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Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 17.12 Uhr verfaßt.
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Trump hat keine Bedenken, sich zum Hanswurst der Nation zu machen. Zunächst glaubt man seinen Augen und Ohren nicht zu trauen: Hat er sich wirklich mit einem KI-generierten Video als Tigerbändiger darstellen lassen – oder hat Jimmy Kimmel das seinerseits erfunden? Aber nein, er hat es wirklich getan, wohl im Vertrauen darauf, daß er immer noch mit jeder Peinlichkeit durchkommt (get away with it) und dadurch gewinnt. Aber wenn nicht alles täuscht, liegt der Kippunkt hinter ihm, und jetzt wird er von immer mehr Menschen noch als der Hanswurst wahrgenommen, der er ist und immer war. Was ihn aber nicht weniger gefährlich macht.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 11.27 Uhr verfaßt.
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Ob die Zuckersteuer viel bringt und nicht nur ein weiteres bürokratisches Monstrum wird (mit vielen neuen Beamtenstellen für ihre differenzierte Erhebung), wird sich zeigen. Die Rechtsradikalen fahren schon mal alles auf, um den Untergang Deutschlands zu feiern. Sie könnten auch einen alten Werbespruch wiederbeleben, an den ich mich noch erinnere und über den man liest:
Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte sich die bundesrepublikanische Zuckerindustrie, den stagnierenden Verbrauch mit der Parole anzukurbeln: „Zucker sparen – grundverkehrt; Zucker zaubert, Zucker nährt!“ Heute steht der bei manchen verpönte Dickmacher permanent auf den Kaffeehaustischen herum und demonstriert damit, dass er so gut wie nichts kostet. (https://www.static.tu.berlin/fileadmin/www/10002004/Nachlass_Koenig/Dateien/Konsum_127.pd)
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Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 10.53 Uhr verfaßt.
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»Die Grünen in Berlin möchten die Sondierungen mit der Linken fortführen. Co-Bundeschef Banaszak und weitere Führungspolitikerinnen zeigen sich über die Entscheidung verärgert.
(spiegel.de)
Man könnte hier generisch auch »Führungspolitiker« schreiben, aber viele würden dabei ein Unbehagen empfinden, weil es sich um drei Frauen handelt. In solchen Fällen gibt es im Deutschen eine sprachliche Not im Übergangsbereich zwischen generischer und spezifischer Redeweise. Ich selbst empfinde in diesem Fall den Verstoß gegen die Logik als so gravierend, daß ich eine ganz andere Formulierung gewählt hätte (»die Spitze der Bundespartei« oder ähnliches). Die Beschreibung »weitere Führungspolitiker[innen]« ist meines Erachtens auch nicht besonders erhaltenswert, denn es handelt sich nicht, wie man meinen könnte, um irgendwelche Spitzenpolitiker der Grünen, sondern um drei der vier Personen, aus denen die Partei- und die Fraktionsführung der Bundespartei besteht: Banaszak schreibt als Covorsitzender der Partei im Namen der Corvorsitzenden Brantner sowie der beiden Covorsitzenden der Fraktion, Haßelmann und Dröge. Die weibliche Form »Führungspolitikerinnen« suggeriert Präzision, aber präzisiert wird nur das – hier irrelevante – Geschlecht und nicht die – schon eher relevanten – Ämter bzw. Funktionen der Beteiligten. Die Verirrung der Doppelspitze verschärft dabei das Formulierungsproblem.
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Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 06.59 Uhr verfaßt.
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„Warum liebt unser Gehirn das Handy so sehr?“ Gespräch der SZ mit einem Neurologen und einem Philosophen; die beiden haben auch ein Buch darüber geschrieben, das auf derselben Seite besprochen und beworben wird (15.10.26). Die Ratschläge haben nichts mit dem Gehirn zu tun. Neurosophische Verzierungen der Ratlisgkeit.
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Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 06.19 Uhr verfaßt.
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In der SZ erschien vorgestern ein ausgezeichneter Beitrag von James D. Bindenagel über den Geschichtsrevisionismus von Trump, Putin und der AfD.
Man sollte einige Wahrheiten immer wieder aussprechen, solange es noch möglich ist..
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Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 05.58 Uhr verfaßt.
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Es gibt zwei Wege der Bedeutungsbeschreibung: die Paraphrase und die Verhaltensanalyse (metasprachliche Beschreibung der Gebrauchsbedingungen).
Die Paraphrase ersetzt den erklärungsbedürftigen Ausdruck durch andere Ausdrücke, die dem Adressaten mutmaßlich bekannter sind; ein Sonderfall ist der Wechsel in eine andere Sprache, wie im zweisprachigen Wörterbuch. Diese Erklärung expliziert das zu Erklärende in der gleichen Begrifflichkeit, also gewissermaßen „innerhalb“ der Sprache des Adressaten. Man kann daher von einer internen Bedeutungserklärung sprechen.
Die Verhaltensanalyse betrachtet das Sprachverhalten gewissermaßen „von außen“. Sie nennt die Faktoren, die das Vorkommen eines Ausdrucks steuern. Diese Faktoren müssen dem Sprecher selbst nicht zugänglich sein. Sie können „bewußtseinsfremd“ sein. Das Verfahren läßt sich nicht nur auf die menschliche Sprache anwenden, sondern auf jedes Verhalten, daher auch auf die Kommunikation anderer Tiere.
Beide Wege sind wissenschaftlich ausgebaut worden. Als besonders konsequente Beispiele könnte man die „Natural Semantic Metalanguage“ (NSM) von Anna Wierzbicka für den ersten Weg und Skinners „Verbal behavior“ für den zweiten ansehen.
1. NSM
Wierzbickas erster Versuch kam mit folgendem Vokabular aus:
want, don’t want, feel, think of, imagine, say, become, be a part of, something, I, you, world, this.
Wie man sieht, kommen darin mentalistische (folk-psychologische) und deiktische Ausdrücke vor, aber keine logischen Partikeln. Der Bestand (der im Laufe der Jahrzehnte auf einige Dutzend ausgebaut worden ist) zeigt, daß Wierzbicka sich auf die Vorarbeit der Sprachgemeinschaft stützt, eine Geschichte, die ihrerseits außerhalb der Betrachtung bleibt, „bewußtseinsfremd“, „transphänonemal“ - und gerade diese Geschichte ist der Gegenstand der Verhaltenanalyse. Sie erklärt, warum die Sprache funktioniert, deren Funktionieren der Ausgangspunkt der Paraphrasenmethode ist.
2. Skinner
Die Legende will, daß der Behaviorismus die Bedeutung vernachlässigt oder ganz ausgeklammert habe. In Wirklichkeit handelt Skinners „Verbal behavior“ von nichts anderem. Um das zu erkennen, muß man Skinners Hauptthese ernst nehmen:
„Meaning or content is not a current property of a speaker’s behavior. It is a surrogate of the history of reinforcement which has led to the occurrence of that behavior, and that history is physical.“ („An operant analysis of problem solving“. Mehrmals abgedruckt, hier zitiert nach A. Charles Catania/Stevan R. Harnad, Hg.: The selection of behavior. The operant behaviorism of B. F. Skinner: comments and consequences. Cambridge u.a. 1988:238)
Die beiden Wege könnte man mit den möglichen Reaktionen des Rezipienten kennzeichnen: Die interne Bedeutungserklärung macht dem Rezipienten bewußt, was er weiß, ohne zu wissen, daß er es weiß („implizites Wissen“, Intuition). Er reagiert typischerweise mit „ach ja“. Diese Reaktion ist aus der sokratischen „Maieutik“ bekannt. (Auf das Problem des „apriorischen“ Wissens möchte ich hier aber nicht eingehen.) Die externe Erklärung dagegen teilt ihm etwas mit, was er noch nicht gewußt hat. Er könnte es mit „ach so“ quittieren.
Die Unterscheidung ist nicht die gleiche wie die zwischen Wissen und Können (Know-that und Know-how).
Die übliche Wörterbuchpraxis weiß nichts von der genannten Unterscheidung. Sie mischt und reiht Erklärungen beider Art aneinander. Im Duden wird Kochsalz als „Natriumchlorid“ definiert. Das ist eine enzyklopädische Information, mit der ein gewöhnlicher Sprecher nichts anfangen kann. (Vgl. Wierzbickas Kritik an Bloomfield in „Lexicography and Conceptual Analysis“. Ann Arbor 1985:193ff., mit dem gleichen Beispiel.) Farbwörter können nicht durch Angaben der Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung erklärt werden, „Kropf“ nicht durch Ausführungen über Jodmangel und Schilddrüse.
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Thedor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 05.50 Uhr verfaßt.
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Statt zu beten, führen die Leute ein „Dankbarkeitstagebuch“. Man kann entsprechende Kladden kaufen, auch kombiniert mit einem „Achtsamkeitstagebuch“. Beides im Sinne von „Selfcare“. Es gibt aber immer noch Menschen, die mit wirklichen Aufgaben so beschäftigt sind, daß sie für so etwas keine Zeit und auch keinen Sinn haben.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 15.10.2026 um 05.34 Uhr verfaßt.
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Der Fall Starlink zeigt, wer heute nach der Weltmacht greift: die Superreichen. Das läuft auf allen Gebieten: Versorgung, Kommunikation, Meinung; dazu die Käuflichkeit der Politiker. Ist Gegenwehr überhaupt noch möglich?
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Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 14.10.2026 um 18.03 Uhr verfaßt.
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Griffin bespricht das Verhalten des Bibers, mit dem sich auch Dawkins immer wieder beschäftigt. Das Fällen der Bäume scheint vorausschauend zu sein: „Denkt das Tier an die Nahrung, die es durch seine fortgesetzten Bemühungen erhalten wird? (…) [Zum Bau von Damm und Wohnhöhle:] Es würde für das Tier nützlich sein, das Ergebnis seiner ausdauernden Bemühungen zu erkennen.“ „Denken Biber, während sie den Damm bauen, an den künftigen Nutzen dieser Konstruktion?“ „Ist den Bibern, wenn sie mit dem Dammbau beginnen, bewußt, daß sie einen Teich entstehen lassen?“ „Solches Verhalten wäre einfacher, wenn die Biber sich ein Bild von dem zukünftigen See machen könnten.“
Wenn das Gelingen der Nahrungsbeschaffung und des Dammbaus von solchen intellektuellen Fähigkeiten abhinge, wäre es eine sehr unsichere Angelegenheit. Die Biber wären ja wahrscheinlich, ebenso wie wir Menschen, sehr verschieden begabt, sich etwas vorzustellen, Pläne zu machen, Bilder in Handlungen umzusetzen. Das Verhalten der Tiere würde sich dann wohl auch wie unsere Kulturtechniken von einer Generation zur nächsten weiterentwickeln und viele Varianten ausbilden. Das alles widerspricht den Tatsachen. Bei niederen Tieren wie Netzspinnen ist es noch viel unwahrscheinlicher und vor allem überflüssig. Wir wissen allmählich, was das Verhalten der Termiten steuert; ein Plan des gesamten Baus spielt dabei keine Rolle.
Tiere wissen nicht, was sie tun. Aus naturalistischer Sicht wissen wir Menschen zwar, was wir tun, aber wir wissen nicht, was wir tun, wenn wir wissen, was wir tun.
Griffin gibt beiläufig zu, daß man ein Tier leider nicht fragen kann, was es vorhat. Das ist aber keine Nebensächlichkeit. Wo es kein Handlungsspiel (Vorschlag - Zuspruch/Einspruch - Ausführung) gibt, kann man nicht sinnvoll von Absichten sprechen.
Ich sage nicht, daß sprachlose Tiere keine Absichten haben, sondern daß es keinen Sinn hat, ihnen Absichten zuzuschreiben. Der tierliebe Hundehalter kann es natürlich trotzdem tun. Vermenschlichung gehört zum Leben und ist ihrerseits ein Beobachtungsgegenstand.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 14.10.2026 um 12.51 Uhr verfaßt.
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McDonalds nimmt einen bestimmten Schweineburger von der Speisekarte, wie schon längst auch in anderen Ländern. Tichys Neonazis sind gleich mit einer Koransure zur Stelle, um den mutmaßlichen Hintergrund auszumalen. Warum nicht mit dem Alten Testament, wo alles herkommt: Speisetabus, Schächten, Beschneidung...?
Der demonstrative Philosemitismus der Rechtsradikalen kommt übrigens bei den deutschen Juden nicht gut an; sie lassen sich nichts vormachen.
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Erich Virch zu »Buch oder Bildschirm«
Dieser Kommentar wurde am 14.10.2026 um 11.13 Uhr verfaßt.
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Es gibt offenbar menschliche Nöte, von denen die Öffentlichkeit lange keine Kenntnis hatte. https://virchblog.wordpress.com/2017/12/10/bella-vulva/
Die Zeit, die wir für viele mehr oder weniger erfreuliche Einzelverrichtungen aufbringen, hat Michael Niavarani einmal auf die Lebenszeit umgerechnet. https://www.youtube.com/watch?v=EiNf0UrO1s8
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Theodor Ickler zu »Abfall für alle«
Dieser Kommentar wurde am 14.10.2026 um 06.20 Uhr verfaßt.
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„Die Methode der Paraphrasierung basiert auf der Annahme syntaktischer Entsprechungen für Wortbildungsprodukte. Die Bildung zänkisch entspricht so einem Syntagma ‚neigt zum Zanken‘.“ (Michael Schlaefer: Die Adjektive auf -isch in der deutschen Gegenwartssprache. Heidelberg 1977:94, nach Peter von Polenz)
Diese seinerzeit verbreitete Ansicht, an die sich eine entsprechende Erklärungspraxis (mittels „Transformationen“) anschloß, ist offensichtlich falsch. Bei einer Paraphrase werden Ausdrücke mit gleicher Bedeutung gesucht. Eine Verwendung des gleichen lexikalischen Materials wie in der Vorlage ist nicht erforderlich. Zwischen zanken und zänkisch bestehen etymologische Beziehungen, die für eine Bedeutungserklärung irrelevant sind.
Die Wortbildungslehre im Gefolge der generativen Grammatik hat Millionen Seiten mit diesem Unsinn gefüllt.
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