfindung grundsätzlich möglich, die Nacht zum Tag zu machen.

Lieber Herr Mahlmann, liegt die Beweislast nicht immer bei denjenigen, die in ein bestehendes System eingreifen?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 28.10.2013 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24288

Ob der Uhrzeiger bei Sonnenhöchststand auf "11", "12" oder z.B. "1" bzw. "13" weist, ist bei der Sommerzeit gar nicht der Punkt, nicht einmal so sehr, ob das besser oder schlechter ist als eine ewige Normalzeit. Der Kern der Sache ist die Umstellung der Uhren selbst. Der Staat läßt die Bürger zweimal im Jahr erfahren, daß sie ohne ihn nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zeitlich miteinander zu koordinieren. Darin offenbart er sich als normsetzende Instanz. Es geht um eine Herrschaftstechnik. Vergleichbar ist sie mit dem Appell beim Militär. Die Übung scheint zwar sinnlos, aber alle müssen mitmachen, und am Ende ist ihre Voraussetzung bestätigt, nämlich klargestellt, wer das Sagen hat. Das ist ihr Sinn. Soweit sie mit Streß einhergeht, ist das kein Zufall, sondern sogar erwünscht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2013 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24289

Ich lebe auch auf dem Lande und habe von den Bauern anderes gehört, allerdings ist es schon einige Jahre her.
Auch ich glaube, daß die Beweislast nicht bei den Kritikern der Sommerzeit liegt. Zweimal jährlich wird ziemlich einhellig berichtet, daß die Umstellung das Ziel der Energieeinsparung nicht erreicht hat, bei Wikipedias Zusammenfassung steht es auch, das genügt mir eigentlich.

Es geht nicht um Uhr und Sonnenstand, sondern um die zweimalige Umstellung. Sie wird oft mit einer Art Jet-Lag verglichen: Viele Menschen brauchen einige Tage, bis sie wieder den richtigen Rhythmus haben. Ich zum Beispiel bin ein extremer Frühaufsteher, aber gestern und heute morgen saß ich schon um drei Uhr putzmunter vor meinem Laptop und fühlte mich doch recht einsam. Abends bin ich dann für meine Frau ein schlechter Zuhörer, den man am besten früh ins Bett steckt, und am nächsten Morgen ... (s. o.)
Bei vielen Menschen gehört es zum Wohlbefinden, daß sie in Übereinstimmung mit ihrer inneren Uhr leben (einschlafen, aufstehen, Mahlzeiten einnehmen und wieder ausscheiden usw.). Das soll auch gut für die Gesundheit sein. Ich habe schon seit Jahrzehnten keinen Wecker mehr benutzt und hasse diese Dinger, die man ja nur braucht, wenn und weil das mit der Regelmäßigkeit nicht klappt. "Gottes Bannfluch: uhrenlose Schicht." (Ich zitiere aus dem Gedächtnis. Unsere Schullektüre der "Menschheitsdämmerung" liegt über 50 Jahre zurück.)
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 28.10.2013 um 21.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24290

Die anfängliche Kritik der Landwirtschaft an der Uhrumstellung ist verstummt. Sie wäre ja auch unüberhörbar und gewichtiger als diejenige der Gegner der Umstellung.
Siehe auch hier:
http://www.badische-zeitung.de/waldshut-tiengen/landwirte-bereiten-kuehe-eine-woche-auf-sommerzeit-vor–70524794.html
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.10.2013 um 23.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24291

Die Mitteleuropäische Zeit ist ein politisches Konstrukt. Daß mittags um zwölf die Sonne ihren höchsten Punkt hat, ist nur ein Ziel. Es ist bei einer so breiten Zeitzone unerreichbar. Es hat keinen astronomischen Grund, daß es in Warschau und Madrid vier Uhr ist und zur selben Zeit in London drei.
Bei der Zuordnung der Zeitzonen geht es vor allem darum, die Uhrzeit möglichst treffend dem Tageslicht anzupassen. In Europa sind die Tage nun mal nicht rund um's Jahr gleich lang, und es wird nicht zur gleichen Zeit hell. Es ist sinnvoll, dieser natürlichen Tatsache Rechnung zu tragen.
Mit der Sommerzeit wird es bei uns im Sommer um vier Uhr morgens hell und um zehn Uhr abends dunkel. Das paßt besser zum normalen Tagesablauf, als würde es um drei Uhr morgens hell und um neun Uhr abends dunkel.
Die Zeitzoneneinteilung ist notwendigerweise ein Kompromiß zwischen astronomischer Vorgabe und weltlichen Zweckmäßigkeitserwägungen. Warum darf nicht dasselbe Prinzip angewandt werden beim Unterschied zwischen Sommer und Winter?

Als die Sommerzeit eingeführt wurde, sollte damit Energie gespart werden. Ob das nun geklappt hat oder nicht, lasse ich dahingestellt sein. Es mag sein, daß andere Argumente für die Sommerzeit nachgeschoben sind; dadurch verlieren sie nicht an Richtigkeit.
 
 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 29.10.2013 um 00.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24292

"Hier noch einmal für die Begriffsstutzigen, die sich hier z. T. ja auch schon selbst als solche bezeichnen", schreiben Sie, lieber R. M. Warum schreiben Sie nicht gleich: Kannitverstan, Sie sind begriffsstutzig?

Sie hatten behauptet, es stehe jedem frei, früher oder später aufzustehen. Ich halte das für einen Irrtum, und zwar unabhängig von der Frage, ob man die halbjährliche Zeitumstellung für sinnlos oder für sinnvoll hält. Denn wann jemand aufzustehen hat, diktiert ihm oftmals der Beruf. Schafft man die Sommerzeit wieder ab, sind vielleicht die Spätaufsteher unzufrieden. Beläßt man es bei der jetzigen Regelung, sind die Frühaufsteher, wie Herr Ickler, mit der Umstellung auf Winterzeit unzufrieden. Man befragt dazu also besser nicht diejenigen, die's so oder so für sich selber entscheiden können, sondern denen es der Beruf diktiert, wann sie aufzustehen und zu Bett zu gehen haben. Denn denen steht es nicht frei.
Mir steht es übrigens auch nicht frei, aber wenn es nach mir ginge, wäre das ganze Jahr über Sommerzeit. Andere hätten vielleicht lieber das ganze Jahr über Winterzeit. Und noch andere finden den Wechsel zwischen beidem angenehm. Nehmen wir an, jede dieser drei Gruppen mache ein Drittel der Bevölkerung aus, dann hätte man, wie immer man es regelt, zwei Drittel Unzufriedene.
Leider ist die vierte Möglichkeit nicht gangbar, nämlich gar nichts zu regeln und jeden dann zum Dienst antreten zu lassen, wann es ihm beliebt. Der Bautrupp jedenfalls, der sich morgens in der Baufirma trifft, um weiter nichts zu tun, als auf den Spätankömmling zu warten, bevor er zum Einsatzort fahren kann, wird sich bedanken für solche Freiheit.
Wie immer man es regelt, sind zwei Drittel Unzufriedene gewiß. Verstanden?
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 29.10.2013 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24294

Bei der Einrichtung von Zeitzonen geht es vor allem darum, Handlungen koordinierbar zu machen, die an Positionen unterschiedlicher Länge ausgeführt werden. Grundsätzlich kann jeder überall anhand des Sonnenstandes die Zeit bestimmen, mit der Folge allerdings, daß nur die Uhren auf demselben Längengrad dieselbe Zeit anzeigen. Solange weder Reisende noch Informationen sich schneller bewegen als im Postkutschentempo, macht das gar nichts aus. Sobald sich das jedoch ändert (oder auch: sich ändern soll), bedarf es einer normsetzenden Instanz (typischerweise des Staates), die auf einem gegebenen Territorium für alle eine Zeit verbindlich macht, welche günstigstenfalls mit der Sonnenzeit auf der mittleren Länge übereinstimmt, aber dann jedenfalls nicht mit der am östlichen und am westlichen Rand. Das ist sehr vernünftig und verdienstvoll, aber als Herrschaftsvollzug auf die Dauer unergiebig. Die Norm, einmal gesetzt, verschwindet gewissermaßen in ihrem Resultat. Die Normzeit wird zur Normalzeit. Es bleibt bei einer einmaligen Umstellung, und das nicht einmal zwingend für alle.

Das ist der Unterschied zwischen der Einrichtung einer Zeitzone und der Einrichtung einer Ausnahmezeit. Die Ausnahmezeit macht den Herrschaftsvollzug wiederholbar. Es ist für sie auch kein anderer Grund zu erkennen, der nur annähernd so vernünftig wäre wie der für eine Normalzeit.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.10.2013 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24298

"Denn wann jemand aufzustehen hat, diktiert ihm oftmals der Beruf." (#24292)

Beruf und Schule diktieren nur die spätestmögliche Aufstehzeit, lassen aber daneben im allgemeinen immer noch einigen Spielraum.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 29.10.2013 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24299

Daylight Savig Time drückt sehr gut aus, was das Wesentliche an der Sommerzeit ist. Für mich könnte das ganze Jahr über Sommerzeit sein.

Die Kuhproblematik verstehe ich übrigens nicht, oder versuchen die Bauern etwa, den Kühen die zweimalige Zeitänderung aufzuzwingen? Kann ich mir nur schwer vorstellen.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 29.10.2013 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24300

@Herrn Mahlmann,

mE hat die Sommerzeitumstellung mit einer "Energieeinsparung" in etwa soviel zu tun wie das Abhören der Bundeskanzlerin mit dem "Kampf gegen den Terrorismus". Mir scheinen die Überlegungen Herrn Bärleins sehr treffend zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2013 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24301

Jetzt ist mein "demokratisches" Argument ganz unter den Tisch gefallen. Dabei war es die Parallele zur Rechtschreibreform: Will die Bevölkerung die Sommerzeit? (Auch nachdem sich die Energieeinsparung als illusionär erwiesen hat.) Warum fragt man sie nicht?

Übrigens könnte man doch nach "Branchen" gegebenenfalls die Arbeitszeit umstellen. Ich habe meine Griechischkurse an der Universität um 7 Uhr morgens zuerst besucht, dann selbst abgehalten, also jeden Tag vor dem Beginn der eigentlichen Fachveranstaltungen um 9. Das paßte mir gut. Andererseits fingen in Indien die Seminare ebenfalls erst um 9 Uhr an, dann wurde es sehr bald sehr heiß, das paßte mir weniger.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 29.10.2013 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24302

Ich persönlich liebe auch das Daylight Saving und hätte gern das ganze Jahr Sommerzeit, zumal ich erst nach 18 Uhr Feierabend habe. – Bei Wikipedia werden eine ganze Reihe von Nachteilen genannt, an die man als Laie nicht so schnell denkt. Aber stimmt schon, das wäre eigentlich vom Volk am besten zu entscheiden.

Warum ist es denn so unwahrscheinlich, daß es irgendwann zu einer Volksbefragung kommt? Fürchtet die Regierung eine Blamage? Fürchtet sie Autoritätsverlust, die Verwöhnung des Volkes mit Mündigkeit? Oder ist das vor allem Trägheit? Nach dem Motto: Solange es keinen Aufstand gibt, machen wir es wie bisher.

Übrigens könnte ich mir auch eine paternalistische Mentalität der Politiker vorstellen: Indem der Staat die Entscheidung fällt, beugt er dem Unheil vor, daß sich das Volk im Vorfeld einer Volksabstimmung (und auch danach) über das Thema streitet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.10.2013 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24303

Das demokratische Argument setzt voraus, daß die Zeit überhaupt Gegenstand politischer Willensbildung ist, was schon einigermaßen paradox ist. 12 Uhr mittag ist nun einmal dann, wenn die Sonne am höchsten steht; darüber abzustimmen ist so sinnvoll wie ein Votum über den Gefrierpunkt des Wassers (unter der Voraussetzung der Gültigkeit der Celsius-Skala). Das eigentliche Politikum ist die Zugehörigkeit zu Zeitzonen. So hat Frankreich seit der Niederlage von 1940 die deutsche Zeit und die gesamte Volksrepublik China Pekinger Zeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2013 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24304

Die Zeit? Das ist zu pauschal gesagt. Es geht doch darum, daß alle tageszeitbezogenen Vorgänge, der Arbeitsbeginn, die Fahrpläne usw. gegenüber der astronomischen Zeit um eine Stunde verschoben werden, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Darüber kann man sehr wohl abstimmen, wie man ja auch bei der Gesetzgebung darüber abgestimmt hat, nur eben im kleineren Kreis.

Wahrscheinlich wäre es auch bei einer Volksabstimmung nicht anders gekommen, weil man eben damals noch glaubte Energie sparen zu können. Heute ist mit dem Wegfall dieses Arguments die Lage anders, aber ändern läßt sich trotzdem nichts mehr, und das ist gerade das Lehrreiche.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.10.2013 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24305

Sicher hat das lange Tageslicht durch die Sommerzeit auch was Schönes. Aber ist es nicht herrlich, in lauen Sommernächten bei Laternenschein draußen zu sitzen?

Die Atmosphäre im Freilichtkino hat mir immer sehr gut gefallen. Das gehört doch zum Sommer! Aber das Mannheimer Freilichtkino hat leider vor ein paar Jahren zugemacht. Es war zu wenig besucht. Das nachlassende Interesse hat sicher auch damit zu tun, daß wegen der Helligkeit die Filme erst um elf beginnen können. Wer will denn, selbst im Sommer, bis eins oder zwei im Kino sitzen?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 30.10.2013 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24307

Daß die Uhren zum Zeitpunkt des Sonnenhöchststandes 12:00 anzeigen, ist reine Konvention. Es ist praktisch auch gar nicht möglich, da nicht alle Tage gleich lang sind und somit streng genommen auch nicht alle Stunden. Ein Uhr zu konstruieren, die dies berücksichtigt, wäre äußerst schwierig.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.10.2013 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24308

"Eine solche Uhr zu konstruieren, wäre äußerst schwierig" – nein, überhaupt nicht. Gerade die einfachste aller Uhren leistet das: die Sonnenuhr. Das ist ja der Ausgangspunkt aller Uhren: Die Sonne kulminiert im Süden, das nennen wir Mittag und bezeichnen es als zwölf Uhr. Was die Sonnenuhr ansonsten anzeigt, nennt man "wahre Ortszeit". Mechanische Uhren hingegen haben keinen Bezug zu den astronomischen Grundlagen des Tages und verzeichnen die "mittlere Ortszeit" oder seit dem späteren 19. Jahrhundert zuerst die "Eisenbahnzeit" und dann die "Zonenzeit".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.10.2013 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24309

Zur Frage der »tageszeitbezogenen Vorgänge«: Es ist ja gerade nicht so, daß darüber abgestimmt würde, den Schulbeginn oder die »Tagesschau« von 8 auf 7 bzw. von 20 auf 19 Uhr zu verschieben. Vielmehr ginge es darum, ob um 12 Uhr tatsächlich näherungsweise 12 Uhr sein soll oder aber vorgeblich 13 Uhr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24310

Mit dem (beschlossenen) Umstellen der Uhren geht die Verschiebung der darauf bezogenen Vorgänge einher. Was bisher um 12 getan wurde, wird nun um (astronomisch) 11 Uhr getan und dann wieder umgekehrt. Man könnte den späteren oder früheren Beginn der Schule usw. auch einzeln beschließen, aber einfacher ist es, hier scheinbar gar nichts zu ändern, sondern die Uhren umzustellen. Der Zug führt also nach wie vor "um 12". (Ich weiß aber nicht, ob die modernen Kühe weiterhin "um 6" gemolken werden.)

Das ist so ähnlich wie bei den Jahreszahlen. Statt jedes Jahr neue Lexika zu drucken, in denen Goethes Geburtsjahr und die Keilerei bei Issos jeweils ein weiteres Jahr in die Vergangenheit verschoben werden, zählt man von einem festgesetzten Nullpunkt aus und hängt sich bloß jedes Jahr einen neuen Kalender ins Büro. In den Zeitungen steht dann, Goethe wäre heute 264 Jahre alt geworden (wenn er nicht gestorben wäre).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24311

Eratosthenes maß den Schatten, den ein Stab mittags an zwei Orten warf, die in zuvor gemessener Entfernung auf demselben Meridian lagen. Daraus errechnete er den Umfang der Erde. Wie ich heute weiß (es steht auch unter seinem Namen bei Wikipedia), ist einiges unsicher und das Ergebnis wohl nicht so genau, wie ich es als Kind immer geglaubt habe, aber es bleibt staunenswert genug, vor allem wegen der durch und durch vernünftigen Haltung, mit der er die Aufgabe erkannt und gelöst hat. Sobald wir in der Schule diese Art von Berechnung durchgenommen hatten, war ich von Eratosthenes hell begeistert, wie ich mich noch heute erinnere.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.10.2013 um 10.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24313

Natürlich ist die Zeitumstellung einfacher, deshalb wird ja auch so verfahren, aber es ist eben nicht dasselbe wie eine Umstellung der »tageszeitbezogenen Vorgänge«.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 31.10.2013 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24315

Warum wird eigentlich die MEZ als astronomische Notwendigkeit gesehen und der höchste Punkt der Sonne als Zeitpunkt 12.00 Uhr? Das ist eine praktische Erwägung, und die Überlegung, den Tag möglichst passend zum Tageslicht zu fassen, ist eine andere; sie ist m. E. sinnvoll.
Die MEZ wurde 1893 im kaiserlichen Deutschland ohne Zustimmung des Volkes eingeführt. Die Sommerzeit bzw. der Beschluß in den Siebzigern, die Sommerzeit einzuführen, ist somit stärker demokratisch legitimiert als die MEZ. Daß das Volk heute nicht gefragt wird, ob es die Sommerzeit will, liegt nicht am bösen Willen der Machthaber oder an der Furcht vor der Blamage, sondern am Prinzip der repräsentativen Demokratie. Bundesweite Volksentscheide sind in Deutschland nicht vorgesehen. Sicher kann man darüber streiten, ob Volksentscheide sinnvoll sind; man muß aber zugeben, daß es keinen Volksentscheid zur Sommerzeit geben kann, solange es gar keinen Volksentscheid gibt.

Das System der Zeitzonen ist zu starr, besonders je näher man den Polen kommt. Der Grundsatz, daß die gleiche Uhrzeit einen gesamten Längengrad lang von Norden nach Süden gilt, paßt nicht zu den natürlichen Gegebenheiten. Welche astronomische Uhrzeit gilt denn am Nordpol? Und kann ich einen ganzen Tag erleben, indem ich den Pol in einem Meter Abstand umrunde?
Die astronomische Uhrzeit und die Tagesmitte schwanken über das Jahr. Dem zu folgen, indem jahreszeitabhängige Uhrzeiten definiert werden, ist eine Anpassung an die natürlichen Verhältnisse.

Die Menschen haben das früher automatisch getan. Sie haben ihre Uhren nach der Tagesmitte ausgerichtet, und die ist eben nicht rund um's Jahr zur selben Zeit.
In der vorindustriellen Zeit wurde ohnehin mit Tagesanbruch aufgestanden. Nachzulesen z. B. bei Grimmelshausen, der Simplicius reichlich früh aufstehen läßt.

Glasreiniger und Herr Bärlein: Mein Hauptpunkt ist nicht die Energieeinsparung, ob sie stattfindet oder nicht.
Wenn Sie von Herrschaft und Herrschaftsakt sprechen, frage ich: Wer ist denn die Herrschaft? Wir leben in einer Demokratie. Das Volk ist der Souverän, das Volk hat die Macht. Jeder einzelne ist natürlich nur einer von 82 Millionen, und seine Meinung ist alleine nicht entscheidend. So ist das in einer modernen Massendemokratie.
Wenn man die Herrschaft ausüben will, die man kraft Verfassung hat, muß man in den demokratischen Gremien mitmachen und mühselig die anderen von seiner Meinung überzeugen. Wenn Sie das nicht tun, nimmt niemand Ihre Meinung an. Und worauf soll die Politik denn warten, wenn Sie nichts tun und nichts sagen?
Die politischen Machthaber sind demokratisch gewählt und haben somit den Auftrag, Entscheidungen für das Volk zu treffen. Sie haben sich für die Sommerzeit entschieden. Glauben Sie wirklich, daß auch nur ein Politiker sich zweimal im Jahr bei der Zeitumstellung frohlockend die Hände reibt, daß er dem Volk seine Macht bewiesen hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2013 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24316

Ich bin nicht angesprochen und mache mir auch nicht die Ansicht zu eigen, daß sich irgendwer triumphierend die Hände reibt. Mir geht es um die Trägheit eines Systems, das sich selbst dann nicht zu Änderungen bewegen läßt, wenn eine Mehrheit inzwischen zu anderen Ansichten gekommen ist. Das hat jetzt nichts mehr mit Astronomie und Zeitzonen zu tun.
Die Mechanik der repräsentativen Demokratie macht den Fortbestand einer von der Mehrheit nicht mehr gebilligten Regelung um so unangreifbarer. Gremien lösen sich, je länger sie bestehen, von der Basis, denen sie ihre Existenz verdanken. Das müssen die Mitglieder von Parteien und Verbänden ja ständig erleben. Ich bin keineswegs für imperative Mandate. Aber es fiel uns doch damals auf, wie entschieden die Bundestagsabgeordneten an der Rechtschreibreform festhielten, die fast niemand im Volk wollte. Man denke auch an den Allparteien-Sieg des schleswig-holsteinischen Landtags über das schleswig-holsteinische Volk. Man könnte sogar annehmen, daß die Abgeordneten etwas beschlossen, was (fast) keiner von ihnen wollte. Und dabei ging es doch nicht einmal um so etwas wie die Todesstrafe, die man immer anführt als Beispiel für etwas, was wohl im Volk, aber zum Glück nicht im Parlament eine Mehrheit fände.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.10.2013 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24317

Vor einer Volksabstimmung wären noch einige Fragen zu klären:

Auf welcher Ebene sollte die Abstimmung erfolgen? Auf der Ebene der Gemeinden, der Landschaftsverbände, der Länder, des Bundes oder gar der EU?

Worüber genau sollte abgestimmt werden? Beibehaltung der jetzigen Regelung, ganzjährige Winterzeit oder ganzjährige Sommerzeit? Warum nicht auch die Zeitzonen zur Wahl stellen? Dann könnten sich die westdeutschen Gemeinden, die eigentlich zur Greenwich-Zeitzone gehören, endlich von der MEZ-Zwangsjacke befreien.

Und schließlich: Warum nicht über die Wiedereinführung der wahren Sommerzeit aus der guten alten Zeit abstimmen? Damit wäre jedenfalls Herr Markner endlich zufrieden, und Herr Strowitzki könnte sich morgens von seiner Sonnenuhr wecken lassen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.10.2013 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24318

Pardon, aber es ist bloß peinlich, Herr Achenbach, anderen Diskutanten Positionen zu unterstellen, die sie offenkundig nicht bezogen haben.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.11.2013 um 00.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24319

Daß es sich bei einer an der astronomischen Zeit orientierten Normalzeit nicht um ein bloßes Konstrukt handelt, geht auch daraus hervor, daß sie ermöglicht, eine analoge Uhr als Behelfskompaß einzusetzen. Das geht natürlich auch während einer um eine bekannte Spanne abweichenden Sommerzeit, wenn man die Uhr entsprechend dreht. Voraussetzung ist aber immer, daß 12 Uhr = Mittag gilt. Den Zusammenhang macht auch die amtliche Sprachregelung deutlich, in der es keine "Winterzeit" gibt. Sie heißt dort eben "Normalzeit". Damit ist klargestellt, daß die Sommerzeit eine Ausnahmezeit ist.

Das war sie übrigens in ihren Anfängen in einem ganz eminenten Sinne. Tageslichtrettungs-Zeit führten erstmals Deutschland, Großbritannien und die USA ein, alle drei während des Ersten Weltkriegs. Das dürfte weniger mit der Optimierung von Biergartenfreuden zu tun gehabt haben; vielmehr deutet sich die totale Mobilmachung an. Klugerweise wurde die Ausnahmezeit jedoch mit der Ausnahmesituation begründet, so daß man sie nach Kriegsende leicht wieder loswerden konnte.

Das ist bei der heutigen Sommerzeit nicht der Fall, ebensowenig bei der Rechtschreibreform. Mich treibt hier der bekannte Satz von Frau Wanka um. Wie kann eine – tatsächliche oder vermeintliche – Nebensächlichkeit zu einer Frage der Staatsräson werden? Am Gegenstand der Entscheidung kann es nicht liegen. Also muß es die Entscheidung selbst sein, die ihre Revision ausschließt. An einem erkannten Fehler wider besseres Wissen festzuhalten ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Korrektur dem Eintscheidungsträger schaden würde. Der einzige erkennbare Schaden für diesen wäre seine Delegitimierung. Deshalb geht es hier um Herrschaft.

Ich bezweifle, daß das so beabsichtigt war. Schließlich gab es keinen Grund, einen Geßlerhut aufzuhängen. Aber sobald er einmal hing und Leute sich anheischig machten, ihn von der Stange zu schlagen, mußte er verteidigt werden. Ob die Kultusminister und ihre Ministerialbeamten sich beim Herrschaftsvollzug die Hände gerieben haben? Der eine oder andere vielleicht schon, das ist wohl auch eine Charakterfrage. Ich kann mir vorstellen, daß Macht erst dann richtig Spaß macht, wenn sie gegen Widerstände durchgesetzt werden muß. Aber das ändert nichts an ihrer Mechanik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2013 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24321

Ich bin nicht dafür, die Frage der Sommerzeit zum Gegenstand einer Volksabstimmung zu machen, und wollte auch etwas ganz anderes diskutieren, was viel näher an unserem Problem mit der Rechtschreibreform liegt.

Allerdings wären bundesweite Volksentscheide, auch wenn sie nach h. L. bisher nur für die beiden Fälle der Neugliederung des Bundesgebietes und die Ablösung des GG durch eine Verfassung vorgesehen sind (beides wohl nur aus Rücksicht auf das damals bestehende Provisorium der BRD), auch keine großartige Abweichung vom Geist des GG. Soweit ich mich eingelesen habe, gibt es auch ein Spannungsverhältnis zwischen der immer stärker herausgebildeten repräsentativen Demokratie und Artikel 20 (12) GG ("Abstimmungen"). Aber als Laie will ich mich dazu nicht äußern, schon um mich nicht vor Herrn Achenbach zu blamieren, der diese Dinge so gründlich wie sonst keiner von uns kennt.

Noch einmal: Unsere Volksvertreter haben seinerzeit die Zeitumstellung mit einer bestimmten Begründung und offenbar ohne große Schwierigkeiten einführen können. Nachdem wir sie nun einmal bekommen haben, scheint es ungleich schwerer zu sein, sie mit einer ähnlich klaren Begründung wieder abzuschaffen. Und das scheint einem auch sonst herrschenden Muster zu entsprechen, fast einem "Gesetz". Daß Gremien etwas zurücknehmen, was sie einmal beschlossen haben, ist sehr selten, mir fällt eigentlich gar kein Beispiel ein. Man "novelliert" höchstens, d. h. entwickelt weiter (wie die Rechtschreibreform). Deshalb werden auch die Gesetze und Verordnungen immer umfangreicher.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.11.2013 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24322

Lieber Herr Markner,

es ist mir in der Tat sehr peinlich, daß ich Ihre Position in meinem nicht in jeder Hinsicht ernstgemeinten Beitrag offenbar falsch dargestellt habe. Ich hatte Ihre bisherigen recht lakonischen Beiträge so verstanden, daß für Sie die Übereinstimmung von 12:00 Uhrzeit und Höchststand der Sonne von Wichtigkeit ist. Diese ist nunmal nur für die "wahre Ortszeit" gegeben.

Jetzt weiß ich allerdings nicht so recht, was Ihre Postion eigentlich ist. Vielleicht könnten Sie diese gelegentlich mal etwas ausführlicher darstellen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.11.2013 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24327

Zur Frage der Sommerzeit sollte berücksichtigt werden, daß die angebliche Energieeinsparung bei der Einführung der Sommerzeit in Deutschland gar keine Rolle gespielt hat. In der Gesetzesvorlage der Bundesregierung von 1977 (BT-Drucksache 8/258) zur Änderung des Zeitgesetzes heißt es ausdrücklich:

„Die Bundesregierung hat auf Anfragen im Deutschen Bundestag wiederholt deutlich gemacht, daß die Einsparung an elektrischer Energie durch die Einführung der Sommerzeit sehr geringfügig wäre und für sich allein ihre Einführung nicht rechtfertige.“

Die Begründung der Bundesregierung stellte dagegen allein auf die zeitliche Harmonisierung mit anderen Europäischen Staaten, inbes. den EU-Partnern ab. Die Bundesregierung verwies darauf, daß die EU-Partner Frankreich, Italien, Großbritannien und die Benelux-Staaten bereits die Sommerzeit eingeführt hätten, und drückte die Erwartung aus, daß die Nachbarländer Dänemark, Österreich und die Schweiz dem deutschen Beispiel folgen würden, was ja dann auch geschah. Wörtlich heißt es noch in der Regierungsvorlage:

„Damit zeichnet sich die Möglichkeit ab, in ganz Westeuropa zu einer einheitlichen Sommerzeit zu kommen. Auch Polen hat für 1977 die Einführung der Sommerzeit angekündigt.“

Nicht erwähnt ist in der Vorlage das politische Problem der zeitlichen Übereinstimmung mit der DDR, die in der BT-Plenardebatte eine Rolle spielte. Dieses Problem hat sich dann aber gelöst.

Es kann daher keine Rede davon sein, daß der ursprüngliche Grund für die Einführung der Sommerzeit in Deutschland inzwischen widerlegt sei. Im Gegenteil: der ursprüngliche Hauptgrund gilt heute noch stärker als je. Inzwischen gilt nicht nur in der EU sondern in praktisch ganz Europa einschließlich der Türkei die Sommerzeit. Allenfalls Island ist noch eine Ausnahme. Ferner gilt in Rußland und wohl auch in Weißrußland und Kaliningrad inzwischen ganzjährig die Sommerzeit.

Interessant ist auch das Beispiel der Schweiz Dort wurde 1977 die Einführung der Sommerzeit beschlossen, wobei auch hier eine etwaige Energieeinsparung keine Rolle spielte. Diese Entscheidung wurde 1978 durch ein Referendum rückgängig gemacht. Schon 1981, nachdem die Schweiz eine Zeitinsel in der umgebenden Sommerzeit geworden war, hat das Parlament die Sommerzeit erneut eingeführt. Ein erneuter Versuch, auch diesen Beschluß durch eine Volksinitiative wieder rückgängig zu machen, scheiterte schließlich an dem erforderlichen Quorum. Das ist immerhin ein Hinweis darauf, daß sich ein Großteil der Bevölkerung keinem erheblichen Leidensdruck durch die Sommerzeit ausgesetzt sah.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2013 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24328

Im Übersichtsartikel der Wikipedia wird ebenfalls dargestellt, daß Deutschland seinerzeit mit den anderen Staaten gleichziehen wollte, die aber aber ihrerseits – das sollte man hier nicht verschweigen – aus Gründen der Energieeinsparung umgestellt hatten:

"Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingeführt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht auch zeitlich geteilt waren."

Wenn das richtig ist, verschiebt sich also die ursprüngliche Begründung nur um eine Stufe und kann weiterhin als widerlegt gelten.

Umstellen, weil andere schon umgestellt haben - erinnert uns das nicht wiederum an etwas?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2013 um 13.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24546

Heute morgen wurde ich im Internet (ich weißt nicht mehr genau, wo) aufgefordert, mich an einer Umfrage zu beteiligen: ob ich dafür sei, daß "Senioren ab 50" jährlich den Führerschein nachmachen sollten. Kein Wunder, daß eine überwältigende Mehrheit dagegen war.

Da ich täglich als Radfahrer und Fußgänger unterwegs bin, muß ich leider sagen, daß mir die wirklich alten Leute am Steuer Angst machen. Ich habe schon unzählige Male erlebt, daß es beim Wenden oder Ein- und Ausparken vorn oder hinten ein bißchen kracht, daß ich von Autofahrern "übersehen" werde, wenn sie aus Einfahrten oder Seitenstraßen herauskommen und erst mal zur Mitte der Fahrbahn vorstoßen, bevor sie sich umschauen. Manche legen auch mal ein Verkehrschild oder eine Ampel um (wie unser Bürgermeister, bevor er aus dem Verkehr gezogen wurde). Gerade hat eine 79jährige auf dem Erlanger Weihnachtsmarkt einen Stand demoliert; sie hätte auch mich erwischen können, denn ich war in der Nähe.
Also sagen wir lieber: Seh- und Reaktionstest ab 70!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2014 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#24805

Zwei weitere Umfragen, die uns manipulieren wollen:

Stuttgarter Zeitung:

Wird das Coming-Out von Hitzlsperger - Ex-National- und VfB-Spieler - anderen Profi-Sportlern Mut machen, zu ihrer Homosexualität zu stehen?

- Nein, das glaube ich nicht
- Ja, wäre wünschenswert
- Dafür ist die Zeit noch nicht reif

(Die Zusätze sind nicht vergleichbar.)

t-online:

Soll die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" ein Unterrichtsthema an deutschen Schulen werden?

- Ja, denn es ist wichtig, junge Menschen auch in diesem Bereich zu Toleranz zu erziehen.
- Nein, das Thema hat im Schulunterricht nichts zu suchen.
- Das kann ich nicht beurteilen.

(Die erste Antwort ist mit einer Begründung versehen, der man die Zustimmung kaum verweigern kann; die zweite Antwort hat gar keine Begründung, sondern wiederholt nur noch einmal das Nein.)



 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.03.2014 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#25498

Eine ebenfalls unbrauchbare Umfrage präsentiert die Netzausgabe der FAZ (keine Ahnung, ob dieser Blödsinn sich auch in der gedruckten Ausgabe findet). Es geht – wieder einmal – um die Sommerzeit. Diesmal kann man sich von zwei Nein-Antworten die mit der albernsten Begründung aussuchen.

Der ganze Blödsinn geht wohl auf das Konto eines jugendlichen Mitarbeiters der Onlineredaktion, das schließe ich zumindest aus dem gruseligen Denglisch.

Am Sonntag werden die Uhren wieder umgestellt. Macht das überhaupt noch Sinn?

Nein, mir reicht die Winterzeit
Nein, es sollte nur die Sommerzeit geben
Ja, die Zeitumstellung ist vernünftig

Das ganze hängt wegen der Kombination der Uhrenumstellung und der Meinung zur Sommer- bzw. Winterzeit schief. Entoder weder, aber so macht es ganz bestimmt keinen Sinn.

Ich frage mich übrigens, ob das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Nein-Antworten der Verwirrung der unklaren Begründung geschuldet ist.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 26.07.2014 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#26400

Ein bedeutendes Ereignis ist im politischen Tageslärm weitgehend unbeachtet geblieben. Rußland kehrt zur Normalzeit (= Winterzeit) zurück:

http://de.ria.ru/society/20140722/269076389.html

Es handelt sich um den letzen Schritt zur Korrektur eines Fehlers am Ende einer verschlungenen Schleife, die mit der Abschaffung einer der Zeitzonen im Osten des Landes begonnen hatte. Die Folge war, daß es dort zeitweise erst sehr spät hell wurde. Zur Beseitigung dieses neuen Ärgernisses ging Rußland 2011 zu einer ganzjährigen Sommerzeit über. Dies gelang zwar, und die Rückkehr zu einer Normalzeit war insoweit vollzogen, als die regelmäßigen Uhrenappelle (zweimalige Zeitumstellung pro Jahr) entfielen. Allerdings wurde es nun in der Moskauer Zeitzone im Winter erst sehr spät hell, so daß die Zustimmung zu dieser Maßnahme von zuerst 73 auf zuletzt 32 Prozent sank (vgl. Link). Mit dem jüngsten Schritt ist jetzt der Zustand vor der Reform der Uhrzeit wiederhergestellt.

Die Technik der Korrektur (ein planmäßiges Vorgehen einmal unterstellt) bestand darin, den vermeintlichen Sachzwang zur regelmäßigen Zeitumstellunng ("alle machen es so") durch neue Sachzwänge (freilich ebenfalls vermeintliche, weil nämlich ebenfalls selbstgeschaffene) zu neutralisieren. Damit war der Verdacht hinreichend vernebelt, der Staat habe auf seine normsetzende Gewalt zugunsten besserer Einsicht verzichtet. Ein begünstigender Umstand, was die Wahl des Zeitpunktes angeht, dürfte der sich abzeichnende Wirtschaftskrieg gewesen sein, der eine Vertaktung des eigenen Zeitregimes mit dem der westlichen Länder entbehrlicher erscheinen läßt. Hinzu kommt, daß Putin die Entscheidung auf dem Gipfel seiner Popularität getroffen hat, ein Legitimitätsverlust durch die Rückkehr zum status quo ante also weniger ins Gewicht fällt.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2014 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#26985

Die FAZ findet es "erschütternd", daß bei einer Umfrage ein Drittel der Deutschen sich dafür ausgesprochen hat, den allzu frühen Verkauf von Lebkuchen und Glühwein zu verbieten. Sind wir so wenig liberal?

Ich weiß nicht, wie die Frage lautete, aber ich habe den Verdacht, daß allein schon die Tatsache der Befragung selbst hier ein Urteil provoziert hat, zu dem sich der normale Bürger sonst gar nicht aufraffen würde. Ich habe auch schon den Kopf geschüttelt, wenn ich gegen Ende meines Sommerurlaubs die Lebkuchenpyramiden in den Läden antraf. Neben den Christ- oder Weihnachtsstollen sind längst die Osterstollen und Herbststollen getreten usw. Das finde ich zwar auch blöd, aber das schließt ja nicht aus, daß ich mir selbst schon mal eine Scheibe gönne.

Wie ich anderswo schon mal bemerkt habe: Wenn man die Leute fragt, ob sie dafür sind, die Aktivitäten ausländischer Pramuzzen in Deutschland zu verbieten, wird man eine erkleckliche Zahl von Befürwortern finden. Auch ich finde diese Aktivitäten empörend, obwohl ich sie gerde eben erst erfunden habe. Die sprachliche Konstruktion eines Problems, self-fulfilling.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 08.10.2014 um 22.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#26988

Hätte die FAZ ihren Korrespondenten Leo Wieland befragt, wäre die Entrüstung über die "unzeitgemäßen" Weihnachtsangebote gar nicht zum Ausdruck gekommen.
Jeder, der schon mal in den USA gereist ist, wundert sich (als Deutscher) nur einige Tage über das ganzjährige Angebot an Weihnachtsartikeln. Dann legt sich die Aufregung.
Andere Länder, andere Sitten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.12.2014 um 22.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#27558

Das Holländerviertel im Zentrum von Potsdam war in der DDR genauso heruntergekommen, grau und unauffällig wie das ganze Land. Heute ist es eine Augenweide, und wir ehemaligen Insassen des Staatsgefängnisses DDR begreifen kaum, wie so etwas Schönes so lange dahindämmern und fast kaputtgehen konnte. Da wohnte natürlich kein Holländer mehr, wie es heute ist, weiß ich nicht, aber zumindest gibt es sicher irgendwelche Fördervereine. Jedenfalls fand am vergangenen Wochenende dort ein Sinterklaas-Fest statt, und tagelang wurde über den Zwarten Piet diskutiert. Das Dritte von Brandenburg (rbb) veranstaltete auf seiner Internetseite eine Umfrage:

Was halten Sie vom "Zwarten Piet"?

- Der "Zwarte Piet" ist eine rassistische Karrikatur und passt nicht mehr in unsere Zeit.

- Der "Zwarte Piet" ist eine schöne Tradition und sollte erhalten werden.

Das fragt man nun Deutsche. Mir ist doch dieser Schwarze Peter völlig egal, ehrlich gesagt, finde ich ihn ziemlich komisch, das hat für mich nichts mit Weihnachten zu tun. Aber wenn für die Holländer sowas zu Ihrer Tradition gehört, habe ich auch nichts dagegen, daß sie das eben so feiern. Wie so oft gehen die Fragen mal wieder völlig daneben. Ich könnte keiner dieser Fragen guten Gewissens zustimmen.

Der rbb hat das Ergebnis im Fernsehen genannt: 5% für die erste, 95% für die zweite Antwort. Man wundert sich, woher immer diese PC-Verrückten kommen. Vertreten die Regierenden wirklich noch das Volk? Wie kommt es, daß bei demokratischen Wahlen nicht Parteien zum Zuge kommen, die den Volkswillen umsetzen?

Da ist zum Beispiel diese Frauenquotendiskussion, oder daß Firmen eine Entschädigung zahlen müssen, wenn sie nicht die -innen oder m/w in ihre Stellenanzeigen schreiben. Als was zählt eigentlich ein Mensch im Aufsichtsrat, der biologisch ein Mann ist, sich aber innerlich als Frau fühlt, und zwar als lesbische Frau, also mit einer Frau verheiratet ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2015 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#29530

„Deutschlands Ruf hat im vergangenen Jahr gelitten. Das hat eine Umfrage des „Reputation Instituts“ ergeben. Nicht nur in Sachen Ansehen stellten andere Nationen die Bundesrepublik in den Schatten. (...) Nicht nur in Sachen guter Ruf steht Deutschland hinten an. Auch in Sachen Fröhlichkeit schneidet die BRD schlecht ab und landet lediglich auf Platz 26. Vor Deutschland liegen unter anderem Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate.“ (Focus 21.7.15)
So viele „Sachen“!

(Übrigens liegt Südkorea weit hinter Peru und Brasilien. Die Fröhlichkeit der Mexikaner ist leicht zu erklären: Jeden Morgen freuen sie sich, daß sie noch am Leben sind. Und die Araber, weil Gastarbeiter die ganze Arbeit tun. – Erstaunlich, wie kritiklos die Medien solchen Unsinn weiterverbreiten, nur weil die Quelle sich „Institut“ nennt. Ich kenne Ein-Mann-Institute, deren Pressemitteilungen selbstredend von dpa aufgegriffen werden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2016 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#31198

Jeden Tag Umfragen. Das scheint die billigste Art zu sein, Schlagzeilen und weitere Zeilen zu produzieren.
Jeder dritte Deutsche will Menschenmengen meiden usw.
Mit der Beliebtheit von Politikern (die von einem Tag zum anderen, von einem Medium zum anderen stark schwankt) kann man wiederum Politik machen. Auch zu allen einzelnen Maßnahmen, ja schon Verlautbarungen werden Umfragewerte eingeholt. Das geht von der BILD bis zur FAZ (d. h. Allensbach).
Die einzige wirkliche Umfrage ist aber dann die nächste Wahl.
(Daß jeder dritte Menschenmengen meiden will, heißt nicht, daß er sie wirklich meidet. Es heißt eigentlich überhaupt nichts und hätte aus der Nachrichtenlage auch ohne Umfrage abgeleitet werden können.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.09.2016 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#33301

53 Prozent der AfD-Sympathisanten sind der Ansicht, man solle Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken, wenn Arbeitsplätze in Deutschland knapp würden.
(FAZ, 12.9.16, S. 8 über eine Umfrage von Infratest-Dimap im Frühjahr 2016)

Sollte Infratest-Dimap wirklich eine so niederträchtige Frage gestellt haben? Man fragt nicht einfach, ob Einwanderer zurückgeschickt werden sollen, sondern man unterstellt der möglichen Zustimmung zugleich niedere Beweggründe, eine egoistische, mitleidlose Einstellung?

Was soll der durchschnittliche AfD-Sympathisant, der der Meinung ist, Asylanten sollten zurückkehren, sobald der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist, darauf antworten? Zurückschicken ja, aber doch nicht aus diesem Grund. Also nein? Da wird er wohl denken, letztlich spielt der Arbeitsmarkt dafür gar keine Rolle, Hauptsache „Deutschland wird Deutschland bleiben – mit allem, was uns daran lieb und teuer ist", also antwortet er "ja".

Und dann kommen Infratest-Dimap und FAZ usw. und schlachten das genüßlich aus: AfD, das sind die, die aus Angst um Arbeitsplätze Flüchtlinge in den sicheren Tod zurückschicken. So macht man Umfragen, so macht man Meinungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2016 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#33354

Drei Viertel der Deutschen finden, dass deutsche Kultur "Leitkultur" sein sollte.

(Allensbach/FAZ 22.9.16)

Auch so eine Meinung, die erst durch die Meinungsumfrage entsteht. Nicht gesagt und nicht gefragt wurde, was "Leitkultur" bedeutet, aber das macht nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2017 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34355

Die FAZ hat Allensbach herausfinden lassen, daß die Mehrheit der Deutschen glaubt, Trump werde als Präsident etwas gemäßigter agieren als im Wahlkampf. (19.1.17)

So gibt es immer was zu tun.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.01.2017 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34356

Allensbach zufolge wird Hillary Clinton heute als Präsidentin vereidigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34453

Unermüdlich ermittelt Allensbach im Auftrage der FAZ den Volkswillen. Zwei Drittel der Deutschen möchten, daß der deutsche Staat die Übernahme deutscher Unternehmen durch Chinesen verhindere. Wissen die Leute, worum es geht? Wissen sie, wie viele Unternehmen in ausländischem Besitz sind? Sollen auch deutsche Unternehmen an Auslandsinvestitionen gehindert werden? Und warum nur Chinesen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2017 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34470

Laut Umfrage glauben die meisten Deutschen nicht, daß ihre Begeisterung für Schulz anhält... Es wird immer subtiler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2017 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34729

Die WELT läßt uns abstimmen:

„Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht derzeit, ein vernünftiges Fundament für eine Arbeitsebene mit dem impulsiven US-Präsidenten Donald Trump zu legen. Was meinen Sie, ist das der richtige Kurs?“

Soviel Interpretation schon in der Frage! Kann ich für Unvernunft stimmen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2017 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34814

Laut Forsa fällt die SPD weit hinter die Union zurück, laut Insa überholt die SPD die Union - alles am selben Tag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2017 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34894

Allensbach hat im Auftrag der FAS herausgefunden, daß 46% der Deutschen im wirtschaftlichen Wachstum Chinas eine Gefahr für Deutschland sehen. (16.4.17)

Nur 36% der Deutschen glauben, daß Quantenmechanik und Allgemeine Relativitätstheorie innerhalb der nächsten zehn Jahre vereinigt werden.

(Das habe ich erfunden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2017 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#34992

Eine weitere wertlose Umfrage:

"Im Wahlkampf geben Angela Merkel und Martin Schulz die großen Konkurrenten. Dabei wäre es den meisten Deutschen offenbar am liebsten, wenn beide gemeinsam regierten."

Das geben die ohnehin fragwürdigen Daten gar nicht her. Dann folgt noch dieses Stückchen:

"Auf große Ablehnung trifft dagegen die AfD: 59,7 Prozent der Deutschen sind dagegen, dass die Partei in den Bundestag kommt. Einen Einzug in das Parlament wünschen sich lediglich 17,6 Prozent."

So kann man es auch sagen. Aber gesetzt, die Zahlen träfen zu: Hat je eine Partei aus dem Stand einen so kometenhaften Aufstieg hingekriegt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2017 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35642

Was jemand laut Sonntagsfrage wählen würde, wenn nächsten Sonntag Wahlen wären, hat wohl nur ein ungefähre Beziehung zu dem, was er wirklich wählen würde, wenn am nächsten Sonntag Wahlen wären. Es wird zwar berichtet, daß der Abstand zwischen den großen Parteien sich von Tag zu Tag um mehrere Prozentpunkte ändert, aber ist das realistisch? Mir scheint, daß bei der Beantwortung der Sonntagsfrage noch andere Motive (z. B. augenblicklicher Ärger usw.) mitspielen als bei der wirklichen Wahlentscheidung. Die Theoretiker der "Stimmungsdemokratie" übersehen da vielleicht etwas.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35792

Mit einem Fragenkatalog haben Forscher herauszufinden versucht, wie populistisch die Deutschen sind. Andere Fragen hätten vermutlich andere Ergebnisse gebracht. Obwohl zugegeben wird, daß der Begriff "Populismus" unscharf ist (in Wirklichkeit gar nicht operationalisierbar – eben selbst ein populistischer Kampfbegriff), arbeitet man damit und kommt wunschgemäß in die Medien.
Ein Bericht darüber in der "Welt" sieht die AfD als Wahlhelfer der Union, während die AfD selbst Martin Schulz lobt, weil er im Gegensatz zur bisherigen SPD-Politik härter gegen Flüchtlinge usw. usf. – das Durcheinander der Stimmen geht mir wie ein Mühlrad im Kopf herum, und ich werde aufatmen, wenn wenigstens der Wahlkampf-Unsinn vorbei ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35793

Nachtrag:

Neue Studie: 30 Prozent der Wähler haben populistische Ansichten

Herrje! Bald ist noch das ganze Volk populistisch!

Oder die eine Hälfte ist populistisch, die andere ist meiner Ansicht...
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 25.07.2017 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35799

Wie es kommt, daß das Wort populistisch einen so negativen Beigeschmack hat, erklärt Hans Magnus Enzensberger in vier Worten: "Volk? Lästig! Stört nur!"

https://www.youtube.com/watch?v=53kK_AIqsJQ - 4:19
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2017 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35801

Die Bertelsmann-Stiftung, die auch für diesen neuen Unsinn verantwortlich ist, hat den Begriff "Populismus" so definiert, daß herauskommt: Die AfD ist die populistischste Partei Deutschlands. Welche Überraschung!

(Der verantwortliche Bertelsmann-"Demokratieexperte" Robert Vehrkamp, Heinrich-Böll-Stiftung, kennt offenbar nur Rechtspopulismus, vgl. http://www.juraforum.de/wissenschaft/populistische-einstellungen-sind-bei-deutschen-waehlern-nicht-mehrheitsfaehig-599223).)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35863

Die größte Sorge der Deutschen ist einer neuen Untersuchung zufolge der Klimawandel. In einer Umfrage des Instituts Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe gaben 71 Prozent der Befragten an, die Veränderung des Weltklimas bereite ihnen persönlich besonders große Sorgen. (n-tv.de 1.8.17)

Das glaube ich nicht. Die Leute sagen das zwar, weil es ihnen von den Medien als Thema Nr. 1 eingeredet worden ist, aber in Wirklichkeit denken sie die ganze Woche nicht an den Klimawandel. Darum hat diese vermeintliche "Sorge" auch keinen Einfluß auf ihr Verhalten.

Die meisten Sorgen machen sich meine lieben Mitmenschen um ihre Gesundheit.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2017 um 12.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35864

Anscheinend gilt es als unanständig, sich über sinkenden Brennstoffverbrauch für die Heizung und damit für sinkenden CO2-Ausstoß zu freuen und sich über steigenden Feinstaub-Ausstoß durch nachwachsende Brennstoffe wie Holz zu beklagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35866

Die Deutschen lehnen ja auch die Massentierhaltung ab, vertilgen aber 235 Eier und 70 kg Fleisch jährlich. Hätte ich in Mathe besser aufgepaßt, könnte ich das mit 82 Mill. multiplizieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2017 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35937

Sämtliche Zeitungen bringen unkritisch die Ergebnisse der neuesten Umfragen zur Beliebtheit der Parteien usw., ohne sich um Standardabweichungen und andere Störfaktoren zu kümmern:

SPD gewinnt hinzu und durchkreuzt damit die Pläne der Union

Merkel büßt Zustimmung ein, Pluspunkt für die SPD


Und viele folgern auch: "Wenn morgen Wahlen wären..." – dabei ist doch bekannt, daß die Leute bei Wahlen nicht dasselbe tun wie bei Umfragen. Daß ein Pünktchen mehr oder weniger "die Pläne der Union durchkreuzt", saugt sich die Zeitung aus den Fingern. Anscheinend weiß man nicht, was man in den öden Wochen bis zur Wahl noch schreiben soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2017 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35938

Es zeichnet Martin Schulz aus, dass er auf die Frage, ob das alles noch Sinn habe, nicht in Phrasen verfällt. Ein Leser der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland wollte von ihm zwar nur wissen, ob er das Bundestagsmandat annehme, falls es für das Kanzleramt nicht reiche. Schulz hätte sagen können: „Die Frage stellt sich nicht. Ich werde Bundeskanzler.“
Stattdessen aber sagte er: „Ja, klar. Also, ich bewerbe mich um ein Mandat im Deutschen Bundestag.“ Und wenn der ihn zum Kanzler wähle, „habe ich mein Wahlziel erreicht. Aber zunächst einmal bewerbe ich mich um ein Mandat im deutschen Parlament.“
(Torsten Krauel, Welt 9.8.17)

Krauel bejubelt hier etwas als neuen "Realismus", was selbstverständlich ist. Im September wird der Bundestag gewählt, nicht der Bundeskanzler. Schulz ist Spitzenkandidat und wird im Bundestag sitzen, wenn der Bundeskanzler gewählt wird. Schafft er es nicht zum Kanzler, kann er sein Mandat immer noch aufgeben, was allerdings etwas seltsam wäre.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.08.2017 um 23.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35940

Richtig ist jedenfalls der Hinweis, daß frühere Kanzlerkandidaten in einer ähnlich aussichtslosen Lage die Frage, was sie im Falle einer Wahlniederlage zu tun gedächten, gebetsmühlenartig damit beantwortet haben, daß sie sich mit dieser Frage gar nicht beschäftigten, weil sie von früh bis spät für ihren Wahlsieg arbeiteten usw. Vor diesem Hintergrund kann die Erwähnung einer Selbstverständlichkeit durchaus als Ausweis von Realismus gewertet werden, denn es geht hier nicht um die Selbstverständlichkeit als solche, sondern darum, dass sie überhaupt ausgesprochen wird. Ein Politprofi mit dem unbedingten Willen, Kanzler zu werden, beantwortet Fragen nach dem Bundestagsmandat nicht so brav, wie Schulz es jetzt getan hat. Deshalb würde ich sogar noch weiter gehen als Krauel und nicht nur von neuem Realismus sprechen (von »sympathisch« schon gar nicht), sondern aus den Antworten Schulz‘ den Schluß ziehen, daß er sich mit seiner Wahlniederlage schon abgefunden hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35941

Das finde ich alles richtig. Mir ging es in diesem Fall um die schiefe Darstellung, als könne Schulz die Annahme des Bundestagsmandats davon abhängig machen, ob er Kanzler wird – als wäre das eine Alternative.

Die Behauptung, er wolle Kanzler werden, kam mir im Munde von Martin Schulz immer etwas unglaubwürdig vor. Ich hatte immer den Eindruck, daß er am liebsten in "Europa" geblieben wäre. Er wirkt auf mich wie ein Moderator, nicht wie jemand, der Partei-Führerschaft oder gar Richtlinien-Kompetenz ausüben könnte. Man vergleicht ja unwillkürlich mit Schröder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35948

Bei der jüngsten Umfrage sollten die Leute ankreuzen, wie sie die "Arbeit" der Politiker beurteilen. Aber kann man die Regierungsarbeit einer Kanzlerin mit der schwer defnierbaren Tätigkeit eines frischgebackenen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten vergleichen, der vom ersten Tage an Wahlkampf machen mußte und noch nicht einmal Gelegenheit hatte, wirklich als Parteivorsitzender zu arbeiten, d. h. seine Partei zu führen und ihr eine Richtung vorzugeben? Noch dazu, wo er in der Bundespolitik ein Fremder ist und kein Amt hat. Ich jedenfalls würde zurückfragen: Welche Arbeit? Man könnte eher von Anstrengung sprechen.
Das zeigt noch einmal, wie schief diese ganze Umfragerei ist. Eigentlich eine Persiflage der empirischen Sozialforschung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2017 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36061

Das wöchentliche Auf und Ab der Umfrageergebnisse wäre, wenn man es ernst nähme, ein schlagendes Argument zugunsten der Demokratiekritiker. "Wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre" – dann würde eine Augenblicksstimmung siegen, und das abschätzige Wort von der "Stimmungsdemokratie" wäre zutreffend. Man könnte sich etwas trösten mit der Vermutung, daß Umfragen nicht dasselbe sind wie Wahlen, die vielleicht auch schlimme, aber jedenfalls stabilere Tendenzen siegen lassen. Volksabstimmungen liegen irgendwo dazwischen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2017 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36119

Insgesamt glauben laut einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" 82 Prozent, dass sich das TV-Duell der Bundeskanzlerin und ihres SPD-Herausforderers auf den Ausgang der Wahl auswirken wird.
Man kann die Schraube der selbstreferentiellen Umfragen noch weiter treiben. Die Inszenierung eines Medienereignisses als Medienereignis usw. Das Schüren der Erwartung einer ganz großen Sache nimmt groteske Ausmaße an, ist ja auch viel leichter als politische Analyse. Ich habe den Eindruck, daß die beteiligten Journalisten und "Moderatoren" allesamt keine großen Leuchten sind. Das spiegelt sich bis in die Auswahl der "Experten", deren unmaßgebliche Meinung sie ständig einholen. Ich werde mir das "Duell" wohl mal ansehen, das wird dann zu meinem Kontingent von 5 Fernsehstunden pro Jahr gehören, aber ich habe eine gewisse Scheu davor, weil ich das Fremdschämen fürchte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2017 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36234

Nach den Leserzuschriften im Internet zu urteilen, liegt die AfD etwa bei 95 Prozent, die Zahl der Merkelhasser ist noch größer. Die krasse Abweichung von Umfragewerten und erst recht vom erwartbaren Wahlergebnis ist erklärungsbedürftig. Gibt es einen Ausdruck für die Umkehrung der "Schweigespirale"?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.09.2017 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36235

Die Angabe "95 Prozent und mehr" für AfD-Sympathisanten bzw. Merkelhasser in Internet-Äußerungen ist übertrieben. In welchen Foren ergibt sich dieses Bild? Ich habe eher den Eindruck, daß Wutbürger ("Wir brauchen dringend die AfD") und politisch Korrekte ("AfD sind Nazis, die AfD ist eine Schande") mit ungefähr gleichem Gewicht auftreten.

Internet haben zwar heute die meisten, aber nur ein kleiner Teil davon füllt ständig die Foren mit politischen Statements. Die meisten äußern sich nicht oder nur selten, zum Beispiel weil sie keine Zeit haben oder weil ihnen die Zeit dafür zu schade ist oder weil sie den aggressiven Hickhack in den Foren abstoßend finden. Wer sind überhaupt diese Leute, die ständig politische Meinungen im Internet abgeben? Das wäre zu fragen. Jedenfalls ist diese Gruppe nicht repräsentativ.

Aus dem Meinungsbild im Internet kann man deshalb nicht viel ableiten. Die Frage nach der Diskrepanz wäre doch eher so zu stellen: Top-Thema für die Wähler ist der Komplex Flüchtlinge/Migration, Islamisierung und Terror. Die meisten sehen hier Gefahren für Deutschland oder jedenfalls eine verfehlte Einwanderungspolitik. Ausgehend von diesen Bewertungen müßte sich eine viel größere Zustimmung zur AfD ergeben als "nur" rund 10 Prozent laut den Umfragen. Warum stehen jene Parteien insgesamt mit großem Übergewicht da, deren Politik im gefühlt wichtigsten Bereich von einem großen Teil der Bevölkerung abgelehnt wird?

Die Medien mit ihrer ständigen Abwertung der AfD ("Nazi-Partei", "radikal" usw.) spielen sicherlich eine Rolle. Aber die Diskrepanz zwischen Sorge/Kritik/Empörung im Bereich Flüchtlingspolitik und Wahlverhalten bleibt dennoch rätselhaft. Warum sind zum Beispiel die FPÖ in Österreich oder der Front National in Frankreich doppelt bis dreimal so stark wie die AfD in Deutschland? Teilweise ist natürlich auch das erklärbar: Alter der jeweiligen Parteien, Präsenz ihrer Vertreter in den Medien, Nazi-Vergangenheit Deutschlands.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.10.2017 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#36597

»Sie haben 8 von 10 Punkten. "Aisk goud!", würde der Saterfriese sagen: Sie kennen sich in Niedersachsen aus! Ob Wanderwege, Festivals oder Grützwurst – Sie wissen, was Deutschlands zweitgrößtes Bundesland zu bieten hat.« (SPIEGEL ONLINE)

Zu dumm nur, daß ausgerechnet die beiden Quizfragen, die ich falsch beantwortet hatte, die über Wanderwege und Festivals waren. Der geschwätzige Nachsatz führt die ganze Auswertung ad absurdum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37052

Besonders absurd ist heute die Umfrage der Rheinischen Post:

Finden Sie es richtig, dass die FDP die Verhandlungen abgebrochen hat?
- Ja, wenn es keine ausreichende gemeinsame Basis gab
- Nein, die FDP hätte weiter verhandeln müssen


Trotzdem stimmen die Leser ab.

(Interessant dürfte sein, wie sich die FAZ von ihrem Liebling verabschieden wird.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37055

Christian Lindner ist ja nun auch weg, diesmal wohl für immer (vgl. schon hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1021#34956).

Unser Verhältnis zur FDP ist ziemlich zwiespältig. Ich zitiere nur weniges, was die Jüngeren nicht mehr wissen dürften:

Auf Einladung des FDP-Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt zur Vorbereitung auf die Sitzung des Deutschen Bundestages über die Rechtschreibreform am 26. März 1998 reisten Theodor Ickler (Lehrerinitiative), Werner H. Veith (Mainzer Hochschullehrer-Initiative) und Manfred Riebe (Lehrerinitiative und VRS) am 6. Februar 1998 gemeinsam zu einem Gespräch über die Rechtschreibreform nach Bonn und hielten ihm Vortrag über die Problematik. Gerhardt, ehemals Präsident der Kultusministerkonferenz, beklagte dabei, dass es in Deutschland bisher keine ähnliche Institution wie die Académie Française gebe, die die „Eleganz der Schriftsprache“ gegen solche „Pickel im Gesicht“ schütze. (Wikipedia)

Mit Detlef Kleinert MdB (verstorben) saß unsere kleine Gruppe einen ganzen Abend im Bundestagsrestaurant zusammen: er war ein entschiedener Gegner der Rechtschreibreform. (Hans Joachim Meyer spielte in seiner berüchtigten Bundestagsrede auf Kleinerts Alkoholproblem an.)

Bundestag: Expertengespräch zur Rechtschreibreform
 
Die FDP-Bundestagsfraktion veranstaltet am 23. Februar im Deutschen Bundestag in Berlin ein öffentliches Expertengespräch zur Rechtschreibreform. Damit will die FDP Informationen über die Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung gewinnen, über dessen Auftrag und Handlungsspielraum diskutieren und Alternativen zu dem bestehenden Reformkonzept erörtern. An der Diskussionsveranstaltung nehmen unter anderen teil: Dr. h. c. Hans Zehetmair, Staatsminister a. D. und Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung, und Prof. Dr. Theodor Ickler, Sprachwissenschaftler an der Universität Erlangen-Nürnberg. Hans-Joachim Otto, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, leitet die Diskussion.


(Die Veranstaltung fiel aus, weil Zehetmair einen Schnupfen bekam; ich selbst machte in Leipzig kehrt und fuhr nach Hause.)

Einmal war ich zu einer Bezirksversammlung der fränkischen FDP eingeladen und referierte über die Rechtschreibreform, und auch sonst waren FDP-Leute eigentlich immer dagegen, ohne sich aber zu Taten aufraffen zu können.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.11.2017 um 21.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37058

Christian Lindner ist ja nun auch weg, diesmal wohl für immer.

Was ist denn das für eine Voraussage? Es war doch Christian Lindner fast im Alleingang, der die klinisch tote FDP wiederbelebt und in den Bundestag zurückgeführt hat, mit Verdoppelung der Zweitstimmen, und das trotz einer Zunahme der politischen Konkurrenz (AfD). Und Lindner genießt nahezu einhelliges Ansehen unter den Anhängern seiner Partei, im Gegensatz zu allen anderen Parteichefs.

Der Verweis auf einen vorigen Text, der Lindner als prinzipienloses, undefinierbares Etwas hinstellt, ist auch nicht gerade ein passender Kommentar zum Tagesgeschehen. Gerade Lindner präsentiert sich als prinzipienfest und aufrichtig. Die Heuchelei der anderen Jamaika-Bewerber über die angeblich unmittelbar bevorstehende glorreiche Einigung, die allein an der FDP gescheitert sei, ist hingegen schwer zu überbieten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2017 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37076

Ich habe übrigens FDP gewählt. Geht zwar keinen was an, aber weil es mir selbst so gleichgültig (und nur aus bayerischen Verhältnissen verständlich) ist, kann ích es ja sagen. (Eigentlich wollte ich erstmals gar nicht wählen, aber ein Ohnemichel möchte ich auch nicht sein, schon wegen der Kinder.)

SPD-Chef Martin Schulz hält es für unverschämt, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel für den Fall von Neuwahlen schon wieder ihre Kanzlerkandidatur erklärt hat. (focus.de 21.11.17)
Er selbst verkündet ungefragt, daß er Kanzler einer SPD-geführten künftigen Regierung werden will, auf keinen Fall aber Minister in einem Kabinett Merkel.
Ich kann verstehen, daß die SPD mit solchen und zahllosen ähnlichen Äußerungen ihres Verlegenheitsvorsitzenden nicht glücklich ist. Meiner Einschätzung nach wird die SPD sich von Schulz befreien und Nahles auf den Schild heben. Sie könnte es auch mit Schwesig oder einer anderen Person aus dem Länder-Reservoir versuchen, aber das wäre wieder so ein unberechenbares Risiko. Nahles war nie besonders beliebt, hat aber an Statur gewonnen, so daß auch der einstige Müntefering-Flügel sie mit zusammengebissenen Zähnen hinnehmen würde. (Zur Rechtschreibreform würde sie sich wahrscheinlich auch nicht mehr so naiv äußern wie damals.)
Inzwischen liest man mehr Kommentare des Inhalts, daß eine Partei nicht gewählt wird, damit sie NICHT regiert. Sie hatte ja auch nicht angekündigt: „Wir wollen Oppositionspartei sein, darum wählt uns!“, sondern im Gegenteil ein Programm fürs Regieren vorgelegt, und Schulz sah sich schon als Kanzler, evtl. mit einer Ministerin Merkel (auch wenn es ein Witz sein sollte).
Gestern feierte die FAZ (Wirtschaft) „Merkels Niederlage“ und Lindners Prinzipienfestigkeit. Heute interviewt sie Lindner wie schon so oft und versucht sich in Verständnis für dessen Entscheidung, die sie mit Unreife entschuldigt, übt aber auch schon Kritik daran, daß sich alle Parteien außer den Grünen an den „Spielfeldrand“ stellen, und mahnt mit Steinmeier zu mehr Verantwortungsbewußtsein. Die Polemik gegen Merkel (wie seit 12 Jahren) wird natürlich fortgesetzt, auch mit fremden Federn. Irritierenderweise eilt die wirtschaftliche Entwicklung von einem Erfolg zum nächsten. Die Untergangspropheten werden ungeduldig. Wir schaffen das? Wir schaffen uns ab! Wirtschaftswachstum? Ein Strohfeuer! Usw. War die Verwirrung je größer? Die Grünen geben sich patriotisch und familienfreundlich, die CSU ist dagegen oder so ähnlich. Milieus haben sich aufgelöst, Stammwählerschaften ebenso. Fehlt bloß noch ein charismatischer Führer, dann schießt alles zusammen wie die Eisenfeilspäne...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2017 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37095

Umfrage: Ein Drittel der Deutschen ist für Neuwahlen. Würde man sie etwa 5 Minuten über den Sinn von Wahlen belehren, wären es wahrscheinlich viel weniger.

Dazu paßt folgendes:

SPD-Chef Martin Schulz hat die Gesprächsbereitschaft seiner Partei über eine Regierungsbildung bekräftigt. "In einem dramatischen Appell hat der Bundespräsident die Parteien zu Gesprächen aufgerufen. Dem werden wir uns nicht verweigern", schrieb Schulz bei Twitter.
"Sollten diese dazu führen, dass wir uns in welcher Form auch immer an einer Regierungsbildung beteiligen, werden die SPD-Mitglieder darüber abstimmen", schrieb Schulz weiter.
(Tagesspiegel 24.11.17)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2017 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37096

Zwei Drittel sind also gegen Neuwahlen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.11.2017 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37097

Zwei Drittel sind nicht ausdrücklich für Neuwahlen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.11.2017 um 01.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37098

Richtig. Allerdings ging es mir nicht um diese konkrete Frage, sondern um die Wirkung solcher Schlagzeilen überhaupt. Man liest: »Ein Drittel der Deutschen denkt dieses oder jenes«, die eigentliche Botschaft lautet aber: »Derart viele Deutsche denken dieses oder jenes, daß man daraus unausweichlich Konsequenzen ziehen muß«. In diese Kategorie fallen auch Meldungen der Art »Jedes fünfte Kind in Deutschland hat schon einmal einen Sonnenbrand gehabt«, die mich als Leser alarmieren sollen. Wenn ich nachrechne, komme ich aber darauf, daß 80 Prozent der Kinder offenbar noch nie einen Sonnenbrand hatten. Das kann mich nicht beunruhigen, sondern ich bin, im Gegenteil, eher überrascht, daß nicht viel mehr Kinder betroffen sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2017 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37112

Der FOCUS will es wissen:

War der Sondierungsabbruch der FDP richtig?
- Ja, ein Scheitern ist besser als ein fauler Kompromiss
- Nein, sie hätten den Verhandlungen mehr Zeit geben sollen


Das Ergebnis kann man sich denken. Wer ist schon für einen faulen Kompromiß?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2017 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37125

Sind die USA unter Trump noch ein verlässlicher Partner?
- Ja, die USA bleiben ein wichtiger Verbündeter
- Nein, mit Trumps USA ist keine stabile Partnerschaft möglich

(focus.de 28.11.17)

Das ist wie: „Regnet es?“ – „Ja, es schneit.“ Die tägliche Bearbeitung der Leute mit solchen Schiefheiten erzieht sie zur Hinnahme des Ungefähren. Auf die Wörter kommt es nicht an, nur auf die Tendenz, und daß man zu allem immer eine Meinung hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2017 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37176

Im Auftrag der FAZ hat Allensbach erkundet, ob die Deutschen glauben, ob Leistung oder Herkunft über den sozialen Aufstieg entscheiden. Dabei können die Leute ja nur wiedergeben, was die Medien ihnen zuvor vermittelt haben. Die Frage selbst ist empirisch entscheidbar. Die Medien beobachten, was sie selbst angerichtet haben. Das Selbstreferentielle all dieser Umfragen wird aber übersehen oder übergangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2017 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37290

Noch einmal zur "Sonntagsfrage": Schon vor 35 Jahren hat Johannes Gross mal auf die Wertlosigkeit dieses Dauerbrenners unserer Medien hingewiesen. Es sind ja nun mal keine Wahlen am kommenden Sonntag, es hat keinen Wahlkampf gegeben und gibt keine Kandidaten. Folglich ist die Situation ganz anders als bei wirklichen Wahlen. Das breite Kommentieren der allwöchentlichen Befunde gehört zum selbstreferentiellen Unwesen (Leerlauf) der Medien.
 
 

Kommentar von Theodot Ickler, verfaßt am 27.12.2017 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37392

Jeder zweite Deutsche für vorzeitigen Abgang Merkels (dpa 27.12.17)

(Die Bundestagswahl war im September, die nächste wird wohl erst in vier Jahren sein.)

„Wenn die Union darauf besteht, dass gesetzlich Versicherte schlechter behandelt werden als privat Versicherte, dann macht es ebenfalls wenig Sinn, Koalitionsgespräche zu führen», betonte Gabriel weiter. (welt.de 27.12.17)

Ich habe das Programm der Union nicht gelesen, aber irgendwo wird wohl stehen: "Gesetzlich Versicherte sollen schlechter behandelt werden als privat Versicherte." Solche Forderungen sind ja typisch für die Union und haben ihr auch die Wählermehrheit verschafft.

(Die Hälfte meiner größeren Familie ist gesetzlich versichert; sie werden nicht schlechter behandelt als wir anderen, z. T. auch von denselben Ärzten.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.12.2017 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37393

Erst muß sie ja wiedergewählt werden, bevor sie vorzeitig gehen kann. Im Moment ist sie nur geschäftsführend im Amt, und dafür gibt es kein zeitiges Ende.

So könnte es eigentlich auch bleiben, bis zur nächsten Wahl in 4 Jahren. (Das sag ich nicht, weil ich sie so mag, sondern aus Resignation.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.12.2017 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37394

Was die schlechtere Behandlung gesetzlich Versicherter betrifft – es ist eigentlich immer das gleiche: Immer, wenn es nicht ums gleiche geht, findet mit Sicherheit eine Seite heraus, daß sie schlechter gestellt sei.

Will man z. B. das Bevölkerungswachstum durch Steuerermäßigung für kinderreiche Familien fördern, sagen einige Kinderlose sofort, sie würden dafür noch doppelt bestraft, daß sie keine Kinder bekommen könnten. Eigentlich wird niemand bestraft, nur sollten Familien mit Kindern einen Ausgleich für ihre Mehrausgaben erhalten.

Führt Deutschland wie die meisten EU-Länder allgemeine Straßengebühren ein (wofür ich aus anderen Gründen auch nicht bin), beschweren sich Ausländer, daß sie nicht wie Deutsche steuerlich entlastet werden. Als ob ansonsten alle EU-Länder gleiche Steuern, gleiche Rechte und Pflichten für alle EU-Bürger hätten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2018 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37734

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37392

Die gesetzlich mitversicherte Enkelin hat am Sonntagmorgen Fieber. Kein dringender Notfall, gewiß, aber in der fußläufig erreichbaren Universitätskinderklinik wird sie sofort untersucht und behandelt, alle sind überaus freundlich. Sie hätte auch mitten in der Nacht kommen können, wie ausdrücklich versichert wird; nur von eins bis vier Uhr macht das Personal Pause.

Diese Erfahrung machen wir in der Verwandtschaft immer wieder und sind daher für sozialistische Parolen nicht besonders empfänglich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.02.2018 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37739

Gesetzlich Versicherte werden von denselben Ärzten mit denselben teuren Geräten behandelt wie privat Versicherte, und in dringenden Fällen sind auch die Wartezeiten dieselben. Allerdings zahlen privat Versicherte erheblich mehr für das teure Personal und die teuren medizinischen Geräte als gesetzlich Versicherte. Sobald letztere drauf kommen, daß sie für die Abschaffung der „Zweiklassenmedizin“ blechen müssen, wird das Wutbürgergeheul groß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2018 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37740

Der Steuerzahler wird es richten, dann merkt es keiner.

Ein anderes Thema, das angeblich die Leute bewegt, ist das Verbot "sachgrundunabhängiger Befristung von Arbeitsverhältnissen". Das Unternehmen, das keinen Sachgrund findet, möchte ich mal sehen. Ein Wortfetisch wie "Obergrenze", "Zweiklassenmedizin" usw.

Aber es gibt ja viele weitere Möglichkeiten, die Einstellung von Arbeitskräften zu verhindern. (Übrigens ist die befristete Beschäftigung im Staatsdienst doppelt so hoch wie in der Wirtschaft, besonders schlimm bei den Lehrern, die vor den Sommerferien entlassen und danach wieder eingestellt werden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2018 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38092

FOCUS stellt mich vor eine schwierige Entscheidung:

Ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes richtig?
- Ja, es hilft, die Luft in den Städten sauber zu halten
- Nein, es ist den Dieselfahrern gegenüber unfair

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2018 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38201

Eine "Petition", die Minister Spahn auffordert, einen Monat von Hartz IV zu leben, ist vollkommen unsinnig, genießt aber viel Sympathie bei Journalisten. Eine "Umfrage" zeigt, daß 45 % der Bevölkerung Hartz IV für ausreichend halten, 40 % dagegen für zu niedrig. Man hätte vorher fragen sollen, was die Leute über die Grundsicherung wissen. In einigen Monaten wird sich die Meinung verbreitet haben, daß Spahn der Urheber von Hartz IV ist, wie ja auch Merkel uns "Schengen" und die Energiewende beschert, wenn nicht sogar die Gastarbeiter ins Land geholt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2018 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38345

T-online macht eine Umfage:

Sollte Puigdemont nach Spanien ausgeliefert werden?

Wahrscheinlich sähen díe Ergebnisse anders aus, wenn man die Leute gleichzeitig über die Rechtslage aufklärte; jedenfalls möchte man das hoffen. Tag für Tage werden wir zur Äußerung von Meinungen auf unzureichender Wissensgrundlage aufgefordert. Das ist auch die Gefahr bei Volksabstimmungen. Die allgemeinen Wahlen enthalten wenigstens ein retardierendes Element, weil sie nie einen bestimmten Gegenstand entscheiden, der vielmehr erst der Aushandlung durch die Gewählten übergeben wird.

Beim schwachen Stand, den das Recht im Alltagsdenken hat, würde man sich hier weniger Meinung und mehr Belehrung wünschen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.03.2018 um 19.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38346

Was war noch mal die Rechtslage? Wenn man zwei Juristen befragt, bekommt man bekanntlich drei Meinungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2018 um 08.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38350

Natürlich streiten die Juristen. Daß der Generalstaatsanwalt weisungsgebunden ist, macht die Sache nicht leichter. Aber gerade deshalb sind Umfragen nicht besonders sinnvoll.

Einem Zeitungsartikel entnehme ich, daß es u. a. um die Frage geht, ob der deutsche Tatbestand "Hochverrat" sinngemäß auf den spanischen "Rebellion" anzuwenden ist. Wie könnte ich dazu eine Meinung haben?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.03.2018 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38352

Q. e. d., es gibt keine eindeutige Rechtslage, über die man aufgeklärt werden müßte – abgesehen davon, daß niemand gezwungen ist, die geltenden Gesetze gutzuheißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2018 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38353

Das ist allerdings wahr, und in die Lücken läßt sich alles mögliche hineinpacken.

Beim Rundfunkrecht ist zum Beispiel irgendwann die "Grundversorgung" aufgetaucht, und bei der Grundsicherung (Hartz) sieht man zur Zeit überall eine ebenso undefinierte "Teilhabe" ins Spiel kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2018 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38371

Sollte das Tanzverbot an bestimmten Feiertagen aufgehoben werden?

Nein, das ist eine Frage des Respekts

Ja, ich möchte am Karfreitag tanzen


Die Umfrage scheint sich nicht an Christen zu richten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38543

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland fordert einer Studie zufolge einen besseren Schutz der deutschen Wirtschaft vor ausländischen Wettbewerbern. 57 Prozent wünschen sich von der Bundesrepublik mehr Anstrengungen in diesem Bereich, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. 52 Prozent glauben zudem nicht, dass die Bundesregierung genug tut, um Bürger vor negativen Folgen der Globalisierung zu schützen.

Wissen die Befragten, worum es geht? Das würde einen erstaunlichen Bildungsgrad bezeugen.

Ich weiß nicht, wie die Fragen lauteten, aber so formuliert, wie es im Bericht steht, sind es Suggestivfragen. Wer möchte nicht eher Schutz als keinen Schutz? Wer fände nicht, daß die Regierung mehr gegen negativen Folgen tun sollte? Sind die negativen Folgen (deren Existenz präsupponiert wird) zuvor dargelegt worden? Haben die Befragten genug Kenntnisse über Vor- und Nachteile? Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2018 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38657

Die Mehrheit der bayerischen Wähler ist für die Kreuzpflicht. Was hat man denn erwartet? Auch die Verteilung auf die Parteien war vorhersagbar. Die religiöse Mehrheit ist immer bereit, die Minderheit zu überfahren, darum sind die Grundrechte kein Gegenstand von Mehrheitsentscheidungen. Man frage nach der Todesstrafe oder ob die Juden zu Bayern gehören.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.05.2018 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38758

DER SPIEGEL, Nr. 18/28.4.2018, S. 26, berichtet über eine repräsentative Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts pollytix:

Männer wissen besser Bescheid als Frauen: 41 Prozent der Männer gaben korrekt an, dass die Zweitstimme die wichtigere Stimme ist, bei den Frauen waren es nur 32 Prozent.

Was ist "wichtiger", der Direktkandidat des Wahlkreises oder die Mehrheitsverhältnisse im Parlament? Der Apfel oder die Birne? Wer bestimmt, wo steht geschrieben, was wie "wichtig" ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2018 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38760

Guter Einwand. Man hätte das Ergebnis der Umfrage vorhersagen können. Frauen lesen eher Lokalzeitungen, Männer überregionale, übernehmen daher auch eher deren richtige und falsche Meinungen. Außerdem ist "human interest" sowieso weiblich.
John L. Locke sieht darin biologisches Erbe und etwas Positives (Komplementarität von Mann und Frau).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2018 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38770

Generell haben konfessionslose Menschen ein schlechteres Gefühl in Deutschland als Anhänger einer Religion. Nur gut 60 Prozent von ihnen fühlen sich sicher, während dies für 64 Prozent der Katholiken gilt. Allerdings steigt die Unsicherheit unter Katholiken, im März fühlten sich noch 70 Prozent sicher. Unter Protestanten steigt das Sicherheitsgefühl von ehemals 70 Prozent auf jetzt 74 Prozent. (FOCUS)

Die Tabellen zeigen ein Schwanken von Monat zu Monat um mehr als 20 Punkte. Das ist offenbar sinnlos. Kann man im Ernst sagen: Ich habe mich im März unsicher gefühlt, im April sicherer, im Mai wieder weniger sicher? Wie hängt das mit den jeweiligen Meldungen in der Tagesschau zusammen? Bei solchen Schwankungen sind auch die ohnehin kleinen Unterschiede zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht signifikant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2018 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38840

(Auch zu http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=37#11641)

In Irland sind die Älteren für ein Abtreibungsverbot, die Jungen (besonders die jungen Frauen) sind dagegen.

Alte wollen mehr Rente, Junge mehr Kindergeld.

Arbeiter wollen höhere Löhne, Arbeitgeber wollen nicht zahlen.

Religiöse Mehrheiten wollen Minderheiten nicht die gleichen Rechte einräumen (s. Kreuzpflicht usw.).

Das alles braucht man nicht zu erfragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#38953

Glauben Sie, dass Trump und Kim wirklich Frieden in Korea schaffen werden? (t-online Umfrage)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2018 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39042

Die Zeitung fragt einen Psychologieprofessor, warum uns das Drama um die thailändischen Höhlenkinder so bewegt. Das verdient die Tagesprämie für Selbstreferentialität. Eine andere beklagt, daß uns die Rettung der Höhlenkinder mehr bewegt als das Schicksal der Flüchtlinge...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2018 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39607

Die große Mehrheit der Bundesbürger hält nichts von der Personalie Maaßen im Innenministerium. Die Ablehnung ist überwältigend. Eine große Zahl Bürger hätte ihn gerne komplett in den Ruhestand verabschiedet. (welt.de)

Bei solchen Umfragen sollte durch einige vorausgeschickte Testfragen erst einmal festgestellt werden, ob die Befragten überhaupt wissen, worum es geht. Wenn nicht einmal Nahles die Folgen ihrer extremen Formulierungen absah, was ist dann vom Durchschnitts-Medienkonsumenten zu erwarten, der doch bloß zurückgibt, was ihm die Medien tagelang vorgesprochen haben?

Das gilt natürlich auch anderswo. Ein zweites Referendum zum Brexit gilt plötzlich als undemokratische Mißachtung des Wählerwillens, obwohl die Wähler inzwischen viel deutlicher sehen dürften, was "Brexit" eigentlich bedeutet.

Die Gruppendynamik hat dafür gesorgt, daß Maaßen allmählich als ein Problembär dastand, den man aufgrund seiner unsagbaren Verbrechen nur mit Schimpf und Schande verjagen könne.

Daß Hinterbänkler und Gescheiterte jetzt das Maul aufreißen, ist zwar verständlich, aber die Medien verstärken diesen Lärm noch und machen damit selbst Politik.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.09.2018 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39608

Ein zweites Referendum zum Brexit gilt plötzlich als undemokratische Mißachtung des Wählerwillens

Nö, nicht plötzlich. Den Briten stand die europäische Methode, so oft abstimmen zu lassen, bis das Ergebnis genehm ist, deutlich genug vor Augen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 20.09.2018 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39609

Mit Verlaub, das ist ist Unsinn. Die "europäische Methode, so oft abstimmen zu lassen, bis das Ergebnis genehm ist" ist eine Erfindung der Alt-Right-Medien.

In den bekannten Fällen (Irland, Dänemark) ging es für die betreffenden Länder um ganz konkrete Probleme in den EU-Verträgen, die anschließend beseitigt wurden. Wenn überhaupt ist es "europäische Methode", EU-Verträge erst dann zu ratifizieren, nachdem Bedenken der Mitgliedsstaaten ausgeräumt und das Ergebnis per Volksabstimmung bestätigt wurde.

Im übrigen sind Volksabstimmungen Sache der Mitgliedsländer, nicht der EU.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2018 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39610

Ist das belegt oder eine Interpretation?

Es berührt übrigens nicht mein Bedenken über Plebiszite zu nicht annähernd durchschauten Themen. Ich war viele Jahre Befürworter von mehr Plebisziten und habe mich etwas für ein bayerisches und sehr viel mehr für eines in S-H (zur RSR) abgestrampelt. Inzwischen bin ich kritischer, nicht wegen der klassischen Bedenken (angeblicher Beitrag zum Untergang der Weimarer Republik usw.), sondern aus den genannten Gründen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2018 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39611

(Mein letzter Eintrag bezog sich auf Herrn Markner, er hat sich mit dem von Herrn Schaefer überschnitten.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.09.2018 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39613

Zu erinnern ist auch noch an das andere ebenso bekannte Verfahren, das mißliebige Ergebnis von Referenden zu umgehen. »Da nach gescheiterten Referenden in Frankreich und den Niederlanden nicht alle Mitgliedstaaten den Vertrag ratifizierten, erlangte er keine Rechtskraft. Stattdessen schlossen im Dezember 2007 die europäischen Staats- und Regierungschefs unter portugiesischer Ratspräsidentschaft den Vertrag von Lissabon ab, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat. Ein erneutes französisches oder niederländisches Referendum im Zuge dessen fand nicht statt.« »Inhaltlich übernahm der Vertrag von Lissabon die wesentlichen Elemente des EU-Verfassungsvertrags, der 2005 in einem Referendum in Frankreich und in den Niederlanden abgelehnt worden war.« (WP) Die Regierung May verfolgt im großen und ganzen einen ähnlichen Kurs.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2018 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39704

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#35801

Die Populismus-Experten der Bertelsmann-Stiftung haben wieder zugeschlagen. Fast ein Drittel der Deutschen sind populistisch eingestellt (was immer das heißen mag; es lohnt nicht, die Definition nachzuschlagen, die man dort ersonnen hat). Irgendwann wird das ganze Volk dem Volk nach dem Mund reden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.10.2018 um 00.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39826

Das Erste zeigte gestern um 21.45 Uhr in tagesthemen extra zur Wahl in Bayern "die Graphik, die alles am besten erklärt". Es handelte sich um eine Umfrage von infratest dimap. Folgende Aussage sollte mit ja oder nein bewertet werden:

"Ich finde es gut, dass sich Horst Seehofer in der Asylpolitik klar gegen Angela Merkel stellt."
Ergebnis: ja 40%, nein 57%

Was ist das wieder für eine Umfrage? Den Leuten wird etwas völlig Unsinniges verkündet, und dann sollen sie nicht etwa sagen, ob es so ist, sondern wie sie es finden, "dass" es so ist.

Genauso könnten sie auch fragen:
"Finden Sie es gut, daß die Erde eine Scheibe ist?"
Man kann es weder mit ja noch mit nein beantworten, die Frage ist einfach sinnlos.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.10.2018 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#39827

Die Frage hätte richtigerweise im Konjunktiv formuliert werden müssen. Aber das geht natürlich nicht, weil man die Befragten ja nicht kognitiv überfordern will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2018 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40042

Die Leipziger Autoritarismus-Forscher haben wieder mal herausgefunden, daß erschreckend viele Deutsche potentiell rechtsextrem sind. Ihre Methode ist der Fangfragebogen, der dann passend interpretiert wird.

Studienleiter:

Oliver Decker (* 1968) ist ein deutscher Sozialpsychologe, Soziologe und Rechtsextremismusforscher. Er ist Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.11.2018 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40043

Der MM schrieb gestern dazu im Kommentar (S. 5):

Zweifel an den Befunden sind allerdings erlaubt. Durch weiche Formulierungen kann man leicht höhere Werte erreichen. Der Verdacht der Überdramatisierung drängt sich auch auf, weil die Einordnung der aktuellen Werte fehlt. ... Aber mit einer solchen sachlichen Darstellung würde natürlich die öffentliche Aufmerksamkeit für die Wissenschaftler sinken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2018 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40045

In einem "Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung" erforschen, wie der Name sagt, die Guten die Bösen. Auftraggeber der Studie: Heinrich-Böll-Stiftung und Otto-Brenner-Stiftung.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 13.11.2018 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40066

Fehlt nur noch die Amadeo Hust Antonio Hust Stiftung, mit dem amtlichen Deppen Leer Zeichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2018 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40072

In der FAZ vom 14.11.18 nimmt Wolfgang Krischke die "Studie" auseinander. Das wird allerdings die Gläubigen nicht verunsichern. (Das "Kompetenzzentrum" in Leipzig gehört zur Theologischen Fakultät.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2018 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40083

Zum selbstverständlichen Hintergrund unseres Heranwachsens gehörte die Lehre, daß der Rechtsextremismus (Nationalsozialismus, Faschismus) von Grund auf böse sei und von Anfang an das Böse gewollt habe, während der Linksextremismus (Kommunismus) eigentlich ein irregeleiteter Idealismus mit einem ehrenwerten philosophischen Hintergrund sei, bei dem nur die Praxis manchmal hinter dem Ideal zurückblieb. Darum waren auch die Terroropfer beider Seiten nicht vergleichbar.
Diese Geschichtsphilosophie lebt immer noch und wird auch von den Leitern der Leipziger Studie vertreten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2018 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40441

Spardorf, Silvester 2018

Umfragen haben ergeben, daß die Mehrheit gegen Minderheiten ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40504

Wie unbeliebt Merkel ist, zeigte vorige Woche eine Umfrage, wonach ein Drittel der Deutschen ihren Abgang wünscht. Fast gleichzeitig wurde bekannt, daß ihre Beliebtheit auf spitzenmäßige 60 Prozent gestiegen sei. Mit den Wahlergebnissen verglichen nicht schlecht. Zufällig lese ich in meinen Notizen:
Jeder zweite Deutsche für vorzeitigen Abgang Merkels (dpa 27.12.17)

Usw. mit der Umfragerei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40575

Auch die FAZ bezieht sich immer wieder auf das demokratische Brexit-Votum der Briten und übergeht die Fragwürdigkeit der ganzen Veranstaltung. Welfens erinnert daran, daß die Regierung Cameron die Bevölkerung bewußt betrogen hat, indem sie ihr die Analyse des Schatzkanzleramtes vorenthielt. Darin waren die Einkommensverluste des Brexits für die Bürger auf 10 bis 11 Prozent veranschlagt worden. (Paul J. J. Welfens: BREXIT aus Versehen. 2. Aufl. Wiesbaden 2018) Es ist nicht einzusehen, warum ein zweites Referendum bei besserer Kenntnis der Tatsachen weniger demokratisch sein soll als das erste. Das hat nichts mit dem Trick zu tun, so lange abstimmen zu lassen, bis das Ergebnis paßt. Korrigierbarkeit von Entscheidungen gehört zum Rechtsstaat.
Die Regierung könnte natürlich auch das ganze Unternehmen einfach fallenlassen. (Das wäre m. E. die beste Lösung, wenn zugleich Reformen der EU in Angriff genommen würden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2019 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#40709

Die WELT berichtet über die Schüler-Demonstrationen ("für die Zukunft der Erde" usw.)und fragt ihre Leser, ob die Verletzung der Schulpflicht bestraft werden solle oder ob ihr "Engagement" straffrei bleiben soll.

Das Engagement will ja niemand bestrafen, die beiden Optionen stehen schräg zueinander, wie fast immer. Meidinger fragt mit Recht, wie ähnliche Aktionen zugunsten Pegida von den rot-grünen Demokratiefreunden eingeschätzt werden würden.

Verachtung rechtlicher Verfahren ist kein sinnvolles Lernziel. Auch nicht "Engagement", das nichts kostet. Man teilt den Schülern gleichsam mit: Ihr Narren könnt machen, was ihr wollt, es ist uns wurscht.

Politik kann man nicht früh genug beibringen, aber daß manchen Leuten dabei zuerst "Demonstrationen" einfallen, ist ein Armutszeugnis.

"Engagement" als Unwort des Jahres – das dauert wohl noch etwas.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2019 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41037

Wenn die Veränderungen beim "Trend" (Sonntagsfrage) weit unterhalb der Fehlertoleranz liegen, braucht man sich doch nicht um die Interpretation gar nicht vorhandener Tendenzen zu bemühen.

Aber es muß immer was zu berichten geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2019 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41179

Die WELT fragt ihre Leser:

Sollen die Krankenkassen für einen Test auf Down-Syndrom zahlen?

- Ja, dieser Test darf kein Privileg Wohlhabender sein
- Nein, so fördert man Behindertenfeindlichkeit

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.04.2019 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41251

EXKLUSIVE UMFRAGE: DEUTSCHE MEHRHEITLICH GEGEN AUSLIEFERUNG VON JULIAN ASSANGE AN DIE USA (t-online.de)

Tja. Morgen dann wohl: DEUTSCHE MEHRHEITLICH FÜR BESSERES WETTER
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.04.2019 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41252

Passender wäre:

DEUTSCHE MEHRHEITLICH GEGEN LINKSVERKEHR IN GROSSBRITANNIEN
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2019 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41540

Die FAZ gehört seit Jahrzehnten zu den besten Kunden von „Allensbach“ und bringt regelmäßig ganzseitig Umfrageergebnisse. Die Berichte von Renate Köcher persönlich (wie früher von Noelle-Neumann) kann ich jedoch nicht lesen. Ein kurzer Blick in die neueste Ausgabe überzeugt mich davon, daß der Stil derselbe geblieben ist. Es geht um Political correctness. Auf sprachliche Eingriffe wie im Falle von Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ reagiere die Bevölkerung „völlig verständnislos“, mit „Kopfschütteln“ usw. – Ist das soziologische Forschung? Allensbach hilft der FAZ bei der Verbreitung einer gewissen politischen Meinung. Auch wenn ich sie manchmal teile, will ich es nicht auf diese Weise bestätigt sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2019 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41719

Umfragen haben ergeben, daß x Prozent mit dem Funktionieren der Demokratie unzufrieden seien. Das wird als Unzufriedenheit mit der Demokratie wiedergegeben. Lauter sinnloses Zeug und Stimmungsmache.
Sigmar Gabriel kritisiert die Umfragerei der eigenen Parteistiftung zu „rechten“ Einstellungen. Diesmal hat er recht. Die ganze Einstellungsforschung mittels Fragebogen ist wertlos und gefährlich. Entlarvungsabsicht. Hinterlistige Fragen, die den anderen seines Unwertes überführen sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2019 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#41924

SPON:

Befürworten Sie die Einführung einer CO2-Steuer?
- Ja, so lässt sich das Klima effektiv schützen
- Nein, eine solche Steuer trifft die Falschen


Ist es nachts oder draußen kälter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2019 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42008

Allensbach füllt wieder eine ganze Seite der FAZ mit Umfragen wie dieser: Was halten wie viele Deutsche von der Inklusion Behinderter in Regelschulen? usw.

Das wird in schönen Säulendiagrammen dargeboten.

Nie wird zuvor ermittelt, was die Befragten sich überhaupt dabei denken, was sie von den tatsächlichen Verhältnissen wissen usw. Vielleicht haben sich die meisten noch nie darüber Gedanken gemacht, bevor sie eine "Meinung" zum besten geben, weil die Interviewer sie dazu zwingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2019 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42072

Wie die Regierung Cameron ein Papier des Finanzministeriums zu den Brexit-Folgen zurückhielt, so gibt nun die Regierung Johnson das Yellowhammer-Papier an die Öffentlichkeit. Lesenswert ist es allemal:

https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/831199/20190802_Latest_Yellowhammer_Planning_assumptions_CDL.pdf

(Abkürzungen: MS = Member States, HGV = Heavy Goods Vehicles, DHSC = Department of Health and Social Care, HMT = Finanzministerium, Defra = Department for Environment, Food & Rural Affairs)

Einige Tippfehler sind leicht zu korrigieren. Absatz 15 ist geschwärzt; weiß jemand, was darinstand?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2019 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42115

Wird der Klimaschutz zu zögerlich angegangen?
- Ja, es müsste viel mehr Verpflichtungen für die einzelnen Staaten geben
- Nein, auch den Klimaschutz darf man nicht überstürzt angehen

(abendblatt.de)
Abgesehen davon, daß die beiden Antwortoptionen wieder einmal schräg zueinander stehen: „überstürzt angehen“ ist ein Troponym für „falsch machen“. Wer wird sich dazu bekennen, daß man etwas falsch macht?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.09.2019 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42149

»Wird Boris Johnson am Brexit-Datum noch im Amt sein? – Ja, er wird seinen Posten behalten | Nein, er wird vorher abgesetzt« (SPIEGEL ONLINE)
Und wenn ich glaube, daß er vorher freiwillig zurücktritt?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.09.2019 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42150

Und wer sollte ihn absetzen? Eine von Brüssel aus eingesetzte Militärjunta?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2019 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42151

Welchen Schaden dieser logisch oft haarsträubende Unsinn auf die Dauer anrichtet, kann man kaum abschätzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2019 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42239

Unsere Gesinnungsforscher testen uns mit Fangfragen.
„Ich kann es gut verstehen, dass manchen Leuten Juden unangenehm sind.“
Wer diesen Satz unterschreibt, ist ein latenter Antisemit. Dazu gehören 20 bis 30 Prozent aller Deutschen (die Gesinnungsforscher selbst natürlich nicht, die sind 100 Prozent sauber).

Es gibt viele Gründe der „Verstehens“ (ein vieldeutiger Begriff). So bemüht sich auch die Geschichtsforschung zu verstehen, warum manchen Leuten Juden unangenehm sind. Ich verstehe es auch, weil ich mich mit 2000 Jahren christlicher Judenfeindschaft beschäftigt habe. Ich habe sogar Menschen kennengelernt, die selbst im Dritten Reich als „jüdisch versippt“ verfolgt und trotzdem die Rassenideologie nicht losgeworden waren. Das konnte ich „gut verstehen“.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.10.2019 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42309

www.tagesschau.de, ähnlich dieser Tage in vielen Zeitungen:

Studie
"Jeder vierte Deutsche denkt antisemitisch"

Der Jüdische Weltkongress warnt vor einem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Die Organisation hat eine repräsentative Umfrage durchgeführt mit dem Ergebnis: Viele Deutsche stimmen antisemitischen Aussagen zu.

Jeder vierte Deutsche hegt laut einer Studie des Jüdischen Weltkongresses antisemitische Gedanken. Befragt wurden 1300 Frauen und Männer. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, äußerten 41 Prozent von ihnen die Meinung, Juden redeten zu viel über den Holocaust. Auch Aussagen wie Juden hätten zu viel Macht in der Wirtschaft oder trügen die Verantwortung für die meisten Kriege auf der Welt seien auf relativ große Zustimmung gestoßen. Fast die Hälfte (48 Prozent) ist der Meinung, Juden verhielten sich loyaler zu Israel als zu Deutschland.

Diesen Beitrag hätte ich auch sehr passend unter "Kopfrechnen" einstellen können.

Wenn 41% (fast jeder zweite) der Meinung sind, Juden redeten zuviel über den Holocaust, aber nur jeder vierte angeblich antisemitische Gedanken hegt, dann sind die Studie und die Tagesschau wohl genau wie ich der Meinung, daß die Frage "Glauben Sie, daß Juden zuviel über den Holocaust reden?" und ihre Antwort gar nichts damit zu tun haben, ob jemand antisemitisch denkt.

Wenn sogar 48% die Frage "Glauben Sie, daß Juden sich loyaler zu Israel als zu Deutschland verhalten?" bejahen, aber laut Studie bzw. Tagesschau nur jeder vierte angeblich antisemitisch denkt, dann kann auch das nur bedeuten, daß diese Frage und ihre Beantwortung nichts mit antisemitischem Denken zu tun haben.

Warum werden diesen beiden Fragen dann überhaupt in den Kontext der Studie gestellt?

Wenn diese beiden Fragen nichts mit der Aussage der "Studie" zu tun haben, dürfte man dann vielleicht einmal wissen, wie diese "Studie" überhaupt darauf kommt, jeder vierte Deutsche denke antisemitisch?

Es ist immer dasselbe, da werden dilettantisch irgendwelche Umfragen zusammengebastelt und die gewünschten Aussagen hineininterpretiert. Keine klaren Definitionen liegen zugrunde, und der Leser wird über das wirkliche Zustandekommen der Aussagen auch nicht informiert. Man zieht ihn einfach über den Tisch, die meisten rechnen oder prüfen ja nicht nach. Der dumme Michel glaubt halt alles, was in der Zeitung steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42310

Wer denkt sich solche Fragen aus und in welcher Absicht?

Wir haben hier schon viele Umfragen zitiert, die anscheinend nur dazu dienen, arglose Mitmenschen aufs Kreuz zu legen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2019 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42354

Deutsche wollen mehr Staat statt allzu freien Markt.

Möchten Sie einen allzu freien Markt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2019 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42369

Zur Zeit sind Umfragen dieses Musters beliebt:

"Wird die Lebensleistung der Ostdeutschen hinreichend gewürdigt?"

Die Frage unterstellt, daß es eine Lebensleistung der Ostdeutschen gibt.

Wie jeder weiß, leisten manche Menschen mehr als andere. Worin die Lebensleistung der (aller?) Ostdeutschen besteht, wird nicht gesagt. In der DDR zu leben war keine Leistung, sondern Schicksal.

Wer soll diese Lebensleistung würdigen? Natürlich die Westdeutschen. Sie haben eine Bringschuld.

Das Ganze dient nur der Aufhetzung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.11.2019 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42371

Die Lebensleistung der Ostdeutschen bestand darin, daß sie sich nach der Vertreibung neue Existenzen aufgebaut haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2019 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42422

In "Nature" erschien vor Jahren ein Beitrag, in dem nachgewiesen wurde, daß Banker unter gewissen Umständen unehrlicher sind als andere Menschen. Kürzlich erschien ebenfalls in "Nature" ein Beitrag, der das widerlegte. Die Einzelheiten brauchen hier nicht zu interessieren.
Beide Studien arbeiteten mit dem typischen Instrumentarium der Psychologie: Spielsituationen, Simulationen. Um die Validität solcher Verfahren zu testen, müßte man sie gegen das wirkliche Verhalten von Bankern und Nichtbankern beruflich und privat halten. Das ist praktisch unmöglich und unterbleibt daher. Stattdessen beeindruckt man uns mit immer größeren Zahlen von Probanden. Aber ein immerhin möglicher Fehler wird nicht geringer, wenn man ihn multipliziert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.12.2019 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42649

Umfrage: Welchem Staatschef trauen die Deutschen mehr als Merkel? (BILD 24.12.19)

In Wirklichkeit ergab die (natürlich ihrerseits zweifelhafte) Umfrage, daß 53 Prozent der Befragten angaben, ihr Vertrauen in Merkel sei „eher groß“, und 57 Prozent dasselbe von Macron sagten, womit beide ohne signifikanten Unterschied in Spitzenpositionen liegen. Merkel kam bei jüngeren Befragten sogar auf 72 Prozent Zustimmung, was man geradezu sensationell nennen könnte. Die Schlagzeile suggeriert jedoch, daß Merkel nicht sonderlich geschätzt wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.12.2019 um 20.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42650

Frau Merkel ist kein »Staatschef«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2019 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42651

Das war mir auch gleich aufgefallen, aber es gehört in solchen Medien zur normalen Bandbreite. Ich kommentiere auch BILD-Texte normalerweise gar nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2020 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42842

Bei t-online kann man abstimmen, ob man den Rauswurf Sarrazins aus der SPD für richtig hält. Ich habe gleich mehrmals abgestimmt (weiß aber nicht mehr, ob dafür oder dagegen). Wieder fällt auf, daß niemand sich so sehr um Sarrazins Mitgliedschaft in der SPD sorgt wie die AfD-Anhänger. Man sollte eher erwarten, daß sie ihn zu sich rüberziehen wollen, weil er doch in der falschen Partei ist. Wie beim Leserforum der WELT, wo Gleichgesinnte unter sich sind, muß man an der Repräsentativität zweifeln. Es gibt offenbar eine Menge Menschen, die sozusagen auf der Lauer liegen, um den ganzen Tag über an passende Schlagzeilen ihre immergleichen Kommentare anzuhängen.

Wo ich gerade bei den fantastischen Narrativen bin:

In der FAZ wiederholt ein Leser, daß die menschliche CO2-Produktion nicht viel ausmachen kann, weil doch der Pinatubo in vier Tagen mehr davon ausgestoßen hat als die Menschheit in ihrer ganzen Geschichte.

Und noch etwas:

Die USA haben laut einem Bericht dem Auswärtigen Amt Beweise dafür geliefert, dass der Technologiekonzern Huawei mit chinesischen Sicherheitsbehörden kooperiert.

Gell, das haben Sie nicht erwartet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2020 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42843

FOCUS fragt die Leser:

Sollten die Notenbanken weniger auf Forderungen der Politik eingehen?
- Ja, die Notenbanken müssen davon frei und unabhängig entscheiden
- Nein, sei müssen aktuelle Politik in ihr Handeln einschließen


Selbst nach einem ganztägigen wirtschaftswissenschaftlichen Seminar würde ich mir nicht zutrauen, zwischen solchen Optionen zu entscheiden. Oder vielmehr: gerade dann nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.01.2020 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42844

Besonders tapsig bei dieser Umfrage ist (neben der wie meistens nicht gegebenen Gegensätzlichkeit der Antwortmöglichkeiten) auch noch die Über-Kreuz-Fragerei nach dem Muster:

Ja, das lehne ich ab.
Nein, dem stimme ich zu.

Bei solchen Umfragen sind Mißverständnisse vorprogrammiert. Seriöse Ergebnisse bekommt man so nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2020 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#42918

Wem vertrauen Sie eher Ihr Geld an?
- Künstlicher Intelligenz
- Erfahrenen Finanzexperten


Mit der Captatio benevolentiae wird Werbung für die Branche gemacht.

Halten Sie den Rückzug von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer für richtig?

- Ja, der angekündigte Rückzug war nach dieser Pannenserie unausweichlich.
- Nein, Kramp-Karrenbauer ist und bleibt die beste Chefin für die Union.


Was soll ich ankreuzen, wenn ich den Rückzug schon lange vor der Pannenserie für unausweichlich hielt?

Das sind natürlich indiskutable Umfragen, aber die scheinbar seriöseren sind im Grunde auch nicht besser.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2020 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#43987

Allensbach hat für die FAZ 500 Führungskräfte aus der Wirtschaft befragt:

Die höchsten Zustimmungswerte erhält die Kanzlerin, die 2020 nicht wieder antritt. Aus dem Spektrum möglicher Kanzlerkandidaten der Union ragen CSU-Chef Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hervor, deren Arbeit in der Corona-Krise mehr als 80 Prozent der Befragten überzeugt.
Abgeschlagen landet hingegen Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der sich im November zunächst um den CDU-Vorsitz bewirbt. Mit seiner Leistung sind nur 30 Prozent zufrieden. Köcher findet das unfair, von den Fakten sei das nicht gedeckt. Bayern schlage sich in der Corona-Krise nicht besser als Nordrhein-Westfalen. (...)
Und obwohl die Infektionszahlen zum Zeitpunkt der Umfrage Anfang Juli schon stark gesunken waren, fordert selbst aus den Unternehmen nur eine Minderheit, die restlichen Einschränkungen im Alltag, etwa die Maskenpflicht, schnell aufzuheben.
„Das konnte ich gar nicht fassen“, sagt Köcher beunruhigt.
(FAZ 25.7.20)

Das ist schon eine komische Meinungsforscherin. Statt die erhobenen Meinungen zu analysieren, erklärt sie sie für falsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2020 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44094

Ist die zweite Welle bereits da?
Ja, wir sind schon mitten drin
Nein, die Zahlen sind noch niedrig

(FAZ online)
Ich würde sagen: „Ja, aber wir stehen noch am Anfang.“ Das ist aber nicht vorgesehen.

Wird inzwischen zu locker mit dem Coronavirus umgegangen?
Ja, die Meisten sind zu leichtsinnig
Nein, das Virus wird ernst genug genommen

(inFranken.de)
Ich würde sagen: „Ja, von vielen (aber nicht von den meisten und schon gar nicht den Meisten).“
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2020 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44095

Wie kann man sagen, ob die zweite Welle da ist, wenn jeder unter einer Ansteckungswelle etwas anderes versteht? Zuerst müßte man sich auf eine Definition einigen, dann wäre damit die Frage auch schon so gut wie beantwortet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.08.2020 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44096

Es ist ein drittes Wellchen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2020 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44255

Das Durcheinander bei der Bildung will laut ifo-Bildungsbarometer eine Mehrheit der Menschen in Deutschland beenden. Demnach gibt es einen großen Wunsch nach bundeseinheitlicheren Regeln. (tagesschau.de)

Wenn man den Föderalismus als Durcheinander und den Zentralismus als Einheitlichkeit zur Wahl stellt, ist das Ergebnis absehbar. Was das ifo-Institut vorziehen würde, ist ja klar. Auch wenn die Frage weniger kraß formuliert war: „Einheit“ o. ä. klingt immer gut. Die Vorzüge des Föderalismus sind nicht so leicht zu verstehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.09.2020 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44256

Ich bin nicht gegen Föderalismus im allgemeinen, aber für Bildung sollte er nicht gelten. Die beste Bildung muß ganz Deutschland zukommen, nicht nur Sachsen und Bayern.

Föderalismus mag zum Beispiel gut bei der Gestaltung von Volksfesten und Karneval sein, aber Bildung ist dafür ein zu ernstes Thema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2020 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44257

Soll die bayerische Bildung auch Bremen zukommen oder umgekehrt?

Ein gewisser Wettkampf der Systeme (sehr maßvoll!) verhindert, daß jeder Fehler gleich flächendeckend verbreitet wird.

Man hätte zum Beispiel die Rechtschreibreform regional erproben können... Aber das hat die KMK in ihrer rechtlichen Grauzone (das berühmte "Nullum") verhindert, indem sie sich Einstimmigkeit verordnet und damit den Föderalismus de facto aushebelt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.09.2020 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44260

Ich höre immer, daß das bayrische Abitur zumindest im Vergleich zu den norddeutschen sehr angesehen ist. Allgemein soll es da ein Süd-Nord-Gefälle geben, zumindest nach dem Hörensagen. Also ja, nicht umgekehrt.

Die Rechtschreibreform hätte bei regionaler Erprobung mit Sicherheit Schiffbruch erlitten, das wußten die Initiatoren genau. Ohne daß die meisten Verlage und Medienhäuser bundesweit mitgemacht hätten, hätte man niemals gewagt, sämtliche Bibliotheken zu "reinigen" usw. Die ganze Überrumpelung konnte nur in einem geschlossenen Akt gelingen, und der fieseste Trick war, flächendeckend mit den Schulen anzufangen und alle Schüler gleich als Geiseln zu nehmen. Ich sehe heute noch das süffisante Lächeln von Frau von der Leyen, als sie im Interview auf die armen, geplagten Schulkinder hinwies, und Frau Schavan, die ebenfalls die Suppe, die sie erst den Schulkindern eingebrockt hatte, schließlich lieber von der ganzen Gesellschaft auslöffeln ließ. Das hat die KMK trotz Föderalismus ja gut hingekriegt. Der hat unsere Schriftsprache also auch nicht vor Schaden bewahrt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.09.2020 um 20.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44261

Die KMK ist eben Zentralismus durch die Hintertür.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.09.2020 um 02.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44262

Das heißt, Sie lehnen nicht nur die KMK, sondern Zentralismus insgesamt ab? Klar, all diese -ismen sind irgendwie extrem. Ich möchte auch keinen reinen Zentralismus, es hört sich ja fast wie Absolutismus an. Andererseits darf man auch Föderalismus nicht bis zur Kleinstaaterei treiben.

Ich möchte statt Zentralismus nur Einheitlichkeit in den wichtigen Belangen. Dazu zähle ich auch das Bildungssystem. Das widerspricht m. E. nicht dem Gebot der Pflege der landestypischen Kulturen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2020 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44263

Das heißt es natürlich nicht. Ich könnte zurückfragen: Sie lehnen also das Grundgesetz insgesamt ab? Das frage ich natürlich nicht.

Daß wir mit einem zentralisierten Bildungssystem besser fahren würden als mit dem grundgesetzlich vorgesehenen föderalen, ist eine bloße Behauptung. Aber wir werden an dieser Stelle nicht weiterkommen, müssen es ja zum Glück auch nicht. Ich hatte bloß auf einen rhetorischen Trick bei Umfragen hinweisen wollen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.09.2020 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44267

Oh, Entschuldigung, ich hatte mit meiner letzten Bemerkung eigentlich R.M. gemeint. Was sich notfalls auch durch die Hintertür Geltung verschafft, kann ja insgesamt nichts Gutes sein, oder?
 
 

Kommentar von S. H., verfaßt am 03.09.2020 um 14.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44269

Ich weiß nicht, woher der unausrottbare Glaube rührt, mehr Zentralisierung könne das Bildungssystem retten. Es haben doch gerade viele zentrale Setzungen (allen voran der Paradigmenwechsel zur Kompetenz-/Outputorientierung) zu dessen Niveauverlust beigetragen! Ich würde hingegen dafür plädieren, den einzelnen Schulen, ja, dem einzelnen Lehrer mehr Freiheit zu geben – und überdies die Schul- in eine Bildungspflicht umzuwandeln. Noch mehr bürokratische Wasserköpfe braucht doch niemand! Und wie schon bemerkt: gerade bei unserem Kernthema wäre so ja auch eine Schule denkbar gewesen, die damit für sich geworben hätte, noch die bewährte klassische Rechtschreibung zu vermitteln – den Rest hätte der Markt geregelt. Zentrale Steuerung ist eben immer auch das Einfallstor für Ideologien und „Regelungsgewalt“ jedweder Couleur, während Freiheit vor diesen bewahrt! Wenn man umfragetechnisch Freiheit/Föderalismus natürlich als Durcheinander etikettiert …

Serjosha Heudtlaß
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2020 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44270

Ich weiß nicht mehr, wer seinerzeit ziemlich verbindlich gesagt hat: Wenn die Rechtschreibreform in einem Bundesland gekippt wird, dann wird sie nicht eingeführt. Sie wurde in S-H gekippt, aber dann las man es plötzlich anders. Wir wissen, wie es weiterging.

Auch ich verstehe nicht, wie die Schulen besser werden sollen, wenn man sie vereinheitlicht. Aber ich weiß schon, es geht gar nicht um die Qualität der Schulen, es geht um die Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Meiner Ansicht nach eine zweitrangige Sorge. Noch marginaler ist auch der legendäre Schüler, der nach einem Umzug seiner Familie in ein anderes Bundesland auf dem Schlauch steht. Ein wirklicher Skandal sind die Millionen Schüler, die auch ohne Umzug für teures Geld Nachhilfe nehmen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.09.2020 um 21.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44274

Alles, was hier für Bkldungsföderalismus angeführt wurde, ist gut nachvollziehbar. Der "unausrottbare Glaube" an Zentralisierung und Vereinheitlichung des Bildungswesens kommt sicherlich daher, daß jede Seite ihre Vor- und Nachteile hat.

Zum Beispiel liegt es auf der Hand, daß Föderalismus auch bedeutet, daß vieles (Lehrpläne, Prüfungsaufgaben, ...) mehrfach gemacht werden muß, Viel unnötiger Aufwand, und natürlich ist nicht alles gleich gut. Wie kommt es denn, daß z. B. das bayrische Abitur in der Wirtschaft höher geschätzt wird, als norddeutsche? Ich kann mir nicht vorstellen, daß das, was für manche Bundesländer das Beste ist, für andere schlecht sein soll.

Mir tun auch immer die Kinder leid, die bis Mitte oder Ende Juli noch oder ab Anfang oder Mitte August schon wieder in die Schule müssen. Juli und August sind Hochsommer, da gehören Kinder nicht in die Schule, da sind Ferien! Glaubt wirklich jemand, daß in dieser Zeit effektiv gelernt werden kann? Nachher ist sowieso wieder "hitzefrei", Ausfallzeiten werden in Kauf genommen.
Oder glaubt jemand, daß alle Straßen am 1. Juli schlagartig verstopft sind, wenn da für alle die Ferien beginnen? Die Urlaubsreisen verteilen sich von allein, wenn alle acht Wochen Zeit dazu hätten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2020 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44276

Die Spreizung der Sommerferien wird von Zentralisten kritisiert, aber die Wirtschaft hält daran fest, und auch ich glaube nicht, daß gemeinsame acht Wochen den Verkehr und die Be- und Auslastung der Tourismusregionen ausreichend bedienen würden. Wir Bayern genießen ja bisher das stark angefeindete Privileg unbeweglicher später Termine, früher mit den Notwendigkeiten der Erntehilfe begründet.

Als ständige Gäste auf Juist (dies Jahr leider ausgefallen) erleben wir selbst, wie "die Bayern" usw. nacheinander einfallen und wieder abreisen, und wir wissen, daß die ausschließlich von uns lebende Bevölkerung es schwer hätte, nur acht Wochen im Jahr Hochbetrieb zu haben und den Rest der Zeit nur Gäste ohne schulpflichtige Kinder.

Das Wort hitzefrei hat uns schon mal interessiert wegen der Groß- und Kleinschreibung. Das gute alte Hitzefrei muß doch im Zeitalter der Fernreisen manchen ebenso lächeln machen wie mich. "Wenn es um 10 Uhr 25 Grad warm ist..." ("im Schatten", wie man sinnig hinzufügen zu müssen glaubte!) Ach du lieber Himmel! Dann könnte in manchen Weltgegenden, wo sehr viele Menschen leben, überhaupt kein Schulunterricht mehr stattfinden.

Wobei mir einfällt, daß man hierzulande vielleicht die großen, langsam rotierenden Deckenventilatoren einführen könnte, die nebenbei die Virenkonzentration verringern würden; das Lüften dürfte ja im Winter nicht so einfach werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2020 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44454

Umfragen ergeben, daß unser Chinabild immer schlechter wird. Die Medien ernten, was sie selbst gesät haben, unter Trumps Mithilfe („Tschaine!“). China ist eine Parteidiktatur, und ich möchte dort nicht dauerhaft leben (unter Deng war ich ein Vierteljahr dort). Es kommen aber Nebentöne vom neuen „Reich des Bösen“ auf, die jeden historischen Sinn vermissen lassen. Mit Iran läuft es schon länger so; die Entstehung des Mullah-Regimes wird in Vergessenheit gebracht.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2020 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44527

Bhutan ist lange her. Die Finnen sind seit einigen Jahren die glücklichsten oder zufriedensten Menschen der Welt oder sollten es jedenfalls sein (SZ vom 17.10.20). Die Kinderbetreuung ist einzigartig, z. B. Kitas mit 24 Stunden Öffnungszeit an sieben Tagen. Überall Saunen und Seen, lauter Bäume, kaum Menschen. Auch die hohen Selbstmordraten sind gefallen, nur die extrem niedrige Geburtenrate läßt zu wünschen übrig. Niemand kann es sich erklären, warum die Menschen in diese optimierte Umgebung keine Kinder setzen wollen. Das Aussterben der Finnen ist so nicht mehr aufzuhalten. Eigentlich schade, denn wenn sie weg sind, kann man sie nicht mehr fragen, warum sie so glücklich waren.

Denn jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache,
Allein das Glück, wenn’s wirklich kommt, ertragen,
Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.
Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen:
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,
Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.10.2020 um 21.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44587

Und wieder lassen sich die Medien von den Umfrageergebnissen in den USA blenden. Zwar weist man vorsorglich darauf hin, daß das Rennen für Biden noch nicht gelaufen sei, aber der Grundtenor lautet: diesmal ist alles anders, die Demoskopen haben dazugelernt, die Prognosen in den besonders umkämpften Bundesstaaten sind besser als vor vier Jahren, und überhaupt ist Biden bei den Wählern nicht so unbeliebt, wie Hillary Clinton es war. Bei der Wahl 2016 seien beide Kandidaten sehr unbeliebt gewesen, daher habe es bis ganz kurz vor der Wahl ungewöhnlich viele Unentschlossene gegeben, von denen sich die meisten dann im letzten Moment für Trump entschieden hätten. Diesmal sei die Zahl der Unentschiedenen viel kleiner, weshalb die Prognosen zuverlässiger seien als vor vier Jahren.

Fast beiläufig wird erwähnt, daß Biden bei jungen Schwarzen und bei den Hispanics keine Begeisterungsstürme entfacht und viele von ihnen aus tiefsitzender Enttäuschung über die Politik im allgemeinen vielleicht gar nicht zur Wahl gehen werden. Gleichzeitig wird eine Rekordwahlbeteiligung erwartet. Was das bedeutet, weiß niemand so genau, aber es könnte auch darauf hindeuten, daß es Trump besser als Biden gelingt, seine Unterstützer zu mobilisieren. Zudem erzeugt der außergewöhnlich hohe Briefwahlanteil neue demoskopische Unwägbarkeiten, die aber als unproblematisch abgetan werden. Wähler, die vor vier Jahren mit einer Mischung aus Gruseln und vager Hoffnung Trump ihre Stimme gegeben haben, wissen jetzt sehr genau, wen sie da in den Sattel gehoben haben. Ergo können sie sich unmöglich noch einmal für ihn entscheiden, meinen dieselben, die sich schon damals einen Sieg Trumps nicht vorstellen konnten. Das könnte ein Trugschluß sein.

Wie so oft könnte auch diesmal der Trend in den letzten Tagen vor dem Wahltermin den Ausschlag geben. Im Moment spricht viel dafür, daß Trump auf den letzten Metern Boden gutmachen kann. Ich denke, daß er mit seinem gemäßigten Auftritt im zweiten TV-Duell mehr punkten konnte, als viele glauben, und zwar vor allem bei denen, die weniger an seiner Politik als an seinen Manieren Anstoß nehmen. Auch Bidens Äußerung zum unabwendbaren Ende der Ölindustrie, die von den Republikanern sofort genüßlich aufgespießt worden ist, wird ihm mehr schaden, als wir uns das hier in Europa vorstellen können. Hinzu kommen seine vielen Patzer und kognitiven Aussetzer, die »Sleepy Joe« neben Trump buchstäblich alt aussehen lassen.

Bei der Betrachtung der Umfragewerte in einzelnen Bundesstaaten wird gern übersehen, daß die von einigen Instituten veröffentlichten Zahlen, die den Vorsprung Bidens belegen sollen, zum Teil schon relativ alt sind, manchmal ein bis zwei Wochen, während die landesweiten Erhebungen tagtäglich aktualisiert werden. Auch verschleiern die Durchschnittswerte, die aus den Ergebnissen der letzten soundsoviel Umfragen gebildet werden, eventuell vorhandene Trends. So führte Biden in Pennsylvania laut RealClear Politics in einer Umfrage vor gut einer Woche noch mit zehn Prozentpunkten vor Trump. Danach schmolz sein Vorsprung dahin, und in der neuesten Umfrage führt nun Trump erstmals. Die Werte sind nicht ohne weiteres vergleichbar, schon weil sie von verschiedenen Instituten stammen. Aber die Entwicklung ist doch immerhin bemerkenswert. Da aber stur der Mittelwert der letzten Umfragen ausgewiesen wird, springt unter dem Strich mit heutigem Datum immer noch ein Vorsprung von 3,8 Punkten für Biden heraus. Wenn Trump nur in drei oder vier der Staaten, in denen er nach den Umfragen knapp hinter Biden liegt, am Ende siegt – und das erscheint mir nicht unrealistisch –, hat er die Wahl gewonnen. Dabei kann er sich beim landesweiten Stimmenanteil unter Umständen sogar noch einen größeren Rückstand leisten als vor vier Jahren gegenüber Clinton.

Das Rennen ist meines Erachtens bis zur letzten Minute völlig offen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.10.2020 um 02.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44590

Die Medien lassen sich von den Umfrageergebnissen in den USA blenden?
Nein, so dumm sind die nicht. Was scheren die Medien die wirklichen Verhältnisse in den USA? Sie nutzen einfach jede Möglichkeit, bestimmte Sympathien und Antipathien, d.h. eine bestimmte Gesinnung in Deutschland zu verbreiten.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.10.2020 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44592

Welche Gesinnung suchen die Medien in Deutschland zu verbreiten? Und wer steckt dahinter? Gates?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2020 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44593

In den deutschen Zeitungen finde ich täglich Erörterungen über wirtschaftliche, religiöse und andere Aspekte der amerikanischen Präsidentschaft und ergänze meine Kenntnisse durch amerikanische Medien, wo ich natürlich ebenfalls mit der mir bekannten Tendenz rechne. Eine bunte Miischung also, aus der ich mir eine Meinung über die Tatsachen und über die Stimmungen bilde. Einen allgemeinen Vorwurf kann ich daraus nicht ableiten.
Wenn man den Zeitungen etwas vorwerfen muß, ist es die Tatsache, daß sie viel ausführlicher über die „Wut“ der Betroffenen usw. berichten als über die Begründung der Maßnahmen. Human interest eben.

Die meisten Zeitungen halten die Wiederwahl Trumps nicht für wünschenswert. Sollen sie die Neutralität so weit treiben, das auch noch zu verbergen? Darüber mögen sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten den Kopf zerbrechen. Die anderen tragen zur "Meinungsbildung" bei - was denn sonst? Die Alternative zur Vielfalt der Meinungen wäre die - natürlich fiktive - Meinungslosigkeit eines Amtsblattes, das niemand lesen mag.

Gerade kommt die SZ ins Haus, mit einem durchaus abwägenden größeren Beitrag zur amerikanischen Wirtschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2020 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#44641

Nach dem Debakel der Experten wg. Wahlvoraussage in den USA vergeht keine Minute, bevor die Experten uns genau erklären, warum die Experten sich geirrt haben. Aber warum sollten wir ihnen diesmal glauben?

Einige lagen auch richtig, wie es der Zufall will. Sie werden bestimmt gefeiert werden.

Und dann ist uns ja seit Jahren jenes Wundertier (ein Politologe oder ein Krake oder was auch immer) bekannt, das bisher bei allen Wahlen richtig lag.

Je perfekter die Supercomputer, desto falscher ihre Voraussagen, das ist auch wieder tröstlich, was unser Menschenbild betrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2021 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#45330

Einer Umfrage zufolge lehnt ein Drittel der Bürger Eingriffe in die Freiheitsrechte zur Pandemie-Bekämpfung "eher" oder "voll und ganz" ab. 34 Prozent wollen sich nicht impfen lassen. (SZ 24.2.21)

Wie lautete die Frage? Es versteht sich ja nicht von selbst, Impfungen und andere Maßnahmen zum Schutz vor Krankheiten als „Eingriffe in Freiheitsrechte“ zu kategorisieren. Die Schulpflicht ist eine viel umfassendere Freiheitsbeschränkung, und es gibt Dutzende von weiteren Gelegenheiten, die Dinge so zu sehen. Ich leide unter der Zwangsgebühr fürs Fernsehen mehr als unter der Maskenpflicht, deren Nutzen ich ja unmittelbar einsehe. (Unter Corona selbst leiden wir alle.)
Aber mal im Ernst: Hat Merkel die Geschichte mit Corona nun erfunden (wie ich in meinem rechtsradikalen Lieblingsmagazin lese) oder nicht? Und wieso bilden sich eine halbe Million US-Amerikaner ein, daran gestorben zu sein? Reicht Merkels „Gehirnwäsche“ (ebd.) so weit?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2021 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#45605

Kanzlerin vertraut Söder – glaubt die große Mehrheit der Deutschen (SPIEGEL-Umfrage 8.4.21)

Hatten die Meinungsbefragten diese Meinung schon vor der Befragung? Oder ist sie ein Artefakt der Befragung? Ganz abgesehen von der Unbestimmtheit der Frage: „Hat Markus Söder Ihrer Meinung nach das Vertrauen von Bundeskanzlerin Angela Merkel?“
Jedenfalls schafft der SPIEGEL eine neue Tatsache, mit der dann wieder gearbeitet werden kann usw.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2021 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#45846

Wenn ich mich nicht irre, veröffentlichen Infratest Dimap und die Forschungsgruppe Wahlen heute und morgen abend wieder ihre neuesten Umfrageergebnisse. Die beiden Institute sind renommiert und gelten als seriös, ihre Analysen werden von Politikern ernster genommen als die der Konkurrenz. Ich beobachte die Meinungserhebungen zur politischen Stimmung in Deutschland seit über dreißig Jahren sehr intensiv, und ich habe mich eine Zeitlang auch etwas näher mit der Wahlforschung befaßt, wenn auch nur als interessierter Laie. Immer wieder erstaunt mich, mit welcher Unbedarftheit selbst erfahrene Journalisten auf die alle naselang verbreiteten Wasserstandsmeldungen der verschiedenen Institute reagieren. Daß Veränderungen um einen oder zwei Prozentpunkte bei den gegebenen Fehlertoleranzen in den meisten Fällen nicht berichtenswert sind, ist ihnen entweder nicht bekannt, oder es ist ihnen egal, weil sie darauf vertrauen, daß ihr Publikum es schon nicht wissen wird. Daraus irgendwelche Trends abzuleiten und politische Analysen darauf zu stützen ist ein Unding und dürfte ernsthaften Journalisten eigentlich nicht unterlaufen.

Wenn man sich einmal mit der Gewichtung von Rohdaten, den ungeheuren Spielräumen bei der Interpretation der erhobenen Daten, der Länge der Erhebungszeiträume und den Unterschieden zwischen Erhebungszeitraum und Zeitpunkt der Veröffentlichung beschäftigt hat und zudem bedenkt, wie wenig Details die Demoskopen über ihre Methoden offenbaren (Betriebsgeheimnis), dann wundert man sich kaum noch über manche Meldung. Besonders anfällig sind die Medien für vermeintliche Sensationen der Art »AfD erstmals vor SPD« oder »Union kurz vor absoluter Mehrheit«, über die schon eine Woche später niemand mehr spricht. Besonders Forsa hat die Neigung, mit solchen Meldungen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So auch jetzt wieder. Der »Absturz« der Union auf angeblich 21 Prozent in der Umfrage unmittelbar nach der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur, kombiniert mit dem sagenhaften Hochschnellen der Grünen auf 28 Prozent, ist eine Momentaufnahme, die so bedeutungslos ist wie der vorübergehende Anstieg der Unionswerte in der Woche der Auseinandersetzung zwischen Laschet und Söder. Da wird einfach ein unprojizierter Tageswert eins zu eins weitergereicht, was eigentlich als tabu gilt; anders kann ich es mir nicht erklären. Es paßt halt so schön in die Landschaft und garantiert ein großes Medienecho. Daß die Institute fast täglich die politische Stimmung messen und die Tagesschwankungen enorm sind, weiß kaum jemand. Die Grenzen für die Auslegung der Zahlen können in verschiedene Richtungen gedehnt werden, und wenn man es geschickt anstellt, kann man so zu interessanten Ergebnissen kommen. Und da sich immer gute Argumente für diese oder jene Aus-legung finden lassen, kann auch nichts von außen wider-legt werden.

Meistens läuft es in der Folge dann so ab: Entweder man hält in der nächsten Umfrage eine Woche später noch trotzig an dem angeblichen Erstbefund fest, oder man beginnt gleich damit, wieder zurückzurudern und auf die allgemeine Linie der Konkurrenz einzuschwenken. In diesem Fall war es eine Mischung aus beidem. In der zweiten Woche kam die Union statt auf 21 auf 22 Prozent, dann auf 23 Prozent. Auch kurz vor dem Wahltermin finden die Institute meist auf wundersame Weise wieder zusammen, schließlich will sich niemand blamieren.

Zurück zu den von ARD und ZDF beauftragten Instituten. Wegen der längeren zeitlichen Abstände zwischen ihren Umfragen »verpassen« sie nicht selten die Momente, in denen sich die politische Stimmung kurzzeitig stark verändert. Dadurch stehen sie aber auch weniger in der Gefahr, dem Augenblick zuviel Bedeutung beizumessen, so daß ihre Projektionen meist deutlich gedämpfter ausfallen. Sie wollen auch ungern ihr seriöses Image riskieren. Und so würde es mich nicht wundern, wenn der Abstand zwischen Union und Grünen in ihren neuesten Zahlen wesentlich geringer ausfällt als zuletzt bei Forsa, also vielleicht einen oder zwei Prozentpunkte beträgt. Warten wir es ab.

Manchmal denke ich, man sollte einfach mal einen Monat lang gar keine Zeitung lesen und keine Nachrichten hören. Man könnte sich viel Aufregung ersparen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.05.2021 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#45848

Ah, da sind die Zahlen von Infratest Dimap ja schon! Union 23 Prozent, Grüne 26. Das sind 3 Prozentpunkte und nicht 6 oder 7. Daß Laschet bei der Kanzlerfrage mit 21 Prozent »weit abgeschlagen« (WELT) hinter Baerbock (28 Prozent) liegt, vermag ich nicht zu erkennen. Daß sie deutlich vor ihm liegt, ist beachtlich, aber ihr Vorsprung war schon größer, und ich entnehme den Zahlen vor allem, daß bisher keiner der Kandidaten das Wahlvolk wirklich überzeugt. 79 Prozent wollen Laschet nicht als Kanzler, und 72 Prozent wollen Baerbock nicht als Kanzlerin. Da haben beide wohl noch viel zu tun. Trotzdem ist für die WELT-Redakteurin, fast fünf Monate vor der Wahl (!), klar: »Und schon jetzt scheint ihr Durchmarsch nur schwer zu stoppen.« Ich behaupte, daß bisher nur wenige Frau Baerbock und ihre Positionen auch nur einigermaßen kennen. Sie ist bundesweit noch unbekannter als Laschet. Ich würde erst einmal tief durchatmen. In etlichen Wochen kann man sich immer noch zu solchen Aussagen versteigen. Außerdem wird in Deutschland der Kanzler nur in Umfragen, nicht aber in der Realität vom Volk gewählt. Ein persönlicher »Durchmarsch« in den Meinungsumfragen, wenn er denn käme, würde ihr am Ende deshalb kaum nützen, wenn die Wähler nicht massenhaft bei den Grünen ihr Kreuzchen machen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.05.2021 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#45856

Und weiter geht’s. Die traditionell etwas unionsfreundlichere Forschungsgruppe Wahlen sieht die Grünen bei 26 und CDU/CSU bei 25 Prozent. Wir sind also bei einem Pünktchen Unterschied gelandet. Das war vorhersehbar und zeigt wiederum keine »Trendwende« an. Das wird viele Politiker und Journalisten aber nicht daran hindern, heute in ihren Kommentaren eine solche daraus zu machen, teils vielleicht mit dem gescheit wirkenden Zusatz, die Zahlen seien dennoch mit Vorsicht zu genießen.

Auch bei der Kanzlerfrage bestätigt sich die Skepsis der Wähler gegenüber allen Kandidaten. Nur um die 40 Prozent halten die drei für kanzlertauglich, wobei Baerbock hier vorne liegt. Von unaufhaltsamem »Durchmarsch« aber keine Spur. Im Gegenteil, in der Umfrage der FGW liegt Baerbock in der direkten Gegenüberstellung sogar hinter Laschet, ja selbst hinter dem noch blasseren Olaf Scholz.

Noch zur Erhebung von Infratest Dimap: Danach sind 41 Prozent der Wähler mit der »politischen Arbeit« von Annalena Baerbock zufrieden. Damit hat sie in der entsprechenden Rangliste im Eiltempo Platz zwei erobert. Nur die ach so böse Kanzerlin schneidet mit 59 Prozent besser ab und führt die Liste an. Ich möchte mir nicht vorstellen, was dabei herausgekommen wäre, wenn man die Befragten gebeten hätte, auch nur ein einziges Beispiel für die »politische Arbeit« von Frau Baerbock zu nennen. Zwar sagen die Interviewer von Infratest Dimap ausdrücklich: »Wenn Sie jemanden nicht kennen oder nicht beurteilen können, geben Sie das bitte an«, aber wer gibt sich schon diese Blöße?

Der Wahlkampf fängt erst an. Die Kanzlerkandidaten von Union und Grünen stehen erst seit zweieinhalb Wochen fest. Viele Wähler haben sich bisher kaum mit dem Personalangebot der Parteien beschäftigt. Die Ausrufung von Frau Baerbock zur Kanzlerkandidatin der Grünen hat den müden Politikbetrieb kräftig aufgemischt und verständlicherweise auch in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit erregt, genauso wie kurz zuvor der Schaukampf zwischen Söder und Laschet. Das alles wird sich in den nächsten Wochen sortieren, und dann können auch Umfragen wieder interessante Informationen hergeben. Die zur Zeit veröffentlichten Umfragen könnte man getrost ignorieren, hätten sie nicht eine so wichtige Funktion im Innenleben der Union.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.05.2021 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46032

Der Knochen »Grüne meilenweit vor Union« ist abgenagt. Forsa ist, wie erwartet, zurück ins Glied getreten und bereitet schon wieder die nächste Sensationsmeldung vor, nämlich »FDP erstmals gleichauf mit SPD«, eventuell sogar »FDP erstmals vor SPD«, das wäre natürlich noch interessanter. Um dort hinzukommen, mußte die FDP in einem Zwischenschritt jetzt erst einmal von 11 auf 13 Prozent hochgesetzt werden und damit auf einen Wert, der wieder höher ist als bei allen anderen Instituten. Gleichzeitig mußte die SPD einen Punkt abgeben und steht nun bei 14 Prozent. Die Rohdaten werden das schon hergeben, es kommt immer nur darauf an, die Grenzen an den richtigen Stellen nach oben oder unten zu dehnen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.06.2021 um 08.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46088

Eine Woche später ist es soweit. WELT: »FDP in neuer Umfrage gleichauf mit SPD«. Gemeint ist natürlich Forsa.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.06.2021 um 08.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46090

RTL: »Die FDP erreicht 14 Prozent und liegt damit erstmals gleichauf mit der SPD.«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2021 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46616

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#37739 und anläßlich unserer gerade geschilderten Erlebnisse mit der Darmspiegelung. Gerade fordert die SZ wieder sehr heftig die Abschaffung des ungerechten dualen Systems. Ich habe dazu keine Meinung, aber wenn dort wieder mal der Eindruck erweckt wird, wir Privatpatienten bekämen, weil sie mehr zahlen, sofort einen Termin, während die gesetzlich versicherten Würstchen monatelang warten müßten, dann entspricht das wieder mal gar nicht unseren Erfahrungen. In einem renommierten Ärztezentrum hätten wir fast ein halbes Jahr warten müssen, während wir nach einem Anruf in der Uni-Klinik sofort zum Aufklärungsgespräch eingeladen wurden, wozu sich ein Professor über eine Stunde Zeit nahm, und dann folgte in der kürzestmöglichen Frist, also ein paar Tage später, die Untersuchung in der Endoskopie-Abteilung, wo jedermann auf die gleiche Art behandelt wurde. Manchmal sind Studenten dabei, und meine Frau nahm (freiwillig nach einem weiteren Gespräch) an einer Studie teil (KI in der Endoskopie), wodurch alles etwas länger dauerte, aber das ist alles sehr in Ordnung.
Es gibt auch Leistungen, die von den Gesetzlichen bezahlt werden, von den Privaten nicht. Bei der Verteilung von Coronaimpfungen gab es ähnliche Unterschiede. Ich habe etwas Überblick, weil in meiner Familie alles nebeneinander läuft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.08.2021 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46989

Wenn die Demoskopen nicht weiterwissen, sprechen sie gern von einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Verständlich – lieber alles offen lassen, als aufs falsche Pferd zu setzen. In der Realität sind Kopf-an-Kopf-Rennen aber viel seltener als in den Prognosen. So ist zuletzt das vorhergesagte enge Rennen in Sachsen-Anhalt ausgeblieben, zuvor desgleichen in Rheinland-Pfalz usw. Bei der Bundestagswahl 2002 kam es tatsächlich mal zu dem erwarteten »Fotofinish«. Vier Jahre später war es zwar auch sehr knapp, aber das hatten die Institute nicht vorhergesehen; noch kurz vor dem Wahltag gaben sie der Union bis zu 9 Prozentpunkte mehr als der SPD, am Ende betrug der Vorsprung gerade mal 0,9 Pünktchen.

Die Rede vom Kopf-an-Kopf-Rennen hat aber noch eine weitere Funktion mit größerer Tragweite. Sie beeinflußt nämlich das Wahlergebnis ganz direkt, weil sie mitunter erheblich zu einer – asymmetrischen – Mobilisierung von Wählern beiträgt, wie umgekehrt die Rede vom großen Vorsprung einer Partei, die ihren Sieg als ausgemacht erscheinen läßt, zu einer Demobilisierung ihrer Anhänger und damit zu einem völlig anderen Wahlergebnis führen kann. In einigen Fällen würde es mich schon sehr interessieren, wie eine Wahl ausgegangen wäre, wenn es überhaupt keine Meinungsumfragen gäbe.

Die Wahlforscher weisen mit gespielter Bescheidenheit gern darauf hin, daß ihre Umfragen nur die momentane Stimmung wiedergeben und nicht als Wahlprognosen zu verstehen sind. Diese Stimmungsbilder müßten dann aber kurz vor dem Wahltermin dem Wahlergebnis sehr nahe kommen (falls nicht unmittelbar vorher irgend etwas passiert, was zu einem spontanen Stimmungsumschwung führt). Auch fällt auf, daß die sorgsame Unterscheidung zwischen Momentaufnahme und Wahlprognose sofort aufgegeben wird, wenn sich herausstellt, daß Wahlergebnis und letzte Umfrage eine hohe Übereinstimmung aufweisen. Dann plötzlich rühmen sich die jeweiligen Institute für die Genauigkeit ihrer Analysen.

Als sich Gerhard Schröder in seinem legendären Auftritt in der Elefantenrunde am 18. September 2005 darüber beklagte, daß sämtliche Medien und Meinungsforscher der SPD eine krachende Niederlage als unausweichlich vorhergesagt hatten, entgegnete der ARD-Moderator Hartmann von der Tann ihm: »Die Messungen waren zur Zeit [= zum jeweiligen Zeitpunkt] immer korrekt.« Woher will er das wissen? Man kann feststellen, ob die von den Befragten gegebenen Antworten korrekt erhoben wurden, aber die Institute veröffentlichen ja nicht diese Rohdaten, sondern gewichtete Zahlen, und bauen ihre Modelle zum Teil auf sehr wackligen Annahmen auf. Die Forschungsgruppe Wahlen ist das einzige größere Institut, das die ungewichteten Daten (unter der Bezeichnung »politische Stimmung«) veröffentlicht – außer bei den Umfragen kurz vor der Wahl! Daß eine Bundestagswahl zum Zeitpunkt der Befragung tatsächlich so ausgegangen wäre, wie von den Instituten »gemessen« oder besser berechnet, kann man nicht seriös behaupten.

Übrigens zielt die Sonntagsfrage genau betrachtet durchaus auf eine Prognose ab, wenn auch nur eine fiktive, nämlich nicht für den Wahltag, sondern für den »nächsten Sonntag«. Um die aktuelle Stimmung zu messen, müßte man die Leute eigentlich fragen, wen sie »heute« wählen würden. Der Sonntag wird natürlich genannt, weil Wahlen in Deutschland nun mal sonntags stattfinden. Der Unterschied zwischen dem Tag oder den Tagen der Befragung und dem darauffolgenden Sonntag ist geraume Zeit vor dem Wahltermin vielleicht vernachlässigbar, er wird aber relevant, wenn die Wahl unmittelbar bevorsteht. Bei einer Befragung wenige Tage vor der Wahl müßten die Institute eigentlich Farbe bekennen und entweder fragen »Wen würden Sie heute wählen?«, wenn sie das Ergebnis als Momentaufnahme verkaufen wollen, oder »Wen werden Sie am Sonntag wählen?«, was allerdings arg nach Prognose klingt. Ich habe schon mehrmals von Umfragen gelesen, die vier oder fünf Tage vor der Wahl durchgeführt wurden und bei denen den Teilnehmern die Standardfrage vorgelegt wurde, also die, wen sie wählen »würden«, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl »wäre«. Das ist einerseits unfreiwillig komisch, zeigt aber andererseits sehr schön, wo das Problem liegt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2021 um 16.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#46990

Ich halte von dieser "empirischen Sozialforschung" so viel wie von der Psychologie, also gar nichts. Ich würde auch gern glauben, daß die Umfragen selbst das Wahlergebnis beeinflussen – das ist einfach sehr plausibel. Aber ist es bewiesen? Dazu müßte man ja wieder die gleiche Sozialforschung anwenden...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2021 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47084

Der Tagesspiegel untersucht, wie sehr die Kandidaten mit der Bevölkerung übereinstimmen, was ihre persönlichen und sozialen Daten betrifft. (https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/bundestagswahl-2021-die-kandidaten-der-parteien-im-vergleich-zur-bevoelkerung-berufsgruppen-geschlecht-altersverteilung/) Das nennt man heute „Repräsentieren“. Es hat aber nichts mit dem politischen Begriff zu tun, wie er aus „no taxation without representation“ in Erinnerung ist. Den Bundestag oder gar das Kabinett auf absolute Durchschnittlichkeit bringen zu wollen zeugt von einer tiefen Entpolitisierung der Politik.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.10.2021 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47303

Das ZDF berichtet im "heute journal" (11.10.21, 22.10 Uhr) über eine Studie in Sachsen.
Meine Ton-Mitschrift:

"Viele Menschen in Sachsen haben lückenhafte Kenntnisse über das Funktionieren von Medien.
[...] 40% der Über-65-jährigen sind überzeugt, Medien hätten die Aufgabe, das Meinungsbild der Bevölkerung zu beeinflussen."

Was glaubt das ZDF eigentlich, was es anderes tut?
(Auch ich bin ein über-65-jähriger Sachse.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 12.10.2021 um 00.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47304

Der mdr hat eine Seite dazu:
https://mdr.de/nachrichten/sachsen/ein-drittel-der-sachsen-zu-wenig-medienkompetenz-100.html

Sehr seltsam. Da kommt zigmal das Wort "Medien" vor, aber was meinen die damit? Öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Russia today? Tageszeitungen? Frauenzeitschriften? Youtube? Spielfilm? Hörspiel-Produktionen für Kinder? Bildergalerien mit den 20 häßlichsten Tieren der Welt? Man erfährt es nicht. Es wird zwar irgendwie mit Journalismus in Beziehung gesetzt; das hilft aber auch nicht weiter.

Man müßte das doch ein bißchen eingrenzen, bevor man sich über die Antworten der Studienteilnehmer wundert.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.10.2021 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47318

Wie meistens bei Umfragen beginnt die Manipulation schon bei der Fragestellung, so auch in dieser Studie
(https://www.slpb.de/fileadmin/media/Publikationen/Ebooks/Medienkompetenz-in-Sachsen.pdf):

Originalfrage:
"Welche Funktionen haben Medien (also Zeitungen, Fernseh- und Radiosender) Ihrer Meinung nach?"

mögliche Antworten:
- "Öffentliche Meinungsbildung anregen"
...
- "Meinungsbildung lenken"

Die Menschen werden nicht etwa gefragt:
Welche Funktionen sollten Medien idealerweise in einer Demokratie haben?

Genau in diesem Sinne werden aber nachher die Antworten interpretiert. Die erste o.g. Antwort beispielsweise wird als Zeugnis von hoher, die letzte von niedriger Medienkompetenz bewertet.

Die Befragten beantworten jedoch die Fragen so, wie man sie ohne weitere Erklärung nur verstehen kann, nämlich als Meinungsäußerung über die konkreten, aktuellen Medien, die sie kennen. Sie geben also in Wahrheit ein politisches Bekenntnis ab, keine Antwort auf eine Wissensfrage über die theoretische Rolle der Medien in einer Demokratie.

Da ist es natürlich auch kein Wunder, daß die angebliche Medienkompetenz, die die Studie auf diese Weise feststellt, umso geringer wird, je weiter rechts die Befragten im politischen Spektrum verortet werden.

Gerade in Sachsen, wo die Älteren noch die DDR-Medien in guter Erinnerung haben, hat man auch einen feinen Sinn dafür, ob die Medien informieren oder manipulieren wollen.

Autoren solcher Studien machen es sich zu einfach und haben selbst Weiterbildungsbedarf, wenn sie Ostdeutsche oder Konservative als dümmer hinstellen, nur weil sie die dummen Fragen anders verstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2021 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47500

Neue Umfrage: Diesen Mann wollen die Deutschen als Finanzminister

Sollen jetzt auch die Ministerposten nach Beliebtheit besetzt werden?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.11.2021 um 22.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47501

Überall wird über "Impfpflicht" diskutiert. Jetzt gibt es laut Medienberichten dafür sogar mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung. Warum sagt aber niemand, was das genau heißen soll? Was wäre der Unterschied zur jetzt schon häufig angewandten 2G-Regel?

Es würde wohl einfach "2G immer und überall" bedeuten (mit Ausnahmen nur aus medizinischen Gründen inkl. Altersgründen), d.h. bei jedem Schritt außerhalb der eigenen vier Wände, richtig?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2021 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47503

Ich sehe das Problem nicht. Wir hatten, wie gesagt, doch schon Impfpflicht bei Pocken, und viele Länder haben diverse Impfpflichten. Das ist weder medizinisch noch rechtlich Neuland.

Gestern haben wir uns die jährliche Grippeimpfung geholt, dazu den Termin für den Corona-Booster. Dieses Jahr sind wir so oft geimpft worden wie zuvor in Jahren nicht. Zecken, Gürtelrose, Corona, Lungenentzündung... Wir sind auch gegen fast alles geimpft, was die Enkelkinder gefährden könnte.

Mir liegt nicht daran, Daten auszuplaudern, sondern ich will nur erklären, warum ich die Impfverweigerer nicht recht verstehe. Auch Impfbefürworter veranstalten Eiertänze um die banale Impfpflicht herum, die sie auf keinen Fall wollen. Mir kommt das wie billige Liberalität am falschen Ort vor, im Grund eine schwächliche Angst vor der vermeinten Volkswut, daher die "Hintertür".

Fast alle behaupten, Impfen sei Privatsache, müsse freiwillig bleiben usw., und einige Juristen begründen es (oder das Gegenteil). Das "Volk" ist da schon weiter.

Ich bin tatsächlich nicht für "Impfpflicht durch die Hintertür", sondern geradewegs durch die Vordertür.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.11.2021 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#47505

Ich meinte gar kein Problem, nur die einfache Frage, was Impfpflicht genau bedeutet. Welche Sanktionen drohen dann weiterhin Impfunwilligen, gäbe es überhaupt einen wesentlichen Unterschied zur jetzigen Lage? Darüber redet niemand. Daher vielleicht auch die große Zustimmung zu einer Impfpflicht, solange niemand weiß, was es genau bedeuten soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2021 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#48036

„Die Hälfte der Deutschen beklagt fehlende Frauenrechte“ (welt.de 26.12.21)
Das erinnert mich an die Frau, die auf die Frage, für welche Grundrechte sie denn an einem Corona-Aufmarsch teilnehme, antwortete: „Na, die Grundrechte eben!“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2022 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#48195

Forschende haben festgestellt, daß Menschen in Ballungsräumen ein wenig unzufriedener sind als solche auf dem Lande (oder so ähnlich, ich habe es nicht gelesen).
Wie schon früher bemerkt, gibt es viele Gründe, warum Menschen ihr Lebensglück so oder so beurteilen – wenn man sie danach fragt. Es kann zum "smile code" gehören, seine Lage in einem rosigen Licht erscheinen zu lassen, aber auch umgekehrt zur Neidvermeidung, sich als nicht gerade begünstigt darzustellen. Solche altbekannten Schwächen der Umfragerei werden nicht berücksichtigt, und dann diskutiert man seitenfüllend über Phänomene, die es gar nicht gibt.
So sind gar viele Sachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2022 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#48386

Nach einer Umfrage des Jüdischen Weltkongresses (World Jewish Congress (WJC)) denkt jeder fünfte erwachsene Deutsche antisemitisch. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist es demnach sogar fast jeder Dritte. (FAZ 27.1.22)

Nur? Da ist wohl nicht gründlich genug umgefragt worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2022 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#48476

Die FAS (5.2.22) kritisiert das Umfrageunwesen („kostengünstige Fast-Food-Demoskopie“, besonders zu Civey). Recht so, wenn auch vergeblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2022 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#48566

"Jeder vierte deutsche Topmanager findet es in Ordnung, seine Frau zu schlagen." (SZ Magazin)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.06.2022 um 23.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#49176

Laut einer Umfrage der ARD, die heute in den Tagesthemen vorgestellt wurde, gibt es zur militärischen Unterstützung der Ukraine "zwei Haltungen" in der deutschen Bevölkerung:

"Entschlossen agieren und Härte gegen Russland zeigen"

"Zurückhaltend sein, um Russland nicht zu provozieren"

Das seien die zwei großen "Lager", wie es in der Sendung auch hieß. So wird im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen manipuliert! Mißliebige Meinungen werden gar nicht erst abgefragt, statt dessen werden sie so geschickt in der Formulierung versteckt, daß viele Menschen gar nicht bemerken, wie sie vereinnahmt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2022 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#49178

73 Prozent der befragten Lehrkräfte meinen, daß Handschrift der Schüler sich aufgrund der Pandemiemaßnahmen verschlechtert hat. Das ist völlig wertlos, wie auch die Journalisten anmerken, aber berichten müssen sie es doch. Aus dieser Blase kommen sie nicht heraus, und die Leser auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2022 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#49527

Ich habe bei anderer Gelegenheit schon an den Briefwechsel zwischen Adorno und dem wirklichen Vollblutmusiker Matyas Seiber hingewiesen, der auf Seibers Seite so erfrischend zu lesen ist. Besonders natürlich Seibers – vergeblicher – Versuch, Adorno von dem psychonanalytischen Unsinn abzubringen, mit dem er alles diffamiert, was ihm nicht gefällt.

Bemerkenswerterweise bringt der Komponist dem vermeintlichen Sozialforscher aber auch bei, wie man Fragebögen machen muß:

Nun zu den Beilagen: der Stil der Fragebogen ist denkbar ungeeignet. In dieser Form würden, glaube ich mindestens 79 von den 80 in den Papierkorb werfen, als zu ´highbrow´. Man muss sich ja die Leute immer noch primitiver vorstellen, als man sich überhaupt vorstellen kann. Sie wurden den grossen Teil der Fragen überhaupt nicht verstehen. Z. B. solche Formulierung: ´"Sind Sie in der Lage einige Kriterien anzugeben, nach denen sich Ihre Bewertung"´ usw. ist unmöglich. M. A. nach muss man die Leute einfach, u. direkt fragen, alles einzeln, sogar erstl[ich] mit einem ´burschikosen´ Beigeschmack. Ich meine ´direkt´ z. B. so:
Wann sagen Sie auf ein Stück: ´der ist richtig! der wird ein Hit´! Haben Sie gleich ein sicheres Gefühl dafür?

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2023 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50205

Umfragen sind oft tendenziös, ohne daß man es gewollt hat oder merkt, einfach im Zuge des Zeitgeistes. „Finden Sie, daß der Staat sich um Ihre Sorgen kümmert?“ suggeriert, daß der Staat sich um meine Sorgen zu kümmern hat. Wieso eigentlich? „Glauben Sie, daß es in unserem Land gerecht zugeht?“ Da fallen einem viele Fälle von Ungerechtigkeit ein, aber naturgemäß keine von Gerechtigkeit.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 08.01.2023 um 13.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50206

"Wie wichtig ist Ihnen die Verwendung von geschlechtergerechter Sprache?"
So ähnlich wurden ja vor einiger Zeit im Auftrag einer Rundfunkanstalt (wenn ich mich recht erinnere) gefragt. Selbst diese in mehrfacher Hinsicht tendenziöse Fragestellung führte nicht zu den erwünschten Ergebnissen. Stattdessen reiht sie sich in die lückenlose Folge der Ablehnungen ein. Natürlich ohne Folgen.
Ich bin mir gar nicht einmal sicher, daß die Fragesteller sich der Tendenziösität ihrer Frage bewußt sind. Vielleicht sind sie in Ihren Vorstellungen so eingeengt, daß die Möglichkeit, die bezeichnete Sprache sei wirkungslos, überflüssig, falsch oder gar schädlich, gar nicht in Betracht gezogen wird. Und daß damit das Antwortspektrum völlig verengt wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.01.2023 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50207

Man mußte wohl auch hierbei genauer sagen, was mit "meinen Sorgen" gemeint ist. Natürlich soll sich der Staat nicht um meine ganz persönlichen Sorgen kümmern, wie z. B. ob ich die Fahrprüfung bestehe, genug Geld verdiene, wieder gesund werde usw. Aber was sind denn wirklich die Aufgaben des Staates? Für ein funktionierendes Gemeinwesen sorgen, Ordnung und Sicherheit gewährleisten, die Infrastruktur aufbauen, die mehrheitlich erwünscht ist, in der sich gut leben läßt, das sind aber eigentlich auch alles meine Sorgen. Ich finde also sehr wohl, daß der Staat für einen Teil meiner Sorgen zuständig ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2023 um 15.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50208

Das versteht sich von selbst, sonst würde ja keiner zur Wahl gehen. Aber ich wollte ja gerade darauf hinaus, daß die Umfrage es nicht spezifiziert und durch diese Vagheit auf die gewünschten Antworten kommt. Soweit ich weiß, denkt man z. B. in den USA zunächst einmal "subsidiär": Jeder ist seines Glückes Schmied, der Staat setzt allenfalls den Rahmen.
Damit will ich aber den vielgeschmähten Sozialstaat nicht angreifen. Es ging mir wirklich nur um die Umfragerhetorik.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.01.2023 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50209

Die Umfrage macht sich durch diese Vagheit verdächtig, man kann den Ergebnissen nicht trauen. Sie ist also nichts wert.

Das beweist aber auch noch nicht das Gegenteil der so erhaltenen gewünschten Antworten.
Meine größte Sorge ist die um Frieden, Ordnung und Sicherheit, Demokratie. Damit geht unser Staat leider m. E. gerade äußerst fahrlässig um. Vielleicht sehen das ja viele so, und die ungeschickte Fragestellung ändert daran gar nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2023 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50211

Zur Sache selbst will ich mich nicht äußern, aber auch hier könnte man sagen, daß Umfragen immer eine gewisse Asymmetrie nutzen. Von welcher Regierung läßt sich denn so allgemein behaupten, daß sie genug tut, um all diese guten Dinge zu erreichen? Schaut man sich jeden Punkt im einzelnen genauer an, gibt es immer Erreichtes und Wünschenswertes – und Möglichkeiten und deren Grenzen.

Ich will darauf hinaus, daß Meinungsforschung nicht einfach Meinungen abfragt, sondern allein durch die Befragung erst die Probleme schafft, zu denen sich die Befragten dann eine Meinung bilden. Selten wird man herausfinden, daß die Menschen rundum zufrieden sind. So ist das Leben nun mal nicht.

Ich denke jetzt öfter zurück, wahrscheinlich eine Alterserscheinung. Der Vergleich dämpft aber die Bereitschaft, sich über Gegenwärtiges zu empören.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2023 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50300

Das "Deutsche Schulbarometer" schafft es ebenso wie das "Unwort des Jahres" in die Hauptnachrichten. Seine Aussagen beruhen auf Umfragen unter Schulleitungen usw., sind also nichts wert. Die Robert-Bosch-Stiftung sollte wissen, was empirische Sozialforschung ist. Lamentöse Autoren wie Manfred Spitzer, Josef Kraus und Richard D. Precht werden sich bald vernehmen lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2023 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50907

Söder zum Atomausstieg: „sturer Beschluss gegen die Mehrheit der Bevölkerung“. Er hat vergessen, daß in Deutschland nach der Mehrheit der Wähler, vertreten durch Abgeordnete, regiert wird. Mit der neuen Maxime, den jeweiligen Umfragen zu folgen, treibt Söder seinen sprichwörtlichen Opportunismus bis zur Selbstparodie. Der „sture Beschluß“ war noch gestern sein eigener.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2023 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#50965

t-online.de hat festgestellt, welche deutsche Großstadt am dreckigsten ist – durch eine Umfrage unter den Lesern! Und veröffentlicht diesen Unsinn auch noch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2023 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51014

Eine Umfrage hat ergeben, daß die meisten Menschen gern für gleichen Lohn weniger arbeiten würden. Das erinnert an die Maxime: Lieber reich und gesund als arm und krank.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2023 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51283

Laut WamS haben die Fälle häuslicher Gewalt 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent zugenommen, im Saarland gar um 19,7 Prozent. Da kann ja wohl nicht stimmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2023 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51494

Es gibt so vieles, worüber man sich ärgern, womit man unzufrieden sein, was man satthaben kann – das müßte für eine Kanzlerin Weidel oder einen Führer Höcke reichen. Umfragen, die den Trend dokumentieren, verstärken ihn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2023 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51587

Über 80 Prozent der Deutschen ordnen sich selbst der Mittelschicht zu, wie das Ifo-Institut erklärt. Tatsächlich gehörten im Jahr 2019 jedoch etwa 26,1 Millionen Haushalte in Deutschland „statistisch der Mittelschicht“ an, wie es ebenfalls in der Mitteilung anlässlich der Studie heißt. Das entspreche mit 63 Prozent weniger als zwei Dritteln aller Haushalte. 
Für die Berechnungen legten die Autoren der Studie die OECD-Definition zugrunde: Demnach gehört zur Mittelschicht, wer zwischen 75 und 200 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Bei Alleinstehenden entsprach das im Jahr 2019 einem verfügbaren Nettoeinkommen (inklusive Transfers) zwischen 17.475 und 46.600 Euro. Bei Paaren ohne Kinder betrug die Spanne zwischen 26.212 und 69.900 Euro. Paare mit zwei Kindern gehörten statistisch der Mittelschicht an, wenn sie über ein Einkommen zwischen 36.698 und 97.860 Euro verfügten.


Der tägliche Unsinn. Wie man schon an den präzisen Zahlen sieht, wird eine fachliche Nominaldefinition zugrunde gelegt, die vollkommen willkürlich ist und von der man nicht erwarten kann, daß die befragten Bürger sie kennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2023 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51891

In einer großen Umfrage wurde wieder mal ermittelt, wie zufrieden die Deutschen sind und das Ergebnis mit ihren Lebensumständen korreliert – eine Variante des Glücksindex. Das offensichtliche Problem wird in den Berichten nicht erwähnt: Wie zufrieden jemand sich selbst findet, hängt auch von den Erwartungen der Gesellschaft ab. Wenn es als befriedigend gilt, einen Partner, Kinder, Geld zu haben, dann wird jemand, der das hat, sich als zufrieden beurteilen. Ob er es „wirklich“ ist – falls das überhaupt eine sinnvolle Frage ist –, läßt sich daraus nur mit Vorbehalt schließen.
Ich weiß gar nicht, ob ich zufrieden bin. Mir fehlt nichts, aber schon darum macht mich eine aufdringliche Fliege unzufrieden usw., nur als Beispiel. Und wenn ich mich ermahne, mal ganz ehrlich zu sagen, wie zufrieden ich bin, dann gerate ich in einen Strudel der immer noch ehrlicheren Ehrlichkeit, der mich, ehrlich gesagt, ratlos macht.

Kann man den Begriff operationalisieren? Zufrieden ist vielleicht jemand, der sich zufrieden gibt, wie man sagt, also nicht besonders eifrig nach mehr strebt. Das kann allerdings auch andere Gründe haben; z. B sind manche sehr unzufrieden, haben es aber aufgegeben, nach mehr zu streben, weil es doch keinen Zweck hat usw. Es gibt auch viele Grantler, die von morgens bis abends jammern, sich dabei aber augenscheinlich wohlfühlen. Dazu gehören auch die Leute, die Deutschland seit Jahrzehnten „im freien Fall“ wähnen und mit Auswanderung drohen, dafür aber um so zuverlässiger hier bleiben, wo sie gut und gerne leben. Es gibt eben auch die Lust am Unzufriedensein.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.10.2023 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51957

SPIEGEL-Umfrage
Hälfte der Deutschen wünscht sich neuen Ampelkoalitionsvertrag
Die Ampel ist zwei Jahre im Amt, doch ihr Koalitionsvertrag wirkt schon jetzt überholt. In der Bevölkerung gibt es große Sympathien für eine Aktualisierung.

Eine solche Umfrage erscheint mir völlig sinnlos und unseriös. Wieviel Prozent der Befragten haben den Koalitionsvertrag gelesen? Ebensogut könnte man die Leute fragen, ob das Wörterverzeichnis des Rats für deutsche Rechtschreibung einer Überarbeitung bedarf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2023 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#51968

Im unfreiwillig spaßigen Wikipedia-Artikel „Weltglückstag“ heißt es: „Mit dem Internationalen Tag des Glücks will die UN Anerkennung gegenüber Staaten zum Ausdruck bringen, die Wohlstand auf eine Art und Weise messen, die über den materiellen Wohlstand hinausgeht.“
Damit wird verschleiert, daß ein bitterarmer Staat wie Bhutan, auf den das Ganze zurückgeht, den materiellen Wohlstand gar nicht erreicht hat, bevor er über ihn „hinausgeht“. In Bhutan zählt Glück bekanntlich mehr als materielle Werte, aber 250 Dollar Mindestumtausch pro Tag von jedem einzelnen Touristen sind auch nicht zu verachten. Angeblich soll die Summe auch einer Überzahl von Touristen entgegenwirken, die das Glück der Bevölkerung trüben könnten. Das wäre freilich auch durch eine Beschränkung der Visumvergabe möglich, aber davon kann keine Rede sein: es soll ganz leicht sein, ein Visum zu bekommen, sofern man eben das Geld hinblättert.
Der undurchsichtige Glücksindex Bhutans gibt politischer Unfreiheit und Korruption wenig oder gar kein Gewicht. Aus dem ethnisch gesäuberten Land ist ein großer Teil der Bevölkerung ins Exil getrieben worden, vor allem ins benachbarte Nepal. Was geschieht eigentlich mit Bhutanesen, die Kritik an der staatlichen Glückspolitik üben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2023 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52046

Erklärungen zur Presse- und Meinungsfreiheit tragen viele Unterschriften der internationalen Prominenz, und wenn Richard Dawkins und ähnlich ehrenwerte Personen dabei sind, dann man darf man sich doch wohl auch beteiligen? Leider weiß ich, wie so etwas funktioniert. Ich kenne auch die Truppe, die für uneingeschränkte Meinungsfreiheit plädiert, aber eigentlich nur ungehindert ihre Verschwörungstheorien und Haßtiraden verbreiten will. Sie fehlt denn auch nicht, wenn man sich die Unterschriften (nicht nur das erste Dutzend Fahnenträger, übrigens fast immer ausschließlich Männer) genauer ansieht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.10.2023 um 11.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52047

Alle Verschwörungstheorien und Haßtiraden sollten sofort verboten werden.
Aber wer bestimmt, was Verschwörungstheorien und Haßtiraden sind?
Wer hat die Wahrheit gepachtet und sagt immer die ganze und nichts als die Wahrheit?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2023 um 08.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52061

Es ist eine Unsitte, bei aktuellen politischen Fragen ganze Gruppen mit Hilfe von offenen Briefen oder Petitionen und Deklarationen zu Scharen zu treiben und dann nachzusehen, wer unterschrieben und wer sich ausgeschlossen hat. Was Musiker oder Schriftsteller zum Nahostkrieg zu sagen haben, ist nicht interessanter als deine oder meine Meinung. Es ist auch, außer als Gesinnungstest, völlig gleichgültig, was sie sagen. Lukas Bärfuss hat dankenswerterweise erklärt, daß er offene Briefe grundsätzlich nicht unterschreibt und sich an Kampagnen auch dann nicht beteiligt, wenn er ihre Ziele unterstützt. Mein Widerwille wurde, wie berichtet, sehr verstärkt, als ich noch PEN-Mitglied war (viel zu lange) und gefühlt jeden dritten Tag per Mail aufgefordert wurde, mich durch meine Unterschrift für XY (nie gehört) einzusetzen, der irgendwo in der Welt drangsaliert wurde. Ich sollte auf Treu und Glauben unterschreiben, weil doch der und der auch unterschrieben hatte? Was sind denn das für Maßstäbe – unter Dichtern und Denkern, denen vor der Narrenkappe der Parteilichkeit (Goethe) grausen sollte!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2023 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52062

Das soll natürlich nicht heißen, daß alle Unterschriftensammlungen abzulehnen wären. Die Unterschriften von Philologen gegen die Rechtschreibreform (unsere "Professorenliste", in Karlsruhe vorgelegt) hat niemand auf Treu und Glauben unterschrieben, sondern jeder bei hinreichender Kenntnis des Gegenstandes aus eigener Überzeugung. Ich habe auch Bürgerentscheide mitbetrieben, mit jeweils genau definierten Zielen, manche mit schönem Erfolg. Es wurde auch nie bekannt, wer unterschrieben hatte und wer nicht, so daß niemand deswegen angegangen werden konnte.

Bei diesen globalen Aktionen heute erleben wir, daß ein Promi seine Unterschrift zurückzieht – mit der Begründung, er habe den Text nicht gelesen, sondern sich auf die Auskunft seiner Sekretärin verlassen, es sei alles in Ordnung... Also hatte eigentlich das Büro unterschrieben, und der Chef hatte gar nicht damit gerechnet, daß das Konsequenzen haben könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2023 um 03.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52217

Anmerkung der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen und Suizidversuche, außer sie erfahren durch die gegebenen Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie 24 Stunden am Tag Hilfe und Beratung. (Standardformulierung der Nürnberger Nachrichten usw.)

Gibt es die „hohe Nachahmerquote“ überhaupt? Unter „Werther-Effekt“ bietet Wikipedia nur Prozentangaben, keine absoluten Zahlen. Die Ergebnisse statistischer Nachprüfung sind wenig eindrucksvoll und anscheinend nicht besonders sicher. Plausibel ist es zwar, aber das gilt für manches Stückchen Wald- und Wiesenpsychologie.
Man könnte auch an die Berichterstattung über Kirchenaustritte denken, die zwar nicht zu Nachahmung anregen mögen, wohl aber den Gedanken an einen Austritt normaler und weniger anstößig machen. (Früher durften die Verwandten und Nachbarn tunlichst nichts davon erfahren.) Infolgedessen kommt heraus, daß sehr viele Menschen im Grunde schon lange nicht mehr an die kirchliche Lehre glauben, bisher aber Hemmungen hatten, daraus die Konsequenzen zu ziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2023 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52222

Fortsetzung: Ich meine also, daß Folgetaten auch im Falle des Selbstmordes nicht unbedingt als "Nachahmung" zu verstehen sind (was wäre denn daran auch nachahmenswert?), sondern Berichte darüber den Eindruck verstärken könnten, daß "selbstbestimmtes Sterben" nicht das todeswürdige Verbrechen ist, für das es in gewissen Kulturen gehalten wird. In der Antike war es zumindest in einigen Denkschulen die schönste Blüte der Menschenwürde und wurde allgemein keineswegs verdammt. Heute wird oft vor dem Mißbrauch der Sterbehilfe zum Zwecke von Mord und Totschlag gewarnt, aber die Politik und Rechtsprechung lassen doch durchschimmern, daß in die gesetzliche Regelung immer noch die religiös unterfütterten Tabus einfließen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.11.2023 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52223

Niemand bringt sich um, weil er in der Zeitung gelesen hat, daß es gerade jemand anders getan hat. So spontan läuft das nicht. Der Ausführung der Vorsatzes geht meist ein langer Prozeß voraus. Ist der Entschluß einmal gefaßt, folgt oft sogar noch eine Phase, in der die Betroffenen wie gelöst wirken, was die Umgebung in der Regel falsch interpretiert. Mag sein, daß Berichterstattung über Suizide zu einer Enttabuisierung beitragen und somit indirekt die Hemmschwelle senken kann. Andererseits wird dabei auch dem großen Leid der Angehörigen und Freunde viel Aufmerksamkeit gewidmet, was wiederum die Hemmungen verstärken könnte. Es erscheint mir unmöglich, den Einfluß solcher Faktoren genau zu bestimmen. Selbst wenn die Berichterstattung über einen Selbstmord die Tatausführung in Einzelfällen etwas beschleunigen sollte, ist damit nicht gesagt, daß die Gesamtzahl der Suizide innerhalb eines längeren Zeitraums höher ist, als sie es ohne Berichterstattung wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2023 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52268

Das SZ-Magazin titelt breit: „Welches Gefühl löst das Wort Jude in Ihnen aus?“ Vorausgesetzt wird, daß das Wort „Jude“ ein Gefühl (warum nur eins?) in mir auslöst. Bin ich ein Pawlowscher Hund? Welches Gefühl solche Fragen in mir auslösen, könnte ich leichter beantworten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2023 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52283

57 Prozent der Bundesbürger sind für Beibehaltung der Schuldenbremse. (ZDF-Politbarometer)

Ein besonders krasser Fall der üblichen Verdummung. Es gibt nur wenige Mitbürger, die überhaupt wissen, worum es sich handelt, und noch weniger kennen die Hintergründe, die Logik des Ganzen und die Folgen. Ich wußte das alles zwar in Umrissen, habe mich aber tagelang damit beschäftigen müssen, um mir ein Urteil bilden zu können.

Es kommt schon sehr nahe an die Frage heran, ob Sie die Rüstungsausgaben von Nirwanistan für zu hoch halten...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2023 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52435

Tagesspiegel/Civey:

Sind Sie der Meinung, dass die AfD einige Wahrheiten ausspricht, die sich sonst niemand zu sagen traut?

(Fast die Hälfte stimmt zu.)

Ich halte die Frage für suggestiv. Auch Kinder und Narren sprechen solche Wahrheiten aus.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.12.2023 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52436

Das sehe ich auch so.
Allerdings bedeutet es auch, daß es solche Wahrheiten gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2023 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52481

Nehmen Sie hier an unserer Umfrage teil: Welches "Tatort"-Team hat 2023 brilliert, welches enttäuscht?

Umfrage bei t-online.de in einem Beitrag zur Krise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Die Koinzidenz ist bezeichnend. Ein noch so brillanter "Tatort" kann doch keine Rechtfertigung für das zwangsgebührenfinanzierte Fernsehen sein. Es ist schlicht nicht die Aufgabe eines quasi-staatlichen, quasi-hoheitlichen Unternehmens, die Bevölkerung mit Krimis zu versorgen (von denen es in den Medien ohnehin wimmelt, aber das nur nebenbei).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2024 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52688

Bayerische Bürger lehnen Windräder ab – kein Wunder nach Jahrzehnten einer Regierungspolitik unter dem Motto: Keine häßlichen Kraftwerke, keine häßlichen Stromleitungen, keine häßlichen Windräder in Bayern! Der Strom kommt aus der Steckdose. Heiliger Sankt Florian!
Übrigens hat sich an manchen Orten ein einfaches Konzept bewährt: Wenn die Dorfbewohner an den häßlichen Windrädern mitverdienen, werden sie plötzlich schön. Wie ja auch reiche Leute viel schöner sind als arme.
Richtig große Bürgerentscheide z. B. gegen die Rechtschreibreform haben nichts bewirkt, aber kleine lokale Veranstaltungen können Projekte von größter Bedeutung für das Gemeinwesen lahmlegen. Eine Spielart des bekannten Forsthoff-Theorems: Das allgemeinste Interesse hat die geringste Chance, sich durchzusetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2024 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52720

"Machen Sie sich Sorgen, dass mit zunehmendem Erfolg der AfD bereits erreichte Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter wieder rückgängig gemacht werden?" (Civey-Umfrage)

Die Frage ist tendenziös-suggestiv. Sie unterstellt, daß es überhaupt einen Zusammenhang gibt und daß er Grund zur Sorge sein könnte. Das mag ja sein, aber es entwertet die Umfrage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2024 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#52983

Aus dem törichten "Weltglücksbericht" werden schon wieder Folgerungen gezogen, obwohl die Unsinnigkeit des Rankings auf der Hand liegt. Wenn jemand behauptet, zufrieden zu sein, kann das ganz verschiedene Ursachen haben und bedeutet nicht, daß er wirklich zufrieden ist. Es gehört zum kulturspezifischen Code oder auch zum wechselnden Zeitgeist, sich glücklich zu finden oder das Jammern ("Kritik") zu pflegen. Das superglückliche Finnland hat übrigens eine recht hohe Selbstmordrate.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2024 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#53172

Zum „Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft“: Wenn man die Leute fragt, ob ihrer Ansicht nach die Juden „zuviel Einfluß“ haben, kommt mancher vielleicht erst auf den Gedanken, daß sie Einfluß haben. Und wenn jemand Einfluß hat, hat er selbstredend „zuviel“ Einfluß, weil er natürlich im Grunde gar keinen Einfluß haben sollte. Wir haben gewählte Repräsentanten, die uns regieren; „Einflüsse“ haben da keine Legitimation. Das ist wie mit dem Lobbyismus: Weil es ihn gar nicht geben sollte, ist er immer „zuviel“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2024 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#53206

„Forschende“ haben 3000 Bürger gefragt, wie sie das GG sehen. Nicht gefragt wurde, was sie überhaupt darüber wissen. Angesichts der bekannten Irrmeinungen – als sei es eine Sammlung von „Rechten und Pflichten“ der Bürger – wäre das der naheliegende erste Schritt.
Bürger wurden gefragt: „Hat das Bundesverfassungsgericht mit seiner Rechtsprechung einen zu großen Einfluss auf die Politik?“ Die Frage ist, wie schon gezeigt, suggestiv. Die Präsupposition, daß es überhaupt einen Einfluß gibt, legt schon nahe, daß er zu groß ist. (Wir wollen klare Verhältnisse, keine „Einflüsse“...) Außerdem spielt die Frage darauf an, daß es hier ein Problem gibt, über das bereits diskutiert wird. Auch das könnte die Antwort in unkontrollierbarer Weise beeinflussen. Diese Möglichkeiten müssen erst ausgeschlossen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2024 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1426#53294

Das Einsamkeitsbarometer mißt, wie oft sich Menschen (ihrer eigenen Aussage nach) einsam fühlen – die größte Volkskrankheit unserer Zeit. Frauen sind häufiger betroffen. In Japan und Großbritannien gibt es schon Einsamkeitsministerien. (Meldung Ende Mai 2024)

(Peter Hofstätter hat vor langer Zeit die national unterschiedlichen Konnotationen von „einsam“, „lonesome“, „lonely“ usw. untersucht. Es ist nicht so einfach, aber das hatten wir ja schon bei der Vermessung des Glücks, wo die bitterarmen, ethnisch gesäuberten Bhutanesen mal am besten abschnitten. Heilige Einfalt! Womit ich nicht leugnen will, daß Einsamkeit schlimm sein kann.)
 
 

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