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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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08.02.2006
 

Die Voten
Zu den Ergebnissen der „Anhörung“

Um mehr Öffentlichkeit herzustellen, fasse ich die Ergebnisse der „Anhörung“ zusammen und erläutere sie zugleich ein wenig.

Anhörung der Verbände zu den Vorlagen des Rates für deutsche Rechtschreibung (Januar 2006)


Voten aus Deutschland:

Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen (Jürgen Hein, dpa, zugleich Ratsmitglied):
Die Agenturen haben keine Bedenken, nur die Schweizerische Depeschenagentur, die ein eigenes Votum einreicht (s. u.).

(Die aktive Rolle der Deutschen Presse-Agentur bei der Durchsetzung der Reform ist in meinem Buch „Regelungsgewalt“ dokumentiert.)

Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e. V. (Vorsitzender Klaus Willberg):
Überwiegend Zustimmung gemäß einer Umfrage unter den Mitgliedsverlagen. Erwünscht sind „lange, schleichende Übergangsfristen“, in denen die Jugendbücher nicht als unkorrekt gelten.

(Vgl.: „Klaus Willberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, appelliert in einem Brandbrief an die zuständigen Politiker, die Reform beizubehalten: Die Verlage hätten 'im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der Beschlüsse' ihr gesamtes Programm auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Eine Rückumstellung würde Kosten verursachen, die 'vor allem klein- und mittelständische Kinder- und Jugendbuchverlage so belasten, dass ihre Substanz ernsthaft gefährdet wäre'.“ FOCUS, 16. 8. 2004)

Bibliographisches Institut Brockhaus (Matthias Wermke, zugleich Ratsmitglied):
Die Dudenredaktion befürwortet den Kompromiß.
„Gleichwohl stellt sie fest, dass dieser Kompromiss eine Abkehr vom ursprünglichen Anliegen des neuen amtlichen Regelwerkes darstellt, wonach alle Schreibungen von einfachen Regeln ableitbar sein sollen.“
Wünscht deutliche Erweiterung des amtlichen Wörterverzeichnisses.

Börsenverein des deutschen Buchhandels (Edmund Jacoby, zugleich Ratsmitglied):
Hat die Vorlagen bei der Jahresversammlung der Publikumsverlage vorgestellt.
„Als weitgehende Wiederherstellung gewohnter Schreibweisen und Schritt zum Rechtschreibfrieden wurden die Vorschläge des Rats einmütig und lebhaft begrüßt.“

(Daraus geht hervor, daß weitere Schritte gewünscht werden und die Zustimmung gerade dem Rückbau gilt. Jacoby hatte sich schon früher verhältnismäßig gründlich auf die inhaltlichen Probleme eingelassen.)

Bundeselternrat (Vorsitzender Wilfried W. Steinert):
„Da die Sprache ein lebendiger Prozess ist, haben wir die Einrichtung des Rats für deutsche Rechtschreibung begrüßt. Dieser kann diese Entwicklung begleiten und steuern.“
„Die vorgelegten Empfehlungen lassen erkennen, dass der Rat mit Sorgfalt und Zurückhaltung das Regelwerk von 2004 weiterentwickelt.“
„Das Offenhalten der Alternativen kann dazu beitragen, dass die Rechtschreibung sich weiterentwickeln kann.“

(Der Rat hat das Regelwerk nicht weiterentwickelt, sondern repariert. Die Stellungnahme des Bundeselternrates sind so abgefaßt, daß dazu keinerlei Beschäftigung mit der Vorlage erforderlich wäre.)

Deutscher Elternverein (Ulrich Kliegis):
17 Seiten umfassende sehr kritische Analyse der Vorlage und der gesamten Situation. Begrüßt die Korrekturen und fordert weitere. „Der Deutsche Elternverein bittet den Vorsitzenden des Rates für deutsche Rechtschreibung, seiner besonderen Verantwortung für den Erhalt und die Wiederherstellung der Schriftsprachsicherheit und -fähigkeit der Schülerinnen und Schüler weiterhin gerecht zu werden und die Kultusminister mit größtem Nachdruck aufzufordern, alle Schreibweisen der herkömmlichen Rechtschreibung ab sofort wieder als richtig anzuerkennen, also nicht nur nicht als Fehler zu werten, sondern auch auf Anmerkungen wie ‚überholt' und ähnliches zu verzichten. Die Sprachwirklichkeit in Deutschland folgt nicht den Regeln der „Rechtschreibreform“, sondern dem gewachsenen und sich stetig weiterentwickelnden Sprachgebrauch. Unsere Kinder haben einen Anspruch darauf, die gleiche Rechtschreibung zu lernen, wie sie von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung benutzt wird. Die Lehrinhalte müssen dem angepaßt werden.“

Fachverband Deutsch im Deutschen Germanistenverband (Fritz Tangermann, zugleich Ratsmitglied und beim Berliner Schulsenat für die Reformdurchsetzung tätig):
Zustimmung (drei Zeilen)

(Tangermann begutachtet nicht nur sein eigenes Werk, sondern in seiner amtlichen Funktion auch sein Gutachten zu seinem Werk.)

Deutscher Journalistenverband/Deutsche Journalisten-Union (Ulrike Kaiser, zugleich Ratsmitglied):
Keine Bedenken (vier Zeilen)

Gesellschaft für deutschen Sprache (Rudolf Hoberg, zugleich Ratsmitglied):
Die GfdS empfiehlt eigentlich, „zurzeit die Regeln der Rechtschreibreform nicht zu verändern“. Stimmt aber dem Kompromiß zu, „damit die Diskussion um die Rechtschreibreform zu einem vernünftigen Abschluss kommen kann“.

(Die Mitglieder der GfdS hatten keine Gelegenheit, sich zu äußern, Hoberg spricht nur seine eigene Meinung aus. Er war Mitglied der Zwischenstaatlichen Kommission und ist Dudenautor. Näheres über den GfdS-Vorstand in meinem Buch „Regelungsgewalt“.)

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Marianne Demmer):
Tritt für die usprüngliche Reform ein, sieht in der Vorlage keine Verbesserungen.
„Bereits jetzt können wir darauf hinweisen, dass wir der Kultusministerkonferenz empfehlen werden, Vorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung nur dann zuzustimmen, wenn vorher von Seiten der maßgeblichen Printmedien verbindlich erklärt wurde, den dann vorhandenen vollständigen Regelstand (also auch die geänderte s-Schreibung) zu übernehmen. (...) Sollten einflussreiche Medien bei ihrem Sonderweg bleiben oder eine neuerliche Umstellung verweigern, werden GEW und DGB der KMK davon abraten, den Empfehlungen des Rates zu folgen.“

(Die GEW war schon immer dafür, die ungemein fehlerhafte Neuregelung von 1996 unverändert durchzusetzen; Demmer hat auch 1998 vor dem BVerfG uneingeschränkt zugestimmt.)

Goethe-Institut (Stellv. Generalsekretär Wolfgang Bader):
Vorsichtig kritisch zu einzelnen Unterregeln wie „schwimmt Brust“, „läuft eis“ usw.
Silbentrennung wird gebilligt.

P.E.N.-Zentrum Deutschland (Johano Strasser, im Rat vertreten durch Theodor Ickler):
Detaillierte Kritik an den einzelnen Paragraphen. Fazit:
„Trotz richtiger Ansätze in einigen Bereichen ist die Überarbeitung der Reformorthographie im gegenwärtigen Zustand nicht annehmbar. Der Rat sollte ohne Zeitdruck weitergehende Korrekturen erarbeiten, die außerdem auch die Laut-Buchstaben-Entsprechungen, die Bindestrichregelung und vor allem die Groß- und Kleinschreibung umfassen müssen.“

Symposion Deutschdidaktik (M. Böhnisch, Jakob Ossner, letzterer zugleich Ratsmitglied):
Böhnisch sehr kritisch: Einleitung zu GZS sei tautologisch, wenig erhellend, einzelne Bereiche terminologisch überfrachtet, keine Vereinfachung usw. Es gehe weiterhin nicht ohne Nachschlagen im Wörterbuch.
Ossner gibt im eigenen Namen sehr kritische Stellungnahme ab, bedauert, daß dem besseren Vorschlag der Arbeitsgruppe nicht gefolgt wurde.

Union der Akademien der Wissenschaften (Gerhard Gottschalk):
Befürwortet Vorlagen aufgrund des Berichtes und der Empfehlung von Ratsmitglied Werner Besch.

VdS Bildungsmedien (Michael Banse, zugleich Ratsmitglied):
Zustimmung (zwei Zeilen)

Verband Bildung und Erziehung (Ludwig Eckinger, zugleich Ratsmitglied):
„Damit keine Irritation entsteht, weise ich Sie (...) darauf hin, dass die Briefkastenfirma „DL“ in der Person von Herrn Kraus sich im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ offensichtlich ohne Legitimation, also privat, geäußert hat.“
(DL = Deutscher Lehrerverband)
Geht auf Einzelheiten ein und empfiehlt vielfach eine konservative Lösung: Grundsätzlich Zusammenschreibung bei Verbzusätzen, gegen Varianten, strengere Kommasetzung und Silbentrennung, immer k-k. (Dieser Teil des Textes stammt aber möglicherweise gar nicht von Eckinger selbst.)
In die Stellungnahme sind verschiedene kurze Texte unbestimmbarer Herkunft eingefügt, anscheinend Zuschriften von Teilverbänden. Sie wenden sich gegen Komplizierungen und Subtilitäten. Die unredigierten Zuschriften sind zum Teil in eher privatem Ton abgefaßt, z. B. dieser Text ohne erkennbaren Absender:
„Deinem Wunsche folgend habe ich das umfangreiche Papier durchgelesen und mit meiner Frau (sie ist Logopädin!) besprochen. Unsere Kritik bezieht sich weniger auf einzelne Paragraphen als auf den Ansatz. Diese Haarspalterei semantischer Unterschiede scheint mir völlig an der großen Mehrheit der breiten Bevölkerung vorbeizugehen. (...) Erkennst du den Bedeutungsunterschied zwischen schwerwiegenderer Vorfall und schwerer wiegender Vorfall. Welchem Schüler soll man solch eine Unterscheidung noch vermitteln (können)?“
Ein anderer, ebenfalls ungenannter Verfasser schreibt:
„Nach Durcharbeitung der Vorschläge teile ich Dir meine Einschätzung mit. Das Nebeneinander von Schreibweisen sollte nicht möglich sein.“

Verleger-Ausschuss Börsenverein des deutschen Buchhandels (Gudrun Bolduan, Geschäftsführerin):
Begrüßt die Vorlage. (Dreieinhalb Zeilen)

Wissen Media Verlag (Bertelsmann, Beate Varnhorn, im Rat vertreten durch Sabine Krome):
Die Vorschläge seien stringenter, zugleich näher am Usus und in den Wörterbüchern des Verlags gut umsetzbar. Semantisches Prinzip, Sinnerfassung wird verstärkt. Kritisch wird die Vermehrung der Varianten gesehen. Dokumentation aller Varianten wird empfohlen, Wahrig will mithelfen.

(Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat nicht Stellung genommen, weil sie nicht dazu aufgefordert worden ist. Ihre beiden Vertreter im Rat, Peter Eisenberg und Uwe Pörksen, wollen die Reform unbedingt retten.)


Voten aus der Schweiz:

Bund für vereinfachte rechtschreibung (Rolf Landolt):
Lehnt den Rat ab, die Zwischenstaatliche Kommission war ihm lieber. Totale Ablehnung der Vorlagen.

(Landolts Verein macht den Eindruck eines Ein-Mann-Unternehmens, vgl. die Internetseite; was die anderen Mitglieder zur Rechtschreibreform meinen, war nie feststellbar.)

Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (Anton Strittmatter):
Vollständig ablehnend aufgrund umfangreicher Auseinandersetzung (über sieben Seiten). Auch gegen die Bevormundung durch die deutsche Seite wehrt sich der Verband.

Erziehungsdepartement des Kantons St. Gallen (Werner Stauffacher):
Die Überarbeitung sei eine Verbesserung, eine Untervernehmlassung aber wegen der kurzen Frist nicht möglich gewesen, daher nur interne Departementsmeinung.
Schwerverständlichkeit des Regelwerks wird bemängelt.

Erziehungsdirektion des Kantons St. Gallen (Beat Mayer):
Mayer stellt in seinem kurzen Brief an Christian Schmid („Lieber Christian“) fest, daß die Regelformulierung „unheimlich kompliziert“ und die Frist zu kurz sei. Stärkere Anlehnung an den Sprachgebrauch wird begrüßt.

Roman Looser (Ratsmitglied):
Looser wundert sich selbst, daß er – übrigens als einzige Einzelperson – zur Stellungnahme zu seinem eigenen Werk aufgefordert worden sei, bekennt auch eine gewisse Befangenheit. Wehrt sich gegen die Forderung der Reformgegner, „die Rechtschreibung habe in erster Linie den Lesenden zu dienen“. Bedauert das Aufgeben von Positionen des „bewährten Regelwerks von 2004“.

(Das ist seltsam, denn wann und wo hätte sich das Regelwerk von 2004 bewährt, wo es doch noch in keinem Wörterbuch und keinem Schulbuch umgesetzt worden ist, geschweige denn, daß die Lehrer davon Kenntnis genommen hätten!)
Findet „v. a.“ die Nichttrennung von ck „sinnvoll“.

Schweizerische Depeschenagentur (Peter Müller u. a.):
Mit Abstand detaillierteste Auseinandersetzung mit den Empfehlungen (s. Internetveröffentlichung).
Fazit: Verbesserung, aber unzureichend, es wird sprachwissenschaftliche Überprüfung ohne Zeitdruck gefordert.

Sprachkreis Deutsch (Peter Zbinden, Stefan Stirnemann):
Kurze, aber mit konkreten Beispielen argumentierende Kritik der Vorlage. Der Sprachkreis weist die Empfehlungen zurück und fordert eine unabhängige sprachwissenschaftliche Prüfung ohne Zeitdruck.

Schweizerische Bundesverwaltung (Werner Hauck, zugleich Ratsmitglied):
Allgemeine Zustimmung, die auch von der Konferenz der Staatsschreiber zu erwarten ist. Jedoch sollten auch die als „unstrittig“ bezeichneten Bereiche die notwendigen Änderungen vorgenommen werden.


Voten aus Österreich:

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst (Kurt Scholz, zugleich Ratsmitglied):
Am 16. Januar hat eine Anhörung stattgefunden. Keine Einwände seitens der Eltern- und Lehrervertreter. Die neuen Regelungen sollten für einen längeren Zeitraum gelten, daher solle nur ein Gesamtpaket vorgelegt werden. Im Hinblick auf die Uneinigkeit der Linguisten sollten Fehler bei GZS und GKS nicht zum Nachteil der Schüler ausgelegt werden.
„Bei jenen Vorschlägen zur Groß- und Kleinschreibung, die noch nicht vom Gesamtrat akkordiert sind, solle die 'zweitbeste Lösung' (nach der generellen Kleinschreibung der Substantive) durch Einzelfallregelungen nicht allzu sehr aufgeweicht werden. Die Stärkung des Prinzips der Großschreibung aller substantivisch empfundenen Wörter (wie etwa 'Gut und Böse') wird begrüßt, doch solle es hier nicht wieder Ausnahmefälle (etwa vom Typ 'sie hat recht') geben.“
„Dafür traten die Vertreterinnen und Vertreter der Eltern und Lehrerinnen und Lehrer ganz deutlich ein.“
„Das gesamte Anhörungsverfahren fand in einer dankenswert konstruktiven Stimmung statt.“

(Leider erfährt man nicht, wer angehört wurde.)


Andere Voten:

Schulamt des Fürstentums Liechtenstein (Guido Wolfinger):
Kritisiert Termindruck. Umsetzung in den Wörterbüchern noch nicht erkennbar. Unschärfen und Komplizierheit werden bemängelt. Für einfache, schülerfreundliche Regeln, gegen Sonderregeln bei „kennenlernen“ usw.

Amt für Sprachangelegenheiten der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol (Peter Höllrigl):
Für Annahme der Empfehlungen. Orientierung an Semantik wird begrüßt. Verunsicherung der Schüler soll ein Ende haben.



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Kommentare zu »Die Voten«
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Kommentar von j.k., verfaßt am 09.02.2006 um 13.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2508

Hier habe ich einen schönen Artikel gefunden, in dem Herr Zehetmaier davon spricht, doch noch weiter umzuändern. Seien wir gespannt.
 
 

Kommentar von Jürgen Langhans, verfaßt am 09.02.2006 um 12.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2506

Neben dem P.E.N., dem ja Herr Ickler angehört, ist der Deutsche Elternverein faktisch die einzige Institution, die die Sache ernst nimmt und sich kompromißlos gegen den Reform-Unfug artikuliert.

In drei Jahren wird mein Anton in die Schule kommen, und ich weiß schon heute, daß ich dann mit der Schule in einen Konflikt geraten werde. Ich hätte nie geglaubt, einmal Leuten dankbar zu sein, allein nur weil sie sich für eine vernünftige Rechtschreibung einsetzen. Heute freue ich mich über jedes einzelne "ß" an der rechten Stelle; es ist einfach unfaßbar. Kinder sind wertvoll und gleichzeit so gefährdet, da sie erst mal "alles" lernen und als richtig erfassen. Was die KMK hier den Schulen eingebrockt hat, ist meiner privaten Auffassung nach ein Mißbrauch, ein Verbrechen; abgesehen davon, daß weder das Kaufen von Büchern noch das Lesen Spaß macht. Und fast alle anderen "Gutachter" gehen mit all dem so sorglos, teilnahmslos, um, vergeuden ihr Votum; es ist eine Schande für unsere Kultur und ein Ärgernis für jeden ganz persönlich, der gerne liest und schreibt.

Herr Ickler hatte vor geraumer Zeit einmal vorgeschlagen, den Verantwortlichen für die Reform alle Strafen zu erlassen, wenn sie sie denn nur zurücknähmen. Die Verantwortlichen sollten dieses Angebnot ohne zu zögern annehmen.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 09.02.2006 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2499

Um den Zeitungen die Entscheidung zu erleichtern, wäre es hilfreich, ihnen eine Fehlerliste der noch nicht behobenen Fehler der Reformschreibung zu geben.
Für erwachsene Buchkäufer wäre es hilfreich, eine Warnung herauszugeben, noch keinen neuen Duden zu kaufen, bevor nicht auch die verbliebenen Fehler der Reformschreibung behoben sind.
Überhaupt sollten die noch nicht behobenen Fehler öffentlich bekanntgemacht werden.
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 09.02.2006 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2497

Gut, vom Rat ist also nichts mehr zu erwarten. Auf was können wir denn dann hoffen? Auf den Widerstand des Volkes? Der hat die letzten zehn Jahre auch herzlich wenig genützt, warum sollte sich das ändern?

Apropos: Weiß einer von Ihnen, wie sich nun die Verlage verhalten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2006 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2495

Das ist leider wahr. Die GEW befürwortet blindlings alles, was sich "Reform" nennt, mag es noch so rückwärtsgewandt sein. Dabei hilft vollständige Ignoranz der Inhalte. Daran hat sich seit Frister und Wunder nichts geändert. Als Demmer in Karlsruhe das Wort ergriff, haben sich sogar die Reformer für sie geschämt. Wunders Stellungnahme von 1993 ist bei Zabel abgedruckt. Bekanntlich hat die GEW auch den zu entsorgenden Bertelsmann in Schleswig-Holstein an den Schulen verteilt, womit der Volksentscheid unterlaufen werden sollte. Bei der Mannheimer Anhörung hat sich die GEW durch die Unternehmerin Beuschel-Menze vertreten lassen. Die Mitglieder der GEW scheinen sich nicht darum zu kümmern, was die Spitze tut, oder sie laufen gewohnheitsmäßig hinter dem Leithammel her, was ja bei Gewerkschaften nicht unüblich und die Grundlage ihrer Macht ist.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 09.02.2006 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2494

GEW und Demmer versuchen einen in ihrer Position peinlichen bis lächerlichen Deal, um die Unbotmäßigen wieder ins Boot zu holen ....

Die Rolle der GEW bei der Durchsetzung der RSR ist ohnehin reichlich blamabel. Es gibt meiner Erfahrung nach kaum einen Vertreter dieser Organisation, der die "Reform" nicht geradezu militant befürwortet, aber deren Inhalte so gut wie gar nicht kennt. Man wagt sich kaum auszudenken, was von diesen Leuten so alles im Deutschunterricht vermittelt wird. Ähnlich wie im Falle Münteferings oder des DGB scheint es genug gewesen zu sein, gegenüber den Funktionären ein antiautoritäres, egalitäres "name dropping" zu betreiben und die Mär von der großen Vereinfachung oft genug zu wiederholen. Derartiges wird offensichtlich aufgesogen wie von einem Schwamm, kritische Überprüfung gilt als Tabu, ja vielleicht sogar als Verrat. Wer die äußerst peinlichen Äußerungen von Herrn Müntefering und Frau Nahles noch im Ohr hat, kennt auch den Zungenschlag der GEWler. Dabei werden die reaktionären Tendenzen der Reform nicht einmal geleugnet, sondern als "notwendig" bezeichnet. So gesehen hat sich seit den siebziger Jahren erstaunlich wenig verändert.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.02.2006 um 22.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2493

Ich möchte auch in Sigmar Salzburgs Kerbe schlagen: Das Beste, was ordentlicher Rechtschreibung passieren kann, ist, wenn sie ihre Ankündigung in die Tat umsetzen.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 08.02.2006 um 22.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2492

GEW und Demmer versuchen einen in ihrer Position peinlichen bis lächerlichen Deal, um die Unbotmäßigen wieder ins Boot zu holen – wohl mit folgendem Gedankengang: Wir wissen, daß euch die 96er Reform nicht gefällt. Der Rat hat ihr nun einige Schönheitspflaster aufgeklebt. Jetzt könnt ihr doch ohne großen Gesichtsverlust wieder einsteigen. Wenn ihr das nicht tut, torpedieren wir die Empfehlungen des Rates. Dann bleibt die alte 96er Regelung, die unserem Niedrigniveau ohnehin besser entspricht, und irgendwann müßt ihr schließlich doch einknicken und die Reform, dann aber unverändert, übernehmen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 08.02.2006 um 20.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2490

Daß die Sitzung Ende März abgesagt wurde – heißt das nicht auch, daß es keine weitere Anhörung mehr geben wird, auch nicht im Schnellverfahren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2006 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2489

Das halte ich für ausgeschlossen. Die Kräfte, die Zehetmair zum vollständigen Einknicken gebracht haben, werden es zu verhindern wissen, und der Rat selbst will ja erst recht nicht. Er hat die Aufgabe erfüllt, zu deren Erfüllung ihn die Ministerinnen Wolff und Schavan erfunden hatten, und nun kann er sich auflösen. Sehr bezeichend ist ja, daß der fest anberaumte Sitzungstermin vom 24. März einfach gestrichen wurde, womit der Rat zu erkennen gibt, daß er nichts mehr zu tun hat. Die Sitzung am 22. September wird entweder ausfallen oder eine so komische Veranstaltung werden, daß das Protokoll vermutlich ebenfalls in den Tiefen des österreichischen Bildungsministeriums versenkt werden muß.
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 08.02.2006 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=399#2488

Könnte der Wunsch von seiten vieler doch noch dazu führen, daß der Rat (in den nächsten Jahren) sich noch mal ans Werk macht und die Reform weiter zurückschreibt, o Verzeihung: weiterentwickelt natürlich ;-).
 
 

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