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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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13.06.2008
 

Im GKS-Dschungel
Vermischte Funde

Raison d'Être, auch: Raison d'être (Duden – Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM])

Wieso eigentlich beides? (Die anderen Dudenwörterbücher enthalten den Eintrag nicht.)

Wie kann man sich Fremdsprachen spielerisch aneignen? durch erkennen, wiedergeben und erinnern /(Hueber Prospekt Juni 2008). Dort auch: im einzelnen.

In seinem Trotz ist ihm auch die abenteuerlichste Dialektik Recht. (SZ 11.6.08) Im selben Aufsatz außerdem: ein Kulturmilieu, dass Thomas Manns Satz, der Antikommunismus sei die Grundtorheit des Jahrhunderts, für weise hielt

Warum ist eigentlich alle naselang nie geändert worden?



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Kommentare zu »Im GKS-Dschungel«
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.02.2015 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#28127

Aus der DLF-Sendung "kontrovers" vom Montag nach der Hamburger Wahl:
"Kann die CDU noch Großstadt?"
Bei der Interpretation dieser Konstruktionen wird es natürlich schwierig. Sicher gibt es keinen Zusammenhang zur Kanak-Sprach (im Gegensatz zur Behauptung dieser Autorin, deren Namen ich schon vergessen habe, dazu). Ich würde metonymische Verwendung vermuten (also nach dem berühmten Muster: "Sind Sie das Schnitzel?", "Haben Sie den neuen Böll?").
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.02.2015 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#28022

Die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer (neudeutsch: »Frau Kramp-Karrenbauer«), frischgebackene Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst, bot in ihrer Dankesrede den Aachenern an, sie künftig nicht mehr mit dem umständlichen Doppelnamen anzusprechen, sondern nur noch mit »AKK«, was nicht nur ihr Namenskürzel sei, sondern auch für »Aachener können Karneval« stehe.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.02.2015 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#28020

»Ich kann Kanzler!« lautete schon 2009 der Titel einer ZDF-Show.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2015 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#28019

Zum vorigen:
Berlin kann Kino, aber nicht Fußball und S-Bahn (Tagesspiegel 6.1.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#27986

Nicht Kanak Sprak ist Kann er Kanzler? Könnte üblich werden.

Das erinnert mich daran, daß die FAS Andrea Nahles als mögliche Kanzlerin sieht, die WamS am selben Tage Olaf Scholz, weil Sigmar Gabriel nicht Kanzler kann.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.02.2015 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#27985

Nach dem Muster von "Ich gehe Kino", "Ich gehe Lehrerzimmer" kann man natürlich auch sagen "Ey Alter, ich gehe Los". (grins)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#27980

Im 19. Jahrhundert schrieb man noch oft auf das Entschiedenste usw. Es war ein Fortschritt, hier die Kleinschreibung einzuführen, da im Text nicht von einem Entschiedensten die Rede war. Die volksschulgerechte Großschreibung der Wortart ist eine Vorstufe. Die Großschreibung des „Kerns einer Nominalphrase“ ist ebenfalls ein Rückschritt, der auch durch den Zusatz „expandierbar“ nicht ganz aufgefangen werden werden kann. Aber die neu verordnete Großschreibung im Allgemeinen wäre auch nach diesem Kriterium nicht begründbar.

-

Das Reaktionäre der Neuregelung sieht man auch an der heutigen "Deutschstunde" von Schmachthagen: im Übrigen, seit Langem. Es gibt kein Übriges und kein Langes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#27975

Désirée-Kathrin Gaebert: Zur Didaktik der satzinternen Großschreibung im Deutschen für die Sekundarstufe I. Wortartbezogene Umwege und syntaktische Katalysatoren. Frankfurt u. a. 2012.

Die Kölner Dissertation möchte zeigen, daß die Großschreibung nicht der Wortart Substantiv gilt, sondern dem Kern einer expandierbaren Nominalgruppe. Die Verfasserin spricht von syntaxbasierter Analyse im Unterschied zur herkömmlichen lexik- oder wortartbasierten.
Allerdings sind auch in die Wortart immer schon syntaktische Kriterien eingeflossen, so daß der Gegensatz in Wirklichkeit kein exklusiver ist.

Im Lichte dieser Annahme gibt die Verfasserin einen Überblick über die Entwicklung der Groß- und Kleinschreibung, ihrer Didaktik und ihres Niederschlags in neueren Lehrwerken. Gegen die verbreitete Artikelprobe – die ja auch ein syntaktischer Test ist – wendet sie ein, sie verführe zu falschen Großschreibungen: ich gehe Los wegen das Los. Gegen Irrtümer aufgrund von Homonymie ist jedoch keine Methode gefeit, auch die syntaktische nicht.
Erwartungsgemäß führt die Rechtschreibreform zu neuen Problemen. Kann das syntaktische Kriterium die neue Großschreibung von im Allgemeinen erklären? Expandierbarkeit liegt nicht vor. Nicht erwähnt werden neben anderen Problemfällen die im Alltag sehr häufigen Tageszeiten wie heute Abend, bei denen die reformbedingte Großschreibung gerade unter syntaktischem Aspekt nicht begründet werden kann. Offen bleibt, warum der Kopf einer expandierbaren Nominalphrase überhaupt groß geschrieben werden sollte. Lesepsychologische Aspekte werden nur durch einen Literaturhinweis in Fußnote einbezogen, aber nicht ausgeführt. Im übrigen bleibt der Leser außerhalb der Betrachtung, sein Interesse an leicht lesbaren Texten wird daher auch für die Schüler nicht als Bezugspunkt des Schreibens sichtbar. Damit wird ein Motiv der Groß- und Kleinschreibung ausgeblendet, das nach Ansicht des Rezensenten das wesentlichste ist. Das wäre der Verfasserin nicht entgangen, wenn sie auch die reformkritische Literatur ausgewertet hätte.

Der letzte Teil beschreibt einen Unterrichtsversuch: Die Verfasserin selbst hat 29 Schüler in 18 zusätzlichen Stunden, verteilt über ein Jahr Förderunterricht, syntaxorientiert in Großschreibung unterrichtet, mit dem erklärten Ziel, die Überlegenheit dieser Methode nachzuweisen. Die Vergleichsgruppe erhielt während dieser Zeit Unterricht in anderen Fächern. Die Expandierbarkeit der Nominalgruppe wurde auf die Hinzufügbarkeit vorangestellter Adjektivattribute reduziert. Dadurch traten unerwartete Probleme auf. So fanden die Schüler kein Adjektiv, mit dem sie das Mitführen (von Hunden) hätten erweitern können; ähnliches gilt für das Schönste (an der Geschichte), während die gar nicht mehr erwogene Artikelprobe diese Fälle ohne weiteres entscheidet.
Die statistische Analyse der Ergebnisse läuft gewissermaßen ins Leere, weil die geschilderten Umstände den Versuch als testtheoretisch ungeeignet erweisen, auch unter dem Gesichtspunkt der Objektivität. Die Probanden verbesserten ihre Rechtschreibleistung um einige Prozentpunkte. Daß die Vergleichsgruppe sich „weniger deutlich“ verbesserte, war bei so ungleichen Bedingungen zu erwarten.

Gaebert übernimmt die unter den Reformern beliebte Formel, die Neuregelung sei „für Schulen und Behörden“ verbindlich. Das widerspricht dem eindeutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach sie nur für Schulen verbindlich ist. Wer sie sonst noch für seinen Machtbereich anordnet, steht auf einem anderen Blatt.

Das Literaturverzeichnis ist lückenhaft; wichtige Literaturhinweise enden blind.
Die Zahl der Druckfehler und Versehen ist selbst für heutige Verhältnisse außerordentlich hoch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2014 um 06.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#25228

Eine weitere sehr verbreitete Übergeneralisierung:

"Der Mann muss noch Einiges über diese Stadt lernen", schrieb das "New York Magazine" mit Blick auf die Anfang des Jahres begonnene Amtszeit de Blasios. (sda 22.2.14)

(Der Bürgermeister hatte Pizza mit einer Gabel gegessen, die jetzt zu Wohltätigkeitszwecken versteigert wurde. Angeblich darf man Pizza nur mit den Fingern essen. Die Pizza hat allerdings wie andere Speisen auf dem Weg um die Welt einige Verwandlungen durchgemacht, so daß sie hierzulande in Restaurants fast immer mit Messer und Gabel gegessen wird. Ich erinnere mich noch meiner ersten Pizza, das war ein weiches Gebilde, das mir bei Neapel zusammengefaltet in einem Papier gereicht wurde und gar nicht den "knusprigen" Riesenrädern ähnelte, die man heute "mit allem" zu essen bekommt, sogar in China. Was mich noch zu einer Bemerkung über die Chinesen veranlaßt: Bei uns glauben viele, wenn sie sich im Chinarestaurant Stäbchen reichen lassen und sehr manierlich damit essen, daß sie nun die feine chinesische Sitte erworben hätten. Aber in China habe ich ganz andere Beobachtungen gemacht. Der Umgang mit den Stäbchen ist ungleich geschickter - eben von Kindesbeinen an selbstverständlich -, aber für unsere Begriffe ganz und gar nicht manierlich. Was natürlich an unseren Begriffen liegt und nicht an den Chinesen, die ich an den Nachbartischen in wahren Orgien von Lebensfreude beobachtet und beneidet habe.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2014 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#25227

Schulische Konsequenzen werden sicherlich für die Beiden noch folgen.  (nordbayern.de 23.2.14)

Diese Großschreibung findet man sehr oft; offenbar eine Übergeneralisierung reformierter Regeln, kaum je diskutiert.

(Zur Sache: es geht um zwei Jugendliche, die auf einer Klassenfahrt mit einem Joint erwischt wurden. Wenn ich den Berichten meiner Töchter glauben darf, die hier in einer ziemlich "guten" Gegend das Gymnasium absolviert haben, müßte man wohl jeden zweiten Schüler in Gewahrsam nehmen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Bald wird der Eigenkonsum auch hierzulande erlaubt sein, und dann wird man sich wundern, was alles früher mal eine Pressemitteilung wert war.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2013 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#23333

Wirklicher Geheimer Rat
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.06.2013 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#23330

Geheimer Rat ist klar (Geheimrat ja nur eine inoffizielle Form), aber sollte es Wirklicher Geheimer Rat oder Wirklicher geheimer Rat heißen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2013 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#23322

So hatte man ihn 1897 zum geheimen Hofrat ernannt. 1918 wurde er wirklicher Geheimrat und Ehrendoktor der juristischen Fakultät Gießen.
(Wikipedia über den Germanisten Otto Behaghel)

Meiner Ansicht nach müßten die Adjektive im Titel weiterhin – oder wieder – groß geschrieben werden.

Behaghel teilt übrigens das Schicksal Betrand Russells, daß sein Name ständig falsch geschrieben wird. Gerade liegt wieder eine germanistische Dissertation vor mir, die ihn konsequent Behagel schreibt. Viele Kollegen und alle Studenten betonen die erste Silbe, aber nach meiner Kenntnis liegt der Akzent bei diesem freilich seltsamen Namen auf der zweiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2013 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#22869

Recht auf russisch

So betitelt die Süddeutsche Zeitung (28.3.13) einen Kommentar zur russischen Justiz. Ich habe den Eindruck, daß es sich hier nicht mehr um die Erinnerung an die bessere Rechtschreibung handelt, sondern daß sich allmählich dieselbe Intuition durchsetzt, die auch früher schon zur Kleinschreibung geführt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2012 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#21612

»Im Original heißt der Roman übrigens "A Casual Vacancy" ("Eine ungeplante Vakanz"), ist also weniger thrillerhaft als in der deutschen Übersetzung, die zudem noch mit einem großen "P" im Wort "plötzlich" auf dem Titel aufwartet – im Englischen wäre es richtig, im Deutschen ist die Titel-Versalie eine neue, hässliche Unsitte.« (Hamburger Abendblatt über Rowlings "Ein plötzlicher Todesfall")

Das liegt natürlich auch daran, daß der Artikel – wie auf dem englischen Original und wohl nach Anweisung des Verlags – klein gedruckt und erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen ist. Darum ist im Deutschen auch der unbestimmte Artikel gewählt, denn nur so ist der stark flektierte Titel „Plötzlicher Todesfall“ möglich gewesen. Wahrscheinlich hat der deutsche Verlag sich mit diesem Problem länger herumgeschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2012 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#21344

Finden Sie es richtig, dass die Universität Basel für das Geschichtsstudium das Latein-Obligatorium abgeschafft hat?

– Finde ich richtig, Lateinisch als Sprache ist sowieso veraltet

– Der Entscheid ist falsch: Viele historische Quellen und Inschriften sind Lateinisch


(Basellandschaftliche Zeitung)

Abgesehen von der falschen Großschreibung: Wieder wird der Fehler begangen, den Optionen gleich eine Begründung beizufügen und damit Antworten zu blockieren, die eine andere Begründung für Ja oder Nein geben würden. Außerdem liegen die beiden Begründungen nicht auf derselben Ebene, sondern gehen aneinander vorbei. Die Frage kann doch nur sein, ob lateinische Quellen im Original gelesen werden müssen oder ob Übersetzungen (die man oft eigens anfertigen lassen müßte) ausreichen. Übrigens mißbilligen 87 % der Leser die Abschaffung, darunter ich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2012 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#21343

Lingua Latina vivit. So titelt die Süddeutsche Zeitung auf ihrer ersten Seite am 29.8.12. Den wirkllichen Gründen für die Beliebtheit des Schulfaches Latein geht sie übrigens nicht nach, das Punkte-Kalkül wird nicht erwähnt, stattdessen ein Sträußchen der üblichen Begründungen (wohltätiger Einfluß aufs Deutsch der Schüler, Charakterbildung durch Disziplin ...).

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2012 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#20390

Um auf eine frühere Diskussion zurückzukommen: In der heutigen "Süddeutschen"lese ich Die Regierung in China macht ernst, und es kommt mir intuitiv immer noch richtiger vor als das allein zugelassene Ernst. Eine Suche bei Google News ergibt, daß sich beide Schreibweisen ungefähr die Waage halten. Da dies ausdrücklich gegen die Regeln und Korrekturprogramme geht, muß man damit rechnen, daß ich nicht der einzige bin, der sich für die Kleinschreibung entscheidet (wie schnell machen, nicht wie Druck machen).
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.10.2010 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#16834

Nach einem Treffen mit ihrer Vormundschaftsrichterin bleibt für Popstar Britney Spears vorerst alles beim Alten – ihr Vater und ihre Anwälte behalten die Vormundschaft über Spears’ persönliche und finanzielle Angelegenheiten.
(http://www.orf.at/stories/2017622/)

Ist mit dem Alten hier der Vater gemeint, oder ändert sich nur nichts?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2010 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15846

Aus der Zeitung gewinne ich den Eindruck, daß inzwischen die Groß- und Kleinschreibung die meisten Schwierigkeiten macht. Sowohl "korrekte" Absurditäten als auch Verstöße gegen die selbstverordnete Reformschreibung finden sich auf jeder Seite. Man findet ständigen Wechsel bei im allgemeinen usw., große Unsicherheit auch bei jeder andere/Andere. Dazu dürfte die mehrmalige Revision beigetragen haben.

Die Süddeutsche Zeitung bespricht das neue Buch von Helmut Schmidt und Fritz Stern: Unser Jahrhundert (C. H. Beck):
Auf Sterns Bemerkung, Ratzinger habe als Papst nicht die Ausstrahlung, die sein Vorgänger gehabt habe, knurrt Schmidt: „Geschieht ihm Recht!”
Das Buch ist tatsächlich in Reformschreibung gedruckt, aus der Leseprobe entnehme ich Unsicherheit bei recht geben/Recht geben, falsches zurück haben und ein falsches Komma im englischen Zitat: The most interesting unhistorical mind, I've ever met.

Ob dort auch geschieht ihm Recht steht, konnte ich so leider nicht nachprüfen, aber ich halte es für möglich. Der Verlag läßt auch Gräuel und vieles andere drucken. Altkanzler Schmidt lehnt ja eigentlich die Rechtschreibrefrom ab, wie er mir mal schrieb, aber das hat er schon bei der ZEIT nicht durchsetzen wollen oder können.

So hat auch dieses Buch einen Grauschleier. Ob es beim Verlag Beck jemanden gibt, der das überhaupt bemerkt? Oder denkt man dort: Wenn alle es machen, kommt es bei uns auch nicht mehr darauf an?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.02.2010 um 03.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15743

Auf Halbmast ist auch früher häufig und, wenn man dem DWDS-Korpus trauen kann, sogar überwiegend so geschrieben worden. Im DWDS-Korpus finde ich 10 Fundstellen für auf halbmast, aber 27 für Auf Halbmast.

Insofern ist es nicht nur komisch, daß die Reformer das nicht geändert haben, sondern auch, daß schon der alte Duden die Schreibwirklichkeit mißachtet hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2010 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15734

Aus gegebenem Anlaß liest man jetzt überall, daß die Fahnen in Vancouver auf Halbmast hängen. Das ist zwar immer noch falsch, aber nach auf Deutsch usw. doch ziemlich naheliegend. Komisch, daß es nicht geändert worden ist. Das amtliche Wörterverzeichnis verweist auf § 58 (3.1), aber dort ist von Adjektiven die Rede, und halbmast ist doch gar keins.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 11.02.2010 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15715

Nicht zu vergessen, daß die "Gebühren" an die GEZ selbstverständlich im Voraus zu entrichten sind (bei Nicht-Abbuchung). Voraus kann man reformgemäß nach Belieben trennen:
vor|aus und vo|raus.
Ich dachte immer, der Voraus sei so was wie ein Erbteil.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 11.02.2010 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15714

Was die reformierte GKS-Regelung für Folgen hat, führt die GEZ (unfreiwillig?) vor Augen: "Für den Privathaushalt gilt im Einzelnen Folgendes".

(Auf dieses Beispiel hatte Herr Ickler bereits hier hingewiesen; mir stieß es gerade erneut auf, als ich beim Ausmisten auf das betreffende Schreiben stieß. An diesem Beispiel wird m.E. die Sinnlosigkeit der übermäßigen reformierten Großschreibungen besonders deutlich.)
 
 

Kommentar von stefan strasser zu 15709, verfaßt am 11.02.2010 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15712

Bei Dutzend liegt gem. Neuregelung der seltsame Fall vor, daß die Einzahl ein Substantiv, die Mehrzahl aber offenbar nur fakultativ ein solches ist.
Die zugehörige Logik dürfte sich nur den ungeübten Wenigschreibern erschließen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2010 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15709

Lawinen reißen dutzende Autos in die Tiefe (Handelsblatt online 10.2.10)

Die Kleinschreibung ist jetzt korrekt, aber sie tut den Augen weh, denn Dutzend ist ja nun wirklich ein Substantiv. Das amtliche Regelwerk sieht vor (fakultativ): Der Fall war angesichts dutzender von Augenzeugen klar. Das ist noch krasser – mit dem Genitivattribut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2010 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#15683

Über Nurejev teilt Wikipedia mit, daß „er Zeit lebens nie die technische Brillanz zeitgenössischer Solisten wie Erik Bruhn, Anthony Dowell oder Mikhail Baryshnikov erreichte.“
 
 

Kommentar von Inge Müncher, verfaßt am 14.06.2008 um 10.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12339

GKS-Dschungel und noch mehr auch bei der öffentlichen Ankündigung von Protestkundgebungen der Schüler in Kassel.

In rhein-main.net und auch in der Neuen Westfälischen (in etwas anderer Anordnung) ist folgendes am 16.06.08 zu lesen:

Mit Rechtschreibfehlern gegen «Bildungsmisere»

12.06.2008
Kassel (dpa) Bei ihrem Protest gegen «Bildungsmisere» und «skandalöse Lernbedingungen» in Hessen haben die Schüler in Kassel auch ungewollt auf das Problem aufmerksam gemacht: Die beiden Pressemitteilungen der Schülervertretungen enthielten so viele Fehler, dass es für diese als Schuldiktat wohl nur ein «ungenügend» gegeben hätte. Auf der Einladung zu der Demonstration, zu der in Kassel 4000 Schüler kamen, finden sich zehn Fehler in zwölf Zeilen. Bei dem aktuellen Aufruf waren es dann mehr als ein Dutzend in 15 Zeilen. Vor allem Grammatik, aber auch Groß- und Kleinschreibung und Kommatasetzung bereiteten Probleme.

In der Neuen Westfälischen steht dann weiter auf Seite 3 in dem Artikel „Merkel geht auf Bildungsreise“ von Tim Braune: ,Im Oktober nun will Merkel die Länderfürsten zum Bildungsgipfel einladen. Dort soll eine „nationale Qualifizierungsoffensive das Licht der Welt erblicken“. In einigen, auch CDU-geführten Kultusministerien regt sich schon Unmut.’

Es wäre erfreulich, wenn der Bundeskanzlerin dieses Beispiel des Protestes gegen die „Bildungsmisere“ und die „skandalöse(n) Lernbedingungen“ in Kassel auf dem Bildungsgipfel mit den Länderfürsten vorgelegt würde.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 14.06.2008 um 00.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12338

Herzlich Willkommen auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend!
Diese Überschrift leitet eine Selbstpräsentation von Dr. Andrea Kdolsky auf der HP des österrreichischen Gesundheitsministeriums ein.
Eine Kollegin von ihr, Ex-Ministerin Gehrer, sie war übrigens Mitunterzeichnerin der Wiener Absichtserklärung und im erlernten Beruf Handarbeitslehrerin, verlautete vor einigen Jahren, daß die Umsetztung der Reform in Österreich völlig problemlos vonstatten ginge. Was sie damit wohl gemeint hat?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 13.06.2008 um 22.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12335

"..., daß ich die Abseitsregel erklären könnte" (#12331): Und noch leichter als das war der Unterschied zwischen "ß"und "ss" in der bewährten Schreibung zu lernen, zumal die öffentlichen Druckmedien früher noch vorbildlich schreiben konnten und damit fortwährend ein richtiges Beispiel abgaben. Das können sie doch heute nimmer.
Und was Schweinsteigers "Affekt" angeht: Sowas tut man anständigerweise eben nicht. Und es ist dumm. Auch eine Rechtschreibreform fürs Deutsche in unserer Zeit loszulassen: Sowas tut man anständigerweise eben nicht, — auch wenn's einem noch so das Selbstwertgefühl steigert. Es zeugt nur von Dummheit.
 
 

Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 13.06.2008 um 20.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12332

Herr Ickler hat, es müßte in seinem Kritischen Kommentar gewesen sein, die Frage gestellt, warum Großschreibung nur den englischen Importen zugutekommen soll. Es ist ja auch wirklich nicht einzusehen, so hat der Spiegel unlängst in einem Artikel über das denkbar uninteressante Ehepaar Pooth von "la dolce vita" in Düsseldorf geschrieben, doch sollen wir demhingegen "Standingovations" schreiben. Ich verfahre da im Sinne Herrn Drosdowskis, weil mir seine Regel immer noch die beste und die am einfachsten zu erlernende ist: bei substantivischen Wendungen steht der erste Buchstabe groß, als "La dolce vita", bei adverbiellen Wendungen steht die Beibehaltung der Originalschreibweise.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 13.06.2008 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12329

Der ARD-Videotext hält Bastian Schweinsteigers Tätlichkeit (eigentlich auch ein blödes Wort, nicht wahr?!) für "kaum Rot Wert".
Andere verabreden sich "für Morgen". Wieder andere grüßen im Brief mit "Hallo Hans, Hallo Renate".
Bei Auslieferung ist beim Microsoft-Office-Paket der Haken bei "Wochentage immer groß schreiben" gesetzt, was zu Unsinn wie "Freitags" führt.
Auf dem besten Wege zum allgemeinen Usus ist es, Adjektive, die von einem Hauptwort abgeleitet werden, groß und mit Bindestrich zu schreiben: "eine Kino-reife Vorstellung".
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 13.06.2008 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12325

"Es ist mir Recht" kommt, wenn es nicht ironisch bzw. zweideutig gemeint ist, möglicherweise aus demselben Hause wie "Es ist viel Wert". Beide Fehler zeugen von mangelnder Sprachkompetenz, hätten jedoch durch die "alte" Faustregel "im Zweifelsfall klein" mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vermieden werden können. Mit der neuen Regel "Im Zweifelsfall groß" tritt nun die Inkompetenz zutage. Oder "zu Tage"? Jetzt bin ich selbst auch schon verwirrt.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 13.06.2008 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1016#12324

Ist es eigentlich selbstverständlich klar, daß play in einem englischen Text bei dem Ausdruck "fair play" ein Substantiv ist? Könnte man "fair play" nicht auch als Kombination aus Adverb und Verb deuten? Sprich, wie klar ist, daß man nach den reformieren Regeln wirklich "Fair Play" schreiben muß – und nicht auch "Fair play" schreiben dürfte?
 
 

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