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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 02.05.2026 um 12.25 Uhr verfaßt.

Im SZ-Magazin (30.4.26) schon wieder ein Beitrag, der die gewollte Kinderlosigkeit feiert: „Wer keine Kinder bekommt, ist im Alter einsamer – diese Vorstellung hält sich hartnäckig in unserer Gesellschaft. Aber stimmt sie überhaupt? Oder ist sie eine perfide Drohung gegen Frauen, die endlich die Freiheit haben, über ihr eigenes Leben zu bestimmen?“ (Dorothea Wagner, 36)
Hier wird ein künstlicher Gegensatz konstruiert. Es gibt manchmal ein Bedauern, das vielleicht unbegründet ist, weil Kinderlose im Alter ihre Freunde (Wagner spricht vom „Netz“) und mehr Geld haben. Aber eine „perfide Drohung“ muß man sich zurechtlegen, um auf der erstrebenswerten Seite der Opfer zu stehen. Die rechte österreichische Journalistin Anna Schneider (WELT, Tichy) hat Kinder als „Inbegriff der Unfreiheit“ verdammt. Damit rennt sie offene Türen ein. Kinderlosigkeit braucht man hierzulande nicht eigens zu preisen, wir sterben sowieso aus, das Problem mit der „Unfreiheit“ findet seine biologische Lösung. Der Kinderwunsch sei gar nicht privat, sondern politisch, stellt Dorothea Wagner fest. Damit hat sie in einem tieferen Sinn sogar recht: Ohne Kinder keine Polis und umgekehrt. Sie rechnet die demographische Entwicklung selbst vor. Natürlich muß nicht jeder Kinder bekommen (Wagner: „Ich bin eine Frau, die nie einen starken Kinderwunsch hatte“), aber als Programm ist Kinderlosigkeit dekadent. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#57620) Die Zeitung haut erstaunlich oft in dieselbe Kerbe. Geht es denn nur darum, daß es MIR an nichts fehlt? Einen anderen Maßstab scheint es nicht einmal andeutungsweise zu geben. – Wagner gibt zu, noch nie bedrängt oder bemitleidet worden zu sein, glaubt aber anscheinend trotzdem, sich rechtfertigen zu müssen – weil sie die Vorurteile der Gesellschaft „verinnerlicht“ habe oder so ähnlich. Wen interessiert das?
Fast niemand bekommt Kinder mit der Absicht, den Bestand zu sichern. Dieser Zweck war gewissermaßen in den herkömmlichen Sitten und im „instinktiven“ Verhalten eingebaut. Seit wir grenzenlose Freiheit genießen, müssen wir uns etwas anderes überlegen.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 02.05.2026 um 04.33 Uhr verfaßt.

Das meerumschlungene Dänemark sieht die Sache nüchterner:

„Das dänische Umweltministerium stellte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur klar, dass Dänemark prinzipiell keine gestrandeten Meeressäugetiere rette. Strandungen seien ‚ein natürlich vorkommendes Phänomen‘, Wale sollten generell ‚nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört werden‘.“ (30.4.26)

Übrigens werden in Deutschland täglich 150.000 Schweine geschlachtet.


Wolfram Metz zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 19.12 Uhr verfaßt.

Ein kleiner Kreis von Menschen mit Helfersyndrom drückt unter den verklärten Blicken wohlmeinender Beobachter und mit tatkräftiger Unterstützung interessierter Politiker und Unternehmer etwas durch, was die große Mehrheit längst als unvernünftig erkannt hat und von sachkundigen Fachleuten als schädlich abgelehnt wird, und die Medien mischen bei alldem kräftig mit. Ob Rechtschreibreform, Gendern oder Walrettung, es ist immer dasselbe Muster. Man kann nur hoffen, daß bei dem wahnwitzigen Spektakel um »Timmy« alias »Hope« nicht noch ein Mensch zu Schaden kommt. Aber was wäre schon ein zerquetschter Taucher gegen den Beweis, daß in Deutschland »was geht« (Backhaus). Immerhin wäre er dann nicht umsonst gestorben, sondern für eine größere Idee, die uns alle zu einen vermag. Und sollte der Wal die Aktion nicht überleben, hätte das Ganze doch wenigstens unser aller Bewußtsein für die Schutzwürdigkeit dieser großartigen Meeressäuger geschärft.


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 12.08 Uhr verfaßt.

„Language in mind“
„The descent of the mind“
„The nature of mind“
„The Oxford companion to the mind“
usw.

Was wollen die Leute bloß mit ihrem f.... mind? Leben wir wieder im Mittelalter? Ich verstehe die Welt nicht mehr.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 11.53 Uhr verfaßt.

„Pünktlich um Mitternacht sanken bei Aral an der Autobahnauffahrt Köln-Dellbrück die Preise. Ob Super, E10 oder Diesel, alle Kraftstoffe wurden auf einen Schlag 17 Cent billiger. Auch an der Esso-Tankstelle in Köln-Mülheim und bei Shell im Stadtteil Deutz fielen die Preise um 17 Cent.“ (tagesschau.de)

Aus früheren Aktionen dieser Art weiß man, daß die Unternehmen sehr bald dazu übergehen, den Rabatt im allgemeinen Auf und Ab der Preise untergehen zu lassen, d. h. selbst einzustreichen – ein schönes Geschenk vom Staat, das man gern mitnimmt. Warum soll man die Dummheit der Regierung nicht honorieren?

Übrigens kommt auch der verschärfte Mieterschutz nur denen zugute, die schon eine Wohnung haben, nicht denen, die eine suchen. – Jetzt warten wir noch auf die Regierungsmaxime: "Löhne rauf, Preise runter!"


Manfred Riemer zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 08.42 Uhr verfaßt.

Welche Zweideutigkeit?


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 08.05 Uhr verfaßt.

Das Fingerspiel des Ehepaars Trump (neben dem britischen Königspaar stehend) stellt Körpersprachdeuter vor keine großen Probleme. Die Mimik paßt dazu. Die allgegenwärtigen Kameras kennen keine Gnade. Um so maßloser natürlich die Reaktion der beiden auf Jimmy Kimmel, der ihre Beziehung schon drei Tage zuvor auf den Punkt gebracht hatte. Ein echter Schocker dann die Aufnahme, auf der der unverbesserliche Flegel der Gattin von König Charles buchstäblich „in die Parade fährt“ (https://www.youtube.com/watch?v=9pC3e7KhS8c).


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 06.56 Uhr verfaßt.

„Kurz vor dem Start des sogenannten Tankrabatts haben sich Benzin und Diesel so stark verteuert wie noch nie seit Einführung der 12-Uhr-Regel. Zur Mittagszeit verteuerte sich Diesel im bundesweiten Durchschnitt um 17,7 Cent pro Liter, wie der ADAC mitteilte.“ (DLF 30.4.26)

Der Tankrabatt soll 17 Cent betragen. Sehr komisch.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 06.23 Uhr verfaßt.

Es gibt Kontroversen wie diese:

Lera Boroditsky: „Does Language Shape Thought? Mandarin and English Speakers’ Conceptions of Time“. Cognitive Psychology 43/2001:1-22
und
J.-Y. Chen: „Do Chinese and English Speakers Think About Time Differently? Failure of Replicating Boroditsky (2001)“. Cognition 104/2007: 427-436.

Man kann natürlich lange über „cognition“ und „thinking“ reden, aber entscheidend ist doch, ob Englischsprachige und Chinesen sich außerhalb des Sprachlichen verschieden verhalten. Sie beteiligen sich an der internationalen wissenschaftlichen Forschung, fliegen zum Mond, konkurrieren mit den gleichen Produkten, zahlen rechtzeitig [!] ihre Kredite zurück usw. – und das alles mit verschiedenen Zeitbegriffen? Die gemeinsame Praxis ist die Wirklichkeit, nicht die stets sprachbezogenen Experimente der Relativitätsforscher.
Nisbett beschreibt sehr großzügig „How Asians and Westerners Think Differently“, als ob alle Asiaten [!] und alle Westlichen gleich dächten. Das hat kein höheres Niveau als das Vorurteil, alle Chinesen sähen gleich aus.
Ich habe schon belegt, daß wir im Deutschen die Vergangenheit mal oben, mal unten und mal hinter uns sehen – wenn man dem sprachlichen Ausdruck und seiner Etymologie nachschmeckt. Für die Praxis ist das gleichgültig: Vorbei ist vorbei. Ebenso verhält es sich im Chinesischen. Darum setzen wir uns in chinesische Autos und umgekehrt.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 04.41 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#57657

Wenn irgendwo, dann müßte sich doch an der lieben Sonne und dem guten Mond der Einfluß des grammatischen auf das biologische Geschlecht zeigen lassen. Aber abgesehen von der Mythologie und künstlerischen Allegorese scheint das nicht der Fall zu sein. Peter R. Hofstätter hat es vor vielen Jahren mit dem "Semantischen Differential" untersucht und keinen Unterschied gefunden: Sonne und Mond werden nicht anders eingeschätzt als sole/luna usw.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 04.06 Uhr verfaßt.

Unser „intentionales Idiom“, also die transgressive Rede über unser „Inneres“, ist ein Instrument, mit dem Erwachsene in bestimmten Kulturen ihr Verhalten koordinieren. Es ist müßig, dies in Säuglinge oder gar Tiere zu projizieren, wie es diejenigen tun, die ihnen Bewußtsein oder eine „Theory of mind“ usw. zuschreiben.
Skinner hat sich bemüht, die allmähliche Unterdrückung des Sprechens und das „Fürsichbehalten“ zu beschreiben, durch das wir den Eindruck bekommen, unser Denken sei ein stummes Reden. Erstaunlicherweise finden neuere Autoren nach guter alter Sitte kein Problem darin, daß Kinder ihre Sprache „internalisieren“ (Tomasello), daß wir eine „mental activity“ üben (Slobin) usw. Man macht diese fragwürdige Metaphorik bzw. Metaphysik unangreifbar, indem man sie reduziert auf das Nagelsche: Es fühlt sich irgendwie an. Es wird sich doch wohl für das Neugeborene irgendwie anfühlen (auf der Welt zu sein, an der Mutterbrust zu saugen usw.)? Wer könnte da widersprechen!
Soweit das sogenannte Denken (kein wissenschaftstauglicher Begriff!) in innerem Sprechen besteht, ist es Verhalten und muß wie anderes Verhalten erklärt werden. Man gerät mit der Homunkuluspsychologie also in einen unendlichen Regreß, aber die Kognitivisten scheinen den elementaren Fehler nicht zu bemerken. Man möchte an soviel Naivität gar nicht glauben, aber sie ist tausendfach belegt.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 01.05.2026 um 03.43 Uhr verfaßt.

Die Zweideutigkeit, die das rechtsradikale Magazin ausnutzt, steckt auch in Ihrer Formulierung "daß die meisten Jungen Mohamed heißen". Ich will der Sache aber nicht weiter nachgehen, weil die Absicht ja klar genug ist und mit der tagtäglichen Praxis dieser Leute übereinstimmt. Die Umvolkung (Replacement) wird an die Wand gemalt, und nur die AfD kann uns retten.


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