zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache

Neues von Theodor Ickler

Die neuesten Kommentare



Sie sehen die neuesten 12 Kommentare

Nach unten

Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.


Marconi Emz zu »Superlativ«
Dieser Kommentar wurde am 10.03.2010 um 20.20 Uhr verfaßt.

"Denn Lesen geht ja auf dem Umweg über ein internes Verbalisieren ...". Mir scheint es eher, daß das Lesen zumindest nach dem völligen Abschluß des Lesenlernens bzw. bei routinierten Lesern vorwiegend über das (auch sehr zeitsparende) Erkennen von ganzen, dann bereits bekannten Wortbildern geschieht und damit dem Erfassen japanischer oder chinesischer Schriftzeichen weit nähersteht, als man allgemein annimmt. Texte sollen ja sogar in der gleichen Hirnregion verarbeitet werden, die sonst für das Erkennen von Tierspuren und dergleichen zuständig ist (leider kann ich die Quelle zu dieser hochinteressanten Information nicht angeben). Mich zumindest irritieren die durch die Rechtschreibreform verursachten zahlreichen Wortbildabweichungen sehr, und "meist gelesen" anstelle von "meistgelesen" fällt mir sofort auf und verursacht ein Gefühl der Irritation, ja geradezu der Belästigung. Bei reformierter Orthographie zieht sich dieses Gefühl der ständigen Belästigung (beispielsweise durch "mithilfe", "so genannte", "vor Kurzem") durch den gesamten Text. Umgekehrt wirkt sich die Reformschreibung auch negativ auf die gesprochene Sprache aus, wie man beispielsweise anhand von abgelesenen Manuskripttexten zu Hintergrundkommentaren in Fernsehsendungen hören kann. Da wird "der voll gefressene Vogel" so betont wie sonst "voll der Hammer" und ähnliches, und auch die (natürlich gemäß Rechtschreibreform weiterhin falsche) Schreibweise von "Licht durchflutet" findet prompt in einer falschen Aussprache ihren Widerhall. Ganz besonders schlecht sind übrigens die Sprecher bei Dokumentationssendungen des Nachrichtensenders N-TV, die sich offensichtlich auch bemühen, deutschen Sätzen eine Art von betont salopper US-amerikanischer Betonung zu verpassen, was teilweise zu absurden Ergebnissen führt.


Germanist zu »Superlativ«
Dieser Kommentar wurde am 10.03.2010 um 17.09 Uhr verfaßt.

Für Alltagstexte stimme ich Herrn Janas zu, da weiß man, was gemeint ist, egal ob zusammen oder getrennt geschrieben. Aber es gibt Texte, zum Beispiel die der berufsmäßigen Wortverdreher, der Juristen und der Vertragsgestalter usw., in denen die Bedeutungsunterschiede zwischen Zusammen- und Getrenntschreibung ganz entscheident sind. Wollen wir denn eine Alltags-Schriftsprache und eine Fach-Schriftsprache unterscheiden? Schüler müßten ja beide lernen. Vor jedem Text müßte dann stehen: Alltagstext oder Fachtext. Das ist nicht praktikabel. Und bei Fachtexten würden die als Zusammenschreibung nicht mehr existierenden Wörter vom Korrekturprogramm angemeckert oder gar ersetzt, oder es müßte getrennte Korrekturprogramme für Alltagstexte und für Fachtexte geben. Da sind doch gleich die eindeutigen Schreibweisen besser.


B Janas zu »Superlativ«
Dieser Kommentar wurde am 10.03.2010 um 14.13 Uhr verfaßt.

So lustig das ist, der Leser liest drüberweg und versteht's richtig. Ja ist den Schreibern denn das Sprachgefühl abhandengekommen? fragt man sich. Ich fürchte, die meisten waren eh nicht in der hier zu wünschenden Weise feinfühlig. Es gab eben das Wort "meistzitiert", das kannte man und es fiel einem an passenden Stellen ein. Die Reform hat etliche Wörter zerhackt, die man vorher auch kannte und vor denen man sich jetzt hüten muß. Das zieht dann andere Fälle nach sich, die oberflächlich ähnlich strukturiert sind. Die sog. Rechtschreibprüfung moniert die nun nicht mehr existenten Wörter. Halbbewußt antizipierend schreibt man andere, ähnliche Sachen auch gleich getrennt – und der Korrektor merkt nichts, weil die Wörter ja beide für sich richtig sind.

Aber wie gesagt, der Leser liest drüberweg und merkt meistens nichts! Denn Lesen geht ja auf dem Umweg über ein internes Verbalisieren und bezieht dabei immer schon gleich den Kontext mit ein (das kann kein Korrektor). Die Wörter werden dabei wohl gar nicht so stark als getrennte Einheiten wahrgenommen. Im Chinesischen ist es ja umgekehrt, da gibt's keine Spatien, da ist es gar nicht leicht zu sagen, was denn ein "Wort" ist. Es soll da Beispiele geben, wo ein und dieselbe Zeichenfolge, unterschiedlich gelesen, ganz verschiedene Bedeutungen ergibt. Aber wer's kann, merkt das wohl kaum, obwohl viel schwieriger als im Deutschen. Doch was heißt schon schwierig? Die Sache ist nicht leicht zu beschreiben, auszuführen aber für den Muttersprachler ein Kinderspiel – wir überblicken halt die wahren Mechanismen gar nicht und könnten sie vermutlich mit Algorithmen auch nicht nachbilden.

Wir haben es also, will mir scheinen, bei dem gegenwärtigen Schlamassel mit einer unvorhergesehenen und auch jetzt noch nicht durchschauten Nebenwirkung von Korrektursoftware zu tun, ohne welche die Reform ganz sicher nicht "angekommen" wäre. So ist sie auch nicht wirklich angekommen, sondern verunglückt.


Robert Roth zu »Superlativ«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 23.48 Uhr verfaßt.

Und BILD freut sich darüber, die meist zitierte Zeitung zu sein. Wird sie somit häufiger zitiert als gelesen?


Theodor Ickler zu »Laut-Buchstaben-Zuordnungen«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 14.45 Uhr verfaßt.

Vielleicht hätte ich anmerken sollen, daß die von Herrn Fleischhauer zitierte Verwechslung von das und daß (siehe hier) keinem anderen als mir selbst vor 25 Jahren unterlaufen war.


Theodor Ickler zu »Gräulicher Lerm«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 14.41 Uhr verfaßt.

Anscheinend hatte ich damals vergessen, Herrn Jochems (siehe hier) zu antworten, der nun leider nicht mehr erfahren kann, wo ich die Augstschen Vorschläge gefunden habe, nämlich hier:
Augst, Gerhard (1985): „Regeln zur deutschen Rechtschreibung“ vom 1. Januar 2001. Frankfurt. S. 121f.
Augst hat dieses Buch übrigens der DDR-Gruppe um Nerius gewidmet und hebt sie auch im Vorwort als diejenigen hervor, die die wichtigsten Reformanstöße gegeben haben.


Theodor Ickler zu »Wer muß und wer darf«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 11.36 Uhr verfaßt.

Etwas Ähnliches müssen die Reformer geahnt haben, als wir – ohne Vorwurf – feststellten, daß die Reform, vor allem in der ursprünglich geplanten Gestalt, weitgehend mit der Rustschen übereinstimmte. Hätte sich aus dieser sachlichen und leicht überprüfbaren Feststellung in der Presse so etwas wie ein "Faschismusverdacht" breitgemacht, wäre die Reform in der Tat erledigt gewesen. Edelmütig, wie wir sind, haben wir selbst tatkräftig und erfolgreich mitgewirkt, daß eine so grobe Keule nicht in Aktion treten konnte. Die Reform sollte unserer Ansicht nach aus den richtigen Gründen scheitern. Mit der Trägheit und Staatsgläubigkeit der meisten Germanisten haben wir allerdings nicht gerechnet.


Germanist zu »Wer muß und wer darf«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 09.20 Uhr verfaßt.

Wenn erreicht werden könnte, daß Frau Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland die Rechtschreibreform öffentlich schlecht findet, würden sämtliche Politiker sofort umfallen, und die Reform wäre erledigt.


Klaus Achenbach zu »Staat und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2010 um 08.31 Uhr verfaßt.

Nach Damaris Nübling et al. gäbe es in England bis heute keine Orthographie, jedenfalls ist mir eine "amtliche Rechtschreibung" in England nicht bekannt.

Man darf immerhin hoffen, daß sich Jürgen Baurmann inzwischen der amtlich vorgeschriebenen und "politisch legitimierten" Großschreibung bedient.


Theodor Ickler zu »Staat und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 08.03.2010 um 10.36 Uhr verfaßt.

„Orthographie bezeichnet eine normierte Schreibung, die Rechtschreibung. Da für das Deutsche erst seit 1902 eine solche Normierung gilt, kann auch erst ab dann von einer Orthographie gesprochen werden.“ (Damaris Nübling et al.: Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Tübingen 2006:169)

Gemeint ist: eine für das ganze deutsche Sprachgebiet geltende staatliche Schulorthographie. Natürlich gab es auch im 19. Jahrhundert schon Rechtschreibung. Es ist oft gezeigt worden, daß ein Text von 1900 und ein Text von 1902 mit unbewaffnetem Auge nicht zu unterscheiden sind. Nicht anders stellen es die sachkundigen Reformer dar, z. B. Nerius.


Theodor Ickler zu »Irreführung«
Dieser Kommentar wurde am 08.03.2010 um 09.58 Uhr verfaßt.

Damals war bekanntgeworden, dass der frühere Schulleiter Gerold Becker ehemalige Schüler sexuell missbraucht hatte. (morgenweb 8.3.10)

Wenn es ehemalige Schüler waren, dann waren sie ja erwachsene Schulabgänger, und das Ganze wäre nicht weiter zu beanstanden gewesen. Das ist wie mit der "ehemaligen DDR".

Da hier von Illustrationen die Rede war, möchte ich noch etwas erwähnen, was mir am Wochenende wieder auffiel: Wenn in Zeitungen etwas über "Lernen" erscheint, kann man sicher sein, daß ein Foto mit Kindern vor Computerbildschirmen beigegeben ist. "Lernen" wird allmählich synonym mit "vor dem PC sitzen". Von den großartigen Erfolgen der "Laptop-Klassen" ist ja nicht mehr viel zu lesen, aber die Ideologie, daß ohne Internet alles nichts ist, besteht fort. Das wird sich noch rächen. (Ich bin gewiß kein Technikfeind, arbeite seit 25 Jahren mit dem PC.)


Theodor Ickler zu »Ich kenne mich nicht mehr aus«
Dieser Kommentar wurde am 08.03.2010 um 09.49 Uhr verfaßt.

Ich muß ständig nachschlagen, um mich der gegenwärtigen Beschlußlage zu versichern. Jedes Jahr werde ich unsicherer, was der Rat zu welcher Zeit beschlossen bzw. zurückgenommen hat. Es gibt so viele Papiere, die ich damals studierte habe. Zurück bleibt der Eindruck: Da war doch etwas ...

Dies habe ich stark empfunden, als ich ein Übungsblatt durchsah, auf dem eine meiner Töchter (in Übersetzerausbildung) Zweifelsfälle gelöst hatte. Was für ein Durcheinander! Besonders überrascht haben mich die zahllosen Varianten. Eigentlich wußte ich das ja, aber so zusammengeballt war es doch ziemlich schockierend.

Die Revisionen sind zum großen Teil nicht im Schreibvolk angekommen. Zum Beispiel die Rücknahme der -ig/-isch/-lich-Regel oder die Sache mit den erweiterten Partizipien. In einem germanistischen Fachtext lese ich gerade:

In Silbensprachen treten Aussprache erleichternde Assimilationen sowohl im Wortinneren als auch an Wortgrenzen auf. (Natur und Geist 2/2009)


Die neuesten Kommentare

Zurück zur Übersicht | nach oben


© 2004–2010: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V., Lightning-Webs.de

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Friedhelm Kemp, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Gustav Korlén, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Wieland Schmied, Christian Stetter.

Technische Realisierung und Betreuung: Simon Bauer, lightning-webs.de

Top 100 Language Blogs 2009

Schrift & Rede hat in der „Top 100 Language Blogs 2009 Competition“ den 33. Platz belegt.