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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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21.10.2005
 

Reformer und Politiker
Nicht alle Hintergründe sind bekannt, aber es reicht

Niemand spricht den Reformern alle guten Absichten von Anfang an ab. Aber spätestens als die „geliebten“ Ziele aufgegeben werden mußten, hätten sie den Reformplan aufgeben müssen, und einige haben es ja auch getan (Mentrup, Weisgerber).
Daß die meisten dennoch weitermachten und sogar weithin das Gegenteil ihrer Ideale akzeptierten, läßt auf Geltungssucht schließen – was denn sonst? Persönliche Eigenschaften sollten in wissenschaftlichen Diskussionen keine Rolle spielen, aber was sich Augst und Schaeder mit ihrem Pamphlet leisteten, das sogar den geduldigen Munske zum zornigen Austreten aus der Kommission veranlaßte, das kann nur noch als menschliche Verfehlung bezeichnet werden. Zusammen mit der Täuschung über die Zahl der Regeln begann damals eine von Grund auf verlogene Propaganda, die bis heute nicht aufgehört hat – man denke nur an die KMK und ihre „unstrittigen“ Regeln.

Die Politiker sind mit der RSR genauso reingelegt worden wie mit der Vereinfachten Ausgangsschrift: Falsche Behauptungen und verfälschte Testergebnisse mußten dazu herhalten, die segensreichen Wirkungen dieser Neuerung zu begründen. Nach jahrzehntelanger Agitation waren die Kultusministerien zu dem Gewaltstreich bereit, und plötzlich wurden sämtliche Grundschullehrerinnen zur Fortbildung geschickt, um eine neue, potthäßliche Schreibschrift zu erlernen. (Und auch hier haben die Erfinder ganz irdischen Profit gemacht ...) Wilhelm Topsch hat den Schwindel aufgedeckt, aber da war es schon zu spät, die Schülern lernten schon die neue Schreibweise ...
Die Kultusminister interessieren sich auch bei der RSR nicht für die Einzelheiten und haben keine Überzeugungen. Sie verließen sich damals auf ihre Mitarbeiter: Krimm, Pohle, Besch, Niehl, Funk, Habedank, Stillemunkes ... Inzwischen verfluchen sie allesamt die Reform (wie mir jemand aus der KMK bestätigte), kämpfen aber weiter für ihre verlorene Sache, mit den bekannten, auch unlauteren Mitteln.



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Kommentare zu »Reformer und Politiker«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2017 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#36753

Die FAZ berichtet ausführlich über den Europarat, Aserbaidschan und Korruption. Dabei wird auch Lobbyist Eduard Lintner (CSU) erwähnt, der 1996 für das Bundesinnenministerium die Wiener Absichtserklärung unterzeichnete. Weiteres unter seinem Namen bei Wikipedia.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.11.2005 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1381

Mein Glaube an das deutsche Beamtentum ist aber noch stark genug, um nicht zu glauben, daß die zuständigen Beamten die Politiker hinters Licht geführt hätten. Vielmehr vermute ich, daß sie die Politiker pflichtgemäß darauf hingewiesen haben, daß tiefgreifende Änderungen der Reform, seien sie noch so gerechtfertigt, die Reform in den Augen der Bevölkerung unrettbar diskreditieren und damit die KMK und die Kultusminister unsterblich blamieren würden. Daß die Politiker daraus die naheliegende Folgerung gezogen haben, ist einzig und allein ihre Verantwortung.

Nehmen wir doch die zwei Beispiele, die Professor Ickler in dem Zusammenhang anführt. Wie stellen Sie sich das vor, Herr Achenbach, mit Ihrer Hochachtung vor dem aufrechten deutschen Beamtentum?

(1) Die Kultusminister reden fünf, sechs, sieben, acht, neun Jahre lang davon, daß die Zahl der Regeln durch die Reform ganz erheblich gesenkt worden sei, dadurch werde das Schreiben für die Kinder leichter. Die Minsterialräte treten jeweils nach einer solchen Äußerung eilig an den Minister heran: "Frau Wolf [Beispiel], ich habe leider die Pflicht, Sie darauf hinzuweisen, daß das nicht stimmt. Sie führen mit solchen Behauptungen die Bevölkerung in die Irre. Nur die Numerierung hat sich geändert, aber die Zahl der Regeln ist mehr oder weniger dieselbe wie zuvor." Die Ministerin sagt jedesmal: "Herr Stillemunkes [Beispiel], vielen Dank für Ihren Hinweis, aber das ist mir egal. Lassen Sie mich nur mal machen." Stillemunkes: "Also, Frau Ministerin, soll ich Sie künftig auch auf solche Dinge hinweisen?" Wolf: "Selbstverständlich! Das ist ja Ihre Pflicht. Aber ich entscheide dann schon selbst, was ich inhaltlich zur Rechtschreibreform sagen werde."

(2) Die Kultusminister reden seit diesem Jahr einhellig von "unstrittigen" Teilen des Regelwerks: Laut-Buchstaben-Beziehung, Groß-/Kleinschreibung usw., obwohl das natürlich Unsinn ist und die Bevölkerung abermals täuschen soll. Das haben sie sich ganz allein so ausgedacht und in der Kultusministerkonferenz abgestimmt. Die Ministerialräte eilen zu ihrem jeweiligen Minister: "Ich muß Sie darauf hinweisen, daß es leider keine unstrittigen Teile der Reform gibt. Alle Teile der Reform sind immer noch umstritten. Große Teile der Bevölkerung lehnen die Reform leider nach wie vor ab. Ich glaube, wir können es im Blick auf eine ehrliche Politik nicht verantworten, hier von etwas Unstrittigem zu reden." Der Minister: "Lieber Herr X, danke für Ihren Hinweis. Aber in der Ministerkonferenz haben wir uns auf diesen Trick geeinigt. Ich bitte Sie, dies zu respektieren und nach außen hin mitzutragen, auch wenn wir hier zugegebenermaßen der Wahrheit Gewalt antun. Ich bewundere Ihre geradlinige Dienstauffassung. Unterrichten Sie mich gerne auch künftig über Ihre Sicht der Dinge. Was inhaltlich zur Reform gesagt wird, ist dann aber schon meine persönlichen Entscheidung."

Habe ich es richtig wiedergegeben, wie Sie sich den Ablauf vorstellen?

 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.11.2005 um 00.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1380

Ich möchte allen Beteiligten (Gelehrten, Beamten und Politikern) unterstellen, daß sie anfangs besten Willens waren. Ich kann sogar verstehen, daß die meisten Reformer weitergemacht haben, selbst als klar wurde, daß sie ihre Hauptziele zunächst nicht oder nur in sehr verwässerter Form erreichen würden. Sie konnten ja hoffen, daß einem ersten, unvollkommenen Schritt weitere Schritte folgen würden, wenn erst einmal der Durchbruch geschafft war. Ich rechne es den Mitgliedern der RSK sogar sehr hoch an, daß sie den Mut hatten, schon so kurz nach der vorgezogenen Einführung der RSR "unumgängliche" Änderungen bei der Getrennt- und Zusammenschreibung einzufordern.
Das war natürlich – politisch gesehen – reichlich naiv, denn es hätte mit großer Sicherheit das Ende der RSR bedeutet.
Hier beginnt aber spätestens der Sündenfall – sei es der Beamten oder der Politiker, das kann ich nicht beurteilen. Denn ihnen waren die Konsequenzen natürlich vollkommen klar. Sei es aus Angst vor Gesichtsverlust, sei es aus echtem Glauben an die Sache haben sie jedenfalls – offenkundig aber aus rein taktischen Überlegungen heraus – diese Vorschläge abgelehnt. Hier ist nun eine moralische Bewertung zulässig. Das mag jeder sehen, wie er will, ich halte diese Irreführung der deutschen Bevölkerung für moralisch verwerflich.
Der zweite Sündenfall ereignete sich nach dem 4. Bericht der RSK. Als der zweite Anlauf, die Reform zu reformieren, auf erheblichen öffentlichen Unwillen stieß, hat die KMK einfach die RSK desavouiert und aufgelöst. Als gesichtswahrende Lösung wurde der Rechtschreibrat geschaffen. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, wurde die geänderte Fassung der Amtlichen Regeln, zu der sich die KMK vorher nicht zu bekennen gewagt hatte, handstreichartig in wesentlichen Teilen in Kraft gesetzt. Ich denke, ich brauche nicht zu sagen, wie ich das moralisch bewerte.
Wer wofür verantwortlich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, da ich ja nicht dabei war. Mein Glaube an das deutsche Beamtentum ist aber noch stark genug, um nicht zu glauben, daß die zuständigen Beamten die Politiker hinters Licht geführt hätten. Vielmehr vermute ich, daß sie die Politiker pflichtgemäß darauf hingewiesen haben, daß tiefgreifende Änderungen der Reform, seien sie noch so gerechtfertigt, die Reform in den Augen der Bevölkerung unrettbar diskreditieren und damit die KMK und die Kultusminister unsterblich blamieren würden. Daß die Politiker daraus die naheliegende Folgerung gezogen haben, ist einzig und allein ihre Verantwortung.

 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 03.11.2005 um 20.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1377

Norbert Richard Wolf: „Ich habe nur etwas dagegen, dass Sie sachliche Differenzen moralisch bewerten und zur Polemik benützen.“

Wahr ist, daß es ziemlich wenig hergibt, sich über die moralische Persönlichkeitsstruktur der Reformbetreiber Gedanken zu machen und diese uns auch völlig gleichgültig sein könnte, wenn nur die Rechtschreibreform nicht so miserabel wäre. Da könnte es doch jetzt wirklich interessant werden, wenn Herr Professor Wolf mit uns „Sachliches ruhig zu diskutieren“ bereit wäre, wobei gegen eine erfrischende Portion Polemik auch von seiner Seite, sofern sie die Nägel auf die Köpfe trifft, nichts einzuwenden wäre. Bisher allerdings hat noch kein Reformer oder Reformbefürworter von der hier gegebenen Möglichkeit Gebrauch gemacht, für die Vorzüge und die Sinnhaftigkeit der Rechtschreibreform zu werben. Im sachlichen Disput unter Experten und Interessierten hätten sie in diesem Forum doch die idealen Voraussetzungen gefunden, die Kritiker von der Richtigkeit ihrer Sache zu überzeugen.

 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 03.11.2005 um 20.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1376

Schade eigentlich: Da tritt endlich einmal ein Reformanhänger auf, und schon hat er sein Pulver hastdunichtgesehen wieder verschossen. Im gegenwärtigen Stadium der Reform geht es tatsächlich nur noch um Moral, Trickserei, Täuschung. Das kommt eben davon, wenn man sich einer schlechten Sache verschrieben hat. Für deren Verteidigung muß man einen Preis bezahlen, sei es intellektuell oder moralisch oder beides. Das fällt manchen leichter als anderen. Wir haben ja in dieser Hinsicht schon so viel erlebt, daß uns kaum noch etwas verwundert. Insofern sind die Kollateralschäden beinahe interessanter als die Reform selbst. Mit S. Freud könnten wir sagen, daß wir uns mitunter einer Illusion anheim gegeben haben. "In Wirklichkeit sind sie nicht so tief gesunken, wie wir fürchten, weil sie gar nicht so hoch gestiegen waren, wie wir´s von ihnen dachten." (Aus "Zeitgemäßes über Krieg und Tod") – Für "sie" mag jeder das ihm passend Erscheinende einsetzen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2005 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1375

Es lohnt nicht der Mühe. Darum genug davon.

 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 03.11.2005 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1374

Korrektur! Es sollte natürlich heißen:
Ich hoffe, Sie beantworten die erste Frage mit "Nein", die zweite mit "Doch, man darf".

 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 03.11.2005 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1373

Rolf Wernstedt am 27.6.97: „Wenn man einmal einen Weg eingeschlagen hat, muß man ihn auch zu Ende gehen, auch wenn man zwischendurch feststellt, daß er falsch ist."

Verehrter Herr Wolf,
nur zwei Fragen. Erstens: Beschreibt das vorstehende Zitat die Moral eines Politikers, wie sie Ihnen als vorbildlich vorschwebt?
Darf man eine dreiste Lüge, wie sie von der Verringerung der Anzahl der Regeln verbreitet wurde, nicht als solche bezeichnen, weil es die political correctness nicht zuläßt?

Ich hoffe, Sie beantworten beides mit einem klaren Nein.

 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 03.11.2005 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1371

Ich möchte noch einmal auf den Anfang der Diskussion zurückkommen:

N. R. Wolf (in #1297): Herr Ickler sollte sich einmal daran gewöhnen, dass Menschen, die eine andere Meinung vertreten als er, moralisch nicht unbedingt als minderwertig anzusehen sind.

Nach einem Einwand von Herrn Wrase schrieben Sie:

N. R. Wolf (in #1343): ... wenn man Menschen vorwirft, dass sie andere hereingelegt hätten, dann ist das sehr wohl ein moralischer Vorwurf.

"Eine andere Meinung vertreten" ist etwas völlig anderes als "andere hereinlegen". Daher verstehe ich nicht, worauf Sie mit Ihrem ersten Beitrag hinauswollten. Meinten Sie den Appell an Herrn Ickler wirklich genau so, wie Sie es geschrieben haben?

 
 

Kommentar von Norbert Richard Wolf, verfaßt am 03.11.2005 um 17.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1370

Hochverehrter Herr Kollege Ickler,

eine kleine Korrektur bzw. deren zwei:
1. Ich habe nicht bemängelt, dass Sie aus einem Brief von Herrn Drosdowski zitiert haben, sondern aus einem Privatbrief einer anderen Person, die den Briefadressaten freundschaftlich geduzt hat, woraus Sie dann Korruption geschlossen haben. Dass Herr Korlén einen Brief in einer Zeitschrift abgedruckt hat, war mir bis zu diesem Zeitpunkt (03.11.05; 17.07 Uhr) unbekannt.
2. Meine Moral ist gar nicht so "hochgezüchtet", wie Sie argwöhnen. Ich habe nur etwas dagegen, dass Sie sachliche Differenzen moralisch bewerten und zur Polemik benützen.

Verehrter Herr Kollege, wenn Sie in Ihrer Schreibstube sitzen, sind Sie ein Meister der Polemik und der Anklage; wenn man einmal wagt, Ihnen etwas zu erwidern, werden Sie wehleidig und behaupten sogar, dass Sie nie polemisch gewesen seien – ein Eindruck, den nicht nur ich von Ihnen habe. Ist es nicht möglich, Sachliches ruhig zu diskutieren und den anderen ihre Ehre zu lassen?

Hochgezüchtet moralisch, dennoch freundlich grüßend:

Norbert Richard Wolf

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2005 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1345

Minister, die noch im Jahre 2005 die Legende von der Verminderung der Regelzahl verbreiten, wissen es nicht besser. Und warum? Weil ihre Ministerialräte, die es besser wissen, ihnen die falschen Informationen liefern. Ich nennen das "hereinlegen" – es gibt andere Ausdrücke, aber sie ändern nichts an der Sache.
Wie soll man es denn nennen, wenn Kultusminister einen notorisch strittigen Teil dieser und jeder Rechtschreibreform, die GKS, als "unstrittig" deklarieren und schlicht behaupten, in diesem Bereich seien vom Rat keine Änderungsvorschläge zu erwarten? Ist das vielleicht ein Trick? Oder sind die Minister eben einfach "anderer Meinung", und muß man ihnen das wie jedem anderen Menschen zugestehen?
Wenn ich mich recht erinnere, hat Herr Kollege Wolf mich schon einmal wegen der Veröffentlichung von Auszügen aus einem Brief des verstorbenen Dudenchefs Prof. Drosdowski gerüffelt – eines Textes, der freilich mit Vorwürfen, auch moralischen, nicht geizt. Etwas später hat Prof. Korlén, der Nestor der schwedischen Germanistik, einen ebenso scharfen Brief von Drosdowski sogar in einer Zeitschrift abdrucken lassen. Dazu hat Wolf dann nichts mehr gesagt. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, solche Hintergründe zu kennen.
Es gibt Äußerungen von Kultusministern, die darauf hinauslaufen, daß ihnen diese Rechtschreibreform von den Beamten ihrer Häuser untergejubelt wurde. Aber "untergejubelt" verstößt wahrscheinlich schon wieder gegen die hochgezüchtete Moral des Herrn Kollegen.
Immerhin nett, daß sich einer der Reformfreunde mal hier zu Wort meldet. Vielleicht bringt er auch einmal eines jener Argumente zugunsten der Reform an, nach denen wir händeringend suchen.

 
 

Kommentar von Norbert Richard Wolf, verfaßt am 02.11.2005 um 13.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1343

Sehr geehrter Herr Wrase,

wenn man Menschen vorwirft, dass sie andere hereingelegt hätten, dann ist das sehr wohl ein moralischer Vorwurf. Man sollte also Texte genau lesen, bevor man etwas darüber behauptet, zumal ja gerade in diesem 'Tagebuch' immer vor falschen Behauptungen gewarnt wird.

Norbert Richard Wolf

 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.10.2005 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1301

Professor Ickler hat nie gesagt, daß Menschen mit anderer Meinung zwangsweise ("unbedingt") als moralisch minderwertig anzusehen sind. Es gehört auch nicht zur Pflicht von Ministerialbeamten, den Ministern Unsinn einzureden, dessen Umsetzung dem Volk schadet, und nach dem Vollzug die Propaganda unbeirrt weiterzutreiben.

Das Gegenteil trifft zu: Es wäre die Pflicht von Ministerialbeamten, die Minister von Maßnahmen abzuhalten, die schädlich oder sinnlos oder lächerlich oder überteuert oder undemokratisch oder – wie hier – alles zusammen sind. Es ist die Pflicht jedes Menschen, Fehler zu berichtigen, allen voran eigene Fehler. Da kann man übrigens sehr wohl moralisch unterschiedliche Qualitäten der Mitmenschen feststellen: Unterschiede wie Tag und Nacht, Herr Wolf.

Weder Ministerialbeamte noch Minister sind kraft Amtes davor geschützt, in ihrem Verhalten bewertet zu werden, je nach Sachlage positiv oder negativ oder auch fortdauernd negativ. Um so weniger sind sie gegen Kritik zu schützen, wenn sie es selbst an Feingefühl und Anstand gegenüber den Bürgern gewaltig fehlen lassen. Kritik kann sehr notwendig sein und ist dann geradezu die Pflicht eines jeden, der ein Fehlverhalten zum Nachteil der Allgemeinheit mit ansehen muß.

Wolfgang Wrase

 
 

Kommentar von Norbert Richard Wolf, verfaßt am 31.10.2005 um 13.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=263#1297

Herr Ickler sollte sich einmal daran gewöhnen, dass Menschen, die eine andere Meinung vertreten als er, moralisch nicht unbedingt als minderwertig anzusehen sind. Was hat es für einen Sinn, z.B. Ministerialbeamte, die ihre Pflicht getan haben, permanent an den Pranger zu stellen?

Etwas mehr Feingefühl, etwas mehr Anstand und etwas mehr Gelassenheit wären nicht schlecht.

Norbert Richard Wolf
 
 

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