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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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05.04.2006
 

Nicht objektiv
Zu meiner Disqualifizierung

Wie das St. Galler Tagblatt heute berichtet, ist eine Fortbildungsveranstaltung für Schweizer Lehrer abgesagt worden, weil ich als Gastreferent eingeladen war. Ich sei, so Erziehungsdirektor Stöckling, "nicht objektiv" und daher unfähig, die Lehrer über die Reformorthographie, die er für abschließend geregelt hält, zu unterrichten.
Eine Rolle spielte auch, daß außer mir Stefan Stirnemann, ebenfalls ein Reformkritiker, auftreten sollte.
Ich habe Herrn Stöckling brieflich darauf hingewiesen, daß die Reformkritik und gerade auch meine Kritik ein konstitutiver Bestandteil der Reform ist, denn die seit zehn Jahren betriebene Reparaturarbeit ist nicht zuletzt eine Reaktion auf diese Kritik gewesen, und die Revision der Groß- und Kleinschreibung geht sogar ausschließlich darauf zurück, daß ich mit Erfolg die Einsetzung einer AG zu diesem von der KMK tabuisierten Bereich betrieben habe.
Einen unkritischen Befürworter der Reform wird man in der Schweiz auch gar nicht mehr finden, denn sogar Roman Looser, ein besonderer Liebling der EDK, lehnt ja wie die ganze Sitta-Schule die Revision eigentlich ab, weil er die Reform von 1996 ganz famos findet. So wird Herrn Stöckling nichts anderes übrigbleiben, als die Fortbildung der Lehrer in Zukunft selbst zu übernehmen.



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Kommentare zu »Nicht objektiv«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2006 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=483#3887

«In der Schule ist der Entscheid kein Thema, weil bis und mit Oberstufe keiner mehr in der Schule ist, der noch die alte Rechtschreibung kennt.» Das teilte Herr Stöckling 2005 mit. Es trifft selbstverständlich nicht zu. Alle Oberstufenschüler kennen die „alte Rechtschreibung“, die ihnen ja täglich begegnet.
 
 

Kommentar von Henning Upmeyer, verfaßt am 13.04.2006 um 00.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=483#3791

Die deutschen Kultusminister würden sich gewaltig ärgern, wenn jetzt ein "Sachverständigen-Rat für deutsche Rechtschreibung" die "Abwicklung" der Rechtschreibreform übernehmen würde und Prof. Ickler nicht mehr der einzige "Watschenmann" der Reformer wäre.
 
 

Kommentar von sda, 5. 4. 2006, verfaßt am 06.04.2006 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=483#3707

St. Galler Erziehungsdirektor verbietet Rechtschreibkurs

ST. GALLEN - Der St. Galler Erziehungsdirektor und EDK-Präsident Hans Ulrich Stöckling hat einen Weiterbildungskurs für Lehrer zur Rechtschreibung verboten. Als Referenten waren Kritiker der Reform vorgesehen. Zu einseitig, fand Stöckling.

Das kantonale Erziehungsdepartement bestätigte einen entsprechenden Bericht des "St. Galler Tagblatts". Der Kurs hätte im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms für Mittelschullehrer stattfinden sollen. "Von alt zu neu - von neu zu alt: Die neue Rechtschreibung - Hinweise, Klärungen und Stellenwert", so der Titel.

Die Anregung kam laut Kursleiter Mario Andreotti von der Fachschaft. Als Referenten waren der deutsche Germanist Theodor Ickler und der in Gossau SG unterrichtende Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann vorgesehen. Beide traten als Kritiker der neuen Rechtschreibung auf.

Drei ausdrückliche Gegner der Reform als Kursveranstalter: "So geht das nicht", fand Stöckling und legte sein Veto ein. Es gehe nicht darum, eine Diskussion abzuklemmen, erklärte der Präsident der Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) gegenüber dem "St. Galler Tagblatt". Gegen einen ausgewogen besetzten Kurs hätte er nichts gehabt.

So aber wäre Lehrern und Eltern gegenüber ein "falsches Signal" gesetzt worden, sagte der FDP-Politiker. Die Rechtschreibreform sei unter Dach und Fach. Letzte Änderungen werde die EDK im Juni beschliessen. Jetzt erneut Unsicherheit zu schüren, wäre laut Stöckling unverantwortlich.

(Online bei Aargauer Zeitung, Berner Rundschau, Bluewin, espace.ch, Grenchner Tagblatt, Limmattalonline.ch, mzbern.ch, swissinfo, szonline.ch, Tages-Anzeiger, Zisch)
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 06.04.2006 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=483#3705

Einen schöneren Beweis für den Dogmen-Charakter der Reform kann es nicht geben: Die Glaubensschäflein müssen vor Ketzern und Kritikern bewahrt werden. (Und wieder einmal fällt das verräterische Wort "durchsetzen"). - Mumien zerfallen, wenn sie an Licht und Luft kommen.
 
 

Kommentar von St. Galler Tagblatt, 11.03.2006, verfaßt am 05.04.2006 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=483#3694

Stöckling tritt als EDK-Chef zurück

St. Gallen. Der St. Galler Erziehungschef Hans Ulrich Stöckling tritt auf Ende Juni als Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren zurück. Er hatte den Erziehungschefs die maximale Amtsdauer von acht Jahren vorgestanden. Neue Präsidentin wird die Freiburger Staatsrätin Isabelle Chassot. Sie wurde für die Amtsperiode 2006 bis 2010 gewählt. Isabelle Chassot ist die erste EDK-Präsidentin; nach dem Neuenburger Jean Cavadini (1986 bis 1992) übernimmt damit zum zweiten Mal ein Westschweizer Mitglied das Amt. (red.)

(tagblatt.ch-Archiv)
 
 

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