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Beiträge zum Thema

»Sprache und Ausdruck in der Politik«

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Jan-Martin Wagner
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2010 um 11.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#7022


Apropos "lebhafte Protestdemonstrationen": http://www.abendblatt.de/hamburg/article1665966 (bzw., weil dieser Artikel schon nicht mehr frei zugänglich ist, hier)
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Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 18.10.2010 um 22.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#6993


zur Bananenrepublik:
Und unter einer "Bananenrepublik" versteht man landläufig doch wohl etwas anderes als einen Staat, in dem es lebhafte Protestdemonstrationen gibt

Ja, genau. Das finde ich auch. Eben deshalb habe ich das Wort in 22#6983 benutzt. Ich hoffe ja auch, daß es nicht soweit kommt, befürchte nur, wir nähern uns ...
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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 23.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2473


So ist es. Der Kämmerer hat allerdings einen Haufen Arbeit, bis die Finanzierung eines Vorhabens zumindest auf dem Papier gesichert ist. Deshalb nennt er das Ergebnis "Darstellung".
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Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 19.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2471


Aber was genau ist mit Darstellbarkeit der Finanzierung eines Vorhabens im Haushaltsplan gemeint: daß genug Geld dafür vorhanden ist? Dann wäre darstellbar = finanzierbar.
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Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 18.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2469


An diesen Verwendungen von darstellen zeigt sich lediglich, daß viel zu viele Polit-Journalisten (ausbildungsbedingt?) außerstande sind, Sachverhalte einigermaßen korrekt und nachvollziehbar darzustellen. Viele fühlen sich auch legitimiert, solche herzustellen (sog. Presse-Enten). Vielleicht daher rührt die um sich greifende Verwechslung mindestens dreier Verben. Greift eine unbedarfte Journalistenhand ins deutsche Verblexikon, nimmt leider nicht dieselbe, sondern der Text Schaden (das Lexikon kommt irgendwie davon). Allerdings finden sich z.B. in FAZnet – Wissenschaft bei bestimmten Autoren ähnliche "Blüthen" in höchster Dichte. Es kann also nicht allein am kreativen new speech des alltäglichen Polit-Geplappers liegen.
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Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 16.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2466


"Darstellbar" ist ein Terminus aus dem Rechnungswesen und bedeutet dort immer die Darstellbarkeit der Finanzierung eines Vorhabens im Haushaltsplan. Politiker schnappen so etwas dann auf und machen sich mit dem Jargon wichtig. Symptomatisch ist der häufige Pleonasmus, dies oder jenes sei "finanziell nicht darstellbar".
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Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 13.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2464


Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.11.2007 um 12.00 Uhr

In allen angeführten Beispielen mit "darstellen" und "darstellbar" hätte man früher "realisieren" und "realisierbar" geschrieben. Mir scheint, daß die englische Bedeutung von "to realize" = merken, erkennen die deutsche Bedeutung von "realisieren" = verwirklichen schon verdrängt hat und deswegen "realisieren" jetzt durch "darstellen" zu ersetzen versucht wird, was im Bereich der Technik gewöhnungsbedürftig ist, weil man dort sofort an "Darstellende Geometrie" denkt. "Zu verwirklichen" wäre sinnvoller als "darstellbar". In meinem Wörterbuch (1970) heißt aber "realizable" noch "zu verwirklichen".

Ähnlich ist zu beobachten, daß die deutsche Bedeutung von "kontrollieren" = prüfen immer mehr durch die von englisch "to control" = beherrschen verdrängt wird.
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Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2007 um 23.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#2457


Nicht darstellbar

In letzter Zeit höre ich aus Politikermund häufiger, eine Maßnahme oder ein Vorhaben sei „nicht darstellbar“. Was soll das heißen? Anfangs dachte ich, das vermutlich ebenfalls dem Politjargon entsprungene „(der Öffentlichkeit) nicht vermittelbar“ hätte Verstärkung bekommen, und für diese Verwendung finden sich tatsächlich viele Belege. Aber bei den Äußerungen, über die ich gestolpert bin, war eine solche Interpretation in dem jeweils gegebenen Kontext nicht sinnvoll. Inzwischen meine ich, daß „darstellen“ in diesen Fällen eher im Sinne von durchführen, realisieren, umsetzen verwendet wird. Mag sein, daß die Vorstellung der Nichtvermittelbarkeit noch mitschwingt, das Schwergewicht aber scheint sich hier auf den Gedanken der Nichtrealisierbarkeit verlagert zu haben.

Einige Beispiele:

„Sicherheit in Europa ist ohne die USA nicht darstellbar“ [nicht denkbar, unmöglich?] (CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)

„Frankfurt 21 war finanziell nicht darstellbar“ [weder vermittelbar noch realisierbar?] (FAZ.NET)

„Für manchen Studierende [sic!] und manche Studieninteressierte ist ein Studium als Full-time-Job innerhalb der Regelstudienzeit auch finanziell nicht darstellbar [nicht zu schaffen, nicht möglich?].“ (Netzwerk Wege ins Studium)

„Auf den ursprünglich zu reaktivierenden Haltepunkt Dornap-Hahnenfurth wird verzichtet, weil dessen Umbau und Erschließung zu einem S-Bahn-Haltepunkt nach heutigem Standard […] nur mit erheblichem zusätzlichem Kostenaufwand zu betreiben und somit wirtschaftlich nicht darstellbar [vertretbar?] wäre (rd. 2 Mio € Baukosten gegenüber rd. 500.000 € Baukosten für den neuen Haltepunkt Hahnenfurth-Düssel). […] Der jetzt geplante neue Standort Hahnenfurth-Düssel ist wesentlich effektiver und kostengünstiger zu erschließen […] Somit begründen vor allem der effizientere Mitteleinsatz, die für Kundinnen und Kunden attraktivere Lage und Ausgestaltung sowie betriebliche Zwänge - zwei Haltepunkte mit einem Abstand von ca. 1 km sind betrieblich nicht darstellbar [?] - den neuen Haltepunkt Hahnenfurth-Düssel.“ (Stadt Wuppertal)

Besonders merkwürdig und womöglich das Ergebnis eines mißglückten Nachahmungsversuchs:

„Ursache dafür ist m.E., dass der Diesel ungedrosselt arbeitet und im Teillastbetrieb ohne Probleme stark abgemagert werden kann. Diese Eigenschaft ist bei Ottomotoren schlecht bzw. nicht darstellbar. Schichtladungsbetrieb (VW FSI) etc. haben in der Praxis nicht überzeugend funktioniert.“ (Forum www.hpn.de)

Als ich gestern nun im Fernsehen Peter Struck sagen hörte, man werde sich von den Experten ausrechnen lassen, ob die längere Zahlung des ALG II „aus dem Haushalt der Bundesagentur darstellbar“ sei, entschloß ich mich endgültig, die Frage der Runde hier einmal vorzulegen.

Gerade lese ich, daß „darstellen“ in der Sprache der Chemiker für gewinnen, herstellen steht (einen Stoff darstellen). Sollte es da einen Zusammenhang geben? Darstellbar – herstellbar – machbar? Für wahrscheinlicher halte ich, daß sich in den Köpfen der Sprecher die Grenze zwischen Vermittelbarkeit und Realisierbarkeit verwischt hat. Manchen, zumal Politikern, gilt ein Vorhaben eben als undurchführbar, wenn zu befürchten steht, daß es anderen, namentlich den Wählern, nicht schmackhaft gemacht werden kann.
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Peter Henkelmann
Rockenhausen

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2007 um 23.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#1265


... wenn die Anpassung >fachkundig begleitet< wird, ganz bestimmt.
;-)
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Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2005 um 09.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=47#287


"Der Personalbestand muß um ca. 15.000 Leute nach unten angepaßt werden." Dies sagte gestern abend im ZDF ("heute") der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer über VW. Es fällt auf, daß immer öfter negative Absichten mit Begriffen angekündigt werden, die etwas Positives assoziieren. Ein Anpassung kann schließlich nichts Schlechtes sein, oder? Auch eine "Korrektur" nicht, die zur Zeit unserer Schriftsprache widerfährt, schon gar nicht, wenn sie "behutsam" vorgenommen wird. Die Begriffe "Anpassung" und "Korrektur" schließen gleichzeitig eine gewisse Notwendigkeit mit ein. Ob die 15.000 Leute sich wohl über die "Anpassung" (an wen oder was eigentlich?) freuen werden, wenn sie sich auf der Straße wiederfinden?
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