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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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10.12.2009
 

Bilder
Ein Kapitel Stilblüten

In diesen trüben Tagen kann man was Heiteres gebrauchen. Ich hoffe trotzdem nicht mit Sick verwechselt zu werden …

Der deutsche Schachtelsatz ist lang, wirr und unverdaulich wie ein vielfach verknoteter Bandwurm (Willy Sanders: Gutes Deutsch – besseres Deutsch, Darmstadt 1986, S. 148f.)

Ein Bandwurm wird nicht verdaulicher, wenn er weniger verknotet ist.

Der Schwert- oder Killerwal ist ein Meerespolizist; er frißt die Kranken und Schwachen. (Die Zeit 25.12.85)

Gegen diese Unterstellung sollte sich die Polizeigewerkschaft verwahren.

Unerschrocken stürzt er heilige Kühe. (F. Vester im Vorwort zu H. A. Pestalozzi: Nach uns die Zukunft. München 1979:7)

Kühe werden nicht gestürzt, sondern geschlachtet – bis auf die heiligen Kühe eben.

Dieser Schriftsteller ist ein anatomisches Wunder - sein Körper besteht aus lauter Achillesfersen. Mit anderen Worten: er ist überall verwundbar. (Reich-Ranicki in V. Hage: Dt. Lit. 1981, Stuttgart 1982:28 über M. Walser – übrigens eine typische Stilfigur von R-R, der alles doppelt und dreifach sagt!)

Wie ein Bremsklotz hat sich die hohe Arbeitslosigkeit an die sonst keineswegs unbefriedigende Wirtschaftsentwicklung gehängt. (SZ 24.12.87)

Sarkastischer Witz und abgrundtiefe Schwermut schließen sich nicht aus - es sind zwei einander zugewandte Seiten einer und derselben Medaille. (FAZ 14.2.87)

Die Sache hat einen leicht durchschaubaren Haken. (FAZ 22.12.82)

Eine tiefe Schwelle trennt uns von jenen fast 5000 Jahren ... (Arnold Gehlen in: Sinn und Unsinn des Leistungsprinzips. München 1974:13)

Überhaupt bleibt das vordergründig Autobiographische sehr im Hintergrund. (Lothar Gall in FAZ 26.11.04)

Der Vordergrund bleibt also im Hintergrund.

Metaphern sterben irgendwann ab, dann stören auch Bildbrüche nicht mehr. Aber viele anschauliche Bedeutungen sind eben nur halbtot, empfindliche Menschen sehen noch etwas dabei, und es kommt zu unfreiwillig komischen Wirkungen, man denke an die reformierten behänden Füße:

Wasser wird zunehmend knapp. (FAZ 25.4.87)

(Wasser wird immer knapper – das ist knapper und besser.)

Für die Woche vor Ostern hat der Bundeskanzler, der zunehmend mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, seine jährliche Abmagerungskur im Montafon vorgesehen. (SZ 16.1.85)

Nähme er nicht zu, hätte er freilich keine Gewichtsprobleme. Das kann man leider von den magersüchtigen Frauen nicht sagen,

die zunehmend an Magersucht (Anorexia nervosa) leiden (FAZ 24.12.85)

Die behänden Füße sind so komisch wie der brachiale Fußtritt:

Mit einem brachialen Fußtritt hat ein unbekannter Täter eine Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus in der Wilhelmstraße geöffnet. EN 13.6.91)

Deutschland hat sich zur Konjunktur-Lokomotive gemausert. (SZ 22.5.07)

Gefiederte Eisenbahnen?

der ausschlaggebende Prüfstein (Newen/v. Savigny: Einführung in die Analytische Philosophie. München 1996:177)

Entweder ausschlaggebend (auf der Waage) oder Prüfstein (bei der Goldprobe). Ohne die Neigung zum Doppelmoppeln wäre der Bildbruch nicht passiert.

Tage (...), an denen uns die Menschenwelt und sogenannte Kultur wie ein Brechmittel entgegengrinst. (Hermann Hesse: Der Steppenwolf. Frankfurt 1972:32)

Schon in der Schule haben wir gelernt, daß man nicht schreiben soll Ich verschwand im Walde. Unmöglich ist es nicht, denn man kann das eigene Verschwinden aus der Sicht eines anderen erleben. Aber dazu bedarf es einiger Verrenkungen. Es wirkt unfreiwillig komisch, wenn Alfred Andersch seinen Roman "Efraim" mit diesem sprichwörtlich verunglückten Satz beendet: Ich verschwand um die Ecke.

Aber ich war schon hinter dem Regenvorhang verschwunden. (Hans Erich Nossack: Nekyia. Frankfurt 1961:7)

Ich denke nur an diesen Baum, und meine Augen verklären sich. (Jurek Becker: Jakob der Lügner. Frankfurt 1979:9)

In allen diesen Fällen gibt es niemanden, der das Verschwinden des Helden oder die Verklärung seiner Augen (schon dies fragwürdig genug) beobachten könnte.

Mit ausdrucksloser Miene starrte ich in mein Schließfach. (R. L. Stine: Gefährliche Mutproben. Loewe 2006:8)

Ich kniff die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen, und meine Lippen umspielte ein boshaftes Grinsen. (ebd. 41)

Der Blick, den ich ihr zuwarf, sprach Bände. (Sabine Kornbichler: Gefährliche Täuschung. München 2008:207)

Das kann man von eigenen Blicken kaum sagen.

Verstohlene Küsse wechseln die Wangen. (SZ 1.4.08)

Manche Metaphern stürzen uns in ein störendes Grübeln.

Italien ist ein kollektiver Gulliver, der sich stets am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht. (SZ 15.12.08)



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Kommentare zu »Bilder«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2019 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#41189

Trump erklärt Deutschland zum Prügelknaben (SPIEGEL 3.4.19)

Wieder knapp daneben, wie so oft bei den Sprachkünstlern vom SPIEGEL.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2019 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#40995

Nach der Politik zog er sich zurück und war wieder Anwalt wie zu Anfang seines Lebens. (Gerhard Spörl über Klaus Kinkel)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2019 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#40759

zu 1259#37170:

ZDF, Sendung "Terra X", 3.2.19, 19.30 Uhr, der Kommentator:
Klimaforscher haben herausgefunden, daß die Arktis das Epizentrum der globalen Erwärmung ist.

Ich habe den Verdacht, daß Epizentrum von den Journalisten mit der neuen jugendsprachlichen Bedeutung von episch (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#39817) in Verbindung gebracht wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.11.2018 um 00.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#40113

Das Erste (ARD), heute im Teletext, Seite 506:

Gedenk- und Feiertage: 19. November
Welt-Toiletten-Tag

Der Mangel an Sanitäranlagen gilt als weltweit größter Infektionsherd.

Der Mangel – ein Herd? Einen Herd kann man zumindest räumlich konkret zuordnen. Mangel ist ein Abstraktum. Das paßt gar nicht zusammen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.11.2018 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#40092

Werbung im Internet für Geräte zum Schmelzen von Edelmetallen (Gold, Silber, Kupfer), Hervorhebung von mir:

Selbstverständlich bieten wir auch die passenden Tiegel aus Graphit an. Die vorhandene Auslaufkerbe sorgt für ein kinderleichtes Abgießen der Schmelze.

Die Vorstellung, daß Kinder mit einer über 1000 °C heißen Metallschmelze hantieren, macht mich schwindlig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2018 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#40050

Zwischen den Mitgliedern der Ethikkommission (...) und den behandelnden Ärzten (...) herrschte in dieser die Öffentlichkeit aufwühlenden Frage offenbar dröhnende Funkstille. (Gregor Schöllgen: Wissen in Bewegung. Die Friedrich-Alexander-Universität. München 2018:133)

Die beiden etwas abgenutzten rhetorischen Figuren werden durch Mischung nicht besser.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.10.2018 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39962

ZDF, heute-Sendung, 19 Uhr, über das Hochwasser in Rattendorf, Österreich:

Straßen sind nur noch in Ansätzen zu erkennen. Einziger Trost: Hier soll die Hochwasserwelle ihren Scheitelpunkt bereits überschritten haben.

Wie überschreitet eine Hochwasserwelle ihren Scheitelpunkt? Um das zu verstehen, muß man wohl erst über seinen eigenen Scheitel hinauswachsen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2018 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39901

In einem Gastbeitrag der FAZ wird Mussolini als „Galionsfigur des italienischen Faschismus“ bezeichnet. Das hätte sich der Duce wohl verbeten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2018 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39890

Bilfinger baute schlüsselfertig Brücken, Straßen, Tunnel. (FAS 21.10.18)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.08.2018 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39423

Ist das aktuelle "Spurwechsel" nicht ein sehr entlarvendes Wort für das, was unsere ständig linker driftende Regierung wirklich will? Es geht überhaupt nicht um Asyl, es geht rein darum, alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um noch ein bißchen schneller das Volk auszutauschen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2018 um 21.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39336

Eine Frau befindet sich nach wie vor in Behandlung, schwebt aber außer Lebensgefahr.

DLF, heute gegen 18.20 Uhr, über den Autoanschlag vor dem Londoner Parlament.
Das ganze Leben ist halt ein Schweben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.08.2018 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#39273

Der "Fokus" wird ja wirklich seit einiger Zeit unglaublich strapaziert. Kaum ein Interview, in dem er nicht irgendwohin gesetzt, gestellt oder gelegt oder wo nichts in ihn hinein verfrachtet wird.

Aber heute im DLF gegen 17.15 Uhr wollte man ihn sogar "noch einmal ausweiten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2018 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38676

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19219

Gottes letztes Schlupfloch ("Spektrum der Wissenschaft" über die Rolle des Zufalls in der Quantenphysik, Gott würfelt nicht usw.) – Warum muß man wie bei jenen „Gottesteilchen“ immer noch die alten Mythologeme bemühen? Es gibt zu viele unbedarfte Laien, die aus solchen Texten noch einen okkulten Honig saugen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2018 um 14.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38561

Über eine mir gut bekannte Frau wurde steif und fest berichtet, sie habe als Kind lange Zeit überhaupt nicht gesprochen. Eines Tages saß sie unter dem Tisch, an dem ihre Mutter mit anderen Damen beim Kaffeeklatsch saß, und plötzlich tönte es von unten: "Tatsächlich!"

Der heilige Roman Jakobson dreht sich im Grabe herum.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2018 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38560

zu 1259#38548:

Die meisten kleinen Kinder sagen wohl zuerst Mama, was auch in den meisten Sprachen ähnlich klingt. Aber unser Dritter hat tatsächlich als erstes Wort den Namen seines Bruders Martin gesprochen. Er konnte eine Zeitlang abends im Bett noch eine Stunde immer wieder "Marti, ja Marti, Marti, ja Marti" wiederholen.

In Ungarn und in Siebenbürgen (ungarischsprachiger Bevölkerungsteil) hat es mich immer besonders berührt, daß die eigene Mutter ("anya") von schon etwas Älteren, auch von Erwachsenen, "édesanya" (wörtlich: süße Mutter/Mama) genannt wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38548

Ja eben, das finden wir ja auch nicht so toll.

Ich bin Europäer, genauer gesagt Bürger der EU mit Wahlrecht, aber das ist für mich ziemlich abstrakt.

Daß ich Deutscher bin, berührt mich mehr, vielfältiger, öfter. Aber ich bin darauf weder stolz noch schäme ich mich dafür. Es sagt mir nicht allzuviel. Eine spezifisch deutsche Kultur kann ich nicht erkennen, nur sehr viele Unterschiede zwischen den Menschen und Übergänge zu anderen Nationen.

Die europäischen Staaten sind mir ganz unterschiedlich nah, wie ich auch an meinem unterschiedlichen Interesse an Zeitungsberichten beobachte. Ich bin weder in Finnland noch in Portugal gewesen, kenne mich in Indien besser aus als in diesen beiden Ländern. Das ist halt so gekommen. In Ungarn war ich nur ein paar Tage, aber durch neue Versippung ist mein Interesse natürlich mächtig gewachsen (die Enkelin müßte jetzt bald ihr erstes Wort sprechen – deutsch oder ungarisch?).

Jeder wird ähnliche Erfahrungen berichten können, wenn er ehrlich ist. Es werden aber ganz verschiedene Erfahrungen sein – q.e.d.

Einen europäischen Patriotismus werde ich nicht mehr entwickeln. Das übersteigt meine Fähigkeiten, leuchtet mir aber auch nicht ein, weil ich Europa gegen den Rest der Welt nicht abgrenzen kann. Ganz recht: Europa ist stark vom Christentum geprägt, einer außereuropäischen Religion durch und durch. (Es liegt mir natürlich fern, germanische oder indogermanische Religion wiederbeleben zu wollen.) Irgendwann mußten viele den Eindruck haben, das Christentum gehöre nicht zu Europa...
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.04.2018 um 14.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38546

Vor den Nationalstaaten lagen sich die Herrscher in den Haaren, davor die Stämme, davor die Bewohner verschiedener Höhlen, davor ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38545

Im Gegenteil! In der Bundesregierung gibt es die Staatsministerin für Kultur und Medien, während einige Bundesländer sich noch ein "Kultus"-Ministerium leisten, also eine Zentralverwaltung für den Gottesdienst (kleiner Scherz).
S. https://de.wikipedia.org/wiki/Kultusministerium
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.04.2018 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38544

Es kann keine "deutsche" Kultur geben, weil es ausdrücklich kein deutsches Kultusministerium geben darf. Weil Kultur gemäß der Verfassung Ländersache ist, kann es nur eine bayerische, hessische usw. Kultur geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2018 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38538

Auch die bayerische Identität will Söder stärken. Künftig soll es in den Schulen einen Unterrichtsschwerpunkt "Mundart und regionale Kultur" geben. In allen Behörden des Freistaats soll "ein sichtbares Kreuz" angebracht werden, denn das Kreuz sei "das grundlegende Zeichen unserer kulturellen Identität". (https://www.n-tv.de/politik/Soeder-Einheimische-nicht-mehr-vergessen-article20392404.html)

(In München sind 44% Christen, in Söders Heimatstadt Nürnberg 46%.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2018 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38537

So weit sind die Begriffe Nation und Kultur doch nicht auseinander. Jede Nation hat ihre Kultur, die sich teils mit der von anderen Nationen überschneidet.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 18.04.2018 um 19.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38536

Genauer: "... die Hoffnungen der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgenerationen zerstört wurden, die europäischen Völker würden sich zuerst als Europäer und dann als Deutsche etc. betrachten."

Die Deutschen (zumindest die selbsternannte Elite) haben null Nationalbewußtsein und möchten daher in einer europäischen Ursuppe aufgehen, während die anderen Nationen das eben nicht wollen.
Franzosen z.B. haben kein Problem mit ihrer Nation, nicht nur im Wahlkampf hört man links wie rechts "vive la république, vive la France !". Kann man sich Merkel oder den Mann mit den Haaren im Gesicht vorstellen, wie sie das über ihr eigenes Land sagen ?
Daher auch die Unterschiede, wenn Franzosen oder Deutsche "mehr Europa" wollen. Aber das scheinen die deutschen Politiker einfach nicht verstehen zu wollen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.04.2018 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38535

Daß die europäischen "Nationen" sich "in den Haaren liegen", zeigt, daß die Hoffnungen der Kriegs- und Nachkriegsgenerationen zerstört wurden, die europäischen Völker würden sich zuerst als Europäer und dann als Deutsche etc. betrachten. Das wäre ein erstrebenswerter Schmelztiegel gewesen, denn unter dem Begriff "Nation" und "Nationalimus" ist in Europa zuviel Schreckliches geschehen, sodaß er eigentlich "verbrannt" ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38533

Eigentlich war von Nationen die Rede.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2018 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38532

Stimmt auch wieder!
Deshalb sollte darüber immer demokratisch abgestimmt werden.
Nicht so, daß die Liebhaber eines Kulturencocktails die Verteidiger der bestehenden Kultur extrem oder radikal nennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38531

Barkeeper machen eine Kunst daraus, verschiedene Flüssigkeiten mit Schwung zu einem Cocktail zusammenzugießen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2018 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38530

Na ja, was heißt Gerede, Assimilation ist nur ein anderes Wort dafür. Ich sehe sie auch nicht als Anachronismus, man kann sie nicht verhindern, sie findet statt, ganz automatisch. Selbstverständlich ist sie keine Phantasie.

Aber darum geht es doch gar nicht! Wem eine Himbeer- oder Waldmeisterlimonade schmeckt, der sollte beides einzeln trinken und nicht mit Schwung zusammengießen.

Was sonst als ein großes Zusammengießen ("Verschmelzen") findet denn zur Zeit in Deutschland und Europa statt?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.04.2018 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38529

Dem Gerede von Schmelztiegel und melting pot liegt ja der Gedanke der Assimilation zugrunde. Inzwischen ist aber in tonangebenden Kreisen die Assimilation absolut verpönt, ja gilt geradezu als menschenrechtswidrig. Heutzutage von Berlin noch als „Schmelztiegel der Nationen“ zu sprechen ist daher ein krasser Anachronismus.

Kurioserweise stimmen unsere Linken in der strikten Ablehnung jeglicher Assimilation ausgerechnet mit Erdogan überein – zumindest was die Türken in Deutschland anbetrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2018 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38528

Wahrscheinlich denkt man daran, daß die Nationalstaaten, seit es sie gibt, also noch nicht sehr lange, einander in den Haaren liegen (um es milde auszudrücken).

Wir machen uns oft den Spaß, den ganzen Abspann amerikanischer Filme anzuschauen. Die Namen beweisen, daß der "melting pot" keine reine Phantasie ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.04.2018 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38527

Vor ca. einer Woche lief ein Beitrag im ZDF, den ich zwar nicht gesehen habe, aber ich erinnere mich noch an die Programmvorschau. Da hieß es mit dem üblichen Pathos (es ist ja eine öfters gebrauchte Wendung), Berlin sei ein "Schmelztiegel der Nationen".

Was ist eigentlich so großartig daran, wenn Nationen zusammen eingeschmolzen werden?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.03.2018 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38089

Kommt noch hinzu, daß die verhüllende Rede vom »Mißbrauch« aus der Journalistin ein Kind macht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2018 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38087

Feine Beobachtung, die nichts Geringeres anspricht als das Leib-Seele-Problem. Man zerlegt den Menschen in zwei "Phasen": den physischen Körper und die "Person", die gesellschaftlichen Umgang hat, kurz gesagt: dialogfähig ist (G. H. Meads Definition habe ich irgendwo zitiert). Aber es ist natürlich derselbe Mensch, nur aus praktischen Gründen legen wir ihm zwei getrennte Mengen von Prädikaten bei, physische und mentale. Die Vermischung ist ein Kategorienfehler (Ryle).
Der Naturalismus erkennt nur das Physische an, vermeidet also die mentalen Prädikate wie "Lebensfreude", rekonstruiert sie vielmehr in Verhaltensbegriffen, wie mehrfach vorgeführt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.03.2018 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#38086

Auf Spiegel Online wird über den Prozeß gegen Peter Madsen berichtet. Zitat:

An Bord der "Nautilus" soll der 47-Jährige die lebensfrohe, aufstrebende Journalistin Kim Wall missbraucht, getötet und zerteilt haben.

Ist die Aussage in Ordnung? Ich empfinde ein Unbehagen. Zuerst ist von der ganzen Person Kim Wall die Rede, deutlich mit Persönlichkeitsmerkmalen. Am Ende ist nur noch vom Körper bzw. der Leiche die Rede. In der Mitte steht getötet, was beide Perspektiven zuläßt. Obwohl dieses getötet sozusagen zur anderen Perspektive überleitet, ist für mich die grammatische Weitergeltung des Satzteils die lebensfrohe, aufstrebende Journalistin Kim Wall ein Grund, den Satz für stilistisch mißlungen zu halten.

Ich hätte das Gefühl weniger, wenn nur Beruf und Name genannt worden wären:

An Bord der "Nautilus" soll er die Journalistin Kim Wall missbraucht, getötet und zerteilt haben.

Aber auch im Fall einer solchen Kürzung hätte ich besser gefunden:

An Bord der "Nautilus" soll er die Journalistin Kim Wall missbraucht, getötet und die Leiche zerteilt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2018 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37881

Gelegentlich eines Verfahrens gegen einen Islamisten hat ein bayerischer Richter das Kruzifix endgültig aus dem Gerichtssaal entfernt:

Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sieht das Handeln kritisch: „Wer einem anderen mit dem Tod droht, weil dieser Christ geworden ist, sollte dem Kreuz ins Auge sehen können“, sagte er der „Bild“-Zeitung. (Welt 23.1.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2018 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37795

Die 47 Jahre alte Germanistin und engagierte Katholikin ist jetzt so was wie die Trümmerfrau der SPD. Sie muss die Partei modernisieren, verjüngen, die dramatische strukturelle Schwäche in Ost- und Süddeutschland angehen, eine Zukunftsidee entwickeln, die SPD wieder näher an die Leute heranrücken. (welt.de 12.2.18)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.12.2017 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37190

Während ein 180-Grad-Salto ein halber Salto ist, ist eine 180-Grad-Wende eine ganze Wende.
Nach dem halben Salto steht man kopf (oben <-> unten),
nach der Wende wechseln die Seiten (rechts <-> links).
Bei beiden wechselt die Blickrichtung (vorn <-> hinten).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2017 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37187

Um seinen 180-Grad-Salto nachvollziehbar zu machen, braucht er eine Story, die glaubwürdig klingt. (Abendzeitung 5.12.17)
Nach einem solchen Sprung stünde Martin Schulz auf dem Kopf. Dasselbe in der Augsburger Allgemeinen:
Um seine 180-Grad-Wende einigermaßen nachvollziehbar zu machen, braucht er eine Story, die glaubwürdig klingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2017 um 07.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37170

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28030

Das Epizentrum der Messergewalt ist Berlin, wo einige Gebiete so gefährlich sind, dass sie quasi zu No-Go-Zonen geworden sind. (https://de.gatestoneinstitute.org/11444/deutschland-messerangriffe)

Wieso "Epizentrum"?

Diese Website läßt sich die Messerstechereien verständlicherweise nicht entgehen. Tatsache ist aber, daß deutsche Männer herkömmlicherweise keine Messer bei sich tragen, die als Stichwaffen brauchbar wären – nicht nur weil sie verboten sind. Dagegen haben viele eine Art Schweizer Taschenmesser dabei, mit dem sie allerlei kleine Reparaturen ausführen können, zum wirklichen oder gespielten Entzücken ihrer Begleiterin (mit ihren zwei linken Händen, wie es sich gehört).
Die Bewaffnung mit Messern hat sich schon lange vor der neuen Migrantenwelle ausgebreitet, da es vor allem in Ost- und Südosteuropa üblich ist, sich selbst und die Ehre seiner Familie zu verteidigen und nicht auf das Gewaltmonopol des Staates zu bauen. Die gesetzeskonforme Entwaffnung junger Männer ist noch nie ernsthaft versucht worden, was mich schon vor vielen Jahren wunderte. (Vgl. schon http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33099)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#37110

Es überrascht mich immer wieder, wie unfehlbar man die Verfasserschaft Heribert Prantls schon an den Überschriften oder einem einzigen Satz erkennen kann:

Die Zeit, in denen es Merkels Koalitionspartnern so erging wie Max und Moritz im siebten Streich ("Rickeracke! Rickeracke! Geht die Mühle mit Geknacke!) ist vorbei. Merkels Mühle mahlt nicht mehr. (SZ 25.11.17)

Der matte Inhalt wird durch viele rhetorische Blümchen zugedeckt. Über Schulz schreibt er:

Und er wird der Partei versprechen, dass er einen eventuellen Koalitionsvertrag der Partei zur Abstimmung vorlegen wird. Das hat er soeben schon getan.

Es ist nicht schwer, etwas vorherzusagen, was bereits geschehen ist.

Er schreibt auch:

Schulz hat unmittelbar nach der katastrophalen Wahlniederlage der SPD das Tor zu einer erneuten großen Koalition unter dem Jubel und Beifall der Genossen zugeschlagen und zugesperrt. Das war damals richtig. Schulz hat es aber dabei nicht belassen. Er hat die versperrte Tür dann mit vielen Interviews auch noch zugenagelt. Das war unnötig, also falsch.

Aber sein Redaktionskollege Nico Fried hatte drei Tage zuvor schon geschrieben:

Er hat am Wahlabend die Stimmung in der Partei aufgenommen, wo die große Koalition mehrheitlich abgelehnt wird. Ein guter Vorsitzender hätte das getan, ohne sich alle Optionen zu verbauen. Schulz aber hat die Türe nach dem Schließen zusätzlich noch zugenagelt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.11.2017 um 23.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36901

Gestern früh im Deutschlandfunk: Der Redakteur im Studio fragt den telefonisch zugeschalteten Korrespondenten, ob man über die Situation des in Belgien weilenden Putschdämons sagen könne, daß die Sackgasse, in der er stecke, so groß sei, daß es keinerlei Bewegung mehr geben könne. Nun ist aber just in einer großen Sackgasse mehr Bewegung möglich als in einer kleinen, mit etwas Glück sogar ein Wendemanöver. Wie so viele andere verträgt auch das Bild von der Sackgasse keine der üblichen Steigerungen. Sackgasse ist Sackgasse.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.10.2017 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36594

Ein "Bild"-Leser schreibt: "Hollywood, Stadt der Heuchlerinnen. Ich glaube eher, daß die Warteschlange vor Weinsteins Besetzungscouch sehr, sehr lang war."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2017 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36591

Der Kreis an Menschen, die von Harvey Weinsteins Übergriffen auf Frauen wussten, wird zunehmend grösser. (NZZ 14.10.17)

Kreise werden größer, wenn sie zunehmen, wir andern werden bloß dicker.

Übrigens hat Weinstein doch geliefert – was wollen die Leute? Besonders angeprangert wird, daß alle von der Schweinerei gewußt haben. Ja, natürlich, steht doch in den Biographien der Schauspielerinnen, daß der Weg zur Rolle durch das Bett des Produzenten führt (nicht nur dieses einen); ähnlich in der Model-Branche.

Die Medien bringen Fotos, auf denen man die Opfer strahlend neben ihrem Schänder sieht, oft mit Körperkontakt.

In der FAS macht Wirtschaftsfachmann Rainer Hank in Psychologie, führt auch das Testosteron an (das kommt gleich nach "Narzißmus").
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.09.2017 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36377

Heute morgen habe ich mich bei den DLF-Nachrichten über eine Redewendung gewundert:

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jelpke, sagte der Zeitung, Rechtsextremisten an der Waffe seien "tickende Zeitbomben“, sie müssten deshalb hochkant aus der Truppe fliegen.

Ich dachte, hochkant? Heißt das nicht achtkantig?
Aber ein Blick ins Internet belehrte mich dann doch, daß es beides gibt.
Nur bei der Frage, warum man das so sagt, blüht wieder mal die Phantasie. Am lustigsten ist www.tagesspiegelkinder.de:

Das Wort „achtkantig“ wird vor allem in Norddeutschland gebraucht. Im Norden heißt „achtern“ beim Schiff so viel wie „hinten“. Wer „achtkantig“ rausfliegt, muss also durch die Hintertür hinaus. Es könnte aber auch heißen, dass die Person mit der „Rückseite zuerst“ rausfliegt und dann auf ihrem Hintern landet. Oder sie bekommt einen Tritt in denselben und fliegt dann durch die Tür.

Dazu muß man wohl nicht viel sagen außer, Kinder kann man ja gut ver.....en. Aber auch auf www.redensarten-index.de denkt man sich immer nette Geschichten aus:

"Hochkantig" bedeutet aufgerichtet, aufrecht. Der ursprünglich auf die Verwendung von Bauholz bezogene Begriff bedeutet im Kontext der Redensart: jemanden unverzüglich abweisen / durch die Tür hinausschicken, bevor er sich (als Gast) häuslich niedergelassen hat [...], worin auch gemeint ist: eine sitzende / liegende Haltung einnehmen. Mit "hochkantig" wird also der Gegensatz zur gemütlichen horizontalen Körperstellung hervorgehoben.

Mit dieser Redensart können auf jeden Fall auch Gäste hinausgeworfen werden, die sich schon sitzend oder liegend niedergelassen haben. Und warum sollte man sich die Mühe machen, ein altes Stück Bauholz oder einen ungehobelten Flegel "hochkant" hinauszuwerfen? So etwas wird hinterher hineingedeutet, aber so kann die Redewendung unmöglich entstanden sein. "Gegensatz zur gemütlichen horizontalen ...", was für ein Unsinn.

Ungefähr richtig ist es auf umgangssprache_de.deacademic.com:
achtkantig rausfliegen: unsanft hinausgewiesen werden; Fußt auf dem Bilde des rollenden Würfels, also einer eckigen, polternden Bewegung, seit dem frühen 20. Jh.

Ähnlich auch auf www.swr.de, aber dann dort wieder der ausgedachte Unsinn:
Hochkant(ig) bezeichnet üblicherweise das Stehen auf der Schmalseite, was beim Menschen ja im Stehen das übliche ist. Wird man hochkant herausgeworfen, dann ist das also so, wie man gekommen ist, umstandslos, sofort.

Hochkant, das Wort gibt es schon im DWB, achtkantig nicht. Dafür existiert die Redewendung jmd. achtkantig hinauswerfen länger als hochkant hinauswerfen (siehe L. Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten).
Vielleicht hat dann doch mal jemand die Anzahl der Kanten von einem Stück Kantholz genau nachgezählt, oder man konnte sich das fast nur in dieser Redewendung gebräuchliche achtkantig nicht mehr erklären und hat, vielleicht auch im Zusammenhang mit der anderen Redewendung in hohem Bogen hinauswerfen, das Wort achtkantig mehr oder weniger versehentlich durch hochkantig ersetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2017 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36350

Wenn eine Tausende von Quadratkilometern große Schelfeisplatte sich von der Antarktis löst, kann man eigentlich nicht mehr von einem "Eisberg" sprechen. Die Komponente "auf dem Wasser treibende Eismasse" überwiegt nun, der "Berg" geht unter. Bedeutungswandel, aber gerade umgekehrt wie bei "Bleistift". Der ist weiterhin ein Stift, aber nicht mehr aus Blei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2017 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#36263

Auf einem Bild, das die deutsche Botschaft in Seoul auf Twitter gepostet hat, sieht man Kim So Yeon ganz links. In der Mitte ist auch Gerhard Schröder unter Mittelständlern vertreten. (NOZ 21.9.17)

Er ist nicht vertreten, sondern selbst anwesend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2017 um 19.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#35737

Der Kandidat hat gekreißt, das Programm ist geboren, das Kind heißt: „Deutschland kann mehr“. (welt.de 16.7.17)

Durch diese Abwandlung verliert das Horaz-Zitat jeden Witz und Sinn. Warum sollte Martin Schulz "kreißen"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2017 um 03.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#35696

Nicht nur, dass sie die Hexenjagd nach dem Sündenbock billigend in Kauf nimmt, nein, sie unterstützt diese auch noch aktiv, indem sie Denunziantentum fördert. Und ein Generalinspekteur, der wie ein unmündiges Hündchen drei Schritte hinter der Ministerin läuft, lässt dies einfach geschehen. (Offener Brief einer Offizierin an die Bundeskanzlerin)

Man jagt entweder Hexen oder Sündenböcke, und Hunde werden nie mündig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2017 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#35684

„Wissenschaft kann nicht Sinn stiften, das kann nur Religion“ (Adolf von Harnack).
Was heißt das eigentlich? Wenn ich ein bestimmtes Tierverhalten nicht verstehe und der Biologie mir erklärt, welche Funktion es hat, dann hat die Wissenschaft Sinn gestiftet, nämlich Einsicht in einen evolutionären Sachverhalt. Wenn ein Patient durch logotherapeutische Behandlung lernt, sich von der übermäßigen Beschäftigung mit sich selbst ab- und einer nützlichen Tätigkeit zuzuwenden, und dadurch aus seiner Sinnkrise herauskommt, dann hat die Therapie Sinn gestiftet. Religion kann das auch, aber nicht ausschließlich.
Harnacks Satz (woher eigentlich?) wird immer wieder nachgesprochen, aber nicht erklärt. Man liest auch viel von „Sinnressourcen“, als gehe es um eine Art Vorratshaltung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2017 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#35382

Vor einigen Jahren schimpfte der Journalist Matthias Drobinski in einem Leitartikel der Süddeutschen Zeitung auf die Ungläubigen, für ihn "Gleichgültigen": Der Gleichgültige ist cool, er wahrt den Abstand und lebt aus den Insignien der Konvention, der Macht, des Geldes. usw. - Der Gläubige dagegen sinkt auf die Knie in einer geradezu erotischen Pose.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2017 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#35115

Man müsse das "Angebot verbreitern und zuspitzen", hatte Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel noch am Abend der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen seiner Partei geraten. (Zeit 16.5.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34710

Weißbier trifft Wodka (BILD über Seehofers Moskaureise)

Eine Metonymie, zusätzlich alliterierend wie altgermanische Dichtung. Allerdings so naheliegend, daß jeder Volontär darauf kommen könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2017 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34569

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34036

Schulz hackt daher mit großem Brimborium die Agenda entzwei. Er halbiert sie; von der Agenda werden die letzten drei Buchstaben abgeschlagen. Das Wort "age" soll übrig bleiben – ein neues Zeitalter für die Sozialdemokratie. (Prantl, SZ 21.2.17)

Mühsamer kann man nicht geistreich sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2017 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34317

Gute Arbeitskräfte sind vielerorts schon Mangel, da braucht es keine Belehrung über gerechten und pfleglichen Umgang mit Mitarbeitern. (FAZ 13.1.17)

Wahrscheinlich hat Heike Göbel Mangelware schreiben wollen, sich dann humanitär besonnen und die -ware gestrichen. Aber so sagt man nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2017 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34224

Haufenweise Neuschnee! Morgen rollt die Schneefront mit Blizzard im Gepäck los.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2016 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34151

Der Hunger nach Gewürzen steigt (FAZ 20.12.16 Wirtschaft)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2016 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34145

So wird es nun von allen Seiten auf uns eindröhnen, und die Leute mit der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" werden auf Tauchstation bleiben, weil es die falschen Gruppen getroffen hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.12.2016 um 21.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34144

Nein, eine solche naturalistische Sicht der Dinge, die den Wolf auf sein Wolfsein reduziert, kann nicht mehr hingenommen werden.

Im übrigen gilt natürlich auch für das Vorkommnis am heutigen Abend in Berlin, daß nichts mit nichts zu tun hat.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 19.12.2016 um 19.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34143

Das wird zu mehr "Übergriffen" auf Schafe führen. Neuerdings heißt es ja Übergriff, wenn ein Wolf ein Schaf reißt. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34095
Ich frage mich, über welche Grenze der Wolf greift. Soll er Löwenzahn fressen? Es ist das gute Recht des Wolfs, Schafe zu reißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2016 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34120

Die Wölfe sind wieder da! „Aktuell haben die Biologen in ganz Deutschland 46 Rudel mit jeweils mehreren Tieren gezählt.“
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.12.2016 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34037

Immerhin wird angedeutet, daß es Jacke wie Hose ist, bzw. Hose wie Jacke.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2016 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#34036

Wenn ich bei der Süddeutschen Zeitung eine Titelzeile lese wie Das buddhistische Zeitalter der CDU, weiß ich sofort, daß nur Heribert Prantl als Verfasser in Frage kommt. Die Gesuchtheit geht immer etwas zu weit. Dann geht es recht banal weiter: Die CDU denkt mit dem Bauch und handelt dann mit dem Kopf. Bei der SPD ist es umgekehrt: Sie denkt mit dem Kopf und handelt dann mit dem Bauch. Das bringt den Leser auch nicht weiter.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 20.11.2016 um 15.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33892

Spray oder Staub? Bienen und Blumen?

Ein Schuhgeschäft im Internet empfiehlt seinen Kunden, neue Schuhe vor der ersten Benutzung „mit einem Imprägnierspray zu bestäuben“.

Offenbar sollte eine Wortwiederholung Spray/sprüh vermieden werden. So aber geriet man vom Regen in die Traufe.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2016 um 21.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33782

Unverkennbar crooked eben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.11.2016 um 21.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33780

Noch was Heiteres im Sinne der Strangeinleitung:

Und auch Clinton ist im Wahlkampf längst eingeknickt. Um im linken Lager zu punkten, verbiegt sich die Demokratin bis zur Unverkennbarkeit. (ZDF, Berlin direkt, 06.11.2016)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.11.2016 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33779

Das erinnert mich an meine Schülerzeit. Schon damals, lang ist's her, haben wir über solche Bildmischungen in Zeitungen gewitzelt und unsererseits die Sache auf die Spitze getrieben.
"Wer anderen eine Grube gräbt, krümmt sich beizeiten."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2016 um 17.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33778

Peer Steinbrücks Schritt indes ist Öl auf die Mühlen der AfD und ihre "Berliner Bonzen"-Rhetorik. (DLF 8.10.16)

Natürlich müssen auch Mühlen ab und zu geölt werden.
(Die Bildmischung ist erstaunlich häufig.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2016 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33719

Obgleich dieser Roman keine wesentlichen Experimente wagt, gar in Teilen allzu brav und konventionell konstruiert sein mag, muss man bekennen: Er schlägt wie ein Komet aus einer fernen Sternenwolke in die Gegenwartsliteratur ein.
(Björn Hayer im „Spiegel“ über Lewitscharoffs „Pfingstwunder“)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.10.2016 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33475

»Schlürfen« ist hier ein Euphemismus für »lebend verschlingen«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2016 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33472

Hier befindet sich das Epizentrum der Austernfischerei, seit über 150 Jahren der Olymp der Ostreoiden. (Spiegel 9.1.12)

Wie kraß wird es erst im Zentrum zugehen!

Eigentlich wollte ich bloß mal der seltsamen Unterscheidung nachgehen, daß man Brot ißt, Austern schlürft, Pillen schluckt usw. Das ist "irrational" im Sinne Ernst Leisis, ein Luxus, dessen Sinn noch zu ergründen wäre.

Bei Youtube kann man sich zeigen lassen, wie Austern stilvoll verzehrt werden, natürlich von einer Benimm-Lehrerin mit adligem Namen, das gehört zu dieser beruflichen Nische. Da sie in diesem Fall an einem Erlanger Gymnasium Abitur gemacht hat, müßte mir das Geschlecht eigentlich bekannt sein, aber es könnte sich auch um einen reinen Künstlernamen handeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2016 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33364

Dem "Schlußlicht" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23580) entspricht eigentlich der "Spitzenreiter", aber das folgende ist auch nicht schlecht: Nürnberg ist Sitzenbleiber-Hochburg (nordbayern.de 22.9.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2016 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#33266

Damit fällt die Kluft zwischen Flüchtlingen und anderen Migranten aber so hoch aus wie in keinem anderen Land. (FAZ 7.9.16)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.08.2016 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32988

"Was soll die Nörgelei an Spitzfindigkeiten": Nun, damit kann man aber leicht die Lacher hinter sich bringen. Gegen den "Zwang der Reform" und "die gröbsten grammatischen Schnitzer" da anzugehen, erfordert schon einige Einsicht und dann Charakter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32987

Kaehlbrandt hebt einerseits die internationale Beliebtheit des Deutschen hervor, beklagt andererseits seine Vernachlässigung durch die Deutschen selbst, Rückgang der Rechtschreibkenntnisse usw. Die Rechtschreibreform erwähnt er nicht. Er sitzt im Kuratorium der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und in diversen Stiftungen und veröffentlicht zusammen mit Walter Krämer vom VDS, wo man ja auch einen Bogen um das Thema macht.
Ich finde immer, Sprachkritik ohne Kritik der Rechtschreibreform wirkt opportunistisch. Was soll die Nörgelei an Spitzfindigkeiten, wenn die Leute unter dem Zwang der Reform die gröbsten grammatischen Schnitzer drucken lassen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.08.2016 um 12.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32976

Der Originalsatz von Eisenberg heißt (laut Zitaten im Netz):
Die Partikeln, diese Zaunkönige und Läuse im Pelz der Sprache, wurden lange und aus verschiedenen Gründen stiefmütterlich oder gar nicht behandelt. (1999)

Eisenberg spielt also ganz bewußt auf Reiners an, den "Läusen im Pelz" gesellt er die Zaunkönige bei, wobei letztere sich natürlich nicht auch im Pelz aufhalten müssen. Er wurde in der FAZ einfach falsch zitiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2016 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32973

Ja, eben. Deshalb habe ich die Vermischung der Bilder hier eingerückt. Bei einem Sprachkritiker schon bemerkenswert.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 01.08.2016 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32972

Zaunkönige im Pelz?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2016 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32971

Die FAZ bringt einen ganzseitigen Beitrag von Roland Kaehlbrandt zum Lob des Deutschen. Ich will ihn nicht zu genau unter die Lupe nehmen, er ist jedenfalls gut gemeint.

Zu den Abtönungspartikeln schreibt er:

Der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg nennt sie bewundernd "Zaunkönige im Pelz der Sprache".

Eisenberg nennt sie Zaunkönige, und Ludwig Reiners nannte sie nicht gerade bewundernd Läuse im Pelz der Sprache.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.07.2016 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32898

Raus aus dem Elfenbeinturm
(MM, 19.7.16, S. 35)

Aber hoffentlich ohne allzu tiefen Absturz.
Wer sprichwörtlich im Elfenbeinturm sitzt, sitzt wohl kaum unten neben der Tür, sondern schaut von ganz oben aus dem Fenster.
Der Titel Runter vom Elfenbeinturm hätte mir weniger Schwindel gemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2016 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32830

"Er schießt wie ein Gott." Diese Anerkennung für einen soeben verstorbenen Mafioso setzt eigentlich den Polytheismus voraus – recht bemerkenswert für das seit 2000 Jahren christianisierte Italien.

An wen könnte gedacht sein? Vielleicht Apollo mit dem silbernen Bogen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2016 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32752

CHAOS mit SYSTEM. Die sieben Säulen des Niedergangs (Buchtitel von Konrad Kustos)

Kennst du den Niedergang? Auf Säulen ruht sein Dach...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2016 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32555

Eine Evaluation jagt die nächste. (Heidelberger Aufruf gegen die Akkreditierung, Mai 2016) Der Aufruf selbst ist sehr berechtigt, aber ohne Hilfe der Gerichte werden sich die Kultusministerien nicht zu einer Korrektur ihres Fehlers durchringen. Gar zu bequem ist das Auslagern von Aufgaben und Verantwortung.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.05.2016 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32548

Das stimmt. Ich hatte es nicht beachtet, weil ich es gewohnt bin, daß Spiegel-Leute gelegentlich mit Bildern von der Seefahrt arbeiten. Das finde ich normalerweise sympathisch: sich hin und wieder auf diese Weise zum eigenen Standort zu bekennen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.05.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32547

Brüderle kann man sich nur auf einem Moseldampfer vorstellen, schon deshalb sind diese Hochseemetaphern unpassend.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.05.2016 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32546

Jan Fleischhauer findet oft einleuchtende Bilder, aber jetzt schreibt er über Rainer Brüderle: Wie der arme Mann medial kielgeholt wurde, weil er an einer Hotelbar einer Journalistin ein zweifelhaftes Kompliment gemacht hatte, ist in der Skandalgeschichte der Bundesrepublik einmalig. So schnell konnte man gar nicht gucken, wie Brüderle in den Sielen der Talkshow-Arena verendet war.

Sowohl kielholen als auch Siele sind mehrdeutig. Ich vermute, daß viele Leser eher die modernen Bedeutungen kennen oder ahnen: kielholen = ein Schiff an Land ziehen und auf die Seite legen bzw. Siele = Schleusen in einem Damm. Wer kennt in beiden Fällen noch die andere Bedeutung? Die anderen verstehen Bahnhof oder erleiden einen Lese-Totalunfall.

Außerdem ist Siele auch bei richtigem Verständnis als Seile nicht geglückt, denn in den Sielen sterben bedeutet normalerweise: mitten bei der Arbeit sterben. Hier ist aber gemeint: Brüderle war handlungsunfähiges Opfer, er erlitt die tödliche Behandlung ohne Chance der Gegenwehr. An den Talkshows, in denen er hingerichtet wurde, hat er jedenfalls nicht aktiv teilgenommen, er war nur das Objekt der Debatte.

Um das richtige Verständnis des ersten Vergleichs nachträglich zu bahnen und im Bild zu bleiben, hätte Fleischhauer eher schreiben können: So schnell konnte man gar nicht gucken, wie Brüderle an den Seilen der Talkshow-Matrosen verendete.

www.spiegel.de/politik/deutschland/political-correctness-der-rueckschlag-fleischhauer-kolumne-a-1091540.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2016 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32536

Sollte die NRW-Wahl verloren werden, müsse mit radikalen Personalkonsequenzen gerechnet werden. Da sei es gut, wenn noch kein Kandidat aufs Schild gehoben sei. (Zeit 8.5.16)

Da der Brauch schon lange nicht mehr bekannt ist und man mit dem "Schild" im Neutrum auch eine gewisse Vorstellung verbinden kann (vgl. im Schilde führen), ist diese Verwechslung wohl nicht mehr aufzuhalten.

Übrigens im Schilde führen mit redensartlich festem Dativ-e, auch zur Vermeidung des Betonungshiats.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2016 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32337

Erbarmen mit Merkel: ein Rückgrat aus "Plaste und Elaste" (Hallervorden) und oben drauf ein "Betonkopf" (viele andere)!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2016 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#32325

Hallervorden vermutet, dass Erdogan sich ins „islamistische Fäustchen“ lacht. (Focus 17.4.16)

(wg. Böhmermann)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.02.2016 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#31779

Wer das nicht kann, muß »den rechten Finger« nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2016 um 09.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#31778

Stellen wir uns vor, Egon sitze am Strand und zeichne mit seinem rechten Zeh den Satz in den Sand: „Ich liebe Emma!“ (Theo Herrmann: Sprache. Bern 1972:6)

Schon mal versucht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2016 um 12.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#31734

Fast jeden zweiten Tag wird auf der B 8 im Nürnberger Land ein Tier überfahren – das betrifft auch Pendler aus Neumarkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2016 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#31572

Kaum ein Interpret läßt sich Durs Grünbeins Formulierung entgehen, Dichtung sei "präzis wie ein Insektenauge". Also nicht besonders präzis? Hatten wir nicht alle mal Biologieunterricht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2016 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#31487

Stoiber habe ausgesehen, als wolle er Angela Merkel mit einer Waffe ins Gesicht springen. (Focus 31.1.16)

Bedenkenswerte neue Kampftechnik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.12.2015 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#30999

„Wie anfangs erwähnt, sollten Sie den Gehörgang bei jeder Säuberungsaktion außen vor lassen.“ (http://www.mydoc.de/schoenheit/haut/ohren-saeubern-tipps-experten-864, gegen Wattestäbchen)

Vielleicht eher "innen drin"?
 
 

Kommentar von wOLFRAM mETZ, verfaßt am 29.11.2015 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#30703

Klar gewöhnt man sich dran, aber plausibler wird es dadurch für mich nicht. Kaum hat es Innovation x gegeben, folgt schon Innovation x+1. Dann treibt doch allenfalls die zweite Innovation die erste vor sich her, weil die schon längst wieder überholt ist, nicht umgekehrt. Aber auch dieses Bild paßt nicht so recht, denn es geht ja nicht darum, daß die erste Innovation als solche verbessert werden müßte; sie wird eben nur durch die nächste abgelöst, die dann als die jüngste gelten darf.

Ich glaube eher an eine Kreuzung aus »eine Innovation jagt die andere« und »die letzte Innovation ist noch nicht lange her, schon gibt’s die nächste«. Für sich genommen taugt das Wort »nächste« besser zur Beschreibung einer galoppierenden Entwicklung als das etwas blasse »andere«. Es könnte auch eine absichtliche Verkehrung der Reihenfolge zwecks Übertreibung vorliegen, wie wir sie in vielen ähnlichen Konstruktionen finden, z. B. in »eine Krise nach der nächsten«: die Krisen folgen in so raschem Tempo aufeinander, daß man gar nicht mehr weiß, in welcher Reihenfolge sie eingetreten sind. (Siehe auch hier: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=144#2332.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2015 um 10.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#30702

In der Kosmetikwerbung, so scheint es, jagt eine Innovation die nächste. (FAS 29.11.15)

Allmählich gewöhne ich mich dran, und mir scheint es jetzt sogar sinnvoll zu sein, daß jede Innovation sozusagen die nächste vor sich hertreibt.

(Der Beitrag zeigt recht schön, daß die Kosmetikwerbung – neben der Esoterik-Literatur, wie ich hinzufügen möchte – ein Hauptfeind der wissenschaftlichen Bildung ist. Die frühe Gewöhnung an den Hokuspokus erklärt, warum es später so schwer ist, vernünftige Lösungen von Problemen zu finden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2015 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#30313

Heidegger war zwischen 1933 und 1934 Rektor der Universität Freiburg.
(FAZ 29.12.88)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2015 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#30227

Nicht nur Ungarns rechtspopulistischer Premier Viktor Orbán hält die deutsche Regierungschefin für blauäugig. (Handelsblatt)
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 02.09.2015 um 02.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29827

Wenn Bilder kollidieren:

Die schwächsten Mitglieder der griechischen Gesellschaft seien es, die den Euro-Eiertanz ausbaden müssen.

(Schweizer Tagesschau SRF, 8.7.2015)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2015 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29698

Irgendwie liegt ausgerechnet Rukwieds Hof im Epizentrum der Hitzewelle. (FAZ 12.8.15)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.08.2015 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29662

»Das vollendete Insekt, welches im Raupenstande bis zum Kern dieser Nuß hinein drang, wird wohl lächeln wenn es sieht, daß man sich die Zähne noch daran stumpft.« (Georg Forster in einem Brief, 1782)

Ein lächelndes Insekt?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.07.2015 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29453

Nun ja, hitzköpfig ist eben abgegriffen, da hat Walser schon recht.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.07.2015 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29452

Hm. Das Verb "aufbrausen" wäre also allgemein nicht mehr ganz so einfach drin, wie's das allerdings doch noch in meinem Wortschatz ist. Aber wenn ich's recht bedenke, ist das für mich so unglaublich auch nicht mehr. Brause ist eben nicht mehr, was es mal ganz einfach war. Und wenn mal wer explodiert, also so richtig loslegt, dann würde ich's wohl auch nicht mehr mit "aufbrausen" zur Sprache bringen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.07.2015 um 16.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29450

Jakob Augstein hat Yanis Varoufakis brauseköpfig genannt. Ich finde, das geht nicht, das Wort ist zu selten geworden. Man versteht duschköpfig und fragt sich, warum das Haupt von Varoufakis einem Duschkopf ähneln soll. So ging es jedenfalls mir.

www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-das-vertrauen-in-der-euro-krise-a-1043987.html
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 29.06.2015 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29300

"Stehende Ovationen" als vermutlich aus dem Englischen übernommene Metapher für überwältigenden Beifall gehört seit längerem zur deutschen Standardsprache. Problematisch wird es, wenn die Metapher umgeformt und auch in anderen grammatischen Zusammenhängen verwendet wird:

Als Dijsselbloem zurückgekommen sei, hätten ihm die anderen stehend Beifall geklatscht, berichtet ein Teilnehmer. (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/finanzminister-in-bruessel-wie-giannis-varoufakis-die-eurogruppe-geeint-hat-13673436.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2)

Das ging schon aus rein sachlichen Gründen nicht, denn Herr Schäuble sitzt im Rollstuhl.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2015 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29065

Die Verbote in der Reproduktionsmedizin sind so altmodisch wie ein mahnender Zeigefinger und mittlerweile ebenso zahnlos. (FAZ 5.6.15)
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 31.05.2015 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29028

Wie langweilig wäre unsere Welt ohne Experten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2015 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#29027

Wer den Glimmstängel endlich an den Nagel hängen will, muss eigentlich nur eine simple Entscheidung treffen, wie ein Experte im Interview erklärt. (Focus)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.05.2015 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28991

Auch das "jeweils" macht den Satz nicht klar. Denn was heißt "die Wange"? Ist die linke oder die rechte Wange gemeint?

Nach Betrachten des fraglichen Bildes komme ich allerdings zu dem Schluß, daß es in dem Satz besser heißen müßte:

"jeweils einen Kuss auf jeweils eine Wange".

Zufriedenstellend ist aber auch das nicht. Ganz genau müßte es wohl heißen:

"jeweils einen Kuss auf die jeweils dem/der jeweils Küssenden zugewandten Wange".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2015 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28990

Völlig harmlose Fotos waren es, die ein Paar aus England im vergangenen Jahr aufnehmen ließ. Links der Vater, rechts die Mutter, dazwischen das glückliche Baby, das von seinen beiden Eltern jeweils einen Kuss auf die Wange gedrückt bekommt. (SZ 26.5.15)

"Jeweils" – das muß sein, damit sich keiner was Falsches vorstellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2015 um 12.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28414

Sind die jetzt aufgetauchten Fehler der seit 1975 erstellten Ausgabe "letzter Hand" womöglich nur die berüchtigte Spitze des Eisberges? (Zeit 26.3.15 über Heidegger)

Man distanziert sich manchmal von abgegriffenen Redensarten durch solche "Hedges" (Heckenausdrücke, Vorbehaltssignale) wie berühmt, z. B. wie ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein. "Berüchtigt" ist da zunächst einmal nichts, da es bloß um die Bekanntheit geht. Im Satz über Heidegger mischt sich die Erwartung ein, daß da noch Schlimmes zum Vorschein kommen wird.

(Kann der Antisemitismus Heideggers schlimmer sein als seine Philosophie, die Denkerpose usw.? Ich verstehe das ganze besorgte Getue nicht.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.03.2015 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28366

Zustimmung. Herr Ickler hätte das meines Erachtens gar nicht so verständlich darlegen müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2015 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28354

Gestern zitierte jemand Mark Twain: “The difference between the right word and the almost right word is the difference between lightning and a lightning bug.”

Hübsch gesagt, aber falsch. Manchmal kommt es auf das richtige Wort an, meistens aber nicht. Der Sinn steckt zwischen den Wörtern, und man kann auch mit schmutzigem Spülwasser Geschirr sauber kriegen. Wir reden und hören und lesen den ganzen Tag, und es ist fast alles quick and dirty.

Mark Twain hat ja James Fenimore Cooper heftig kritisiert, der Text ist eigentlich die Ausarbeitung und Exemplifizierung des Aphorismus. Als wir uns für Cooper begeisterten, haben wir gar nicht gemerkt, was für ein schlechter Schriftsteller er ist...
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.03.2015 um 20.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28310

Köstlich! Eben im Fernsehen gehört (WDR, Geheimnis Villa Hügel): »Das war der letzte Tropfen auf dem eh schon überhitzten Stein.« (Gemeint war: der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2015 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28215

Knapp drei Stunden vor seiner Ermordung hat der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow ein letztes Mal scharf gegen Russlands Präsident Wladimir Putin geschossen. (T-online 28.2.15)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 26.02.2015 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28203

Aus den Nachrichten von heute:
"Verkehrsminister Dobrindt sagte, die PKW-Maut sei ein Meilenstein für die Verkehrsinfrastruktur."
Sind die Autobahnen und Landstraßen nicht schon durchgehend kilometriert? Oder sollen jetzt angelsächsische Maße eingeführt werden, vielleicht im Vorgriff auf TTIP, um Handelshemmnisse für amerikanische Autofahrer abzubauen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2015 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28176

Nachtrag zu den Krippenkindern.

Für den Staat und die flankierende Presse ist den Anforderungen Genüge getan, wenn möglichst viele Kinder in die frühestmögliche Fremdbetreuung gesteckt sind. Das gibt gute Statistiken.

Meine Gewohnheiten bringen es mit sich, daß ich jeden Tag ungefähr zur selben Zeit an Kita-Gruppen vorbeikomme, etwa zehn bis zwölf Kleinkinder, die von zwei Erzieherinnen an die frische Luft gebracht werden. Die Hälfte sitzt in einem großen Kinderwagen, die anderen trotten zu Fuß, aber meistens stehen sie verloren herum und müssen von den beiden jungen Frauen ständig vor Radfahrern gewarnt oder zum Weitergehen aufgefordert werden. Die Erzieherinnen wirken genervt und lustlos, die Kinder irgendwie erstarrt.
Das sind mehrere Stunden täglich ohne liebende Bezugspersonen. Sie werden es überleben, Kinder sind ja erstaunlich widerstandsfähig. Nur sollte man sich die großen Phrasen von frühkindlicher Bildung abgewöhnen.
(Ich kenne auch sehr engagierte Erzieherinnen, aber der Durchschnitt ist eher von der geschilderten Sorte.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2015 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28149

Wieder mal zu Schlußlicht und Spitzenreiter:

Hamburg ist im Bereich Kleinkindbetreuung Spitzenreiter unter westdeutschen Ländern. (Hamburger Abendblatt 20.2.15)

Gemeint ist, wie immer, die Fremdbetreuung.

Die Sprache bahnt den Weg zur lückenlosen Kollektivierung und Verstaatlichung der Kinderaufzucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2015 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28131

Kommissionschef Juncker legt einen härteren Ton vor. (zeit.de 12.2.15)

Die US-Militärs greifen Soldaten mit Medikamenten gegen Erektionsstörungen unter die Arme. (Focus 19.2.15)
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 07.02.2015 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28031

Zum Epizentrum passen die ebenfalls gern genommenen tektonischen Verschiebungen:

Wer sonst kann tektonische Verschiebungen der Zeitläufe so früh erkennen und scharf analysieren? (Andrian Kreye über Frank Schirrmacher, SZ, 5.9.14)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2015 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#28030

Manche Journalisten scheinen "Epizentrum" für eine besonders tolles Zentrum zu halten. Es gibt also Epizentren der Mode, des Jazz usw. - Vorstellen kann man es sich nicht so recht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2015 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27971

Oberhausen wirbt für "reibungslosen Verkehr" einer Bahn zwischen Oberhausen und Essen - mit einem Film, der ein Paar beim Geschlechtsverkehr zeigt. Ein offensichtlich mißlungenes Wortspiel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2015 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27881

Rauf Ceylan: Es ist noch nicht entschieden, wie sich der aktuelle Diskurs auf Otto-Normal-Muslime auswirkt. (Focus 24.1.15)
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 24.01.2015 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27880

Ein Institut aus Münster gilt als Mekka der Bibelwissenschaft. (welt.de, 24.12.14)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 23.01.2015 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27866

Zu den bis zum Erbrechen abgedroschenen Bildern gehört der cocktail. Gestern etwa war wieder einmal im Radio zu hören: "Darf ein Arzt seinem Patienten einen tödlichen Medikamentencocktail reichen?" Die Antwort lautet offenbar: Wenn er eine Ausschanklizenz für Alkohol hat...
Irgendwann einmal, vor längerer Zeit, war es ein witziger Einfall, etwa Abwassereinleitungen einer Fabrik als "Giftcocktail" zu bezeichnen. Inzwischen wird aber geradezu zwanghaft (wahrscheinlich lernt man das schon auf der Journalistenschule) jedwede Mischung irgendwelcher Substanzen als "Cocktail" bezeichnet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2015 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27784

Ekberg blickte auf zwei geschiedene Ehen zurück. (Hamburger Abendblatt 11.1.15)

Woher will der Journalist das wissen? Also:

Ekberg war zweimal verheiratet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2015 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27762

Zwei Reformvorschläge von berufenen Federn (FAZ 19.5.14)

Diese Überschrift wirkt ziemlich gesucht. Die übliche, leicht altertümelnde Redensart ist aus berufenem Munde. Wenn es um schriftliche Kommunikation geht, muß man sich anders ausdrücken, also greift man zur geläufigen Metonymie aus seiner Feder. Allerdings schreiben wir schon lange nicht mehr mit Federn, auch nicht mit den bereits übertragenen Federhaltern oder Füllfederhaltern (außer beim feierlichen Umterzeichnen von Staatsverträgen). Also aus berufener Tastatur? Das geht ja schon mal gar nicht.
Es wird nun Zeit, das Ganze noch einmal zu überdenken. An Luthers Sendbrief angelehnt: Wie würde sich ein Deutscher heute in diesem Fall ausdrücken? Zwei Reformvorschläge von Fachleuten. Warum nicht gleich so? Der zwanghafte Wille zum Stil verdirbt die Prosa.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.11.2014 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27334

Zu "Gruppe" und "Gruppen" siehe Wikipedia.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2014 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27333

Richtig, und in dem gleichen allg. Sinne, wie Sie Gruppe verwendeten, habe ich zunächst Herde verwendet. Google liefert für Delphine und Affen wesentlich mehr Herden als Schulen bzw. Horden, für Löwen und Wölfe wesentlich mehr Rudel, aber Herden sind auch hier in nicht ganz unwesentlicher Anzahl vorhanden.

Bleiben wir also bei Ihrem allgemeinen Wort Gruppe. Ich wollte eigentlich nur sagen, daß auch Junge von vielen Gruppentieren (auch von vielen Herdentieren, s. Schaf, Pferd) nicht unbedingt Kalb genannt werden. Bei einem Kalb würde auch ich nicht sofort an einen Meeresbewohner, sondern zunächst eher an einen Vierbeiner denken. Ich will natürlich nicht die üblichen Ausdrücke verändern, wollte nur ein wenig die Verwunderung verteidigen, die da jemand anläßlich von Delphinkälbern ausgedrückt hat.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 13.11.2014 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27332

Ich wollte gerade umgehen, mich präziser auszudrücken, deswegen benutzte ich den hier etwas unterspezifizierten Begriff "Gruppen". Delphine leben nicht in Herden, sondern in Schulen, Fische in Schwärmen und Löwen und Wölfe in Rudeln. Es sind somit keine ''Herdentiere''.

Im Zusammenhang mit Gletschern ist der Begriff ''kalben'' wohl eher metaphorisch zu interpretieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2014 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27331

Na ja, nehmen wir statt Wolfsrudel lieber die Schafherde.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.11.2014 um 14.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27330

Ja, man sagt auch bei Delphinen, sie leben in Herden, wie Rinder. Es könnte damit zu tun haben, aber für alle Herdentiere trifft es auch nicht zu, z. B. Affen, Löwen, Wölfe, ..., sie alle leben in Herden ohne Kälber.

Übrigens, Gletscher kalben auch, obwohl sie weder eine Herde bilden noch Kälber bekommen.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 13.11.2014 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27327

Vielleicht hat es damit zu tun, daß Delphine ähnlich wie Rinder in Gruppen leben, Bären aber Einzelgänger sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2014 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27326

Mietpreisbremse geht nach hinten los (Welt 13.11.14)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.11.2014 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27224

Einen Delphin würde ich auch nicht Fisch nennen, aber ein wenig Ähnlichkeit hat das Problem schon mit dem Fakt, daß Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Kirsebaer (dän./norw.) im botanischen Sinne auch keine Beeren sind, wohl aber Kürbis, Melone, Gurke und Kartoffel (die Frucht). Das Wort Walfisch wurde früher häufiger gebraucht.

Daher, auch wenn das Argument mit dem Fisch nicht so ganz zutrifft, kann einem der Begriff Kalb für einen kleinen Delphin oder Wal schon seltsam vorkommen. Man nennt ja auch nicht einfach alle Säugetierjunge Kälber. Weshalb dann kleine Delphine? Anscheinend nur, weil es für sie keinen passenderen Ausdruck gibt. Aber das gilt z. B. auch für Bären, trotzdem wird ein Bärenjunges nie Kalb genannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2014 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27221

Im Nürnberger Tiergarten ist ein Delphinkalb geboren worden. Überschrift: Delfinbaby ist noch nicht über den Berg. Ein Leser schreibt: Komisch das ein Fisch ein Kalb bekommen kann.

Das Delphinarium in Nürnberg ist hier in der Region übrigens ein Aufreger ersten Ranges. Jeder weiß immer alles besser als der Zoodirektor.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.11.2014 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27220

FAS, 2.11.14, S. 48:

Was tun, wenn man Läuse hat?
Haben einen die Läuse befallen, ist es wichtig, ruhig Blut zu bewahren.
... Kopfläuse ernähren sich von Blut. Mehrmals am Tag saugen sie einige Milligramm aus der Kopfhaut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2014 um 05.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27127

Diese Gespräche lesen sich wie ein schonungsloser, amplitudenreicher Roman. (FAZ 23.10.14)

Gemeint ist ein Roman mit Höhen und Tiefen. Man sieht richtig, wie der Verfasser sich vergeblich bemühte, daraus ein Adjektiv zu machen, und dann auf das sinnlose Gebilde amplitudenreich kam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2014 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#27110

Der Erlanger Herbst machte in diesem Jahr seinem Namen alle Ehre und lockte wohl bis zu 50 000 Besucher bei sommerlichen Temperaturen in die Erlanger Innenstadt. (nordbayern.de 20.10.14)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2014 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26923

und er gürtete die Schuh – wirklich? Vielleicht kann man das von Gladiatorenstiefeln im alten Rom sagen, aber Laozi? Brecht hat das wohl des Metrums wegen geschrieben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 28.09.2014 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26877

(Vor genau sieben Jahren hatten wir dazu schon mal eine kleine Diskussion: www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=144#2332.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2014 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26875

Eine Panne reiht sich bei der Bundeswehr an die nächste. (n-tv 28.9.14)

Es ist weise, an die übernächste Panne zu denken, zumal die nächste ja schon von der vorigen gejagt wird.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 13.08.2014 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26532

Sie haben nichts bei sich als die nackten Kleider.

(Tagesschau SRF, 12.8.2014)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2014 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26486

Seehofer stand bis vor kurzen sowohl "hinter" Haderthauer als auch "vor" Haderthauer, ebenso andere Spitzenleute der CSU, die sich ausdrücklich dort hingestellt hatten. Die beiden Bilder stammen aus verschiedenen Quellen und sind gleichbedeutend, wie man fast täglich aus der Zeitung entnehmen kann.

(In den letzten Stunden sind so unglaubliche Vorgänge zum Vorschwein gekommen – wie es bei Freud heißt –, daß Seehofer sich von seiner Kanzleichefin "distanziert".)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.07.2014 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26389

Wenn wir keine Rechtschreib-Zensur hätten, könnte sich die Rechtschreibung weiterentwickeln. So würde wohl nur die amtliche Eintragung einer "Besseren Rechtschreibung" als geschützter Begriff helfen. Die frühere wurde ja als "veraltet" diskriminiert.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 25.07.2014 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26388

Der Einsatz des Akzents zur Kennzeichnung der Betonung oder von Bedeutungsungsunterschieden kann nicht schaden, wie unsere niederländischen/flämischen Nachbarn in ihrer Praxis zeigen (vgl. z.B. "éen" [Zahlwort] und "een" [Indefinitpronomen]). Dort schreckt man auch vor der Verwendung des Tremas nicht zurück, um Diphthonge zu markieren.

Akzeptierte man diese Praxis für das Deutsche, so könnte man sich die Diskussion über Fälle wie "Knie" oder "Kniee" sparen. Das größte Problem hierbei ist jedoch, daß die Tastaturbelegungen und deren Schemata normiert sind und Betriebssysteme entsprechende Eingaben erwarten. Hier etwas zu ändern wäre unglaublich schwierig und würde außerdem die Rückwärtskompatibilität gefährden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2014 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26387

Warum nicht? Vielleicht wird das irgendwo auch schon so gemacht. Man wird ja auch Ausländern als Anfängern kaum russische Lesetexte ohne Akzentzeichen geben. Normalbegabte deutsche Kinder kennen allerdings die Wörter schon und sollen sie in der Schrift bloß wiedererkennen. Das ist anders, wenn ich Russisch lese, bei geringen Kenntnissen, da sind mir Akzentzeichen sehr willkommen.

Mit Pinyin unterlegte chinesische Texte sind für unsereinen auch insofern eine große Erleichterung, als wir leichter im Wörterbuch nachschlagen können, wenn es alphabetisch nach westlichem Muster angelegt ist. Man braucht dann nicht mehr das Radikal zu erkennen und die restlichen Striche zu zählen.

Unser verstorbener Freund Zemb hat ja die Heysesche s-Schreibung deshalb begrüßt, weil Ausländer zunächst nicht wissen können, daß man Fluß kurz und Fuß lang spricht.
 
 

Kommentar von Kohl, verfaßt am 24.07.2014 um 23.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26386

Eine reine Interessensfrage an Hr. Pr. Ickler, auch wenn es etwas am Thema vorbeigeht, fänden Sie solche Markierung (zum Beispiel einen Akut oder ein Makron für die Vokallänge) sinnvoll, wenn sie Anfängern beim Lesenlernen (einschließlich Ausländern) zur Verfügung gestellt würden, analog z. B. zur Annotation für chinesische Schriftzeichen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2014 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26385

Davon ist man gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder abgekommen. Der Kontext verhindert fast immer jedes Mißverständnis. Wer käme auf den Gedanken, Herrn Achenbach für einen Esséner zu halten! Übrigens gelten ähnliche Überlegungen für die nun wieder angeforderten Vorschläge für eine eineindeutige Wiedergabe der Phoneme oder gar Phone. Nichts ist leichter, als eine in diesem Sinn perfekte Schrift zu entwerfen. Da wir jedoch eine zwar nicht vollkommene, aber doch sehr gute Orthographie hatten und überwiegend noch haben, wird sich eine grundsätzlich neue nicht einführen lassen und wird auch nicht dringend gebraucht.
Betonungsakzente werden in seltenen Fällen immer noch gesetzt und auch gleich verstanden (wie oben beim Germanisten), ohne daß man daraus eine ausdrückliche Regel machen müßte. In Schülertexten dürfte die Gelegenheit alle paar Jahre mal vorkommen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.07.2014 um 13.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26384

Eigentlich müßte man die Éssener und die Esséner unterscheiden. Es gibt noch mehr betonungsabhängige Bedeutungsunterschiede, Betonungsakzente könnten das Lesen und Verstehen erleichtern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2014 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26381

Das ist mir auch gleich aufgefallen. Raffinierter geht es nicht. Natürlich könnte Aldi riesige Anzeigen aus der Portokasse bezahlen, aber man zeigt eben an, daß man das gar nicht nötig hat.
Mir geht oft durch den Kopf, daß die manchmal doppelseitigen Anzeigen für Autos möglicherweise ihren Zweck verfehlen. Gerade weil sie so riesig sind, kann man sie nicht richtig betrachten oder gar lesen (soweit Text neben dem fotografischen Meisterwerk überhaupt vorhanden ist) und überblättert sie so schnell wie möglich.
Ganz übergehen kann man den Brauch der Todesanzeige nicht, aber die verhältnismäßig - oder unverhältnismäßig - kleine Doppelanzeige wird von jedem Betrachter richtig verstanden: Im Sinne des großen Verstorbenen halten wir dieses Beiwerk ganz klein und investieren das Geld lieber zum Wohle der Aldi-Kunden.
Man könnte auch sagen: Im Kampf um die "Ressource Aufmerksamkeit" wirkt ein Flüstern mitten im allgemeinen Getöse unter Umständen stärker als ein noch lauterer Knall.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 23.07.2014 um 15.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26380

Da soll einer nochmal sagen, Deutschland würdige seine eigenen Geistesgrößen nicht angemessen!

In der heutigen FAZ sind zwei gleichermaßen wortkarge viertelseitige Todesanzeigen für Karl Albrecht erschienen - eine vom Sohn im Namen der Familie und eine vom Unternehmen.

Im Vergleich zu den seiten- und tagelangen Todesanzeigen und Lobhudeleien für Frank Schirrmacher ist das geradezu nichts.

Wir Essener sind eben sparsam und bescheiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2014 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26291

„Es ist die schlimmste Weise, ein Spiel im Elfmeterschießen zu verlieren. Von daher ist die Enttäuschung groß.“ (focus.de 10.7.14)

Die Wendung von daher ruft immer mal wieder Sprachpfleger auf den Plan. Ulrich Werner hat schweres Geschütz aufgefahren (http://www.sprache-werner.info/von-daher.1767.html), Sick ist duldsamer, gibt allerdings seltsame Gründe an ("es ist tatsächlich leichter und gefälliger, seine Rede mit einem Dreisilbenwort zu beginnen als mit einem Zwei- oder Einsilbenwort") (2004).

Meiner Ansicht nach gehört die Wendung zu den vielen Fällen von "Rekonkretisierung". Nachdem das Räumliche in der Metapher daher sich verloren hat, stellt man es halbwegs wieder her. Ähnlich wird ja auch nachgehen durch hinterhergehen verdrängt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2014 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26132

Die ZEIT spricht wieder einmal - natürlich tadelnd - von Angela Merkels "schwäbischen Hausfrauenhänden". Ich weiß zwar, wie es gemeint ist, aber mit der Zeit kriegt man es satt - bald wird Merkel auch noch der schwäbelnde Dialekt vorgehalten werden.

Die ZEIT titelt übrigens auch "Europa wird vom Kompromiss regiert". Wie scharfsinnig! Welches Land wird nicht vom Kompromiß regiert? Mir fällt Nordkorea ein.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 14.06.2014 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26054

Was ist denn ein "bedeutsamer Mann"?

Menschen können einfach "bedeutend" sein. Nennt man sie aber "bedeutsam", muß man schon sagen wofür.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2014 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26048

Schirrmachers Agieren und Taktieren in der Rechtschreibfrage wird nirgendwo erwähnt, wohl weil auch die Nachrufer alle im gleichen Boot sitzen.

Was noch auffällt: Kritiklose Bewunderung auch im "Spiegel", vergessen ist, was er 1996 über Schirrmacher geschrieben hatte. (Der alte Artikel ruft mir noch einmal ins Gedächtnis, warum z. B. Gumbrecht so eine feste Größe im Feuilleton der FAZ ist.) In der SZ immerhin schreiben drei FAZ-Flüchtlinge (von sehr vielen) auch etwas kritischer. Thomas Steinfeld wird sich wohl nicht öffentlich äußern.
Hoffentlich bleibt uns Constanze Kurz (vom CCC) im Feuilleton erhalten. Naturwissenschaften könnten sogar noch stärker berücksichtigt werden, das ist interessanter als die endlosen Theaterkritiken.
Die Besessenheit der FAZ von Carl Schmitt hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise gelegt, fällt mir gerade auf.
In Rechtschreibdingen ist leider nichts zu hoffen.

 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 13.06.2014 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26046

Nachrufe sind sicherlich nicht die ideale Textsorte, um an ihnen das Korinthenkacken vorzuführen. Aber nachdem die Redaktion in meinem letzten Beitrag freundlicherweise zwei Fehler korrigiert hat (ursprünglich hatte ich "daß hier von dem bedeutenden Manne Bedeutsamstes berichtet wurde" geschrieben und dann war da noch das fehlende Komma im ersten Satz), möchte ich anmerken, daß auch Döpfners Text dringend von einem Lektor hätte korrekturgelesen werden müssen. Mein vergessenes Komma ist direkt harmlos gegen die vergessenen Kommata im Nachruf. (So etwa dieses: "Noch als er wieder zuhause angekommen war[,] schrieb er mir bester Laune eine zukunftszugewandte SMS: [...]") Und auch gegen die vielen Superlative (und den blöden Bedeutsamkeitsdoppelpunkt) hätte ein Lektor etwas unternehmen können.

Schlamperei oder soll es so unmittelbar betroffen wirken? Wohl kaum, denn Nachruf eines Freundes hin oder her – es ist ein Text in einer Zeitung.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 13.06.2014 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#26043

Jubiläen und Nachrufe sind immer Gelegenheiten, Stilblüten in voller Pracht zu sehen. Auch wenn man eigentlich gar nichts zu sagen hat, kann man es so verschwurbelt ausdrücken, daß es geradezu mit Bedeutung aufgeladen wird. Wen interessiert da, daß Grammatik und Verständlichkeit auf der Strecke bleiben.

Anläßlich des Todes von Frank Schirrmacher möchte auch Springer-Chef Mathias Döpfner einmal Bedeutsamstes absondern:

Ich bin nie einem begeisterteren und begeisternderen Menschen begegnet als Frank Schirrmacher. Wenn der Gegenstand der Erregung es Wert war, dann war seine Begeisterung viral.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/mathias-doepfner-ueber-frank-schirrmacher-12988135.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Mal ganz abgesehen, daß die beiden Superlative nicht gut gewählt sind, ist die "Schlechtschreibung" des Adjektivs wert aus der Feder des Springer-Chefs gar köstlich. Den zweiten Satz verstehe ich übrigens gar nicht. Muß aber auch nicht sein, denn natürlich muß man Schirrmacher persönlich gekannt haben, um diese "virale Begeisterung" zu verstehen.

Und so bleibt mir Dümmling nur, in weiter Ferne der "adriatischen Stimmung des Lebens" zu stehen und staunend zu ahnen, daß hier und heute Bedeutsamstes über den bedeutsamen Mann geschrieben wurde.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.05.2014 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25868

»[. . .] begann Mussolini gerade mit seinem inzwischen gescheiterten Versuch, sich durch eine Verständigung mit den Mailänder Partisanen am eigenen Zopf – wie der Lügenbaron Münchhausen – aus dem Sumpf zu ziehen.« (Jochen von Lang [Ps.]: Der Adjutant. Karl Wolff, der Mann zwischen Hitler und Himmler, München 1985, S. 290)

Daraus konnte schon aufgrund der Frisur des Duce nichts werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2014 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25866

Seehofer verglich die Hanns-Seidel-Stiftung mit einem Juwel, das damals wie heute gut aufgestellt sei. (ad-hoc-news.de 12.5.14)

Das gut aufgestellte Juwel ist wie die anderen Parteistiftungen Teil des monströsen Systems der staatlichen Parteienfinanzierung, daher die gute Aufstellung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2014 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25760

Wenn Aristoteles die Möglichkeit gehabt hätte, im Jahre 272 v. Chr. anläßlich seines fünfzigsten Todestags nach Athen zurückzukehren ... (A. A. Long/D. N. Sedley: Die hellenistischen Philosophen. Texte und Kommentare. Stuttgart, Weimar 2000:1)

Eine etwas befremdliche Vorstellung, daß jemand anläßlich seines 50. Todestages zurückkehrt. Aber es wird noch besser:

Für die, die insbesondere von der griechischen Philosophie angezogen wurden, war Athen das natürliche Mekka.

Im Original steht es übrigens ebenso:

If Aristotle could have returned to Athens in 272 b.c., on the fiftieth anniversary of his death, he would hardly have recognized it as the intellectual milieu in which he had taught and researched for much of his life. (...) For those who were attracted by Greek philosophy in particular, Athens was their natural Mecca, both because it still housed the schools founded by Plato and Aristotle, and because such literary masterpieces as Plato's Socratic dialogues, which will have afforded many their first taste of the subject, lent Athens an unfading glamour as the true home of philosophical enlightenment.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2014 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25549

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23738:

Die Hinkelsteine (= Hühnersteine) sollen eine Weiterbildung aus Hühnergrab (für unverstandenes Hünengrab) sein.

 
 

Kommentar von Peter Küsel, verfaßt am 21.03.2014 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25444

»Sanktionen gegen Putin - Ist das des Pudels Kern?«

- Titel der heutigen Folge von »Augstein und Blome«, Phoenix, 17:05 Uhr (http://tinyurl.com/no3f89a)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.03.2014 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25426

Bevor die italienische Pasta die höheren kulinarischen Weihen auch nach Deutschland brachte, kannte man die Nudel (gewöhnlich mit Eiern und Mehl und nicht aus Hartweizengrieß hergestellt) schon lange in den Regionalküchen. Dort ist sie als Beilageund Einlage zu und in Speisen sowie als Versteck für Fleisch in der Fastenzeit wohlbekannt.

Und so eignet sich die regionale und sehr bodenständige Nudel in der Tat nicht für "[e]in kompliziertes, sagen wir mit Dollase "strukturalistisches" Gericht wie Hechtbäckchen an Fleur-de-Sel-Jus vom Juchtenkäfer". Sie haben bei dieser phantasievollen Kreation ja schon vorgeführt, worauf es ankommt: nämlich stilistische Pracht. Wenn nun statt der deutschen Nudel die Verwandtschaft aus dem sonnigen Italien – wenn es geht mit opernhaftem Namen – daherkommt, dann kann sie durchaus mit dem strukturalistischen Gericht serviert werden. Hechtbäckchen an Fleur-de-Sel-Jus vom Juchtenkäfer auf einem Nest von Tagliatelle. Das putzt doch jede Speisekarte ungemein!

Nun wieder im Ernst, kann die Nudel in den erwähnten Komposita etwas mit dem Verb nudeln zu tun haben? Die ursprüngliche Bedeutung gibt der Paul, nämlich das Stopfen der Gänse. Daraus nun gleich "nudeldicke Frauen und Kinder" abzuleiten, erscheint mir problematisch. Zumal sich die Bearbeiter des Paul hierbei nur auf das "Große Wörterbuch" der Duden-Redaktion verlassen (komische Nudel und Betriebsnudel in der Ausgabe von 1976 und die Ulknudel in der von 1981). Eine andere Bedeutung von nudeln erwähnt die 18. Auflage des Wasserzieher. Demnach bedeutet nudeln mundartlich "schnell u. liederl. arbeiten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2014 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25425

Ich weiß nicht, ob sich schon einmal ein Sprachwissenschaftler mit den Nudeln befaßt hat. Warum spricht man von Skandalnudeln, Ulknudeln? Es geht immer um etwas Leichtgewichtiges, die Grenze zum Ernsthaften dürfte etwa bei Lewitscharoff und Alice Schwarzer liegen, während ein richtiger Verbrecher kaum als Revolvernudel bezeichnet werden könnte.

Nudeln haben etwas Unbeträchtliches und leicht Komisches. Ein kompliziertes, sagen wir mit Dollase "strukturalistisches" Gericht wie Hechtbäckchen an Fleur-de-Sel-Jus vom Juchtenkäfer könnte kaum mit Nudeln serviert werden, außer in einem postmodernen Etablissement. Die Nudel war denn auch ein passendes Arbeitsgerät für Loriot. Nicht zu vergessen auch die lustvolle Phonetik: [nu:dl].

Vorgestern las ich:

Skandalnudel Miley Cyrus hat auf Instagram Fotos ihres neuen Tattoos gepostet. Das zeigt eine weinende Katze und prankt mitten auf ihrer Unterlippe. (focus.de 17.3.14, zwei Stunden später korrigiert)

 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.03.2014 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25391

Im neuen SPIEGEL (12/2014) hat die Redaktion folgendes Zitat aus einer Leserzuschrift groß herausgehoben (das ist ein inoffizielles Signal für die Bewertung als bestes Leser-Statement):

... [Russland] fürchtet eine zunehmende wirtschaftliche und militärische Einkreisung durch die Achse USA–EU.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.03.2014 um 21.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25364

Wer in Deutschland ein Start-up gründen will […], der verliert schnell den Überblick, denn es gibt ein wahres Feuerwerk an Fördertöpfen.

ZDF, »heute nacht«, 12.03.2014

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.02.2014 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25127

Sitzen ist das neue Rauchen (n-tv 13.2.14)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.02.2014 um 22.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#25084

»Gleich auf mehreren wichtigen Posten werden demnächst neue Gesichter Platz nehmen, wie SPIEGEL ONLINE aus Regierungskreisen am Mittwoch bestätigt wurde.«

spiegel.de (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinmeier-benennt-neuen-botschafter-in-washington-a-943728.html), 15.01.2014, Wechsel auf Diplomatenposten: Steinmeier ernennt neue Botschafter
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2014 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24730

1773 hob Papst Clemens XIV. den – 1814 wiederhergestellten – Jesuitenorden auf. (NZZ 22.2.03)

= 1773 hob Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden auf; der Orden wurde 1814 wiederhergestellt.

oder:

1814 wurde der Jesuitenorden wiederhergestellt, den Papst Clemens XIV. 1773 aufgelöst hatte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.12.2013 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24656

Der DLF zitiert heute in der Presseschau die Badische Zeitung:

"Wer so tief gefallen ist, für den kommt eigentlich nur ein lupenreiner Freispruch in Frage, will er seine persönliche Ehre verteidigen. Nur ein echter Freispruch böte Wulff die Chance, sich als Figur der Zeitgeschichte wenigstens halbwegs zu rehabilitieren. So gesehen ziehen Staatsanwaltschaft und Wulffs Verteidiger ausnahmsweise am selben Strang, wenn sie beide die Fortsetzung des Verfahrens verlangen - wenngleich aus ganz unterschiedlichen Gründen".

Am selben Strang ziehen heißt, dieselben Ziele verfolgen, aus welchen Gründen auch immer. Welche Ziele sind das? Die bloße Fortsetzung des Verfahrens kann nicht gemeint sein, denn da steht ausdrücklich eine Bezugnahme auf das Vorhergehende. "So gesehen", also verfolgen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung das Ziel eines lupenreinen Freispruchs?

 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 19.12.2013 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24652

Ursula vdL und "physische Zartheit"? Fritz Eckenga sagte kürzlich sinngemäß: Auch die Hauptstadtfriseure wissen seit ihrem Erscheinen, was Helmpflicht bedeutet.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2013 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24649

Bald wird es die Bilder aus Afghanistan geben. Sie werden eine zierliche Frau in Schutzweste und mit kugelsicherem Helm zeigen, umgeben von Soldaten – die Ministerin auf ihrem ersten Truppenbesuch. Die Mischung aus martialischen Symbolen und physischer Zartheit wird eine Faszination ausüben, wie sie zuvor nur die Auftritte von Karl-Theodor zu Guttenberg an der Front hatten. (welt.de 18.12.13)

Man stutzt, weil nicht klar ist, wie weit der Vergleich reichen soll.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.12.2013 um 22.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24635

Heinrich von Kleist, Prinz Friedrich von Homburg: "In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!"
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 17.12.2013 um 14.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24628

Herr Ickler wies ja schon mehrmals auf die sprachlich gespreizten Texte der Kunstkritik hin. Ähnliche Verrenkungen finden sich in Filmrezensionen. Möglicherweise möchten die Rezensenten nicht hinter der visuellen Pracht der Filme zurückstehen. Dieser Drang, sich bloß nicht gewöhnlich auszudrücken, läßt sie dann oft genug danebengreifen. Das gilt für Journalisten wie auch die vielen Freizeitschreiber, deren Texte man in den unterschiedlichen Filmportalen im Netz finden kann.

So versucht auch Sebastian L. seine Besprechung von Ozons Film "Jeune & Jolie" (auf deutsch "Jung & Schön") bei "Filmfutter" attraktiver zu machen:

François Ozon ist es wieder gelungen, einen französischen Film zu schaffen, der auch dem Mainstream-Publikum goutieren kann. Er gibt weder einen echten Grund für die Entscheidung zur Prostitution vor, noch zwingt er dem Film ein rundes Ende auf. Der Zuschauer muss bzw. darf selbst deuten, warum es so ist, wie es eben ist.

Mal ganz abgesehen von dem platten Hinweis, daß ich als Zuschauer bei einem Film immer selbst deuten darf, warum etwas so ist, wie es im Film gezeigt wird, hat jeder Film ein Ende. Das Ende kann nun geschlossen oder offen sein, aber was soll man sich unter einem runden Ende vorstellen? Auch das "aufzwingen" wirkt gewollt. Denn natürlich zwingt jeder Regisseur dem Film ein Ende auf, da er doch entscheidet, wie sein Film im Schneideraum beendet wird. Wenn das mal nicht zwingend ist! Und dann kommt passend zu einem französischen Film das Verb "goutieren", bei dem der Verfasser sich offensichtlich über den Gebrauch nicht ganz im klaren ist. Hätte er das langweiligere deutsche "schmecken" gewählt, würde der Dativ nicht so merkwürdig auffallen und wenigstens für meinen Geschmack schiefhängen.

Die komplette Rezension findet sich hier: http://www.filmfutter.com/jung-und-schoen/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2013 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24627

Ob unser Sprachgefühl sich je mit Hechtrücken an Vanillesoße usw. gewöhnen wird, weiß natürlich heute niemand, ich habe meine Zweifel. Schließlich klebt die Soße am Hecht und nicht umgekehrt.

Manche präpositionale Fügung ist freilich schon lange und unerschüttert im Gebrauch, obwohl sie bei einigem Nachdenken seltsam genug ist. Zum Beispiel Raus mit dir! oder Zur Hölle mit den Paukern!. Wieso mit?Der Ursprung ist leicht zu erkennen: Eigentlich war diese Aufforderung an einen Dritten gerichtet, der mit dem X zur Hölle fahren oder wenigstens außer Sichtweite gehen soll. Das ist dann verallgemeinert worden.

In Pauls Wörterbuch heißt es:

„In einer Aufforderung wie weg mit ihm ist eigentl. eine Person (oder mehrere) angeredet, die mit jemandem weggehen, ihn wegschaffen soll; dabei ist aber jetzt nur noch die Vorstellung lebendig, daß jemand (bzw. eine Sache) auf irgendeine Weise weggeschafft werden soll; ähnlich hinaus, hervor, her m. usw.; vgl. auch in Stücken mit dem Andreas Schi.“ (Paul Wb. s. v. mit)

(Das Zitat ist aus dem Fiesco.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2013 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24620

Von der Leyen schlug bei ihrem ersten Interview seit Bekanntwerden ihrer Nominierung auch drei Pflöcke ein, die sie nun mit Inhalt füllen muss. (welt.de 16.12.13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2013 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24205

In seiner Biografie „Das Leben ist kein Spiel“ plaudert Boris Becker aus dem Nähkästchen. (stern.de Oktober 2013)

Es ist nur eine Metapher, aber irgendwie stellt man sich doch gleich Becker mit seinem Nähkästchen vor.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 08.10.2013 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24196

Herr Metz hat recht. Ich besitze nur die 18. und 19. Auflage des Rechtschreibduden. Den sog. Einheitsduden habe ich nicht mehr gekauft, weil ich mich über die Vorgänger zu sehr geärgert und lieber so geschrieben habe, wie ich es für besser gehalten habe. Reformierte Ausgaben wurden mir von Leuten geschenkt, die mich ein wenig ärgern wollten, und mit Ausnahme der 2006er Auflage habe ich sie entweder entsorgt oder verschenkt.

Zum konkreten Fall: auf die schnelle/Schnelle ist wohl einer jener Zweifelsfälle, in denen sowohl Groß- als auch Kleinschreibung gerechtfertigt sind.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.10.2013 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24181

Den von Herrn Schaefer (#24177) zitierten Eintrag enthielt der Rechtschreibduden in der 16. (1967), 17. (1973), 18. (1980) und 19. Auflage (1986). Im letzten unreformierten Duden (20. Aufl., 1991) steht, ebenfalls unter dem Stichwort »schnell«:

auf die schnelle Tour (ugs.); auf die Schnelle (ugs. für rasch, schnell)
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 05.10.2013 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24179

Warum habe ich eigentlich die Schulbank gedrückt?
Bei der Tränendrüse kommt doch wenigstens was raus.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 05.10.2013 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24177

Der unreformierte Rechtschreibduden enthielt in der Tat (unter dem Lemma "schnell"): (ugs.) auf die schnelle [Tour].
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 04.10.2013 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24175

Stromschnellen und Schleudern sind natürlich sowieso etwas anderes, also da hätten wir ein lokales "auf die Schnelle". Aber im modalen Adverbial "auf die schnelle" habe ich "schnelle" schon immer klein geschrieben, und ich meine sogar, mit Absegnung durch irgendeinen Duden oder etwas ähnliches, wo ich mal als Erklärung "auf die schnelle (Art)" gelesen hatte. Und als Unterscheidungsschreibung war und ist das für mich durchaus akzeptabel. Ein Substantiv "Schnelle" zu "schnell" (parallel etwa zu "Güte" und "gut" oder "Kälte" zu "kalt") habe ich nie irgendwo im Gebrauch gefunden. Es würde jedoch Großschreibung rechtfertigen. Aber bewundert wer *die Schnelle* eines 100-m-Läufers? Oder die des Leoparden? Ist nämlich diese "Schnelle" nur noch am Leben in dem Ausdruck, der hier zur Debatte steht, dann wird es höchste Zeit, daß man es im Zweifel klein schreibt.

Zur Übernahme irgendeiner lässigen Ausdrucksweise von irgendwoher ist es auch gar nicht nötig, daß da aus einem richtig aufgebauten Ausdruck ein Wort weggelassen wird oder etwas nicht ganz richtig verwendet wird; wichtig ist nur, daß der Ausdruck irgendwie zündet, also man dabei gleich versteht, wie er gemeint ist, weil er sich naheliegendes schon Bekanntes zunutze macht. Da mag "aufs Tempo drücken" noch so unlogisch sein, — was gemeint ist, wird schon verstanden; man weiß ja, wie es ist, wenn wer auf nicht weiter näher bestimmtes Tempo drückt. Auch "auf die Tube drücken" ist zunächst keine Glanzleistung an Bildhaftigkeit; aber man weiß, wie's gemeint ist, und wiederholt es ohne weiteres Bedenken, selbst wenn aus der Tube nie was Flüssiges kommt und schon gar nicht das, das man zur Autobewegung braucht.
(Zu "auf die Tube drücken": Englisch übrigens "get a move on", im Auto auch "put one's foot down", welch letzteres jedoch zunächst einmal auch eine ganz andere Bedeutung hat, nämlich "etw. [eine Grenze] in aller Klarheit feststellen/festsetzen".) — Soweit jedenfalls meine Gedanken hierzu auf die schnelle.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2013 um 19.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24166

Ist auf die Tube drücken nicht älter?
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 02.10.2013 um 19.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24165

Aber auf die Schnelle ist doch auch die herkömmliche Schreibweise.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2013 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24158

Ich bin kein Autofahrer, glaube aber nicht, daß Tempopedal ein üblicher Ausdruck ist.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.10.2013 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24157

Ich vermute auch, "aufs Tempo drücken" ist eine etwas lässige Fassung von "aufs Tempopedal drücken". Ähnlich haben wir auch "auf die schnelle", welches ebenso lässig für "auf die schnelle Art" steht, — weshalb das rechtschreibreformierte "etwas auf die Schnelle machen" in meinem unreinen Geiste seltsamste Szenen zur Sprache bringt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2013 um 03.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24156

Zur Zeit drückt wieder jeder aufs Tempo: Seehofer bei den Koalitionsverhandlungen, Papst Farnziskus bei der Reform der Kurie, VW in China usw. - Wenn man es nur so liest, könnte man meinen, die Leute betätigten sich als Bremser, aber es ist das Gegenteil gemeint. Also handelt es sich wohl um eine Vermischung mit dem Drücken bzw. Treten des Gaspedals.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2013 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#24136

Urgestein Egon Bahr empfiehlt die Bildung einer Minderheitsregierung. (Hamburger Abendblatt 27.9.13)

Der Begriff "Urgestein" wird in der Geologie nicht mehr verwendet, aber wie so oft überlebt er im sprachlichen Klischee.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2013 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23864

Dann gibt es kein Außerhalb von Amazon mehr. Und Jeff Bezos kann über sein Reich sagen, in ihm höre der Rubel niemals auf zu rollen. (ZEIT 7.8.13)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.07.2013 um 23.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23779

Wagner ist ein Seelenrattenfänger, und Petrenko ist sein Prophet.
(FAS, 28.7.13, S. 33)

Der andere aus Hameln war ja der Kinderrattenfänger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2013 um 13.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23738

Jede Sprache hat zwei große Arsenale, aus denen sie sich nährt: den Wortschatz und die Grammatik. (Hans Jürgen Heringer: Grammatik und Stil. Praktische Grammatik des Deutschen. Frankfurt 1989:9)

Aus Arsenalen nährt man sich nicht.

Aus demselben Werk ("Für den Gebrauch an Schulen"):

„Das treffende Wort spart oft viel Umständlichkeit. Schreib einfach:

- Er war ein Hüne.

statt:

- Er war ein großer, wuchtiger und starker Mann.“ (10)

Davor braucht man Schüler nicht zu warnen, das würden sie sowieso nicht schreiben. Aber Hüne? Das kennen die meisten gar nicht, warum nicht Riese? Aber am besten wäre immer noch sehr groß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2013 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23716

Grieses Kampf hat ihm Furchen ins Gesicht gegraben, die Backenknochen treten weit aus seinem mageren Hals hervor ... (Welt 22.7.13 über ein Mißbrauchsopfer)

Unter Backenknochen versteht man gewöhnlich das Jochbein, so daß ich beim Lesen dachte, diesem Mann muß in seiner Kindheit wirklich ganz übel mitgespielt worden sein.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 16.07.2013 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23677

Sowohl bei einer Klingel als auch bei einer Glocke wird der Ton dadurch erzeugt, daß durch Schlagen auf einen Klangkörper in ihm eine Eigenschwingung entsteht. Daher erscheint mir die in einigen Anwendungen synonyme Verwendung nicht ungewöhnlich.

Und die rein elektronischen Systeme, die den gleichen Zweck erfüllen, werden unverändert gemäß ihnen mechanischen Vorläufern bezeichnet, obwohl das Funktionsprinzip ein vollkommen anderes ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2013 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23675

Nun, die Bedeutungsentwicklung knüpft manchmal an Form und Lage, manchmal an die Funktion an, und nach einiger Zeit wundert man sich, wie weit sich die Bedeutung vom Ursprung entfernt hat (z. B. bei Schloß).

In einigen Gegenden heißt die Klingel am Fahrrad oder an der Haustür Glocke, unabhängig von der Art des Tons und seiner Erzeugung. In meiner Kindheit galt unter Radfahrern die Radlaufklingel oder eben auch -glocke als besonders schick. Der Ton, übrigens rein mechanisch erzeugt, war ziemlich infernalisch. Soviel ich weiß, ist sie heute verboten, aber vielleicht mehr aus dem Grunde, daß sie naturgemäß nur im Fahren funktioniert. Schick ist ja heute ohnehin etwas ganz anderes: die klobige chinesische Fahrradklingel.

(Ob es die in China überhaupt noch gibt? Als ich dort war, gab es nur zwei Fahrrad-Marken, und Beleuchtung war verboten wegen Blendgefahr, man fuhr also auch in dunklen Nächten zu Hunderten durch die ebenfalls unbeleuchteten Straßen von Tianjin, was ein ganz eigenartiges Abenteuer war. Autos gab es praktisch gar nicht. Wenn ich in Erlangen vor der Uni 300 Fahrräder stehen sehe, dürfte es schwer fallen, darunter auch nur zwei vom gleichen Typ zu entdecken. Das ist für die Marktwirtschaft ebenso charakteristisch wie die gegenläufige Tatsache, daß alle Einzelteile genormt sind. – Ich stelle gern solche Beobachtungen aus der Sicht eines Archäologen an, der in ferner Zukunft unsere Gesellschaft zu erkennen versuchen wird. Wie spiegelt sich das alles in unsrerer Sprache? Größtmöglicher Wildwuchs neben rationaler Disziplinierung.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2013 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23673

Was für eine Schlußfolgerung, da haben Sie wirklich recht, lieber Herr Bärlein. Zu meiner Entschuldigung: Solange es nicht unmittelbar um Rechtschreibung oder Grammatik geht, denke ich immer noch, was im Duden steht, muß zumindest ansonsten sprachlich "in Ordnung" sein. Ab und zu gebraucht, aber trotzdem schief, da bin ich froh, daß mein erster Eindruck richtig war.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 15.07.2013 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23672

Aber da auch der Duden die "Alarmglocken schrillen" läßt, ist das Bild wohl doch in Ordnung.

Aber Herr Riemer, was für eine Schlußfolgerung. Das Bild ist schief, wenn auch vermutlich erst mit der Zeit schief gewachsen und deshalb gängig. Früher hat man im Feld auf Trommeln oder Becken Alarm geschlagen, an festen Orten mit den Kirchenglocken Sturm geläutet. "Schrillen" setzt eindeutig einen maschinell, zumeist elektrisch betriebenen Tongeber voraus, mit dem sich ein hochfrequentiges Bimmeln erzeugen läßt. Das ist mit einer klassischen Glocke nicht möglich, allenfalls mit einer Klingel. "Die Alarmklingeln schrillen" ist aber ebenso wie "die Alarmglocken bimmeln" nicht alarmistisch genug, beides klingt zu harmlos. "Die Alarmglocken bimmeln" leidet überdies ebenso wie "die Alarmglocken läuten" darunter, daß heute niemand mehr mit Glocken Alarmsignale gibt. Dennoch gibt die Wucht des Glockenkörpers – im Gegensatz zu der kleineren Bimmel und zu der mechanischen Klingel – ein Bild vom Ernst der im Alarmfall zu gewärtigenden Lage. Deshalb läßt man bisweilen die Alarmglocken schrillen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2013 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23671

Mir ist die Verwendung von Glocke als Synonym für Klingel, Wecker oder andere schrille Tongeber nicht so geläufig. Aber da auch der Duden die "Alarmglocken schrillen" läßt, ist das Bild wohl doch in Ordnung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2013 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23670

Bei Grün-Weiss schrillen die Alarmglocken
(MM, 15.7.13, S. 6)

Große Glocken läuten, kleine bimmeln. Aber schrillen? Dazu muß es wohl schon sehr schlimm sein, weitneibies (weit hinein böse), wie die Erzgebirger sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2013 um 15.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23580

Laut FOCUS gehört Hamburg zu den "Schlusslichtern", nämlich bei der Zahl der Ehescheidungen pro 10.000 Einwohner.

Baden-Württemberg ist bundesweit Schlusslicht bei der frühkindlichen Ganztagesbetreuung. (Schwarzwälder Bote)

Dort laufen die Kleinkinder den ganzen Tag unbetreut auf der Straße herum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2013 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23457

Nun wiehern die Piraten. "Beim Besuch von US-Präsident Barack Obama in Berlin hat Kanzlerin Angela Merkel einen verhängnisvollen Satz gesagt: 'Das Internet ist für uns alle Neuland'. Nun wird sie im Netz gehörig auf die Schippe genommen." (FOCUS, ähnlich anderswo)

Natürlich ist das Internet Neuland. Die Gesetzgebung kommt noch nicht damit zurecht, die Buch- und Zeitungsverlage wissen nicht, wie sie darauf antworten sollen usw. Außerdem geht die Entwicklung so schnell weiter wie noch nie bei einer technischen Erfindung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2013 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23182

Durch den Blitzeinschlag kamen sechs Partygäste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. (Hamburger Abendblatt 9.5.13)

Ein Blitz als Krankentransporter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2013 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23098

„Wir glauben mit den Knien oder wir glauben überhaupt nicht.“ (Martin Mosebach)

Man erwartet "auf den Knien". Der Kopf denkt, das Herz fühlt, die Knie glauben?

Mosebach ist nicht stilsicher. Er schreibt in seinem Häresiebuch, daß im Frühmittelater "die christliche Kultur ihren bisherigen Zenith erreichte“. "Höhepunkt" war ihm wohl zu gewöhnlich, aber vom Zenith kann man nicht sagen, er sei vorläufig. Was soll denn da noch kommen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2013 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23045

Zur Sache selbst wollte ich mich gar nicht äußern, schon gar nicht über die heile Welt der Großfamilie usw. Mir geht es, wie schon früher, um die Rhetorik. Das beginnt mit den tendenziösen Überschriften und geht weiter über die Wortwahl. Länder sind "Schlußlicht" bei der Fremdbetreuung, nie bei der häuslichen Betreuung. Mit Konsens meinte ich auch nur die veröffentlichte Meinung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2013 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23044

Eigentlich wollte ich ja nur das schiefe Bild von der verfehlten Meßlatte aufspießen, aber der genannte Artikel enthält tatsächlich auch inhaltlich sprachlich Interessantes (Hervorhebungen von mir):

Bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren ist Weinheim fast am Ziel: 34 Prozent des Bedarfs müssen ab August gedeckt werden. 30,4 Prozent sind erreicht - mit hohem finanziellem Aufwand der Stadt.

Das Ziel, 34 Prozent des Bedarfs an Betreuung der unter dreijährigen Kinder zu decken, ist in Weinheim fast erreicht.

Die Gesamtanzahl der bis Dreijährigen wird hier einem "Bedarf" gleichgesetzt, so als wünschten und benötigten tatsächlich alle Eltern eine Fremdbetreuung, wovon zur Zeit nur 34 Prozent erfüllt würden.

Ich würde nicht sagen, daß es schon herrschender Konsens ist, daß Kleinkinder in staatliche Obhut gehören. Auch geht es, wie der MM weiter schreibt, nicht nur um staatliche Betreuung, sondern um ein Drei-Säulen-Modell aus Tagesmüttern sowie städtischen Einrichtungen und Kindergärten in anderer Trägerschaft.

Aber viele Politiker tun zur Zeit so, als ob es herrschender Konsens wäre, daß Kleinkinder unbedingt in fremde Obhut gehören.
Ich finde, es sollte Eltern selbst überlassen bleiben, wie sie die Betreuung ihrer Kinder regeln. Weder Selbst- noch Fremdbetreuung sollte man verurteilen. Manche Gegner jeglicher Fremdbetreuung tun auch gerade so, als ob Eltern damit ihr Kind völlig aus der Hand gäben, dabei geht es nur um einen Teil des Tages an fünf Tagen der Woche. Ich sehe es wie Herr Mahlmann, Kinderbetreuung in Gruppen vermittelt auch wichtige soziale Kontakte.

Von einer vollständigen staatlichen Kontrolle der Kindergärten wie früher in der DDR sind wir zum Glück weit entfernt. Ich weiß noch, wie unser erster Sohn eines Tages aus dem Kindergarten kam und freudestrahlend von der "Sowertujo" erzählte. Wie schön es dort sei, wie gut es die Kinder in der "Sowertujo" hätten und daß sie alle unsere Freunde seien. Immer wieder nannte er "die Sowertujo".
Na ja, glücklicherweise hat es ihnen nichts genützt, auch in der DDR gab es nach Feierabend und an Wochenenden noch die Familie.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 21.04.2013 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23043

Die schöne heile Welt der Großfamilie, in der Kinder behütet aufwachsen und von vielen verläßlichen Bezugspersonen sozialisiert und erzogen werden, ist nun einmal Vergangenheit. Heute haben wir etliche Fälle davon, daß Kinder alleine aufwachsen und kaum andere sehen. Den wichtigen Kontakt mit anderen (Gleichaltrigen und Erwachsenen) kann man nur mit solchen Bildungseinrichtungen gewährleisten.
Im übrigen ist noch lange nicht gesagt, daß die Kinder von morgens bis abends dort sind; meistens ist von vier, fünf Stunden montags bis freitags die Rede.

Die Familien, in denen noch heute Kinder traditionell aufwachsen, sind zudem meist Migranten aus islamischen Ländern. Bei denen ist zu beobachten, daß sie die Kinder bewußt von der deutschen Lebensweise abschotten. Das erschwert die Integration und den Schulerfolg, und das schafft genau die Parallelwelten, die die linken Gegner der Herdprämie verleugnen und die Befürworter der Herdprämie geißeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2013 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23040

Der Bericht legt, wie fast alle vergleichbaren, den herrschenden Konsens zugrunde, daß Kleinkinder in staatliche Obhut gehören. Eltern, Familien sind grundsätzlich nicht in der Lage, ihnen die bestmögliche "Betreuung" zu bieten, was man ja schon daran sieht, daß sie dafür nicht bezahlt werden. Wenn die angestrebten Kindertagesstätten erst überall vorhanden sind, wird es wahrscheinlich Pflicht werden, sie zu füllen. Dann ist endlich Schluß mit der häuslichen Verwahrlosung.

Auf diesen Ton sind unzählige journalistische Berichte gestimmt, die ja meist nur weitergeben, was die einschlägig interessierten Instanzen ihnen an Textmaterial liefern. So stand denn auch der zitierte Artikel gleich in mehreren Zeitungen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.04.2013 um 02.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23039

Es steht nirgends, daß die übrigen Kleinkinder als "unbetreut" gelten. Sie werden nur nicht tagsüber wochentags in öffentlichen Kindertageseinrichtungen (Kinderkrippen) oder in Kindertagespflege (Tagesmütter) betreut, sondern zu Hause in der eigenen Familie.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2013 um 00.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23038

Soll das heißen, 70 Prozent der Kinder werden von ihren Eltern nicht in Anstalten abgegeben und gelten daher als »unbetreut«?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.04.2013 um 18.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#23037

Hohe Messlatte wird nur knapp verfehlt

... Der Betreuungsgrad bei den Ein- bis Dreijährigen, der ab August vom Bund mit 34 Prozent festgelegt wurde, ist eine hohe Messlatte und wird in Weinheim mit 30,4 Prozent nur knapp verfehlt. ...
(Mannheimer Morgen, 20.4.13)

Sollte die Meßlatte etwa irgendwie getroffen werden? Ich dachte, bei einer hohen Meßlatte geht es gerade darum, sie zu verfehlen statt zu reißen. Knapp verfehlt, solange es nur oben vorbeigeht, wäre also doch ideal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2013 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22965

Er war jemand, mit dem man sich gern umgab. (FAZ 12.4.13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2013 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22940

Nach seinem Eindruck sei der neue Papst bereit, „Fenster und Türen zu öffnen, damit neue Wege möglich sind“, sagte Schneider. (FAZ 9.4.13)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2013 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22927

Es gelang ihm diesmal, Fettnäpfchen zu umschiffen. (FAZ 5.4.13)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.03.2013 um 10.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22821

Frühlingsboten kündigen sich an

titelt der MM (18.3.13), und das paßt wohl zur diesjährigen Wetterlage. Wer die Boten genau sind, bleibt noch im dunkeln, aber sozusagen als Bote der Boten führt der MM einen Mannheimer Frühlingsmarkt an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2013 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22783

Das manchmal noch tief verwurzelte Schisma zwischen klassischer Küche und jedweden Modernisten kreist meist um dieses Problem. (Jürgen Dollase in FAZ 20.11.04)
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 04.03.2013 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22747

Bericht vom Trabrennen:

Am Start sprang ihm die Stute aus der Hand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2013 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22737

In die menschliche Nahrungskette gelange das Gift über die Milch, erläuterte Staatssekretär Udo Paschedag am Freitag in Hannover.

(Pressemeldungen zum Aflatoxin-Skandal)

Da ich nicht vorhabe, mich fressen zu lassen, bin ich wohl das erste und letzte Glied dieser Kette.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2013 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22729

Der 78 Jahre alte Deutsche, der als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre mehr als zwanzig Jahre lang der theologische Kopf des Bauchmenschen Johannes Paul II. gewesen war ... (FAZ 28.2.13)

Das stelle ich mir ungern genauer vor ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2013 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22453

Denn gerade weil nun schon seit einem Dreivierteljahr debattiert wird, folgt eine interessierte Stellungnahme der nächsten und verunklart den Fall. (FAZ 24.1.13)

(Der Beitrag von Jürgen Kaube über den Fall Schavan ist aber sonst sehr gut. Besonders seinen Hinweis auf das "Nutzfreundschaftsnetzwerk Schavans von Ernst-Wilhelm Winnacker bis Wolfgang Frühwald" findet man sonst kaum irgendwo.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.01.2013 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22264

Nach dem dritten Springen der Vierschanzentournee liest man heute in verschiedenen Medien, Severin Freund sei »knapp am Podest vorbeigesprungen«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2013 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22262

Ich habe fünf Kinder und das Fernsehgerät aus unserem Haus entfernt. (Manfred Spitzer)

Weiß jemand, was aus den entsorgten Kindern geworden ist?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.01.2013 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22241

Versteht man Zeitpunkt wörtlich präzise, ist es eine Stilblüte; umgangssprachlich versteht man das aber nicht so exakt. Zeitpunkt wird in diesem Fall als der letzte Lebensabschnitt vor dem Tod interpretiert; so gesehen, ist es keine.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.01.2013 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22239

Nachträglich fällt mir auf, daß Er starb arm oder Er starb in Armut zwar die Unlogik beseitigt, aber auch die eigentliche Aussage abschwächen könnte. Denn daß jemand arm ist, spielt im Augenblick des Todes keine Rolle mehr ("Das letzte Hemd hat keine Taschen"). Wenn in Armut mit lebte verbunden bleibt, wird Rembrandts Not besser spürbar und der Skandal anschaulich. Da fände ich die unlogische Version im Zweifel sogar besser. Man müßte also vom Tod Abstand halten: In seinen letzten Jahren lebte er in Armut (wobei das doppelte in vielleicht nicht optimal wäre). Vielleicht können wir uns darauf einigen, daß es eine Stilblüte ist, aber eine gelungene? Oder eine in Tarnfarbe?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.01.2013 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22238

Vielen Dank für die Antwort! Ich hielte aber auch die andere Bewertung für akzeptabel: daß es keine Stilblüte ist, wenn man hellwache Logik bemühen muß, um überhaupt eine Unlogik zu empfinden. Der Satz steht seit über vier Jahren so da. Der Artikel trägt mit diesem Satz seit Mai 2009 das Prädikat "ausgezeichnet" und hat monatlich mehr als 10.000 Leser. Offenbar stört sich niemand an der Formulierung. Mein Eindruck: Wenn jeder es richtig versteht und keiner Anstoß nimmt, ist eine formale Unlogik kein Problem – wenn niemand stolpert, gibt es keinen Stolperstein. (Sobald man allerdings darauf aufmerksam geworden ist, daß jemand zum Zeitpunkt seines Todes nicht mehr lebt, fühlt man sich mit einer widerspruchsfreien Formulierung wohler.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2013 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22237

Wenn man erst messerscharfe Logik bemühen muß, um den Stolperstein zu beseitigen (oder auch nicht), dann ist es eine Stilblüte. Einfacher wäre Als er starb, lebte er in Armut. Das wird man auf jeden Fall vermeiden. Also besser: Er starb in Armut/arm.

(Danke für das schöne Beispiel!)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.01.2013 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22236

Wikipedia über Rembrandt: Zum Zeitpunkt seines Todes lebte er in Armut.

Ist das eigentlich eine Stilblüte? Bin mir nicht sicher.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.12.2012 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22160

Ein riesiger ringförmiger Tisch aus hellem Holz, drumherum 24 schwarze Sessel. An einem davon, auf der gegenüberliegenden Seite der Tür, sitzt Mario Draghi, der Präsident der EZB.

Das bedeutet:
a) Mario Draghi sitzt an einem Sessel.
b) Er sitzt auf einer Seite der Tür.
c) Diese Seite der Tür liegt der Tischgruppe gegenüber.

(Stefan Kaiser: Wo staut sich die Geldflut? www.spiegel.de)

Mir scheint, daß die formal falsche Präposition an kaum stört. Der Leser versteht sofort: Mario Draghi sitzt an dem Platz mit diesem Sessel (und wenn er da ist, sitzt er auf dem Sessel). Die Seite der Tür ist schwerer zu übersetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2012 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22091

"Meine Vortragshonorare waren Wackersteine, die ich in meinem Gepäck habe und leider auch euch auf die Schultern gelegt habe", sagt Steinbrück. Er sei froh, "dass ihr mit mir diese Last getragen und ertragen habt". (Steinbrück am 9.2.12 zu den Parteitagsdelegierten)

Tja, Geld ist eine schwere Last, die man gern mit anderen teilt.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 05.12.2012 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22073

Viel besser, und fein gereimt, Frank Zappa:

She stripped away
Her rancid poncho
An laid out naked by the door
We did it till we were un-concho
An it was useless any more

(aus: Camarillo Brillo, LP Overnite Sensation)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2012 um 05.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22059

Bis in die frühen Morgenstunden hätten die beiden Wein getrunken und immer wieder miteinander geschlafen, bis der Mann schließlich vor Erschöpfung eingeschlafen sei. (Focus 4.12.12)

Schon klar, wirkt aber doch leicht komisch: Sie schliefen, bis sie einschliefen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.11.2012 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22011

Die Frage war hier ja nicht, was Buffon gemeint hat, sondern was an Guirauds Motto witzig sei. Was Buffon gemeint hat, ist im Grunde unwichtig (vgl. Ickler). Es läßt sich aber aus dem gewöhnlich nicht zitierten Kontext seiner Äußerung erschließen (vgl. Wrase). Der Witz liegt darin, daß man Widerspruch erwarten würde, nicht Zustimmung (vgl. Achenbach).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.11.2012 um 23.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22010

Lieber Herr Markner,

vielen Dank für diese Aufklärung. Aber ist das alles, was Guiraud dazu sagt? Sagt er nichts dazu, was seiner Ansicht nach Buffon gemeint hat? Sonst bringt es uns nicht wirklich weiter.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.11.2012 um 19.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#22009

Guirauds weitere Ausführungen in seiner Stylistique (Paris 1954) verdeutlichen die ganze Sache: «Le formule de Buffon [...] ne sauraient avoir le sens monderne qu'on leur donne trop souvent. Cependant [...] une interprétation abusive trouve sa justification dans la réalité [...].» (33) Mit anderen Worten: Wenngleich Buffon in Wirklichkeit etwas anderes gesagt hat, stimmt der Spruch doch gerade so, wie man ihn heute gemeinhin versteht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 23.11.2012 um 00.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21972

Lieber Herr Achenbach,

aus welchen Gründen man etwas witzig zu finden glaubt, ist naturgemäß eine subjektive Sache. Deshalb kann dazu jeder seine Wahrnehmung schildern, wie Sie es ja auch getan haben: "Ich sehe den Witz im Ausspruch Guirauds etwas anders." Ebenso habe ich mich eingeordnet: "Ich habe es noch anders verstanden." Solche Beiträge können konfliktos nebeneinanderstehen, und der Leser kann sich aussuchen, wem er am ehesten zustimmt.

Der Leser hat aber noch mehr davon, wenn man über spontane persönliche Eindrücke hinausgeht und sich fragt, was Guiraud ursprünglich gemeint hat, worauf er sich bezog, als er seine ungewöhnliche Formulierung produzierte. Dann kommen Sie nicht darum herum, sich den Kontext bei Buffon anzusehen. Nicht gleich die ganze Rede, aber man braucht zum richtigen Verständnis die Information, daß das bekannte Buffon-Zitat nur die Hälfte eines Satzes ist, von dem die erste Hälfte eine Zusammenfassung ist, die sinngemäß lautet: "Bei einer Entdeckung kommt es nicht auf die Person des Wissenschaftlers an", oder auch: "Die Gültigkeit einer Feststellung hängt nicht von deren Urheber ab". Wenn nun Guirauds erster Halbsatz lautet "Egal was Buffon dazu sagt", ist doch die genaue Entsprechung zu Buffons erstem, meistens unterschlagenem Halbsatz offensichtlich, und nur dann erschließt sich der Wort- und Gedankenwitz Guirauds in seiner ganzen Kaleidoskopie. Freilich nur für den, der den Zusammenhang kennt. Deshalb habe ich diese Interpretation beigesteuert.

Sie nennen die Berücksichtigung dieses Zusammenhangs "zu weit hergeholt". Das kann ich nur absurd finden. Ohne diesen wäre Guirauds Kommentar bloß ein plumpes Macho-Getue mit der Bedeutung: "Buffon interessiert mich nicht. Seine Bemerkung über den Stil wird besser, wenn ich sie ausspreche."

Aber Ihr eigenes Bonmot ist wirklich klasse. (Das kann man aber auch nur verstehen, wenn man mit Hilfe des Kontextes nachvollzieht, daß Sie Ihrerseits Buffon/Guiraud aufgreifen, gleichzeitig meine Blödelei passend umdrehen und sich mit einem angemessenen Fazit sinnvoll in den Gedankengang einfügen. Ganz ähnlich wie Guiraud gegenüber Buffon.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.11.2012 um 23.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21971

Lieber Herr Wrase,

was es mit dem „Holzweg“ auf sich hat und wer wem zuerst widersprochen hat, darüber kann man streiten.

Ich finde Ihre Deutung einfach etwas zu weit hergeholt. Außerdem könnte den Witz nur verstehen, wer den Wortlaut der Aufnahmerede Buffons kennt. Ich kann mir nicht recht vorstellen, daß Guiraud dies voraussetzen wollte. Aber auch darüber kann man streiten.

Letztlich sprechen wir ohnehin gegen den Wind, denn wie Guiraud sein Apercu gemeint hat, ließe sich, wenn überhaupt, nur aus dem Zusammenhang seiner Äußerung erschließen. Vielleicht kann jemand hier Näheres dazu sagen.

Vielleicht könnten wir uns darauf einigen: Le bon mot, c’est l’homme (wie der Deutsche zu sagen pflegt: Wie jemand einen Witz versteht, hängt davon ab, was für ein Mensch er ist).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.11.2012 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21963

Ich habe auch nicht "Belanglosigkeit der Erkenntnis" gesagt, sondern "Belanglosigkeit der Erkenntnis eines einzelnen" und "langfristige Bedeutungslosigkeit persönlicher Erkenntnis". Was damit gemeint ist, geht aus dem ersten Absatz hervor. Von der Unsterblichkeit der Autoren hat hier erst recht niemand gesprochen.

Ich habe zwar geschrieben "weil die Wissenschaft voranschreitet", aber nicht als wörtliches Zitat. Der ständige Fortschritt der Wissenschaft bedeutet, daß es nicht darauf ankommt, wer etwas entdeckt oder veröffentlicht, weil es sowieso früher oder später entdeckt oder veröffentlicht werden wird. Diesen Sachverhalt wird man nach geeigneter Einleitung als "Belanglosigkeit der Erkenntnis eines einzelnen" oder und "langfristige Bedeutungslosigkeit persönlicher Erkenntnis" paraphrasieren können.

Herr Achenbach, für mich ist Ihre Angewohnheit, anderen zwanghaft zu widersprechen, gegebenenfalls nachdem Sie ihnen Aussagen zugeordnet haben, die so nicht gemacht worden sind oder zumindest nicht intendiert waren, der Inbegriff schlechten Stils.

Ob der vom Wissenschaftler erhoffte "ewige Ruhm", den ich in bezug auf Buffon thematisiert habe, sich auf den Wissenschaftler als Person bezieht oder "nur" auf seine Werke, ist belanglos. Es ist unsinnig, daraus eine Richtigstellung zu konstruieren. Dasselbe gilt für das Beibehalten oder Weglassen des Wortes selbst (même). Dieses Wort hat nämlich nur in Buffons Kontext einen verdeutlichenden Sinn, während es mindestens überflüssig wird, wenn man die Aussage Le style, c'est l'homme herausschneidet. Es ist kein Zufall, daß das dann verzichtbare même in der Überlieferung weggefallen ist, ebenso bei Guiraud. Im Verzicht auf dieses Wort liegt bestimmt kein "Teil des Witzes". (Sie erkennen ja selbst, daß die Aussage "inhaltlich identisch" ist, mit und ohne même.)

Wenn Sie schließlich behaupten, "Guiraud übernimmt gerade die Erkenntnis, aber nicht den Stil Buffons", und in diesem Zusammenhang sogar von einer "Widerlegung Buffons" sprechen, befinden Sie sich auf dem chemin de bois, wie der Franzose zu sagen pflegt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.11.2012 um 00.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21962

Buffon spricht aber nirgends von der „Belanglosigkeit der Erkenntnis“ (das wäre auch höchst erstaunlich) und auch nicht davon, „daß die Wissenschaft fortschreitet“.

Er spricht auch nicht von der „immortalité“ der Autoren sondern der „ouvrages“. Das ist ja auch naheliegend, denn er ist nicht wegen seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse sondern wegen der literarischen Werte seiner Werke in die Académie francaises gewählt worden.

Wenn er davon spricht, daß die Erkenntnisse „außerhalb des Menschen“ seien, so verstehe ich ihn so, daß solche Erkenntnisse von jedermann übernommen werden können, also Allgemeingut werden. Ausdrücklich sagt er, daß solche Erkenntnisse sogar davon gewinnen, von „geschickteren Händen“ dargestellt zu werden.

Im übrigen zitiert Guiraud die Aussage Buffons eben nicht wörtlich, sondern in abgewandelter Form, wenn auch inhaltlich identisch. Gerade wegen des hohen Rufs Buffons als Stilist liegt darin schon ein Teil des Witzes.

Man könnte darin sogar eine Widerlegung Buffons sehen, denn Guiraud übernimmt gerade die Erkenntnis, aber nicht den Stil Buffons.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.11.2012 um 23.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21960

Quoi qu'en dise Guiraud, c'est drôle.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 21.11.2012 um 21.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21959

Ich habe es noch anders verstanden. Buffon hat einen Gegensatz herausgearbeitet, von dem das bekannte Zitat nur der zweite Halbsatz ist. Die erste Hälfte bezieht sich auf die wissenschaftliche Erkenntnis, von der publizierende Forscher annehmen möchten, sie könne ihnen ewigen Ruhm sichern. Buffon hat darauf hingewiesen, daß dies ein Irrtum ist, weil die Wissenschaft voranschreitet, und überhaupt hätten die Gegenstände, denen ein Forscher auf die Spur kommt, nichts mit ihm zu tun, sie seien "außerhalb" des Menschen (Ces choses sont hors de l'homme). Ganz anders der Stil (le style est l'homme même).

Guiraud macht Buffon scheinbar verächtlich ("Was auch immer Buffon dazu gesagt hat" = Buffon ist egal), um ihn dann im zweiten Halbsatz wörtlich zu bestätigen (auf das Wort même kommt es nicht an). Der Witz besteht aber vor allem darin, daß die Belanglosigkeit der Erkenntnis eines einzelnen von Buffon im dessen erstem Halbsatz ebenfalls schon vorweggenommen worden ist – und somit auch die eigene Zurückstufung. Damit bestätigt Guiraud Buffon gleich doppelt, nämlich schon von Anfang an, obwohl es zunächst ganz anders klingt.

So ergibt sich ein vielfach gebrochenes Wechselspiel zwischen Herabstufung und Anerkennung. Buffons Sentenz von der langfristigen Bedeutungslosigkeit persönlicher Erkenntnis bestätigt sich sozusagen automatisch selbst, was um so komischer wirkt, als im Blick auf Erkenntnisse von späterer Belanglosigkeit die Rede ist und nicht von bleibendem Wert. Buffons unauflösbarer Selbstwiderspruch spiegelt sich in Guirauds ironisch gebrochener Zustimmung und wird dadurch verdeutlicht.

Als i-Tüpfelchen obendrauf kommt dann der weitere Befund, daß Buffon ein brillanter Stilist war und vor allem mit seiner Bemerkung über den Stil in Erinnerung geblieben ist – womit seine Feststellung abermals bestätigt wird.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 20.11.2012 um 23.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21953

Ich sehe den Witz im Ausspruch Guirauds etwas anders. Der Ausspruch hat mehrere Seiten:

1. Buffon hat gesagt: „Le style est l’homme même.“ Ins allgemeine Gedächtnis hat sich dieser Ausspruch aber als „Le style, c’est l’homme“ eingeprägt. Dies Form ist prägnanter, lakonischer als das Originalzitat. Ein Bedeutungsunterschied besteht aber nicht. Das gibt es häufig: Originalzitate werden in der Überlieferung verbessert.

In diesem Sinne sagt Guiraud: „Buffon hat es zwar anders gesagt, die überlieferte Form gefällt mir aber besser.“ Darin allein liegt aber noch nicht der Witz.

2. Der Witz liegt in der Formulierung „was immer Buffon dazu auch sagt“ (davon, was Buffon gemeint haben mag, ist hier keine Rede). Danach würde man erwarten: „Er hat unrecht.“ Sinngemäß folgt aber: „Er hat recht“. Diese Überraschung macht m.E. den Witz des Ausspruchs aus.

3. Möglicherweise spielt Guiraud auch auf das berühmte Zitat „l’état, c’est moi“ an, das Ludwig XIV. aber wohl nie gesagt oder gemeint hat. Ein gebildeter Franzose dürfte eine solche Anspielung leicht verstehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.11.2012 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21951

Ja, klar, wohl wegen der Fremdsprache habe ich zu sehr nach Bedeutungsnuancen gesucht. Dabei ist die Betonung der Gleichheit beider Aussagen hier genau der Punkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2012 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21950

Nun, ich habe das immer so verstanden: Was immer Buffon mit seinem Satz "Der Mensch ist der Stil" gemeint haben mag, fest steht: "Der Mensch ist der Stil." Ist das etwa nicht witzig?

Im Ernst: Buffon hat wohl gemeint, daß die Wissenschaft selbstverständlich weiter voranschreitet, und Buffons eigene Erkenntnisse sind überholt und "aufgehoben", aber seine meisterhafte Darstellung bleibt, denn darin steckt ein ganzer Mensch. Oder?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.11.2012 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21949

Was auch Buffon oder Guiraud gesagt haben mögen, le style est l'homme même oder le style c'est l'homme, es ist jedenfalls ein sehr, sehr feiner Unterschied, im Grunde nur etwas betonter bei Guiraud. Ich gäbe viel darum zu wissen, was daran so witzig ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2012 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21942

Der unten erwähnte Fritz Raddatz, dem ein Anachronismus zum Verhängnis wurde, schrieb einmal über zeitliche Anachronismen (Traditionen und Tendenzen: Frankfurt 1972:395), Klemperer bemerkt in LTI: "Mit Fremdwörtern prunkt jeder Autodidakt, und irgendwann pflegen sie sich an ihm zu rächen."

Zur falschen Zuschreibung von Zitaten (siehe im Diskussionsforum) fällt mir noch der wirklich witzige Ausspruch Guirauds ein, den ich mal bei Gauger gefunden habe: Quoi qu'en dise Buffon, le style c'est l'homme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2012 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21919

Die Mutter, die auf der A 92 einen schweren Unfall verursachte, hat bereits im Vorfeld ihre drei Kinder getötet. (SZ 14.11.12)

= Die Mutter, die auf der A 92 einen schweren Unfall verursachte, hatte ihre drei Kinder vorher getötet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.11.2012 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21843

Die Arbeitsgruppe der American Psychiatric Association ... ist ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass zwischen Spielsucht und Drogenkonsum in Bezug auf klinischen Ausdruck, Ursache, Begleiterkrankungen, biologische Dysfunktion und Behandlungsmöglichkeiten große Parallelen zu erkennen sind.
(FAZ, 31.10.12)

Welche von zwei Parallelen ist eigentlich die größere?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2012 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21753

„Die Geschosse drangen wie Butter durch die aus Stahl gefertigten Wände.“ (Überfall somalischer Piraten auf die „Taipan“ laut Staatsanwältin, FAZ 19.10.12)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 17.10.2012 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21729

Stilblüte oder mangelhafte Englischkenntnisse?

"Eine Chance zur Wiedergutmachung hat Romney am kommenden Montag, wenn es in Florida zum dritten und finalen TV-Duell kommt. Der Moderator ist dann wieder ein Mann: Bob Schieffer vom Sender CBS."

Das schreibt Michael König heute in der Netzausgabe der "Süddeutschen" (vgl. hier). Dabei geht es in dem ganzen Artikel um einen sprachlichen Schnitzer Romneys, der im zweiten Fernsehduell des amerikanischen Wahlkampfes von "binders full of women" gesprochen hat. Die deutsche Übersetzung der "Aktenordner voller Frauen" ist noch recht gelungen. Womöglich ist König deshalb entgangen, daß das "finale" von insgesamt drei Fernsehduellen schlicht und einfach das letzte ist. ("TV-Duell" ist natürlich auch schon wieder viel schicker als mein Fernsehduell, aber das nur nebenbei.)

Auch die "Wiedergutmachung" ist hier unpassend. Denn dazu müßte Romney in seinem nächsten Fernsehauftritt noch einmal auf diesen Schnitzer zurückkommen. Das mag er zwar durchaus machen, aber weder er noch seine Berater werden so blöd sein und das ausgerechnet für das letzte Fernsehduell am kommenden Montag planen. Denn dann hätte Obama dieses letzte Duell sofort gewonnen. Romney könnte also höchstens diesen Fehler ausgleichen, indem er beim nächsten Auftritt mehr punkten kann.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 04.10.2012 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21643

"schwerfällig durch die Gegend tollen" (Peter Schmachthagen; siehe hier)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.09.2012 um 00.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21609

Lieber Germanist,

natürlich sind wir nicht "verpflichtet", irgendeine Transliteration oder -kription zu übernehmen. Schließlich haben wir unsere eigenen.

Worauf bezieht sich Ihr Beitrag eigentlich?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 29.09.2012 um 00.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21608

Bei Herbert Knebel heißt es "Tätowation".
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.09.2012 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21607

Bei russischen, weißrussischen, ukrainischen und bulgarischen Wörtern und Namen, die aus dem Englischen zu uns kommen und keine englischen Wörter sind, sind wir nicht verpflichtet, die englische Transliteration der kyrillischen palatalen Vokale mittels vorangestelltem y zu übernehmen, sondern sind berechtigt, das serbische und makedonische kyrillische Alphabet als Vorbild zu nehmen, die keine eigenen Buchstaben für palatale Vokale haben und stattdessen den Buchstaben j davorstellen, den sie aus der Lateinschrift übernommen haben. Das j entspricht auch der wissenschaftlichen slawistischen Transliteration.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.09.2012 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21606

In der älteren ethnologischen Literatur ist von Tatuierung die Rede. Wer mag wohl Tätowierung aufgebracht haben?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 28.09.2012 um 18.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21605

Also ich bilde mir ein, Tatuu ohne h zu sprechen, kuuhl allerdings mit ...
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.09.2012 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21599

Man müßte dann "Tatuh" schreiben. Hatten wir beim Känguruh schon mal, deshalb geht's natürlich nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.09.2012 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21593

Weil schon Erstkläßler alles mögliche cool finden, wäre in ihrem Interesse die Eindeutschung kuul empfehlenswert.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 27.09.2012 um 07.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21592

Man spricht (deutsch) Tatu anders aus als (englisch)Tattoo, man müßte eingedeutscht, wenn die eingeführte Aussprache erhalten bleiben soll (sehr unüblich) Tatuu schreiben.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.09.2012 um 01.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21587

Lieber Herr Wrase,

1. Warum haben Sie denn nicht einfach gesagt, daß die Ausspracheangabe des Duden in dieser Ausschließlichkeit nicht zutrifft? Damit hätten Sie meine weiteren Ausführungen doch zumindest in Frage gestellt, wenn nicht widerlegt.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Sie auf meine Beiträge grundsätzlich allergisch reagieren und –wie ich schon sagte - immer ein Haar in der Suppe suchen (ich glaube auch zu wissen, woher das kommt). Warum mußten Sie Spitzen einbauen wie (ich zitiere wirklich wörtlich): „Tätu wäre die bessere Eindeutschung, weil wir das Wort sonst nicht richtig englisch aussprechen? Sehr komisch. Ich wäre erleichtert, wenn es mehr Kommentare gäbe, denen man nicht widersprechen muß.“ Nach meinem Eindruck entsprechen solche Spitzen nicht dem sonstigen Stil dieses Forums.

2. Sie haben in Anführungszeichen den Satz "Tätu wäre die bessere Schreibweise" gebracht. Jedermann mußte das als ein wörtliches Zitat verstehen. Sie mögen meinen, meine Meinung damit inhaltlich, wenn auch nicht wörtlich, richtig wiedergegeben zu haben. Ich bin allerdings anderer Meinung. Jedenfalls entspricht ein solches „Zitat“ nicht üblichen Standards.

3. Sie haben ja inzwischen eingeräumt, daß es im Deutschen unterschiedliche Aussprachen von Tattoo gibt, ja selbst die Möglichkeit angedacht, die drei Schreibungen Tattoo, Tatu, und Tätu im Wörterbuch anzugeben. Insofern liegen wir doch dar nicht mehr so weit auseinander.

Allerdings meine ich, daß die Tatsache, daß es unterschiedliche Aussprachen gibt, ein wesentliches Hindernis für eine eindeutschende Schreibung ist. Insofern unterscheidet sich Tattoo grundsätzlich etwa von Keks, Krem, ja selbst von Streik oder Kautsch. In der heutigen Zeit, wo nahezu jeder Deutscher Englischkenntnisse hat, werden sich eindeutschende Schreibungen ohnehin kaum durchsetzen lassen. Schon in den 50/60er Jahren ist der Versuch des Duden, Schreibungen wie Kautsch einzuführen, kläglich gescheitert.

4. Vielleicht könnten wir unsere kleine Kabbelei damit auf sich beruhen lassen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.09.2012 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21586

Ich hätte schreiben sollen, daß die Mehrheit der Nutzer offensichtlich integrierende Schreibweisen ablehnt. "Gugeln" ist natürlich vertretbar – wenn der Konzern mal Gugel heißt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.09.2012 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21584

Wer lernen möchte, wie man [ou] ausspricht, sollte in der Oberpfalz Urlaub machen. Daß die Tschechen denselben Laut haben, z.B. na sledanou - auf Wiedersehen (Akk. und Instr. Singular femininum der Adjektive auf Nom. -á), ist wohl nur eine zufällige Korrelation.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.09.2012 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21583

Ich versuche es ab und zu (wie hier auch schon Glasreiniger) mit gugeln und hoffe, daß es sich mal durchsetzt. Die meisten schreiben googeln, was ja auch schon eine halbe Eindeutschung ist. Nun lese ich aber hier, gugeln oder googeln sei nicht Sache der Nutzer? Schade.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.09.2012 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21581

Wie der problemlose Umgang etwa der "Internetgemeinde" mit neueren Fremdwörtern zeigt, sind integrierende Schreibweisen tatsächlich nicht Sache der Nutzer. Wer das Appdäit einer Äpp auf seinen Läpptopp daunlouden wollte, würde sich nur lächerlich machen. Lächerlich macht sich aber auch, wer Fremdwörtern in deutschem Kontext ihren Originalklang zu verleihen sucht. Probieren Sie es mit dem Tattoo – die Konsonanten werden Ihnen ein affektiertes Mündchen abverlangen. Im deutschen Satz spricht niemand die Troika russisch aus, den Stress englisch, das Restaurant französisch. Wir passen die Aussprache der deutschen Zunge an, denken Restaurant und sagen Restorang.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.09.2012 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21578

Integrierende Schreibweisen entwickeln sich nur selten von selbst (ein jüngeres Beispiel wäre taff, wie von Frau Wulff gebraucht), sondern werden von irgendwelchen Institutionen der Sprachgemeinschaft aufgenötigt. Wie künstlich die Form restaurang im Schwedischen ist, zeigt sich ja daran, daß Dänen und Norweger weiterhin restaurant schreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2012 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21577

Das Wesentliche ist doch, daß englische und andere Fremdwörter heute sehr viel seltener lautlich und orthographisch integriert werden als früher. Herr Munske hat darüber mehrmals geschrieben. Die Gründe dieser Entwicklung sind meines Wissens nicht genau bekannt.

Das muß man bedenken, wenn man Kautsch oder Jatz (dies wenigstens in der Aussprache) belächelt, die noch vor einigen Jahrzehnten durchaus im Bereich des Möglichen lagen.

Gingen heute deutsche Ethnologen in die Südsee und lernten dort erstmals die Bräuche der Insulaner kennen, würden sie zweifellos mit Tatu zurückkehren - warum sollten sie das Englische übernehmen und sich erst dann den Kopf über zweckmäßige Eindeutschung zerbrechen?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 26.09.2012 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21575

Lieber Herr Achenbach,

ich lasse mich nicht gern vorwerfen, daß ich unfähig sei, Ihre Beiträge zu verstehen, vor allem nachdem ich einige Mühe aufgewendet habe, um Ihre Stellungnahmen richtigzustellen.

Sie hatten die Ausspracheangabe im Duden erwähnt und diese mit der tatsächlichen Aussprache identizifiert, wenn auch zunächst nicht ausdrücklich. Ihr Widerspruch gegen Professor Icklers Tatu konnte nur dann einen Sinn haben, wenn Sie zugleich unterstellen wollten, daß die in Tatu ausgedrückte Aussprache mit a nicht zutrifft. Warum sollten Sie eine Angabe im Duden zum Ausgangspunkt Ihres Verbesserungsvorschlags machen, wenn Ihnen bewußt war, daß diese Duden-Angabe nicht verläßlich ist? Das hätten Sie zumindest hinzufügen müssen (wobei dann Ihr Beitrag sinnlos geworden wäre), zumal Sie am Ende dieses Beitrags Beispiele für phonetisch treffende Schreibungen (z. B. Keks) und phonetisch schlechte Schreibweisen (Restorang) aufgeführt haben. Das sollte offensichtlich Ihre Sichtweise untermauern: Es kommt auf die Wiedergabe der tatsächlichen Aussprache an (diese Banalität wurde von Ihnen anschließend bestätigt), und die im Duden angegebene Aussprache mit ä entspreche "eher" den tatsächlichen Verhältnissen. Das war also Ihre Behauptung.

Im folgenden Beitrag haben Sie dann ausdrücklich festgestellt: Die im Duden verzeichnete Aussprache entspricht nach Ihrer Einschätzung der tatsächlichen. Ihre Formulierung "Ich bleibe deshalb dabei" ist ein weiterer Beleg dafür, daß dies schon in Ihrem ersten Beitrag Ihre Meinung war und Ihre Botschaft sein sollte.

Im übrigen stellt sich die Frage, warum Sie sich überhaupt zu dem Thema zu Wort melden, wenn Sie keine Ahnung davon haben, wie Deutsche das Wort Tattoo aussprechen, und mit Ihren Spekulationen andere Leser zu Richtigstellungen herausfordern. Die entsprechenden Hinweise (siehe meinen Bericht nach dem Anhören diverser Sprecher) könnten Sie ja wenigstens zum Anlaß nehmen, sich still für sich zu korrigieren, anstatt nachträglich Ihre irrigen Behauptungen immer noch einmal zu rechtfertigen.

Der von mir thematisierte Selbstwiderspruch (einer von mehreren) besteht darin, daß Sie mehrmals indirekt und dann auch ausdrücklich behauptet haben, die im Duden angegebene Aussprache mit ä sei näher an der Realität als die Aussprache mit a – um sich anschließend darauf hinauszureden, Sie hätten sich "ausschließlich" auf den Duden "gestützt". Wie Sie selber später geschrieben haben, sind die Ausspracheangaben des Duden kritikwürdig, Sie stoßen sich immer wieder an Ihnen. Es geht aus dem Duden natürlich nicht hervor, ob seine Angaben jeweils zutreffen oder nicht. Sie können sich also nicht auf den Duden berufen, wenn Sie wiederholt die Behauptung aufstellen, eine bestimmte Duden-Angabe zur Aussprache sei richtig und eine andere Darstellung (hier von Professor Ickler) sei abwegig (oder jedenfalls so unrealistisch, daß wir Ihren korrigierenden Kommentar dazu benötigen).

Zuletzt haben Sie mir vorgeworfen, wenn ich Anführungsstriche verwende, solle ich auch wörtlich zitieren.

Ich habe bewußt keine Anführungszeichen verwendet, obwohl ich nahezu wörtlich zitiert habe. Ich habe in dem Beitrag mit den drei "Zitaten" nichts verfälscht. Auf Formalismen kommt es nicht an, sondern auf redliche Argumentation. Wenn ich mich zu dem Vorwurf äußern muß, ich hätte trotz Anführungszeichen nicht wörtlich zitiert, obwohl ich weder Anführungszeichen verwendet noch etwas verfälscht habe – merken Sie nicht, wie absurd das ist?

Vielleicht überlegen Sie, ob Sie auf diesem Niveau weitermachen wollen. Ich habe jedenfalls keine Lust, noch mehr Erklärungen und Richtigstellungen zu dem Thema zu schreiben.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.09.2012 um 01.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21572

Lieber Herr Wrase,

ich kann keine Selbstwidersprüche erkennen. Für jeden, der nicht unbedingt ein Haar in der Suppe finden wollte, war doch klar, daß ich mich auf die Ausspracheangabe des Duden gestützt habe. Wenn diese falsch ist, dann waren auch meine Schlußfolgerungen falsch.

Wenn Sie schon Anführungsstriche verwenden, dann sollten Sie auch wörtlich zitieren.

So gänzlich falsch ist, wie Sie selbst einräumen, die Ausspracheangabe des Duden auch nicht, allenfalls unvollständig, weil nicht alle Aussprachevarianten berücksichtigend. Wenn es aber eine solche Vielfalt von Aussprachevarianten gibt, dann hat eine eindeutschende Schreibung ohnehin wenig Sinn.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.09.2012 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21571

Klar, wenn so eine Eindeutschung häufig vorkäme, dann würde man sich daran gewöhnen.
Nur vermute ich, wenn ein Wort schon ein recht gefestigtes Wortbild hat, zumal wenn es wie in diesem Fall auch noch ein Scenewort ist, dann halten die daran fest, die es verwenden, und die anderen verwenden es ohnehin nicht. Schlechte Aussichten also für Tatu …
Nebenbei: Bei Tatu müßte ich immer an Tatüü Tataa denken, wenn Kinder Feuerwehr spielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2012 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21569

Daran würde man sich schnell gewöhnen. Allerdings will wahrscheinlich keiner von uns sich für die Eindeutschung stark machen, aber es kann auch nicht darum gehen, das Englische zu transkribieren. Was bei Tabu möglich war, hätte auch bei Tatu funktioniert. Es ist halt anders gelaufen. Wiki teilt mit:

The Oxford English Dictionary gives the etymology of tattoo as "In 18th c. tattaow, tattow. From Polynesian tatau. In Tahitian, tatu." The word tatau was introduced as a loan word into English, the pronunciation being changed to conform to English phonology as "tattoo". Sailors on later voyages both introduced the word and reintroduced the concept of tattooing to Europe.

In älteren Berichten habe ich noch Tatuierung gelesen. Übrigens auch Wodu – um das noch nachzutragen. Vielleicht ist die einst sehr reiche deutsche ethnologische (auch Kolonial-) Literatur abgerissen und dann ein Neuanfang übers Englische gesucht worden.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 25.09.2012 um 14.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21568

Stieße ich in irgendeinem Text auf das Wort Tatu (oder auch Tätu), hätte ich mit Sicherheit Schwierigkeiten, eine Assoziation mit Tattoo herzustellen.
Wozu künstliche Eindeutschungsversuche?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 25.09.2012 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21564

(PS)

Richtig ist, daß es neben der Aussprache mit a auch eine mit ä gibt (und natürlich Mischformen, die irgendwo dazwischen liegen). Somit könnte künftig in Wörterbüchern stehen:

Tattoo (Tätowierung); vgl. Tatu, Tätu

Tatu; Tätu (Tätowierung); vgl. Tattoo

Entweder wir bekommen diese Lösung. Oder, wenn Sie mich fragen: Wir bekommen dasselbe, nur ohne Tätu. Denn die Aussprache mit "mehr oder weniger ä" für die Freunde des englisch-amerikanischen Sounds ist ja schon durch die Schreibung Tattoo abgedeckt. Dann gibt es noch die Möglichkeit, daß es einfach bei Tattoo bleibt.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 25.09.2012 um 03.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21562

Klaus Achenbach:

1) Eine eindeutschende Schreibweise wäre daher eher Tätu als Tatu.

2) Ich bleibe dabei, daß – sofern man sich nach der tatsächlichen Aussprache richtet – Tätu die angemessenere eindeutschende Schreibung wäre.

3) [Es war klar,] daß ich mich ausschließlich auf die Ausspracheangabe des Duden gestützt habe.

(Beispiel für mehrere Selbstwidersprüche)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.09.2012 um 01.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21561

Lieber Herr Wrase,

erstens habe ich nicht gesagt: "Tätu wäre die bessere Schreibweise";

zweitens denke ich, daß es jedermann bei unvoreingenommenem Lesen meines Beitrags klar sein mußte, daß ich mich ausschließlich auf die Ausspracheangabe des Duden gestützt habe.

Ob diese Angabe des Duden (noch) zutreffend ist, weiß ich nicht, weil ich nicht in einschlägigen Kreisen verkehre. Ich stoße mich durchaus an manchen Ausspracheangaben des Duden – selbst bei deutschen Wörtern. Prof. Ickler hat auch wiederholt kritisch auf eindeutschende Ausspracheangaben des Duden zu englischen Wörtern hingewiesen. Umso auffälliger ist ja, daß der Duden hier eine dem Amerikanischen nahe Aussprache angibt. Ich vermute auch, daß der Duden sich nicht unbedingt auf die Aussprache irgendwelcher Leute stützt, ebensowenig wie er sich bei der Rechtschreibung auf die Schreibungen in Internetforen stützt.

Im übrigen scheint es mir eher zweifelhaft, ob es “eigentlich schon den Reformern hätte einfallen können“, das Wort Tattoo als Tatu einzudeutschen. Dieses Wort war 1996 wohl viel weniger verbreitet als heute. In der Wörterliste der reformierten Regeln war es es ja auch nicht enthalten (auch nicht in der Wörterliste von 2006).

Ich wäre erleichtert, wenn es weniger Kommentare gäbe, die mich zu einer Richtigstellung veranlassen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.09.2012 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21557

Solche Bücher entstehen ja aufgrund von aufgezeichneten Gesprächen. Es ist hier offenbar nicht viel nachträglich geglättet worden. Oder soll man annehmen, daß das Buch im Gegenteil noch gossensprachlich »gepimpt« wurde?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2012 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21556

Ich kenne zwar die Ghostwriterin nicht, nehme aber an, daß sie den Stil von Wulffs Buch ganz wesentlich geprägt hat. Es ist ein ziemlich einheitlicher Stil, etwa auf dem Niveau von Illustrierten, den sie wohl angemessen gefunden hat und der tatsächlich etwas "Authentisches" hat. Man hat es mit dem Tagebuch eines Teenies verglichen, andere stellten einen Zug ins Ordinäre fest - die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Hier noch ein paar Anmerkungen:

Sehr oft wird etwas Positives als cool oder toll bezeichnet.

Ich bin stolz, eine derart tolle Frau wie sie zu kennen und zur Freundin zu haben.

Gerne erinnere ich mich auch an Roger Moore, ein toller Mann ... ein cooler Typ.

Prinzessin Máxima ist eine klasse Frau, wahnsinnig taff und sehr schlau.

Ich bin wahnsinnig stolz auf Leander. Er hat das ganz toll gemacht.
(über ihren älteren Sohn)

Jemand bewohnt ein cooles Zimmer oder ist eine absolute Pferdenärrin.

Wenn etwas ihr nicht ganz verständlich vorkommt, ohne daß sie es näher erörtern will, nennt sie es skurril oder paradox.

Kleidung nennt sie entweder Anziehsachen, viel öfter aber Klamotten, was man ein wenig als Anbiederung an die Illustriertenleser empfinden mag. Übrigens muß sie ihren Kleiderschrank kräftig pimpen und geht deshalb shoppen.

Es ging um nix anderes als Berlin, Berlin.

In diesem Zusammenhang ist die Überschrift des 7. Kapitels bemerkenswert: Die Promis!

Das Buch ist in einer sehr einfachen, oft unbeholfenen Sprache geschrieben:

Allein schon mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr zu fliegen, das ist etwas ganz Besonderes. Anders kann ich das nicht beschreiben. (Sie hat es doch noch gar nicht beschrieben.)

Auch wenn zumeist eine Delegation an (!) anderen Politikern und Unternehmensvertretern dabei waren, hatten Christian und ich einen Bereich für uns. (Dieses an kommt mehrmals vor.)

Als ich am 11. November 2010, dem Tag, an dem Michelle Obama als Termin in meinem Kalender stand, morgens gegen 4 Uhr in der Früh aufwachte, war mir schon übel, speiübel. Es ist leider eine blöde Angewohnheit von mir, die ich nicht in den Griff bekomme: Bin ich zu aufgeregt, wird mir schlecht. Und an diesem Tag war ich aufgeregt.

(Übelkeit ist eigentlich keine Angewohnheit.)

Ich spürte nach fast (!) über sechs Stunden des ungewissen Wartens die körperliche Erschöpfung.

Und natürlich:

Ein Termin folgte dem nächsten.

Außerdem:

dass sich die Väter und Mütter stammelnd windeten

Insgesamt wirkt Bettina Wulff - jedenfalls auf mich - durchaus nicht unsympathisch. Selbst durch den Filter der Mitverfasserin hindurch kann man sehr vieles gut nachfühlen, auch den Antrieb, sich dieses Buch von der Seele zu schreiben (ich rechne also nicht mit Geschäftssinn als Hauptmotiv). Sie betont wieder und wieder ihre "Normalität", sehr mit Recht. Das bedeutet allerdings auch, daß jenseits des trüben Anlasses überhaupt nichts Interessantes in dem Buch steht. Es ist alles so, wie man es sich ohnehin denken konnte. Natürlich ist das Schloß Bellevue kein kuscheliges Eigenheim. Natürlich sind Politiker in höchster Position von Leibwächtern umgeben, ebenso Frau und Kinder. Natürlich hat ein solcher Mann kaum Zeit für die Familie. Wäre alles gutgegangen, hätten wir nie etwas erfahren von den Nöten vor dem Kleiderschrank. Wie soll man mit 40 Paar Schuhen auskommen? Das interessiert die Leser der Regenbogenpresse, sonst aber niemanden.

Es gibt über die unermüdlich wiederholte Klage hinaus keinen tieferen Gedanken, keine Reflexion und keine behaltbare Beobachtung zu den vielen Leuten (den ganzen Leuten, wie Wulff in ihrer volkstümlichen Sprache sagt), die sie kennengelernt hat. Das Buch hätte jeder schreiben können, man braucht dann bloß die Namen einzusetzen, dann paßt es auf jeden, der sich in einer gesellschaftlich ähnlichen Position befindet.

Das Problem ist, daß man ein solches Buch einfach nicht schreibt. Oder genauer: Wenn man es schreibt, richtet man erhebliche Zerstörungen an, und dessen sollte man sich bewußt sein. Die Wulffs haben gemeinsam beschlossen, dieses Amt anzustreben. Dann muß man sich auch entsprechend "benehmen".

Darüber hinaus stellt sich tatsächlich die Frage, ob das gemeinsame Repräsentieren eines Ehepaares (einschließlich sonstiger Partnerschaften ...) außerhalb der Monarchie überhaupt noch zeitgemäß ist. Wohltätigkeit, Schirmherrschaften, Damenprogramm ... bedarf es solcher Rechtfertigungen für ein "Amt", das verfassungsmäßig nicht existiert und natürlich nicht bezahlt, wenn auch durchaus irgendwie alimentiert wird.

Wulff selbst sieht ein, daß sie es noch leicht hatte im Vergleich mit den königlichen Hoheiten, die von der Wiege bis zur Bahre repräsentieren müssen, nicht bloß fünf Jahre - oder zehn, wie sie mit nicht ganz glaubwürdigem Grauen an die Wand malt. Die Königlichen sind natürlich besser vorbereitet. Und wie gesagt: die endlose Leidensgeschichte läse sich überzeugender, wenn sie nicht aus dem Scheitern heraus geschrieben wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2012 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21548

Nachdem Frau Wulffs Buch ins Netz gestellt worden ist, kann man sich nun ein genauers Bild machen. Sie oder ihre Mitverfasserin hat deutliche Schwierigkeiten mit der Anknüpfung von Nebensätzen:

Wenn es mir egal wäre, dass Leute Gerüchten über meine Person Glauben schenken, wenn es mir egal wäre, dass diese Menschen auch meinen, ich würde bewusst ständig nach einem Profit für mich und meine Familie suchen und ich eine oberflächliche, luxusverliebte und auf Glamour erpichte Frau sei, dann würde ich einfach alles auf sich beruhen lassen und kein weiteres Wort darüber verlieren.
...

Mittlerweile aber winke ich jenen Herrschaften einfach freundlich zu, was denen dann zumeist peinlich ist und sie schnell verdutzt weiterradeln.


Für den Stil scheint mir auch folgender Satz kennzeichnend:

Generell versuche ich mit den Männern, mit denen ich einmal eine Partnerschaft geführt habe, in Kontakt zu bleiben.

So schlimm ist es dann aber doch nicht, denn:

Tom heißt nicht wirklich Tom. Er ist aber der einzige Mann, mit dem ich länger zusammen war und heute keinen Kontakt mehr habe.

Bleiben also Achim und Torsten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.09.2012 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21545

Hongkong muss kleinere Dim-Sum-Brötchen backen
Hongkong muss kleinere Brötchen backen, besser gesagt kleinere Dim Sums, wie das beliebte Teiggebäck hier heißt.
(FAZ, 18.9.12)

Dim Sum sind weder Brötchen noch Gebäck, werden auch nicht gebacken, sondern gedämpft. Sie ähneln eher Nudeln oder Maultaschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2012 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21525

Ich habe bei Männern kein festes Beuteschema. Nein, so ticke ich nicht.(Bettina Wulff)

Das gehört sprachlich ins selbe Register wie der "Drops".

Das Amt des Bundespräsidenten hat ja, wie wir wohl früher schon mal besprochen haben, etwas Illusionistisches, wie die Königshäuser. Man könnte Frau Wulff zugute halten, daß sie sozusagen als Spielverderberin die Tricks verraten hat: wie man repräsentiert und einen guten Eindruck macht, obwohl man das Ganze selbst für einen Humbug hält. Und man könnte nun sagen: Machen wir endlich Schluß damit, wir brauchen keinen König mehr. Das wird natürlich nicht geschehen, sondern Gauck und seine Nachfolger werden das Amt wieder aufwerten. Und man wird vielleicht die Geringschätzung, die Merkel für die Rolle des Bundespräsidenten empfand, kein zweites Mal zulassen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 20.09.2012 um 01.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21523

"Mir würde Tätu eher zusagen als Tatu" ist eine andere Aussage als "Tätu wäre die bessere Schreibweise". Letzteres kommt objektiv daher und beansprucht Gültigkeit für die Allgemeinheit. Ein riesiger Unterschied!

Vielleicht hat Herr Achenbach auch nur gemeint: "Ausgehend von der im Duden angegebenen Aussprache mit ä müßte man eindeutschend Tätu schreiben." Das ist richtig. Aber natürlich ist das Ergebnis trotzdem Blödsinn, weil die Angabe im Duden unrealistisch ist. Ich habe mir ein paar Videos angeschaut, in denen etwa zehn verschiedene Leute Tattoo sagen. Man hört fast nur a (überwiegend deutlich hörbar, manchmal weniger deutlich). Seltener hört man einen stark reduzierten Vokal mit undefinierbarem Lautwert (Schwa). Ein Anklang an ä kommt nur ausnahmsweise vor. Das war auch mein Eindruck vor der Recherche.
 
 

Kommentar von Klaus Acenbach, verfaßt am 20.09.2012 um 01.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21522

Lieber Herr Wrase,

wie Sie richtig sagen: „Maßgeblich ist, wie das Wort von Deutschen ausgesprochen wird.“

Ich habe mich auf die Ausspracheangabe des Duden gestützt. Danach wird die erste Silbe von Tattoo im Deutschen als /ä/ - wie im Amerikanischen - ausgesprochen. Die Audiowiedergabe des Duden kommt für meine Ohren auch der amerikanischen Aussprache recht nahe. Allenfalls ist die erste Silbe im Amerikanischen noch offener und etwas länger. Aber vielleicht wissen Sie all das besser....

Wer überhaupt das Wort Tattoo verwendet, tut es deshalb weil es „in“ ist. Er wird es deshalb amerikanisch aussprechen (und schreiben), weil auch das „in“ ist. Die Zeiten, als die gebildete Aussprache des Englischen im Deutschen sich an der englischen Aussprache ausrichtete, sind längst vorbei. Man höre sich nur die Sprecher in Funk und Fernsehen an: allein die überdeutlich amerikanische Aussprache des /r/ ist eindeutig.

Ich bleibe deshalb dabei, daß – sofern man sich nach der tatsächlichen Aussprache richtet – Tätu die angemessenere eindeutschende Schreibung wäre. Selbst wenn sich die deutsche Aussprache an der englischen ausrichtete, wäre Tetu die passendere Eindeutschung., denn das deutsche kurze /a/ ist etwas ganz anderes als das /Schwa/.

Im übrigen habe ich nicht den ersten Vokal von Tattoo als „als Hindernis für eine Eindeutschung von Tattoo dargestellt“.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.09.2012 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21520

"Die Schrift täuscht oft etwas vor." Nur denen, die sie falsch benutzen. Sie zeigt nämlich ein Wort an, d. h. dessen Bedeutung, nicht dessen genaue Aussprache. Warum nicht? Weil es die letztlich nur im Ideolekt gibt. Alles andere ist Idee, Konzept, Vorschriftsgehabe, nicht reale "richtige" Aussprache. — "In Wirklichkeit spricht und hört man in 99,9 Prozent der Fälle genau eine Silbe, dieselbe Silbe wie bei Seen." Das kommt darauf an, wie man Silbe definiert. Ich spreche z. B. "sehen" wie auch "Seen" ['se:[[schwa]]n], welches ich phonetisch auch so beschreiben könnte: Das End-"n" ist syllabisch. Silbenklatschen führt nur zum Schreibenlernen für Worttrennung am Zeilenende, nicht zu "richtiger" Aussprache. So schön und sogar so nützlich es ist für einen Sprachraum, "richtige" Aussprache anzunehmen, so klar muß es einem auch sein, warum wir bloß eine "richtige Richtung" annehmen und daß wir aus guten Gründen da immer nur auf dem Wege sind und das Ziel im großen Sprachraum Gott sei Dank nie erreichen.

"Man müßte es ausprobieren." Mein Gott, hoffentlich nicht mit Antrag auf Unterstützung durch staatliche Forschungsmittel! Da begäben wir uns bloß in schlechte Gesellschaft! Tut mir leid, daß ich mit meinem kleinen Widerspruch #21488 zu Icklers Eindeutschungsidee zu einer möglichen Verschriftung von "Tattoo" (im Konj. II [#21487]!) was losgetreten habe, was keinesfalls als Anlaß zu weiterer Forschung in Betracht gezogen werden sollte. — Ich finde übrigens Tätowierungen ausgesprochen unschön, und da von Körperkunst hören zu müssen, ist mir ein Greuel. Und schriftlich ist's noch schlimmer.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.09.2012 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21518

Die Feststellung "kann nur als Schwa realisiert werden" ist zugespitzt, geht aber in die richtige Richtung. Die Schrift täuscht oft etwas vor. Die meisten Leute würden bei einer schriftlichen Befragung sagen, das Wort sehen habe zwei Silben. Aber das gilt nur theoretisch. In Wirklichkeit spricht und hört man in 99,9 Prozent der Fälle genau eine Silbe, dieselbe Silbe wie bei Seen.

Die Betonung von Tattoo auf der zweiten Silbe bewirkt, daß die Qualität des vorderen Kurzvokals kaum mehr analysierbar ist. Bringen Sie hundert Kinder, die gut nach Gehör schreiben können und die Schreibung Tattoo noch nicht gesehen haben, mit verschiedenen Leuten zusammen, die ihnen von ihren Tattoos erzählen. Fordern Sie anschließend die Kinder auf, das Wort zu schreiben. Wie würden die Kinder schreiben? Man müßte es ausprobieren.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.09.2012 um 03.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21517

»Mamah«? Im Vergleich dazu ist der Vorname Marmaduke in England ja geradezu allgegenwärtig.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.09.2012 um 22.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21516

Derby ist ein dänischer Ortsname im dänisch besiedelten Gebiet Mittelenglands. Laut Wikipedia ist er in alten Landkarten Darby geschrieben. Die Normannen haben nicht nur den angelsächsischen, sondern auch den dänischen Adel ausgerottet und durch neue Herren ersetzt.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.09.2012 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21515

Zu "Da die zweite Silbe von tattoo betont ist, kann im Englischen das a nur als Schwa realisiert werden" fragen wir doch mal alle, die im englischen Sprachgebiet mit Vor- oder Nachnamen "Mamah" heißen. Es sind nicht viele, aber es gibt sie. Und der engl. Ausruf "Aha!" sollte uns auch vor Verallgemeinerungen warnen.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 18.09.2012 um 15.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21511

Ich muß mich korrigieren. Nicht Lord Derby, sondern Earl of Derby. Und anders als die übrigen Rennen über one and a half mile kommen hier noch 10 yards dazu, also 2423m. Auch ist die Bezeichnung nicht exklusiv für den Rennsport. Aber es gefällt ihnen gar nicht, wenn einer "Epsom derby" sagt, weil eben d a s derby nur das englische ist. Namenszusätze wie Kentucky sollen nur die anderen haben.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 18.09.2012 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21510

Der Disput über ä oder a erinnert mich an das im Deutschen sehr häufig gebrauchte "Derby", z,B. Springderby oder auch Lokalderby, wenn Fürth gegen Nürnberg spielt.

Ausgesprochen wird es von den Sportreportern "dörby", was die amerikanische Aussprache ist. Die Engländer sagen "darby". Bei ihnen gibt es auch nur e i n "darby", nämlich das in Epsom für dreijährige Vollblüter über eineinhalb Meilen (2414m), benannt nach einem Lord Derby.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.09.2012 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21509

Da die zweite Silbe von tattoo betont ist, kann im Englischen das a nur als Schwa realisiert werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.09.2012 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21508

Möglicherweise geht das "ä" der Tätowierung bereits auf die englische Aussprache von Tatoo zurück. Dabei ist die britische Aussprache der ersten Silbe dem deutschen "a" viel näher als dem deutschen "ä".

"Tätu" wäre ein ähnlich skurriler Fall wie es Cut und Cutterin waren, die beide zwar englisch geschrieben, aber lange Zeit "Kött" und "Kötterin" ausgesprochen wurden. Man kann sich schon zum Narren machen "um eine fremde Sprache, mit allen Eigentümlichkeiten des Volks, dem Volke nachzusprechen".
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 18.09.2012 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21507

Einfach um jeder konjunktiv-IIschen Erleichterung die Spitze zu nehmen: Hier geht's um nichts, vor allem nicht darum, daß "wir das Wort sonst nicht richtig englisch aussprechen"; das hat nämlich keiner behauptet. Aber nach all dem tiefen Schürfen hier kehre ich übrigens zu meinem ersten Vorschlag mit -uh am Ende zurück, denn nur: Tief im Walde kängt ein Guru. Warte nur balde gängurst auch du. Und um keinen Streit zu vermeiden: "ä" statt "a" in der ersten Silbe fände ich auch besser für die Zeit, bis die jetzige Tätowierungsmode bei uns ganz aus der Mode gekommen ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.09.2012 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21506

Wäre Restorong besser?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 18.09.2012 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21505

Warum denn so kompliziert? Professor Ickler hatte erwähnt, daß "man" Tattoo längst eingedeutscht Tatu schreiben könnte, und später konkretisiert, daß das eigentlich schon den Reformern hätte einfallen können. Eigentlich gibt es da gar nichts zu kommentieren, beides trifft zu. Man kann nur fragen, wie wahrscheinlich es ist, daß eine solche Eindeutschung auch ohne Reform und ohne Initiative von Wörterbüchern, also aus dem Volk heraus geschieht.

Aus welcher Sprache ein Fremdwort zu uns gekommen ist, spielt doch überhaupt keine Rolle für die Frage, ob es eingedeutscht geschrieben werden könnte. Wir würden heute auch dann Tabu schreiben, wenn wir das Wort im 19. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen und dreißig Jahre lang Taboo geschrieben hätten; oder wenn wir es damals aus dem Französischen übernommen und vierzig Jahre lang Tabou geschrieben hätten.

Jetzt wurde hier ausgerechnet der erste, unbetonte Vokal als Hindernis für eine Eindeutschung von Tattoo dargestellt. Maßgeblich ist, wie das Wort von Deutschen ausgesprochen wird. Es braucht uns nicht zu kümmern, daß Engländer vor allem den zweiten (!) Vokal etwas anders aussprechen. Nun zum ersten Vokal: Der kann im Deutschen verschieden ausgesprochen werden, entweder mit einem a-Klang oder abgeschwächt, wie die erste Silbe von genau. Genau dieselben Aussprachen des ersten Vokals kommen auch im Englischen vor:

www.answers.com/topic/tattoo (Beispiel für amerikanisches Englisch)
dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=tattoo (Beispiel für britisches Englisch)

Beide Aussprachen sind also bei Schreibung Ta... möglich, sowohl im Englischen als auch im Deutschen. In beiden Sprachen ist auch die Schreibung Ta... identisch, und daran würde die Eindeutschung der zweiten Silbe nichts ändern. Wer demonstrativ englisch rüberkommen will und sich einbildet, das sei nur mit einer Aussprache "Tä..." zu realisieren, kann sich ja gerne damit lächerlich machen. Er wird dann sicherlich entsprechend Tattoo schreiben, auch wenn es mittlerweile eine eingedeutschte Schreibung Tatu gäbe.

Tätu wäre die bessere Eindeutschung, weil wir das Wort sonst nicht richtig englisch aussprechen? Sehr komisch. Ich wäre erleichtert, wenn es mehr Kommentare gäbe, denen man nicht widersprechen muß.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 18.09.2012 um 02.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21504

Die Wörter Tabu und Tattoo scheinen mir in keiner Weise vergleichbar. Tabu ist ein polynesisches Wort, und kein Mensch weiß, wie es in der Originalsprache ausgesprochen und (wenn überhaupt) geschrieben wird.

Tattoo ist dagegen vielleicht auch polynesischen Ursprungs, aber viel später über das Englische zu uns gekommen, und heutzutage meinen die meisten Deutschen, (vorzugsweise das amerikanische) Englisch perfekt zu beherrschen. Daher entspricht die von Duden.de wiedergegebene Aussprache bis auf Nuancen der amerikanischen (mit/ä/ als erstem Vokal).

Ein eindeutschende Schreibweise wäre daher eher Tätu als Tatu.

Im übrigen geben Schreibungen wie Keks, Kautsch und Krem die tatsächliche deutsche Aussprache (auch der meisten Gebildeten) getreu wieder. Das trifft auf Restorang nicht zu.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.09.2012 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21503

Langsam aus der Hüfte schießen: "Es handele sich um eine weitere, jetzt langsam wie das Kraut in die Höhe schießende Spekulation, sagte [SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles] dem Berliner Sender rbb-inforadio." (dpa, heute)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.09.2012 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21502

Ist politikk etwa besser? Alle skandinavischen Nationen haben Rechtschreibräte, das Ergebnis spricht Bände.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.09.2012 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21501

weil Restorang irgendwie blöd aussieht:

Ich atme jedesmal auf, wenn ich von Schweden über die Grenze nach Norwegen fahre. Die Schweden schweden alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist. Allerdings etwas halbherzig: Restaurang. Man könnte da auch wieder mit Variantenrechnungen anfangen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 17.09.2012 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21500

Vielleicht nur, weil es hierzulande weniger Voodoo als Tattoos gibt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.09.2012 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21499

Das Uralt-Fremdwort Restaurant wurde sicher deswegen nicht eingedeutscht, weil Restorang irgendwie blöd aussieht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.09.2012 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21498

Wudu hatte auch keine Schangse gegen Voodoo, das so wunderbar exotisch aussieht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 17.09.2012 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21497

Die Leute sagen doch nicht Tätowierung (vier Silben), wenn es auch Tattoo gibt (zwei Silben). Jedenfalls wenn sie den Begriff immer wieder benutzen. Außerdem hat das umständlich-korrekte Tätowierung eine andere Anmutung als der flotte Insider-Begriff Tattoo. Das kann man nicht einfach austauschen.

Man kann tattoo eher englisch aussprechen oder eher deutsch (der Unterschied ist beim hinteren, betonten Vokal größer). Nachdem Cakes zu Keks wurde, kann auch Tattoo zu Tatu werden.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.09.2012 um 01.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21496

An die Parallele zu "Tabu" hatte ich nicht gedacht, aber sie ist überzeugend. Aber: Ist die gängige deutsche Aussprache dieses Wortes die mit deutschem [a] oder mehr die mit dem englischen [æ]? Ich wurde in Deutschland in einem Gespräch über den neuen "Bachelor" nach dieser Aussprache gefragt, weil ich das Wort mit [a:] aussprach und nicht mit [æ:]. Denn die Aussprache könnte bei der Annahme oder Ablehnung einer coolen neuen Schreibweise auch eine Rolle spielen. Und: Würde in wohl gar nicht weiter Zukunft "Tätowierung" wieder reichen, wenn "diese Mode" bei uns wieder "richtig" altmodisch geworden ist?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.09.2012 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21495

Die Reformer haben vermutlich nicht an Tattoo gedacht, weil diese Mode erst in den 1990er Jahren richtig losging. Die Schreibung Tatu würde funktionieren, genauso gut wie Tabu. Wenn mal jemand in der Szene damit anfängt und andere auf die Welle aufspringen ("coole neue Schreibweise"), könnte sich Tatu durchsetzen. Es sei denn, die breite Mehrheit findet Tatu auch nach vielfachem Anblick doof, so wie etwa Ketschup; das könnte auch sein.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 16.09.2012 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21494

Wäre es denkbar, daß die Reformer den Begriff Tattoo garnicht kannten und ihn deswegen unangetatstet ließen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2012 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21493

Mir geht's wie Herrn Riemer, ich habe auch nur Tätowierung gekannt. Diese Verzierung ist ja wie die Piercings erst neuerdings Mode geworden.
Mit Eindeutschungen habe ich es ja eigentlich nicht so; Tatu ("wie Gnu, Kakadu") hätte auf der Linie der Reformer gelegen, aber sie haben es sich entgehen lassen. Ich habe mich nur gewundert, warum etwas so Schwieriges bleiben soll.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.09.2012 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21492

Auch eine Folge der sinkenden Wertschätzung der Rechtschreibregeln: Grundschüler und Leute ohne Fremdsprachenkenntnisse schreiben Fremdwörter nach Gehör, die anderen bemühen sich um die Schreibung in der Herkunftssprache.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.09.2012 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21490

Früher kannte ich überhaupt nur das Wort Tätowierung, und noch der erste Duden nach der sog. Rechtschreibreform verzeichnet als einzige Bedeutung unter Tattoo engl. Bez. für Zapfenstreich.

Wer wollte damals eine Tätowierung haben, das klingt ja schon wie Täter und Inhaftierung, das waren nur wenige Sonderlinge.
Heute aber zeigen und benennen bereits dreijährige Kinder stolz ihr "Tatu". Die niedliche, an wild-romantische Südseegeschichten erinnernde neue Bezeichnung Tattoo hat sicher ein gut Teil zur Verbreitung von Tätowierungen beigetragen.

Der MM schreibt übrigens heute (S. 4) über das Riva-Verlagsprogramm (Bettina W. usw.): "Es ist leicht verderbliche Ware, die schnell und in hoher Zahl rausmuss."
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.09.2012 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21489

Ich war mir auch sicher, daß Sie es richtig verstanden hatten, lieber Professor Ickler. Ich fand es aber potentiell irreführend, daß Sie nicht ausdrücklich von einer mißlungenen Formulierung gesprochen hatten und, folgerichtig nach der Einreihung des Buches in die breite Rubrik "Schöner leiden", Solidarität als Gegensatz zum "genußvollen" Leiden dastand.

Apropos Tatu: Sie schrieben doch mal im Schildbürger-Buch, die deutsche Sprache habe (vor der Reform) nicht die mindesten Probleme mit der Fremdwortintegration gehabt. Gilt das nicht mehr? Ich glaube, Tatu wird nicht deshalb verschmäht, weil die offizielle Anerkennung fehlt. Der Schritt von Spaghetti zu Spagetti ist viel kleiner, aber die Leute mögen die Spaghetti lieber so italienisch, wie sie sind. Das gh ist sozusagen das "al dente" dieser Nudeln. Tattoos sollen ja auch was Besonderes sein, die Träger möchten sich damit vom ordinären Bürger abheben. Die Primitivschreibung Tatu paßt nicht zu diesem Anspruch, anders sein zu wollen. Für die Eindeutschung spräche andererseits, daß Tattoo gar zu fremd aussieht und orthographisch schwierig ist.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.09.2012 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21488

Zur Eindeutschung der Verschriftung von "Tattoo" (#21487): Besser als "Tatu" wäre wohl "Tat(t)uh (vgl. das Betonungsmuster vom eingedeutschten "Haiku" und "Guru" im Gegensatz zu "Känguruh"). Mir reicht aber Tätowierung. Doch Ausdrucksweise ändert sich.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2012 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21487

Das habe ich schon verstanden, es ist ja nicht so schwer; mir ging es gerade ums "nur Sprachliche".

Obwohl ich von unserem einstigen Mitstreiter Christian Wulff keine hohe Meinung habe, ertappe ich mich dabei, daß ich mich weit mehr mit ihm identifiziere als mit seiner Frau. So ruiniert ist sein Ruf doch auch noch nicht, daß er mit ihren Indiskretionen ganz ungeniert leben könnte, denke ich mir in meinem Ohrensessel. Die Talkshows sind abgeblasen, aber was sie geschrieben hat, hat sie geschrieben. Wie kommt man da wieder heraus?

Übrigens könnte man Tattoo, seit fast jeder eins trägt (die meisten sieht man wohl gar nicht), endlich eindeutschen: Tatu.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.09.2012 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21486

Das ist nur sprachlich eine doppelte Begründung. Die Logik ist: Frau Wulff leidet, man sollte deshalb mit ihr solidarisch sein. Das kann man aber nur richtig, wenn man ihr Leiden nachvollziehen kann. Und das geht nur, wenn man ihr Buch gelesen hat. Folglich sollte man das Buch kaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2012 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21484

Schon allein aus Solidarität mit der Gattin des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff sollten viele Bürger ihr Buch kaufen, um ihr Leiden nachvollziehen zu können. (rentner-news.de 15.9.12)

"Schöner leiden" könnte man einen großen Teil der Regenbogenpresse betiteln. An dem zitierten Satz verwirrt die doppelte Begründung: Was soll den Kauf motivieren, Solidarität oder genußvolles Leiden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2012 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21469

Schließlich Torsten, Immobilienmakler, Vater ihres älteren, heute 9-jährigen Sohnes Leander. Mit Torsten habe sie bis heute ein sehr gutes Verhältnis. (Welt.de über Bettina Wulff)

"Mit Torsten"? Das wollen wir doch nicht hoffen. "Zu"!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2012 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21460

Frau Wulff bewirbt und verkauft das Buch als ihr Werk, folglich ist sie für alles selbst verantwortlich. Es kommt zwar vor, daß ein Autor seinen Ghostwriter für diese oder jene Formulierung verantwortlich macht, aber das ist hier (noch) nicht der Fall.

(Ein bekanntes Beispiel ist das Buch "Elvis, what happened?" von Presleys Bodyguards, das wohl dessen Tod beschleunigt hat. Als sie sahen, was sie angerichtet hatten, schoben sie dem Ghostwriter die Schuld zu. Das konnte sie aber nicht vor dem Fluch der Fans retten, wie mir gerade wieder aus Memphis berichtet wird. "Nicht gedacht soll ihrer werden!" – Ich habe sie ja auch nicht namentlich erwähnt ...)

Aber beachtenswert ist es schon, daß sich immer mehr die Ansicht durchsetzt, jedermann brauche einen (journalistischen) Ghostwriter. Das ist wohl aus Amerika gekommen. Die Bücher werden daher einander immer ähnlicher.

Auch auf anderen Gebieten machen sich professionelle "Berater" breit, die am besten wissen, wie man sich und seine Produkte verkauft.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 13.09.2012 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21459

Ich hätte in Wikipedia nachsehen sollen.

(Artikel Bettina Wulff)
Veröffentlichungen:
Jenseits des Protokolls. riva Verlag, München 2012 (mit Nicole Maibaum)

(Artikel Nicole Maibaum)
Zudem trat sie als Biografin für die Autobiografien von Iris Berben, Veronica Ferres und Bettina Wulff hervor.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 13.09.2012 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21458

Ich habe auch nur ein paar Zitate aus dem Buch gelesen, nehme aber pauschal an, daß Frau Wulff es gar nicht selbst geschrieben hat. Also ein paar lockere Gespräche mit dem Ghostwriter, und der haut dann den Text routiniert in die Tasten. Dann könnte man vom Stil des Textes nicht auf die Persönlichkeit von Frau Wulff schließen, man müßte kritische Anmerkungen vor allem auf den Ghostwriter beziehen.

Ist es eigentlich üblich, bei solchen Büchern gar nicht offen nachzufragen, ob es der "Verfasser" selber verfaßt hat? Und ist es, falls jemand nachfragt, normal, daß der Verfasser dann lügt? Anders gefragt: Kann es sein, daß Frau Wulff einen Ghostwriter hat und man kann nur darüber spekulieren?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2012 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21456

Zu Bettina Wulffs Buch, das ich nur aus Zitaten kenne, will ich doch auch noch etwas sagen, und zwar wegen des Dropses.

Warum konnte er nicht einfach nur sagen: 'Ich trete zurück!', und der Drops war damit gelutscht?“.

Das schreibt sie über ihren Noch-Ehemann. Auch wenn anzunehmen ist, daß diese Ausdrucksweise von Nicole Maibaum („25 Wege, sich an seinem Ex zu rächen“) stammt, hätte Frau Wulff es nicht stehenlassen dürfen. Weder den Antritt noch den Abgang als Bundespräsident möchte das repräsentierte Volk mit dem Lutschen eines Dropses verglichen sehen. (Nixon hat sich auch vulgär ausgedrückt, aber nicht damit gerechnet, daß es öffentlich wird. Die Folgen sind bekannt.)

Cicero schreibt: Offenherzig berichtet sie, wie patschig der spätere Bundespräsident sie anbaggerte, vom Erheischen ihrer Visitenkarte bis zum SMS-Beschuss, der ihr offenbarte: „Der will doch was von dir.“

(Wenn man das reformierte tollpatschig vermeiden will, läßt man die Tollheit einfach weg.)

Der saloppe Ton von „Cicero“ entspricht offenbar dem Stil des besprochenen Buches. Bettina Wulff tut mit der "Würde" des Staatsamtes, was die Medien täglich mit dem Glamour der Prominenten tun. Sie enthüllt den schönen Schein. Zwar haben wir das alles immer schon gewußt, aber wir haben so getan, als wüßten wir es nicht, und nun werden wir die würdevollen Auftritte der Amtsinhaber und ihrer "ersten Damen" nie wieder so sehen können wie früher. Wir bemühen uns ja schon redlich, Amt und Person zu trennen. Früher fiel es uns manchmal schwer, zum Beispiel weil der Amtsinhaber ein alter SA-Mann war. Wulff hat es uns auf andere Art schwer gemacht, und seine Frau macht es ihm und uns nicht leichter.

Warum hat Christian Wulff, der doch nicht dumm ist, seiner Frau dieses plapperhafte Buch nicht ausgeredet? Vielleicht hat er das Interesse an ihr verloren und glaubt ohnehin nicht mehr an die Zukunft seiner Ehe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2012 um 06.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21455

Sexuelle Erregung setzt offenbar die Ekelschwelle herab. (ORF 13.9.12)
Dann würde man sich leichter ekeln, wenn man sexuell erregt ist. Die Forscher haben jedoch nur die Allerweltsweisheit bestätigt, daß die Schwelle heraufgesetzt wird. Bereits Sigmund Freud ...? Bereits Adam und Eva!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2012 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21454

Ja, ich war auch schon in Versuchung, niederträchtig und -sächsisch abzukürzen.

Zugegeben, das Ehepaar Wulff hatte bis vor einem halben Jahr anders gelagerte Sorgen. (taz 13.9.12)

Diese Wendung ist vor allem prädikativ sehr verbreitet (das Problem ist anders gelagert), auch mit beschaffen, und das deutet darauf hin, daß es auch darum geht, das reine anders wegen seiner undeutlichen Wortart zu vermeiden. Aber die komische Bildlichkeit der „Lagerung“ stört trotzdem.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.09.2012 um 22.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21452

Die Kombination von niederträchtig und niedersächsisch hat es ja auch schon in sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2012 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21450

„Neben der Debatte über mangelnde Transparenz bei Google sollte man aber nicht vergessen, dass das Problem in der Debatte um Frau Wulff nicht das Internet, sondern ein niederträchtiger Haufen niedersächsisch-sexistischer CDU-Männer ist“, sagte der Grünen-Parlamentsgeschäftsführer „Handelsblatt Online“. (FOCUS online 12.9.12)

Was will uns der Politiker mit der Kombination niedersächsisch-sexistisch sagen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2012 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21417

Wie konnte es zu diesem Mißstand kommen, wo doch an den Schulen eine heilversprechende Reform die nächste jagt? (Thomas Paulwitz in Junge Freiheit 8.9.12)

Vielleicht muß man hier an eine Treibjagd denken: Jede Reform treibt schon die nächste vor sich her.

Paulwitz zitiert zum "Tag der deutschen Sprache", der gestern unbemerkt "begangen" wurde, auch die Umfrage von Gerhard Wolf, die aber nicht geeignet ist, die Sprachfähigkeiten von Studienanfängern zu überprüfen, sondern bloß das gewohnte Lamento der älteren Generation über die jüngere wiedergibt.
Wolf schreibt übrigens: Generell besteht eine mangelnde Fähigkeit, selbständig zu formulieren, zusammenhängende Texte selbständig zu schreiben und unterschiedliche Stilregister zu bedienen.
Die bestehende mangelnde Fähigkeit erinnert an den zerstreuten Professor: Ich sehe heute wieder viele, die nicht da sind.

Und BILD gibt aus gleichem Anlaß einen

Buchtipp: Unnützess (!) Sprachwissen. Erstaunliches über unsere Sprache. Duden Verlag, 5 Euro
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.08.2012 um 10.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21302

Der DLF berichtet heute 9.10 Uhr über Vorwürfe gegen den norwegischen Ministerpräsidenten Stoltenberg wegen der Pannen vor und während der beiden Attentate im letzten Jahr und darüber, wie er sich gegen Rücktrittsforderungen aus dem Parlament verteidigt:

Für die bürgerliche Opposition aber sind die Lehren aus dem 22. Juli 2011 längst noch nicht vom Tisch.

Was hieße es denn, wenn die Lehren endlich "vom Tisch" wären?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2012 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21294

Die Autorin und Kohl-Vertraute Gertrud Höhler holt in ihrem Buch "Die Patin" zum Rundumschlag gegen Angela Merkel aus. (Spiegel online 23.8.12)

Dann wäre also Höhler auf allen Seiten von Merkel umgeben! Da muß man ja verrückt werden.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 23.08.2012 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21293

Mit Interesse verfolge ich die Diskussion über das Stottern!

So wie ein Motor im wörtlichen Sinn nicht stottern kann, so kann es natürlich auch China nicht. Im übertragenen Sinn bedeutet es beim Motor ‚er läuft ungleichmäßig‘, bei China, zumal der Bezug zur bisherigen Rolle in der Weltwirtschaft hergestellt wird, wird es wohl bedeuten, die chinesische Wirtschaft ‚läuft ungleichmäßiger‘ als zuvor. Interessant finde ich, daß die China-Metapher mehrheitlich nicht anerkannt (und sogar zum „Verbrechen“) wird, die Metapher vom stotternden Motor (die im Satz nicht einmal vorkommt) aber schon.

Bei der Bildung von Metaphern ist man nicht an vielfach verwendete gebunden. Entscheidend ist nur die eigene Einschätzung, ob man glaubt, die Adressaten werden sie verstehen.

Ich möchte damit nicht der möglichen Sicht von Prof. Ickler widersprechen (#21278), sondern nur feststellen, daß man den Satz auch so, wie er geschrieben steht, akzeptieren kann.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.08.2012 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21292

Nur Lukas berichtet darüber (Lukas 1, 26 - 38), aber dort wird Maria gar nicht gefragt, ob sie einverstanden ist (Vers 31). Sie ergibt sich in ihr Schicksal (Vers 38). Die katholische Kirche ist bekannt für nicht auf dem Quelltext beruhende Auslegungen. (Wenn Katholiken selbst die Bibel lesen, verwirrt sie das nur.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2012 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21291

Als Mutter Jesu habe sie sich vorbehaltlos dem Projekt der Liebe Gottes zur Verfügung gestellt. (Papst Benedikt über Maria)

Sonderbare Ausdrucksweise. Mit dem vermeintlichen Projekt der Moderne habe ich mich schon nie befreunden können, aber nun soll auch noch die Liebe Gottes ein Projekt (gewesen?) sein. Dazu der Funktionärsausdruck zur Verfügung stellen. Das wäre doch was für Leonardo da Vinci gewesen: "Maria stellt sich dem Projekt der Liebe Gottes zur Verfügung"[/i] ...

Vielleicht handelt es sich um die von Habermas geforderte Übersetzung religiöser Sinnressourcen in eine auch von Unmusikalischen diskutierbare säkulare Sprache.

 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.08.2012 um 02.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21290

Sehr gute, unbedingt plausible Beobachtung übrigens von Herrn Riemer unten zu gebacken und gepackt. Das Beispiel zeigt mal wieder, was in Sachen Etymologie für ein Pseudowissen verbreitet wird.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 22.08.2012 um 23.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21289

Zu den Bekehrten predigen ist natürlich leicht. Bringen Sie diese Klügeleien lieber an den richtigen Mann, nämlich den Journalisten, der in 5 Minuten seinen Text abgeben muß.

Ich habe in meinem Berufsleben viele Texte unter Zeitdruck fertigstellen müssen. Wer weiß, was mir dabei alles unterlaufen ist.

"Stotterndes China" ist natürlich ein Verbrechen, der "vierstöckige Hausbesitzer" ist aber mehr als ein Verbrechen, nämlich ein Fehler.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.08.2012 um 20.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21288

Ich muß sagen: wenn ich "China, einst Motor, stottert" lese, drängt sich mir schon eine Milliarde stotternder Chinesen auf.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.08.2012 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21287

Ich glaubte, den Unterschied zwischen in der Sprachwissenschaft verpöntem Logisieren (Besserwisserei) und echten Fehlern einigermaßen verstanden zu haben. Aber wenn sogar der vierstöckige Hausbesitzer noch nicht rundweg falsch ist, dann weiß ich es immer noch nicht richtig. Darf man überhaupt irgendetwas falsch nennen?
 
 

Kommentar von Sehrko Misch, verfaßt am 22.08.2012 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21286

Großbritannien, im olympischen Medaillenspiegel an 3. Stelle, feiert.
China, einst Motor der Weltwirtschaft, stottert.

In beiden Fällen werden Metaphern verwendet. So wie Großbritannien nicht wörtlich feiern kann, so kann China nicht wörtlich stottern. Der Unterschied ist, im zweiten Satz kommt in der Beifügung (zufällig) ein Motor vor, der auch stottern könnte, ebenfalls eine Metapher.
Nur wenn man die Metapher 'China stottert‘ nicht zuläßt und das Stottern entgegen die vorhandene Beistrichsetzung mit dem Motor koppelt, dann wird es problematisch.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.08.2012 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21285

Es gibt auch Nichtverstehenwollen, z.B. bei Fundamentalkatholiken, den man die Entwicklung der Frühmenschen zu erklären versucht.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 22.08.2012 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21284

""Wenn wir erst einmal anfangen mit "Hauptsache, jeder versteht, was ich meine", können wir hier die Bude zumachen." (Kratzbaum, topic_id=29#9351) — Nicht unbedingt, und damit meine ich: Gar nicht! Wichtig wäre hier erst einmal: Jeder versteht, worum es hier geht, wenn ich meine Meinung dazu abgebe. Unterscheiden müssen wir auch zwischen Fragen zum persönlichen Stil oder dem Stil der Gruppe oder Gegend (Herrn Riemers Brotverkäuferin) und Fragen zur objektiven Struktur ("China, einst Motor, stottert"). Auch wenn wir meinen, die Logik auf unserer Seite zu haben, müssen wir anerkennen, daß andere da offenbar auch mal anders empfinden: Die USA sehen sich immer auf dem Wege zu "a more perfect union"; und davon lassen sich die nicht abbringen! Sobald wir aber zur Sprache der Medien und medienverwendenden Personen in den Medien kommen, liegt die Latte schon um einiges höher. Aber auch da sollten wir nicht zu stolz unser Abiturswissen als verpflichtend hinausposaunen, sondern auch sehen, daß "weil" sich vielleicht doch zur koordinierenden Konjunktion gemausert hat, auch wenn das mir z. B. als sehr gewöhnlich aufstößt und auch ich sage: "Geübte und professionelle Schreiber sollten sich damit auskennen."
Denn um klaren Ausdruck sollte man — jeder!, jede!, jedes!, alle!, alles! — sich schon bemühen. Aber wenn wer in unserm persönlichen Umkreis es nicht tut, lassen wir uns deshalb doch nicht gleich scheiden, nicht wahr? Und wenn dieser Todd Akin in Missouri nach all seinem Gerede doch gewählt wird, wäre ich gar nicht überaus erstaunt. Er wußte im Detail wirklich nicht, wovon er redete (und deshalb sollte er nicht Senator werden; schließlich muß er ja dazu in Washington Entscheidungen treffen), aber seine Wähler stimmen ihm mehr oder weniger, jedenfalls hinreichend zu, denn sie verstehen schon, wofür er steht, und deshalb mögen sie ihn und bekennen sich stolz zu ihrem Kreuzchen hinter seinem Namen.
So leben wir halt hin mit unsern schiefen Bildern. Und keiner sollte sich hier gleich mit Grausen abwenden und mit dem Finger auf ach Amerika zeigen, wo die Politiker ja sowieso wirklich nicht wissen, wovon sie reden, — wenn ich dazu deutsche Politiker vernehme, da wende ich mich auch oft mit Grausen, und deutsche Gedankenfreunde von mir reden davon, daß man auswandern müsse. Aber wohin denn? frage ich mich mit meinen Sorgen um die Welt in diesem Jammertal. Besprechen wir also ernst weiter die Stil- und Formblüten, die uns unterlaufen, und lesen wir weiter, wenn wir zu einer dpa-Meldung die Überschrift lesen "Kauder verteidigt Ehrensoldregelung für Bundespräsidenten", weil daraus nicht ganz klar ist, ob er damit auch was zu Wulff sagt. Und stellen wir dann ruhig auch fest, daß das Komma da in "SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider, kritisierte dagegen die Gleichbehandlung bei der Amtsausstattung Wulffs mit den anderen Altbundespräsidenten in der «Leipziger Volkszeitung» als nicht akzeptabel" völlig falsch ist. Nicht mal englisch geht sowas auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2012 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21283

Wir alle wissen, wie die Leute reden, verstehen natürlich auch, was sie meinen, und sind keine Beckmesser. Es geht um interessante sprachliche Erscheinungen, z. B. Verschiebungen in den grammatischen Beziehungen, wofür in der Tat auch der vierstöckige Hausbesitzer ein Beispiel ist. Das sind alles keine Sprachsünden usw., sondern normale, schon von der antiken Rhetorik auch mit Fachausdrücken belegte Mechanismen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.08.2012 um 15.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21282

China, der Motor der Weltwirtschaft, stottert. Das klingt schon etwas besser (aber auch nicht gut). Nachdem China als Motor vorgestellt wurde, kann man sagen, daß China stottert. Es heißt aber: China, einst der Motor der Weltwirtschaft, stottert – China ist ausdrücklich kein Motor. Wenn China dennoch stottert, dann als Stotterer und nicht als Motor.

Die grammatische Argumentation mit der Apposition ist ein Teil der Erklärung. Ganz schief wird das Bild aber aus semantischen Gründen. Das Wort einst zerstört den Sinn.


 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 22.08.2012 um 13.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21281

Nun ja – ich verstehe die Sache eigentlich „elliptisch“.

Also: „China, einst Motor der Weltwirtschaft, stottert.“ verstehe ich so, daß die Wirtschaft Chinas stottert (metaphorischer Gebrauch); statt „einst Motor der Weltwirtschaft“ hätte auch stehen können: „einst Wachstumsspitzenreiter der Weltwirtschaft“.

 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.08.2012 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21280

so reden und schreiben die Leut' nun mal, und jeder versteht, was gemeint ist.

Man muß unterscheiden zwischen logisierenden Argumenten, die in die Besserwisserecke gehören, und wirklich unsinnigen Ausdrücken.

Zu ersteren gehört z. B. die Behauptung, diesen Jahres oder ein positiveres Ergebnis oder das epistemische weil ("weil ich habe das nicht getan") seien grundsätzlich falsch. Meistens sind diese Formulierungen korrekt (analog zu üblichen Regeln) gebildet.

Zu den unsinnigen Ausdrücken gehört aber China, einst Motor, stottert genauso wie der vierstöckige Hausbesitzer. Das ist falsch, auch wenn solche Fehler oft vorkommen. Geübte und professionelle Schreiber sollten sich damit auskennen.

Korrekturvorschlag:
Der einst gut laufende Motor der Weltwirtschaft, China, stottert.
Vielleicht geht auch
Chinas einst tonangebende Wirtschaft stottert wie ein alter Motor.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 22.08.2012 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21279

Alles schön und gut, aber so reden und schreiben die Leut' nun mal, und jeder versteht, was gemeint ist. Man muß schon ein bißchen aufpassen, um nicht in der Besserwisser-Ecke zu landen (vgl. Sick, Augst, Gallmann).

Viel schlimmer geht es übrigens bei den audiovisuellen Medien zu. Um nur ein Beispiel zu nennen, hat sich die "Journalistin", die für den angeblich so anspruchsvollen Sender Phoenix eine "TV-Dokumentation" über das römische Erbe in Europa produziert hat, nicht entblödet zu sagen, die Römer seien die ersten globalen Umweltverschmutzer gewesen, weil sie Wälder in Italien abgeholzt hätten.

Wahrscheinlich war der "Journalistin" dieser Unsinn nicht einmal bewußt, weil sie gelernt hat, aufgeschnappte Phrasen und Etikettierungen zu verwenden und nicht, sich mit der Bedeutung des Gesagten auseinanderzusetzen. Gelaber eben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2012 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21278

China, einst Motor der Weltwirtschaft, stottert. (Welt online 21.8.12)

Das stottern gehört zu Motor, also zur Apposition, und kann nicht vom Nukleus China ausgesagt werden (jedenfalls nicht in dieser Bedeutung).

Man findet eine ähnlich schiefe Konstruktion sehr oft, wenn es etwa heißt: Ich stelle das nur als Frage. Man kann Fragen stellen, das ist idiomatisch gebunden, aber man kann nicht einfach etwas stellen (und zwar als Frage).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.08.2012 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21264

In vielen Medien (z. B. SZ, 1.8.12, S.33, auch mehrfach im Internet zu finden) wurde Timo Boll nach seiner Olympianiederlage zitiert: "Das bekomme ich nicht gebacken."

Woher kommt dieses Bild?
In Lexika und Wörterbüchern findet man es nicht, es muß also ziemlich neu sein. Auf www.redensarten-index.de wird behauptet: "Die Redensart bezieht sich auf Backware, die zu früh aus dem Backofen genommen wurde und dadurch unfertig und ungenießbar ist."

Das glaube ich nicht. Meiner Ansicht nach stammt die Redensart ursprünglich ab von "etwas nicht packen" (nicht schaffen), z. B.
- Packen wir's!
- Das packe ich nicht.
- Das kriege ich nicht gepackt. (-> gepacken!)

Ich sehe da vielleicht auch einen Bezug zur Diskussion (Tagebuch "Germanistennachwuchs") über starke und schwache Verben. Irgendwie bestand der Wunsch nach starker Konjugation, man wollte in dieser Bedeutung lieber nicht gepacken sagen. Es gibt dafür sehr viele Internetbelege, und so habe ich die Redensart auch zuerst kennengelernt. Doch weil das für die meisten nicht so recht paßte, ist daraus nicht gebacken geworden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2012 um 11.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#21216

Syrien droht ein postjugoslawisches Blutgemenge

Diese sonderbare Überschift wird nicht klarer, wenn man im weiteren Text liest: ... Sorge, dass ein Syrien nach Assad statt eines säkularen und halbwegs demokratischen Staates ein großer Libanon oder ein postjugoslawisches Blutgemenge wird. (Welt online 7.8.12)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2012 um 08.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20875

UN-Bericht wirft grausames Bild auf Lage syrischer Kinder (Berliner Morgenpost 12.6.12)

Die Lage der Kinder wird sicher nicht besser, wenn man grausame Bilder auf sie wirft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2012 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20708

Die Warnungen vor "Sparorgien" sind recht amüsant. Man sieht richtig, wie die Leute sich in einen bacchantischen Taumel hineinsparen ...
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.04.2012 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20567

Heribert Prantl ist immer wieder für Stilblüten gut:

Die Linke wird das finale Schicksal der FDP teilen: Diese Partei des Oskar Lafontaine schmilzt dahin wie ein Gletscher; sie wird im Westen aus den Parlamenten verschwinden. Von der Vergänglichkeit der FDP wird die Union, von der Vergänglichkeit der Linken die SPD profitieren. Diese noch halbwegs großen Parteien werden also wieder ein wenig stabiler sein.

Quelle: www.sueddeutsche.de.

Wenn ein Gletscher schmilzt, ist das doch endgültig ("final" klingt natürlich viel schicker!) und könnte höchstens durch eine Eiszeit aufgehalten werden. Aber in der Politik bedeutet eine Eiszeit etwas anderes. Und bei Prantl schmilzt die Linke nun auch noch dahin, sie schmilzt also unaufhörlich, und genau das ist final. Aha!

Prantl ist ein Prantl, ist ein Prantl, ist ein Prantl. Immerhin haben seine Stilblüten einen hohen Wiederekennungswert, auch wenn kein da in ihnen da ist.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 19.04.2012 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20474

Wahlkampf-Spruch der Autopartei (ja, die gab's mal):

"Das ist Schaumschlägerei auf dem Rücken der Bürger!" (Radio DRS, Sept. '91)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2012 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20448

Doch dem Platzhirschen Oracle Kunden abzujagen wird ein hartes Stück Arbeit, sagt der Technikchef im FTD-Interview.
SAP wird nach eigenen Angaben hart zu kämpfen haben, um Oracle Kunden im Datenbankgeschäft abzuluchsen.
(Financial Times Deutschland, www.ftd.de, 12.4.12)

Dem Platzhirsch"en" etwas abluchsen – nicht schlecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2012 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20369

„Antisemiten suchen die Nähe der Juden, fühlen sich ihnen verbunden – etwa so, wie Kannibalen von Frischfleisch angezogen werden.“ (Henryk M. Broder über Grass, Welt 5.4.12)

Kannibalen werden nicht stärker von Frischfleisch angezogen als Hausfrauen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.02.2012 um 17.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20105

Zu #20072: Ich rege mich über "falschen" Gebrauch von Präpositionen nicht weiter auf, — wenn ich auch so manchen Ausdruck hinterfrage, weil ich ja für unmißverständliche Mitteilung bin. Mir reicht meist: "Aber man versteht schon, wie es zu *für* gekommen ist." Präpositionen haben nun mal Gebrauch und nicht nur eine, klar identifizierbare Bedeutung. Man schaue sich mal das englische "on" an, von dem jedes amerikanische Schulkind gleich weiß, daß es "on top of" bedeutet, — wobei dann aber auch ein Bild "on the wall" hängt und man eine Lampe oben "on the ceiling" sieht. Ringe trägt man "on the finger", jedenfalls meist, naja, auch "in the ear", aber jedenfalls die Ringe "on the ring finger". Aber ebenfalls jedenfalls gibt's da eine wegen Shakespeare bekannte Stadt "on Avon", und ich schreibe hier etwas "on the use of prepositions".
Und wenn jemand mit mir kämpft, weiß ich oft nicht, auf wessen Seite der ist. Dasselbe geht auf englisch mit "If someone's fighting with me, ..." Die Zusammenhänge bei letzterem gingen mir auf, als ich Schwedisch lernte und da mitbekam, "vid" bedeutet "bei"/"nah bei", und beim gemeinsamen Kämpfen ist es eben wichtig, ob es mit dem Freund Rücken an Rücken ist oder man eben dem Feind in die Gesichtszüge sieht. Präpositionen sind also etwas, wo für viele "Schloß und Riegel für" sind und wo sie sich deshalb durchaus zu Recht auf das verlassen, wofür sie von der Muttersprache einen gewissen Instinkt mitbekommen haben. Politisch bin ich aber auch der Meinung, daß Reiche mehr Steuern zahlen sollten als der Durchschnitt, — und ich meine damit p r o g r e s s i v mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2012 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20104

Nach den Worten des Papstes sollen die neuen Kardinäle herausragende Diener der Kirche sein. Knapper kann man das Problem nicht fassen.
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 18.02.2012 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20094

Für Angela Merkel gebe es (im Zusammenhang mit Christian Wulff) nur machtpolitische Erwägungen. "Und das wirft kein gutes Bild auf sie."

(Andrea Nahles im ARD-Brennpunkt, 17.2.12)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2012 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#20072

Wulff warnt vor Sparorgie (SZ 14.2.12)

Man sieht richtig, wie ein Volk ausgelassen um das goldene Sparschwein tanzt, außer Rand und Band vor Sparlust.

Eigentlich ist auch Höhere Steuern für Reiche seltsam. Sollen die Reichen etwa noch reicher werden? Aber nein, es handelt sich um Steuern von Reichen. Aber man versteht schon, wie es zu für gekommen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2012 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19954

Der SPIEGEL hält die Schlagzeile Mit Eiswein ist es dieses Jahr Essig für wert, im "Hohlspiegel" zitiert zu werden, offenbar als Stilblüte. Dabei handelt es sich nur um eine der Metaphern-Spielereien, wie sie in der Presse seit langem üblich sind (Lufthansa fliegt in die roten Zahlen usw.).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2012 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19857

Karlaufs George-Biographie ist in Reformschreibung gedruckt und im allgemeinen recht sorgfältig korrekturgelesen. Ob Greuel und rauh mit Absicht stehengeblieben sind, weiß ich nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2012 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19816

Ja, das fiel mir auch gleich auf; vgl. hier.

Jeder bedeutendere Journalist hat wohl so seine Marotten. Bei Theo Sommer zum Beispiel waren es die Ringkompositionen: Jeder seiner altväterlichen Leitartikel endet mit demselben Motiv, mit dem er begonnen hatte. Ich habe lange die ZEIT gelesen, und mein amüsierte Blick fiel immer gleich auf Anfang und Ende des Hauptartikels. Ich wurde kein einziges Mal enttäuscht, Sommer konnte gar nicht anders. Der Eindruck der Geschlossenheit, der auf diese doch recht einfältige Weise erzeugt wurde, paßte gewissermaßen auch zur Geschlossenheit seines Weltbildes und der ZEIT überhaupt.

Raddatz dagegen fiel durch seine berühmten Schnitzer und Schlampigkeiten auf, die ja dann auch zum Vorwand für seine Entpflichtung genommen wurden. Nachdem ich kürzlich Raulffs Buch über den George-Kreis gelesen hatte, schlug ich Raddatz' Rezension zu Karlaufs George-Biographie nach und fand gleich am Anfang einen kapitalen Bock: Raddatz schrieb das berühmte Gedicht "Der Prophet", also die allbekannte Absage des jungen Hofmannsthal an seinen Verführer George dem letzteren zu und verdarb damit natürllich die Pointe, ohne es im geringsten zu bemerken. Andere Leser hatten damals schon den Vergleich mit Goethe hinterm Bahnhof gezogen, durch den Raddatz in die Unsterblichkeit eingegangen war.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 04.01.2012 um 20.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19815

Pünktlich zum Fernseh-Interview des Bundespräsidenten will Heribert Prantl zeigen, daß er in antiker Literatur belesen ist. Oder vielleicht doch nicht?

Er ist ein Präsident Laokoon - einer, der sich in seinen Widersprüchen verwickelt hat, von ihnen gewürgt wird und sich mit einer und noch einer öffentlichen Erklärung Luft zu verschaffen sucht.

Quelle: www.sueddeutsche.de

Man kann aus dem Priester Laokoon nun gerne einen Präsidenten machen, wenn das passender ist. Aber was hat der Rest von Wulff mit Laokoon zu tun? Gar nichts. Der wurde nämlich – zusammen mit seinen Söhnen – von den Seeschlangen Neptuns erwürgt, weil der die Troianer vor dem hölzernen Pferd zu warnen versuchte (timeo Danaos et dona ferentes). Er wird also erwürgt, weil er versuchte zu warnen und zudem die Wahrheit sagte. (Ich übergehe den Teil, daß Laokoon zudem Priester des Neptun war und nun sozusagen von seinem eigenen Gott gestraft wurde, nur weil der Gott auf Seiten der Griechen stand. Oder sollten das schon besagte Widersprüche sein, in die der Laokoon Wulff sich verwickelte?)

Nein, Herr Prantl, so schön die Belesenheit in antiker Literatur auch klingt, der Laokoon paßt nicht!
 
 

Kommentar von E. Zink, verfaßt am 05.11.2011 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19481

Der Tod der Hälse

Sie winkten, bis ... "ihre Arme wie sterbende Schwanenhälse herniedersanken."
(Hans Sahl: Der Tod des Akrobaten, Erzählungen. Hamburg u. Zürich 1992, S. 70)
 
 

Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 09.09.2011 um 11.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19220

"Das Bild ist von großer Komik."
Vielleicht – aber es ist anschaulich. In einem Vortrag über das Thema "Glauben und Wissen" war die Rede vom "virage théologique" (sinngemäß: theologische Kehrtwende), die jeder noch so kühn startende, zum Umsturz aller überlieferter Glaubensrituale entschlossene, aber doch am Ende ängstliche, vom Christentum geprägte Wissenschaftler in letzter Sekunde einschlagen würde.
Inwiefern diese Ängstlichkeit eine Art Gottesbeweis sein soll, ist meines Wissens noch nirgends überzeugend dargelegt worden. Schon gar nicht, weshalb dann ausgerechnet die christliche Religion diesem am Grunde des Bechers wartenden Gott die adäquateste Huldigung erweisen sollte. Sie ist so voller Gottlosigkeiten!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2011 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19219

„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

Das wird Heisenberg zugeschrieben, aber ich habe keinen Beleg finden können. Jedenfalls wird gern darüber gepredigt, in Religionsbüchern für die Schule steht es auch.

Das Bild ist von großer Komik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2011 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19042

Gemeint war eindeutig: Informationen über Produkte herausrücken; aber der Stern-Autor hat eine unpassende Redewendung (= "zur Waffe greifen") gewählt.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 22.07.2011 um 00.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19041

Ich hielt mich in der Interpretation zunächst an die vorgegebene Getrenntschreibung und kombinierte zur klassischen Bedeutung.
Im wörtlichen Sinn kommt mir am ehesten ein Kartenspiel in den Sinn: ich bin blank (habe also kein Atout) und ziehe eine Karte.
Das wird aber vermutlich nicht gemeint gewesen sein.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.07.2011 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19040

Wenn etwas nach dem Ziehen blank ist oder durch das Ziehen blank wird, sollte es zusammengeschrieben werden. Wenn Stahldraht vor dem Ziehen blank sein muß, also möglichst im blanken, d.h. nicht verrosteten Zustand gezogen werden muß, sollte es getrennt geschrieben werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.07.2011 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19038

Blankziehen kann man m.E., egal in welcher der hier genannten Bedeutungen, nur zusammen schreiben. Mir fällt dabei zuerst das blanke Metall von Dumas' Musketieren ein. In diesem Sinne, bereit zum Kampf, ist es hier auch in bezug auf die Unternehmen gemeint.
Wenn man es aber plötzlich auseinander geschrieben sieht, dann stutzt man schon, oh, ist da etwa was anderes gemeint? Wie/was/wohin kann man blank ziehen?
In der Bedeutung von sich entblößen liegt das gleiche Bild, der gleiche resultative Sinn vor, also zusammen. Trotzdem wird man durch die Auseinanderschreibung erstmal auf die falsche Spur (zumindest weg vom Waffenziehen) gelockt.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 21.07.2011 um 13.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19037

Gerade habe ich die Anmerkung von Kratzbaum im Diskussionsforum gesehen und dann "blankziehen" gegoogelt. Tatsächlich scheint die Sprachgemeinschaft hier weitgehend in zwei Teile zu zerfallen. Die einen kennen den Ursprung, die andern verstehen unter "blankziehen" entblößen im Sinne von sich nackigmachen, und zwar ohne daß den Betreffenden die jeweils andere Bedeutung geläufig wäre.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 21.07.2011 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19036

"Blankziehen" bedeutet, den Säbel oder Degen aus der Scheide zu ziehen. Die Klinge ist dann blank.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 21.07.2011 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19035

Klassisch versteht man unter blank ziehen doch sowas wie 'zum Angriff übergehen' oder 'die Auseinandersetzung suchen'.
Ob das hier gemeint ist, kann nur der Verfasser beantworten.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 21.07.2011 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19034

Ich rätsele gerade, woran der Autor wohl bei "blank ziehen" gedacht hat. Die Hose herunterlassen? Der Mißgriff wäre dann schon fast keine Stilblüte mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2011 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#19033

Gesetz stärkt Verbraucherrechte: Unternehmen müssen blank ziehen

(stern.de 20.7.11)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2011 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#18916

Aus einem Romananfang von Thomas Glavinic, den die SZ am 25.6.11 abdruckt:

ein Mann, der wie ein rustikaler Postangestellter aussieht

Die beiden Vergleiche schlagen sich gegenseitig tot. Es gibt sicher auch Postangestellte, die rustikal aussehen. Aber es gibt keinen typischen rustikalen Postangestellten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2011 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#18766

Im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit sieben Monaten unter die Drei-Millionen-Marke gesackt. (FOCUS online 31.5.11)

Für mein Gefühl leicht daneben. gesackt hat was Negatives, während das Sinken der Arbeitslosenzahlen doch erfreulich ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2011 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#18650

Wer Gott spielen will, indem er auf Wehrlose tritt, sollte in U-Haft sein Verfahren abwarten dürfen. (Jens Bisky, SZ 27.4.11)

Gestern stand in der Zeitung: FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin soll ebenfalls ihren Doktorhut nehmen – so will es angeblich ihre Uni.
 
 

Kommentar von Elmar Zink, verfaßt am 29.03.2011 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#18397

Rattenleim

(Stimme zur heutigen Islamkonferenz:) Jugendliche seien davor zu bewahren, extremen Rattenfängern auf den Leim zu gehen.

("heute", ZDF 17 Uhr)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2011 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#18301

Bei der Ende März bevorstehenden Islamkonferenz sollte er die Chance nutzen, seinen Fehlstart auszubügeln. (stern.de 7.3.11)

Eigenartig sind auch die geographischen Vorstellungen beim "Stern":

Dramatische Szenen in Algerien: Die Revolution im benachbarten Äygpten sollte zum Startschuss für den algerischen Aufstand werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2010 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#17262

Tiere geben mehr Fleisch (Überschrift in der SZ 20.11.10 über erhöhte Fleischproduktion)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2010 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#17167

Dem Vater sind die Gesichtszüge entglitten. (Bild 10.11.10)

Das liest man sehr oft, weil die scherzhafte Metapher von den "entgleisenden" Gesichtszügen nicht mehr verstanden wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2010 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#17047

Ein Stopp jagt den nächsten (stern.de über den Castor-Transport)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2010 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16688

Einmal platzte es wie ein Kind aus ihm heraus: „So sollte man es auch machen.“
(SZ 10.8.10, über Thomas Manns Wunschkonzertmoderation)
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 21.07.2010 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16575

Sonntag nacht stellte Dieter Moor in titel, thesen, temperamente (ARD) eine Affenstation vor, "wo Überlebende von wissenschaftlichen Experimenten ihr Gnadenbrot fristen".

Merke: Ein Tier, das sein Gnadenbrot fristet statt frißt, verhungert.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 27.06.2010 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16419

Das verwundert nicht. Trägt doch gerade die wohlbekannte Sprachkünstlerin Nahles (mit ihrer Ausbildung als Literaturwissenschaftlerin) ihre Halbbildung gerne als Paradekissen im Brustton vor sich her auf den Markt.

Das unterhaltsame Problem (ich verzichte nun auf weitere falsch verwendete Phrasen, um die Redaktion nicht zur Korrektur zu zwingen) dabei ist, daß sie es selbst gar nicht merkt. Irgendwann ließ sie ernsthaft auch mal "die Axt im Wald" losgehen (ich habe den Kontext vergessen) und so dafür gesorgt, daß der arme Schiller sich in seiner fürstlichen Gruft dreht. Er dreht sich vermutlich noch heute...
 
 

Kommentar von Abstell-Eisen, verfaßt am 26.06.2010 um 19.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16415

"Stellen Sie Herrn Beck nicht auf das alte Eisen, so alt ist er nicht."
(Andrea Nahles, ARD-Interview, 11.4.06)
 
 

Kommentar von R. H., verfaßt am 25.05.2010 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16259

Ein Kleinaktionär über den Verwaltungsrat 'seiner' Bank (gehört auf SF 1):

"Was mich stört, sind die faulen Eier, die ungeschoren davonkommen!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2010 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16234

In ihrer Regierungserklärung zum 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für die Gemeinschaftswährung hat Angela Merkel von einer existenziellen Bewährungsprobe gesprochen. (Welt online 19.5.10)

Schirme sollten in der Tat nicht zu schwer sein.
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 01.05.2010 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16179

Der Ausdruck ist von der ehem. SPD-MdB Lale Atgün bekannt.
Die französische Künstlerin Bérengère Lefranc beschrieb ihren Selbstversuch: "Wie ein Hummer in kochendem Wasser".
http://tinyurl.com/fr-online-burka-selbstversuch
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2010 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#16177

Die Burka wird von einer Kritikerin als Ganzkörpergefängnis bezeichnet.
 
 

Kommentar von "Die Hauslehrerin", verfaßt am 19.02.2010 um 18.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15748

Susans Plan, Katherine verhaften zu lassen, geht nach hinten los. (fernsehserien.de 17.02. sowie in gedruckten Programmen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2010 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15747

Im Norden Afghanistans sind bei einem Nato-geführten Luftangriff sieben einheimische Sicherheitskräfte versehentlich ums Leben gekommen. (Focus online 18.2.10)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2010 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15536

„Sie redet aus dem Bauch heraus. Mit offenem Visier.“

So die Süddeutsche Zeitung über die neue Bundesverteidigungsministerin Margot Käßmann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2009 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15423

Der Scherz – geschenkt! Mir kam es auf den krampfigen Übergang vom schlichten "verwundbar" zur monströsen Metapher an, deshalb sind beide Teile zitiert. Das Gefühl, die Metapher nachträglich erklären zu müssen, ist ja der Beweis, daß etwas schiefgelaufen ist. Als beabsichtigte Selbstparodie der Bildungshuberei kann ich es leider nicht verstehen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.12.2009 um 23.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15422

Nanu? Reich-Ranickis Achillesfersenscherz in einer Stilblütensammlung? Als Stilblüten gelten doch sonst eher unfreiwillige Fehlgriffe.
 
 

Kommentar von califax, verfaßt am 15.12.2009 um 16.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15421

Wer kaputte Metaphern nicht mag, sollte Politikersprache meiden wie die sprichwörtliche Pest das Weihwasser, welches ja bekanntlich auch nicht so einfach vom Himmel fällt, liebe Bürgerinnen und Bürger.

Lieblingsfloskeln:
vollumfänglichst – vollwatt?
Da bin ich ganz bei Ihnen! – Bäh! Geh weg!
 
 

Kommentar von Lw, verfaßt am 13.12.2009 um 22.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15415

Der Fremdwortgebrauch kann auch erheitern.
Spiegel Online, 02. Dez. 2009, titelt: "Chirurgen transplantieren Roboter-Hand" (Wie wurde der Hirntod des Roboters sichergestellt?) Der Artikel endet mit dem Satz: "Für Petruzziello und das Team beginnt jetzt eine mehrjährige Testphase, um die gebrochene Hand dann endgültig zu implantieren."
 
 

Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 13.12.2009 um 20.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15413

Nun sollte man doch aber unterscheiden zwischen dem biologischen Vorgang des Mauserns bei Vögeln, also dem Abwerfen von Gefieder und dem anschließenden Nachwachsen, und dem Mausern im übertragenen Sinn. Natürlich ist der Vogel nach der Mauser derselbe, vielleicht sieht er gar etwas "schöner" aus.
Dazu steht im Gegensatz die übertragene, bildhafte Bedeutung.
Das mag ein Mensch sein, der sich (gegenüber vorher) zum besseren entwickelt hat, er hat sich(!) gemausert. Dann ist er eben nicht mehr derselbe. Werden im ersten Fall nur die Federn gewechselt, sind es im zweiten Eigenschaften.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.12.2009 um 19.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15411

Apropos »Deutschland hat sich zur Konjunktur-Lokomotive gemausert«: Schon der Ausdruck »sich zu etwas mausern« löst bei manchen Stirnrunzeln aus. Wolf Schneider zumindest hält das Bild für falsch: »Unter mausern bringt der Duden das Beispiel «Der Abriss hat sich zu einem Lehrbuch gemausert» – und unterlässt jeden Hinweis, dass der Vogel, der sich mausert, sich zu gar nichts mausert, er bleibt ein Vogel; der Duden billigt also eine Katachrese, eine entgleiste Metapher von der Art «Auch Eisberge kochen nur mit Wasser».« (Wolf Schneider: Speak German! – Warum Deutsch manchmal besser ist. S. 40.) Schneiders Kritik am Duden bezieht sich übrigens darauf, daß dieser es mit der Registrierung des Üblichen zu weit treibe; aber das ist ein anderes Thema.

Die Leute sind bei Sprachbildern unterschiedlich empfindlich. Mich stört die Metapher vom Mausern zum Beispiel nicht. So genau hatte ich darüber auch noch nicht nachgedacht. Ich verbinde das Mausern vor allem mit der Vorstellung von einer sichtbaren Veränderung, da liegt die Wandlung nicht fern.

Dagegen hat mich die Totengräber-Metapher (»Totengräber des Sozialstaats« usw.) nie so recht überzeugt. Den Totengräber trifft schließlich keine Schuld am Tod des Verstorbenen. Dennoch ist der Ausdruck sehr kraftvoll. Der Gedanke an Tod und Grab löst schon die richtige Assoziation aus, und diese Assoziation, nämlich daß da jemand etwas zugrunde richtet, ist offenbar stärker als der Gedanke an das, was ein echter Totengräber tatsächlich tut.

Deutlich jenseits der Schmerzgrenze liegt für mich allerdings das, was Tina Hassel einmal als ARD-Korrespondentin in Frankreich von sich gab, als sie kurz vor einer Präsidentschaftswahl (es muß 1995 gewesen sein) in einer Liveschaltung nach Paris sagte, dort, in der Zentrale der Gaullisten (oder so ähnlich), werde »mit heißer Nadel am Endspurt gefeilt«. Darauf muß man erst mal kommen!
 
 

Kommentar von Maria, verfaßt am 11.12.2009 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15397

Genügt als Einwand gegen die "neue Rechtschreibung" nicht völlig der Wunsch, sich präzise ausdrücken zu wollen?
Bedarf es dann noch irgend welcher Worte?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.12.2009 um 23.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1259#15386

Da muß ich gleich noch eine Blüte (mehr eine orthographische) aus meiner aktuellen Lektüre anfügen (R. v. Weizsäcker, Der Weg zur Einheit, C. H. Beck 2009, Seite 61):

"... Mazowiecki dagegen als der erste nichtkommunistische freigewählte Regierungschef."

freigewählt verstehe ich so, als ob M. aufgrund eines Wahlergebnisses befreit wurde. Gemeint ist aber, daß er in freier Abstimmung gewählt, also frei gewählt wurde.

Und daß nach nichtkommunistische kein Komma steht, besagt eigentlich, daß es auch schon kommunistische frei- (bzw. frei) gewählte Regierungschefs gab, M. war eben nur der erste nichtkommunistische. Gemeint ist aber, daß M. nichtkommunistisch UND frei gewählt war, also:
der erste nichtkommunistische, frei gewählte Regierungschef.
 
 

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