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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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25.06.2010
Wortmarken

Kommerzialisierung der Sprache schreitet fort

Wie die Zeitung berichtet, muß das Krimifestival "Tatort Ammersee" seinen Namen ändern, weil die ARD die Wortmarke "Tatort" für sich beansprucht. (Allerdings scheinen noch Bildmarken wie das bekannte Fadenkreuz im Spiel gewesen zu sein.) Das Wort "Tatort" ist ein Bestandteil der Allgemeinsprache, aber darauf scheint es nicht anzukommen. Im Gegensatz zum Patenrecht muß das Wort offenbar keine besondere "Erfindungshöhe" haben, um kommerziell schützbar zu sein. Ich beobachte diese Entwicklung seit langem mit einiger Verwunderung. Leider habe ich noch keine Liste der bereits geschützten Wörter gefunden.

Bei "Persil", "Nivea" usw. konnte man noch von originellen Worterfindungen sprechen, und bei "Tempo" ist die Zuordnung zu Papiertaschentüchern originell, d.h. andere Hersteller können kaum ein Freihaltungsinteresse geltend machen, weil "Tempo" zur Beschreibung von Taschentüchern nicht notwendig ist. Aber kann und muß man in der Krimi-Werbung auf "Tatort" verzichten?



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Kommentare zu »Wortmarken«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2010 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16429

Mein Buch "Falsch ist richtig" sollte eigentlich viel besser "Richtig falsch" betitelt sein, aber im letzten Augenblick stellte sich heraus, daß irgendein kleiner Verlag diesen Titel bereits im Programm hatte und nicht mit sich handeln lassen wollte. Vgl.
http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=440#3632
Deshalb verrate ich auch nicht, wie mein nächstes Buch heißen soll ...

Während ich den Streit um "Mozartkugeln" usw. noch nachvollziehen kann, ist die Geschäftemacherei mit ganz gewöhnlichen deutschen Ausdrücken mir recht zuwider. Das fällt in dieselbe Klasse wie die Abmahnvereine. Früher hätte man mit solchen Blutsaugern kurzen Prozeß gemacht (Nase abschneiden oder so ...).
 
 

Kommentar von Schlandrut, verfaßt am 29.06.2010 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16427

In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, daß Herr Raab sich solche Rechte an dem Wort "Schland" schon gesichert hatte, noch bevor die Erfinder dieses Wortes überhaupt wußten, daß man es schützen lassen kann.
 
 

Kommentar von Michael Krutzke, verfaßt am 28.06.2010 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16423

Es ist unterhaltsam, erstaunlich und erschreckend, was alles einem (meist kommerziell genutzten) Teil des Sprachgebrauchs entzogen werden kann. Die Standardformel lautet: Unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 MarkenG nehmen wir Titelschutz in Anspruch für: XYZ in allen Schreibweisen und Darstellungsformen für alle Medien, insbesondere Print- und Online-Medien. Für XYZ können dann so originelle Begriffe stehen wie Innovation, Landurlaub, Fieberkurve, köstlich, Luftschlösser und so weiter. Veröffentlicht wird das alles im Titelschutzanzeiger (http://www.titelschutzanzeiger.de). Dessen PDF-Archiv der gedruckten Ausgaben ist eine wahre Fundgrube für die sehr unterschiedlichen "Erfindungshöhen" bei der kommerziellen Sprachnutzung.

Gelegentlich profitiert auch mal der (in geschlechterungerechten Zeiten) immer wieder bemühte „kleine Mann“. Vor Jahren gab ein deutscher Autokonzern einem seiner neuen Modelle – nach dessen Markteinführung – einen Namen, den sich eine Privatperson hatte schützen lassen. Man einigte sich, und der Titelschutzinhaber bekam neben diesem speziellen Modell auch noch ein stattliches Sümmchen Bargeld. Daß die mächtige Rechtsabteilung eines milliardenschweren Konzerns vor der Namensnutzung nicht genau genug recherchiert hatte, löste allgemeine Schadenfreude aus.
 
 

Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 26.06.2010 um 21.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16416

Wollte beim letzten Bach-Jubiläum nicht auch ein wendiger "Jurist" den Namen Bach für sich patentieren lassen? Fast staune ich noch heute darüber, daß er mit dieser närrischen Finte keinen Erfolg gehabt hat.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 26.06.2010 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16414

Ich erinnere mich, daß vor Jahren auch die 10-Pfennig-Bild-Zeitung das Wort "Bild" für sich markieren wollte. Das wurde aber damals richterlich abgelehnt.
 
 

Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 25.06.2010 um 19.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1318#16413

Die Beobachtung, daß immer mehr Wörter der Allgemeinsprache als "Wortmarke" beansprucht und dann richterlich anerkannt werden, konnte ich auch öfter machen.
Anwälte (Patentanwälte, sowie ich mich erinnere) haben sich besorgt geäußert. Sie könnte man fragen, ob es solche Listen gibt.
 
 

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