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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 25.06.2019 um 14.13 Uhr verfaßt.

Wenn jemand auf den Vorwurf der Vergewaltigung sagt: "Sie ist nicht mein Typ", dann präsupponiert er: "Wenn sie mein Typ wäre..." Der nachgeschobene Satz: "Es ist nicht geschehen" wirkt als Überdetermination, zwischen beidem herrscht eine gewisse Dissonanz.

Andere Politiker haben im gleichen Sinn vom "Beuteschema" gesprochen, das klingt noch vulgärer.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 24.06.2019 um 17.10 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#30562

Aus Wikipedia erfahre ich, daß es einschläfrige und mehrschläfrige Galgen gibt; besonders beliebt waren die dreischläfrigen.


Manfred Riemer zu »Passiv – persönlich und unpersönlich«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 22.09 Uhr verfaßt.

Da fällt mir noch auf, daß das stilistisch Unschöne an dem kurzen Satz im unpersönlichen Passiv gar nichts mit reflexiven Verben zu tun hat, z. B. auch:

Pilze [Akk.] wird gesammelt.

In solchen Sätzen ohne Subjekt kann man leicht das Akk.objekt mit dem Subjekt (Nom.) verwechseln, und dann vermißt man irrtümlich beim unpersönlichen Passiv die Numerus-Kongruenz.

Pilze [Nom.] werden gesammelt.

Also noch ein Grund, das unpers. Passiv, wenn es in längeren Sätzen nicht zu holprig klingt, auch bei reflexiven Verben gelten zu lassen.


R. M. zu »Passiv – persönlich und unpersönlich«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 20.24 Uhr verfaßt.

Wenn der Text einen weiblichen Verfasser hat, handelt es sich wohl um den Versuch, das man zu umgehen.


Manfred Riemer zu »Passiv – persönlich und unpersönlich«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 18.28 Uhr verfaßt.

Gedanken wird sich gemacht.

Der vereinfachte Satz mit dem unpersönlichen Passiv klingt gewöhnungsbedürftig. Man ist schon eher versucht, das normale Passiv zu verwenden:

Gedanken werden sich gemacht.

Aber ist das wirklich besser? Eigentlich sagt das normale Passiv nichts über den Handelnden aus. Es ist unveränderlich nach der Person des Handelnden (ich, du oder er).
Also: Gedanken werden sich von wem gemacht?

Die Antwort
Gedanken werden sich (von mir) gemacht
geht nicht, denn es heißt nicht, Ich mache sich Gedanken, sondern Ich mache mir Gedanken. Also müßte das normale Passiv mit reflexivem Verb hier lauten: Gedanken werden mir (von mir) gemacht.[i] Analog die 2. Person. Nur in der 3. Person ([i]Er macht sich Gedanken) ginge Gedanken werden sich (von ihm) gemacht.
Alles analog im Plural.

D.h. bei reflexiven Verben wäre das Passiv, anders als bei nichtreflexiven) von der Person des Handelnden abhängig, der aber meist gar nicht im Passivsatz genannt wird.

Also nur das unpersönliche Passiv wäre bei reflexiven Verben konsistent mit der Grammatik von nichtreflexiven Verben:
Es wird sich Gedanken gemacht
oder eben der Ausgangssatz
Gedanken wird sich gemacht.

Klingt aber schon seltsam. Ich würde es so auch nicht verwenden.


Erich Virch zu »Passiv – persönlich und unpersönlich«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 15.55 Uhr verfaßt.

Weil es weniger häßlich und dafür verständlicher geht, oder?


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 12.32 Uhr verfaßt.

Aus Broders Rede vor der AfD-Fraktion:

Ich glaube nicht einmal daran, dass es einen Klimawandel gibt, weil es noch keinen Tag in der Geschichte gegeben hat, an dem sich das Klima nicht gewandelt hätte. Klimawandel ist so neu wie die ewige Abfolge von Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst.

Das scheinen die Klimaforscher der ganzen Welt bisher nicht bemerkt zu haben. Aber nun wissen sie es.


Theodor Ickler zu »weg und Weg«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 10.45 Uhr verfaßt.

Laut Duden wird Musik österreichisch mit kurzem i gesprochen, aber diese Aussprache ist doch viel weiter verbreitet. In Nordhessen haben wir es immer kurz gesprochen. Regional und älter (wie im Englischen) auch Musicke.
(Bei anderen Wörtern wie Physik ist beides vorgesehen, österreichisch wiederum nur kurz.)


Theodor Ickler zu »Passiv – persönlich und unpersönlich«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 07.23 Uhr verfaßt.

Bevor sich Gedanken um die Absicherung im Alter gemacht wird, gilt es zunächst existenzielle Risiken abzusichern. (FAS 23.6.19)

Die schulgrammatisch verpönte Konstruktion füllt eine Lücke, denn warum sollte man auf das unpersönliche Passiv verzichten, nur weil des Verb reflexiv ist?


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 04.39 Uhr verfaßt.

Vom Erlanger Stadttheater:

2019 ist es endlich Zeit für Female Dominance! FemDom definiert die Frau als Alphatier und den Mann als das „Nebenihr“. Wir fordern eine neu gelebte Weiblichkeit, die sich nicht mehr in Abhängigkeit vom Mann definiert. Die Frau fragt nicht, sie tut. Die Frau an sich ist Macht.
In unserem theatralen Versuchsaufbau durchlaufen eine Frau und ein Mann eine Vielzahl an Utopien, schaffen sich ab und erschaffen sich neu, um am Ende eine Regierungsform anzubieten, die das Patriarchat endgültig beendet und durch eine neue, bessere Welt ersetzt. Und vielleicht führt dieses Experiment über einen Weg durch die Extreme zu einem Plädoyer für die Gleichberechtigung.


Die Forderung nach Gleichberechtigung ist aber doch nicht neu, und Weiberfastnacht gibt es laut Wikipedia seit dem Mittelalter.


Manfred Riemer zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 22.06.2019 um 14.10 Uhr verfaßt.

Seele ist mir zu sehr religiös behaftet. Sie wiegt "21 Gramm" (Filmtitel) und löst sich nach dem Tod vom Körper, um in einer Seelenwelt ("Himmel") selbständig weiterzuleben. Ich finde es schade, daß in letzter Zeit alle möglichen Religionen wieder mehr Zulauf zu gewinnen scheinen. Oder trügt mich mein Empfinden, weil es in dieser Hinsicht in der DDR vernünftiger zuging? War der Westen schon immer so wundergläubig? Ich denke, durch den Wegfall der ökonomischen und gesellschaftspolitischen Konfrontation von Kapitalismus und Kommunismus haben religiöse Auseinandersetzungen an Bedeutung gewonnen, und dadurch werden Religionen mehr beachtet, obwohl durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt eigentlich die Vernunft zunehmen sollte.

Ich würde statt Seele eher Bewußtsein sagen. Das Bewußtsein ist die Eigenschaft lebender Materie, lebende Informationsspeicher und -verarbeiter zu erzeugen, die über sich selbst reflektieren können, was man Selbstbewußtsein nennt. Es ist nicht materiell, sondern eine Form oder Struktur von (lebender) Materie, d.h. an lebende Materie gebunden.

Das Verhältnis von menschlichem Körper zu seinem Bewußtsein ist etwa das gleiche wie das eines Buches zum Roman, der darin steht. Verschwindet das Buch, ist auch der Roman weg. Der Roman kann nur durch das Buch existieren. Nichtsdestotrotz existiert beides real, das Buch wie auch der Roman. Das Buch ist ein realer materieller Gegenstand, der Roman ist eine reale Form eines materiellen Gegenstandes.

So verstehe ich den Dualismus, natürlich nicht als kopulatives Mit- oder Nebeneinander von Körperlichem und Geistigem auf der gleichen Ebene, sondern als zwei reale Gegebenheiten, von denen die eine, die Formseite, von der andern, der materiellen Seite abhängig ist.

Insofern kann ich im Bewußtsein auch nicht einfach ein bloßes "Konstrukt" sehen. Ein Konstrukt wäre für mich etwas, das es nur als Idee, aber nicht als reale Form gibt. Das Bewußtsein ist jedoch real, es ist eine real existierende, lebende Struktur lebender Materie.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 22.06.2019 um 05.53 Uhr verfaßt.

Das Gegenstück zu diesem "kopulativen Dualismus" ist der ebenso falsche Monismus: "Das Mentale IST (in Wirklichkeit) das Körperliche", "der Geist ist das Gehirn" usw. Wenn man sich auf die Redeweise von Geist, Bewußtsein, Erlebnis usw. eingelassen hat, kann man sie nicht naturalistisch "korrigieren". Man kann ja auch andere Kulturhervorbringungen nicht "korrigieren", die antike Tragödie, die Barockmusik...


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