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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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06.08.2006
Duden lesen
Wo man aufschlägt, wird man fündig

Zum Beispiel ist die Trennung "europä-isch" durch Rotdruck als neu markiert, es ist aber die alte. Erst bei den gebeugten Formen gibt es etwas Neues gegenüber 1991, und zwar liegt die Reform hier ausnahmsweise mal richtig.

Schon oft ist auf das Mißverständnis hingewiesen worden, das neuen Trennungen wie "Menschen verachtend" zugrunde liegt. Man muß aber auch bedenken, daß die teilweise vom Duden nicht empfohlenen Getrenntschreibungen auch in anderen Wörterbüchern stecken. So erklärt der neue Muret-Sanders "Ghoul" als "Leichen fressenden Dämon", während es vor der Reform natürlich ein "leichenfressender" war. Das muß demnächst alles korrigiert werden. Kein Wunder, daß dem Brockhaus/Langenscheidt-Konzern allmählich vor der Rechtschreibreform graust.

Da "Rythmus" für die Neuregelung 1996 keine Option mehr war, stand es den Reformern auch nicht frei, "Eurythmie" als zulässige Variante von Eurhythmie zu etablieren. Dieser Eintrag im amtlichen Wörterverzeichnis, damals noch mit einem Sternchen als Neuschreibung markiert, war ein objektiver Fehler (ebenso wie "Onestep", was man später stillschweigend in "Onestepp" änderte). Trotzdem wird auch im neuesten Wörterverzeichnis "Eurythmie" ohne den Vermerk angeführt, daß es sich um eine für Rudolf Steiner und manche seiner Anhänger kennzeichnende, wie ein Warenzeichen zu behandelnde Sonderschreibweise handelt. Im Wahrig ist der Sachverhalt korrekt dargestellt, während der neue Duden die anthroposophische Schreibweise sogar ausdrücklich empfiehlt, ohne jeden Hinweis auf die Steiner-Schule.

Als Fernsehmuffel kenne ich RTL und Spiegel TV nur vom Hörensagen, aber ich glaube, heute abend gibt es da was mit Dudenchef Scholze-Stubenrecht und mir.



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Kommentare zu »Duden lesen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2014 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#25981

Das erwähnte Dirndl ist bayerisch-österreichische Tracht, ebenso gehört das Wort dorthin.

Seit ich in Erlangen (na ja, bei Erlangen) wohne, hat sich hier ein Wandel vollzogen. Zur Bergkirchweih (Kerwa), einem weithin bekannten sogenannten Volksfest, das durch die räumliche Enge und das gegenüber der Münchner Wiesn günstigere Bier gekennzeichnet ist, gehen Jahr für Jahr mehr Frauen im Dirndl, Männer sogar in Hirschledernen. Darüber gibt es erwartungsgemäß viel Streit, aber der Druck der Bekleidungsindustrie ist stark und setzt sich offensichtlich durch. In einigen Jahren werden Dirndl und Lederhosen zur fränkischen Tracht gehören.
Das erinnert an die Zillertaler, die sich zwecks Tourismusförderung - als ursprünglich bitterarme Gegend - das bekannte Brauchtum haben anfertigen lassen. Tübinger Volkskundler haben das einmal nachgezeichnet.
Wikipedia bezeichnet das Dirndl als "lasziv". Das gilt aber nur für Oberbayern, hier in Mittelfranken wirkt es entgegengesetzt, weil die sonst so netten Fränkinnen überhaupt nicht wissen, wie man sich in einem Dirndl hält und bewegt.
Das Bier übrigens kostet, soviel ich weiß, 8 Euro, aber selbst das ist vielen Jugendlichen noch zu teuer, und so sind in dieser "fünften Jahreszeit" die Getränke- und Supermärkte stets umlagert, und man läßt sich schon mal mehr oder weniger vollaufen, bevor man auf den "Berch" geht. Radfahren ist wegen der vielen Glasscherben auch nicht ratsam.
Im Ausland, z. B. in NRW, wird man regelmäßig auf die Kerwa angesprochen, viel mehr scheint von Erlangen nicht bekannt zu sein.

Dieser sachfremde Eintrag sei mir gestattet, weil zur Zeit hier alles ein bißchen verrückt ist, wegen Kerwa und Hitze.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 09.09.2006 um 01.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5484

Subtil

Wenn ich meine eigenen Äußerungen zum GROSSEN DEUTSCHTEST nachlese, muß ich feststellen, in einigen Punkten (siehe Diskussionsforum und diesen Strang) fehlgeurteilt zu haben. Ich habe versucht, live mitzuspielen.

Unter anderem habe ich ausgesagt, daß in diesem „großen Deutschtest“ keine typischen Neuschreibungen erforderlich waren; gleichwohl habe ich bekannt, daß ich versuchte, mich an den „Irrsinn“ anzupassen - mit der Absicht, eine bessere Bewertung zu erhaschen. Ich kann letztlich behaupten, daß ich ohne meine Zwangsneurose eine bessere Beurteilung (sogar die beste) erzielt hätte.

Ich widerrufe allerdings meine Äußerung, daß die Rechtschreibreform auf dieses (nunmehr dritte) RTL-Diktat keinen Einfluß gehabt hätte.

Genau genommen hatten wir bei allen Hape-Kerkeling'schen Diktaten eine Lehrer-Schüler-Situation vor uns. Nachdenken und offen sein mußte der Schüler! Der Lehrer bewertete – und schloß!

Mit Verlaub: Das ist schei**! Wenn Nachdenken nichts mehr bringt, dann lohnt sich die Nachdenklichkeit nicht mehr.
 
 

Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 08.09.2006 um 14.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5477

Zum Großen RTL-Deutschtest

Prof. Ickler, Norbert Schäbler,

dieser Test war eher ein Fremdwörtertest:

exzellent,
Renommee
Korruption
Suite
Lappalie
Diarrhö
dilettantisch
ignorieren
phänomenal
kollabierte
Polyesterhemdchen
hysterisch
spontan

und dann noch (ugs):
krakeelen
hanebüchen

In der neuen Schreibe sind nur
- helllichtem Tage
- von dannen zog
zu finden.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 07.09.2006 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5452

Frau Salber-Buchmüller,

ein aktuelles Angebot aus Stuttgart: ein "Glaß Prosecco".

...
 
 

Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 07.09.2006 um 11.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5450

FAZ

Ich bringe es mal hier unter:

Ich erhielt soeben per Post einen persönlichen Brief (auf edlem Papier).
Absender: WERNER D'INKA
Herausgeber Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hier eine Abschrift des letzten Absatzes:

"Der Rechtschreibrat hat viele Erwartungen nicht mehr erfüllt oder - so, wie er zusammengesetzt war - nicht erfüllen könen. Er hat aber dort, wo die Reform schlimme Sinnentstellungen brachte, vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung, manches verhindert.
Deshalb prüfen wor derzeit die Wörterbücher und reden mit Kollegen in namhaften Redaktionen darüber, wie wir in einem abgestimmten Verfahren möglichst viel von dem Sprachschatz und dem Nuancenreichtum erhalten.
Den Unterschied zwischen "wohlerzogen" und "wohl erzogen" werden wir beispielsweise weiterhin machen, und banausenhafte Schreibweisen ("Schimäre"), Herleitungen ("Tol(l)patsch" kommt nicht von "toll") oder Trennungen ("Subs-tanz") werden wir auch künftig in der F.A.Z. nicht lesen. Über alles andere kann man reden, auch über das "scharfe "S", weil es hier nicht um den Sinn geht, sondern um Konventionen."

Tja, sonst hat Werner d'Inka nichts über das ss zu sagen? Schaut er nicht in andere Zeitungen hinein, die "das" und "dass" immer wieder verwechseln? Wie steht er zu dem dürftigen "Lehrsatz" in der Schule, der die Kinder zu "bließ" und "raßte" verführt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2006 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5447

Da wir in unserer Ferienwohnung Fernsehen hatten, haben wir uns den Deutschtest angesehen, jedenfalls zum größten Teil. Die enorme Zahl der selbst von Gebildeten begangenen Fehler hat mich überrascht. Das Diktat war ja nicht gerade schwer, das fand auch unserer 13jährige Tochter. Lesen denn die Leute gar nicht mehr? Ich bin allerdings in den vier Wochen Urlaub gerade durch gelegentliches Anschauen der TV-Sendungen wieder einmal daran erinnert worden, daß die meisten Mitmenschen in einer völlig anderen Welt leben als meine Familie. Wir haben auch sogenannte Dokumentarsendungen bei Arte und Phönix gesehen und waren angewidert von der einheitlichen Soße des vermeintlich Unterhaltsamen, die über alles gegossen wird, die schnellen Schnitte sogar bei Exponaten der Archäologie usw. – bloß keinen Augenblick der Besinnung eintreten lassen! Gestern habe ich mir den SPIEGEL mit der 9/11-DVD gekauft. Die Aufnahmen vom Einsturz des World Trade Center sind ja echt geil, kann man immer wieder anschauen, daher auch die unterlegte Musik, ohne die es schon mal nicht geht. Ich will damit sagen, daß alles und jedes heutzutage auf ein und dieselbe Art zubereitet wird. Erst verbildet das Fernsehen unseren Geschmack, und dann behauptet es, sich an diesen anpassen zu müssen. Es ist, wenn man grundsätzlich TV-abstinent lebt, immer wieder schockierend zu erleben, was die Zeitgenossen sich alles bieten lassen, wenn es nur gelingt, die Zeit totzuschlagen und nicht allein mit sich zu sein.

Zurück zum Deutschtest. Es war ja eine einzige Dudenwerbung, Kritik am Duden folglich ausgeschlossen, nur ein bißchen sanfter Spott über die Rechtschreibreform war erlaubt. Interessanter wäre es gewesen, zum Beispiel bei "daheimbleiben" darauf hinzuweisen, daß dieses Wort vor vier Wochen noch getrennt geschrieben werden mußte, während es jetzt zusammengeschrieben werden muß. Dieser "Fehler", der ja – wenn man den richtigen Begriff von Rechtschreibung hat – gar keiner ist, war der einzige, für den ich beim Diktat ein gewisses Verständnis gehabt hätte. Alles andere war kinderleicht. Ich wage zu behaupten, daß vor 50 Jahren die meisten Deutschlehrer dieses Diktat fehlerfrei zu Papier gebracht haben würden. Und zwar nicht, weil sie alle Dudenfetischisten und Fliegenbeinzähler waren, sondern weil es sich durchweg um sonnenklare Regeln handelte, die, durch entsprechende Lektüreerfahrung ergänzt, zu einer sicheren Rechtschreibung führten.
Die paar Grammatikfragen wurden in Zwiebelfischmanier autoritär und engstirnig entschieden, es juckte mich in den Fingern, mal anzurufen und Einwände zu machen.
Scholze-Stubenrecht kann zufrieden sein.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 06.09.2006 um 22.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5443

„Stumpfe Spitze“

An anderer Stelle habe ich mit zeitlicher Nähe zum „GROSSEN DEUTSCHTEST“ (siehe Diskussionsforum) berichtet. Nachdem Herr Gerdes an dieser Stelle den Diktattest zur Verfügung stellte, will ich mich über Fehler äußern, die mir beim Mitschreiben des Diktates unterliefen. Früher wären sie mir mit wenigen Ausnahmen nicht passiert.

1. Fehler bei der GZS: a) daheim geblieben, b) auf bekam c) nichts desto weniger, d) fest stellen
2. Fehler bei der GZS: a) Sturz betrunken, b) Landes üblich c) Stunden lang

Zu 1: Die Rechtschreibreform hat mich mit ihrem willkürlichen Vorgehen gegen erkennbare Sprachtendenzen (hier im speziellen Falle die Regelung: „im Zweifelsfalle getrennt“) irritiert. Früher habe ich generell häufiger zusammengeschrieben und klammerte mich oft an das Merkmal der Betonung. „Daheimbleiben, aufbekommen, feststellen, nichtsdestoweniger“ stellten für mich nie Schwierigkeiten dar. Doch weil ich versuchte, „neunormgerecht“ zu schreiben, handelte ich mir Fehler ein. Ich unterstelle, daß zwischen 1996 und 2004 meine Anpassungsschreibungen (gemäß Regelwerk oder Wörterliste) zumindest teilweise gültig waren.
Zu 2: Die Rechtschreibreform hat durch die Auflösung partizipialer Konstruktionen Verwirrung angerichtet. Sogenannte Mittelwörter, die sich zusammensetzen aus verschiedenen Wortarten, bereiteten mir schreibtechnisch niemals Schwierigkeiten. Entscheidend für die Groß- oder Kleinschreibung war letztlich nur, welche Wortart die Rolle des Bestimmungswortes oder des Grundwortes übernahm. Über Feinheiten der Unterscheidungsschreibung – sozusagen über pointierte Gestaltung von Ausdrücken - war ich bereits vor der Rechtschreibreform informiert. Dafür war ausschließlich mein eigenes – dem Leser zu vermittelndes – Wortverständnis verantwortlich.
Über Zusammenschreibung mußte ich - falls ich mich für das Mittelwort entschied – nicht zusätzlich nachdenken. „Land und üblich“ ergab: landesüblich; „Sturz und betrunken“ ergab: sturzbetrunken; „Stunde und lang“ ergab: stundenlang. „Laub und tragend“ ergab: laubtragend. „Eisen und verarbeitend“ ergab: eisenverarbeitend.
Noch einmal: Für die Konstruktion von Zusammensetzungen sind alle Wortarten zulässig – auch Mittelwörter selbst. Entscheidend für die Groß- und Kleinschreibung ist die Wortart des „Zweitgliedes“. Ein zusammengesetztes Wort als "Wortgruppe" zu definieren, ist in meinen Augen „Hirn rissig“.

Nachtrag: Im Diktat habe ich mir im übrigen drei weitere Fehler eingehandelt. Den „Ghecko“ (Gecko) hielt ich für ein exotisches Tier, wobei mich der „Panther“ (Panter) und der „Tunfisch“ (Thunfisch) zusätzlich irritierten. Das Wort „hahnebüchen“ (i.e. "hanebüchen") leitete ich vom Hahn ab und befinde mich damit wohl etymologisch auf gleicher Stufe wie Herr Augst, für den „behände“ von „Hand“ kommt und „Tollpatsch“ von „toll“. Herr Scholze-Stubenrecht klärte auf, daß das Wort von der hartholzigen Hainbuche kommt.
Auch das Polyesterhemd schrieb ich falsch, weil ich an „polis“ dachte. Dumpf erinnere ich mich, daß "poli" und "poly" gleichgestellt werden sollten (Fachbereich: Chemie? "Oxyd - Oxid")...
Zusätzlich leistete ich mir bei den Zusatzfragen Fehler im Bereich der Groß- und Kleinschreibung. Bei Frage 5 kreuzte ich A) an.
Völlig versagte ich beim Dudenspiel (neu aufgenommene Wörter). Hier wußte ich nicht, daß die „Hacklerregelung“ etwas mit österreichischem Pensionsrecht zu tun hat, und daß die „Brötchentaste“ nicht etwa am Computer sondern an Parkuhren installiert ist.

Am Ende Klartext: Ich will hier nicht brillieren mit Aussagen, die in der Gesamtheit letztlich nicht überprüft werden können. Es geht mir vielmehr darum, dieses Duckmäusern und die Duckmäuserei bloßzustellen. Wenn nicht ein einziger unter sämtlichen (über 30000) Probanden des Deutschtest die Note „sehr gut“ erzielt, wenn das Bundesland Sachsen mit einem Durchschnitt von 35,7 Fehlern Spitzenreiter wird im Wettstreit der Bundesländer, wenn der Notendurchschnitt unter den rund 200 ausgewählten Studioteilnehmer innerhalb eines Jahres von 2,9 auf 3,5 abfällt, dann kann etwas nicht stimmen in der deutschschreibenden Sprachwelt. Und deshalb geht künftighin mein Ehrgeiz dahin, vorbildlich zu schreiben sowie die Zwangsanpassung ein- für allemal über Bord zu werfen. Mir genügt es nicht, „gut“ im Schreiben zu sein, wenn eine „sehr gut“ drin ist. In einer reformierten Masse, die nach der sog. Reform in der Leistung kraß abfällt, fühle ich mich keine Sekunde mehr wohl.
Diese Reform scheint mir nur den Sinn gehabt zu haben, die Leistungsspitze ein für allemal abzustumpfen.

 
 

Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 06.09.2006 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5440

Ich habe den Text des Diktats von folgender Seite abgetippt und ihn mit Zeilennummern versehen:

http://www.rtl.de/quiz/quiz_924179.php

1 Horror im Hotel

Wäre ich doch daheimgeblieben!
Das Hotel hat sein exzellentes
Renommee bestimmt durch
5 Korruption bekommen. Beim
Betreten meiner Suite musste ich
feststellen, dass mein Bett schon
belegt war. Eine Kakerlakenfamilie
hielt gerade Siesta.

10 Gut, das ist kein Grund zum Mäkeln,
dass ich aber die Tür nicht mehr
aufbekam, war keine Lappalie
mehr. Sechsundvierzig Grad
Zimmertemperatur und rostiges
15 Leitungswasser versprechen eine
prima Diarrhö, aber keine Erholung.

Natürlich war das Haustelefon so
dilettantisch installiert, dass es
mutmaßlich nie funktioniert hatte.
20 Was am helllichten Tage schon
ärgerlich war, wurde bei Nacht erst
recht zur Qual.

Auf der Straße krakeelende
Urlauber, offensichtlich
25 sturzbetrunken, ignorierten meine
verzweifelten Armbewegungen am
Balkonfenster. Ich schrie wie am
Spieß, was die freundliche
Putzkolonne nebenan leider als
30 Bitte um Ruhe missverstand, worauf
sie von dannen zog.

Es war hanebüchen! Statt am
Strand spazieren zu gehen, rannte
ich ums Bett, denn mittlerweile
35 hatte sich ein landesüblicher
Gecko eingefunden. Seine
stierenden Augen trieben mich in
null Komma nichts auf einen
Schemel.

40 Dort stand ich stundenlang, bis ich
endlich gefunden wurde, und zwar
von einer phänomenal großen
Spinne. Ich kollabierte spontan,
was den Gecko dazu ermutigte, ins
45 Innere meines nicht nur
klimabedingt durchgeschwitzten
Polyesterhemdchens zu steigen.

Nichtsdestoweniger hatte ich
schlussendlich dennoch Spaß.
50 Nachdem man mich doch noch
befreit hatte, bekam ich einen
hysterischen Lachanfall, als mich
der Zimmerservice fragte, ob ich
denn auch rundum zufrieden sei.
 
 

Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 06.09.2006 um 13.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5438

Ich habe eine Frage zu dem vom DUDEN gesponserten "event", dem großen Deutsch-Test.

Ich habe nach den so bösen Stolperfallen "Diarrhoe" und "Kakerlaken" abgeschaltet. Bis dahin war nichts aus dem Neuschriebbereich.

Enthielt das Gesamtdiktat überhaupt zahlreiche Änderungen, die Überlegungen erforderten? Ich habe den Verdacht, daß DUDEN möglichst wenig an unsinniger Neuerung hineingepackt hat, um entsprechende Diskussionen zu verhindern und schließlich viele Superkandidaten auf den Schild heben zu können?
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 05.09.2006 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5436

Hier mal wieder ein interessantes Wörterbuch, das man im Internet benutzen kann: Der Heyne von 1906.
 
 

Kommentar von Red., verfaßt am 05.09.2006 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5435

Bald. Wir arbeiten an technischen Änderungen.
 
 

Kommentar von rob, verfaßt am 04.09.2006 um 22.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5434

wann geht es denn hier weiter??
 
 

Kommentar von hainbuchenstab, verfaßt am 04.09.2006 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5433

Kurze Mitteilung:

Bei aol wird die endgültige Rechtschreibung gefeiert. Mit einem Test und vielen Bildern.
 
 

Kommentar von Aus derselben Quelle, verfaßt am 04.09.2006 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5428

Dass mit Spannung erwartete Schlusswort umschiffte Buhrow, in dem er direkt auf die Erwartungen der Zuschauer zuging:
 
 

Kommentar von Kölner Stadt-Anzeiger, verfaßt am 03.09.2006 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5427

Nüchtern, sachlich, souverän: So trat Tom Buhrow erstmals als neuer "Mr. Tagesthemen" vor die Kamera. Die Sprache Kristall klar, die Haltung 1 a. Am Ende bedankte er sich "ganz besonders" für das Interesse der Zuschauer.

(Link)
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 02.09.2006 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5424

Mir fehlt der neue DUDEN!

Wenn ich an diesen Beispielen Bildung beweisen soll, gelte ich lieber weiter als ungebildet. Ich kann ja noch nicht einmal die mehrfachen Konsonanten zuverlässig abzählen...
 
 

Kommentar von www.zeit.de - Bildungshappen (Bildungsquiz), verfaßt am 02.09.2006 um 00.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5423

Gewinnspiel

Heute können Sie im Bildungshappen etwas gewinnen. Möchten Sie teilnehmen?

Die neue Rechtschreibung:

Welches der folgenden Wörter ist nach der neuen Rechtschreibung falsch?
- Schifffahrt
- schnelllebig
- Mitttag
- Kaffeeernte

VERMUTEN (= Originaltext im Anklickfeld)


Der neue Duden Erfahrung, Kompetenz und neue Maßstäbe – Seit 126 Jahren ist der Duden das wichtigste deutsche Wörterbuch. Die neue, 24. Auflage des Standardwerks „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ vermittelt die deutsche Rechtschreibung mit allen seit August 2006 für Schulen verbindlichen Schreibungen, Worttrennungen und Regeln. Mit rund 130 000 Stichwörtern und über 500 000 Beispielen, Bedeutungserklärungen und Angaben zu Worttrennung, Aussprache, Grammatik, Stilebenen und Etymologie präsentiert der neue Duden den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache so umfassend wie nie zuvor. „Internettelefonie“, „kleinreden“, „Publikumsjoker“, „Sudoku“, „Telenovela“ und „USB-Stick“ gehören zu den mehr als 3 000 neu aufgenommenen Wörtern. Die konzeptionelle Innovation der aktuellen Auflage sind die „Dudenempfehlungen“. In allen Fällen, in denen die neue Rechtschreibung für ein Wort mehrere Schreibweisen zulässt, führt der Duden alle zulässigen Varianten auf und empfiehlt eine davon. Die von der Dudenredaktion zum Gebrauch empfohlene Schreibweise ist als solche durch gelbe Unterlegung deutlich gekennzeichnet. Die Empfehlungen verstehen sich als Angebot und Entscheidungshilfe für Medien, Unternehmen, Verlage, Lektorate, Korrektorate, Redaktionen und Privatpersonen, die Wert auf eine einheitliche Orthografie legen. Die Neuauflage bietet in jedem Fall eine noch benutzerfreundlichere Anwendung als bisher. Der vierfarbige Druck, das neue Griffregister und die insgesamt verbesserte typografische Gestaltung tragen wesentlich dazu bei. Den unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen entsprechend steht die 24. Auflage des Standardwerks der deutschen Rechtschreibung auch als CD-ROM für Windows, Mac OS X und Linux sowie als Software für Handhelds und Smartphones zur Verfügung. In seiner digitalen Form bietet der Duden zusätzlich akustische Aussprachehilfe zu über 9 000 schwierigen Wörtern auf Basis der Vertonung durch die Aussprachedatenbank der ARD.
 
 

Kommentar von Prinzessin Silbernüßchen, verfaßt am 30.08.2006 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5420

In der soeben erschienen Publikation "Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis" aus dem Narr-Verlag, bei deren Lektüre einem übrigens wirklich schlecht wird, findet sich ein Geleitwort des großen Vorsitzenden, das sich von dem in der neuen Wahrig-Ausgabe gar nicht so sehr unterscheidet.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 30.08.2006 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5416

> Den kann man daher getrost "fabrikneuen Schrott" nennen.

Das kann man z.B. hier tun.
 
 

Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 30.08.2006 um 11.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5414

Wie die sog. größte Regionalzeitung Deutschlands, die WAZ, mit dem Duden umgeht, spiegelt sich im dortigen Forum unter "Rechtschreiben, Richtigschreiben" wider. Eine (fast) tägliche Fundgrube lädt ein zum Kopfschütteln.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.08.2006 um 23.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5389

Das Ziel der Reform war doch eigentlich, daß alle, Bevölkerung und Zeitungen, sich nach der in der Schule gelehrten Rechtschreibung richten sollten. Jetzt sieht es so aus, daß die Schüler nach den von ihrem Schulministerium herausgegebenen Richtlinien schreiben müssen, schon weil nur noch diese alle zulässigen Schreibweisen enthalten, und der Duden der Bevölkerung und den Zeitungen etwas ganz anderes lehren möchte. Daß Herr Zehetmair die Zeitungen auf die vom Rechtschreibrat beschlossenen Schreibweisen einschwören wollte, ist schon fast vergessen, und das sind auch nicht die jetzt vom Duden empfohlenen Schreibweisen. Wer so schreiben will wie die Schulkinder, braucht die Richtlinien der Schulministerien und nicht den Duden. Den kann man daher getrost "fabrikneuen Schrott" nennen.
 
 

Kommentar von B.Eversberg@tu-bs.de, verfaßt am 28.08.2006 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5384

Viele Zeitungen haben zum Duden 24 endlich mal nicht einfach nur die Werbung paraphrasiert, sondern durchaus kritisch geschrieben. Die Braunschweiger Zeitung gar mit der Überschrift: Nicht dem Duden blind vertrauen! Das jedoch tat man auch früher nicht, sondern man wußte: da steht drin, wie die meisten in deutscher Sprache schreiben, ganz verkehrt kann's also nicht sein, auch so zu schreiben. Dieser pragmatische Aspekt ist weg, das Paradigma ist ein anderes: es steht drin, wie sich einige Esoteriker ausgedacht haben, daß man schreiben sollte. Blindes Vertrauen ist da in der Tat nicht angebracht, da braucht's schon Untertanengeist.
Die Reform ist mißraten und hat ihre Ziele weit verfehlt, damit ist die Situation schlechter als vorher. Das jedoch ist kein Alleinstellungsmerkmal dieser besonderen Reform, sondern eher ein allgemeines Merkmal deutscher Reformen.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 27.08.2006 um 13.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5382

Der DUDEN ist ein Wirtschaftsunternehmen und muß in erster Linie geschäftlich denken. Diese Maxime hat sein Verhalten gegenüber der Reform von Anfang an bestimmt, eine Maxime, die uns Nicht-Unternehmern nicht so leicht in den Kopf will. Nachdem das "Monopol" von einst dahin ist, versuchen die DUDEN-Leute es nun mit "Empfehlungen". Für die Schule, wo Rechtschreibung bewertet wird, sind sie unerheblich. Dort gilt die vom Rat erarbeitete und von den MK als verbindlich erlassene Fassung. Soll man daraus schließen, daß der DUDEN keinen Wert mehr auf dieses Marktsegment legt? Schwer vorstellbar, winkte doch hier immer ein sicherer Absatz an Wörterbüchern. Oder sollten die in Mannheim darauf hoffen, daß die KMK auch die, vielfach ratskonträren, Schreibungen einfach durchwinkt? Denkbar ist alles.
 
 

Kommentar von jms, verfaßt am 27.08.2006 um 12.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5381

Ich habe letztens in einer Buchhandlung den neuen Duden durchgeblättert und konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ist das wirklich ernstgemeint? Es hieß doch immer, durch die Rechtschreibreform hätte die Rechtschreibung einfacher werden sollen. Dieser Duden ist selbst der beste Beweis dafür, daß alles viel komplizierter geworden ist. Er besitzt allerhöchstens sprachhistorischen Wert als Dokument der orthographischen Verwirrung in diesem Land. Als tägliches Nachschlagewerk ist er doch völlig unbrauchbar. Schämen sich die Duden-Leute eigentlich nicht, solch quacksalberischen Unsinn zu verkaufen?

Es gehört eine gehörige Menge an Wirklichkeitsverdrängung bzw. -verdrehung dazu, die Rechtschreibreform noch in irgendeiner Weise als gelungen oder positiv zu betrachten. Erschreckend ist das Verhalten von Politik, Presse und Pädagogen, die sich dem Druck der offensichtlich pathologischen Reformbetreiber gebeugt haben. Man ist entsetzt, wie die sogenannten Eliten es zulassen konnten, daß es soweit kommen konnte. Aber sie wissen genau, daß sie Schuld an dieser gigantischen Volksverdummung haben. Und genau deshalb haben sie es nicht gewagt, die Reform wieder zurückzunehmen. Sie scheuen den Gesichtsverlust und wollen die Verantwortung für das Desaster nicht übernehmen. Lieber lassen sie die deutsche Sprache weiter unter den Spinnweben einer verkorksten Rechtschreibung verkümmern.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 27.08.2006 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5380

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Wir befinden uns also ganz offensichtlich auf dem Wege zu einer Zweiklassen-Rechtschreibung. Während vor der Reform jedoch für weniger Rechtschreibstarke immer die Möglichkeit bestand, sich zur besseren Beherrschung der Norm weiterzuentwickeln (auch dank DUDEN, als er noch nicht korrumpiert war), sagt man denen heute: Es gibt zwar eine qualitativ höherstehende Orthographie, aber für euch ist die Primitivschreibung allemal ausreichend. Jedenfalls macht ihr mit ihr keine "Fehler". (Alles überragende Wichtigkeit der Fehlervermeidung aus schülerhafter Sicht).
 
 

Kommentar von Marconi Emz, verfaßt am 27.08.2006 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5379

So ähnlich tönt es auf der Duden-Internetseite auch bei der Erläuterung der neuen Kommasetzung bei 'und':

"Entgegen der schon bisher sehr weit reichenden Grundregel, dass vor und, oder und verwandten Konjunktionen kein Komma zu setzen ist, war zwischen Hauptsätzen, die durch diese Konjunktionen verbunden werden, bislang ein Komma grundsätzlich vorgeschrieben: Hanna liest ein Buch, und Robert löst ein Kreuzworträtsel. Da diese Regel aber offensichtlich dem Sprachgefühl und dem Sprachgebrauch vieler, auch erfahrener Schreiber widerspricht, ist davon schon in der Vergangenheit häufiger abgewichen worden. Die Neuregelung will den Schreibenden an dieser Stelle entgegenkommen und das Komma zwar nicht abschaffen, aber doch weitgehend freigeben. Genauer: Grundsätzlich wird vor und, oder und verwandten Konjunktionen kein Komma gesetzt. Der Schreiber kann aber – in Übereinstimmung mit den bisherigen Regeln, die also nicht einfach plötzlich falsch sind – gleichwohl ein Komma setzen, etwa um die Gliederung des Satzes deutlich zu machen oder um Fehllesungen vorzubeugen. Das folgende Beispiel steht für den auch ohne Komma problemlos lesbaren Normalfall: Hanna liest ein Buch und Robert löst ein Kreuzworträtsel. Hingegen dürfte es im folgenden Satz sinnvoll sein, seine Gliederung in zwei Teilsätze mit einem Komma zu kennzeichnen: Wir warten auf euch, oder die Kinder gehen schon voraus. (Schwerer lesbar: Wir warten auf euch oder die Kinder gehen schon voraus.) (gefunden bei: www.duden.de - Neue Rechtschreibung - Die Neuregelung der Zeichensetzung - Das Komma bei "und")

Man gibt also verstohlen (und offensichtlich nur ungern) zu, daß ein Komma die Gliederung des Satzes deutlich macht und Fehllesungen vermeidet, aber die Kommasetzung widerspricht trotzdem angeblich dem von der Duden-Redaktion neuentdeckten verfeinerten "Sprachgefühl und Sprachgebrauch auch erfahrener [!] Schreiber". Damit dürften vor allem die Herren Wermke, Scholze-Stubenrecht und Konsorten gemeint sein, die nicht mehr zur (eindeutig auch von den Duden-Leuten für besser gehaltenen) traditionellen Rechtschreibung zurückkehren können, denn dies würde persönlichen Gesichtsverlust bedeuten, und der ist bekanntlich schlimmer als der Tod.

Den Duden kann man sachlich nicht mehr ernst nehmen. Nur sein Traditionsname, der im naiven Volksglauben weiterhin ein Synonym für die Rechtschreibung an sich ist, wird ihn wohl retten.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 27.08.2006 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5378

Für dumm verkaufen

In seinem neusten "Newsletter" erklärt der DUDEN u.a. ausführlich die bedeutungsunterscheidende Funktion von Getrennt- und Zusammenschreibung am Beispiel von kaputtmachen. (Bei sattessen/ satt essen liegt er offenbar falsch mit seiner Erläuterung). Nachdem der Leser solchermaßen aufgeklärt wurde, wird ihm zum Abschluß offen bescheinigt, daß das für ihn ja alles viel zu schwer sei und er einfach immer getrennt schreiben solle. Dann mache er nichts falsch. - Gibt es einen drastischeren Beleg dafür, daß die sog. neue Rechtschreibung für Deppen gemacht ist? Und noch schlimmer: Daß sie bei DUDEN dies genau wissen, ihre Fachkenntnis keineswegs über Nacht verloren haben, sondern sich lediglich einer obskuren Orthographie-Mafia unterwerfen?
 
 

Kommentar von Konrad Schultz, verfaßt am 22.08.2006 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5366

Vielleicht sollte jemand dem Duden verraten, daß es mehrere erste Geiger gibt in einem Orchester, und daß man den "Ersten" als Konzertmeister bezeichnet?
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 22.08.2006 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5365

Da haben Sie mich falsch verstanden: Mir sind die von mir genannten FAZ-Artikel an sich nicht bekannt, und um deren Inhalt geht es mir.
 
 

Kommentar von Nackenschlag, verfaßt am 22.08.2006 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5364

Der Einwand bezog sich auf Herrn Wagners Beitrag, in dem nichts weiter zu finden war als die Nachprüfung von Datumsangaben.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 22.08.2006 um 12.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5363

Nach Duden 06, S. 1156: „er ist zweiter Geiger“; hingegen müßte man nach S. 379 schreiben: er ist „der Erste Geiger“.
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 22.08.2006 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5362

Das mag schon stimmen. Die zwei ärgerlichen Sachen sind:

1) Der Bundesbürger mit Duden fühlt sich was-weiß-ich-wie-toll, weil er jetzt endlich "Rechtschreibsicherheit" hat. Das Vertrauen in den Duden bei dieser nicht kleinen Bevölkerungsschicht bleibt groß.

2) Der Duden verdient an jedem verkauften Exemplar, obwohl er es eigentlich nicht verdient hätte.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.08.2006 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5355

"Trotzdem ärgert es, ..."
Schon richtig, j.k. Aber "man" kauft ihn nur, damit man ihn hat. Lesen und richtig bedenken tut den doch keiner. Sie wissen doch, in der Buchhandlung: "Geben Sie mir bitte diesen Satz Goethe. Und dazu noch gleich die Reihe Schiller da. Und der Shakespeare-Satz da, der macht sich auch sehr gut. — Ja, und dann hätte ich noch gern was zum Lesen." — Das schreibe ich Ihnen nur zum Trost — mit verzogenen Lippen, naja; aber vielleicht hilft's was. Es kennzeichnet diese Käufer, — aber die machen nun eben auch unsere Kultur aus, diese unsere Landsleute vor dem Gesetz. Ärgerlich, nicht wahr, ja. So formuliert's auch der Kardinal im *Stellvertreter*.

 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 21.08.2006 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5353

@ ub:
Trotzdem ärgert es, daß der Duden trotz aller darin steckenden Dummheit weiterhin auf Platz 1 ist. Das ärgert mich sogar sehr.
 
 

Kommentar von Karl Berger, verfaßt am 20.08.2006 um 19.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5352

Sollte es möglicherweise darum gehen, daß Sie (betont) wach sind, wenn Sie Ihr Dornröschen küssen? Das erst macht doch den Irrsinn perfekt, meinen Sie nicht?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.08.2006 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5351

Quod non est in actis non est in mundo. Der (deutsche) Titel des tschechischen Märchenfilms von 1977 heißt zwar "Wie man Dornröschen wachküßt", aber das war ja vor der Reform. Anscheinend gibt es das Wort "wachküssen" in den Wörterbüchern noch nicht, deshalb schreibt es die Fernsehzeitschrift tv14 mittels "Getrenntschreibung als Normalfall" eben "Wie man Dornröschen wach küßt", obwohl das ein Widerspruch in sich selbst ist, denn D. wurde ja nicht in wachem Zustand geküßt, sondern erst durch den Kuß oder nach diesem wach. Wenn die Wirklichkeit nicht der Theorie entspricht, um so schlimmer für die Wirklichkeit!
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 20.08.2006 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5350

"'Wörter'" im Original ist durch 'Worte' in der Zeitung ersetzt.]"
Da haben wir's wieder von denen bei den Medien, die auch etwas zur Sache wissen wollen. Es geht hier um Wörterbücher, und die korrigieren herum, als ob's um Wortebücher ginge. Mal kurz mitdenken fällt ihnen offenbar nicht ein. — Na, wenigstens ist das Eszett in "daß" nicht umgeschrieben worden.
 
 

Kommentar von ub, verfaßt am 20.08.2006 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5349

Der Duden hat sich wieder auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste von "Focus" behauptet, der Wahrig dagegen, zuletzt mit Platz 7 erstmals unter den ersten Zehn, hat sich gegen die Konkurrenz unter anderem von "Und morgen bringe ich ihn um!" von Katharina Münk (neu, Platz 7) und "Tag und Nacht und auch im Sommer" von Frank McCourt (neu, Platz 3) nicht behaupten können und ist aus diesem Kreis wieder ausgeschieden. Diese Rangliste besagt natürlich auch dann nicht viel, wenn sie methodisch einwandfrei und ohne Mogeleien zustandegekommen ist. Da die Liste die absoluten Verkaufszahlen verschweigt, ist ihr auch in diesem Fall als gesicherte Erkenntnis lediglich zu entnehmen, daß in den befragten 750 Buchhandlungen binnen einer Woche mindestens zehn Duden über den Ladentisch gegangen sind (bei einer längeren Version der Liste entsprechend mehr Exemplare), bzw. daß zum Beispiel mindestens sieben Kunden lieber einen neuen Duden als "Schuhbecks Kochschule" (Platz 8) haben wollten.
 
 

Kommentar von Dr. Maria Theresia Rolland, Bonn, verfaßt am 19.08.2006 um 12.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5348

Leserbrief im General-Anzeiger, Bonn, 19./ 20.8.2006, S. 16:

Wörterbücher stimmen nicht in allen Schreibungen überein
Es ist ein Irrtum, wenn der gutwillige Leser glaubt, die Rechtschreibreform sei abgeschlossen; denn der Rat für deutsche Rechtschreibung nimmt seine nur unterbrochene Arbeit schon in seiner Septembersitzung wieder auf. Was also in den beiden großen Rechtschreibwörterbüchern von Duden und Wahrig vorliegt, ist wieder nur ein kurzer Zwischenschritt auf dem unseligen Weg der Reformwörterbücher von 1996 über 1998, 2000, 2004 bis nunmehr 2006. Hinzu kommt, daß der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, empört ist darüber, daß der Duden die Beschlüsse des Rechtschreibrates unterläuft, indem er bei zahlreichen Varianten andere Schreibungen empfiehlt, als der Rat beschlossen hat. Außerdem stimmen die genannten Wörterbücher durchaus nicht in allen Schreibungen überein – für die Schüler ein unhaltbarer Zustand! Zum Beispiel: Wahrig: "allgemeinverständlich", Duden: "allgemein verständlich" oder Wahrig: "Blauer Brief", Duden: "blauer Brief". Schüler sollen gemäß Duden schreiben: hochberühmt, aber empfohlen: hoch besteuert; hochbetagt, aber empfohlen: hoch bezahlt; hochbrisant, aber empfohlen: hoch dosiert. Wer kann denn das lernen? In der herkömmlichen Rechtschreibung wurden alle diese [Wörter] Worte konsequent zusammengeschrieben.

[Da die neuen Wörterbücher offenbar nicht schultauglich sind, betont Hans Zehetmair (Die Welt, 28.7.2006): "Wir haben gemeinsam mit dem Institut für deutsche Sprache eine kompakte Zusammenstellung erarbeitet, die die vom Rat empfohlenen und von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Änderungen enthält. Dieses 16seitige Werk werden wir jetzt den Kultusministern zukommen lassen, die es dann an die Lehrer weiterleiten sollen."

Fazit: Die Wörterbücher enthalten keine einheitliche Rechtschreibung - Ratsempfehlungen sind unterlaufen. Das Argument der Medienhäuser, wir müssen uns, weil die Kinder unsere zukünftigen Leser sind, an die Software der Wörterbücher halten, ist damit hinfällig. Die Kunden haben sich bei einer Befragung dafür ausgesprochen, daß die Medien bei Varianten die herkömmliche Schreibung wählen sollen. Jede Zeitung, die die "alte", also herkömmliche Rechtschreibung wählt, ist damit auf der sicheren Seite. Nur sie kann ihren Lesern die Sachverhalte ausdrucksstark, differenziert und nuanciert darbieten; denn der jüngste Wirrwarr-Neuschrieb verhunzt und beschädigt die Sprache noch mehr, die doch unsere geistige Lebenswelt ist.]

[Die eingeklammerten Textteile sind in der Zeitungsversion weggelassen bzw. "Wörter" im Original ist durch "Worte"in der Zeitung ersetzt.]
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.08.2006 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5347

Die Abkürzung der Initialwörter F.A.Z. ist zum Kurzwort FAZ geworden, und zwar in Buchstabierweise. (Es gibt auch phonetische Gebundenheit, z.B. bei BAföG). Die Hauptanwendung sind Zeitungsüberschriften.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.08.2006 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5346

"..., daß es eigentlich F. A. Z. heißt und nicht FAZ."
Wieso? Die USA liest auch jeder richtig, und SPD ebenfalls. Das mit den Punkten bei der F.D.P. ist doch bloß Spielerei. Bei der Avus — und die Buchstaben dieser Bezeichnung stehen ja auch für ganze Wörter — schreibt man die Buchstaben nicht groß, — weil man eben "Avus" sagt. — Worauf bezieht Ihr Einwand übrigens?
 
 

Kommentar von Nackenschlag, verfaßt am 18.08.2006 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5345

Ebensogut hätten Sie anmerken können, daß es eigentlich F. A. Z. heißt und nicht FAZ.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.08.2006 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5344

»Die Analysen in der FAZ vom 21., 22. und 23. Juli 2006 förderten in (und zwischen) den beiden jüngst erschienenen, ziemlich selbstgefällig Sicherheit verheißenden großen Rechtschreibwörterbüchern gravierende Widersprüche und Ungereimtheiten zutage [...]« Worauf bezieht man sich darin bei Manufactum? Icklers Analysen sind ja am 20. und am 21. 7. erschienen (siehe hier und hier), was für Artikel vom 22. und 23. 7. sind hier gemeint?
 
 

Kommentar von www.manufactum.de, verfaßt am 18.08.2006 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5343

Gegen das orthographische Chaos als Prinzip. Der Mackensen.

Es war kaum anders zu erwarten nach all dem plan- und verantwortungslosen „Reform“-Aktionismus der letzten zehn Jahre: Die Analysen in der FAZ vom 21., 22. und 23. Juli 2006 förderten in (und zwischen) den beiden jüngst erschienenen, ziemlich selbstgefällig Sicherheit verheißenden großen Rechtschreibwörterbüchern gravierende Widersprüche und Ungereimtheiten zutage und werfen die Frage auf: „Was aber könnte schlimmer sein als Nachschlagewerke, die keine Klarheit schaffen, sondern zur allgemeinen Verwirrung noch beitragen?“ (FAZ v. 21.07.) Für alle, die sich dem Chaos nicht unterwerfen wollen (oder müssen!), bringen wir eines der ausgereiftesten und vielseitigsten Wörterbücher in der bewährten „alten“ Schreibweise. Lutz Mackensen, den man auch den Schatzmeister der deutschen Sprache nannte, hat ihm mehr als vierzig Jahre seiner Lebensarbeit gewidmet. Mit etwa 300.000 Stichwörtern und Redewendungen, einer außergewöhnlichen Informationsfülle und -dichte und einer perfekten nutzerfreundlichen Gestaltung bildet die völlig neu bearbeitete Ausgabe von 1986, die wir hier wieder vorlegen, den Höhepunkt seines lexikalischen Schaffens.

Unreformiert – undeformiert.

Die Mehrzahl der Lesenden und erst recht der Schreibenden verweigert sich der kultusministeriellen Deformierung der deutschen Rechtschreibung. Hier kommt, was sie am dringendsten brauchen: ein großes deutsches Wörterbuch in alter Schreibung. Lutz Mackensen, den man auch den Schatzmeister der deutschen Sprache nannte, hat mehr als vierzig Jahre seiner Arbeit diesem Wörterbuch gewidmet. Die völlig neu bearbeitete Ausgabe von 1986, die wir hier wieder vorlegen, bedeutet den Höhepunkt seines lexikalischen Schaffens. Mit etwa 300 000 Stichwörtern und Redewendungen, einer außergewöhnlichen Informationsfülle und -dichte und einer perfekten nutzerfreundlichen Gestaltung ist das Wörterbuch unentbehrlich für alle, denen privat wie beruflich der verantwortungsvolle Umgang mit ihrer Muttersprache wichtig ist und die deshalb an der bewährten Orthographie festhalten möchten.

(Dies ist der ursprüngliche Text; die neue Beschreibung findet sich hier. Red.)
 
 

Kommentar von Meg Palffy, verfaßt am 18.08.2006 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5340

Danke, Herr Ludwig, für dieses schöne Beispiel verkasperter Übergeneralisierung:

>> "Seit Jahren ist die Initiative des BdV umstrittten, in Berlin ein 'Zentrum gegen Vertreibungen' ein zurichten."

Aber müßte es dann nicht "ein Zurichten" heißen, wegen des Artikels...? ;o)

Herzliche Grüße,
Meg Palffy

P.S.: Hübsch übrigens, wie sich das ganze Leben im Tagebuch zur Zeit in diesem einzigen Thema abspielt...
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.08.2006 um 23.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5339

"(Es wird Zeit für eine bairische Grammatik.)"
Ach, lieber Germanist, die Bayern brauchen doch keine Grammatik, die sprechen doch sowieso richtig. Aber, naja, wenn man's schon in Regeln fassen will: Kein Perfektpartizip-"ge-" also vor Explosivlauten. Aber wenn da ein siebzehnjähriger Bursche über meine dreijährige Tochter im Dirndl und mit japanischem weißen Sommerhütchen vor der Münchner Michaelskirche an einem sonnigen Sonntagmorgen in seiner Gruppe begeistert ausruft: "Isch di aber liap, di Kloa!", — Mann, so einer braucht keine Grammatik, um richtig zu sprechen. Und dem stimmen auch Marianne und Michael zu. — Und den neuen Duden, um beim Thema zu bleiben, den brauchen wir auch nicht, — weil er nichts taugt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.08.2006 um 21.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5338

No oane wuide Theorie: In den Fällen, in denen das Hochdeutsche ein Perfekt-"ge" setzt, hängt im Bairischen der Gebrauch des "g'" vom nachfolgenden Konsonanten ab: kein "g'" vor "b", "d", "g", "k", "p", "t" , aber "g'" vor "f", "h", "j", "l", "m", "n", "r", "s", "w", "z". 's muaß si hoit guat ohörn.
(Es wird Zeit für eine bairische Grammatik.)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.08.2006 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5336

Noch mehr zu Verben mit trennbaren Präfixen in neuester Schreibung:
»Seit Jahren ist die Initiative des BdV umstrittten, in Berlin ein 'Zentrum gegen Vertreibungen' ein zurichten...
Artikel erschienen [in Die Welt] am Do, 17. August 2006«
Daß hinter "Do" der Abkürzungspunkt fehlt, gefällt mir auch nicht.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.08.2006 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5335

Noch'n Germanist zu verschmarrtem Vorgeschmarrten (#5332, #5333)
Es ist nicht so einfach, das System der eigenen Sprache zu erkennen; und das ganze System einer Sprache erkennt sowieso keiner, wegen des "Sprache wandelt sich", nicht wahr, ja, der an sich richtigen Einsicht also, die auch die Rechtschreibreformer kurzschließend zur Rechtfertigung aller möglichen sinnlosen Schlüsse immer wieder zitieren können.
Das Perfekt-"ge" steht in Verben mit betonten (trennbaren) Präfixen, und Germanist sieht richtig, daß diese trennbaren Präfixe in Hauptsatzstrukturen (!) "getrennt geschrieben" werden (in Nebensätzen mit Konjunktion aber nicht: "..., daß er angekommen ist[!]"). Zum "fehlenden 'ge-'": Bei Verben mit unbetonten Präfixen (bestellen), da haben wir kein "ge-" ("er hat es bestellt"). Aber dann haben wir auch Verben wie "vorbereiten" und das sicher bald wegen der Rechtschreibreformiererei auch in Neuauflagen des Duden zur weiteren Verdickung aufzunehmende "nachverbessern", und da haben wir trotz betontem Präfix kein "ge-" im Perfektpartizip. — Zum englischen Äquivalent unseres "ge-" lese man Chaucer; da ist der Mai auch *icumen*, so oder so ähnlich jedenfalls. Ansonsten lerne man einfach die Stammformen, — weniger aus einem Lehrbuch, am besten indem man dem Volke aufs Maul schaut. Und was hört man dazu in Bayern, weil die doch da kein "ge-" kennen: "Xeknete Mahlzeit!" Das nenne ich vorbildliches Deutsch!
 
 

Kommentar von Badische Zeitung vom Dienstag, 15. August 2006 , verfaßt am 17.08.2006 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5334

Duden: Allein der Reform wegen kein Ansturm

HOCHSCHWARZWALD. 130 000 Stichwörter und 500 000 Erklärungen schwer ist der neue Duden. Das gelbe Traditionswerk in Sachen Rechtschreibung wartete pünktlich zum Startschuss der reformierten Reform mit einem noch benutzerfreundlicheren, hübsch bunten Layout in den Regalen der Buchhandlungen auf. Und die Nutzer? Hatten die´ s eilig, haben den Duden flink gekauft, damit sie auch morgen alles richtig schreiben können? Unsere Mitarbeiterin Gabi Thiele fragte Yvonne Prokopp von Hinterzartens Buchhandlung Baeuchle.

BZ: Frau Prokopp, wie sieht´ s aus, haben ihre Kunden große Lust auf noch einen Duden im Haus?

Prokopp: Na ja, von reißendem Absatz können wir nicht berichten. Der Verkauf hält sich in Grenzen. Die Begeisterung auch. Leute, die vor 20 Jahren das letzte Mal einen Duden gekauft haben, die holen sich mal einen neuen. Aber alleine der Reform wegen, nein, da haben wir keinen Ansturm.

BZ: Wie sieht´ s mit ihnen aus, haben Sie sich für die nächsten Jahre orthografisch-praktisch ausgestattet.

Prokopp: Nein, ich behalte meinen alten Duden.

BZ: Machen sie nicht mit bei der Umsetzung der Rechtschreibreform?

Prokopp: Inzwischen sind ja auch verschiedene Schreibweisen erlaubt. Ich schreibe so weiter wie immer.

BZ: Schüler müssen sich an die Beschlüsse der Reformer halten. Gibt´ s denn eine Lernhilfe? Man kann doch nicht den ganzen Duden durcharbeiten!

Prokopp: Der Duden-Verlag hat ein Übungsbuch zur deutschen Rechtschreibung herausgegeben.

BZ: Die Reform, eine Geldmacherei?

Prokopp: (lächelt)

BZ: Die Kritik am neuen Duden lautet, er sei zu bunt, zu unübersichtlich. Gibt es eine Alternative? Eine schultaugliche, versteht sich?

Prokopp: Ja, Wahrigs Deutsches Wörterbuch ist auch zu empfehlen. Der neue Wahrig erscheint im Oktober beim Bertelsmann Lexikon Verlag. Auch er hat die amtlichen Rechtschreibregeln zur Grundlage. Der "Duden" ist halt bekannteres und traditionsreicheres Standardwerk.

BZ: Was passiert mit all den alten Rechtschreibseiten, wenn man den neuen Duden kauft. Im Regal verstauben lassen? Eine Buchstütze draus basteln? Ab ins Altpapier damit?

Prokopp: Nein! Der Verlag nimmt die Nachschlagewerke zurück. Beim Kauf eines neuen Duden werden ihnen, so hat man uns informiert, zwischen zwei und vier Euro gut geschrieben.
 
 

Kommentar von Marianne und Michael, verfaßt am 17.08.2006 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5333

I hab di gsehn und gwußt
daß i di gern ham muß
mir ham uns nur in dAugen gschaut
mehr hama uns net traut.
I wollt viel mehr von dir.
Denn i habs gspürt in mir (...)


(http://www.i-songtexte.com/63606/titel/index.html)

- Was schreiben Sie nur für einen Schmarren, Herr "Germanist"?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.08.2006 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5332

"downgeloadet" bedeutet, daß "downloaden" wie "herunterladen" zu den sogenannten "trennbaren Verben" gehört, das heißt in den finiten Formen getrennt geschrieben wird: "ich loade down" wie "ich lade herunter", bairische Entsprechung: "obiloadn, i lod obi, i hob obiloadn" (das Bairische kennt wie das Englische kein Perfekt-ge.).
 
 

Kommentar von Florian Agreiter, verfaßt am 17.08.2006 um 02.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5331

Auch im neuen Duden steht ausdrücklich "downgeloadet". Dies entspricht der deutschen Konjugation. Die deutsche Entsprechung lautet "heruntergeladen". Zum Verb "downloaden" und dem dazugehörigen Partizip Perfekt hat die Duden-Redaktion sogar vor einiger Zeit einen Artikel verfasst; leider kann ich keine Link-Angabe machen.
Klar, beide Varianten sind nicht unbedingt besonders schön, aber downgeloadet ist m. E. immer noch besser als gedownloadet.
 
 

Kommentar von Klaus Malorny, verfaßt am 14.08.2006 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5324

nicht einmal abschreiben kann die Bild. Zumindest im ersten Reformduden stand explizit das noch schlimmere »downgeloadet« statt »gedownloadet« drin. Leider hat dieses unsägliche Wort auch seinen Weg in den »Ickler« gefunden, obwohl es absolut überflüssig ist -- »herunterladen« ist hier völlig adäquat. Während man germanisierte Wörter wie »downloaden«, »simsen« und »voipen« vielleicht noch beim Sprechen verwenden kann, sollten sie in Schriftform m.E. nicht auftauchen, speziell nicht als Verb. Deshalb ist ein Eintrag in ein Wörterbuch auch gar nicht notwendig. Im übrigen betrachte ich als Informatiker solche Wörter nicht als »Begriffe aus der IT-Welt« -- eher als Slang einer technophilen, aber fachlich unterqualifizierten Subkultur, die, wie der Amerikaner sagt, »buzzword compliant« sein möchte.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 14.08.2006 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5323

Die Söhne Mannheims haben eben wieder mal ein wichtiges Ausrüstungsdetail vergessen – siehe hier.
 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 14.08.2006 um 11.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5322

Die Buchhändlerin von Sturm und Drang hat den Besuch der von Ballistol geschilderten "Herren in dunklen Blousons und mit Oberlippenbärtchen" mit ihren Marschfernsprechern schadlos überstanden und will Icklers "Normale deutsche Rechtschreibung" ihrem Ensemble noch beifügen. (Sie dankt für den Tip!)
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 14.08.2006 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5320

Na, da wird sich der Dudenverlag jetzt wohl sanieren. Das ist wohl die vielbeschriebene Ungerechtigkeit des Lebens. Kai Lindners Version der dudenkaufenden Dudenmitarbeiter gefiele mir zwar sehr, aber leider läßt es sich nicht nachprüfen.

Ich hege hingegen die Befürchtung, daß das Volk weiterhin blind Duden kauft, um zu wissen, wie nun die "endgültige deutsche Rechtschreibung" aussieht.
 
 

Kommentar von David Weiers, verfaßt am 14.08.2006 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5319

"...haben Einzug in den Rechtschreibklassiker erhalten."

Das ist ja ekelhaft. Diese Speichelleckerei...
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 14.08.2006 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5318

Die "Technologie-Partnerschaft" zwischen DUDEN und Springerpresse scheint auch werbemäßig segensreich zu wirken. Gut für DUDEN, nix gut für die Leser.
 
 

Kommentar von BILD online, verfaßt am 14.08.2006 um 00.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5317

Neu im Duden
Blog, phishing, voipen!
Diese IT-Begriffe müssen Sie kennen
VON DANIELA WINNE

Na, heute schon gevoipt? Oder den neuen Podcast auf den Memory-Stick gedownloadet? Nix verstehen – macht nix. Sie können alle Wörter im neuen Duden nachschlagen.

Pünktlich zur Einführung der neuen Rechtschreibung am 1. August gibt’s die Neuauflage des Dudens. 130.000 Stichwörter, über 3000 neue Einträge. Und auch über 20 neue Begriffe aus der IT-Welt haben Einzug in den Rechtschreibklassiker erhalten.

Angelika Böhm von der Duden-Redaktion sagt: „Handy, Heimcomputer und Internet wirken sich auf unseren allgemeinen Wortschatz aus.“

Podcast, phishing, voipen – die wichtigsten IT-Begriffe aus dem neuen Duden, und was sie bedeuten, hat Bild.T-Online für Sie zusammengestellt. Klicken Sie sich rechts durch unsere Kurztextgalerie!

(Link)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.08.2006 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5315

Weil die Kultusbehörden Duden und Wahrig für den Schulgebrauch zulassen und diese Wörterbücher sich an vielen Stellen widersprechen, gilt für die Schulen die Vereinigungsmenge aus beiden und müssen Lehrer zum Korrigieren beide Wörterbücher benutzen, Schüler dagegen nur eines von beiden.
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 13.08.2006 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5314

Glaubt denn einer hier ernsthaft, daß die Best[seller]liste in der Tat die Liste der Besten ist?

Wie viele Mitarbeiter hat der Duden wohl in die (statistisch) einschlägigen Buchhandelsfilialen geschickt, damit sie den Wahrig (mit seinem Vorsprung und den guten Kritiken) noch überholen können?

Und überhaupt. Natürlich kauft man gerne einmal ein Buch, das in den Best[seller]listen vorne liegt... soooo viele Leser können sich ja nicht täuschen, also muß es kurzweilig zu lesen sein. Aber wer hat schon soooo viel Langeweile, als daß er einen Duden lesen müßte? ;-)

Wie sagte schon Shakespeare? Much ad[o] about nothing!
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 13.08.2006 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5313

@ ub:
Schade, ich hatte mich schon fast gefreut. Daß der Duden aber anscheinend erster auf der "Bestsellerliste" ist, ist nicht gut. Erstens lese so viele Menschen die schwachsinnigen Schreibungen und lernen sie. Zweitens verdient der Dudenverlag dadurch Geld, das er eigentlich nicht verdient hat.
 
 

Kommentar von ub, verfaßt am 12.08.2006 um 20.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5312

Laut der jüngsten "Focus"-Bestsellerliste (Sachbuch) hat sich der Duden auf Platz 1 behauptet. Neu vorgestoßen unter die ersten zehn Titel ist den Angaben zufolge der Wahrig. Er steht auf Platz 7 (zwischen "Schlank im Schlaf" und "Liebe dich selbst").
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 12.08.2006 um 20.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5311

Auf den Internetseiten des hessischen Kultusministeriums ist aktuell zur Rechtschreibreform zu lesen (Auszug):

Neuregelung der deutschen Rechtschreibung

An den hessischen Schulen gilt die Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung (Stand 2006). Dieser Stand entspricht den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung und ist im Internet auf der Homepage des Rechtschreibrats ebenso wie auf der des Instituts für deutsche Sprache zugänglich.

[...]
Erlasslage:

Der Umgang mit der deutschen Rechtschreibung ist in einem Erlass vom 18. Mai 2006 geregelt. Er ist im Amtsblatt des Hessischen Kultusministeriums (2006, S. 430) veröffentlicht; dort steht auch eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen (S.430-432).

Wörterbücher:

Dem neuen Stand der Regeln entsprechen nach den Zusicherungen der produzierenden Verlage folgende Wörterbücher:

DUDEN. Die deutsche Rechtschreibung. 24. Auflage, Mannheim u.a. 2006 [...]
WAHRIG. Die deutsche Rechtschreibung. Gütersloh/München 2006 [...]

Kurzinformation:

Das Institut für deutsche Sprache hat in einer Extra-Ausgabe des "Sprachreport" die wichtigsten Änderungen erklärt, die am 1. August 2006 in Kraft getreten sind, und insgesamt die ab diesem Tag geltenden Rechtschreibregeln zusammengefasst.

Diese Ausgabe des "Sprachreport" ist im Internet ebenfalls auf der Homepage des Instituts für deutsche Sprache und auf der des Rats für deutsche Rechtschreibung , unter Aktuelles) zugänglich.
 
 

Kommentar von A. Egger, verfaßt am 11.08.2006 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5296

... steht der neue Duden direkt vorne an der Kasse - und unmittelbar davor: "Falsch ist richtig" ...

Nun müsste man nur noch erreichen, dass amazon.de unterhalb des Dudens (als Suchergebnis) anzeigt:

"Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen:
- Th. Ickler: Falsch ist richtig. Ein Leitfaden durch die Abgründe der Schlechtschreibreform
- Th. Ickler: Normale deutsche Rechtschreibung. Sinnvoll schreiben, trennen, Zeichen setzen
- Th. Ickler
... "

Das sollte doch zu machen sein!
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 11.08.2006 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5295

An Herrn Scheuermann

Aus Mannheim reisen gerade zwei Herren in dunklen Blousons und mit Oberlippenbärtchen in Richtung Heidelberg. In der Jackenasche haben sie Notizblöcke, Pfefferspray und die Herbstvorschau des Duden-Verlags.

Eines ihrer Mobiltelephone klingelt. Einer geht dran.

"Was... ja, Chef, natürlich. Sturm und Drang. Wir machen das ganz diskret. Kein Aufsehen... klaro, Chef... Morgen ist der Laden wieder auf Kurs... ja... Alla, bis dann."
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.08.2006 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5294

Ein überaus nützlicher Scherz, für den man ihr nur danken kann.
 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 11.08.2006 um 12.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5293

Duden mit Ickler vereint

In der kleinen Heidelberger Buchhandlung "Sturm und Drang" steht der neue Duden direkt vorne an der Kasse - und unmittelbar davor: "Falsch ist richtig".
Die Inhaberin meint, das gehöre zu ihren, von ihr sehr geliebten "Privat-Scherzen".
 
 

Kommentar von ub, verfaßt am 10.08.2006 um 18.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5284

Das Programm berücksichtigt "nach Angaben des Unternehmens alle beschlossenen Änderungen am Regelwerk", wie dpa meldet. In Zweifelsfällen würden "alle zugelassenen Varianten akzeptiert", bei "falsch geschriebenen Wörtern" werde allerdings nur eine Schreibweise vorgeschlagen. Die "neue Rechtschreibung" lasse sich wahlweise an- oder ausschalten.
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 10.08.2006 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5276

Wenn ich das richtig sehe, dann ist es ein "händisches" Update... meine Windows-Update-Software hat es mir am letzten Patchday (= Mittwoch) gar nicht freiwillig angeboten.
Und da die meisten der M$-User nicht fähig sind, ein Update von Hand einzuspielen, wird uns die Alte-Neue-Rechtschreibung bis Office-2007 und sicherlich sogar weit darüber hinaus erhalten bleiben...

Man gut, daß wir gleich bei der ganz alten Rechtschreibung geblieben sind ;-)

PS: Selbst die Office-Update-Website findet den ANRS Patch nicht, wenn man nicht ganz genau weiß, wonach man suchen muß (= office2003-kb923348-deu.exe vom 4. August 2006; siehe hier).
 
 

Kommentar von Benrhard Eversberg, verfaßt am 10.08.2006 um 11.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5274

Focus macht auf Microsoft aufmerksam (siehe hier): Es soll für Office2003 ein Paket für Neuschrieb geben. Wenn ich recht sehe, akzeptiert das Paket bei Alternativen manchmal beide Schreibweisen, manchmal aber nur eine, und kennt dann die andere nicht.
Genaue Untersuchung wäre sehr wünschenswert, finde dafür aber keine Zeit.
Focus hält sich ansonsten stark zurück. Vorige Woche hatten sie ein gelbes Heftchen aufgeklebt (wie schon '98, ich hab das noch), das aber offenkundig eine Duden-Werbung ist. Ansonsten in der gesamten Ausgabe kein Wort über die Neureform und die eigene Haltung dazu, auch kein Hinweis auf das aufgeklebte Heft. Damals, '98, hatte man sich ganz anders engagiert...
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 08.08.2006 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5264

> Die FAZ werde ich auf alle Fälle erst wieder abonnieren, wenn feststeht, wie sie sich verhalten wird - rechtschreibmäßig.

Genau dies habe ich dem Vertriebsmenschen der FAZ nach Ablauf meines Probeabos auch gesagt. Einstweilen habe ich noch die Sonntagszeitung, welche ich nach einem Umfall natürlich auch abbestellen würde.
 
 

Kommentar von Vardapet, verfaßt am 07.08.2006 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5262

Lieber Pitaval,

Sie haben recht. Es geht um die bewährte Rechtschreibung. Deshalb Schluß mit der Diskussion. Mit Herrn Schuberts Vorschlag kann ich leben. Aber der Verfall des "Recht-schreibens" bereitet mir Kummer. Man kann ja nicht immer sagen "Alles was vor 1996 veröffentlicht wurde, lese ich nicht". Ein absolutes "Highlight" in "Schlimmdeutsch" war für mich das mehr als 1000 Seiten umfassende Buch "Der Schwarm". Aber vielleicht muß man dergleichen ja auch nicht gelesen haben. Dan Browns "Sakrileg" ja vielleicht auch nicht. Andererseits MUSS man sie gelesen haben, wenn man "mitdiskutieren" will (?).

Die FAZ werde ich auf alle Fälle erst wieder abonnieren, wenn feststeht, wie sie sich verhalten wird - rechtschreibmäßig.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 07.08.2006 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5261

Prof. Ickler ist zwar kein Gräzist, war aber Lektor für Griechisch an der Universität Marburg.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.08.2006 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5260

Ich frage mich, ob das herkunftsgerechte Schreiben nichtdeutscher Wörter bald als altmodisch und veraltet angesehen und die "humanistische Schreibweise" als "spinnert" belächelt werden wird.
 
 

Kommentar von Schubert, verfaßt am 07.08.2006 um 17.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5259

Lieber Vardapet,

nein, verbeißen will gerade ich mich in das Thema nicht. Nachdem sich mehrere kundige Gräzisten eingeschaltet haben (Ickler und ich sind das nicht), kann man diese Diskussion beenden und sich vielleicht auf folgende Formel einigen:

Das Wort "Eurhythmie" oder "Eurythmie" schreiben manche mit h nach dem r, andere ohne h nach dem r. Für beides gibt es gute Gründe.
 
 

Kommentar von Pitaval, verfaßt am 07.08.2006 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5258

Entschuldigung, ist das jetzt hier ein Forum für Altphilologen? Ich finde das alles zwar recht interessant, aber auch mir ist das Hemd näher als der R(h)ock...
 
 

Kommentar von Vardapet, verfaßt am 07.08.2006 um 16.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5257

Lieber Herr Schubert,

von der neugriechischen auf die altgriechische Aussprache schließen zu wollen, halte ich, mit Verlaub gesagt, für verfehlt. Der Hauchlaut ist im Griechischen seit dem 8. Jh. v. Chr. sehr gut bezeugt. Die älteste attische Inschrift (Dipylonvase) zeigt ihn bereits (unserem heutigen Zeichen für H nicht unähnlich). Auch die Behauchung des Rho ist "vorchristlich" belegt; so lesen wir auf einer Inschrift aus Korkyra (6. Jh. v. Chr.) PHOFAISI (S für großes Sigma) für rhoaisi. Die Entwicklung ging über die Psilose im Ionischen (6./5. Jh.), das den dadurch freigewordenen Buchstaben H für das Eta verwendete. Indem sich das ionische Alphabet im fünften Jahrhundert in ganz Griechenland durchsetzte, mußte für die Dialekte, die den Hauch noch hatten, das Attische beispielsweise, ein neues Zeichen erfunden werden. Hierfür nahm man vom H die linke Hälfte, zusätzlich versehen mit einem kleinen Strich in der Mitte. Hieraus entwickelte sich dann das uns heute bekannte Häkchen namens Spiritus asper. Übrigens wurden die Verschlußlaute p,t,k im Griechischen wirklich ohne Aspiration gesprochen, wie im heutigen Französisch (p, t, c (vor a/o/u)), während im Deutschen stets ein Hauch "nachklappt", also etwa P(h)alme, T(h)al, K(h)arl. Nicht umsonst also schrieb man früher That, thun usw. In Verbindung mit eu- wurde der Hauch zwar nicht geschrieben, aber mitgesprochen, z. B. bei eu(h)orkos (und auch hier haben wir einen frühen inschriftlichen Beleg als EYHORKON). Noch etwas am Rande: Bio-rhythmus schreibt man tatsächlich so!

Im übrigen bin ich dafür, diese ganze Diskussion gerade auch in Herrn Icklers Interesse zu beenden. Sie führt zu nichts. Und ganz so unbedarft sind wir Gräzisten für die Aussprache des Altgriechischen nun auch nicht (auch wenn wir es wohl nie ganz genau wissen werden, weil keine Tonaufnahmen aus der Zeit vorhanden sind): Wir haben neben den Inschriften ja auch noch die Zeugnisse der antiken Grammatiker.

Sollten Sie sich dennoch weiterhin in das Thema verbeißen wollen, gebe ich Ihnen als Diskussionsgrundlage noch zwei Literaturhinweise:

Adolf Kirchhoff, Studien zur Geschichte des griechischen Alphabets, Ndr. Olms 1973 (der vierten Auflage von 1887)

Gerhard Pfohl, Das Alphabet. Entstehung und Entwicklung der griechischen Schrift, Darmstadt 1968 (WdF 88; Aufsatzsammlung)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.08.2006 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5255

Nur noch ein Nachtrag: Nikolas Trunte schreibt in seinem 2005 in der 5. Auflage erschienenem Buch "Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen": "Die Slaven kamen mit den Griechen erst in Kontakt, als die Aussprache des Griechischen mit der neugriechischen praktisch identisch war. Deshalb verleitet die rekonstruierte altgriechische (erasmiamische) Aussprache des Griechischen zu Fehlschlüssen, die auf ihr beruhende deutsche Schulaussprache ist sogar ahistorisch."
 
 

Kommentar von Schubert, verfaßt am 07.08.2006 um 14.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5254

Jetzt geht's ja sehr ins Detail. Zum Beitrag von Spiritus Asper, der sein Pseudonym nach seinem Lieblingsschriftzeichen gewählt hat, von 13.47 Uhr.

Bedenken gegen den letzten Absatz: "Eurhythmia/Eurythmia - dieses Rho wird zwar ohne Spiritus geschrieben (soweit einverstanden) ... aber ... es wurde aspiriert ausgesprochen." Mein Gott, woher weiß man das, jetzt nach mehr als tausend Jahren?

Wenn der Spiritus asper in "Rhythmus" ein Aussprachehinweis war, dann wurde ja wohl der Hauchlaut nicht nach dem R, sondern vor dem R ausgestoßen. Zu bedenken ist jetzt noch, dass die griechische Vorsilbe Eu-sowohl von den alten Griechen als auch von den heutigen Neugriechen nicht wie im deutschen Schulgriechisch als oi, sondern etwa so wie ew ausgesprochen wird; achten Sie mal drauf, wie der Kellner im griechischen Lokal beim Bezahlen den Euro ausspricht.

"Eurhythmos" müsste aspiriert etwa wie [ewhrithmos] ausgesprochen worden sein, mit hörbarem h nach dem w. Altgriechisch war und Neugriechisch ist eigentlich eine melodische, Konsonantenhäufungen vermeidende Sprache. Zungenbrecher mögen die Griechen nicht.
 
 

Kommentar von Spiritus asper, verfaßt am 07.08.2006 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5253

Dieser Text-Editor verarbeitet anscheinend wirklich keine griechischen Zeichen. Hier die betroffenen Stellen noch einmal:

Generell läßt sich feststellen:
Rho am Wortanfang: "Rh" (z. B. "Rho mit Asper/Ypsilon/Theta/My/Omikron/Schluß-Sigma" => Rhythmos)
Einfaches Rho im Wortinneren: "r" (z. B. "Kappa/Alpha/Iota mit Akut/Rho ohne Spiritus/Omikron/Schluß-Sigma" => Kairos)
Einfaches Rho als Anfangsbuchstabe des zweiten Teils einer Zusammensetzung: "rh" (z. B. "Epsilon/Ypsilon mit Lenis/Rho ohne Spiritus/Ypsilon/Theta/My/Iota mit Akut/Alpha" => Eu-rhythmia)
Doppeltes Rho (egal, ob mit oder ohne Spiritus geschrieben): "rrh" (z. B. "Alpha mit Lenis/Rho mit oder ohne Lenis/Rho mit oder ohne Asper/Ypsilon/Theta/My/Iota mit Akut/Alpha" => Arrhythmia)

"Rho mit Asper/Ypsilon/Theta/My/Omikron/Schluß-Sigma", transkribiert Rhythmos, denn das Rho ist aspiriert
"Alpha mit Lenis/Rho mit Lenis/Rho mit Asper/Ypsilon/Theta/My/Iota mit Akut/Alpha" oder "Alpha mit Lenis/Rho ohne Lenis/Rho ohne Asper/Ypsilon/Theta/My/Iota mit Akut/Alpha", transkribiert Arrhythmia, denn auch dieses doppelte Rho ist aspiriert, wenngleich man es auch ohne Spiritus schreiben kann.
"Epsilon/Ypsilon mit Lenis/Rho ohne Spiritus/Ypsilon/Theta/My/Iota mit Akut/Alpha", transkribiert richtig Eurhythmia, denn dieses Rho wird zwar ohne Spiritus geschrieben - in Wortinneren gibt es eben keine Spiritus, außer bei doppeltem Rho - es ist aber dennoch aspiriert, d. h. es wurde aspiriert ausgesprochen. Es ist nicht einzusehen, warum das aspirierte Rho von "Rhythmos" in "Eurhythmia" plötzlich nicht mehr aspiriert sein sollte.
 
 

Kommentar von Spiritus asper, verfaßt am 07.08.2006 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5252

Noch eine Anmerkung zu Rhythmus, Eurhythmie etc.
Generell läßt sich feststellen:
Rho am Wortanfang: "Rh" (z. B. ῥυθμός => Rhythmos)
Einfaches Rho im Wortinneren: "r" (z. B. καιρός => Kairos)
Einfaches Rho als Anfangsbuchstabe des zweiten Teils einer Zusammensetzung: "rh" (z. B. εὐ-ρυθμία => Eu-rhythmia)
Doppeltes Rho (egal, ob mit oder ohne Spiritus geschrieben): "rrh" (z. B. ἀρρυθμία => Arrhythmia)

(Das Folgende geht teilweise am eigentlichen Thema etwas vorbei, doch da hier bereits die Geschichte des griechischen Alphabets angesprochen wurde, soll die Geschichte des Spiritus asper hier dennoch aufgerollt werden):
Im altgriechischen Alphabet hatte ursprünglich der Buchstabe H den Lautwert /h/
Damals schrieb man auch den langen e-Laut mit dem Buchstaben E (Epsilon). Dies hat sich in Westgriechenland noch bis in die klassische Zeit erhalten, und wurde so auch ins lateinische Alphabet übernommen. Im Osten hingegen entwickelte sich das Alphabet weiter, wobei es die Form annahm, die uns heute als griechisches Alphabet vertraut ist. Unter anderem begann man, den langen e-Laut mit H (nunmehr als Eta bezeichnet) zu schreiben.
Für den Hauchlaut führte man daher bereits recht früh ein neues Zeichen ein, das aussah wie die linke Hälfte des H. Dieses Zeichen nennt man heute Spiritus asper.
Der Spiritus lenis bezeichnet einen Laut, der nicht eigens bewußt ausgesprochen wird, der aber bei der Aussprache von Vokalen am Wortanfang natürlicherweise entsteht. Er sah aus wie die rechte Hälfte des H, wurde aber erst von den alexandrinischen Grammatikern erfunden. Bei der Transkription wurde er noch nie berücksichtigt.
Mit dem Aufkommen der Minuskelschrift im Frühmittelalter nahmen die beiden Spiritus ihre heute geläufiges Aussehen an.
Der Asper wurde bei der Transkription bereits von den Römern mit h wiedergegeben.
Jedes Rho am Wortanfang trägt im Altgriechischen einen Spiritus asper. Kommt ein doppeltes Rho im Wortinneren vor, war es bis ins 19. Jahrhundert (so auch im Pape) üblich, auf das erste Rho einen Spiritus lenis, auf das zweite einen Spiritus asper zu setzen. Heute schreibt man in solchen Fällen meist keine Spiritus.
ῥυθμός, transkribiert Rhythmos, denn das Rho ist aspiriert
ἀῤῥυθμία oder ἀρρυθμία, transkribiert Arrhythmia, denn auch dieses doppelte Rho ist aspiriert, wenngleich man es auch ohne Spiritus schreiben kann.
εὐρυθμία, transkribiert richtig Eurhythmia, denn dieses Rho wird zwar ohne Spiritus geschrieben - in Wortinneren gibt es eben keine Spiritus, außer bei doppeltem Rho - es ist aber dennoch aspiriert, d. h. es wurde aspiriert ausgesprochen. Es ist nicht einzusehen, warum das aspirierte Rho von "Rhythmos" in "Eurhythmia" plötzlich nicht mehr aspiriert sein sollte.
 
 

Kommentar von Spiegel TV, verfaßt am 07.08.2006 um 01.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5248

"Stengel" wird endgültig "Stängel" - Das unglückliche Abenteuer der Rechtschreibreform

Spiegel TV, MAGAZIN: Sonntag, 6. August, 22.30 - 23.20 Uhr, RTL

Moderatorin: Die Rechtschreibreform hat Regeln erzeugt, die selbst Konrad Duden nicht verstanden hätte. Das ist auch nicht nötig, denn im Grunde kann jetzt jeder machen, was er will. Adrian-Basil Mueller hat sich den Buchstabensalat angesehen.

Sprecher: Verwirrung im Land der Dichter und Denker: Die Deutschen wissen nicht mehr, wie sie schreiben sollen.

[Passanten werden aufgefordert, „leid tun“ auf eine Tafel zu schreiben. Der erste schreibt „leidtun“, der zweite „leid tun“.]

Sprecher: Wieso soll das jetzt richtig sein?

Passant: „Jemandem leid tun, genau.“

[Der dritte streicht die beiden Schreibweisen an, „leidtun“ als falsch, „leid tun“ als richtig. Der vierte, ein Schüler mit offensichtlichem „Migrationshintergrund“, schreibt „leit dum“.]

Sprecher: Sie können einem leid tun. Nach zehnjährigem Hinundherreformieren scheinen selbst orthographische Humoresken irgendwie möglich.

[Ein anderer Passant wird aufgefordert, „schwerfallen“ zu schreiben. Er schreibt „schwerfallen“.]

Sprecher: Die planvoll organisierte Unsicherheit stellt selbst sichere Akteure vor schier unlösbare Probleme. Eigentlich logische Schreibweisen werfen plötzlich Fragen auf.

Passant: „Ich schreibe es zusammen, weil es eine übertragene Bedeutung hat. Es fällt mir ja nicht schwer, sondern damit ist etwas Geistiges gemeint, ich begreife es nicht so gut.“

Sprecher: Und Sie sind sicher, daß es jetzt so geschrieben wird?“

Passant: „Nein, ich bin überhaupt nicht mehr sicher. Aber nach alter Regel – weiß ich’s auch nicht mehr genau.“

Sprecher: Vor zwei Wochen verließ die aktuelle Ausgabe des Duden die Druckmaschinen. Der letzte Band war nur ein Jahr im Handel. Dann wurde er korrigiert. Das Standardwerk zur Klärung orthographischer Zweifelsfälle weist zudem eine Vielzahl von Innovationen auf. Die neue Schreibweise wird rot markiert, die vom Duden empfohlene mit Gelb unterlegt. Da für ein Wort nun mehrere Möglichkeiten der Richtigschreibung bestehen, greift die Duden-Redaktion zu diesem Mittel.

Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Redaktion Duden: „Wir gehen in manchen Fällen eben den Weg durchaus, der sich schon früher abgezeichnet hat, daß man eben Wörter wie Mikrofon auch früher schon gerne mal mit einem f geschrieben hat, da haben wir angenommen, weshalb soll das bei Megafon anders sein, und empfehlen halt hier die neuen Schreibungen. In andern Dingen, daß man nichts sagend oder so genannt auseinander schreiben sollte, da hatten wir festgestellt, daß viele Menschen damit sehr unzufrieden waren, weil’s halt gegen Gewohnheiten, gegen den Schreibgebrauch verstoßen hat, da haben wir uns gesagt, gut, in solchen Fällen, dann empfehlen wir eben das, was üblich ist und was die Menschen am meisten benutzen, und gehen hier so ein bißchen nach dem allgemeinen Schreibgebrauch eher als nach einer Systematik.“

Sprecher: Das Chaos ist perfekt. Ein Teil der Duden-Empfehlungen entsprechen nicht denen der Rechtschreibkommission. Auch sonst wirken die Schreibhilfen eher willkürlich. So wird empfohlen

frei machen – freikratzen
still sitzen – stillstehen
Leben spendend – todbringend
fernliegend – nahe liegend
Strom sparend – energiesparend
Dränage – Lymphdrainage
Ein-Euro-Job – Eineurostück
Furcht einflößend – furchterregend
immerwährend – lang anhaltend

Prof. Theodor Ickler: „An sich sind Empfehlungen nicht sinnlos. Aber Sie brauchen nur in den Duden hineinzuschauen: Diese Vierfarbigkeit, diese Buntheit, die jetzt da entstanden ist, ist ein sinnfälliger Ausdruck des Endes der Einheitsorthographie. Orthographie ist der Idee nach Einheitlichkeit. Die muß nicht bis zum letzten i-Punkt reichen, aber Orthographie war immer Zurückschneidung der Varianten zugunsten einer, der häufigsten, der üblichsten Form.“

Sprecher: Und nun sind selbst die Buchhändler verwirrt, gibt es doch neben dem Duden noch den Wahrig als alternatives Rechtschreibnachschlagewerk. Kaufempfehlungen will man lieber nicht geben.

Ina Bartels, Buchhändlerin: „Beide gehen mit der neuen Rechtschreibung unterschiedlich um. Das heißt, man würde in jedem Falle immer natürlich erst mal in den Duden gucken, weil der Duden sozusagen durch die lange Zeit einfach den Namen sich erworben hat, und im Notfall beim Wahrig noch mal nachgucken. Also im Prinzip kann man jetzt nicht sagen, nehmen Sie den oder den. Das ist einfach die Folge dieser chaotischen Rechtschreibreform.“

Sprecher: Auch der Wahrig gibt Rechtschreibempfehlungen. Nicht so viele wie der Duden, dafür zum Teil schön unterschiedlich:

Duden: blauer Brief – Wahrig: Blauer Brief
braun gebrannt – braungebrannt
Fotosynthese – Photosynthese
sauber machen – saubermachen
Small Talk – Smalltalk
fallen lassen – fallenlassen
Fast Food – Fastfood
sich gehen lassen – sich gehenlassen

Der Wahrig hält sich zwar mehr an die Beschlüsse des Rechtschreibrates, doch das ist eigentlich auch egal. Dank der Vielzahl der Schreibvarianten.

Dr. Sabine Krome, Redaktion Wahrig: „Wir haben da wirklich ein konsequentes System, das aber auch nicht in allen Fällen dem Benutzer was vorschreibt. Ziel ist ja auch, daß die Schreiber dann dazu kommen, ohne bei jedem Einzelfall im Wörterbuch nachzuschlagen, sich selbst die konsistenten Schreibungen zu erschließen, und darauf hin zielen unsere paradigmatischen Empfehlungen ab.“

Sprecher: Ah ja, und noch eins: Das häufig als Deppenapostroph bezeichnete Strichlein ist seit 1. August erlaubt. Allerdings nicht in jedem Fall. Doch die Schreibweise zum Beispiel bei Röschen’s Intimvitrine ist jetzt zulässig. Die DDR-sprachsozialisierte Besitzerin freut’s. War doch das Auslassungszeichen früher schon mal gebräuchlich.

Annerose Koschinski, „Röschen’s Intimvitrine“: Wir kamen zusammen in der Verwandtschaft, wir haben uns alle zusammengesetzt, es gefiel uns, der Name, und mit dem Apostroph, das war früher schon so, wir haben’s so gelernt, und jetzt ist es nur eben wieder erlaubt, wir finden’s schön, nun klappt’s.“

Sprecher: Mehrere Milliarden Euro kostete die Rechtschreibreform, aber einen erkennbaren Nutzen brachte sie nicht. Ab Herbst wird sich der Rechtschreibrat wieder treffen und vielleicht schon bald neue Vorschläge bringen.

Prof. Theodor Ickler: „Der einfachste Weg wäre meiner Ansicht nach immer noch, die ganze Reform aufzugeben und diejenige Schreibweise, die in den Büchern immer noch in den Regalen steht und in bedeutenden Zeitungen noch verwendet wird, wieder zur alleingültigen zu machen.“

Sprecher: Dr. Konrad Duden würde sich vermutlich in seinem Grabe herumdrehen. Egal, ob nun zusammen- oder auseinander geschrieben.
 
 

Kommentar von Spiegel TV, 6. 8. 2006, verfaßt am 07.08.2006 um 00.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5247

"Stengel" wird endgültig "Stängel" - Das unglückliche Abenteuer der Rechtschreibreform

Es ist vollbracht: seit Anfang des Monats gilt die neue deutsche Rechtschreibreform verbindlich in Schulen und Behörden. Klingt bahnbrechend, ist es aber nicht. Denn die neue Reform der alten Rechtschreibreform ist ein ziemliches Reförmchen. Es geht um so gravierende Dinge wie die vermehrte Verwendung der doppel-s-Schreibweise, Getrennt- und Zusammenschreibungen und das erlaubte Apostroph bei einer personenbezogenen Zuordnung - zu deutsch: Rudi's Frittenbude ist jetzt korrekt. Die Wenigsten werden die Regeln durchschauen. Müssen sie auch nicht, denn der "Rat für deutsche Rechtschreibung" - der nach zehn Jahren Schreibchaos eingerichtet wurde - hat zahlreiche Neuerungen wieder einkassiert, Verwirrungen beseitigt und neue Ungereimtheiten hinzugefügt. Um sich Klarheit zu verschaffen, könnte der irritierte Schüler nun den Duden zur Hand nehmen. Doch auch dort wird er nicht viel schlauer. Denn in seiner neuen Ausgabe ist der Duden dazu übergegangen, bei einzelnen Wörtern "Schreib-Empfehlungen" auszusprechen. Unter dem Motto: So wäre es richtig, aber anders geht es auch. Ganz durcheinander gerät man, wenn man anstatt dem Duden den Konkurrenten "Wahrig" zu Rate zieht. Die Tatsache das Wahrig "allgemeinverständlich" zusammen und der Duden "allgemein verständlich" getrennt schreibt, ist so unverständlich wie das ganze Reformwerk. Adrian-Basil Mueller hat versucht zu verstehen.

(Link)
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 06.08.2006 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5245

Ich habe mir den Beitrag doch angesehen und bin positiv überrascht, daß doch sehr objektiv berichtet worden ist über den allgemeinen Wirrwarr und die unterschiedlichen Empfehlungen innerhalb des Duden und im Vergleich zwischen Duden und Wahrig.

Hier kann ich also "SPIEGEL TV" einmal für die objektive Berichterstattung loben.

Auch Herr Icklers Empfehlung zum Schluß, die komplette Rückkehr zur bewährten Schreibung sei wohl der einfachste Weg, war begrüßenswert - leider wird sie wohl verhallen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.08.2006 um 19.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5243

Steiner absolvierte ein Realgymnasium, was ihn zum Studium an der Technischen Hochschule befähigte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2006 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5242

Den Pape habe ich zwar nicht zur Hand, aber es würde mich nicht wundern, wenn auf dem ersten Rho gleichzeitig ein Spiritus lenis säße. So kann man es nämlich auch machen. Im Deutschen dann "Pyrrhus" usw. Herr Schubert hat inzwischen klargestellt, daß es ihm um eine ganz andere Frage geht: ob man überhaupt das griechische Rho so wiedergeben sollte, wie es im Deutschen, aber nicht in einigen anderen Sprachen üblich ist. Das eben meinte ich mit Themaverfehlung. Ja, Deutsch, Englisch und Französisch - das sind die drei großen Sprache Europas, die andere Wege gehen. Wobei übrigens gerade beim "Rhythmus" sich die Wege des Englischen und Französischen nochmals gabeln. Steiner hatte wahrscheinlich nicht den Ehrgeiz, eine neue Transkription des Griechischen einzuführen. Wenn er das humanistische Gymnasium besucht hat, was ich annehmen, mußte er ohnehin Bescheid wissen. Ich glaube eher, daß er eine französischsprachige Quelle benutzte, habe mal was von einem belgischen Vorgänger gelesen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.08.2006 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5241

Man kann es auch anders ausdrücken: Im Altgriechischen war der Spiritus asper auf dem Wortanfangs-r ein Aussprachezeichen. Diese wurden eben im Wortinneren nicht geschrieben; das beweist auch, daß sie ursprünglich nicht vorhanden waren. Bei der Übernahme ins Lateinische wurde aus ihm der Buchstabe h. Im Lateinischen und im Deutschen kann ein h nicht wie im Italienischen nach Bedarf (als "Hartmacher" vor e und i) geschrieben oder (vor a, o, u) weggelassen werden. Weil das Anfangs-rh bei den Römern das Kennzeichen griechischer Wörter war und wir es in dieser Funktion übernommen haben, muß es im Deutschen auch nach Vorsilben und inmitten von Wortbildungskonstruktionen beibehalten werden.
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 06.08.2006 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5240

Da Unicode wohl nicht funktioniert: ar-rhythmie aber eu-rythmie
 
 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 06.08.2006 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5239

Da schaut man doch mal in den Pape (= die Referenz, wenn es um das Altgriechische geht)...

αρ-ρυθμια ... mit Spiritus-Asper über dem zweiten Rho (kann ich leider hier nicht darstellen).

ευ-ρυθμια ... ohne irgendeinen Spirtus-Asper.

So absonderlich mir Steiner und seine Ideen auch vorkommen, so hat er das Wort doch ganz korrekt transkribiert.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 06.08.2006 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5238

Zu Herrn Schubert: Ja, eben – in anderen Sprachen. Foglich bleibt Eurythmie eine Sonderschreibung.
 
 

Kommentar von Florian Bödecker, verfaßt am 06.08.2006 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5237

Vielleicht hilft es weiter, wenn man sich den kurzen Eintrag im Duden Band 9 anschaut:

"Eurhythmie / Eurythmie: Wörter aus dem Griechischen, die mit R- anlauten, werden als Fremdwörter im Deutschen mit Rh- geschrieben, weil der griechische Buchstabe r () im Anlaut stets aspiriert (behaucht) gesprochen wurde (geschrieben: ): Rhapsode, rhetorisch, Rheumatismus, Rhythmus u. a. Wenn ein solches Wort als Grundwort in einer Zusammensetzung auftrat und das R dadurch inlautend wurde, blieb die Behauchung erhalten, auch wenn sie im Schriftbild nicht immer ausgedrückt wurde. Es besteht also keine Veranlassung, solche Wörter wie Eurhythmie mit bloßem r zu schreiben, weil im Griechischen die Behauchung nicht ausgedrückt wurde. Schon die alte lateinische Transkription griechischer Wörter kennt in solchen Fällen die Schreibung -rh- im Wortinnern. So erscheint Eurhythmie schon bei Vitruv in der lateinischen Schreibung eurhythmia. Von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, wurde die Schreibung Eurythmie ohne h verwendet, die in neuer Rechtschreibung allgemein als Nebenform zu Eurhythmie gilt."
© Duden - Richtiges und gutes Deutsch. 5. Aufl. Mannheim 2001. [CD-ROM].
 
 

Kommentar von Peter Schubert, verfaßt am 06.08.2006 um 18.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5235

Ja, "Arrhythmie" fängt gewiss nicht mit r an. Weil die alten Griechen es mit Doppel-R schrieben, setzten die Humanisten ein h dazu, wie bei allen Doppel-R. Das h bei Rhythmus steht zwar jetzt nicht zur Diskussion; aber man kann doch darüber diskutieren, was das h eigentlich soll. In anderen Sprachen als Deutsch, Englisch und Französisch ist in griechischen Fremdwörtern ein h nach r oder rr längst verschwunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2006 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5234

Noch einmal: Es geht nicht darum, wie die Griechen schreiben oder schreiben sollten oder hätten schreiben sollen, und es geht auch nicht um die Transkription griechischer Wörter, sondern um die deutsche Orthographie. Auch "Arrhythmie" fängt nicht mit r an. Wer würde vom "Rhythmus" eines "polyrythmischen" Werkes sprechen? Kurzum: die Schreibweise von "Rhythmus" mit seinen Komposita und Ableitungen steht schon lange nicht mehr zur Diskussion. Man schreibt stets rh, nur die Steinersche Hauchdissimilation, oder was immer es sein mag, ist eine idiosynkratische Ausnahme, wie ein Warenzeichen (z. B. "Fön").
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.08.2006 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5233

Wohl wahr: Wörter mit der Vorsilbe eu- fangen in der Tat nicht mit r an, sondern mit eu.
 
 

Kommentar von Peter Schubert, verfaßt am 06.08.2006 um 16.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5232

Nochmal "Rhythmus". Gern bin ich zugänglich für Belehrungen. Wenn sie allerdings mit dem Zusatz kommen "Thema verfehlt", könnten sie möglicherweise von Sprachpedanten kommen. Dass "Rhythmus" orthografisch korrekt ist, hat niemand bestritten. Man kann dann auch Biorhythmus schreiben, mit rh. Das Wort "Eurythmos", das es schon im Altgriechischen gab, hat damals aber niemand mit spiritus asper oder später mit h geschrieben. Wenn Rudolf Steiner Eurythmie ohne rh schrieb, hatte er dafür seinen Grund: Wörter mit der Vorsilbe eu fangen eben nicht mit r an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2006 um 15.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5231

Herr Schubert verfehlt das Thema. Orthographisch gilt vor wie nach der Reform nur "Rhythmus" als korrekt. Setzt man das griechische "eu" davor, ergibt sich "eurhythmisch"; das hat die Orthographie nie in Zweifel gezogen. Warum Steiner glaubte, es anders machen zu müssen, weiß ich nicht. Mit der Geschichte der griechischen Schrift hat das Ganze nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theo Grunden, verfaßt am 06.08.2006 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5230

Besonders informativ ist sie nicht, die Ankündigung des o. g. Spiegel-TV-Beitrags, aber in anderer Hinsicht sehr interessant. (Schnell man reinschauen, bevor die vielen Fehler korrigiert werden!)
 
 

Kommentar von Peter Schubert, verfaßt am 06.08.2006 um 14.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5228

"Rhythmus". Danke, Herr Germanist. Sie kennen sich aus. Trotzdem einen kleinen Widerspruch: Was Sie über die Spiritus schreiben, stimmt bei der Koine des Neuen Testaments. Im Altgriechischen sieht es aber anders aus. Der spiritus asper und der spiritus lenis sind wohl erst in nachchristlicher Zeit enstanden, vermutlich in der Zeit, als der Unterschied zwischen behauchter und unbehauchter Aussprache verschwunden war, wie heute im Neugriechisch, und man den Unterschied wenigstens in der Schrift darstellen wollte.

Ich war mal im Nationalmuseum in Athen und habe mir gezielt Schriftdenkmäler angesehen. Aus vorchristlicher Zeit habe ich nicht einen einzigen Spiritus gesehen, überhaupt nicht einmal einen Text mit Minuskeln. Die spiritus und das h nach Initial-R und nach Doppel-R sind vermutlich die Erfindung von Sprachpedanten. Man muss das im Deutschen nicht unbedingt beibehalten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.08.2006 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5226

Nochmal "Rhythmus": Altgriechisch und das Griechisch des Neuen Testamentes, die "Koine", hatten die Zeichen für "h" und "nicht h" in Form des Spiritus asper und des Spiritus lenis nur am Wortanfang auf oder vor allen Vokalen und den Siritus asper immer auf oder vor dem Konsonanten r am Wortanfang. Unbehauchtes r am Wortanfang gab es nicht. Sie waren ein wesentlicher Teil des Wortes und mußten immer mitgeschrieben werden.
Aber im Mittelgriechischen oder Byzantinischen ist es wohl verlorengegangen, denn das Griechisch zur Zeit von Kyrill und Method hat kein h und auch das von ihnen erfundene glagolitische Alphabet nicht und auch das ur-altkirchenslawische (altbulgarische) Kyrillisch und die daraus entwickelte sogenannte bürgerliche Schrift, die "Graschdanka", die bis heute bei allen Ostslawen und den Bulgaren fortlebt, hat es nicht. Das ist ein wirkliches Problem bei diesen Sprachen, weil sie den kyrilischen Buchstaben "X" [ch] für die Laute [h] und [ch] gebrauchen. Neugriechisch hat keinen Spiritus asper und lenis.
Im "Mittellateinischen Glossar" haben alle griechischen Wörter, die mit r beginnen, ein rh; Mittellateinisch führt die altgriechische Schreibweise fort.
 
 

Kommentar von Peter Schubert, verfaßt am 06.08.2006 um 11.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5223

Den Hinweis auf "eurytherm" nehme ich zurück. Der Rest stimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2006 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5221

Freilich hat "eurys" (Gr. "breit") nichts mit "Rhythmus" zu tun. Der Rest erledigt sich von selbst.
 
 

Kommentar von Peter Schubert, verfaßt am 06.08.2006 um 10.14 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5219

Eurythmie ohne rh ist keine Sonderschreibung. Die Humanisten (nicht die antiken Griechen, die hatten gar kein h) schrieben in lateinischen Buchstaben griechische Wörter, die mit r anfangen, mit rh, also Rhythmus. Wörter mit der Vorsilbe eu fangen eben nicht mit r an. So schon im Leipziger Duden von 1990: eurytherm.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2006 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5218

"Propagandasendung"? Nicht unbedingt! Jedenfalls hatte ich am Donnerstag, als das Fernsehen bei mir war, nicht diesen Eindruck, und Scholze-Stubenrecht zu sehen ist doch auch etwas! Übrigens wird der Axel Springer Verlag nicht dem gedruckten Duden folgen, sondern hat sich von der Dudenredaktion eine Hausorthographie mit manchen Abweichungen schneidern lassen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, die Redakteure sind nur so im allgemeinen informiert worden.
 
 

Kommentar von borella ;-(, verfaßt am 06.08.2006 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5217

Alle paar Jahre - wird aus Literatur Makulatur, das ist es, was die Reform tatsächlich leistet!
 
 

Kommentar von j.k., verfaßt am 06.08.2006 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=592#5216

Der Duden, ja. In der heutigen Ausgabe der "BILD am SONNTAG" wird, wen wundert es, für den neuen Duden geworben. Auf derselben Seite ist ein Deutschrätsel, und wer das bestehe, so die "BamS", sei der "Deutsch-Meister!". Wenigstens ist es jetzt vorbei mit dem Hause Springer in unserem Hause.

Und danke für die Vorwarnung, Herr Ickler. Dann sehe ich heute Abend besser nicht fern, zumindest nicht "Spiegel TV", denn das wird wieder eine Propagandasendung vom feinsten werden.
 
 

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