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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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07.07.2010
Dicke Texte

Abnehmen, ohne zu hungern!

Wie schon Jesus sagte, sollen wir ja und nein sagen und weiter nichts, auch nicht schwören, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt.

Wir entwerten unsere Sprache, wenn wir ständig zu den stärksten Worten greifen. Das fängt schon mit Bejahung und Verneinung an. Statt Jesus sagte heißt es also kein Geringerer als Jesus sagte, und statt das ist nicht klar sagt man das ist alles andere als klar. Wirklich alles andere? Göttert schreibt in seinem Buch "Deutsch": Die deutsche Sprache soll sich alles andere als verstecken. (S. 370) Was soll sie sich denn noch? Und das schreibt nun ein Germanist, der viel über Stilistik veröffentlicht hat.



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Kommentare zu »Dicke Texte«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2010 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1326#16472

Genau das wollte ich sagen. Eduard Engel und sein Plagiator haben den "Schreistil" kritisiert. Bin dabei, aus meinen eigenen Texten alle "sehr" usw. zu streichen. Haben wir schon mal darüber gesprochen, daß in den letzten Jahren aus der kleinsten Aufgabe eine "Herausforderung" geworden ist? Man braucht keine statistischen Untersuchungen anzustellen, um das zu behaupten.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.07.2010 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1326#16470

Jesus sagte: Das Ja sei ein Ja, das Nein sei ein Nein. Es ging ihm um Verläßlichkeit. Man soll den anderen nicht irreführen, man soll nicht heucheln. Wir sollen das sagen, was wir meinen, und zu dem stehen, was wir sagen. Da geht es nicht um die Ausdrucksweise, sondern um Aufrichtigkeit.

Die ständige Übertreibung ist im natürlichen Sprechen angelegt. Wer redet schon ganz nüchtern? Die eigenen Bewertungen werden regelmäßig unterstrichen: Man findet etwas oder jemanden ganz toll, unheimlich aufregend, total daneben, absolut kraß, mega-out, verdammt anstrengend, unglaublich süß, wahnsinnig doof, einfach nur ätzend usw. Das ist die normale Ausdrucksweise von Menschen, die sich einander lebhaft mitteilen. Der Schreiber, der sich der Wirkung seiner Mitteilung auf den Leser nicht vergewissern kann, empfindet wiederum einen Anreiz, lieber dick aufzutragen, damit die Botschaft auch ja ankommt. Es gehört schon viel Erfahrung, Überlegung und Selbstbeherrschung dazu, sich beim Schreiben zurückzuhalten und auf das Prinzip "Weniger ist mehr" zu vertrauen.
 
 

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