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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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14.11.2008
 

Neues aus dem Rat
Der Rechtschreibrat dämmert dahin, aber man muß aufpassen

Auch wenn nur noch wenig mehr als die Hälfte der Mitglieder an den Sitzungen des Rechtschreibrates teilnimmt (das war im April und zuletzt im Oktober zu beobachten) und die Tätigkeit der wenigen aktiven Mitglieder sich im kaum noch Greifbaren verliert, ist Wachsamkeit geboten. Schließlich war die ganze Reform handstreichartig ins Werk gesetzt worden, als die Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr daran glaubte. (Das hat Zehetmair ja ausdrücklich gestanden.)

Nun denn: Auf der letzten Sitzung vom 24. Oktober 2008 war man sich einig, daß die amtliche Regelung "von der Praxis nicht angenommen wird." Eine Neuformulierung, zunächst für einige Teile, wird daher in Aussicht und Angriff genommen. Dabei sollen aber, wenn ich alles recht verstanden habe (ich saß bei Zehetmair unterm Tisch, als Maus verkleidet), durchaus auch inhaltliche Veränderungen eingeschmuggelt werden. Überhaupt sucht der Rat nach einem Verfahren, ständig kleinere Änderungen der Rechtschreibung einzuführen, wie es vor der Reform der Duden mit den jeweils neuesten Auflagen getan habe. Damit knüpft er an einen älteren Vorstoß an, aus dem Vorschlagsrecht des Rates (damals noch der zwischenstaatlichen Kommission, vgl. deren 4. Bericht) eine umfassende Ermächtigung zu normativen Eingriffen zu machen, so daß die Kultusminister nicht mehr mit den Änderungen befaßt werden müssen. Da die Kultusminister die Verantwortung für die Rechtschreibung liebend gern loswerden wollen, ist damit zu rechnen, daß dieses Vorhaben gelingt. Allerdings sind im Rechtschreibrat nur die Wörterbuchverlage dazu imstande, die sachliche Arbeit zu leisten. Das alte Dudenprivileg wird also, wie es de facto schon jetzt der Fall ist, auf die drei Wörterbuchverlage ausgedehnt, andere Verlage müssen warten, bis diese drei ihr Oligopol ausgeschöpft haben.

Laut Protokoll hatte der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Reichert) am 17.3.2008 im Auftrag der Sprachkommission der DASD an den Rat geschrieben. Der Rat hat darauf nicht geantwortet, erst am 24. Oktober beauftragte er Eichinger (warum diesen?) mit einer Antwort. Das Ausbleiben einer Antwort trug mit dazu bei, daß Uwe Pörksen inzwischen seinen Austritt aus dem Rechtschreibrat erklärt hat (Schreiben vom 4.10.2008 an Zehetmair). (Eisenberg möchte Pörksen aber im Rat behalten; wer sonst von der DASD wäre auch dazu bereit, seine Zeit mit solchen Sitzungen zu verplempern?)



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Kommentare zu »Neues aus dem Rat«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2024 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53517

Wenn man die Neubearbeitung der Rechtschreibreform und den Tätigkeitsbericht liest, ist der geradezu umwerfende Eindruck: Die ganze Energie der immer kostspieliger werdenden Orthographie-Truppe ist auf die äußere Form, die gefällige und „wissenschaftlich“ anmutende Präsentation gerichtet, während ein neues Nachdenken über den Inhalt völlig fehlt. Seit dem Ausscheiden des einzigen Reformkritikers aus dem Rat tut sich da nichts mehr. Kleine Änderungen im völlig unwichtigen Bereich der Fremdwortschreibung sind allenfalls etwas für die Journalisten. Einige Fehler von 1996 waren zwar schon früher zurückgenommen worden, aber durch die launigen Einfälle einzelner Mitglieder (Gallmann, Eisenberg) waren neue Schwierigkeiten hinzugekommen, an die nicht gerührt wird. Lobin und Krome vom IdS interessieren sich nur für die Sprachtechnologie, der Vorsitzende versteht nichts von der Sache, und Kritiker sind sowieso nicht zugelassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2024 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53504

Die IdS-Jahrestagung 2023 war dem Thema Rechtschreibung gewidmet. Reformkritiker waren naturgemäß nicht eingeladen, sondern es sprachen fast nur Ratsmitglieder und Institutsmitarbeiter, dazu der Reformpapst der ehemaligen DDR, der 88jährige Dieter Nerius.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2024 um 07.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53502

„Erarbeitet wurde das Werk im Auftrag der staatlichen Stellen mittels empirischer Schreibbeobachtung auf der Basis der größten digitalen Textkorpora der deutschen Gegenwartssprache.“ (Tätigkeitsbericht 2024)
Bombastisch, ebenso wie die schönen Grafiken, aber es ist alles Lug und Trug! Computertechnik und Statistik haben sich verselbständigt, an die sprachwissenschaftliche Seite der Orthographie wagt man sich nicht heran – angesichts der Denkverbote im Rat durchaus verständlich.
Die Presse ist nicht interessiert, die Meldungen sind gleichförmig und kaprizieren sich auf wenige marginale Punkte (Thunfisch, gelikt, Gendersternchen). Ob Journalisten die Schwachpunkte überhaupt wahrnehmen, ist fraglich.

Die Ratsmitglieder sind ausnahmslos so ausgewählt, daß keiner die Meinung vertreten wird, man sollte die ganze Reform in die Tonne treten. Daher der Eindruck, daß die Ruinenbaumeister weiterhin durch den Trümmerhaufen stolpern und mal hier, mal da einen Stein umdrehen (und wieder hinlegen). Eichinger, dessen Funktion nach der Ära Zehetmair schon lange unklar war, weil er keiner Institution zugeordnet wurde, ist ausgeschieden, aber der 84jährige Peter Eisenberg ist noch dabei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2024 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53501

Auch der Eintrag zu wieder- ist nicht klarer geworden, weil er sich immer noch auf Getrennt- oder Zusammenschreibung festlegen will. Verbzusatzkonstruktionen wie aufeinanderstapeln werden in genauem Gegensatz zur Neuregelung von 1996 obligatorisch zusammengeschrieben. Der Eingriff war willkürlich, die Ausschließlichkeit der Revision ist es auch.
schmutzig machen, aber madigmachen – beides jeweils obligatorisch, nur weil madigmachen metaphorisch gebraucht wird! In diesem Fall die Toleranzregel E5 anzuwenden verbietet sich durch die ausdrückliche Nennung der Beispiele.
Weil solche Bestimmungen nichts mit der wirklichen Logik des Schreibbrauchs zu tun haben, sondern wie die ursprüngliche Reform Kopfgeburten der Reformer sind, lassen sie sich nicht beherrschen. Das kann man überspielen, indem man die Haarspaltereien in den Korrekturprogrammen unterbringt. Die angestrebte Digitalisierung des Schulunterrichts beseitigt sowieso alle Schwierigkeiten, weil das händische Schreiben zusammen mit dem Papier aussterben soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2024 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53500

Bei madigmachen usw. nur die Zusammenschreibung zuzulassen ist eine neue Schwierigkeit, die auf Eisenberg zurückgeht. Im Korpus kann sie keine Grundlage haben. Die Neuregelung legt (wie in früheren Revisionen) willkürlich fest, daß bei idiomatischer Gesamtbedeutung zusammengeschrieben werden muß, daher kaputt machen/kaputtmachen, aber nur krankschreiben, heiligsprechen (mit problematischer Deutung). Wenn man diese Frage aber nicht entscheiden kann, darf man so oder so schreiben (§ 34 E5)! Das ist grotesk, und man wundert sich, daß der Rat diesen Schwachpunkt nicht beseitigt hat.

Ich hatte schon früh auf die Monstrosität solcher Regeln hingewiesen: Wenn du nicht weißt, wie du es schreiben sollst, kannst du es so oder so schreiben... Man konsultiert kein Regelwerk, um solche Auskünfte zu finden.

(Eine einfache und sprachgerechte Lösung zu den Verbzusatzkonstruktionen steht in meinem Rechtschreibwörterbuch.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2024 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53497

Die Berufung des Rechtschreibrates auf das 14 Mrd. Wörter umfassende IdS-Korpus erzeugt den Schein einer empirischen Grundlage, ist aber nicht nur wegen der fragwürdigen – von der Reform selbst verzerrten Quellen – reine Augenwischerei und Imponiergehabe, sondern legt auch die Absurdität des ganzen Ansatzes offen. Als die Reformer ihre Reform ausarbeiteten, kümmerten sie sich nicht im geringsten um eine empirische Grundlage, also die Erfassung des in Deutschland üblichen Schreibbrauchs, sondern zielten erklärtermaßen darauf ab, diesen Brauch nach ihren eigenen Auffassungen zu verändern (Augst, Mentrup, Schaeder, später auch Gallmann; die anderen sind mehr oder weniger Mitläufer). Er sollte „systematischer“ und leichter zu erlernen und zu beherrschen sein. Beides ist bekanntlich vollkommen verfehlt worden.
Wenn das IdS jetzt in großen Zahlen schwelgt (in Wirklichkeit kann das Korpus nicht ausgewertet worden sein, wie schon kleine Stichproben zeigen) und Computergrafiken vorlegt, dann dürfte eine Rolle spielen, daß der neue Direktor ein Computerlinguist ohne nähere Beziehungen zur Orthographie ist und auch die bisherige Geschäftsführerin, jetzt Ratsmitglied, von ihrer Tätigkeit bei Bertelsmann her eher mit der Sprachstatistik als mit der Rechtschreibforschung verbunden ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2024 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53492

Behende vierhändig (Überschrift zu einer Konzertbesprechung, SZ 8.7.24)

Seit 1996 nicht mehr zulässige Schreibweise, anscheinend auch im IdS-Korpus mit 14 Mrd. Wörtern nicht nenneswert belegt.

Die Berufung auf das Riesenkorpus grenzt an Betrug, weil schon die einfachste Google-Recherche für viele Schreibweisen unzählige Belege liefert, die von der Neuregelung nicht zugelassen werden. Nach wie vor soll von der ersten Fassung von 1996 so viel wie möglich gerettet werden. Sonst müßte man ja zugeben, daß die ganze Reform sinnlos war und die weitere Existenz des Rechtschreibrates nicht zu rechtfertigen ist.

Das reformgerechte Korpus erlaubt ohnehin nicht, den "Schreibgebrauch" empirisch zu erforschen, sondern nur die Folgsamkeit der Schreiber bzw. die Zuverlässigkeit der entsprechend gefütterten Programme. Daß sich die "alte", bessere Schreibung trotzdem oft durchsetzt, sollte den Reformern zu denken geben, tut es aber nicht. Wer den Rat genauer kennt, versteht das sofort. Dort ist alles erlaubt, nur nicht der grundstürzende Gedanke, daß alles sinnlos war.

Hinter der Statistik (mit einem ungeeigneten, weil durch die Reform selbst verzerrten Korpus) kann man sich auch verschanzen, wenn man die grundlegenden Fragen nicht angehen will. Wieso ist "des Öfteren" besser als "des öfteren"? Warum mußte "behände" (das kein Schüler gebraucht) geändert werden? Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2024 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53485

Der Neubearbeitung des Regelwerks 2024 (https://www.rechtschreibrat.com/DOX/RfdR_Amtliches-Regelwerk_2024.pdf) ist folgende Bemerkung vorangestellt:
„Die Neuerarbeitung von Amtlichem Regelwerk und Wörterverzeichnis mit Stichwortauswahl und Ermittlung prototypischer Zweifelsfälle erfolgte durch empirische Schreibbeobachtung auf der Basis des Orthografischen Kernkorpus, dem digitalen Textkorpus des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) mit 14 Mrd. Wortbelegen aus dem gesamten deutschen Sprachraum.“
D. h. wie schon früher wurden nur regelwerkkonform reformierte Texte ausgewertet. Die Folgen sieht man an einem Beispiel: „jedesmal“ scheint im Riesenkorpus nicht vorzukommen, während es sich in wirklichen Texten hartnäckig hält, bei Google leicht zu finden. Aber vielleicht wäre es zu peinlich, solche Prachtstücke der Reform wie „jedes Mal“ zurückzunehmen. Der umfangreiche Eintrag zu „Mal“ zeigt immer noch die große Verwirrung der seinerzeit zwecks Erleichterung eingeleiteten Reform.
Im Wörterverzeichnis steht wieder der Hinweis „bei besonderer Betonung“, der aber im Regelwerk nicht vorkommt und nirgendwo erläutert wird. Es ist also nicht klar, wieso die Betonung ein und desselben Wortes etwas an der Schreibweise ändern kann.
Die archaisierenden Großschreibungen „im Allgemeinen“, „des Öfteren“ usw. bleiben verbindlich. Das ist eben das sprachwissenschaftliche Niveau der Reformer, und daran hat sich nichts geändert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2024 um 07.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53434

Es ist nicht wichtig, aber ich möchte doch erwähnen, daß die bisherige Geschäftsführerin Sabine Krome jetzt als offenbar stimmberechtigtes Mitglied des Rates geführt wird, vom IDS entsandt. Die Geschäftsführung ist jetzt namenlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2024 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#53224

Danke, lieber Rechtschreibrat! Habe gar nicht gewußt, daß es von mir so viele Veröffentlichungen zur Rechtschreibreform gibt:
https://grammis.ids-mannheim.de/bdg/autoren/50657?library=BDR

Übrigens heißt es dort seit längerer Zeit zum erstenmal, der Termin für die nächste Ratssitzung stehe noch nicht fest. Ob das der Anfang vom Ende ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2024 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52925

Der EuGH hat nochmals die Selbstverständlichkeit festgestellt, daß rechtsverbindliche Normen kostenlos zugänglich sein müssen, also nicht dem Urheberrecht unterliegen.
Man könnte das auf die Schulrechtschreibung übertragen. Weder die Arbeit daran noch das fertige Korpus sollten geheim gehalten und dann kostenpflichtig vertrieben werden. Die amtliche Fassung ist unzureichend, weil sie kein annähernd vollständiges Wörterbuch enthält. Man muß also einen Duden oder dgl. kaufen, um etwa Schülerarbeiten bewerten zu können.
Den Reformern schwebte so etwas ursprünglich vor, aber dann fanden sie (mit wenigen Ausnahmen) heraus, daß es noch viel schöner ist, selbst ins Geschäft einzusteigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2024 um 08.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52900

Es scheint leichter zu sein, die Bundeswehr auszuspionieren als die Pläne des Rechtschreibrats. Aber wir können uns für das Erscheinen der Neubearbeitung schon mal vormerken, was Herr Metz (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=913#51468) beobachtet hat. Mit einem ersten schnellen Blick werden wir sehen, ob der Rat endlich die haarsträubende Unstimmigkeit mit den Top-Tipps (usw.) in Ordnung gebracht hat.
Bedenkt man, daß einige Reformer sich ihr Leben lang mit Fremdwortorthographie beschäftigt haben (einer sogar ausschließlich), ist die Schwäche der Reform gerade in diesem Bereich doppelt unverständlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2024 um 08.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52849

Ich möchte noch auf die bestechende Logik des "daher" hinweisen: Weil die Vorlage erst mit der Beschlußfassung amtlich wird, darf sie nicht vorher veröffentlicht werden. Bei Parteien kann man noch verstehen, daß Entwürfe nicht "durchgestochen" werden, wie man sagt, aber bei Rechtschreibregeln? Wo leben wir eigentlich?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2024 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52848

Auf der Website des Rates wird geboten: „Amtliches Regelwerk 2024“. Folgt man dem Link, findet man dies:

„Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung 2024

Vorabfassung

Die Neuerarbeitung des Amtlichen Regelwerks inklusive Wörterverzeichnis wurde im Dezember 2023 fertig gestellt und vom Rat für deutsche Rechtschreibung beschlossen.
Bei dieser Neuausgabe handelt es sich um eine Vorabversion. Sie ist ausschließlich den staatlichen Stellen in der Printfassung zugegangen und bedarf noch der Beschlussfassung aller 6 im Rat vertretenen (und beschlussberechtigten) Länder und Regionen, erst danach wird sie amtlich. Eine digitale Version als PDF ist daher auch nur diesen Ländervertretungen zugänglich. Der Öffentlichkeit wird diese Neufassung erst nach Beschluss der staatlichen Stellen zur Verfügung gestellt werden.“
(gez. Josef Lange)

So spricht die Obrigkeit. Die Untertanen sollen nicht wissen, was auf sie zukommt, und keinesfalls mitreden. Das ist seit Jahrzehnten die bewährte Strategie der Reformer, und sie haben sich anfangs ausdrücklich in diesem Sinn geäußert. Herr Lange scheint sich der Unverschämtheit gar nicht bewußt zu sein. Das hängt mit dem spezifisch deutschen Begriff von Rechtschreibung als einer hoheitlichen Aufgabe zusammen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2024 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52793

Vom Rat für deutsche Rechtschreibung gibt es ein neues Gruppenfoto. Der Nutzen ist zweifelhaft. Dagegen wüßte man gern, wie die geplante Neufassung der Regeln aussieht, aber das ist streng geheim.

Ich frage mich seit Jahren, wie die Mitglieder sich eigentlich fühlen. Wie steht es um die Selbstachtung erwachsener Menschen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2024 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52714

Der Rechtschreibreformer Klaus Heller, seinerzeit u. a. Geschäftsführer der Zwischenstaatlichen Kommission und zuvor das Hauptarbeitstier unter den Reformern, ist vor vier Wochen verstorben, und Sabine Krome widmet ihm den Nachruf, in dem es über den „streitbaren“ Mann heißt:
„In Erinnerung bleibt Klaus Heller vor allem als unermüdlicher Verfechter, Vermittler und Interpret der Rechtschreibreform 1996 – der ersten Reform seit fast 100 Jahren –, für die er verehrt und geschätzt, aber auch angefeindet wurde. Neben fundierten Begrün­dun­­gen für die neu eingeführten Regeln und Schreibungen ging es dem engagierten Didakti­ker immer auch um die Vermittlung sprachwissenschaftlicher Zusammenhänge – im Sinne des Ziels der Reformer, die aktuelle Rechtschreibung nachvollziehbarer und leichter lernbar zu machen und so die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im gesamten deutschen Sprach­raum zu sichern.“
(Es ist schön, immer wieder mal an das Ziel der Reformer erinnert zu werden, so daß man nicht vergißt, wie sehr sie es verfehlt haben. Die nachträgliche und dann seit Jahrzehnten wiederholte Formel von der Sicherung der Einheitlichkeit ist natürlich auch Unsinn, weil diese Einheitlichkeit ja zu keiner Zeit gefährdet war.)
Frau Krome kann es leider nicht lassen, neben dem üblichen „De mortuis...“ auch noch einen polemischen Schlenker unterzubringen. Heller selbst hatte zu Beginn der Reformdurchsetzung im Hochgefühl der Macht nicht schlecht auszuteilen gewußt, auch gegen ehemalige Kollegen („Wider den orthographischen Konservatismus“). Die fanden es auch nicht richtig, daß Heller entgegen einer Absprache die Reform vermarktete (Bertelsmann). Seine frechen Briefe an unschuldige Bürger sind legendär. Frau Güthert half ihm bei einem Täschungsmanöver, das ich in meinen Büchern dokumentiert habe. In der Festung IdS saß man damals auf einem sehr hohen Roß, psychologisch verständlich, aber nicht sehr klug. Man denke auch an Direktor Stickels Abkanzelung der deutschen Schriftsteller. Wer hat Heller denn „angefeindet“? Ich habe ihn kritisiert und Gründe angegeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2024 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52679

Die Strategie, die betroffene Bevölkerung – darunter Millionen professionell Schreibende, Lehrende, Forschende – stets vor vollendete Tatsachen zu stellen, mag aus der Sicht der Reformer schlau sein, aber sie ist auch eine Hauptursache der zahllosen Revisionen, weil die Reformer eben sehr vieles nicht beachtet oder auch gar nicht gewußt hatten.
Im Sommer werden wir also die Fortsetzung dieser endlosen Geschichte erleben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2024 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52678

Man kann das neue Regelwerk zwar anklicken (https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Amtliches-Regelwerk-2024_Information.pdf), findet aber nur den Hinweis, daß es der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Im Juni soll es nach Billigung der KMK dann veröffentlicht werden.
Ich fände es demokratischer, den Entwurf zu veröffentlichen und die Stimmen der Betroffenen, d. h. des ganzen Sprachvolks einzuholen, worunter ja auch Millionen sind, die mehr davon verstehen als die Kultusminister. Aber dieser naheliegende Gedanke ist den Reformern auch früher nie gekommen, oder vielmehr: Sie hatten schon um 1990 erkannt, daß die Bevölkerung die Reform ablehnt und deshalb gar nicht gefragt werden sollte. Dieser obrigkeitliche Geist ist bis heute geblieben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.01.2024 um 00.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52566

Welche Sprachberatungsstellen sind denn hier gemeint? Die der Dudenredaktion, der Gesellschaft für deutsche Sprache usw.? Dort gehen Tag für Tag unzählige Anfragen ein. Was wird denn da ausgewertet? Wird nur geguckt, was alles so reinkommt an Fragen? Das wäre für die Ratsuchenden uninteressant. Oder werden auch die von den Sprachberatungsstellen gegebenen Antworten daraufhin beurteilt, ob sie nach Ansicht des Rates korrekt sind. Das wäre interessant, aber nur dann, wenn der Rat daraus Konsequenzen zieht und eventuell falsche Auskünfte korrigiert oder aber Zweifelsfälle aus der Praxis bei einer Überarbeitung der Regeln und des Wörterverzeichnisses berücksichtigt. Beides ist nicht erkennbar. Und solange es bei drei Einträgen bleibt, kommt sowieso niemand auf die Idee, auf der Website des Rates nachzusehen.

»Wissens- und bemerkenswert« ist natürlich auch die Erstfassung der Reform von 1996. Die sucht man auf den Seiten des Rates aber nach wie vor vergebens.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2024 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52565

Der „Fragen und Antworten“-Bereich behandelt Wissens- und Bemerkenswertes rund um die Rechtschreibung. Im Zentrum stehen dabei Zweifelsfälle der deutschen Rechtschreibung, die in der täglichen Schreibpraxis auftreten und nicht durch einfaches Nachschlagen im Regelwerk oder in einem der Rechtschreibwörterbücher geklärt werden können.

Die FAQs des Rats werden fortlaufend erweitert. Sie beruhen auf einer Auswertung der bei den Sprachberatungsstellen eingehenden Anfragen. Bisher liegen Beiträge zu folgenden Fragestellungen vor...


Wie lange mögen die drei Fragen und Antworten schon „fortlaufend“ unverändert auf der Seite des Rechtschreibrats stehen? Zehn Jahre? Vorher waren es fünf, zwei sind gestrichen worden. Wie kann man so faul sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2023 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52439

Rechtschreibreformer Klaus Heller hat schon vor der Veröffentlichung jener Reform, die heute vom Rechtschreibrat verschwiegen und nicht auf seiner Website dokumentiert wird, mit deren Vermarktung (1995 bei Klett, dann bei Bertelsmann) Geld verdient, statt am amtlichen Wörterverzeichnis zu arbeiten, wie es seine Aufgabe war. Auch hatten die Verfasser der Reform sich abgesprochen, daß keiner von ihnen mit dem Werk Geld machen sollte (was aber mit wenigen Ausnahmen alle sehr bald versuchten). Diese Dinge werden selten erwähnt, eigentlich nur in meinen frühen Texten (ich weiß es auch nur durch vertrauliche Berichte von ehemaligen Teilnehmern), sind aber einer der Gründe für das Scheitern, das seither durch eine nicht mehr überschaubare Zahl von Revisionen implizit eingestanden wird. Die Grundgedanken der Reform waren nicht nur dumm, sondern wurden auch noch schlampig ins Werk gesetzt. „Mit heißer Nadel gestrickt“, sagten wir vor einem Vierteljahrhundert. Das hat aber fast niemanden gestört, die Schulbehörden, die Verleger usw. – alle trotteten wie die Schafe hinterher. Der Spuk ist noch immer nicht vorbei, er ist nur verblaßt. Später – Herr Schaefer deutet es an – wird man einmal sagen: „Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Heysesche s-Schreibung wiedereingeführt. Das hätte sich kein normaler Mensch einfallen lassen.“
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 20.12.2023 um 02.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52428

Natürlich muß man die Veröffentlichung der Neufassung abwarten, aber aus der Pressemitteilung läßt sich schon ablesen, worauf es hinausläuft, nämlich eine weitere Rücknahme der "Reform". Das Komma beim erweiterten Infinitiv wurde von Herrn Ickler bereits erwähnt und die Streichung der Augstschen Eindeutschungsversuche wenigstens angedeutet.

Ich weiß nicht, ob Herr Augst die Entwicklung noch verfolgt, aber falls er es tut, müßte er sich, wenn er ehrlich ist, sein komplettes Scheitern eingestehen: Seine Trennregeln sind schon 2006 wenigstens entschärft worden, und jetzt entfernt der Rat auch seine erfundenen Neuschreibungen von Fremdwörtern. (Das in der Pressemitteilung erwähnte "photogen" gehört nicht dazu, wohl als Alibi.)


Was bleibt, (jedenfalls vorläufig) von Augst? Wegen des symbolischen Werts die s- und Dreikonsonaten-Regeln bzw. Nichtregeln – trotz ihres Potentials zur Fehlerverursachung – sowie ein paar überflüssige oder unsinnige Regeln bei den Wortzeichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2023 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52424

Der Rechtschreibrat hat am Freitag in Mainz seine Neufassung von Regeln und Wörterverzeichnis beschlossen und will sie nach Billigung durch die KMK veröffentlichen. Der erweiterte Infinitiv wird wieder wie früher durch Komma abgetrennt, und es gibt keinen Tunfisch mit Jogurt mehr. Den Rest müssen wir abwarten. 2024 werden alle Wörterbücher ungültig.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.11.2023 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52160

Wie sich die Rechtschreibleistungen entwickelt haben, kann man schnell erkennen, wenn man sich auf forschung-und-lehre.de darüber informiert, wie »nicht Abonnenten« Zugang zum E-Paper-Archiv bekommen. Ob die »Forschenden« das vor zwanzig Jahren auch so geschrieben hätten? Ganz schön knifflig, man kann die Rechtschreibreform immer nur so schwer rausrechnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2023 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52158

Das Zitat muß ein Scherz sein. So schlechtes Deutsch an der Spitze des IDS? Immerhin gegendert, so daß auch die schlechten Schülerinnen sich nicht nur mitgemeint fühlen müssen.
 
 

Kommentar von Frank Daubner, verfaßt am 13.11.2023 um 10.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#52157

Ratsmitglied Henning Lobin hat in Forschung und Lehre 11/23 einen langen, apologetischen und nichtssagenden Artikel "Die Entwicklung der Orthografie nach der Rechtschreibreform" veröffentlicht. Der schönste Satz: "Die Bewertung der Reform wird allerdings erschwert durch die sich parallel zu ihr vollzogene Verschlechterung der Rechtschreibleistungen der Schülerinnen und Schüler." Nun, dann wohl mehr davon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2023 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51943

Immer wieder muß ich Fachtexte lesen, deren Verfasser sich in schülerhaftem Gehorsam den Einfällen jener – mir leider zu gut bekannten Reformer – unterwerfen und die bewährte moderne Orthographie zugunsten einer rückwärtsgewandten, teilweise sogar grammatisch falschen aufgegeben haben. Gar nicht zu reden von den Zeitungen, die überhaupt nichts mehr dabei finden, diesen Grauschleier von Unbildung und Obrigkeitsdenken über ihre Texte zu legen. Bin ich der einzige, der sich nie daran gewöhnen wird?
Man kann sich nicht in den Dienst dieser verfehlten Sache stellen und auch nur an der Reparatur mitarbeiten, die um so aussichtsloser ist, als erklärtermaßen fachfremde Interessenvertreter daran beteiligt werden. Als ob man solche Leute über die Statik eines Bauwerks oder die Sicherheitstechnik eines Fahrzeugs abstimmen ließe! Hört endlich damit auf!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2023 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51942

Auch die Ankündigung der Neubearbeitung ist in jenem amtlichen Ton verfaßt, der den Rat für deutsche Rechtschreibung eher als politische denn als wissenschaftliche Institution kennzeichnet. Dazu paßt die geplante „Anhörung“ u. a. von Elternvertretern und anderen nichtfachlichen Interessenvertretern, die sachfremde, abstimmungsfähige Gesichtspunkte einzubringen versprechen.
Was üblich ist, läßt sich objektiv feststellen, aber dem Rat und seinen Auftraggebern geht es um Maßnahmen und Eingriffe. Sonst würde es genügen, die praktische Lexikographie weiterarbeiten zu lassen.

Leider hat die Öffentlichkeit es verlernt, sich über dieses befremdliche, um nicht zu sagen groteske Vorgehen zu wundern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2023 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51637

Zu den Punkten, die Herr Riemer nennt, gehört auch die unsinnige Großschreibung pronominaler Elemente, die ja sogar Gallmann vor vielen Jahren schon kritisiert hat: u. Ä. usw. Man schreibt ja nach wie vor nicht u. Dgl. oder und eben Solche. Ob der Rat sich dazu durchringt, diesen Rückfall zu korrigieren? Ich habe wenig Hoffnung.

Solche Überlegungen werfen auch noch einmal die Frage auf, wie ein so zusammengesetztes Gremium überhaupt mit sprachwissenschaftlichen Problemen zurechtkommt. Man könnte ebensogut einen Parteitag damit beauftragen. Auch der würde dem radikal außerwissenschaftlichen, "demokratischen" Mehrheitsprinzip folgen.

All das wissen die Autraggeber natürlich, aber sie können nicht mehr zurück. Das groteske Spiel geht weiter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.07.2023 um 22.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51477

Zu den Genderzeichen schreibt der Rat:
"Die Entwicklung des Gesamtbereichs ist noch nicht abgeschlossen und wird vom Rat für deutsche Rechtschreibung weiter beobachtet werden."

Wie lange und wo haben die Regler der deutschen Rechtschreibung eigentlich die Großschreibung der Adverbien für die Tageszeiten oder andere neue Großschreibungen beobachtet?
Wie lange und wo haben sie die neue ß/ss-Schreibung beobachtet?

Usw., das Beobachten scheint doch eine recht neue Tugend der Rechtschreibregler zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2023 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51461

Früher erschien ab und zu ein neuer Duden, das Ersatzgeschäft ernährte den Verlag, aber niemand schrieb falsch, weil er die vorigen Auflagen weiterbenutzte. Heute ist das anders. Die Diskussion, die durch die Reform 1996 angezettelt wurde, ist ermattet, aber nicht zum Abschluß gekommen. Es geht nicht um unauffällige Nachführung der Wörterliste, sondern immer noch um die Behebung von Mängeln, zum Teil von grundsätzlicher Art, und darum ist die ständige Arbeit an den Regeln buchstäblich eine Staatsaffäre, mit einem zwischenstaatlichen Rat, der zweimal jährlich an verschiedenen schönen Orten Europas tagt. Das muß man sich ab und zu mal klar machen. Wo gibt es Vergleichbares unter zivilisierten Nationen?

(Auch das Aushandeln der deutschen Rechtschreibung durch die Vertreter von Interessengruppen ist im Grunde grotesk, aber darüber ist anderswo genug geschrieben worden.)

Der Rat und die wenigen aus der Gründerzeit verbliebenen Beteiligten erwähnen selten das wichtigste Dokument, die Neuregelung von 1996. Sie möchten in Vergessenheit bringen, was für ein unfaßbar dilettantisches Machwerk das war. Und doch sollte man es kennen, um sich ein Bild von den Urhebern zu machen und um zu verstehen, warum unzählige friedliche Mitbürger sich damals mehr oder weniger kämpferisch zu Wort meldeten. In der Sache sind die Urheber kleinlaut geworden, aber sie haben immer noch die Staatsmacht hinter sich, das ist wie auch anderswo das Problem.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.07.2023 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51460

Wenn man bedenkt, wie sehr das Gendern die Gemüter bewegt und wie weit die Positionen der Befürworter und der Gegner auseinanderliegen, dann ist es völlig unrealistisch, von einem Gremium wie dem Rechtschreibrat eine befriedende Entscheidung zu erwarten. Deshalb wurstelt er sich mit Stellungnahmen durch, die Raum für Interpretationen in beide Richtungen lassen. Eigentlich müßte sich der Rat für unzuständig erklären. Nicht nur, weil das Gendern bloß am Rande mit Orthographie zu tun hat, sondern auch, weil eine solche die ganze Sprachgemeinschaft betreffende Frage nicht von einem bunt zusammengewürfelten Haufen von Interessenvertretern, der zudem nur sehr indirekt demokratisch legitimiert ist, geklärt werden kann. Auch die Gerichte sind dafür nicht der richtige Ort.

Daß man für die Schulen verbindliche und einheitliche Vorgaben wünscht, kann ich noch nachvollziehen, aber für den ganzen Rest sind die Empfehlungen des Rates und die darauf basierenden Beschlüsse der Kultusbehörden ohnehin nicht gültig. Sollte sich der Rat eindeutig gegen Genderzeichen positionieren (was er nicht tun wird), würden Zeitungen, Universitäten, Unternehmen und Sportvereine, die diese Zeichen heute benutzen, nicht davon lassen. Es wäre ihnen, zu Recht, auch egal, was der Rat von Konstruktionen wie »Wir suchen ein*e Stylist*in« hält (https://www.zdf.de/assets/gendern-gender-stern-beratungen-100~1280x720?cb=1689307095075), denn diese »Folgeprobleme« lassen sich nicht befriedigend lösen, da kann der Rat beobachten, bis er schwarz wird. Und wenn, umgekehrt, der Rat das Sonderzeichengendern gutheißt, wird der Widerstand dagegen nicht nachlassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2023 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51459

Anscheinend ist geplant, den Entwurf des Rates wieder einer "Anhörung" durch die üblichen Verdächtigen zu unterziehen, womit man ja schon mal zwiespältige Erfahrungen gemacht hat. Besser wäre eine Veröffentlichung auf der Website, sonst werden wieder die unverbesserlichen Kritikaster kommen und schlimme Fehler nachweisen, wenn es zu spät ist. Aber wenn die nächste Dudenauflage verkauft ist, kann man ja die übernächste vorbereiten. Die Rechtschreibreform als Perpetuum mobile.
Lustig ist immer die Berufung auf die "Beobachtung der Schreibentwicklung".
Nur eins wird man nie lesen: daß die ganze Reform ein Schlag ins Wasser war und ihr Ziel in keiner Hinsicht erreicht hat.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.07.2023 um 20.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51458

Ich meine, selbst wenn man »Gesetze und Verordnungen« als Einheit betrachtet, müßte etwas anderes dabei herauskommen als »Gesetz- und Verordnungsautor«, zum Beispiel »Gesetze-und-Verordnungen-Autor«, was allerdings recht pedantisch wirkt. Mir erscheint »Gesetzes- und Verordnungsautorinnen und -autoren« hier richtiger, mal abgesehen von der Genderei. Stilistisch besser wäre wohl »Autoren (oder meinethalben: Autorinnen und Autoren) von Gesetzen und Verordnungen«. Die Aufzählung erscheint mir auch sonst etwas verunglückt. Schließlich sind auch Wörterbuchredaktionen Redaktionen.

Ich will aber nicht in Beckmesserei verfallen, es läßt sich immer etwas finden, was man sprachlich verbessern könnte, nicht zuletzt in den eigenen Texten. Ich bin gespannt auf das neue Wörterverzeichnis, kann mir aber offen gestanden kaum vorstellen, daß es den Praktikern entscheidend mehr zu bieten haben wird als die bisherige Fassung, geschweige denn als der Duden, wie immer man zu dessen Empfehlungen im einzelnen stehen mag.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.07.2023 um 19.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51457

Ist es zulässig, »Gesetzesautor« und »Verordnungsautor« zu »Gesetz- und Verordnungsautor« zu verkürzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2023 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51456

„Seine Neukonzeption des Wörterverzeichnisses trägt den Zielgruppen des Werks – Wörterbuchredaktionen, Redaktionen und Gesetz- und Verordnungsautorinnen und -autoren – sowie aktuellem Nutzungsverhalten Rechnung.“

Mir scheint die Rede von "Zielgruppen" neu zu sein (anstelle von "Geltungsbereich"). Neu ist auf jeden Fall die Prägung "Verordnungsautorinnen".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2023 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51455

Im Rat sitzen einige bemooste Häupter, das ist beim Ehrenamt in Ordnung, aber wie lange will die Geschäftsführerin als IDS-Angestellte übers Rentenalter hinaus weitermachen? Hat Bertelsmann Nachwuchs vorgesehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2023 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51454

Das stimmt. Wie kann man so einen groben Schnitzer stehen lassen?

Jedenfalls werden 2024 alle Wörterbücher ungültig. Das ist halt der Sprachwandel.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2023 um 00.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51443

Tagesthemen im Ersten am 14.7. zur aktuellen Sitzung des Rechtschreibrates:

"Die umstrittenen Genderzeichen sind auch weiterhin keine regulären Satzzeichen ..."

Als Satzzeichen sind sie ja nie gemeint gewesen und nicht vorgesehen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.07.2023 um 21.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51440

Auf welt.de schrieb Matthias Heine heute morgen:

Laut Lange haben staatliche Stellen den Rat gebeten, sich in der Frage des Genderns zu positionieren. Daraufhin habe die Arbeitsgruppe „Geschlechtergerechte Schreibung“ einen Entwurf zur Ergänzung des amtlichen Regelwerks diskutiert. Über den soll nun am 14. Juli abgestimmt werden. Da der Rat die ganze Breite der öffentlichen Debatte repräsentiere, gehe er davon aus, dass der Vorschlag der Arbeitsgruppe den Rat nicht unverändert verlassen werde, sagte Lange.

Von einem Expertengremium (wenn es denn eines ist) erwarte ich eigentlich nicht, daß es die ganze Breite einer öffentlichen Debatte repräsentiert. Dieser Hinweis ergibt nur dann einen Sinn, wenn der Ratsvorsitzende den Entwurf der Arbeitsgruppe als eine Art Fachgutachten betrachtet, das anschließend vom Plenum unter fachfremden Aspekten beurteilt und gegebenenfalls geändert wird. Die Aussage wirft ein Schlaglicht auf das Ringen des Rates mit seinem Selbstverständnis – oder unfein gesagt: auf seine Ratlosigkeit.

Heine weiter:

Diese Prophezeiung ist nicht allzu gewagt. Denn eine Zulassung des Genderns oder gar seine Aufnahme in die verpflichtende deutsche Rechtschreibung wäre ein brachialer Eingriff in das gewachsene System der deutschen Sprache – mit weitaus gravierenderen Folgen als die Rechtschreibreform sie hatte. Ein Gremium, das geschaffen wurde, um die Trümmer nach dem Desaster der Reform von 1996 aufzuräumen, wird vermutlich nicht geneigt sein, die Verantwortung für einen neuen gesellschaftlichen Konflikt um eine vermeintlich „fortschrittliche“ Sprachoptimierung zu übernehmen.

Der Konflikt ist längst im Gange. Wer sich in seiner Argumentation gegen das Sonderzeichengendern auf den Rechtschreibrat stützt, steht auf dünnem Eis. Heute hat der Rat den Genderfreunden ein Häppchen hingeworfen, um Zeit zu gewinnen. Mit seinem »Ergänzungspassus«, der weder Fisch noch Fleisch ist, hält er sich alle Optionen offen. Je nachdem, wie sich die politische Gemengelage in den nächsten paar Jahren entwickelt, kann er den Passus später als konsequenten Zwischenschritt auf dem Weg zur Absegnung des sprachwidrigen Genderns darstellen oder ihn als historische Momentaufnahme herabstufen.

Hier der Wortlaut der Pressemitteilung des Rates von heute: https://www.rechtschreibrat.com/wp-content/uploads/rfdr_PM_2023-07-14_ARW_Sonderzeichen.pdf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2023 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#51439

In der FAZ berichtet Heike Schmoll von der letzten Sitzung des Rechtschreibrates in Eupen, die angeblich "mit Spannung erwartet" worden war. In Wirklichkeit hat niemand etwas davon gewußt, und niemand interessiert sich dafür. Mit Recht natürlich. Herausgekommen ist genau wie vor einigen Jahren (worauf Frau Schmoll auch hinweist), daß der Rat keine Empfehlung zum Gendersternchen gibt. Na, toll!

Frau Schmoll ruft noch einmal Gründung und Zweck des Rates in Erinnerung. Allerdings schreibt sie auch:
"Das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung und das Amtliche Wörterverzeichnis gelten nach dem Statut des Rechtschreibrats aufgrund entsprechender Beschlüsse der staatlichen Stellen für den Bereich der Schule und der öffentlichen Verwaltung."
Der Geltungsbereich kann nicht im Statut des Rates festgelegt werden. Karlsruhe hat ihn ausdrücklich auf die Schule beschränkt. Die Geltung für die öffentliche Verwaltung ist immer noch strittig.

Daß dieser Rat immer noch zweimal im Jahr tagt, ohne je der Öffentlichkeit mitzuteilen, was er tut (die Website ist seit vielen Jahren praktisch tot), ist ein Skandal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2022 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#49514

Vom Rat für deutsche Rechtschreibung hört man seit Jahren praktisch nichts mehr. Die Website ist tot bis auf die Angabe, wann und wo sich der Rat wieder treffen soll (ob er es getan hat, erfährt man nicht). Auf Anfrage teilt die Geschäftsführung mit, es seien diverse statistische Untersuchungen zum Schreibgebrauch (d. h. zum Grad der Reformdurchsetzung) im Gang, aber es scheint nichts dabei herauszukommen, sonst würde es doch wohl mitgeteilt.
Wenn man bedenkt, wie viele hundert Probleme wir im Laufe der Jahre aufgezeigt haben, Inkonsequenzen, Widersprüche, Unklarheiten, dann fällt die Untätigkeit des personell und finanziell aufgestockten Rates besonders auf.
Wer steckt der Regierung von BW und der KMK die Wahrheit über dieses stinkfaule und völlig sinnlose Gremium, das sich im Herbst wieder mal im schönen Bozen zum Heurigen treffen will?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2022 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#48343

Das einzige, was der Rechtschreibrat auf seiner Website noch mitteilt, sind die Sitzungstermine (die ja wohl die Mitglieder auch persönlich erfahren) und das gelegentliche Ableben eines Mitglieds (zuletzt Schrodt). Welchen Sinn hat ein solcher Internetauftritt?
Es erinnert mich an eine Versicherung, der ich ab und zu mitteilen muß, daß ich noch lebe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2021 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#47216

Vorige Woche wollte der Rat sich treffen. Ob er es getan hat und was dabei besprochen wurde, wird man nicht erfahren. Die Website ist praktisch tot, obwohl die Geschäftsstelle reich ausgestattet ist – anders als zu meiner Zeit, als Kerstin Güthert es allein stemmen mußte. Der Rat ist wohl mit Recht der Meinung, daß seine leere Geschäftigkeit niemanden interessiert.
Übrigens: Was ist eigentlich aus Frau Güthert geworden, seit sie 2019 beim IdS ausgeschieden ist? Vielleicht schreibt sie mal ein Buch über ihre Insiderkenntnisse. Das wäre das einzige, was ich im Zusammenhang mit dem Reformskandal noch lesen würde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2021 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#46290

Auf der Website des Rechtschreibrates prangt jetzt das Motto:

Die Sprache verändere sich ständig, aber die geschriebene Sprache vor allem in Schule, Verwaltung und Rechtspflege müsse eindeutig sein.

Dr. Josef Lange


Darüber könnte man lange nachsinnen, vor allem über das "aber". Und war nicht die Veränderlichkeit der Sprache gerade zur Rechtfertigung der Reform angeführt worden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2021 um 11.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#45845

Seit wann sitzt eigentlich Peter Eisenberg wieder im Rat? Noch immer vertritt Eichinger die „Wissenschaft“, während alle anderen deutschen Mitglieder von Institutionen entsandt sind. Das entspricht nicht dem Statut (2.1).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2021 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#45773

Helmut Berschin hat – leider wieder in "Tichys Einblick" – ein Buch von IDS-Direktor Henning Lobin besprochen, das zweifellos die Kritik verdient. Das IDS ist, wie ich schon oft gesagt habe, seit Jahrzehnten eine SPD-nahe Institution, seine (unwissenschaftliche) "Sprachkritik" richtet sich stets gegen die Unionsparteien, jetzt auch gegen weiter rechts stehende Positionen. Zur Rechtschreibreform (er hat seinerzeit unsere gemeinsame Erklärung unterschrieben) sagt Berschin:

Bei der Darstellung der Rechtschreibreform von 1996 klammert Lobin deren „übergeordnetes politisches Ziel“ aus sowie die Rolle des IDS.
Die – öffentlich weder erwartete noch geforderte – Rechtschreibreform fand in den letzten Jahren der Ära Kohl statt, als das Wort vom „Reformstau“ die Runde machte; sie bot der Politik die Gelegenheit, Reformmacht zu demonstrieren, und zwar mit sofortiger Wirkung: Im Juni 1995 hatte ein „Internationaler Arbeitskreis für Orthographie“ eine „Vorlage für die amtliche Regelung [der deutschen Rechtschreibung]“ vorgelegt. Diese wurde am 14. Dezember 1995 von den Ministerpräsidenten der Länder – nicht „der Kultusministerkonferenz“ (S. 32) – beschlossen und zu Beginn des Schuljahres 1996 eingeführt. Linguistisch begleitet wurde dieses Projekt vom IDS; eine breitere wissenschaftliche Diskussion fand aber erst statt, als die neue Rechtschreibung schon im Schulunterricht verbindlich war.

Die Rechtschreibreform sollte „die Schriftsprache logischer und leichter erlernbar machen“ (Pressemitteilung). Letzteres ist beweisbar nicht eingetreten, konnte es auch nicht, weil die neuen Regeln (die dann bis 2006 teilweise zurückgenommen wurden) die Wortschreibung nicht vereinfachten, sondern nur punktuell veränderten. Unter dem Strich also eine Nullreform, allerdings mit – betriebswirtschaftlich ausgedrückt – enormen „Transaktionskosten“ und einem Vertrauensverlust der Verantwortlichen: Wer die Erfahrung dieser Reform gemacht hat, wird die Kompetenz des Staates und des IDS in politischen Sprachfragen skeptisch beurteilen. Lobin formuliert das so: „Bis in die Gegenwart wirken sich die erbittert geführten Auseinandersetzungen zur Rechtschreibreform von 1996 aus“ (S. 31).


Hoffentlich bleibt die Besprechung nicht in der rechtsradikalen Ecke, sondern wird weiter bekannt. Meine 25 Jahre alte Forderung, das IDS endlich aufzulösen, wird dringender als je. Dort wird hauptsächlich sündhaft teurer Unsinn produziert, die Liste der gescheiterten Projekte ist lang.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2021 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#45543

Was der Rat vorige Woche zum Gendern beschlossen hat, findet man jetzt hier:

https://www.rechtschreibrat.com/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2021 um 12.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#45502

Angeblich trifft sich der Rat heute in Mannheim. Kaum zu glauben, aber erfahren wird man sowieso nichts.
Ob jemand nächste Woche mal dort anruft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2021 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#45302

Gerade hat der Termin der nächsten Ratssitzung gewechselt: nicht mehr im Oktober 2020, sondern im März 2021 will man sich treffen.

Aber warum werden die Termine überhaupt angekündigt, wenn seit Jahren weder über Themen noch Ergebnisse etwas zu erfahren ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2020 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#44769

Ursula Bredel ist neue Vizepräsidentin der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2020).

Bredel ist an der Durchsetzung der Rechtschreibreform beteiligt. Sie hat auch den Sitz der verstorbenen Beatrice Primus im Rechtschreibrat eingenommen. Nachdem Peter Eisenberg die DASD auf Reformkurs gebracht hat, spielt das keine Rolle mehr. Von dieser Seite ist nichts Kritisches mehr zu erwarten.

Vgl.

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1044#20011

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1044#19483

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1044#19489

 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.11.2020 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#44762

Ich glaube, Amazon meint mit »Bewertung« eine Benotung mit Sternen und mit »Rezension« eine solche Bewertung plus Besprechung in Textform. Verwirrend ist, daß man auch zur Abgabe einer reinen Sternebewertung zunächst auf die Schaltfläche »Rezension« klicken muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2020 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#44586

Von der Website des Rechtschreibrates:

Nach Inkraftsetzung des amtlichen Regelwerks im Jahre 1996 wurden in den Jahren 2004 und 2006 Regelungen geändert, um einen Konsens in der Sache zwischen Reformbefürwortern und Kritikern der Reform zu ermöglichen. Sie sind in den entsprechenden Regelwerksausgaben dokumentiert. Im Anschluss daran konnte der im Jahre 2004 eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung in die Phase der Beobachtung der Schreibentwicklung eintreten. Er hat in diesem Zeitraum zweimal Vorschläge zur Anpassung des amtlichen Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache erarbeitet. Diese wurden in den Aktualisierungen der Jahre 2011 und 2017 veröffentlicht.

Welchen orthographisch relevanten Sprachwandel könnte es in diesen wenigen Jahren gegeben haben? Der Rat hat eine Handvoll überflüssige Schreibweisen gestrichen bzw. vergessene hinzugefügt, das war alles und hatte mit Sprachwandel nichts zu tun. Wie kann die Geschäftsführung so etwas hinschreiben?
Übrigens verweist der Rat auf die letzte Buchausgabe bei Narr, Tübingen 2006. - Wozu, wenn sie doch längst überholt ist?

Bei Amazon soll ein Leser sie mit fünf Sternen bewertet haben, aber: „Es sind 0 Kundenrezensionen und 1 Kundenbewertung vorhanden.“ Wie ist denn das zu verstehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2020 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43683

Laut Website hält der Rat für deutsche Rechtschreibung an seiner Absicht fest, sich am 8. Mai in Mannheim zu treffen. Ob das klappt? Corona ist ja noch nicht überstanden, und außerdem liegt der Termin schon fast vier Wochen zurück, das macht die Sache nicht einfacher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2020 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43598

IDS-Direktor Henning Lobin schreibt:

Zur Tätigkeit eines IDS-Direktors gehören qua Amt auch Aufgaben in einigen ganz unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen, durch die man einen ziemlich genauen Einblick in die inneren Mechanismen der jeweiligen Institutionen gewinnt. Dies ist etwa die Mitgliedschaft in Gremien der Leibniz-Gemeinschaft, zu der immerhin 93 gemeinsam von Bund und Ländern finanzierte Forschungsinstitutionen gehören, vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung über das Deutsche Museum in München bis hin eben zum IDS. Auch beim Goethe-Institut und beim Deutschen Akademischen Austauschdienst wird die Mitarbeit in Beiräten erwartet. Ganz besonders interessant ist jedoch die Mitgliedschaft im Rat für deutsche Rechtschreibung. Meine erste Sitzung liegt gerade hinter mir.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist dafür zuständig, die Einheitlichkeit von Orthografie und Zeichensetzung in den sieben Ländern oder Regionen, in denen das Deutsche Amtssprache ist, zu gewährleisten. Dies sind neben Deutschland, Österreich und der Schweiz die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Luxemburg, Liechtenstein und die autonome Region Bozen/Südtirol. Nachdem 1996 in allen diesen Ländern eine große Rechtschreibreform auf den Weg gebracht worden war, die vielleicht etwas zu “wissenschaftlich” angelegt war und deshalb zu heftigen Kontroversen führte, wurde 2004 dauerhaft der Rechtschreibrat ins Leben gerufen, der als Erstes die Reform überarbeitete. Der Rat setzt sich aus 41 Personen zusammen, die beruflich mit Sprache, sprachlicher Bildung oder Sprachvermittlung zu tun haben und nur zu einem geringeren Teil aus der Wissenschaft kommen. Die Empfehlungen des Rechtschreibrats müssen von den staatlichen Stellen der sieben Länder offiziell umgesetzt werden, selbst entscheiden kann der Rat formell nichts.
Der Rechtschreibrat arbeitet empirisch
Der Rat tagt zweimal im Jahr und diskutiert dabei Vorlagen, die von Arbeitsgruppen vorgelegt werden. Empirie ist dabei das Prinzip: Eine wissenschaftliche Beobachtung des realen Schreibgebrauchs bildet die Grundlage für die konkreten Empfehlungen, die zu Fragen von Orthografie und Interpunktion verabschiedet werden. Der Schreibgebrauch wird durch korpuslinguistische Analysen ermittelt, die am IDS durchgeführt werden. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum die Geschäftsstelle des Rats mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am IDS angesiedelt ist. Einfach etwas zu empfehlen, weil man es sich vielleicht so wünscht, funktioniert mit dem Rechtschreibrat also nicht.
Worum es im Rechtschreibrat eigentlich geht, konnte ich gleich bei meiner ersten Sitzung am 16. November erleben. Dort wurde nämlich über den Gender-Stern und die Frage debattiert, ob dieser in das Regelsystem der deutschen Rechtschreibung aufgenommen werden soll. Die Frage war aufgekommen, nachdem sowohl das deutsche als auch das österreichische Verfassungsgericht die Möglichkeit der Kennzeichnung von Intersexualität im Geburtenregister eingefordert hatten. In Deutschland wurde daraufhin ein Gesetz verabschiedet, durch das neben den Bezeichnungen “männlich” und “weiblich” auch “divers” vorgesehen ist. Dies wiederum führte zu Anfragen von Verwaltungseinrichtungen, wie denn zukünftig diese geschlechtliche Vielfalt sprachlich zum Ausdruck gebracht werden soll und ob dafür insbesondere der Gender-Stern vorgesehen werden könnte.
Um das überhaupt entscheiden zu können, waren im Vorfeld der Ratssitzung Textkorpora daraufhin untersucht worden, wie oft und mit welcher zeitlichen Entwicklung sich dort Gender-Stern (“Wähler*in”), Gender-Gap (“Wähler_in”) und andere Formen (etwa “Wähler/-in” oder “Wähler/in”) finden lassen. Das zu untersuchen ist allerdings nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die verfügbaren Korpora enthalten überwiegend journalistische Texte, und in diesen werden geschlechtergerechte Schreibweisen kaum verwendet. Verwaltungstexte, Social-Media-Texte oder wirklich individuelle Texte wie berufliche Emails sind dagegen nur sehr schwer in ausreichender Menge erhältlich und in Korpora zu erfassen. Zudem dürfte sich die Entwicklung aufgrund der Gerichtsentscheidungen erst in letzter Zeit beschleunigt haben.
Der Trend ist da – allerdings nicht überall
Trotzdem lässt sich ein Anstieg gerade des Gender-Sterns, wenn auch auf recht geringem Niveau, tatsächlich verzeichnen. In Korpora des österreichischen Deutsch hingegen ist dieser Trend bislang kaum zu erkennen, was deutlich macht, dass sich die Entwicklung in den verschiedenen deutschsprachigen Regionen (und das kann man wohl auch für Regionen innerhalb Deutschlands sagen) unterschiedlich darstellt. Der Rat hat deshalb nach intensiver Diskussion befunden, dass das Anliegen der sprachlichen Kennzeichnung geschlechtlicher Diversität als solches wichtig und ein potentielles Gebiet orthografischer Neuerungen darstellt. Die Entwicklungen sind allerdings noch zu sehr im Fluss, als dass man sie durch eine offizielle Empfehlung bereits jetzt fixieren möchte. Diese Stellungnahme wurde – und das ist keine Selbstverständlichkeit – einstimmig getroffen.
Die Medien hatten im Vorfeld der Sitzung großes Interesse gezeigt, stand für diese doch die  Einführung des Gender-Sterns in die offiziellen Rechtschreibregeln unmittelbar bevor. Die Sensation blieb aus, zumal es für den Rat selbst allenfalls um eine Tolerierung gegangen wäre. Weil aber die Datenlage zur tatsächlichen Verwendung des Gender-Sterns auch dies noch nicht hergeben und sich überdies die Verwendung noch so unterschiedlich verteilt im deutschsprachigen Raum, wollte der Rat die Entwicklung erst noch weiter beobachten und nicht etwa durch eine verfrühte Regelung beeinflussen. Eine weitere Beobachtung der Entwicklung findet statt und kann dazu führen, dass das Thema in einigen Jahren erneut vom Rechtschreibrat aufgegriffen wird. Dies ist in meinen Augen eine vernünftige Lösung, der ich auch zugestimmt habe.


(https://scilogs.spektrum.de/engelbart-galaxis/lieber-leserin-die-sensation-blieb-aus/)

Der Text ist wegen den nebenbei gelieferten Informationen interessanter als wegen der Gender-Thematik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2020 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43525

Die Geschäftsführerin spricht mit lobenswerter Klarheit aus, daß "das gesamte Regelwerk auf der Identifizierung von Wortarten als Basis für Schreibentscheidungen beruht".

Das ist gerade das Rückständige an der Neuregelung. Ich versuche seit 24 Jahren mit Engelszungen zu vermitteln, daß die deutsche Rechtschreibung sich über diesen buchstäblich schulmeisterhaften Standpunkt des 19. Jahrhunderts hinausentwickelt hat – zu einer leserfreundlichen textsemantischen Überformung des wortartbestimmten Grundgerüsts. Leider ist niemand aus dem Kreis der Reformer darauf eingegangen, auch nicht im Sinne einer Kritik. Man hat es einfach nicht zur Kenntnis genommen, obwohl die Richtigkeit meiner Beobachtung auf der Hand liegt. So ist es bei der exzessiven und immer noch weitergetriebenen Großschreibung geblieben: im Allgemeinen und unter Gallmanns Einfluß sogar bei Weitem usw. – das sieht aus wie 1850 geschrieben... Erst jüngst hinzugekommen ist die aberwitzige Zusammenschreibung nach Eisenberg, eine alte Dudenmarotte auf die Spitze getrieben. Vor Tische las man’s anders...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2020 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43524

Es geht immer um die Revision der mißratenen Neuregelung, unter welcher sprachlichen Verhüllung auch immer („Präzisierungen“, „Anpassungen“, „Arrondierungen“, „Glätten evidenter Unebenheiten“). Aber gerade dazu ist meiner Einschätzung nach der gegenwärtige Rat nicht imstande, auch nicht die Arbeitsgruppen – man sehe sich z. B. die vierzehnköpfige AG Schule an! Im Rat sitzen ja hauptsächlich Interessenvertreter, keine linguistisch gebildeten Reformer mehr. Das ist seit dem Beirat so und hat die Verhältnisse grundlegend geändert.
Die KMK könnte einen energischen Strich ziehen und eine neue Linguistengruppe mit einer Rechtschreibreform beauftragen, wobei es am besten wäre, den jetzigen Flickenteppich, den kaum noch jemand überblickt und niemand systematisch konsistent formulieren kann, einfach zu übergehen. Aber dazu wird es ganz bestimmt nicht kommen. Die Politiker wollen es nicht noch einmal versuchen, und es gibt auch keine Gruppe von Sprachkundigen, die sich auf einen Entwurf einigen könnte. „Wann hätte je eine amtliche, halb- oder dreiviertelamtliche orthographische Konferenz etwas Vernünftiges zuwege gebracht!“ (Friedrich Roemheld: Die Schrift ist nicht zum Schreiben da. Eschwege 1969, S. 23).

(Eine saubere Lösung wäre es, meinen Entwurf zu übernehmen und noch ein bißchen auszubauen...)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.04.2020 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43523

Eine »Neustrukturierung« des Wörterverzeichnisses? Also vielleicht nicht mehr alphabetisch, sondern nach Buchstabenzahl geordnet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43516

Frau Krome kennt die Reform besser als jedes andere Ratsmitglied. Seit sie nicht mehr für Bertelsmann arbeitet, kann sie offener zugeben, was sie weiß: daß die Reform inhaltlich mißlungen ist und auch ihr Ziel, die Erleichterung des Schreibens, nicht erreicht hat. Das Riesenprojekt der AG Korpus wird sie wohl nicht weiter verfolgen, schon weil ja gleichzeitig ein neues Regelwerk samt Wörterverzeichnis erarbeitet werden soll („Umstrukturierung“, „Anpassung“...). Wer wird da noch beobachten wollen, wie gut ein längst als verfehlt erkanntes Regelwerk befolgt wird?

Im Rat gibt es keine Reformer mehr, die mit dem Fanatismus, Ehrgeiz, Durchhaltewillen der Erzreformer ans Werk gehen würden, und es wird sie auch nie wieder geben. Der Schwung ist längst vergangen, man trifft sich lustlos und bastelt ein wenig herum. Auflösen kann man den Rat aber auch nicht, ohne die staatliche Aufsicht über die Sprache aufzugeben. So wird sich das Elend ewig hinschleppen, und nur die Gleichgültigkeit der Menge schützt es noch vor einem reinigenden Gewitter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43515

Nimmt man hinzu, was Heller seinerzeit mitteilte (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43198), sowie die Tatsache, daß die Reformer zugleich mit der Reform einen Band herausbrachten, der auch schon ihre Kritik an der Reform enthielt, so kann man sagen, daß die Reformer schon ebenso lange an der Reform der Reform arbeiten, wie es die Reform überhaupt gibt. Und immer waren ihnen die Hände gebunden, damals durch den Widerstand der Minister (also der Schulbuchverlage), heute durch den Personalmangel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43514

Der Rat selbst ist ja nicht arbeitsfähig, sondern kann nur über Vorlagen abstimmen. Was Frau Krome mitteilt, läuft aber anscheinend auf eine völlige Umarbeitung des gesamten Textes hinaus, also nicht weniger als eine ganze Rechtschreibreform, die ebenso viel Arbeit machen würde wie die ursprüngliche. Es ist aber nicht anzunehmen, daß ähnliche Ressourcen wie damals noch einmal zur Verfügung stehen werden. Die staatlichen Stellen haben ja oft genug abgewinkt: Einmal und nicht wieder! – Es wird also wohl beim jetzigen Flickenteppich bleiben (höchstens noch ein paar Flicken mehr), zumal die Kultusbehörden keinen Handlungsbedarf sehen, denn es läuft doch alles einigermaßen rund. Die Verschlechterung der Orthographie stört nur wenige, man hat auch andere Sorgen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2020 um 04.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43513

Wie der Rat am 27.4.20 mitteilt, arbeitet er an einer Neustrukturierung des Wörterverzeichnisses und wird dabei auch "Anpassungen" des Regelwerks vornehmen. Dabei wird es vermutlich auch um die Rücknahme des "5-Fachen" usw. gehen. Es wird also eine weitere Reform geben.

Allerdings verzögere sich die Arbeit wegen der dünnen Personaldecke. Vielleicht wird aufgestockt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2020 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43413

Was kann man heute feststellen? Zuerst einmal, dass klar formulierte Neuregelungen in der Schreibung nach vier Jahren in vielen Fällen von über 90 Prozent der Schreiber angenommen worden sind. Die drei riesigen Korpora von Duden, Wahrig und vom IDS lassen deutlich diese breite Akzeptanz erkennen. So setzt sich z.B. „Foto“ gegen „Photo“ durch. Bei forcierter Integration („Majonäse”) stellt man allerdings eine starke Ablehnung der Schreibgemeinschaft fest. In vielen Fällen entscheiden sich die Schreiber noch nicht klar, wie zum Beispiel zwischen der neuen – richtigen – Form „leidtun“ und der alten Form „Leid tun“. (Ratsmitglied Heinz Bouillon, https://www.belgieninfo.net/steckt-die-rechtschreibung-in-der-majonaese/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#43318

Die Maisitzung des Rates ist zwar auf der Website noch angekündigt, wird aber bestimmt ausfallen. Das wäre eine gute Gelegenheit, den Rat aufzulösen.

Das Gruppenfoto auf der Websiite ist zwar unvollständig, aber auch so schon kann man es kaum fassen, daß diese drei dutzend Erwachsenen jahrelang über dem wachsenden Trümmerhaufen Rechtschreibreform brüten. Ich würde mich schämen, noch dazuzugehören.

Man sucht sich Nischen, wo der Schein der Geschäftigkeit nicht so leicht durchschaut werden kann. Allein die AG Schule umfaßt 14 Mitglieder! Was soll denn dabei herauskommen? Vielleicht wieder einmal die Mahnung, den Rechtschreibunterricht zu intensivieren.

Wo bleibt etwa ein bekanntes Hamburger Nachrichtenmagazin, das den Skandal aufdeckt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2020 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42905

Ja, das war allerdings früher, als Ratsmitglied in absentia war er schon alt und krank. Ich glaube allerdings nicht, daß wir auf der Website des Rates mit einer illustrierten Ehrung rechnen dürfen oder müssen.
Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=735#6865

 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.02.2020 um 00.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42903

Zilk war nie da, weil die Bezahlung zu mager war. Wenn die StB ihn rief, kam er ja immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2020 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42902

Noch ein Wort zur Sepulchralkultur des Rechtschreibrates: Wie das Beispiel jedesmal/beidesmal (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=905#42901) zeigt, gäbe es unzählige inhaltliche Fragen, die seit 24 Jahren auf eine Antwort warten. Statt sich damit zu beschäftigen, überläßt der Rat es den IT-Fachleuten des IdS, die Oberfläche des Netzauftritts weiter zu polieren. Die kitschige Ausschmückung von Nachrufen auf verstorbene Ratsmitglieder (über deren inhaltlichen Beitrag man nichts erfährt) mit kostenlosen Stock-Fotos ist ein Anfang – wohin wird er führen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2020 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42888

Übrigens sind auch Zilk, Scholze-Stubenrecht und Siegel verstorbene Ratsmitglieder und sollten geehrt werden. Kostenlose Fotos wie das besinnliche Kreuz für Frau Primus (von Jonathan Borba) sind hier herunterzuladen: https://www.pexels.com/de-de/

Zilk war zwar nie da, aber Frau Siegel würde der glänzende Netz-Auftritt bestimmt gefallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2020 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42883

Die Website des Rates wird immer poppiger, was über die Wurmstichigkeit des Inhalts hinwegtäuschen kann und wohl auch soll. Sogar der Nachruf auf Frau Primus wird nicht verschont:

https://www.rechtschreibrat.com/nachruf-prof-dr-beatrice-primus/

Unter der oft versprochenen Überarbeitung hatte ich mir was anderes vorgestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2020 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42873

Anscheinend steht mein ganzer Kommentar zum ersten Bericht nicht auf diesen Seiten; man findet ihn typographisch ansprechend aufbereitet u. a. hier:

https://www.sprache-werner.info/Ickler-Kommentar-zum-RAT.5156.html

Ich habe den Text nach langer Zeit mal wieder gelesen und kann nur den Kopf schütteln über die Verkrampfungen der Reformer und ihrer Auftraggeber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2020 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42871

Aus meinem Kommentar zum ersten Bericht des Rates (2006):

Der Bericht enthält eine Synopse zur Getrennt- und Zusammenschreibung nach Duden 1991, Regelwerk 2004 und „Empfehlungen“ 2006. Leider fehlt das Regelwerk 1996, an dem man die Verfehltheit der Reform am deutlichsten sehen könnte. Dem „alten“ Duden wird in dieser Tabelle immer wieder seine Unzulänglichkeit vorgeworfen. Typisch ist folgende Feststellung: „Es gibt keine Regel, aus der die herkömmliche Zusammenschreibung von Partikel + Verb (wie z. B. abändern, anbeten und aufarbeiten) hervorgeht.“ Wozu sollte es eine derartige Regel geben? Im Kernbereich verstand sich die Zusammenschreibung von selbst, und die Randbereiche lassen sich nicht allgemein regeln. Eisenberg schrieb einmal mit Recht: „Bei der typischen Verbpartikel ist die Getrennt- und Zusammenschreibung eindeutig geregelt, Schreibprobleme treten nicht auf.“ (Entwurf für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vom 7.5.2004)
-
Soweit damals. Der Fall zeigt die Verkennung der "Regeln" im alten Duden. Sie hatten einen rein praktischen Zweck und nicht den Anspruch, die vollständige Theorie zu den vorfindlichen Schreibweisen zu sein. Tatsächlich hat niemand die angemahnte Regel vermißt.

Jenen Anspruch konnten die Reformer so wenig erfüllen wie die Orthographen von 1901, die daher auch klugerweise möglichst die Finger von der GZS gelassen haben. Die groben Mängel der Neuregelung und die Verschlimmbesserungen durch Eisenberg haben den ganzen Bereich völlig entgleisen lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2020 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42841

Danke für die Ergänzung! Sie haben ja das Thema erst kürzlich behandelt (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=905#42276)

Vgl. Die widersprüchliche Bindestrichsetzung vor dem Suffix -fach (das 8-Fache usw.), eine Neuerung von 2004 mit falschem Verweis auf § 40 (3), bleibt erhalten. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=439)

Während 1996 der Suffixcharakter noch als selbstverständlich galt und Regelteil und Wörterverzeichnis darin übereinstimmten, ist heute die fakultative Schreibung mit Bindestrich nur aus dem Eintrag achtfach im Wörterverzeichnis zu entnehmen; das Regelwerk unterdrückt diese so häufige Verbindung von Ziffer und Suffix. Die dort angeführten Fälle mit -jährig usw. könnte man zur Not noch als Zusammensetzungen oder Zusammenbildungen erklären, aber warum -fach (seit 2004) dazugehören soll, ist nirgendwo begründet. Was die Geschäftsführung unter „Fragen und Antworten“ spekuliert, hängt in der Luft. – Vor tausend Jahren konnte man noch zwischen drîvalt und drîvach wechseln (= triplex), Bahuvrihibildungen. Aber heute geht das nicht mehr. Zusammenbildungen mit -ig sind der übliche Ersatz.
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 29.01.2020 um 13.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42838

Im Wörterverzeichnis finden sich aber seit 2004 8fach und 8-fach. 1996 war das besser, da war 8fach verzeichnet, aber nicht 8-fach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2020 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42834

Im amtlichen Wörterverzeichnis steht immer noch das erratische dagewesen, nunmehr unter Berufung auf den revidierten § 36, wonach Verbindungen mit Verben zwar getrennt, mit Partizipien jedoch fakultativ auch zusammengeschrieben werden können. Dem steht aber unverändert das Verbot von § 35 entgegen, mit Formen von sein zusammenzuschreiben. Wenn dieses Verbot, das den Reformern einen besonderen Paragraphen wert war, Ausnahmen zuläßt, hätte es hier eine Anmerkung geben müssen. Im Wörterverzeichnis stößt man nur zufällig darauf, und die Wahrscheinlichkeit ist um so geringer, als andere Verbzuätze keine solche Ausnahmestellung genießen. beisammen und zurück waren früher mal angeführt, jetzt nicht mehr. Man müßte also eine nicht ausgesprochene Hierarchie der Regeln annehmen (§ 36 bricht § 35), wenn man überhaupt mit einer gewissen Durchdachtheit rechnen dürfte.
Regelwerk und Wörterverzeichnis sind ständig umformatiert und auch heimlich verändert worden, aber dieser eklatante Widerspruch ist nicht beseitigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2020 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42832

Unter den „Fragen und Antworten“ auf der Website des Rates heißt es zum Bindestrich:

„Schwierigkeiten bei der Schreibung treten an den Rändern auf. Sie sind darauf zurückzuführen, dass einzelne sprachliche Einheiten nicht sicher einzuordnen sind.
Zum einen betrifft dies die Abgrenzung zwischen a. und b., die im Falle von fach in Verbindung mit Ziffern (z.B. 5?fach) nicht eindeutig zu ziehen ist: fach gehört etymologisch zu Fach und ist demnach Teil einer Zusammensetzung. Allerdings wird es wie eine Nachsilbe verwendet. Da folglich beide Sichtweisen gute Argumente für sich haben, sind nach amtlichem Regelwerk beide Schreibungen zugelassen: 5-fach/5fach usw.“

Güthert übersieht, daß der Eintrag von 1996 (§ 41) aus der Neufassung des Regelwerks von 2018 gestrichen ist. Natürlich ist auch die etymologische Argumentation abwegig, da sich heute beim besten Willen kein Zusammenhang mehr konstruieren läßt. Das Substantiv Fach und die „Nachsilbe“ (gemeint ist Suffix) -fach sind als homonym zu betrachten. (Auch andere Suffixe wie -lich oder -tel gehen auf Substantive zurück.) 5-fach ist also nicht mehr zulässig. Das hat der Rat anscheinend eingesehen, die Wörterbücher und Hausorthographien noch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2020 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42823

Krome will die aufwendige und erklärtermaßen kostspielige Sprachtechnologie auch einsetzen, um die statistische Verteilung vom manschen/mantschen, räkeln/rekeln zu ermitteln (beide haben mit der Rechtschreibreforrm nichts zu tun). Wohin soll das führen? Offensichtlich zu jener Haarspalterei, die man dem alten Duden mit viel weniger Recht vorgeworfen hatte.
Krome hält auch im selben Anhang selbständig und selbstständig wieder für Schreibvarianten, wie alle Reformer, die anscheinend nicht einmal hören, daß sie verschieden gesprochen werden und schon deshalb nicht dasselbe Wort sein können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2020 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42822

Ein hübscher Nebeneffekt dieses Berichts: Wir haben es nun schriftlich, daß in den zehn Jahren nach Einführung der Neuregelung nicht weniger als fünf Phasen zu unterscheiden sind, wenn man statistisch belastbare Ergebnisse bekommen will. (Die Vorreform-Orthographie ist mitzuzählen, wie auch die Diagramme ausweisen.) Daraus ergibt sich, wie schon lange vermutet, eine durchschnittliche Halbwertszeit von zwei Jahren für die deutsche Rechtschreibung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2020 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42821

Hier ist nun der vollständige erste Teil von Kromes Bericht:


Bericht der AG Korpus (Vorlage zu TOP 5a) der Sitzung vom 25. April 2008)

Die AG Korpus hat, wie vom Rat vorgesehen, auf der Basis der auf der letzten Situng besprochenen Vorlage zur Untersuchung des Schreibgebrauchs der professionellen Schreiber weitergearbeitet. Sie hat sich aus diesem Anlass am 11.3.2008 in Mannheim zu einem Gespräch getroffen, zu dem auch Peter Eisenberg partiell zugegen war. Mit dem vorliegenden Papier fasst sie die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit zusammen und möchte darauf aufbauend Vorschläge zum weiteren Vorgehen machen.
Ein erster Schritt dieser Arbeit war, Beispiele für Fragestellungen, die auf der Grundlage der bestehenden Korpora bearbeitet werden können, zu entwickeln. Dabei kristallisierten sich, wie aufgezeigt, drei mögliche Typen von Fragestellungen heraus, die sich folgendermaßen umreißen lassen:

1) Die Akzeptanz der reformierten Schreibungen
2) Die Ausbildung von Präferenzen bei im Regelwerk vorgesehenen Variantenschreibungen
3) Abweichungen von der Normschreibung

Zu diesen Fragestellungen wurden nun in einem zweiten Schritt Testläufe durchgeführt, um ihre Eignung für die bevorstehende Aufgabe der Schreibgebrauchsbeobachtung zu prüfen. Die Testläufe wurden von Wahrig, IDS und Duden vorgenommen und betreffen folgende lexikalische Einheiten:
Mopp, Stepp, Stopp, Tipp (zu Fragestellung 1)
Recht/recht haben (zu Fragestellung 2)
*instandsetzen, *zugrundelegen, *zurandekommen, *zustandebringen (zu Fragestellung 3)

Bei den Testläufen wurde folgende Herangehensweise gewählt:

Die einzelnen Fragestellungen wurden von je einer Institution untersucht, perspektivisch ist vorzusehen, dass alle Beteiligten zwecks Abgleich der Ergebnisse dieselben Fragestellungen bearbeiten.

Die Materialgrundlage der Probeuntersuchung bildeten grundsätzlich die in den einzelnen Korpora enthaltenen Zeitungstexte. Zeitungen erscheinen aufgrund ihrer Anlage in verschiedenen Ressorts (u .a. Politik, Feuilleton) als hinreichend repräsentativ für alle Bereiche professionellen Schreibens. Zudem geben Zeitungen, da sie prinzipiell, aber nicht notwendigerweise der amtlichen Regelung in ihrer jeweils geltenden Fassung folgen, ein homogenes Textkorpus ab.

Hinsichtlich der Untersuchungszeiträume konnte die AG prinzipiell auf Erfahrungen der Wahrig-Redaktion zurückgreifen, die jene bei Voruntersuchungen gewonnen hatte. Diesen zufolge ließen sich relevante, im Vergleich zu einer jahrgangsweiten Anführung messbarere Veränderungen in der prozentualen Zahl der Belege bei folgender Phaseneinteilung erwarten.

Phase 1: Vorreform-Schreibusus (d.h. Jahrgänge bis 1995 einschließlich)
Phase 2: 1996-1999
Phase 3: 2000-2003 (Effekte durch die Rückkehr der FAZ zur alten Rechtschreibung)
Phase 4: 2004-2005 (Effekte durch den 4. Bericht der Zwischenstaatlichen Komission)
Phase 5: ab 2006

Da die Korpora nicht für jeden Zeitraum eine genau gleich große Anzahl von Belegen aufweisen, erfolgte eine prozentuale Umrechnung.

Die Ergebniss der Testläufe sind in Anhang 1 detailliert dargestellt. Verallgemeinert lassen sie folgende Schlüsse zu:

Der personelle Aufwand ist im Schnitt auf jeden Fall relativ hoch. Er hängt davon ab, ob ein händisches (oder halbautomatisches) Aussortieren von Belegen erforderlich ist, wie exemplarisch folgende, bei den Testläufen gemachten Beobachtungen verdeutlichen mögen:

zu Stopp: Auftreten von Interferenzen mit dem Englischen (Stop-and-go-Verkehr) sowie Sonderfall Verkehrssprache (Stop-Schild)
zu Recht/recht haben: Ausschluss von am Satzanfang („Recht hat er!“), in der Verbindung „ein/das Recht haben, etwas zu tun“ sowie bei rein adverbialem Gebrauch („Er hat die recht seltsame Angewohnheit...“)

Der Aufwand variiert folglich je nach Untersuchungsgegenstand und ist im Gesamt gesehen am geringsten bei Fällen, die dem Bereich der Laut-Buchstaben-Zuordnungen zuzurechnen sind, und am höchsten bei Fällen, die kontextabhängig sind.

Belastbare Ergebnisse werden nur bei Wörtern mit hoher Frequenz erzielt. Wörter mit niedriger Frequenz bilden die Trends nur sehr verzerrt ab und können die Ergebniss massiv verfälschen (vgl. die Einzelergebniss zu Tipp und Mopp.

Die AG schlägt bei den gegebenen Möglichkeiten daher vor, die Untersuchung auf prototypische Fälle zu konzentrieren und zu beschränken, da schon die ersten Untersuchungen aussagekräftige Ergebnisse zeigen. Diese Fälle könnten auf einer gemeinsamen Sitzung mit den im Rat vertretenen Linguisten festgelegt werden.

Zu einer möglichen, von der Wahrig-Redaktion zu der AG-Sitzung vorgelegten mittel- und langfristigen Planung der Arbeit siehe Anhang 2.

-

Soweit der Text. Die Diagramme des Anhangs kann ich hier nicht wiedergeben, sondern beschränke mich auf eine Beschreibung: Ein Diagramm zeigt die relative Häufigkeit von Getrennt- und Zusammenschreibung bei schwerfallen und leichtfallen in Abhängigkeit von den wechselnden Bestimmungen der Reform. Nach 1998 wurde fast nur noch getrennt geschrieben, nach 2005 (Wiederzulassung der Zusammenschreibung) stieg die Häufigkeit der Zusammenschreibung steil an, bis sie 2010 fast wieder das Niveau vor der Reform erreicht hatte. Bei leichtfallen ist die Tendenz nicht so ausgeprägt, was aber meiner Ansicht nach nicht auf den Idiomatisierungsgrad zurückgeht (wie Krome meint), sondern mit der nicht erfaßten sehr ungleichen absoluten Häufigkeit (schwerfallen ist in jeder Schreibweise viel häufiger). Wie dem auch sei – was erfaßt die statistische Erhebung eigentlich? Sie mißt keinen Sprachwandel, wenn man darunter eine Veränderung der Gewohnheiten versteht, sondern die Bereitschaft und Fähigkeit von Menschen und Institutionen, einer von außen gesetzten Norm zu folgen, insbesondere die entsprechend eingestellten Korrekturprogramme über die Texte laufen zu lassen usw. Nur darum kommt es zu dem scharf abgegrenzten Auf und Ab der Grafik – Sprachbräuche ändern sich nicht so schnell und nicht als Funktion externer Faktoren. Die Verfasser der journalistischen Texte haben ja ganz überwiegend nicht aus ihrer Sprachkompetenz heraus so oder so geschrieben, sondern die Anweisung der Herausgeber und Verleger oder die Vorgaben der Nachrichtenagenturen hingenommen, ebenso wie andere Teile der Bevölkerung, insbesondere die weisungsgebundenen Lehrer die Reform und ihre Revisionen hingenommen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2020 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42819

Was es mit Eisenbergs partieller Teilnahme auf sich hat, geht aus einer Mail hervor, die er mir wegen einer anderen Sache geschickt hat:

„Vor einiger Zeit habe ich als Zuhörer an einem kleinen Kolloquium in Mannheim teilgenommen, in dem es um weitere Automatisierungen beim Erheben des Schreibgebrauchs ging. Alle hatten sich höchst optimistisch darauf fixiert, dass man künftig wieder zu größeren Änderungen in der Lage sein werde.“

Er erwarte besonders unter dem neuen Vorsitzenden die fortschreitende Rückkehr zur nichtreformierten Orthographie, die eben die bessere gewesen sei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2020 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42816

Die Materialgrundlage der Probeuntersuchung bildeten grundsätzlich die in den einzelnen Korpora enthaltenen Zeitungstexte. Zeitungen erscheinen aufgrund ihrer Anlage in verschiedenen Ressorts (u .a. Politik, Feuilleton) als hinreichend repräsentativ für alle Bereiche professionellen Schreibens. Zudem geben Zeitungen, da sie prinzipiell, aber nicht notwendigerweise der amtlichen Regelung in ihrer jeweils geltenden Fassung folgen, ein homogenes Textkorpus ab. (Bericht der AG Korpus zum zweiten Bericht 2010)

Zeitungen sind alles andere als ein homogenes Textkorpus. Daß sie durchgehend die Reformschreibung anwenden, macht sie nicht homogen in irgendeinem vernünftigen Sinn des Wortes. Zeitungen sind zwar die wichtigste schriftliche Textsorte für die Entwicklung des allgemeinen Sprachbewußtseins (weshalb sie auch die Primärquelle meines Rechtschreibwörterbuchs waren), aber repräsentativ für professionelles Schreiben sind sie nicht, weil sie nicht die Fachsprachen im engeren Sinn enthalten. Das sind denn doch Textwelten ganz besonderer Art und durch und durch „professionell“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2020 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42814

In den Anlagen der AG Korpus zum zweiten Bericht des Rechtschreibrates (hier leider aus technischen Gründen nicht ohne weiteres wiederzugeben) heißt es:

Die AG Korpus hat, wie vom Rat vorgesehen, auf der Basis der auf der letzten Situng besprochenen Vorlage zur Untersuchung des Schreibgebrauchs der professionellen Schreiber weitergearbeitet. Sie hat sich aus diesem Anlass am 11.3.2008 in Mannheim zu einem Gespräch getroffen, zu dem auch Peter Eisenberg partiell zugegen war.

Daß Eisenberg nicht mit ganzem Herzen daran teilnahm, ist verständlich, aber seine partielle Zugegenheit stellt die Phantasie doch auf eine harte Probe.

Übrigens gibt es keinen „Schreibgebrauch der professionellen Schreiber“ mehr, nur noch den Willen und die Fähigkeit bzw. Unfähigkeit, sich der verordneten Reformschreibung zu unterwerfen, sei es auch nur durch Waltenlassen der Korrekturprogramme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2020 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42739

Viele Probleme mit der Rechtschreibreform gehen letzten Endes auf einen Grundirrtum der Reformer zurück: ihre Besessenheit mit „Regeln“. Gerade in der neueren Linguistik ist das Interesse an Grammatik und Regeln übermächtig (Chomsky).
Orthographie ist zunächst die Gesamtheit der vorfindlichen Schreibweisen, wie sie auch in Wörterbüchern dokumentiert sind. Die sogenannten Regeln sind gewissermaßen die Theorie dazu: Sie versuchen das Material zu sortieren und zu erklären. Die Wortschreibungen sind aber nicht von solchen Regeln „abgeleitet“. Die Reform ist jedoch so angelegt, als wären sie es oder als sollten sie es sein: Die Schüler brauchen nach dieser Auffassung nur noch die Regeln zu lernen und könnten sich dann die Schreibweisen daraus herleiten.
Darum beschäftigten sich weder der Arbeitskreis noch die Zwischenstaatliche Kommission noch der Rat mit dem Wörterverzeichnis, sondern ausschließlich mit dem Regelteil, der linguistisch auch viel interessanter zu sein schien. Das scheinbar nebensächliche Wörterverzeichnis überließen sie zunächst ihrem sonst wenig profilierten Mitstreiter und späteren Geschäftsführer Klaus Heller, später dann der Geschäftsführerin Kerstin Güthert. Hellers Liste ist bis heute die Grundlage geblieben.
Erst aus dem zweiten Bericht des Rates 2010 erfährt man nebenbei, daß das Wörterverzeichnis auf ein Morpheminventar zurückgeht, das Gerhard Augst 1975 für einen anderen Zweck zusammengestellt hatte. Ob es für den neuen Zweck taugt, wurde nicht gefragt, s. o.
Heller hat die Bearbeitung 1996 offenbar mit der linken Hand ausgeführt, während die rechte schon mit der privaten Vermarktung der Reform beschäftigt war. Die Eigenmächtigkeiten und Unzulänglichkeiten der Wortliste fielen zuerst nur wenigen auf, traten dann aber um so mehr ans Licht, als die eigentlichen Wörterbuchmacher, die Journalisten, Schulbuchverfasser und Kinderbuchlektoren genötigt waren, das unverständliche und inkonsistente Regelwerk und eben auch das knappe Wörterverzeichnis in die Praxis umzusetzen.
Man stellte zum Beispiel fest, daß der bis heute unveränderte Eintrag zu mal/Mal unsichere und absonderliche Neuschreibungen zur Folge hatte, die Schreibung der Tageszeiten nicht klar war, das Verzeichnis und die Regeln trotz Verweisen nicht übereinstimmten und vieles andere. Alle Reparaturversuche blieben Pfusch, weil keines der bestellten Gremien sich mit dem Wörterverzeichnis beschäftigen wollte (wozu natürlich die meisten auch gar nicht qualifiziert waren und sind). Erst die Reformkritiker fanden zum Beispiel heraus, daß die anstößige und vielkritisierte Getrenntschreibung so genannt einzig auf Heller zurückgeht, der sie im letzten Augenblick in die Neuregelung einschleuste. Keiner seiner Kollegen hatte davon gewußt, aber keiner beschwerte sich. (Der Rat – man ahnt es schon – stellte sogenannt als bloße Variante neben so genannt, von dem er nicht lassen wollte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2020 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42727

Zwölf Jahre nach Aufnahme seiner Tätigkeit hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung als verlässlicher Partner etabliert und es ist wesentlich mit ein Verdienst seines scheidenden Vorsitzenden Prof. Zehetmair, der Brücken zu schlagen wusste und damit zu einer Versachlichung beigetragen hat. (Vorwort zum dritten Bericht)

Verlogener geht es nicht. Freilich: ein verläßlicher Partner ist der Rat durchaus – für die Schulbuchverleger und andere Interessenvertreter, aber nicht für die deutsche Sprachgemeinschaft, für die Lehrer, für die Schüler.

Zehetmair hat sich dem Wunsch der Kultusminister, also der Schulbuchverleger, gefügt, den er zuvor strikt abgelehnt hatte: die Agenda zu begrenzen und damit die Arbeit des Rates faktisch zu beenden. Diese Wendung hat er mit gewohnt salbungsvollen Worte zugekleistert. Frau Güthert weiß das besser als jeder andere. Sie nennt es "Versachlichung", das ist die Sprachregelung in diesem Kreis; auch "Rechtschreibfrieden", "ruhiges Fahrwasser" usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2020 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42726

Der Rat kann aufgrund seiner Zusammensetzung und seiner Größe die ihm zugedachte Aufgabe (welche auch immer man ins Auge faßt), nicht lösen, da hatte die Bertelsmann-Vertreterin Sabine Krome durchaus recht, als sie eine Verkleinerung anregte. Darum hat die Geschäftsführerin in vielen Fällen diese Tätigkeit an sich gezogen und ohne den Rat viele Entscheidungen getroffen. Den meisten Mitgliedern ist das gleichgültig, sie kennen die Einzelheiten nicht und interessieren sich nicht dafür. Über das Wörterverzeichnis wurde im Rat nie gesprochen, es ist ein Werk der Geschäftsführung, was es ja auch schon zu Beginn der Reform war (damals Klaus Heller, im Rat Kerstin Güthert).

Die Verkleinerung wäre darauf hinausgelaufen, die Fachleute (arbeitsfähiger engerer Kreis) wieder von den Interessenvertretern zu trennen. Darauf können sich die Kultusminister natürlich nicht einlassen, solange sie im Griff der Schulbuchverleger handeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2020 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42691

In der seltsamen "Vereinbarung" (http://forschungsgruppe.free.fr/Statut.pdf) wird am Schluß eine frühere Vereinbarung vom Dezember 2014 erwähnt, die sie ersetzen soll. Weiß jemand, worum es sich da handelt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2020 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42684

Peter Gallmann, inzwischen pensioniert, ist zweifellos der seßhafteste aller Reformer. Er hat praktisch sein ganzes Berufsleben hindurch in den einander ablösenden Rechtschreibreformgremien gesesssen. Ich halte ihm zugute, daß er, obwohl Dudenautor, nicht um dieser Vermarktungsgewinne willen im Rat sitzt. Er ist wirklich von seiner sprachwissenschaftlichen Mission überzeugt und weiß nicht, daß er mit dem ganzen Rat eine Marionette an den Drähten der Schulbuchverleger ist. Das Herumhampeln erregt fast Mitleid.
Ähnliches nehme ich auch für den neuen Vorsitzenden Josef Lange an. Er kennt die Vorgeschichte nicht und hat nicht wie Zehetmair die Demütigung durch die KMK (also die Verleger) einstecken müssen. Wie weit er sich die Vergeblichkeit, ja Lächerlichkeit der Rats-"Arbeit" bewußt machen kann, ist mir natürlich nicht bekannt. Das Abwegige des "Korpus"-Hokuspokus kann er auf die Dauer nicht übersehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2019 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42652

Das unlängst vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligte, für die weitere Arbeit des Rats unverzichtbare Projekt „Analyse und Instrumentarien zur Beobachtung des Schreibgebrauchs im Deutschen“ ist ohne das IDS nicht denkbar. (Güthert)

Daß für einen so banalen Zweck wie die Durchsetzung der Rechtschreibreform die Entwicklung ganz neuer computerlinguistischer Hilfsmittel unverzichtbar sei, ist eine abenteuerliche These. Die Computerlinguistik hat Ziele wie die automatische Spracherkennung, die maschinelle Übersetzung usw.

Das erwähnte Projekt ist inzwischen abgeschlossen, die Mühle hat geklappert – aber wo ist das Mehl?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42633

Ich habe oft gefunden, daß sich Computerlinguisten wie schon Chomsky selbst nicht für die Sprache interessieren, sondern nur für deren technische bzw. quasi-mathematische Simulation. Als Referenzgrammatik für das Deutsche genügt ihnen etwa Helbig/Buscha, ein bescheidenes, leichtverständliches Werk für den Ausländerunterricht.

Es muß für die meisten Ratsmitglieder furchtbar langweilig sein, den Ausführungen von Sprachtechnologen zu lauschen: wie man am besten den Sprachgebrauch statistisch erfaßt usw. Der neue Chef des IDS ist ebenfalls aus dieser Branche. Immerhin sind die Sitzungstermine eine Abwechslung im tristen Alltag; Jahrzehnte auf demselben Bürostuhl in irgendeiner Verbandszentrale sind ja kein reines Vergnügen. Daß man im Rat den Mund nicht aufmachen muß, bedeutet auch eine Erleichterung: einfach dasitzen und ab und zu mit den anderen die Hand heben. Wird schon stimmen und ist ja auch egal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42632

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in Wirklichkeit die Aufgabe, den Markt zu beruhigen, wie Zehetmair es einmal ausdrückte, d. h. vor allem im Auftrag der Schulbuchverleger weitere Änderungen an der Neuregelung zu verhindern oder auf minimale Eingriffe zu beschränken, die keinen Neudruck von Büchern erforderlich machen. Niemand kümmert sich darum, wenn alle fünf Jahre rund 20 Wortschreibungen zugelassen oder gestrichen werden.

Seit 2005 sind die Ratsmitglieder nur noch nützliche Idioten in der Hand einer von Interessenverbänden gesteuerten Kulturpolitik. Manche ahnen es, manche noch nicht, sondern fühlen sich geehrt, wenn sie dem Rat mit dem schmucken Titel angehören dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42631

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42619

Ich nehme an, daß zu den eigentlichen Mitgliedern der Arbeitsgruppe wie bisher der jeweilige Direktor des IDS hinzukommt und die inoffizielle Rolle des eigentlichen Vorsitzenden spielen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42630

Der "Dokumentenband zum Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung", aus dem z. B. Olaf Krause im Sprachdienst 6/2016 zitiert, ist nicht veröffentlicht.

Das bestätigt die neue Geschäftsführerin Sabine Krome auf Anfrage. Der Bericht soll aber im kommenden Jahr im Zuge einer Überarbeitung der Website elektronisch zugänglich werden.

Dann wird man im einzelnen sehen, womit sich der Rat die ganzen Jahre über beschäftigt hat, ohne etwas an der Neuregelung ändern zu dürfen.

Mit dem Abstand einiger Jahre werden solche Texte nur noch historischen Wert haben. Ich frage mich, was so schwierig daran sein sollte, die Öffentlichkeit laufend über die Tätigkeit des Rates zu informieren. Das gilt auch für die Protokolle der einzelnen Sitzungen – wenn schon kein Journalist zugelassen ist. Die Politiker scheinen zu wissen, was auf dem Spiel steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2019 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42619

Beim Rat für deutsche Rechtschreibung ist nicht zu erfahren, wer die Mitglieder der neuen AG Schule sind:

Dr. Gisela Beste (Deutschland/Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband)
Prof. Dr. Heinz Bouillon (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens/Didaktik)
Mag. Fred Burda (Österreich/Pädagogik)
Dr. Ludwig Eckinger (Deutschland/Deutscher Beamtenbund und Tarifunion, Deutscher Gewerkschaftsbund)
Renate Gebele Hirschlehner (Fürstentum Liechtenstein/Schule)
Matthias Grupp (Deutschland/Verband Bildungsmedien e.V.)
Dr. Rudolf Meraner (Autonome Provinz Bozen-Südtirol/Deutsches Bildungsressort)
Mag. Dr. Christiane M. Pabst (Österreich/Österreichisches Wörterbuch)
Heinrich Peuckmann (Deutschland/PEN-Zentrum Deutschland; 2019 abgelöst durch Prof. Dr. Lutz Götze)
Dr. Jutta Ransmayr (Österreich/Didaktik)
Bruno Rupp (Schweiz/Lehrerorganisationen)
Prof. Dr. Claudia Schmellentin (Schweiz/Fachwissenschaft),
Dr. Knut Stirnemann (Schweiz/Lehrerorganisationen),
Prof. Dr. Elvira Topaloviæ (Deutschland/Symposion Deutschdidaktik e.V.)

Inzwischen kann es aber schon wieder zu Veränderungen gekommen sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.12.2019 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42575

Ursprünglich ist Konrad Duden durchaus so verfahren, wie Nerius es beschreibt, vor dem Hintergrund primär der preußischen Regeln.

Erst nach dem 2. Weltkrieg hat sich der Duden endgültig von den »amtlichen Regeln« gelöst und die eigenen an deren Stelle gesetzt, allerdings unter der Prämisse, die bestehende Rechtschreibregelung bloß fortzuschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2019 um 11.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42574

Die Hinwendung des Rechtschreibrates zur Empirie (Sprachbeobachtung durch Korpusanalyse) klingt ansprechend, bis man sich gewisse Widersprüche klar macht.
Erstens beruhte die ganze Rechtschreibreform nicht auf Sprachbeobachtung, wie es noch beim alten Duden angestrebt war und in meinem Rechtschreibwörterbuch programmatisch der Fall ist. Die Reformer haben Regeln gesetzt und Einzelwortschreibungen festgelegt, die keine Grundlage im Sprachgebrauch hatten und manchmal nicht einmal angebahnt waren. Mit einigen neuen Regeln wollten sie der Sprachentwicklung sogar ausdrücklich „entgegenwirken“ (so etwa der Tendenz zur Zusammenschreibung). Auf dieser Wirklichkeitsfremdheit beruhte ein großer Teil der Ablehnung.

Die Sprachauffassung, die der Reform zugrunde lag, habe ich in meinem „Schildbürger“-Buch mit einem Zitat gekennzeichnet:

„Ein weiteres Merkmal des Orthographiewörterbuchs besteht darin, daß es im Unterschied zu vielen anderen Wörterbuchtypen nicht primär auf der Exzerption von Texten, d. h. auf der Deskription eines im Sprachgebrauch gegebenen Zustandes beruht. Jedenfalls gilt das in Hinsicht auf seinen Hauptzweck: die Angabe der normgerechten Schreibung, nicht so sehr natürlich für die Auswahl des Wortmaterials. Vielmehr handelt es sich beim Orthographiewörterbuch in erster Linie um die Anwendung bestehender oder neu entwickelter orthographischer Regeln, also der Fixierungen von Normen, auf mehr oder weniger große Teile des Wortschatzes. Die Hauptaufgabe dieses Wörterbuches ist somit nicht die Deskription, sondern die Präskription, die Vorschrift, wie die in ihm enthaltenen Teile des Wortschatzes regelgerecht und damit richtig zu schreiben sind.“ (Nerius in HSK „Wörterbücher“, S. 1298)

Aus dieser Darstellung folgt überraschenderweise, daß der Duden niemals ein Rechtschreibwörterbuch gewesen ist, denn er ist ja gerade umgekehrt verfahren. Es folgt weiterhin, daß die Rechtschreibreform, da sie sich nicht am Gebrauch ausrichtet, sondern an den Ideen einer Expertengruppe, nichts anderes als ein zäher Kampf gegen die Sprachgemeinschaft sein kann, die selbstverständlich ihre in Jahrhunderten gewachsenen Gewohnheiten gegen diese Zumutung verteidigt.

Welche Wende das Herstellen von Wörterbüchern durch die Reform genommen hat, drückt die Verfasserin eines der neuen Werke sehr gut aus:

„Vor diesem turbulenten orthographischen Hintergrund ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu bearbeiten, kehrt die lexikographische Tätigkeit, die sich üblicherweise mit der Vergangenheit und der Gegenwart des Sprachgebrauchs befasst, in ihr Gegenteil. Die heute alles beherrschende Frage lautet: Wie schreibt man in Zukunft?“ (Renate Wahrig-Burfeind in: dtv-Wahrig 2002)

Tatsächlich beschäftigen sich die Wörterbuchredaktionen nicht mehr mit der Erfassung des Sprachgebrauchs, sondern mit der Deutung und Anwendung von Regeln, die eine „Expertengruppe“ erfunden hat und ständig revidieren muß.

Soweit meine Darstellung von 1997. Nachträglich haben die Reformer und ihre Unterstützer oft gesagt, es sei Zeit, nach hundert Jahren die deutsche Rechtschreibung an den Sprachwandel anzupassen – was oberflächlich plausibel klingt, denn schließlich haben sich auch Autos und Telefone in dieser Zeit sehr verändert. Aber die deutsche Sprache hat sich keineswegs in orthographisch relevanter Weise verändert, der Duden brauchte bloß den Wortschatz nachzuführen und hat es leidlich korrekt getan. Wenn es am Duden etwas auszusetzen gab, dann waren es präskriptive Einzelheiten, die sich als Antwort auf Nutzerfragen ergeben hatten. Da hätte eine unaufwendige Bereinigung (wie in meinem Wörterbuch) genügt. Aber die Reformer wollten die Sprachgemeinschaft selbst belehren, wie eine bessere Orthographie auszusehen habe, und das ging schief.

Zweitens ist die Wendung zur Sprachbeobachtung nicht mehr möglich, weil die Texte, die es zu beobachten gibt, alle schon durch die Reform mitbestimmt sind: einerseits als Schülertexte, die notenrelevant der Reform folgen müssen, sowie amtliche Texte weisungsgebundener Verfasser; andererseits die Ergebnisse der automatischen Rechtschreibkorrektur, die auch private Texte unerbittlich im Sinne der Reformschreibung zensiert. „Entwicklung“ kann unter diesen Umständen nur noch als Gehorsamsverweigerung vorkommen. In ihren Berichten geben die Ratsmitglieder auch zu, daß es dies ist, was sie nun beobachten und statistisch auswerten, also nicht Sprachbeobachtung, sondern Reformdurchsetzungsbeobachtung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2019 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42551

- Ein paar Rechtschreibe-Räte bestimmen von oben herab, wie man richtig schreibt. Müssen Sie eigentlich gegen dieses Image ankämpfen?

Es hat lange gedauert, Vertrauen aufzubauen, dass wir keine realitätsfernen Reformen anstreben. Der Rat ist sehr heterogen, da sitzen Wissenschaftler, Schriftsteller, Lehrer und auch Journalisten. Viel unabhängiger kann so ein Gremium nicht sein.
(Interview mit Kerstin Güthert OVB 1.6.17)

Viel inkompetenter kann so ein Gremium nicht sein. Güthert weiß ganz genau, daß von Unabhängigkeit keine Rede sein kann. Und wieso folgt die Unabhängigkeit aus der Heterogenität?

Von der Sache her gesehen, sind die Ratsmitglieder eine Zufallsauswahl. Die Kultusminister haben laut BVerfG das Recht, in die Schulorthographie einzugreifen. Dazu können sie beauftragen, wen sie wollen. Aber niemand würde auf die Idee kommen, diese wenigen Linguisten, Wörterbuchmacher, Deutschdidaktiker und Verbändevertreter mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Darum sind ja die Sitzungen auch nicht öffentlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2019 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42546

Manches sieht man nach 14 Jahren mit anderem Blick. Aus http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=303#1594:

Zehetmair zur Themenbegrenzung (Stuttgarter Zeitung, 26.07.2005):

Vermutlich gibt es im nächsten Frühjahr ein vorläufiges Endergebnis. Der Rat wird dann weitere fünf Jahre in der Stille arbeiten.

Was heißt das?

In der zweiten Phase werden wir nichts Spektakuläres bringen. Die Sprache ist dann so weit im Lot. Wie früher werden wir dann alles mit den Verlagen besprechen, sodass die ein oder andere Fortschreibung erfolgt.


Der Rat wußte nicht, daß "alles mit den Verlagen besprochen" wurde. Er glaubte und glaubt bis heute, selbst über seine Themen zu verhandeln. Unterdessen sind "wir" anderweitig beschäftigt. Ich hatte mal zufällig herausgefunden, daß die Geschäftsführerin sich ohne Wissen des Rates mit den drei Wörterbuchredaktionen getroffen hatte; das gab einigen Ärger.

An wessen Fäden die wandernde Narrentruppe geführt wird, weiß sie nicht.

Seit Frau Krome Geschäftsführerin ist, sind die Interessen von Bertelsmann ebenso verwaist wie die der Saarbrücker Sprachtechnologie. Es bleibt abzuwarten, wie sich das auf die Tätigkeit des Rates auswirkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2019 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42544

Die neue Korpus-Orientierung steht im Gegensatz zur ursprünglichen Absicht der Reformer, „die Regeln zu stärken“, d. h. Ausnahmen von den Regeln zu beseitigen, die die Reformer hinter dem Schreibbrauch erkannt zu haben glaubten oder für leichter lernbar hielten, auch wenn sie ungebräuchliche Schreibweisen erzeugten.
Da sie sich in beiderlei Hinsicht immer wieder irrten, ist die Neuregelung von 1996 so mangelhaft ausgefallen und konnte das Schreiben nicht erleichtern. Die gesamte Reparaturarbeit, die immer noch nicht abgeschlossen ist, will sich scheinbar ganz harmlos wieder mehr am Schreibbrauch orientieren. Das ist in Wirklichkeit eine Kehrtwende um 180 Grad und hätte eigentlich zur Rücknahme der ganzen Reform führen müssen – hin zu einer Überarbeitung des alten Duden. (Genau das habe ich in meinem Rechtschreibwörterbuch versucht.)
Irrig ist natürlich schon die Ansicht, daß das Schreiben nach „Regeln“ gelernt wird. Kein Rechtschreibunterricht kann das ausgedehnte Lesen ersetzen. (Wobei es übrigens völlig egal ist, ob die Texte reformiert gedruckt sind oder nicht; die einzige Unsicherheit, die entstehen könnte, betrifft ein paar Wörter mit ß/ss. Das fällt gegenüber der ungeheuren Menge anderer Wortschreibungen nicht ins Gewicht.)
Übrigens hat die zivilisierte Menschheit immer gewußt, daß Diktate die Methode der Wahl sind, um den Fortschritt des Rechtschreibens zu messen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2019 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42539

Es gibt ein neues Gruppenbild: https://www.rechtschreibrat.com/ueber-den-rat/

Anscheinend aus Bern, wo im Mai 2020 auch die nächste Sitzung stattfinden soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2019 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42531

„Ein pfleglicher Umgang mit der Sprache leitet auch zum pfleglichen Umgang mit den Mitmenschen an.“ (Josef Lange, Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung. Sprachdienst 6/2016)

Ein gutes Beispiel ist die Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2019 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42496

Vor der Verabschiedung Zehetmairs schrieb mir ein Ratsmitglied u.a.:

... Zudem ist die Arbeit zumindest für mich sehr unerquicklich geworden, da im Rat jedem seine Rolle zugewiesen ist (und wenn es auch nur die des Hofnarren ist). Außerdem wurde in der Vergangenheit das ganze Geschäft von methodisch sehr zweifelhaften Zahlen der AG Korpus dominiert. Allerdings wurden auch diese ignoriert, wenn das Ergebnis nicht stimmte. In der letzten Sitzung wäre eigentlich angestanden, dass die Unsinnsschreibungen Gämse, schnäuzen… gekippt werden, weil sich die Schriftgemeinschaft diesem Quatsch nicht unterwerfen will, wie die Zahlen auswiesen, aber man hat sich nicht getraut, weil man öffentlichen Druck befürchtete. Es wurde in den neuen Rat vertagt. Das war für mich der traurigste Moment bislang überhaupt. Ich glaube, dass es künftig sehr leise werden wird um den Rat, was ja auch nicht das Schlechteste sein wird...

Man ahnt, was für ein dysfunktionales Gremium dieser Rat ist. Ich habe das schon in der ersten Amtsperiode so erlebt und entsprechend berichtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2019 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42465

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hätte längst aufgelöst werden müssen. Er hat ja offensichtlich nichts mehr zu tun, darum beschäftigt er sich mit abwegigen Dingen wie der Durchsetzung von "Spiralcurricula" an Schulen (Lieblingsidee eines einzelnen Mitglieds) oder der Verwaltung von Hinterlassenschaften der verstorbenen Bertelsmann-Tochter "Wissen Media". Was soll das alles?

Aber die Politiker können den Rat nicht abschaffen, weil sie ihm die Rolle zugedacht haben, die vorher der Duden hatte. Nach deutscher Auffassung funktioniert Orthographie nur mit einer staatlichen oder staatlich approbierten Instanz, die alle Zweifelsfälle entscheidet und von Zeit zu Zeit dem ungebärdigen Sprachvolk auf die Finger klopft. Das ist die Überlebensgarantie des Rechtschreibrates.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2019 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42461

Was sich unter der geglätteten Oberfläche der offiziellen Berichte verbirgt, zeigt zum Beispiel dieser Auszug aus Jakob Ossners Mitteilungen:

"In der AG Schule, wie sie inzwischen heißt und die ich auf Geheiß des Vorsitzenden des Rats von Anfang an leitete, war umstritten, wie der Schreibgebrauch überhaupt erhoben werden sollte. Nach meinem Dafürhalten war es nicht sinnvoll, den „Schreibgebrauch“ der Schülerinnen und Schüler methodisch ähnlich der AG Korpus zu erheben. Schriftstücke von Schülerinnen und Schülern zeigen nicht einfach ihren Schreibgebrauch, sondern mindestens ebenso den Unterricht, den sie bekommen oder erlitten haben. Die Frage, ob mehr Schülerinnen und Schüler Charme als Scharm schreiben, ist sinnlos.

Eine zweite Initiative, die die AG ergriff, galt dem Variantenproblem. Hier ist die Schule unmittelbar betroffen, da Varianten nicht als Fehler gewertet werden dürfen. Das bedeutet, dass man von den Lehrkräften erwartet, dass sie die rund 3000 Varianten, die die Wörterbücher ausweisen, im Kopf haben sollten, um keinen Korrekturfehler zu begehen." (Ossner in Didaktik Deutsch. Jg. 23. H. 44, 2018)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2019 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42448

Zur permanenten Täuschung, die sich durch die verschwiemelte Sprache verrät, gehört auch dies:

Zur Begründung der Rechtschreibreform wurde immer wieder angeführt (ich zitiere aus meinem Buch „Regelungsgewalt“): Die Neuregelung sei notwendig, weil die deutsche Sprache sich seit der Festlegung von 1901 gewandelt habe. Wenn die Rechtschreibung nicht alle hundert Jahre an den Lautwandel angepaßt würde, drohe ein Auseinanderklaffen von Laut und Schrift wie im Englischen. Der österreichische Reformer Karl Blüml schreibt gar:
„Es ist leicht einsehbar, dass sich seit 1901 sehr viel geändert hat in der deutschen Sprache und dass daher eine Anpassung der Rechtschreibregelung erforderlich war.“
In Wirklichkeit hat es in den letzten hundert Jahren keinen Sprachwandel im Deutschen gegeben, der eine Veränderung der Orthographie erforderlich machen würde; erst recht keinen Lautwandel.
Die Grundgedanken der Reform haben auch gar nichts mit einem solchen Sprachwandel zu tun, sondern sind die traditionellen fast aller Rechtschreibreformer: Kleinschreibung der Substantive, Wegfall der Dehnungszeichen, Fremdworteindeutschung. Nichts davon war seit 1901 angebahnt; die Fremdworteindeutschung hatte sich sogar auffällig verlangsamt und war vom Duden zurückhaltend nachgeführt worden.

Heute setzt sich der Rechtschreibrat das Ziel, die Rechtschreibung an den Sprachwandel anzupassen, der zu diesem Zweck zu beobachten sei. Es gibt aber nichts zu beobachten; der Rat hat wie seine Vorgänger alle Hände voll damit zu tun, die mangelhafte Neuregelung zu reparieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2019 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42445

Wie der Rechtschreibrat die Öffentlichkeit täuscht:

Das amtliche Regelwerk gilt in allen Staaten, in denen Deutsch Amtssprache ist. Es wird vom Rat herausgegeben und ist, wie alle wesentlichen Dokumente, auf der ratseigenen Webpräsenz abrufbar. (Güthert im IdS-Jahresbericht 2015)

Das wesentlichste Dokument, die Neuregelung von 1996, ist nicht abrufbar.

Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung wird seit seiner Inkraftsetzung im Jahre 2006 zum zweiten Mal aktualisiert und behutsam modernisiert. (Pressemitteilung Lange/Güthert 29.6.2017)

2016 ist ein uninteressantes Datum. Die Angabe soll verschleiern, daß das Regelwerk seit 1996 drei- oder viermal revidiert worden ist und daher alle Wörterbücher und Rechtschreibmaterialien ebenso oft neu gedruckt werden mußten. Das ist auch jetzt wieder unumgänglich.

(Und immer wieder "behutsam"!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2019 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42444

Morgen tagt der Rechtschreibrat in Bern. Da es keine Protokolle zu lesen gibt, werden wir auch die Anwesenheitsliste nicht zu sehen bekommen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.11.2019 um 23.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42439

Unter Blinden . . .
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2019 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42437

Ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, daß der Direktor des IDS, Herr Eichinger, von Anfang an als rechte Hand des Vorsitzenden Zehetmair agierte, in den Sitzungen neben ihm saß und sich als Nebenvorsitzender aufführte. Weder im Statut noch in der Geschäftsordnung ist von einer solchen Funktion die Rede. Eichinger vertritt das IDS mit einer ganz normalen Stimme wie alle anderen. Wie schief die Verhältnisse sich entwickelt hatten, geht auch aus folgender Pressemitteilung hervor:

Pressemitteilung Mannheim 8.12.2016
Dritter Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung

Der Rat für deutsche Rechtschreibung legt zum Ende der zweiten Amtszeit seinen dritten Bericht vor.
Prof. Dr. h.c. Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, und der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Prof. Dr. Ludwig Eichinger, übergeben am 8. Dezember 2016 gemeinsam mit Dr. Josef Lange, der ab Januar 2017 das Amt des Ratsvorsitzenden übernehmen wird, diesen Bericht offiziell der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland.


Soweit ich weiß, hat niemand dagegen protestiert.

Aus praktischen Gründen war diese rechtswidrige Anordnung freilich absolut notwendig: Der Vorsitzende hatte ja von der Materie keine Ahnung. Ich nehme an, daß sich das unter dem neuen Vorsitzenden Lange fortsetzt und daß Eichinger entgegen den ursprünglichen Bestimmungen genau aus diesem Grund wieder im Rat sitzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2019 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42434

Kein Ratsmitglied hält die Reform für gelungen, und die alte und die neue Geschäftsführerin wissen besser als jeder andere, daß sie Humbug ist. Daraus folgt die Verlogenheit des ganzen Unternehmens der Reformdurchsetzung, und daraus folgt auch, daß man auf Anfragen keine konsistente Antwort erhält. Die glattgeleckte und professionell wirkende Website verdeckt das für die Augen der Unwissenden. Ich habe mich immer wieder, vor allem in meinem Abschiedsbericht "Aus dem Leben eines Rechtschreibrates", darum bemüht, die schnöde Wirklichkeit ans Licht zu bringen. Dieses Licht scheuen die Reformer wie der Teufel das Weihwasser. Ich habe immer gesagt: Wenn die Öffentlichkeit wüßte, was für ein Kasperletheater die Ratssitzungen sind, könnte sich der Rat keinen Tag länger halten.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 20.11.2019 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42433

Das ist, was Frau Güthert betrifft, natürlich alles Kokolores und der Versuch, das Unhaltbare doch noch irgendwie zu rechtfertigen.

Ich hatte dieselbe Frage schon einige Jahre vorher an Frau Güthert gerichtet und erhielt als Antwort: "Die Fassung von 1996 liegt nicht in elektronischer Form vor", eine Aussage, die nicht der Wahrheit entsprach. Ich habe ihr daraufhin die PDF-Version der 1996er-Version des Regelwerkes, das ich seinerzeit von der IDS-Website heruntergeladen hatte, zugesandt. Seitdem beantwortet das IDS (Güthert/Krome) keine Fragen meinerseits mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2019 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42431

Anfang 2017 habe ich Frau Güthert gefragt, warum das Regelwerk von 1996 – der wichtigste Text überhaupt – nicht auf der Website des Rates dokumentiert ist. Sie antwortete:

„Der Relaunch beschränkte sich zunächst darauf, die Funktionalität hinsichtlich Nutzung mit Smartphones etc. zu erhöhen, d.h., die Inhalte wurden übernommen. Über einen etwaigen Ausbau des Internetangebots wird der Rat unter seinem neuen Vorsitzenden zu befinden haben. Dabei sollte auch das bisherige Angebot einer Durchsicht unterzogen werden.“

Geändert hat sich in den folgenden drei Jahren nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2019 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42423

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40960

Eigentlich ist der ganze Briefwechsel mit Frau Krome ganz lustig:

Sehr geehrte Frau Dr. Krome,
da ich gerade ein Buch über den Rat für deutsche Rechtschreibung verfasse, möchte ich Sie fragen, wie es zu der jüngsten Änderung der Zusammensetzung des Rates gekommen ist. Die den deutschen Institutionen angefügte "Wissenschaft" fällt ja aus dem Rahmen. Wer hat denn das beschlossen und den Kollegen Eichinger wieder in den Rat berufen? Die "Wissenschaft" als solche ist ja keine Institution und kann es nicht gewesen sein. Ich möchte keine falschen Informationen oder gar Spekulationen weitergeben und wäre Ihnen daher für Aufklärung dankbar. (Natürlich auch für andere nützliche Auskünfte oder Links - der Rat ist ja in den letzten Jahren etwas geheimniskrämerisch geworden.)
Mit freundlichen Grüßen
Theodor Ickler

-

Sehr geehrter Herr Prof. Ickler,
vielen Dank für Ihre Mail mit der Bitte um Information. Die Arbeit des Rat ist eigentlich sehr transparent: Alle Pressemitteilungen und Beschlüsse sind auf der Rats-Website einzusehen. 
Zu Ihrer Anfrage schicke ich Ihnen einen Auszug aus dem Protokoll der Ratssitzung vom 08.06.2018. Darin ist festgehalten: 
„Der Vorsitzende berichtet des Weiteren über personelle Veränderungen im Rat: Im Juli wird Herr Eichinger als Direktor des Instituts für Deutsche Sprache verabschiedet werden, seine Nachfolge tritt am 01.08.2018 Prof. Dr. Henning Lobin an. Herr Lobin wird neben Frau Wöllstein auch das IDS im Rat vertreten. Um auf die Expertise und langjährige Erfahrung von Herrn Eichinger auch künftig nicht verzichten zu müssen, haben die staatlichen Stellen in Deutschland der Überlegung zugestimmt, den seit 2017 vakanten Sitz von WAHRIG/wissenmedia übergangsweise bis zum Ende der laufenden Ratsperiode mit Herrn Eichinger zu besetzen. Herr Eichinger ist dazu auch bereit. Das Vorhaben findet die Zustimmung der Ratsmitglieder. Über die notwendige Neuordnung der von Deutschland zu besetzenden Plätze im Rat soll rechtzeitig vor Ende der Ratsperiode mit den staatlichen Stellen eine Lösung gefunden werden.“
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Sabine Krome

-

Sehr geehrte Frau Dr. Krome,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!

Die Pressemitteilungen und Beschlüsse verfolge ich natürlich, aber gerade das, was Sie aus dem Protokoll mitteilen, habe ich dort nicht gefunden. Überhaupt habe ich immer wieder mal nach den Protokollen gesucht, aber keine gefunden. Darum kann ich auch die Arbeit des Rates nicht so "transparent" finden. Was spricht dagegen, sämtliche Protokolle auf die Website zu stellen? Früher habe ich mir die Protokolle privat zuschicken lassen, aber diese inoffizielle Art gefiel mir nicht besonders.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Ihr Theodor Ickler



Wie man sieht, sind die Sitzungen zwar nicht öffentlich, und auch die Protokolle werden nicht zugänglich gemacht, aber im übrigen ist alles ganz "transparent" – für die Mitglieder des Rates.

Im gleichen Sinn war die Rechtschreibreform "demokratisch" (wegen der Mehrheitsentscheidungen unter den Reformern selbst).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42418

Keine Regeln von oben herab

Regina Jerichow (NWZ 02.07.2016)

Der ehemalige niedersächsische Staatssekretär (68) hält den Rat nach wie vor für erforderlich. Es bestehe die Sorge, sagt er, dass in den Schulen immer weniger Wert auf korrekte Rechtschreibung gelegt werde.

Frage: Wozu braucht man eigentlich noch den Rat für deutsche Rechtschreibung?

Lange: Aus meiner Sicht hat er sich nicht überholt. Und zwar deshalb, weil die Sprache, um es etwas salopp zu formulieren, ein lebendig Ding ist und sich weiterentwickelt. Das Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen hat festgestellt, dass der deutsche Wortschatz sich im 21. Jahrhundert um ein Drittel vergrößert hat. Und wenn man sich anschaut, in welcher Geschwindigkeit neue Wörter hinzukommen, dann braucht es einen Rechtschreibrat.

Frage: Könnte man diese Aufgabe nicht der Dudenredaktion überlassen?

Lange: Die Frage ist berechtigt, aber der Rat für deutsche Rechtschreibung ist nicht nur für Deutschland zuständig, sondern für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die individuellen Entwicklungen der jeweiligen Länder – neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und deutschsprachige Gebiete Belgiens sowie assoziiert Luxemburg – gilt es zu berücksichtigen. Was der Duden für Deutschland ist, ist beispielsweise das Österreichische Wörterbuch für Österreich. Und die beiden sind nicht identisch.

Frage: Als das Reformwerk 1996 auf den Weg gebracht wurde, schlugen die Wogen hoch. Ist der Rechtschreibfrieden wiederhergestellt?

Lange: Mein noch amtierender Vorgänger, Hans Zehetmair, hat in den vergangenen zwölf Jahren erreicht, dass die Wogen nicht mehr so hoch schlagen. Der Rat und die Reformer von damals haben begriffen, dass sich Sprache entwickelt und man nicht von oben herab vorgeben darf, wie zu schreiben ist. Sprache und geschriebene Sprache sind zu beobachten, um dann Hinweise zu geben, nach welchen Regeln vorzugehen ist. Damit das Ganze schlüssig bleibt, Schüler danach unterrichtet werden können sowie Verwaltung und Rechtspflege in allgemeinverbindlicher Sprache das tun, was zum Erhalt unseres Gemeinwesens erforderlich ist.

Frage: Erklärtes Ziel der Rechtschreibreform war ja, es für Schüler einfacher zu machen. Haben sie es jetzt besser?

Lange: Die Reform ist in den Schulen und bei den Schülern viel besser angekommen als bei den Älteren. Das hat sicher etwas mit Gewohnheit zu tun und mit einer gewissen Resistenz gegenüber Veränderungen. Aus den allgemeinen Tests an den Schulen lässt sich schließen, dass die Rechtschreibleistungen nicht schlechter sind als vor der Reform. Es besteht jedoch die Sorge, dass die Lehrerschaft immer weniger Wert auf korrekte Rechtschreibung legt. Dazu gibt es entsprechende Empfehlungen des Rates zur Gestaltung der Lehrpläne, nicht nur im Deutschunterricht darauf zu achten, sondern auch in allen anderen Fächern. Die Rechtschreibung gehört zu den Kulturtechniken, die man mit Einführung des Computers nicht einfach beiseite legen kann.

Frage: Haben Sie vor 20 Jahren die neuen Rechtschreibregeln hingenommen oder als Belästigung empfunden?

Lange: Das ist lange her. Ich war damals Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Der Beschluss ist ja mit einer langen Übergangszeit gefasst worden, und dann kam die Reform der Reform. Selbst die großen Zeitungen und die Deutsche Presse-Agentur sind in den Jahren 2006-2007 dazu übergegangen, das re-reformierte Regelwerk anzuwenden. Im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, in dem ich Amtschef war, war das kein Problem.

Frage: Ich wollte eigentlich etwas über Ihre persönliche Einstellung erfahren. War es keine Umstellung für Sie?

Lange: Ich habe mich relativ schnell angepasst, weil mir die meisten Vorschläge einleuchteten. Da ich niemand bin, der der Vergangenheit nachtrauert und vom Grundsatz her optimistisch bin, haben mich Veränderungen nie geschreckt, auch nicht die in der Sprache. Wobei ich nicht behaupten will, dass ich immer nach allen neuen Regelungen auch tatsächlich schreibe. Manchmal muss ich nachschauen, manchmal mehr, als mir lieb ist. Aber auch nicht häufiger als früher.


Das wollen wir nicht zu genau unter die Lupe nehmen. Er verstand nichts von der Sache und mußte irgend etwas sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42414

Noch einmal zur AG Schule: Es ist nach wie vor unklar, wieso der Rat 2018 eine AG Schule beschließen konnte, nachdem die AG Schule (zuerst unter dem Namen AG schulischer Gebrauch) schon ungefähr 12 Jahre tätig gewesen war, nämlich seit der ersten Amtsperiode. Jakob Ossner berichtet:

„Von 2007 an stand ich auch der AG schulischer Gebrauch (später etwas griffiger AG Schule) vor.“

Im dritten Bericht stehen die Mitglieder:

Dr. Gisela Beste, Prof. Dr. Heinz Bouillon, Dir. Mag. Fred Burda (seit 11/2011), Dr. Ludwig Eckinger, Renate Gebele Hirschlehner, Prof. Mag. Dr. Gerhard Habringer (11/2011 bis 2/2016), Dr. Eleonore Kunz, Dr. Rudolf Meraner, Prof. Dr. Jakob Ossner, Dr. Jutta Ransmayr (seit 11/2011), Prof. Dr. Peter Schlobinski (bis 5/2012), Prof. Dr. Claudia Schmellentin, Dr. Knut Stirnemann

Über Ossner heißt es bei Wikipedia und danach dann an verschiedenen Stellen irrtümlich:

Ossner war von 2004 bis 2006 Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung; er leitete die Arbeitsgruppe Schule und vertrat den Rat bei der Erstellung des Rechtschreibrahmens für die Klassen 1-10 in Baden-Württemberg.

Statt 2006 muß es heißen 2016.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2019 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42391

Wer beim Rat für deutsche Rechtschreibung unter Frau Krome arbeiten möchte, kann sich hier bewerben:

https://www.phil.uni-mannheim.de/media/Fakultaeten/phil/Dokumente/Stellenangebote/LeibnizInstitut_AusschreibHiwiRat_07112019.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2019 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42344

Kerstin Güthert wird froh sein, nach 22 Jahren in der Geschäftsstelle der Zwischenstaatlichen Kommission und dann des Rates für deutsche Rechtscchreibung diesen Job endlich los zu sein. Ich bin überzeugt, daß sie den Reform-Humbug, den sie nach außen vertreten mußte, jederzeit durchschaut hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2019 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42342

Der Geschäftsstelle des Rates für deutsche Rechtschreibung werden von der KMK jährlich zwischen 65.000 und 73.000 Euro zugewiesen. Das kann aber nicht der gesamte Etat sein. Die eine der beiden promovierten Angestellen könnte aus dem Etat des IDS finanziert werden, vielleicht auch beide. Schreibkraft, Reisekosten?
Das IDS mit seinem geringen wissenschaftlichen Ertrag verbraucht erstaunliche 14 bis 15 Mill. jährlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2019 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42241

Dankenswerterweise haben aufmerksame Beobachter unter
https://de.wikipedia.org/wiki/Neuerungen_der_deutschen_Rechtschreibreform_von_1996
alle Änderungen zusammengetragen, die an der Neuregelung von 1996 bisher vorgenommen wurden. Meistens handelt es sich um die Rückkehr zu den nichtreformierten Schreibweisen. Die lange Liste beweist, daß die angeblich beste Rechtschreibreform aller Zeiten ein einziges Debakel war und ein Durcheinander ohnegleichen hinterlassen hat. Am besten ist ein junger Mensch dran, der all die seit 1996 gültig gewesenen Fassungen nicht kennt und ganz frisch mit der allerletzten anfängt. Aber die vielen Lehrer, Sekretärinnen, Lektoren, Korrektoren, die gehalten waren, jede Wendung mitzumachen, müssen um so verwirrter sein, je ernster sie ihren Beruf genommen haben.
Ich selbst habe ja etliche Jahre meines Lebens mit dem Kommentieren (zeitweise sogar mit dem Reparieren) der Neuregelung verbracht, aber auch ich weiß in vielen Fällen nicht, was der gegenwärtige Stand ist. Die meisten Mitglieder des Rechtschreibrates wissen sowieso nichts; bestes Beispiel war der Vorsitzende Zehetmair. Drei oder vier werden den Reformtext besitzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2019 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42240

Die Neuregelung von 1996, um die sich fast die gesamte Reformdiskussion drehte, ist auf der Website des Rates für deutsche Rechtschreibung nicht dokumentiert und auch sonst im Internet schwer zu finden. Im Ausland ist es leichter:

http://www.ejustice.just.fgov.be/mopdf/1999/04/08_A1.pdf

Die Reformer, besonders der Rechtschreibrat, zeigen sich auch sonst unwillig, das Originalwerk auch nur zu erwähnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2019 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42226

Die Neufassung der Rechtschreibreform 2018 ist jetzt unter grammis zu finden (https://grammis.ids-mannheim.de/rechtschreibung). Leider sind die letzten Änderungen nicht als solche markiert. Nur die „Vorbemerkung“ gibt pauschal die Bereiche an, in denen es zu Änderungen gekommen ist.
Das Gesamtwerk ist dort nur stückweise abrufbar, das Wörterverzeichnis nur nach Einzelbuchstaben.

Seit der Entmachtung des Dudens ist die Website des Rates bzw. des IDS die einzige authentische Quelle "korrekten" Schreibens. Man sollte erwarten, daß die Bevölkerung, die sich erklärtermaßen daran orientieren muß oder soll, auf Änderungen hingewiesen wird. Das ist jedoch nie geschehen. Es gibt keine Pressemitteilung, man stößt nur als regelmäßiger Besucher der Präsentation zufällig darauf. Es wird ja auch seit 15 Jahren nicht mehr über die Ratssitzungen berichtet, von denen die Presse laut Geschäftsordnung ausdrücklich ausgeschlossen ist. Diese Heimlichtuerei war zu Beginn der Reform nicht zu erwarten und widerspricht sowohl dem Sinn einer Rechtschreibregelung als auch dem Demokratisierungspathos des Anfangs. Allerdings ließ schon der rüde Rauswurf der Journalisten anläßlich der Mannheimer Anhörung nichts Gutes erwarten. Wir wissen heute natürlich besser, warum die intrigante Truppe der Reformdurchsetzer sich nicht in die Karten schauen lassen wollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2019 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42225

Der PEN wird seit Sommer 2019 von Lutz Götze vertreten. Er löst Heinrich Peuckmann ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.10.2019 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42224

Die KMK hat den Rat für deutsche Rechtschreibung ins Wachkoma versetzt. Als mir diese Absicht klar wurde, trat ich aus. Wie die jetzigen Ratsmitglieder (auf deutscher Seite fast ausschließlich neue) mit ihrer verordneten Untätigkeit oder vielmehr Scheinbeschäftigung zurechtkommen, ohne sich in Grund und Boden zu schämen, ist mir ein Rätsel. Sie tagen und tagen, niemand beachtet sie, ändern dürfen sie auch nichts, und letztes Jahr wurde noch das Ansinnen an sie herangetragen, zum Gendern Stellung zu nehmen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2019 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42191

Token oder Type, das ist hier die Frage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42187

Daß sie es nicht können, steht auf einem anderen Blatt. Wollen tun sie es aber: http://www.fds-sprachforschung.de/ickler/index.php?show=news&id=844.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.09.2019 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42186

Weil sie hin und wieder rauh schreibt, macht sie nur zur Hälfte mit? Wohl kaum. Eher macht sie zu 120% mit, wenn man die Reformübererfüllung mitberücksichtigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42184

Damals soll ja Zehetmair persönlich bei der FAZ angetreten sein. Darüber scheint man nichts Genaues erfahren zu können.
Da die FAZ nur die halbe Reformschreibung mitmacht (womit das Argument mit den Schülern entfällt, die ja nun erst recht irregeführt werden), muß man annehmen, daß sie diesen Teil der Reform gelungen findet. Kluge Köpfe denken anders darüber.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.09.2019 um 08.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42183

Die erzwungenen Revisionen haben der Fatz und Springer seinerzeit den Vorwand geliefert, auf Reformschreibung umzustellen. Nur darauf kam es aus politischer Sicht an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2019 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#42181

Ich weiß immer noch nicht, ob es richtig war, den Rechtschreibreformern bei der Reparatur ihres Machwerks zu helfen. Dafür spricht, daß die erzwungenen Revisionen wahrscheinlich mehr zur Diskreditierung der Reform beigetragen haben, als es die strikte Ablehnung nach einem gewissen Zeitpunkt noch vermocht hätte.

Zur Zeit versuchen die Behörden das Gendern durchzusetzen, ebenfalls gegen den Willen der Bevölkerung. Was tun? Ich stehe wieder vor der Frage, ob ich helfen soll, die Empfehlungen der Genderbeauftragten zu verbessern.

Ich habe mich dagegen entschieden. Warum sollte man der Dummheit zu einem Mäntelchen verhelfen, das sie passabel aussehen läßt? Die Genderbüros usw. müssen abgeschafft werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2019 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40960

Auf meine Anfrage schickt mir Frau Dr. Krome einen Auszug aus dem Protokoll der Ratssitzung vom 8.6.2018:

„Der Vorsitzende berichtet des Weiteren über personelle Veränderungen im Rat: Im Juli wird Herr Eichinger als Direktor des Instituts für Deutsche Sprache verabschiedet werden, seine Nachfolge tritt am 01.08.2018 Prof. Dr. Henning Lobin an. Herr Lobin wird neben Frau Wöllstein auch das IDS im Rat vertreten. Um auf die Expertise und langjährige Erfahrung von Herrn Eichinger auch künftig nicht verzichten zu müssen, haben die staatlichen Stellen in Deutschland der Überlegung zugestimmt, den seit 2017 vakanten Sitz von WAHRIG/wissenmedia übergangsweise bis zum Ende der laufenden Ratsperiode mit Herrn Eichinger zu besetzen. Herr Eichinger ist dazu auch bereit. Das Vorhaben findet die Zustimmung der Ratsmitglieder. Über die notwendige Neuordnung der von Deutschland zu besetzenden Plätze im Rat soll rechtzeitig vor Ende der Ratsperiode mit den staatlichen Stellen eine Lösung gefunden werden.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2019 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40915

Ab und zu ändert sich die Zusammensetzung des Rechtschreibrates:

http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_mitgliederliste_2019-01.pdf

Die Liste vom Januar ist für Deutschland um eine Zeile „Wissenschaft“ ergänzt worden. Das paßt nicht zur Liste der Institutionen, und man weiß auch nicht, wie die „Wissenschaft“ der Bundesrepublik zu ihrem Vertreter gekommen ist. Übrigens ist es Herr Eichinger, der frühere Direktor des IDS und inoffizielle Chef des Rates...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2019 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40515

Auf der Website des Rechtschreibrates sind jetzt die Pressekonferenzen nach den Ratssitzungen zum Nachhören verlinkt:
https://www.o-ton.radio-luma.net/php/rfdr_pk_index.php

Man sieht auch daran, daß es seit zwölf Jahren keine solchen Pressekonferenzen mehr gegeben hat. Wozu auch? Der Rat hat ja nichts mitzuteilen. In dieser Zeit ist die Geschäftsstelle um eine promovierte Sprachwissenschaftlerin erweitert worden, die sich um die Organisation der gleichmäßig gegenstands- und ergebnislosen Sitzungen kümmert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2018 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40162

Der Apparat wird immer größer und teurer, der Ertrag immer geringer, inzwischen praktisch null.

Gezwungenermaßen auf das Gender-Thema gestoßen, weist der Rat das Ansinnen zwar vorsichtig zurück, enthält sich aber doch nicht gewisser Aussagen, die über seinen Auftrag hinausgehen; von Kompetenz ganz zu schweigen, die ohnehin nur ganz wenigen Mitgliedern zugebilligt werden kann..

Ich vermute, daß die unselige Genderfrage bzw. -anfrage für den Rat ziemlich gefährlich ist. Die Kultusminister könnten auf den Gedanken kommen, daß die ganze Institution vielleicht nicht viel wert ist, wenn sie sich schon in einer so einfachen Sache verweigert. Gewiß hat der Rat hier mal recht, aber das dürften die Kultusbürokraten nicht einsehen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 23.11.2018 um 01.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40160

Wenn man auf der IDS-Website (http://www1.ids-mannheim.de/gra/rechtschreibung/geschaeftsstelle-rat-der-dt-rechtschreibung.html) nachschaut, stellt man fest, daß die Geschäftsführung die Räume 5 sowie 6–13 beansprucht. Nun ist es durchaus möglich, daß die Numerierung auch Toiletten oder ähnliches umfaßt, aber das scheint mir doch sehr großzügig bemessen zu sein. Womöglich müssen die Räume die verbleibenden Überreste der Literatur der Bertelsmann-Wahrig-Redaktion beherbergen.

Aus den Funktionsbezeichnungen wird man auch nicht schlau:

Frau Krome: "Organisation und Koordination"

Frau Güthert: "Forschung und Forschungskoordination"

Welche "Forschung" betreibt Frau Güthert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2018 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40157

Der Rechtschreibrat bleibt auch in seiner Pressemitteilung vom 16.11.2018 bei der Schreibweise orthographisch, vermeidet also die hybride Schreibweise der Beflissenen (darunter Schmachthagen).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.11.2018 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40145

Wenn Eisenberg etwas locker über Partizipien spricht ("... ein Backender: Der steht am Backtrog und arbeitet."), liefert er leider nur ungewollt den Genderern Argumente, wie z. B. Luise Pusch im u. g. Beitrag des DLF.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2018 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40140

„Da sich die 41 Mitglieder des Rechtschreibrats dagegen entschieden haben, derlei Sonderzeichen zu tolerieren, dürften Behörden und auch Universitäten im amtlichen Texten nicht mehr davon Gebrauch machen.“ (Heike Schmoll FAZ 21.11.18)

Das ist nicht richtig, da die Beschlüsse des Rechtschreibrats, selbst wenn die KMK sie billigt, nicht automatisch für Behörden gelten. Das wird sach- und rechtswidrig behauptet, stimmt aber nicht.

Eisenbergs Kritik der Partizipialformen (ebd. zitiert) ist auch nicht ganz richtig. Ein Studierender muß nicht aktuell studieren („Student“ ist schließlich auch ein Partizip), obwohl man bei einem Backenden tatsächlich annehmen dürfte, daß er gerade am Backen ist; weniger zwingend schon bei einem "mit biologischem Getreide und ohne Zusatzstoffe Backenden". Hier muß man schon etwas mehr linguistischen Sachverstand mitbringen. „Ich studiere Medizin“ bedeutet ja auch nicht, daß ich mir keine Pause zum Schlafen und Essen gönnen dürfte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2018 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40102

Jeder kann gendern, soviel er will. Aber es wird bei der Spielweise der Hochschulen und der Zwangslektüre amtlicher Texte bleiben.

Berichte über die letzte Sitzung des Rechtschreibrats sind praktischerweise gleich mit Abbildungen des gelben Duden geschmückt, und die FAZ interviewt nicht den Vorsitzenden, sondern die Dudenredakteurin, die im Rat sitzt. Frau Kunkel-Razum äußert sich übrigens in dem Sinn, daß der Rat nicht für Gender und andere nichtorthographische Fragen zuständig ist, während sie laut "Tagesspiegel" das Gegenteil gesagt haben soll.

Bezeichnenderweise rückt aber eine andere Frage in den Vordergrund: wie man über die Zweiteilung in Männchen und Weibchen hinauskommt – ein Faß ohne Boden, weil es nicht nur im Geschlechtlichen unendlich viele Spielarten gibt, die alle "gerecht" behandelt werden wollen. O selige Neutralisierung, wie schön war es mit dir!

Man kann das Gendersternchen nicht nur lesen, sondern auch hören – etwa von Studierenden, die es kenntlich machen, indem sie beim Sprechen eine kurze Unterbrechung einlegen: „Kolleg – innen".

Mit solchen Studierenden rede ich nicht. Aber es gibt Grund zur Hoffnung: die Gesetze des Marktes werden das Schlimmste verhindern.
 
 

Kommentar von D. P., verfaßt am 17.11.2018 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40097

Eine neue Schreibgewohnheit brauche bis zu fünf Jahre, um sich durchzusetzen, sagte Lange. Daher will der Rat beobachten und in etwa fünf Jahren erneut entscheiden.
(https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/rechtschreibrat-genderstern-in-der-erprobungsphase,R9Zfxqz)

Eigentlich schade, dann hört man wieder so lange nichts. Mit der Gleichberechtigung muß es wohl noch fünf Jahre warten. Aber die Erkenntnis zur Durchsetzungszeit ist bemerkenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2018 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40095

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich bei seiner Tagung in Passau dagegen entschieden, den Gender-Stern oder andere genderorientierte Schreibweisen in das amtliche Regelwerk der Orthographie wie den Duden aufzunehmen. (FAZ 17.11.18)

Der Duden ist kein amtliches Regelwerk, und der Rechtschreibrat entscheidet nicht über die Aufnahme in den Duden.

Der sonderbare Auftrag der Kultusminister würde den Rechtschreibrat zu einem Sprachrat werden lassen. Er hätte den Auftrag von vornherein zurückweisen und sich für unzuständig erklären müssen; aber das haben nur einzelne Mitglieder angedeutet.
 
 

Kommentar von Paul Westrich, verfaßt am 16.11.2018 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40090

Gestern abend um 18.40 h war "Die Genderfrage im Rechtschreibrat" im Deutschlandfunk. Mehrmals kam Peter Eisenberg zu Wort. Die Sendung ist unter folgender Adresse nachzulesen bzw. nachzuhören:
https://www.deutschlandfunk.de/er-sie-die-genderfrage-im-rechtschreibrat.724.de.html?dram:article_id=433109
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2018 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40089

Heute tagt der Rechtschreibrat in Passau. Er ist in einer unangenehmen Lage. Um es mit den Kultusministern nicht zu verderben, muß er wohl etwas zum Gendern beschließen, sonst fragen die Politiker, wozu der Rat überhaupt gut sein soll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2018 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40044

Übrigens schrieben Gallmann und Sitta 2007, daß eine Zeitlang „sogar der Reformgegner Ickler“ Mitglied im Rat war. Damit bestätigten sie, daß tatsächlich nur ein einziger Reformgegner Mitglied war. Er vertrat 90 Prozent der Bevölkerung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#40015

Obwohl in der Geschäftsstelle des Rechtschreibrates inzwischen zwei Personen arbeiten (Krome, Güthert), bringt der Rat so gut wie nichts zustande, sein "Output" bestand bisher in einem Dutzend Änderungsvorschlägen pro Amtsperiode. Im wesentlichen werden Plenarsitzungen und Arbeitsgruppensitzungen organisiert, über deren mutmaßlich ergebnislosen Verlauf nichts bekannt wird.

Wie dem auch sei: Der Ratsuchende ist weiterhin auf den Duden angewiesen, und dessen Redaktion findet im amtlichen Regelwerk und Wörterverzeichnis seit nunmehr 22 Jahren keine hinreichende Grundlage für ihre Einträge, entscheidet also genau wie vor der Reform nach eigenem Gutdünken.

Früher mußte der Dudenverlag seine Kosten selbst erwirtschaften. Heute gibt es Geld vom Staat – für Leerlauf und Selbstbeschäftigung. Es wundert mich, daß der Bundesrechnungshof noch nicht aufmerksam geworden ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2018 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#39459

„Wenn englische Wörter nicht im Wörterbuch stehen, hat das hauptsächlich zwei Gründe: Entweder sie sind noch so neu, dass sie beim Druck des Wörterbuchs noch nicht bekannt waren, oder es handelt sich um Wörter, für die es gute deutsche Entsprechungen gibt und auf deren Aufnahme man daher bewusst verzichtet. Wenn ein Wort aber unentbehrlich ist, es also einen Sachverhalt bezeichnet, den es so im Deutschen nicht gibt, oder eine neue Ausdrucksmöglichkeit bietet, dann sollte man es auch schreiben können – und zwar ohne Zuhilfenahme eines Wörterbuchs. Das war und ist der Ansatz der neuen, im Kern seit 1996/98 geltenden Regelung.“
(http://www.rechtschreibrat.com/service/fragen-und-antworten/)

„Sachverhalt, den es so im Deutschen nicht gibt“ kann nur bedeuten: für den es im Deutschen keine Bezeichnung gibt, denn die Sachverhalte selbst sind ja nichts Sprachliches. (Oder: Bezeichnung landesspezifischer Institutionen usw.)

Hier wird den Wörterbüchern der uralte sprachpflegerische Grundsatz unterstellt, Fremdwörter gar nicht erst aufzunehmen, wenn es eine „gute deutsche Entsprechung“ gibt. Mir ist kein heutiges Wörterbuch bekannt, das sich nach dieser Maxime von der Abbildung des tatsächlichen Sprachgebrauchs entfernt. Beim Grimm beklagt man es.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2018 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#39231

Soll man den Reformern weiterhin helfen, kleine Verbesserungen vorzunehmen und damit die Rechtschreibreform als vollen Erfolg verkaufen zu können? Mir war schon klar, daß ich selber durch meine ganze Arbeit mitgeholfen habe, die Reform zu retten – um der Sache willen. Ausgeschieden bin ich erst, als die Kultusminister sogar weitere Korrekturen nicht mehr zulassen wollten. Der Rechtschreibrat hat seither etwas unerträglich Verlogenes, wie man ja bei Lektüre seiner Berichte beinahe körperlich spürt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2018 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#38262

Solche Änderungen werden stillschweigend vorgenommen und lassen sich nur zufällig beobachten. Was dahinter steckt, erfährt man nicht, und Anfragen werden, wie gezeigt, ausweichend beantwortet.
Die Kultusministerkonferenz, die sich so etwas leistet, kann man kaum zur Verantwortung ziehen, weil sie ja gewissermaßen gar nicht existiert (obwohl sie ein Generalsekretariat hat). Bisher sind Anfragen dortselbst immer an den Rat verwiesen worden, um den es gerade geht. Ein selbstreferentielles System; nur die Kosten fallen außerhalb an.
 
 

Kommentar von D. P., verfaßt am 21.03.2018 um 00.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#38254

Auf http://www.rechtschreibrat.com/der-rat/ueber-den-rat/ ist jetzt (im Februar oder März) auch der alte Name AG schulischer Gebrauch in AG Schule geändert worden. Den Sprachgebrauch beobachten soll sie trotzdem.

Allerdings unsauber korrigiert (Themenkomplexe):
Vorher: „Einen festen Bestandteil auf den Sitzungen bilden die Berichte aus den einzelnen Arbeitsgruppen, die zu den Themenkomplexen Beobachtung des allgemeinen und des schulischen Schreibgebrauchs (AG Korpus, AG schulischer Gebrauch) sowie linguistische Begleitung (AG Linguistik) eingerichtet wurden.“
Jetzt: „... die zu den Themenkomplexen Beobachtung des Schreibgebrauchs (AG Korpus, AG Schule) sowie der linguistischen Begleitung (AG Zeichensetzung) eingerichtet wurden.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2018 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#37963

Nach meiner Zählung haben neun Ratsmitglieder, die in den letzten sechs Jahren in der AG Schule mitgearbeitet haben, nun die Gründung einer AG Schule mitbeschlossen. An keiner Stelle, auch nicht in der Antwort auf meine Anfrage, ist zu erkennen, daß man sich der Existenz einer solchen AG bewußt ist. Das scheint mir erklärungsbedürftig. Schon bisher teilte der Rat auf seiner Website mit, daß Berichte der AG Schule zu den festen Bestandteilen der Ratssitzungen gehörten. (http://www.rechtschreibrat.com/der-rat/ueber-den-rat/) Wie kann er 2018 die Gründung einer solchen AG beschließen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2018 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#37843

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#37805

Auf meine Nachfrage zu dieser Unstimmigkeit teilt die Geschäftsführung mit:

"Die Mitteilung des Rats zur Einrichtung einer AG Schule spiegelt die aktuelle Beschlussfassung in der gerade begonnenen Ratsperiode wider. In der laufenden Periode planen wir, auch die Website des Rates grundsätzlich „historisch transparenter“ zu gestalten. Dies impliziert auch eine systematische Darstellung der Ergebnisse aller im Rat vertretenen Arbeitsgruppen seit Bestehen des Rates. In den vergangenen Jahren konnten Erkenntnisse gesammelt werden, die ein modifiziertes Vorgehen in einer AG Schule nahelegen. Wie dies genau aussehen sollte, muss aber in Diskussionen in der AG selbst und danach im Rat erörtert werden."

Das ist keine Erklärung, sondern macht die Sache noch mysteriöser. Die "aktuelle Beschlussfassung" wirkt so, als habe der Rat sich gerade erst zusammengefunden, ohne Kenntnis seiner bisherigen Tätigkeit.

Auf mich wirkt die Einrichtung (also erneute Einrichtung) einer AG Schule samt Aufgabenbeschreibung so, als werde auf höhere Anweisung ein Pflock eingeschlagen, der allzu gründliche Korrekturen der Neuregelung verhindern soll – nämlich mit Hinweis auf die Folgen für die Schüler.

Die angekündigte historische Aufarbeitung der eigenen Tätigkeit dürfte ein gewaltiges Stück Arbeit sein, für deren Ergebnis sich außer einer Handvoll Spezialisten auch niemand interessiert. Die Website des Rates wird ja jetzt schon kaum besucht. Ich kann es nicht genau erkennen, aber die Geschäftsstelle scheint schon personell aufgestockt zu sein, Kerstin Güthert ist nicht einfach Geschäftsführerin, sondern Leiterin der Geschäftsführung. Die Antwort auf meine Nachfrage kam von Sabine Krome, früher Bertelsmann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2018 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#37807

Im erwähnten Text heißt es wieder:
"Die Schule ist einer der beiden Bereiche, für die der Staat Regelungskompetenz hinsichtlich der Rechtschreibung ausübt."
Der nicht genannte andere Bereich sind die Behörden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts läßt aber nur die Schule gelten. Die Behörden werden regelmäßig in die Texte hineingeschmuggelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2018 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#37805

Wie auch die Medien berichteten, hat der Rat für deutsche Rechtschreibung am 10.11.2017 beschlossen, eine AG Schule einzurichten (http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_2017-11-10_Beschluss_AG_Schule.pdf)

Das ist seltsam, denn eine AG Schule gibt es seit Jahren, und ihre Arbeit wird im dritten Bericht ausführlich dargestellt. Dort findet man auch die Einsicht, daß die Beobachtung der Schreibentwicklung an den Schulen nicht sinnvoll ist, weil die Schulen auftragsgemäß keine Entwicklung zulassen, sondern Normabweichungen sanktionieren. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=754#10679)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2017 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36743

Das trifft sicher zu. Während nach wegen der Dativ üblich geworden ist, steht bei trotz, dank und anderen sekundären Präpositionen immer öfter der Genitiv. Vielleicht gilt er inzwischen als gepflegter (hyperkorrekt).
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 23.10.2017 um 11.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36741

Der Text beginnt mit „Entgegen landläufiger Vermutungen”.

Ich hätte dagegen geschrieben „Entgegen landläufigen Vermutungen”.

Ich habe das Gefühl, als ob ich obige Schreibung zunehmend häufiger sehe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 15.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36698

Danke für den Hinweis! Ja, Herr von Heyl hat unsere Sachen immer beachtet und sich ja hier auch schon mal beteiligt. Er kennt sich sehr gut aus.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 20.10.2017 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36697

Habe gerade folgende Seite gefunden, in der auch auf Ihre Arbeiten, Herr Ickler, Bezug genommen wird:

Vermischtes

Neues vom Rechtschreibrat – Caprice und Clementine

https://www.korrekturen.de/vermischtes/neues_vom_rechtschreibrat_caprice_und_clementine.shtml
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2017 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36441

Angegliedert an das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim gibt es einen "Rat für deutsche Rechtschreibung", der die Entwicklung der Sprache und Rechtschreibung beobachtet und Vorschläge für die Anpassung des Regelwerks angesichts des Wandels der Sprache macht. Neben Sprachwissenschaftlern gehören natürlich auch Schriftsteller in dieses Gremium. Der PEN Deutschland hat nun mich in diesen erlauchten Kreis geschickt. Neben Vertretern aus Deutschland sind auch Österreicher, Schweizer, selbst Liechtensteiner und Vertreter der deutschen Minderheit in Belgien in diesem Rat vertreten. Sprache ist natürlich das Handwerkszeug für Schriftsteller, korrekt sein ist wichtig. Zusätzlich haben wir Schriftsteller aber immer auch einen kreativen Zugriff darauf. Ich denke, das wird eine spannende Mitarbeit werden, bei der ich sicher auch einiges lernen kann.
...
Vor Kurzem bin ich, Kamener Bürger, in den "Rat für deutsche Rechtschreibung" berufen worden, während die Stadtspitze laufend Rechtschreibfehler produziert. Das ist auch eine Lokalgeschichte.
(https://de-de.facebook.com/Heinrich-Peuckmann-281448691881613/)


Lernen wird er schon bald, daß die Mitarbeit so spannend nicht ist. Um überhaupt mitreden zu können, müßte er sich in das Regelwerk und die letzten Berichte einarbeiten, möglichst auch in die ganze Vorgeschichte (was am einfachsten mit meinen Büchern ginge). Aber das kann man keinem zumuten, und es wäre auch vergeblich, denn zu sagen hat er im "erlauchten Gremium" nichts.

Wie ist eigentlich der PEN auf die Idee gekommen, diesen Sitz im Rechtschreibrat doch wieder zu besetzen? Wahrscheinlich weiß das neue Präsidium nichts mehr von der ganzen Geschichte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2017 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36298

Der Rechtschreibrat hat es nicht nötig gefunden, sich mit einem weiteren Stückchen zu beschäftigen, das die Reform bis heute herumschleppt: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=537#4554

Der Duden empfiehlt Waggon. (In meinem Wörterbuch weiterhin die einzige Schreibweise.) Vielleicht wird Wagon in sechs Jahren gestrichen oder in zwölf...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2017 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36258

Eisenberg kritisiert auch, daß die vom Duden empfohlenen Varianten nicht dasselbe bedeuten wie ihre Alternativen. Das ist aber nicht dem Duden anzulasten, sondern den Reformern selbst, die in unzähligen Fällen etwas als orthographische Variante dargestellt haben, was in Wirklichkeit jedenfalls für feinere Köpfe verschiedene Bedeutung hat.
Die Duden-Empfehlungen waren ein sehr berechtigter Versuch, die Unzahl von Varianten wieder einzufangen, und Eisenberg hat sich anderswo selbst daran beteiligt, wie übrigens seither auch der Rechtschreibrat. Daran ändert nichts, daß die Empfehlungen im einzelnen kritikwürdig waren (im allgemeinen zu neuerungseifrig).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2017 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36257

In der FAZ berichtet Peter Eisenberg: Die gelben Duden-Empfehlungen "haben dem Duden seinerzeit eine Rüge des Rechtschreibrats eingetragen, die folgenlos blieb." (Er gehörte selbst dem Rechtschreibrat an.)
Nun, das ist zum Lachen. Man kann nicht dem Duden die Verbindlichkeit entziehen und ihm dann vorwerfen, daß er eigene Wege geht. Und das "ökonomische Interesse" des Verlags sollte Eisenberg nicht fremd sein, hat er doch selbst mit Duden und Bertelsmann Geschäfte gemacht, die er vornehm als "Verbundenheit" mit den Verlagen umschreibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2017 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36177

Zum vorigen s. a. http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=754#10674

Ist die Übernahme von Frau Krome durch das IDS das einzige Ergebnis des Votums von 2013? Die Dudenredaktion gehört jetzt Cornelsen, Bertelsmann scheint das Interesse an der Rechtschreibung verloren zu haben, Wahrig ist Geschichte.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat meiner Ansicht nach keine Aufgabe und keine Zukunft. Ausgewachsene Professoren können doch kein Interesse daran haben, alle sechs Jahre ein Dutzend Wörter zu ändern und ein paar Sätze umzuformulieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2017 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#36157

Außer Gallmann war kein Mitglied des Rates für deutsche Rechtschreibung an der Reform beteiligt, und nur sehr wenige dürften mit dem ganzen Vorgang einigermaßen vertraut sein. Es ist auch nicht anzunehmen, daß sie sich mit Protokollen (soweit vorhanden) und Vorlagen näher beschäftigen. Der Vorsitzende fühlt sich ja inhaltlich auch nicht zuständig.
Man könnte mal die Probe machen und eines der Mitglieder auf inhaltliche Fragen ansprechen.

Das ist schon ein seltsames "Experten"-Gremium.

(Die Wahrig-Redaktion ist konsequenterweise nicht mehr vertreten, nur noch Duden/Bibliographisches Institut. Sabine Krome, 20 Jahre lang die bestimmende Hand des Bertelsmann-Konzerns in Sachen Rechtschreibreform, ist jetzt wissenschaftliche Angestellte des IDS.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2017 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35914

Wikipedia behauptet, die Schreibweise Wandalismus sei "seit 2017 veraltet" – nur weil der Rat das so dekretiert hat. Duden online kennt kein slavisch, Slavistik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2017 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35875

Nachtrag: Wie die revidierte Mitgliederliste zeigt, sitzt Peuckmann für das PEN-Zentrum im Rat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2017 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35845

Kamen. Eine ehrenvolle Berufung erreichte den Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann in diesen Tagen. Er wurde nämlich zum Mitglied des „Rates für deutsche Rechtschreibung“ ernannt, der in Mannheim an das „Institut für deutsche Sprache“ angegliedert ist. Der Rat beobachtet die Entwicklungen der deutschen Rechtschreibung und beschließt Veränderungen, wenn sie der Wandel der Sprache erforderlich machen. Renommierte Sprachwissenschaftler aus Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und selbst aus Liechtenstein bilden die Hauptgruppe in diesem Rat, dazu Journalisten und Schriftsteller. Und um deren Interessen, aber auch deren Sichtweise zum Thema zu vertreten, wurde nun Heinrich Peuckmann als einziger Schriftsteller aus Deutschland in dieses hochrangige Gremium berufen. Peuckmann freut sich auf die neue Aufgabe. „Wahrscheinlich werde ich durch die Mitarbeit noch eine Menge lernen können“, meint er.

Diese komische Darstellung des "hochrangigen Gremiums" ist ziemlich weit von der trüben Wirklichkeit entfernt. Der gute Mann wird es bald merken. (Er schreibt natürlich reformiert, wird also den Rechtschreibfrieden nicht stören.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2017 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35794

Claudia Bertels, Deutschlehrerin am Gymnasium Petrinum in Brilon:

„Die Änderungen im Bereich der Rechtschreibung reißen ja im Prinzip seit der „großen“ Reform in den 90er Jahren nicht ab, weil immer wieder ein wenig „nachjustiert“ wurde.
Und auch das halte ich nicht für dramatisch, die Rechtschreibung wurde auch früher schon regelmäßig dem Sprach-/Schreibgebrauch angepasst.
...
Am wichtigsten erscheint mir – in und außerhalb von Schule – das große „ß“ zu sein. (Wie kommt das jetzt eigentlich auf meine Computertastatur? ;-))"
(Westfalenpost 24.7.17)

Früher war die "Anpassung" eine Nachführung, jetzt geht es seit 20 Jahren nur um Korrektur der selbstverschuldeten Fehler; das ist schon ein Unterschied.

Die Lehrerin wird eines Tages feststellen, daß sie das große ß nie gebraucht hat. Nur der Rat hat es groß herausgestellt, um vom Rest abzulenken (freilich nicht so sehr, daß nicht alle Rechtschreibbücher neu gedruckt werden müßten).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2017 um 20.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35753

Der neue Duden erscheint am 9. August „nach dem Stand der Rechtschreibregelungen vom Juni 2017“ (Verlag). Er wird natürlich nicht mit den wenigen Wörtern beworben, die jetzt wieder anders geschrieben werden sollen oder dürfen, sondern mit den 5000 Neuaufnahmen. Auch dabei interessiert die Käufer nicht, wie sie geschrieben werden, sondern daß sie überhaupt drinstehen und damit, wie man meint, als Bestandteile der deutschen Sprache legitimiert ind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2017 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35715

Eigentlich sonderbar, daß der Rechtschreibrat alles mögliche zurücknimmt oder wieder zuläßt, aber bei Tollpatsch, Zierrat so unnachgiebig bleibt. Es muß damit zu tun haben, daß das Eingeständnis dieser besonders dummen Fehler auch besonders beschämend wäre. Vielleicht auch damit, daß der Urimpuls der Reformer ja war, der besseren Einsicht gebildeter Menschen keinen Millimeter Vorsprung zu lassen. Wenn Gerhard Augst es nicht besser wußte, sollte auch kein anderer es besser wissen dürfen. Man trifft sich zwangsweise immer auf dem untersten Niveau, das ist ja auch der gelbe Geist der Duden-Empfehlungen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.07.2017 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35570

Das Scheinproblem, das hier gelöst werden soll, aber auf diese Weise nicht gelöst werden kann, da die Verwendung des großen ß in Reisepässen z. B. weiterhin ausgeschlossen bleibt, besteht seit Jahrhunderten, mindestens aber seit der Umstellung auf Antiqua. Merkwürdiger Zufall, daß man erst jetzt, im Zuge der Heyse-Durchsetzung, auf die Einführung des Phantasiebuchstabens verfällt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2017 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35564

Das große Eszett kommt (Focus 23.5.2007)
Das große Eszett kommt (Tagesspiegel 26.6.2017)

(Viele ähnliche Überschriften im Abstand von 10 Jahren)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2017 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35563

Nun, soviel ich weiß, hatte die Erweiterung der Zeichensetzung nicht die von Ihnen angenommenen Zwecke, sondern galt der Urkundensprache; aber die beiden Folgen ergeben sich zusätzlich. Aber vielleicht irre ich mich.

Vgl. übrigens: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=592#6949;

Die internationalen Normungsgremien haben dem großen Eszett einen Platz im Zeichensatz zugewiesen, sich aber aus der deutschen Rechtschreibregelung herausgehalten; der Rat für deutsche Rechtschreibung schließt eine neue Rechtschreibreform für das große ß aus. „Die Menschen werden entscheiden, ob sie es verwenden“ (Güthert).

Der Rechtschreibrat sucht nach Themen, um seine Existenz zu rechtfertigen, Geld zu acquirieren, sein enormes Geltungsbewußtsein zu füttern. Für die deutsche Sprache interessiert er sich nicht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.07.2017 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35562

Nebeneffekte von was bitte?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2017 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35557

Sind das nicht Nebeneffekte? Was hat den DIN-Ausschuß geleitet, die Zeichensätze zu erweitern? Der Rat hat sich nur angeschlossen (womit er meiner Ansicht nach aber auch schon jenseits seines Auftrags handelte und die Sache jetzt sicher auch als willkommenes Ablenkungsmanöver betreibt).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.07.2017 um 23.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35556

Die Einführung des Nichtbuchstabens ist keineswegs ohne Belang, sondern soll die dysfunktionale Heyse-Schreibung weiter verfestigen. Gleichzeitig wird auch die Spaltung zwischen deutscher und schweizerischer Orthographie noch vertieft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2017 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35555

Am neuen Regelwerk gefällt mir der Paragraph 64 am besten: "vacat". Das ist leicht zu merken. Man könnte nach und nach das ganze Regelwerk durch "vacat" ersetzen.
Ein kleiner Schönheitsfehler ist, daß viele Benutzer erst nachschlagen müssen, was das bedeutet. Aha: "entfällt". Aber so drücken sich nur Deutsche aus.

In der Pressemitteilung vom 29.6.2017 wird auch wieder die Einführung des Großbuchstabens ß groß herausgestellt, und dieses Thema beherrscht die Medien. Dabei ist es ohne Belang und für die allein betroffene Schulorthographie auch praktisch folgenlos. Neun Jahre nachdem der Großbuchstabe in Zeichensätze eingeführt worden ist, kann natürlich jeder sagen: Das machen wir jetzt auch so. Die wirklich folgenreichen Änderungen durch § 63 sind für die meisten Journalisten viel zu fein gesponnen, so daß sie die Folgen für Bücher usw. überhaupt nicht erkennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2017 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35548

Neue Pressemitteilung:

http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2017-06-29_Aktualisierung_Regelwerk.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2017 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35363

1901 war pauschal der Weg zur eingedeutschten Schreibung von Fremdwörtern geöffnet worden, ohne Festlegung auf eine Liste. Der dritte Bericht nimmt nun eine Handvoll längst üblicher Eindeutschungen zurück, die also mit Billigung der Kultusminister künftig als falsch anzustreichen sind:
Kalvinismus, Wandalismus, Belkanto, Majonäse, Kargo, Kanossagang, Kollier...
Andererseits wird auch Campagne gestrichen.
Das alles wirkt konfus. Die Öffentlichkeit scheint sich aber nicht mehr dafür zu interessieren. Was die Schule betrifft, übertönt die Rückkehr zum G9 alles andere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2017 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35356

Es ist natürlich seltsam, daß der Rechtschreibrat sich mehrere Jahre ernsthaft damit beschäftigt, reformierte Schreibweisen wie Bravur, Grislibär, aber auch lange Übliches wie Wandalismus abzuschaffen, statt diese Kleinigkeiten einfach laufenzulassen.

Klar ist, daß kein Wörterbuch von jetzt an eine Chance auf dem Markt hat, wenn darin auch nur Ketschup und Majonäse (dieses lange vor der Reform üblich) noch zu finden sind. Allein dies würde den Neudruck erzwingen.

Da nicht klar ist, was von der Neuzulassung von Neues Jahr usw. noch erfaßt wird, sollte es wieder eine Liste der wichtigsten Änderungen geben. Sind es 10, 100 oder 1000? Wir wissen es nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2017 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35352

Dr. Tobias Funk, der mir das mitteilte, meint auch:

Eine gesonderte Entscheidung über "Folgen für die Schule" war nicht notwendig.

(Ich hatte danach gefragt.)

Ob gesondert oder nicht: Natürlich müssen die Schulen wissen, wie sie mit der großen Masse der vorhandenen Rechtschreibbücher usw. umgehen sollen. Vielleicht ist das ja im Beschluß enthalten, den wir nicht kennen.

Die angekündigte Veröffentlichung der revidierten Fassung auf der Website des Rates ist bisher nicht erfolgt. Die Wörterbuchverlage, vor allem Bertelsmann, dürften unterrichtet sein. Das Geschäft muß ja weitergehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2017 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35343

Die KMK teilt auf Anfrage mit:

"Die Kultusministerkonferenz hat den Vorschlägen des Rats aus seinem dritten Bericht zugestimmt."

(Mail vom 13.6.17)

Das bedeutet den Neudruck aller Rechtschreibwörterbücher usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2017 um 20.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35257

Über Uwe Pörksen steht bei Wikipedia:

"Für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sitzt er im Rat für deutsche Rechtschreibung."

Seine Austrittserklärung von 2008 habe ich hier wiedergegeben: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#28231
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2017 um 20.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#35256

Hier wird Kerstin Güthert zur Revision befragt:
https://www.ovb-online.de/politik/man-kann-nicht-einfach-sagen-schreibst-jetzt-gross-8368231.html

Ich bin sicher, daß Frau Güthert die ganze Rechtschreibreform für Unsinn hält, aber das darf sie als Geschäftsführerin natürlich nicht sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#34719

Die neue Mitgliederliste zeigt wenig Veränderung. Ich hatte eigentlich erwartet, daß manche sich überlegen, ob sie weiterhin mitmachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2017 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#34364

Auch an dieser Stelle sei es gesagt:

http://www.rechtschreibrat.com/regeln-und-woerterverzeichnis/

Auf dieser Seite gibt es einen Button zum Anklicken, aber entgegen der Ankündigung fehlt das Wörterverzeichnis. Der Knopf wiederum, der zur Buchausgabe des amtlichen Regelwerks mit Wörterverzeichnis führen soll, verlinkt die Ausgabe von 2005 (Verlag Narr), also eine längst überholte Fassung. Die Reform von 1996, an der sich die Reformdiskussion entzündete, ist beim Rechtschreibrat überhaupt nicht mehr greifbar. Was sind das für Zustände?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.06.2016 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#32734

Sie kapieren es nie und bringen auch noch falsche Beispiele.

Im Bonner Generalanzeiger wird über den geplanten Wechsel in der Leitung des Rechtschreibrats berichtet. Dazu heißt es noch:

„Die Rechtschreibreform von 1996 hatte zu leidenschaftlichen Debatten geführt. Jahrelang tobte ein Streit um die richtige Schreibweise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß.“

Soviel Ignoranz ist ja kaum noch zu übertreffen.

Zugleich ist diese Darstellung aber auch typisch. Denn wenn Journalisten oder Politiker Beispiele zur Rechtschreibreform angeben wollen, so wählen Sie so gut wie ausnahmslos solche aus der Lautschreibung („Laut-Buchstaben-Zuordnung“). Das ist eben das, was Klein Erna sich unter Rechtschreibreform vorstellt (oder der Engländer unter „spelling reform“).

Dabei spielten Änderungen der Lautschreibung in der Rechtschreibung und der Diskussion darüber nur eine ganz marginale Rolle. Der eindeutige Schwerpunkt der Reform und der Debatte lag doch auf den Gebieten GZS und GKS.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2015 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#30546

Vor einer Woche hat der Rechtschreibrat getagt. Sogar die Hofberichterstattung des Mannheimer Morgens schweigt inzwischen. Rafft sich jemand auf, mal nachzufragen? Ich schaffe es nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#29985

Daß es nichts "Neues aus dem Rat" gibt, gehört, wenn ich es bedenke, zu den größten Unverschämtheiten der Reformer. Seit Jahren auf Tauchstation zu sein und dem orthographischen Wirrwar einfach zuzusehen – ist der Rat dafür eingesetzt worden?
 
 

Kommentar von derwesten.de, 16.12.2014, verfaßt am 17.03.2015 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#28326

Seit zehn Jahren berät der "Rat für die deutsche Rechtschreibung"

Essen. Von „leid tun“ über „Leid tun“ zu „leidtun“: Vor zehn Jahren brachte die 37-köpfige Orthografie-Instanz Frieden auf einem kriegsartig umkämpften Feld.

Auf den Tag genau zehn Jahre gibt es nun den „Rat für deutsche Rechtschreibung“ mit Geschäftsstelle in Mannheim, getagt wird zwei Mal im Jahr. Die lapidaren Fakten klammern indes die segensreiche Wirkung aus, die der Rechtschreib-Rat entfaltete: Der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ mit 37 Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Belgien und Liechtenstein befriedete einen Kriegsschauplatz, auf dem es fast ein Jahrzehnt lang immer häufiger zu immer erbitterteren Schlachten gekommen war. [...]

www.derwesten.de/kultur/der-segensreiche-rechtschreib-rat-id10152955.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#28231

Schon längst wollte ich Uwe Pörksens Austrittserklärung hier einrücken und sehe jetzt, daß er sie selbst veröffentlicht hat: http://www.uwe-poerksen.de/austritt.htm

Der Einfachheit und Vollständigkeit halber setze ich sie trotzdem hierher:

Prof. Dr. Uwe Pörksen
Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

An den Vorsitzenden des Rats für deutsche Rechtschreibung
Herrn Staatsminister a. D.
Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair
Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Lazarettstr. 33
D-80636 München


An die Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung
Geschäftsstelle am Institut für Deutsche Sprache (IDS)
R5, 6-13
D-68161 Mannheim


Freiburg, 4.10.2008

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ratsmitglieder,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,

mit diesen Zeilen kündige ich an, daß ich zum Termin der nächsten Sitzung aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung ausscheide.
Die Aufgabe des Rates habe ich zur Zeit meines Beitritts vor etwa drei Jahren so verstanden, daß er die Baustelle Rechtschreibung in den wichtigsten Bauabschnitten einer Revision und einem Rückbau unterzieht. Unsere zunächst sehr zurückhaltende Akademie hat sich daran beteiligt, als der Rat ihrem Vorschlag entgegenkam, Arbeitsgruppen – u.a. zum Thema Zusammen- und Getrenntschreibung – einzurichten, und diese in der Folge überzeugende Vorschläge vorlegten. Im Frühjahr 2006 kam es zum erfolgreichen Abschluß eines ersten Kapitels, zugleich wurde die Weiterarbeit in einer Sitzung, an der ich teilnahm, auf eine nicht unbedenkliche Weise unterbunden bzw. auf ein St. Irgendwann vertagt.
Inzwischen vermag ich kein klares Programm zu erkennen, weder was Inhalt und Gewichtung der noch zu erledigenden Kapitel, noch was den Zeitplan, noch was die einzusetzenden Arbeitsgruppen angeht. Statt dessen scheint mir der Rat dazu überzugehen, sich neuen, weitergehenden Aufgaben zuzuwenden.
Das widerspricht meinem Verständnis seines Auftrags und seiner Möglichkeiten. Ich habe ihn als Aushilfe in einer verfahrenen Situation begriffen. Als Dauereinrichtung halte ich ihn für eine Fehlkonstruktion. Unsere Orthographiegeschichte ist in den 90er Jahren verunglückt, weil ein Gremium, das in den 50er Jahren gegründet wurde, um die Idee einer Kleinschreibung nach englischem oder dänischem Vorbild zu prüfen, sich, als die Idee zu den Akten gelegt wurde, nicht aufgelöst hat.
Die Reaktion bzw. die fehlende Reaktion auf das letzte Schreiben unserer Sprachkommission bestärkt mich in meinem Entschluß. Die Kommission unserer Akademie ist über meine Entscheidung unterrichtet und hat für sie mehr als Verständnis. Ich bitte darum, daß die Gründe meines Austritts in der kommenden Sitzung diskutiert werden. (Sollte es bei dem ursprünglich angekündigten Termin 23. Oktober bleiben, müßte ich mich leider schon um 13h verabschieden).

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Uwe Pörksen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2014 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#26351

Der Rechtschreibrat läßt seit Jahren nichts mehr von sich hören. Für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sitzt jetzt Beatrice Primus drin (frischgebackenes Akademiemitglied). Sie wird wohl bald merken, wie öde das alles ist, und hätte wohl Besseres zu tun. Wie sich die Veränderungen bei Bertelsmann auf die bisher beherrschende Stellung der Wahrig-Vertreterin Krome auswirken, ist auch nicht abzusehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2009 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#15013

Im Rechtschreibrat vertritt seit kurzem ein Knut Stirnemann die Schweizer Lehrer (Ersatz für Looser).
Zu einem Foto scheint es nicht mehr gekommen zu sein, schon weil immer ein Drittel der Mitglieder den Sitzungen fernbleibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2009 um 11.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#14349

Gestern sollte doch der Rechtschreibrat getagt haben. Man hört rein gar nichts mehr, und die Presse interessiert sich auch nicht mehr dafür. Dieses Dahindämmern eines mit so gewaltigem Trara begonnenen Unternehmens ist peinlich genug. Was ist aus Eisenbergs Posaunenstößen geworden?
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 13.03.2009 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#14056

R.M.: "Haider soll sich darüber beschwert haben, daß Gallmann streng riecht. Größer noch ist jedoch der Gestank, der von Gallmanns absonderlichen..."

– aber streng wissenschaftlichen –

"... grammatischen Vorstellungen ausgeht."
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 12.03.2009 um 19.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#14055

@ THI: "Kürzlich wurde Hans Haider aus dem Rechtschreibrat abberufen, ..."

Ich habe den Eindruck, daß man aus diesem Verein schon lange nichts mehr hört, noch nichtmal ein Rauschen. Was soll man dann aus deren Reihen an konstruktiven Verbesserndes erwarten? Meine Erwartung an den Rat: keine!
 
 

Kommentar von Y.N., verfaßt am 12.03.2009 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#14053

Seit 10 Tagen hält sich Uwe Pörksen in Tokio auf. dessen Vortrag "Die sieben Bauelemene einer vernünftigen Rede" ich heute zugehört habe. Die Handouts waren in bewährter Rechtschreibung geschrieben. Anschließend hatte ich noch beim Kaffeeklatsch die Gelegenheit, mich über den Rat zu informieren. Die mafxxxx Stimmung da scheint nach wie vor gleich zu sein. Die Nachfolgschaft von Schiewe erfolgte nicht auf seinen, sondern Eisenbergs Vorschlag.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.03.2009 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13995

Haider soll sich darüber beschwert haben, daß Gallmann streng riecht. Größer noch ist jedoch der Gestank, der von Gallmanns absonderlichen grammatischen Vorstellungen ausgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2009 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13945

Kürzlich wurde Hans Haider aus dem Rechtschreibrat abberufen, wie man hört, auf Betreiben anderer Mitglieder, die nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollten. Sein Nachfolger ist Benedikt Kommenda (Die Presse). Kommenda ist fachfremd und hat sich bisher nicht zur Rechtschreibreform geäußert. Das kann ein Vorteil sein, aber insgesamt sind solche Veränderungen natürlich ohne Bedeutung.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 17.12.2008 um 03.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13616

Die zähflüssigen Kleinschritte des sog. Duden vor der Reform erfolgten in einer völlig anderen Situation als die durch die RSR herbeigeführte.

Der mit der sog. RSR vollzogene Kahlschlag soll nun mit Rückforstung ärmlich ausgeglichen werden? Das ist in jeder Hinsicht unausführbar.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 17.12.2008 um 03.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13615

Jan-Martin Wagner hat den Finger in die Wunde des Selbstverständnisses dieses Gremiums gelegt, das wie bereits die seine Existenz bereitenden Deformer sich offenbar als Demiurg versteht, also nicht dienen sondern herrschen will. Das Goethe-Institut hat zuweilen ähnliche Allüren.

An ihrer Sprache werdet ihr sie erkennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2008 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13580

Zu einem Werk Schiewes habe ich übrigens mal eine Besprechung veröffentlicht (in der "Deutschen Sprachwelt"):

Jürgen Schiewe: Die Macht der Sprache. Eine Geschichte der Sprachkritik von der Antike bis zur Gegenwart. C. H. Beck München 1998. 68 DM.
Sprache wird gewöhnlich erst durch Störungen ihres allzu gewohnten Funktionierens zum Gegenstand der Aufmerksamkeit. Am Anfang der Sprachwissenschaft steht daher neben der philologischen Aufhellung fremdgewordener Ausdrucksweisen die Kritik mißlungener oder anstößiger Rede. Auch der Sprachunterricht forderte stets sein Recht. Erst in jüngster Zeit sind solche praktischen Gesichtspunkte aus einer Wissenschaft ausgeschieden worden, die sich als reine Theorie begreifen möchte. Jürgen Schiewe meint wie viele andere, diese methodische Enthaltsamkeit aufbrechen zu können. Er hat sich in seiner Dissertation (über die politische Sprachkritik Carl Gustav Jochmanns) und in zahlreichen Aufsätzen mit ausgewählten Kapiteln aus der Geschichte der Sprachkritik befaßt und stellt einiges daraus nun aufs neue zusammen. Das Buch handelt allerdings weder von der Macht der Sprache noch ist es eine Geschichte der Sprachkritik. Es ist vielmehr eine mit umfangreichen Zitaten ausgestattete Blütenlese von Ansichten deutscher Autoren über die Sprache. Eine Ausnahme von dieser Beschränkung macht nur das erste Kapitel, das die bekannte Diskussion des Platonischen „Kratylos“ über die Richtigkeit der Namen referiert und kommentiert, freilich ohne auf die abgründige Ironie gerade dieses Werkes oder gar auf den Zusammenhang mit den logisch-sprachphilosophischen Hauptwerken (vor allem dem „Sophistes“) einzugehen. Schiewe ist denn auch nicht an philologischer Interpretation interessiert, sondern zieht den Dialog nur zur Einführung in zeichentheoretische Modellvorstellungen heran und verläßt die wahrlich reiche sprachkritische Literatur der Antike sogleich wieder, um zu einer flüchtigen Skizze des mittelalterlichen Nominalismus-Streits überzugehen. Von da an werden nur noch deutsche Autoren vorgestellt - eine Ausblendung des europäischen Kontextes, die sich aus sachlichen Gründen nicht rechtfertigen läßt und viel provinzieller wirkt als die Köpfe, um die es geht: Leibniz, Herder, Campe, Jochmann und all die anderen.
Nach Schiewe kann Sprachkritik sinnvollerweise nur als Kritik des Sprachgebrauchs, nicht aber des Sprachsystems geübt werden, und eben dies soll der Gang durch ihre Geschichte zeigen. Doch schon der breit dargestellte Übergang von der lateinischen zur deutschen Wissenschaftssprache, dem Schiewe bereits eine frühere Arbeit gewidmet hatte, beruht nicht auf einer Kritik des Sprachgebrauchs, sondern allenfalls auf Gedanken über den Status der Sprachen sowie über die Eignung unterschiedlicher Systeme zur Erfüllung besonderer Aufgaben. Ferner wäre hier die empfindlichste Lücke in Schiewes Darstellung zu nennen: die systemvergleichende Kritik der Sprachen im Anschluß an die bahnbrechende Typologie Humboldts und Schlegels, die eine heftige Diskussion, zum Beispiel über den Rang des Chinesischen, hervorrief, bis Georg von der Gabelentz einem linguistischen Egalitarismus das Wort redete, ohne aber das Thema Sprachbewertung damit endgültig von der Tagesordnung absetzen zu können. Weder Gabelentz noch das große zusammenfasssende Kapitel „Sprachbewertung“ im fünften Band von Friedrich Kainz´ „Psychologie der Sprache“ scheinen dem Verfasser bekannt zu sein. Beides hätte ihn von der Meinung abbringen können, Sprachsysteme als ganze seien nicht kritisierbar.
Schiewe postuliert, daß eine Sprache als System nicht „krank“ sein könne, „Sprachpflege“ daher unmöglich und dieser Begriff völlig aufzugeben sei. Damit setzt er sich über die Tatsache hinweg, daß in der ganzen Welt planmäßig an der Verbesserung (Modernisierung) ganzer Sprachsysteme wie Hindi, Arabisch oder Suahili gearbeitet wird. Übrigens erkennt der Verfasser gelegentlich durchaus an, daß der Dreißigjährige Krieg die deutsche Sprache „erheblich in Mitleidenschaft gezogen“ habe, so daß die Sprachgesellschaften etwas zu tun bekamen - mit „Spracharbeit“, die zweifellos am Sprachsystem ansetzte. Hierher gehört auch ein großer Teil der ausführlich dargestellten Vorschläge von Leibniz. Sogar die gegenwärtige Manipulation am orthographischen System des Deutschen („Rechtschreibreform“) wird von ihren Urhebern mit Recht als „Sprachpflege“ ausgegeben und nicht, wie es nach Schiewe sein müßte, unter Sprachkritik subsumiert.
Die Fremdwortdiskussion ist nach Auffassung des Verfassers kein ernstzunehmendes Thema mehr. In Wirklichkeit steht sie, auch in Fachkreisen, unter dem Titel „Anglisierung des Deutschen“ nach dem Abflauen der feministischen Linguistik im Mittelpunkt der heutigen Sprachkritik. In diesem Zusammenhang folgt Schiewe dem vor über dreißig Jahren eingerissenen Brauch, auf Eduard Engel herumzutrampeln, der um die Jahrhundertwende angeblich einen chauvinistischen Purismus vertreten und die nationalsozialistische Volksverhetzung in nicht mehr überbietbarer Weise vorweggenommen habe. Dieses auf Unkenntnis beruhende Märchen hat Peter von Polenz in die Welt gesetzt, von dem Schiewe sowohl die Belege als auch die Urteile ungeprüft übernimmt. In Wirklichkeit vertrat der polyglotte Kosmopolit Engel genau dieselben aufklärerischen Ideale, die Schiewe an Campe und Jochmann rühmt, und an den Fremdwörtern tadelte er nicht ihre Herkunft, sondern ihre Unverständlichkeit, die unnötigen sozialen Barrieren, die sie errichten, und nicht zuletzt das sprachliche Imponiergehabe. Engels unübertroffene „Deutsche Stilkunst“ war es auch, aus der Ludwig Reiners alles Wesentliche für seine eigene „Stilkunst“ übernahm, die übrigens kein anderer als Schiewe neu bearbeitet hat. Seine Hauptquelle zu nennen, schien Reiners im Dritten Reich nicht opportun, und dabei blieb es.
Von den bekanntesten Autoren werden jeweils die bekanntesten Stellen ausgiebig zitiert. Es fehlen weder Chandos/Hofmannsthals „modrige Pilze“ noch jene Dirne, die Karl Kraus zur Jungfrau gemacht haben will. Als erste Einführung in bestimmte Arten von Sprachkritik ist all dies wohl brauchbar, doch wäre dem Leser besser gedient, hätte Schiewe sich entschlossen, auf dem Wege des Zitierens noch einen Schritt weiter zu gehen und lediglich eine Textsammlung zu bieten. Was Orwell oder Klemperer gesagt haben, liegt ja offen zutage und braucht nicht breit paraphrasiert und kommentiert zu werden.
Seinen eigenen Vornamen führt Schiewe übrigens auf „Gregor“ und dieses wiederum auf „agricola“ zurück; falls dies ein Scherz à la Kratylos sein soll - wo ist die Pointe?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2008 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13579

Inzwischen ist der Austritt Uwe Pörksens auch auf der Internetseite des Rates bestätigt. Sein Schüler Jürgen Schiewe hat seinen Platz eingenommen (der Bearbeiter von Ludwig Reiners' Stilkunst, vgl. http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=563#6284).
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 27.11.2008 um 22.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13508

Seit wann gibt es eigentlich auf der Startseite des Rechtschreibrats in der linken Spalte die fettgedruckte Rubrik "Unsere Ziele"? Müßte es nicht vielmehr "Unser Aufgabe" heißen (vgl. Statut)? Im Unterschied zu einer Aufgabe verfolgt man ja ein Ziel aus eigenem Antrieb heraus. Auch ist es für meine Begriffe etwas anderes, wenn man ein selbstgewähltes Ziel nicht erreicht, als wenn man eine vorgegebene Aufgabe nicht erfüllt. (Eine derartige Abweichung der Selbstdarstellung vom Statut war schon früher aufgefallen, siehe www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1003.)
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 18.11.2008 um 09.51 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13466

Zu #13446:

„Die Presse vernachlässigt ebenfalls ihre Pflicht, indem sie gar nicht nachfragt.“ Wie Sie wissen, lieber Herr Ickler, hat zumindest die DEUTSCHE SPRACHWELT nachgefragt. Die unergiebige Antwort hatte ich Ihnen weitergeleitet. Die Recherche läuft weiter. Handfeste, gesicherte Informationen für unsere Berichterstattung sind hochwillkommen. Ich bitte jeden, der etwas bieten kann, um Zusendung.
(thomas.paulwitz@deutsche-sprachwelt.de)
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 16.11.2008 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13463

Wenn überhaupt Entscheidungen fallen, dann nicht im Rat für deutsche Rechtschreibung, sondern im Deutschen Sprachrat, der Dachorganisation, in der sich IDS und GfdS zusammengeschlossen haben, unter Einbeziehung der Goethe-Institute und des DAAD und „gefördert“ bzw. „unterstützt“ von Duden. (Was nicht hindert, daß der Rechtschreibrat Entscheidungen gegebenenfalls verkündet. Es liefe aber auf dasselbe hinaus, da IDS, GfdS und Duden diesen Rat beherrschen. Ob er irgendwelche Entscheidungen verkündet, hängt deshalb nicht davon ab, ob er sie trifft, sondern davon, ob das opportun wäre oder nicht. Derzeit scheint es eher obsolet zu sein.)

Der Deutsche Sprachrat ist keine unpolitische Vereinigung zum Zweck der Förderung der deutschen Sprache. Weiter ist er nicht nur dort politisch, wo er sich explizit politisch gibt, nämlich als Instrument der auswärtigen Sprachpolitik. Symptomatisch für die Konzeption des Sprachrates ist die nachträgliche Einbeziehung des Akademischen Austauschdienstes. Als Instrument zur Förderung von Deutsch in Deutschland kommt dieser nicht in Betracht. Als Instrument zur Förderung von Deutsch im Ausland kommt er aber ebensowenig in Betracht, weil dieses Segment bereits von den Goethe-Instituten besetzt ist (und gerade wegen der teilweisen organisatorischen Verzahnung mit den Goethe-Instituten hätte es einer eigenen Mitgliedschaft des DAAD im Sprachrat nicht bedurft).

Auf das Deutsch in Deutschland hat der DAAD keinen Einfluß. Auf das Deutsch im Ausland hat der DAAD ebenfalls keinen Einfluß. Wohl aber hat er einen Einfluß auf die Wahrnehmung deutscher Binnensprachpolitik im Ausland.

Bemerkenswert ist auch, daß der DAAD mit seiner Mitgliedschaft im Deutschen Sprachrat öffentlich nichts anzufangen weiß. In seinem Internetauftritt habe ich jedenfalls keinen entsprechenden Hinweis gefunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2008 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13452

"im übrigen" usw. liest man schon lange wieder in der FAZ und sogar (vielleicht überwiegend) in der Süddeutschen Zeitung, es setzt sich entweder durch Beschluß der Herausgeber oder von selbst wieder durch.

Kuriosität am Rande: Die Ostthüringer Zeitung berichtet heute, daß in der kommenden Woche die 1. Schleizer Lesetage eröffnet werden – "in Schleiz - der Stadt, in der Dr. Konrad Duden seine bis heute gültige Deutsche Rechtschreibung schuf".

Einfach ignorieren – das ist die beste Art, mit der Reform umzugehen.
 
 

Kommentar von Erich Kästner, verfaßt am 14.11.2008 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13450

"Ich glaube an den gesunden Menschenverstand wie an ein Wunder; doch der gesunde Menschenverstand verbietet mir, an Wunder zu glauben."
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 14.11.2008 um 13.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13449

Wie optimistisch bin ich denn, wenn ich darauf hoffe, demnächst wieder "im übrigen", "im allgemeinen", "jeder einzelne" und "der erste" in meiner Tageszeitung lesen zu können?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2008 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13447

Wie notwendig eine Neufassung der Regeln ist, braucht man den Besuchern dieser Seiten wohl nicht zu erklären. Ich erinnere nur noch einmal an das Glanzstück der bisher letzten Revision, die Getrennt- und Zusammenschreibung. Die alte Dudenvorschrift, daß beim Entstehen einer neuen Gesamtbedeutung zusammengeschrieben wird, ist 1996 aufgegeben und 2006 wiedereingeführt worden. Sie ist unklarer als je, weil Eisenberg noch eine Unterscheidung zwischen Subjekts- und Objektsprädikativen hinzuzufügen versucht hat. Das steht nicht im amtlichen Text, wohl aber in dem Bericht, der den Hintergrund der Revision bildet und sozusagen eine Ausführungsbestimmung enthält. Das ist zwar im Sande verlaufen, aber was dazu im Bericht und beispielsweise in Duden Bd. 9 von 2007 steht, läßt sich nicht einfach übergehen. Dies hätte der Rat längst bereinigen sollen, statt vollkommen sinnlose "Untersuchungen" über die Befolgung der Reformregeln in diesen oder jenen Textsammlungen anzustellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2008 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1074#13446

Eigentlich ist es ein Skandal, daß der Rechtschreibrat weder auf Pressekonferenzen noch auf seiner Internetseite irgendwelche Auskünfte über das Ergebnis seiner Sitzungen gibt. Die Presse vernachlässigt ebenfalls ihre Pflicht, indem sie gar nicht nachfragt.
 
 

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