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13.04.2012
Friede sei mit euch!
Sprachliche Akrobatik zur Religionsfreiheit
Die kostenlose Verteilung von Koranausgaben kann natürlich nicht verhindert werden, da es im Sinne der Religionsfreiheit nichts Einfacheres gibt als die Verbreitung der Grundtexte.
Daß die Druckerei, die jetzt eine Stornierung des Druckauftrages der Salafisten erwägt, überhaupt beim Verfassungsschutz und der Kriminalpolizei angefragt hat, ob gegen den Druck des Korans etwas einzuwenden sei, ist skandalös genug.
Nun bemühen sich Politiker um den Nachweis, daß selbstverständlich nicht der Koran an sich, sondern die Organisation, die ihn verteilt, verboten werden sollte. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen, gerade in sprachlicher Hinsicht. Bisher zeichnet sich ab, daß angeblich der "Religionsfrieden" gestört werde, wenn die Muslime ebenso Propaganda (übrigens ein christliches Wort) machen wie bisher die Christen, deren Grundschrift man ja auch kostenlos erwerben kann. Juristen freilich können alles (s. Rundfunkgebührengutachten!), und so werden sie es vielleicht noch hinkriegen, den Koran verbieten zu lassen.
(Ich kenne die fragliche Ausgabe noch nicht, nehme aber an, daß die Neuübersetzung, die mein Freund Hartmut Bobzin gerade herausgebracht hat, besser ist.)
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2013 um 07.31 Uhr
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Eben! Schon aus grammatischen Gründen nicht.
Zur Auslegbarkeit von Texten, wenn der Wille da ist, fällt mir gerade noch auf:
Das erste Angelus-Gebet des neuen Papstes auf dem Petersplatz wird in alle Welt übertragen. (Pressemeldung 17.3.13)
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu. (J.)
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Kommentar von ppc, verfaßt am 05.03.2013 um 12.52 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#22753
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Ist "ein Taliban" nicht so etwas wie "ein Schülerinnen und Schüler"?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2013 um 18.22 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#22749
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Kann ein Taliban im kommenden Jahr zum Präsidenten Afghanistans gewählt werden? (Welt online 4.3.13)
Natürlich nicht!
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2013 um 08.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#22426
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Obama hat sich wiederum mit der Hand auf der Bibel vereidigen lassen, sogar auf zwei Bibeln: Lincolns Bibel, die schon beim erstenmal dabei war, lag nun auf der von Martin Luther King. Ich bin kein Amerikakenner und weiß nicht, wie sich manche derartigen Züge mit dem sonst so stark betonten Säkularismus vertragen. Andererseits verstehe ich einigermaßen, daß ein Land mit strikter staatlicher Zurückhaltung in religiösen Angelegenheiten gerade besonders religiös sein kann oder muß.
Aber etwas anderes veranlaßt mich zu diesen Bemerkungen: In der Bibel, auf die mancher schwört, steht ja an zentraler Stelle; "Ihr sollt überhaupt nicht schwören." Darüber ist nun in der Kirchengeschichte viel gestritten worden, aber am Ende haben die größten Kirchen das Schwören und das Verbot des Schwörens für vereinbar erklärt. Das ist nun sehr interessant, zeigt es doch an einem krassen Beispiel die unendliche Auslegbarkeit von Texten - wenn nur der Wille stark genug ist.
Sokrates wollte nichts schreiben, weil er voraussah, daß Texte durch die Welt wandern wie herrenlose Hunde und jeder mit ihnen machen kann, was er will. Allerdings sagt das Platon, der die Schriftlichkeit verdammte – und der größte Prosaschriftsteller der Antike war.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2012 um 07.18 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#22149
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Salafisten sind ultrakonservative Islamisten, die angeblich so leben, wie es der Prophet getan hat, ihre Zähne mit Ästen putzen und den Koran wörtlich nehmen. (SZ 19.12.12)
Wie verrückt muß man sein, um seine Zähne mit Ästen zu putzen! In Wirklichkeit weiß jeder Orientreisende, worum es sich hier handelt:
„Miswak oder Siwak bezeichnet einen Zweig, eine Knospe oder ein Wurzelstück des Zahnbürstenbaumes (Salvadora persica), das zur Reinigung der Zähne verwendet wird. Der Miswak ist somit eine traditionelle arabische Form der Zahnbürste.“ (Wiki)
Usw., ein lehrreicher Artikel. Die Sitte ist auch in Indien unabhängig von der Religion weit verbreitet.
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Kommentar von GERMANIST, verfaßt am 02.10.2012 um 10.02 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#21634
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Nimmt man das Wort "katholikos" = allgemein wörtlich, kann man in Deutschland überhaupt keiner Kirche angehören, ohne vorher dafür zu bezahlen. (Auch die Orthodoxe Kirche nennt sich katholikos.) Den Prozeß hat die römische Kirche geführt.
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.10.2012 um 01.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#21630
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Nun handelt es sich bei dem ganzen Prozess um eine reichlich subtile Frage. Es trifft zu, daß die ursprüngliche Klage vom Erzbistum erhoben wurde. Andererseits war es Zapp, der Revision beim BVwG eingelegt hatte. Seine Revision war "in gewisser Hinsicht" sogar erfolgreich.
Allerdings scheint mir, jedenfalls solange der genaue Urteilstext nicht vorliegt, daß die katholische Kirche mit dem Urteilstenor zufriedener sein kann als Zapp. Insofern ist die Berichterstattung der Medien zwar juristisch ungenau, in der Sache aber vielleicht nicht so ganz falsch.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2012 um 09.11 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#21618
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In allen deutschen Zeitungen und sonstigen Medien hieß es, der Kirchensteuerrebell Zapp sei mit seiner Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. In Wirklichkeit hatte er gar nicht geklagt, sondern die Kirche, und man kann sogar sagen, daß er in gewisser Hinsicht recht bekommen hat. Es ist erstaunlich, wie sich so etwas verbreitet.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2012 um 05.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#21591
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"In turbulenten Zeiten wird an der Universität Erlangen-Nürnberg offiziell das neue Department Islamisch-Religiöse Studien eingeweiht. Zur Eröffnung der bayernweit einzigartigen Einrichtung haben sich am Donnerstag (27.09.12) zwei Minister angesagt." (Bayerischer Rundfunk)
Das sind weit mehr Minister als Studenten, von denen nämlich bisher kein einziger sich gezeigt hat. Wie mir ein Insider gestern an Ort und Stelle sagte, ist das Problem dieser konfessionellen Ausbildung, daß sie nicht auf Wunsch der Muslime eingerichtet wird, sondern den politischen Absichten überwiegend christlicher Bildungsplaner entsprungen ist. Dabei könnte auch – das ist jetzt meine Interpretation – die Absicht mitspielen, die steuerfinanzierte christliche Theologenausbildung samt Religionsunterricht zu retten. Die Zeiten sind der "bewährten" Zusammenarbeit von Kirche und Staat nicht günstig. Gestern jubelten die deutschen Bischöfe über das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Sachen Zapp, das ihnen weiterhin die unverkürzte Kirchensteuer zu sichern scheint. Wie aber die kritische Reaktion der meisten Beobachter zeigt, ist das zu kurz gedacht. Auch der Papst ist ja, wie er seit Jahrzehnten sagt, im Grunde dagegen, hat aber seinen deutschen Kollegen nachgegeben.
Die sprachlichen Pirouetten, mit denen die faktische Nichttrennung von Staat und Kirche als die wahre Trennung ausgegeben wird, sind einer eigenen Betrachtung wert. Dieter Grimm, dem wir aus anderen Gründen gram sein müßten, hat kürzlich in der Süddeutschen Zeitung einen messerscharf formulierten Aufsatz über diese Dinge veröffentlicht, der mich vor Bewunderung juristischer Klarheit wieder mal neidisch werden ließ.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.05.2012 um 12.03 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20595
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Das "kleine Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft" (C.H Beck 1982, Hrsg. Nabil Osman) schreibt zu "Muselman": "Im Persischen wurde die Pluralendung -an angefügt, die im Türkischen als Singular übernommen wurde, woraus Muselman(n) entstanden ist."
Unter dem vorhergehenden Lemma "Moslim, auch Muslim": Aus dem arabischen Wort muslim wurde durch Anhängen der persischen Endung -ân Musilmân, das in zahlreiche europäische Sprachen übergegangen ist, (...)".
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.04.2012 um 00.11 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20566
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M.W. ist aber doch die Nunationsendung nicht betont.
Im übrigen habe ich inzwischen gelernt, daß im Persischen das Suffix -an sehr vielfältige Verwendungen hat. Damit können u.a. verschiedene Wortarten gebildet werden, darunter Adjektive.
Das Online Etymology Dictionary bezeichnet pers. musulman als Adjektiv.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2012 um 13.17 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20563
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Ich hatte nur ein Foto gesehen, es war ganz eindeutig die Henningsche Übersetzung. Vielleicht wieder mal eines dieser irreführenden Bilder, mit denen die Presse uns abspeist, weil es immer irgendwas zu sehen geben muß. Oder sind verschiedene Ausgaben gedruckt worden? Andere Diskutanten im Internet sprechen auch von Henning. Von Denffer hatte ich noch [nie] etwas gehört.
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Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 27.04.2012 um 11.51 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20562
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Nachdem die Gemüter in diesem Strang sich wieder ein bißchen beruhigt haben, ist es angebracht darauf hinzuweisen, daß die in den Fußgängerzonen verteilte Koran-Übersetzung nicht (vgl. den Hinweis von Herrn Ickler in diesem Eintrag) von Max Henning, sondern – laut FAZ vom 25.4.2012 (siehe hier) – von Abu-r-Rida Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul stammt.
Ahmad von Denffer gibt in seiner „History of Qur’an Translation in Germany“ Hinweise zu Henning und seiner Übersetzung (S. 30–31) und zu Rassoul (S. 32).
Zur bibliographischen Abhandlung von Denffer geht es hier (PDF-Datei).
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2012 um 07.36 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20561
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Wozu den Plural bemühen? Es genügt doch die arabische Nunation des indeterminierten Singulars. (Persisch kann ich aber nicht.)
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.04.2012 um 22.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20559
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Muselman kommt nicht vom arabischen Plural, sondern vom persischen musulman. Diese Bezeichnung ist aus dem Persischen in viele andere Sprachen übergegangen und dort noch heute die übliche Bezeichnung, so in Französisch, Italienisch, Russisch, Türkisch (müsülman) und in zentral- und südasiatischen Sprachen.
In einigen europäischen Sprachen wie Deutsch und Englisch ist die Bezeichnung inzwischen unüblich geworden.
Nicht klar ist mir, ob im persischen Musulman ursprünglich auch die Pluralendung -an (wie in Taliban) steckt oder ob es sich nur um eine zufällige Ähnlichkeit handelt.
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Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 26.04.2012 um 19.16 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20558
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"Muselman"
Ist eigentlich schon beachtet worden, daß im Arabischen dies der Plural von "Muslim" (muslim) ist: (muslimu:n)?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 08.03 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20495
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„Muselmann“ kostet 1200 Euro
Dass er einen Tunesier als „Muselmann“ betitelte, kommt einen Maisacher teuer zu stehen: Er muss 1200 Euro Strafe wegen Beleidigung zahlen.
(merkur-online 19.08.09)
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.04.2012 um 01.11 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20493
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Auch im Duden 1991 stand noch Muselmännin neben Muselmanin.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2012 um 00.06 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20492
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Oh je, ich dachte gerade, ich hätte die letzten beiden Begriffe erfunden, dabei gibt's dafür jede Menge Internetbelege.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2012 um 23.44 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20491
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Interessant ist vielleicht auch, die dazugehörigen rein weiblichen Formen zu betrachten:
Muslim - Muslima, Muslime, Muslimin
Moslem - Moslime, Moslemin
Muselman - Muselmanin
Muselmann - ?
Für letztere kämen vielleicht die Muselfrau oder die Muselmännin in Betracht, aber da der Muselmann sowieso veraltet ist, haben die PC-Besessenen vielleicht ein Einsehen ...
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Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 20.04.2012 um 19.08 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20490
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Zu "NB" von Herrn Achenbach (#20476):
C-A-F-F-E-E
...
sei doch kein Muselman
der das/es/ihn nicht lassen kann!
Aber spätestens, wenn dieser Kanon als politisch unkorrekt geächtet ist, ist die Bezeichnung wirklich ganz ausgestorben.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 20.04.2012 um 18.00 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20489
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Sprachlich interessant: Ein Kabarettist benutzte jetzt für eine Mehrzahl von Koranexemplaren den Ausdruck "Koräne".
Der Begriff "Muslim" hat gegenüber "Moslem" den Vorteil, daß er den "mehr deutschen" Plural auf e bildet. Ob das bei seinem Vordringen eine Rolle spielt, weiß ich nicht.
Interessant auch Kauders neueste Auslassung, Muslime gehörten zwar zu Deutschland, der Islam aber nicht. Wir wollen nur nichtislamische Muslime!
Fast überflüssig zu sagen, daß der verteilte Koran zwar sorgfältig die arabischen Ausdrücke transliteriert, aber eifrig die Heysesche ss-Schreibung pflegt. Welche Reformtorheiten er noch hat, ist bei der Struktur des Textes nicht so leicht zu sagen.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 19.04.2012 um 20.50 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20477
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Die Umstellung ist politisch gewollt, wenngleich die Motivation nicht klar ersichtlich ist (anders als bei der Ablehnung der Fremdbezeichnung Mohammedaner). So heißt es z. B. Zentralrat der Muslime.
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.04.2012 um 19.17 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20476
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Anscheinend bewegen weltanschauliche Fragen wie diese die Gemüter sehr viel mehr als der eigentliche Gegenstand dieses Forums.
Jetzt aber etwas zur Sprache:
Mir fällt auf, daß die Bezeichnung Muslim seit einiger Zeit die früher überwiegende Bezeichnung Moslem verdrängt. Beide gibt es natürlich schon lange nebeneinander. Muslim ist die wissenschaftliche Transliteration und war früher überwiegend in gelehrten Abhandlungen zu finden. Dagegen gibt Moslem besser die tatsächliche Aussprache zumindest in einem Großteil der arabischen Welt wieder – jedenfalls wenn man das s stimmlos spricht.
Die Statistik ist eindeutig:
Im DWDS-Korpus entfallen von 380 Fundstellen für Muslim(e) allein 251 auf das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts. Für Moslem(s) findet man im selben Jahrzehnt nur 27 von insgesamt 238 Fundstellen. In der gesamten ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gibt es nur 9 Fundstellen für Muslim. Das ist eine eindeutige Verschiebung zugunsten von Muslim(e), selbst wenn man berücksichtigt, daß man wohl als Folge der Einwanderung und später des islamischen Extremismus seit einigen Jahrzehnten viel mehr über Moslems/Muslime spricht als früher.
Bei neueren Texten fällt der Unterschied noch krasser aus. Google News ergibt 22.300 Fundstellen für Muslim, 333 für Moslem.
Woran liegt nun diese Verschiebung? Ist es der Einfluß der gelehrten Sprache? Ist es der Einfluß des Englischen? Allerdings gibt es auch im Englischen beide Varianten. Ziehen die deutschen Muslimun die Bezeichnung Muslim vor? Ist Moslem vielleicht nicht mehr "politisch korrekt"?
NB
Die Bezeichnung Musulman ist ja im Deutschen völlig ausgestorben. Im Französischen ist sie die übliche Bezeichnung.
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Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 19.04.2012 um 18.53 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20475
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Zu Theodor Ickler, 19. April, 8.02 Uhr:
Die beiden letzten Sätze – daß sich Hindus, Muslime, Christen ... in ihren Grundanschauungen nicht wesentlich unterscheiden – finde ich sehr berechtigt und sehr beherzigenswert.
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Kommentar von ppc, verfaßt am 19.04.2012 um 08.40 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20473
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-> Marco Mahlmann
> Ich suche schon seit geraumer Zeit eine neue
> Bibel – in bewährter Rechtschreibung natürlich. Nix zu machen.
> Die Kirchen sind alle auf KMK-Schrieb eingenordet. Selbst
> Patientenverfügungen sind dermaßen au
> 96er-Version getrimmt, daß sie mißverständlich
> werden – bei einem solch sensiblen Thema!
Dem kann geholfen werden:
www.bibelonline.de
Man beachte, daß diese in "alter" (== schlechter!) Rechtschreibung geschriebene Bibel erst auf Seite 3 aller 1984er-Übersetzungen auftaucht, also auf den ersten und zweiten Blick nicht zu finden ist. Offenbar schämt man sich, daß es noch einige MitmenschInnen gibt, die so einen alten Mist kaufen.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2012 um 08.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20472
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Texte sind unendlich deutbar. "Legt ihr's nicht aus, so legt was unter." Theologen wissen, daß die Verteilung heiliger Schriften an die gläubigen Laien nicht ungefährlich ist. Die Hermeneutik ist eigens entwickelt worden, um Interpretationen zu finden, die dem Geist der Zeiten nicht allzu kraß widersprechen. In den vedischen Texten zum Beispiel ist von Menschen- und Pferdeopfer die Rede, wobei sich dem modernen Hindu natürlich die Haare sträuben. Man hat aber schon in grauer Vorzeit symbolische Deutungen gefunden, die das Ganze erträglich machen. (S. etwa Purushamedha bei Wiki.)
In Bremen hat man schon darauf hingewiesen, daß die Bibel wie alle religiösen Texte schwer zu verstehen sei, gerade im Hinblick auf judenfeindliche Stellen. Dazu s. "Antijudaismus im Neuen Testament" bei Wikipedia.
Vergleichsweise einfach zu verstehen ist die Bhagavadgita, die es wahrscheinlich auch bald auf deutschen Straßen gibt. In Indien haben Sikhs mir ständig fromme Bücher in die Hand gedrückt. Das Buch Mormon haben wir in Erlangen auch schon überreicht bekommen und zum Teil sogar gelesen, obwohl es uns skurril vorkommt. Konfuzius ist sehr leicht zu verstehen, Laotse überhaupt nicht. (Ich übertreibe ein bißchen.) Soviel zu den Texten.
Ich kenne sympathische und intelligente Hindus, Muslime, Jainas, Sikhs, Mormonen, Baha'i-Anhänger, natürlich Christen aller Observationen sowie Atheisten und finde nicht, daß sie sich in ihrer Lebensweise und ihren Grundanschauungen merklich unterscheiden. Darüber wundert man sich viel zu wenig.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2012 um 07.10 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20471
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Um wieder auf das Sprachliche zurückzukommen: Theologen gebrauchen bei uns die deutsche Sprache oft in einer Weise, die uns irgendwie vertraut vorkommt, bei genauerem Hinsehen aber doch fremd anmutet. In Bremen werden jetzt kostenlos Bibeln verteilt, was ja auch nur gut sein kann, denn ich kenne keinen einzigen Christen, von dem ich annehme, daß er die ganze Bibel gelesen hat. Nun heißt es: "Es sei wichtig, Kenntnisse über den eigenen christlichen Glauben zu haben, um den Dialog zum Beispiel mit den Muslimen überhaupt führen zu können, begründete Motschmann ihre Aktion in einer kurzen Pressemitteilung." Ähnliches lese ich auch in den Texten zur Begründung des Religionsunterrichts: Die Kinder sollten ihren Glauben kennenlernen, sollten wissen, was sie glauben usw. Die Katholiken brauchen, wenn sie es genau nehmen, ein Buch von 824 Seiten, um ihren Glauben kennenzulernen.
Das ist doch seltsam. In Wirklichkeit geht es natürlich darum, daß jemand die Lehren derjenigen Organisation kennenlernt, deren Mitglied er meist von Geburts wegen ist. Es gibt also, entgegen einem bekannten Philosophen, zweijährige Protestanten und Muslime... Es wäre meines Erachtens wünschenswert, sich eindeutiger auszudrücken.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2012 um 21.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20470
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Zum einen geht es doch hier um die Gegenwart, und da muß man schon sagen, daß das Christentum nicht nur gegenüber dem Islam, sondern auch im Rückblick auf seine eigene mittelalterliche Vergangenheit einigermaßen geläutert erscheint. Bibel und Koran nehmen sich gegenseitig nicht viel, beide muß man auch historisch sehen, vieles darf man in beiden nicht allzu wörtlich nehmen. Wie sich heute die beiden Religionen darstellen, darauf kommt es an. Und da unterscheiden sich die islamischen Diktaturen doch sehr von den westlichen Demokratien, die nur noch christlich geprägt sind, aber eine weitgehende Trennung von Staat und Kirche vollzogen haben.
Zum andern, ich fordere die Religionsfreiheit nicht von den Religionsgesellschaften, sondern, wie ich geschrieben habe, die Religionsgesellschaften stellen verschiedene Forderungen an den Staat. Natürlich entscheidet der Staat, aber die Religionen müssen bestimmte Spielregeln einhalten, sonst haben sie von vornherein gar keinen Anspruch. Solange noch ein großer Teil der Bevölkerung bei uns und im Ausland religiös befangen ist, kann sich der Staat nicht ganz heraushalten, muß regulieren. Gläubige sind eben auch Wähler. Ob wir nun sagen, daß er die einen bevorzugt, oder ob wir es so formulieren, daß er die anderen hintanstellt, das sind doch nur zwei Seiten einer Medaille. Es ist eine Ungleichbehandlung, die, das wollte ich vor allem sagen, zur Zeit gerechtfertigt ist, für die sich der Staat nicht zu entschuldigen hat! Insgesamt aber geht mir die Trennung von Staat und Kirche bei uns auch noch nicht weit genug, das ist ganz klar.
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.04.2012 um 17.49 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20469
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Auch und gerade im Christentum galt Apostasie von jeher als todeswürdiges Verbrechen. Wo Christen herrschten, kam man auch für weit geringere Vergehen auf den Scheiterhaufen, das galt auch für fromme, gottesfürchtige Christen, siehe Giordano Bruno oder Jan Hus. Es war, glaube ich, Nietzsche, der feststellte, daß es nicht die Menschenfreundlichkeit der Christen ist, die sie hindert, uns auf den Scheiterhaufen zu bringen, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenfreundlichkeit.
Solange es hier erlaubt ist, chirstliche Kirchen zu bauen – und warum sollte es nicht erlaubt sein? –, hat auch jeder Moslem das Recht, so große und prächtige Moscheen zu bauen, wie es ihm paßt! Eine architektonische Bereicherung für unsere Städte sind sie allemal. Im übrigen dürfen auch die Piusbrüder ihre Kirchen unterhalten, obwohl sie die Religionsfreiheit ausdrücklich ablehnen.
Zu Herrn Mahlmann: Warum sollen wir den einen Karfreitagsbrauch vom anderen trennen? Beide gehören gleichermaßen zur christlich-abendländischen Kultur (und beide richten sich aggressiv gegen diejenigen, die keinen Bedarf haben, in der Karfreitagsprozession mitzumarschieren). Aber bleiben wir beim weniger blutigen. Es fällt auf, daß Christen, darauf angesprochen, sehr schnell versuchen, den Unterschied zwischen "allgemeiner Feiertag" und "stiller Feiertag" zu verwischen. Ich habe nichts gegen religiöse Feiertage. Warum ist nicht auch Yom Kippur gesetzlicher Feiertag oder das Opferfest? Wie weit reicht da die Toleranz der Christen? Niemand, auch Christen nicht, scheint aber etwas dagegen zu haben, daß zumindest in bestimmten Branchen an Karfreitag gearbeitet wird. Konzerte, Theateraufführungen und Kinovorstellungen sind ja nicht generell verboten. Die Christen wollen nur, mit staatlicher Unterstützung per Sondergesetz, bestimmen, was auf dem Spielplan steht. Ein Oratorium in cis-moll oder die Matthäuspassion sind in Ordnung, die "Fledermaus" nicht. In einem Land, in dem Zensur qua Grundgesetz verboten ist, bestimmen Behörden, welche Filme sittlich geug sind, um im Kino gezeigt werden zu dürfen.
Christen sehen immer schnell ihre Religionsfreiheit bedroht, wenn sie anderen nicht mehr vorschreiben können, was sie zu tun oder zu lassen haben (das gilt auch für die Friedhofsordnungen).
"Der Bildungsauftrag des Staates umfaßt auch, den Kindern die Religion nahezubringen, damit sie sich frei dafür oder dagegen entscheiden können." Ja, eben! Ich bin sehr für Religionsunterricht an unseren Schulen, damit dem verbreiteten religiösen Analphabetismus entgegengewirkt wird, den der bornierte Konfessionsunterricht zementiert. Man kann in diesem Land ein Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife bekommen, ohne von den großen geistesgeschichtlichen Leistungen der Menschheit je etwas gehört zu haben. Was sind die vier Edlen Wahrheiten des Buddhismus? Was ist die Kritik des Mahayana am Hinayana? Was sind die Grundideen des Zen? Hat der Dalai Lama überhaupt noch etwas mit den Lehren des Buddha zu tun? Was ist der Rgveda? Wer war Mahavira? Was sind die wichtigsten jüdischen Feiertage und was wird da gefeiert und wie? Was sind die verschiedenen Konfessionen des Islam, was hat es auf sich mit Sunniten, Schiiten, Ismaeliten, Wahabiten, Aleviten? Und was ist mit der Ahmadiyya, ist das überhaupt noch Islam? Was hat Baha'ullah gelehrt (und wann und wo?) 13 Jahre "Religions"unterricht, und keinen blassen Schimmer. (Ein ganzes Schuljahr für jedes der genannten Themen und noch mehr!) Ganz zu schweigen von der Vermittlung der angeblich "eigenen" Religion (als ob ein zehnjähriges Kind eine eigene Religion haben könnte, die ihm nicht von außen eingeimpft wurde!) Als es im WDR noch die Sendung "Hallo Ü-Wagen" gab (wurde inzwischen aus Kostengründen eingespart, deshalb sollen jetzt ja auch meine Radiogebühren verdreifacht werden), zitierte bei einer Sendung zum Thema Konfessionsunterricht die Moderatorin (und Christin) Julitta Münch noch brav den Anfang der christlichen Bibel: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde", erklärte dann aber in Übereinstimmung mit dem Umstehenden, nicht den Anfang der jüdischen Bibel zu kennen! Sie hat also noch nicht einmal etwa Relevantes über die Grundlagen ihrer eigenen Religion erfahren!
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2012 um 16.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20468
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Das wären wohl eher Fälle für das Strafrecht. Die Forderung nach Religionsfreiheit kann meiner Ansicht nach nicht gut an Religionsgesellschaften adressiert werden, sondern nur an den Staat.
Wünschbar wäre ein Staat, der Religionsgesellschaften sozusagen überhaupt nicht kennt, statt einige davon zu bevorzugen. Interessant werden jetzt in Bayern die juristischen Eiertänze sein, wenn es wieder mal um die Konkordatslehrstühle geht. Ansatzpunkt ist eine Klage wegen der Besetzung eines solchen Lehrstuhls hier in Erlangen. Näheres in der Presse oder im Internet. Theologische Lehrstühle an staatlichen Universitäten sind schon kurios, aber nun erst nichttheologische Lehrstühle, die nur mit Zustimmung des Bischofs besetzt werden können! Seit der Steuerzahler auch die Ausbildung und Beschäftigung muslimischer Theologen, Religionslehrer und Militärseelsorger bezahlen muß, könnte es leichter zu einer Besinnung über die anderswo selbstverständliche Trennung von Staat und Kirche kommen.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2012 um 15.09 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20467
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Den Koran mögen die Muslime in Deutschland verteilen und vielleicht dabei auch selbst etwas über Freiheit, Offenheit und Pluralität in den abendländischen Demokratien lernen. Und wenn nicht, so richten sie jedenfalls damit keinen Schaden an.
Wenn sie aber weitergehende Forderungen nach Gleichberechtigung ihrer Religion stellen (Moscheen, islamischen Religionsunterricht in Schulen, vielleicht sogar staatliche Unterstützung beim Einzug von Steuern ähnlich der Kirchensteuer und anderes), dann muß der Islam zuerst einmal selbst die Grundvoraussetzung der Religionsfreiheit erfüllen: So, wie jeder Mensch aus freier Überzeugung einen Glauben annimmt, muß er auch, falls er diesen Glauben einmal nicht mehr teilt, frei und unbehelligt wieder gehen dürfen. Solange die Vertreter des Islam das nicht anerkennen, solange Konvertiten und andere vom Islam Abgefallene um ihr Leben bangen müssen, kann und darf es für den Islam bei uns auch keine allgemeine religiöse Gleichberechtigung geben.
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Kommentar von Pt, verfaßt am 17.04.2012 um 21.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20461
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Die andere Backe sollte man aber nicht allzu oft hinhalten müssen, Zahnersatz ist teuer.
Es ist notwendig, so manche Aussage einer heiligen Schrift zu hinterfragen. Auf christlicher Ebene würde ich da mit dem ''die andere Backe hinhalten'' anfangen. Könnte das vielleicht ironisch gemeint sein? Inwieweit verhindern solche doch etwas seltsamen Glaubenssätze das Erkennen neuer Phänomene, wie z. B. Mobbing? In der Bibel wird Mobbing nicht erwähnt, obwohl es erwiesenermaßen zu riesigen Problemen und unschuldigen Opfern führt. Dagegen ist so manches andere Gebot eher lächerlich. Für mich ist das der Beweis der Nichtexistenz Gottes. Ein allwissender und wohlmeinender Gott hätte die Leute vor solchen schwer zu erkennenden Phänomenen gewarnt, seine zehn Gebote aber sorgen eher für zusätzliche Schwierigkeiten, weil sie nicht konditional sind, anstatt welche zu lösen.
Der Bildungsauftrag des Staates kann nur umfassen, Kinder und Jugendliche über Religionen aufzuklären, ihnen ''die Religion nahezubringen'' hieße, sie einer bestimmten Religion zuzuführen, was klar grundgesetzwidrig ist. Selbst wenn Sie dies im Sinne von ''Religionen'' gemeint haben, hieße das, irgend eine Religion z. B. dem Atheismus vorzuziehen. Wie steht es hier mit Scientology, laveyanischer Satanismus oder den Pastafaries?
Die ''Grundschrift'' allein sagt wenig über die Religion an sich aus, insbesondere, wenn diese schon seit Jahrtausenden existiert und sich in div. Konfessionen aufgespalten hat.
Man sollte einmal jüdische oder moslemische Gelehrte fragen, inwieweit diese die Widergabe ihrer heiligen Schriften in einer reformierten Schreibung (der Originalsprache wie auch anderer Sprachen) akzeptieren. Kann es eine religiöse Organisation zulassen, daß durch Schrift- bzw. Sprachreformen der Inhalt verwässert bzw. unverständlich wird? Hat man auf christlicher Seite geprüft, ob die Reform zu Mißverständnissen führen kann?
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.04.2012 um 21.37 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20460
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Ich habe den Eindruck, daß die Zürcher Bibel abgesehen von der normalen Schweizer ss-Schreibung keine Rechtschreibungs-Verrücktheiten enthält.
"Die Zürcher Bibel wurde 1987 - 2007 im Auftrag der Synode der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich nach dem Grundtext aufs Neue übersetzt. Ihr Herausgeber ist der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich." Sie bemüht sich "um gößtmögliche Nähe zu den jeweiligen Sprachen der Ausgangstexte". "Die kulturelle Differenz zwischen der damaligen Welt und der heutigen wird nicht eingeebnet. Das heißt auch, daß ... Fremdes nicht dem bekannten Eigenen angeglichen ... wird."
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Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 17.04.2012 um 21.12 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20459
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Ich bin kein Katholik und weit davon entfernt, die katholische Amtskirche zu verteidigen, aber ich bin Christ und nehme das ernst.
Natürlich muß die Kirche (alle Konfessionen) anerkennen und dazu stehen, daß im Namen des Glaubens schreckliche Verbrechen geschehen (sind); das ist aber kein Grund, die Forderung nach Karfreitagsruhe mit Gewalt gegen Juden in Verbindung zu bringen.
Wer verlangt, das Verbot von fröhlichen Vergnügungsveranstaltungen an Karfreitag aufzugeben, muß ebenso für die Abschaffung des Karfreitags als Feiertag sein – konsequenterweise für die Abschaffung aller christlichen Feiertage. Wer aber den freien Tag will, muß auch den christlichen Hintergrund akzeptieren. Und der Tag, an dem Jesus an's Kreuz geschlagen wurde, ist eben ein Tag der andächtigen Stille.
Als Christ ist man nicht gegen Juden, Muslime etc., sondern vertraut auf Glaube, Liebe, Hoffnung, hält schon mal die andere Backe hin und weiß, daß man nicht ohne Schuld ist, und wirft nicht den ersten Stein.
Zur Religionsfreiheit gehört nicht nur, nicht religiös zu sein, sondern auch, es sehr wohl zu sein. Der Bildungsauftrag des Staates umfaßt somit auch, Kindern und Jugendlichen die Religion nahezubringen, damit sie wissen, worum es geht, und sich frei und bewußt dafür oder dagegen entscheiden zu können. In Deutschland ist die vorherrschende Religion nun mal das Christentum; kein vernünftiger Mensch aber hat etwas gegen Schulunterricht anderer Religionen.
Die Reaktion der CDU/ CSU auf die Koranverteilung ist natürlich übertrieben. Als Protestant begrüße ich, daß den Menschen die Grundschrift nahegebracht wird; Luthers Losung ist nicht umsonst "sola scriptura". Soll jeder lesen, was geschrieben steht, und sich ein eigenes Bild machen.
Ich suche schon seit geraumer Zeit eine neue Bibel – in bewährter Rechtschreibung natürlich. Nix zu machen. Die Kirchen sind alle auf KMK-Schrieb eingenordet. Selbst Patientenverfügungen sind dermaßen auf 96er-Version getrimmt, daß sie mißverständlich werden – bei einem solch sensiblen Thema!
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.04.2012 um 17.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20458
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Lese gerade in einer ansonsten unwesentlichen Tageszeitung (Kreuzberger Käseblatt) unmittelbar nebeneinander zwei Kurzmeldungen. Die Druckerei, die die Koranausgabern liefern sollte, verzichtet angesichts des gefühlten oder tatsächlichen öffentlichen Drucks auf das gute Geschäft und gibt den Druckauftrag zurück. Und die Piusbrüder (das sind die, die meinen, außer der römisch-katholischen Kirche dürfe keine Religion öffentlich auftreten) steht unmittelbar davor, in allen Ehren wieder in die Amtskirche (das ist eine von denen, deren Konfessionsuntericht an unseren Schulen staatlich verordnet wird) aufgenommen zu werden. Deutschland im Jahre des HErrn 2012. Ein Land, in dem an Karfreitag immer noch Tanzveranstaltungen und Operettenaufführungen verboten sind (wg. staatlicher Neutralität und so).
Aber ansonsten muß man den Salafisten (oder Salafiten, es gibt beide Formen) zu dem gelungenen PR-Gag gratulieren. Ein paar Infostände mit Gratiskoran veranstalten und etwas vom Planziel 25 Milionen schwadronieren (dafür müssen sie sich noch viele Wochenenden die Beine in den Bauch stehen, die tatsächlich bisher verteilte Zahl dürfte wohl eher bei 25000 liegen), irgendwann kriegt es auch die CDU/CSU mit, und schon redet das halbe Land über nichts anderes. Und das bei einem Ereignis, das an sich ähnlich relevant ist, wie wenn einige Sanyassins sich hinstellen und die Bhagavadgita verteilen. Aber prompt lassen unsere C-Politiker (und einige andere) die Hosen runter und zeigen, was sie von Religionsfreiheit halten, indem sie ein Verbot dieses unchristlichen Treibens fordern. Ach ja, das christliche Abendland, die Grundlage unserer Kultur, ist bedroht. Die christlich-abendländische Kultur, bei der vielerorts an Karfreitag Judenverprügeln zum Volkssport wurde – was die kirchlichen und staatlichen Obrigkeiten offenbar weit weniger gotteslästerlich fanden als das Aufführen lustiger Tänze.
Aber weil wir hier ja vornehmlich über Sprache reden wollen: Gleich auf der Titelseite der verteilten Korane steht ausdrücklich "Seine ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache". Das spricht für ein Bewußtsein, daß der Text interpretationsbedürftig ist und Übersetzungen problematisch sind. Immerhin ein wohltuender Unterschied zu diversen Evangelikalen, die Übersetzungen von Übersetzungen hundertmal abgeschriebener Texte für wortwörtlich wahre Offenbarung Gottes halten (und außerdem noch Anekdotensammlungen mit historischen Berichten verwechseln).
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.04.2012 um 15.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20456
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Der Islam des Osmanischen Reiches scheint ein völlig anderer als der seiner Nachfolgestaaten gewesen zu sein. Der Islamwissenschaftler Prof. Thomas Bauer führt den jetzigen auf die Kolonialherrschaft zurück.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2012 um 04.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20451
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Ich verteidige nicht den Islam (der mir so fern steht wie andere Religionen), sondern die Vergleichbarkeit der abrahamitischen Religionen. Gestern stand in der FAZ ein großer Artikel von Angelika Neuwirth zur Einheit der drei Religionen, ganz in meinem Sinne.
Wer die Bibel partout nicht lesen will, kann ja schon mal den Beitrag "Gewalt in der Bibel" bei Wiki zur Kenntnis nehmen. Was aus der NT-Feindesliebe in der historischen Praxis geworden ist, wäre auch zu bedenken, wenn man sie denn "an ihren Früchten erkennen" soll.
In jeder Koran-Einführung steht etwas über die zivilisatorische Wirkung dieses Werks, ebenso wie beim AT mit seinen Grausamkeiten. Also etwa Einschränkung der Blutrache, Verbot der Kindestötung (unerwünschte Mädchen ...), Almosenpflicht, Einhaltung von Verträgen, Beschränkung der Polygamie, Alkoholverbot usw.
Ich fühle mich aber als Verteidiger der Religion nicht besonders wohl und werde nun dazu nichts mehr sagen außer: "Lest!"
Ein deutscher Innenminister hat gestern gesagt: Wenn sich herausstellen sollte, daß die Koranverteilung mit saudiarabischem Geld unterstützt wird, sollte Deutschland keine modernen Waffen mehr an Saudiarabien liefern. Fragt sich natürlich, wie man die Portokasse der saudischen Regierung überwachen soll – abgesehen von der sonstigen Absurdität dieser Einlassung.
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Kommentar von Thomas Frieling, verfaßt am 17.04.2012 um 00.03 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20450
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Antwort auf #20423
"Erschlagt sie" ist ja eine recht klare Aufforderung. Sure 9, Vers 5 fordert ebenfalls zum Töten auf.
Das Schlimme daran ist der Aufforderungscharakter. Es wird nicht einfach eine vergangene Geschichte nacherzählt. Da spricht der Religionsstifter zu seinen Anhängern.
Mir ist nicht klar, wieso das heruntergespielt und verteidigt wird.
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Kommentar von Pt, verfaßt am 16.04.2012 um 17.57 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20449
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#20418
Wer behauptet, daß Religionen immer ''gut'' sein müssen? Oder, anders herum, jede Religion definiert selber, was als ''gut'' zu gelten hat. Und wer weiß schon, was Gott, sollte er tatsächlich existieren, als ''gut'' ansieht?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2012 um 14.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20447
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Unser alter Freund Joachim Herrmann, Islamgelehrter und bayerischer Innenminister, ist auch ein großer Rechenkünstler. Sonst wäre er anläßlich der Koran-Verteilung nicht zu so umwerfenden Einsichten gekommen: "Sogar wenn ein Exemplar nur ein Euro kosten sollte, gehen die Gesamtkosten bei der Verteilung von mehreren Millionen Büchern in die Millionen." (dpa 16.4.12)
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.04.2012 um 18.53 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20429
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Merkwürdigerweise steht in der Septuaginta Deutsch von 2009 bei Hesekiel 21 etwas etwas Anderes (obwohl auch ziemlich Unverständliches).
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 15.04.2012 um 16.47 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20427
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Zu #20425/6: Ich hab an unserm College vorvorgestern und vorgestern mal ganz naïv und ohne weitere Vorbereitung einige Leute "schnell mal" gefragt, ob sie in der letzten Woche, "na, sagen wir in den letzten zehn Tagen" in irgendwelchem Zusammenhang den Namen Günter Grass gehört oder gelesen hätten. Von dreizehn, zumeist Professoren, aber auch zwei, drei Studenten, nur drei. (Unter den Nein-Leuten war auch eine Poeta laureata eines Staates! Einer von den drei Ja-Leuten war ein früherer Student von mir; er las regelmäßig einen deutschen Nachrichtenticker!) Da zeigt sich, wie es in den USA ist, wenn eine nationale US-Zeitung, von der angegeben worden war, daß sie Grass' neues Gedicht bringen würde, es dann aber eben doch nicht bringt, weil dessen offene Diskussion offenbar doch nicht ganz gewünscht wird.
Ich bin übrigens einer von denen, die den Text als Gedicht gar nicht so schlecht finden. Denn wenn vor fast 100 Jahren "The Love Song of J. Alfred Prufrock" ein Schocker war, weil es als ein einfach ungewohntes und deshalb unakzeptables Liebeslied in keine Gewohnheit paßte, kann ich nicht gut begründet gegen die Qualität von "Was gesagt werden muß" protestieren, wenn da das Strukturelement "Inhalt eines Leitartikels" offenbar doch in Verse und Strophen gesetzt worden ist. Wenn hier "ich" steht, dann fühle ich mich auch an "Let us go then, you and I" erinnert, und ich weiß, daß "I" hier nicht dasselbe ist wie die Person T. S. Eliot, und ich nehme deshalb auch nicht naïv an, daß "ich" hier, wenn da steht "Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist", absolut Günter Grass persönlich ist. Denn der versteht schon etwas von Literatur und wie sie funktioniert.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 15.04.2012 um 14.15 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20426
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Gut so.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 15.04.2012 um 11.30 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20425
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Ob der Bundespräsident wohl noch etwas dazu sagt? Zu Grass hat man auch noch nichts von ihm gehört.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2012 um 09.00 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20424
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Ein weites Feld. Ich hatte immer wieder mit Theologen zu tun und habe mich oft gewundert, wie verschieden mit Texten umgegangen werden kann. Wie gesagt, ich war ja sogar an der Theologischen Fakultät einer Universität beschäftigt, wenn auch nur als Griechischlektor. Im Geschäftszimmer der Fachschaft hingen riesige Poster von Marx, Lenin und vielleicht auch anderen, an die ich mich nicht mehr erinnere, an der Wand. Das war vielleicht nur ein bißchen kokett, aber in den 70er Jahren im roten Marburg (Hans Heinz Holz als Philosoph, Wolfgang Abendroth als Politologe) auch nicht abwegig. Ich habe auch noch Rudolf Bultmann gehört und manches zur "Entmythologisierung" gelesen. Später hatte ich auch Kontakt zur katholischen Seite.
Also was mich wunderte: Da wurde ja einerseits solide Philologie gepflegt, und die "Einleitungen" (ins AT, NT), die einer besonderen "Einleitungswissenschaft" entstammen, sind aller philologischen Ehre wert. Aber was die Theologen dann den Gemeindemitgliedern erzählen, ist unendlich weit davon verschieden. Die ganze neuzeitliche Bibelkritik scheint dann vergessen. Ich will das nicht weiter erörtern, schon gar nicht moralisch, es ist ja nicht mein Problem. Aber es zeigt doch ganz schön, was man mit Texten alles machen kann, und das mal nicht an vergleichsweise exotischen Texten, sondern tief vertrauten, nicht wahr? Dies nur als Mahnung angesichts solcher Sprüche wie "Koran ist ok, aber die Auslegungen!" Das haben wir alles schon sehr lange und zum Teil sehr kraß im eigenen Hause!
Ich hatte versucht, gegen das wohlfeile Wort vom "jüdisch-christlichen Europa" mal eine andere Einheit, nämlich die abrahamitischen Religionen in Stellung zu bringen. Die schnelle Behauptung der Unvergleichbarkeit leuchtet mir überhaupt nicht ein. Die Religionswissenschaft und besonders die Islamwissenschaft weiß ich auf meiner Seite.
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2012 um 00.50 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20423
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Ich blättere in der DDR-Koran-Ausgabe vom Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1984, die ebenfalls die Übersetzung von Max Henning wiedergibt. Darin hatte ich mir z. B. Sure 2, Vers 186-191 angestrichen. Ich frage mich, ob Herr Frieling dies mit "offener Feindseligkeit gegenüber allen anderen" meint?
Und bekämpft in Allahs Pfad, wer euch bekämpft; doch übertretet nicht [Indem ihr zuerst den Kampf beginnt]; siehe, Allah liebt nicht die Übertreter.
Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung ist schlimmer als Totschlag. Bekämpft sie jedoch nicht bei der heiligen Moschee, es sein denn, sie bekämpften euch in ihr. Greifen sie euch jedoch an, dann schlagt sie tot. Also ist der Lohn der Ungläubigen. So sie jedoch ablassen, siehe, so ist Allah verzeihend und barmherzig.
Und bekämpfet sie, bis die Verführung aufgehört hat, und der Glauben an Allah da ist. Und so sie ablassen, so sei keine Feindschaft, außer wider die Ungerechten.
Der heilige Monat – für den heiligen Monat und (für) die heiligen Stätten Vergeltung! Wenn sich einer wider euch erhebt, erhebet euch wider ihn, so wie er sich wider euch erhob, und fürchtet Allah und wisset, daß Allah mit den Gottesfürchtigen ist.
Und spendet in Allahs Weg und stürzt euch nicht mit eigner Hand ins Verderben; und tut Gutes, denn siehe, Allah liebt die Gutes Tuenden.
Das ist sicher ein sehr archaischer, kriegerischer Text, aber ich kann darin keinen allgemeinen Aufruf zum Angriffskrieg gegen alle "Ungläubigen" erkennen. Es ist doch nicht zu übersehen, daß es stets nur um Verteidigen, Vergelten, Zurückschlagen geht. Vielleicht wird der Koran von Fundamentalisten anders interpretiert. Aber das ist dann auch ein anderes Thema.
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Kommentar von RvT, verfaßt am 14.04.2012 um 14.54 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20422
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Zu #20413: Genau das sollte man zumindest die Verteiler tunlichst nicht fragen und sich bei einer zweckentfremdenden Aktion auch nicht sehen lassen. Und das unterscheidet diese Verteilaktion, ganz unabhängig vom Inhalt, doch von vielen denkbaren anderen.
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Kommentar von Thomas Frieling, verfaßt am 14.04.2012 um 11.00 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20421
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Die Aussage der Rezension erinnert zum Ende hin an das Gerede der Schneider des Kaisers. Das Gewebe des hier behandelten Buches ist so komplex, daß es dem einfach gestrickten Leser seine einzigartigen Qualtiäten niemals offenbaren kann.
"Die hypertextuelle Struktur des Textes macht es jedoch unmöglich, einzelne Aussagen zu isolieren." Auf daß niemand das Offensichtliche ausspreche, ohne sich dem Vorwurf der Dummheit auszusetzen.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2012 um 06.46 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20419
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Wie ich gerade sehe, verteilen die Salafisten die weitverbreitete Übersetzung von Max Henning. Die ist von keiner Geringeren als Annemarie Schimmel bei Reclam neu herausgebracht worden. Wiki bietet unter "Koran-Übersetzungen" einen umfassenden Überblick. Lesenswert ist trotz mancher Bedenken auch die Besprechung von Stefan Weidner zu Hartmut Bobzins kommentierter Neuübersetzung: www.faz.net.
Wer dann noch von "sonnenklaren" Anweisungen im Koran sprechen möchte, kann es meinetwegen tun.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.04.2012 um 06.33 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20418
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In der Bibel steht auch jede Menge Schrott drin. Beispielsweise gibt es in Hesekiel 21 das "Lied vom Schwert des Herrn":
[...] und sag zu ihm: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen dich vor. Ich ziehe mein Schwert aus der Scheide und rotte bei dir die Gerechten ebenso wie die Schuldigen aus. Weil ich bei dir die Gerechten und die Schuldigen ausrotten will, deshalb wird mein Schwert aus seiner Scheide fahren, gegen jeden Sterblichen vom Süden bis zum Norden. Dann werden alle Sterblichen erkennen, dass ich, der Herr, mein Schwert aus der Scheide gezogen habe. Es wird nicht mehr in die Scheide zurückkehren. [...] So spricht Gott, der Herr: Sag: Ein Schwert, ein Schwert, geschärft und poliert. Zum Schlachten, zum Schlachten ist es geschärft; um wie ein Blitz zu leuchten, ist es poliert. [...] Man gab es zum Polieren, dann packt es die Faust, ein Schwert, geschärft und poliert für des Henkers Hand. [...] Verdoppelt wird das Schwert, ja verdreifacht. Ein Schwert zum Morden ist es, zum Morden, das gewaltige Schwert, das sie durchbohrt. [...] Ja, zum Blitzen bist du gemacht, zum Schlachten poliert. Zeig, dass du scharf bist! Zucke nach rechts und nach links, wohin deine Schneide gelenkt wird. [...] Ich, der Herr, habe gesprochen.
Man müßte die Bibel und den Koran radikal ausmisten, bis nur noch gute Botschaften übrigbleiben. Aber das ist natürlich nicht möglich.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2012 um 06.23 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20417
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Natürlich ist der Koran so wenig "sonnenklar" wie andere religiöse Schriften. Den Salafisten wird ja gerade vorgeworfen, daß sie eine bestimmte einseitige Auslegung vornehmen. Es gibt im Islam so viele theologische Schulen wie im Christentum.
Auch Philosophen lassen sich verschieden auslegen, ob sie nun ironisch-perspektivisch geschrieben haben wie Platon oder trocken-sachlich wie Aristoteles oder Kant. Immerhin war Platon derjenige, der das Problem am klarsten ausgesprochen hat: Wenn ein Text einmal in der Welt ist, läuft er herum wie ein herrenloses Tier, und jeder kann damit machen, was er will.
Mein Hauptpunkt war, daß die drei abrahamitischen Religionen eine auffällige Gemeinsamkeit haben: die Hervorhebung der Rechtgläubigkeit. Darauf gehen Sie, lieber Herr Frieling, gar nicht ein, sondern bestreiten einfach die Vergleichbarkeit der Texte, was ich als eifriger Leser überhaupt nicht verstehen kann.
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Kommentar von Thomas Frieling, verfaßt am 13.04.2012 um 22.19 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20414
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Religionsdebatten werden besser anderswo geführt. Aber mit allem Respekt, Herr Strowitzki und Herr Professor Ickler: den Koran, der sonnenklare Anweisungen an die Gläubigen beinhaltet, kann man nicht mit der Bibel vergleichen.
Bitte werfen Sie einen Blick hinein, und sehen Sie selbst, zu welch offener Feindseligkeit gegenüber allen anderen die Gläubigen dort durch den Propheten persönlich aufgerufen werden.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 13.04.2012 um 21.41 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20413
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Gehören die Freiexemplare bei Nichtgefallen eigentlich in die blaue oder in die grüne Tonne?
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Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.04.2012 um 20.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20411
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"Die Ankündigung der Pius-Brüder, in den Fußgängerzonen verschiedener Städte kostenlos Bibeln zu verteilen, ist parteiübergreifend auf scharfe Kritik gestoßen. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag erklärte, dieser Mißbrauch der Religionsfreiheit gefährde das friedliche Zusammenleben von Christen und Deutschen. Das Verteilen von Bibeln an sich sei nicht zu beanstanden, es sei aber zu befürchten, daß damit Leute angelockt werden sollten, die dann andere, gefährlichere Schriften dieser Gruppe bekämen. Der bayerische Innenminister sagte, das Verteilen der Bibeln sei nur ein Vorwand. In Wirklichkeit gehe es den Piusbrüdern darum, zu missionieren. Die Generalsekretärin der SPD forderte, die christlichen Organisationen sollten sich von undemokratischen und frauenfeindlichen Positionen distanzieren. Der FDP-Vorsitzende sagte, gegen das bloße Verteilen von Bibeln gebe es keine Handhabe. Der Verfassungsschutz kündigte an, die Aktion zu beobachten. Die Grünen-Politikerin Göring-Eckhardt äußerte Zweifel an der Qualität der Übersetzung. Vermutlich sei sie nicht in gerechter Sprache verfaßt."
Soweit die Berichterstattung heute früh im "Morgenecho". Oder sollte ich im morgendlichen Halbschlaf irgendetwas falsch verstanden haben?
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.04.2012 um 18.58 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20410
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"Jedenfalls kann man AT, NT und Koran durchaus als Zusammenhang begreifen und braucht sich nicht auf die alten Kämpfe einzulassen, die, wie gesagt, ganz auf Konfrontation unter Kindern desselben Stammes ausgerichtet waren."
Um sich nicht auf Kämpfe einzulassen, scheinen manche in Deckung gehen zu müssen. Ich kann nicht beurteilen, wie wichtig Christoph Luxenberg als Wissenschaftler zu nehmen ist, denke aber, daß er seine Arbeiten über den Koran aus gutem Grund unter Pseudonym veröffentlicht. Betrachtungen im genannten Zusammenhang stoßen bei Moslems nicht auf ungeteilte Begeisterung.
Das Geschwätz von Leuten wie Pierre Vogel im Ohr, kann ich Kauder übrigens verstehen.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2012 um 09.50 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20409
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Kauder sagte: "Ich verurteile die Aktion scharf. Der Koran wird hier für extremistische Umtriebe missbraucht." Zu Recht distanzierten sich muslimische Verbände in Deutschland von diesem Missbrauch der Religionsfreiheit. "Im Übrigen würde mich dringend interessieren, woher das Geld für diese Aktion stammt", sagte der CDU-Politiker. (Hamburger Abendblatt 13.04.2012)
Das geht ihn nun wirklich nichts an. Woher das Geld für die kostenlosen Bibeln stammt, wird ja auch nicht gefragt. Auch dürften wohl nur die Muslime beurteilen können, ob die Aktion ein Mißbrauch des Korans ist.
Übrigens gibt es die Ansicht, daß der Koran (die Überraschung über den Inhalt überrascht mich ...) eigentlich eine "christliche" Schrift sei, nur eben mit revolutionärer Wiederherstellung des strengen Monotheismus, der den Muslimen durch Trinität, Marienkult usw. verwässert worden zu sein schien. Ich muß aber gestehen, es ist schon etwas länger her, daß ich die Diskussion (u. a. um den Erlanger Gelehrten Lüling) verfolgt habe, und ich bin über den gegenwärtigen Stand der Forschung nicht gut informiert. Navid Kermani hat ja auch kürzlich über den Koran geschrieben und wird allgemein gelobt. Jedenfalls kann man AT, NT und Koran durchaus als Zusammenhang begreifen und braucht sich nicht auf die alten Kämpfe einzulassen, die, wie gesagt, ganz auf Konfrontation unter Kindern desselben Stammes ausgerichtet waren. Aber daran scheinen Kämpfer wie Kauder kein Interesse zu haben.
Der Religionsunterricht versäumt anscheinend die Hauptsache. Die Grundtexte werden nicht gelesen – in 13 bzw. jetzt 12 Jahren mit erst drei, dann zwei Wochenstunden bis zum Abitur! Eine meiner Töchter fragte mich als Grundschülerin: Papa, warum reden wir in Reli über Kläranlagen? Das konnte ich ihr leider auch nicht sagen. Ich habe ja den künftigen Religionslehrern Griechisch beigebracht, aber was sie damit angefangen haben, weiß ich nicht.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2012 um 09.34 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20408
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Wenn wir damit erst anfangen, stehen wir bald vor der Frage, wie es sich denn mit der Bibel verhält. Zum Glück (für den "Religionsfrieden") liest niemand die (bis auf ein paar ausgewählte Stellen). Vgl. vorläufig Franz Buggle.
Um die Diskussion nicht auf dieses leidige Thema zu bringen, möchte ich nur einen Gedanken anfügen, der durchaus mit Sprachlichem zu tun hat. Als interessierter Beobachter finde ich es beachtlich, wie sehr die abrahamitischen Religionen darin übereinstimmen, daß sich ihre Anhänger nicht nur ums eigene Seelenheil sorgen, sondern auch und noch viel mehr um die Rechtgläubigkeit ihrer Mitmenschen. Das scheint schon von den allerersten Anfängen (erstes der zehn Gebote) auszugehen, und die Bekämpfung und Bekehrung, notfalls Vernichtung der Häretiker und Ungläubigen ist bis heute ein herrschendes Motiv. Ich habe am Wochenende gerade die drei Johannesbriefe studiert (von denen die meisten Christen gar nicht wissen, daß es sie gibt), ganz unwichtige Schriften, aus denen aber hervorgeht, daß schon so früh, also etwa um 90 herum, die Bekämpfung von Abweichlern im Gange war. Vgl. Walter Bauers Arbeiten. (Das ist derselbe Autor, der auch das famose Wörterbuch zum NT gemacht hat.)
In der Literatur nun, etwa in Autobiographien, stößt man immer wieder auf die Sorge, daß die Kinder auch wirklich im rechten Glauben erzogen werden, also nicht etwa als Evangelische unter die Katholischen geraten usw. Gerade in so einfältigen Schriften wie dem neulich erwähnten "Jürnjakob Swehn" findet man das in aller Naivität.
Daran mußte ich auch von ein paar Wochen denken, als ich meinen Eintrag "Festung Europa" schrieb. Die "Identität Europas" finde ich nicht sinnvoll, aber die Welt der "Rechtgläubigkeit" im erwähnten Sinne scheint mir schon ein gewisses gemeinsames Klima geschaffen zu haben. In anderen Regionen, etwa Indien, scheint das bei weitem nicht in diesem Maße der Fall zu sein. Es gibt unendlich viele Schulen des Hinduismus und des Buddhismus, aber doch nicht diese Verfolgungswut der einen gegen die anderen.
Am sprachlichen Niederschlag dieser Entwicklung arbeite ich noch.
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Kommentar von Thomas Frieling, verfaßt am 13.04.2012 um 08.51 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#20407
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Manch einer, der ein Examplar abbekommen hat, wird es tatsächlich lesen und sich wundern, daß es legal ist, solche Texte zu verbreiten. Auch wenn die Ansprüche an die "Grundtexte einer Religion" nicht dieselben sind wie an Parteiprogramme, sollte man sich eine Meinung dazu bilden, was es bedeutet, wenn eine gesellschaftliche Gruppe die darin enthaltenden Schmähungen und Handlungsaufrufe vertritt und verbreitet.
Bislang haben viele Politiker und Journalisten sich um des lieben Friedens Willen vor einer Meinungsäußerung zum Koran gedrückt. Das wird jetzt schwieriger.
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