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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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05.01.2011
 

Alles englisch
Noch einmal zur Zukunft des Deutschen

Der Zukunftsrat, den Ministerpräsident Seehofer berufen hat, kritisiert, daß in Bayern nur 3,5 % der Studiengänge auf englisch angeboten werden, der Bundesdurchschnitt betrage 5 %.

Dem Rat gehören "22 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Kirchen" an. (SZ 5.1.11)

Mir stellen sich zwei Fragen:

1. Was könnte man gegen den Vorteil einwenden, das gesamte Hochschulwesen auf die Weltsprache Englisch umzustellen? Nicht daß ich es angenehm fände, aber mir fehlen leider gute Argumente.

2. Wie kommen solche Räte zustande? (Was haben Gewerkschaften und Kirchen darin zu suchen?) Es ist anzunehmen, daß die Politiker wie seinerzeit bei der Rechtschreibreform irgendwann, wenn es ihnen opportun scheint oder die Bertelsmann-Stiftung dazu rät, den Vorschlag aufgreifen und blitzartig Ernst machen. Gegen die vollendeten Tatsachen wird keiner mehr etwas ausrichten. ("Die Professoren lehren und die Studenten studieren schon auf Englisch", wird es dann heißen [die Großschreibung ist Absicht].)



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Kommentare zu »Alles englisch«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2018 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#40009

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39107

Lobende Worte fand US-Außenminister Pompeo in dieser Woche für die deutsche Wirtschaft. Die Bundesregierung wolle zwar am Atomabkommen mit dem Iran festhalten. „Aber fast jedes deutsche Unternehmen – Leute, bei denen richtig Geld auf dem Spiel steht – haben die entgegengesetzte Entscheidung getroffen“, sagte er in einem Interview mit Fox News. „Sie sind geflohen“, sagte Pompeo. „Sie haben das Land verlassen.“ Die deutschen Unternehmen hätten damit auf die amerikanischen Iran-Sanktionen reagiert. (Handelsblatt 3.11.18)

Unterdessen zeigte sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begeistert von der Wiedereinführung der US-Sanktionen gegen den Iran. Es sei eine historische Entscheidung gegen ein „mörderisches Terrorregime, das die ganze Welt bedroht“, urteilte Netanjahu in einer Stellungnahme seines Büros vom Samstag.

Oderint dum metuant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2018 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39834

Trump soll Junckers Englisch nachgeäfft haben. Er selbst spricht keine Fremdsprache, seine Frau Melania vier (neben ihrem Slowenisch).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2018 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39817

Umfragen prognostizieren ihr zwischen 33 und 35 Prozent bei der Landtagswahl am Sonntag. Im Extremfall wären das fast 15 Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Ein episches Desaster. (welt.de 13.10.18)

Diese Verwendung von episch (nach englischem Vorbild) steht noch nicht im Duden.

Zur Herkunft:

Der Durchbruch kam mit „epic fail“
Nun stelle man sich vor, einer unserer Olympioniken hätte den Gewinn der Goldmedaille mit dem Ausruf „Episch!“ gefeiert. Wäre das nicht einem hieros gamos gleichgekommen, einer heiligen Hochzeit von klassisch und „Klasse!“? Ein solcher Sieger hätte noch nicht einmal „absolut episch“ oder „megaepisch“ sagen müssen, denn „episch“ ist noch ziemlich unverbraucht, hat allerdings im Wettbewerb um das angesagteste Jugendwort letztes Jahr schon den zweiten Preis gewonnen, dies jedoch in der Kombination „epic fail“, was so viel wie totaler Fehlschlag bedeutet.
(FAZ 17.10.12)

Wikipedia: 2011 erreichte der Begriff „Epic Fail“ den zweiten Platz bei der Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ des Langenscheidt-Verlags. (Mit Lit.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.09.2018 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39546

In Touristengegenden wie z. B. rund um die Warschauer Brücke dürfte das zutreffen. Übernachtungen in Berlin haben sich in zwanzig Jahren vervierfacht, wobei sich zugleich der Ausländeranteil verdoppelt hat. Was Unternehmen angeht, so wird es solche Sprachinseln auch (vor allem) in Frankfurt geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2018 um 03.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39541

Zumindest in Berlin ist auffällig, dass in manchen Cafés, Geschäften und Unternehmen ausschließlich Englisch gesprochen wird.
(https://www.n-tv.de/leben/Das-Deutsche-koennte-bald-verschwinden-article20597343.html)

Ist das denn wahr? Wer hat dies als "auffällig" wahrgenommen? Ich komme nur noch selten nach Berlin und wäre für einen Hinweis dankbar.

Zum Erhalt des Deutschen (s. Link) trägt meines Erachtens weniger die "Sprachpflege" bei als der Verbraucherschutz, wenn er vorschreibt, daß gewisse Texte stets (auch) auf deutsch vorliegen müssen. Das setzt nicht nur Übersetzer in Arbeit und Brot, sondern zwingt auch dazu, terminologisch auf der Höhe der Zeit zu bleiben, die deutsche Sprache also Tag für Tag zu ertüchtigen. In der allgemeinen Diskussion geht das meistens unter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.09.2018 um 00.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39498

Maaßen soll seine Behauptungen beweisen. (Nahles)
Das ist lustig, denn er behauptet ja gar nichts, höchstens, daß nichts war. Unter Beweisdruck steht also nicht er, sondern die andern.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.09.2018 um 22.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39497

FAZ.net meldet:

"Maaßen hat seine Thesen nicht mit Regierung geteilt."

Ob wohl Verfassungsschutz und Bundesregierung inzwischen über Facebook miteinander verkehren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2018 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39439

"Söders Asset ist sein messerscharfer Verstand und sein lexikalisches Wissen über Bayern", meint WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt.

Nicht nur "Asset" befremdet, sondern auch "lexikalisch", wo anscheinend "enzyklopädisch" gemeint ist. In der Sache liegt P. auch falsch, aber das ist eine andere Geschichte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2018 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39176

Als ich hörte, wie Professor Snape formidable auf der zweiten Silbe betonte, war ich überrascht. Meine alten Langenscheidt-Wörterbücher wissen nichts davon, aber es scheint inzwischen hüben wie drüben die vorrangige Aussprache zu sein. Anscheinend streiten die Gelehhrten noch, ob es sich von hüben nach drüben oder umgekehrt ausgebreitet hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2018 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39107

Die Medien sind sich nicht einig, ob Trump die EU als "Feind" oder als "Gegner" bezeichnet hat. Im CBS-Interview sagte er "foe", während er die Medien, darunter CBS, als "enemies" bezeichnet hatte. Ob das einen Unterschied bedeutet?

Aus diversen Vertragstexten, in die ich Einblick habe, geht hervor, daß auch Unterwerfung unter das Recht, die Unternehmenskultur und die Sanktionspolitik der USA bedeutet. Die deutsche Außenhandelsverordnung verbietet eigentlich den Anschluß an Sanktionen dritter Staaten, aber wer könnte es deutschen Unternehmen untersagen, sich „freiwillig“ zu unterwerfen? Das Hemd ist ihnen näher als der Rock. Diese Art von Erpressung funktioniert daher. Übrigens ist fast immer Englisch als einzig verbindliche Vertragssprache vorgeschrieben.

Wie schon antike Beispiele lehren, werden aus Beiträgen zu einem Bündnis leicht Tributzahlungen an den Stärksten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.07.2018 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39079

Gibt man gestrickte Festplatte ohne Anführungszeichen ein, erhält man alle möglichen Texte, in denen zufällig beide Wörter irgendwo vorkommen, nur kein einziges Mal sind sie aufeinander bezogen.

Tut man das gleiche mit gestrippte Festplatte, erhält man hingegen meistens Beispiele, bei denen die beiden Wörter in Zusammenhang miteinander stehen (heute sogar "About 3.670 results").
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 13.07.2018 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39072

gestrickte Festplatte
About 56300 results (0.24 seconds)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.07.2018 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39070

Na ja, nur fast mehr. Google zu
gestrippte Festplatte: About 1120 results
gestripte Festplatte: About 1610 results
gestripete Festplatte: About 100 results
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.07.2018 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39069

Stimmt, ich bin auch drauf reingefallen.
Aber tatsächlich zeigt Google mehr gestrippt als gestript. Es gibt aber auch ein paar Platten, die gestripet sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2018 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39068

Am besten streifenfrei ...
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.07.2018 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39067

Gestrippt wurde in vielen deutschen Bars schon immer.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.07.2018 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39066

Im Englischen wird ja auch stripped geschrieben, also warum eigentlich nicht gestrippt?

Der Ausdruck ist schon seltsam, einerseits werden Daten über mehrere Festplatten "gestript", dann heißt es wieder, die Festplatten seien "gestript". Was denn nun, Daten oder Platte?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2018 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39065

Gestripte Festplatten – wie soll man das schreiben? Übersetzen geht auch nicht, das würde keiner verstehen. Es gibt ja noch mehr solche Fälle.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 23.05.2018 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38822

Gestern bin ich zum erstenmal auf das Wort „Schmierenkampagne“, offenkundig wortwörtliche Übersetzung von „smear campaign“, gestoßen (in der FAZ). Zu dieser Fehlübersetzung mag die Existenz des Wortes „Schmierenkomödie“ beigetragen haben.

Google findet dafür erstaunlicherweise schon etwa 15.600 Fundstellen. Im Duden steht das Wort noch nicht. Das ist aber wohl nur eine Frage der Zeit.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.05.2018 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38751

In der Tat handelt es sich nicht um einen Vertrag, sondern um ein Geschäft (Barzahlung!); andernfalls hätte der Kongreß zustimmen müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2018 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38749

Die IAEA kontrolliert seit dem Atom-Abkommen mit dem Iran 2015 in besonders strikter Form die Einhaltung aller Vorschriften. Sie sollen verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut. Die USA hatten den Deal jüngst aufgekündigt. Die anderen Partner des Abkommens wollen an dem Deal festhalten. (faz.net 12.5.18)

Durch Verwendung des leicht abschätzigen Wortes deal übernimmt die Zeitung den Standpunkt Trumps. Pacta sunt servanda, deals nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2018 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38630

Die Engländer diskutieren darüber, ob der jüngste Sproß des Königshauses Louis mit oder ohne s am Ende gesprochen wird. Offiziell ohne, aber ob das durchzuhalten ist? Ich lese nichts über die Betonung – müßte die nicht auch französisch sein?
Früher hätten die Deutschen nichts dabei gefunden, ihn einfach Ludwig zu nennen, aber diese "Kraft" (Goethe) haben wir eingebüßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2018 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38394

Seehofer hat gesagt, was er gesagt hat. (Feridun Zaimoglu FAZ 3.4.18)

Wat mutt, dat mutt.
Wat kütt, dat kütt. Et kütt wie et kütt.
Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
ho gegrapha gegrapha – quod scripsi scripsi



Der Sinn solcher Tautologien ist nicht schwer zu erkennen. Aber wenn man Grice-Maximen heranzieht und das Ganze formalisiert, kann man ein pragmalinguistisches Feuerwerk abbrennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2018 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38384

Früher konnte man dem Schlager "Que sera, sera" kaum entkommen, auch wenn man das Genre sonst mied. Er stammt aus einem Film von Hitchkock. Sprachwissenschaftlich interessant dazu der englische Wikipedia-Eintrag:

https://en.wikipedia.org/wiki/Que_Sera,_Sera_(Whatever_Will_Be,_Will_Be

Er beruht weitgehend auf dem dort angegebenen Aufsatz von Lee Hartman. S. a. Russell Rhodes: Tautological constructions in English...and beyond (http://linguistics.berkeley.edu/~russellrhodes/pdfs/syntax_circle_taut_qp.pdf) (mit weiterer Literatur)

Die Literatur behandelt allerdings weitgehend nominale Tautologien wie Boys will be boys.

In Indien habe ich gehört: "Das ist ein richtiger Yadbhavishya!" Das zugrunde liegende Sanskrit-Sprichwort war mir schon bekannt: Yad bhavishyati, tad bhavishyati, also wörtlich: Was sein wird, das wird sein. Wer das immer im Munde führt, ist ein Yadbhavishya, ein Fatalist. Entsprechende Ausdrücke dürfte es in allen Kulturen geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2018 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38323

Das Motto der Demonstrationen in den USA wird teils als Marsch für unser Leben wiedergegeben, teils als Marsch für unsere Leben, was im Deutschen etwas seltsam klingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2018 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#38209

Katharina Baisch, Ines Kappert: Gender revisited (deutsche Veröffentlichung)

Marian Funder, Hg.: Gender Cage – Revisited: Handbuch zur Organisations- und Geschlechterforschung (deutsche Veröffentlichung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2018 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37645

Trumps Quidproquo-Plan (tagesschau.de 26.1.18)

Das scheint aus einer englischen Vorlage übernommen zu sein; in der deutschen Allgemeinsprache ist es viel seltener, hier übrigens auch nur eine synonymische Variation von Deal, das im Zusammenhang mit Trump vielleicht zu abgenutzt erscheint.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2018 um 19.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37458

Das ist spelling pronunciation, also im ersten Fall hyperkorrekte Aussprache des isoliert abgelesenen Wortes.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.01.2018 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37457

Ein und derselbe Sprecher auf www.leo.org spricht das einzelne Substantiv, Adjektiv oder Adverb vegetable anders aus als die Phrase like a vegetable.
Bei den ersteren ist ein schwacher Vokal für die zweite Silbe vernehmbar, bei der Phrase nicht.
Der Unterschied ist sehr deutlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37454

"Uferlos", na ja, "interessant" würde ich sagen. Aber ich bin kein Anglist und will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Jedenfalls ist die Standardaussprache nicht ohne Willkür zu haben. Und dabei denke ich noch gar nicht an die "World Englishes", sondern an Gebiete, die man traditionell dem muttersprachlich englischen Bereich zuordnet.

Näher liegt uns das Deutsche. Vor Jahren hörte ich aus irgendeinem amtlichen Munde, daß die Nachrichtensprecher des Bayerischen Rundfunks zumindest eine bayerische Färbung haben sollten, aber aber das scheint schon lange nicht mehr zu gelten. Meinen Kulturschock nach der Verpflanzung ins Mittelfränkische kann sich jeder ausmalen. Ich habe es aufgegeben, wenigstens das "r" zu lernen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.01.2018 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37453

In vegetal gibt es keine Nebenbetonung. Trotzdem wird die zweite Silbe ausgesprochen - von CEPD und COED übereinstimmend als kurzes dunkles i transkribiert (ɪ).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2018 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37451

Wenn man regionale Varietäten mit ins Spiel bringt, wird eine Diskussion über die Aussprache des Englischen uferlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37445

Weil es schon einige Jahre zurückliegt, möchte ich an unsere einschlägige Diskussion hier erinnern, wo es auch weitere Beispiele gab:
http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=257#8988

Herr Ludwig hat auch auf die vielen regionalen Besonderheiten hingewiesen. Im Internet gibt es Aussprache-Datenbanken, auch aus verschiedenen Regionen der USA. Darunter welche, die die zweite Silbe von vegetable nicht unterdrücken.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.01.2018 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37442

Das ta in vegetate trägt den Nebenakzent, weshalb hier auch kein Schwa gesprochen wird.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.01.2018 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37441

Eine derartige Regel ist mir unbekannt. Sie ist offenbar auch Daniel Jones entgangen, denn schon 1945 lag der Hauptakzent bei vegetable auf der ersten Silbe. Das gilt auch für vegetate, wo die zweite Silbe ausgesprochen wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.01.2018 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37438

Wie der Vergleich mit vegetarian oder vegetation zeigt, wäre das ge die zweite Silbe von vegetable, wenn der Hauptakzent auf ta läge. Da dies nicht (mehr?) der Fall ist, steht das ge bloß für dʒ, so wie in George.

In comfortable fällt tatsächlich etwas aus, und umgangssprachlich läßt man noch mehr weg: comfy.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2018 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37437

Sollte man vielleicht zwischen Lento- und Allegroformen unterscheiden? Man kann zum Beispiel in der Infinitivendung von laufen ein Schwa hören oder auch nicht. Ähnlich bei Abwechselung/Abwechslung, Wandel usw.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.01.2018 um 15.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37436

Ich vermute, daß die englischen Wörterbuchautoren sich ein wenig umgehört haben.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.12.2017 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37429

Südostenglisches vegetable:
https://www.youtube.com/watch?v=0mDvsTlaTJc
Amerikanisches vegetable:
https://www.youtube.com/watch?v=zjJBh4a5BeQ
Wer findet ein Beispiel für veggietable?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.12.2017 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37428

Das sieht der Concise Oxford English Dictionary (COED, 2011) allerdings gerade anders herum. Danach ist in vegetable (v.) die zweite Silbe entweder stumm oder sie wird als kurzes dunkles i gesprochen, während sie in comfortable (c.) nur stumm ist. Die Auflage des COED von 1964 enthält in beiden Fällen keinerlei Hinweis auf eine stumme Aussprache.

Ebensowenig wie im Deutschen gibt es im Englischen eine „amtliche“ Aussprache. Fragen der Aussprache spielen dort allerdings, wohl auch wegen der chaotischen Rechtschreibung, eine größere Rolle als im Deutschen. Die Angaben der Wörterbücher weichen häufig voneinander ab.

Das Standardwerk zur Aussprache des Englischen, der „Daniel Jones“ bezeichnet in der Auflage von 1945 ausdrücklich beide Aussprachen als etwa gleich häufig (in der zugrundegelegten Bevölkerungsgruppe). Das Nachfolgewerk Cambridge English Pronouncing Dictionary (2014) nennt ebenfalls beide Aussprachen, bei v. sowohl als dunkles i als auch als Schwa, bei c. nur als Schwa.

Die kostenlosen und vermutlich abgespeckten on-line-Fassungen der Wörterbücher Cambridge, Oxford Learner’s und Collins geben bei v. nur die stumme Aussprache an, Collins ebenfalls bei c., die beiden anderen auch die mit Schwa.

Ein vielfältiges Bild also. Allerdings geben bis auf die älteren, Daniel Jones 1945 und COED 1964, alle Wörterbücher jeweils die stumme Aussprache an erster Stelle an. Als Ausländer ist man daher (in England) wohl auf der sicheren Seite, wenn man sich daran hält.

Bemerkenswerterweise gibt es in den USA auch eine Aussprache von c. als in etwa [kemfterbel] (wobei das e für das Schwa steht). Das ist ja an sich eine Verballhornung, da der r-Laut in die falsche Silbe gerutscht ist. Diese Aussprache steht aber im Merriam-Webster an erster Stelle. Zu meinem eigenen Erstaunen, mußte ich feststellen, daß ich es selbst so ähnlich ausspreche.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.12.2017 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37427

Engländer sagen die ganze Zeit Heh?, wenn sie ethnologische Studien in Iowa treiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2017 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37422

Horst Ludwig schreibt:

Zu "kann man" "keinesfalls aber": Wenn`s aber wer doch tut, und keiner deshalb "Heh?" fragt, was dann? - Wir dürfen nicht vergessen, dass  Sprache ist, was Leute sprechen. Auch die phonetische Umschrift bezeichnet ja nicht genau das, was da alles ist (kann sie ja gar nicht), sondern nur, was man anwenden kann, ohne Gefahr zu laufen, mißverstanden zu werden. Hinter dieser meiner Argumentation steht natürlich der Unterschied zwischen deskriptiv und präskriptiv. Aber auch die Queen spricht ja nur „ihr“ Queen`s English und nicht ganz genau das, das da manchen so klar als dieses im Buche steht.  Heutzutage sind wir da weniger penibel, wie z. B. dies Gespräch auf einer amerikanischen Linguistenkonferenz zeigt: "Your accent is interesting. Where are you from?" - "I`m from Iowa." - "That`s  interesting. We in the East pronounce it Ohio."
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.12.2017 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37418

In vegetable fällt der Vokal ganz aus, in comfortable kann man ein kurzes Schwa sprechen, keinesfalls aber ein i.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2017 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#37417

Eine „Women’s safety area“ wg. Silvester scheint es nur in Berlin zu geben, auch die englischsprachige Presse bezieht sich ausschließlich auf die deutsche Erfindung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2017 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36883

In meinen Wörterbüchern (Langenscheidt) wird der jeweils zweite Vokal in comfortable, vegetable durch Schwa bzw. i transkribiert. In einem Online-Kurs aus England wird das jedoch ausdrücklich als falsch bezeichnet; der Vokal soll ganz ausfallen, damit eine ganze Silbe. Sind das nicht nur zulässige Varianten?

Die FAZ bringt unter "Beruf und Chance" als riesige Überschrift die Transkription von Business English, die zweite Silbe von business mit offenem e (also wie ä). (Das war für mich der Anlaß, dem Stand der Dinge nachzugehen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2017 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36881

Die "Benutzeroberfläche" mag den wichtigeren Landessprachen angepaßt sein, aber sobald man einen Schritt in die "Tiefe" geht, wo die Netzwerkbetreuer usw. arbeiten, wird es englisch. Der Aufwand der Mehrsprachigkeit würde sich nicht lohnen, weil alle Programmierer die englische Terminologie beherrschen. Das ist ein ständiger Druck oder Sog, den man nicht außer acht lassen darf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2017 um 21.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36563

Das Erlanger Einkaufszentrum "Arcaden" soll anziehender werden (für 10 Mill. €). Eine "Kids Area" ist auch vorgesehen, also wohl eine Spielecke. Dasselbe gibt es schon in den "Arcaden" anderswo. Das ist ja das Schöne, daß man in den "Arcaden" nie weiß, in welcher Stadt man gerade ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2017 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36440

Amerikanische Forscher streiten darüber, ob sich die Gravitationswellen eher wie whoop oder wie chirp anhören. Ein angelsächsischer Bias ist in beiden Fällen unverkennbar. Wie hören es die Chinesen?

(Bias ist nach Duden Neutrum, aber in Wirklichkeit meist Maskulinum.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.09.2017 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36138

Gerade hörte ich einen Nachrichtensprecher sagen: "Die Branche trifft sich heute zur Light-Messe in Hamburg." Das englische Wort light muß ich wohl sehr oft gehört und gelesen haben. Ich verstand Light, schon bevor das Wort mit ...messe zu Ende gesprochen war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2017 um 10.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#36062

Gabriel stiehlt Schulz die Show (FAZ 25.8.17)

Oder stealt er sie gar?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2017 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35901

Das neue Buch des "Trendforschers" Matthias Horx handelt von der Zukunft der Liebe und heißt folglich Future Love.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2017 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35762

Im Schnitt kehrt jeden Tag in Mülheim ein Katholik der Kirche den Rücken. Um die Gründe dafür zu ermitteln, führte das Bistum im Frühjahr eine Internet-Umfrage durch. Ausgebaut wurde die Befragung mit 40.000 Gratis-Postkarten mit dem Slogan „Should I Stay or Should I Go?“, die in über 400 Gaststätten, Kultureinrichtungen und anderen öffentlichen Orten in Mülheim, Essen, Oberhausen und Umgebung auslagen und die auf die Internetseite www.kirchenstudie.bistum-essen.de verwiesen. Dort konnten Kirchenmitglieder und Ausgetretene anonym schreiben, was sie an der Kirche gut finden oder was sie so gestört hat, dass sie ausgetreten sind. (WAZ 19.7.17)

Anpassung an die Pop-Kultur kann auch stören...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.07.2017 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35582

Aufschrift auf Orangensaftflaschen der Firma Albi (Sitz Bühlenhausen): »Since 1928«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2017 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35580

Frohlocken beim VDS: "Frühenglisch für die Katz".

Das wird wohl stimmen, und ich kann mir denken, warum die meisten Grundschulen damit keinen Erfolg haben.
Unsere Töchter (ich habe es schon erzählt) fühlen sich im Englischen zu Hause – eine hat sogar einen Beruf daraus gemacht –, weil sie sozusagen vom ersten Tag an damit aufgewachsen sind, aber nicht wegen Zweisprachigkeit der Eltern (une personne – une langue), sondern weil meine Frau ihnen zusammen mit gleichaltrigen Dorfkindern einen Nachmittag pro Woche "Unterricht" gegeben hat, mit lustiger Tea time usw.; alle haben davon einen dauernden Vorteil gehabt. Zur Nachahmung empfohlen. Schule kann das nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2017 um 11.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35468

David Werner ist Leiter Publishing.

Ob diese Konstruktion (mit umgekehrter Spezifikationsrichtung als im Deutschen üblich und ohne Flexion) sich durchsetzt? Bisher ist sie auf einen bestimmten Bereich beschränkt, dort allerdings ungemein häufig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2017 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35365

Ich habe zwar gelernt, daß blond mit "Haar" eine lexikalische Solidarität bildet und nur Bier und Zigarren noch ausnahmsweise so genannt werden, aber da ich nicht rauche und auch mit Bier nur gelegentlich zu tun habe, ist mir beides in Wirklichkeit nie begegnet.
Nun gibt es seit einigen Wochen bei Tchibo einen Kaffee, der sich Blonde Roast nennt. Er ist gut, meine Frau will gar keinen anderen mehr. Aber der Name stößt ab. Ich vermute, das stimmt ganz wörtlich. Selbst ich, der ich sämtliche Sprachen der Welt korrekt ausspreche, mußte mich überwinden, als ich gestern wieder mal ein Pfund kaufte. Dabei hätte Tchibo es durchaus nötig, seine wenig einladenden Filialen kundenfreundlicher zu machen. Alle anderen Kaffeesorten haben doch auch ganz humane Bezeichnungen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.06.2017 um 00.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35286

PL "puszek" (Büchsen) und "butelek" (Flaschen) sind Gen. Pl. fem., wegen "do" (für).
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 06.06.2017 um 21.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35285

Heute einen Büchsenöffner gekauft. Eine traditionelle Ausführung, mit einem Dorn und einem mit Haken versehenen feststehenden Rad, mit dessen Hilfe der Dorn durch das Blech gezogen wird. Als Bonus sind am festen Stiel noch zwei Haken, mit denen man Kronkorken von Flaschen trennen kann.

Auf einer kleinen Pappe war in 23 Sprachen zu lesen, um was es sich handelt:

GB Can Opener + Caplifter
FR Ouvre boite + Décapsuleur
PL Otwieracz do puszek + Otwieracz do butelek
NL Blikopener + Flesopener
DE Dosenöffner + Kapselheber

Das Wort Kapselheber für Flaschenöffner war mir unbekannt. Ein Anglizismus?

Wikipedia beginnt den Artikel "Flaschenöffner" mit "Ein Flaschenöffner, oder Kapselheber, ist ein Werkzeug...", im Text heißt es dann nur noch Flaschenöffner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2017 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#35017

Nachdem nun auch Amazon seinen Lieferdienst fresh genannt hat, wie schon viele andere Unternehmen, ist es möglich, daß das deutsche Wort ganz gegen das englische ausgetauscht wird: fresches Wasser usw., auch Freschmilk.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2017 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34748

Werfen Sie alte Klamotten und Gerümpel nicht weg! Als "Vintage" bringt es immer noch gutes Geld. Die Macht der Worte...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2017 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34345

Die FAZ berichtet auf der Wissenschaftsseite über die "Chemikalie Guanidine". Ähnlich oft in Wiedergaben englischer Fachtexte. Könnte zur deutschen Schreibweise werden, wofür es ja schon andere Beispiel gibt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.12.2016 um 20.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34202

Wenn Trump durch Handauflegen Krebs heilen würde, sähe sich dpa zu berichten veranlaßt, daß tausende Ärzte an amerikanischen Kliniken um ihre Existenz fürchteten.

Das wird jetzt acht Jahre so weitergehen, ist aber auch egal, wie die Wahlen gezeigt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2016 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34200

Trump beendet seine Neujahrswünsche unerwartet (tz)

Wieso? Love! ist doch nicht ungewöhnlich, und der ganze sarkastische Text war schon auf diesen "freundlichen" Ton gestimmt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2016 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34159

Volkswagen ist für die Einführung von Englisch als Konzernsprache abgestraft worden. Aus Protest hat die Stiftung Deutsche Sprache alle Aktien verkauft, denn das sei „bedenkenlos“ und „schädlich“.

(...)

Die Vorstellung, mit Englisch als Konzernsprache leichter Führungskräfte aus anderen Ländern gewinnen zu können, sei „illusorisch“, urteilte Krämer.
Internationale Manager seien problemlos in der Lage, die Sprache des Gastgeberlandes zu erlernen. Für die „inneren Betriebsabläufe“ wiederum sei eine Fremdsprache sogar „schädlich“.
(Welt 22.12.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2016 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#34114

Anläßlich der Einführung von Englisch als Unternehmenssprache bei VW bemerkte ein Leserbriefschreiber recht witzig, bei VW sollte man statt Englisch lieber Tacheles reden.
Ein anderer meint, nach dem Brexit sollte Englisch nicht mehr Verkehrssprache der EU bleiben. Aber auf der anderen Seite ist damit doch gerade das Ideal erfüllt, eine neutrale Sprache, die (fast) niemandes Muttersprache ist und daher keinem einen ungerechten Vorteil verschafft...
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.12.2016 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33995

Zu #33661 ("Every time someone asks me "Do you have kids", I use to answer: "I do not have kids, I have children."":
An unserm *faculty*-Kaffeetisch sagte ich mal, daß die Wetterfrösche am Fernsehen hier eigentlich nicht richtig englisch sprächen: "There are no warm or cold temperatures. A temperature is a measurement. It may be high or low or astonishing, but not warm or cold." Und ich wurde von einem Juraprofessor, der als Collegestudent mal irgendeinen internationalen *Speech*-Wettbewerb gewonnen hatte, darauf hingewiesen: "But meteorologists talk like that." – And do I have kids? – "Man, he has two beautiful daughters. Everybody in town talks about their role in highschool swimming and academic decathlon." – "You sure must be proud of 'em." – "We are all proud of his kids." Na, an sowas korrigier ich doch nicht 'rum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2016 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33993

Ein "verrückter Hund" soll amerikanischer Verteidigungsminister werden...
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 16.11.2016 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33865

In den Kommentaren zur englischen Analyse der 4. Partie von GM Huschenbeth auf youtube fragt ein Seppi01, ob das englische Wort für Zugzwang auch Zugzwang ist, was Huschenbeth bejaht. Einen Ahmed Radwan erheitert das: "Looooool i have to say you Germans have the perfect word for zugzwang, that is Zugzwang.[smiley]"
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 27.10.2016 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33661

Every time someone asks me "Do you have kids", I use to answer: "I do not have kids, I have children."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2016 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33643

Auf der Frankfurter Buchmesse gab es eine "Kids Stage".

Was denkt sich ein Kind, wenn es als Kid bezeichnet wird? Vielleicht glaubt es, da fehle ein Buchstabe. Kinder denken so und fragen auch nicht nach. Das weiß ich aus eigener Erinnerung und von Bekannten und Verwandten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2016 um 08.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33399

Das Wort Erlebnis hat in den letzten Jahren einen unerhörten Aufschwung "erlebt". Unser Waldmuseum zum Beispiel wurde in Walderlebniszentrum umbenannt.

Vor allem aber ist unter englischem Einfluß die gesamte Geschäftswelt auf das "Erlebnis" ausgerichtet worden. Einkaufserlebnisse und das Erlebnis beim Benutzen einer Software beherrschen das Marketing.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2016 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33223


Täglich finden auf der ganzen Welt wohl Tausende von Schulungen statt, für die Unternehmen viel Geld ausgeben. Gestützt auf „wissenschaftliche Untersuchungen“ – natürlich amerikanische, von Morgan McCall u. a. –, bringen Trainer anderen Leuten bei, wie man eine Führungskraft wird usw. Der Ablauf des Kurses ist bis in Einzelheiten durchgeplant und immer der gleiche. Ob solche Kurse erfolgreich sind, läßt sich nicht feststellen, der Glaube daran ist ähnlich unerschütterlich wie bei Psychoanalyse, Homöopathie usw. Beim Lesen fällt mir der Glaube an die Planbarkeit der Planbarkeit auf. Die „Untersuchungen“ vermischen Beschreibungsbegriffe fröhlich mit wertenden („Kreativität“, „Authentizität“ usw.).
Für uns interessant ist, daß die sprachlichen Umgangsformen und Techniken ganz und gar amerikanisch sind; dem Interkulturellen wird manchmal Lippendienst gezollt. In der Welt der Wirtschaft bedeutet ein MBA überall dasselbe, und so spielt sich neben der unaufhaltsamen Verbreitung der Weltsprache eine tiefergehende Amerikanisierung ab, deren Folgen kaum bewußt werden. Eingebetteter Journalismus führt zusätzlich dazu, daß wir auch die Politik weitgehend aus der Perspektive der USA sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33037

Ich verwende in der Tat mündlich nie, tatsächlich schon, und wirklich am meisten.

Neulich fiel mir auf, daß ich satzverbindend mündlich nur aber und niemals doch verwende, dieses nur als Modal- und Antwortpartikel. Schriftlich sieht die Sache ganz anders aus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.08.2016 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33036

Im Englischen wäre das yes hier ein salopper Ersatz für indeed. Im Deutschen klingt in der Tat erst recht angestaubt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2016 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#33034

Unterstöger hat vor einiger Zeit das modische und ja aufgespießt: http://www.sueddeutsche.de/service/sprachlabor-das-muster-ist-immer-gleich-1.1090338

Ich nehme an, daß es sich um einen Anglizismus handelt. Jedenfalls erinnere ich mich vieler Stellen nach diesem Muster:

For once, we get a reasonably unobstructed look at the emperor and, yes, he has no clothes. (Richard Dawkins: A devil's chaplain. London 2004:58)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.05.2016 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32678

Ob alle Engländer, die ['dshairo] sagen, wohl wissen, daß sie deutsch sprechen?

Im amerikanischen Englisch sind so gut wie alle Aussprachen möglich: ['(d)shi(:)ro].

Im Französischen ist das Wort nicht geläufig. Umso merkwürdiger die "französische" Aussprache im Deutschen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.05.2016 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32675

Es gibt ja auch noch die spanische Aussprache (eine ziemlich verbreitete Sprache): [xiro].
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.05.2016 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32673

Franzosen sprechen den Giro d’Italia (Le Tour d’Italie) eher französisch aus und denken dabei vielleicht nicht mal an Kreisverkehr. Und wer sich als Deutscher übers „Gyroskonto“ schlapplacht, macht sich vermutlich nicht klar, daß es beim Drehspieß wie beim Geldverkehr ums Kreiseln geht. Zumal die griechische Aussprache nicht „Gühros“, sondern „Jiros“ ist.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.05.2016 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32671

Ob alle die Dschiro-Sprecher aber wissen, daß sie italienisch und nicht englisch sprechen?
Wahrscheinlich nicht, da dürfte eher das Motto "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn" gelten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.05.2016 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32670

Interessant, laut Duden wird es ['ʒiːrokɔnto] gesprochen, also französisch, und so habe ich es auch gelernt, deshalb hielt ich das ['dʒiː] in Anlehnung an das neumodische Dschournal nicht nur für unpassendes, sondern auch noch schlechtes Englisch (wegen des langen i).

Italienisch sieht es natürlich anders aus, danke für den Tip. Ob alle die Dschiro-Sprecher aber wissen, daß sie italienisch und nicht englisch sprechen?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 24.05.2016 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32669

Daß die Dschournaille ihren Beruf nicht mal mehr richtig benennen kann, läßt mich auch ständig die Haare raufen, aber wie anders soll man denn Giro aussprechen? (Giro d'Italia, il Giro di Fortuna!) Eine französische Aussprache gilt vielleicht als feiner, ist aber – anders als bei Journal, italienisch Giornale – nicht korrekt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 24.05.2016 um 11.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32665

Versus ist neuerdings unter jungen Leuten ein Modewort – allerdings englisch ausgesprochen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.05.2016 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32663

Daß Journal[ist] neuerdings in Radio und Fernsehen ständig <dshornal[ist]> gesprochen wird, tut mir in den Ohren weh, aber es geht noch schlimmer. Heute hörte ich in der Fernsehwerbung den Spruch Deshalb gibt es das kostenlose <dshiro>-Konto.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2016 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#32654

Die FAS berichtet, wie Snowdens Daten allmählich "befreit" werden, in Anführungszeichen, als sei das ein besonders komischer Ausdruck. Natürlich hat "to release" gar nicht diese metaphorische Qualität.
 
 

Kommentar von Hatzlesender, verfaßt am 22.02.2016 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#31748

Wie soll man denn "Bad Bank" usw. eingedeutscht schreiben? Ob da Fremdwörter und ihre Schreibung durcheinandergeraten sind?

Ich denke, es ging nicht um die Eindeutschung als solche, sondern darum, daß die glor- und segensreiche Reform endlich die heißersehnte Eindeutschung erlaubt hat. Manche Älteren mögen sich noch daran erinnern, jahrzehntelang illegal und im Verborgenen die Schreibweise "Keks" statt des erlaubten "cakes" verwendet zu haben. Jetzt, dank der Reform, dürfen sie endlich aus der Illegalität auftauchen. Hurra!

A propos: Was heißt überhaupt "in den Wortschschatz aufnehmen"? Reicht es, wenn irgendwelche Schreiberlinge einer Provinzzeitung das dümmliche Denglisch unreflektiert nachplappern? Man denke nur an die vielen "-gates" und das "royale" Blabla.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2016 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#31705

Immer weniger Fremdwörter werden aus dem Englischen oder anderen modernen Sprachen der deutschen Schreibweise angepasst.
Das geht aus einer Studie des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim hervor. Wie es heißt, werden Begriffe wie zum Beispiel "Bad Bank", "Fracking" oder "Follower" oft direkt in den Wortschatz aufgenommen, obwohl seit der Rechtschreibreform vor 20 Jahren eingedeutschte Varianten möglich sind. Ein Grund dafür sind nach Einschätzung der Wissenschaftler die besseren Englischkenntnisse. Zudem prägten Internettexte immer stärker den allgemeinen Sprachgebrauch. An der Untersuchung beteiligten sich unter anderem das Bibliographische Institut und der Brockhausverlag, die die Nachschlagewerke Duden und Wahrig herausgeben.
(DLF 19.2.16)

(Wie soll man denn "Bad Bank" usw. eingedeutscht schreiben? Ob da Fremdwörter und ihre Schreibung durcheinandergeraten sind?)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.12.2015 um 03.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#30950

Google schreibt in seinen Hinweisen zum Datenschutz:
Natürlich haben Sie auch die Möglichkeit, sich jederzeit mit einem Google-Konto anzumelden, um alle von uns angebotenen Einstellungsmöglichkeiten kennenzulernen und für Ihre Onlineerfahrung zu nutzen.

Onlineerfahrung ist eine Übersetzung bzw. Nichtübersetzung von online experience. Geht es hier um ein passives "Erlebnis"? Wohl eher um das aktive Nutzen des Internets, genauer der Suchfunktionen von Google. Also einfach: für Ihre Suchabfragen zu nutzen oder für Ihre Suchen zu nutzen.

Diese online experience ist sprachliches Aufpeppen einer alltäglichen Tätigkeit mit dem Erlebnis-Faktor. Google könnte in diesem Sinne auch schreiben: "Wir möchten, dass die Suche mit Google für Sie zu einem unvergesslichen Erlebnis wird."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2015 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#30831

In englischen Texten stößt man oft auf student experience, customer experience usw., es geht aber weniger um Erfahrung als um die "Erlebnisseite", also darum, die Zufriedenheit der Studenten (mit der Bibliothek), Kunden (mit der Kaufabwicklung) usw. zu erhöhen. Dafür scheint es kein deutsches Wort zu geben. Übersetzer behelfen sich meist mit Erfahrung, aber das ist nur als Anglizismus überhaupt verständlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2015 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#30545

In unserem verschlafenen Erlangen bietet der Turnerbund eine "Outdoor Power Hour" an. Vor soviel hoppenstedtscher Dynamik könnte einem ganz schwindlig werden, aber es folgt gleich die gemütliche Auslegung: „Der Trick ist, den ersten Schritt vor die Haustür zu schaffen. Dann ist es gar nicht so schlimm.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2015 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#29991

Nachdem ich in einem amerikanischen Sachbuch gefunden hatte, daß der Verfasser ausnahmslos bought schrieb, wenn er brought meinte, stellte ich zu meiner Überraschung fest, daß dies eine wohlbekannte Verwechslung ist, zu der es eine breite Diskussion und Ratgeberliteratur gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#29489

Krugman ist ja nun "enttäuscht" von der Regierung Tsipras. Übrigens enthält der Wikipedia-Eintrag über den sog. Wirtschaftsnobelpreis einiges, was ich noch nicht wußte.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 15.07.2015 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#29447

Wieso? Krugman hat doch durchgängig gesagt, Griechenland müsse aus dem Euro ausscheiden (dürfen), sonst könne es sich nicht erholen. Dann kann man doch nicht sagen, er habe zur Fortsetzung der Konkursverschleppung beigetragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2015 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#29434

Die FAZ wirft die interessante Frage auf, ob die Beherrschung oder Nichtbeherrschung der englischen Sprache eine Rolle spielen könnte, wenn die Europäer in der Griechenlandkrise nun wieder einen Schritt in Richtung Konkursverschleppung gegangen sind. In der Tat. So könnten die Amerikaner Paul Krugman, Joseph Stiglitz usw., die uns täglich ihr "Peccate fortiter" zurufen und zutwittern, mehr Einfluß gewonnen haben, als ihnen zusteht. (Hinzu kommt gerade in Deutschland die Erziehungsarbeit linksliberaler Medien.)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 02.12.2014 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27473

Dabei ist Bild im Vergleich zur "Daily Hate" noch harmlos, und letztere wirkt im Vergleich zum Daily Express als geradezu moderat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.12.2014 um 00.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27472

Normalerweise schreibt Bild aus der Daily Mail ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2014 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27470

„Wenn ein Soldat 100 Hülsen bekommen soll, sind es tatsächlich 50. Ihr Offizier verkauft den Rest.“ (BILD 24.11.14)
“If each soldier is supposed to get 100 bullets, he will only get 50, and the officer will take and sell the rest.“ (NYT 24.11.14)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2014 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27449

"Deutsche Aktien werden ziemlich deutlich outperformen." (FAZ 27.11.14)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.11.2014 um 21.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27409

Zu #27406 "Wegen der fehlenden GKS ist das Wort nicht sofort als Verb zu erkennen": Ja, und weil für Titel nicht alles ein für allemal für alle gleich geregelt ist und hier also auch die Verbform meist groß geschrieben würde, würde GKS auch nicht helfen. Tatsächlich muß man sich im Englischen öfter mit einem "zweiten Blick sofort" klarmachen, "was gemeint ist." Zum Beneiden besteht aber sowieso "wenig Anlaß". Englisch hat die leichte Konvertibilität der Wortarten, Deutsch hat sie nicht; und beides hat Vor- und Nachteile. Aber Herrn Icklers manchmaliges Beneiden ist mir trotzdem schon verständlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2014 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27408

Ich war zuvor in anderen Texten auf mehrere Verben mit out- gestoßen, die Bedeutung war jeweils ganz regelmäßig "in der genannten Tätigkeit übertreffen". Man muß ja auch bedenken, daß die Haftfähigkeit der Geckofüße, ihre extreme Adhäsion, in den letzten Jahren immer wieder ein Thema war. (haben wir nicht sogar hier schon die Van-der-Waals-Kräfte besprochen?). Die Überschrift stößt also nicht in ein Vakuum. Die meisten Leser dürften sofort verstanden haben, worum es geht.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.11.2014 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27406

Für „Neid“ sehe ich hier allerdings wenig Anlaß. Vielmehr ist die zitierte Überschrift wie viele englische Überschriften nur schwer zu lesen.

Das liegt zum einen daran, daß Komposita meist nicht zusammengeschrieben werden, so daß man oft nur schwer erkennen kann, ob ein Wort als Teil eines Kompositums zu lesen ist oder nicht.

Hier habe ich mich beim ersten Lesen gefragt, was denn wohl Outgrips seien. Wegen der fehlenden GKS ist das Wort nicht sofort als Verb zu erkennen. Hinzu kommt, daß es sich nicht um ein gängiges Verb, sondern um eine Ad-hoc-Analogbildung zu den gängigen outdo, outrun handelt.

Natürlich sieht man beim zweiten Blick sofort, was gemeint ist. Idealerweise sollte aber ein Blick ausreichen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.11.2014 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27405

Na ja, manchmal finde ich die englische Wortbildung aufgrund der fehlenden Flexion auch recht schwach.

Zum Beispiel müssen wir in unserer Firma für einen Urlaubs- oder anderen Abwesenheitsantrag einen "Leave Request" stellen. Da kommt man zunächst auf die Seite "Leave Overview". Alles ist auf englisch, nicht nur die Titel. Hat man den Antrag erfolgreich abgeschickt, kommt man wieder zurück zur Übersicht und möchte diese nun auch verlassen. Na gut, da steht ja "Leave Overview", also meint man, darauf müßte man nun klicken. Da passiert aber nichts, denn es ist ja nur der "Leave Overview".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2014 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#27401

Manchmal beneidet man die Englischsprecher um ihre Wortbildung:

An Artificial Adhesive Outgrips the Gecko
(http://www.technologyreview.com/news/532626/an-artificial-adhesive-outgrips-the-gecko/)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 25.09.2014 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#26862

Erich Mende, klassisch ausgebildet und sicher sprachfähig, schreibt in seinem Erinnerungsbuch einmal Tribühne.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2014 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#26853

Die FAZ druckt, wie zuvor schon die NZZ, ein Kapitel aus der neuen Streitschrift von Konrad Paul Liessmann, seltsamerweise auf der Seite „Forschung und Lehre“, obwohl er keine Forschungen betrieben hat. Gleich zu Beginn erzählt Liessmann das Entsetzliche, das ihm eine Mutter berichtet hat: Die Grundschullehrerin hatte „Tieger“ an die Tafel geschrieben. Liessmann glaubt, das sei eine Folge der Methode, nach der die Lehrerin selbst schreiben gelernt hat – nach Gehör. Allerdings weiß er das offenbar gar nicht. Nun sollte eine Lehrerin „Tiger“ schreiben können, obwohl oder gerade weil es zu den seltenen Ausnahmen gehört. Aber wenn es nicht ein bloßes augenblickliches Verschreiben war (ich habe gerade in einem gelehrten neuen Buch „Leichnahm“ gelesen), kann es immer noch mehrere Ursachen haben. Kommt es so nicht im deutschen „Pu der Bär“ vor? Es gibt sogar talentierte Lehrer mit einer leichten Rechtschreib-Schwäche.
Liessmann erwähnt dann die „unglückselige und misslungene Rechtschreibreform“, aber sein Buch ist, wie auch die vorigen, in der mißlungenen Reformschreibung erschienen.
Und so schimpft er sich in bewährter und beliebter Weise maßlos übertreibend durch die ganze Bildungslandschaft. Überschrift: „Analphabetismus als geheimes Bildungsziel“ (das behauptet er dann allen Ernstes). Die richtigen (aber nicht gerade originellen) Gedanken gehen unter, und so verpufft die Sache leider und ist nicht einmal glänzend geschrieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2014 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#26139

Doch, es steht da, als "Mandarin", wie im englischsprachigen Ausland weithin üblich.
 
 

Kommentar von Kohl, verfaßt am 24.06.2014 um 21.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#26134

Lustigerweise steht Chinesisch gar nicht auf der List, wohl aber Kantonesisch und Taiwanesisch. Während ich für Kantonesisch ja noch ein gewisses Verständnis hätte, kenne ich weiß Gott niemanden, der je Taiwanesisch gelernt hätte (selbst während meiner Zeit in Taiwan, hatte ich ohne keine Not; Chinesisch reicht). Wenn je irgendein Ausländer Taiwanesisch gelernt hat, dann hatte er vorher schon Chinesischkenntnisse, und hat es in Taiwan über Learning-by-doing gelernt ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2014 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#26130

Im Internet findet man eine Liste von Sprachen, geordnet nach der Schwierigkeit für Englischsprecher:

http://en.wikibooks.org/wiki/Language_Learning_Difficulty_for_English_Speakers

Das Deutsche gilt als weniger schwer, aber eigentlich überraschend ist die Anordnung: Gewissermaßen unter "ferner liefen" am Schluß der Tabelle, als käme sowieso niemand auf die Idee, Deutsch zu lernen - anders als etwa Afrikaans, Dänisch, Katalanisch. Das entspricht weder der Zahl der Sprecher noch der Zahl der Lerner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2014 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#25091

Daß unsere Englischlehrer so kurz nach dem Krieg oft ziemlich schlecht waren, kann man verstehen. Das ist heute viel besser. Immerhin kann ich noch was Anekdotisches von 1970 nachtragen, zugleich zum bayerischen Wesen.

Als meine Frau mit 12 Jahren von ihrer irischen Konventsschule auf das Tutzinger Gymnasium wechselte, hatte sie große Mühe, das bayerische Deutsch ihrer Lehrer zu verstehen. In einer der ersten Stunden erklärte ihr eine "Pädagogin" vor versammelter Klasse. "Du bist zwar hübsch, aber dumm." Das Mädchen war untröstlich, denn sie wollte lieber gescheit als hübsch sein. Eine einzige Mitschülerin machte beim allgemeinen gehässigen Gelächter über die "Ausländerin" nicht mit, sondern tröstete sie: "Warte nur, die nächste Stunde ist Englisch, da kannst du zeigen, was du kannst." Nun, der Lehrer sprach ein so schlechtes bayerisches Englisch, daß sie wieder kein Wort verstand und auch von diesem Pädagogen für völlig verblödet erklärt wurde. (Hinzu kam noch der rauhe Umgangston, der die ehemalige Klosterschülerin täglich zum Weinen brachte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2013 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#23809

Noch etwas über unsere Brüder auf der Insel: Der "Stern" macht sich darüber lustig, daß Prinz Charles immer wieder denselben abgetragenen und sehr deutlich auch geflickten Anzug trägt (der auch, wenn er neu wäre, nicht so aussähe), und rät ihm, sich von seiner ansehnlichen Apanage endlich einen neuen zu leisten. Das typische interkulturelle Mißverständnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2012 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#20341

Ja, das lese ich natürlich auch regelmäßig, aber von einem Rezensionsorgan kann man gerade nicht darauf schließen, was dann die Kollegen tatsächlich lesen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.04.2012 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#20340

Das führende Rezensionsorgan Bryn Mawr Classical Review rezensiert jede Menge deutscher (ebenso wie italienischer und französischer) Neuerscheinungen. Die Namen der Rezensenten, die zuletzt deutsche Werke besprochen haben, sind ganz aufschlußreich: Albert Joosse (Holländer), Maddalena Vallozza, Antonio Gonzales.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 02.04.2012 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#20339

Der Glaube an eine besondere Wissenschaftlichkeit des Englischen hat sich auch in den Geisteswissenschaften schon vor Jahrzehnten angebahnt. In Bielefeld gab es Ende der 70er Jahre bei den Historikern einen Mittelbauern, der selbst Alltagsgespräche zwar auf deutsch, aber mit imitiertem schweren angelsächsischen Akzent führte. Unvergeßlich ist mir auch der soziologische Kommilitone, der mich in einem Seminar über einen französischen Philosophen nach einer englischen Fassung des Textes gefragt hatte und indigniert abwehrte, als ich ihm das Original reichen wollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2012 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#20337

Man sollte meinen – und hat lange gemeint –, wenigstens in solchen Fächern wie Klassischer Philologie spielte die deutsche Sprache noch eine bescheidene Rolle. Ich lese gerade das interessante Buch eines bedeutenden Altphilologen:
Simon Goldhill: The invention of prose. OUP 2002.
Der einzige deutschsprachige Titel (mit Ausnahme eines Sammelbandes) im Inhaltsverzeichnis wird so zitiert: Heinimann, F. (1945): Nomos und Phusis: Herkunft und Bedeutung einer Anithese im griechischen denken des 5 Jahrhunderts (Basel).
Das ist also vermutlich auch nicht gelesen worden. Keiner der berühmten Philologen aus Deutschland oder der Schweiz ist irgendwo erwähnt, sei es auch in englischer Übersetzung, obwohl einem zu dem Thema doch mancher einfallen dürfte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2012 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#20292

Die sprachenpolitischen Glasperlenspiele sollten uns nicht hindern, ab und zu mal einen Blick auf die Wirklichkeit zu werfen. Gerade habe ich die Lektüre eines psychologisch-philosophischen Buches beendet, das in jeder Hinsicht stellvertretend für unzählige stehen kann.

Daniel D. Hutto & Matthew Ratcliffe (Hg.): Folk Psychology Reassessed. Dordrecht 2007.

Jeder Beitrag hat ein ausführliches Literaturverzeichnis. Darin kommt kein einziges nicht-englischsprachiges Werk vor. Hat ein amerikanisches Buch ein paar deutschsprachige Werke in der Bibliographie, z. B. Kurt Salzingers "Naming the Mind", das ich zuvor gelesen habe, dann liegt das einfach daran, daß der Verfasser ein betagter Emigrant ist.

Anderen Sprachgemeinschaften, z. B. den Franzosen, geht es aber genau so. Sie werden international nicht mehr wahrgenommen, wenn sie nicht auf englisch veröffentlichen. Daran wird sich auch nie wieder etwas ändern, außer daß es sich noch schärfer ausprägt.

Ich mache diesen vielleicht überflüssigen Eintrag, weil mir heute auffiel, wie wenig es mir auffällt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2011 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19731

Wer sich mit der neueren Philosophie des Bewußtseins oder Geistes beschäftigt, wird irgendwann auf die sehr nützlichen Bibliographien von David Chalmers stoßen:

http://consc.net/online/
http://consc.net/mindpapers/

Ich kann mich nicht erinnern, dort jemals etwas in einer anderen Sprache als Englisch gefunden zu haben. Das mag man für eine Beschränktheit der Veranstalter halten, aber mal ehrlich: Gibt es irgendein Thema oder eine Theorie, die nicht in einem dieser englischsprachigen Texte abgehandelt wäre? Und wenn das der Fall sein sollte (was ich in gewisser Hinsicht schon behaupten möchte), liegt es nicht an der Sprache, sondern an der inhaltlichen Vorliebe von Chalmers und seinen Mitarbeitern, die eine ziemlich traditionelle, von mir nicht geteilte Richtung vertreten.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 15.12.2011 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19730

Der Verein Deutsche Sprache forderte am Donnerstag, Deutsch auch als Wissenschaftssprache zu pflegen. Die Konzentration auf Englisch schränke die Leistungen deutscher Forscher ein. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) warnt vor "Wettbewerbsverzerrungen", sollten sich alle Professoren gezwungen sehen, ihre Studien nur noch in englischer Sprache zu verfassen.

Gleichzeitig beklagt der Artikel in der "Süddeutschen" (hier klicken: www.sueddeutsche.de), daß in den Niederlanden, Skandinavien, England, Frankreich und Südeuropa immer weniger Schüler Deutsch lernen würden, während das Goethe-Institut sich über eine steigende Nachfrage nach Deutschkursen für Erwachsene freut. Also steht's doch gar nicht so schlecht um Deutsch als Fremdsprache!

Außerdem scheint mir die Präsidentin der HRK etwas zu übersehen (oder unter den Tisch zu fegen): Wer zwingt denn eigentlich deutsche Professoren dazu, "ihre Studien nur noch in englischer Sprache zu verfassen"? Das machen sie doch wohl genauso freiwillig wie sie sich orthographisch gleichgeschaltet haben. (Daß die Professoren dabei weder die englische Sprache noch die reformierte Rechtschreibung wirklich beherrschen, steht auf einem anderen Blatt.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.12.2011 um 23.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19688

Lieber Prof. Ickler,

Sie haben natürlich recht. Mein Beitrag bezog sich in der ersten beiden Absätzen auf Ihren letzten Beitrag, in den folgenden zwei Absätzen auf Ihren ursprünglichen Tagebucheintrag. Ich hätte das wohl besser verdeutlichen sollen. Es war ein Fehler zu glauben, daß das ohnehin klar sei.

Zunächst zu Frau Eija Ventola:

Daß ein schlecht aufgebauter Vortrag nicht notwendigerweise dadurch besser wird, daß er von einem Englisch-Muttersprachler vorgetragen wird, ist eine Trivialität. Andererseits ist es auch eine Trivialität, daß eine virtuose Sprachbeherrschung, eine gekonnte Rhetorik über manche gedankliche Mängel hinwegtäuschen kann.

Ich kenne nicht die Untersuchungen von Frau Ventola, auf die Sie sich beziehen. Eine flüchtige Google-Suche zeigt mir allerdings, daß sie sich durchaus eingehend auch mit den rein sprachlichen Problemen von finnischen und deutschen Wissenschaftlern im Englischen beschäftigt. Was wäre von einer Anglistin auch anders zu erwarten? Interessant finde ich ihren Hinweis, daß finnische Universitäten ihren Wissenschaftlern bei englischen Veröffentlichungen sprachliche Hilfestellung leisten, während deutsche Wissenschaftler auf sich allein gestellt sind. Interessant ist auch ihre Feststellung, daß angelsächsische Wissenschaftler die Aufsätze von Nicht-Angelsachsen auch dann kaum lesen, wenn diese auf englisch abgefaßt sind.

Zu Ihrem Tagebucheintrag:

Mein Beitrag bezog sich auf Ihre Frage:
„Was könnte man gegen den Vorteil einwenden, das gesamte Hochschulwesen auf die Weltsprache Englisch umzustellen? Nicht daß ich es angenehm fände, aber mir fehlen leider gute Argumente.“

Sie haben nicht näher ausgeführt, was Sie hier mit „Vorteil“ meinen. Ich habe dazu nur gesagt, daß ich jedenfalls einen wirtschaftlichen Vorteil für die deutschen Universäten nicht erkennen kann.

Ich habe ferner ein Argument dagegen angeführt. Ob das ein „gutes Argument“ ist, überlasse ich dem geneigten Leser zu entscheiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2011 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19673

Herr Achenbach scheint sich auf meinen letzten Eintrag zu beziehen – und doch auch wieder nicht. Denn darin war ja nicht gefordert, daß deutsche Studenten unbedingt oder nur auf englisch unterrichtet werden sollten.
Auf den vielen Kongressen, die sich mit Deutsch als Wissenschaftssprache usw. beschäftigten, wurde unermüdlich wiederholt, bei englischer Einsprachigkeit des Publikationswesens hätten englische Muttersprachler immer schon einen uneinholbaren Vorteil, und es wurden Gegenvorschläge unterbreitet, die oft auf einen gewissen Zwang zur (zumindest zusätzlich zu verwendenden) Muttersprache hinausliefen. Beispiele sind auch auf diesen Seiten schon angeführt worden, das kann ich nicht alles wiederholen.

Ventola zeigt, daß dieser vermeintliche Vorteil der englischen Muttersprachler so groß nicht ist, weil es bei Vorträgen gar nicht so entscheidend auf die Sprache ankomme, sondern auch oder sogar in erster Linie auf die anderen erwähnten Faktoren. Insofern ist mir die einleitende Frage von Herrn Achenbach nicht ganz verständlich.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.12.2011 um 00.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19672

Was in aller Welt haben denn "Gesamtanlage und Vortragstechnik", ja gar noch der "Medieneinsatz" mit der Sprache eines Vortrags zu tun?

Wer hat denn je gesagt, daß englischen Muttersprachler "stets und überall" im Vorteil seien? Und wer hätte jemals eine "machtvolle Durchsetzung" unserer Muttersprache gefordert? Jedermann weiß doch, daß niemand eine solche Macht hat.

Und warum sollten deutsche Studenten in Deutschland unbedingt "auf Englisch" studieren? Würden die deutschen Universitäten ähnlich hohe Studiengebühren verlangen wie in den USA oder England, hätten sie zumindest ein wirtschaftliches Interesse daran, ausländische Studenten anzuwerben. Das ist aber nicht der Fall. Deshalb sind deutsche Universitäten auf internationalen Bildungsmessen kaum zu finden. Wenn es hoch kommt, findet man dort vielleicht einen kleinen Stand des DAAD. Wenn man den Wehklagen der deutschen Universitäten glaubt, so werden diese ja nicht einmal mit ihren deutschen Studenten fertig.

Welchen "Vorteil" sollte es denn dann haben, wenn deutsche Studenten in Deutschland nur noch in Englisch unterrichtet würden? Die absehbare Folge wäre doch, daß sie sich in ihrem Fachgebiet gar nicht mehr in ihrer Muttersprache ausdrücken könnten. Wäre das denn etwa kein Nachteil?

Etwas anderes ist das fruchtlose Wehklagen über den Bedeutungsverlust des Deutschen als internationale "Wissenschaftssprache". Daß daran nichts zu ändern ist, weiß doch auch jeder. Ob es hierbei vielleicht auch zu Auswüchsen kommt, weiß ich nicht. Gibt es etwa internationale Germanistenkongresse oder Kongresse über Hegelsche Philosophie, die nur in Englisch abgehalten werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2011 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19669

Die finnische Anglistin Eija Ventola hat immer wieder gezeigt, daß es nicht unbedingt von Nachteil sein muß, wenn jemand einen wissenschaftlichen Vortrag in der Fremdsprache Englisch hält. Sie hat jahrelang untersuchen lassen, was die Qualität eines Vortrags ausmacht, und dabei hat sie sich nicht wie üblich auf die kleineren oder größeren lexikalischen und grammatischen Mängel kapriziert, sondern mehr die Gesamtanlage und Vortragstechnik samt Medieneinsatz eingelassen. Mir kommt das realistisch vor.

Danach kann man keinesfalls sagen, daß die englischen Muttersprachler stets und überall im Vorteil sind und daß wir nur durch machtvolle Durchsetzung unserer Muttersprache dagegen ankommen können. Als Sprecherin einer "kleinen" Sprache kann Frau Ventola im Kampf gegen das Englische ohnehin nur einen Kampf gegen Windmühlen sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2011 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#19198

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kann schlecht "Arbeitslager" einrichten, folglich nennt er sie Workcamps. Und weiter geht's: Nora Makowski ist diesen Sommer zum ersten Mal Teamerin in einem Workcamp des Volkbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. (Märkische Allgemeine 29.8.11)

Gut geteamt ist halb gewonnen!
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.05.2011 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#18708

Rückblickend betrachtet hat Lübke sich mit seinen Englischkenntnissen eigentlich gar nicht so schlecht geschlagen. Heute hätte er sich damit nicht einmal mehr blamiert. Das war immerhin in den 60er Jahren, als sich noch nicht so viele wie heute einbildeten Englisch zu können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2011 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#18707

Deutsche Graduiertenkollegs finden es auch oft schick, alles auf englisch zu erledigen. Aus einem Seminarpapier zu einem solchen:

The proportional formula is to strong, i. e. should be more restrictingly because the formula allowes unpossible proportions.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 10.03.2011 um 11.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#18291

Man muß Romantikers Stil nicht mögen. Trotzdem sollte man eine Äußerung wie "Ihr Deutsch ist Scheiße!" tunlichst unterdrücken. Allenfalls noch angängig wäre hier "Ihr Deutsch ist scheiße!" gewesen.
 
 

Kommentar von P. L., verfaßt am 10.03.2011 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#18288

An den Romantiker:

Aus kaum einem Ihrer Beiträge werde ich schlau. Daß daran meine Dummheit schuld ist, bestätige ich mir selbst (Selbstmedikation). Ich erlaube mir nun, Ihnen einen Rat zu geben: Schreiben Sie künftig ganz einfach, aber dennoch vollständig. Auf geschriebenen Blödsinn wie: „tu ich das jetzt mal“, „sorry“, und „um ner deutschen ‚Aufführung‘“, kann ich gut verzichten. Um Ihnen mit einem Wort zu sagen, was ich meine: Ihr Deutsch ist Scheiße!

Gruß von P.L.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.03.2011 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#18287

Aus einem internen Schreiben von einem deutschen "Chief Information Officer":
"Once we are finished with the detailed planning, we will communicate more information with you."

Was sonst, als Information, könnte man beim Kommunizieren wohl austauschen? Und auch dieses with ...
Der Satz ist typisch für das bedauernswerte Englisch, das man hier glaubt sprechen zu müssen.
 
 

Kommentar von Romantiker 2.1, verfaßt am 02.02.2011 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17944

Konrad Paul Liessmann hat in "Theorie der Unbildung" und wiederholt in zahlreichen Vorlesungen und Interviews dies Thema aufgegriffen und dargelegt, da hier noch niemand den genialen Wiener Kritiker erwähnt hat, tu ich das jetzt mal.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Doch: "Wesenskern" oder Global brutal?

Wie gesagt, Kants Vorgehen war schon "unerhört", echt "ungehörig", wie viele seiner Zeitgenossen – nun scheint die Aufklärung am Endpunkt angelangt, wir verlieren unsere Würde und Muttersprache.
Und schon Humboldt ahnte es, wenn die Amis den Westen erreichen, kommen sie zurück (- und flätzen sich überall hin). Wahre "Hellsicht" der Mann.

Was hat den der (Un)Stil der Professoren damit zu tun? Weil hierzulande sich in den Jahrzehnten Tiefkühlkost breitgemacht hat? Ist das aber tatsächlich in anderen Ländern so anders? Ich habe es jedenfalls nicht mal geschafft, englischsprachige Literatur gern zu lesen, ein paar Ausnahmen sicherlich, die gibt es in jeder Sprache. Englisch ist für mich eine Dialog-Sprache, das Deutsche aber erzählt und das – nach Karl Kraus – "seicht". Das Englische gibt mir nichts, es transzendiert nichts, immerfort sprechen im und vom Dasein. "Vorstellung" und "Einbildung" (in welchem Sinne nun auch immer) gehören aber in unsere (?) Kultur. Das gleitet natürlich schnell in was weiß ich für welche Richtungen, aber lieber mal in eine "Sackgasse" "geraten", als dieses aufdringliche Duzen. Aalglattes Creative writing, zwischen Krimi und Kochbuch. Mich langweilt das.

Mir scheint überhaupt, Hinz und Kunz will sich in diesen Zeiten von einer Last befreien - die Identität in seiner Sprache abstreifen. Das ist keine Metamorphose, es sind Zeiten des Vakuums. Umgestaltung nicht, entblößt. Und es ist so affektiert wie dieses französische "Getue" einst, es ist "aufgesetzt". Nichts lächerlicher als ein englischsprechender Westerwelle, sorry.

Sie kennen doch sicher barocke Musik, diese französischen und italienischen Akzente. Waren der Hit damals. Aber kennen Sie den lieblichen Schwung einer "Allemande"? Zum Verständnis von Kant nicht zum Nachteil. (Zudem: Englisch gesungen wird das dann eher ein "Countrydance".)

Ach, der Stabreim! Gerade fiel mir beim "Gedanken" an (Tanz)Lieder der alte Goethe ein, dessen "Versuch(ung)" sich in Hexametern und dergleichen fortzubewegen. Auweia. Manches schon "gestelzt", oder? Schad, daß er den Jesuiten Hopkins nicht kennenlernen konnte.

Mozart mußte sich auch viel anhören, deutsche Opern?!? Zu derb sans. Und bald: die Zauberflöte denglisch geliftet. Müssen wir dann nach Japan fliegen, um ner deutschen "Aufführung" "beizuwohnen".

Ob der Ökofarmer dereinst auch noch "eggt" und "aufpropft", der Handwerker "dengelt" oder gar "zurichtet"? Fehlt dieser Bezug zur Historie, zur Hand – was mag das für eine "Wissenschaft" werden, auf einer abstrakten Hemisphäre aufbauend? Ein Wolkenkuckucksheim. Äh, wie sagt man des jetzt auf (in?) englisch?

Die absoluten Preisschlager des Englischen kämen aus den Sphären der BWL und Psychologie (und deren monetären "Verzahnungen"), mir zeigt sich mit Verlaub das Unmaß der inflationären englischen coolen Begrifflichkeit: lese ich eine der ratlosen Artikel über Bonds, sehe ich mich alsbald im Esoterik-Himmel. Wie man mit Nichts(sagendem) alles erreicht? Modern Money Mechanics.

A Clean Break.

Zuletzt: Unser Bus stand neulich in der "Prinzregenten" (der Name muß aber bald auch geändert werden!), nur stand er nicht in der Rush hour. Wir haben hier keine 100 m breiten Highways, und gelbe Taxis gibt es auch nicht. Obwohl – bestimmt werden die bald anderes "Coloring" tragen, wir san eben a little bit New York. (Neben uns, die mit den Pappbechern to go, wir mit unsrer Thermosflasche, oh je. Und drinnen auch noch "Hagebuttentee" mit "Moosbeeren" (Grainberrys sagt man gemeinhin)!)

Science wie die "non-fictions" wird alles restlos verzehren, den "Nachthimmel" wie den "Mond", aber Geschichten sind des Menschen Zeugnis, Legenden werden alles überleben – in der Muttersprache – wider wojn ich ojf der wesstsajt. / ch'kuk ojf dem sun fargang / un siz dernoch noch lang / ojf a bank. / asoj is amol chawele gesessn / alejn in a wald – (Rajzel Zychlinski)

Und die Grimmschen Märchen, wie schon mal gesagt, sind unser Exportschlager. Aber als Reimport aus Amerika, bittschön net.

Wir Deutsche sind vermutlich das einzige Volk (Bevölkerung?), welches nach seiner Sprache benannt ist, folglich würden wir wohl auseinanderfallen. Zumindest in die Upper class und den Pöbel.

Nix für ungut.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.01.2011 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17910

Hier in der BRD?
Hier ist jetzt auch die ehemalige DDR. Damals war die BRD woanders (nur im Westen).

Sie gebrauchen das Wort "hier" auf interessante Weise, lieber Germanist. Bedeutet nicht "hier" immer den aktuellen Standort? Dann steckt darin implizit auch das Wort "jetzt". Nun ist aber die jetzige BRD ein anderer Ort als die damalige. Deshalb kommt mir das "hier" in diesem Zusammenhang nicht ganz passend vor, egal, wo Sie sich gerade aufhalten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.01.2011 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17909

Als es die DDR noch gab, waren hier in der BRD naturwissenschaftliche und technische Fachbücher aus der DDR sehr beliebt, weil sie für normale weiterbildungswillige Menschen und daher sehr verständlich geschrieben waren. Bei Bestellungen hieß es vom Buchhandel immer, daß es für Fachbücher aus der DDR Importbeschränkungen gebe. cui bono?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.01.2011 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17905

Ich finde Herrn Blombachs Beitrag auch gut, bis auf die Sache mit dem Humor. Nicht daß Humor in deutschen wissenschaftlichen Texten völlig fehl am Platze ist, sondern daß er an diesem Platze manchmal fehlt, war wohl gemeint.
 
 

Kommentar von B Janas, verfaßt am 28.01.2011 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17904

Volle Zustimmung, Herr Blombach! Das Reformthema verblaßt ja doch im Gesamtbild der Sprachkultur zu einer Randnotiz – könnte man meinen und wird weithin so gemeint. Hätte nicht der Reformunfug die ohnehin schon vorhandene Gleichgültigkeit bis latente Abneigung gegenüber der eigenen Sprache weiter verstärkt. Ist aber schon die Schriftnorm kein Konsens mehr – wie sie es vordem war –, dann bröckelt wohl auch das Bewußtsein für die Qualität des Geschriebenen, die Sorgfalt im Umgang mit der Sprache ganz allgemein, wie es sich nun zeigt.
Ein hochinteressantes Großexperiment, meine ich, mal ganz sine ira et studio, dessen Auswirkungen noch nicht abzusehen und noch unzureichend erforscht sind. Die Experten und die Medien wissen aber, und halten sich dran, daß davon niemand mehr was hören will.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 28.01.2011 um 01.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17902

Mal aus der Sicht eines Studenten (obwohl ich mich keineswegs zum Gruppensprecher erheben möchte):
Es gibt keine einleuchtenden Argumente dafür, das Deutsche in irgendeiner Weise über andere Sprachen zu erheben, genauso, wie es unsinnig wäre, die eigene Stadt, das eigene Land, den eigenen Fußballverein über andere zu stellen (was ist daran überhaupt "eigen"?). Aber es gibt sehr wohl einleuchtende Argumente dafür, an seiner eigenen Sprache festzuhalten – und ich bedauere jeden, der aufgrund der geringen Verbreitung seiner Muttersprache gezwungen ist, in einer anderen Sprache zu reden oder zu schreiben. Ganz besonders dann, wenn es um die Darstellung eigener Gedanken geht.
In dieser Situation befinden wir uns aber (noch) nicht, Deutsch ist nach wie vor eine der wichtigsten Sprachen der Welt, und mehr als eine Wissenschaftssprache kann sich die Welt sicherlich leisten. Ein wenig Selbstvertrauen wäre zumindest in dieser Hinsicht also durchaus angebracht.

Ich möchte keine Professoren, die in gebrochenem Englisch vortragen. Ich möchte keine Kommilitonen, die sich nicht mehr trauen, Fragen zu stellen, weil sie nicht in der Lage fühlen, sie in der Fremdsprache angemessen zu formulieren. Ich möchte nicht, dass Dozenten und Studenten aneinander vorbeireden, weil sie sich nicht so präzise auszudrücken vermögen wie in der Muttersprache.

Doch auf der anderen Seite möchte ich auch keine deutsche Fachliteratur mehr lesen, der es an Stil, Klarheit und Eleganz so sehr mangelt wie den Neujahrsansprachen an Inhalt. Was deutsche Wissenschaftler zum Teil sprachlich verbrechen, ist schlichtweg grässlich. Nicht nur, dass Sätze mit Fachtermini derart überfrachtet werden, dass man sie mehrmals lesen muss, nein, besagte Fachtermini sind oftmals nicht einmal wirklich solche, sondern lediglich Entlehnungen aus dem Englischen, die irgendwie lateinisch klingen und somit natürlich über jeden Zweifel erhaben sind. Man denke nur an "Performanz", "Partizipation", "independent", "interpersonaler Kontakt", "intergruppal", "Illokutionssequenzen", "Konnexionsmuster", "Perzeptionswissen" usw. usf. Neuere Fachliteratur ist mit solchen Begriffsmonstern vollgestopft, wirkt schwerfällig und nicht allzu geistreich – welche Wonne dagegen ältere Fachliteratur! Ein Bühler oder Paul lässt sich mitunter lesen wie ein Roman, so verständlich und flüssig sind viele ältere Bücher geschrieben. Manchmal scheint mir, als sei dies heute deshalb nicht mehr möglich, um keinesfalls in den Ruf zu geraten, populärwissenschaftlich, also wenig gehaltvoll, zu schreiben. Dabei wird aber geflissentlich übersehen, dass Zugänglichkeit doch nur gut sein kann, will man nicht, dass die eigenen Werke nur von den engsten Kollegen verstanden werden. Und meistens scheint mir nur, dass die Mehrzahl deutscher Akademiker einfach nicht schreiben kann.
Prof. Ickler hat völlig recht damit, dass englische Texte häufig wesentlich besser zu lesen sind als deutsche (auch wenn mir schon wahrhaft furchtbare englische Texte untergekommen sind; insbesondere einige Philosophen pflegen einen grauenhaften Stil), doch ist dies eben auf eine andere Herangehensweise zurückzuführen und wäre durchaus auch im Deutschen möglich.
Es gibt allerdings mehrere Hindernisse: Da ist zunächst der deutsche Drang zur Exaktheit des Ausdrucks, der oft dazu führt, dass möglichst großer Informationsgehalt in möglichst kleinen Raum gebannt wird. Ähnlichen Ursprungs ist die Scheu vor bildhafter Sprache, Vergleichen und Metaphern, da man fürchtet, solche Mittel könnten die Aussagen verwässern oder verfälschen – und in der Tat besteht ja eine solche Gefahr, wenn man sie unbedarft einsetzt, nicht nur zur Illustration, zur Veranschaulichung. Und nicht zuletzt ist selbstverständlich Humor in deutschen wissenschaftlichen Texten völlig fehl am Platze, während man im englischen Sprachraum weniger Hemmungen davor hat, einen Text auch einmal etwas aufzulockern (das gilt im übrigen auch für den Vorlesungsstil).

Ich denke, es täte der deutschen Wissenschaftslandschaft gut, würde man mehr Wert darauf legen, gut zu schreiben – in der eigenen Sprache, anschaulich und mit Sprachwitz. Aber wo sollen Studenten das heutzutage lernen? Wo sind die Kurse, wo die Vorbilder?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 15.01.2011 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17815

Lieber Herr Achenbach,

ich habe das Glück und das Pech, daß Sie meine Beiträge so sorgfältig lesen. Glück, weil Sie mich auf manche Unklarheit aufmerksam machen, und Pech, weil ich deshalb manches erklärend nachbessern muß. Wenn ich meine Gedankengänge nicht (klar) formuliere, kann ich auch nicht erwarten, daß Leser meiner Beiträge mir folgen.

Natürlich bezieht sich der Textausschnitt aus »De l’Allemagne« auf die Aussprache der deutschen Sprache. Und wenn wir jetzt schon etwas pedantischer werden, dann kann ich auch gleich noch hinzufügen, daß Mme de Staёl viele Gedanken aus ihrer früheren Abhandlung »De la littérature considérée dans ses rapports avec les institutions sociales« (1800 erschienen) in dieses Buch übernommen hat. So zum Beispiel den Gedanken, daß literarische Werke von den Bedingen ihres Umfeldes geprägt sind (geographisch, sozial, klimatisch: Montesquieu läßt grüßen!), was sich schließlich daran zeigte, daß Mme de Staёl alle Länder, über die sie schrieb, zuvor bereiste.

Unabhängig von der konkreten Sprache Deutsch, auf die sich der Textausschnitt bezieht, möchte ich ihn auf das Erlernen der Aussprache jeder Fremdsprache beziehen, bzw. übertragen. Und bei Englisch kommt ein besonders auffälliger Unterschied zwischen der Schreibweise und der Aussprache hinzu. Man muß tatsächlich schon ein bißchen Ahnung von englischer Kultur usw. haben, um nicht in so manche Aussprachefalle zu tappen. Da Fremdsprachenlernen (und v. a. das ach so leichte Englischlernen) aber inzwischen nur noch eine Durchlauferhitzung ist, muß man sich nicht über das Pidgin von Politikern und Professoren wundern.

Die vollmundigen Floskeln vom Beitrag der englischen Sprache zur Internationalisierung (was auch immer das sein mag!) stehen in erschreckendem Gegensatz zur tatsächlichen Beherrschung dieser Sprache.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.01.2011 um 00.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17810

Lieber Prof. Ickler,

in Ihrem Beitrag stolperte ich über Ihre Schreibung "Ernst machen". Das geht mir völlig gegen den Strich. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar, daß Sie in Ihrem Wörterbuch auch die Schreibung ernst machen zulassen.

Aus diesem Anlaß habe ich im (alten) Duden nachgeschlagen und zu meiner Überraschung festgestellt, daß danach nur Ernst machen, es ist mir Ernst, es wird Ernst und im Ernst sagen erlaubt waren.

Wieder bin ich Ihnen dankbar, daß Sie es ist mir ernst zulassen.

Am allerschlimmsten finde ich allerdings die Schreibung es wird Ernst. Da könnte man ja genausogut es wird Kalt oder es wird Gefährlich schreiben! Andererseits sollte man nur schreiben: die Lage wird ernst und es wurde ernst und gar nicht lustig (Problemfälle-Duden 1985).

Bei einer Neuauflage könnten Sie bestimmt den Eintrag zu Ernst/ernst noch weiter ausbauen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 14.01.2011 um 23.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17808

Lieber Germanist,

inwiefern unterscheidet sich die englische Syntax durch "ihre häufig ganz andere Bedeutung von den aus dem Lateinischen stammenden Wörtern der Festlandsprachen"?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 14.01.2011 um 22.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17805

Jene Madame aus Frankreich schrieb in ihrem Buch über die Deutschen (im 9. Kapitel des 2. Teils):

«En apprenant la prosodie d’une langue, on entre plus intimement dans l’esprit de la nation qui la parle que par quelque genre d’étude que ce puisse être. De là vient qu’il est amusant de prononcer des mots étrangers; on s’écoute comme si c’était un autre qui parlât: mais il n’y a rien de si délicat, de si difficile à saisir, que l’accent: on apprend mille fois plus aisément les airs de musique les plus compliqués que la prononciation d’une seule syllable. Une longue suite d’années, ou les premières impressions de l’enfance, peuvent seules rendre capable d’imiter cette prononciation, qui appartient à ce qu’il y a de plus subtil et de plus indéfinissable dans l’imagination et dans le caractère national.»

Deutsche Politiker und Professoren sollten das vielleicht beherzigen, wenn sie wieder einmal kurzsichtig mehr Englisch in Deutschland fordern.

Und im übrigen mag Schillers Französisch der guten Germaine die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben, aber selbst mit Schlegels tatkräftiger Unterstützung war es mit ihrem Deutsch auch nicht so weit her. (Und schließlich hatte Schiller auch mit Hochdeutsch so seine liebe Mühe.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.01.2011 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17804

Genauso wie die englische Syntax unterscheiden sich auch die aus dem Lateinischen eingeführten Hard Words des Englischen durch ihre häufig ganz andere Bedeutung von den aus dem Lateinischen stammenden Wörtern der Festlandsprachen. Deutungsversuche aus dem Lateinischen führen im Englischen häufig zu peinlichen Mißverständnissen. Der Grund liegt darin, daß diese Wörter nicht wie in den Festlandsprachen samt ihrer Wortfamilie übernommen wurden, sondern als isolierte Einzelwörter ins Englische kamen.
 
 

Kommentar von Romantiker 2.1, verfaßt am 14.01.2011 um 13.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17796

1.
Schiller stellte sich einst dieser Madame aus Frankreich, die ein Buch über die Deutschen schreiben wollte. Er versuchte so gut wie möglich eine französische Konversation hinzukriegen. Madame zeigte Schamesröte. Na, und der Goethe, der machte sich schnell rar und aus dem Staube, zu große Angst überkam ihn – und schickte lieber Briefe vom Kuraufenthalt.

Schiller hat natürlich französische Stücke aufgeführt, wie wir alle bald wissen werden. Wie auch Kant, der auf französisch lehrte und schrieb, deutsch – wie kommen Sie darauf? Friedrich der Vater der Deutschen erzog ja sein Kabinett manierlich und parlierte gerne mit französischen Philosophen. Ja, und Hegel weinte der Kantschen Zeit innigst nach, da man noch französisch zu denken vermochte ...

2.
Neulich, im anderen Stadtviertel hier, ein neues Kulturzentrum, ein Schaukasten mit den Kursen – der einzige Sprachkurs, der angeboten wird: Türkisch. Kein Deutsch, nicht mal das old English. Also, auf!

3.
Prof. W. Stroh hat ja vergeblich versucht hier das "Neo-Latein" wieder "einzubürgern". Nun, sein Lehrstuhl ist nun vakant (soweit ich das mitgekommen habe), keine Vorlesungen oder gar so herrlich "Gastspiele" mehr. Vielleicht war es einfach zu tollkühn, das Latein gehört nun mal den Juristen (römisches Recht) und Theologen, wobei letztere seit den 1960er (!) Jahren mit den neuzeitlichen deutschsprachigen Messen nichts dazugewinnen konnten, intern überlegt man bereits wieder zurückzukehren ins ehrenwerte Latein.

4.
Wieder mit den Öffentlichen unterwegs, was lesen die Leute im öffentlichen Raum außer Zeitung? Genau, gefühlt die Hälfte hier in München liest englischsprachige "Fiction", Phantasie oder Krimis, beides Genres aus der anglophilen Welt. Diese "andere" Welt in der "anderen" Sprache hat etwas von Wirklichkeitsverneinung.

Anders die kürzlich verstorbene Eva Strittmatter, alle Frauen in der DDR haben sie gelesen, sie wurde geliebt für ihre Einfühlsamkeit (der wirklichen Dinge im Leben). Ein Nachruf von unseren Kritikern?! DIE ZEIT brachte eine Kopie vom Tagesspiegel, durch die Doppelung wurde der Artikel aber nicht besser. Nur in ner kleinen Linken hat Frau Gutschke einen angebrachten Nachruf veröffentlicht. Armes Land.
Ach, sie ist ja Unperson, wegen den Stasiakten und als DDRlerin sowieso.

"Die Kritiker irren sich, wenn sie sich entrüsten, weil Leben und Werk eines Autors einander widersprechen. Sie bezichtigen ihn der Ironie und er Doppeldeutigkeit; sie erklären, jemand, der mit jeder einzelnen Tat jedes einzelne Wort verleugne, sei unmöglich aufrichtig. / Trotzdem sind Werk und Leben keine wechselseitige Wiedergabe ihrer selbst: das Werk offenbart nicht das Leben, und das Leben ist auch nicht der Stoff des Werkes. Die biographische Kritik hat einen bloßen Annäherungswert, gelangt indes nur zu den ersten Wahrheiten. / Werk und Lesen sind Offenbarungen einer dritten Wirklichkeit, und beide geben jene Wirklichkeit wieder, wobei sie sich nach Erfordernissen richten, die ihnen eigentümlich und oft nicht miteinander vergleichbar sind. Werk und Leben stehen sich also nicht gegenüber, sondern integrieren sich und sind bestrebt, das Wesen des Seins systematisch zu versinnbildlichen. / In geistiger Hinsicht erlauben es die Früchte nicht, auf den Baum zu schließen, und vom Baum lassen sich auch nicht die Früchte herleiten; Baum und Früchte erfüllen, beide ihrer unterschiedlichen Natur gemäß, ihre Pflicht, ein geheime Macht zu verwirklichen, die über sie hinausgeht. (N. G. Dávila, aus: Notas) Übersetzt aus dem Spanischen hat das Ulrich Kunzmann, welch Meisterleistung! Wir sind, denke ich, das Land, mit den meisten Übersetzungen, die deutsche Sprache eignet sich bestens. Und nun alle auf (in?) English! And than, Miss Strittmatter ...

6.
Vielleicht ist auch die zukünftige supranationale und transatlantische englischsprachige Elite gemeint, Vorbilder wie die European Business School (Director and Young Global Leader Prof. Dr. Chr. Jahn) oder die Bucerius-Law-School (DIE ZEIT-Stiftung)? Man will ja mithalten schließlich.

5.
Ja, nochmals mein alte Frage, was macht die Uniwelt so. Nachdem das Lateinische letztlich zu theologisch altbacken war und ausrangiert wurde, das Französische zu höfisch für global player zu sein scheint, nun, dann eben das Business-Englisch. Immer der Devise nach: sich abheben. Was ist schon ein Schriftstück ohne ein lateinisches Einstreusel oder ein hochtrabenden französischen Begriff, was ohne ein globalisiertes Mantra wie "human", "social", "emerging markets"?! Ein Armutszeugnis, ein Käsblatt – für Rotzlöffel.

Wir sind einfach schon immer die besseren gewesen. Einst die besseren "römischen" Kaiser, heute die besseren Amerikaner-Demokraten. Wir werden ein weltbestes Gütesiegel-Englisch kreieren, wir müssen nur vorher die letzten Reste des alten Ballastes über Bord werfen, fangen wir mit den Romantikern an!

Englisch im Kindergarten – war das nicht Westerwelle? oder Wulff? – beide sind wie Guttenberg auch ja eingeladene Mitglieder dieses Fördervereins, weshalb dieses Trio aber so grottenschlecht das Englische beherrscht, das bleibt mir dabei ein Rätsel, bei den Beziehungen!

Also: Kindergarten, Grundschule, Studium bis zum Lehramt – alles Englisch oder was?

Das ist das aus. Rechtschreibreform, PC und Gender – das waren nur klene Sargnäglcken. Das ist das Grab, was wir uns selbst schaufeln. Jetzt bin ich baff.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 10.01.2011 um 20.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17763

Mr President hat antworten lassen. Antworten auf den Vorhalt ´Fehler´ im englischen Grußwort, ohne dies präzise zu bezeichnen – Erwartung heischend, "ob er etwas findet?". Fehlanzeige.
Mr President parlierte mit dem polnischen Parlamentspräsidenten, auf englisch versteht sich, und ließ unmittelbar anschließend an diesen englischen Redefluß das englische Grußwort in Tinte fließen.
Zum Schluß ein tröstendes Wort an sein Volk (oder sagt man besser "Bevölkerung"?): Die deutsche Sprache ist ihm ein wichtiges Anliegen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.01.2011 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17762

Hier zwei Fotos: www.welt.de/multimedia/archive/01147/wulff_07_starsburg_1147883p.jpg, www.welt.de/multimedia/archive/01234/wulff2_DW_Politik__1234131z.jpg. Ob sie echt sind, weiß ich nicht. Immerhin ist der Punkt nach der Tageszahl deutsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2011 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17761

Hat Wulff das wirklich so geschrieben? Wie immer in solchen Fällen meine ich: Fehler kann jeder machen, aber die Sünde, die nicht vergeben werden kann, ist der Mangel an Selbsterkenntnis, die Prätention, das eitle Spreizen, das wohl durch eine politische Laufbahn besonders gefördert wird. Man glaubt am Ende selber, alles zu können, sogar Englisch.
In einem Leserbrief wird gerade kritisiert, daß Wulff seine Weihnachtsansprache (warum produzieren sich Politiker zu hohen Kirchenfesten?) vom Teleprompter abgelesen hat. Natürlich war es außerdem ein Fremdtext. Aber meist tun die Journalisten so, als wüßten sie beides nicht, und beurteilen die rhetorische Leistung nach sachfremden Kriterien, wie sie früher einmal einschlägig waren.
Bei besagter Ansprache waren auch Kinder dekorativ anwesend. Leider hat keines auf den Kaiser gezeigt und ausgerufen: Aber er hat ja gar nichts an!
Wir hier wissen ja schon seit Jahren, daß er nichts anhat. Freilich kann man nicht zugleich junger Wilder und Bundespräsident sein.
 
 

Kommentar von Elmar Zink, verfaßt am 10.01.2011 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17760

Darauf Google: "Meinten Sie beflossen?"
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 10.01.2011 um 01.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17759

Alles englisch. Aus der Praxis (Oettinger im Hinterkopf): Der (neue)deutsche Bundespräsident sah sich bekanntlich befleißigt, seinen Eintrag ins Gästebuch des Europäischen Parlaments in Straßburg in englisch abzufassen: Best wishes for the European Parliament for the future in the 21th (!) century. C. Wulff.
Hätte Mr President englisch gelernt, wie es Marconi Emz (#17744) reklamiert, wäre uns die Wort-für-Wort-Übertragung vom Deutschen ins Englische erspart geblieben (und Herrn Wulff die Blamage).

"Best wishes to the European Parliament in the twenty first (21st) century", since most of the 21st century is still to come, the reference to the future is not really needed, Mr President.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.01.2011 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17748

Wenn "German English" zu nationalistisch klingt, könnte man auch ein "Continental English" definieren, das in Wortstellung und Satzbau den europäischen Festlandsprachen ähnlicher ist und für Festlandeuropäer verständlicher ist. Die europäischen Festlandsprachen benutzen z.B. viel mehr Nebensätze und Infinitive im Gegensatz zu den vielen Partizipien und AcI (Akkusativ cum Infinitiv) des Englischen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 06.01.2011 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17745

Eine nicht unwesentliche Rolle bezüglich des Englischniveaus in einem Land spielt die Tatsache, ob englischsprachige Filme synchronisiert werden oder nicht. Länder, in denen das der Fall ist, liegen im mittleren Niveau unter solchen, wo es bei englischer Originalsprache nur Untertitel gibt.
 
 

Kommentar von Marconi Emz, verfaßt am 06.01.2011 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17744

Der Vorschlag, einen Großteil der Studiengänge auf englisch anzubieten, hätte nur dann einen Sinn (und selbst dort einen begrenzten; Germanistik auf englisch?), wenn alle deutschen Kinder ab der ersten Grundschulklasse oder besser noch bereits im Kindergarten von Lehrern aus den USA und/oder dem Vereinigten Königreich in der englischen Sprache unterrichtet würden und die Kinder dann auch noch in ihrer freien Zeit ausgiebig englisch sprechen und lesen würden. Selbstverständlich müßten auch alle Hochschullehrer die gleichen hervorragenden Englischfähigkeiten aufweisen, was momentan und auf absehbare Zeit völlig undenkbar ist. Ansonsten würde die ganze Veranstaltung zum grotesken, minderwertigen Sprachtheater geraten und die Hochschulbildung auf Sonderschulniveau drücken. Die Forderung des Zukunftsrates ist in mehrfacher Hinsicht von bemerkenswerter Ignoranz.

Übrigens arbeite ich selbst als Übersetzer (vor allem aus dem Englischen, aber auch aus dem Italienischen und Französischen) in einer Bank, und es ist bezeichnend, daß meine italienische und meine französische Kollegin, die beide in ihre Muttersprachen übersetzen, lieber deutsche als englische Texte übersetzen, weil erstere auf Anhieb wesentlich verständlicher sind. Noch eine kleine Anekdote dazu: Ich bin mir mit meiner italienischen Kollegin auch einig, daß wir das Englisch von Indern besser verstehen als das vieler US-Amerikaner und selbst Engländer einschließlich unserer englischen Übersetzerkollegin.

Natürlich weist die englische Sprache ein sehr breites Spektrum auf, das für Ausländer von hervorragend klar und verständlich (wie z. B. in den Fernsehsendungen von "BBC Learning") über noch halbwegs verständlich (wie z. B. in amerikanischen Nachrichtensendungen und Hollywood-Filmen) bis hin zu völlig unverständlich reicht (diverse US-amerikanische und britische Slangs). Es scheint, daß der Zukunftsrat der letzten Kategorie noch das "deutsche Hochschulenglisch" hinzufügen möchte.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.01.2011 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17738

Als bevölkerungsreichstes Land Europas haben wir ja wohl das Recht auf ein eigenes "Deutsches Englisch" oder "German English". Andere Länder praktizieren das längst. Das in deutschen Schulen gelehrte "Oxford English" ist außerhalb der Schule eine stetig schrumpfende Teilmenge.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2011 um 11.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17733

Ralph Mocikat hat in zahlreichen Beiträgen eine wohl weitgehend zutreffende Diagnose gestellt. Gewisse Übertreibungen muß man nicht so ernst nehmen. Was aber oft als Hauptargument herausgestellt wird, ist gerade am wackeligsten: Die Muttersprache sei die Sprache der Entdeckungen, der Kreativität usw. – es läuft immer wieder auf die These von der Weltansicht der Sprachen, auf das "linguistische Relativitätsprinzip" hinaus. Und welche Autoren und Autoritäten zieht er heran? Humboldt, Whorf, ein wenig Dieter E. Zimmer. Das geht nun wirklich nicht. Die These ist leider völlig unbewiesen. Welche großen Entdeckungen hängen an den Muttersprachen der Entdecker?

Eher beiläufig wird der eigentliche Kern erwähnt: Eine so große und bisher auch voll ausgebaute Sprache wie das Deutsche soll nicht das Schicksal erleiden, das man tausend "kleine" Sprachen ungerührt erleiden sieht. Es ist also mehr eine Machtfrage.

Der Vorschlag, alles in den Muttersprachen zu machen und dann außerdem noch ins Englische zu übersetzen, ist natürlich unrealistisch.

Wie gesagt, ich selbst wäre glücklich, wenn das Deutsche noch gepflegt würde, aber ich sehe eine andere Zukunft voraus. Ob die DFG auch wieder Anträge auf deutsch entgegennimmt oder nicht, ist völlig unwichtig.

Ich schiebe gleich noch ein anderes diabolisches Argument nach: Es ist ja offizielle europäische Ideologie, daß jeder (!) neben Englisch noch eine weitere Fremdsprache lernen soll. Ursprünglich wohl ein Zuckerl, um die Romanisten zu versöhnen. Aber warum sollte man zwei Fremdsprachen lernen, wenn man nicht gerade Philologe ist? Natürlich ist es schön und auch nützlich, mehrere Sprachen zu können. Warum gerade zwei und für alle? Warum nicht Volkswirtschaftslehre, die ist doch auch nützlich?
 
 

Kommentar von Wortraum, verfaßt am 05.01.2011 um 21.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17728

Oh, ich hätte korrekturlesen sollen.
 
 

Kommentar von Wortraum, verfaßt am 05.01.2011 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17727

Zu Frage 1:
Wer behauptet denn, dies sei ein Vorteil? Welche Argumente gibt es dafür?

Eine Einführung der gepflegten deutschen Sprache scheint mir vorteilhafter; dann könnte man auch endlich volksnäher werden, denn schließlich sollten Forschungen, die vom Steuerzahler finanziert werden, auch für diese zugänglich sein. In diesem Zuge könnte man gleich pseudoelitäre Abgrenzungssprache abschaffen, auch wenn dann von einigen Studiengänge wie die Soziologie kaum noch etwas übrig bliebe – nein, nicht wenn, sondern gerade deswegen!

Sich bei Amerika anzubiedern, ist sinn- und erfolgslos, und für Studenten aus dem Ausland macht man sich damit nicht interessanter; die gehen gleich nach Amerika. Genau hier wurden aber wichtige Reformen verpaßt, in etwa den letzten 60 Jahren.

Zudem reichten die Englischkenntnisse der Studenten wohl kaum aus, und bereits in Deutsch sind die Leistungen stetig abnehmend.

Und was, bitte sehr, möchte man mit eine Monokultur und Monokulturellen Wissenschaft erreichen? Wozu soll das gut sein?

Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir kein einziges gutes Argument für allgemeine englischsprachige Vorlesungen ein. Nein, wozu soll das gut sein?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 05.01.2011 um 21.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17726

Mal ganz abgesehen von seinem gruseligen Reformschrieb ist Schneider voll und ganz zuzustimmen.

Und an des Teufels Anwalt (1399#17722) habe ich dann noch eine ganz garstige Frage: Wie viele der Sach- und Fachtexte, die Sie überwiegend auf englisch lesen, sind tatsächlich von Deutschen (oder Franzosen, Italienern usw., jedenfalls nicht von Engländern, Iren, Schotten, Australiern, Kanadiern, Amerikanern usw.) geschrieben? Oder lesen Sie nicht vielleicht überwiegend Fachtexte von englischen Muttersprachlern (die obige Aufzählung wird mir nun zu albern)? Lesen Sie doch im Vergleich mal einen wissenschaftlichen Text, den ein Deutscher auf englisch geschrieben hat.

Es gibt im anglophonen Raum ein menschenfreundliches Sprach-Ethos, eine zur zweiten Natur gewordene (aber auch durch Redakteure energisch durchgesetzte) Bemühung um Verständlichkeit, gegen Imponiergehabe usw.

Gilt das tatsächlich auch für Deutsche, die auf englisch publizieren? Ich möchte es bezweifeln, da man solche Eigenarten nicht einfach mit der Sprache ablegt, als würde man etwa mit dem Wechsel der Garderobe zugleich ein ganz anderer Mensch werden. Ein Redakteur einer auf englisch publizierenden Wissenschaftszeitung wäre zudem auch wieder ein Deutscher. Was sollte der deshalb energisch durchsetzen? In einer Sprache, die nicht seine Muttersprache ist.

(Bitte nicht persönlich nehmen, ich möchte lediglich den Anwalt des Teufels provozieren, nicht Theodor Ickler. Deshalb geht mich auch die abendliche Vorlesestunde mit Ihrer Frau nichts an!)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.01.2011 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17725

Ausnahmsweise – und ich setze dabei auf die unendliche Milde der Redaktion – möchte ich hier eine längere Passage aus Wolf Schneiders »Speak German! – Warum Deutsch manchmal besser ist« zitieren und zur Diskussion stellen – als Advocatus Diaboli, versteht sich. In Kapitel 14 (S. 93–98) schreibt er unter der Überschrift »Professor Dr. Unbeholfen«:

BSE, in der Landwirtschaft der Rinderwahnsinn, ist zugleich die akademische Abkürzung für eine andere Krankheit, die zumal in Deutschland um sich greift: Bad Simple English, Simpel-Englisch: das, was die Mehrzahl jener deutschen Wissenschaftler spricht, die sich des Englischen zu bedienen versuchen – ob dies geboten ist oder nicht. Klingt es allzu simpel, so wird es auch als Academic Pidgin verspottet und streift die unfreiwillige Komik.

Denn wie reden deutsche Professoren miteinander – und sogar mit den Saaldienern? In lausigem Englisch. Jedenfalls wenn sie für die Deutsche Forschungsgemeinschaft tätig sind, die Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft zur finanziellen Förderung der Forschung in Deutschland und zur Pflege der Zusammenarbeit unter den Forschern. Der Münchner Molekularbiologe Prof. Ralph Mocikat hat in den Sprachnachrichten 2006 «sein besonderes Erlebnis» bei einer sogenannten Begutachtung der Forschungsgemeinschaft beschrieben, «bei der nicht nur die schriftlichen Anträge in englischer Sprache eingereicht werden mussten, sondern auch die mündlichen Vorträge der ausschließlich deutschsprachigen Antragsteller vor einem ausschließlich deutschsprachigen Gutachtergremium englisch sein mussten. Dies war nicht nur peinlich, weil etwa in bayerischem, schwäbischem oder sächsischem Englisch referiert wurde. Entscheidend waren vielmehr die inhaltlichen Unklarheiten, welche durch falsche Aussprache und durch Unkenntnis semantischer Feinheiten notwendigerweise zustande kamen.»

«Es zeigte sich wieder einmal», fuhr Mocikat fort, «dass kreatives Denken in der Muttersprache verwurzelt ist und dass komplexe Zusammenhänge in einer Fremdsprache oft nur in entstellter Form mitgeteilt werden können. Erneut wurde offenbar, dass Englisch in all seinen Nuancen eine schwierige Sprache ist – einem verbreiteten Vorurteil zum Trotz und der Selbstüberschätzung vieler Wissenschaftler hinsichtlich ihrer fremdsprachlichen Kompetenzen zum Hohn.»

In der Regel verfügten deutsche Muttersprachler nur über «ein stereotypes und erstarrtes Vokabular, worüber gerade englische Muttersprachler in renommierten Fachzeitschriften schon mehrfach Klage geführt haben. Größere Schwierigkeiten ergeben sich, wenn der Diskurs sich auf Bereiche ausdehnt, die jenseits des Gartenzaunes der eigenen Forschungsthematik angesiedelt sind. Ungelenke Umschreibungen müssen da bemüht werden.» (So wurde aus dem «Berichterstatter» the person who carries the information to Bonn.)

«Selbst wenn dem Saaldiener signalisiert werden soll, dass das Licht dunkler gestellt werden soll, geschieht dies in holprigem Englisch. Die Szenerie gerät zu einem Kabarett, wenn in der Vortragspause deutsche Wissenschaftler im Zweiergespräch weiterhin auf Englisch radebrechen. Die ‹Internationalisierung› wird zur Infantilisierung. Der Beobachter schwankt zwischen Belustigung und Verzweiflung. Er wähnt sich in einem Tollhaus, kann aber nicht erkennen, ob er noch zu den Wärtern oder schon zu den Insassen gehört.»

So weit Prof. Mocikat. Er ist Mitglied des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache, der sich vorgenommen hat, gegen die gefährliche und zum Teil lächerliche Dominanz des Englischen in der deutschen Wissenschaft vorzugehen. […]

Selbstverständlich, stellen die Autoren in ihren Leitlinien fest, müsse jeder Wissenschaftler seine Ergebnisse auch in englischer Sprache präsentieren. Es sei jedoch eine Entwicklung im Gange, «die auf eine völlige Abschaffung der Landessprache auch im internen Wissenschaftsbetrieb hinausläuft». Und das habe gravierende Nachteile.

Schon jetzt werde die deutsche Fachsprache nicht weiterentwickelt oder gerate in Vergessenheit – mit der Folge, dass das Deutsche seine Wissenschaftstauglichkeit einbüße. Die Verbannung einer Sprache aus ganzen Wissensgebieten bedeute «geistige Verarmung und Selbstaufgabe der Sprecher. Eine Sprache ist in ihrem Kern bedroht, wenn sie gerade die zukunftsweisenden Bereiche nicht mehr zu erfassen vermag.» Es sei die Muttersprache, die für das Begreifen, Benennen und Mitteilen neuer Wirklichkeitsbereiche «die treffendsten Wörter und die anschaulichsten Bilder bereitstellt».

Die Flucht ins Englische, heißt es weiter, erschwere überdies den Gedankenaustausch innerhalb der deutschen Wissenschaft: Komplexe Zusammenhänge könnten deutsche Wissenschaftler auf Englisch oft nur ungeschickt vermitteln und eingeschränkt verstehen. Zugleich werde damit der Ruf geschädigt, den der Forschungs- und Ausbildungsstandort Deutschland im Ausland habe. «Vorlesungen, die von deutschen Muttersprachlern auf Englisch gehalten werden, wirken meist unbeholfen: Darunter leidet nicht nur die Qualität der Lehre. Insbesondere vermittelt der Gebrauch der englischen Sprache den Eindruck, man könnte in Deutschland neue Ideen nicht mehr als Erster aussprechen. Ein solches Land wird für Studenten und Wissenschaftler anderer Nationen uninteressant. Immer mehr studieren, forschen und lehren daher lieber gleich beim angloamerikanischen Original.»

Noch dazu schließe der Verlust einer wissenschaftstauglichen Sprache viele Bürger «von der Teilhabe und der Mitsprache an wichtigen Entwicklungen aus». Wissenschaftler seien aber der Öffentlichkeit verantwortlich und hätten gegenüber dem Steuerzahler eine Bringschuld zu erfüllen. Umgekehrt werde die Wissenschaft «neue Fragestellungen, die sich aus dem gesellschaftlichen Umfeld ergeben, nicht wahrnehmen können».

Diesen Einwänden fügt der Arbeitskreis einen weiteren, komplizierteren, aber den vielleicht wichtigsten hinzu: «Jede Sprache bildet die Erfahrungswelt in einer spezifischen Sprache ab, sie ist ein Spiegel des Weltverständnisses. Die Vorstellungen von der Wirklichkeit werden durch Wortschatz, Begrifflichkeit und Struktur der Sprache geprägt. Wissenschaft und Forschung leben von riskanten und konkurrierenden Hypothesen, von eigenständigen schöpferischen Ideen, von Visionen und von Eingebungen. Wer die Verwurzelung in der eigenen Muttersprache aufzugeben gewillt ist, der kündigt auch seine Mitarbeit an der inhaltlichen Gestaltung seiner Disziplin auf. Wir werden unserer wissenschaftlichen Produktivität langfristig schweren Schaden zufügen, wenn wir fortfahren, unsere Muttersprache konsequent aus dem Erkenntnisprozess auszublenden.»

So weit der Alarmruf des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache. Nehmen wir nur «die Vorstellungen von der Wirklichkeit», auf die sich der Arbeitskreis bezieht: die deutsche Wirklichkeit ist eben nicht dieselbe wie die lateinisch-romanische Realität. Für Engländer und Franzosen ist die Welt real, vorhanden, eine Sache, ein Ding – für uns ist sie wirklich, und das heißt: wirkend, wirksam, tätig, bewegt, im Geschehen begriffen; kein statisches Sein, ein dynamisches Werden.

Das ist keine Nebensache, es ist ein Stück Sprachpsychologie, es begünstigt einen vorwärts drängenden Denkansatz. Lebt doch der Mensch «mit den Gegenständen ausschließlich so, wie die Sprache sie ihm zuführt», sagt Wilhelm von Humboldt, und so ziehe jede einen Kreis um das Volk, das sie spricht. Jeder dieser Kreise ragt hier oder da über die Schnittmenge aller hinaus; und vielleicht war es ja gerade eine solche Auswölbung, in der Kant das «Ding an sich» ersinnen und formulieren konnte, Heidegger das «In-der-Welt-Sein» oder Sigmund Freud die Psychoanalyse.

Wenigstens in der «Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft» wird doch Deutsch gesprochen werden? Ach nein: Als sie 2007 in Siegen tagte, trugen von ihren 13 Arbeitsgruppen elf einen englischen Namen, und von den 180 Vorträgen wurden 152 in Englisch gehalten. Pech für die osteuropäischen Germanisten, von denen viele sich des Kopfhörers bedienen mussten. […]

Es ist die Sprache, die dem Denken die Chancen öffnet und ihm die Grenzen zieht. Es sind die Wörter, die geballten Erfahrungen und Erinnerungen unserer Ahnen, die uns, je nach Gebrauch, in Vorurteile einmauern oder unseren Gedanken Flügel geben. Für Höhenflüge deutscher Muttersprachler ist die deutsche Sprache unerreicht.
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 05.01.2011 um 19.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17724

Vielleicht nützt dieses Argument des britischen Linguisten Nicholas Ostler: Englisch ist als Lingua franca auf dem absteigenden Ast, vgl. www.nicholasostler.com.

www.economist.com/node/17730434
"English will have no successor because none will be needed. Technology, Mr Ostler believes, will fill the need."
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 05.01.2011 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17723

Warum kann man keine gemischtsprachigen Lehrveranstaltungen anbieten? Also einen Tag deutsch, den anderen englisch, oder so ähnlich.
Das hätte den Vorteil, daß bei der Erörterung sehr komplexen Themen die zusätzliche Erschwernis der Fremdsprache wegfiele, trotzdem aber ein ordentliches Rüstzeug für internationale Beweglichkeit vermittelt würde. Man soll in seinem Fach schließlich in der Muttersprache und in englisch aktionsfähig sein, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2011 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17722

Die Diskussion im ZEIT-Forum hatte ich mir auch schon heruntergeladen und gelesen, danke, Herr Paulwitz! Unter den Argumenten gegen Englisch als Wissenschafssprache habe ich keines gefunden, das stark genug wäre, dem Schicksal in den Arm zu fallen – um es mal pathetisch zu bebildern.

Wenn ich mal die deutsche Tageszeitung abziehe, lese ich wahrscheinlich seit vielen Jahren mehr Englisch als Deutsch, obwohl ich kein Naturwissenschaftler bin. Außerdem pflegen meine Frau und ich den Brauch, uns jeden Abend zwei Stunden lang vorzulesen, eigentlich immer auf englisch.

Ich finde, daß englische Fach- und Sachtexte im allgemeinen besser geschrieben und daher leichter zu lesen sind als deutsche. Es gibt im anglophonen Raum ein menschenfreundliches Sprach-Ethos, eine zur zweiten Natur gewordene (aber auch durch Redakteure energisch durchgesetzte) Bemühung um Verständlichkeit, gegen Imponiergehabe usw. Die englische Sprache hat durchaus ihre grammatischen Fallstricke, aber meist werden sie geschickt umgangen.

Die Internationalisierung und das viele Übersetzen ins Englische haben diese Sprache immer "besser" gemacht. Ob man das auch nachweisen kann? Man müßte mal amerikanischen Wissenschaftsredakteuren über die Schulter schauen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2011 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17721

Gerade das habe ich mehr als einmal gehört: "Ich veröffentliche nur auf englisch, mich berührt die Rechtschreibreform nicht!"

Ja, unbequem wäre die Umstellung für Hunderttausende, aber Bequemlichkeit ist bekanntllich kein Argument (außer bei der Einführung der Haushaltsabgabe fürs Fernsehen, da hat man es ganz ernsthaft ins Feld geführt, als "Vereinfachung").

Wenn die Kultusminister beschließen sollten, daß demnächst alle Lehrveranstaltungen und Abschlußarbeiten in englischer Sprache zu halten seien (mit Übergangsfristen: erst 25 % usw.), dann würden alle gehorchen, genau wie bei der Rechtschreibreform. Es würde ja nicht um die englische Sprache, sondern um die Innovationsfähigkeit des Standortes Deutschland gehen, nicht wahr?

Wenn im Zukunftsrat Vertreter von Unternehmen sitzen, deren Unternehmenssprache ohnehin Englisch ist, dann stimmt schon mal die Richtung. Und wer würde mickrig einwenden wollen: "Aber ich kann doch gar kein Englisch!"?

Uns bliebe zuletzt der Triumph, daß die Rechtschreibreformer eine tote Sprache reformiert haben!
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 05.01.2011 um 16.58 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17720

Hier sind Pro und Contra zusammengetragen:
www.zeit.de/wissen/2010-04/deutsch-forschungssprache

Siehe auch:
www.adawis.de
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 05.01.2011 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17718

Ich streite mich gerne mit des Teufels Anwalt.

Warum sollte ich aber eine Fremdsprache, die ich nur schlecht beherrsche ("Übrigens muß es ja kein gutes Englisch sein."), meiner Muttersprache als wissenschaftliche Fachsprache vorziehen?

Bitte sagen Sie jetzt nicht, daß nur noch die wenigsten Deutschen nach der Rechtschreibreform ihre eigene Muttersprache korrekt beherrschen! Dann hätte ja die Rechtschreibreform der Einführung von Englisch als Wissenschaftssprache in Deutschland Vorschub geleistet. Was für Synergieeffekte!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2011 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17717

Woher sollten sie es denn auch können? Die Studenten können es ja auch nicht, aber all das läßt sich einigermaßen beheben. In vielen Ländern geht es gar nicht anders: es gibt zu viele Landessprachen, und/oder diese sind nicht hinreichend ausgebaut. Übrigens muß es ja kein gutes Englisch sein.

(Ich mache mal den Advocatus Diaboli.)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 05.01.2011 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17716

Was könnte man gegen den Vorteil einwenden, das gesamte Hochschulwesen auf die Weltsprache Englisch umzustellen?

Zunächst einmal die Tatsache, daß die meisten deutschen Professoren überhaupt kein richtiges Englisch können. Warum sollten sie in einer Fremdsprache lehren und publizieren, die sie gerade mal rudimentär beherrschen? Das unterhaltsame Beispiel von Oettinger, das uns vermutlich noch wohlbekannt ist, stellt leider keinen Einzelfall dar. Gerade die Damen und Herren der Universitäten, die sich ständig mit der Internationalisierung (was immer das im einzelnen sein mag) und anderen leeren politischen Schlagworten brüsten, sprechen meist nur heavy Pidgin (vgl. Oettingers "in my mother country Badem-Wurttemberg we have a saying: we are all sitting in one boat"). Dieses gruselige Englisch muß von einem Prof. Dr. Dr. h.c. mult. (usw.) nur mit viel Grandezza vorgetragen werden, und schon glauben alle, daß deutsche Professoren des Englischen mächtig seien. Hinzukommen mag das Gerücht, Englisch sei eine Sprache mit einfacher Grammatik, die man gleichsam nebenbei lernen könne.

Wer überprüft eigentlich – unabhängig und nachprüfbar – die Englischkenntnisse deutscher Wissenschaftler?
 
 

Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 05.01.2011 um 14.42 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#17715

http://www.bayern.de/Zukunftsrat-.2623.10310641/index.htm

Zukunftsrat der Bayerischen Staatsregierung

Mitglieder

Der Zukunftsrat ist ein unabhängiges Beratergremium, bestehend aus 22 Persönlichkeiten, die vom Ministerpräsidenten ad personam auf die Dauer von zwei Jahren ernannt werden. Die erste Berufungsperiode begann 2010:

* Prof. Dr. Herbert Henzler, Credit Suisse, London (Vorsitzender)
* Margit Berndl, Vorstandsmitglied Paritätischer Wohlfahrtsverband, München
* Prof. Dr. Michael von Brück, Lehrstuhl für Religionswissenschaft, LMU München
* Prof. Dr. Hubert Burda, Hubert Burda Media Holding, München
* Prof. Dr. Patrick Cramer, Leiter Genzentrum der LMU München
* Wolfgang Dehen, CEO Siemens Energy, Erlangen
* Prof. Dr. Susanne Elsen, Sozialwissenschaften, Hochschule München
* Alois Glück, Präsident Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland (ZdK), Bonn
* Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Präsident FAU Erlangen-Nürnberg
* Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München
* Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der LMU München
* Dr. Ing. E.H. Hans Huber, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Huber SE, Berching
* Prof. Dr. Daniela Männel, Immunologie, Universität Regensburg
* Prof. Dr. Paul Nolte, Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin
* Dr. Norbert Reithofer, CEO BMW AG, München
* Prof. Dr. Jutta Roosen, BWL Marketing u Konsumforschung, TU München
* Fritz Schösser, Vorsitzender a.D. DGB Bayern, München
* Dr. Josef Schuster, Präsident Israelitische Kultusgemeinden in Bayern, Würzburg
* Prof. Dr. Gunter Schweiger, Präsident Hochschule Ingolstadt, Ingolstadt
* Ludwig Sothmann, Präsident des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V., Hilpoltstein
* Stephanie Spinner-König, Geschäftsführende Gesellschafterin der Spinner GmbH, München
* Dr. Rudolf Staudigl, CEO Wacker Chemie AG, München
 
 

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