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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Besorgnis erregend«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 12.07 Uhr verfaßt.

Jetzt auch auf englisch:

Monika Schwarz-Friesel/Jehuda Reinharz: Inside the Antisemitic Mind: The Language of Jew-Hatred in Contemporary Germany. Boston: University Press of New England, 2017.

(Diese Verbindung von Language und Mind ist typisch für Kognitionsforscher und besonders für Schwarz-Friesel.)

Ob nun auch der muslimische Judenhaß berücksichtigt ist? Bisher unterbelichtet, obwohl er den deutschen Juden mehr Angst macht.


Theodor Ickler zu »Unsichere Flexion«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 11.58 Uhr verfaßt.

Sie haben recht, damit muß man auch noch rechnen. Die Kasusverpflichtung durch eine Präposition kann falschlicherweise zu früh als erfüllt empfunden werden (aus aller Herren Länder), sie kann aber irrigerweise auch später noch nachwirken.


Manfred Riemer zu »Unsichere Flexion«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 11.18 Uhr verfaßt.

Könnte hier nicht doch die Präposition mit (anstatt eines allgemeinen Appositionskasus) eine Rolle spielen? Es geht ja immer ums sprachliche Kopfrechnen, und manchmal hat man halt nicht so schnell "ausgerechnet", ob nun wie mit denen vom TÜV oder wie durch die vom TÜV gemeint ist.


Theodor Ickler zu »Unsichere Flexion«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 09.00 Uhr verfaßt.

Nur mit der Freigabe durch Sachverständige wie denen vom Tüv darf der BER eröffnen. (Tagesspiegel 23.11.17)

Die ("unreine") Apposition steht in größtmöglicher Nähe zum Bezugswort, so daß der Kasuswechsel nicht auf Gedächtnisschwäche oder Unübersichtlichkeit zurückgeführt werden kann. Vielmehr zeigt sich an solchen Beispielen, daß sich der Dativ tatsächlich zum Appositionskasus eigenen Rechts entwickelt hat.


Theodor Ickler zu »Der hohe Ton«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 08.42 Uhr verfaßt.

Oft zitiert, selten beherzigt:

„Die simple Schreibart ist schon deshalb zu empfehlen, weil kein rechtschaffener Mann an seinen Ausdrücken künstelt und klügelt.“ (Georg Christoph Lichtenberg G 126)

Hier klingt auch die moralische Seite der Sprachkritik an - für die bedeutenden Stilkritiker wie Engel, Kraus, Orwell eine Selbstverständlichkeit, im Gegensattz zur kabarettistischen.


Theodor Ickler zu »documenta«
Dieser Kommentar wurde am 23.11.2017 um 07.02 Uhr verfaßt.

In Bronze gegossene oder gar in Marmor gemeißelte Brillen und Militärmäntel wirken lächerlich. Der nackte Körper ist das beste Objekt der Bildhauer, der Faltenwurf klassischer Gewänder kann in seiner scheinbaren Zufälligkeit auch noch als sozusagen natürliches Ereignis gelten, etwa wie Laubwerk. Bei Artefakten wie Büchern wird es schon bedenklicher. Bücher aus Bronze erinnern an Autos oder Flugzeuge, die ein Kind sich aus Holz geschnitzt hat. Fortgeschrittene Technik wird durch primitivere nachgebildet, nach Art der erbarmungswürdigen Cargo-Kulte. Und die Kluft wird immer größer. Kann man sich einen modernen Dichter in Marmor gehauen vorstellen, wie er vor seinem Computer sitzt, mit Maus und USB-Stick – alles aus Stein? - Die abstrakte Kunst verdankt ihre Existenz vielleicht solchen Zusammenhängen? Ich rede wie ein Blinder von der Farbe, ich weiß, denn das ist wirklich nicht mein Fach. Ich frage mich aber, ob es ähnliche Ungleichzeitigkeiten auch in der Sprache gibt. Mühen sich viele nicht ab, die Sprache zu Zwecken einzusetzen, die sich erledigt haben?


Theodor Ickler zu »Bildung«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 16.07 Uhr verfaßt.

„An Werthern gefällt mir das Lesen seines Homers nicht. Es ist subtile Prahlerei, daß der Mann etwas Griechisches lesen konnte, während andere Leute etwas Deutsches lesen müssen. Daß deutsche Schriftsteller so oft ihre Helden mit einem Griechen in der Hand spazieren lassen, ist deutsche Prahlerei, Zeitungs- und Journalenleserei.“ (Lichtenberg G5)

Ich hatte mir als Student etwas ähnliches notiert zu „kennt seinen Horaz“ usw., das auch mir Unbehagen bereitete, kann meine Aufzeichnungen aber gerade nicht finden.


Bernhard Strowitzki zu »Chinesisch«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 15.27 Uhr verfaßt.

General-Anzeiger, 14, 11,: Ein Gespräch mit der Direktorin des Bonner Konfuzius-Instituts, Katja Yang.
Die chinesische Sprache gilt als sehr schwer zu lernen. Wie überwindet man da die Hemmschwelle?
Yang: Zumindest die gesprochene chinesische Sprache ist relativ einfach, denn es gibt so gut wie keine Grammatik. Die Schwierigkeit liegt in den rund 3000 Schriftzeichen, die es allein braucht, um zumindest eine Zeitung lesen zu können. (...)

Mir scheint hier eine Verwechslung von Flexion und Grammatik vorzuliegen. Es gibt doch sicher ausgefeilte Regeln etwa über die Wortfolge im Satz.



Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 12.00 Uhr verfaßt.

In der DDR konnte man den "Solibeitrag" tatsächlich fast als Spende betrachten, heute ist das ja gesetzlich geregelt.

Es ist lange her, ich muß eine Weile im Gedächtnis kramen. Es gab ja in der DDR kein Finanzamt und im allgemeinen auch keine Steuererklärung. Steuern wurden sofort und meist unveränderlich vom Lohn und Gehalt abgezogen. Nur wer nebenbei noch etwas dazuverdiente, was auch sofort pauschal versteuert wurde, konnte am Jahresende die zuviel gezahlte Steuer zurückbekommen.
(Zum Beispiel zahlten Zeitungen für jeden veröffentlichten Leserbrief ein Honorar, ca. 15 DDR-Mark, wovon, wenn ich mich recht erinnere, 5 Mark als Steuer gleich einbehalten wurden. Die konnte man dann ggf. am Jahresende auch bekommen.)

Ein Solibeitrag wurde zusammen mit dem Gewerkschaftsbeitrag kassiert. Die Zugehörigkeit zur Einheitsgewerkschaft war zwar freiwillig, aber wer im Beruf oder anderweitig vorankommen und auch ab und zu eine Lohnerhöhung haben wollte, mußte schon mitmachen. (Das war wie mit allem: Pionierorganisation, FDJ, DSF, ...) So kaufte und klebte man halt monatlich seine Beitragsmarken ins Mitgliedsbuch und daneben (nach dem gleichen freiwilligen Zwangsprinzip) meist noch eine Solimarke. So haben schätzungsweise 95% der arbeitenden DDR-Bevölkerung "freiwillig" Solibeiträge bezahlt. An die Höhe kann ich mich nicht mehr erinnern, das hing vom Lohn ab, muß aber größenordnungsmäßig um die 5 DDR-Mark Monatsbeitrag plus 50 Pfennig oder 1 Mark Soli gewesen sein.

Außerdem gab es normale Briefmarken mit Solizuschlag, dabei gab es natürlich diesen "freiwilligen Zwang" nicht, es funktionierte wie die Zuschlagsbriefmarken heute.

Kurios ist, das habe ich damals gar nicht so gewußt, sondern jetzt erst im Internet gelesen, daß die DDR sich mit einem zu hohen Soliaufkommen selbst in Verlegenheit brachte, denn mit DDR-Mark konnte man ja in Vietnam, Kuba, Angola usw. auch nichts anfangen, also mußte das Geld vorher in Devisen oder Sachwerte umgetauscht werden. Das hat dann der Regierung schon weh getan, weshalb sie die Richtlinien zur Solispende in späteren Jahren stark abgesenkt hat.




Manfred Riemer zu »Grammatische Exerzitien 2«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 10.19 Uhr verfaßt.

Es hat zwar nichts mit der Wortstellung zu tun, aber wenn sie wirklich sicher gewesen wäre, hätte sie betonen müssen, sie sei sicher, daß das Bündnis zustande gekommen wäre.


Theodor Ickler zu »Duden – politisch korrekt«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 07.59 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=577#33132

In der Neuauflage des Synonymwörterbuchs heißt es zu Leichenwagen:

"Die Bezeichnungen Bestattungswagen und Überführungswagen setzen sich deshalb immer mehr durch."


Theodor Ickler zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 22.11.2017 um 07.32 Uhr verfaßt.

Ich habe übrigens FDP gewählt. Geht zwar keinen was an, aber weil es mir selbst so gleichgültig (und nur aus bayerischen Verhältnissen verständlich) ist, kann ích es ja sagen. (Eigentlich wollte ich erstmals gar nicht wählen, aber ein Ohnemichel möchte ich auch nicht sein, schon wegen der Kinder.)

SPD-Chef Martin Schulz hält es für unverschämt, dass die CDU-Vorsitzende Angela Merkel für den Fall von Neuwahlen schon wieder ihre Kanzlerkandidatur erklärt hat. (focus.de 21.11.17)
Er selbst verkündet ungefragt, daß er Kanzler einer SPD-geführten künftigen Regierung werden will, auf keinen Fall aber Minister in einem Kabinett Merkel.
Ich kann verstehen, daß die SPD mit solchen und zahllosen ähnlichen Äußerungen ihres Verlegenheitsvorsitzenden nicht glücklich ist. Meiner Einschätzung nach wird die SPD sich von Schulz befreien und Nahles auf den Schild heben. Sie könnte es auch mit Schwesig oder einer anderen Person aus dem Länder-Reservoir versuchen, aber das wäre wieder so ein unberechenbares Risiko. Nahles war nie besonders beliebt, hat aber an Statur gewonnen, so daß auch der einstige Müntefering-Flügel sie mit zusammengebissenen Zähnen hinnehmen würde. (Zur Rechtschreibreform würde sie sich wahrscheinlich auch nicht mehr so naiv äußern wie damals.)
Inzwischen liest man mehr Kommentare des Inhalts, daß eine Partei nicht gewählt wird, damit sie NICHT regiert. Sie hatte ja auch nicht angekündigt: „Wir wollen Oppositionspartei sein, darum wählt uns!“, sondern im Gegenteil ein Programm fürs Regieren vorgelegt, und Schulz sah sich schon als Kanzler, evtl. mit einer Ministerin Merkel (auch wenn es ein Witz sein sollte).
Gestern feierte die FAZ (Wirtschaft) „Merkels Niederlage“ und Lindners Prinzipienfestigkeit. Heute interviewt sie Lindner wie schon so oft und versucht sich in Verständnis für dessen Entscheidung, die sie mit Unreife entschuldigt, übt aber auch schon Kritik daran, daß sich alle Parteien außer den Grünen an den „Spielfeldrand“ stellen, und mahnt mit Steinmeier zu mehr Verantwortungsbewußtsein. Die Polemik gegen Merkel (wie seit 12 Jahren) wird natürlich fortgesetzt, auch mit fremden Federn. Irritierenderweise eilt die wirtschaftliche Entwicklung von einem Erfolg zum nächsten. Die Untergangspropheten werden ungeduldig. Wir schaffen das? Wir schaffen uns ab! Wirtschaftswachstum? Ein Strohfeuer! Usw. War die Verwirrung je größer? Die Grünen geben sich patriotisch und familienfreundlich, die CSU ist dagegen oder so ähnlich. Milieus haben sich aufgelöst, Stammwählerschaften ebenso. Fehlt bloß noch ein charismatischer Führer, dann schießt alles zusammen wie die Eisenfeilspäne...


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