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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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31.12.2009
 

Tagonisten
Dumme Dudentrennungen

Das Duden Universalwörterbuch trennt ebenso wie Langenscheidts Deutsch als Fremdsprache nur An-tagonist, Pro-tagonist (verweist aber jeweils auf Agonist!), laut Rechtschreib-Duden ist immerhin auch Ant-agonist, Prot-agonist noch zulässig.
Wozu wird die Etymologie überhaupt noch angeführt, wenn man mit ohnehin ungebildeten und auch nicht wissensdurstigen Benutzern rechnet? In Texten stößt man oft auf Hauptprotagonist, eine der üblichen Verdoppelungen aufgrund verdunkelter Zusammensetzung. Aber warum sollte man auch auf griechische Fachausdrücke zurückgreifen, um etwas so Einfaches wie "Wichtigkeit" auszudrücken? Unnötige Fremdwörterei, deren Bloßstellung als eitles Spreizen dann in der blöden Dudentrennung zutage tritt.
In der Tageszeitung lese ich wieder mal subsummieren. Das hätten die Reformer zulassen sollen, weil es eine nicht mehr ungeschehen zu machende Volksetymologie ist. Aber an diesen täglichen Schwierigkeiten sind sie vorbeigegangen.



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Kommentare zu »Tagonisten«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2012 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#21030

Heute trennt die Süddeutsche Zeitung Prot-agonisten, ich konnte es beinahe nicht fassen. Gut dem Dinge!

Außerdem hat die SZ ab heute ein neues Layout, das als "behutsame" Änderung angekündigt war, was mir natürlich Angst und Schrecken einjagte, weil dieses Wort als Fahnenwort der Rechtschreibreform herhalten mußte und seitdem für mich tabu ist. Aber es geht schon.

Was mich jeden Tag aufs neue wundert, ist die Wetterkarte. Die Welt besteht laut SZ aus Europa, Nordamerika und China plus Anrainer. Nicht existent sind Indien, Südamerika, Australien und natürlich Afrika. Ist Chengdu wichtiger als Sao Paulo, Manila wichtiger als Bombay?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.04.2012 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#20389

Bei sublim galt früher die Trennung sub- lim gemäß der lateinischen Zusammensetzung. Eine gewisse Schwierigkeit im Vergleich zu Trennungen wie Ta- blett, weil die meisten Deutschen zwar sub sehen, aber mit lim nichts anfangen können, also das Wort nicht in zwei ihnen bekannte Teile zerlegen können. Die Beliebigkeit der reformierten Trennregeln ergibt nun die Möglichkeit, sowohl sub- lim als auch su- blim zu trennen. Damit ist im Sinne der Reformer eine Fehlermöglichkeit beseitigt worden.

Weil die Silbentrennung ganz überwiegend eine Sache des Textprogramms geworden ist, wäre es dennoch angebracht, bei der sprachlich sinnvollen Trennung zu bleiben. So hält es (bei mir) Word und trennt nur sub- lim.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 25.05.2011 um 00.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#18741

Na, dann sprecht's mal schön nach vorgeschriebener Trennung im Superlativ: "Silbentrennung: [/] ma·ghre·bi·nisch, ma·ghre·bi·ni·scher, am ma·ghre·bi·nischs·ten (alte Rechtschreibung: -nisch·sten)". (Eben gegoogelt.)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 24.05.2011 um 22.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#18740

Ich stoße ständig auf "Kons-truktion", "kons-tant" usw. Welche Tante heißt wohl mit Vornamen "Kons"? Das geht heute nach dem bewährten Merksatz "Trenne stets Eß-Teh, denn die Schonzeit ist vorbei".

Ich denke, die "modernen" Trennungen sind ein weiteres Merkmal zum Unterscheiden von dummen und gebildeten Schreibern.

PS: ... und Schreiberinnen!!!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2011 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#18730

In der heutigen FASZ lese ich wieder einmal die Trennung "An-tagonisten" (S. 27).

Die FA(S)Z macht ja eigentlich Trennungen wie vo-rüber oder vorü-ber nicht mit. Dagegen finde ich das im Mannheimer Morgen fast täglich, nur an vor-über, was ja laut letztem Duden tatsächlich auch wieder erlaubt ist, kann ich mich im MM nicht erinnern.

Wie ist eigentlich dazu der letzte Stand, ich dachte, die Abtrennung eines einzelnen Buchstaben sei zurückgenommen worden? Trotzdem darf man vorü-ber trennen, weil ja der normale Deutsche die Bestandteile vor und über nicht mehr erkennen kann? Vielleicht gilt das Trennverbot nicht für Zusammensetzungen. Aber warum erlaubt der Duden dann nicht mehr Feiera-bend?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.03.2010 um 02.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15777

Einem spontanen Verdacht folgend, probiere ich aus, ob Word bei dem Wort Hebamme die richtige Trennung erzeugt. Word versagt und trennt He- bamme.

Komisch, da erfinden die Reformer die Trennung ei- nander, weil ein- ander vielleicht zu schwierig sein könnte, aber die Zusammensetzung Heb- amme zu durchschauen trauen sie jedem zu. Dabei kommt nicht einmal Word damit zurecht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.01.2010 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15479

Lieber Herr Roth,

es wird Sie nicht überraschen, daß ich es nicht für "abwegig" halte, die Schreibung postum als etwas schulmeisterlich zu empfinden. Anscheinend hat man jahrhundertelang posthumus geschrieben (Heinrich II. Posthumus, Ladislaus V. Posthumus). Die Schreibung postum(us) scheint erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine gewisse Verbreitung gefunden zu haben.

Mein Brockhaus von 1894 führt ohne Wertung beide Schreibungen, posthumus und postumus, auf, jeweils mit dem Verweis auf den Eintrag Nachgeborene. Dort heißt es: "Gewöhnlich bedient man sich in solchem Falle des lat. Wortes Posthumus (weiblich Posthuma)."

Selbst im 20. Jahrhundert scheint die Schreibung postum erst in den letzten Jahrzehnten eine deutlich größere Verbreitung gefunden zu haben. Im DWDS überwiegt für das gesamte 20. Jahrhundert eindeutig die Schreibung posthum, worauf Sie ja selbst hingewiesen haben. Suche ich dort für den Zeitraum 1980–2000, erhalte ich dagegen für posthum nur 20 anzeigbare Treffer, für postum aber 54.

Weder die Engländer noch die Franzosen haben Anlaß gesehen, von ihren altherkömmlichen Schreibungen posthumous/posthume unter Berufung auf das klassische Latein abzuweichen.

Ich halte es auch für geradezu extrem "oberlehrerhaft, von dem Tour de France zu sprechen".

Übrigens:
In einem sehr oberflächlichen Beitrag im "Zwiebelfisch-Abc" behauptet Bastian Sick: "[Postum] wird auch ganz normal auf der ersten Silbe betont: Postum – wie Punktum."
Erstaunlicherweise scheint er nicht in seiner geliebten Autorität, dem Duden, nachgeschlagen zu haben. Dort wird nämlich nur die Betonung auf der zweiten Silbe angegeben. Im Duden 2001 ist posthum der Haupteintrag, unter postum wird nur darauf verwiesen. 1961 war es umgekehrt.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 03.01.2010 um 19.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15478

post(h)um

Vgl. hier:

Volksetymologie bei (mehr oder weniger) Gebildeten – kleine Blütenlese:
[...]
posthum verdankt sein h der Verknüpfung mit humus.
[...]

Diese Vorlage von Herrn Ickler war mein Aufhänger, lieber Herr Höher.
Sie sollten meinen Beitrag keineswegs als Spitze betrachten.
Natürlich weiß ich, daß die Schreibung mit „h“ nicht erst seit den Reformern „zugelassen“ ist. Mein Beitrag impliziert das auch nicht.

posth´um, fälschlich für -> postum
post´um [lat. postumus, der letzte], fälschlich posth´um, nachgeboren, nach dem Tode des Vaters geboren; nach dem Tode des Verfassers veröffentlicht.
DER NEUE BROCKHAUS Wsbdn 1975

posthum : kein Eintrag; Kerncorpus: 158 Treffer
postum: [folgt Erklärung] Kerncorpus: 84 Treffer
DWDS

posthum s. postum
postum Adj. per. fremd. ´nach dem Tode (veröffentlicht)´ (> 18. Jh.), auch mit Sekundärmotivation posthum (mit Anschluß an l. humus ´Erde`). Entlehnt aus l. postumus...
KLUGE: ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
23. Aufl. 1999.

Und hier noch eine Auskunft der DUDEN Sprachberatung von 2002 (mit Zitat aus DUDEN Band 9 „Richtiges und gutes Deutsch“)
postum/posthum: Der Ausdruck für „nach jemandes Tod erfolgend; nachgelassen“ wurde im 18. Jh. aus... Die Nebenform posthumus ist volksetymologisch...
(Jürgen Folz)
© Dudenverlag 2001

Englisch: ´posthumous´ wird in Webster´s New World German Dictionary (1992, D/E und E/D) mit post(h)um übersetzt.


Es scheint wohl etwas abwegig zu sein, die Schreibung postum als sozusagen schulmeisterlich-elitär hinzustellen. Eine Verwechslung des recht seltenen Wortes ist im Sinnzusammenhang unmöglich („... wurde postum das Bundesverdienstkreuz verliehen“). Dann wäre erst recht oberlehrerhaft, von dem Tour de France zu sprechen.

Nun mag jeder für sich entscheiden, wo er bei der Blütenlese (Ickler) seinen Platz findet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.01.2010 um 19.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15477

Ähnlich der Pä-dagoge, nach dem ersten Reformduden nur so, erst später wurde auch wieder die Trennung Päd-agoge aufgeführt.

Mit griechischen und lateinischen Wörtern bin ich auch nicht so sattelfest, aber ich finde, wenn man die Zusammensetzung nicht kennt, dann ist sowieso oft auch die Bedeutung fraglich, und dann sollte man das Wort eben nicht benutzen, oder man schlägt nach.

Heute las ich in der FA Sonntagszeitung (S. 28) wieder mal mit Befriedigung die Trennung dar-aufhin. Die FAZ hat eben ihre Hausorthographie.
Bei Fremdwörtern, vielleicht auch noch bei Zusammensetzungen mit dar- und wor-, muß man ja die neuen Trennmöglichkeiten nicht mögen, aber man kann zumindest noch ansatzweise das Argument der Reformer verstehen.

Aber daß nun ständig in den Medien (ausnahmsweise nicht in der FAZ) hi-nab, he-rein, Vo-raussetzung, ei-nander usw. zu lesen ist, obwohl der ganze Quark längst nicht mehr verpflichtend ist, das verstehe, wer kann – ich nicht. Gibt es wirklich jemanden, der die Wörter hin und ab, vor und aus usw. nicht mehr kennt?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.01.2010 um 03.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15472

Im Englischen heißte es posthumous, im Französischen posthume. Anscheinend war in Deutschland schon seit dem Mittelalter posthum(us) die übliche Schreibung, die laut Wikipedia mindestens bis auf Isidor von Sevilla (~560 - 636) zurückgeht.

Der Schreibung postum haftet etwas von deutscher Gelehrsamkeit, ja humanistischer Schulmeisterei an. Ich stolpere immer etwas darüber, weil ich das Wort unwillkürlich als postum lese.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.01.2010 um 01.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15470

Zum Glück besitze ich die 8. Auflage des Rechtschreibdudens von 1910, in der es unter »posthum« (ein Stichwort »postum« gibt es nicht) heißt: »so schreibt man allgemein, obwohl postum, lat. postumus, die bessere Form ist«. Der »Urduden« von 1880 kennt überhaupt nur »posthum«. Im Ickler sind beide Schreibungen gleichberechtigt aufgeführt.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 02.01.2010 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15469

Lieber Herr Roth,

da ich einer von den beiden Personen bin, die in diesem Forum "postum" mit "h" geschrieben haben, darf ich vielleicht darauf hinweisen, daß die tatsächlich inzwischen sehr verbreitete (zugegeben etymologisch falsche) Schreibung nicht erst von den Reformern zugelassen wurde.

Mein einziges Exemplar des bananengelben Dudens ist die 18., neu bearbeitete und erweiterte Auflage von 1980, in der die Schreibung bereits mit "h" zu finden ist. Ich kann nun zum Glück nicht mit einer kompletten Duden-Sammlung aufwarten. Die nächste Auflage davor, die ich besitze, ist die 9., neubearbeitete (man achte auf die Schreibung!) Auflage von 1919 (übrigens die Verschmelzung der 8. Auflage des orthographischen Wörterbuches von 1910 mit dem sogenannten Buchdrucker-Duden). Auch hier findet sich bereits der Eintrag "posthum" (S. 371). In beiden Auflagen (1919 und 1980) freilich mit dem Verweis auf "postum".

Aber immerhin war die Schreibweise mit "h" schon länger zugelassen. Und 1910 bzw. 1919 wird auch noch keiner der Reformer von 1996 geboren gewesen sein.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 02.01.2010 um 23.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1264#15468

"Das hätten die Reformer zulassen sollen, weil es eine nicht mehr ungeschehen zu machende Volksetymologie ist."

... so, wie sie das "h" in posthum zugelassen haben. Man trifft es sogar mehrfach in diesem Forum an.
 
 

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