zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Unter den Diskussionsthemen nach
           
Im Forum nach

Diskussionsforum

Zurück zum Forenbereich
»Übrigens ...«


Beiträge zum Thema

»Fundstücke
So steht es geschrieben«

Neueste Beiträge zuoberst anzeigen | nach unten


Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 02.06.2005 um 11.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#120


Gottfried Keller an Conrad Ferdinand Meyer


Hottingen 26 X 82
Verehrter Herr!

Indem ich Ihnen herzlich für Ihr schönes Geschenk danke, begrüße ich zugleich das glückliche Ereigniß; denn ein solches darf man und dürfen wir Alle das Erscheinen Ihrer Gedichte nennen. Obgleich es unverschämt scheint, dem, der das Verdienst hat, Glück zu wünschen, so thue ich dies dennoch, da es auch für das Verdienst ein schönes Glück ist, vollständig ausreifen zu können. […]
Mit einiger Schadenfreude hab' ich in Ihren Gedichten bereits bemerkt, daß die neue Orthographie in Ansehung des Th im Druck in die Brüche gegangen ist. Ich habe das gleiche Schicksal mit einer neuen Auflage der Zürch. Novellen, in der das arme h zum Teil exstirpirt, zum Theil stehen geblieben ist.
Ihr bestens grüßender
u ergebener
G. Keller
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 21.06.2005 um 17.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#145


Rolladen mit zwei "L"
Vom "Bauer" zum Techniker

Bonn - Der Bundesverband Rolladen+Sonnenschutz e.V. hat die über 2000 Betriebe des Rolladen- und Jalousiebauer-Handwerks in Deutschland aufgerufen, die aus dem Jahre 1953 stammende Berufsbezeichnung abzulegen und sich in Rolladen- und Sonnenschutztechniker-Handwerk umzubenennen. Der Verband entschied sich bewußt für die alte Form von "Rolladen" mit zwei "L" und schreibt damit - wie bereits der Spiegel-Verlag und die Axel Springer AG - wieder in der klassischen Rechtschreibung.

Presseinformation des Bundesverbandes Rolladen+Sonnenschutz e. V. vom 5.12.2004

www.presstext.de

www.bv-rolladen.de


Besten Dank an Herrn Sinn, der uns dieses Fundstück weitergereicht hat.
nach oben

rr bth
Bayreuth

Dieser Beitrag wurde am 21.06.2005 um 19.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#146


... ähnlich die _der_ Rauhfasertapetenhersteller, der auf sein „h“ nicht verzichtet.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 22.06.2005 um 08.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#147


Soeben gehört im WDR-2, in einer Ankündigung zum heutigen Vormittagsprogramm über kommende Veänderungen nach dem Regierungswechsel in NRW:

Werden jetzt die Ampeln nicht mehr rot-grün sondern schwarz-gelb erstrahlen,
wird "dass" wieder mit Eszett geschrieben, und vieles mehr bei uns in der nächsten Stunde...
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 22.06.2005 um 09.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#148


Ich muß doch um eine ordentliche Zeichensetzung bitten:

Werden jetzt die Ampeln nicht mehr rot-grün, sondern schwarz-gelb erstrahlen?
Wird "dass" wieder mit Eszett geschrieben? Und vieles mehr bei uns in der nächsten Stunde ...

Ich hatte einen Aussagesatz gesehen und mir schon Hoffnungen gemacht!
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 22.06.2005 um 10.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#149


Ich muß doch um eine ordentliche Zeichensetzung bitten:

Werden jetzt die Ampeln nicht mehr rot-grün, sondern schwarz-gelb erstrahlen?
Wird "dass" wieder mit Eszett geschrieben? Und vieles mehr bei uns in der nächsten Stunde ...

Ich hatte einen Aussagesatz gesehen und mir schon Hoffnungen gemacht!


Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Danke für die Korrektur. Wirklich nachlässig von mir. So war es als Konditionalsatz zu lesen: "Sind die Ampeln erst mal wieder auf schwarz-gelb gestellt, wird 'dass' wieder mit Eszett geschrieben."
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2005 um 07.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#154


Und ich hatte vergessen, ein ;-) darunter zu setzen.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2005 um 14.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#167


Wenn sich etwas um eine „Schlüssel-Technologie“ handelt – was bedeutet das, und was ist damit gemeint?
nach oben

Verschoben
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2005 um 20.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#168


Gemeint ist eine für die weitere wirtschaftliche Entwicklung als besonders wichtig angesehene Technologie. Verwendung meist im Plural: »Raumfahrt ist nicht nur der Motor für strategische Schlüsseltechnologien; sie kann auch ganz konkret Impulse für die Wirtschaft geben.« (Die Welt, 17. 1. 2005)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2005 um 22.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#169


Auch ich hatte wohl vergessen, ein ;-) unter meine Frage zu setzen...

(Was eine Schlüsseltechnologie ist, weiß ich wohl, arbeite ich doch gerade selber an einem Projekt mit, bei dem es um eine solche geht, und kam deshalb auf dieses Wort. Ich meinte hier speziell die Schreibweise Schlüssel-Technologie, die in dem Projektantrag vorkam und über die ich schmunzelte, weil das Projekt gar nichts mit Schlüsseln zu tun hat – sondern mit Solarzellen.)
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2005 um 10.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#292


Sprachwand, am letzten Wochenende in Heidelberg gefunden:

http://normalfilter.de/Bilder/messer.jpg

Behördliche 3-S-Vermeidung. Frage an die Heidelberger unter uns:
Stammt dies aus Zeiten vor der Sprachwände?
nach oben

Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2005 um 12.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#305


"Das Trauma der verlorenen Landtagswahl ist endgültig über wunden."

Nordwest-Zeitung, 10. Oktober 2005
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 11.10.2005 um 18.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#307


Irgendwo zwischen Jena und Weimar stößt man auf dieses Schild:

http://www.ifto.uni-jena.de/~jmartin/imbisstube.jpg
nach oben

Calva
Bochum

Dieser Beitrag wurde am 22.10.2005 um 16.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#324


Ausschnitt aus

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID4878874_NAV_REF1,00.html


"Bisky selbst hat nach seiner Wahlniederlage befriedigt fest gestellt, dass erst die Ausgrenzung der Linken ihn und seine Genossen zur Fraktion gemacht hat.
..
Das ist viel wert, schaut man auf die bunte linke Truppe, denen viele kaum zutrauen, wirkungsvoll zusammen zu arbeiten."
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.10.2005 um 20.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#333


In der Juni-Ausgabe von "mobil – Das Magazin der Bahn" erschien ein Interview mit der Playmobil-Chefin Andrea Schauer. Darin findet man folgendes (Hervorhebung von mir):

Was waren die ersten Figuren, die vor 30 Jahren die Kinderzimmer eroberten?
Indianer, Rittter und Bauarbeiter. [...]


(mobil erscheint übrigens bei der G+J Corporate Media GmbH, Tochterunternehmen der Verlagsgruppe Gruner+Jahr AG & Co KG.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.11.2005 um 20.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#338


Softe Birnen

Aus einem Katalog des Textilversenders Peter Hahn:

hoch verzwirnte Garne - hochgedrehte Garne - trendiger Mix - Drücker (neu für Druckknopf) - gepflegte Used-Optik - Enzym-washed - softige Garne - maskuliner Style - allover eingefasst - softweicher Feincord (das mußte ja mal passieren!)
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 03.11.2005 um 23.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#339


Ein trendiger Mix - das kann schon mal sprachlich abfärben. Softweicher Feincord mit Drücker macht mich an, jedenfalls mehr als etwas Hardhartes oder Roughraues.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2005 um 11.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#343


Die Werbung erkennt den abschreckenden Wert der „Rechtschreibreform“:
Kieler Nachrichten v. 3.11.05, Seite 7, Anzeige in DIN-A4-Größe – das bekannte Bild: zwei Schülerinnen vor einer grünen Wandtafel, darauf in Weißdruck:


Sie sind auch der Meinung, dass sich etwas ändern muss, aber Sie haben keine Lust mehr zu Reformen, zu denen Sie nie gefragt wurden und von denen Sie glauben, dass sie Ihnen nichts bringen? Suchen Sie sich doch einen Bereich aus Ihrem Leben und starten Sie Ihre eigenen Reformen. Fangen Sie gleich damit an, indem Sie mit uns zusammen überprüfen, ob Ihre Geldanlage noch die richtige Balance zwischen Gewinnchancen und Risiken hat. Und wir schlagen Ihnen dann Ihre persönliche Vermögens-Reform vor, beispielsweise mit einem von unabhängigen Instituten ausgezeichneten Anlagekonzept.

[darunter drei Plaketten „Testsieger: Fonds-Vermögensverwaltung HypoVereinsbank …]

Schluss mit halbgaren Reformen!

[handschriftlich mit Tafelkreide:]

alt ................... neu
Tolpatsch ........ Tollpatsch
notleidende ...... Not leidende
Stengel ........... Stängel
.... Ku .............. Kuss
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2005 um 09.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#350


Das dem 'rauh' geklaute 'h' findet sich bei Spiegel-Online hier wieder:

Die "Priorität" seiner Regierung sei die "Wiederherstellung der Sicherheit und der öffentlichen Ordnung" in den Vorstädten, sagte Chirac nach der Sitzung. "Jene, die Gewalt oder Angst sähen wollen, werden gefasst, verurteilt und bestraft", kündigte der Staatschef an, der zuvor kritisiert worden war, weil er sich trotz anhaltender Unruhen nur einmal zu dem Thema geäußert hatte.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,383593,00.html
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 07.11.2005 um 14.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#351


»die formen des deutschen wortes zeigen starkes schwanken: das j hat sich theils als spirans erhalten, gewöhnlich in der schreibung g, theils mit dem vorausgehenden vocal zum diphthong ai, ei verbunden, und dies ist in heutigen mundarten die häufigste form; daneben kommt ausfall vor und übergang in andere spiranten, nämlich w (vgl. ags. sâwan) und h. alles dieses schon im ahd. [. . .] mhd. begegnen sæjen, sægen, sêgen, sâgen, saigen, seigen, saien, seien, sæn, sæwen, seuwen, sæhen, md. noch sêen, sêwen, sêhen« (Grimm).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.11.2005 um 14.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#353


Wußten Sie schon...

...daß in München das Cuvillis-Theater wiedereröffnet wird?
(NWZ/dpa)

...daß Goethe nicht reimen konnte?

"Getretener Quark
wird breit,
nicht hart."
(NWZ-Spruch des Tages)
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 09.11.2005 um 14.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#354


SPIEGEL-Eier

SPIEGEL Online als Held der reformierten Rechtschreibung, gefunden in "HITLER-ATTENTÄTER ELSER; Dreizehn Minuten, die der Weltgeschichte fehlen" (09.11.05)

Naheliegend: Ende der zwanziger Jahre war Elser auf Zureden eines Freundes dem Rotfrontkämpferbund beigetreten, einer den Kommunisten nahe stehenden, militant ausgerichteten Organisation.

Nutzbringend (immerhin besser als "zu Nutze"): Die Olympischen Spiele in Berlin machten sich die Nazis geschickt zu nutze.

Scharf gestellt, nicht gelegt: Als Elser den Zünder scharf stellte, waren von den 28 europäischen Staaten nur noch 11 demokratisch verfasst.

Darf nicht fehlen: Diese Ignoranz von links und rechts war wohl das größte Unrecht, dass man Elser post mortem angetan hat.
nach oben

Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2005 um 13.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#359


In der Nordwest-Zeitung fand ich heute den Wi-schmopp.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2005 um 16.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#360


Unterschrift eines Beitragenden in der Newsgroup de.sci.electronics:

--
Es gibt keine Neue Rechtschreibung. Es gibt eine Rechtschreibung und
eine neue Schreibweise. Ausserdem hätte ich lieber eine
Mathematikreform, dann wäre das Rechnen nicht so schwer.



Dort wären die Elaborate über Lautsprecherimpedanz - es ist die Impedanz, die mit einem Ohm-Wert beziffert wird - angebrachter.
nach oben

Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 17.11.2005 um 08.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#377


Über ein "abschäuliches" Verbrechen berichtet heute die Bildzeitung.
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2005 um 15.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#383


Gefunden im Spiegel-Forum, Beitrag von Herrn Ulrich Dillis:
Rechtschreibakrobatik

Attention Mesdames et Messieurs!

Nach der "Hand-voll-Dressur" nun eine atemberaubende Rechtschreibakrobatik und Getrenntschreibung ohne Netz und doppelten Boden, ein salto mortale orthographiae:

*Trommelwirbel*

http://www.1000fragen.de/projekt/anzeigen/detail.php?did=32
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2005 um 15.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#384


Hübsch, aber nicht neu. Die Regelung von 1901 ließ der Tendenz zur Zusammenschreibung Raum, den die Schreibenden mit guten Gründen immer mehr nutzten. Wer ihn auf Geheiß der Reformer wieder preisgibt, behindert sich selbst – so wie jüngst die »Aktion Mensch« auf ihren Plakaten mit der Frage: »Warum wird Genforschung immer so schlecht gemacht?« http://www.sopos.org/aufsaetze/40bdac62ec352/1.phtml
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.11.2005 um 11.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#387


Schreib wie Du sprichst - Oder: Wo keine Rechtscheibreform hinreicht

LIeferumpfang
Karmara
Kammera
Objecktief
Tragriehmen

(Fundgrube ebay)
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 23.11.2005 um 13.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#399


Die Geburt der Seitigen

Der Jährige und die Fache haben nun eine Tochter geboren: die Seitige. Allerdings ist jetzt schon abzusehen, daß diese kein hohes Alter erreichen wird.

KREISZEITUNG Böblinger Bote, 22.11.05, Nr. 270, S. 6
Pro Sieben Sat 1: Keine Übernahme
(dpa) [...]
Die Axel Springer AG erklärte, die 45-seitige Zwischenmitteilung der Kartellbehörde werde geprüft [...]


Dann noch eine Meisterleistung derselben Zeitung auf S.8
Höchsmögliche Strafe für Moshammers Mörder

Gleich am ersten Prozesstag hatte der Angeklage sich um Kopf und Kragen geredet und jede Chance vertan, wegen Todschlags zu einer milderen Strafe verurteilt zu werden, wie das seine Verteidiger beantragt hatten. Dass er sich vor allem selbst Leid tat...


Klar, deswegen die höchsmögliche Strafe.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2005 um 20.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#418


Feridun Zaimoglu, in Kiel lebender Schriftsteller, literarischer Erfinder der „Kanaksprak“ und „eurasischen Kamelficker“, derzeit Stipendiat der Villa Massimo, versucht, es allen recht zu machen:

Mein Gott, fährt Roberta fort, der Ärmste muss an unserer Trennung wirklich gelitten haben, er ist nur noch ein Schatten seiner selbst, er hat mir so Leid getan. Wieso tut dir der Typ leid, fragt Sergej mit tonloser Stimme.
(Serie „Römische Spitzen“, Kieler Nachrichten 26.11.05)
nach oben

Stephan Fleischhauer
Kiel

Dieser Beitrag wurde am 04.12.2005 um 12.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#419


Heute fiel mir ein Werbeplakat ins Auge:

"Unsere Vermögens-Reform greift sofort. HypoVereinsbank"

Im Hintergund ein Foto von Schulkindern, die an die Tafel schreiben:

neu
Tollpatsch
Not leidende
Stängel
K... (verdeckt)
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 04.12.2005 um 13.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#421


siehe unter:
http://sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=80
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 05.12.2005 um 15.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#422


Und wieder vollbringt SPIEGEL Online eine ingenieurtechnische Meisterleistung: Der Tonnen-Hubschrauber wird entwickelt.

05.12.05: Airbus ergattert Zehn-Milliarden-Auftrag in China:

Die Chinesen unterzeichneten gleichzeitig eine Vereinbarung mit dem Hubschrauberhersteller Eurocopter über die gemeinsame Entwicklung eines sechs bis sieben Tonnen-Hubschraubers.
nach oben

Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 09.12.2005 um 18.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#431


"Vieles Lesen ist selbst für die Rechtschreibung von großer Wichtigkeit. Die Orthographie, obwohl auf der Sprachwissenschaft und auf gewissen Regeln beruhend, ist doch zum großen Teile Sache der Gewohnheit und wird weit mehr mechanisch durch das Auge aufgenommen, als durch bestimmte Regeln dem Verstande eingeprägt.

Man braucht deshalb in bezug auf die Rechtschreibung nicht allzu ängstlich zu sein, vieles Lesen ist dafür ein ganz ausgezeichnetes Bildungsmittel. Die äußere Gestalt des Wortes prägt sich dem Gedächtnisse unwillkürlich ein, es haftet, und ebenso unwillkürlich gibt die Hand es dann auch schreibend wieder. Noch immer steht unsere Orthographie in einem Übergangsstadium, und während die eine Hälfte der gebildeten Deutschen Thau auf den Blumen perlen sieht, kennt die andere Hälfte nur Tau.

Es mache sich also über die Rechtschreibung niemand unnötige Sorgen; es gibt da der streitigen Punkte so unendlich viele, daß sich eigentlich über jeden streiten läßt. Man richte sich nur einfach nach dem Schriftgebrauch, der sich durch vieles Lesen einprägt, und überlasse es jedem, ob er thun oder tun, auf allen Vieren kriechen oder auf allen vieren kriechen, den Kürzeren ziehen oder den kürzeren ziehen für orthographisch richtiger halten will.

Wichtiger sind natürlich die sprachlichen Verstöße, die immer den sprachlich Ungebildeten verraten. Kasusverwechslungen, falscher Gebrauch der Präpositionen, Verwechslung von das und daß usw. sind Verstöße, die nicht vorkommen dürfen, wenn sich der Briefschreiber für einen gebildeten Menschen gehalten sehen will. Aber auch dafür tut vieles Lesen wichtige Dienste, und dann die Übung."

Gefunden in "Der gute Ton in allen Lebenslagen", 1919, Verlag von Julius Klinkhardt in Leipzig, herausgegeben von Franz Ebhardt
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2005 um 08.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#434


LESEN DARSTELLEN BEGREIFEN A7
Lese- und Arbeitsbuch
für den Literatur- und Sprachunterricht
Cornelsen 1981
[Titel korrigiert, 16.12.05 Sa]
Am Gymnasium Altenholz im Rahmen der Lernmittelfreiheit fünfmalig ausgegeben, zuerst 1999.
Alte Rechtschreibung; das Buch ist noch im Gebrauch und befindet sich in gutem Zustand.

Auf Seite 224 ein im Faksimile abgedruckter, sehr umständlicher Text von 1718, dazu Verständnisübungen. Am Schluß:

Früher, war die Rechtschreibung sehr uneinheitlich. Noch vor 100 Jahren galten in den deutschen Ländern unterschiedliche Regelungen. Erst dann einigte man sich auf eine einheitliche, amtlich anerkannte Rechtschreibung. Die letzte Rechtschreibkonferenz fand 1901 in Berlin statt. Die Regeln, die man damals festlegte, gelten im wesentlichen noch heute. Sprachwissenschaftler haben auf unsinnige Schwierigkeiten der Regelung von 1901 hingewiesen. Deshalb fordern Fachleute eine Reform der Rechtschreibung.
2 Vergleicht die Rechtschreibregelungen in eurer ersten Fremdsprache mit den entsprechenden Regeln im Deutschen.
3 Nach den vorhergehenden Übungen wird es dir nicht schwerfallen, Gründe für eine Reform der Rechtschreibung zu nennen. Formuliere sie schriftlich.

nach oben

Gabriele Ahrens
Elsfleth

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2005 um 12.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#438


Ein Leben für die Orthographie

Seit acht Jahren kämpft die Oldenburger Schülerin Josephine Ahrens, 16, gegen die Rechtschreibreform. Kürzlich errang sie einen Etappensieg vor Gericht - und fürchtet doch, dass die landesweit verbindliche Entscheidung ausgesessen wird
von Manuela Sies

Heute telefoniert Josephine Ahrens mal nicht mit ihrem Anwalt. Die 16-Jährige sitzt ganz entspannt auf ihrem Bett und zeigt ihre Fotosammlung von der Band Die Ärzte. Josephine ist ein eingefleischter Fan. Ihre Regale sind gefüllt mit Büchern und DVDs. Und ein Blick zeigt: Josephine mag Gruselgeschichten.

Wenn sie nicht gerade Musik höre, treffe sie sich mit Freunden oder spiele Theater, erzählt sie. Oder sie telefoniere mit ihrem Anwalt. Denn er hilft ihr, dass sie Zucker mit zwei K trennen darf. Nicht Zu-cker, sondern Zuk-ker - das brachte vor etlichen Jahren Josephines Kampf gegen die Rechtschreibreform in's Rollen. Damals war sie in der dritten Klasse und bekam wegen des "Zuk-kers" eine schlechtere Note in einem Diktat. Seitdem hat sie zusammen mit ihren Eltern diverse Klagen vor Gericht angestrengt. Ihr Ziel: Sie will die Reformvorhaben kippen und weiter die alte Rechtschreibung benutzen.

Vertreten wird sie dabei vor Gericht von Rolf Gröschner, Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Jena. Gröschner hat auch 1998 die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Reform geführt. Der Ansatz damals: Eine Reform könne nicht ohne parlamentarische Zustimmung durchgesetzt werden, sonst sei sie verfassungswidrig. Die Richter sahen das anders und erlaubten die Einführung durch die Kultusminister. Ihre Begründung: "Die Grundrechte von Eltern und Schülern werden nicht verletzt."

Der Klagegrund im Fall Josephine aber sei ein anderer, erklärt Gröschner. Jetzt kämpften er und seine Mandantin dagegen, dass Schüler für die korrekte Anwendung der alten Schreibweise bestraft werden. Vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wollen sie durchsetzen, dass in der Schule alte und neue Rechtschreibung gelten. "Wenn ein gebildeter Schüler sich ,numerieren' noch aus dem Lateinischen ableiten kann und das Wort deshalb mit einem ,m' schreibt, sollte er dafür nicht bestraft werden", sagt der Professor.

Zumindest teilweise hatte die Klage von Josephine Ahrens Ende September Erfolg: Die Lüneburger Richter bescheinigten ihr, dass in ihren Schularbeiten die "herkömmliche Rechtschreibung" weder beanstandet noch als falsch gewertet werden dürfe. Außerdem habe sie Anspruch darauf, "in der Rechtschreibung unterrichtet zu werden, die in der Gesellschaft allgemein praktiziert wird". Das treffe auf die Reform aber nicht zu. Entscheidend dabei: Das Urteil gilt erstmal nur für Josephine, die verbindliche Entscheidung, das Urteil für ganz Niedersachsen auszusprechen, steht noch aus. Ferner verzichteten die Richter darauf, eine einstweilige Anordnung an das Kultusministerium zur sofortigen Durchsetzung von Josephines Interessen zu erteilen.

Das Kultusministerium müsse also gar nichts unternehmen, sagt dementsprechend Ministeriumssprecher Georg Wessling. Man will warten, bis das Gericht die Hauptsache verhandelt. Bei der geht es dann nicht mehr nur um Josephine, sondern um eine verbindliche Regelung für ganz Niedersachsen.

Für Josephine "zieht sich das Ministerium aus der Affäre". Sie wirkt nicht etwa eingeschüchtert angesichts der Reaktion, sondern verärgert: "Das machen die doch immer so. Die wollen doch nur Gras über die Sache wachsen lassen." Auch, dass kein Urteil für ganz Niedersachsen ausgesprochen wurde, macht Josephine misstrauisch: Die Richter wollen ihrer Meinung nach das heiße Eisen Rechtschreibung nicht anfassen. Bis sich das Gericht erneut mit der Rechtschreibreform befasst, könnten Jahre vergehen. Es ist wahrscheinlich, dass es kein Urteil geben wird, bevor Josephine ihren Schulabschluss hat. Ihre Klage würde hinfällig, wenn sie keine Schülerin mehr ist, weil dann der Klagegrund entfallen wäre. Anwalt Rolf Gröschner hingegen bleibt optimistisch: "Ich werde die Richter zu einer Entscheidung für die alte Schreibung bewegen." Mit Hilfe von öffentlichem Druck will er einen frühen Termin erzwingen.

"Manchmal habe ich schon keine Lust mehr, mich mit dem Thema zu beschäftigen", sagt die 16-Jährige und streichelt ihre Katze. "Aber dann denke ich an alle, die später diesen Unsinn lernen müssen." Dabei hatte sogar Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die verbindliche Einführung der Reform zum 1. August 2005 abgelehnt, lenkte aber schlussendlich doch ein. Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen widersetzen sich nach wie vor. Dort gelten noch die Übergangsregelungen. Für Gerhard Augst, Professor an der Universität Siegen und Befürworter der Reform, ist die neue Rechtschreibung nicht zu stoppen: "Orthografie unterliegt dem historischen Wandel. Es ist möglich, den ein bisschen zu bremsen. Mehr aber nicht."

"Richtiges muss richtig bleiben", setzt Rolf Gröschner dagegen und spricht seiner Mandantin damit aus dem Herzen. Josephine denkt nicht ans Aufgeben. Die zierliche Jugendliche hat eine gewisse Routine entwickelt, wenn sie über die "Materie" spricht. Wie eine Erwachsene bezeichnet sie die Nachbesserungen des Rates für deutsche Rechtschreibung an der Reform als "Kuhhandel". Der Vorsitzende des Rates, Hans Zehetmair (CSU), sieht hingegen den "Feinschliff" auf dem besten Weg. Es seien nur noch kleine Änderungen zu machen. Bis zum Schuljahr 2006/2007 werde der Rat die letzten strittigen Regelungen beseitigt haben, sagte Zehetmair zur verbindlichen Einführung der neuen Schreibung am 1. August.

Josephine folgt einem Motto ihrer Lieblingsband: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist nur deine Schuld, dass sie so bleibt", singen die Ärzte auf einer ihrer Platten. Vielleicht ist das der Grund, warum die Bilder von den drei Punkrockern fast jeden Zentimeter Wand über ihrem Bett bedecken. Josephine legt ihr Fotoalbum weg. Sie betont, der Kampf gegen die Reform habe nichts mit ihrem Privatleben zu tun. "Das gehört nicht zu meinem persönlichen Ich. Es hängt nur mit der Schule zusammen."

Eine Freundin bestätigt das: Josephine betrachte das Thema sehr sachlich. "Dann spricht sie ganz anders als sonst", sagt die 18-Jährige. Sie ziehe nicht ständig vor Gericht wegen der Aufmerksamkeit der Medien oder weil ihre Eltern damit angefangen hätten. "Sie macht das, weil es sie stört, und sie würde sich nie beeinflussen lassen."

Auch wenn ihre Klage nicht durchkommt, will Josephine weiter kämpfen und Jugendliche über die Rechtschreibreform informieren. Etwa in Artikeln in Jugendzeitschriften. "Das Thema ist eine Sache unter Erwachsenen und das ist falsch", findet sie. Und was, wenn ihr künftiger Arbeitgeber lieber "Stängel" statt "Stengel" liest? Josephine überlegt kurz, schürzt die Lippen: "Den versuche ich dann zu überzeugen." Und außerdem wolle sie ja sowieso zum Film. Da sei es nicht so wichtig, wie man schreibe.

taz Nord Nr. 7845 vom 14.12.2005, Seite 27, 210 TAZ-Bericht Manuela Sies
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2005 um 23.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#442


Soweit ist es gekommen: Augst ist nur noch "Befürworter" der Reform. Und was er und seine Kumpel angerichtet haben, verbucht er unter "historischem Wandel" der Orthographie. Historisch einzigartig war wohl nur der bis heute unbegreifliche Vorgang, daß die Kultusminister einem so dilettantischen Produkt die Würde und Macht eines Gesetzeswerkes verkiehen haben. - Aber gemach: Auch die reformierte Schreibung selbst wird bald einmal nur noch historisch sein.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 17.12.2005 um 14.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#443


Ibn Sab'ins Anworten auf Friedrichs des II. „Sizilianische Fragen“ (Herder), gestern in der FAZ besprochen, habe ich mir wegen des arabischen Textes kommen lassen:
Als Geburtsort Ibn Sab'ins wird Ricote (arab. Raquta) in der Nähe Murcias genannt, das zu dem Gebiet der so genannten „andalusischen Levante" (arab. Šarq al-Andalus) gehört… Abu Talib ibn Sab'In soll vom Herrscher Murcias, Abu 'Abdallah ibn Hud, nach Rom geschickt worden sein, um beim Papst gegen den Friedensbruch durch einen christlichen König zu protestieren. Am Papsthof soll er sogleich als Bruder des wohl bekannten Gelehrten identifiziert worden sein - „unter den Muslimen wusste niemand mehr über Gott als er".(S.10)

Da lob’ ich mir Robert Gernhardt „Was deine Katze wirklich denkt“ (Fischer):

SIE MEINT: … Die Seele ißt mit, dann nämlich, wenn ihr das Essen nicht als ein von männlichem Rationalismus dominierten Abfütterungsakt aufoktroyiert wird, sondern frau katz die Möglichkeit läßt, von sich aus zu entscheiden, ob sie sich unter Umständen dazu bereitfinden könnte, noch einen Mundvoll zu sich zu nehmen. (S.21)

Den Mund voll nehmen mögen die Reformschreiber.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2005 um 03.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#451


Das Main-Netz Aschaffenburg bittet zu einem schwierigen Diktat – mit Auflösung in herkömmlicher und reformierter Rechtschreibung inklusive Zeichensetzung. Beim Lehrerfreund gibt's ob des schlechten Abschneidens meist lange Gesichter bei den Probanden.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2005 um 11.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#452


FAZ.NET (24. Dez. 05)
"Urheberabgabe auf PC ist Rechtens
Die Erhebung einer pauschalen Urheberrechtsabgabe auf Personalcomputer ist Rechtens. Das hat das Oberlandesgericht München bestätigt. ..."
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.12.2005 um 12.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#453


Der Verfasser des Aschaffenburger Diktats ist hier wohlbekannt.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2005 um 18.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#461


Arzt, hilf dir selber!

Ein sogenanntes "Lernstudio" in unserem Städtchen, also eine von den vielen Nachhilfefirmen, deren Geschäfte heutzutage so gut laufen, schreibt auf einem Werbeplakat bzw. auf seiner Homepage folgendes:

...mehr Spaß am lernen...
...um besser Noten zu schreiben zu können... (es geht aber nicht um Musik)

...Kindern- und Jugendlichen...
...in allen Schul- und Lernrelevanten Bereichen...
...setzen Sie sich bitte zu einem Vorstellungsgepräch, mit uns in Verbindung...
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2005 um 21.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#462


Aus dem in der Welt abgedruckten Lamento eines Zahnarztes:

»Wer Mittelmaß ablieferte, wenig erreichen wollte wurde belohnt. Man war als Zahnarzt gar nicht in der Lage Qualität abzuliefern ohne wirtschaftliche Einschränkungen machen zu müssen. (...) Es ist auch die Neidkultur und die Ansicht das Leistung nichts mehr zählt, die mich auswandern hat lassen. (...) "Dabei kannst du das doch am besten", sagt ich und sie meinte nur daß sie sich langweile.«
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 25.01.2006 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#491


Gerade habe ich im Radio gehört, daß das "Unwort des Jahres" für 2005 "Entlassungsproduktivität" lautet. - Das scheint mir diesmal besonders harmlos und wenig brisant - mal abgesehen von dem moralisierenden Dilettantismus der ganzen Veranstaltung überhaupt - , denn unter Tausend weiß vielleicht einer, was der Fachausdruck Produktivität bedeutet.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 07.02.2006 um 21.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#505


"Ich halte mich nicht daran, ich schreibe nach der alten Rechtschreibung", strafte soeben eine der beiden jungen, hübschen Quizkandidatinnen den Moderator Jörg Pilawa ab, der bei der Antwort "Eisschnelllauf" einen kleinen Abstecher ins orthographische Abseits wagte und über die drei 'l' nach "neuer Rechtschreibung" belehren wollte.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 14.02.2006 um 16.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#518


Sammelt jemand "dass"-Fehler? Hier wieder einer aus Spiegel-Online:

"Das schnelle Verschwinden der Gletscher, dass auch in den Alpen und in anderen Hochgebirgen weltweit beobachtet wird, führen die meisten Wissenschaftler auf den Klimawandel zurück."...

Gefunden heute in
http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,400815,00.html
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.02.2006 um 13.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#523


???

Programmankündigung zum "Presseclub" der ARD von heute:

1. Chaos und Streik wegen 18 Minuten? Machtprobe zwischen Politik und Gewerkstatt. (FAZ)

2. Chaos und Streik wegen 18 Minuten? Machtprobe zwischen Politik und Gewerkschaft. (Lokalzeitung)

3. Chaos und Streik wegen 18 Minuten? Machtprobe zwischen Politik und Gesellschaft. (Titelzeile des Senders)
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 18.03.2006 um 21.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#562


Eine Luftfahrtgesellschaft verkündet im Untergeschoß des Münchner Hauptbahnhofs:

Wir lieben Fliegen!

Kann ich als Bewohner eines Austraghäuserls im bayerischen Oberland, umgeben von Kuhställen und Odelgrub'n, nicht von mir behaupten.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 21.03.2006 um 12.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#564


Sehr geehrter Herr Lachenmann,

es handelt sich dabei wohl, wie ich gestern erfuhr, um die Charterfluggesellschaft CONDOR, die auch in Werbespots bewußt mit der Zweideutigkeit von fliegen und Fliegen wirbt. Es kommt wohl vom englischen Slogan "I love flying". Da hat mal wieder jemand zu direkt ins Deutsche übersetzt obwohl es keinen Sinn "macht".

Ich finde, es ist geschmacklos.

Michael Schuchardt
schu_m@gmx.de
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.03.2006 um 16.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#565


Geschmacklos: ja. Sogar pervers. Aber eben nicht falsch, was die Struktur der deutschen Sprache angeht. Und bei der Werbung kommt's vor allem darauf an, ins Gerede der Leute zu kommen. Insofern trägt auch diese kleine Diskussion hier zur Werbung für Condor bei. — Lieber Herr Schuchardt, Sie arbeiten doch nicht etwa für Condor oder deren Werbefirma, oder? — Ich selbst erkläre hiermit, daß ich nicht für Condor oder deren Werbefirma arbeite. (Aber was muß man mir hier schon glauben?)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.03.2006 um 17.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#566


Beruferaten

Bruno Ganz wird 65. Wissen Sie, welchen Beruf Bruno Ganz ausübt? Schauspieler, Mime, Charakterdarsteller, Film- und Fernsehschaffender? Alles falsch. Bruno Ganz ist ein - "Film- und Fernsehgrübler".
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 24.03.2006 um 21.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#571


Die Wüstenheuschrecke Schistocerca peregrina kann sich Gerüche merken. Am Besten ist ihr Gedächtnis für Düfte, die ihr in Hungerphasen gezeigt haben, wo sie etwas zu Fressen findet.
SZ vom 22.3.06 - S. 18 - WISSEN

Dass es diese destruktive Möglichkeit gab,
hatte Thomas Mann bereits 1926 di-
agnostiziert.

SZ vom 22.3.06 - S. 13 - FEUILLETON

Der Fremdwörter-Duden erkärt:

di: Vorsilbe mit der Bedeutung „zwei“ (= Verdoppelung des im folgenden Genannten)

agnostizieren: kein Eintrag, müßte mit Agnostizismus zu tun haben, also mit der Lehre von der Nichterkennbarkeit übersinnlichen Seins.
dafür: agnoszieren = die Identität eines Toten feststellen (österr.)

Was also hat Thomas Mann bereits 1926 zweimal getan?
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 25.03.2006 um 14.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#572


Friedliche Koexistenz

Der Film heißt „Das Leben der Anderen“.

Das Buch zum Film heißt: „Das Leben der anderen“.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 28.03.2006 um 19.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#576


Wagner reformiert: Bisher wurde wonnig ein giftiger Trank genossen, jetzt soll der Wonne geschlürft werden, ehe man sich in der Deutung des Verses verheddert. Aus (des Trankes, den ich gebraut, der mir geflossen,) "den wonneschlürfend je ich genossen" wurde nämlich "den Wonne schlürfend je ich genossen", dafür blieb uns "Merlots Genoß" erhalten, den ich als "Genoss" ich besser hätte lesen können. (Tristan und Isolde, Chemnitz)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2006 um 07.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#583


Erfinderglück

Der Hersteller der "Schwalbe" - Fahrradreifen wirbt für eines seiner Produkte mit dem Slogan "unplattbar". Da dies aber kein deutsches Wort ist, konnte er es sich warenzeichenrechtlich schützen lassen. Das hätte Herr Augst mit seinen sich schnäuzenden Stängeln und behänden Gämsen auch tun sollen. Dann stünden ihm zusätzlich zu seiner Pension schöne Nebenerwerbsquellen offen, z.B. in Gestalt von Lizenzgebühren seitens der Wörterbuchverlage.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2006 um 13.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#584


Rauchen gefährdet Ihre Rechtschreibung!

Auf einer Zigarrenschachtel der holländischen Marke Oud Kampen lesen wir:

"Eine gute Zigarre schmeckt am Besten, wenn..."

"So raucht der Genießer sie am liebsten..."

Ist das nun der vielgerühmte Kompromiß, den uns der Reschtschreibrat beschert hat?
Oder sollte man so fragen: Wenn nicht einmal Ausländer richtig deutsch schreiben können, wie sollen es dann die Deutschen selbst hinkriegen?

(Vielleicht geht´s aber auch aufs Konto des Importeurs, dann wäre alles im Lot.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2006 um 09.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#597


Nur nicht drängeln, es kommen alle dran

Bei gmx lesen wir heute: "Moussaoui kommt für die Todesstrafe in Frage". - Bei den vielen Bewerbern hat er also eine echte Chance.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2006 um 12.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#598


Aus der Möbelbranche

Claudia Roth, eine zuverlässige Lieferantin sprachlicher Dessins, hat laut FAZ von heute gesagt, Schröder solle seinen Aufsichtsratchefsessel niederlegen.
nach oben

Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 04.04.2006 um 15.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#601


Nur, weil es noch ein klein wenig hübscher aussieht: Die einmütige Forderung des Grünen-Parteirats an Schröder sei gewesen, den »Aufsichtsratschefsessel niederzulegen« ... das da herauslesbare Schefsessel wäre doch auch orthographisch eine gewisse Bereicherung.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.04.2006 um 17.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#603


Schreibwirklichkeit

Aus ebay-Anzeigen.

"Weisst keine Fehler auf"...(sehr häufig) - "Eigenschafft" (doppel-f nach kurzem a) - "Kammera" (so sprechen es eben viele aus)

"Reissverschluss", aber "reisfestes Material" (klar, es geht ja um eine Reisetasche...)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2006 um 09.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#605


Jetzt liest man wieder, daß an der Elbe eine "neue Jahrhundertflut" droht. Das Jahrhundert ist ja noch jung, da bleibt noch Zeit für viele Jahrhundertfluten.- Es ist ähnlich wie bei der endgültigen Regelung der Rechtschreibung oder den Abschiedsvorstellungen der Don-Kosaken.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2006 um 17.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#606


Zu "neue Jahrhundertflut": Man kann eigentlich nichts dagegen sagen; es wird zum Zeitpunkt des Berichtens schon richtig berichtet. Bei der "endgültigen Regelung der Rechtschreibung" ist das aber nicht der Fall; da steht ja sogar kultusministerlich verordnet schon fest, daß man weiter beobachten soll, — was immer das bedeuten soll; denn was genaue Beobachtung hierzu jetzt schon feststellt, durfte ja kultusministerlich verordnet jetzt schon vom kultusministerlich hierzu verordneten Rat nicht oder auf gar keinen Fall ganz in Betracht gezogen werden. — Gut ist übrigens auch, daß es keine "neue Jahrhundert Flut" ist, die bei den gegenwärtigen Überschwemmungen (*Überschwämmungen? [schwimmen, schwamm, ist/hat geschwommen; der Schwamm, (e)s, Schwämme!]) auf uns zukommt. Diese Möglichkeit der Auseinanderschreibung hatten doch auch einige für uns schon vorher- und vorgesehen, auch in der durch Dieters Stuß englisch beeinflußten "Zeit"-Schreibung aus Hamburg, doch *the most English city in Germany*, nicht wahr?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2006 um 18.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#607


Ich verstehe unter einem Jahrhundertereignis eines, das in 100 Jahren oder einem Jahrhundert nur einmal vorkommt bzw. vorgekommen ist. Aber welcher Journalist will schon so lange warten, bis er die griffige Formel anwenden kann? Es kommt eben darauf an, wann man zu zählen beginnt, und ob vor- oder rückwärts.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.04.2006 um 15.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#615


Heute in unserem Gratisanzeiger: "Tatsächlich lassen jedes jahr tausende Absolventen von britischen Universitäten oder auch von militärischen Kursen in Lap Dance Clubs mal alle Fünfe gerade sein." - Paßt irgendwie.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.04.2006 um 15.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#619


Bei ebay schreibt ein Niederländer, das von ihm angebotene Gerät sei "betraubar". Ich finde das netter als alle Erfindungen des Westerwälder Gämsschnäuzers zusammen.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 20.04.2006 um 14.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#623


Wer vorgestern die Süddeutsche Zeitung gelesen hat, weiß: Das Kreuzfahrtschiff Freedom of the Seas ist größer ist als die Queen Mary 2! Und er weiß auch, warum:

„Mit 339 Metern Länge ist sie zwar sechs Meter kürzer als die Queen Mary 2, aber 15 Meter breiter.“
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.04.2006 um 18.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#624


Das ist so ähnlich wie bei dem alten Witz über Halbschlaue. Frage: Jemand kauft eine Ware für 6,10 und verkauft sie für 5,95. Macht er Gewinn oder Verlust? Antwort: Bei den Euro verliert er, aber bei den Cent gewinnt er enorm.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.04.2006 um 21.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#628


Laut einer Anzeige der Versandbuchhandlung Taubert ist "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind ein Roman und überdies ein Jugendklassiker des 20. Jahrhunderts.
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 27.04.2006 um 06.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#634


Bei der Suche nach Pallästhesie fragt Google:
Meinten Sie: palästina
Pallästhesie bedeutet übrigens Vibrationsempfinden.

nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.04.2006 um 10.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#642


Vom Tage

Tafel am Bahnhofsrestaurant: "Gemütliches Frühstück zu jeder Zeit."

Auf der Rückfahrt wieder einmal über das Verkehrszeichen Nr. ? mit dem abgebildeten Traktor und dem Text "dürfen überholt werden" nachgedacht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.05.2006 um 10.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#669


Heute gab´s wieder einen schönen DUDEN-Newsletter. Nur Saint-Exupéry konnten sie nicht schreiben. Man sollte die Sprachberatung anrufen. Aber für 1,86 setze ich den Akzent lieber selber.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 07.05.2006 um 00.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#670


Ist so etwas nur in der FAZ-Netz-Ausgabe (6. Mai 2006), oder erscheint das auch in der Papierausgabe (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)?
Adjektivendungen: "Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, vermißt eine eindeutige Reaktion deutschen Spitzenpolitiker auf das zunehmend selbstbewußte öffentlichen Auftreten ehemaliger Stasi-Offiziere."
Kommasetzung: "'Wer behauptet, das könne keine Ursache für eine rechtsextreme Gesinnung sein, hat keine Ahnung davon, was Diktaturen in Köpfen anrichten oder ist zynisch, wie etwa Gregor Gysi, der meint, mit einer solchen Feststellung würden die Ostdeutschen beleidigt.'"
"Text: bmm./elo./mwe., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.05.2006, Nr. 18 / Seite 1"
Link hier.
Ich frage nur. Natürlich sind Jounalisten alle unter Zeitdruck. Aber solche Nachlässigkeit verrät, warum von Journalisten letztlich kein Protest gegen ein unsinniges, aber regierungsverordnetes Hineinreden in ihr Handwerkszeug zu erwarten ist. Wenn's der Rechner akzeptiert, hätten sie doch ihre Arbeit getan, und sie sind sicher.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 09.05.2006 um 06.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#671


Deutsch der Deutschen Bahn AG: "Keine Gültigkeit für Niedersachsenticket, Wochenendticket..." (Anzeigetafel für einen IC)
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 11.05.2006 um 21.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#672


Beitrag verfaßt von Horror hominorum am 11.05.2006 um 20:42 Uhr

In Ebay-Auktionstexten wird jetzt immer öfter als Plural von "Band" (Buch) "Bänder" verwendet.
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2006 um 20.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#675


Stellenanzeige einer trendigen urbanen Driving Range ..

… ein besonders krasses Beispiel für „Denglisch“ ….

„Sie sind ein angehender Golf Professional, sind kommunikativ mit guten Kenntnissen der englischen Sprache und verfügen idealerweise über Erfahrungen im Bereich Golf Teaching und Golf equipment. Wir als eine trendige urbane Driving Range mit drei Abschlagsebenen in Mitten Hamburgs bieten Ihnen eine abwechslungsreiche Tätigkeit, welche über Golf Teaching, Schlägerverkauf bis hin zum Shop Management reicht und suchen ab sofort Unterstützung in unserem jungen Team. Sie wären freiberuflich tätig mit einem garantierten Mindesteinkommen zuzüglich Umsatzbeteiligungen. Ihre Bewerbungsunterlagen richten Sie bitte an academy@golflounge.info

Tja, da drängen sich doch sofort diverse Fragen auf, oder? ;-)

- Was ist eigentlich „Mitten“?
- Wieso wurde „Schlägerverkauf“ oder „Abschlagsebenen“ nicht übersetzt?
- Warum ist Teaching groß und equipment klein geschrieben?
- Und was genau bedeutet eigentlich „kommunikativ“?
In meinem neuesten Duden (immerhin von 1986) ist das Wort nicht verzeichnet.
Ist vielleicht „communicative“ gemeint (mitteilsam, gesprächig, aufgeschlossen etc.)?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2006 um 11.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#684


Krumm und schief

Aus dem Mitteilungsblatt der Apothekerkammer Niedersachsen, Ausgabe Mai 2006 (Editorial):
...als Ort, an dem die Bevölkerung...gut beraten werden möchte und dies dort auch geschieht...
...welchen Weg er für den richtigen und auf Dauer Zukunft sichernden hält...

Wir haben es selbst in der Hand (,) ...nicht mehr los zu werden.
(Es fehlen noch viel mehr Kommas)

...Meldungen zu Arzneimittel bezogenen Problemen...


nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.05.2006 um 09.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#691


Es sind die Kleingkeiten, die Farbe ins Leben bringen: Auf der G+J-Seite mit Verhaltensregeln zur Anwendung Reform lesen wir, daß weiterhin "Spaghetti" und "Joghurt" geschrieben werden soll, weil diese Wörter als "Eigennamen" betrachtet würden. Außerdem bleibe z.B. Das Wort Phänomen von de Reformern "unangetastet". Besser kann man deren Tätigkeit eigentlich nicht charakterisieren. - Als ich kürzlich an einem Produkt bei LIDL die Bezeichnung "Karamell" las, dachte ich bei mir: Sieh da, die Clownerien des Hobbyetymologen sind also wirklich angekommen.
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 28.05.2006 um 12.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#696


Beitrag von Kratzbaum vom 16.03.2006

Aus Merian live: Nordhessen mit Kassel

Urlauber, die Segeln, Schwimmen, Faulenzen oder einfach nur...schippern wollen

das nächst gelegene Hallenbad

mit wohl präparierten Langlaufloipen

kann man selbst gebackenen Kuchen essen

die Geheimnis umwobene Urmutter

hinein trauen

die erst beste Gelegenheit

den Affolderner See, dem Ausläufer...

einer der wenigen, dem...

kaum wieder zu erkennen

mitten im Wald gelegen, verrät die Speisenkarte... (besonders schön)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 28.05.2006 um 20.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#699


Der folgende, gegen Ende etwas verhackstückte Satz findet sich hier (ein Bericht über das Bundestreffen der Klinikclowns):

»Niemals gibt es ein vorgefertigtes Programm, niemals werden die Kinder irgendwo versammelt, weil dann die Schwachen nicht mitkämen, die Starken sich langweilten, die Clowns abstumpften – es geht so nicht, Clown sein, heißt dem Einzelnen eine nur ihn gemachte Medizin ins Herz träufeln wollen.«
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 30.05.2006 um 12.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#702


Geniale Rekonstrukteure

Aus SPIEGEL online v. 28.5.06:

Als dumpfer Grunzer und Gewalttäter schlechthin galt lange Zeit der Neandertaler. Aus einer Hand voll Knochen rekonstruierten Forscher im 19. Jahrhundert nicht nur die Gestalt der ausgestorbenen Menschenart, …

Solche Praktiken zeigen keines falls Menschen als Leichen fressende Bestien.

Die Schädel waren so platziert, dass sie allesamt zum Höhlenausgang blickten.

nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.06.2006 um 23.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#713


In einer dpa-Meldung lesen wir, der Verkehr in den Süden werde wegen Schwierigkeiten auf der Gotthard-Route durch den "St.Bernhard-Tunnel" umgeleitet. (Wenigstens haben sie San Bernardino-Tunnel nicht mit Sankt-Bernhardiner-Tunnel übersetzt)
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 05.06.2006 um 18.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#716


FEIERTAG'S ANGEBOTE
So steht es groß und fett im Kopf einer ganzseitigen Anzeige von DELL - ausgerechnet in der FAZ.
Wer ist wohl dieser Herr Feiertag?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 05.06.2006 um 23.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#717


Auch Herr Feiertag hat hier eigentlich nicht mehr anzubieten als Dieter's Stuß mit Bea ihrem Genitiv! Denn gemeint ist hier ja die Familie Feiertag.
http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=48
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.06.2006 um 08.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#719


Neues vom Beck

Wenn Politikern gar nichts mehr einfällt zu den Folgen ihrer Politik, werden sie moralisch. Ein ehemaliger Bundeskanzler forderte von Unternehmern Patriotismus, eine Bundeskanzlerin, deren Name mir entfallen ist, gar Ehrfurcht vor Politikern. Kurt Beck verlangt von Sozialhilfeempfängern mehr Anstand. Außerdem erfahren wir im heutigen WELT-Interview, daß er Kassenpatient ist. Und wer noch nicht wußte, was Sparen eigentlich heißt, erfährt es ebenfalls: Sparen heißt mehr auszugeben ("Die Ausgabensteigerung bleibt hinter der Preissteigerungsrate zurück.") Wo wir immer dachten, es bedeute, weniger auszugeben als einzunehmen und den Überschuß auf die Seite zu legen. Wie man sich irren kann!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.06.2006 um 10.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#727


Täter oder Opfer?

Die Fernuniversität Hagen bittet Studierende (Studenten gibt´s nicht mehr), einer Kommilitonin bei ihrer Abschlußarbeit zur Seite zu stehen, indem sie einen Fragebogen ausfüllen.
"Sie würden ihr sehr weiter helfen..." (habe ich doch noch gar nicht)

Die Dame selbst schreibt von "Kurs bezogener Vernetzung..."

Tja, da kann ich leider nicht weiterhelfen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.06.2006 um 22.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#728


Nach der Reform ist vor der Reform ist nach der Reform ist vor...

In einem Kiosk: Noch zum alten Preis! Jetzt zu greifen!

In einem Sonderpostenmarkt: Es ist verboten, Umtauschware in die Halle mit zunehmen.

So schreiben sie eben.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.06.2006 um 19.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#731


Der Newsletter der DUDEN-Sprachberatung erscheint nach meinem Eindruck in immer kürzeren Abständen. Nach dem schlechten Geschäftsergebnis müssen sie jetzt sparen, und sie sparen z.B. an den Akzenten: Cote d' Ivoire - was mag das sein?
nach oben

Norbert Schäbler
Hösbach

Dieser Beitrag wurde am 16.06.2006 um 23.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#732


Das sind die Elfenbeinler, seit heute, 16.06.06., ausgeschieden aus dem werbewirksamen Konzept, (ebenso wie die von Serbien/Montenegro, Trinidad/Tobago und Costa Rica/zweimal mit C).
Mir scheint, daß die Dudenmacher das "troijanische" Pferd nicht richtig verstanden haben.
nach oben

Norbert Schäbler
Hösbach

Dieser Beitrag wurde am 17.06.2006 um 01.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#733


„Duden-Imperialismus“ oder. „Warum die Ivorer nicht auch ‚Elfenbeinler’ heißen dürften“

1. Die von der Elfenbeinküste waren märchenartige (elfenartige) Geschöpfe, die sowohl den Argentiniern wie auch den Niederländern in der sog. Todesgruppe der WM 06 Paroli geboten haben und jeweils nur 1:2 verloren..
2. Die von den Elfenbeinküste sind – so scheint es – Wesen, die dort leben, wo es relativ leicht sein muß, einen Elefanten zu sichten.
3. Die von der Elfenbeinküste sind – ziemlich sicher – Menschen, die gegenüber den einstigen Kolonialherren Verpflichtungen haben. Ihr Taufname heißt: «Cote d`Ivoire » mit accent circonflexe.
4. Die von der Elfenbeinküste sind aber auch Personen, die trotz ihres frühzeitigen Ausscheidens bei der WM 06 positiv auf sich aufmerksam gemacht haben: antikolonial, antiglobal!

Warum also sollte man jene von der Elfenbeinküste nicht darob würdigen und ihnen den Namen geben, den sie sich selbst wünschen, unabhängig vom Duden-Newsletter (16.06.2006)?
Und warum muß eigentlich ein Staat international Ansehen erringen müssen, bevor er sich selbst sein darf?
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 21.06.2006 um 13.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#735



Gerade bei eBay gefunden:
"ich sände nach ende der acktion meine konto daten"...


nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 23.06.2006 um 09.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#737


Die Wolllust mit den drei „l“ -

Wikipedia:

Schellack
Schellack, Tafellack, Plattlack oder Lacca in tabulis ist eine harzige Substanz, die aus Gummilack gewonnen wird..
[…]
Schelllack bietet sich als (ökologischer) Ersatz für erdölhaltige Lacke in der Holzverarbeitung an und ist dementsprechend als Streichlack oder als Politur im Handel erhältlich.

und

UNIVERSITÄT BAYREUTH
Forschungsprojekte

POLYMERE ERSATZMATERIALIEN FÜR SCHELLLACK
Schelllack ist ein Naturprodukt und deshalb großen Qualitätschwankungen unterworfen. Ausserdem ist Schelllack nur begrenzt verfügbar und relativ teuer. In diesem Projekt werden Polymere untersucht, die hinsichtlich Viskosität, Festigkeit und Löslichkeit Schelllack ersetzten können.

PROJEKTLEITUNG (AN DER UNIVERSITÄT BAYREUTH)
Dr. Reiner Giesa
Dr. Christian Erdelen
Prof. H.-W. Schmidt

(Duden 08/04: Schellack)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2006 um 07.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#742


Überschrift in Medical Tribune 3/2006:

Rauchen ist schädlich
Ach, dass wussten Sie bereits! Warum rauchen dann eigentlich so viele?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.07.2006 um 16.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#749


Hemmschwelle

Eine Buchhandlung namens "Gaia" schreibt über ihrer Tür: "Buchhandlung und bewusster Leben"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.07.2006 um 20.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#750


Dat ward nix

Aus unserem Gratisanzeiger:
"...sind uns sicher, das sie weiterhin bestens bedient werden." (eine Reifenfirma bei der Geschäftsübergabe)

Da will sich auch der Redakteur nicht lumpen lassen und ruft der WM-Elf zu:
"Jungs, ihr ward großartig!"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.07.2006 um 08.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#752


Tücken des ß

Ein Niederländer bei ebay: viel spab mit bieten
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 02.07.2006 um 10.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#753


Das Ausweichen auf das (allerdings große) B ist hierzulande ein beliebter optischer Trick. Wer nicht weiß, wie man ein Eszett auf den Bildschirm zaubert, schreibt ss oder sz, benutzt ein kleines Beta oder eben ein großes B. Es gibt aber ohnehin kaum noch Holländer, die deutsche Texte schreiben. Und die meisten von den wenigen, die es tun, sind felsenfest davon überzeugt, daß das Eszett im Deutschen abgeschafft sei. Tja.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.07.2006 um 22.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#755


Das Wort zum Sonntagabend


So werden Rechtschreibreformen immer magerer, bis sie ganz sterben.

(H.H.Munske in "Lob der Rechtschreibung")
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.07.2006 um 13.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#756


Vom "Kostendämpfungsgesetz" (1977) zum "Gesundheitsmodernisierungsgesetz" (heute) - kaum sonst irgendwo läßt sich die zunehmende Verlogenheit der Politik besser studieren als an diesen Umbenennungsspielen. Immer ging und geht es um höhere Belastungen bei verminderten Leistungen. Von Krankheit und Krankheitskosten darf auf keinen Fall die Rede sein. - Mit meiner Gesundheit geht es mir wie mit der Rechtschreibung: ich bin mit der alten ganz zufrieden und brauche keine Modernisierung.
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 03.07.2006 um 18.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#758


Fund in einem schleswig-holsteinischen Regionalblatt:

4:2 im 11-Meter schießen ....
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.07.2006 um 10.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#760


Großer Wurf

Die deutsche Bundeskanzlerin (das ist die, die neulich mehr Ehrfurcht vor Politikern forderte) hat lt. WELT-online zum Ergebnis der Gesundheitsreform gesagt: "Wir werden Verschwendung und Undurchschaubarkeit... verbessern."
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 07.07.2006 um 18.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#765


Mein Patriotismus erstreckt sich auch auf eine normgerechte Rechtschreibung, parbleu! :-)
(Wo ich schon im Fußball eine Niete wäre...)

…die wohl bekannte Frau Dr. Popp, jetzt als Eliza, im Spiegel-Forum.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 10.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#768


Ungeahnte Schwierigkeiten

"Wer sich also von einem lese- und rechtschreibschwachen Tätowierer bearbeiten ließ, kann nicht erwarten, daß die AOK die Grammatikprüfung übernimmt."

(Hans Zippert in der WELT vom 6.7.)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 10.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#769


Deutschland im Griff einer korrupten Elite

Ob in dem Buch auch die Durchsetzung der „Rechtschreibreform“ abgehandelt wird?
(Ankündigungstext in der real existierenden Erleichterungs-Orthographie):

DER DEUTSCHLAND-CLAN
DAS SKRUPELLOSE NETZWERK AUS TOP-MANAGERN, POLITIKERN UND JUSTIZ

Jürgen Roth

Deutschland im Griff einer korrupten Elite

Würde Silvio Berlusconi Nachhilfe in Sachen mafiöser Strukturen brauchen, müsste er nach Deutschland kommen. Da werden Flugreisen von Politikern wie Johannes Rau oder Wolfgang Clement von der WestLB bezahlt, während man Zeugen der Flüge mundtot machen will; ist das Scheffeln von Millionen durch Förderung der Korruption in Konzernen wie Dresdner Bank oder DaimlerChrysler mittlerweile an der Tagesordnung; werden Anleger eines Versicherungskonzerns um Millionen betrogen, und nicht nur ein ehemaliger Verteidigungsminister ist involviert, sondern auch die Justiz schaut nur zu. Bestsellerautor Jürgen Roth zeigt in seinem neuen Buch, wie ein engmaschiges Netzwerk aus hochrangigen Politikern, führenden Konzernchefs und toleranten Justizbehörden die Deutschland AG mit Methoden beherrscht, die eines Rechtsstaats unwürdig sind. Wer wen erpreßt, wer die Drahtzieher anrüchiger Deals sind und warum die Justiz nicht ermittelt - dieses Buch enthüllt anhand bisher unbekannter Dokumente Gaunerkartelle, Korruptionsaffären und Verstrickungen von Ministern, Top-Managern und Staatsanwälten.

Jürgen Roth enthüllt das Dichte und für die Beteiligten äusserst profitable Geflecht von Abhängigkeiten zwischen hochrangigen Politikern, führenden Managern und Justizbeamten.

Weiteres unter

http://www.juergen-roth.com/derdeutschlandclan.html

nach oben

Norbert Schäbler
Hösbach

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 14.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#770


WM-Splitter

Hoch erfreut hat mich die Beschriftung mehrerer Linien der Erfurter Straßenbahn: „Ge(h) Heim Tipp!“ (Meines Wissens geht dieses Wortspiel zurück auf das Plakat eines Fans in der Münchner Allianzarena anläßlich des Achtelfinales am 24.Juni gegen den Geheimfavoriten Schweden.) Die Erfurter Straßenbahn fährt aber heute noch mit diesem tollen Spruch. Was also wollen uns die Thüringer Landeshauptstädter mit dieser Botschaft sagen?

Rätselhafter allerdings war die T-Shirt-Aufschrift von Jürgen Klopp (Trainer des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05) bei seinen Fernsehkommentaren anläßlich der Halbfinalpartie gegen Italien. Auf seinem Hemd stand: „Jetzt Erst Recht!“ (Hintergrund war das Fifa-Urteil gegen Thorsten Frings, was ja sicherlich etwas mit dem Recht zu tun hat.)
Warum aber war das Wort „Erst“ ebenfalls groß geschrieben?

Richtig aufgeregt habe ich mich schließlich über den Dauerwerbeslogan der WM-Organisatoren: „Das Runde muss ins Eckige“. (Vermutlich geht der Spruch auf Alt-Bundestrainer Sepp Herberger zurück und ist neben der Parole „Der Ball hat die beste Kondition“ eine der ältesten Fußballerweisheiten der Welt.)
Man hätte zumindest ordentlich zitieren können: „Der Ball muß ...“
Aber vielleicht wollte man ja nur das neue Deutschland in Wort und Schrift präsentieren.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 17.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#771


Aus der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Um Probleme mit Leseschwächen möglichst frühzeitig zu erkennen, hat ein Forscherteam der Freien Universität Berlin ein mobiles Labor - das Guckomobil - entwickelt, dass auf der Basis neurowissenschaftlicher Ergebnisse Kinder und Jugendliche auf Leseschwächen untersucht.

http://www.bmbf.de/de/4435.php

Wurden eigentlich die auf der Basis der „neurowissenschaftlichen Ergebnisse“ gewonnenen Ergebnisse zur Rechtschreibreform irgendwo seriös veröffentlicht?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 18.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#772


Zu "Wir werden Verschwendung und Undurchschaubarkeit... verbessern." (Bundeskanzlerin, #760): Dabbeljuh hat in den USA einen ähnlichen Versprecher losgelassen. Auch das verbindet also die beiden, nicht nur der bei beiden sehr, sehr knappe Wahlsieg, auf den Bush übrigens bei seiner Begrüßung Merkels in den USA mit durchaus einigem Humor ("we both were elected not exactly by a landslide") hinwies.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 10.07.2006 um 23.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#775


>>In dem neunseitigen Grundsatzpapier unter dem Titel "Faire Chancen, klare Regeln" heißt es einerseits die gelungene Integration von Einwandern sei "millionenfache Realität" in Deutschland. Andererseits aber auch: "Wir verschließen nicht die Augen vor Probleme und Konflikten".<< (http://www.welt.de/data/2006/07/11/953631.html). Steht das wirklich so im zweiten Absatz des Artikels "SPD stellt sich gegen 'multikulturelle Träumereien'" in der *Welt* vom 11. Juli 2006? Ein Komma- und ein Grammatikfehler in zwei Sätzen!

nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 11.07.2006 um 09.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#776


Mehrzweckwaffe

"Die Gesundheitsreform wird rund zehn Jahre tragen."
(Kanzleramtschef Lothar de Maizière in einem Interview mit der WELT)
Dieses "rund" gibt der Antwort den Pfiff. Man sollte es auch in der Diskussion um die Rechtschreibreform recht oft einsetzen.
nach oben

Norbert Schäbler
Hösbach

Dieser Beitrag wurde am 12.07.2006 um 20.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#778


Dann geht "dass" ja ...

„Wir haben uns ein Gerüst aufgebaut, dass auch ohne Jürgen Klinsmann funktioniert.“

(kurze schriftliche Zusammenfassung eines Beitrages des neuen Fußball-Bundestrainers, Joachim Löw, am 12.07.06, 11.53 Uhr, auf ntv)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 12.07.2006 um 23.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#779


Umstellung bei Springer — jetzt schon?
*Die Welt*, Artikel erschienen am Do, 13. Juli 2006
http://www.welt.de/data/2006/07/13/956932.html
Zwar steht in dem Artikel "Typisch Klinsmann":
"Niemand versuchte ihn umzustimmen, weil jeder wußte, daß es zwecklos ist."
Aber eben auch:
"Es hätte immer so weiter gehen können."
Und:
"'[...]', sagte der 41-Jährige."
Und "wiederfinden" schriebe man hier wohl auch besser als ein Wort: "Ich möchte meine eigene Balance wieder finden und erst einmal ein halbes Jahr ausspannen.["] Dann liest sich einfach leichter, was gemeint ist.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 13.07.2006 um 12.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#782


Bei http://ticker.tourard.de (im Live -Ticker) schreibt man "plaziert", klassisch. Potenzial findet man hingegen auch.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.07.2006 um 21.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#784


[Nach faz.net aus F.A.Z., 13.07.2006, Nr. 160 / Seite 40]
Zitat:
"Ähnlich dem Chatten, das ja in Gruppen stattfindet und das in China beliebter ist als der Versand von E-Mails, spiegelt auch das Bloggen eine Kommunikationskultur wider, in der das soziale Moment von Sprechen und Zuhören wichtiger ist als das individualistische Moment von Selbstbestätigung und Widererkennen."
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 16.07.2006 um 01.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#792


Weltliches schon im voraus:

http://www.welt.de/data/2006/07/15/961238.html
Sie wollen die Herkunft und das Ausmaß der Bedrohung nicht wahr haben

Bilderspecial bei
http://www.welt.de/data/2006/07/15/960707.html
Frei nach diesem Motto haben Hunderttausende Raver der Loveparade den Berliner Tiergarten zurück erobert.

http://www.welt.de/data/2006/07/15/961222.html
Sicherheitsrat verlangt Raketenstopp von Nordkorea

Allerdings setzt sich "Der deutsche Radprofi beim dänischen CSC-Team [wenigstens immer noch Gott sei Dank] im Schlußspurt durch." Allerdings fährt dann im "Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrer der Kaarster Markus Fothen vom Team Gerolsteiner in die Alpen" und dem Genitiv-s davon.
http://www.welt.de/data/2006/07/15/960778.html

Dafür wenigstens ein schwacher Genitiv von der dpa direkt zur großen Kultur (Newsticker, 15. Juli 06, 00:24):
Weimar (dpa) - Das Deutsche Nationaltheater Weimar wagt sich nach mehr als 50 Jahren wieder an den gesamten Zyklus "Der Ring des Niebelungen".
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 17.07.2006 um 00.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#793


Bahnales, Allzubahnales

Die Seiten werden regelmäßig aktualisiert, es lohnt sich also, öfters mal vorbei zuschauen!

Und wenn man nun die Verfasser auf ihren Fehler hinwiese? Lieber nicht. Man ahnt, was dabei herauskäme.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 18.07.2006 um 12.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#795


Der Aufruf der Bürgerinitiative SH an die FAZ wurde auch den Medien zugesandt. Von der zdf-Adresse kam gestern die automatische Mitteilung, daß dieser am „17 Jul 2006 11:05:28“ nicht gelesen worden sei.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 20.07.2006 um 10.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#799


Thüringer Allgemeine vom 20. Juli 2006:
"Doch seine Frau blinzelt viel sagend und schiebt ihn unter das blaue Zeltdach."
Soll man dazu noch viel sagen?
nach oben

Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 26.07.2006 um 06.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#810


Harmlos

"Das Umweltschutzamt der Stadt Freiburg hat bereits eine Ozonwarnung herausgegeben und darauf hin gewiesen, dass auf Autofahrten nach Möglichkeit verzichtet werden sollte."

Harmlos, nicht wahr? So steht es heute morgen auf der Internetseite des SWR. Nur nimmt die Auftrennung dem Satz jeden Sinn! Das Amt kann doch nicht auf etwas weisen, das zu unterlassen es gerade empfiehlt. Nur ein kleines Beispiel für einen Fehler, der vor der "Reform" genannten Beschädigung unserer Schriftsprache im Traum niemandem eingefallen wäre.
nach oben

Calva
Bochum

Dieser Beitrag wurde am 31.07.2006 um 15.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#815


Auf bildungsklick.de gibt es aus aktuellem Anlaß mal wieder ein Rechtschreibquiz, bei dem man mit "krass gekräuseltem Krepppapier" und "Rauhaardackeln am Straßenrand" belästigt wird (alle Varianten mit s/ss/ß).
Ganz unten steht "Fenster .. schliessen". Aua.

http://bildungsklick.de/neu/quiz/quiz_1/frage/0
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2006 um 10.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#816


Von der Leine

"Nun ist zusammengewachsen, was zusammen gehört."
(Mitteilungsblatt der Apothekerkammer Niedersachsen - Juli 2006 - Editorial - Überschrift: Geschafft!)
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2006 um 14.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#817


@Calva (Rechtschreibquiz):

Solche dümmlichen Veranstaltungen gibt es jetzt allenthalben zu lesen und hören. So heute auch im Dudelfunk Radio FFH: "Wie schreiben Sie ab heute 100prozentig?" und ähnlicher Unfug. Auch wenn Redakteure unterschwellig gegen die Reform eingestellt zu sein scheinen: Ab morgen geht man dann wieder zur Tagesordnung über und schreibt brav "dass" und "muss" und glaubt so, den reformatorischen Zauber zu beherrschen.
nach oben

Alexander Glück
Hollabrunn

Dieser Beitrag wurde am 03.08.2006 um 11.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#831


Rabat/Madrid (dpa) - Beim Versuch, von der Küste Westafrikas auf die Kanarischen Inseln zu gelangen, sind wenigstens 28 Afrikaner ertrunken.

Hätte man da nicht ein anderes Wort wählen können?
nach oben

Alexander Glück
Hollabrunn

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 10.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#845


Im Internet gefunden: "steht's", wo eigentlich "stets" hingehört hätte.

http://www.terrorverlag.de/

Naja, manches steht, und manches steht stets.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 11.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#846


Nach der Umstellung

"Die Koalition hat vereinbart, selbst genutzte Wohnimmobilien in die Riester-Förderung einzubeziehen:" (Die WELT vom 11.8.06) - Also nicht nur ungenutzte, sondern sogar genutzte. Sie können halt nicht mehr ausdrücken, was sie meinen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 12.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#847


Noch keine "Jährige", aber das doch schon "am Freitag Abend" (FAZ.net, 11. Aug. 2006):
"Am Freitag Abend hat sie ihren großen Auftritt im Finale über 100-Meter-Hürden. Die 31jährige spricht im FAZ-Interview über ..."

Darauf wollte ich zunächst hinweisen, denn ich schreibe hier "abend" immer klein. Aber dann las ich im übrigens sehr interessanten Aufsatz von Armin Rieble: "Freitag abend wurde in allgemeiner Bedeutung, Freitag Abend für einen bestimmten Zeitpunkt verwendet. Die Reformer lösten das Problem einfach durch Zusammenschreibung Freitagabend", und dieser Regelung "für einen bestimmten Zeitpunkt" scheint der FAZ-Artikel hier zu folgen. Ich hatte von dieser Unterscheidung bisher keine Ahnung. Noch wer?
nach oben

Alexander Glück
Hollabrunn

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 12.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#848


An Kratzbaum

"Nach der Reform ist vor der Reform" -- die Abwandlung des alten Herberger-Zitats bleibt gültig.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 12.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#849


Die Differenzierung laut altem Duden war diesen Dienstag abend, aber jeden Dienstagabend Dienstag Abend war immer schon falsch, und die Differenzierung spitzfindigst.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 13.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#850


@ Kratzbaum:
Aber selbstgenutzte Immobilien will die Koalition doch wohl nicht einbeziehen, eher die vom jeweiligen Steuerzahler selbst genutzte (hier wohl besser als selbstgenutzte)?
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 16.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#851


Noch zu Dienstag abend/Dienstagabend:

In „Richtiges und gutes Deutsch“ stellte die Dudenredaktion die Sache etwas anders dar als im Rechtschreibduden. Der Eintrag im Rechtschreibduden (unter dem Stichwort „Abend“) liest sich so, als bezeichne Dienstag abend einen ganz bestimmten Abend: „[am] Dienstag abend (an dem bestimmten, einmaligen)“, während nach „Richtiges und gutes Deutsch“ damit gemeint ist: an einem ganz bestimmten Dienstag, und zwar abends. Für die Getrennt- oder Zusammenschreibung sollte nämlich entscheidend sein, ob der Wochentag der Hauptbegriff ist (dann Getrenntschreibung mit nachgereichter klein geschriebener Tageszeitangabe) oder die Tageszeitangabe (dann Zusammenschreibung mit der Tageszeitangabe als Grundwort). Komplizierend kommt hinzu, daß die Beispiele im Rechtschreibduden-Eintrag unter dem Stichwort „Dienstagabend“ den Schluß nahelegen, daß bei Zusammenschreibung immer nur ein unbestimmter, wiederkehrender Dienstag gemeint sei: „am - hat sie Gesangstunde, am Donnerstagabend hat sie frei; meine Dienstagabende sind schon alle belegt“. Doch nichts spricht dafür, daß Dienstagabend nicht auch den Abend eines ganz bestimmten Dienstags bezeichnen könnte. Und so heißt es denn auch in „Richtiges und gutes Deutsch“: „Dieser feste Zeitbegriff kann beliebig (auf kalendarisch unbestimmte Dienstage bezogen) verwendet […] werden“. Er kann also, muß aber nicht. Daher auch das Beispiel „Am nächsten Dienstagabend gehen wir aus.“ Wer käme schon nach der Lektüre der beiden Einträge im Rechtschreibduden auf die Idee, daß diese Schreibung richtig ist? Und müßte nicht nach der Logik der Erläuterung in „Richtiges und gutes Deutsch“ auch Der letzte Dienstag abend war schön richtig sein? Die alten Duden-Unterscheidungen waren also in dreifacher Hinsicht problematisch: sie waren spitzfindig, ihre Darstellung in den verschiedenen Werken war zumindest mißverständlich, und sie waren nicht schlüssig.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2006 um 20.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#852


Herrn Schultz: Die Formulierung "vom Steuerzahler selbst genutzte Wohnungen" steht nun einmal nicht da und damit auch nicht zur Diskussion. Gemeint sind jedenfalls selbstgenutzte, d.h. vom Eigentümer genutzte Wohnungen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.08.2006 um 11.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#856


Mach dir einen Reim drauf

Heute in der WELT am SONNTAG online:

...dass der Geheimdienst ihm auf den Versen war...
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 13.08.2006 um 23.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#857


Endlich unfehlbar

"Er selbst freue sich einfach, nun 'vollständig wahr genommen zu werden'."

(Papst Benedikt XVI. im Interview, ZDF-Mediathek, www.heute.de, 13.08.2006)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 13.08.2006 um 23.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#858


»Aber da sind immer noch Menschen da draußen, die solche Anschläge ausführen würden.« (dpa, 13. 8. 2006: bei der Agentur da sind Menschen beschäftigt, die there are mit da sind übersetzen)
nach oben

Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 14.08.2006 um 09.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#859


Leer-Stand

"Die Koalition hat vereinbart, selbst genutzte Wohnimmobilien in die Riester-Förderung einzubeziehen:" (Die WELT vom 11.8.06)

Dass es sinnvoll ist, leer stehende Wohnungen in die Riester-Sicherung einzubeziehen, ist selbstverständlich, weil sie ja nicht "verwohnt" werden. Dass die Koalition jetzt vereinbart hat, dies sogar auf genutzte Wohnungen auszudehnen, ist ein großes Entgegenkommen und bliebe unverständlich, wenn man nicht wüsste, dass diese Meldung der WELT unvollständig ist: Genutzte Wohnimmobilien können bei Riester nur dann einbezogen werden, wenn der betreffende Wohnungsnutzer den einschlägigen Qualifikationstest beim Institut für den deutschen Steuerbürger (IDS) in Mannheim bestanden hat. Erst mit diesem Diplom für "Wert erhaltende Wohnraumnutzung" kann gänzlich sicher gestellt werden werden, dass im Falle des Alters noch genug Riester-Wert vorhanden ist.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.08.2006 um 10.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#860


Über Literaturpäpste und Nationalschriftsteller

Ich kan nicht läugnen, mein Mistrauen gegen den Geschmack unserer Zeit ist bey mir vielleicht zu einer tadelnswürdigen Höhe gestiegen. Täglich zu sehen wie Leute zum Nahmen Genie kommen, wie die Keller Esel zum Nahmen Tausendfuß, nicht weil sie so vele Füße haben, sondern weil die meisten nicht bis auf 14 zählen wollen, hat gemacht, daß ich keinem mehr ohne Prüfung glaube.

(G. Chr. Lichtenberg)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.08.2006 um 10.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#861


Goldene Worte

Laut der WELT hat der Papst im ZDF-Interview gesagt, wenn man den Menschen beibringe, wie man Verhütungsmittel anwendet, kämen am Schluß Aids-Epidemien heraus.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 16.08.2006 um 15.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#869


Doch kein Grund zum Traurig sein.

So schreibt der bahn.comfort-Service.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 um 14.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#870


Auf den Hund gekommen

Judith Lembke macht in der FAZ von heute (S.20, Falschspiel mit Pillen) aus dem Holly Martins im "Dritten Mann" einen "Rollo Martins". Außerdem soll das verfälschte Penicillin des H. Lime Mißbildungen bei Kindern hervorgerufen haben, wovon im Film jedenfalls nicht die Rede ist.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 um 17.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#871


(Arbeitsgruppen von Astronomen: Was soll als Planet gelten?)

In diesem Jahr hat eine zweite Gruppe von sieben Astronomen, Autoren und Historikern unter Owen Gingerich von der Harvard University die Aufgabe übernommen. … Der Entwurf der Gruppe ist jetzt veröffentlicht worden und unverzüglich bei vielen Astronomen auf heftige Kritik gestoßen. Er erinnert an die neue deutsche Rechtschreibung, weil er eher von bürokratischen Regelungen als von Praxisnähe zeugt. ... Günter Paul (FAZ v. 17.8.06, S.34)
nach oben

Alexander Glück
Hollabrunn

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 um 18.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#873


An Kratzbaum

Im Film ist auch nicht die Rede von Pillen, und Mißbildungen können überhaupt nur dann entstehen, wenn man etwas vor der Geburt verabreicht, und zwar der Mutter, nicht dem Kind.

Schickt die FAZ ihre Leute nicht mehr ins Kino, wenn sie einen Film besprechen sollen? Sparzwang allerorten...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 um 19.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#874


Herrn Glück: Das ist klar, im Film wird ja eine Kinderklinik besucht. Dort mißgebildete Kinder vorzufinden, ist eher unwahrscheinlich. Es ging mir auch mehr um den "Rollo"...daher der "Hund" (...Effi Briest...).
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2006 um 21.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#875


"'Das Parlament muss jetzt schnell informiert werden', fordert auch der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss. Zudem müsse die Abstimmung im Plenum frei gegeben werden." (<http://www.welt.de/data/2006/08/18/1001333.html?s=2>
Meine ich doch auch. Wie immer es hier genau gemeint sei.
Und für "gebreakt" in
"Insgesamt siebenmal wurde Federer in der 1:38 Stunden langen Partie gebreakt, häufiger als im gesamten Wimbledon-Turnier"
<http://www.welt.de/data/2006/08/17/1000993.html>
muß es doch wohl einen deutschen Ausdruck geben. Aber ich kann hier nicht helfen; ich spiele kein Tennis. Zu begrüßen ist hier jedoch immerhin noch "siebenmal" — statt "sieben Mal", welches reformiert verwirrt eben auch oft Verwendung findet.
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 18.08.2006 um 12.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#877


Der rollende Laden...

Ein schleswig-holsteinisches Regionalblatt berichtet über einen Markisenhändler:

"Markisen, Roll-Läden und Strickwolle" (Schlagzeile)

Weiter heißt es in dem Artikel: "Das Markisentuch aus Acrylfaser ist licht- und farbecht, Schmutz- und Wasser abweisend sowie reiß- und verrottungsfest"


nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 18.08.2006 um 18.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#879


Unglaubliches aus aller Welt
Ausgepeitschte Kiffer und leere Geltautomaten
([*Die Welt*] <http://www.welt.de/data/2006/08/17/1001046.html>)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.08.2006 um 13.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#880


Ein Blick ins Lehrbuch stärkt die Botanik-Kenntnisse

"Die Zwiebel hat viele Häute. Es gibt sie in Mehrzahl. Kaum gehäutet, erneuert sie sich. Gehackt treibt sie Tränen. Erst gehäutet spricht sie wahr." (G. Grass) - Eine Zweibel ist botanisch gesehen ein stark verkürzter ("gestauchter") Sproß. Sie besteht im wesentlichen aus fleischigen, schuppenartigen Niederblättern. Aus abgestorbenen Niederblättern entstehen auch die "Häute", wie wir sie von der Verarbeitung in der Küche kennen. Es ist nicht ganz klar, ob der Dichter nun die Außenhäute oder die fleischigen Schuppen meint, wenn er vom "Häuten" spricht. Bei der Feststellung der "Erneuerung" (?) ist ihm möglicherweise die so andersgeartete Häutung der Schlangen dazwischengeraten.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.08.2006 um 13.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#881


Vollrausch

Von Zeit zu Zeit gönnen sie sich bei der FAZ mal ein wenig Erholung von ihrer sonst sorgsam gepflegten Seriosität. Sie berauschen sich dann sozusagen an ihren eigenen Einfällen. Das war z.B. so beim Ableben des Papstes, als das Blatt einige Tage lang nicht wiederzuerkennen war, oder auch beim Abdrucken des menschlichen Genoms über mehrere Seiten. Nun herrscht die Grassomanie, und so schreibt der geschätzte Hubert Spiegel allen Ernstes, bei der heutigen Extrabeilage handele es sich um "ein Kunstwerk und Sammlerstück, in denkbar hoher Auflage, gleichwohl limitiert." - Zum Glück gibt´s noch die Karikatur von Mohr auf S. 4, die mir viele Seiten kluger Kommentare ersetzt.
nach oben

Norbert Schäbler
Hösbach

Dieser Beitrag wurde am 19.08.2006 um 14.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#882


"Haut"

Dazu Duden, Band 7, Jg. 1963, S.253:
„Die Haut ist als Hülle (des menschlichen Körpers) benannt ... niederl. huid, engl. hide, schwed. hud ...Die Haut spielt in zahlreichen Redensarten und Redewendungen eine Rolle, beachte z.B. `mit Haut und Haaren`, `aus der Haut fahren`, `seine Haut zu Markte tragen` ...“

Am 1. September wird das neue Buch von Grass (Titel: "Beim Häuten der Zwiebel") erscheinen. Erste Eindrücke bietet die FAZ-Sonderbeilage von "Häute" (heute, 19.08.06). Mir scheint, daß die FAZ-Werbekampagne gut hinhaut.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2006 um 10.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#883


Exemplarisch

zum herunterladen
zum Ausspähen
sogenannten
nocheinmal
herunter zu laden

(die deutsche Postbank auf ihrer Seite mit Sicherheitswarnungen)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2006 um 11.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#884


Hoppla!

"Die Bundesregierung hat unter Führung der SPD..."

(K.Beck in einem Beitrag in der WamS vom 20.08.06)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2006 um 16.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#885


Aufs Schärfste im FAZ.NET mit Material von dpa und sid (21. Aug. 06)
"Wolfsburgs Coach Klaus Augenthaler hatte gleich nach dem Spiel die Aktion seines Stürmers aufs Schärfste kritisiert: 'In England wirst du dafür gelyncht. [...]'" Alteingesessene Adverbiale zu erkennen ist offenbar sehr schwierig, und das sollte nicht nur in den Schulen, sondern auch in den Redaktionen der FAZ aufs genau(e)ste (jedenfalls so genau es geht) geübt werden.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.08.2006 um 15.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#887


Förderverein

Wer immer noch an Sinn, Zweck und Nutzen der Großen Koalition zweifelte, erhält jetzt Aufklärung:
Sie könne zum Wohle beider Partner - Union und SPD - erfolgreich sein.
(Die Bundeskanzlerin an einer Pressekonferenz - FAZ vom 22.08.06) . -

Die Kanzlerin hat auch berichtet, Bergwandern fördere die Durchlüftung der jeweiligen Gehirnformationen. Dieses "jeweilig" hätte ich gern näher erklärt, damit ich in meinen nächsten Wanderferien Nutzen daraus ziehen kann, ohne mich in Gefahr zu begeben (falsche Formation durchlüftet!)
nach oben

Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 23.08.2006 um 11.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#888


Die Kanzlerin meinte gewiß den sogenannten Gyrus praecentralis (vor der Zentralfissur lateral sich erstreckende Gehirnwindung) des Telencephalon (Hirnrinde), den die Physiologen gerne als "motorischen Cortex" bezeichnen, weil von diesem Segment die muskuläre Steuerung ausgeht. Man kann darüber eine Art Homunculus malen, bei dem die Hände und vor allem das Gesicht grotesk überproportioniert erscheinen (weil dort so viele Muskeln zu steuern sind).

(Der motorische Cortex braucht aber auch das Wechselspiel mit dem im Gyrus postcentralis gelegenen sensorischen Cortex.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 23.08.2006 um 13.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#889


Vielen Dank, Herr Scheuermann, für die fachmännische Hilfestellung. Die fördernde Wirkung des Gehens auf die cerebralen Abläufe ist sicher unbestritten. Nietzsche sagt einmal, man solle keinem Gedanken trauen, der nicht im Gehen gefaßt worden sei. ( Herr Glück kann sicher das genaue Zitat liefern). Beethoven soll auch die frische Luft und das Streifen durch Hain und Flur zum Komponieren gebaucht haben und viel unterwegs gewesen sein (allerdings ohne Klavier). Warum also soll nicht auch eine deutsche Bundeskanzlerin wertvolle Einfälle beim Wandern haben? Ich persönlich möchte allerdings lieber keine Luft in meinen Hirnregionen haben, es geht da so schon windig genug zu.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 26.08.2006 um 06.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#891


*Die Welt* zum Fall Murat Kurnaz: "Auch die Haltung der rot-grünen Vorgängerregierung sei immer wohl überlegt gewesen und habe den ihr vorliegenden Erkenntnissen entsprochen." — Soll sowas noch sachgerechte Berichterstattung sein?
http://www.welt.de/data/2006/08/25/1010603.html?s=2
(Artikel erschienen am Fr., 25. August 2006)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2006 um 20.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#901


In der Werbung auf der Yahoo-Startseite:

Ab Heute im Kino
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2006 um 23.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#903


"Wie der Name schon sagt wird das Raurisertal auch als das goldene Tal der Alpen genannt, dass lässt sich auf die Goldgräberzeit zurückführen wurden einst 10% des Goldweltvorkommens im Raurisertal zu tage gebracht." (www-Werbung)
Aber schön ist es da schon, das kann ich dankbar sagen (vor allem in Wörth, ein paar Kilometer noch weiter südlich von Rauris).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.09.2006 um 14.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#905


Warum nicht?

Lieferumpfang

Skatkabel

(Unerschöpfliche Quelle ebay)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.09.2006 um 08.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#907


So siehst Du aus!

Heute in der WELT-online:


Senator Byrd habe unter 10 Präsidenten "gedient". Außerdem gebe er etwas zu Bedenken. -

Und noch ein bißchen ebay-Salat:

befäßtigt - umfallfrei - hochwärtig - ... schließe mich vom Umtausch aus...
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.09.2006 um 16.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#908


Re: #907
"So siehst Du aus!"
Nanu? Ich auch? — Aber mit Bezug auf die Rechtschreibreform von anderen Kulturen her gesehen eben — wie jeder von uns — auch ich. Schade!
"Außerdem gebe er etwas zu Bedenken."
Nun, sowas passiert eben, wenn man die Beurteilung der grammatischen Einordnung dem Grammatikprogramm des Rechners überläßt oder eben sowieso wenig eigene Ahnung vom Schreiben hat. (Was wird denn zum Abitur noch in Rechtsschreibung der Muttersprache verlangt? Und wieviel wissen die Oberschuldeutschlehrer selbst noch dazu? Denn beim Rechner gilt "Garbage in, garbage out!", und sonst: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.") Präpositionen gehen doch nach vom Grammatik-Duden beeinflußten Besserwissen nur Nomen voraus, nicht wahr? (Naja, also jedenfalls Wörtern, die Fälle haben, wenn's wer genau haben will. Pronomen also auch.) Also dann Großschreibung hier, nicht wahr doch, ja? — Da haben wir also ein Beispiel für das auf einmal, aber doch schon wiederholt gepriesene Nebenergebnis der Rechtschreibreform, wonach Leute erfreulicherweise doch erneut über unsere Sprache nachdächten! Leider hat aber eben die Geschichte schon viele Probleme gelöst, und die — oder zumindest deren Ergebnisse — müßte man als oberschulgereifter Kulturbeauftragter heute halt noch auch etwas kennen. Vor langem jedoch — das stimmt! — war unser Infinitiv mal die Nominalform eines Verbs, — aber das ist eben schon Millennien her. Doch wer sein Heil zur richtigen Schreibung des stimmlosen [s] zurückgewandt bei Heyse suchen muß, schreckt auch vor weiteren Rückgängen in unserer Kultur nicht zurück.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 05.09.2006 um 08.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#914


Beim Spiegel fand ich heute folgendes:

"Die Heros-Gruppe hatte nach Bekannt werden der Betrugsvorwürfe im Februar Insolvenz angemeldet."

www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,434257,00.html

Ist das nun RSR-chinesisch oder Spiegel-chinesisch?

Des weiteren las ich im Pfahldorfmuseum in Unteruhldingen sinngemäß folgendes:

"Es ist auch möglich, dass Häuser leer stehen können."

Es ging um die Anzahl der Bewohner einer Siedlung. Ich wußte allerdings nicht, daß leere Häuser gewöhnlich nicht mehr stehen können.
nach oben

Wolfgang Scheuermann
Dilsberg

Dieser Beitrag wurde am 05.09.2006 um 16.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#915


WELT männisch

Man muß es einräumen: Die WELT (die es nie geschafft hatte, so ganz richtig zur Orthographie zurückzukehren - aber es war im Vergleich zu den Zeiten davor eine Wohltat!) folgt derzeit einer im allgemeinen wenig beleidigenden Rechtschreibung. In der heutigen Ausgabe werden - als "Hörbuch-Tip"! - 8 CDs besprochen, auf denen Hans Korte "Das Parfüm" vorliest. Dazu heiß es:
"So sehr, dass man auf Süskinds olfaktorischer Wolke sanft selbst über die literarischen Untiefen und Abgründe dieses historischen Romans hinweg getragen wurde."
Und weiter:
""Man sieht ihn geradezu, wie er im Studio die Sätze mit der Nase abmisst, sie abschmeckt, sie mit der Fülle des leicht nasalen Wohllauts, den er sprachwendig und farbensatt produziert, ins Mikrophon pustet. Man mag gar nicht mehr aufhören ihm hinterher zuschnüffeln. Man trägt den Duft lange mit im Ohr."

Aber "Das Parfüm" ist ja auch kein wirklich anständiges Buch.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2006 um 12.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#917


Technologie-Partnerschaft = Müllverbund

Aus der WELT-online von gestern und heute:

wären...zu gekommen

das Kultur schaffende

dahin schmelzen
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 07.09.2006 um 16.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#919


Kommentar verfaßt von Odilo Gudorf am 06.09.2006 um 23:57 Uhr (E-Mail)

Es ist wirklich das wissen die Dresdnerinnen und Dresdner noch nicht sehr lange her, da war es eine ruß geschwärzte Ruine, die den großartigen Dresdner Theaterplatz dominiert hat....
Erster Satz der Rede der Bundeskanzlerin zur Wiedereröffnung des Dresdner Grünen Gewölbes, vom Kanzleramt über das Bundespresseamt verbreitet.
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 07.09.2006 um 16.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#920


Kommentar verfaßt von Chr. Schaefer am 07.09.2006 um 02:14 Uhr

"Erster Satz der Rede der Bundeskanzlerin zur Wiedereröffnung des Dresdner Grünen Gewölbes, vom Kanzleramt über das Bundespresseamt verbreitet."

Abgesehen vom sicherlich reforminduzierten und lächerlichen Ausruck "ruß geschwärzten" sollte man fairerweise aber festhalten, daß zwischen "wirklich" und "das" sowie "Dresdner" und "noch" im Original Gedankenstriche stehen. Das gehört zur Redlichkeit. Im übrigen ist der Text bis auf einige kleinere Reformtorheiten – "so genannt", "im Übrigen" und der albernen Heyse-Schreibung – weitgehend unauffällig, unter anderem, weil die reformierte Zeichensetzung komplett ignoriert wird.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2006 um 22.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#922


Nun ja, neben dem offiziellen Bulletin gibt es den gleichen Text auch noch als Rede (man achte auf die WWW-Adresse!), und darin fehlen in der Tat einige (aber nicht alle!) Gedankenstriche. Andererseits heißt es darin „rußgeschwärzte Ruine“.

Dafür an anderer Stelle: „Deutschland begrüsst Aufhebung der Luftblockade im Libanon“; „Bundeskanzlerin Merkel hat [...] die Aufhebung der Lufblockade im Libanon begrüsst.“

Nachtrag (08.09.): Letzteres wurde inzwischen geändert.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2006 um 23.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#923


Text zu einem Bild, ausgestellt im Oberen Belvedere, Wien:

„Max Oppenheimer: Bildnis Malvine Reichel und ihr Sohn Raimund (1911)
Das Bild zeigt Malvine Reichel mit ihrem jüngsten Sohn Reimund. Sie war die Frau des Internisten und Kustsammlers Dr. Oskar Reichel, einem der Wenigen der vorbehaltlos die junge Generatoin der Expressionisten sammelte.“
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 13.09.2006 um 11.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#929


Bei der Anmeldung unter www.stayfriends.de: „Um Sie mit den Mitschülern des richtigen Abschlussjahres zusammen zu führen, füllen Sie bitte folgende Felder aus [...]“ – Was haben die mit mir vor?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.09.2006 um 18.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#934


Ausgewogen

In der WELT-online schreiben sie heute

Ophtalmologe und diskreminieren

aber auch: nahelegt und aufs schönste
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 17.09.2006 um 11.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#936


Wild zerklüftet meint das neue Geo-Lexikon zur Normandie.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.09.2006 um 17.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#942


"Noch solch ein Sieg und wir sind verloren!"

Es gibt kaum etwas Erheiternderes als die Kommentare der Parteioberen nach Wahlen.

Laut K. Beck ist die SPD der Wahlgewinner in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. (2006: 30,8% - 2001 29,7% bzw. 2006:30,2% - 2001: 40,6%).
Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin sieht einen Zusammenhang zwischen dem Wahlergebnis und unpopulären Entscheidungen, die trotzdem (jetzt kommt´s) "alternativlos" sind . - (Erinnert uns das nicht ein wenig an die Propaganda zur Rechtschreibreform?)
Das Rezept stammt aus der Zeit des Ost-West-Konfliktes.
Kennedy und Chruschtschow laufen um die Wette. Kennedy gewinnt. Darauf meldet die "Prawda": Der amerikanische Präsident ging als Vorletzter durchs Ziel. Der Generalsekretär der KPDSU, Genosse Chruschtschow, belegte einen ehrenvollen Zweiten Platz.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 19.09.2006 um 22.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#943


Der/die/das Flügge

Wir sollten zwar die Rechtschreibung in Nachrichtenagenturen nicht allzu ernst nehmen (die Leute da sind ja in Eile), aber manchmal geht's nun doch zu weit, und das zeugt dann einfach von Ignoranz und nicht von Zeitdruck:
"Auf diese Weise verkürzen die Vogelmütter die Zeit, die ihre besonders empfindlichen Söhne vor dem Flügge werden im schädlingsbefallenen Nest verbringen, berichten Forscher in den 'Proceedings' der US-Akademie der Wissenschaften."
(dpa-Newsticker, am 19.09.2006 um 09:44 Uhr)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.09.2006 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#944


Freud und Leid oder : Wilhelms Hafen

Aus der WELT-online von heute:

offengelegt

wieviel Geld

raue

bei Vielen

sogenannte

jahrhundertelang

Besserverdienende

sind stärker Herzinfarkt-gefährdet

Wilhelmshafen (im Artikel aber richtig)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.09.2006 um 12.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#948


Aus gmx-Nachrichten (immer eine Fundgrube):

als Ultima Ratio

sogenannte

Pleite gehen

gestern nacht

Und aus unserem Käseblatt:

Betrunkener hält Polizei auf Trapp (Gerhard A., ick hör dir trappsen...)

nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.09.2006 um 14.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#950


Börsenberichterstatterin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" meldete Anfang des Jahres 2000 aus New York:

"... wandelt der Internationale Währungfond auf einem schmalen Grad."
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 30.09.2006 um 19.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#977


Auf der Quittung des Cafes am Ende des Karl-Heine-Kanals in Leipzig:
„Genuss am Fluß“.
nach oben

Hartmut Heumann
Quakenbrück

Dieser Beitrag wurde am 01.10.2006 um 00.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#978


Der Schneider-Verlag veröffentlicht in reformierter Rechtschreibung.In einem Schreiben vom 29.09.06 an mich verstößt der Verlag im ersten Satz (von insgesamt zwei Sätzen) gleich zweimal dagegen: "... Ihr Schreiben, daß Sie die Zeitschrift `PÄD Forum ...` nicht länger ... beziehen wollen haben wir erhalten."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.10.2006 um 21.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#979


Willkommen im Reich der Varianten!

Fragen zum altern

den Alten, selbst den ganz alten

zum Älter werden

das Älterwerden

(aus einer Buchbesprechung in der Online-Ausgabe der WELT am SONNTAG vom 1.10.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2006 um 15.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#988


Es wird schon langweilig:

die Provokation ist immer die Gleiche

Aufsehen erregende

grauenerregende

(WELT-online von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2006 um 19.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#996


Gerichtsnotorisch oder: Die Amtssprache ist Deutsch - meistens

In diesem Termin kann der Zuschlag auf ein Gebot erteilt werden, dass weniger als die Hälfte des Grundstückwertes beträgt. (Amtsgericht Emden 9 K 49/03)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2006 um 06.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#997


Amtlicher Müll
Aus dem Abfallratgeber des Landkreises Aurich:

hinaus gestellt
herein holen
herein geholt
Q-Tipps (aus dem Warenzeichen Q-Tips zurechtgeschnitzt)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2006 um 12.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#998


Der schlanke Premier und sein Gattin:

Lieber Herr Blair,

Ihre Frau ist eben so unbeleibt wie Sie...

(Die WELT-online von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2006 um 14.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#999


Wie wahr! oder: Uralter Adel, des Lesens und Schreibens unkundig

"Ein sprachliches Vorbild ist von Nöten." (OZ vom 10.10.06)

Gestatten, von Nöten.
Angenehm, bei Weitem.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2006 um 18.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1000


In "Die Welt" online gibt Markus Gärtner heute unter dem Titel Konservative Erfolgsgeschichte folgendes von sich:

"[...] Klein bescherte Alberta Einkommenszuwächse von 43 Prozent, allein seit 2002 entfachte ein Boom wie man ihn sonst nur in China und Indien kennt."

Damit wäre nun endlich eine objektlose ("intransitive") Variante des Verbs entfachen installiert. Und vergleichende Attributsätze werden jetzt offenbar auch ganz locker ohne Komma nachgereicht. Vielleicht können sich die Autoren wieder mit dem Gedanken (der Regel) anfreunden, daß zumindest Sätze (Strukturen, die mindestens ein Subjekt und ein Finitum enthalten) von anderen mit Komma getrennt werden. Selbst im Neuschrieb darf nur im Falle von mit dem additiven Konjunktor und verbundenen davon Abstand genommen werden. Schülern sollte das Lesen solcher Texte unmöglich gemacht werden, um sie vor der permanenten Destruktion ihrer teilinternalisierten Grammatik und Graphemik zu schützen.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 11.10.2006 um 19.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1005


„Mutter und Kind sind wohl auf.“

(WELT online, Bilder des Tages)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2006 um 01.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1007


Ach, diese Jährigen, die's halt nicht gibt (sie sind eben kein freies Morphem!), — welche Schwierigkeiten sie bereiten:
www.welt.de am 13. Oktober 2006:
"Von Michael Ballacks zuvor geäußerter Kritik war der 21-Jährige aber noch nach dem Abpfiff genervt."
Aber zwei Artikel zuvor:
"... als er als 16-jähriger am Reck die Bronzemedaille knapp verpasste."
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2006 um 17.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1009


Horst Ludwig hat den Finger in die Wunde gelegt, die mit (orthographischen) Neunomina (der/die/das) Jährige entstanden ist. Den Jährigen gibt es ja, wenn er auch nicht immer schmeckt. Als Basiswort eines Nominalkompositums ist er mir allerdings noch nicht untergekommen. Die hinter solcher Schreibung zu vermutende Regel erzwingt die radikale Großschreibung flektierter Pronomina wie jeder, mancher usw., wenn sie nicht mehr als Determinativa zum wegen Redundanz weggelassenen Nomen Mensch gelten.
Zum andern wären von nun an (bis zur nächsten Reform) zunächst im Deutschen, dann EU-weit und schließlich weltweit arabische Groß- und Kleinzahlen zu unterscheiden, um so Gegenstandsbezogenes von anderem unterscheiden zu können. Es steht somit weiteres Großes bevor. Brecht könnte meinen: "Sie reden wieder von großen Zeiten. Marie, weine nicht!"

Und wem ist mit der (vereinfachenden?) brutalen Großschreibung geholfen? Etwa den sprachlich schwach sozialisierten (B. Bernstein) Kindern sozial schwacher Familien?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2006 um 20.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1010


Aus einem anderen Land (namens ebay)

... ist Obtisch inordnung

...Sollten Sie wiedererwarten eine Beanstandung haben...


Reformer, aufgemerkt! Auf Euch wartet noch viel Arbeit!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2006 um 20.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1011


Macht alles das Korrekturprogramm

Alexander Alan Milne veröffentlichte im "Punsch". - (WELT-online von heute)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 16.10.2006 um 19.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1014


»Strohschneider, selbst im Hauptberuf Mediävist an der siegreichen Ludwig-Maximilians-Universität München, hatte inmitten der erregten Diskussion um die Exzellenzkür sogar Muse genug, über den Tag hinauszudenken [...]«

(FAZ.net, 16. Oktober 2006)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.10.2006 um 14.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1017


Da sich nun "Bild" mit der deutschen Sprache befaßt, sind Hopfen und Malz so ziemlich verloren. Die selbsternannten Sprachexperten dieses Bild(ungs?)-Blattes namens Paul C. Martin und Tanit Koch haben Anglizismen (und auch Gallizismen?) ausgemacht, die es im Englischen (und Französischen?) nicht gibt. Und irgendwo liest man dann rasant. Bei diesen Sprachpflegern heißt das durch Rügen schnaufende Kleinbähnle sicher "Der rasante Roland" oder so.
Der im Rahmen des von "Bild" gezeichneten schwarzen Szenarios eingebrachte Vorschlag das englische display durch Sichtfeld zu ersetzen, dürfte in der Luftfahrt zu Kollisionen führen, zum Glück nur zu Homonymenkollisionen in der Kanzel (Cockpit), wenn dann dort der Bildschirm und das durch die Fensterchen zu Sehende gleichermaßen "Sichtfeld" genannt wird. Bleibt zu hoffen, daß uns "Bild" Weihnachten / an Weihnachten / zu Weihnachten nicht mit seinen Ergüssen zur deutschen Sprache behelligt und zum Fest nicht einen ähnlich dämlichen Test offeriert.
Da "Der Mond ist aufgegangen" - laut "Bild" (und Text) - nunmehro ein Volkslied ist, muß Matthias Claudius ein ganz simpler Plagiator gewesen sein.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.10.2006 um 22.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1019


Da muß man gewesen sein

Die Sängerin Edda Moser hat auch eine wunderschöne Homepage. Wir können dort z.B. nachlesen, daß eine Kupfer Schallplatte mit einer Darbietung der Künstlerin voraussichtlich eine Billionen Jahre durch den Weltraum eilen wird. Frau Moser hat mit vielen berühmten Dirigenten zusammengearbeitet, aber auch mit solchen, von denen man noch nie etwas gehört hat, wie z.B. Haitnik. - Am bewegendsten ist jedoch die Schilderung, wie es zur Idee eines Sprachfestes kam. Es spielen da gewisse Weimarer Kindheitserlebnisse mit einem greisen Gärtner (möglicherweise war es Goethe selbst), Birnen und einem imaginären Kerzenleuchter eine entscheidende Rolle. - Frau Moser beklagt auch den Verlust des Wortes "ungeschlachtet". Also eines muß man Augst und Konsorten ja zugutehalten: Als Opernsänger haben sie sich meines Wissens nicht versucht.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.10.2006 um 16.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1021


Heute das eine oder andere (Lachen und Schreiben) mit Bild, Witz 32:
Sohn: „Papa, was ist Polygamie?“ — Vater: „Wenn du mindestens eine Frau zu viel geheiratet hast.“ — Sohn: „Und was ist dann Monogamie?“ — Vater: „Irgendwie ... das Gleiche ...“
Aber so geht's auch, Witz 35:
An einer Autobahnauffahrt kommt es zu einem heftigen Auffahrunfall. Beide Autos sehen nach Totalschaden aus. Die Fahrer steigen gleichzeitig aus. Sagt der eine: „Sie haben Glück, ich bin Arzt.“ Sagt der andere: „Sie haben Pech, ich bin Anwalt.“
Dafür jedoch dann Witz 91: Was haben Che Guevara und der neue Opel Corsa Kombi seit der Rechtschreibreform gemeinsam? — Beide sind Mertürer!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 29.10.2006 um 08.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1032


Spaßvogel (Aus der WamS von heute)

B.Sick ist der "Comedian der Linguistik"

Seine Fangemeinde wirft bei seinen Bühnenauftritten noch nicht mit DUDEN. ( Warum eigentlich nicht - bei den Sonderangeboten? Und wäre das nun ein Zeichen der Abneigung gegen den DUDEN oder gegen Sick? Oder der Begeisterung über Sick und der Geringschätzung des DUDEN?)

Der Verfasser Jörn Lauterbach schreibt z.B.: ...die die einen nutzen, andere aber bis ins Mark trifft...
...Puzzle zusamen zu setzen...

Aber Rettung ist nahe, alle Auftrittstermine von B.S. werden mitgeliefert.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2006 um 06.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1037


Ästhetisch ansprechend

"Ich habe meinen eigenen Regierungsstil. Sie werden sehen. Er ist erfolgreicher."

(Angela Merkel in einem FOCUS-Interview, zitiert nach FAZ)

Regieren als Stilfrage - ob das reicht? Am komischsten ist z.Zt., daß in den oberen Rängen der CDU noch keiner offen sagt, daß das Problem A.M. heißt. Aber sehr erheiternd sind auch die Äußerungen F. Münteferings, der ständig die Kanzlerin in Schutz nimmt: "Man muß alle kleinkarierten Vorstellungen und Vorurteile beiseite lassen und sie unterstützen." Ist ja auch klar: besser konnte es für die SPD gar nicht kommen
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2006 um 12.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1038


Mein persönliches Erlebnis mit Frau Merkel:

Nach einer Rede zum zehnten Jahrestag der Wende in der DDR in der Kirche von Kloster/Hiddensee im Sommer 1999, stellte ich Frau Merkel vor dem Publikum eine Frage. Ein Journalist hätte kurz vorher im Fernsehen behauptet, daß für die Ungarn auch vor 1989 die Deutschen nicht zwischen West und Ost unterschieden wurden. Deshalb wären die angeblich so großen Unterschiede für die Ausländer nicht bedeutend. Das war der Tenor, den der Journalist anschlug. Ich bat Frau Merkel um Ihre Meinung, und sie antwortete ungefähr so: Dies könne sie nicht nachvollziehen. Für sie wäre es (in Ungarn) ein erheblicher Unterschied gewesen, ob jemand aus Ost- oder Westdeutschland gekommen sei. Die einen hätten sich in den Restaurants alles leisten können und die anderen hätten sich bloß an den Vitrinen die Nase plattdrücken dürfen.

Als ich diese Antwort hörte, zweifelte ich an mir selbst, weil ich glaubte, mich falsch ausgedrückt zu haben. Beim Verlassen der Kirche sprach ich kurz mit einem Ehepaar, die mich freundlich ansahen und sagte: "Sie hat mich gar nicht verstanden". Die Ehefrau gab mir als Antwort: "Machen Sie sich nichts daraus. Uns ist es genauso ergangen. Für die Ungarn waren wir alle Deutsche".

Seit diesem Tage ist Frau Merkel für mich gestorben.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2006 um 13.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1039


Ausnahmsweise

Im allgemeinen wollen wir alle diese Seiten sicher von Politik freihalten. Aber die Formulierungskünste gewisser Politiker reizen einfach zum Kommentieren. Neben Frau Merkel ist da vor allem Christa Roth sehr ergiebig. – Wie Müntefering z. Zt. die Kanzlerin durch "Unterstützung" demontiert, ist aber auch ein Schauspiel von hohem Reiz.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2006 um 08.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1041


Ich wollte auch keine Politik hineinbringen. Ich wollte damit nur sagen, daß jemand mit so oberflächlichen Einstellungen, für die Feinheiten von Rechtschreibung und Linguistik kaum ein Verständnis aufbringen wird. Oberflächlich setze ich aber keineswegs mit dumm gleich.

Übrigens ist mir noch etwas eingefallen, was sie damals ebenfalls gesagt hat: Sie hätte deswegen (in der DDR) Physik studiert, weil man die Naturwissenschaft nicht politisch manipulieren könnte. - Leider gilt das für die Schriftsprache nicht.

P.S.: In der Welt-Online steht heute als Teil einer Schlagzeile das schöne Wort "Schluss-Strich". Vor der RSR wäre niemand auf die Idee verfallen, "Schluß-Strich" zu schreiben.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2006 um 10.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1044


Unbildungsterror
In "Die Welt" steht geschrieben "... nach all' den verwirrenden Debatten ...". Sicher schreibt der Neuschrieb vor, daß es das unflektierte all nicht mehr gibt, so daß nunmehr Auslassung des Flektivs mit Apostroph zu kennzeichnen ist. Vielleicht wendet (wändet) sich "Die Welt" nun doch endgültig der Unterschichtengraphie zu. Akkusative reduziert sie schon zuhauf und täglich erfolgreich zu Nominativen, den Dativ Plural reduziert sie schon recht konsequent um seine Endung. So installiert sie die neueste und wohl zugleich volkstümlichste deutsche Orthographie (und Grammatik) der deutschen Graphie- und Sprachgeschichte.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 05.11.2006 um 09.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1056


Gestern gab es im WDR einen "Polizeiruf 110". In einer Szene, die im Krankenhaus spielte, konnte man über einer Tür "Kreissaal" lesen. War das nun echt oder von den Filmleuten dorthin gehängt?
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 06.11.2006 um 12.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1067


Heute gibt es in der Kantine, wohin ich essen gehe,

Griesklöschensuppe

und als Vorspeise:

1 Paar Weißwürstl mit süssem Senf und Laugenbrezel.

Ich glaube, ich werde wohl zur Salatbar gehen...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.11.2006 um 13.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1068


Lieber Herr Schuchardt, ich wünsche Ihnen nicht, daß Sie vor lauter Ihnen vorgesetztem Rechtschreibfraß noch ernste Ernährungsprobleme bekommen... Einen guten Magen können wir ja alle gebrauchen in diesen Zeiten des orthographischen Fast food bzw. einer Gammel-Rechtschreibung.-

Heute rettet U. Wittstock in der WELT-online den Genitiv:

"wider besseren Wissens"

Aber neue Rechtschreibung ist auch angesagt:

"übel wollenden"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.11.2006 um 16.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1072


Hab ich doch meine Freude dran

Heute auf der Titelseite der OZ:

Schülerwanderung sei Schuld

Das Beste an der neuen Rechtschreibung ist, daß sie so schlecht (=unlernbar) ist.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 08.11.2006 um 17.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1073


Die Süddeutsche Zeitung beweist immer wieder besonders eindrucksvoll, wie die subkutane Verwahrlosung des sogenannten gehobenen Journalismus nicht allein im Sprachlichen, sondern auch in Fragen des Anstands immer größere Ausmaße annimmt.

Auf der »Seite Drei« der Ausgabe vom 6. November 2006 verbreitet sich Tomas Avenarius ausführlich über das Todesurteil gegen Saddam Hussein. Dabei werden sowohl einige Kollateralschäden der Reform sichtbar, als auch Kollateralnutzen ihrer vielen, schließlich doch unbefriedigenden Reparaturversuche. Es weiß eben keiner mehr, auch kein Journalist, was nun richtig ist und was nicht.

»An dessen Ergebnis [des Berufungsverfahrens] kann es aber ebenso wenig begründete Zweifel geben.«

Also kann es, wie beim Erstverfahren, am Ergebnis (dem Todesurteil) zwar durchaus begründete Zweifel geben, aber nur wenige, ebenso wie beim soeben abgeschlossenen.

Recht muß bei der SZ nicht Recht bleiben, sondern kann auch wieder recht werden: »Es spricht viel dafür, dass der Anwalt zumindest in Teilen recht behalten wird.« Und weiter geht’s: »Zwar würde die Hinrichtung Saddam Husseins die von ihm besonders grausam unterdrückten Kurden und Schiiten zufriedenstellen.« Na also – es geht doch!

Eine besonders subtile Beobachtungsgabe legt Avenarius an den Tag, der von Kairo aus etwas ganz anderes beobachten konnte, als seine Kollegen aus aller Welt. Saddam bekam nämlich während der Urteilsverlesung keineswegs einen dicken Hals, wie allgemein berichtet wurde, sondern es geschah ein der Bedeutung Saddams für die orientalische Erzählkultur angemessenes Wunder, das alles, was wir aus Tausendundeiner Nacht kennen, in den Schatten stellt: sein Hals nahm das Todesurteil sozusagen vorweg und verwandelte sich im Verlauf der Urteilsverkündung zusehends selbst in den Strick, an dem er aufgehängt werden soll:
»So verwies der dünne und faltige Altmänner-Hals im viel zu weiten weißen Kragen Saddams mit dem Beginn der Urteilsbegründung schon auf das, was am Ende dieses Diktatoren-Lebens stehen wird: der Strang.«

Die Strafe für eine derartige Geschmacklosigkeit sollte vielleicht darin bestehen, daß Avenarius einen dieser angemessenen dicken und leuchtend roten Kopf bekommt und diesen bis ans Ende seiner Tage behalten muß.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 13.11.2006 um 17.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1081


„Brilliante Bilder aus jedem Blickwinkel.“ (Werbung von Hitachi, Rubrik „Flachbildfernseher“)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.11.2006 um 22.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1085


Naja, wie sähte das denn noch mal früher aus:
"laut, überfüllt und mit billigen Souvenirläden übersäht"?
(Kein Meer in Sicht, Artikel erschienen am 11.11.2006)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 15.11.2006 um 16.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1086


Was, wem oder wessen in der Welt ein Stewart auch immer warten muß:
"Sie küssten sich, er drückte seinen Kopf in ihren Schoß, die anderen Passagiere beschwerten sich. Doch auch als ein Stewart kam und sie bat, aufzuhören, liebkosten sich die beiden weiter. Nun wird ihnen unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen." (www.welt.de am 15.11.07)
Später im Artikel selbst (http://www.welt.de/data/2006/11/15/1111735.html) ist dann aber doch aus dem "Stewart" ein "Steward" geworden.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 16.11.2006 um 02.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1089


Da sage noch einer, daß durch die Rechtschreibreform richtige Verschriftung für Journalisten, die ja viel schreiben, einfacher geworden sei. "Der Kompromiss sieht vor, dass allein stehende in Deutschland künftig nach mindestens acht Jahren Aufenthalt bleiben dürfen, Familien mit Kindern nach sechs Jahren." (Artikel erschienen am 16.11.2006 um 01:18 Uhr. © Welt)
Der Glaube allein schafft's aber offenbar doch nicht. Daß eben nur Stehende in den Genuß des Bleiberechtes kommen sollen, wollte man nun aber halt auch nicht schreiben; — denn das wäre ja falsch gewesen.

Nachtrag: Heute, am 16. 11., im gleichen Newsticker um 12:28:
"Der Kompromiss sieht vor, dass Alleinstehende nach mindestens acht Jahren Aufenthalt bleiben dürfen, Familien mit Kindern nach sechs Jahren." (siehe hier)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.11.2006 um 19.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1092


Am Polizeigebäude unseres Städtchens hängt ein schönes Transparent der Verkehrswacht: Kids in Sicht - d´rum rase nicht! - Also, diesen Apostroph sollte man den Reformern in Geschenkpackung überreichen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.11.2006 um 22.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1094


Einer geht immer

"ohne Gewährleistung´s Ansprüche"
(Fundgrube ebay)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2006 um 18.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1097


Gabriel: Über Klima auf höchster Ebene verhandeln (FAZ vom 18.11.).

Da wird sich das Klima aber sehr geehrt fühlen. Als erstes sollten die Regierungsvertreter vielleicht über die Neigung der Erdachse zur Ekliptik Beschlüsse fassen. Hat doch die Sonne gewiß den größten Einfluß auf das Klima. - Erinnert die Klimaschutzdebatte nicht ein wenig an die RR? In beiden Fällen soll etwas unter Kontrolle gebracht werden, was sich dieser entzieht.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2006 um 19.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1098


"Das Ende der Drachenwurst"

"... Die zuständige Lebensmittelbehörde nämlich hat nun den Hersteller dazu verpflichtet, seine Wurst umzubenennen - weil der bisherige Name die „tatsächliche Natur der Speise“ verschleiere. Mit anderen Worten: Er könnte den Konsumenten glauben machen, eine Wurst zu verspeisen, die zumindest partiell aus Drachenfleisch besteht."

Regierende in Deutschland, die zwar aus Steuergeldern bezahlt werden, aber offenbar nichts Sinnvolles zu tun haben oder zu tun fähig sind, sollten sich — nach ihrer offiziellen Umschreiberei in Rechtschreibsachen — derart international angeregt vielleicht mal die Braunschweiger und die Thüringer Wurst näher ansehen, — wo sie doch in so vielem gegen den Bindestrich waren, aber da, wo wir keinen brauchten (bei den "-jährigen", "-fachen" usw.), unbedingt einen vorschreiben mußten.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2006 um 19.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1099


Allein Stehende!

Natürlich nicht allein stehende, wie "Die Welt" wähnt, alldieweil ja mit der RSR und ihrer Nachgeburt die brutale Großschreibung amtlich verordnet wurde.

Dank der Gesetzesnovelle kennen nun alle Interessierten eine der wichtigsten Bedingungen: Allein Stehende können u.U. in den Genuß einer Aufenthaltsgenehmigung usw. kommen. Die, die (schon oder noch) sitzen, natürlich nicht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2006 um 22.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1104


Doppelt genäht hält besser

Heute flatterte ein frommes Blättchen zusammen mit der Bitte um eine Geldspende an die hiesige Kirchengemeinde ins Haus. Darin heißt es in einem "Irischen Weihnachtssegen" u.a.:
Was ich Dir wünsche: dass jede Gabe Gottes in Dir wachse,
dass einen F r e u d Du hast, der Deiner Freundschaft wert.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.11.2006 um 20.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1110


Weiterhin diese "Jährigen" in der *Welt* und sonstwo: "Der 43-jährige musste in einer Londoner Universitätsklinik auf die Intensivstation verlegt werden."
(www.welt.de/appl/newsticker2/?channel=new&module=dpa&id=13154208)
Aber irgendwann kriegen's die doch wohl noch mal hin.
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 22.11.2006 um 09.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1116


"bis 20 Uhr außer Sonntags"

http://www.lissie.uni-siegen.de/intaugst.htm

Propagiert Prof. Augst nun auch die Großschreibung von "Sonntags"? Weil es der Form nach ein Substantiv ist, als Genitiv zu Sonntag? Wie wäre es mit "Morgens"? Man könnte noch viel Unsinn machen, wenn man nur wirklich wollte ...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.11.2006 um 13.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1117


Nicht Sonntags und auch sonst nicht

G. A. ist seit über zwei Jahren emeritiert und dürfte seither privatisieren – also das tun, was er schon mit seinen originellen bis tollkühnen etymologischen Purzelbäumen getan hat.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 22.11.2006 um 19.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1119


"Arbeitslos? Selbst Schuld! Von Christian Rickens"

So steht's heute im SPON. Schämt sich da keiner?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.11.2006 um 22.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1122


"'Herr Wowereit, nehmen sie die Wahl an', fragte bereits der Parlamentspräsident Walter Momper, nachdem er das Ergebnis verkündet hatte." (Artikel in der Welt vom 23.11.2006)
Lassen wir mal die Kleinschreibung vom Anrede-Sie beiseite, — nach welcher Regelung schreibt denn *Die Welt* nun, wo's um die Zeichensetzung bei direkt zitierten Fragen geht?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2006 um 15.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1127


"Der Uncercover-Ökonom geht durch die Straßen und fragt Dinge wie: Wer [...]"
"Harford wählt eine ebenso nahe liegende wie für den Leser attraktive Herangehensweise."
(http://www.welt.de/data/2006/11/25/1122302.html)
"Und: Wirtschaftswachstum, also Marktwirtschaft, bringe ein besseres Leben für den Einzelnen. [...] Artikel erschienen am 25.11.2006"
(http://www.welt.de/data/2006/11/25/1122302.html?s=2)

Zwei Bobachtungen: Es lohnt offenbar nicht, auf die Rechtschreibfehlern der *Welt* (und damit wohl bei Springer überhaupt und anderen Reformschreibvorschreibern und -hörigen) hinzuweisen; — die lesen ja in ihrem in der Eile geschwächten Denken sowieso nicht Korrektur ("Uncervover"). Hinweisen möchte ich aber doch darauf, daß ich bei solchen Sachen wie "nahe liegend" statt "naheliegend" und "den Einzelnen" statt "den einzelnen" beim Lesen immer stocke, weil ich da etwas eben anderes lese als — doch hoffentlich — wirklich gemeint ist.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2006 um 15.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1128


Na, soeben (zwischen 8:00 und 8:05 ZAZ, also in Mitteleuropa 3 Uhr nachmittags, und das am Samstag!) wurde "Uncercover" berichtigt. Lesen die hier mit? — Wie sagte doch noch J. J. Peachum? "Hör'n Se gut zu. Könn' Se was lernen." Ob die bei der *Welt* tatsächlich bei uns hier noch etwas zur Rechtschreibung lernen wollen?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2006 um 14.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1130


Nanu?

Mal wieder beim Deutschen Sprachrat vorbeigeschaut. Da lese ich: Der Deutsche Sprachrat wird unterstützt von... Doppelpunkt, Ende. Stand da nicht vor kurzem noch der Name eines Wörterbuchverlags? Oder schneidet mein Browser da etwas weg?
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2006 um 17.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1131


Dahinter steht immer noch ein namhafter Wörterbuchverlag, allerdings wird der Name in Form einer Graphik angezeigt. (Wenn Sie diese Graphik über den direkten Link einzeln aufrufen, aber nicht angezeigt bekommen, stimmt etwas mit Ihrem Browser nicht.)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2006 um 05.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1142


WELT.de/dpa, 29. 11. 2006: Osloer Stadtparlament stoppt Denkmal für König Olav
Die norwegische Hauptstadt Oslo verzichtet nun doch auf ein vor sechs Jahren in Auftrag gegebenes Denkmal für den beliebten König Olav V. [. . .] Der in Italien lebende norwegische Bildhauer Knut Steen (82) hatte sich gegen den Vorwurf wehren müssen, sein Denkmal erinnere allzu sehr an den italienischen Diktator Benito Mussolini (1883-1945). [. . .] Steen, der in der Nähe von Carrara lebt, hat damit gedroht, dass Denkmal in Italien zu begraben. [. . .]

Man hat den Eindruck, ein herkömmliches „daß“ wird schon mal vergessen, die neuen „dass“ aber werden eher zuviel eingesetzt – ein Fall für Psychologen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2006 um 00.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1147


Noch einer

Im Nachtprogramm von EinsExtra ging es um die zunehmende Vermischung von PR und unabhängigem Journalismus. Ebenso wurde über eine immer häufigere Zusammenarbeit der großen Pressorgane hinter den Kulissen berichtet. Ein Prof. Dr. S. Weischenberg (Institut für Journalistik, Uni Hamburg) bezeichnete die bekannte Absprache (Springer, FAZ, Südd. Ztg) gegen die Rechtschreibreform als einen Fall von "Machtanmaßung". – Ja, da ist er nun auch auf das PR-Getöse der Reformbetreiber hereingefallen, der Herr Professor...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2006 um 00.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1158


Preisverdächtig

Die GRÜNEN haben auf ihrem Parteitag beschlossen, daß die Erderwärmung maximal zwei Grad betragen soll oder darf. – Ist das nun größenwahnsinnig oder einfach rührend? Mir hätte es schon genügt, wenn sie beschlossen hätten, daß es in unserer Gegend im Winter mehr Sonnentage geben solle.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2006 um 13.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1161


Bremsenprüfung dringend empfohlen

"Jeder Fahrzeughalter, der sein Auto nicht regelmäßig zum TÜV bringt, muß mit der Stillegung von Amts wegen und mit einer Geldstrafe rechnen. Wenn bei Fahrzeugen eine solche Freiheitsbeschränkung möglich ist, um wieviel wichtiger ist sie dann, wenn es um den Schutz von Kindern geht." (Miriam Hollstein in der WamS von heute zum geplanten Zwang zu Vorsorgeuntersuchungen. Rechtschreibung wurde modernisiert) – Wer soll im Versäumnisfalle stillgelegt werden: das Kind oder seine Eltern?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2006 um 19.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1166


"Und er hat recht bekommen" (FAZ.NET, 03.12.2006)

... der Meinhard von Gerkan (s.Z. Architekt des Hauptbahnhofes zu Berlin). Eine Zwischenüberschrift des Artikels folgt der deutschen Orthographie eher zufällig, weil sie mit dem Objekt Recht beginnt. Wenn dieser Patzer in FAZ.NET nicht auf die Orthographiedeform zurückgeht, kann sie nur Emanation des unterschwelligen Dranges des Autors zur Grimmschen Kleinschreibung sein.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 03.12.2006 um 23.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1168


recht bekommen ist nun gerade nicht Reformschrieb! Im Gegenteil, die Kleinschreibung ist – auf Druck der Reformkritiker – gerade erst wieder zugelassen worden. Es dürfte die Anhänger der Gegenposition kaum überzeugen, wenn man die Reform kritisiert, indem man sich über herkömmliche Schreibweisen lustig macht und reformierte als [die wahre] „deutsche Orthographie“ lobt. Vorschlag zur Güte: Wir alle sollten erst einmal ein paar Gänge zurückschalten, bevor wir uns äußern. Man muß auch nicht sein gesamtes orthographisches Koordinatensystem über Bord werfen, wenn man im Einzelfall entdecken sollte, daß gegen eine reformierte Schreibweise (und zum Teil handelt es sich ja in Wahrheit nur um Varianten, die im Zuge der Reform Eingang in die Wörterbücher gefunden haben) nichts einzuwenden ist.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 04.12.2006 um 16.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1171


Die maschinellen Übersetzungen sind anscheinend nicht weiterentwickelt worden.

A reading of the lyrics shows it is not a sweet, innocuous love song, but a plea from a 16th century gentleman to his bored mistress. There are countless versions of the lyrics, including fourteen Cavalier songs and John Gay wrote lyrics to the tune for The Beggar’s Opera...

Eine vor vier Jahren bei Google angeforderte Automatikübersetzung ergab:

Ein Messwert der Lyricserscheinen ist es ein nicht süsser, harmloser Liebesong, aber ein Vorwand von einem 16. Jahrhundertherrn zu seinem gebohrten Mistress. Es gibt unzählige Versionen der Lyrics, einschließlich vierzehn Songs Cavalier und homosexueller John schrieb Lyrics zur Melodie für die Oper des Bettlers.

Aus Jux habe ich es jetzt wieder versucht:

Italian Lute Music of the Early Renaissance

"while staying in Milan ... Jacques Descartes was invited to a sumptuous and magnificent banquet ... where, among other pleasures of rare things assembled for the happiness of those select people, appeared Francesco da Milano – a man who is considered to have attained the end (if such is possible) of perfection in playing the lute well.


Die deutsche Wortbildung wird besser verstanden als von unseren Kultusministern, die „daß“ sind noch traditionell – nur mit dem Sinn hapert es etwas:

Italienische Dichtungskitt-Musik der frühen Renaissance

„während wurde das Bleiben in Mailand… Jacques Descartes zu einem kostspielig und ausgezeichneten Bankett… wo, unter anderen Vergnügen der seltenen Sachen eingeladen, die für das Glück jener auserwählten Leute, erschienener Francesco da Milano-a Mann zusammengebaut wurden, der betrachtet wird, das Ende (wenn so möglich ist) der Verkollkommnung erreicht zu haben, wenn man den Dichtungskittbrunnen spielt.
nach oben

Bernhard Eversberg
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 06.12.2006 um 13.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1173


Maschinelle Übersetzung zählt zu den härtesten Problemen der KI-Forschung. Gearbeitet wird daran schon seit den 50er Jahren (!), weil es dafür natürlich ein großes Interesse im militärischen Bereich gibt. Und gearbeitet wird weiterhin daran, mit hohem Aufwand, weil damit auch viel Geld zu verdienen wäre. Es kann jedoch nur ansatz- und näherungsweise gelingen, weil das maschinelle "Denken" allzu verschieden ist vom menschlichen, weil Alltags- und Hintergrundwissen in der Maschine fehlen, Kontextbezüge, Wort- und Phrasengebrauch sowie besonders Metaphorik daher nicht erfaßt werden können, u.a.m.

Hinweise dazu:

http://www.fortunecity.com/business/reception/19/akmelby.htm
"Why can't a computer translate more like a person?"
http://www.fortunecity.com/business/reception/19/xparc.htm
"machine translation has changed remarkably little since its earliest days in
the fifties"
http://www.fortunecity.com/business/reception/19/
"the truth about the real (im)possibilities of Machine Translation"

s.a. Der Mythos der Denkmaschine (Computers and common sense) / Mortimer Taube, 1966.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 07.12.2006 um 14.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1177


Der Vielte

Eins, zwei, drei, viele ... – das gehört zum Grundstock des anspruchsloseren deutschen Scherzwesens.

Die Reform macht daraus Ernst:

Aus eins, zwei, drei, viele ergibt sich:
der erste, der zweite, der dritte, der vielte.

Kann nicht sein? Doch. So zu lesen in dem gar nicht scherzhaften, durch etwas hilflose, ziemlich inkonsequente "Anpassungen" an die neue Rechtschreibung in seiner dem Ernst des Inhaltes angemessenen Wahrnehmung stark eingeschränkten Buch "Voller Entsetzen, aber nicht verzweifelt. Tagebücher 1935–1944" von Mihail Sebastian. Weil das unschuldige Fragewort "wieviel" nämlich nicht mehr vorkommen darf. Dann entsteht zwangsläufig

"zum wie vielten Male ..."

Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Rumänischen. Übersetzer und Verlagslektor bringen so etwas fertig.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 07.12.2006 um 16.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1178


Zurück in die Zukunft!

»Bei unserer Ankunft sahen sie sich abermals, Gott weiß zum wie vielsten Mal an diesem Morgen, in dieser Hoffnung getäuscht; sie wurden zurückgewiesen, denn die Thür öffnete sich nur uns Dreien.« (Johanna Schopenhauer: Jugendleben und Wanderbilder)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.12.2006 um 18.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1180


Naja, doch noch mal zur Zeichensetzung bei der *Welt*, — deren Glücksache oder eben Hausorthographie:

„Sehen Sie es doch mal so.“ meint die blonde Bestie nachdenklich „Wo wäre die Krebsforschung denn ohne die Pionierarbeit der Tabakindustrie?"
„Raucher sollten spitze, gelbe Hüte tragen und im Bus ganz hinten sitzen müssen“ fordert etwa Gottlieb Fürchtegott, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Tugend und Verhinderung des Lasters (GFTVL). "[...] Es ist ja keinem zuzumuten, neben diesen stinkenden Untermenschen zu sitzen ...“ kreischt der asketische Mann.
„Aber mal im Ernst, Jungchen“ keucht der asthmatische Endverbraucher.
Die Welt, 7. 12. 2006

[Achtung, Satire. Red.]
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.12.2006 um 01.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1190


Wie Schreiben wie in der Schule beglückt und Korrekturlesen heutzutage Glücksache ist, — aber das auf einmal eben doch wieder noch "unter anderem" in der *Welt*:
"Bei den Autos der Marken Renault und Nissan geht es nicht primär um den Preis, sondern um moderne TRechnik für eine gutes Umweltgewissen. Der französische Konzern will die abgasemissionen weiter senken und hat dazu mit sich selbst den 'Renault Vertrag 2009' geschlossen. Ziel der Selbstverpflichtung sei unter anderem, ..." (http://www.welt.de/data/2006/12/12/1143532.html)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2006 um 02.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1191


Nanu? Steht das da richtig so in der *Welt* geschrieben? Sollte da Korrekturlesen doch nicht so einfach Glücksache sein?
www.welt.de/data/2006/12/13/1144639.html: "Es sei peinlich, daß man 'Personen mit den dümmsten aller möglichen Ansichten' in die Organisation gelassen habe." Und: "Zuvor hatte Giertych den von Axel Springer Polska verlegten 'Dziennik' und den Einfluß Deutschlands auf die polnische Politik in schärfster Form kritisiert." Und (www.welt.de/data/2006/12/13/1144639.html?s=2): "Der Chef der größten Regierungspartei, Premier Jaroslaw Kaczynski, sagte zu der Affäre, 'wenn der Staatsanwalt zum Schluß kommt, daß es Grundlagen für eine Anklage gibt, ist die Sache aus meiner Sicht klar': [...] Artikel erschienen am 13.12.2006". Wollen die, daß wir jetzt vielleicht *Die Welt* statt der *FAZ* abonnieren? Sind richtige Eszette gekonnte Schleichwerbung?
Aber so etwas hält einen denn doch wieder vom Optimismus ab: "Alkoholtest? Nein Danke!" (www.welt.de/data/2006/12/13/1144609.html)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2006 um 18.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1192


Das mit den bindebestrichenen Jährigen kommt in der *FAZ* jetzt auch schon in die Jahre: "In dem Fall war eine damals 76- Jahre alteFrau in ihrem Klinikzimmer ohne ersichtlichen Grund gestürzt, als sie zur Toilette gehen wollte." Jetzt also noch mehr arme *Welt*! (14. Dezember 2006, Text: dpa. Aber wir geben zu, man kann auch sehen, man hat sich bemühen wollen. Aber es hat eben alles keinen Sinn, wenn man sich Unsinn vorschreiben läßt und ihn falsch besehen übernimmt.)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 14.12.2006 um 19.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1193


Wenn man es erstmalig in natura sieht, kriegt man doch einen leichten Schlag:

Als Alexander Litwinenko auf die Intensivstation kam, war er angeblich mit dem 100-Fachen der tödlichen Dosis vergiftet. (Stern 50/06)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2006 um 10.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1195


FAZ-Ankündigung (www.faz.net/s/homepage.html [am 15. 12. 06, 10:09]) des Artikels "Elena Tregubova taucht ab": "Sie hat das Machtzentrum Rußlands kennengelernt, wie nur Wenige." — Naja, eben jetzt schon so schreiben wie in der Schule. Gelehrt wird das aber da noch nicht. Oder? Doch unter den FAZ-Journalisten haben jetzt eben immer Einige die Nase ganz vorn: die halt ganz vorn Nasigen mit ihrer Substantivbildung.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2006 um 14.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1197


muellerbuch@web.de

"....wie nur Wenige..."

Wie wird das Faust-Zitat "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen", umgeschrieben?

"Wer Vieles bringt, wird manchem etwas bringen", oder
"Wer Vieles bringt, wird manchem Etwas bringen", oder
"Wer Vieles bringt, wird Manchem Etwas bringen" ??


Wo bleiben übrigens die vielen Leserbriefe an die FAZ? Es ist ungeheuerlich, nicht zumindest "Einige" verschämt in eine Leserbriefecke zu stellen.
nach oben

Bernhard Eversberg
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2006 um 14.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1198


Im Forum (bei http://faz.net) gibt es zu den Artikeln vom 1. und 2.12. 44 bzw. 140 Beiträge. Kaum ein freundlicher dabei. Manch hartes Wort lassen sie immerhin ungerührt dort stehen. Aber Augen-zu-und-durch, auf Biegen und Brechen, Gedeih und Verderb, ohne Rücksicht auf Verluste – das sind wohl die Devisen, und basta. Sie mögen ja hoffen, daß die Aufregung sich legt und Gras drüber wächst. Aber die Vertrauenswürdigkeit ist verspielt – ein hoher Preis. Für was denn wirklich?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2006 um 20.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1200


Steht es so geschrieben?

Demnächst sind wieder die allseits beliebten Steuerklärungen auszufüllen. In den Formularen sollte füglich geprüft werden, ob in ihnen steht "Einkommen aus selbstständiger / unselbstständiger Arbeit". Anderes ist strafbar. Solange es in Deutschland noch ein paar Selbständige (politisch korrekt: Kapitalisten) gibt, werden sie sich jetzt umbenennen müssen und zur Vermeidung von Schlimmerem die Papiere selbstgeständig ausfüllen.

Es ist heute auch nicht mehr sicher, ob die für den Neuschrieb Verantwortlichen in den Kultusministerien schwerhörig oder schwer hörig sind. Vielleicht beides, aber wie hält man das heutzutage schriftlich auseinander? Nicht-Schreibende haben es besser, sie dürfen beides nach wie vor problemlos durch entsprechende Prosodie unterscheiden.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2006 um 14.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1202


muellerbuch@web.de

heute im Spiegel-online:

"Weltraumtripp oder Krawattennadel"

Das ist konsequent. Wenn Tipp, dann auch Tripp.

Ebenso steht heute in der WAZ auch "Egotripp"
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 16.12.2006 um 18.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1205


So wird es geschrieben stehen

In "Die Welt" und in der FAZ werden ab 1. Januar 2007 Relativsätze zu Neutra prinzipiell mit "dass" oder "das" eingeleitet. Tertium non datur (es droht strafrechtliche Verfolgung durch irgendeinen hohen Rat!).
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 18.12.2006 um 19.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1208


Neben dem Jährigen gibt es jetzt auch den Sprachigen, zumindest in den Erlanger/Nürnberger Nachrichten vom 16. Dezember: "In englisch sprachigen Ländern ..." Wie sieht dann die Substantivierung aus: Die englisch Sprachigen? Die Englisch Sprachigen? Oder die Englisch-Sprachigen?
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 23.12.2006 um 08.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1221


Die WELT online v. 23.12.2006:
Das Gute ist noch nicht ganz überwunden …

Ein bißchen Illiberalität hat schon schon immer zur Freiheit im straff geführten Bayernland gehört.

… neben saudummem Duden-Empfehlungsschreiben:

Im Vergleich zu anderen domestizierten Tieren lebt die Katze erst seit Kurzem beim Menschen.
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 23.12.2006 um 10.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1222


Merke:

Karin lebt seit Kurzem bei Kurt.
Lisa lebt seit Langem bei Lars.
Leo hat seit Längerem Läuse.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2007 um 12.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1242


Auf der Internetseite zum Brettspiel "Die Siedler von Catan" kann man Bretttipps bekommen. Ist das nicht ein schönes Wort?

An den Feiertagen lief ein Film mit dem Titel "Ein Tolpatsch kommt selten allein."
Die meisten Einträge fand ich identisch geschrieben. Nur die Zeitung rtv ist mal wieder besonders korrekt und schreibt Tollpatsch.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2007 um 13.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1243


Und schon geht's los

In der FAZ von heute:

Er war am Sonntag morgen in seinem Geburtsort … (zu Saddam Husseins Beerdigung, S.1)

Die EU ist im Großen und Ganzen erfolgreich (Leitartikel von K.D. Frankenberger, S.1) – Das wollte er wohl gerade nicht sagen.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2007 um 13.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1244


Weitere Geistesblitze in der FAZ (dpa-Meldung):

"Axa hatte den Schweizer Konkurrenten Winterthur im vergangenen Jahr von der Credit Suisse für umgerechnet fast acht Milliarden Euro in Bar übernommen."

Nanu, warum fand die Übernahme in Bar in Montenegro statt?
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2007 um 14.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1245


Gemeint ist sicher Bar-le-Duc in Lothringen.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2007 um 14.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1246


@ R. Markner

Jetzt mal ohne Ironie: In dem Satzzusammenhang gehts wohl nicht um den Ort sondern um das Geld.

Als Indiz sei dieser Artikel zum gleichen Thema genannt. Dort ist davon die Rede, daß der Betrag in bar bezahlt wurde.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2007 um 16.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1262


"irrigerweise" meint das Duden-Herkunftswörterbuch

Im Lemma-Artikel zu bleuen steht: "Das vom Sprachgefühl irrigerweise meist zu blau gestellte Verb …"

Im neuen Herkunfstwörterbuch steht jetzt unter bläuen sicher etwas ganz anderes. Daraus folgt zwingend, daß Irrigkeit bzw. Irriges nunmehr – dank Augst – deutsche Irrnorm (DIN) ist.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 01.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1266


Rechtschreibung bei der FAZ, 4.1.07, 0.30 Uhr: "Die Bundesliga erwacht aus dem Winterschlaf [...], die Trainingslager finden meist unter mediteraner Sonne statt. [...] Was die Liga bewegt, Transfers, Gerüchte, Ziele."
1. Unser "mediterran" hatte doch — auch wenn's die Aussprache bei vielen nicht so klar anzeigt (auch meine nicht) — mal was mit "terra" zu tun, oder? Kroatisch schreibt man es mit nur einem "r"; aber deutsch? Jetzt FAZ-deutsch? (Denn es kommt ja jetzt nicht mehr so genau darauf an?)
2. Ich meine übrigens, die Pluralform eines Wortes wie "Transfer" (Großschreibung, mit praktisch deutscher Aussprache, mit Genitiv-"s" im Singular) ist reif für den deutschen Plural ohne "s" (wie bei Raster, s, - und Muster, s, -). Aber die Leute, die solche Transfer regeln, also mit solchen Transfern tagtäglich zu tun haben, sehen das wohl noch anders.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 10.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1269


Die Aussprache von Transfer mit Betonung auf der zweiten Silbe ist doch nicht „praktisch deutsch".
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 13.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1270


Lieber Herr Markner,
ein gutes neues Jahr Ihnen.
Zur Aussprache von "Transfer": Das englische Substantiv "transfer" hat die Betonung auf der ersten Silbe, auch im britischen Englisch. Im amerikanischen Englisch ist auch beim Verb der Übergang der Betonung auf die erste Silbe abgeschlossen; jedenfalls habe ich es, meine ich, hier nie anders gehört. Diese Verschiebung der Betonung auf die vorausgehende Silbe und letztlich die erste Silbe ist eine ganz natürliche Entwicklung im Englischen (Germanisierung von ursprünglich nichtgermanischen Wörtern); so höre ich hier auch oft "insurance" und "police" mit der Betonung auf der ersten Silbe. Wenn das Substantiv "transfer" ins Deutsche übernommen wird, klingt der unbetonte Vokal in der zweiten Silbe wohl noch nicht ganz so wie der in "Raster" oder "Frachter", aber viel fehlt da m. E. nicht (z. B. bei "ein Transfer ist ausgeschlossen"). — Die Entwicklung der Pluralform, wie ich sie hier bei diesem Substantiv (kommen) sehe, steht zusammen mit der zu "Park", wo wir auch "Parke" und "Parks" haben.
Sollte "Transfer" von den Leuten vom Fach jedoch tatsächlich auf der zweiten Silbe betont werden, dann haben die sich da eine hyperkorrekte Aussprache angewöhnt, die eigentlich nichts mit der normalen Übernahme solcher Wörter aus dem Englischen ins Deutsche zu tun hat. Und daß die alle das "a" richtig englisch aussprechen, kann ich mir auch nicht vorstellen. Aber wie gesagt, ich geh mit diesen Leuten nicht um.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Horst Ludwig
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 13.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1271


Danke gleichfalls! Ich nehme an, daß Transfer von frz. transfert kommt und nicht den Umweg über das Englische genommen hat. Letztlich ist das Lateinische die Quelle.
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 16.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1273


Mein Duden (1961) und mein Wahrig (etwa gl. Zeit) betonen "Transfer" nur auf der zweiten Silbe. Beide Wörterbücher kennen überhaupt keinen Plural dieses Wortes (der Wahrig behauptet übrigens, daß das Wort auf dem Umweg über das Englische ins Deutsche gekommen sei).
Wie dem auch sei, beides ist wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Man kann heute durchaus auch die Aussprache mit Betonung auf der ersten Silbe hören.
Ich ziehe perönlich den Plural "Transfere" vor. Auch "Transfers" erscheint mir annehmbar, aber keinesfalls der Plural "Transfer". Der Vergleich mit "Raster" oder "Frachter" erscheint mir verfehlt, weil die Aussprache ganz anders ist. Im Gegensatz zu diesen Wörtern wird bei "Transfer" – unabhängig von der Betonung – die zweite Silbe recht deutlich und lang ausgesprochen (in etwa "Transfehr"), keinesfalls wie in "Raster" (in etwa, besonders berlinerisch, "Rasta").
Was das Amerikanische anbetrifft, so bezweifele ich, daß sich die Betonung des Verbs auf der ersten Silbe so völlig durchgesetzt hat. Es gibt, im Gegenteil, eine durchaus starke Tendenz, Substantiv und Verb unterschiedlich zu betonen. Daher bezeichnet eine meiner amerikanischen Quellen die Betonung des Verbs auf der ersten Silbe ausdrücklich als "falsch". Das Encarta-Wörterbuch kennt nur die Betonung des Verbs auf der zweiten Silbe.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 19.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1274


Ich trage, wo ich gehe, ...

seit meinen ersten Schuljahren "Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter" (9. neubearb. Aufl, 9. Neudruck, Leipzig: Bibl. Institut, 1926) bei mir. Manchmal scheint es sogar zu ticken (das Buch). In diesem stehen u.a. die Lemmata transferieren und transportieren, angesehen von z.B. Transsept (ebd., S. 493, Sp. 3), das sich in Fraktur entschieden besser liest als in der Schreibung hier. Nur scheinbar inkonsequent, sicher aber irgendwie stochastisch motiviert, gibt es auch Lemma-Artikel zu Trajekt (ohne Verb), so daß ein Lemma-Artikel Transfer zum verzeichneten Verb zu erwarten wäre, alldiemal transportieren den Transport nicht ganz ordinair überholt. In eben diesem Buch haben wir auch Transposition ohne transponieren, was Linguisten heutzutage sicher nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Abgesehen vom verdienten (oder auch nicht) "Manhattan Transfer" ergibt sich wohl die Regel der Stammbetonung solcher neben den -ieren-Verben stehenden Nomina (die ontologische Herkunftsfrage wäre die zu Ei und Henne). Umwege sollte man für sie nicht suchen, denn sie sind gewissermaßen synchron (nicht: synchronisch!) dem lateinischen Steinbruch zuhauf auch fürs Deutsche entbrochen.

Wenn man die genannte Rechtschreibung sich vor der Folie der einst zum Kostenpunkt von 30 Pfg. feilgebotenen "Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis", hrsg. im Auftrage des Königlich Preußischen Ministeriums der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten, zu Gemüte zieht, dann wird es geradezu und unausweichlich unterhaltsam.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 19.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1276


Was halten Sie von Transſept?

(Nachtrag: Das Lang-s hat die Unicode-Nr. 0383 [hex. 017F].)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 19.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1277


Sicher war ich nicht deutlich genug. Da Sie, Herr Wagner, mich so direkt fragen, bekenne ich, daß diese Schreibung mir die bessere scheint. Nach dem Dahinscheiden der Schreibmaschine (außerhalb der Schweiz) und omnipotenten Typensätzen für den Computer wäre es zum einen leicht und zum andern leseerleichternd eben so zu schreiben.

Der Beweis: Setzt man einen Fraktur-Duden in Times-Proportional um, hat man den Effekt, daß der Text entschieden mehr Platz beansprucht und sich das ohnehin Kleingedruckte schlechter liest.

Transsept liest sich in der von Ihnen vorgeführten Schreibung also entschieden besser als in der hier gesetzten. Aber welcher Verlag, Layouter usw. ist bereit, eine mit einem solchen Typensatz verfertigte Datei entgegenzunehmen und zu bearbeiten?
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 19.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1279


Man kann heute durchaus auch die Aussprache mit Betonung auf der ersten Silbe hören? Wo denn? In der Schweiz vielleicht? Mir ist es noch nicht unterkommen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 21.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1281


Eigentlich gehört diese Diskussion nicht unter "Fundstücke"; aber sie ist ganz interessant, meine ich, auch weil sie Denkweisen offenlegt. Ich meine, daß dieses Wort, was "Transfers" in unserem Profi-Sportleben angeht (also nicht z. B. ein [transfehr] mit einer Fähre vom Festland zu einer Insel), aus dem Amerikanischen kommt, wo sich diese Art Unterhaltung zuerst ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten geschaffen hat. Und was in den Wörterbüchern steht, das weiß ich mehr oder weniger auch. Aber wenn meine eigene Erfahrung nicht mit dem übereinstimmt, was diese Bücher sagen (z. B. die "Experten" da beim *Duden*), da werde ich aufmerksam, und ich stelle da meine eigenen Fragen, z. B. jetzt eben im Sekretariat, wo eine Studentin ganz klar auf "*trans*fer" besteht ("he transfered from another college", "we transfered this into another file", also sowohl beim transitiven als auch intransitiven Gebrauch dieses Verbs); und diese Studentin ist aus Virginia. Als dann die Sekretärin (aus Minnesota, also dem Mittelwesten [wo wir ja das beste Amerikanisch sprechen, nicht wahr, ja]) selbst zurückkam, stellte ich ihr die gleichen Fragen, wieder ohne das Wort selbst zu sprechen, sondern ich hielt es ihr geschrieben vor, und das Ergebnis war das gleiche. Worum es denn ginge? Naja, ob vielleicht "trans*fer*" möglich wäre. "No, never. That would be wrong!" Das also zur "ausdrücklich" falschen "Betonung des Verbs auf der ersten Silbe". Und für mich ist dabei wichtig: Nicht einmal das vorschreiberische "That is wrong!", sondern "That would be wrong!"
Noch kurz zur Auswahl der "Quellen": Wie heißt die *simple past tense*-Form zum Verb "dive" (er sprang vom 3-Meterbrett)? Als ich einen sehr beschlagenen Deutschlehrer in England danach fragte, wußte er, was ich auch aus Büchern und auf der Universität gelernt hatte, und nannte die Form, die ich hier immer höre, "uneducated" und die, die er selbst benutzt, "richtig". (Ich will hier nichts vorwegnehmen, möchte aber auf die Imperfektform von "fragen" hinweisen, die bei Storm durchaus auch "frug" ist und deshalb also "falsch" sein muß.) — Und eben befragte ich auch meine Tochter, geborene Amerikanerin und ausgezeichnete Studentin und sehr gute Schwimmerin, zu den Verben "transfer" und "dive", und sie spricht halt so, wie alle hier sprechen, auch die, die vom Fach sind.
Und noch weiter zum "Standard": "Standard English is the English of those people who run the affairs of the English speaking world [und gemeint ist: 'run well', weil sie etwas davon verstehen; George Dabbeljuhs Englisch gehört also nicht dazu]." Wenn hier mein Arzt zu mir im Englisch des Mittelwestens sagt: "Lay down", und ich, der ich gebildet bin, also richtig frage: "What?", und er, weil auch er weiß, was in diesem Fall richtig ist, wiederholt: "Lay down", und ich, Sprachlehrer und gut aufgelegt, wieder regelrecht frage: "What?", und er professionell wiederholt: "Lay down", und ich dann, höflich helfend, frage: "You want me to lie down?", worauf er dann antwortet: "Yes, lay down", dann ist in dieser Situation meine Krankheit die wichtigste "affair in the English speaking world", und ich erkenne an, daß es im Mittelwesten hier bei vielen Sprechern den Unterschied zwischen "lie" und "lay" nicht mehr gibt. Und damit leben wir gar nicht so schlecht; auf jeden Fall hat mich mein Arzt wenig später als geheilt entlassen.

Im übrigen würde ich gern wissen, wie die Vereinsrepräsentanten, die diese "Transfers" im Profi-Fußball diskutieren und beschließen, dieses Wort in ihren Verhandlungen — unter Ausschluß jeder Öffentlichkeit also, also auch nicht auf unsere Anfrage hin — aussprechen, z. B. wenn sie z. B. Ballack vom europäischen Festland nach Großbritannien "abschieben" wollen, — wo's also nicht darum geht, welches Transportmittel in diesem Falle benutzt werden soll. — Aber Herr Achenbach hat mit seinem Hinweis auf das berlinerische "Rasta" recht. Deshalb formulierte ich schon "mit praktisch deutscher Aussprache" und "viel fehlt da m. E. nicht". (Doch gerade eine schnoddrige — naja, also nonchalante — berlinische Aussprache des "Transfer" aus dem Sportjargon könnte meine vorsichtigen Einschränkungen noch [stark] verkleinern!) — Auch Achenbachs vorgeschlagene Pluralform "Transfere" (parallel zu "Transporte") ist eine Möglichkeit der Zukunft, setzt aber wohl mehr die Betonung auf der zweiten Silbe voraus, und dieses "Transfer" hat, wie es seine Wörterbücher aus den sechziger Jahren richtig sehen, keinen Plural. Aber ich selbst habe ja auch nur meine eigene Meinung geäußert, wenn ich sagte, dieses "Transfer", das aus dem Profi-Sportvokabular, sei "reif" für eine völlige Eindeutschung. Das Verb "schocken" hat doch auch sehr schnell und sehr schön Bürgerrecht in der deutschen Sprache bekommen. Den Grimm-Brüdern stieß die eigentlich doppelte Infinitivendung der Verben auf "-ieren" negativ auf; wenigstens bei "schocken" hat das Englische jetzt zur Lösung dieses Problems verholfen. Ob ich wohl die Pluralformen "Transfere" (Achenbach) oder "Transfer" (Ludwig) noch erleben werde? Zu wünschen wär's aus mehreren Gründen.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2007 um 23.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1283


Neben dem gelegentlichen spinnefeind gibt es noch das ganz seltene spinnefremd, eine Erfindung Tucholskys, wie mir scheint („Berlin! Berlin!“). Einen weiteren Beleg dafür aus der Literaturbeilage der ZEIT findet man nur noch in Googles Cache:
»Jenny Erpenbecks Figuren sind vom Unglück begünstigt, doch am Ende leider tot. Erpenbecks Geschichten erzählen von Subjekten, die gegeneinander spinnefremd und verschlossen sind in ihrem jeweiligen unglücklichen Bewusstsein. Die sich im Belauschen, im misstrauischen Abhorchen bis in den Schlaf verlieren, sich nichts trauen, nie kühn den Ausbruch wagen. „Daß ich immer nur sehen darf und dieses Sehen mich schon ganz vergiftet hat“, heißt es einmal sehr schön. Leider geht es mit den Texten ebenso, die ein sentenziöser Blick regiert, sodass sie immer nur symbolisieren müssen und dieses Symbolisieren sie schon ganz vergiftet hat.«
(Bemerkenswert: Der besprochene Text „Der Balladenrest vom Fest“ ist offenbar in herkömmlicher Rechtschreibung, die Rezension reformiert.)

Noch etwas zum reformschrieblichen Spinnefeind: Die TAZ hat sogar einen Beleg für eine substantivische Verwendung hinbekommen – allerdings schon vor der Umstellung, wie die s-Schreibung zeigt (Quelle: wortschatz.uni-leipzig.de):
»Der Fifa-Boß droht seinem Spinnefeind Pelé sogar mit dem Ausschluß Brasiliens von der WM 1998. (Quelle: TAZ 1997)«
Laut dem Leipziger Wortschatzlexikon hat es die WELT fertiggebracht, im Jahr 2000 über die Wiederkleinschreibung von spinnefeind zu berichten, es im nächsten Jahr dann aber doch groß zu schreiben (siehe hier).
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2007 um 10.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1284


Doppelte "Endung"

Den Brüdern Grimm mag die doppelte "Endung" -ier-en am Infinitiv aufgestoßen sein. Nach heutiger Morphologie handelt es sich indessen um zwei Suffixe:

das hie und da zuweilen dank des Englischen eliminierte Ableitungssuffix -ier, welches vom französischen Suffix -ir stammt und lange französisch geschrieben wurde, und

das zweifellos deutsche Infinitivsuffix -en, das schon deshalb keine Endung ist, weil wir sonst ein Finitum und keinen Infinitiv hätten.

Aber auch das hat nicht unmittelbar mit der Schreibung des Deutschen zu tun, eher mit Bedeutungs- oder Stildifferenzierung. Scheinbar synonyme Verben wie schockieren und schocken bleiben schon aus sprachökonomischen Gründen (s. Ullmann, Apresjan) nicht lange synonym, weil sie sich zur Differenzierung geradezu anbieten. Der sprachpuristische Versuch, eins von ihnen aus ästhetischen o.ä. Gründen zu eliminieren, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die Sprachgemeinschaft geradezu scharf darauf ist, differenzieren zu können, auch wenn die Deformer der deutschen Graphie völlig anderer Meinung waren und hoffentlich nicht mehr sind.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2007 um 17.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1286


Irgendwo wurde hier bei der Sprachforschung vorgeschlagen, die FAZ-Schreibung nach dem Umfallen dieser Zeitung zu beobachten, wie weit sie wohl gehen würde. Hier ein Beispiel: "Drei bis vier Monate habe er gebraucht, um in seinem Leben einen Sinn jenseits des Internets zu finden. Erst jetzt, ein halbes Jahr später, sei er wieder der Alte."
(5. Januar 2007)
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2007 um 22.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1291


muellerbuch@web.de

"Stimmen der Anderen", F.A.Z. Seite 2

Ist das neu?
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2007 um 01.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1293


Nein.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2007 um 17.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1295


Weiter zur FAZ-Hausschreibung:
"Dass man mit Zahlen nicht nur rechnen, sondern auch phantasieren kann, bleibt zu oft außer Acht." (Text: F.A.Z., 06.01.2007, Nr. 5 / Seite 1)
Und worauf soll "'Gouvernator' auf Krücken", 06. Januar 2007 (siehe hier) anspielen? Auf "Tor" etwa? Schwarzenegger wurde mal — gar nicht so dumm übrigens ("faux-extrapolated [aus] 'gubernatorial'") — "gubernator" genannt, und selbst das "bastardized 'governator'" wird hier, wo's im Zusammenhang richtig verwendet wird, nicht mit "ou" geschrieben.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 07.01.2007 um 16.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1298


Bei der *FAZ* scheint ein Duden-Korrekturprogramm zu korrigieren (sowieso natürlich bei der "ss"- statt "ß"-Schreibung):
"[...] aber diesmal exhaliert die 38-Jährige keine eigenen Texte über verflossene Liebhaber, [...]
Ich war dabei, Songs auf Englisch zu schreiben,[...]"
Aber dann finden wir auch wieder:
"Sonst bin ich also: tief und rauh."
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.01.2007, Nr. 1 / Seite 20
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.01.2007 um 21.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1300


Und hier etwas Schreibarbeit der *Welt*:
"Sie haben Jahrzehnte in Italien gelebt, jetzt wohnen Sie seit einem halben Jahr wieder in Los Angeles, wo Sie in den frühen Achtziger Jahren für den Senat kandidiert haben. [...]
Unmöglich, solange wie ich in Hollywood und der Politik zu sein, und die Reagans nicht zu kennen. [...]
Lass uns unserer Atomwaffen abschaffen. [...]"
Aber dann wieder auch:
"Im wesentlichen haben sie gesagt: 'Der Präsident ist gaga, hört nicht auf ihn.' [...]
Sie hatte enormen Einfluss auf Ronnie und fing an, auf ein Ende des Kalten Kriegs hinzuarbeiten."
Aber reformiert hatte das Adjektiv "Bremer" z. B. in "die Bremer Stadtmusikanten" doch auch mal "wie alle anderen Adjektive" klein geschrieben werden sollen, oder? Jetzt sehe ich am Fehler oben, daß wir auch bei den "den achtziger Jahren" ein Adjektiv einer speziellen Gruppe haben: die achtziger Jahre — keine besonderen attributiven Endungen und auch kein Gebrauch als prädikatives Adjektiv. Naja, das kann ein Korrekturprogramm schon verwirren.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 09.01.2007 um 08.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1304


In magazin.classic.com (jedenfalls in diesem Zitat) befindet sich eine Kritik von Uwe Schneider mit der Überschrift "Nicht der Rede Wert". Das scheint zunächst reformbedingt falsch, nach dem Lesen allerdings habe ich Zweifel, ob das Substantiv "Wert" tatsächlich statt des Adjektives "wert" da stehen soll. "Sprache ist dazu da, den Sinn zu verdunkeln" – so ähnlich las ich mal vor etlichen Jahrzehnten als Zitat aus der Antike. Weiter unten lese ich in der gleichen Kritik, die Chemnitzer Philharmonie sei ein gutes, wohl klingendes Orchester. Auch hier fühle ich mich an der Nase herumgeführt, vermutlich klingend – ein Orchester wird ja wohl klingend sein, ein gutes Orchester vielleicht sogar wohlklingend. Aber das Orchester wird in der Zwischenüberschrift "schläfrig" genannt. Dann klingt es wohl gar nicht so recht.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.01.2007 um 18.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1313


Wer bei der *Welt* macht da nicht so mit?
"Die Europäische Union ist wegen der unterbrochenen Öl-Lieferungen sauer auf Rußland. [...]
Öllieferungen: Streit zwischen EU und Rußland
Foto: dpa
Berlin - Nach der dreitägigen Unterbrechung von russischen Öllieferungen nach Europa hat die EU mehr Verlässlichkeit von Moskau gefordert. [...]" (http://www.welt.de/data/2007/01/11/1173429.html)
Aber dann hatten wir gestern auch dieses:
"Nicht weniger als der WM-Titel erwartet die Scuderia von dem 27-Jährigen Finnen." (http://www.welt.de/data/2007/01/10/1172220.html) Und auch das spricht für sich selbst.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 12.01.2007 um 15.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1331


Der Nominativ ist dem Akkusativ sein Tod

"Die Welt" als Vorreiter der nächsten Reform, diesmal die der Grammatik. Weil viele nicht in der Schule, sondern in "Die Welt" Schreibende zwischen Nominativ und Akkusativ nicht zu unterscheiden wissen, ist letzterer per Reform zu "canceln". "Die Welt" wird diese Reform "sponsern".
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 12.01.2007 um 20.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1332


(Was haben Sie denn konkret in der „Welt“ gelesen, lieber Herr Schatte?)

Wie steigert man „wohlklingend“? Eine Möglichkeit steht hier: „wohlklingerend“.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.01.2007 um 23.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1336


Das ultimative Wort zur Rechtschreibreform

Heute auf WDR 3 Heinz Becker alias Gerd Dudenhöffer: "Wieso muß man jetzt dass mit zwei s schreiben - eins hat doch gelangt." (Und noch mehr schöne Bonbons.)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2007 um 14.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1337


Gelesen habe ich in "Die Welt online" (http://www.welt.de/data/2007/01/11/1173429.html), lieber Herr Wagner, dasselbe, was auch Herr Ludwig gelesen hatte. Heute kann man es nicht mehr so lesen.

Möglicherweise, wenn es auch höchst unwahrscheinlich ist, schaut einer der "Die-Welt-online"-Redakteure ja zuweilen in dieses Diskussionsforum. Wie sich zeigt, war dieser Akkusativ von der Redaktion nur halbtod gedrückt bzw. gedruckt worden und ist inzwischen von dieser reanimiert worden.

Besonders ergiebig sind in "Die Welt online" die Texte unter den Fotos der Bilderserien. Wahrscheinlich deshalb, weil diese ja Bildredakteure verfassen. Solche wissen so ziemlich alles über Bildbearbeitung, Layout, Design, Pepp, Aufmache und dergleichen, sind ihrer Aufgabe aber sprachlich nur dürftig gewachsen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2007 um 20.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1342


"Möglicherweise, wenn es auch höchst unwahrscheinlich ist, schaut einer der "Die-Welt-online"-Redakteure ja zuweilen in dieses Diskussionsforum." (#1337) Ach, die haben keine Zeit dazu. Aber ihrer Sache sicher sind sie jedenfalls nicht:
"Kriminalität
Tödliche Geiselnahme in Mecklenburg
Zwei 17-jährige werden bei ihrer Tat überrascht und die Situation gerät außer Kontrolle. [...]
Zwei 17-Jährige töteten bei einem brutalen Überfall ein Ehepaar [...]
WELT.de/dpa
Artikel erschienen am 14.01.2007"
(http://www.welt.de/data/2007/01/14/1176888.html; so jedenfalls am 14.01., 19:00 Uhr MEZ)
Und dies hier offenbar aus der Papierausgabe selbst (wenn auch hier aus *Welt.de* übernommen), allerdings nur mit nachlässigem Korrekturlesen (und bloßem Verlaß aufs Korrekturprogramm):
"Sinnlos vor- und zurücksetzten, hektisch kurbeln und am Ende schimpfen: Wie soll ich auch in diese Lücke kommen, wenn alle anderen so bescheuert geparkt haben!
Artikel erschienen am 14.01.2007"
(http://www.welt.de/data/2007/01/14/1174715.html)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2007 um 20.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1345


Schon gestern war http://www.welt.de/data/2007/01/10/1172220.html korrigiert worden, jetzt steht da: „Nicht weniger als den WM-Titel erwartet die Scuderia von dem 27-jährigen Finnen.“ Meinten Sie vielleicht das, lieber Herr Schatte?
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2007 um 21.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1347


Daß Bildtexte von Bildredakteuren geschrieben würden, ist natürlich Unsinn. Tatsache ist, daß Online-Textredakteure, das hängt wohl mit Begabung zusammen, meistens noch größere Rechtschreibprobleme haben als gemeine Textredakteure. Tatsache ist weiter, daß Online-Texte unter Zeitdruck eingestellt werden; sie haben damit den Status von Texten gemeiner Textredakteure "vor Korrektur". Und manchmal guckt dann später noch ein Kollege drüber, der etwas von der Sache versteht, manchmal auch nicht. Voilà tout.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 14.01.2007 um 22.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1348


Aus VIEW, Ausgabe Januar 2007

»Es ist das erste und einzige Mal, das ein anonymes Bild den renommiertesten aller Journalisten-Preise gewinnt.« (Editorial, S. 3)

»Ihre Boardkarte, bitte …« (Karikaturen, S. 73; Begleittext: »Nachdem er sieben Stunden erhöhte Sicherheitskontrollen überstanden hatte, erwartete Larry eine letzte Herausforderung«; Szene: Die Bordkarte [!] ist alles, was Larry beim Abflug geblieben ist, seine Scham zu bedecken)

»Der Delfin droht, an Plastikteilen zu sterben, die er von der Pool-Wand geknabbert hat.« (Wissen & Wunder, S. 121. – Endlich: ein waschechtes Eisenbergsches Komma! Dies auch auf www.welt.de: »Staatliche Medien berichteten, die Delfine im Aquarium von Fushun im Nordosten des Landes hätten Plastikteile verschluckt und drohten, daran zu verenden.«)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2007 um 10.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1350


Aus dem jüngst von Sigmar Salzburg erwähnten Spiegel-Artikel über die „behänden Fische“ (siehe hier), Zwischenüberschrift und laufender Text, Hervorhebung hinzugefügt:

»Heute tummeln sich die Fremden mitten in Moskau

Viel weiter östlich, in den Einzugsgebieten von Dnjepr, Don und Wolga, beobachteten Fachleute denselben Trend. Heute tummeln sich die Grundeln Mitten in Moskau. […]«

»Welche katastrophalen Auswirkungen die Zuwanderung von Tierarten aus dem so genannten Pontokaspischen Raum haben kann, verfolgten Biologen bereits am Beispiel […]«
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 16.01.2007 um 22.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1353


F.A.Z., 17.01.2007, Nr. 14 / Seite 31
Diesen Text ("Hartz-Prozess [/] Kraft durch Freudenmädchen") sollte man nicht nur deshalb lesen, weil es da mit richtigen "ß" und reformierten "ss" durcheinander geht ("'Das Glück der Familie Porsche' müßte der zweite Band jenes Romanzyklus' heißen", "der Prozeß gegen Peter Alwin Hartz", "An welchem Fluß liegt eigentlich Wolfsburg?", "die es folgerichtig sein läßt", im letzten Absatz aber dann doch zwei "dass"), sondern auch, weil man sich Formulierungen wie "alle, alle, die Chefs und die Arbeiterklasse und die Chefs der Arbeiterklasse" nicht entgehen lassen sollte. Und auch, weil er zeigt, daß die FAZ ihren Lesern doch breit und in Einzelheiten Attraktiveres bieten kann als Information zu wichtigen Kulturfragen, z. B. zur Rechtschreibreform.
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2007 um 11.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1362


Öl-Pipeline lahm gelegt

So lautet eine Überschrift bei FAZ.net vom 19.01.
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2007 um 13.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1364


In der FAZ geht es mit daß und dass munter durcheinander. Irgendwie bekommt der Konverter immer wieder mal Aussetzer. Erst geht es in diesem Artikel aus der FAS vom 06.01. mit daß ganz ordentlich los, bis dann im Nebensatz "daß dahinter ein Staat stehen muss" der Konverter wieder einsetzt.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.01.2007 um 16.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1369


www.welt.de/data/2007/01/19/1182635.html
"[...]; sie gehören zu den meist verkauften Büchern überhaupt."
Solche Schreibung (wie also auch bei "lahm gelegt" und "so genannt[en]" und in www.culture.hu-berlin.de/ab/start.html (der Humboldt-Universität!) "Dr. [X. X. /]
Instituts Koordinator [/] Sprechzeit [...]") führt wohl nicht allgemein zu Ausspracheveränderung, aber es führt sicher zum erstmal falschen Sprechen des Textes.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 21.01.2007 um 08.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1371


Die WELT nach Dudenempfehlung
und ein unvorhergesehenes Problem

Franz Xaver Kroetz im Interview:
Ja gut, das war natürlich der Blick eines jungen Revolutionärs auf eine Gesellschaft, die er gerne bei Weitem besser hätte haben wollen. Man wollte nichts Gutes sehen an dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft. Wobei ich nie den Fehler machte, zu glauben, an der DDR sei irgendetwas gut. Dieses kleinbürgerliche Stäätchen war nicht mein Bier. Deshalb bin ich ja auch aus der DKP wieder ausgetreten.

WamS 21.01.2007
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 21.01.2007 um 12.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1373


Ein Zufallsgenerator am Werke?

Liest man "Die Welt" und in ihr die außerhalb jeder Regel liegenden Großschreibungen (z.B. von Pronomen), drängt sich einem der Verdacht auf, man hätte dort – aus Verzweiflung über die neuen Regeln? – einfach einen Zufallsgenerator ins Texten einbezogen. Das Gerät hat sicher viel gekostet. Käme es nicht billiger, die Schreiber(linge) des Blattes aller zwei Wochen zu einem Lehrgang "Schreibungstraining" zu schicken? In einem solchen könnten die Griffelhalter dieses Blattes dann lernen, daß der Plural von Saal nicht "Sääle" verschriftet wird und "sie" etwas ganz anderes ist als "Sie".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.01.2007 um 13.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1374


The demons are among us

Chr. Geyer, der neuerdings in der FAZ über den Klimawandel (was wandelt sich da eigentlich?) schreiben darf, trennt, bzw. läßt trennen, demons-trieren. Und auf S. 37 (FAZ von heute) steht Lamar-ckismus.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 24.01.2007 um 07.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1376


Nicht erst seit gestern, seit Langem:

Der Klimawandel nimmt auch alten Volksliedern ihre Bedeutung: Die viel besungenen Frühlingsboten Amsel, Drossel, Fink und Star sind schon seit Langem keine echten Zugvögel mehr, wie der Frankfurter Zoologe Wolfgang Wiltschko am Dienstag sagte.

Die Welt online 24.01.2007
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.01.2007 um 14.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1378


Zu 1376:
Empfohlene erzwungene Großschreibung
(Auf Klarreformlerisch: Auch "gestern" wurde ja schon von Großen seit Langem groß geschrieben!)
"[...]
Ich fühle, wie sie's drängt zu törichten Entschlüssen,
Wie sie die Augen schließen und wie sie quälen müssen,
Wie sie ein jedes Gestern für jedes Heut begraben,
Und wie sie nicht verstehen, wenn sie getötet haben.
*Tränen ersticken seine Stimme.*" (Ende von Hofmannsthals *Gestern*)
Jaja, wenn man glaubt, daß die Präposition die Wortart des Objekts der Präposition bestimmt, und das denn auch hochtrabend lehrt, so daß KultusministerInnen und deren BeraterInnen das auch gleich glauben können, dann kommt schon was raus. Bei "bis daß der Tod euch scheide" hören sie gar nicht mehr hin, naja, und bei Unsicherheit mit dem, was bis Morgen abgesichert gültig sein soll, tippen wir's halt in'n Computer und lassen's uns von da vorschreiben. So weit ist's mit der Kultur denn nun auch nicht wieder her, nicht wahr!
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 24.01.2007 um 21.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1379


Die Trennung Lamar-ckismus ist zwar unschön, aber durchaus "korrekt". Am besten wäre natürlich, überhaupt nicht zu trennen, aber das ist in Zeitungsspalten manchmal nicht möglich.
Und was spricht eigentlich gegen demons-trieren außer der alten st-Regel?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 25.01.2007 um 08.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1380


Na, ich weiß denn doch nicht...

Würden Sie im Lateinischen mons-trare trennen?

Natürlich wäre es am besten, Lamarckismus ungetrennt zu schreiben. Lamark-kismus sähe genau so blöd aus.
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 25.01.2007 um 13.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1382


Ohne genau sagen zu können warum, würde ich wohl auch mon-strare und demon-strieren trennen. Allerdings würde ich auch eher ab-strakt trennen, obwohl es heißt, daß abs-trakt die strukturell richtige Trennung ist. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auch lieber Kar-pfen als Karp-fen trennen.
Zumindest phonetisch sehe ich keinen ernsten Grund gegen die Trennung mons-trare. Es bleibt die Frage, ob und wo hier vielleicht eine Bildungsfuge vorliegt. Dazu müßte man aber Etymologie von "monstrare" kennen. Nach den neuen Regeln wäre übrigens die Trennung mon-strare nur zulässig, wenn der Trennstrich zugleich die Fuge kennzeichnet.
Für meinen Geschmack sieht Lamark-kismus noch blöder aus. Laut Duden 1991 wird das ck nach einem Konsonanten in Eigennamen nicht getrennt. Danach ist nur die Trennung Lamar-ckismus zulässig. Im Duden 1961 habe ich diese Regel allerdings nicht finden können. Streng genommen wäre seinerzeit also nur Lamark-kismus korrekt gewesen. Ich halte das aber eher für eine Lücke in den damaligen Regeln.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 25.01.2007 um 16.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1383


Um Klaus Achenbach und Kratzbaum zu bestätigen: Ungeteilt ist zweifellos am besten. Ich bin überzeugt, daß seit eh und je richtigerweise gilt: Mit Personen- oder personenbezogenen Namen sollte man sorgsam umgehen und sie nicht verhunzen, auch nicht durch Zeilenumbruch. Der Seriosität halber sollte man sie dem Leser ungeteilt anbieten, egal welche Trennmöglichkeiten einem einfallen. Da würde ich nicht lange überlegen ...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2007 um 13.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1384


Professioneller Käse

Die Angestellten der Team-Bank in Nürnberg sollen sich in Zukunft auf- und abwärts duzen. Der Teambank-Chef fürchtet keine Respektlosigkeit. Das Du sei "Ausdruck von Professionalität im Sinne des englischen You". (OZ von heute) – Ist ja klar, die Angelsachsen duzen sich ja alle und jederzeit.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2007 um 15.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1385


Mir ist noch nie jemand begegnet, dem bewußt war, daß sich die Anglophonen ausnahmslos ihrzen. Das sagt wohl etwas aus über die geistige Tiefe des Englischunterrichts an deutschen Schulen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2007 um 16.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1386


>>Das Du sei "Ausdruck von Professionalität im Sinne des englischen You".<< (#1384 )
Wie naïv Leute doch Umgangsformen sehen und sich von der Änderung einiger davon (und einiger Schreibformen) große Resultate versprechen, wo zu großen Resultaten ganz anderes wirklich gefragt ist, nämlich Übung und Einsicht in Systeme. Beides ist nicht leicht zu erwerben; die Veränderung von Formen kann man aber befehlen. Und da meinen dann die derart "Führenden" selbstgefällig, sie hätten etwas zur wirklichen Sache erreicht, weil doch alle Untergebenen ihren Anweisungen folgten. Aber bei all ihren Englischkenntnissen sehen sie z. B. nicht, wie auf der Pressekonferenz im Weißen Haus die Journalisten mit einem Ausdruck von Professionalität "Mr. President! Mr. President!" schreien und der Präsident dann antwortet: "I am glad you asked that question, Joan [oder John, wenn er sich nicht verliest — oder aus anderen Gründen]."

Noch zur geistigen "Tiefe des Englischunterrichts an deutschen Schulen" (#1385): Nicht alles bleibt hängen, was durchaus richtig gelehrt wird. Und auf richtig Gelehrtem und auch Mitbekommenem später richtig aufbauen, das ist auch nicht jedem gegeben. Das ist ein weites Feld. Womit ich aber nicht sagen will, daß sich unsere Unterrichtsleiter immer genau über das informieren, was sie da unterrichten. (Aber dafür sind sie doch eigentlich in den Dienst genommen worden. Oder?)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2007 um 16.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1387


Es sagt auch etwas über den Führungsstil in deutschen Unternehmen aus. Ein Chef, z. B. in den 50er Jahren verlangte von allen Mitarbeitern das Sie. Das Du ist damals sicher nur selten von Chefs angeboten worden, denn man ist als Untergebener nicht frei, es zurückzuweisen. Vielleicht ist es damals nicht einmal bei den engsten Mitarbeitern angewandt worden. Wenn sich Mitarbeiter untereinander duzten, dann war das deren persönliche Entscheidung.

Heute wird das Du dagegen "verordnet" - wie die RSR. Man hat keinen Spielraum mehr. Es wird inflationär vergeben und hat im Grunde keinen Wert mehr. Das "Sie" drückt auch Respekt vor dem anderen aus. Als Schüler empfindet man den Augenblick, wenn man erstmals gesiezt wird oder ganz allgemein, wenn man von Erwachsenen gesiezt wird als eine persönliche Aufwertung.

Wenn ich zum Einkaufen in ein Geschäft gehe und vom dortigen Personal geduzt werde, dann empfinde ich das nicht als eine besondere Wertschätzung sondern eher als das Gegenteil, auch wenn es anders gemeint sein sollte. Man kann nämlich nicht erkennen, wie es gemeint ist. Das Sie dagegen wird immer unverdächtig als respektierend empfunden.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2007 um 20.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1389


muellerbuch@web.de

Heutige umfangreiche "Theater- und Konzertbeilage" der WAZ:

"Das goldene Vliess"
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 27.01.2007 um 09.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1390


Die Welt online v. 27.01.2007

Wilhelm II. war der erste moderne Deutsche

Der letzte deutsche Kaiser zog zeitlebens viel Spott auf sich. Nach seiner Abdankung war er plötzlich an allem Unheil Schuld.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 27.01.2007 um 09.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1391


... um Haares Breite

Brenzlige, ja bisweilen tödliche Situationen, wie sie Kriegsfotoreporter durchmachen, kennt G.M.B. Akash nicht. Doch auf der Suche nach dem besten Bild schrammte auch der preisgekrönte Fotograf aus Bangladesch schon um Haares Breite am Tod vorbei.

Spiegel online 26.012007

Man traut der deutschen Sprache das Wort „Haaresbreite“ nicht mehr zu.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,462052,00.html
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2007 um 11.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1392


Wer zwingt eigentlich die FAZ zur piefigen „-Jährigen“-Schreibung?

Die CDU-Bundesvorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, dankte Schönbohm ... „Ich glaube, dass Sie eine Menge geschafft haben“, sagte Merkel zu dem 69-Jährigen. (faz.net 28.1.07)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 02.02.2007 um 18.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1403


FAZ-Schreibung ("Text: FAZ.NET mit Material von dpa") wenn auch hoffentlich nicht so gedruckt auf Papier:
Die Exkommunikation kommentierte der Schlagzeilen-trächtige Mit-Siebziger mit den Worten: „Die Kirche hat auch Hexen verbrannt“.
Bei
„Ich bin Katholik!“, betonte „Mörtel“.
aber reformfreudig mehr Zeichen als wirklich normal nötig.
Zum Inhalt da selbst: Sind exkommunizierte Katholiken wirklich "aus der Kirche ausgeschlossen", oder eben doch nicht nur "vom Tisch des Herrn"? Wie zuverlässig ist da die Berichterstattung?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 05.02.2007 um 19.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1414


"So geschrieben erfordert der Satz ein Fragezeichen nach 'wie', und dann geht's natürlich groß weiter." Das wäre mein Kommentar.
Müßte wirklich *wie viel* auseinandergeschrieben werden, um den Ausruf anzuzeigen? Ich kann mir einfach keine Betonung vorstellen, die das rechtfertigte. Bei "so viel" machte ich noch mit, jedoch nur, weil wir da eben auch noch sehr oft die Interferenz durch die Konjunktion "soviel" hätten. Aber bei mir steht das "viel" im Fragewort "wieviel" als Einzelkonzept wohl doch allzusehr in Frage; die Zusammensetzung ist für mich *ein* Konzept (also haben wir das als Fragewort). Auseinanderschreibung entspräche für mich in jeden Falle nur gekünstelter Vorschreiberei. Da hilft auch nicht "wie viele". Denn "viel" ist eben nicht einfach der Singular von "viele": der Singular von "viele Salze" ist eben nicht "viel Salz". Auch die Parallele mit "[so/zu/wie] wenig" zieht bei mir nicht: Wenn es auch den Singular "zu wenig Mensch und zuviel Tier" gibt, so ist einmal der Plural davon eben nicht "zu wenige Meschen und zu viele Tiere", wie schon klar, aber dann — und das ist für mich wichtig — habe ich eben in meiner Aussprache bemerkbar zwei Wörter und nichts Zusammengezogenes. Und niemand kann mir einreden, daß meine Aussprache durch eine bisher falsche Schreibung beeinflußt worden wäre.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 07.02.2007 um 11.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1418


FOCUS lebt noch in der Altsteinzeit der „Reform“.

Im Wartezimmer gelesen Nr. 5 v. 29.1.07:
so genannt, aufwändig …
auf S. 32 [über Seehofer]: Dem könnte auch seine feuchtfröhliche Affäre noch Leid tun …
auf S. 62 [Sieg über den Krebs]: Zahlreiche Gruppen arbeiten daran, und einigen gelangen viel versprechende Laborversuche.
auf S. 75: Während der traditionelle Stammbaum immer mehr der Patchwork-Familie weicht und viele Frauen ganz gezielt allein erziehende Mutter werden …
auf S. 104: Wie kam die Reihe zu Stande?
auf S. 142: Rechnerisch könnten sie Recht haben.

Die neusteinzeitliche Entwicklung „vor Kurzem“ ist dagegen noch nicht angekommen:

auf S. 144: vor kurzem
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.02.2007 um 21.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1422


Unausweichlich – mit einem Zug ins Kosmische

Chr. Geyer, der in der FAZ nicht nur über den Klimawandel, sondern auch über das die ganze Nation (sofern sie TV-Nation ist) bewegende Ereignis eines Moderatorenwechsels bei den "Tagesthemen" schreiben darf, heute in der FAZ:
"... unter den hundert Nachrichtengesichtern ... nur ein Einziges ..."
nach oben

Peter Henkelmann
Rockenhausen

Dieser Beitrag wurde am 07.02.2007 um 23.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1423


"Dazu bringt die Epoche der Informationsgesellschaft täglich Fakten ans Licht die unser zweifelndes Gefühl bestätigen und uns Angst und krank machen.
Die so erlangte Erkenntnis, zeigt uns als skrubbelloses rücksichtsloses Lebewesen, dass an menschlichen Wert einbüsst."

(http://www.soned.at/201d3b19d3242c5cb14a7b038b547535.html)

Auch Sprache kann krank machen ...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.02.2007 um 13.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1426


Neues aus dem Menschenzoo

Was Claudia Roth bei den GRÜNEN, das ist Ursula. v. d. Leyen bei der CDU: Substantiell wenig ergiebig, aber sprachlich immer für ein nettes Dessin gut. Laut FAZ von heute (S.4) hat sie in einem "Stern"-Interview gesagt, die Zeit der "Alphatierchen" sei vorbei. Vermutlich kommt jetzt die Zeit der Pantoffeltierchen. – Den Männern rät sie: "Entspannen Sie sich. Sie müssen nicht immer absolute Spitze sein." Das freut bestimmt den Chef.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.02.2007 um 23.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1439


Die Bindestrich-Jährigen und kein Ende:
"Sie berichten von erschreckend hohen Selbstmordraten bei zehn- bis 14-Jährigen in Nordamerika, die [...]" (http://www.welt.de/data/2007/02/10/1205754.html)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 12.02.2007 um 21.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1456


Mischschreibung bei der SZ:
"Eine repräsentative Biographie"
"für die Morde [...] zu fünf Mal lebenslänglich verurteilt"
"in Stammheim, wo sie Fritz Teufel kennen- und bewundern lernt, [...]
"Anfang der 90er Jahre, als sich die RAF selbst abwickelt, meldet sie sich noch ein paarmal zu Wort, [...]"
Und immer, wie bekannt, das "ss nach kurzen Vokalen". Ich meine, wir haben nur das bekannte Durcheinander und nicht irgendein sich vielleicht anbahnendes System.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 14.02.2007 um 12.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1458


Bad Tölz
Ich mag Dich
Informationen und Veranstaltungen Februar 2007


Dienstag, 13. Februar - 19.30 Kleiner Kursaal

»Urlaubsparadies Nordkoreanische Inselwelt:
KRK, CRES, LOSINJ, RAB«

Dia-Vortrag in Überblendtechnik / Referent: Dr. Manfred Wagner
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.02.2007 um 12.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1459


Wunderwaffe

Da hat der nordkoreanische Herrscher allein durch die Drohung mit Atomwaffen offenbar ganz mühelos und auf kaltem Wege einen ordentlichen Geländegewinn erzielt.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 15.02.2007 um 12.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1464


„behände“ Kopffüßer

Bis zu knapp zehn Stundenkilometer schnell sei der Tintenfisch geschwommen und habe seinen Körper behände gebogen, um die Richtung zu ändern.

Spiegel online 14.02.2007
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,466358,00.html
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 15.02.2007 um 17.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1465


„Insbesondere heute, in Zeiten, da die Zahl der Deutschen in der Schweiz monatlich anschwellt“ (Markus Somm: Die Stunde der Selbstgeisselung ist vorbei, in: »Die Weltwoche« 06/2007).
Mit dem Schweller auf der Orgel mag man ja Töne schwellen können, aber wie macht man das – ohne Orgel – mit Zahlen oder Anzahlen, noch dazu von Deutschen in der Schweiz?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 15.02.2007 um 17.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1467


Im NDR-Fernsehen war letztens (leider nur) zu hören, daß man im Harz zwei Nationalparke vereinigt hat, vielleicht auch wiedervereinigt. Wie tröstlich, daß das Englische oder wenigstens seine Morphologie von den Länderfernsehanstalten so beherzt zurückgedrängt wird.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.02.2007 um 10.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1473


Geteiltes Leid

Bei ebay melden sie, wenn man überboten wurde: Tut uns Leid, Sie waren leider nicht…
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2007 um 10.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1477


Bei den vielen s heutzutage kann man schon mal leicht durcheinanderkommen.
Schlagzeile im Münchner Merkur: "Kein Staatssschutz für Wolfsburg".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2007 um 20.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1482


Zeitachse

"Was Hans nicht lernt, lernt Hänschen nie mehr …" (Volksweisheit nach Die WELT online vom 16.02.2007) Da könnte was dransein. Aber wie ist das mit der Rechtschreibreform?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.02.2007 um 17.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1487


"Eine Eintrittskarte zum Leben" (Ostfriesen-Zeitung vom 17. 2. 2007)

"Das Lesen von Zeitung gehört dazu, um sich in unserer Welt
zurechtzu finden."
(OZ-Chefredakteur Uwe Heitmann bei der Vorstellung des Projekts "Zeitung in der Schule") - Das Lesen von OZ wäre noch zuüber denken.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.02.2007 um 19.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1494


Unsicherheit und Gedankenlosigkeit auch bei den *Deutschland Nachrichten* des Deutschen Informationszentrums in der Botschaft in Washington (wo eben auch die Schreibung "Deutschland-Nachrichten" mit Bindestrich sinnvoller, weil leichter zu lesen wäre als das, was die da haben).
Also: "Deutschland Nachrichten vom 19. Februar, 2007" (wo wir im Deutschen beim Datum auch kein Komma vor der Jahreszahl setzen):
"Deutschland und Grossbritannien gemeinsam für mehr Klimaschutz"
Aber dann Gott sei Dank doch
"Manager-Umfrage: Gute Noten für Kanzlerin und Außenminister".
Und "Wir werden den eingeschlagenen Weg weitergehen." Aber dann eben auch wieder: "… weil die Steigerung nicht voll an die Kunden weiter gegeben worden sei."
nach oben

Christof Schardt
Darmstadt

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2007 um 00.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1495


An "zu guter Letzt" hat man sich ja schon fast gewöhnt. Aber Spiegel-Online setzt immer noch einen drauf (21.1.2007):

Das iranische Volk werde "bis zu Letzt" sein Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie verteidigen.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2007 um 02.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1496


Hübsch! (Wenn Sie sich an zu guter Letzt gewöhnt haben, könnte das damit zusammenhängen, daß diese Schreibung von der Reform gar nicht berührt worden ist.)
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2007 um 08.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1497


"Behände" hat nichts mit Hand zu tun, haben wir gelernt. Und "Handy" offenbar auch nicht: "Das Wort Handy wird dem Funktionsumfangs [sic] der mobilen Begleiter längs nicht mehr gerecht." (Freie Presse, 21. Februar 2007)
nach oben

Hartmut Heumann
Quakenbrück

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2007 um 21.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1502


In der WELT von heute zitiert Larry Silverstein seine Frau: »Du wirst Dein Leben lang tot unglücklich sein, wenn Du es nicht machst.« Der Fehler hat nichts mit der RSR zu tun, aber diese Schreibweise habe ich noch nicht mal bei Schülern gesehen. Die haben da wenigstens ein Wort draus gemacht.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2007 um 14.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1505


Dank Konrad Schulz können wir zur Kenntnis nehmen, daß in dem einstigen Organ der BL der SED in K-M-Stadt (heute überparteiisch etc.) "Freie Presse" auch frei Schnauze (nicht: Fresse) geschrieben wird. Neben dem Dativ-s finde ich auch "längs nicht mehr gerecht" anregend, weil ich mich frage, ob dann nicht wenigstens quer.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2007 um 14.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1506


Beste Trefferquoten sicher!

Eine wahre Fundgrube ist das "Alpenpanorama" von "3sat". Was da so in den Schriftbändern, Aufschriften, Inschriften, Widmungen, Animierungen, Epitaphen usw. geschrieben steht, ist zu etwa der Hälfte außerhalb jeder bekannten historischen oder auch aktuellen Schreibung deutscher Zunge angesiedelt. Dort gibt es z.B. "Stamm-Gästetreffen". Und für alle, die meinen, Komposita seien mit gen.obi. und gen.subi. semantisch endgültig erhellt, der würde anläßlich eines Quiz (wie anders!) zur Bedeutung von "Schneetelefon" sicher etwas unsicher.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2007 um 15.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1507


Au weia, Dank an Herrn Schatte für seine Aufmerksamkeit, das fehlende t in längst ist meine Schuld (leider geht copy & paste nicht von der Papierausgabe), aber meinen Namen kann ich insoweit immer fehlerlos schreiben. Vor Jahren schrieb das Blatt einmal "die Partei weißt uns den Weg", und damals gab es noch Korrektoren.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2007 um 17.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1508


Herr Schultz, ich bitte Sie um Entschuldigung für die Schlechtschreibung Ihres Namens.
In den zitierten Text hätte das fehlende "s" gut gepaßt.
Damals "hatte es" dort zwar keine Leute mehr, aber noch Korrektoren, die waren als PGs jedoch übers Parteibuch qualifiziert.
Allein die Partei konnte den Weg weißen, weil sie nicht auf Farbzuteilung warten mußte.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2007 um 19.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1509


Nicht so gut wie "Du wirst Dein Leben lang tot unglücklich sein, [...] (#1502), aber trotzdem einiger Betrachtung wert:
"Da war ich auch schon Weltspitze und habe gestaunt, wie man abschalten kann, wenn um einen alles zusammen bricht."
Naja, und das erinnert mich an etwas, was weder die klassische und schon gar nicht die reformierte Groß- und Kleinschreibung ganz klar ausdrücken können: "Die Liebe ist die Knospe, aus der die Treue bricht." Der geneigte Leser betrachte aber auch dies nicht zu lange, etwa um herauszufinden, um wie viele Personen es sich hier eigentlich handeln könnte.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 23.02.2007 um 18.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1519


Aus der WELT-online von heute

"Um des Heils unseres Volkes Willen"

"Der Streitbare Kölner Kardinal"

Und wissen Sie, wer Margot Käßmann ist?

Sie ist "Mixas evangelische Kollegin" (So redet er sie auch an: Frau Kollegin!)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2007 um 15.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1541


Was es nicht alles gibt!

Heute in der FAZ-Beilage "Natur und Wissenschaft", S. N2, schreibt N. v. L.:

"Dass hoher Blutdruck eine Hypertonie ... begünstigt, ist zwar bekannt." – Also mir war nur bekannt, daß die Armut von der pauvreté kommt.
Außerdem wird dort ein Blutdruck geringfügig oberhalb der Norm als sogenannter "hochnormaler" bezeichnet. Welchen englischen Fachausdruck Frau v. L. da übersetzt hat, entzieht sich mangels Quellenzugangs meiner Kenntnis. "Hochnormal" kommt mir jedenfalls hochproblematisch bis irreführend vor. (Wenn er noch höher wäre, wäre er dann wohl höher- bis höchstnormal).
Schießlich werden aus mm Quecksilbersäule wenig später "erhöhte Quecksilberwerte". Amalgamiker aufgepaßt!
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2007 um 17.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1543


"'Hochnormal' kommt mir jedenfalls hochproblematisch bis irreführend vor." (#1541) Und das ist es auch, und es ist falsch übersetzt. Laut meiner letzten Reihenuntersuchung bin ich zwar gesund, — aber manchmal eben gerade mal noch so. In jeder Kategorie hat man nämlich eine Bandbreite, und man unterscheidet da zwischen "low", "medium" und "high", und das sind Prädikatsadjektive. "Hochnormal" wäre "highly normal" auf englisch. Nett sind dann übrigens auch die "x" in der Spalte "flags" ([rote] Flaggen), wenn die Zahl für "normal, aber höher (oder niedriger) als der absolut beruhigende Durchschnitt" ganz nahe an der Grenze zum Negativen liegt. Diese rote Flagge entspricht dann etwa der gelben Karte beim Fußball. Hochnormal ist jedenfalls keiner, außer vielleicht einigen ÜbersetzerInnen heutzutage, deren Leistung sich von der des Rechners nicht unterscheidet und vielleicht sogar davon abgeschrieben ist.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2007 um 23.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1544


Der gesuchte Originalbegriff lautet High-normal blood pressure.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.03.2007 um 08.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1545


Varianten

Vielen Dank, Herr Markner, für Ihre Mühe. High-normal kann nur heißen, daß der Blutdruck noch innerhalb (einer wie immer definierten) Norm liegt, aber doch schon an der Grenze zur Hypertonie. Ganz bestimmt bedeutet es aber nicht "hochnormal", was nebenbei bemerkt sowieso unsinng wäre.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.03.2007 um 11.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1546


Horst Ludwig (#1509) macht nach "Dein Leben lang tot unglücklich" noch auf "zusammen brechen" (vomere in communio / gremio?) aufmerksam. In beiden Fällen hat der Name "Getrenntschreibung" die verborgene Bedeutung `getrennt vom Sinn´ bzw. `getrennt von der bekannten Bedeutung´.

Aber es geht auch anders oder schlimmer: Die Rechtschreibkontrolle von OFFICE 2000, die noch die Überprüfung nach normaler Schreibung zuläßt, schlägt wirklich vor, "die Gans totgebissen" (wir wissen wer) doch bitte als "die Gans todgebissen" zu verschriften. Die "localization" des Programms wurde wahrscheinlich im Minimalbudget von nur selten Lesenden und Schreibenden bewerkstelligt. Was sich in dieser (und der Neuschriebkontrolle) so findet, kommt dem totalen Chaos im "Thesaurus" (die Griechen sind nicht schuld!) von OFFICE 2000 fast gleich, in dem alles in eins zu stürzen scheint wie bei einem Sternkollaps.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.03.2007 um 23.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1548


Arzt, hilf dir selber!

"Plattdeutsch zum Kennen lernen" - Deutsch der Volkshochschule Leer/ Ostfr. - Sie bieten dort aber auch einen Kurs in Rechtschreibung an. In der Ankündigung heißt es: "Seit dem 1. August 2006 ist wieder eine neue Rechtschreibreform gültig... " - Man hört deutlich den begleitenden Seufzer.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 02.03.2007 um 17.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1549


Wie gesagt, die Bilduntertitler bei "Welt.online" sind nicht unbedingt schriftkundig (gleich in welcher RS). Ein Foto zeigt einen ("mutmaßlichen") Kindermörder in einer "Strassenbahn" der Linie 11 in Leipzig.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 02.03.2007 um 18.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1550


„Welt“sprache

„Sie entwickelten eine eigene Sprache, verständigten sich mit – für anderen – unverständlichen Lauten"


Nun „entwickelt“ auch »Welt.online« endlich „eine eigene Sprache“ und „verständigt sich mit“ ihren Lesern „unverständlichen“ Schriften.
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 05.03.2007 um 11.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1559


Auf dem aktuellen Werbeprospekt für Haushaltsgeräte von Karstadt ("Schöner shoppen in der Stadt") prangt dick und fett:

Profis für Ihr zu Hause.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.03.2007 um 19.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1616


Judith Roth erklärt Kindern die Weltpolitik

Aus der "Kinderseite" der Ostfriesen-Zeitung von heute:

Amerika will nämlich... ein Raketenabwehrschild aufstellen. Das soll Amerika vor Angriffen anderer Länder schützen. (Auf diesem Schild könnte stehen: "Achtung, Raketen sofort umkehren!" kr.) – Ewas weiter unten heißt es dann aber: Das ist aber kein Schild, wie wir uns das vorstellen. (Na, da sind wir aber gespannt.)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 10.03.2007 um 21.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1617


Wie die *FAZ* dieser Tage dar steht und ihre Kommas setzt (siehe hier):
"Was Antisemitismus angeht, steht Deutschland nicht besser oder schlechter dar. [...] Für alle Dinge, ist jemand zuständig, nur man selber nicht. Das führt in die Irre.
[...]
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.03.2007 um 16.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1652


Sieh genau hin!

Aus der FAZ von heute:

S. 1: ...Standbyschaltungen, ...die mehr als ein Watt Energie verbrauchen...

Gemeint ist die Leistung, bzw. hier die Leistungsaufnahme.

Auf der Seite "Geisteswissenschaften":

Bildunterschrift "Arbeit am Schleifstein..." - Man sieht einen Handwerker, der offensichtlich die Oberfläche eines Mühlsteins bearbeitet.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 14.03.2007 um 19.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1653


Judith Roth muß es nicht wissen, wie das mit "Schild" und so ist, denn sie verklapst ja nur die Kleinen.
Aber der ö.r. Sender ZDF und seine Anbauten müßten in diesen Diffizilitäten halbwegs sicher sein. Laut ZDF-Doku-Kanal ist das Magnetfeld der Erde das Schutzschild der Erde. Wenn das so weiter geht, befindet sich bald auch in der Stratosphäre und höher ein richtiger Schilderwald.
Könnte nicht wenigstens S. Sick mal eine Umfrage zu Schildern und Sch... machen? Zunächst unter Lehrern und Zeitungstextern, dann im Rest des Volkes. Am Schluß wird entweder abgestimmt oder der Reigenführer spricht wieder ein Machtwort.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.03.2007 um 19.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1658


Evolutionäres

"Karvens zweites Standbein ist..."

"Ein weiteres Standbein..."

(Wikipedia über die Schauspielerin U. Karven)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.03.2007 um 16.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1667


Neues von der Rätselseite

"...nicht eine Folge des harten Preiswettbwerbs war, sondern zu förderst eine Folge..."

(FAZ v. 17.03., S. 14, Interview mit D. Roßmann)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.03.2007 um 21.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1671


Stetig abwärts

"Hilfe bei Hausaufgaben und dem Zimmer aufräumen"

(Überschrift in der FAZ von heute, S. T 2)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.03.2007 um 21.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1672


"Besonders betroffen seien Heeresflieger, Feldjäger sowie Ärzte und Sanitätspersonal. Sie leideten unter 'einer schon chronisch zu nennenden, überproportionalen Einsatzbelastung'."
In: "Schäbige Kasernen, niedriger Sold, hohe Belastung" (FAZ, 20. März 2007)
Naja, wir alle leiden, leideten, haben geleidet, weil wir so etwas lesen müssen. Denn für die Kinder in der Schule machen wir ja alles mit! Und die sollen doch aus der *FAZ* auch schreiben lernen! Und Geschäftsinteresse verlangt, daß es auch mit denen stetig abwärts gehe, denn sonst hätten die ja vielleicht einmal höhere und bald nicht mehr so einfach zu befriedigende Ansprüche.
Aber sagte hier im Forum nicht irgendwo wer, die Leute bei diesen E-Ausgaben hätten keine richtige Redaktion? So sieht's jedenfalls klar aus:
"[...] aber es ist schwer für einen Außenstehenden, diesen unglaublichen Druck, der rund um ein K.o.-Spiel gegen Madrid herrscht, nach zu vollziehen. Und dann passiert noch so was wie mit der Dopingkontrolle" (FAZ). Mann, und wie schön langsam die auch sprechen! Jeder Schüler kann das doch als Diktat Wort für Wort für Wort ohne Schwierigkeit mitschreiben.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.03.2007 um 12.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1676


Voll im Strend

Heute in der Ostfriesen-Zeitung:

"Wellnes-strends" (Trenne nie st, denn es tut ihm weh!)

(Anmerkung: Die Techniker Krankenkasse schreibt sich selbst so und findet das wahrscheinlich unheimlich schick und modern).
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 22.03.2007 um 21.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1679


Das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin informiert über die Schleuse Woltersdorf:

1998 wurde die Schleuse aufwändig Grund in Stand gesetzt.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.03.2007 um 23.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1680


Die Schleuse Woltersdorf hatte Pech. Wäre das Unternehmen bis 1996 gelungen, hätte man lesen können, daß sie aufwendig instandgesetzt wurde, weil es halt damals noch um Instandsetzung ging, heute indessen mehr um In-Sand-Setzung der deutschen Graphie von Amts wegen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 24.03.2007 um 23.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1683


Es ist ein Leiden in der *FAZ* (vgl. auch #1672): "Die Gastgeber müssen dabei auf ihren Trainer Ottto Baric verzichten. Der 75-jährige Kroate leidete in den letzten Tagen an zu hohem Blutdruck und Atembeschwerden. Sein Assistent Slavko Kovacic betreut das Team heute." ("Fußball Live-Konferenz" der FAZ.NET zum EM-Qualifikationsspiel Albanien - Slowenien). Wenn die so weiterschreiben, ist mir bald die ganze *FAZ* verlitten.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 25.03.2007 um 13.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1687


"Einer kam durch". Ein ß hat es wieder mal geschafft, in die Schlußrunde zu kommen.Sozusagen auf den Laufsteg, als hielte es ein Protestschild in die Luft und wollte uns sagen:"Seht mal, ich habe es geschafft".
Gestern abend, während der Übertragung des Fußballspiels Tschechien-Deutschland in Prag lief ein bildschönes ß über den Bildschirm, das die Inquisition der Kultusbürokraten überlebt hat, sich offenbar ästhetisch genüßlich anschmiegend an seine Begleiter:

Im Lauftext, dem Laufsteg am unteren Bildrand war zu lesen:

Weitere Berichte von den Spielen ... im Anschluß. So etwas gibt einem dann doch wieder ein Fünkchen Hoffnung. Sind da einfach wieder vernünftig Schreibende am Werk?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 25.03.2007 um 16.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1688


Weil diese und jene in der FAZ so "leideten", wird einem "diese Zeitung" am Ende verleidet und den größeren Kindern wahrscheinlich verboten, weil die Eltern es nicht "verantworten" (MP O. Koch) können, ihren Kleinen so etwas zuzumuten, gleich wie es verschriftet ist. Mit "leideten" überschreitet die FAZ die Schmerzgrenze ihrer sicher nicht "sprachfernen" oder gar "schriftfernen" Leser.
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 26.03.2007 um 11.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1689


Wie die Hackeritis ihre Blüten treibt, war vorgestern im Videotext zu bewundern: Zur Umstellung auf die Sommerzeit war dort zu lesen Uhren vor stellen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.03.2007 um 07.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1697


Kasusmäßig korrekt

Bei gmx kann man lesen, daß die ostdeutschen Länder noch nicht über dem Berg seien. - Was sollen sie auch da oben?
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 28.03.2007 um 08.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1709


Geschenkt: „P.M. Biografie“ 2/2006
S. 62: Große Zwischenüberschrift,
20 pt, schwarz und rot:

Mick wußte, dass sie das
„chick“ von Jimmy Page von
Led Zeppelin war. Deshalb
ließ er die Finger von ihr
Vorerst jedenfalls …
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.03.2007 um 16.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1712


Jemand bei der *FAZ*, der noch "postum" schreiben kann:
"Aber irgendetwas an dem 'Doktor der Doktoren' fällt den Portugiesen postum noch angenehm auf."
Aber "dass" darf er trotzdem nicht sein lassen:
"Da nützt es nichts, dass die Konkurrenz von RTP, also [...]"
Text: F.A.Z., 28.03.2007, Nr. 74 / Seite 38
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2007 um 20.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1718


Hier wird Deutsch gestammelt

Aus der WELT-online von heute (Besprechung des neuen Films von A. Resnais):

"Dem beugen Resnais und sein Drehbuchautor Jean-Michel Ribes vor, indem sie das Geheimnis Charlottes und aller anderen Figuren waren."

" ...warum dann diesen alten Arsch ... aufgenommen hat." (Dan).
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 29.03.2007 um 23.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1719


"Krise um gefangen gehaltene Briten im Iran verschärft sich
London (dpa) - Die Krise um die im Iran festgehaltenen britischen Marinesoldaten hat sich weiter zugespitzt."
Welt Online (newsticker [29.03.2007 um 17:49 Uhr])
Mann, von einer Zeile zur nächsten! Haben die da eine "Regel" zur Unterscheidung der Fälle "gefangengehalten" und "festgehalten"?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 30.03.2007 um 21.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1722


*Welt*-Fundstück teilweise positiv: "Dass der amerikanische Schauspieler Mitglied in der umstrittenen religiösen Gemeinschaft der Scientology sei, stört den Showmaster nicht im geringsten." (Welt.de, 30. März 2007, 15:20 Uhr)
Wenigstens "im Geringsten" also stört *Die Welt* etwas. Wann wird bei denen eine Mehrheit wenigstens auch "dass" hinreichend stören?
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2007 um 18.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1725


WELT-Meisterschaftsrunde ss gegen ß
1. April 2007

Pauli und das sündige Auge des Betrachters
[…]

Hier ein Ausschnitt aus der aufregendsten Spielphase:

Die moralinsaure Kritik einer Ingrid Heckner (CSU-Landtagsabgeordnete), Pauli solle „von ihrem Egotrip herunterkommen“ wirken dagegen einigermaßen abgeschmackt. Dass ein ausgeprägtes Ego in der Politik das Überleben sichert, ist hinlänglich bekannt. Auch daß Politiker mit ihrer Person ein ganzes Lifestyle-Paket vermarkten, ist wahrlich nichts Neues.
[…]

Das Spiel wurde beim Stand 6 : 5 für die „neuen“ ss abgebrochen.

Welt online
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.04.2007 um 13.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1726


Schwer an gekränkelt

Und noch einmal WELT-online vom 1. April (zum Fall Pauli):

"... egal, ob ich da ... schwarze Handschuhe an hatte ..."

"... wo hin, ist ihr egal ..."

"Germany’s Next Top-Politiker"
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 02.04.2007 um 22.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1727


Sie haben richtig gepfiffen, Unparteiischer Salzburg: 6 : 5. Aber Linienrichter Kratzbaum, zitierfähig wäre auch noch folgendes Abseits gewesen, bei dem Sie nicht die Flagge gehoben haben: "die Fotos, die die schwangere Silvana Koch-Mehrins von ihrem Bauch machen lies".
Aber gut gespielt — und auch das sollte nicht unerwähnt bleiben — war im Artikel selbst sicher folgende Passage:
"Was Frau Pauli genau genommen sagt: Eigentlich kann sie alles hinnehmen, den Titel, die Überschrift, die Fotos und Texte, alles super, wenn da nur nicht diese Leute wären, mit ihren schmuddeligen Assoziationen. Pervers, so ihre eulenspiegelartige Pointe, ist nicht das Kunstwerk, sondern das Auge des Betrachters. 'Wer darin etwas Dominantes sieht, der zeigt, welchen Erfahrungshintergrund er hat', sagt sie."
Das ist Sprache, die wir gerne lesen, — auch wenn ich ganz natürlich "genaugenommen" schreibe, einfach, weil ich's auch so spreche. Aber fünf ß richtig nach kurzem Vokalpaß: das deutet eben auf einen Spieler mit einiger Fähigkeit hin, — dem vielleicht nur der Coach leider zuviel reinredet.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 03.04.2007 um 15.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1728


Mein lieber Schwan!

"Böses schwanend, betonten wir ..."

"Noch Böseres schwanend, hoben wir ..."

(FAZ von heute, S. T 6, Artikel über die Telekom)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 03.04.2007 um 16.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1729


Herrlich! Siehe dazu hier.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 06.04.2007 um 19.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1737


Auf deutsch halbklassisch von der *Welt* berichtet zum Weltkulturerbe:
"Simonyi: Ich möchte eine Bibliothek auf der ISS einrichten. Dafür muss man eine Auswahl treffen und Goethes Faust gehört zum Kulturerbe der Menschheit. Goethe beschrieb darin schließlich die Beziehung des Menschen zum Universum. Ich nehme zwei Exemplare mit, eins auf englisch und eins im deutschen Original."
"[...], gerade weil sie nicht 100prozentig in die Arbeit dort oben eingebunden sind."
Aber eben doch störende "ss" und unnötige Bindestriche:
"Als 13-jähriger Schüler gewann ich einen Wettbewerb [...]
Also doch bloß das gewohnte Durcheinander.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2007 um 15.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1738


Wollen hätten sie schon gemocht, aber können haben sie nicht gekonnt

"Die großen Industriestaaten verhalten sich wie Dinosaurier, die sich ihrer Umgebung auch nicht anpassen konnten oder wollten und schließlich ausgestorben sind." (Ostfriesen-Zeitung vom 7.4., S. 4, Kommentar zum UNO-Klimareport).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2007 um 19.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1739


Osterei

"Sammlung der beleibtesten Pianofortewerke..."

(Aus dem online-Angebot eines Antiquariats)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.04.2007 um 22.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1741


>>Im angelsächsischen steht es für den Willen zum Kompromiß, für elegant, Konfrontationen vermeidend. Nach meiner Erfahrung ist es das Wichtigste, daß der Diplomat beim Gegenüber Vertrauen gewinnt, daß man ihm glaubt, was er sagt. Darüber hinaus aber muß ein Diplomat Mut haben und, wenn ihm Unakzeptables zugemutet wird, das klar und deutlich ablehnen, darf sich vor allem nicht über den Tisch ziehen lassen. [...]
Es gab großen Krach. Ceausescu griff selbst ein und versetzte den Bürgermeister von Bukarest, der uns die Residenz wegschnappen wollte, als Botschafter ans Ende der Welt, nach Nordkorea, so daß ich dem „Conducator“ später bei einer Jagdeinladung dankte, dass er seine Beamten wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt habe. [...]
Während meiner Kritik an der Wirtschaftspolitik sagte Zhang sagte zu seinem Begleiter: “Hu Benyao, schreiben sie mit!“<<

Zeigt sich dieses Durcheinander bei der Welt auch in den Artikeln der Papierausgabe, oder ist nur die E-Ausgabe so schloddrig hergestellt? Setzt da vielleicht jemand original richtig geschriebene Artikel in Pennälerschrieb um ("Im Angelsächsischen" > "Im angelsächsischen", "das wichtigste" -> "das Wichtigste", "daß" -> "dass", "Sie" -> "sie" [!])?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.04.2007 um 19.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1746


Auch das noch

kratzbaum war verreist, lebte einige Tage zeitungsabstinent, und wie er nun die FAZ vom 14.04. aufschlägt und nichts zu suchen sein Sinn ist, da muß er doch schon wieder lesen:

"...groß genug zum toben..."

"...nehmen sich die Drehbuchautoren dem Thema an..."

"Der Erzeuger ist natürlich unerreichbar: Wochenendflirt, verheiratet drei Kinder."

So schreibt Karen Krüger auf S. 39 ("Auch das noch")
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 16.04.2007 um 11.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1747


Frau Krügers Chef legt heute nach: „Sollten Einzelne der Staatsanwälte, die Todesurteile beantragten, der Richter, die sie aussprachen, nächtelang gelitten haben, so sind diese Anfechtungen nicht aktenkundig, geschweige denn wirksam geworden . . .“
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.04.2007 um 21.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1750


Holterdipolter

"An der Eidgenössisch Technischen Hochschule..."

"... für wenig Erfolg versprechend hält."

So schreibt Jürgen Kaube in der FAZ von heute, S. 40, "UPDATE"
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 17.04.2007 um 22.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1751


www.welt.de
"Aber natürlich ist auch hier Quantität nicht mit Qualität gleich zusetzen."
Es geht hier um Sex, und da ist auch bei der *Welt* einige Erregung vorauszusetzen. Die steigert sich sogar bis ins *Bild*-hafte hinein, — na, der Anreißertext ist schon wieder weg, aber er war so im Stil von "Das Sexualleben auf diesem Planeten ist unter die Lupe genommen worden. welt.de liest für Sie..."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.04.2007 um 13.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1754


Das wird nie mehr was

Aus der Ostfriesen-Zeitung von heute (es könnte auch die von gestern oder übermorgen sein):

Es macht einfach Spaß, andere zu Lachen zu bringen. (S. 21)

...dass sehe ich allerdings etwas anders. (S.15, Geschichtslehrer-Tagung)

Rapsschrott (S.7) [da würde sich doch Rappsschrott noch besser ausnehmen]


Und dann noch eine Aussage des Bundesinnenministers, deren Logik sich mir nicht ganz erschließt:
"Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche." (S.6) Daran hindern, keinen Anschlag zu begehen?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.04.2007 um 13.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1761


Deutsch der Deutschen Verkehrswacht

Kids in Sicht, d´rum flitze nicht!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.04.2007 um 22.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1762


Denk dir was


"Auf der Flucht vor dem Völkermord an den Armeniern, dem am 24.April gedacht wird..."

(FAZ, Bilder und Zeiten, S. Z4)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.04.2007 um 22.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1763


Hauch mich mal an

"Er läßt in jedem Dialog den Hauch einer Bewandnis (!) anklingen, in die er seine Zuschauer nur zögerlich einweiht." (WELT-online von heute über J. Nicholson)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 23.04.2007 um 16.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1768


Lern mir Deutsch (Aus der FAZ von heute)

"...so wie bei Helmut Newton, dessen Frauen den Männern das Fürchten lehren..." (Beiläufig gesagt: weder mir noch mich lehren sie das Fürchten - eher das Grinsen). (S. 33 "Der Starflüsterer")

"... ob der Bundespräsident Recht daran täte..." (S. 1, "Der Schwur der RAF")
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 25.04.2007 um 12.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1771


Wundertüte

Ich stimme Herrn Kossler zu: Man sollte sich auf die groteskesten Beispiele der Reform und ihrer Folgen konzentrieren. Die schon alltägliche Verwechslung von s und ss gibt fast nichts mehr her. - Heute in der Ostfriesen-Zeitung ( Nordwest-Zeitung):

"... kam ... ohne Anzuklopfen ins Zimmer." ( S.12, Interview mit J. Strasser)

"... die Abfälle... seien nicht so viel Wert gewesen." (S.21)

Übrigens: Heute ist Welt-Malaria -Tag, Tag des Baumes und Tag gegen Lärm.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 25.04.2007 um 16.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1773


"Staub trocken" sei es, verkündete die Zeitung hierzustadt.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.04.2007 um 20.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1784


Macht sich da jemand ganz dezent über einen Kollegen lustig?

"Ein Geschmacksfeuerwerk von orchestrierten Aromen? Ein textureller Akkord von Süße und Säure? Schokoladig im Abgang?"

(Jürgen Kaube heute in der FAZ , S.39, "Tod eines Suppenspuckers")
nach oben

Wolfram Möhrlein
Niederstetten

Dieser Beitrag wurde am 30.04.2007 um 20.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1788


In NRW sollen zukünftig Kinder im Vorschulalter durch ein Programm mit dem Namen "Delfin4" auf Sprach- und sonstige Defizite rechtzeitig vor der Einschulung untersucht werden.

Offensichtlich läßt die sogenannte Rechtschreibreform jetzt sogar schon Schlammgründler zu sprachlichen Höhenflügen abheben.

Ist das nun die späte Rache der Alt-68er und ihres verzogenen Nachwuchses am Establishment oder drängen schon die ersten PISA-Versager in die Kultusbürokratie?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.04.2007 um 22.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1789


Exemplarisch

Aus der WELT-online von heute.

...das umstrittene US-Raketenschild ( sie konnten´s auch schon richtig, aber das war wohl ein Versehen)

Merkel spricht gut russisch, Putin gut Deutsch.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 03.05.2007 um 10.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1796


FAZ-net 03.05.07
"Flugangst"

"Das wird doch hier alles gut gehen?"

Nun, bei Turbulenzen kann man im Flugzeug nicht besonders gut gehen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2007 um 07.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1797


Wetten, daß...

... die WELT-online nicht anders kann, als in ein und demselben Artikel beides zu bringen?

"...wollen die USA einen Raketenschild..."

"...die USA wollen ihr Raketenschild..."

(Wir wollen schreiben wie die Schüler - mal so, mal so)

Außerdem noch "Kontenance" (Dann lieber gleich Kongtenangss - frei nach G.A.)

(03.05.07)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2007 um 08.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1798


Wo geglättete Rauhigkeit besonders weh tut:

Anhand der Laufzeit, welche die Radarwellen zurück zur Erde benötigen und der Abweichungen zwischen den aufgezeichneten Signalen an den einzelnen Empfangsstationen konnten die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Oberflächenrauigkeit und die Rotationsbewegung des Merkurs ziehen. Wegen der extrem hohen Genauigkeit der Messungen fanden sie in Form winziger Abweichungen Anzeichen für die Taumelbewegung des Planeten. …stx/ddp

Spiegel online 3.5.07

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,480896,00.html
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.05.2007 um 14.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1805


Haarscharf daneben

"... das Finanzamt lässt sich nicht so leicht lumpen."

(Aus einem Beitrag bei gmx über Steuerschummelversuche, ebenso bei web.de - weiß jemand, wer denen die Nachrichten liefert?)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 07.05.2007 um 14.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1806


Vermutlich dpa Infoline.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.05.2007 um 13.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1808


Partizip drei

Ganz ausgeschlossen ist es ja nicht, daß Claudia Roth so redet:

....sprach von einer "vertanenen Chance"...

(FAZ von heute, S. 1, Kein Gnadenerweis für Klar)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.05.2007 um 20.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1809


Heiliger Gotthold Ephraim, hilf !

"Auch gilt es auszuschließen, dass niemand an dem im Garten installierten Auslass für das Zisternenwasser seinen Durst stillt."

(FAZ v. 08.05., S. T 1, Nachspülen)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 09.05.2007 um 18.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1811


Poetisch

Die Postbank nennt Kontoauszüge auf (aus) Papier, also papierne: "papierhafte".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.05.2007 um 16.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1814


Fundgrube ebay

Unfall und Beulen frei (Ein Auto-Anbieter)

Spaßbieter weden mit bis zu 20% der Kaufsumme gerichtlich geltend gemacht
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 11.05.2007 um 11.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1816


Aus FAZ.net vom 11. Mai 2007:

Zwischen dem politischen und terroristischen Islamismus liegt nur ein schmaler Grad.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 11.05.2007 um 12.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1819


Karen Krüger eben.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.05.2007 um 15.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1820


Zu #1816 und der FAZ-Schreibung in deren Köpfen: *Die Welt* ist auch nicht besser. Aber die können nicht mal das Englische auf ihren eigenen Fotos abschreiben (www.welt.de/vermischtes/article863984/
Kostenlose_Umarmung_zu_vergeben.html; so seit Tagen da so). "Free hugh" gibt's auch in Australien nicht.
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 12.05.2007 um 14.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1823


WAZ 10. Mai 07 (Sport):
"Doch während in Deutschland und Italien die Staatsanwälte Dank (!) spanischer Informationen ..."

Ebenso müßte z. B. geschrieben werden:
"Der Politiker hat Laut (!) Pressebericht ..."

Schließlich ist "Laut" ist auch ein Substantiv.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.05.2007 um 19.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1825


"Außerdem wird die Bereitschaft zu Projekt angepassten Arbeitszeiten erwartet."

(Deutsch des Fördervereins der Hauptschule Norden)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.05.2007 um 22.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1829


Nun mal ran, ihr Hartz IV-Empfänger!

U. v.d. Leyen hat die Männer zur "aktiven Vaterschaft" aufgerufen. (Nein, damit meint sie nicht das eine...) - Am aktivsten könnten da doch die Inaktiven werden. Ein Karriereknick ist da jedenfalls nicht zu befürchten.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2007 um 12.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1834


Fundgrube ebay

Porto wird nur bis zu dem Kunden gleichen ihnen berechneten Betrag ersetzt.

(???)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2007 um 14.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1841


Man wird sich doch mal verzählen dürfen - oder: Auf der Suche nach dem verlorenen ß

"Beunruhigend ist, dass der Masstab..." (FAZ von heute, S. 13, Draußen zu kühl?)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.05.2007 um 12.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1851


Typisch

Es sei eine "böswillige Unterstellung", daß sich tausend Schreibweisen änderten. Es ändere sich nur der Typus. Wenn man eine Regel neu fasse, so seien natürlich Tausende von Wörtern betroffen. (P. Eisenberg in einem Interview mit A. Kühne am 25.03.05)
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 18.05.2007 um 18.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1853


"Execution Tipps" gestern bei Harald Schmidt: www.wdr.de.

Eine subtile Anspielung auf die Hundertprozentigen aus unserem Nachbarland?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 19.05.2007 um 19.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1855


Überstrapaziert

"Frau Merkel und Barroso erkennen sofort den Spaltpilz, den Putin da pflanzt."

(Wulf Schmiese in der FAZ von heute, S. 4)

Die Vorstellung, Spaltpilze spalteten irgendetwas, ist unter Journalisten weit verbreitet. Sie "spalten" aber nur sich selbst, d.h. "Spaltpilze" (Schizomycetes) ist eine (veraltete) Bezeichnung für Bakterien, die mangels echten Zellkerns keine eigentliche Zellteilung durchführen. - Merkel und Barroso können von Glück sagen, daß in Rußland offenbar aus den glorreichen Zeiten der Sowjetunion noch Spaltpilze in Champignongröße übriggeblieben sind. Denn welcher Politiker reist schon mit einem Mikroskop zu Gesprächen an?
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 19.05.2007 um 21.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1856


What a mess!

Die Dudensprachberatung belehrt uns:

"Wie spricht man Body-Mass-Index aus?
[bodi-mess ...]."

Ein herrliches Rezept, sich lächerlich zu machen!
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2007 um 22.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1859


Doch ein Ende der Jährigen (#1439)? "Horst Heldt stand allein auf dem Platz, abseits vom großen Trubel. Der 37-jährige, einer der wichtigsten Baumeister der Meisterschaft, genoss die ersten Minuten nach dem Abpfiff in stiller Einsamkeit wie einst Franz Beckenbauer bei der WM 1990." (http://www.welt.de) Was also zeigt, daß das mit der Großschreibung hier nach dem Bindestrich doch nicht jedem so ganz von selbst einleuchtet, sondern eben bloß neue Vorschreiberei ist.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.05.2007 um 22.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1883


Traumrolle

"Auch lieh er bereits zweimal Jesus die Stimme."

(wikipedia über den Schauspieler und Synchronsprecher Lutz Mackensy)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.05.2007 um 23.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1885


„Fatih Akin erhält in Cannes Ökomene-Preis" (dpa, 26. 5. 2007)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.05.2007 um 15.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1887


Für den Feinschmecker

Hinterkoch-Schinken (Netto-Markendiscount)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.06.2007 um 10.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1895


Mal was Gutes

Die Kreisbahn Aurich schreibt auf ihre Busse: Weiter denken - Bus fahren! - Das war vor der Reform richtig und ist es jetzt auch noch. Aber wie versteht das ein Schüler ?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.06.2007 um 10.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1897


Mal was Witziges

"Wenn man in dem Wort "Mama" vier Buchstaben austauscht, kommt "Bier" heraus. (beim Surfen entdeckt)
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 10.06.2007 um 22.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1916


FAZ-net heute abend -
und das nicht nur einmal:

"Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier spricht vor dem Kirchentag - unter den Zuhörern: Kardinal Joachim Meissner"
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 12.06.2007 um 09.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1919


Gesehen bei einem amerikanischen Brötchen-Hackfleisch-Anbieter:
Dieser Laden wird Video überwacht ...

nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 12.06.2007 um 22.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1921


Nachtrag:
Und hier http://www.die-kraehe.de/ads/pages/Detailed/10274969.html
kann man so ein Schild kaufen ...



nach oben

Calva
Bochum

Dieser Beitrag wurde am 13.06.2007 um 18.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1925


"Ein einziges Missverständniss"
faz.net
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.06.2007 um 08.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1944


Ursuppe oder: Rechtschreibreform - brauch´ ich nicht.


"...das es eine Freude ist, diesem Meister zu, zu Hören."


Ein ebay-Anbieter

(ebay = des Volkes wahrer Himmel)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.06.2007 um 11.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1947


Vorsicht, Absturzgefahr!

Wer sich mal an ganz moderner Sprache erfreuen möchte, der schaue mal bei fotocommunity.de vorbei... "member werden" und so.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.06.2007 um 22.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1964


Das mußte mal gesagt werden

"Der Preis von € 20.- ist akzeptabel, wenn man bedenkt, wie oft alles geändert wurde."

(Ein ebay-Käufer über den DUDEN 2006)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.06.2007 um 17.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1987


Ist das nicht rührend?

"...als der, der nicht in dem Maß belegt ist mit der Tiefe der wissenschaftlichen Begründung..."

"Sprache verfällt durch Gebrauch, mündlich wie schriftlich."

(Der Vorsitzende in seiner Pressekonferenz)

Aber "Korpus" ist ja "eigentlich" Neutrum - das weiß der Altphilologe Z., und davon haben seinerzeit die Schüler sicher mehr gehabt als von den unsäglich gequälten bis albernen Hervorbringungen des Rates unter seiner Leitung.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2007 um 00.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1988


Wenn ich richtig gehört habe, meint Zehetmair von sich: "... als der, der nicht in dem Maße b e l e c k t ist mit der Tiefe ...". Nochmals überprüfen konnte ich das nicht, da o-ton-luma-radio beim Zehetmair-Stichwort "sitzenbleiben" z.Z. die Übertragung abbricht. Allerdings: Es paßt so richtig zum "eingetütet"-Niveau.
nach oben

Peter Müller
Zollikofen

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2007 um 01.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1990


Stimmt, er sagt beleckt. Falls weitere Korrekturen zu machen sind oder falls jemand das als <unverständlich> Bezeichnete verstanden hat, bitte melden!
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2007 um 11.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#1994


Die von Prof. Zehetmair beigesteuerten Teiltexte der Pressekonferenz wären eine strikt linguistische Argumentationsanalyse wert, denn diese würde zeigen, wie er sich -- in arg metahpysischer Rede -- an der Wirklichkeit vorbeimauschelt.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 01.07.2007 um 22.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2011


Übel, auffällig, veraltet - Rechtschreibsorgen anno 1851

Heinrich Heine schreibt seinem Verleger Julius Campe am
7.September 1851 aus Paris:

[…] Mein jetziger Secretair ist ein dummer Teufel, der nicht orthographisch schreibt und falsch hört, – da ich seinen Brief nicht durchlesen kann, so mag Gott wissen was er schrieb. Doch die Hauptsache werden Sie wohl verstehen. – So eben erhalte ich den 2ten Correcturbogen, sah ihn selbst flüchtig durch, und um keine Zeit zu verlieren schicke ich Ihnen nur die Hauptcorrectur. Ich bitte dem Setzer zu sagen, daß ich das i am Ende der Silbe und des Wortes immer mit einem Ypsilon (y) gedruckt haben will. Das seyn schreibe ich als Fürwort mit einem bloßen i, als Zeitwort mit einem y. Zum Beispiel: Gott mag bey ihm seyn; Ich verlange überall diese Unterscheidung von i und y, wie auch in meinen Büchern immer zu sehn. […]


Campe antwortet am 14. September 1851:

[…]
Sie verlangen am Schluße eines jeden Wortes oder Silbe, endigten sie auf i, ein y. Sie wißen doch, daß das y v e r a l t e t ist – ? Ich laße Pagina 81 82 und 83 hier folgen, Ihnen die gräuliche Ypsilon-Geschichte zu zeigen, und frage: ob das Alles wirklich so gemacht und abgedruckt werden soll? – Sagen Sie ja, dann geschieht es; es sieht aber übel und auffällig aus. […]
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.07.2007 um 22.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2099


Den Nagel auf den Kopf
In WELT-online war heute zu lesen, die EU-Kommission sei die "Brutstätte" der EU-Gesetze.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.07.2007 um 17.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2106


Hochnotpeinlich

Bei ZEIT-online ist zu lesen, der Schauspieler Ulrich Mühe habe erstmals öffentlich "eingeräumt", an Magenkrebs erkrankt zu sein. -

Man kann sich das so vorstellen:

Interviewer: Herr Mühe, es geht das Gerücht um, Sie seien an Krebs erkrankt. Wollen Sie nicht endlich der Wahrheit die Ehre geben?

U.M.: Ja, es stimmt, ich kann und will es nicht länger leugnen. Ich bin Ihnen richtig dankbar, daß Sie mir geholfen haben, endlich ein befreiendes Geständnis abzulegen. -

Außerdem soll U.Mühe gesagt haben, die Genesung der Krankheit sei mit vielen Aufs und Abs verbunden. - Ich glaube nicht, daß der großartige Schauspieler U.Mühe solches Deutsch von sich gibt.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 26.07.2007 um 11.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2113


Angewandte RSR bei der FAZ: das versteht jeder

Aus "Richard-Wagner-Urenkelin eröffnet Festspiele" der FAZ online v. 26.07.07:

"(...) fand die (...) sogar noch Zeit zum Händeschütteln und Autogramme geben - (...)"

Ich frage mich, was es von den Autogrammen denn gegeben hat?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 26.07.2007 um 19.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2114


In der "FAZ" zur Rechten und in "Die rote Fahne" zur Linken kämpfen die Autor(inn)en mit Präpositionen bzw. den von ihnen regierten Nomina. Das Infinitivnomen wird in diesen Blättern meist dann klein geschrieben, wenn zwischen ihm und der es regierenden Präposition zufällig noch ein paar Wörter zu stehen kommen. Die Autor(inn)en zeigen damit ihre sprachliche Bildung bzw. verlieren in solchem Dickicht einfach den Überblick. Sicher ist auch das eine Folge der staatsmachtlich destruierten GKS des Deutschen oder Symptom der Ausbildung von Zeitungsschreibern. MP Koch sollte sich also erneut überlegen, ob Schüler es wirklich "verantworten" können, die "FAZ" oder "Die rote Fahne" zu lesen, bzw. ob er es ihnen am besten gleich verbietet.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 31.07.2007 um 10.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2124


In der Lausitz gelesen:

"Ursels´ Frisörsalon"

"hausbackener Kuchen" (scheint dort die übliche Formulierung zu sein)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2007 um 15.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2128


So sieht´s aus

"Schüler durch das Dickicht der Varianten führen" - so der Titel einer ganzen Seite der Ostfriesen-Zeitung von heute zum Stichtag 1.August. Das Zitat stammt aus einem Interview mit einem Oberstudienrat für Deutsch und Deutsch-Obmann aus Friesoythe. Weitere Kernaussagen: Verwirrung nicht nur bei den Lernenden, sondern auch bei den Lehrenden – die Schüler verlieren sich mitunter in dem Wust von Zulässigem und Danebengestelltem – eine Schülerin schrieb "ersätzen" und reagierte uneinsichtig (sie stellte das Paar ersätzen/Ersatz folgerichtig zu aufwändig/Aufwand) – der Status quo ist ein ganz unseliger Zustand – man muß stets überlegen, in welches Wörterbuch man schaut.

Das ist die wunderbare Reform, die lt. R. Wernstedt (kennt den noch jemand?) 90% aller Probleme beseitigen sollte.
Die rhetorische Frage eines ehemaligen bayrischen Kultusministers: Was habt ihr denn da angestellt? ist nun auch beantwortet.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.08.2007 um 16.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2130


Das Thema "Fundstücke" im Themenbereich "Übrigens ..." wird offenbar immer wichtiger, weil es veranschaulicht, welche unheimlichen Prozesse von den Deformern angestoßen wurden.

An der von Herrn Kratzbaum (31#2128) belegten Herleitung der Schreibung ersätzen von Ersatz wird deutlich, wie destruktiv sich die von Augst gestammelten Etymogeleien, besonders aber seine Eskapaden in der Wortbildung auf den Schrifterwerb von Kindern auswirken. Es bleibt nachzuzeichnen bzw. vom hohen Rat zu Mannheim zu "verfolgen", welche Lateralschäden die Deformation der deutschen Graphie nach sich zieht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.08.2007 um 15.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2135


Der tägliche Horrortrip

"...um Ihre multiple Sklerose-kranke Mutter..."

"...wenn du sie Jahre lang badest..."

(aus einem Interview mit der Schauspielerin J. Bisset in WELT-online von heute)
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 05.08.2007 um 19.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2156



uups ...

"Sie wissen ganz genau, wie viele Kinder Sie versorgen, wie lange es dauert, sie fertig zu machen und irgendwohin zu bringen: ...
aus "Alles kein Problem", Knaur Verlag ...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.08.2007 um 12.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2160


So schreiben sie halt

"Marilyn wurde nicht als Mythos geboren. Ins L.A.-Geburtsregister am 1.Juni 1926 unter dem Namen Norma Jeane (?) Mortenson eingetragen, veranlasste ihre Großmutter..." (Der seltene Fall, daß Enkelin und Großmutter das gleiche Geburtsdatum haben)

"Mit den Jahren wandelte sich Marilyns Haarfarbe von einem gold- über ein seiden - bis zu einem platinblond."

"Die erste, die sich in jüngerer Zeit ihrem Mythos und ihrer Optik bediente ..." (M.M. rettet dem Dativ)

"As-pekt" (Einzelbuchstaben soll man nicht abtrennen)

(Meike Mai in der FAZ von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.08.2007 um 16.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2161


Aus der Provinz

"Virus-Vermehrung eindämbar..." (Ostfriesen-Zeitung von heute auf der Titelseite)

Da wollen die Ostfriesischen Nachrichten auch nicht zurückstehen:
"...in Folge des Rauchverbots..."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 um 10.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2174


Schlachtefest

"Wenn man nicht ganz ausgenommen wird, könnte ich mich damit anfreunden." (eine Hörerin heute im Deutschlandfunk zum Thema Organspende)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 um 13.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2175


(Es gehört nicht hierher, aber...)

Willst du dein Herz mir schenken...oder: Kompensationsgeschäft:

Ein Hörer verlangte, nur derjenige dürfe ein gespendetes Organ erhalten, der auch selbst zur Spende bereit sei

Eine ältere Hörerin meinte, wenn schon für ein Organ bezahlt werde, dann sollten wenigsten ihre Angehörigen etwas davon haben (Wir verkaufen unser Oma ihr klein Herzchen)
nach oben

Charlotte *
*

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 um 17.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2176


Überschrift in einer schleswig-holsteinischen Regionalzeitung am 07.08.07:
"Föhn verursacht Zimmerbrand"

.. was denn nun eigentlich - Föhn in der Bedeutung von Fön oder Föhn?? Um das zu erfahren, muß man den ganzen Artikel lesen....
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 08.08.2007 um 23.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2178


Gewalt gegen die Sprache
Schulen ein Experimentierfeld sondergleichen

Der Kölner Stadt-Anzeiger beklagt die "absichtliche und systematische Anwendung von Gewalt gegen die Sprache" (8.8.07, S. 4 "Meinung", Tobias Kaufmann, "Das böse T-Wort"). Es geht allerdings nicht um das ureigenste Medium des Meinungsschreibers, sondern um die bei Reuters und anderen - wie der Autor meint - üblich gewordene Vermeidung des Wortes Terrorist, wo es tatsächlich um Terror gehe.
Auf derselben Seite moniert Bert Gerhards, daß "die Schulen in diesen Tagen ein Experimentierfeld sondergleichen" seien, obwohl Ministerpräsident Rüttgers gerade versprochen habe: "Keine Experimente auf dem Rücken von Kindern". Worum mag es hier wohl gehen? Richtig, nicht um das unsägliche RS-Experiment, sondern um die Belastung durch Verkürzung der Schulzeit, Erhöhung der Wochenstundenzahl, Einführung des Ganztagsbetriebs und des Samstagsunterrichts ...
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 09.08.2007 um 21.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2181


Das Wundmal des Samariters
"Nachdem die beiden Männer rund fünf Minuten zusammen standen, soll der 19-jährige ein Klappmesser aus dem brennenden Wagen geholt und dem Helfer ohne Vorwarnung ein Mal in den Rücken gestochen haben. ... Dem schwer verletzten 21-Jährigen gelang es jedoch zu fliehen..." (aus der aktuellen Pressemitteilung einer Staatsanwaltschaft)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 10.08.2007 um 23.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2184


„Diese Rastlosigkeit kommt sicher auch von meinen vielen verschiedenen Vorfahren -- Griechen, Italiener, Russen, Spanier, Malteken, Orientalen, Kroaten . . ."
Emmanuelle Béart in den Mund gelegt von einem Marco Schmidt, F.A.Z., 11. 8. 2007
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 um 00.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2185


Wie die Süddeutsche berichtet:
"Ausgerüstet mit Anhaltekelle, Magnetblaulicht und einer Leuchtleiste mit der Aufschrift „Stopp Polizei“ hat der Gauner seit Mitte Juli in mehreren Bundesländern ausländische Touristen wegen angeblich überhöhter Geschwindigkeit herausgewinkt und abkassiert."
Dabei liest man auf dem dpa-Begleitfoto auf der Leuchtleiste ganz richtig "Stop Polizei"!

nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 um 15.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2186


Die Süddeutsche schreibt schließlich für die armen Schulkinder. Und die Leuchtschrift war vor allem für die Ausländer gedacht, die kein Deutsch für deutsche Schulkinder gelernt haben und (deswegen?) leicht abzukassieren sind. Und: Die Bildbearbeitung steckt noch immer in den Kinderschuhen, aber nicht den Schulkinderschuhen, zumindest ist die automatische Textkorrektur leichter. Mit der Zeit werden die kritischen Zeitungsleser vielleicht auch noch eingetütet werden.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.08.2007 um 17.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2190


Zu # 2186 [Süddeutsche Armeschulkinderschreibe]: So müssen wir also hier — parallel zum von welt.de ("abstimmen") geprägten "Unterschichtenfernsehen" — von der "Unterschichtenschreibe" sprechen. — Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der deutsch richtig schreibende falsche Polizist erst im letzten Satz des relativ langen Berichts (etwa 400 Wörter) als Italiener identifiziert wird.
nach oben

Konrad Schultz
Chemnitz

Dieser Beitrag wurde am 13.08.2007 um 16.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2198


"Freie Presse" kostet heute die neue Schreibfreiheit aus. Da wird von einem Brand in einer Halle einer Asphalt produzierenden Firma berichtet, in der u.a. Gußasphalt-Hängerzüge und Gusasphaltkocher untergestellt waren. Dagegen ist von Gussasphalt nicht die Rede.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 14.08.2007 um 10.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2199


"Der Autor schreibt im historischen Präsenz, zumeist im Reportagestil..." (FAZ, 13. 08. 07, Seite 6, "Politische Bücher")
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 14.08.2007 um 11.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2200


Die F.A.Z. versucht sich mal wieder am Rückbau, und dabei kommt so etwas heraus:

FAZ 08.08.07

Microsoft entgeht Geldstrafe

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft entgeht vorerst einer milliardenschweren Geldstrafe in einem Patentverfahren in Amerika. Ein Richter in San Diego hat ein im Februar von Geschworenen gesprochenes Urteil wiederaufgehoben, wonach Microsoft 1,52 Milliarden Dollar Schadensersatz an den französisch-amerikanischen Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent zahlen sollte. [...]


Ich sage ja immer, das Gegenteil von gut ist gut gemeint...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.08.2007 um 23.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2205


So schreibt die Welt . Und noch etwas Pikantes

Aus WELT-online von heute:

"...da man in dessen Amtszimmer zusammen saß..." (Bericht über den Emder Oberbürgermeister)

"...die beiden waren Angeln..." (Der Fürst von Monaco und Präsident Putin nämlich) Da fragt man sich nun, ob sie ehemals zum Stamme der Angeln gehörten oder einfach friedlich als Angeln verkleidet nebeneinander am Wasser lagen.

Aus der Werbung für den DUDEN-Korrektor:

"Für alle, die auf die aktuelle und verbindliche Rechtschreibung nicht verzichten wollen." (Das tönt ja fast zu zahm. Aber die kleine Schwindelei mit "verbindlich" können sie doch nicht lassen)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.08.2007 um 07.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2206


Klassisch - auf Schwundstufe

Bei uns fährt zur Zeit ein "Mammobil" durch die Gegend.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 16.08.2007 um 12.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2207


Jüngere Liegende in Moskau vorerst wenig gefährdet

Die graphemisch gnadenlos durchdeformierte Welt.online kabelte am 15.08.2007 folgenden optimistischen Satz:

"Nach Angaben der Justiz lockte er seine meist älteren und allein stehenden Opfer unter verschiedenen Vorwänden in einen Stadtwald im Süden Moskaus."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.08.2007 um 21.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2211


Gepflegt

Im Sprachreport (Extraausgabe vom Juli 2006) habe ich zum erstenmal "konfligieren" und "Angang" gelesen. (Dank an K. Güthert)

In einer Ausgabe des Nds. Schulverwaltungsblattes lese ich:

"Implementierung von Kerncurricula in der Grundschule"
.
nach oben

Wilhelm Bernhard Kloke
Dortmund

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2007 um 10.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2212


Ich habe mein Latein nicht so parat, aber müßte es nicht "konflingieren" heißen?
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2007 um 11.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2213


konfligieren ist schon richtig (von lat. confligere).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2007 um 12.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2214


Punctum saliens

Die Ableitung von "confligere" war mir schon klar. (Großes Latinum...!) Aber daß jemand so redet, statt zu sagen "in Konflikt geraten mit", war mir bis dato unbekannt. "Angang" ist übrigens im Sinne von "Herangehensweise" gebraucht.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 17.08.2007 um 13.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2215


Normalerweise geraten nur Menschen in Konflikt mit Menschen (oder mit den von solchen gemachten Gesetzen). In der esoterischen Sprache der Wissenden indessen können auch Dinge miteinander in Konflikt geraten. Um dies schmackhaft bzw. verdaulich zu machen, wird mit "konfligieren" geglänzt. In allseits beliebter Anthropomorphie also conflictum (e)st.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2007 um 14.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2221


WELT-online von heute:

"...ein für dumm verkaufen..." (in der Überschrift)

Dann hatte einer die vage Ahnung, daß der unbestimmte Artikel ein Substantiv verlangt:

"...ein für dumm Verkaufen..." (im Text)

Was will P. Rühmkorf?

"...dem Leser das Wünschen lehren..."
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2007 um 16.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2223


Zu "... dem Leser das Wünschen leeren...":
Gibt es diese Sachen nur so oft in den Online-Ausgaben, oder zeigen die Papierausgaben die gleiche Schreibinkompetenz der Journalisten jetzt?
Zu "ein für dumm verkaufen": Hier hat die Aussprache im Deutschen ein'n für Phonetiker übrigens interessanten "langen Konsonanten" (die Zunge bleibt an den Alveolen, und die unterschiedliche Länge des "n" in "ein Käufer" und "ein'n Käufer" ist sicher auch meßbar).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2007 um 18.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2225


Nur zur Klarstellung

Es heißt in WELT-online "ein für dumm verkaufen (Verkaufen)" – also nicht "einen"...

H.H. v. Arnim nennt den neuesten Finanzierungswunsch der Parteien so. Was ja noch viel zu milde ausgedrückt ist!

Die gedruckte Ausgabe ist mir nicht zugänglich, ich nehme aber an, daß da weniger Klopse vorkommen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2007 um 15.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2229


Mehr als dummdreist

"Das schnelle Ende einer undurchdachten Idee" heißt es heute in WELT-online zum Geldwunsch von SPD und CDU. - Also: Besser durchdacht kann doch eine Idee nicht sein. Nur Pech, daß sie vorzeitig bekannt wurde. (Diesmal muß man der Presse = BILD am Sonntag danken)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 22.08.2007 um 16.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2231


zu #2225 ("ich nehme aber an, daß da weniger Klopse vorkommen"):
Vermutet hier (auch zu topic_id=133#2230 [spiegel.de, "wissenschaft/weltall"!]) eigentlich nicht jemand auch, daß diese Zeitungen und Zeitschriften ihre Volutär(Inn)e(n) an die ".de"-Ausgaben setzen, so daß wir hier uns darauf stürzen und diese Nachwuchsjournalistinnen/Nachwuchsjournalisten halt davon doch vielleicht etwas kostenlos lernen?
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 23.08.2007 um 17.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2233


Alex Baur läßt sich in "Die Weltwoche" wie folgt vernehmen:

"Erst auf anhaltenden, monatelangen Druck der Medien will Zürichs Sozialvorsteherin, Monika Stocker, ihr Amt aufräumen. Andere Politiker hätten nicht so lange überlebt."

Manche sind halt immun gegen monatelang anhaltendes Chaos, z.B. die Deutschen gegen das Tohuwabohu im oktroyierten Dummschrieb.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 24.08.2007 um 18.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2240


Nur ein Sätzchen – aber immerhin...

"Heute liegt der ´Duden´ in 24. Auflage mit 130 000 Stichwörtern vor – die Einheitlichkeit ist jedoch, nach Jahren des Ringens um eine Rechtschreibreform, beschädigt."
(Holger R. Stunz in seiner Besprechung einer Biographie über K. Duden, FAZ von heute, S. 37)

{"Ringen" finde ich gut, "beschädigt" aber auch nicht schlecht}
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 25.08.2007 um 00.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2241


"Communikationstrainer und Coach" Uwe Freund, München, wirbt seit Monaten im Internet folgendermaßen für seine Kurse:

>>Die neue Rechtschreibung hat sich durchgesetzt. „Zeitgemäß schreiben“ bedeutet jetzt, Texte nach den neuen Normen zu verfassen. Diese Richtlinien sind ein deutlicher Schritt weg vom Auswendiglernen von Schreibweisen hin zum Arbeiten mit einfachen Regeln und einem toleranteren Grundverständnis. Gerade auch für Vielschreiber bringt die Reform deutliche Verbesserungen.
Ziele des Trainings: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkennen, welchen konkreten Nutzen die Reform für ihre tägliche Arbeit bringt, erlernen die neuen Regeln und üben anhand von zahlreichen praktischen Beispielen.<<

Da kann man sich kaum verkneifen zu reagieren:

>> Herr Freund, ist das nicht etwas zu starker Tobak? Machen Sie den Leuten in aller Öffentlichkeit nicht etwas vor, was für fast jeden erkennbar genau nicht zutrifft, ja geradezu die Tatsachen verdreht? Bei den unzähligen neuen Ausnahmen, hunderten sinnwidrig empfohlenen Schreibungen usw. halte ich es für reichlich abwegig, von "einfachen Regeln" und einem "toleranteren Grundverständnis" – was immer Sie damit auch andeuten wollen – zu sprechen. Es kann doch nicht nur darum gehen, Kurse zu füllen, oder? <<

Was, glauben Sie, ist die professionelle und möglicherweise kundenrelevante Reaktion dieses Kommunikationsfachmanns? Hier seine Antwort:

>> Hallo, ... vielen Dank für Ihre E-Mail, die ich allerdings nicht ganz verstehe. Was konkret war/ist Ihre Zielsetzung, die Sie mit der E-Mail verfolgen?

Ihre Fehleinschätzung kann sicherlich nur daran liegen, dass Sie sich noch nicht intensiv mit der neuen Rechtschreibung auseinandergesetzt haben.
Die neue Rechtschreibung führt tatsächlich zu einer klaren Verbesserung in der Strukturierung und Regelhaftigkeit. Da sind sich selbst die Gegner einig.
Mit freundlichen Grüßen ... <<

Also geht's doch nur darum, Kurse zu füllen. Da ist offensichtlich jede Dreistigkeit recht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 25.08.2007 um 09.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2242


Non olet

Lieber Herr Bochem, dieser Herr glaubt sicher selbst, was er dort werbend anpreist. Dazu braucht er noch nicht einmal auf die KMK hereingefallen zu sein. – "Tolerantes Grundverständnis" heißt: Wenn ihr nach dem Besuch meines Kurses die wunderbare und so leicht und logisch daherkommende neue Orthographie noch immer nicht beherrscht – macht euch keine Sorgen. Bei der allgemeinen Orientierungslosigkeit merkt sowieso keiner, ober ihr "zeitgemäß", richtig oder sonstwie schreibt.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 27.08.2007 um 20.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2250


"Ob es Steinfeld gefällt oder nicht: Wir haben die neue Rechtschreibung. ..."
Man könnte anfügen: "..., mit der wir uns unwiderruflich durchgesetzt haben". Das würde der sattsam bekannten Funktionärshäme (unterster Ebene) entsprechen, wenn man anderen politisch eins ausgewischt zu haben glaubt.
Aber dann wird man belehrt, daß es in dem Zotz-Leserbrief um etwas anderes geht:
"... Und die ist besser als ihr Ruf. Zumindest Eltern mit schulpflichtigen Kindern kommen überwiegend zu dieser Erkenntnis."
Aha, mal wieder ein Kämpfer für die Kinder.
Aber auch das trifft nicht den Kern: Zotz braucht Ruhe an der Front und gefüllte Rechtschreibkurse.
Kostprobe aus der Zotz-Werbung:
"Die neue Rechtschreibung
Wer schreibt am rechtesten?
Die neue Rechtschreibung:
Eine Katastrofe? ...
Ich biete Ihnen ein vielfach erprobtes, leicht verständliches und aufgelockertes Seminar ... " usw. usw.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 29.08.2007 um 19.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2254


In dem u. g., nicht eben wohlinformierten Beitrag des jungen Mainzer Historikers Holger R. Stunz lesen wir auch etwas von einem „Rechtschreibstandart“. Nun ja.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 31.08.2007 um 12.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2261


Dazu würde Jandl knurren:
"Die Fahne hoch, die Farne höcher!"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.09.2007 um 19.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2268


Zeitgemäß

Der Textilversender Peter Hahn bietet Unterhosen mit "weichem Softbund" an. – Leider trage ich nur solche mit softem Weichbund.

Was aber ist "Fließe - strich"? (aus einer Anzeige)

Im Programm der hiesigen Volkshochschule ist auch ein "Coolnesstrainer" aufgeführt. – Ach ja, wer brauchte den nicht?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.09.2007 um 21.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2304


"11. September 2007, 15:27 Uhr
Der Lindbergh unter den Zugvögeln
Ornithologen hatten ihre Freude beim Beobachten von E7. Die Pfuhlschnepfendame hatte es sehr eilig auf dem Rückweg vom Brutplatz in Alaska nach Neuseeland: Hawaii verschmähte sie, auf den Fidschi-Inseln wollte sie auch nicht landen. Also flog sie einfach weiter - ganze 11.500 Kilometer." (welt.de, article 1174615)
Dies hat eigentlich nichts mit Rechtschreibung zu tun, aber mit den lahmen Flügeln bei der deutschen Nachrichtendienstarbeit heute schon; denn als ich (ich glaube gestern) von E7 in einer Kurznachricht auf dem "Newsticker" von *Welt.de* las, war dieser Supervogel von Alaska nach Neuseeland noch über den "Atlantik" geflogen!
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2007 um 00.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2305


Der Kölner Stadtanzeiger, der sich nach einer Zeit ziemlichen Durcheinanders nach und nach einer offensichtlichen "Schlechtschreibung" zu entziehen schien, ist inzwischen immer konsequenter einer (der vielen) Reformschreibungen verfallen. Täglich(!), auf fast jeder (!) Seite, kennt man nur noch "so genannt" ohne entsprechenden Bezug. Ich stelle bei mir fest, daß eine Gewöhnung sich nicht einstellen will und ich immer wieder "stolpere".
Bei der einzigen mir aufgefallenen Ausnahme vor zwei Monaten konnte ich nicht umhin, der Lokalredaktion für ihre richtige Entscheidung zu danken, was ich dem Forum nicht vorenthalten möchte:

Artikel "Schutz bis mindestens 11,30 Meter", KStA, 2.7.07, Köln, S.25 (es geht um den Rheinhochwasserschutz)
"Sehr geehrte "Köln"-Redaktion,
nachdem ich monatelang, quer durch den gesamten Stadt-Anzeiger, täglich fast mehrmals in Ihre Lesefallen getappt bin, stelle ich heute mit großer Freude fest, daß Sie als Schreibprofis es wenigstens in einem Fall doch noch richtig können: "... bis 11,90 Meter, dem sogenannten 200-jährigen Hochwasser." Wie Sie heute auch, schreibt man deutschlandweit spontan bei folgendem Bezug "sogenannt", nur bei vorausgehendem Bezug "so genannt", damit der Leser nicht irregeführt wird (wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber es verdirbt nachhaltig die Lesefreude) - aber was sag' ich da, Sie als Profis wissen das natürlich (trotz Duden, dessen "Profis" meinen, entgegen dem Schreibusus und gegen den Rechtschreibrat vorschreiben zu können, was sie wollen). Danke für diesen "Lichtblick"!
K.Bochem, Köln, ein dankbarer Leser"

Zurück kam, daß man das "zur Beherzigung" an die entsprechende Redaktion weitergereicht habe. Seitdem schreibt man "fehlerfrei" nur noch "so genannt"!
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2007 um 09.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2307


Abbestellen!
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2007 um 13.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2310


Nein: Auf das offensichtliche Mißverständnis aufmerksam machen!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2007 um 21.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2350


Echt beschauert !

"Mit einem ausgeprägten Tiefdruckgebiet, dass sich...erstreckt..."

"Anfangs schauert es noch etwas..."

(FAZ von heute im Wetterbericht)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2007 um 01.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2351


Abbestellen!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2007 um 08.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2352


Einfach super!

"... die am weitesten verbreitetste Hinrichtungsmethode..."

(WELT ONLINE vom 26.09.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2007 um 20.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2354


Man muß sich nur zu helfen wissen

"Neonazis zum laut darüber Lachen."

(WELT ONLINE von heute)

Ja, mag sich der Schreiber gedacht haben, "zum" verlangt irgendwo ein Substantiv. -

Zum Laut darüber lachen? – Wirkt irgendwie sinnwidrig

Zum laut Darüber lachen? – Sieht auch nicht besonders deutsch aus.

Zum laut darüber Lachen? – Ja, das paßt; zum Lachen gibt’s ja.
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2007 um 06.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2355


Die "richtige" Schreibung – nach alter wie neuer Rechtschreibung – dürfte "zum Laut-darüber-Lachen" sein.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.09.2007 um 14.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2356


Jetzt wird´s spannend

Aus dem "Matthäus-Kurier" einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde:

"Ihren Ehestand ließen einsegnen:
- - -

Wir wünschen Gottes spannenden Segen"
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 30.09.2007 um 19.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2363


Berliner Dativ Plural aus Frankfurt/M.

FAZ.net ließ am 03.09.2007 wissen:

"Immerhin 12 von 14 Boote buchten auf direktem Weg die Tickets für Peking."

Einer von x Redakteure[n] bzw. eine von x Redakterinnen der FAZ.net hätte es bemerken können. Entweder bemüht man sich bei "dieser" Zeitung immer strebend, dem Hauptstadt-Slang so nah wie möglich zu kommen, oder man lebt dort in dem Glauben, der Neuschrieb verlange eine ihm komplementäre deutsche Grammatik niederster Stufe.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.09.2007 um 23.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2364


Lockere Sitten

"Ja, da legst die nieder!"

(Werbung der EDEKA zum sog. Oktoberfest)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 01.10.2007 um 11.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2367


Im Zweifelsfalle "groß". Anscheinend sind ev. Kirchenblätter besonders betroffen.

In einem Bericht über den diesjährigen Ev. Kirchentag: "... und das Mitten in der Stadt."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.10.2007 um 18.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2369


Von allen guten Geistern verlassen

"Novartis verfehlt selbst gesteckte Ziele"

(Wirtschaftsteil der FAZ von heute)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 02.10.2007 um 15.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2370


Heute "Erdnussauce" in der Kantine; ein schönes Beispiel, wie die Heysesche Regel und die alte Doppelkonsonantenregel zusammenfallen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.10.2007 um 18.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2371


Das wird nie mehr was

... sei "nur der Bahn-Vorstand Schuld" ...

(Der GDL-Vorsitzende lt. FAZ von heute, S.1)

Da es als Zitat markiert ist, hat der Vorsitzende wahrscheinlich neue Rechtschreibung gesprochen.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 02.10.2007 um 18.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2372


"Kölner Stadt-Anzeiger", Rubrik "Köln", S. 23, 26. September 2007.

Alle Monate wieder gibt es lobenswert engagierte Artikel, die sich mit der Sprache befassen, leider jedoch nicht mehr mit der Schrift, so auch letzten Mittwoch. "Schüler sollen ran ans Lesen" berichtet von einem begrüßenswerten Vorleseprojekt, "Perfekte Sprachschüler" widmet sich den diesjährigen ausländischen VHS-Absolventen des "Großen Deutschen Sprachdiploms".

In diesen Artikeln sind außer bei "dass" Reformschreibungen vermieden. Zufall?
Hinzu kommt ein kluger Kommentar der Redakteurin Beatrix Lampe. Und die wollte wohl keinesfalls ihren Namen für ein "verkorkstes" Deutsch hergeben, auch wenn's der Herausgeber anscheinend so will: Sie verwendet "sogenannt" sinnrichtig ("... der Anteil sogenannter funktionaler Analphabeten ...") – wie übrigens auch noch ein zweites Mal in der Rubrik geschehen – und vermeidet außer bei dass / muss / lässt und drei akzeptablen Bindestrichschreibungen (Vorlese-Angebote, Pisa-Studien, Lese-Listen) die Reformschreibung. Hat mich richtig gefreut.

Übrigens: Den Zuruf "Abbestellen!" (R.M.) habe ich wohl vernommen. Ich bleibe aber (vorerst noch) lieber "im Geschäft" mit Schreiben!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2007 um 16.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2375


Alles Limo – oder was?

"Limosine"

(Die Firma Bosch auf der Verpackung eines Luftfilters)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2007 um 16.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2376


Anspruch und Wirklichkeit im Lichte gehender Neuerungen

"Nur ein Sechstel hätte sich noch weiter gehende Neuerungen gewünscht."

"Nichts ändern wird sich auch an dem hohen journalistischen Qualitätsanspruch dieser Zeitung..."

(FAZ von heute zur Neugestaltung des Layouts)
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 06.10.2007 um 09.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2380


WELT konsequent:

Eigentlich gibt es nur zwölf der berühmten Fabergé-Eier, die für die Zarenfamilie geschaffen wurden. Jetzt ist aus dem Besitz der Familie Rothschild ein Neues aufgetaucht. Ende November wird es in London versteigert.

Welt online
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 06.10.2007 um 10.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2381


Auf der FAZ.Net-Seite hat man die Demokratielüge von Werner d'Inka angesichts der niederschmetternden Kommentare wohl ganz schamhaft und schnell wieder unter den Teppich gekehrt. Inzwischen geht es in Spiegel-Online weiter.
Auch hat sich spontan ein Forum gebildet unter www.fazleser.de.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.10.2007 um 11.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2382


Nun ja. Der Gründer von faz-leser.de schreibt schon dass. Bald wird er auch einsehen, daß bunte Bilder von grinsenden Diktatoren eigentlich eine feine Sache sind. Das ist das „Dilemma des Konservatismus“ (Martin Greiffenhagen).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2007 um 13.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2397


Alles klar?

"Das Statistische Bundesamt begründete die deutlich verzögerte Veröffentlichung mit den zeitaufwendigen Veranlagungsarbeiten in den Finazämtern, die sehr zeitaufwendig seien."

(FAZ v. 11.10., S. 13)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2007 um 13.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2401


Abgehoben

"... überirdische Höchstspannungsleitungen..."

(Ostfriesen-Zeitung von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2007 um 16.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2403


Rechtschreibung ist leicht

"Juckapalme"

(aus dem "Sonntagsblatt" der Emder Zeitung)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2007 um 19.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2415


Wo liegt "Spe"?

In der Beschreibung des Films "Am goldenen See" auf der Videotextseite von Arte ist zu lesen: "Während Tochter und Schwiegersohn in Spe eine Reise planen, (...)". Ich vermute, daß dies eine durch die Rechtschreibreform ausgelöste Verwerfung ist.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2007 um 19.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2416


Bei Spa. Und sicher genau dorthin ging die Reise – oder Wanderung.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 21.10.2007 um 20.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2417


Inhaltlich geht es um den zukünftigen Schwiegersohn, Herr Schatte. Abgesehen davon kennt weder mein Atlas (Maßstab 1:515.000) noch das Internet einen Ort names "Spe".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.10.2007 um 09.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2433


Auf der sicheren Seite

"... so...., dassß er in allen..."

"adäequat"

(Aus einem ebay-Inserat)
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 29.10.2007 um 00.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2436


Der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Rubrik "Köln", S. 33, 27. / 28. Oktober 2007) überrascht – gleich im Hauptartikel der ersten "Köln"-Seite – mit Merkwürdigkeiten:

"Die Bahnen [...] werden gesandstrahlt [...]"
"[...] eine Arbeitsanleitung und ein so genanntes Lastenheft (sollen) erstellt werden."
"Der Stadtbahnwagen [...] ist europaweit rund 500 Mal verkauft worden."

Gleich nebenan ist dann noch von einem stehenden Schwimmbad die Rede ("die Decke in dem leer stehenden Schwimmbad") .
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 30.10.2007 um 07.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2451


WELT online im Nachruf auf Evelyn Hamann (v. 29.10.07):

Und über allem lag dieses große Verständnis für den schicklichen Mann, der, ohne es zu wissen, behände von Fettnapf zu Fettnapf hüpft.

http://www.welt.de/kultur/article1308704/.html#reqNL
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2007 um 05.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2454


Es ging auch anders, aber so geht's auch: Vater werden – Schwanger werden – wahr werden ...

"Merkwürdig
Lebenslang inhaftierter Mafia-Boss wird Vater
Sein Traum wurde wahr: Mafia-Boss Raffaele Cutolo ist Vater geworden. Merkwürdig daran ist allerdings, dass der Mann zu lebenslanger Haft verurteilt ist und bereits seit 20 Jahren im Gefängnis sitzt. Zu seiner Frau durfte er in dieser Zeit keinen intimen Kontakt haben. Offenbar konnte sie trotzdem von ihm Schwanger werden." (Welt online, 31. Okt. 2007, 04:23 Uhr)

nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2007 um 10.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2455


... etwas Abschäuliches ...
(Untertitel bei Sat 1)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 11.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2462


"Wir zeigen Ihnen fünf Sehenswürdigkeiten, die nicht Jeder kennt."

aus GMX v. 01.11.2007
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 11.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2463


Die Großschreibung von Pronomen wirft übrigens eine interessante Frage auf. Eigentlich heißt es ja Die Schönste von allen. Wäre nun Die schönste von Allen vorzuziehen? Es ist klar, wohin die Lokomotive dampft: Wer so barbarisch und wenig kenntnisreich mit unserer Schrift umspringt, wünscht sich eigentlich die generelle Kleinschreibung, auf daß das eigene Unwissen und Unverständnis nicht mehr ganz so bräsig erscheine. Wollen wir solchen Leuten wirklich die Befugnis überlassen, über unsere Schrift zu urteilen? Mich packt's da kalt am Nacken.
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 15.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2465


Auf Spiegel online habe ich keine Chance, mich offen zu äußern, deshalb möchte hier einmal einen besonders grenzdebilen Beitrag eines Teilnehmers namens vanderwern veröffentlichen:

»Außerdem sind die heute geltenden Normen weder 'besser' noch 'schlechter', sondern einfach anders.«

So steht es da geschrieben, und dem darf nicht widersprochen werden, rüttelte es doch an den Grundfesten der maximalen Bräsigkeit der neuen Dudenleute und bescheuerten Journalisten, die das Lebenswerk Drosdowskis und seines Teams zerstören und sich nicht einmal irgendeiner Schuld bewußt sind, weil sie eben einfach zu blöd sind.

Zur Zensur bei Spiegel online: Zunächst wurde das Rechtschreibreformforum geschlossen, ohne Angabe von Gründen. Dann verlagerten sich die letzten verzweifelten Hilferufe naturgemäß ins Zwiebelfischforum, doch dort wurde stets konzediert: Die Rechtschreibreform ist nicht Thema dieses Forums. Was eine glatte Lüge ist, denn eigentlich war ja gemeint: Rechtschreibreformfreundliche Äußerungen sind willkommen, Abweichler werden wir wie Kriminelle behandeln. Mich erinnert das alles eher an Nord-Korea denn an die Bundesrepublik. Ist dies wirklich das Land, mit dem ich mich endlich auszusöhnen begann? Es ist mir wieder ein Stück fremder geworden.
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 16.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2467


Da ist noch eine Sache, die ich nicht verstehe: Die Frankfurter Erklärung wurde im wesentlichen von allen deutschen Schriftstellern unterzeichnet, die ich verehre, die mir Vorbild sind, nur frage ich mich: Wo bleibt eigentlich der Protest? Nur einmal an den Bundestag schreiben oder eine Pressenote fallenlassen reicht nicht! Wo bleibt das Engagement unserer Schriftsteller im Internet? Ich finde es nicht! Die Berufung eines Schriftstellers ist es doch, zu schreiben, also, warum liest man sowenig darüber? Und die Intellektuellen? Warum schweigen sie? Nie war ein Schweigen lauter.
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 17.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2468


Ja, mit meinem letzten Beitrag habe ich auch die Hoffnung verknüpft, ein namhafter Schriftsteller könne sich hier einmal zu Wort melden. Wäre doch interessant, was ein Herr Grass, ein Herr Walser (ich mag sie eigentlich beide nicht), ein Herr Biller, selbst ein Stuckrad-Barre, den ich für weithin unterschätzt halte, ach ja, Moritz von Uslar, all die jungen Teufel, mal so zu melden hätten. Ist doch öde, dauernd ohne die diskutieren zu müssen, die doch eigentlich etwas von ihrem Handwerk berichten könnten.

Ganz kurz: Wer es mit der deutschen Sprache ernstnimmt, für den führt letztlich an Ickler und an www.sprachforschung.org kein Weg vorbei. Früher oder später müßten Sie sich alle hier verlaufen.
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 18.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2470


Auch dies wird nicht durchgehen, man kennt so langsam seine Pappenheimer. Das Auge der Weltöffentlichkeit richtet sich gegenwärtig auf Birma, ich wünsche den Mönchen alles Gute für ihr Fortkommen, doch auch in Deutschland haben wir Defizite in der Meinungsfreiheit, was freie Rede anbetrifft, sind wir nach wie vor Entwicklungsland. Ein studierter Sprachwissenschaftler beglückte uns mit der in jeder Hinsicht falschen Schreibweise Allchemie, was mich zu folgender Antwort veranlaßte:

»molinero, Sie sind nach eigener Auskunft Sprachwissenschaftler, schreiben aber immer noch Allchemie. Wie paßt das zusammen? Haben Sie Ihre gesamte Studienzeit über gepennt? Erbarmen!«

Unnötig zu erwähnen, daß dieser Kommentar auf spiegel.de so nie erscheinen durfte. Es tut weh, es tut wirklich weh, Opfer einer Zensurdiktatur zu sein. Ich weiß nicht, was die Zensoren sich dabei denken, wahrscheinlich lachen sie nur abfällig darüber, bei mir erzeugt es Schluckbeschwerden und Schlaflosigkeit, und ich hasse meine Peiniger dafür.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 01.11.2007 um 19.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2472


Vielleicht lassen Sie sich ja ein wenig zuviel peinigen. Versuchen Sie es mal mit subtileren Bemerkungen. Hätte es bei Ihrem jüngsten Beispiel nicht einfach genügt, nur den ersten Satz zu bringen und mit Allchemie zu schließen? (Evtl. wäre noch eine konkrete Nachfrage "Warum All-?" in Frage gekommen.) Warum immer gleich mit der Tür ins Haus fallen?
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 02.11.2007 um 07.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2474


Ja, Herr Wagner, ich danke Ihnen für diesen Ratschlag. Schon oft habe ich Mitmenschen mit meiner großen Klappe verprellt, selbst die, die ich geliebt habe und immer noch liebe. Vielleicht ist das die Tragik meines Lebens, aber ich mag nun mal eben keine Halbwahrheiten. Entweder, etwas stimmt, oder es stimmt eben nicht. Halbgares Hin-und-her war meine Sache noch nie, und vielleicht bin ich darüber Informatiker geworden, weil die Boolesche Algebra eben etwas ist, mit dem ich etwas anfangen kann, vielleicht sollte man anhand ihrer mal Gesetzestexte durchforsten und abklopfen. Das hat mich im Laufe der Zeit etwas einsam gemacht, doch je nun, niemand kann gegen seine Natur ankämpfen. Das wäre wohl der Kampf gegen die Gezeiten.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 02.11.2007 um 14.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2476


Halbwahrheiten mag ich auch nicht. Allerdings kann man den Grundsatz, daß etwas stimmt oder eben nicht, nur anwenden, wenn kein "kommt drauf an" zur Debatte steht. Das gibt es aber in der alltäglichen Erfahrung relativ häufig, und deshalb sollte man nicht erwarten, diesem Grundsatz immer und überall Geltung verschaffen zu können. Ich behaupte folgendes: In der Kommunikation sind zwei grundverschiedene Aspekte untrennbar miteinander verbunden: die zu besprechende Sache an sich und der Kontakt zu einem Partner. Man kann nicht verlangen, daß es in einem Gespräch mal "nur um die Sache an sich" gehen soll – das würde den Kontakt zum Gegenüber ausschließen und damit das Gespräch beenden. (Folgerung: Wenn überhaupt, kann sich mit einer Sache an sich nur jeder für sich allein beschäftigen – falls er sich dabei nicht mit sich selbst beschäftigt.)
Also: Zum einen muß es in der Sache an sich um Korrektheit gehen. Zum anderen kommt es aber auch darauf an, wie man sich anderen gegenüber verhält: Es hat keinen Zweck, jemandem die Wahrheit unmittelbar vor Augen zu führen, wenn er sich dadurch geblendet fühlt. Wenn man einen Sachverhalt inhaltlich korrekt, aber im Ausdruck zurückhaltend darstellt, führt das weder zu Halbwahrheiten noch zu Spannungen in der Kommunikation.
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 03.11.2007 um 09.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2480


Lieber Herr Wagner,

ich danke Ihnen sehr für Ihre geistreichen Zeilen. Mir ist selbst schmerzlich bewußt, daß ich an andere Menschen hohe moralische Ansprüche stelle, aus keinem anderen Grund als dem, daß ich selbst immer bemüht war, ihnen zu genügen. Möglicherweise hat meine christliche Erziehung doch ihre Früchte getragen, ohne daß ich es je ganz durchschaut hätte. Geschwindelt, phantasiert, fabuliert, Mist geschrieben, all das habe ich getan, doch ich habe nie gelogen, wenn es wirklich um die Wurst, also um menschliche Gefühle ging. Ich wage von mir zu behaupten, daß es mir tatsächlich gelungen ist, siebenunddreißig Jahre unbeschadet auf diesem Planeten zu wandeln, ohne auch nur ein einziges Mal gelogen zu haben. Also, es geht, man muß es nur wollen, auch wenn ich auf diese Weise freilich nie Millionär geworden bin.
Zurück zur Rechtschreibreform: Sie ist nicht das Werk Kundiger, sondern ein großes Unglück, die Schüler um die Chance bringt, je in ihrem Leben zu einem guten Ausdruck zu finden, zumindest beschneidet sie die Schüler in ihrem Repertoire, und dieses Unrecht sollten wir so nicht klaglos hinnehmen. Ich war selbst in jungen Jahren Nachhilfelehrer, und meine Erfahrung war eigentlich immer die, daß Kinder, auch ausländische, einen Wissenshunger entwickeln, den nicht einmal ich zu stillen imstande war. Die Behauptung, Schüler seien nicht in der Lage, zwischen im allgemeinen und im Allgemeinen zu unterscheiden, ist doch nicht mehr als ein Ammenmärchen. Das ist doch das, worüber ich hier spreche, und solche Petitessen veranlassen unsere Politiker zu Propagandavokabeln wie hochwohlgeboren? Das macht mir sehr angst.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 03.11.2007 um 22.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2483


Es gehört eigentlich nicht in diesen Diskussionsstrang, aber vielleicht ist es ausnahmsweise gestattet, einige Gedanken zu zitieren, die sich Max Frisch 1946 zu dem zuletzt hier verhandelten Gegenstand gemacht hat:

„Wenn wir zuweilen die Geduld verlieren, unsere Meinung einfach auf den Tisch werfen und dabei bemerken, daß der andere zusammenzuckt, berufen wir uns mit Vorliebe darauf, daß wir halt ehrlich sind. Oder wie man so gerne sagt, wenn man sich nicht mehr halten kann: Offen gestanden! Und dann, wenn es heraus ist, sind wir zufrieden; denn wir sind nichts anderes als ehrlich gewesen, das ist ja die Hauptsache, und im weiteren überlassen wir es dem andern, was er mit den Ohrfeigen anfängt, die ihm unsere Tugend versetzt.
Was ist damit getan?
Wenn ich einem Nachbarn sage, daß ich ihn für einen Hornochsen halte – vielleicht braucht es Mut dazu, wenigstens unter gewissen Umständen, aber noch lange keine Liebe, so wenig wie es Liebe ist, wenn ich lüge, wenn ich hingehe und ihm sage, ich bewundere ihn. Beide Haltungen, die wir wechselweise einnehmen, haben eines gemeinsam: sie wollen nicht helfen. Sie verändern nichts. Im Gegenteil, wir wollen nur die Aufgabe loswerden …

[…]

Der Wahrhaftige, der nicht höflich sein kann oder will, darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn die menschliche Gesellschaft ihn ausschließt. Er darf sich nicht einmal damit brüsten, wie es zwar üblich ist, je mehr er nämlich unter seinem Außenseitertum leidet. Er trägt eine Gloriole, die ihm nicht zukommt. Er übt eine Wahrhaftigkeit, die stets auf Kosten der andern geht –.

Das Höfliche, oft als leere Fratze verachtet, offenbart sich als eine Gabe der Weisen. Ohne das Höfliche nämlich, das nicht im Gegensatz zum Wahrhaftigen steht, sondern eine liebevolle Form für das Wahrhaftige ist, können wir nicht wahrhaftig sein und zugleich in menschlicher Gesellschaft leben, die hinwiederum allein auf der Wahrhaftigkeit bestehen kann – also auf der Höflichkeit.

[…]

Der Weise, der wirklich Höfliche, ist stets ein Liebender. Er liebt den Menschen, den er erkennen will, damit er ihn rette, und nicht seine Erkenntnis als solche. Man spürt es schon am Ton. Er wendet sich nicht an die Sterne, wenn er spricht, sondern an die Menschen. Man denke an die chinesischen Meister.“

Aus: Max Frisch, Tagebuch 1946–1949, Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1985, S. 51–53
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 06.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2484


Lieber Herr Metz,

warum sollte denn ein philosophischer Ausflug nicht gestattet sein? Es wäre doch langweilig, immer nur den Vorgaben zu folgen. Daß Sie hier ausgerechnet Max Frisch zitieren, der mir immer großes moralisches Vorbild war, um mich zurechtzuweisen, gibt mir zu denken, und ich werde darüber nachdenken.

Ich weiß nicht, woran es liegt. Ich war eigentlich immer schon ein Außenseiter, ein Außenseiter selbst unter den Außenseitern noch, doch habe ich mich nie darüber beklagt oder versucht, mich damit gar zu brüsten. Wir Menschen sind Rudeltiere, und nimmt man einem Menschen sein Rudel weg, verzweifelt er, und wenn er Glück hat, wird er darüber zum Philosophen. Nun möchte ich mich nicht mit Max Frisch vergleichen, dessen Geist ich nicht habe, auch nicht die Schönheit seiner Sprache, aber ich hätte jedes Wort, das Sie hier zitieren, so befürwortet und unterschrieben, und so mag diese Belehrung hier vielleicht etwas fehl am Platze gewesen sein.

Ich war immer, außer in schwachen Momenten, ein höflicher Mensch. Höflich kann ja nur sein, wer auch kraft seines sprachlichen Vermögens überhaupt die Chance dazu hat, höflich zu sein. Er braucht ein Vokabular dazu. Die Verrohung unserer Sprache, die gegenwärtig zu beobachten ist, führt ja auch zu einer Verrohung der Umgangsformen, an der ich mich nie zu beteiligen bestrebt war. Ich halte nur eben auch nichts davon, der Höflichkeit das Ansinnen zu opfern, laut und deutlich zu sprechen, wenn es an der Zeit ist. Diese ewige Gleichmacherei und Einplanierung aller Unterschiede mag ich nicht mehr hören, sie erzeugt in meinen Ohren eine unerträgliche Lautstärke.

Herzlichst
Ihr
Philip

PS. Ich hätte schon noch eine Schippe drauflegen können, aber ich habe hier versucht, den Ton der Zeit zu treffen. Für den Suhrkamp Verlag, für mich selbst, würde ich wohl anders und noch ein Stück hübscher schreiben.
nach oben

Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 08.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2485


"Man denke an die chinesischen Meister." (Frisch) –- Das folgende kleine Exempel zur Abrundung. Hoffentlich, ja höchstwahrscheinlich, ist es im Sinne von Herrn Metz, dem wahrhaft Höflichen und Liebenden des letzten Absatzes seines Zitats noch eine entscheidende Eigenschaft zuzubilligen: den Humor.

Von der höheren Meisterschaft

Yen Hoo kommt zu Lao Dan und spricht: "Ich komme voran. Ich habe Liebeslust und Liebesnot hinter mir gelassen."

"Ganz gut", antwortet Lao Dan, "aber nicht genug."

Die Zeit vergeht, und wieder erscheint Yen Hoo beim alten Meister und spicht: "Ich komme voran. Demut und Freude sind überschritten." – "Ganz gut", antwortet der Alte, "aber nicht genug."

Und wiederum nach langer Zeit kommt Yen Hoo zu Lao Dan und spricht: "Ich komme voran. Abgelegt sind Wille und Wünsche."

Ergriffen lächelt der Meister und antwortet: "Nun, da du nur mehr bist und atmest, neige ich mein Haupt und bitte dich, mich als deinen Schüler anzunehmen. Du hast mich übertroffen."

Yen Hoo verneigt sich erschrocken und spricht: "Meister! Es stimmt, ich bin vorangekommen. Meine Sinne sind still, und mein Geist ist ruhig. Die Dinge der Welt sind als Trug erkannt und wesenlos. Dies alles ist wohl wahr." – Lange schweigen beide.

Dann fährt Yen Hoo fort: "Und dennoch, Meister, sind die Augen der Mädchen bernsteinfarben, funkelt der Nachthimmel unergründlich, und der Schrei des Kranichs geht durch Mark und Bein."

Der junge Meister hebt zögernd den Kopf, der Alte nickt. Dann brechen sie in herzliches, ja unbändiges Gelächter aus und benehmen sich, als müßten sie einander in die Seiten knuffen.

R. H. (Neue Zürcher Zeitung)
nach oben

Philip Köster
Hamburg

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 09.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2486


Noch eine späte Deutung zu Max Frisch: Er hat eben gerade nicht den Roman Homo faber geschrieben, weil er selbst ein Homo faber war, sondern weil er über seinen gesamten akademischen Weg nie sein Herz vergessen hat. Ähnlich ging es mir auch, auch wenn ich mich nie mit solchen Größen auf eine Stufe stellen würde, aber auch in meiner Brust pochten immer zwei Herzen. Ich war immer einer der besten Matheschüler und Deutschschüler zugleich, und ich habe selbst nie verstanden, wie man das am besten unter eine Haube bringt. Wenn ich hier also konstatiere, ich sei Informatiker aus Leidenschaft, so bedeutet das nicht, daß ich kein Gefühlsleben hätte. Ganz im Gegenteil.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 12.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2491


Ein Nachtrag: Max Frisch wäre – zumindest für mich – uninteressant, wenn er selbst den Ansprüchen genügt hätte, die er in seinem Tagebuch so scharfsinnig beschrieben hat. Ja es ist nicht einmal sicher, daß er über das von mir gewählte Zitat glücklich wäre. Vermutlich würde es ihn, der unausgesetzt mit sich und der Welt gerungen hat, drängen, das Gesagte zu ergänzen, abzuwandeln, vielleicht sogar in Frage zu stellen. Überhaupt sollten wir nicht den Fehler machen, einen Ausschnitt fürs Ganze zu nehmen. Denn natürlich ist die Sache in Wahrheit komplizierter, als Frisch sie hier darstellt. Mir hat die Lektüre vor vielen Jahren jedenfalls dabei geholfen, eine bestimmte Schwelle zu überwinden. Und nur so war das Zitat gedacht: als Hilfe im Frischschen Sinne (also ehrlich, manchmal ist der Apostroph ein Segen!), nicht als „Zurechtweisung“; als Denkanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Wobei Herr Herter zu Recht den Humor ins Licht rückt. Humor natürlich nicht nach einem vordergründigen Verständnis, sondern als jenen Schwimmgürtel auf dem Strome des Lebens (Wilhelm Raabe), als das, was die Holländer wohl meinen, wenn sie von „relativeringsvermogen“ sprechen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 15.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2494


Von höherer und niederer Meisterschaft:
"[...] vor vielen Jahren [Hilfe], eine bestimmte Schwelle zu überwinden" (#2491) - und an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Situation. Doch bei "daß dieser Kommentar auf spiegel.de so nie erscheinen durfte" (#2470), da schon hört bei mir der Spaß auf. Ich nehme die Aufgabe der Medien in der Demokratie nämlich sehr ernst. Gut, man liebe den Menschen, den man erkennen will, damit man ihn rette, und nicht seine Erkenntnis als solche. Aber wir brauchen auch die, die sich an die Sterne wenden, wenn sie sprechen, und nicht nur an die Menschen, die sie gerade um sich haben (#2483). Vielleicht hört sie nämlich doch wer! Die große Frage ist eben nicht nur, wie kommen wir als Einzelwesen in den nächsten Tag, mordlos und ohne Ehebruch, sondern auch, was tun wir zusammen, so daß auch die einzelnen Kinder von uns Einzelnen (und das schreibe ich hier mal groß, obgleich's durchaus auch anders ginge) mit Sinn weiterleben, so gut's geht. Deshalb weiter — und wo immer es geht — der Ignoranz und der Böswilligkeit beim *Spiegel* den Spiegel vorhalten, in soviel Öffentlichkeit wie möglich und hier bei uns mit Fundstücken daraus, auf die hinzuweisen der *Spiegel* aus höherer Ignoranz sich nicht erlauben kann!
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 04.11.2007 um 17.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2495


Aber ja doch, Herr Ludwig, ich stimme Ihnen in allem zu. Wir schreiben uns hier in einen Gegensatz hinein, den es nicht gibt. Niemand hat doch verlangt, daß wir das Thema ad acta legen und von nun an sittsam schweigen. Auch hat keiner behauptet, daß es gut wäre, wenn alle genau gleich vorgingen, ungeachtet ihres Charakters, ihrer Mentalität, ihrer Stärken und Schwächen. Wer recht hat, muß auch schreien dürfen; je nach Temperament wird er es ohnehin tun. Man muß ihm aber auch ein Halsbonbon reichen dürfen, wenn man das Kratzen in seiner Stimme hört. Eine Aufforderung zum Schweigen sieht anders aus.

Und nun werde ich mich wieder an die Arbeit machen und meinen Vergleich des Schweizer Schülerdudens mit dem Original aus Mannheim fortführen. So was kann ja auch sinnvoll sein.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2007 um 08.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2514


Und keiner merkt´s

"Beim Auto anmelden über Kunst stolpern"

"...dem Licht durchfluteten Kreishausfoyer..."

"abbonieren"


(Von der Homepage des Landkreises Aurich)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.11.2007 um 01.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2517


"Warum hälts du nicht den Mund, Chàvez" (Welt Online, 10. 11.2007, 20:25)
Vielleicht weil man dies doch als Rückfall in die Zeiten vor der Entstehung des "t" in unseren Du-Form-Verbendungen hätte ansehen können, finden wir's im Artikel selbst dann so berichtigt:
"Als Chávez Widerworte geben wollte, fuhr der Monarch dazwischen und sagte: 'Warum hälst Du nicht einfach den Mund?'" Und vielleicht hat der Monarch das tatsächlich zweimal und also leicht verschieden gesagt, so daß die Zitatzeichen hier journalistisch durchaus richtig gesetzt sind.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 11.11.2007 um 01.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2518


"Warum hälts du nicht den Mund, Chàvez" (Welt Online, 10. 11.2007, 20:25)
Vielleicht weil man dies doch als Rückfall in die Zeiten vor der Entstehung des "t" in unseren Du-Form-Verbendungen hätte ansehen können, finden wir's im Artikel selbst dann so berichtigt:
"Als Chávez Widerworte geben wollte, fuhr der Monarch dazwischen und sagte: 'Warum hälst Du nicht einfach den Mund?'" Und vielleicht hat der Monarch das tatsächlich zweimal und also leicht verschieden gesagt, so daß die Zitatzeichen hier journalistisch durchaus richtig gesetzt sind.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 11.11.2007 um 19.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2522


Dem Volk aufs Maul geschaut (KStA, 3./4.11.07, "Wirtschaft"-Seite 13):
In dem Artikel "China entzieht Herstellern Exportlizenz" heißt es – für diese Gegend fast lautrichtig – "Exportlizenz vorrübergehend [...] entzogen". Ganz richtig schriebe es sich eigentlich "vorrübber". Was nicht ist, kann noch werden.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 15.11.2007 um 13.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2550


Chefphysiker Steinbrück

Da ist er wieder, der Quantensprung:

Dies sei, betonte Steinbrück, ein "Quantensprung nach vorn". Also, da werden sich die Elektronen aber wundern. Aber vielleicht ist's ja doch nur ein Quäntchen...
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 15.11.2007 um 13.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2551


Dazu ein Physikerwitz – nein, keiner über Physiker, sondern von Physikern über die Politik:

Frage: Was ist ein Quantensprung, wenn ein Politiker davon spricht?
Antwort: Die kleinstmögliche Verbesserung.


(Wer nicht versteht, was daran witzig ist, mache sich nichts weiter daraus; falls gewünscht, kann ich versuchen, zu erklären, was Quanten sind, warum sie "springen" – und wohin.)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 16.11.2007 um 18.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2569


Naja, mal zu wenig, mal zuviel:
"Eine Impfung zu wenig, 17 Maserntote zuviel
Kinder ohne Impfungen werden in den USA nicht in die Schule aufgenommen. Das klingt nach harscher Bevormundung, zeigt aber Wirkung. Im lascheren und kleineren Deutschland erkranken vier mal so viele Menschen an Masern." (Welt Online, 16. 11. 2007 09:19)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.11.2007 um 15.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2574


Voll gegen die Latte

Frau Hasselfeldt (Bundestagsvizepräsidentin von der CSU) sagte, Abgeordnete kämen auch künftig bei weitem nicht an die Gehälter etwa von Spitzen-Fußballspielern heran. (FAZ von heute).

(Vermerkt das Protokoll hier "Heiterkeit"?)

Also, das hat etwas und sollte am besten in Gesetzesform gebracht werden. Allerdings müßte jeder Bundestagsabgeordnete zunächst ein Attest vorlegen, ob er's mehr im Kopf oder mehr in den Waden hat.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 22.11.2007 um 14.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2585


Überlebensstrategie

"Ernährungsmythen unter dem Prüfstand"

(Heute im "Blickpunkt" bei gmx)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 23.11.2007 um 13.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2586


"Elephantengedächtnis"

bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,519118,00.html
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2007 um 19.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2589


Querbeet

"Dulce finis, das süße Ende"

"Einen gut Teil ihrer Zeit aber krankt dieser Film daran..."
(Heike Hupertz, FAZ von heute, S.41)

"...von den früher sogenannten 'Etablierten' kaum noch zu unterscheiden."
(G. Nonnenmacher, FAZ von heute, S.1)

"im Mittelpunkt des Konzertes stehen Begleitungen aus dem 'Orgelbüchlein' und den so genannten 'Schüler-Chorälen'." (offenbar eine Uraufführung)

(Ostfriesen-Zeitung von heute, S. 21)
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2007 um 15.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2591


Im „Stern“ vom 22.11.2007 steht ein Artikel über „Spießer“. Der „Sprachkritik-Spießer“ wird folgendermaßen beschrieben:

„Ideelle Oberstudienräte vom Schlage Bastian Sick, die es immer noch für originell halten, schwachsinniges Denglisch oder falsch gesetzte Apostrophe zu geißeln. Sprachblockwarte, die noch den dreihundertsten ‚Zeit‘-Artikel über die Rechtschreibreform verschlingen, als hinge davon die westliche Zivilisation ab. Gründen mit anderen Schlaumeiern Vereine zur Pflege der deutschen Sprache und fordern Quoten für deutschsprachige Musik in den Sendern. Wenn sie nicht Heinz Rudolf Kunze heißen, sehen sie zumindest so aus“ (S.81).
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2007 um 22.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2592


(Zu #2591) Da ist eben der Unterschied zwischen Information und Unterhaltung in den Druckmedien: Bei der Unterhaltung geht es darum, die ja zahlenden Lacher auf seiner Seite zu behalten, indem man ihnen das Gefühl gibt, sie leisteten einen erhebenden Beitrag zur Kultur, weil sie sich ja auch lachend informieren und derart informiert mitlachen.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2007 um 23.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2593


Was kann man schon vom "Stern" erwarten? Seit der beschämenden Pleite mit den Hitler-Tagebüchern packen wir den hier noch nicht einmal beim Frisör an.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2007 um 14.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2596


Aus dem Katalog des Versandhauses "pro idee" zum Angebot eines Vibrators, der Maulwürfe aus dem Garten vertreiben soll:

Ein Maulwurf geplagter Gartenbesitzer berichtet: ...
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2007 um 17.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2601


Nanu, wo ist denn die "Wand" geblieben?

Aus der Internetseite des STERN:
"Pro Sieben hat sich an eine aufwendige Neuverfilmung des klassischen Romans "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson gewagt."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2007 um 23.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2608


Fast geschafft!

Kratzbaum hat sich große Mühe gegeben, alle Fragen des Zeit-Quiz' falsch zu beantworten.
Das Ergebnis: 44 falsche, 6 richtige Antworten.
Das macht 12% richtige, was "leider ungenügend" ist.

(Am besten gefiel mir das "Rückrad" ...)
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2007 um 10.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2610


Auch ich hatte mich richtig ins Zeug gelegt. Dummerweise immer noch drei richtig, darunter "ohneeinander auskommen". Oh weh, aus mir wird nie was...
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2007 um 14.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2611


"So lange man weiterhin "verfasst", obsiegt das Augenzwinkern eindeutig noch nicht" (O. Höher auf der Tagebuchseite)

Offenbar ist die Konjunktion "solange" weitestgehend verschwunden?
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2007 um 03.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2617


Im KStA der letzten Tage sprang mir gleich zweimal die Getrenntschreibung der Konjunktion "obwohl" ins Auge. Hier das Beispiel vom 17./18.11.2007, S.44:

>> Ob wohl er mehrere Anträge gestellt hatte, [...] hatte H. keinen Job in der JVA bekommen. << (Artikel "Endlich Licht am Ende des Tunnels" von Holger Klein, heute noch online so zu lesen!)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2007 um 12.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2618


Und da wohl eindeutig ein Substantiv ist, gehört es auch groß geschrieben.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2007 um 15.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2619


Wie Prousts "Recherche" nicht anfängt

"Longtemps je me suis couché à bonne heure."

(Henning Ritter in der heutigen Literaturbeilage der FAZ)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.12.2007 um 23.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2622


Quizfrage Nr. 51

"...Schutz gegen die Unbillen der Globalisierung."

(Gunnars Reichenbachs in der Ostfriesen-Zeitung von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.12.2007 um 13.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2628


Die wünscht sich wohl jeder

"Deutschland trifft ... auf lösbare Gegner."

(Heute im "Blickpunkt" bei web.de)

Am liebsten wären uns auflösbare...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.12.2007 um 11.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2634


Ist aber auch schwer

"Den Erfolg (der Agenda 2010) rekurriert die Kanzlerin... für ihre Partei."

(WELT-online vom 03.12.)

rekurrieren, rekrutieren, reklamieren... wer soll das alles auseinanderhalten?
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 04.12.2007 um 15.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2636


Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.12.2007 um 15.27 Uhr

Reformdeutsche Wortschöpfung: "Windenergie ist nur bedingt Grundlast geeignet" (Telepolis).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 05.12.2007 um 17.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2639


Das brescht !

Auch der BDI springt für die Manager in die Presche.

US-Geheimdienste machen es allen Recht.

hervor zu bringen

(WELT-online von heute)

"...soll ein neuer Terminal in Alessandria im französischen Piemont eröffnet werden."

(ADAC-Motorwelt)
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 06.12.2007 um 23.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2643


Heute flatterte mir die Werbung des Hueber Verlages ins Haus. Neben den üblichen "Tipps" in Dummschrieb für den Unterricht in Deutsch als Fremdsprache verdient aber doch ein Wettbewerb besondere Erwähnung.

Der Hueber Verlag sucht nämlich zusammen mit den Trägern dieses Wettbewerbs (den üblichen Verdächtigen: Goethe-Institut, Deutscher Sprachrat, Duden, Hueber, Studiosus) unter dem Motto

"Wörter mit Migrationshintergrund"

das beste eingewanderte Wort.

Wollen wir uns nicht auch möglichst zahlreich an diesem "internationalen Wettbewerb", der vom 1. November 2007 bis zum 29. Februar 2008 läuft, beteiligen?

(http://www.das-beste-eingewanderte-wort.de)

Noch unentschlossen? Kann doch gar nicht sein, denn so klärt der Verlag auf, "Unsere Sprache ist voll von Leihgaben aus aller Welt, die uns täglich und wie selbstverständlich über die Lippen gehen. Und wie es mit Leihgaben manchmal so ist: Kann man sie besonders gut gebrauchen oder gefallen sie einem einfach besser, als das, was man selbst hat, dann gibt man sie irgendwann nicht mehr zurück!"
Na, wenn das mal keine wunderschöne und dabei so anmutig formulierte Rechtfertigung für Diebstahl ist. Wenn mein Nachbar mir etwas leiht und ich kann es gut gebrauchen und es gefällt mir auch besonders gut, dann gebe ich es einfach nicht mehr zurück. Da hilft es auch nicht, daß es fast so klingt wie die Weihnachtsgeschichte.

Aber zurück zum Thema, man kann nämlich auch etwas gewinnen. Und zwar

"Eine Studiosus-Studienreise für zwei Personen in das Ursprungsland des eingereichten eingewanderten Wortes. Darüber hinaus bekommt jeder Teilnehmer, dessen Beitrag in dem geplanten Buch "Eingewanderte Wörter" abgedruckt wird, ein Exemplar des Buches geschenkt.

Der Begleitzettel des Verlages weiß zu diesem Buch noch folgendes: "Der neue Geschenkband Eingewanderte Wörter erscheint dann im Sommer 2008 im Hueber Verlag – jetzt schon vormerken, wenn Sie auch nächstes Jahr wieder ein Geschenk der besonderen Art suchen!"

Ein "Geschenk der besonderen Art" und eine mögliche Studienreise nach Ungarn, das Ursprungsland des "Tollpatsches", der auch unter den vielen, vielen sprachlichen "Migranten" ist, ist doch schon sehr verlockend. Denn, so erfährt man weiter "Sei es nun "fair", das "Tabu" oder doch das "Techtelmechtel" – zahlreiche Wörter mit "Migrationshintergrund" bereichern die deutsche Sprache und tragen dazu bei, dass sie eine lebendige und moderne Sprache bleibt."

Aber wir sollen nun nicht einfach nur ein Wort auswählen, das wir auch in das Teilnahmeformular im Internet "direkt in das Formular hineinschreiben" können, sondern den rührigen Verlag interessiert auch zu wissen, warum "[...] Ihrer Meinung nach genau dieses das beste eingewanderte Wort [ist.]"

Ich jedenfalls habe schon mein Wort gefunden. Ich hoffe, daß ich nicht zuviel verrate, wenn ich schon einmal sage, daß es – natürlich – der "Tollpatsch" ist. Meine Begründung ist zwar nicht so poetisch schön wie die Begründung für das Entwenden fremden Eigentums, aber dafür zumindest kurz. Und die phonetische Übereinstimmung mit bekannten niederländischen Gestalten der deutschen Fernsehgeschichte ist tatsächlich nicht beabsichtigt, sondern rein zufällig.

Meiner Meinung nach sieht der Tollpatsch mit seinen beiden l einfach ganz toll aus!

Also, meine Damen und Herren, machen Sie einfach mit bei diesem tollen Wettbewerb. Viele schöne Begriffe warten darauf, mit Begründungen an den Hueber Verlag geschickt zu werden. Delfin, Boss, Känguru, Panter, Portmonee, Quäntchen, Tunfisch, Spagetti, Tipp, Stopp oder Krepppapier. Greifen Sie zu, für jeden ist etwas dabei. Haben Sie einfach Mut und etwas Phantasie, pardon Fantasie für eine Begründung.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.12.2007 um 20.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2655


Politisch korrekt

"...siebzehnjährig wurde er zum Vollwaisen."

(Eleonore Büning über K.H. Stockhausen in der FAZ von heute)
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 10.12.2007 um 21.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2656


Jetzt fehlt nur noch der Geisel.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 11.12.2007 um 21.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2668


Macht alles der Computer

"...wie sie ihm manche gerne Kraft seiner Autorität und seines Entdeckergeistes..."

(Joachim Müller-Jung über James Watson, FAZ von heute, S.44

(Solch eine orthographische Schweinerei wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen)
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2007 um 07.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2669


Ja, das "Macht" alles der Computer.

Wie wird ein Leser damit fertig, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist? Zuckt es ihn nicht in den Fingern, um das Handtuch – äh, das Wörterbuch – zu werfen?

Aber nur zu, je mehr wir davon kriegen, umso besser. Der Mensch lernt nur aus Mißerfolgen, und er muß alles so lange ausprobieren, bis es zuschanden (zu Schanden?) geritten ist. Unsere Wortverwurster hätten sich halt ein anderes Feld aussuchen sollen, aber nun, was soll's.

Ich habe dieser Tage ein schönes Zitat von Bismarck aufgespießt:

»Je weniger die Leute davon wissen,
wie Würste und Gesetze gemacht werden,
desto besser schlafen sie.«
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2007 um 10.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2670


@ Oliver Höher: Der Hueber Verlag sucht [...] das beste eingewanderte Wort. Dafür winkt als Gewinn "Eine Studiosus-Studienreise für zwei Personen in das Ursprungsland des eingereichten eingewanderten Wortes."

Was machen die nur, wenn jemand ein besonders schönes Lehnwort findet, dessen Ursprung irgendwo im Irak, in Afghanistan oder in einer anderen "heißen" Gegend liegt? Und nicht, daß mir einer auf die Idee kommt, den so Reisenden den Tollpatsch, den Tunfisch oder das Känguru als Reisebegleiter mitzugeben, auf daß wir diesen / dieses nie wiedersehen. In jedem Falle benötigten die Teilnehmer ein Quäntchen Glück...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2007 um 15.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2672


Wer wird es denn so genau nehmen?

"Die Kanzlerin handelt nicht wider besseren Wissens..."

(Nico Fickinger in der FAZ von heute, S. 11)

"...wie die Interessen der Beamten künftig von der Dachorganisation sowie seinen fachlichen und regionalen Teilen...

"So wird der Beamtenstatus zwar nicht für die Amtsinhaber, wohl aber für den Nachwuchs, also für Neueinstellungen verstärkt anheimgegeben."
(gemeint ist wohl: drangegeben im Sinne von geopfert oder zur Disposition gestellt)

(Rainer Blasius in der FAZ von heute, S. 1)
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2007 um 16.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2673


Was machen die nur, wenn jemand ein besonders schönes Lehnwort findet, dessen Ursprung irgendwo im Irak, in Afghanistan oder in einer anderen "heißen" Gegend liegt? Und nicht, daß mir einer auf die Idee kommt, den so Reisenden den Tollpatsch, den Tunfisch oder das Känguru als Reisebegleiter mitzugeben, auf daß wir diesen / dieses nie wiedersehen. In jedem Falle benötigten die Teilnehmer ein Quäntchen Glück...

Es ist doch eigentlich ganz egal, aus welchem Land Ihr Wort kommt, lieber Herr Bolz, der Verlag wird unsere Beiträge sowieso aussortieren. Kratzbaum muß selber in den Westerwald fahren und ich werde weiter für Südafrika sparen müssen.

Leider habe ich schon einige Zeit nichts mehr von Ballistol gelesen. Ich glaube, es war sein Vorschlag, mit Aktionen eine Reaktion der Reformbefürworter zu erzwingen. Hier haben wir bei einem Wettbewerb ganz legal die Gelegenheit dazu. Es müßten möglichst viele Personen mitmachen und die Begründungen sollten nicht diffamierend sein. Aber natürlich können und dürfen wir die unfreiwillige Komik der reformierten Wörter aufspießen. Die Hauptsache ist, daß wir den Hueber Verlag damit gehörig beschäftigen, ihm Sand ins Getriebe streuen.
In diesem Sinne war meine Aufforderung zur massenhaften Teilnahme durchaus ernstgemeint. Und natürlich nehme ich auch tatsächlich den Tollpatsch.

Es kann eigentlich gar nichts passieren, Sie müssen nur etwas Phantasie haben und dürfen sich keinesfalls schon auf eine Reise freuen.
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2007 um 17.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2674


Die Süddeutsche Zeitung kann es genauso gut wie die von Kratzbaum zitierte FAZ:
"... entgegen des allgemeinen Trends ..."
(Heute bei sueddeutsche.de)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2007 um 19.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2680


"Wem von Kindesbeinen an eingebleut wird, dass man zu gehorchen hat, [...]"
"[...] dass man verhindert, dass sie „freiwillig“ ein Kopftuch aufsetzen, weil sie erst lernen müssen, unabhängig zu werden und selbständig zu denken."
"Ich möchte, dass alle Kinder möglichst früh, bereits im Kindergarten mit dieser Kultur der Selbsterfahrung und Selbstständigkeit in Berührung kommen."
("Freiheit, die ich meine", F.A.Z., 15.12.2007, Nr. 292 / Seite Z1 (zitiert hier nach FAZ.Net, 15.12.07)
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2007 um 22.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2681


Zu 31#2680:

Bis auf den unsäglichen Heyse und den "Selbstständigkeit"s-Lapsus ist das eigentlich (fast) wieder ganz normal zu lesen. Wann merkt denn die F.A.Z., daß auch und gerade Heyse so gar nicht funktioniert?

Immerhin zeigt die abenteuerliche Mischung von "selbständig" und "Selbstständigkeit", daß Frau Pfeiffer-Stolz recht hat. Dieser Schwachsinn kostet viel Kraft und ist von einem Menschen, der noch nachdenken kann, nicht bei einem längeren Text kontinuierlich durchzuhalten.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 17.12.2007 um 16.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2684


Dreist

Heute behauptet die FAZ (S. 36), im Deutschen Historischen Museum werde eine Ausstellung mit dem Titel " Eye on Time - Zeit und Raum in Photografien von Michael Ruetz " gezeigt.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2007 um 09.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2698


Alles hübsch beisammen

"...das ursprüngliche Konzept war nicht Praxistauglich."

"...aufgebracht wurde unter der Überschrift 'Begünstigung', ohne das Entsprechendes...enthalten wäre."

"Wenn das so ist, tut es mir Leid."

(Interview Sven Astheimer mit Frank-Jürgen Weise, FAZ vom 19.12., S. 12)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.12.2007 um 18.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2701


Preisverdächtig als Sprechblase der Woche

"Kinderschutz geht vor Datenschutz." (Der Ministerpräsident des Saarlandes)


(Übrigens: Wenn zu mir einer vom Jugendamt käme, weil ich mit meinem Kind nicht beim Arzt gewesen bin - ich würde ihn ganz bestimmt nicht hereinlassen)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.12.2007 um 19.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2702


Hab' ich doch meine Freude dran

"...sagte die Kanzlerin, sie werde sich ' in den kommenden Wochen sehr genau angucken' , wie viele Arbeitsplätze dadurch verlorengingen."

"Während die rot-grüne Regierungsmehrheit die Bundesagentur für Arbeit mit der Verwaltung betreuen wollte..." (Corinna Budras)

"...fühlt er sich im deutschen Nachbarland ...sehr wohl." (Christian Schubert über den in Frankreich lebenden Manager Frank Esser)

(Alle Zitate aus dem Wirtschaftsteil der heutigen FAZ)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 22.12.2007 um 12.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2703


In FAZnet stand am 10. Dezember 2007 in dem Artikel "Bischöfe kritisieren Schavan" folgendes zu lesen:

"Fürst war von 2001 bis 2005 Mitglied des Nationalen Ethikrates und gilt innerhalb der katholischen Kirche als Fachmann für Fragen der Bioethik. Auch die Nationalsozialisten, so Fürst, hätten Menschenversuche mit der Begründung gerechtfertigt, hiermit die Heilungschancen anderer Menschen zu verbessern."

Auch wenn man als Oberethiker etwas noch so sehr verteufeln möchte, sollte man dabei vorsichtiger sein als Fürst. Für diesen fallen Menschenversuche und Stammzellenforschung zusammen. Bald wird sich also herumsprechen, daß z.B. in Auschwitz Stammzellenforschung betrieben wurde. Wer hätte es gedacht!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2007 um 08.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2707


Fundgrube WELT-online

Die WELT in ihrer elektronischen Ausgabe ist ein ergiebiger Steinbruch. In der FAZ findet man den Blödsinn meistens erst während der Lektüre, hier springt er einem schon in den Überschriften ins Auge

Die Partei (NPD) hat sich dagegen gewehrt, weil sie ihre Rechte als politische Gefahr beeinträchtigt sieht

Geiseln können frei kommen - sollen in wenigen Stunden frei gelassen werden - ...freut sich schon auf eine Begegnung mit den Freigelassenen

(27.12.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2007 um 18.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2709


Desperados

"...und macht einem Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik platz."

Sonst schlägt sich das Wetter auf die nächtliche Schlaftiefe negativ aus.

(FAZ v. 28.12., "Biowetter")
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2007 um 20.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2710


Die neuen Genitive – und eine bisher unbekannte Universität

"... Zudem sei es fatal, dass das Tragen des Kopftuch als Befreiung der Frau ..."
(Michael Hanfeld in der FAZ von heute, S. 1)

"... zur Änderung des Arbeitnehmerentsendegesetz ..."

(ban. in der FAZ von heute, S. 1)

"...aus Großbritannien angereist war. Dort hatte sie an den Eliteuniversitäten in Harvard und Oxford studiert..." (Werner Adam in der FAZ von heute, S. 2)

(Vielleicht war's ja doch Cambridge, und das liegt bekanntlich in Harvard – oder umgekehrt. Ist ja auch egal)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2007 um 21.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2711


Und nun: WELT-online (28.12.)

"Wir haben ein Problem mit dem Aushalten können"

"...einen Weg gefunden haben, der möglicherweise nicht der Bequemste ist."

"...bereits kurz bevor stehen..."

"...nannten das Urteil als viel zu hart."

"...haben alle zumindest ein Elternteil..."

"...Bhuttos demonstrative Furchlosigkeit..."

(Frau Bhutto hatte auch "den Ehrendoktor von Harvard im Regal")

Und das Schönste zum Schluß: "Viele Menschen wissen noch gar nicht, dass am 27. Januar gewählt wird." (R. Koch im Interview über seine Landeskinder)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.12.2007 um 12.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2715


O greul, o greul, o ganz abscheul!
Du bist verflucht! so sagt die Eul.

(Chr. Morgenstern, Bundeslied der Galgenbrüder)

"...die Schuld an der Gräuel..."

(WELT-online vom 29.12.)
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2008 um 20.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2726


Aus dem Leben eines gallischen Kriegers

Auf dem interessanten Linguistik-Server (LINSE) der Universität Duisburg-Essen werden unter anderem Seminararbeiten veröffentlicht. In der Arbeit „Eine linguistische Analyse des Verhaltens Gerhard Schröders in der ‚Berliner Runde‘ vom 18. September 2005“ von Emel Cetin habe ich auf Seite 36 folgende Transkriptionskonvention gefunden:

„Bei eigenen Kommentaren zu einzelnen Wörtern oder Äußerungen werden diese in eckigen Klammern hinter die Stelle, auf die referiert wird gesetzt. Der exakte Bezug wird mit Asterix angegeben [*]

Bsp.: ich hab sie nicht gewollt ich hab für die *fortführung unserer gemeinsamen arbeit* [*DEUTET AUF FISCHER*] geworben“

Die putzige Verwechslung von Asterisk und Asterix läßt die ungeschickte Formulierung (worauf bezieht sich diese?) und das fehlende Komma nach dem Relativsatz nebensächlich erscheinen.
nach oben

rr bth
Bayreuth

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2008 um 22.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2727


„ ... das fehlende Komma nach dem Relativsatz nebensächlich ...“

Hm, ich hab in Arbeit reingeschaut und vermute, daß fehlende Kommas hier wohl ein Stilmittel sein müssen.

Und:
Mich stört auch der Blocksatz ohne Silbentrennung, wobei die fehlenden Kommas das Lesen wirklich sehr erschweren.

Ansonsten:
Ich glaub, ich muß mal schaun, ob das in YouTube zu finden ist ...
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 00.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2731


"Gut Rosch!", 02.01.2008 10:06 Uhr
"[...] wünscht er mir 'Gut Rosch'. Rosch heißt auf Hebräisch soviel wie 'Kopf', 'Anfang'. Deshalb und daher das 'Guten Rutsch' zum Jahreswechsel im deutschen. Ich gehe etymologisch erleuchtet ins Neue Jahr." Naja, doch wohl ein bißchen unerleuchtet, die Autorin Julia Amalia Heyer, was ihre glitschige Einstellung zum Deutschen angeht.
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 00.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2732


Zu 31#2731:

Sehr unerleuchtet, die Frau Heyer. Zumal sie da Deutsch und Hebräisch fröhlich kontaminiert und sich dabei für besonders klug hält.
Rosh heißt zwar tatsächlich soviel wie Kopf, Anfang oder auch Spitze. Aber "Gut Rosch" wünscht kein Jude, sondern "Rosh Hasha nah". Und das bedeutet soviel wie die Spitze oder der Anfang des neuen Jahres. Und wenn sich nun am ersten Januar die Spitze des neuen Jahres zeigt, dann kann man von ihr tatsächlich ganz metaphorisch ins neue Jahr hineinrutschen. Und genau so ist auch der deutsche "Gute Rutsch" entstanden. Aber in Zeiten Augstscher Etymogeleien haben die Menschen einfach vergessen, den Dingen konsequent auf den Grund zu gehen. Wozu auch? "Gut Rosch" taugt allemal, um sich auf einer Party wichtig zu machen.
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 17.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2733


"1947 gegründet, erscheint der Merkur nun seit über sechzig Jahren: eine ungewöhnlich lange Lebensdauer für eine deutsche Kulturzeitschrift."

Und jetzt ist er umgekippt, sang- und klanglos!
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 19.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2734


Lieber Herr Hartwig, bedeutet Ihr "sang- und klanglos", daß ganz ohne irgendeine Begründung (Staatsraison, höhere Gewalt, die armen Schulkinder etc.) auf Dummschrieb umgestellt wurde? Falls es nämlich doch eine Begründung gibt, bin ich an ihr sehr interessiert.
Leider wird man nie herausbekommen, wie viele Abonnenten eine solche Entscheidung eine Zeitschrift jeweils kostet. Der "Merkur" erscheint doch im Verlag Klett-Cotta. Ist der auch schon umgefallen?
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 20.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2735


In der Zeitschrift selbst steht nichts, auch auf der Website konnte ich nichts finden.
Welche armselige Erklärung sollten sie auch geben können?
(Die Bezugsbedingungen am Ende wurden übrigens noch nicht verschlechtert.)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 20.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2736


Hier die Antwort, die mir heute der Herausgeber Kurt Scheel auf meinen Protest zuteil werden ließ:


Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihren Brief vom 30. Dezember. Wir haben nicht auf "Orthografie" umgestellt, denn laut den neuen Rechtschreibregeln ist "Orthographie" weiterhin korrekt.

Und das war der Grund für unsere Entscheidung: Die schließlich in Kraft getretene Rechtschreibordnung hat die schlimmsten Dummheiten ("hier zu Lande") durch die alten Schreibweisen häufig austariert, und daß der Merkur nun "dass" statt "daß" schreibt, scheint uns keinen Ehrverlust nach sich zu ziehen.

Auf die Rechtschreibreform hätten wir gut verzichten können; aber ob man sich daran hält oder nicht, muß man nicht zur Gewissensfrage erklären.

Mit freundlichen Grüßen
Kurt Scheel
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 21.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2737


Zur Ergänzung noch mein Schreiben an die Herausgeber:


Sehr geehrter Herr Bohrer, sehr geehrter Herr Scheel,

als ich im Merkur Nr. 703 die Überschrift „Die Wissenschaft der Anderen“ fand, glaubte ich noch an einen – etwas mißlungenen – Kalauer. Um so größer dann die Bestürzung, als ich feststellte, daß die Folgenummer ganz in diesem Stil gehalten ist. Die Hintergründe für Ihre Entscheidung, den Merkur auf „Orthografie“ umzustellen, entziehen sich meiner Kenntnis; mit Verständnis dürfen Sie von daher sowieso nicht rechnen. Deshalb nur soviel: Daß Formfragen alles andere als nebensächlich sind, braucht gerade Ihnen niemand zu erklären. Selbst also wenn man Orthographie für eine bloße Äußerlichkeit hält, steht es einer Kulturzeitschrift gut an, sie ernst zu nehmen, jedenfalls solange die Herausgeber ihre Leser ernst nehmen.

Es hat mich, als langjährigen Abonnenten Ihrer Zeitschrift, immer schon ein wenig gewundert, daß Ihnen die sogenannte Rechtschreibreform bislang nicht einmal eine Marginalie wert war. Andererseits schien mir das der Ausdruck einer bewußt eingenommenen überlegenen Haltung zu sein: Über das Selbstverständliche muß man kein Wort verlieren – solange man sich daran hält. Nun aber, nach der kommentarlosen Unterwerfung unter die staatlich verordnete Schülerorthographie, ist der denkbar fatalste Effekt eingetreten, nämlich das Gegenteil einer noblen Haltung. Der Merkur steht gewissermaßen ohne Hosen da.

Daran ist vermutlich nichts mehr zu ändern. Dennoch gibt es auch innerhalb des orthographischen Mainstreams, in dem Sie jetzt mitschwimmen wollen, Inseln der Vernunft. Ich erlaube mir den Hinweis auf die Schweizer Orthographische Konferenz (www.sok.ch), die die auf deutsches kultusministerielles Geheiß hin abgebrochene Revision der Reform durch den Rat für deutsche Rechtschreibung fortgesetzt hat, und lege Ihnen deren Empfehlungen ans Herz. Mit Schreibungen wie „rau“ unterbieten Sie derzeit noch die Standards einer Publikation wie der FAZ. Dort hat man sich allerdings eine Zeitlang ernsthaft mit dem staatlichen Eingriff in die Schriftkultur auseinandergesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

...
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 21.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2738


Pfff ...
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2008 um 22.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2739


Auf die Rechtschreibreform hätten wir gut verzichten können; aber ob man sich daran hält oder nicht, muß man nicht zur Gewissensfrage erklären.

Da ist es ja auch wieder, das von Herrn Ickler zu Recht so genannte (diesmal müssen es zwei Wörter sein) geballte Fäustchen in der Tasche. Wieder einmal im Fahrwasser von Opportunismus und Ignoranz. Wir können ja nichts dafür, schuld sind eigentlich die anderen (Anderen), aber weil nun einmal alle mitmachen, wollen wir auch nicht mehr abseits stehen.

Ob Bohrer wohl die Größe hat, sein eigenes Verhalten bei einer Neuauflage seines Buches "Der Abschied. Theorie der Trauer: Baudelaire, Goethe, Nietzsche, Benjamin" (Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1996) zu berücksichtigen? Wohl nicht, obwohl Nietzsche 1873 in der zweiten "Unzeitgemässen Betrachtung" den Stil David Friedrich Strauß' angriff und dabei einen schönen Ausspruch Schopenhauers zur Orthographie zitiert (F. Nietzsche: Kritische Studienausgabe, hrsg. von Colli und Montinari, Bd. 1, S. 227). Eher läßt Bohrer sein Buch auch in Dummschrieb drucken, um es nicht zur Gewissensfrage zu erklären. (Nochmals danke, Frau van Thiel, ich bleibe jetzt definitiv bei "Dummschrieb".)

Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere eine rechte Falschschreibung.
(Georg Christoph Lichtenberg: Schriften und Briefe, hrsg. von Wolfgang Promies, Bd. 2, München; Wien: Hanser 1971, S. 140)

So habe ich also nun eine vermeintlich falsche Rechtschreibung und soll mich damit fühlen wie ein Ewiggestriger. Mache ich aber nicht. Ich habe nur leider mehr und mehr den Eindruck, zu begreifen, wie beispielsweise ein Adolf Hitler an die Macht kommen konnte.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 11.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2741


Nochmals danke, Frau van Thiel, ich bleibe jetzt definitiv bei "Dummschrieb".

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber damit sollte man vorsichtig sein. Als Reformkritiker oder -gegner hat man es in der Öffentlichkeit bereits prinzipiell schwer, und wenn man dann noch mit solchen Bezeichnungen aufwartet, riskiert man, jegliches Gehör zu verlieren – egal, wie berechtigt die vorgebrachten Argumente sind.

Natürlich reizt es einen, eine Bezeichnung zu verwenden, die ausdrückt, was man von der Sache hält, aber vielleicht kommen dafür ja auch „Neuschrieb“ oder „Reformschrieb“ in Frage. (Leider ist die subtile Bekundung der Minderwertigkeit, wie sie durch Orthografie zum Ausdruck kommt, in der gesprochenen Sprache nicht wahrzunehmen.) Umgekehrt würde ich von der herkömmlichen Rechtschreibung weniger von „normaler“ als von „moderner“ Schreibung sprechen (vgl. hier), evtl. (bei Standfestigkeit der Schriftsteller) auch von „Literaturschreibung“ (vgl. hier).
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 11.27 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2742


Zum Antwortschreiben des Herausgebers: Wir haben nicht auf "Orthografie" umgestellt, denn laut den neuen Rechtschreibregeln ist "Orthographie" weiterhin korrekt.

Offenbar konnte oder wollte Herr Scheel nicht verstehen, wie das gemeint war – was aber in beiden Fällen ein Armutszeugnis für den Herausgeber einer Kulturzeitschrift ist.

Interessant auch, worauf sich die Reform in seiner Wahrnehmung reduziert: auf inzwischen „austarierte schlimmste Dummheiten“ sowie das dass. So einfach ist das.
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 12.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2744


Daß nach und nach auch standhafte Personen auf den rollenden Wagen aufspringen, ist in der Psychologie des Menschen begründet: man will nicht zurückbleiben. Und wenn sie denn alle zur Hölle fahren sollten, man will dabei sein! Nur nicht zurückbleiben! Kennt man dieses panische Gefühl nicht von sich selbst?
Natürlich gibt man den Herdentrieb nicht gern zu, deshalb kann man unter den persönlichen Rechtfertigungen für den "Anschluß" an den Zug der Reformtorheiten viel Rührendes und Törichtes lesen. Es gibt nun einmal keinen ernstzunehmenden Grund zur Aufgabe der guten Rechtschreibung (außer jenem des wirtschaftlichen Zwanges, dem aber nur die Schulbuch- und Kinderbuchverlage unterworfen sind, niemand sonst).
Was den Geist des Menschen und dessen Fähigkeiten zu vernunftsbetontem Handeln betrifft, zeigen die beiden letzten Jahrhunderte doch allzu deutlich, daß weder Verstand noch Vernunft das menschliche Handeln entscheiden. Der Mensch ist gespalten, einerseits möchte er gleich sein wie alle, andererseits wäre er gern anders. Da es einen Weg der Mitte nicht gibt, entscheidet sich der Mensch in der Regel zum Gleichsein.
Anders zu sein als es die herrschende Meinung vorgibt, dies ist nur ganz wenigen gegeben. Dazu gehört Zivilcourage, von der an den Schulen so viel gelabert wird. Und kaum einer begreift, daß diese Zivilcourage etwas völlig anderes ist als das besserwisserische Aufbegehren gegen die Verfehlungen der Großväter im 12jährigen Reich.
Daß sich nun auch der Merkur so sang- und klanglos – und nach meinem Dafürhalten so grundlos – dem Zug der Lemminge anschließt, läßt mich aufhorchen. Vom Herausgeber hatte ich einmal große Stücke gehalten.

Man darf aus dieser hirnlosen Massenbewegung allderdings nicht schließen, daß die Angelegenheit selbst damit beendet sei. Die Masse ist wendisch wie das Wetter, da ihre Entscheidungen gefühlsbetont sind. Und irgendwann wird man merken, daß der Zug in der Wüste stehenbleibt. Es könnte dann eine Gegenbewegung entstehen.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 21.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2751


Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man jemanden am Portepee zu fassen versucht und dabei ins Leere greift – weil er keins hat. Bei Karl Heinz Bohrer kann ich mir das aber immer noch nicht recht vorstellen. Immerhin stammt die Erklärung nicht von ihm, sondern von seinem Mitherausgeber, der beim Merkur, so weit ich zurückdenken kann, bislang nur als Koautor (eher wohl: Mitunterzeichner) von Editorials hervorgetreten ist. Die Sache selbst wird dadurch natürlich nicht besser.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 21.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2753


Wir haben gelernt, daß jemand richtig schreibt, wenn er schreibt wie die anderen. Die Mehrheit der Deutschschreibenden schreibt inzwischen nicht mehr so wie vor der Reform, sondern so wie nach der Reform, d.h. vorläufig uneinheitlich und in jeder Hinsicht fehlerhaft, aber jedenfalls schreibt "man" nicht mehr "daß". Ist es jemandem zu verübeln, wenn er diesem Brauch folgt? Und wenn er sich dabei bemüht, möglichst konsistent und sprachlich unanstößig zu schreiben? Ist die Reformkritik ein Heldenepos, bei dem es standfeste Jungfrauen von Orléans gibt und verräterische Wallensteine?

Es wird, je mehr Zeit ins Land geht, nicht plausibler, die Charakterstärke eines Menschen davon ableiten zu wollen, wie er es mit der Rechtschreibung hält. Ich befürchte eher, daß solche Betrachtungen nicht nur sowohl in der Sache als auch vom moralischen Vorwurf her neben der Realität liegen und ungerecht sind, sondern im Interesse eines Engagements für eine sprachgerechte und gute Rechtschreibung sogar kontraproduktiv und schädlich, weil man sich damit unnötigerweise Leute zu Feinden macht, die für eine konstruktive Bemühung um Wege aus der von allen erkannten Misere durchaus zu gewinnen wären.
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 04.01.2008 um 22.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2754


"Wir haben gelernt, daß jemand richtig schreibt, wenn er schreibt wie die anderen." – Das galt bis 1996, als Schreibung noch nicht vorgeschrieben war.

"Die Mehrheit [?] der Deutschschreibenden schreibt inzwischen [...] uneinheitlich und in jeder Hinsicht fehlerhaft [...] Ist es jemandem zu verübeln, wenn er diesem Brauch folgt?"

Ach wo, warum denn? Laßt uns doch alle fehlerhaft und uneinheitlich schreiben! Hurra!

Wozu all die Diskussionen hier und anderswo, wozu die vielfach erwiesene Erkenntnis, daß die -ss-Schreibung schlecht ist, um sich ihr dann doch zu unterwerfen?

Warum unterscheidet eine Kulturzeitschrift nun nicht mehr zwischen "im Allgemeinen" und "im allgemeinen"?

Waren die Autoren wohl einverstanden mit der Verhunzung ihrer Texte?

Fragen über Fragen.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2008 um 10.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2761


"Wir haben gelernt, daß jemand richtig schreibt, wenn er schreibt wie die anderen." – Das galt bis 1996, als Schreibung noch nicht vorgeschrieben war.

Nein, das gilt IMMER, ganz einfach, weil das so ist, ob man es nun als „Herdentrieb“, „Umfallen“ oder wie auch immer kritisieren mag. Wirft man dem Wasser „Herdentrieb“ vor, weil es bergab fließt? Die Reform hat verursacht, daß die mehrheitlich praktizierte Rechtschreibung schlecht und fehlerträchtig geworden ist und ein der deutschen Sprache angemessenes Regelwerk nicht mehr existiert, jedenfalls keines, das als „amtlich“ anerkannt wird. Das ist die Situation. Die deutsche Rechtschreibung ist durch die Reform beschädigt worden, und die Mehrheit der Deutschen, und leider insbesondere diejenigen, die dazu berufen gewesen wären, sich dagegen zu wehren (Sprachwissenschaftler, Lehrer, Journalisten), haben das hingenommen. Offenbar ist der Mehrheit von ihnen und denjenigen, die Einfluß auf die Politik hätten nehmen können, der Gegenstand entweder egal oder keines auch noch so ungefährlichen "Heldentums" wert. Auch das muß man einfach einmal als gegebene Tatsache zur Kenntnis nehmen. Vielleicht hat die deutsche Kultur diese Quittung verdient, vielleicht spiegelt sie nur einen kulturellen Zustand wider, der viel größere Ausmaße hat, die weniger greifbar sind als die miserable Rechtschreibkultur, die sich in den letzten zehn Jahren über das deutschsprachige Schriftwesen ausgebreitet hat.

Und nun kann man natürlich noch viele Jahre lang diese Situation beklagen und jeden als Charakterschwächling verdammen, der keinen Sinn darin sieht, auf lange Sicht eine Orthographie zu praktizieren, die zwar – wie eben nur noch Kenner wissen – die eindeutig bessere ist, die aber aus dem öffentlichen Schriftwesen mehr und mehr verschwindet. Man kann aber auch eine Bestandsaufnahme machen und darüber nachdenken, wie man den beschädigten Rechtschreibgarten mit Geduld und Vernunft wieder so weit herrichtet, daß, wenn auch einige schöne und wertvolle Pflanzen unwiederbringlich verschwunden sind (vielleicht kann man es ja auf einigen Beeten mit Nachzüchtungen versuchen), der Garten insgesamt wieder schädlings- und unkrautfrei ist und sowohl Freude als auch Nutzen bringt. Ein Baum, der, von einem Blitz getroffen, zuerst so aussieht, daß einem die Tränen kommen möchten, entwickelt sich meistens nach einigen Jahren wieder zu einem gesunden und ebenfalls sehr schönen Baum, und es tut ihm gut, wenn man ihn durch klugen Baumschnitt dabei unterstützt.

Was die Schweizer Orthographische Konferenz geleistet hat, geht in diese Richtung. In dieselbe Richtung sollte es in Deutschland gehen, sich dafür einzusetzen, wo immer das möglich ist, das wäre eine konstruktive Fortsetzung der Reformkritik.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2008 um 14.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2762


Es bleibt ein Unterschied, ob man einer Norm deshalb folgt, weil man sie für sinnvoll hält, oder deshalb, weil man es für sinnvoll hält, der Norm zu folgen. Wo es üblich ist, sich dem Oktroi zu beugen, wird er selbstverständlich zum Usus. Das läßt sich ausspinnen: Wo als orthographisch richtig gilt, was die Mehrheit der Gebildeten für richtig hält, die Mehrheit der Gebildeten es aber zugleich für richtig hält, sich dem Oktroi anzupassen, kann beliebiges als Norm durchgesetzt werden.

Mit dieser Technik läßt sich jeder Einwand gegen die Geltung von Geltungsansprüchen relativistisch aushebeln. Es hilft aber bloß nicht weiter, vor allem, wenn man eben doch Einwände gegen die Norm hat, und um so weniger, wenn man eine realistische Lagebeurteilung anstrebt.
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 05.01.2008 um 21.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2763


Zu 31#2761:

"Das gilt immer, weil das so ist." - Aha.
/Falsch ist richtig./
/Destruktiv ist konstruktiv./
Ist der "Merkur" solche Verbiegungen der Logik wirklich wert?

Ich dachte, die Mehrheit der Schriftsteller verweigere sich noch immer der
-ss-Schreibung, den (älteren) Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschschreibenden gegen die Reform – von welcher Mehrheit sprechen Sie also, Herr Lachenmann, die angeblich -ss-süchtig ist?

Gerade weil die Entwicklung (!) der Rechtschreibung ein demokratischer Prozeß war und sein sollte, ist es doch wichtig, daß möglichst viele ordentlich, einheitlich, höheren ästhetischen Ansprüchen genügend schreiben! Daher muß man es jedem übelnehmen, wenn er sich dem -ss-Oktroi beugt. (Insbesondere in Deutschland.)
Und der "Merkur" beugt sich im wesentlichen nur dem -ss. Was soll das?

In bergab fließendes Wasser leiten Fabriken ihre Abwässer ein. Wird es sauberer, wenn ich hineinpinkle?
Ein kranker Baum trägt keine Früchte mehr (wie der vor meinem Fenster). Wenn er nicht gesundet, wird er gefällt.
Wer seinen Garten erst verwüsten läßt, um ihn hinterher mühsam wieder herzurichten, hat wohl nichts Sinnvolles zu tun.
Muß man Held oder Jungfrau von Orléans sein, um sich einer guten Rechtschreibung befleißigen zu wollen?
nach oben

David Weiers
Troisdorf

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 02.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2764


Ich glaube nicht, daß die Entwicklung der Rechtschreibung ein demokratischer Prozeß gewesen ist. Ich möchte sie hier in aller Vorsicht als kulturbildenden Prozeß bezeichnen, und kulturbildende Prozesse sind nun einmal nicht demokratisch. Zumindest hege ich arge Zweifel daran, daß sie es sind und auch jemals sein können. (Ich denke da mal an den drastischen Ausspruch "Eßt mehr Scheiße! Millionen von Fliegen können nicht irren!" ... Pardon.)

Wenn also auch die Entwicklung der Rechtschreibung ein kulturbildender Prozeß ist (unter Vorbehalt als ein solcher bezeichnet!), dann muß es auch hier sozusagen Vorbilder und Nacheiferer gegeben haben, und letzteren hat wohl nicht immer die Mehrheit des Volkes angehört: es reichte, wenn es diejenigen waren, die letztlich doch "das Sagen" hatten.

Ich versuche, meine Gedanken konkreter darzulegen:
Sprachkenner und -könner (recht oberflächlich ausgedrückt) sind in erster Linie für die Verschriftung von Sprache zuständig. Und ihre Anzahl ist wohl in früheren Zeiten noch begrenzter gewesen als jetzt, nimmt man die Masse der sekundären Schriftsprachenproduzenten und -konsumenten einmal aus, die allerdings sehr wohl zum Schreibvolk gehören.
Daß durch jene Kenner und Könner (sind das vielleicht schon die "Kulturschaffenden"?) Normen entstehen konnten, ist aber doch nicht darauf zurückzuführen, daß das gesamte und auch potentielle Schreibvolk ebensolche gesetzt hätte, weder im stillen Konsens noch nach demokratischen Prinzipien: wir wissen, daß Entscheidungen "der Obrigkeit" hier immer eine bedeutende Rolle spielten.
Ich glaube behaupten zu dürfen, daß das für einen jedweden kulturbildenden Prozeß gleichermaßen in der Vergangenheit wie der Gegenwart gilt. (In der Gegenwart können wir allerdings noch nicht sicher sagen, daß etwas zu Kultur geworden ist; ich glaube, man muß potentiellen kulturellen Entwicklungen immer ihre Zeit geben, bevor man sie endgültig "taufen" kann.)

Ich stelle mir an dieser Stelle nun die Fragen: Was macht das relevante Schreibvolk eigentlich aus, also: wer aus dem Schreibvolk darf denn nun Veränderungen anstoßen?
Unter demokratischen Gesichtspunkten: jeder.
Ist das denn aber sinnvoll? Nein.
Und dieses Nein muß ja wohl recht deutlich ausfallen, wenn man an das Chaos denkt, das denn unweigerlich ausbräche, versuchte wirklich jeder auch nur halbwegs alphabetisierte Angehörige des Schreibvolkes mit Fleiß, Veränderungen an der Schreibnorm herbeizuführen. (Man müßte natürlich das Schreibvolk noch genauer definieren, aber es ist ja nicht von der Hand zu weisen: auch nachweislich Halbwegsalphabetisierte schreiben heutzutage tüchtig in der Gegend rum.)

Also: Kann denn Rechtschreibung überhaupt demokratisch sein, ohne ihr Ziel zu verfehlen, das doch zweifelsohne Vereinheitlichung ist? Sollte man nicht eher Sprachkennern und -könnern die Normbildung überlassen, wie es ja in der Vergangenheit doch wohl schon der Fall gewesen ist?

Dann fragt natürlich der postmodern-aufklärerische Demokrat und Demokratizist: Wer sagt denn, wer ein Sprachkenner und -könner ist? Wer bestimmt denn, was jetzt wie sprachlich richtig ist, besonders in orthographischer Hinsicht?
Darauf antworten wir: Na, der Sprachgebrauch, der Usus; und wir geben die folgenschwere Antwort: das Schreibvolk.

Und schon hat er uns, der Postmoderne, und zwar am Wickel bzw. am Nasenring, um uns nämlich vorzuführen. Denn das geht nicht: auf der einen Seite soll das Schreibvolk die Norm vorgeben, auf der anderen Seite aber gehört da bitteschön nicht jeder halbgebildete Virtuellweltler aus der Gemeinde etwa der Wikipediatexter dazu.
"Warum gehört der denn nicht dazu?" bohrt er da, der vielleicht sogar Reformliebäugler.

Und dann ist meines Erachtens der Punkt erreicht, an dem man den Naseweis auch einmal am Wickel packen sollte, um ihn mit der Rute der humanistischen Bildung (und wenn's genehm ist: auch gerne der christlich-humanistischen – ein Ignorant, wer hier fundamentalen Widerspruch wittert!) mal so richtig zu verbimsen; bis es eben sitzt: das Niveau, die Bildung, die Essenz des Menschseins. (Hach, wie pathetisch... Aber es muß jetzt einfach mal sein.)
Denn: Rechtschreibung ist nicht demokratisch. Kultur auch nicht. Und Ästhetik erst recht nicht.

Das schmeckt nicht, besonders nicht der Mehrheit; und wie oft wird man da als arrogant bezeichnet und geschmäht – nur weil man was weiß, weil man eben mal was gelernt hat (vielleicht ja sogar was Grammatisches), weil man vielleicht auch den ganzen Alten da eben doch nicht immer und andauernd den Stinkefinger gezeigt hat, sondern sich dann doch ab und an mal dachte "Och joa... das klingt ja doch ganz vernünftig..." und sich mal bemühte durchzusteigen, nachzuvollziehen und zu verstehen, anstatt immer nur schön den vielen bunten und bunt blinkenden Lichtlein und flimmernden Figürchen mit ihren apodiktischen Bierdeckelsprüchelchen seinen tiefsten Glauben zu schenken. Und wer weiß: Vielleicht ist die Skepsis diesen Figürchen gegenüber auch nur deshalb so groß gewesen, weil bei denen "dann doch irgendwie alles so einfach" ist; paart sich nämlich der (wenn auch kleine) Humanist mit dem (wenn auch kleinen) Naturwissenschaftler in uns allen, der die Tücken der Naturgesetzlichkeiten schon des öfteren kennenlernen mußte, dann kommt man eben nicht selten zu dem Schluß: "Änäh! Vazäll ma nix!" Und man schaut mal nach. In einem Buch vielleicht zur Abwechslung mal. Vielleicht auch in mehreren. Am Ende sogar in welchen, die schon älter als fünfzig Jahre sind! (Ja, guck an: damals gab's wirklich schon bedrucktes Papier!)

Des langen Schmonzes kurzer Sinn: Von nichts kommt nichts. Das gilt auch für die Fertigkeit, bei Rechtschreibfragen mitreden zu können. Punkt.

... weiß das aber nun auch "die Obrigkeit"?
Und ich bin geneigt, darauf zu antworten: Das kommt ganz drauf an, wer das im einzelnen ist.

Und irgendwie beginnt sich da jetzt was zu drehen; und dieses Etwas hat was mit Demokratie und ihren Tücken zu tun, die man allerdings auf demokratischem Wege dann doch in den Griff kriegen könnte, wenn nur die Demokratie nicht so verflucht und penetrant demokratisch wäre und einem all die lauteren Vorsätze (die oft genug durch Tatsächlichkeiten doch auch schon ganz hübsch ausgefeilten) im Grunde schon veleidete, bevor man sie überhaupt zu fassen nur die Spur einer Chance hatte.
Und es stellen sich dann Fragen... das glaubt man nicht, will man ja gar nicht glauben, denn es sind mitunter ja gar allzu häßliche darunter, wie z.B.: Wieviel Bildung braucht Demokratie? Wieviel Bildung die Regierung? Wieviel Bildung muß denn sein? Ist Bildung gar ein Kriterium für die Wahlberechtigung? Und: wie zum Teufel kann ich Bildung überhaupt messen? Vor allem: wie kann ich sie messen, daß auch jeder damit zufrieden ist? Was ist Bildung überhaupt?!

Einspruch! Abstimmung, bitte sehr! Überstimmt – und Essig.
Es ist doch ein Elend...
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 08.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2765


David Weiers fragt: „Was macht das relevante Schreibvolk eigentlich aus, also: wer aus dem Schreibvolk darf denn nun Veränderungen anstoßen?“
Diese Frage ist in etwa der gleichgestellt: Was macht einen Wasserfall aus und welcher Wassertropfen darf die Veränderungen des freien Falls über die Felsen lenken?

Weiters fragt Herr Weiers: „Kann denn Rechtschreibung überhaupt demokratisch sein?“
Bevor diese Frage überhaupt behandelt werden kann, muß eine Begriffsanalyse stattfinden. Was verstehen wir unter „demokratisch“?
Die Orthographie, wie sie vor 1996 bestand, war im wesentlichen das Produkt einer Ordnung, deren Ursprung die „unsichtbare Hand“ (F. A. von Hayek) ist: Wo Millionen und Milliarden einzelner Kräfte im freien Spiel zusammenwirken, entsteht zwangsläufig eine gewisse Ordnung (Ordnung ist etwas anderes als ein System; letzteres wird willentlich erzeugt). Die Erscheinungsform einer Ordnung können wir beschreiben (dies ist in der Rechtschreibung durch die Aufstellung von „Regeln“ geschehen), aber willentlich nur wenig verbessern – wohl aber (zer)stören!
Die Regeln der Rechtschreibung waren vor 1996 in der Hauptsache beschreibender Natur; gleichzeitig boten sie dem Ratsuchenden Sicherheit, waren also auch normsetzend, jedoch im großen und ganzen befand sich diese Normsetzung im Einklang mit der bereits bestehenden Ordnung.

Kann Rechtschreibung demokratisch sein? Es gibt nichts, was demokratischer wäre als Sprache und Schrift! Dies allerdings nur so lange, als sich die Politik heraushält. Denn dem Volk gehört die Sprache – siehe oben. Und Sprache bildet sich durch den Gebrauch aller, also demokratisch.
War die Einführung der Rechtschreibreform demokratisch?
Wenn wir unter Demokratie die bloße Stimmenmehrheit (Mehrheit der Nasen) meinen, die Entscheidungsgewalt besitzt, also eine Basisdemokratie, so war die Rechtschreibreform undemokratisch. Die Mehrheit aller Betroffenen war und ist mit der Rechtschreibreform nicht einverstanden und findet sich zwangsläufig damit ab.
Meinen wir mit „Demokratie“ hingegen die Entscheidungsgewalt einer politisch definierten Mehrheit in einem Gremium von Volksvertretern oder Funktionären, so kann man die Vorgänge um die Rechtschreibreform als „demokratisch“ bezeichnen, wie es ja tatsächlich von einer bestimmten Meinungsclique gesehen wird. Hinter verschlossenen Türen wurde in illustren Gremien tatsächlich nach demokratischen Regeln abgestimmt und nach Mehrheitsprinzip verfahren. Solche "demokratische" Abstimmungen gibt es aber auch in den inneren Zirkeln von Diktaturen.

Wir stellen uns zu Recht die Frage, ob die Rechtschreibung überhaupt Gegenstand eines wie auch immer gearteten „demokratischen“ Verfahrens sein kann und soll. Die Rechtschreibung ist und bleibt eine historisch entstandene Ordnung, zu der alle Schreibenden ihren unwissentlichen und bescheidenen Beitrag leisten. So lange diese Ordnung nicht willkürlich durch politische Eingriffe gestört wird – und eine ernsthafte Störung kann immer nur durch die Politik erfolgen – war es für jeden Schreiber eine Selbstverständlichkeit, sich um die Norm zu bemühen, das heißt: um Richtigkeit, um Lesbarkeit. Die Qualitätsnorm wurde allgemein anerkannt, sie bot den festen Rahmen, in dem man sich bewegte.
Wie anders heute! Unsicherheit und Gleichgültigkeit begleiten den Schreibprozeß, da die Konturen des Ziels zerflossen sind. Wir haben die Richtung verloren, die Norm ist beschädigt.

Noch etwas zu demokratischen Abstimmungen: Der altbekannte Witz mit den Fliegen, die nicht irren, trifft ins Schwarze. Wir glauben, die Demokratie mit ihren Mehrheitsbeschlüssen sei der Weisheit letzter Schluß. Daß dies nicht so ist, sollte allein die jüngste Geschichte lehren. Was verstehen wir schon von den Dingen, zu denen wir unsere Stimme abgeben sollen? Fachwissen erwirbt man nicht bei halbstündlichen Radiomeldungen oder in Talk-Shows. Qualität und Quantität sind halt eben nicht dasselbe. Wir alle kennen nur ein schmales Spektrum der Welt, sollen uns aber zu allem und jedem äußern. Diese Äußerungen dienen dann als Legitimation für die Herrschenden. „Ihr habt uns ja gewählt!“
Wenn man all unsere Halb- und Unwissenheiten zusammenwirft in einen großen Stimmentopf, wird daraus eine große Weisheit!?
Wenn ein einziger Idiot (dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bezeichnet ursprünglich einen Privatmann im Gegensatz zum Politiker – einen Laien also; der pejorative Beigeschmack kam erst später dazu), wenn also ein „Idiot“ seine Stimme zu einer staatswichtigen Angelegenheit erhebt, von der er nichts versteht, so halten wir das für überflüssig oder schädlich. Wenn nun zehn Millionen Idioten ihre Stimme abgeben, so wird aus diesem Vorgang – oh wunderbare Wandlung! – ein Akt der Weisheit mit der Gloriole der heiligen Absolutheit! Das nennt man Glauben! Fortschrittsglauben, den man teilen muß, wenn man es in der Demokratie zu etwas bringen will.
Wo auch immer die Politik sich einmischt, ist Streit programmiert. Die Rechtschreibreform ist ein weiterer Beleg für diese These.
nach oben

Thomas Hartwig
Den Haag

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 12.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2768


Meiner bescheidenen Ansicht nach wäre alles ganz einfach, wüßte man nur zum Beispiel Frau Dr. Merkel zu gewinnen.
Denn einer von oben verordneten Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung würde die Herde sofort folgen.
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 12.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2769


Ich glaube, es müßte gar nichts verordnet werden. Wirksam wäre schon, wenn genügend "Prominente" (Personen und Institutionen) ohne großen Gestus, aber dennoch öffentlichkeitswirksam, normale Rechtschreibung benutzten.
Im Moment hat die breite Öffentlichkeit (was ich nicht abwertend meine) den Eindruck, schon ein "daß" abseits von Literatur sei etwas Unmodernes, Auffälliges oder womöglich gar politisch, sittlich oder auf eine andere Art negativ Befrachtetes.
nach oben

David Weiers
Troisdorf

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 14.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2771


Frau Pfeiffer-Stolz, Sie sprechen da was Wichtiges an:

Die Rechtschreibung ist und bleibt eine historisch entstandene Ordnung, zu der alle Schreibenden ihren unwissentlichen und bescheidenen Beitrag leisten.

Wirklich alle Schreibenden? Genau da bin ich mir nämlich gar nicht so sicher.

So lange diese Ordnung nicht willkürlich durch politische Eingriffe gestört wird – und eine ernsthafte Störung kann immer nur durch die Politik erfolgen – war es für jeden Schreiber eine Selbstverständlichkeit, sich um die Norm zu bemühen, das heißt: um Richtigkeit, um Lesbarkeit.

Und hier setzt vielleicht das an, auf das ich hinaus wollte:
Was heißt denn Richtigkeit im orthographischen Sinne?
Sie schreiben: Lesbarkeit.
Gut, sehe ich auch so, aber nichtsdesto[weniger] ist dieses Kriterium dehnbar. Wenn es nämlich darum geht, die eigene Sprache möglichst lautgetreu nachzubilden, dann ist vielleicht tatsächlich eine phonetische Schreibweise die passendere. Und jemand, der Schriftsprache als Verschriftete gesprochene Sprache versteht, wird das Ergebnis der Verwendung einer phonetischen Schreibweise dann auch lesbar finden.

Was ist mit der "Orientierung am Usus"? Denn schließlich ist die Rechtschreibung eine "historisch entstandene Ordnung". Wie weit darf ich mich aber am Usus orientieren, wenn er peu à peu grammatische Richtigkeit verdrängt?
Nächste Frage: Was ist grammatische Richtigkeit – am Ende vielleicht auch an einem Usus orientiert? Und wenn der sich ändert?

Ich habe den Eindruck, daß man sich auf diesem argumentatorischen Weg schnell im Kreise dreht, weil – ja, warum eigentlich? Weil es der Sache nicht gerecht wird.
Ich wage dazu mal eine Erklärung (vielleicht ist die aber auch nichts Neues hier): Grammatik ist wie Rechtschreibung kein unabdingbares Gesetz, sondern beruht immer auf Konvention. Es ist demnach möglich, beides zu beschreiben, aber eben nur bedingt möglich, beides vorzuschreiben.
Die Sache mit der Norm funktioniert (einfach ausgedrückt) demnach nur, wenn man sich an der ohne Zweifel traditionellen Konvention auch wirklich orientiert, also auch zu allererst einmal orientieren will. Ist das Bewußtsein darüber, daß es sich eben um etwas Konventionalisiertes handelt, nicht mehr vorhanden, dann komme ich auch in Erklärungsnot, wenn ich grammatisches und orthographisches Prinzip als jeweils a priori vorhanden postuliere. Das wird nicht gut funktionieren.

Herr Ickler hat bezüglich der Orthographie hierzu folgendes geschrieben:
Gegeben sind zunächst einmal bestimmte Schreibweisen. Daraus leiten Orthographen Regeln ab, und es sind ebenfalls Orthographen, die über diesen Regeln, als deren Zusammenfassung, noch gewisse "Prinzipien" zu erkennen glauben. Vor allem Nerius hat sich diesem Thema gewidmet. Man darf aber weder Regeln noch gar Prinzipien zu Instanzen hypostasieren, von denen wohl gar noch irgendwelche konkreten Gebote abzuleiten wären.

Ich habe da was fett markiert. Und jetzt stelle ich mir die Frage: Ja gibt es denn überhaupt Prinzipien über den Regeln der Orthographie, wenn man die 1. nur mancherorts und 2. nur zu erkennen glaubt?

Ich für meinen Teil habe bei der Lektüre von liguistischen Ausarbeitungen immer wieder recht schnell bemerkt, daß die guten Herren Linguisten in ihren Darstellungen und Untersuchungen wohl gerne rein kausal (und am liebsten "reinlogisch") argumentieren würden, sie es aber nicht können, denn Sprache verhält sich nun einmal nicht nach Regeln, die man mit Naturgesetzen vergleichen könnte bzw. reinlogisch sind. Daß die Linguisten dieser Umstand jedoch anscheindend nicht im geringsten stört, zeigt mir ihre allerorten sich geradezu aufdrängende methodische Desorientierung und Undiszipliniertheit: wie schnell werden da beispielsweise sozialwissenschaftliche Ansätze mit neurobiologischen vermengt, um dann auch noch sprachhistorische hinzuzunehmen, womit man dann was weiß ich für vermeintliche Prinzipien erkennen zu können meint. Welche Maßstäbe da eigentlich angesetzt werden, blieb zumindest mir immer ein Rätsel.

Also: ich zweifle stark daran, daß Orthographie und Grammatik generell an "höheren Prinzipien" ausgerichtet sind. Herr Ickler trifft es: Man darf aber weder Regeln noch gar Prinzipien zu Instanzen hypostasieren, von denen wohl gar noch irgendwelche konkreten Gebote abzuleiten wären.

Was ist nun also mit dem Usus? Ist er denn nun alleinbestimmend, wenn es da gar keine apriorischen Prinzipien gibt?
Antwort: Muß er ja wohl.
Aber: ist der Usus wirklich (wie Frau Pfeiffer-Stolz es ausdrückt) basisdemokratisch?
Darauf will ich antworten: Nein, und das darf er auch nicht sein!
Und jetzt mache ich mal einen vielleicht ziemlich großen Schlenker: Wenn er nämlich basisdemokratisch wäre, dann wäre die aus ihm abgeleitete Norm schnell keine mehr. Dann gäbe es diese Norm erst gar nicht.

Also ist der normbildende Usus schon einmal nicht demokratisch, sondern rein konventionell, und zwar sind die hier relevanten Konventionen nur bedingt durch das Schreibvolk festgesetzt worden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Aber ich glaube, das kann's immer noch nicht sein: das Argument der Lesbarkeit sitzt nämlich ganz gut.
Aber wer bestimmt denn, was lesbar ist? Wenn man sich nämlich an alles gewöhnen kann (wie wohl einige Psychologen behaupten), dann kann man sich auch an zunächst Ungewohntes und schwer Lesbares gewöhnen.
Man müßte also auf Praktikabilität hin prüfen. Aber das hat ja auch was mit Gewohnheit zu tun.
Ist am Ende der ganze Schreibusus inklusive der Praktikabilität einer Orthographie nur auf Gewohnheit zurückzuführen?

Darauf antworte ich jetzt mal: Und wenn schon!
Denn eines darf man nicht vergessen: daß nämlich Normen einmal festgesetzt worden sind. Und das hat Auswirkungen; Rechtschreibung ist einfach historisch gewachsen, das ist eine Tatsache.

Ich kann also nicht nach Manier der Reformer einfach eine Norm "weg-x-en" (ich weiß wirklich nicht, wie man's schreiben soll; aber das Wort ist so schön...), weil ich auf einmal meine, sie sollte doch bitteschön einmal meinen Regeln gehorchen bzw. überhaupt irgendwelchen (und jetzt sind wir am Punkt) universal nachvollziehbaren Gesetzen Tribut zollen.

Aber wenn die Entscheidungsgewalt darüber, ob eine Norm einfach beseitigt/eingeschränkt/manipuliert werden darf (daß man das kann, kann niemand bestreiten) in den Händen der Exekutiven liegt...?
Ich glaube, Herr Hartwig hat nicht so unrecht.

Und ich sehe gerade: Kratzbaum und ich stehen gar nicht so weit auseinander (siehe hier).
nach oben

Wolfram Möhrlein
Niederstetten

Dieser Beitrag wurde am 06.01.2008 um 20.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2775


Die Gefallenen am Arber

Aus dem Klappentext einer DVD über das Schutzhaus am Arber im Bayrischen Wald:

"Wer Schneeberichte verfolgt, der erste Schnee des Jahres, fällt meist am Arber."

Man sollte sie also tunlichst woandershin verfolgen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 09.01.2008 um 17.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2780


Was man nicht weiß, das muß man sich erklären (J.v. Manger)

Max und Moritz werden dort bekanntlich zu Schrot und Korn zermahlen - zu einem Stoff mithin, aus dem sich ein anderes Zeitalter echte Jungen wünschte. (W. Freund in WELT-online von heute)

Jaja, der alte "Misantroph"...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.01.2008 um 13.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2781


Das ist doch nett vom Paten

Nur zu gern möchte er den Revolver auch gegen das Küchenmesser eintauschen. Doch sein Pate verzichtet fürs Erste nur ungern auf ihn.
(Bildunterschrift in der FAZ von heute, S. "Medien")

Basta, Rotwein oder Totsein läuft heute um 22.45 im Ersten (am Ende der Besprechung)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.01.2008 um 21.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2793


Haarscharf vorbei

In der Sendung "Hart, aber fair" sprach R. Koch vom Kopftuchverbot für Beamtinnen und Beam... da hat er's noch rechtzeitig gemerkt!

Gar nicht so ungefährlich – das mit der politischen Korrektheit
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 11.01.2008 um 00.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2797


Der Kölner Stadt-Anzeiger (7.1.2008) hat offensichtlich ein neues Feld entdeckt, auf dem er konsequent sein zu müssen meint:
"der Öffentliche Dienst" (S.2), "die Organisierte Kriminalität" (S.3)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 11.01.2008 um 18.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2800


Erschütterungen des Vorjahres aus dem Bürgerbildungs- oder (vice versa) Bildungsbürgerblatt FAZnet:

Es handelt nicht nur vom Kommen oder Verkommen, sondern am 26. November 2007 auch vom Bekommen:
„In China ist der Treibstoff knapp. Fuhrunternehmer und Transporteure horten in Fässern, Kanistern und auch alten Milchkannen, was sie Bekommen können.“

Am 31. Oktober 2007 läßt es – unter Wissenschaft – über einen Londoner Spürhund wissen:
„Holmes hatte seine Helligkeit am Mittwoch explosionsartig gesteigert. Astronomen waren davon völlig überrascht worden und haben noch keine genaue Erklärung dafür.“
Zweifelsfrei ein bösartiger Akt! – Aber wofür hatten sie keine Erklärung – für den Akt und seine Art oder für ihre Überraschung, die ihnen durch diesen worden war.

Am 31. Oktober 2007 indessen überfällt es seine treue Leserschaft in derselben Rubrik mit:
„Berechnungen hatten ergeben, dass natürlich vorkommende Magnesium-24-Kerne, die 24 Kernbausteine (Protonen und Neutronen) enthalten, bis zu 16 zusätzliche Neutronen aufnehmen und zu Magnesium-40-Kernen werden könnten. Natürliches Aluminium-27 könnte so weit wachsen, dass aus ihm Aluminium-43 wird.“
Ganz ohne Hormone, Kunstdünger und anderes Schädliches, ja sogar ohne Windmühlen entsteht dickes oder irgendwie großes Aluminium.

All das läßt (nur noch) hoffen!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.01.2008 um 09.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2805


Ein bißchen Bildung ziert den ganzen Menschen.

Horoskop

Das aus Schillers Wallenstein bekannte Fremdwort

(DUDEN Newsletter)

Bekanntlich liegen Schillers Werke in jedem besseren Friseursalon und Wartezimmer aus.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.01.2008 um 21.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2836


Orthographischer Alltag

Es lohnt eigentlich nicht mehr – aber trotzdem:

Schafe gerissen – ist der Wolf Schuld?

(NDR-Fernsehen)

Die Verwahrlosung der deutschen Rechtschreibung schreitet unaufhaltsam fort.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 17.01.2008 um 13.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2837


Es ist manches zu entdecken, so z.B., daß der Wolf die Schuld an sich ist. Irgendwann mußte das ja trotz seiner Restitution usw. endlich einmal gesagt werden. Hoffentlich nimmt das Tier dann auch unsere auf sich.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.01.2008 um 09.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2847


Riesenerfolg

Die Auflage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist im vierten Quartal 2007 gestiegen. Die Gesamtauflage kletterte um 2986 auf 368 470 Exemplare , was einem Zuwachs von 0,82 Prozent entspricht. Das neue Erscheinungsbild der F.A.Z. hat zu einem merklichen Anstieg der Absatzzahlen im Einzelverkauf geführt, die um 1,62 Prozent auf 52 191 Exemplare zulegten, während die Sonstigen Verkäufe um 13,18 Prozent zurückgingen.

(FAZ vom 17.01./ S.16)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 18.01.2008 um 10.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2848


Die entsprechende Meldung auf faz.net findet sich hier, aber mit folgender Datumsangabe: 16. Januarr 2008 (sic!).
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 18.01.2008 um 16.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2850


Vorreiter taz:
"... ob bei einem offiziellen Dinner Alkohol ausgeschänkt wird oder nicht".
(taz.de, 15. 1. 2008)
Da ist es auch nicht mehr weit zum "aufwänden".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.01.2008 um 20.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2852


Beziehungskiste

"2 Ihrer Angebote enden heute", teilt ebay mir mit.

Es sind aber gar nicht "meine" Angebote.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2008 um 12.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2853


Zu #2847: Die Auflage läßt sich leicht erhöhen, und sie wird es oft, um den Annoncierern einen bestimmten Preissatz angeben zu können. (Einige Druckmedien erhalten sich mehr durch die Reklame als durch die Gebühren der Abonnenten.) Was immer "sonstige Verkäufe" sind: Ich kenne so einige Leute, die ihr Zeitungs- oder Zeitschriftenabonnement aufgegeben haben, aber dafür Einzelausgaben kaufen, die sie aus bestimmten Gründen haben wollen. Ein Klettern der Gesamtauflage sagt jedenfalls nichts über die Zahl der Leser/Bildbetrachter.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2008 um 14.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2854


Was den Inserenten interessiert, ist die verbreitete, bei einer Tageszeitung also in der Regel die verkaufte Auflage, nicht die gedruckte. Nach der Auflagenstärke richten sich in der Tat die Anzeigenpreislisten. Hier schummeln zu wollen, lohnt sich aber nicht; dafür sorgen nicht nur die Anzeigenkunden, sondern auch die Konkurrenz und das Finanzamt.

Daß bei der FAZ vor allem der Einzelverkauf (also der Straßenverkauf, Verkauf am Kiosk oder der Tankstelle) zunimmt, ist keine Überraschung. Es entspricht der weiteren Boulevardisierung des Blattes, seit ein paar Monaten durch das große farbige Bild auf Seite 1 über dem Bruch. Das Bild an dieser Stelle dient in erster Linie als "Hingucker" für den potentiellen Käufer, dessen Blick den Zeitungsständer streift.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2008 um 15.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2855


... das große farbige Bild auf Seite 1 über dem Bruch. Das Bild an dieser Stelle dient in erster Linie als "Hingucker" für den potentiellen Käufer, dessen Blick den Zeitungsständer streift.

Sie haben vollkommen recht, lieber Urs Bärlein, es ist eine kaufmännisch hilfreiche Strategie. Die hat sich übrigens der auflagenstarke Kölner Stadt-Anzeiger seit wenigen Wochen abgeguckt, ohne inhaltlich oder stilistisch abzurutschen. Mich wundert allerdings Ihr "Hingucker", wenn auch in Anführungszeichen gesetzt. Ist "Blickfang" nicht der zutreffendere und "stärkere" Ausdruck? (Ich meine ja nur!)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 19.01.2008 um 15.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2856


Sie haben völlig recht, der "Hingucker" ist natürlich Jargon. Gerade deshalb schien er mir passend.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 20.01.2008 um 09.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2860


Kreativ

»Bei den schrill-lauten Vorwahlen der US-Demokraten in Nevada [...]«

(Spiegel Online, 20.01.2008)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 20.01.2008 um 12.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2864


Vorreiter "taz"?

Rominte van Thiel meint, die "taz" geriere sich am 15. Jänner 2008 mit einer Verschriftung wie

"... ob bei einem offiziellen Dinner Alkohol ausgeschänkt wird oder nicht"

als Vorreiter. Ganz anders, als eigentlich zu erwarten, ist diese Tageszeitung nur halbherzig, d.h. nicht rundum geaugstet. Das wundert umso mehr, als gerade einem Blatt wie der "taz" an allumfassender Volksetymologie gelegen sein müßte, denn es ist doch ans niedere Volk gerichtet, so sich in Schankstuben entschieden besser auskennt als in offiziellen Dinners. Geschenkt wird einem hie wie dort nichts – und genau das wollte die "taz" dem geknechteten Volk klarmachen.
nach oben

Sigmar Salzburg
Dänischenhagen

Dieser Beitrag wurde am 22.01.2008 um 15.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2870


Der Gar gefährdete Dorsch

Artenschutz
Polnische Piratenfischer machen Dorsch den Gar aus


Welt online
21. Januar 2008, 15:31 Uhr
WELT

Besonders hinreißend im „Newsletter“ ohne Zeilensprung.
nach oben

Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 23.01.2008 um 04.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2873


Und so kündigt titel thesen temperamente (ARD, 20.01.2008) einen preisverdächtigen Film von Eran Kolirin an:

Die Band von Nebenan

Ab 31. Januar im Kino. – Man darf gespannt sein, ob in dieser Schreibung. (Was ich glatt für möglich halte.)
nach oben

rr bth
Bayreuth

Dieser Beitrag wurde am 26.01.2008 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2877


Das ist doch auch nicht schlecht (Fundstelle, auf die H. Salzburg einen Beitrag weiter unten schon hingewiesen hat):

Ein heimischer zeigt im Hafen Stahlbrode einen legal gefischten, stattlichen Dorsch.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 27.01.2008 um 17.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2878


»Niedersachsen: Keine Überraschungen erwartet«

(tagesschau.de, 27.01.2008)
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 27.01.2008 um 22.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2879


Zu Herrn Metz: In dem von Ihnen zitierten Berichtsteil scheint mir der folgende Satz die eigentliche Fundsache zu sein: "Nach einem vergleichsweise ruhigen Wahlkampf wird nach letzten Umfragen die Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition gerechnet."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.01.2008 um 15.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2891


Sprachfehler

"... müsste ein Ministerpräsident fest stehen... (das auch, aber zuvor müßte er wohl erst einmal feststehen)

"...sprießen ins Kraut..."

(WELT-online v. 29.01.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.02.2008 um 22.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2928


Und wieder mal haarscharf daneben

"Ein Professor zwischen den Mühlen der Politik"

(WELT-online vom 06.02.)
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 08.02.2008 um 09.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2935


Aus der SZ vom 7. Februar 2008, »Kinder- und Jugendsachbuch«

Tagtäglich lesen, hören und sehen wir fasst wie eine ermüdende Liternei die Anzeichen nahenden Untergangs. Wie er aufzuhalten, wenigsten zu verlangsamen ist, erfahren wir gleich dazu: Bessere Filter einbauen, Verpackungen einsparen, weniger Auto fahren [wohl gebildet analog zu ›weniger Bier trinken‹ (WL)], ökonomischer Heizen …
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 09.02.2008 um 19.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2938


i. R.

"...selbsternannte Erzieher, die entscheiden wollen, was und wie viel Lernen gesund ist oder schadet."

(aus dem Leserbrief einer Studiendirektorin i.R. - FAZ vom 09.02.)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.02.2008 um 21.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2939


Auf gut deutsch bis aufs letzte:
"Was meinen Sie: Sollte in Deutschland an Gymnasien und Universitäten auch auf türkisch unterrichtet werden?" fragt Welt Online heute und bietet folgende möglichen Meinungsäußerungen an:
"Ja, das wäre ein Zeichen von wirklicher Integration
Nein, in Deutschland sollte auf deutsch unterrichtet werden
Es muss andere Möglichkeiten geben, die Integration voran zu treiben"
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2008 um 07.33 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2940


Widerstandsnester

Unvermutet trifft man immer wieder auf Inseln des Verstandes. Wer gern Tee trinkt, freut sich über Produkte von "Tee Gschwendner", Meckenheim. Sämtliche Druckerzeugnisse, von der Teeverpackung bis zur hübsch aufgemachten Teeliste (Buch von über 100 Seiten), alles in guter Rechtschreibung, und der Tee, nebenbei bemerkt, wahrhaftig ein "Genuß".
Gestern im hiesigen Brauhaus (Kaltenhauser Bräustübl) ein gutes Kellerbier aus schlankem Glas getrunken, dessen kreisrunde Pappdeckelunterlage die Geschichte des Bieres erzählt: in guter Rechtschreibung.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2008 um 12.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2943


Man darf solche Leute bloß nicht loben, sonst danken sie einem für den Hinweis und bringen ab sofort alles in dem, was sie für reformierte Orthographie halten. Also von wegen „Widerstandsnester“! Oder gar „Inseln des Verstands“!!
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2008 um 14.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2944


So geschehen mit "sogenannt" in einer Kölner Zeitung nach einem Hinweis eines Teilnehmers hier.
nach oben

David Weiers
Troisdorf

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2008 um 15.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2946


Ja, das stimmt. Habe Ähnliches mal erlebt: Per Leserbrief darauf aufmerksam gemacht, daß die Rechtschreibung nicht einheitlich reformiert ist, um zu erreichen, daß man sich vielleicht doch besinnt und den Reformunsinn gleich bleiben läßt, und prompt kriegt man zur Antwort, man wolle in Zukunft im Zweifel nur noch reformierte Schreibweisen verwenden und "alte" Varianten streichen.
Man hat den Eindruck, daß pure Böswilligkeit mitspielt, nach dem Motto: Ihr blöden verstaubten Besserwisser, euch mache ich euren letzten Strohhalm auch noch kaputt, damit ihr endlich die Klappe haltet und seht, daß es keine Rückkehr mehr geben wird!

Widerlich!

Was den Teeverkäufer angeht: Kindertees sind bei ihm schön schulgerecht reformiert beschriftet.
Auch widerlich!

Und noch viel widerlicher: In Troisdorf gibt es eine Schloßstraße (auch so beschildert), in der eine Grundschule ist. Und wie nennt sich diese Grundschule? Genau: Grundschule Schlossstraße. Mit schmuckem Schild am Tor.
Wie rebellisch, was?
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 10.02.2008 um 15.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2947


Dabei ist "sogenannt" seit einem halben Jahr offizielle Agenturschreibung. Sie hat sich inzwischen bei dpa mit gut 80 Prozent und, mit einiger Verzögerung, bei AP mit derzeit etwa 70 Prozent sogar durchgesetzt. Die Fehlerquote bleibt allerdings beträchtlich und verringert sich in letzter Zeit nicht mehr merklich.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 11.02.2008 um 13.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2951


Die Georg-August-Universität Göttingen versucht sich im Energiesparen – und vertut sich bei der Grammatik. Das Energiesparposter will praktische Hinweise zu folgenden Themen geben: „Richtig Beleuchten“, „Richtig Heizen und Lüften“.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 12.02.2008 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2955


Gewöhnungsbedürftig, aber im Trend der Zeit: Fotovoltaik (so jüngst im Spiegel) – als ob ein Foto eine elektrische Spannung erzeugen könnte!
Und damit dürfte es bis zur Fotonik und zum Foton nicht mehr weit sein…
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 12.02.2008 um 11.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2956


Bestechende Überraschungslogik, Teil 2

»Zwar gibt es Favoriten für Kardinal Lehmanns Nachfolge , doch Überaschungen [sic!] sind möglich.«

(heute.de, 12.02.2008)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2008 um 03.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2957


Wenn's die Jährigen schon mit ganzer Sicherheit nicht so ganz gibt, dann ist der Bindestrich doch auch nicht nötig:
"Bereits am Wochenende hatte der 46-jährige seine Rivalin Hillary Clinton bei Abstimmungen in vier Bundesstaaten geschlagen."
newsticker.welt.de erschienen am 13.02.2008 um 01:17 Uhr (dpa)
Ohne Bindestrichfimmel fiele's dpa sicher leichter.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2008 um 04.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2958


Post aus einer Anwaltskanzlei: "Wir bitten Sie ... ausdrücklich NICHT den Namen unseres Mandanten zu erwähnen." Die Typographie zeigt, daß dem Verfasser das Problem in seinem Satz bewußt war, er die Lösung aber entweder nicht (mehr) kennt oder sie für unzulässig hält. Auf den ersten Blick ist die Hervorhebung von "nicht" sogar ein pfiffiger Ausweg, weil die dadurch erzeugte Pause davor das Komma zu ersetzen scheint. Die Pause danach neutralisiert den Effekt jedoch wieder. Kurze Zeit war ich versucht zu antworten: "Das ist selbstverständlich, wir halten es immer so."
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2008 um 11.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2959


Wäre nicht die naheliegendste Lösung die Änderung der Wortstellung?

»Wir bitten Sie ausdrücklich[,] den Namen unseres Mandanten nicht zu erwähnen.«

Dieser Satz ist eindeutig, selbst wenn der Verfasser das Komma weglassen sollte, weil er es irrigerweise für unzulässig hält.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2008 um 19.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2960


Stimmt, nur ist der Anwalt auf diese Lösung nicht gekommen. Zudem ging es um die Lösung bei der gegebenen Wortstellung.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 13.02.2008 um 21.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2961


Schon klar, aber dem Verfasser war die Wortstellung eben nicht vorgegeben, und ich finde, daß wir es auch und gerade unter diesem Aspekt mit einem interessanten Fall zu tun haben. So oder so hat der Anwalt offensichtlich an der falschen Front gekämpft.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 14.02.2008 um 16.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2963


www.welt.de:
"Und wenn einer eine andere Meinung hat und in der Fraktion ist, dann muss er eben überstimmt werden. Punkt um."
Normalerweise druckt doch *Bild* neuartige Formulierungen zuerst...
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 16.02.2008 um 00.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2969


Vor ein paar Tagen fiel mir in der FAZ (in einem Gastbeitrag, wenn ich es noch richtig im Kopf habe) die Schreibung "von vorn herein" auf. Sie wäre, falls bewußt so gewählt, angesichts der noch dem borniertesten reformorientierten Korrektor einleuchtenden Blödsinnigkeit eines "von Vorn herein" die gelungene Subversion des für manche nicht ganz so offenkundig blödsinnigen "von Vornherein" und zugleich eine ebenso gelungene Subversion des Wüsterschen Prinzips ("entweder kein und zusammen, oder groß und getrennt").
nach oben

Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2008 um 19.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2973


Kürzlich stolperte ich über um sonst, das ich allerdings für ein schlichtes Versehen hielt. Nachdem Herr Ickler aber gestern für "betrügte" bei Google ziemlich viele Treffer erzielt hatte (etwas über 900), ließ ich mein Unding ebenfalls suchen. Das Ergebnis: irritierende 296.000 Belege!

Darauf gab ich auch Ihren Fund ein, Herr Bärlein: von vorn herein bzw. von vorne herein, und Google lieferte 313.000 Belege...

Es hat etwas Berührendes, wie wir selbst die deutlichsten Zeichen des Zerfalls, der Zersetzung unserer Orthographie noch irgendwie sinnvoll deuten, erklären, verstehen wollen – gar als gelungene Subversion. Schön wär's! Die Fakten reden nüchterner.
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 18.02.2008 um 14.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2975


Ich erhielt heute per Email folgende Nachricht:

"Die Homepage des ... ist im wieder entstehen."

Wie sagte Theo Lingen mit seiner unnachahmlichen Stimme? "Traurig, traurig, traurig".
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 19.02.2008 um 11.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2978


Die ZEIT rettet unsere französischen Fremdwörter:
"Die Vorstellung, der angeheiratete Opa des Monarchen in spé zu sein, ..."
(ZEIT online, 18. Feb.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.02.2008 um 15.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2981


Lohnend

Heute erfreut die FAZ im Feuilleton erstens mit einem Bericht von der "didacta" von J. Kaube – worin leider nur die Rechtschreibreform unerwähnt bleibt. Und zweitens hat Chr. Geyer dortselbst beobachten können, daß es mit Frau Schavans "grinsender Diskursivität" schlagartig vorbei war... als sie G8 verteidigte.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.02.2008 um 01.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2983


"Diskreminierung von Frauen" (faz.net, 23.Februar 2008)
Naja, schreib's halt, wie du's spricht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.02.2008 um 08.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#2995


Geschliffenes Deutsch

Die letzte Bastion des Rechsstaats sollte geschliffen werden.

(WELT-online v. 26.02.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.02.2008 um 23.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3000


Na sowas!

Am umwerfendsten ist doch die Mitteilung, daß der Eichborn-Verlag das Buch "mit Billigung des Autors" zurückgezogen hat.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 29.02.2008 um 18.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3002


Zur Erinnerung (vgl. hier): Heute ist die letzte Gelegenheit, sich an der Suche nach dem "besten eingewanderten Wort" (http://www.das-beste-eingewanderte-wort.de) zu beteiligen!
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 02.03.2008 um 01.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3004


Die neutrale Sprache unbefangener Berichterstattung durch hocherfahrene Berichterstatter (z.B. der FAZ) in ihrer Schrift & Rede:

Die FAZ fühlt sich wohl behufs der Wahrung historischer Kontinuität verpflichtet, den Geist des "Neuen Deutschland" (für der Gnade später Geburt teilhaftig Gewordene: eine gedruckte Staatstuba des inzwischen ohne größeres Getöse der Geschichte überantworteten staatsähnlichen Gebildes "DDR" [täterä, analog zu beh-ärr-deh]) bildungsbürgerlich über die Zeiten weiterzutragen (wie die Rote Fahne) ins ach so demokratische Heute.

Und das vollzieht "diese Zeitung" am 19. Feber 2008 wie folgt:

Einer ihrer Schreiber (Günter Paul) meldet (life!) aus den Vereinigten Staaten (wir wissen, welche):

Amerika schießt Spionagesatelliten im All ab

Im Drübergenagelten hält Paul, Günter, ganz gewitzt zunächst zurück, ob dieser weiteren US-Untat ein eigener oder gar ein fremder Sputnik zum Opfer fallen soll (mit Unmengen Triazin im Tank, d.h. mit ca. 1/1000 dessen, was in den letzten vier Jahrzehnten – beileibe nicht nur zur Weihnachtszeit – bei jedem Fehlstart einer Orbitalrakete "auf die [Akkusativ!] Erde nieder kam [getrennt!]".
Der schon in kaltem Schweiß gebadete und um sein Häusle im Hunsrück oder Schwarzwald Besorgte wird von Günter (Paul) damit beruhigt, daß die Yankees (diesmal) ein eigenes Produkt liquidieren, aber Wißbegierigen ganz arrogant nur "die nackten Bahndaten" (ohne jede Bekleidung!) bekanntgeben. Eine Unverschämtheit gegenüber der über alle und alles zu informierenden Weltöffentlichkeit, ausgenommen freilich die SU, pardon/carton: das Heilige Russische Gas-Reich des Demokraten-Zaren Putin, welcher von allen, d.h. von den meisten Diplomaten Westeuropas geliebter Geheimdienstler jegliches seinen Machtbereich Betreffende für geheim erklärt (auch die Daten der Babuschka-Püppchen!).

Günter Paul – den für ein apartes historisches Lexikon bürgenden Namen merke man sich! – blitzt sich dann als "Rechercheur" selbst ins Bild. Seine weiteren Absonderungen lassen schließen, daß er wohl schon lange informierend (ein)hämmert:
"Kritik an chinesischem Abschuss
Allerdings: Vom bislang größten ungesteuert abgestürzten Weltraumobjekt, der 78 Tonnen schweren amerikanischen Raumstation Skylab, sind im Juli 1979 größere Trümmerstücke auf das gering besiedelte Westaustralien gefallen. Im Jahr davor war ein [falscher Artikel] russischer Radaraufklärungssatellit, [überflüssiger "Beistrich"] Kosmos 954, mit einem Atomreaktor an Bord über Nordkanada niedergegangen, wobei sich radioaktives Material weit verbreitete. [...]"

Paul (, Günter) hat seine ML-Lektion gelernt: Als "ewiger Hort des Friedens" unterhält die UdSSR ausschließlich Aufklärungssatelliten im Orbit, während die (seit etwa dem Mittelalter gegen Lenin und sein Reich) kriegstreibenden USA dort oben nichts anderes als Spionagesatelliten oder sieben Spione auf einen Streich installieren, die Putins heiliges Mütterchen Rußland seit Menschengedenken, (d.h. seit W.I. Lenin, vulgo: Uljanov) per Spionage permanent vergewaltigen, während der milde waltende Zar nur aufklären möchte, wie Ende des 18. Jahrhunderts – vice versa – einige Gelehrte zugänglichere Fürsten.

Günter Paul produziert dank seiner sprachlichen Prägungen spezieller Provenienz "objektive" Berichterstattung für die FAZ. Von den allein finanz-, d.h. salärorientierten Führern des Blattes steht keine wie auch immer geartete Sprachsensibilität zu erwarten, der konnotative Minimaldifferenzierungen von z.B. Spionagesatellit und Aufklärungssatellit entspringen könnten.

Als Staatstrompete war das ND zwar brutal, aber ehrlicher als die sich in ähnliche Funktion stellende FAZ, denn das ND machte die befohlene Propaganda mit dem Vorschlaghammer direkt (und to face), d.h. ohne bildungsvorgebende Umschweife. Daß in der FAZ jemand wie Günter Paul schreibt, sagt über "diese Zeitung" und ihre Haltung zu ihren Lesern fast alles oder schon zuviel.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.03.2008 um 10.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3014


Voll und ganz

Was mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt: Die Verwendung von "voll" und "ganz" in bezug auf Größenangaben wird kaum noch beherrscht.

"... sparen Sie ganze € 59,99" schreibt z.B. GMX. Also ziemlich wenig.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.03.2008 um 09.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3017


Wie es wirklich war

"...weil sie (D. Metzger) Ypsilanti die Gefolgschaft verwehrt hat..."

(WELT-online v. 09.03.)
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 10.03.2008 um 09.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3018


Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 10.03.2008 um 08.37 Uhr

In der Fernsehserie "Lindenstraße" werden Dialoge, die nicht in deutsch geführt werden, mit deutschen Untertiteln versehen. Am gestrigen Sonntag waren diese Untertitel wieder in guter, klassischer Rechtschreibung. Das sieht man bei besagter Serie sogar recht häufig!
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 10.03.2008 um 19.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3020


Im "Frankfurter Allgemeine"-Ranking "Deutschlands lebendigste Städte"
wird eine Äußerung von Hans-Werner Sinn zum Thema "Was München so lebenswert macht" am Sonntag, dem 02. März 2008, in Fettdruck wie folgt wiedergegeben:

"Nach dem Krieg haben die Münchener alle Gebeude so aufgebaut, wie sie vorher waren."

Man darf nun eruieren, nach welcher Volksetymologie es zu dieser umwerfenden Neuerung gekommen ist.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 12.03.2008 um 01.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3024


Schweizer Einfluß zu "rauh" und einigem "anderen" bei der *Welt*?
"Beide haben dasselbe Ziel: die amerikanische Präsidentschaft. Bei Begegnungen gingen Hillary Clinton und Barack Obama bislang höflich und respektvoll miteinander um. Doch der Ton wird rauher." (Link)
"Seit heute nacht hat er für Clinton mehr Zeit. [...] "Gates entließ ihn am Mittwoch nachmittag Washingtoner Zeit." [...] "Offiziell hat das eine nichts mit dem anderen zu tun."
Andererseits aber eben auch die drei Satzzeichen hintereinander bei "„Leute wie Sie sind nichts weiter als ein mieser kleiner A—kriecher!“, brüllte er General David Petraeus an" und die Reform-ss-Schreibung (dass, Anlass). (Link)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.03.2008 um 11.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3031


Des Guten zuviel

"... Unterhose, angeraucht..."

(ein ebay-Anbieter)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 16.03.2008 um 17.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3032


In der "Sueddeutsche. de" steht unter dem Titel

Hochgiftiges Gas in TU-Labor ausgetreten

folgendes in Fettrduck zu lesen.

"In einem TU-Labor ist das hochgiftige Gas Phosgen freigesetzt worden."

Die Überschrift läßt an einen Unfall glauben, das Fettgedruckte indessen meldet eine Straftat mit noch unbekanntem Urheber.

Das deutsche werden-Passiv, besonders das im Perfekt, impliziert einiges, was Journalisten offenbar unzugänglich bleibt. Peter Eisenberg würde diese Passiv-Verwendung vielleicht unter aktuelles Normdeutsch einordnen, allerdings sicher als Konstatierung einer Straftat.
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 17.03.2008 um 15.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3036


Kommentar von Noch etwas zu Sick..., verfaßt am 17.03.2008 um 14.56 Uhr

Versicklung, ein noch ganz neuer Begriff:

(www.welt.de)
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 20.03.2008 um 15.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3041


Heute auf FAZ.NET: »Kein Ranking sagt einem verläßlich, wo man studieren soll.«
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 20.03.2008 um 16.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3042


Die Weißheit des Wetterfroschs

Ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes wird in SPIEGEL ONLINE mit den Worten zititert:

»Worauf zu Weihnachten alle Jahre viele Deutsche hoffen, kann ich jetzt für fast alle Gebiete in Deutschland versprechen - weiße Ostern«

Na dann, frohes Fest!
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 21.03.2008 um 11.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3044


Die "Weißheit" der WAZ/ Mülheim am 20.03.08
Photo: alte Bücher im Bücherschrank

Darunter steht: "Doch wer ließt sie noch alle?"

Tja.....
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 24.03.2008 um 06.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3058


Nanu?

"Bei den Salzburger Osterfestspielen 2008 dehnen Anne-Sophie Mutter und Seiji Ozawa Beethovens Klavierkonzert auf himmlische Längen..." (FAZ v. 23.03., S.35)

Diese Überschrift stammt sicher nicht von G. Rohde, von dem wir ohne weiteres annehmen, daß er Violine und Klavier zu unterscheiden weiß. (Aber die "himmlischen Längen", die Schumann seinerzeit Schuberts C-Dur-Symphonie bescheinigte, waren wohl trotzdem kaum auf gedehnte Tempi bezogen.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.04.2008 um 21.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3107


Such Dir eins aus

"...das betroffene Elternteil..."

(WELT-online von heute zum Urteil des BVerfG über väterlichen Zwangsumgang)
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 05.04.2008 um 12.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3124


Französisch, nicht etwa französisch

Frem|den|le|gi|on, die <o. Pl.>: aus französischen und nicht französischen Berufssoldaten gebildete Truppe in Frankreich: ich war so deprimiert, ich wollte zur F. (Schmidt, Strichjungengespräche 168).

Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 1999
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 13.04.2008 um 04.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3164


Journalistenschreibe vorbildlich für die Kinder in der Schule: "Oslo (dpa) - Norwegens neu gebaute Nationaloper ist mit König Harald V., Königin Sonja und Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ehrengäste feierlich eingeweiht worden."
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 16.04.2008 um 11.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3176


"Die Kirche werde alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, damit es nie wieder zu solchem Kindesmissbrauch durch Würdenträger komme." (Quelle: FAZ.NET v. 16.04.08)

Ist das hier RSR pur oder lediglich überkandidelt?
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 16.04.2008 um 12.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3178


Weder noch.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 17.04.2008 um 00.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3186


Unser Germanist hatte an anderer Stelle (aber wohl doch wegen #3164 hier) darauf hingewiesen, daß heute das Dativ-Plural-"n" oft ausgelassen werde. (Jener Hinweis war an unpassender Stelle und vollkommen zusammenhangslos eingetragen worden und ist deshalb inzwischen im Papierkorb gelandet. Red.) Aber die Genitiv-Plural-Flexion steht dem nicht nach: "Der evangelische Pastor, der am 21. April 1808 in der Hansestadt geboren wurde, widmete sich der Erziehung benachteiligter Kinder und Jugendliche und gründete 1833 die noch heute bestehende Erziehungsanstalt «Das Rauhe Haus» in Hamburg-Horn." ("Newsticker", *Die Welt*, 16.04.2008, 16:17 Uhr) Von vorbildlich jedenfalls keine Spur.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Jena

Dieser Beitrag wurde am 18.04.2008 um 15.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3201


Schon fast eine Thorheitsblüthe ("Wörter mit Migrationshintergrund", vgl. hier): "Uns erreichten über 3500 Wort-Einsendungen aus 42 Sprachen, darunter so exotische Kandidaten wie Hindi, Atztekisch (Nahuatl), Japanisch, Malaiisch, Jiddisch, Norwegisch, Schwyzerdütsch, Kiswahili oder Kalaallisut (Grönland)."

Was ist denn an Wörtern, die aus dem Jiddischen oder Schwyzerdütschen stammen, so exotisch?
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 19.04.2008 um 00.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3202


Und was ist wohl ausgerechnet an Norwegisch so exotisch? Allerdings ist "Atztekisch" nun wirklich so exotisch, daß ich kaum daran glauben kann. Welchen armen Praktikanten hat wohl ausgerechnet das Goethe-Institut auf diese Internetseite losgelassen?
Andererseits muß ich anerkennen, daß die feine Ironie der Überschrift "Wörter mit Migrationshintergrund" kaum zu übertreffen ist. Alle Achtung!
Zugleich glaube ich aber, einen ganz leichten, faden Beigeschmack von politischer Korrektheit zu verspüren. So, wie es heutzutage keine "Gastarbeiter" oder "Asylanten" mehr gibt, gibt es offenbar auch keine "Fremdwörter" mehr.
Leicht unbehaglich wird mir jedoch, wenn ich sehen muß, daß sich das Goethe-Institut mit Wörterbuchverlagen wie Duden und Hueber zusammentut. Immerhin will der Dudenverlag mit seinem Fremdwörterbuch (horribile dictu) Geld verdienen, und zu diesem Zweck erläutert er uns auch nur zu gern, wie sehr Fremdwörter die deutsche Sprache bereichern. Und der Hueber Verlag will natürlich auch mit dem Buch "Eingewanderte Wörter" Geld verdienen. Kriegt das Goethe-Institut eigentlich nichts dabei ab? Oder vielleicht doch ein klein wenig (eingewandertes) "sponsoring"?
Altmodisches Fingerspitzengefühl ist vielleicht nicht jedermanns Sache.
NB
Hat hier jemand das Buch von Jutta Limbach gelesen? Eine Rezension wäre bestimmt nützlich.
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 20.04.2008 um 21.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3212


Beitrag von Horst Ludwig (St. Peter, MN, USA) vom 19.04.2008, 19.48 Uhr

"Vermischtes" bei www.bild.de heute:
Auf englisch auf einmal Bindestriche: "Zu Benedikts „privater“ Messe in der St.-Patrick-Cathedral kamen mehr als 3000 Katholiken." Oder ist nur "Kathedrale" falsch geschrieben?
Und Kommas sind halt schwer zu setzen, wenn einem fünf, sechs Grundregeln zuviel sind: "Seine Predigt, war ernst und mahnend. Erneut rief das Kirchenoberhaupt die US-Priester dazu auf, die Skandale, um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche zu bewältigen."
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.04.2008 um 00.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3226


(*sueddeutsche.de*, 22.4., vorbildlich für die Schulkinder oder so ähnlich)
Tag für Wissensdurstige
Ein Prosit der Gelehrsamkeit
Am Tag des Buches und am Tag des Bieres werden Buchstaben und Brauer geehrt. Zurecht - wie der Bildervergleich beweist
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 29.04.2008 um 12.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3249


WAZ heute auf S. 1
"Das Verließ im Keller"

Ist doch klar:
Regel richtig angewandt, und zudem....
man verließ den Menschen im Verließ.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 30.04.2008 um 23.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3252


Heute in Hamm/Westfalen gesehen:

Auto-Teilehandel
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 30.04.2008 um 23.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3254


Früher war: "Divide et impera!"

Heute indessen: "Teile und handle!" (wenigstens im Bereich Auto)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 01.05.2008 um 00.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3255


Auf ihrem Wege über Weimar halten die IC- und EC-Züge der DB andächtig (J.W.G., F.S. u.v.a.) mindestens zehn Minuten, so daß man durchs Fenster in Ruhe lesen kann:

"Weimar
KulturBahnsteig".

In (der Lutherstadt) Wittenberg indessen wird der sich im Raum oder den einst durchgängig gekachelten Räumen Verlierende auf den rechten oder irgendeinen Weg geführt mit vignetten-gestützen Wörtern wie "City", "Taxi" (anderswo zudem "Tram"). Wo es hinsichtlich des Fortgangs jedoch entscheidend wird, steht "Ausgang" statt z.B. anglo-latinischem und zugleich fröhlichem "Exitus" o.ä.

Es muß ver.di (Requiem und so) als dem Eigner der Deutschen Bahn samt Mehdorn als Eigner-Figurant eigentlich ein Unding sein, daß auf Bahnhöfen der DB deutsche Wörter noch für amtserträglich erachtet, statt geächtet zu werden. Bahngeschleuderten Schulkindern ("DB-kids") droht dadurch evtl. fatale Bewußtseinsspaltung, an der sich Schulpädagogen jahrzehntelang in Zähren verzehren müssen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.05.2008 um 22.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3258


Auf dem Wege zur Einheitsrechtschreibung

"...und müssen lernen, damit zu recht zu kommen..."

(FAZ v. 30.04. S. 9)
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 02.05.2008 um 11.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3260


In dem Artikel ›Kaffeeklatsch über Nazis‹ von Jürgen Kaube (heute auf FAZ.NET veröffentlicht) habe ich folgendes gefunden (Hervorhebungen von mir):

»Daß sie ihn gelesen hat, betont sie während der Sendung mehrfach.«
»Simple Überlegungen wie die, inwiefern man denn gleichzeitig sagen kann, die Nazis seien Bohemiens mit Neigung zum Exzeß gewesen, und Littell dafür loben, er zeige, wie die Völkervernichtung auf dem Reißbrett entstanden sei, wie also Bohemiens zum Reißbrett passen, sind schon zu hoch.«
»Die vielgeschmähten Kochsendungen im Fernsehen haben immerhin für sich, daß die Zuschauer Rezepte bekommen.«

Andererseits schreibt Kaube zweimal dass. Deshalb halte ich bewußte ›Reform‹-Verweigerung für eine wenig wahrscheinliche Erklärung. Die Journalisten sind heute wohl in der Rechtschreibung so verunsichert, daß ihnen auch mal eine herkömmliche Schreibweise unterläuft.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 02.05.2008 um 19.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3266


Senibel getüfftelt – und gemütsvoll dazu!

"Auf der Bühne" war Alfred Brendel fast 60 Jahre lang. Aber die Bühne war ein Podium.

Wer heute noch hervorheben zu müssen glaubt, daß Haydn kein "Kleinmeisterpapa" war und Schubert kein "gemütsvolles Schmerzensdickerchen", hat wohl einen Schluck zuviel vom eigenen Wortgebräu genommen.

Brendel wurde durch "seinen Gelehrtenhabit" zum "unfreiwilligen Guru". Na sowas!

"Der Mensch will verstehen, will geleitet werden."

(Zitate und Fehler aus der WELT-online von heute)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 02.05.2008 um 20.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3267


Frank Schirrmacher schreibt heute im Feuilleton der FAZ von einem "SS-Panzerchor" (Seite 35), und zwar gleich zweimal. An anderer Stelle ist von "Heerestruppe" die Rede, wo es "Heeresgruppe" heißen muß. Vermutlich handelt es sich bei dem Text um eine Niederschrift des mit Philipp von Boeselager einige Wochen vor seinem Tod geführten Interviews nach Tonaufzeichnung. Auch (oder vielmehr: gerade) wenn man einen gewissen Zeitdruck zubilligt (dpa hatte die Nachricht vom Tod des Widerstandskämpfers gestern am frühen Abend), sind die Inkompetenz und die Schlamperei ernüchternd, die erst in Kombination eine so durchschlagende Wirkung entfalten können. In den seriöseren Zeiten der FAZ hätte man den Aktualitätsvorsprung im Zweifel sofort zugunsten einer gediegenen Textfassung geopfert, vor allem bei einem Dokument dieses Ranges, zumal wenn die Exklusivität sowieso gesichert ist.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2008 um 19.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3269


Der »Mannheimer Morgen« kam am 04.03.2004, S. 16, Sp. 2, nicht umhin zu melden:

„Dutroux räumte ein, zwei überlebende Minderjährige sexuell mußbraucht zu haben.”

Schlimmer geht´s nimmer.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2008 um 20.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3270


Auch in Thüringen wird die deutsche Sprache in ihrer Schrift lebendig oder wenigstens am Leben gehalten; zum einen in der Territorial-FAZ, zum anderen in einem mit dieser konkurrierenden Volksblatt:

„Doch bei allem Ätzen und Stöhnen: In der Sache ist der Vorschlag richtig.“
("Bescherung", Kommentar von Haupt- und Hofkommentator Axel Fick in der »Thüringer Allgemeinen« vom 23.04.2008, S. 1)

„Bei der Beflockung wird das zu beflockende Teil zunächst mit einem Klebstoff beauftragt.“ (»Thüringische Landeszeitung« 23.04.2008, 2C WI2)

Der zweite Beleg läßt Valenzgrammatikern neue graue Haare wachsen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.05.2008 um 22.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3274


Progressive Paralyse

"... wir geben ihm Recht" schreibt die Zeitung für Deutschland und hat sich weismachen lassen, es handele sich hier um ein Substantiv, und könnte doch niemals erklären, was für ein Recht Baudelaire denn gegeben würde.

(FAZ vom 07.05., S. 40)
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 09.05.2008 um 20.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3287


Auf der Internetseite der Universität Frankfurt steht regelmäßig ein neues Goethe-Zitat als Motto. Heute lautet es: »Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewußt.«
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.05.2008 um 23.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3288


Akzente setzen mit der *Welt*: "US-Verteidigungsminister Robert Gates hält die Ausweisung von von zwei Militärattachés der US-Botschaft in Moskau für eine «Revanche» nach einer ähnlichen Maßnahme der USA. «Es gibt einige verblüffende Entwicklungen in Moskau, aber ich werte diese Attachès-Angelegenheit lediglich als übliche Retourkutsche», sagte Gates in Washington."
nach oben

Wolfram Möhrlein
Niederstetten

Dieser Beitrag wurde am 12.05.2008 um 14.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3289


"30 gerankte Fächer" bietet ZEIT ONLINE in ihrem "Hochschulranking".

Die bildliche Vorstellung von anmutig sich rankenden Fächern macht es einem sehr schwer, darin nur einen schnöden Anglizismus zu sehen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.05.2008 um 13.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3292


Zu gern wüßte man …

… worin das Lebenswerk einer "Ikone des deutschen Feuilletons" besteht. Die Kanzlerin in ihrem so schlichten wie hocheleganten Hosenanzug wird es sicher wissen. (FAZ v. 13.05.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.05.2008 um 16.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3293


Schlag mich!

"… schlägt viele im Westen das Gewissen …"

Ach wenn es der FAZ doch schlüge – aber sie trennt "Krem-langestellte"!

Und M. Martens schreibt, "am Balkan" seien Kriege geführt worden. (Paß bloß auf, daß der Karl Kraus das nicht liest!)
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 14.05.2008 um 11.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3295


Clinton uneinholbar

»Durch ihren klaren Sieg (am Ende sind es 67 zu 26 Prozent) holt Clinton etwa zehn Delegierte im Rennen für den Nominierungsparteitag im August auf - sie liegt aber weiterhin nahezu uneinholbar rund 170 Delegierte hinter ihrem Rivalen Barack Obama zurück.«

(http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,553121,00.html)

Ich hab's nicht ausgerechnet, aber wahrscheinlich wird Obama es tatsächlich nicht mehr schaffen können, am Ende 170 Delegierte hinter Clinton zurückzuliegen.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 14.05.2008 um 12.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3296


Kommt Gregor Peter Schmitz aus dem Sportressort? In diesem Bereich findet man weitere Belege, z. B.: »Aber schon nach den Einzeln lagen die Harburger fast uneinholbar zurück.« (Hamburger Abendblatt, 2. Juni 2003)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.05.2008 um 21.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3298


Spitzenprodukte

"...Bayern, das sich mit dem härtesten aller Nichtrauchergesetze rühmte..."

"...das Parteiordungsverfahren, dass für Clement mit einer Rüge endete..."

(WELT-online von heute)

Da will die FAZ auch nicht zurückstehen:

"Trotzdem sollten der Ärger.... nicht nur einigen wenigen Advokaten ...vorbehalten sein..."

"Denn es sprechen einige gewichtige Argumente....Der wohl gewichtigste..."

"...erschließt sich oft gar nicht ohne eine gehörige Portion Rechtsgeschichte und dem Vergleich anderer Grundsatzurteile..."

"Doch angesichts zu den Mühen...löst sich dieser angebliche Vorzug schnell in Luft aus."
(Corinna Budras in der FAZ von heute, S.9)

Und noch etwas zum Grübeln: "Fast drei von vier Klagebriefen oder Anrufen bleiben erfolglos." (FAZ S. 11)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 14.05.2008 um 22.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3300


Laut der Mitteilung von Reinhard Markner rüttelte das "Hamburger Abendblatt" am 2. Juni 2003 mit
"[...] lagen die Harburger fast uneinholbar zurück"
an den Resten sprachlicher Vernunft (in der Presse), oder es ist seitdem auf dem Wege zur Logik der gefürchteten Kugeluhr.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 um 00.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3302


www.welt.de:
"Der belgische Tennis-Star Justine Henin hat überraschend ihren Rücktritt vom professionellen Sport erkärt."
Ist das "aus der Konstruktion fallen"? Oder ist das schon akzeptabel? Oder ist das wohl doch noch einfach falsch? (Ich frage nicht nach dem "erkärt".)
Und der www.welt.de "Hier Klicken!" bedarf wohl auch einiger Verbesserung.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 um 11.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3303


Gestern im Fernsehen gehört: Nach den unerfreulichen Ereignissen zu Beginn der Eishockeyweltmeisterschaft (oder so ähnlich) habe »das deutsche Team in ihrem letzten Spiel« dieses oder jenes unter Beweis stellen müssen.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 15.05.2008 um 11.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3304


»Merkel hatte dagegen dafür geworben, dass der Anbau von Biosprit nicht auf Kosten weiterer Rodungen des für das Weltklima wichtigen Regenwaldes im Amazonas gehen dürfe.«

(neue-oz.de, 15.05.2008)

»dagegen dafür« ist hübsch, auch der »Anbau von Biosprit«, aber noch bemerkenswerter finde ich, daß Merkel sich für weitere Rodungen stark gemacht haben soll. Ich kann das kaum glauben.

Diese Formulierung war heute morgen übrigens auch in der ARD zu hören, es spricht also einiges dafür, daß sie, wenn nicht von der Kanzlerin selbst, von einem dpa-Redakteur in die Welt gesetzt worden ist.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2008 um 11.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3313


Anschaulich

"Kinski spindelldürr" (WELT-online v. 15.05.)

Also, noch besser wäre "spinndelldürr" (sieht irgendwie nach Th. Mann aus)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 16.05.2008 um 13.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3314


=> #3304

Es war dpa. Wobei es ja vorkommen kann, daß einer eine Konstruktion völlig verknotet; schließlich ist bei den Agenturen der Zeitdruck enorm. Der eigentliche Skandal in solchen Fällen ist, daß ausgewachsene Redakteure anderer Medien den Unsinn unbesehen übernehmen, etwa aus der Haltung heraus: "Wenn dpa das schreibt, wird es wohl seine Richtigkeit haben."

Die Furcht, vom Mainstream abzuweichen, ist größer als die Sorge, den Leser vernünftig zu informieren. Wenn ich während meines Volontariats in einer Nachrichtenredaktion Agenturtexte umredigierte, löste ich damit bei den erfahreneren Kollegen regelmäßig blankes Unverständnis aus. Es führte auch zu Minuspunkten in der Beurteilung meiner Leistungen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2008 um 23.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3344


Schief – aber auch beruhigend

"Für die Volkswirtschaft hat die Abwanderung des Rentners nach Mallorca eine andere Bedeutung als der junge Klinikarzt aus Meppen, dem südlich der Alpen lukrativere Avancen gemacht werden." (Sven Astheimer in der FAZ vom 20.05./S. 11)

Hier dürfte zum erstenmal eine Abwanderung mit einem Klinikarzt verglichen werden. Und südlich der Alpen vermutet der Schreiber anscheinend die Schweiz.

Aber im Bericht über Zu- und Abwanderung auf der gleichen Seite schreibt "svs" endlich so, wie wir es schon sehnsüchtig erwartet haben: "vorrübergehend".

Die Kollegin Lena Bopp hat's da mehr mit den Fremdwörtern:

"Stifelette, Accesoire - und als Krönung: Cashmir" (S.18)
nach oben

Wolfram Möhrlein
Niederstetten

Dieser Beitrag wurde am 23.05.2008 um 12.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3370


BMW wirbt für Konkurrenzprodukt

"Jetzt Probe fahren" heißt es auf den Werbetafeln der BMW-Händler.
Leider hat Ford die Produktion des "Probe" schon 1997 eingestellt, so daß es nicht ganz leicht sein dürfte, der Aufforderung Folge zu leisten.

Es spricht Bände, daß solche Stilblüten nicht vor Drucklegung auffallen.
nach oben

Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 03.06.2008 um 10.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3433


Werbegraphik von Euronics:

Haus-
haltsgeräte
und Alles was dazu gehört
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 04.06.2008 um 13.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3443


Heute erreichte uns ein freundlicher Brief der Hochschule Niederrhein, in dem man höflich um ein "Rezessionsexemplar" eines bestimmten Titels für eine Besprechung bittet. Das Wort erscheint einmal im Betreff und noch einmal im Text, ein Tippfehler muß daher ausgeschlossen werden. Leider verfügen wir über keine "Verminderungsexemplare" ...
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 07.06.2008 um 16.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3460


Immer Erger mit dem ä

Die Portugiesen werden sicherlich besonders motiviert sein, nachdem ihnen der Europameisterschaftstitel im eigenen Land 2004 verwährt blieb.


Schreibt das ZDF.
nach oben

Michael Krutzke
Bremen

Dieser Beitrag wurde am 09.06.2008 um 13.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3463


Der Jazz-Erklärer von WELT ... sachkundig und s-spendabel über Cassandra Wilson mit ihrer "umwerfenden" Stimme. (Wer es genauer wissen will, wie C. W. womöglich auch ihn umwirft: sie schnurrt und gurrt.)

„Die 52-Jährige macht echten Jazz - nicht dass, was Norah-Jones-Fans darunter verstehen.“
Bildunterschrift (2/6) vom 9.6.08
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 09.06.2008 um 23.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3465


Kommentar von pressetext, verfaßt am 09.06.2008 um 16.10 Uhr

Pressetext-Nachrichtendienst am 9.6.2008:

Petra Weider, Gründerin der Weider AG hat Ihr Mandat nieder gelegt
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.06.2008 um 13.39 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3474


Für den klugen Kopf

"Die neugestaltete F.A.Z. findet mehr und jüngere Leser" (FAZ v. 10.06.)

Das mag ja sein, wenn auch empirische Belege fehlen. – Im Gesamtjahr 2007 ist jedenfalls die verkaufte Auflage der FAZ um 0,5% zurückgegangen. Außerdem hat die Verlagsgruppe 55 Mitarbeiter weniger beschäftigt. – Die entscheidende Größe, die Zahl der Abonnenten, wird leider nicht genannt.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.06.2008 um 12.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3475


Ach ja...

Auch die Leserbriefe, die in der FAZ abgedruckt werden, leiden unter Niveauverlust. In der Ausgabe vom 09.06. verbreitet sich ein Schreiber höchst entrüstet darüber, daß er während eines Fluges zum erstenmal bewußt wahrgenommen habe, daß der Personalausweis tatsächlich so heißt, also offenbar fürs Personal gedacht sei und der Staat seine Bürger als ein solches betrachte usw. usf. ...
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.06.2008 um 23.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3478


Das hatten wir doch gerade... Oder: So geht's ja nun wirklich nicht

"Europa-Vertrag droht, an Wahlbeteiligung zu scheitern."

(WELT-online von heute)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 19.06.2008 um 16.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3490


Es geht auch anders, aber so geht's bei einer Ausstellung im Trottoir ("zeitgenössische kunst tag und nacht") in Hamburg auch:
"Kleines Chinesisches Theater 'Schiessschussscheibe Wu Weis'"
und
"Lotos[:] das sind die sehr schönen Augen von Ling / das Linke oder und 101 Rechte".
Was für eine Kunst, wenn man jedes Theater mitmacht! Aber man kann's "[m]it freundlicher Unterstützung durch die Kulturbehörde Hamburg."
nach oben

Jan-Martin Wagner
Halle (Saale)

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2008 um 07.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3537


"Auf der Website der Schnellen Tabelle finden Sie nähere Informationen, sowie ein laufend größer werdendes Repertoir an Unterrichts- und Übungsmaterialien für Deutsch, Englisch und Latein zum gratis Download."

http://www.schule.at/index.php?url=news&news_id=5045
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2008 um 12.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3542


Kann ja mal passieren...

"Wieder das Chaos" (Manufactum Rundbrief 13/2008; Werbung für einen Briefkorb)
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 05.07.2008 um 16.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3568


Irrwitzige Trennungen: Heute in der "Süddeutschen", S. 24,

Das
älteste bekannte Musikinstrument ist eine
35 000 Jahre alte Flöte aus Schwanen-
knochen, die in einer Höhle bei Blaube-
uren
gefunden wurde.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2008 um 16.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3581


Von Küssen und Teufeln

"Mao muss Diskusswerfer weichen" (WELT-online von heute)

Claudia Roth, die sich als Grüne gut mit dunklen Mächten auskennt:

"Man kann nicht den Beelzebub Klimawandel mit dem Teufel Atomkraft austreiben". (ebd.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.07.2008 um 22.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3585


Kurioser Krampf

Erfurt Rauhfaser – Deutschlands beliebteste Wandbekleidung vom Erfinder der Raufaser

(google-Text)
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 15.07.2008 um 13.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3614


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 14.07.2008 um 23.58 Uhr

Vor-Bildliche "Schwache Zeitung" (SZ vom 15.7.2008/mst)

"Juristische Gradwanderung"
"Der Auschwitzüberlebende Primo Levi zitiert [...]"
Substantiv: "die Nationalsozialisten", Adjektiv: "Letztlich geht es um die Verhinderung des Wiedererstarkens national-sozialistischer Bestrebungen." (So geht's also wenigstens nicht um die Verhinderung des Wiedererstarkens international-sozialistischer Bestrebungen.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.07.2008 um 19.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3624


Wie man sich irren kann!

"Begeisterung ist keine Heringsware,
die man einpökelt auf einige Jahre." (Peter Alexander)

(Aus: Markus. M. Ronner, "Die besten Pointen des 20. Jahrhunderts" )

Und ich hätte wetten mögen, das sei von Goethe.
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 19.07.2008 um 15.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3626


Irren ist menschlich, lieber Kratzbaum.

Auch wenn der Unterschied zwischen dem, was Goethen ist, und dem, was Peter Alexander gehört, manchmal nur sehr klein ist.

Johann Wolfgang Goethe: Frisches Ei, gutes Ei

Enthusiasmus vergleich' ich gern
Der Auster, meine lieben Herrn,
Die, wenn ihr sie nicht frisch genoßt,
Wahrhaftig ist eine schlechte Kost.
Begeistrung ist keine Heringswaare,
Die man einpökelt auf einige Jahre.

Aus: Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, I. Abtheilung, 2. Bd., Weimar 1888, S. 285.

Wenn man mal eine gewisse Normierung der Orthographie (Heringswaare) nicht berücksichtigt, dann gehört wohl die Begeistrung Goethe, die metrisch hingegen etwas andere Begeisterung aber Peter Alexander.

Gut, daß Sie nicht gewettet haben! Soll ich Ihnen nun aber trotzdem eine Peter-Alexander-CD als Trostpreis zuschicken? Gepökelte Heringe würden den Transport mit der Post womöglich nicht überstehen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 23.07.2008 um 12.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3647


Das ganze Elend

Aus einem Faltblatt der "Puppenspiele, Dagmar Selje, Bielefeld":

"...begegnet einem kleinen Schaf im warmen Stall, dass nichts von bösen Wölfen weiß..."

"Erleben Sie einen Abend mit ... süssen Schäfchen!"

"Oder hätten Sie lieber süße Wölfchen...?

"Anlässlich... Genuß... zurück zu blicken..."
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.07.2008 um 09.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3691


Der Erwählte

In seiner Lobrede auf den DUDEN-Autor und Konrad-Duden-Preisträger P. Eisenberg kommt H. Löffler gegen Ende zu einer geradezu umwerfenden, um nicht zu sagen: umhauenden, Erkenntnis. Als Schüler schon ging der Geehrte durch die Dudenstraße in Bad Hersfeld. Sein Gymnasium in Kassel liegt an der Humboldt-Straße. Ganz fogerichtig empfiehlt Löffler den Kommunalbehörden, einmal die Namen der Straßen zu überprüfen, die zu den höheren Schulen führen. - Ich finde die Idee bestechend. Die Kinder könnten sozusagen im Vorbeigehen schon mal auf den rechten Bildungspfad gelangen. Unsereins ging seinerzeit ja nur durch eine Mühlstaße, später Steinstraße oder auch Kölnische Straße. Was soll ich in Köln? Und heute heißt es auf meiner Route Grillenweg, Querweg, Schafdrift... Auch nicht sehr viel versprechend/ vielversprechend. Ich denke, das wird nichts mehr.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2008 um 21.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3798


Geopolitisch stark desorientiert

"Er (der Kreml) lässt es nicht mehr zu, dass sich Länder in einer geopolitischen Zone, die er für die Seine hält..."

(FAZ von heute)
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2008 um 22.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3800


Lieber Herr Kratzbaum,

vor der Geopolitik liegen Geographie und Geschichte.

Man kann ja schließlich nicht sowjetsibirische Gebirgsjäger unter Putins Kommando nach Südafrika schicken, um dort die letzten Buren platt zu machen.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 20.08.2008 um 22.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3801


Friederike Kempner rediviva. Und da behaupte noch einer, die Reform sei der Poesie abträglich.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2008 um 06.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3809


Kurios

Während die Gleichheitsbeschwörer uns weismachen wollen, der biologische Unterschied zwischen den Geschlechtern sei ja nun wirklich total zu vernachlässigen (wohingegen nach einem schönen Wort S. Freuds die "Anatomie das Schicksal" ist und aus ihr ja alles andere folgt ), stoßen uns die politisch Korrekten ständig mit der Nase darauf, daß es ja doch Männlein und Weiblein gibt. – So kehrt der vertriebene Eros bleich und erstarrt als Logos zurück.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2008 um 14.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3810


Wie die FAZ ihre Leser veralbert

"Polen und Amerika besiegeln den Raketenschild" (S. 1)

"Polen und Amerika besiegeln das Raketenschild" (S. 2)

(FAZ vom 21.8.)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 21.08.2008 um 15.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3811


Verkehrsschilder werden (auf der Rückseite) tatsächlich besiegelt – aber wie besiegelt man einen Raketenschild?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 25.08.2008 um 22.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3837


Weiterhin Schwierigkeiten mit den Jährigen — und nicht nur damit

dpa-schulschreibvorbildlich: "Frankfurt (dpa) [...] Der 30-jährige berichtete nach seiner Ankunft von Schlafentzug und nächtelangen Verhören im chinesischen Gefängnis. Der ehemalige Bundeswehrsoldat gehört zu einer Gruppe von zehn ausländischen Tibet-Aktivisten, gegen die die chinesischen Sicherheitskräfte Haftstrafen von jeweils zehn Tagen verhängt hatten." © Die Welt [Newsticker] 25.08.2008 10:23 Uhr

"Schwerkranker Edward Kennedy sprach in Denver
Denver (dpa) - Der schwer kranke Senator Edward Kennedy hat mit einem Auftritt beim Wahlparteitag der US-Demokraten Begeisterung ausgelöst. Die mehr als 5000 Delegierten in Denver brachen in Jubel aus, als der 74-jährige ans Podium trat." © Die Welt [Newsticker] 26.08.2008 04:19 Uhr
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.08.2008 um 19.58 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3846


Nur noch

"Dann müssen EU-weit nur noch knapp zwei statt wie bisher rund vier Arbeitnehmer einen Rentner finanzieren." (dpa-Meldung)

Da werden sie die beiden anderen aber freuen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.08.2008 um 09.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3848


Spricht man so, wie's hier geschrieben steht?
"Da Pornografie im Osten offiziell verboten war, florierte gerade in den 80er-Jahren der Vertrieb von selbst gedrehten, aus heutiger Sicht arg betulichen Sexfilmchen."
"Und nach den 45 Minuten Unterricht in halb nackten, historischen Tatsachen ist klar: Lange Zeit war das Gegenteil der Fall."

Und derartiges soll wohl für die armen Schulkinder vorbildlich sein:
"Während die Bundesrepublik der 50er-Jahre von kleinbürgerlicher Enge und einem konservativen Rollenverständnis geprägt war, marschierte Frau im Arbeiterstaat [...]." Ist "Frau" nun ein Pronomen parallel zu (und gleichberechtigt mit) "man" oder nicht?
"Ende der 60er-Jahre" Und diese Leutchen wollten schon mal "Bremer" in "Bremer Stadtmusikanten" als doch Adjektiv klein vorschreiben!

"'Ist das eine Satire?', fragt Starke, als der Wochenschau-Kommentator gerade erklärt, es sei normal, dass Männer nach der Arbeit keine Lust auf Unterhaltung hätten. 'Nein' ruft Kolle, 'das ist kein Kabarett.'" Mal ein Komma zuviel, mal eins zu wenig.
"Und während die 68er im Rückblick manchmal den Eindruck vermitteln, [...]" Müßte "68er" nicht irgendwie groß geschrieben werden? Ist doch ein Substantiv? Oder?
"Im Osten war Pornographie zwar verboten, dafür galt, anders als im Westen, die Lust aber nie als Sünde." Am Anfang, s. o., war's noch "Pornografie".

"Doch von denjenigen, die das glauben, liegt jede dritte falsch." (Bild 24), "Männliche Spermien sind schneller, dafür leben weibliche länger." (Bild 26), "Am häufigsten wenden sich Männer an einen Sexualtherapeuten, [...]" (Bild 30 [Es gibt sie also noch, die Kleinschreibung in adverbialen Ausdrücken]), "Von einer Beziehung nahtlos in die nächste zu wechseln ist für 38 Prozent aller deutschen Männer kein Problem [...]" (Bild 39 [Es gibt sie also noch, die Kleinschreibung nach definitem Artikel]), "Um einen Zentimeter voranzukommen, muss ein Spermium rund 800-mal mit dem Schwanz wedeln." (Bild 41 ... von zusammen 333; aber diese Zusammenstellung bisher zeigt schon hinreichend, wes Schreibgeistes Kind hier am Machen ist.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2008 um 10.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3853


Vergnügungsreise

In manchen Schulen in NRW wird nun Englisch ab der ersten Klasse unterrichtet, und zwar in Form eines "Immersionsunterrichts". Das kommt von lat. "immersio" und das heißt "eintauchen", belehrt uns WELT-online.

karriere.de bietet uns den CV von Angelika Merkel, also vermutlich den Curriculum Vitae.

Frau Merkel ist nicht nur die mächtigste Frau der Welt (lt. FORBES), sondern nach Meinung der karriere-Nutzer auch die in Wirtschaftsdingen kompetenteste:
6,3 % - J. Ackermann bringt es nur auf bescheidene 3,5%. Da sollte die Deutsche Bank an die Zeit nach der Bundestagswahl denken, für den Fall der Fälle.

Papst Bendedikt hat einen Frosch kritisiert. (WELT-online)

Zum Schluß versöhnt einen aber dann doch die Hilflosigkeit von WELT-online in Sachen Orthographie mit all dem Blödsinn, den man täglich lesen darf:

Merkel läßt tief Blicken.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.08.2008 um 13.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3854


Kreativ

Wie trennt man "Brockmöller"?

Brock-möller? - Aber das -ck gehört doch auf die nächste Zeile.

Bro-ckmöller? - Sieht im zweiten Teil ein bißchen fremdartig aus.

Brok-kmöller ! (Ostfriesen-Zeitung von heute)

Ob das der vom Großen Vorsitzenden so oft angemahnte Kompromiß ist?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.09.2008 um 19.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3859


Feierabendrätsel

Wieviele Personen nehmen an einem Mega-Event teil?

Antwort: Es sind genau 1 Million.

Sönke Krüger von der WELT hat in der Schule aufgepaßt und weiß, daß der Vorsatz "Mega" das Millionenfache der Grundeinheit bezeichnet.

Krüger behauptet auch, die Wortbildung "ureigenst" sei falsch, es könne nur "ureigen" geben. Ich glaube das nicht.

(WELT-online vom 31.8.)
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 02.09.2008 um 03.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3860


Das mit "ureigenst" (#3859) gehört wohl eher unter Stilfragen diskutiert. Mir wurde mal beigebracht, daß "herzlichst" von schwächerem Sprachgefühl zeugt, denn inniger als "herzlich" geht eben nicht. Und tatsächlich versende ich seitdem bestenfalls "herzliche Grüße" und schreibe nie "herzlichst". Derselbe Lehrer hatte auch was gegen "ich persönlich", und auch da schreibe ich jetzt nur "ich" und wenn's nötig ist "ich dagegen/auch".

Worum's hier linguistisch geht, ist natürlich, ob das Adjektiv "ureigen" steigerbar ist. Vom Sinn her wohl nicht, aber ich höre "ureigenst-" oft, und diese Form wird also gebraucht. (Dagegen erinnere ich mich übrigens nicht, je "ureigen" gehört zu haben.) Auch das engl. Wort "perfect" ist ja eigentlich nicht steigerbar; dennoch streben die Amerikaner hochnobel nach einer "more perfect union", und der Renaissancemensch Thomas Jefferson konnte sein Latein. Gegen den ist doch Sönke Krüger von der WELT eigentlich keine Autorität, oder?
nach oben

Arno Pielenz
Cottbus

Dieser Beitrag wurde am 02.09.2008 um 09.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3861


Brok-kmöller ist richtig! In Robert Zimmers Buch "Philosophie" (Cornelsen Scriptor - Schulbuchverlag!) trennt man auch "Entwik-klung". Dort spricht auch Kierkegaard von einem "bewusst gewordenen Dasein". "Vom Vater hatte er eine notorische Schwermut geerbt und die Liebe seines Lebens" (gab er freiwillig auf, erfahren wir dann). Wittgenstein hingegen fordert eine "logisch rein gewaschene Sprache". Nur so könne man "weiter kommen".
In Cornelsens "Echtermeyer" sind übrigens bei Schillers "Handschuh" Tiger, Löwe und Leoparden "gräuliche Katzen", die aber dann doch "behend" statt "behände" in die Arena hüpfen. Gräulich, gräulich!
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 02.09.2008 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3862


Goethe seinen "letztesten" Kuß nicht nur nachzusehen, sondern diesen sogar für genial zu erklären, gilt ebenso als Ausweis höherer Bildung wie das Naserümpfen über "in keinster Weise". An der Gebräuchlichkeit kann es nicht liegen. An der Steigerbarkeit aber auch nicht, jedenfalls nicht im linguistischen Sinne, zumal der Superlativ ja gleichermaßen vorkommt, während der Komparativ in beiden Fällen fehlt. Allerdings ist die Steigerung nie ein rein grammatisches Phänomen, sondern immer auch ein semantisches, das heißt letztlich gesellschaftliches. Über die Steigerbarkeit eines Wortes entscheiden diejenigen, die es steigern – oder auch nicht.

Mein Verdacht zunächst: Als Ausdruck reiner Negation entzieht sich kein auf andere Weise der Steigerung als letzte. Daß letzteres sich noch überbieten können lassen muß, räumen schließlich auch diejenigen Kritiker Goethes ein, die meinen, korrekterweise hätte er vom "allerletzten" Kuß dichten sollen. Aber was heißt schon "reine Negation"? Sie kommt strenggenommen nur in der formalen Logik vor, also dort, wo alle wahren Aussagen sowieso tautologisch sind.

Sobald jedoch Bedeutungen einspielen, gibt es kein "nichtiges Nichts". Das muß man auch denjenigen zugute halten, die versichern, dies oder jenes "in keinster Weise" getan, beabsichtigt usw. zu haben. Sie wollen halt zu verstehen geben, daß ihre mutmaßlichen Taten oder Absichten noch nichtiger waren, als daß sie ihnen ferngelegen hätten.

Wo ist dann noch ein Unterschied zum "letztesten Kuß"? – Goethe billigen wir zu, sich bei seinem Superlativ etwas gedacht zu haben, nicht jedoch Leuten, die sich herauszureden versuchen. Die Zulässigkeit der Steigerung wäre in diesem Beispiel nicht nur keine grammatische Frage, sondern auch keine (bloß literarische) Stilfrage, vielmehr eine Frage des guten Geschmacks – also danach, was als gesellschaftlich akzeptabel bzw. als lächerlich gilt.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 02.09.2008 um 17.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3864


Im Gegensatz zum "letztesten" Kuß ist bei "in keinster Weise" der Erfinder nicht bekannt. Dieser war sicher ganz genial, aber inzwischen ist die Floskel eben kein bißchen originell mehr, sondern schon so fettig und verstaubt, daß man sie wirklich nicht mehr verwenden kann.
Etwas ähnliches ist ja auch "Deutschlands meiste Kreditkarte", als Werbegag ganz lustig, nur nicht verallgemeinerbar.

Mein Deutschlehrer hat mir mal beigebracht, daß man positiv und negativ nicht steigern könne, was ich ihm damals auch abgenommen habe. Heute würde ich aber diese Aussage allenfalls einem Mathelehrer zugestehen.

Was mir in letzter Zeit auch oft stilistisch auffällt, ist bei Steigerungen das universelle Wort "zunehmend" statt "immer": Das Wetter wird zunehmend besser. Die Menschen werden zunehmend älter. Der Erdölvorrat wird zunehmend kleiner, die Models werden zunehmend schlanker, der Mond nimmt zunehmend ab ...
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 03.09.2008 um 14.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3865


Vorbildlich für Schulkinder — welch schöne Hoffnung:
"Ostalgie [/] Bischoff Huber verurteilt Verherrlichung der DDR [... /] Der EKD-Vorsitzende Wolfgang Huber [...]" (Link)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 10.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3871


Lieber nicht – oder: Das Fragen höret nimmer auf

Im neuesten DUDEN -Newsletter wird u.a. die Pluralbildung von Zusammensetzungen mit "-mann" besprochen. Von einigen dieser Wörter wird behauptet, der Plural auf "-männer" bezeichne eher die Individualität und die Geschlechtszugehörigkeit, der auf "-leute" die allgemeine Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Beispiele: Kameramänner, Kameraleute – Feuerwehrmänner, Feuerwehrleute und auch Amtmänner, Amtleute.
Im letzten Fall trifft das jedoch nicht zu. "Amtmann" ist eine beamtenrechtliche Amtsbezeichnung. Der Plural kann nur "Amtmänner" lauten.

Auf der Homepage wird für einen "Crash-Kurs" in reformierter Rechtschreibung geworben: "Für alle, die ihre ungeklärten Rechtschreibfragen nach der Rechtschreibreform beenden wollen." – "Beenden" finde ich recht originell.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 11.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3872


Wo gibt es heute noch offiziell den Amt(s)mann?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 12.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3873


Der Amtmann gehört in der Besoldungsordnung nach dem Bundesbesoldungsgesetz in die Gruppe A 11 des gehobenen Dienstes.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 13.36 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3874


Vielen Dank. Und inwiefern folgt daraus der Plural? Ist er dort amtlicherseits festgelegt?

In früherer Zeit haben sich die Obrigkeiten jedenfalls auch des Begriffs Amtleute bedient, vgl. z. B. bereits die Ordnung vnd Instruction, welcher massen sich hinfüro alle verrechnete Amptleut im Hertzogthumb Würtemberg mit verleyhung vnd einsamblung der Zehendt vnd aller anderer theilbarn Früchten, halten vnd ein bessere Ordnung anstellen sollen, Stuttgardt: Rößlin, 1618.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 13.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3875


Der Plural von Amtmann ist natürlich nicht amtlich festgelegt, einfach deswegen, weil er wahrscheinlich nie benutzt wird. Jedenfalls müßte er noch die amtliche Bezeichnung erkennen lassen. Wie auch z.B. Mediziner nicht mit (approbierten) Ärzten gleichzusetzen sind. Außerdem sind Amtsbezeichnung und Funktion zu unterscheiden. Innerhalb einer Behörde muß ein Amtmann nicht unbedingt Amtmann genannt werden. – Was man unter "Amtleuten" früher verstanden hat, ist in diesem Zusammenhang unerheblich.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 06.09.2008 um 14.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3876


Warum sollte der Plural nun auf einmal nie benutzt werden? Amt(s)mann ist jedenfalls nicht bloß eine amtliche, sondern gerade auch (das bestätigt jede Googelei) eine historische Bezeichnung, zu der in der entsprechenden Literatur auch der Plural Amt(s)leute gebildet wird, wahrscheinlich je nach Quellenlage und regionalem Usus. Vgl. z. B. Malte Bischoff: Die Amtleute Herzog Friedrichs III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1616–1659). Adelskarrieren und Absolutismus, Neumünster: Wachholtz, 1996. Mit der Geschlechtszugehörigkeit hat das natürlich nichts zu tun, weshalb es wiederum für die Dudenleute (m/w) in der Tat unerheblich ist, da sie ja auf die Probleme der geschlechterpolitisch korrekten Sprache fixiert sind.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2008 um 10.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3877


Lieber Herr Markner, nur noch ganz kurz:

"Amtmann" ist heute – und allein darauf bezog sich meine Kritik – eindeutig festgelegt. Der Plural "Amtleute" (Leute, die irgendein Amt innehaben) ist mehrdeutig und daher als Amtsbezeichnung nicht tauglich. Ein Treffen der Amtmänner (und Amtfrauen, früher Amtmänninnen) wäre nicht dasselbe wie eines von Amtleuten. Natürlich könnte sich im Laufe der Zeit der Plural "Amtleute" durchaus als Amtsbezeichnung durchsetzen.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 07.09.2008 um 14.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3878


Solche Festlegungen haben ihre Grenzen. Daß ein Wort in einem fachsprachlichen (hier: behördensprachlichen) Kontext »eindeutig festgelegt« ist, schließt seinen anderweitigen Gebrauch außerhalb des Rahmens dieser Festlegungen nicht aus. Zwetschgen darf man Pflaumen nennen, solange man sie nicht verkauft, und daß aus Sicht der EU das Wort Pflaumenmarmelade ein Unding bezeichnet, muß auch keinen kümmern.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.09.2008 um 08.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3887


Ins Leere

Korf erfindet eine Mittagszeitung,
welche, wenn man sie gelesen hat,
ist man satt.

Aus:
Chr. Morgenstern, Die Mittagszeitung
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.09.2008 um 23.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3891


Sie sind einfach die Besten!

Seit dem die SPD-Spitze daran arbeitet...
steht der politische Alltag hinten an
Pofalla ist eine Stunde Joggen gegangen
wird weiter gut zusammen gearbeitet werden
in einem Ausmaß, dass es nicht gab

(WELT-online von heute)
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 12.09.2008 um 13.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3894


KStA vom 11.09.2008, S.13 (Wirtschaft):
Norbert Blüm zum Thema "Staatlicher Einheitslohn" u.a. "Ob Arm oder Reich: Vor dem Bürgergeld sind alle gleich. Das Bürgergeld ist die Dampfwalze, die den Sozialstaat platt macht."
Ob Blüm das so gemeint hat? Das Bürgergeld macht – wie auch immer – den Sozialstaat?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.09.2008 um 19.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3897


Im Gestrüpp

" Ob dem angesehenen Bibliotheksleiter....Recht geschehen ist..."

(Heiner Schröder in der Ostfriesen-Zeitung vom 13.09.)

Ja, ihnen geschieht die neue Rechtschreibung, und sie wissen nicht, wie ihnen geschieht.
nach oben

Christoph Schatte
Poznan

Dieser Beitrag wurde am 14.09.2008 um 01.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3900


Herr Markner weist füglich darauf hin, daß sich aus Pflaumen so gut wie nichts machen läßt (man kann sie nur essen und notfalls brennen). Die von der Industrie zu allem Erdenklichen verarbeiteten Früchte sind Zwetschgen (egal welche Etymologie sie nach Augst haben und wie er sie zu schreiben glaubt vorzuschreiben zu dürfen).

Pflaumen als Zwetschgen zu verkaufen ist unzulässig (s. Beitrag von Herrn Markner), Zwetschgen als Pflaumen unters Volk zu bringen scheint indessen – trotz der Beamtensilos in Brüssel – zulässig, weil der Käufer keinen Schaden daran trägt.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 15.09.2008 um 00.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3901


Ob Pflaumen- oder Zwetschgenmarmelade, ich glaube, das wäre den EU-Behörden ziemlich egal. Offenbar unter britischem Druck stehend, geht es ihnen mehr darum, daß alle Pflaumenarten (einschließlich der Zwetschgen) keine Zitrusfrüchte sind, und das ist eben das einzige, woraus Briten sich "Marmalade" kochen können.
Will die EU uns vorschreiben, künftig auch nur noch Jam und Jelly in den Mund zu nehmen? Unseren hessischen "Äppelwoi" wollten sie ja auch schon mal verbieten.
nach oben

(Red.)


Dieser Beitrag wurde am 16.09.2008 um 22.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3906


In der Thurgauer Zeitung ist am 9. September 2008 folgender Leserbrief erschienen:

Da staunt der Laie
Viele Gazetten haben eine hauseigene Orthografie kreiert, die anscheinend auch immer larger gehandhabt wird. Und zunehmend festigt sich der Eindruck, dass es unseren Tageszeitungen überhaupt nicht mehr auf das richtige Schreiben ankommt. Das kann man täglich feststellen.
Hübsch und bedenklich zugleich ist, was die TZ vom 4. September liefert. Dass die Schlagzeile auf der Frontseite «18 000 Franken statt 20 bis 30 Monaten» verunglückt ist («Monaten» statt «Monate»), ist ja nur ein kleines, wenn auch fett gedrucktes Versehen. Auf Seite 5 dann die Rubrik «Nachgefragt» mit dem Satz: «Als Leihe staunt man, dass Bundesrat Samuel Schmid von der Militärjustiz über das Verfahren gegen den späteren Armeechef Roland Nef informiert wurde.»
Ja, da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich nicht mehr. Da kann man nur hoffen, dass der Korrektor bald wieder aus den Ferien zurück ist. Oder hat man ihn schon wegrationalisiert?
Bruno Oetterli, Dozwil“

Im Original lautete der Text, den uns Herr Oetterli bereits einige Tage zuvor sandte, so:

In keiner Rechtschreibung?

Fast jedes Mal, wenn ich Zeitung lese, kommt mir der obige Buchtitel in den Sinn. Johann F. Seeweg hat zu Beginn seines Bändchens mit Sprachspielereien (bled gschwätzt. seh weg-Verlag, Ettensberg) gleich klar gestellt, dass er sich weder um die alte noch um die neue Rechtschreibung kümmert. Als Poet hat er das Recht dazu. Einige namhafte Blätter haben deklariert, dass sie sich unverbrüchlich an die alten Regeln halten wollen – und tun es doch nicht. Viele Gazetten haben eine hauseigene Orthographie kreiert, die anscheinend auch immer larger gehandhabt wird. Und zunehmend festigt sich der Eindruck, dass es unseren Tageszeitungen überhaupt nicht mehr auf das richtige Schreiben ankommt. Das kann man täglich feststellen.

Anleihe bei den Laien?
Hübsch und bedenklich zugleich, was die TZ vom 4. September 2008 liefert. Dass die Schlagzeile auf Seite 1 verunglückt ist (Monaten statt Monate), ist ja nur ein kleines, wenn auch fettgedrucktes Versehen. Auf Seite 5 dann die Kolumne «Nachgefragt» mit dem Satz: Als Leihe staunt man, dass Bundesrat Samuel Schmid von der Militärjustiz über das Verfahren gegen den späteren Armeechef Roland Nef informiert wurde.
Ja, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich nicht mehr. Da kann man nur hoffen, dass der Korrektor bald wieder aus den Ferien zurück ist. Oder hat man ihn schon wegrationalisiert?“
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 21.09.2008 um 18.08 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3925


Für Wenigleser

Man liest ja sehr oft, eine Frau "habe" entbunden, wenn sie ein KInd geboren hat.
WELT-online sagt nun klar und deutlich für alle, die womöglich nicht verstehen, was gemeint ist::

"Alle drei [Prostituierten] haben... ein Kind entbunden"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 24.09.2008 um 18.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3943


Aus der Zeitung für kluge Köpfe

"Aber Bundeskanzlerin Merkel sollte wissen, dass sie unnötig Öl in ein Feuer gießt, dass dem Unternehmen mehr schadet als nützt. "

(C. Knop in der FAZ vom 24.09., S. 11 - Überschrift : Ein starkes Stück)
nach oben

Arno Pielenz
Cottbus

Dieser Beitrag wurde am 25.09.2008 um 16.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3945


Fußschmerzen
Gegen "schmerzende Füße am Abend" rät der "Gesundheitskalender 2008" vom Bassermann-Verlag am 22. September: "Zwei Hände voll Heublumen mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen." – Nach dieser Behandlung dürfte der Fußschmerz wohl vergessen sein.
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2008 um 16.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3946


Desolate Orthographie in Spiegel-Online: Dennnoch (!)

Dietmar Hopp kann sich einen Traum erfüllen, den wohl jeder Fußballfan hat: den eigenen Club erfolgreich zu machen. Dazu darf man ihn beglückwünschen, applaudieren muss man ihm aber nicht. Dennnoch ist es richtig, dass Hopp sich gegen idiotische Transparente wehrt.

Mal sehen. Vielleicht wird es ja noch korrigiert.
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 26.09.2008 um 19.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3947


Herr Kukulies, wenn ein Schüler heute "dennnoch", "Mitttag" oder "Ältern" schreibt, dann sollte der Lehrer den Schüler darauf hinweisen, daß das eigentlich richtig sei, daß aber wegen überkommener Konventionen eigentlich falsch geschrieben werden müsse.

Herr Pielenz: "Don't try this at home."
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2008 um 03.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3948


Bedienungsanleitung eines (deutschen) Gerätevertriebs, die das Wort "Batterie" durchgehend richtiggeschrieben verwendet, allerdings wiederholt den Zusammenhang verliert bei "Battteriekontrollanzeige".
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 27.09.2008 um 23.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3951


Goldene Worte

"Lebenslanges Lernen heißt Lernen, solange man lebt."

(Herlind Kasner, 80, Mutter der derzeitigen Bundeskanzlerin. - Das große L im zweiten "Lernen" geht wohl auf das Konto von WELT-online)
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 28.09.2008 um 21.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3954


Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.09.2008 um 14.12 Uhr

Wenn Zervice, dann auch Zchenie. Gerade gelesen als englische Wiedergabe: Nizhni Nowgorod (kyrillisch mit stimmhaftem sch).
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 28.09.2008 um 23.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3959


Kommentar von WL, verfaßt am 16.09.2008 um 07.59 Uhr

Es steht geschrieben. Von Auktoren (oder Auktionären?)

»Das Buch steht in der alten Rechtschreibreform geschrieben und wechselt zwischen auktorialem Erzähler und Dialogen der einzelnen Figuren.«

So bei Monsters and critics.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 30.09.2008 um 22.54 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3974


Himmlische Trennung - Von Ternen und Protas

"Granats-tern" (Harald Marx , Der Sternhimmel im Oktober, FAZ v. 30.09.)

(auch: Prota-gonisten)
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 02.10.2008 um 13.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3976


Mit welchem Spaß bist du schon mal richtig gegen den Baum gefahren?

Wir waren einmal in dem Ministerium, das für die neue Deutsche Rechtschreibreform zuständig ist und haben sie die abenteuerlichsten Worte schreiben lassen. Da hat mich beinahe mal jemand erkannt. Aber das ist gerade nochmal so gutgegangen...

[…]

Machst du eigentlich immer aus allem eine Satire?

Nein. Man muss überraschend oft ernsthaft sein, um einen wirklich guten Spaß hinzu bekommen. Ich befürchte aber, dass es einfach mein Charakter ist.


Weitere Späße, falls Interesse, hier.
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 03.10.2008 um 00.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3981


Wie von Sigmar Salzburg bereits entdeckt (23.8.08, GKS in der Praxis), ist Sabine Hilliger weiterhin unterwegs, seit Wochen schon beim Kölner Stadt-Anzeiger.

Kostprobe aus der "Magazin"-Beilage des KStA vom 20./21.Sept.2008 (auch zu finden unter ksta.de/magazin) :

>> Das "ck" bezeichnet nur einen einzigen Laut, nämlich "k". Das "c" wird geschrieben, um die Kürze des vorangehenden Vokals zu kennzeichnen. Bei der Trennung wird in Zukunft nicht mehr die Schreibung des Wortes verändert, indem das "c" in ein "k" gewandelt und dann vom anderen "k" getrennt wird. Stattdessen bleiben beide Buchstaben erhalten und rü-cken tü-ckisch nun gemeinsam auf die neue Zeile (wie auch schon bei "sch" und "ch"). <<

Der KStA stellt die "Gastautorin" Hilliger jedesmal mit Foto, halbseitigen Aufmachern und folgender Erläuterung vor: "Sie hat an der Universität Rostock Germanistik und Anglistik studiert und zum Thema Rechtschreibreform promoviert."

Mir scheint, daß das trickreich gedrechselte Drumherumgerede eher ein Ausfluß des Boulevardjournalismus ist, was vielleicht sogar beabsichtigt war, auf keinen Fall aber einer als seriös vorgestellten Wissenschaftlerin Ehre machen kann.

(Was ansonsten von der Untrennbarkeit von "ck" zu halten ist, ist in "Falsch ist richtig", S.102f., und in zahlreichen Beiträgen hier, z.B. Jan-Martin Wagner vom 1.11.2005, nachzulesen.)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 03.10.2008 um 00.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3982


Die FAZ schreibt neuerdings (Mittwoch, 1. Oktober, Seite 5) Malacca statt Malakka – vielleicht, um Malac-ca trennen zu können und nicht Malak-ka trennen zu müssen? Im selben Beitrag heißt es freilich auch verläßlich und schußsicher.
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 03.10.2008 um 12.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3983


Bei den "Erlanger Nachrichten" geht es noch untrennbarer. Sie trennen: Geschmä-ckle.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 15.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3988


Saublöd

"Ta-tort" trennt die FAZ heute mehrfach in ihrem Fernsehprogramm.

Von allen Zumutungen der Rechtschreibreform (unsinnige Großschreibungen, falsche Etymologien, sinnwidrige Getrenntschreibungen) fühlt man sich vielleicht durch solche grotesken Trennungen am meisten belästigt, ja geradezu angepöbelt.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 15.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3989


Es ist aber doch auch lustig, wenn die Zeitung sich einen solchen Tort antut, ähnlich wie im Fall des Kot-rainers (vor allem, wenn der arme Mann wirklich Rainer mit Vornamen heißt). Die Herren Herausgeber haben uns mit ernster Miene versichert, daß das Kindeswohl derartige Trennungen erfordere. Vielleicht müssen sie irgendwann selbst einmal darüber lachen. Das ließe dann auf Besserung hoffen.
nach oben

Paul Westrich
Kusterdingen

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 18.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3990


In meiner Tageszeitung (Schwäbisches Tagblatt) fand ich vorgestern: Ba-ckupfestplatte.
nach oben

Marco Mahlmann
Osnabrück

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 20.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3991


Die aufgefundenen – zugegebenermaßen schlimmen – Trennbeispiele sind wohl nicht Folge einer mißverstandenen oder überinterpretierten Trennregel; die automatische Silbentrennung der Textverarbeitungsprogramme erkennt einfach nicht den Blödsinn. Lektoren gibt es nicht mehr; die sind teuer. Solcherlei Fehler hält die Innenrevision der Verlage eben nicht für so relevant, daß ein Korrekturlesen als eine sinnvolle Investition erscheint.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 22.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3992


Ja, Herr Mahlmann, das ist mir auch klar, daß kein Mensch so blöd sein kann, solche Trennungen zu fabrizieren. - Aber ist es nicht noch schlimmer, daß man einer Maschine das Schreiben überläßt ? MIt welchem Recht kann man sich dann noch zur schreibenden Zunft zählen?
nach oben

Marco Mahlmann
Osnabrück

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 23.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3993


Die Maschine schreibt nicht, sie trennt die Silben. Wie ich geschrieben habe, ist die Prüfung dessen teurer als die Inkaufnahme sonderbarer Trennungen.
In jeder Zeitungsausgabe kommt es vielleicht ein-, zwei-, von mir aus dreimal vor, daß durch puren Zufall die automatische Silbentrennung solche Blüten hervorbringt. Um das zu verhindern, müßte ein Lektor die fertige Ausgabe vor dem Druck von A bis Z prüfen. Das ist erstens organisatorisch problematisch und zweitens viel zu teuer.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2008 um 23.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3994


Naja, darauf will ich nicht herumreiten, ob die Maschine nicht doch schreibt, wenn sie trennt... Ich denke vor allem an die armen Schulkinder, die doch neuerdings die so frisch und bunt daherkommende FAZ lesen - und dann solche Trennungen schwarz auf weiß sehen. Wie leicht kann sich da etwas Falsches in den noch bildsamen jungen Gehirnen festsetzen!
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 03.35 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#3996


Bei der F.A.Z. gibt es in der Tat keine Lektoren. Korrektoren beschäftigt man dort aber durchaus noch.
nach oben

Wolfram Möhrlein
Niederstetten

Dieser Beitrag wurde am 05.10.2008 um 18.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4002


Aus der "Allgäu Aktuell":

"Elefanten reiten im Zelt"

Also das hätte ich gerne gesehen.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2008 um 07.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4010


Schützt die Schulkinder vor der dpa-Schreibe; sie möchten sonst zu viele Fragen stellen: "Der 33-jährige war bereits wegen Missbrauchs eines 13-Jährigen zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden." Die Welt (newsticker [dpa]), 07.10.2008 05:47 Uhr
nach oben

Christoph Kukulies
Würselen

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2008 um 09.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4011


Lieber Herr Ludwig, eine stilistische Frage zu Ihrem Beitrag "Schützt die Schulkinder vor der dpa-Schreibe; sie möchten sonst zu viele Fragen stellen. "

Ist Deutsch Ihre Muttersprache? Warum verwenden Sie "möchten" und nicht "könnten"? Im am. formuliert man wahrscheinlich "might...". Nur so ein Gedanke.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2008 um 09.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4012


Das Wort "möchten" genau in diesem Sinne von "könnten" habe ich im Deutschen schon so oft gehört, daß ich mir jetzt nicht sicher bin, ob es hochdeutsch oder doch regional eingefärbt ist. Falls letzteres, dann würde ich auf den nordöstlichen Raum tippen, bis hin zum früheren Ostpreußen.
nach oben

Karsten Bolz
Hofheim

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2008 um 13.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4014


Lieber Herr Riemer, nicht nur im nordöstlichen Raum Deutschlands ist sowas zu hören. Hören Sie mal beim braven Soldaten Schweijk nach. Auch der hat sehr viel "möchten" gemocht.
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2008 um 17.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4016


Zu Herrn Ludwigs "möchten", das mir ebenfalls zuerst nicht auffiel. Durch Herrn Kukulies aber zum Nachdenken angeregt, sehe ich es als eine Art abtönende Modalität, eine Art "womöglich".

Die Schulkinder stellen sonst womöglich zu viele Fragen.

Die Modalverben, zu denen ja auch möchten gehört, haben immerhin auch einen subjektiven Gebrauch. Ich sehe das "möchten" im Satz von Herrn Ludwig zudem als Konjunktiv II.

Aber vielleicht habe ich da durch zuviel Deutsch als Fremdsprache einen etwas eingeschränkten Blickwinkel. Da wird den Modalverben gerne eine Bedeutung zugesprochen, die sie etwa in der Tagespresse nie hatten.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2008 um 01.43 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4020


"möchte" hat neben "würde mögen" oder "könnte (womöglich)" noch andere Modalitäten, zum Beispiel drückt es auch ein höfliches "Sollen" aus:
"Sie möchten bitte sofort zum Chef kommen."

Und hier noch zwei Beispiele von Schwejk (danke für den Tip). Das erste "möcht" könnte man durch "sollte" ersetzen, das zweite einfach durch "würde" oder "könnte":
"Sie wern sich so viel über seine Majestät ausdenken, daß es, wenn nur die Hälfte davon wahr wär, genügen möcht, um ihn für sein ganzes Leben unmöglich zu machen."
"Ich seh alles ein, Strenge muß sein, ohne Strenge möcht niemand nirgends hinkommen."
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2008 um 02.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4021


Darüber, ob mein Deutsch hochdeutsch oder doch regional eingefärbt ist "mvget ir nv wnd[er] horen sagen": Natürlich ist "möchten" eine Konjunktiv-II-Form, und wozu die gut ist, habe ich von meiner Mutter und in der Umgebung gelernt, wo ich aufwuchs. Ich lasse mir doch nicht von irgendwelchen Stilbüchern vorschreiben, wie ich zu reden hätte, bloß weil da welche engstirnig nicht die ganze Breite unserer Sprache, die ich sehr schön finde, zu betrachten vermögen!

Übrigens habe ich einen Freund, Sudetendeutscher solidester alter Schule, und ich finde prima, daß der fast keinen Satz im Indikativ bilden kann und daß der Mann noch lebt. Hier habe ich absichtlich mal "möchten" verwendet; so sprach mein Vater. Der lebt aber nicht mehr. (Zum Konjunktiv auch: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=2#100. Der Duden weiß dazu nämlich auch nicht alles. Weil er nicht hinhört.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2008 um 12.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4022


Knappstmöglich und doch korrekt

Ein Schulleiter verwendet in seinen Rundschreiben an das Kollegium die Formel "SuS". Na, was heißt das wohl? - Schülerinnen und Schüler!
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2008 um 16.09 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4023


Lieber Herr Ludwig, darin kann ich Ihnen nur zustimmen, und ich hoffe, Sie haben mein "regional eingefärbt" nicht mißverstanden. Ich hatte das nur geschrieben, weil vorher hier Zweifel aufkamen, ob es überhaupt deutsch ist.
Übrigens habe ich eine Schwäche für alle deutschen Mundarten, und die, die mir angewachsen sind (bes. die erzgebirgische), pflege ich immer mit Freuden.
Bei diesem Beispiel mit "möchte(n)" kommt es mir aber eher vor, als ob die verschiedenen Modi wenig mit Mundart zu tun haben. Weiß es aber nicht genau.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 08.10.2008 um 22.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4025


C'est la question

"Pommes oder Äpfel - wer hat mehr Vitamin C?"

(Heute im "Blickpunkt" auf gmx.de)
nach oben

K. Bochem
Köln

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 00.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4026


Nachdem es monatelang beim liberalen Kölner Stadt-Anzeiger so aussah, als ob jeder Redakteur sein Schriftbild und seine Grammatik selbst zu verantworten habe, weht seit einiger Zeit offensichtlich wieder der Wille zur Reform durch das Blatt. Mein Lieblingsbeispiel: "sogenannt", das täglich zigmal vorkommt, wird wieder fast ausschließlich "so genannt" geschrieben, obwohl der Bezug regelmäßig "sogenannt" verlangt. Das war früher schonmal so, aber eine lange Zeit durchaus nicht mehr so eindeutig. Wer was auf sich hielt, schrieb grammatisch richtig.

Gestern hat die Reform – oder eher das, was man dafür hält –, richtig hart zugeschlagen (8.10.2008, S.26, Schramma schreibt an Erdogan):

>> [Der OB] erinnert Erdogan an die Umsetzung des Baus der neuen Moschee in [Köln-]Ehrenfeld in Trägerschaft der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), die dem türkischen Staat "bekannter Maßen sehr nahe steht". [...] "im Rahmen der mir Kraft meines Amtes gegebenen Möglichkeiten" [...] <<
(Artikel von "pb"; die Anführungen sollen wörtliche Zitate des OB sein.)

Hinzu kommen unpassendes "so genannt" und die wunderschöne Trennung "Gegendemons-tration". Alles andere danach war für mich nicht mehr so interessant (– diese Zeitung, die sich und ihre Leser offensichtlich immer noch nicht besonders ernst nimmt, bald auch nicht mehr).
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 13.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4029


Ratlos

Heinz Becker (al. Gerd Dudenhöffer) hatte ich schon einmal zitiert (Warum "dass" jetzt mit zwei s – eins hat doch gelangt?).
Sehr schön finde ich auch, wie er nach der richtigen Schreibweise von "Rhabarber" sucht und leider im Wörterbuch zwischen Rabatt, Rabatte und Rabbiner nicht fündig wird. – Was lehrt uns das?
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 16.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4030


"Es ist durch aus denkbar." aus: Interview mit G. Shilling auf FAZ online

Ich dagegen kann's kaum glauben.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 17.04 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4031


Na, so weit braucht man mit der doch wieder erlaubten Großschreibung der Du- und Ihr-Formen ja nun auch wieder nicht zu gehen: "„Ich habe Dich geschlagen, das tut mir von Herzen leid“, sagt der Pfarrer [...]." Aber dann "sagt [das] der 39-Jährige", und die nächste Zwischenüberschrift „Verfahrensbeende Absprache“ läßt auch zu wünschen übrig. Was für Köpfe dahinter! Sicher mitdenkensbeendende. (www.faz.net, 9. Okt. 08)
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 21.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4032


Das sieht dem alten Gockel ähnlich: "Hugh Hefner scharrt stets die schönsten Frauen um sich."
(Heute u. a. auf web.de)
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 09.10.2008 um 22.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4033


Die Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache sind begrenzt.

So habe ich in einem Radiobeitrag gelernt, daß es einen für junge Leute ganz phantastischen Zeitvertreib gibt, nämlich den Ornithologen in Vogelreservaten zu assistieren. Ich weiß nicht, wie sich Vogelfreunde früher darüber verständigen konnten, wenn sie sich sagen wollten, daß sie jetzt mal Vögel beobachten gehen wollen. Heute ist das Problem behoben, sie sagen: wir gehen mal birden.

Könnte man dafür das entsprechende deutsche Wort hernehmen, ohne fatale Mißverständnisse auszulösen?

Auch im Musikleben reicht das deutsche Vokabular nicht. Auf einer Internetseite für Pubertierende wird gefragt:

Welchen Song soll Patty performen?
(Gemeint ist nicht: Welchen Fernseher soll ich mit Pattex perforieren?)

Ist aber gar nicht schlecht gewählt, denn um ein „Lied“ und um „singen“ handelt es sich bei dieser Frage möglicherweise gar nicht.
nach oben

Heinz Lautenbach
Plüderhausen

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2008 um 12.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4035


Aus einem Kommentar im FAZ.Net (10.10.2008) zum Artikel "Untergangsstimmung am Aktienmarkt":

"Alle orientieren sich nur an Big Brother dessen Wall Street Manager keines Wegs gewillt sind der Finanzkrise Einhalt zu bieten."

So was hab ich Biss her in meinem ganzen Leben noch nicht gelesen.
nach oben

Marco Mahlmann
Osnabrück

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2008 um 12.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4036


Nun, Herr Lauterbach, derartiges lese ich ständig. "So wird merkwürdiger Weise seit einiger zeit in Foren gefühlter Maßen unzählig Oft dass Eine oder Andere verfast, ohne das, dass Jemand auf viel oder einer daran Dachte, dass dem Admin zumelden."
Das ist zwar etwas verdichtet zusammengetragen, aber nicht ausgedacht.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2008 um 13.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4037


Nebentätigkeit

"Drogenkurie im Taxi erwischt."

(Ostfriesen-Zeitung vom 10.10.)
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 10.10.2008 um 18.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4040


Zu Herrn Ludwigs Beitrag sowie der vorangegangenen Diskussion http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4021:

Lieber Herr Ludwig,

wahrscheinlich habe ich die ganze Debatte im Diskussionsforum nun gründlich mißverstanden. Ich dachte tatsächlich, die Konfusion (wenn es denn jemals eine gab) rühre daher, daß die Bedeutung und Funktion des Modalverbs „möchten“ nicht klar sei. Diese Diskussion finde ich nach wie vor sinnvoll und habe mich deshalb eingeschaltet.

An Ihrem Stil und Ihren Deutschkenntnissen habe ich jedenfalls nicht gezweifelt. Mir war nicht bewußt, daß die Diskussion womöglich ernsthaft in diese Richtung zielte. Sollte ich also nun in etwas Unheilvolles hineingetölpelt sein, so bitte ich um Nachsicht.

Eigentlich bin ich nicht der Meinung, daß wir das Diskussionsforum für Lobhudeleien und Loyalitätsbekundungen mißbrauchen sollten, setze diesen Text aber dennoch hierher.

Hier in Braunschweig hat inzwischen ein schöner Altweibersommer Einzug gehalten. Daher könnte ich doch auch das Adjektiv „sommerlich“ dahingehend erweitern und mich aus dem altweibersommerlichen Braunschweig melden. Das ist weder eine regionale Varietät, noch ein besonders preisungswürdiger Neologismus (ich bin schließlich kein Jean Paul, dessen „Ehehälfte“ unter „Lämmerwolken“ an „Weltschmerz“ litt). Ich verbuche das schlicht und einfach unter persönlichem Stil und habe es genauso mit Ihrem „möchten“ getan. Herrn Kukulies bin ich freilich für den Denkanstoß durchaus dankbar.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2008 um 09.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4045


Faß-Faß

"...Tunnel sind ihm zu wider"

"Gefördert wird maximal bis zu von 10 000 Euro"

(Aus dem "Sonntagsblatt" der Emder Zeitung)

Da trinken wir am besten einen Roten, der im "Barrique-Fass" gereift ist, wie uns ein Lebensmitteldiscounter versichert. Denn das tägliche Schreibelend ist uns einfach zu, zu wider.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 13.10.2008 um 15.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4062


Aus der Zeitung für kluge und weniger kluge Köpfe

"... dass sie Einfluss auf deren Geschäftsgebahren nehmen kann."

Ist aber auch vertrackt. Und manche Bank liegt ja nun wirklich auf der Bahre.

(FAZ von heute)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2008 um 09.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4068


So ein Schlingel!

"Mit seinem Unfalltod hat Jörg Haider seine rechtsgerichtete Partei in ein Chaos gestürzt."
(WELT-online vom 13.10.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2008 um 13.22 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4070


Participium coniunctum

"Der Philosoph ... ist auch dort hingezogen, ein argentinisches Model heiratend."

(Der Schriftsteller Chr. Kracht in einem Interview – WELT-online v. 14.10.)

Ober der wirklich so geredet hat? Warum übrigens nicht "dort hin gezogen" – wenn schon Reformschrieb?
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 20.10.2008 um 20.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4092


"Bayern LB nimmt als Erster die Staatshilfe" - Da es ausschließlich um Banken geht, würde man hier wohl eher "als erste/Erste" erwarten.

Der Stahlbranche brennt etwas "unter" den Nägeln. Was soll da wohl brennen?

Und "der Krake" Google geben wir Daten preis.

(FAZ v. 20.10.)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.10.2008 um 21.11 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4115


Sog. natürliches Genus

"...Geisel flieht mithilfe seines Bewachers"

(WELT-online)
nach oben

Klaus Achenbach
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 30.10.2008 um 18.24 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4129


Jetzt stieß ich in der FAZ auf einen "Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee".
Kaum zu glauben, aber diese Einrichtung gibt es tatsächlich: http://www.standardsetter.de/drsc/news/news.php
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 02.11.2008 um 21.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4132


Spiegel Online über Lewis Hamilton: "Da hatte er die Weltmeisterschaft wieder gewonnen." (siehe hier). Nur war Hamilton noch nie Weltmeister. Er hatte dieses Jahr den sicher geglaubten Titel erst wegen eines Überholmanövers eines anderen Fahrers an Massa verloren und danach durch ein eigenes Überholmanöver wiedergewonnen.
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 18.11.2008 um 22.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4203


Notstand

"Mehr Regulierung tut Not" (FAZ von heute zweimal im Wirtschaftsteil)

So schreibt heutzutage eine Zeitung, die einmal zu den besten gehörte. Jetzt ist sie frisch und buntbebildert, nur Deutsch kann sie nicht mehr.
nach oben

Michael Krutzke
Bremen

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2008 um 08.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4204


Stern online: Schüler mit Lernstörungen ... (*)

Viele Lehrer würden den Eltern die Schuld zu schieben, kritisiert Klaus Fritze aus Reutlingen, Vater eines Zwölfjährigen, ...

(*) Und Journalisten?
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2008 um 08.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4205


Wiener mal ganz uncharmant

»Dass die tunesisch-stämmige Sängerin [Lââm] und der später bei Frankreich eingewechselte Hatem Ben Arfa ebenfalls ausgepfiffen worden sind, mag zwar auf den ersten Blick verwundern, doch mit ihnen können sich die Jugendlichen aus den Banlieues nicht identifizieren.«

Wiener Zeitung, 18.10.2008
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2008 um 10.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4206


Eine bekannte, große Lotto-Tippgemeinschaft führt hin und wieder Sonderausspielungen durch, die für laufende Spielteilnehmer als Werbemaßnahme kostenlos sind. Dann hieß das so: "Der Gewinn aus dieser Sonderausspielung wird zusammen gezählt und an die beteiligten Spieler zu gleichen Teilen ausgezahlt."
Meine Anfrage, ob ich als Teilnehmer dieser Sonderausspielung noch eine Einladung bekäme, um "zusammen zu zählen", blieb allerdings unbeantwortet.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 23.11.2008 um 08.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4212


Richtige Schreibung in der dpa-Berichterstattung Glück- oder Nebensache oder beides: "Deutsche Kauphting-Kunden bekommen laut Steinbrück Einlagen zurück / Berlin (dpa) - Gute Nachricht für die deutschen Kunden der isländischen Kauphting-Bank: [...]" (Die Welt [Newsticker] 23.11.2008 02:32 Uhr)
Auch zu wissen, daß das Ding was mit Kaufen zu tun hat, ist wohl zuviel verlangt. Oder dachten die da an "Kauphen"? Möglich ist alles.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2008 um 14.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4216


Rechtschreib-Bereicherer Springer-Verlag:

Einer von Mexikos meistgesuchtesten Drogenbaronen, Jaime Gonzales, wurde im November festgenommen.

Bildunterschrift WELT KOMPAKT 24.11.2008 S. 7

Doppelt genäht hält besser.
nach oben

Christof Schardt
Darmstadt

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2008 um 15.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4217


Nicht nur besser, sondern am bestesten!
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2008 um 17.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4218


Das österreichische »Lebensministerium« (gemeint ist das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) erfreut uns in seinem »Leitbild« nicht nur mit den Biobäuerinnen und Biobauern, sondern auch mit dem Wort bürgerInnennah. Ganz so entschlossen, wie sie wohl erscheinen möchten, waren die VerfasserInnen aber denn doch nicht. Zum partnerInnenschaftlichen Dialog etwa hat der Mut (oder die Phantasie?) gefehlt. Schade auch, daß es heutzutage technisch noch so aufwendig ist, die Umlautpunkte in Klammern zu setzen, sonst wären unsere BäuerInnen perfekt!
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2008 um 21.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4219


Strick vom Rick

"Was Rick Wagner, Chef von General Motors, bisher immer strickt abgelehnt hat..."

(FAZ vom 24.11.)
nach oben

Michael Schuchardt
Oberursel

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2008 um 10.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4223


Ich weiß ja, die Seite ist schon einschlägig bekannt, aber trotzdem:

"Kleiner Mann, große Frau, riesen Unterschied"
aus: Welt online

http://www.welt.de/vermischtes/article2768743/Vertauschte-Rollen.html

Keine guten Aussichten für A. v. Chamissos "Riesenspielzeug".
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2008 um 14.48 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4224


Der Ausspruch stellt zwar keine Sternstunde der Stilistik dar, aber das klein- und getrenntgeschriebene 'riesen' ist nach meinem Gefühl (und Wörterbuch) nicht (mehr) falsch.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 25.11.2008 um 18.30 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4225


Ich meine, Herr Isleif, riesen ist tatsächlich die einzig richtige Schreibweise. Das Wörtchen steht doch als Kurzform für das Adjekiv riesenhaft oder riesengroß.
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 25.11.2008 um 20.53 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4226


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 23.11.2008 um 10.39 Uhr

sueddeutsche.de, 23.11.2008 10:24
"Herbert Achternbusch wird 70
Ein Grantler namens Herbert
Eine Biographie?
[...]
Kolumnenspezial
Menschen-Biografie: Meine Freundinnen
Zu einer Biografie gehören nicht nur Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch Menschen [...]"
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 00.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4227


Von der Betonung her läge die Unterscheidung eines neuen Adjektivs riesen vom Kompositionsglied Riesen- durchaus nahe. Der Fall ist vergleichbar mit klasse, dessen Kleinschreibung der Rat ja neu anerkannt hat. Eine Klássefrau wird auch anders betont als eine klasse Fráu.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 02.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4228


Das Adjektiv klasse leuchtet mir zwar teilweise ein, weil es kein ähnliches gibt, aber bei dem (?)Adjektiv riesen fiele das angesichts von riesig wohl schwerer. riesig(-er,-e,-es) ist noch dazu schön regelmäßig. Also entweder ein Riesenunterschied oder ein riesiger Unterschied. Ein riesen Unterschied ist da doch ganz unnötig, oder?
Oder gibt es etwa eine Tendenz, daß Adjektivneubildungen nach dem Muster rosa, lila, klasse, ... nicht mehr nach Geschlecht, Zahl und Fall verändert werden? Irgendwie habe ich eine Abneigung, solche Wörter attributiv zu benutzen. Das kommt mir immer vor wie eine *pleite Bank. Und daß der Unterschied riesen wäre, kann ich mir (im Gegensatz zu klasse) auch nicht vorstellen.
nach oben

Roger Herter
Basel

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 03.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4229


Sind ja bloß Wortspielchen

"Harter Mann, zarte Frau, bomben Stimmung"
("... höllen Spaß" / "... heiden Angst", usw.)

aus: Halbwelt online

Laßt uns also neue 'Adjektive' finden! Gebongt? (Nur immer gut auf die Betonung achten – und schon haben wir auch die einzig richtige Schreibweise.)
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 09.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4230


Was ist eigentlich die ratsgemäße Schreibung: total banane oder total Banane?
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 10.38 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4232


Ich sehe das Problem mit der "richtigen" Schreibweise von
riesen, klasse, bomben, heiden, höllen, mords
in der Verschriftlichung eines fortentwickelten Sprachgebrauchs, hauptsächlich in der Umgangssprache - siehe auch total banane.
Die Schreibung muß hier nachziehen.
Wohl kaum jemand bezeichnet seinen großen Hunger nüchtern als Riesenhunger, eher sagt er: Ich habe einen riiiesen Hunger! Seltener wohl: Ich habe riesigen Hunger. "Nur immer gut auf die Betonung achten".
Damit werden riesen pp. sicherlich nicht zum grammatikalischen Adjektiv, und ich habe in meinem Beitrag #4225 vorsichtig von der Kurzform für das Adjektiv riesengroß gesprochen.
Übrigens: Ickler Das Rechtschreibwörterbuch:
Heiden...(angst)
Höllen...(fahrt)
mords.../Mords...(verstärkend).
Eine Mordsgaudi sieht schon fast makaber aus.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 11.06 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4233


Der Hauptakzent liegt eben gerade nicht auf dem Erstglied.
Ríesengebirge, aber Riesenhúnger
Bómbenkrieg, aber Bombenstímmung
Héidenbekehrung, aber Heidenángst

Und sogar:
Spítzenleistung, aber Spitzenidée
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 11.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4234


Staunend stehe ich vor der Schöpfung von mir bisher ganz unbekannten Adjektiven.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 11.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4235


@Reinhard Markner:
"Vor Ihrer nächsten Operation haben Sie eine Heidenángst " ?
Ich habe davor eine Héidenangst - besser heiden Angst und mache beim Sprechen eine Minipause zwischen heiden und Angst .
Tonzeichen haben wir in unserer Schrift nicht. Also will ich das gesprochene Wort authentisch in die Schrift bringen.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 12.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4236


Zusammensetzungen werden zwar regelmäßig auf dem ersten Glied betont, aber nicht ausnahmslos. Es gibt sogar sehr viele Abweichungen neben den hier genannten: der Nordósten, aufgrúnd, ...
Auch bei ein und demselben Wort kann sie je nach Gebrauch schwanken: Mir ist nicht der Trinkbécher, sondern die Trinkflásche heruntergefallen.
Die Betonung kann also nie das einzige Kriterium sein.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 12.46 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4237


Zur Bombenstimmung. Wie sieht es mit der Bombensicherheit aus? Ein Unterstand kann bómbensicher sein, ein Erfolg allenfalls bombensícher. Der Haken an der Sache: Der zweite Ausdruck ist nur dann sinnvoll, wenn die Bedeutung des ersten jederzeit wieder in ihm präsent werden kann. Das steht jedoch einer "authentischen" Verschriftung entgegen.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 13.17 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4238


Nein, bombensícher ist ja gerade nicht eine uneigentliche Verwendung von bómbensicher, sondern eine eigenständige Bildung mit dem bedeutungsverstärkenden Erstglied bomben-.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 14.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4239


Daß es sich bei bombensícher um eine Bildung wie sonnenklar oder affengeil handelt, steht eben in Frage – eher um eine Bildung in Analogie zu einer solchen Bildung im Zuge einer Bedeutungsverschiebung mit nachträglicher entsprechender Verschiebung der Betonung. Bomben scheinen mir mit Blick auf Sicherheit eine zu entlegene Assoziation zu sein, um ohne weiteres als bedeutungsverstärkendes Erstglied zu ihr hinzutreten zu können.
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4240


Um ein noch dünneres Haar zu spalten:

"Zur Bombenstimmung. Wie sieht es mit der Bombensicherheit aus? "

Die sind nicht parallel. Bombenstimmung hat mit der explosiven Bombe nichts mehr zu tun, Bombensicherheit schon. Bombensicherheit im Sinne von Gewißheit ist mir fremd:

Der Torwart hält den Ball bombensicher. Er hält ihn aber nicht mit Bombensicherheit. (Letztere gibt's nur im Bunker. Vielleicht.)

KHI
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.23 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4241


Was mir gerade noch einfiel: sonnenklar ist möglicherweise doch ein ähnlicher Fall wie bombensicher. "Das Wetter ist sónnenklar", aber: "Eines ist doch sonnenklár – Gepperts Wurst ist wunderbar".
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.26 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4242


Trübner I 390 sieht das so wie U. B., geht jedoch auf die Betonungsverschiebung nicht ein. Inzwischen ist bomben- aber wie Bomben- reihenbildend, vgl. etwa bombengut.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4243


Keine Widerrede. Nachdem bombensicher den Weg aus den Stellungen des Ersten Weltkrieges in die Alltagssprache genommen hatte, stand einer Reihenbildung nichts mehr entgegen. Manches ist seitdem sogar bombig.
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.42 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4247


Es ist klasse, es ist scheiße (vulg.) – dann auch: es ist standard. Das ist aber bislang eher selten.

Ich halte diese Adjektivkleinschreibung für begrüßenswert. Jetzt noch Adverbien (heute abend, im allgemeinen, wie: ein bißchen) und Pronomina (jeder einzelne) klein, und man kann wieder Zeitung lesen.
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.49 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4248


Das Thema verzweigt granatenmäßig. KHI
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 15.59 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4249


Neuerliche Widerrede: bombensicher im übertragenen Sinne ist erheblich älter. Google Books liefert einen Beleg von 1833 – erstaunlicherweise aus einer philologischen Zeitschrift: ». . . ist auf diese Konjektur, die er für bombensicher hält, nicht wenig stolz.«
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 17.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4250


Nichts gegen einen kreativen Umgang mit der Sprache, aber der "riesen Unterschied" gehört doch wohl wirklich zu den Fundstücken, wohin ihn Herr Schuchardt auch gestellt hat.
In welchem Wörterbuch soll so ein Riesenunsinn stehen? Im "Ickler" jedenfalls nicht.
Und Auseinanderschreibung als dramaturgische Anweisung fürs Sprechen, um meine Emotionen kenntlich zu machen? Demnach sei der *mords Hunger, die *heiden Angst, der *bären Hunger, die *mords Wut etwas neuartig Überhöhtes und wundersam anderes als die allseits bekannten Mordshunger, Heidenangst, Bärenhunger, Bombenstimmung und Mordswut?
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 17.52 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4251


@KHI

Das Haar war bereits gespalten.

@RM

Die Konjektur scheint mir eher für bómbensicher als für bombensícher gehalten werden zu sollen. Im übrigen gab es bómbensicher natürlich schon vor dem Ersten Weltkrieg.
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 18.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4252


@KHI

'Das Haar war bereits gespalten.'

Nein, ich habe das Adverb bombensicher vom Substantiv Bombensicherheit gespalten. (Nebenbei: als Adjektiv funktionieren bombensicher & Co. wahrscheinlich nur im ursprünglichen Sinn: sicher gegen Bomben usw.) KHI
nach oben

David Konietzko
Bad Homburg vor der Höhe

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 18.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4253


Für die Auffassung »bedeutungsverstärkender Erstglieder« (Markner) wie Riesen- als selbständige Wörter (Adjektive) spricht die Betonung, dagegen jedoch die Nichtunterbrechbarkeit von Konstruktionen wie Riesen- + Substantiv:

*ein riesen intellektueller Unterschied
ein riesiger intellektueller Unterschied

In seriösen Texten habe ich bisher nur die Schreibweise Riesenunterschied gesehen.

Herrn Isleifs Behauptung »[A]ls Adjektiv funktionieren bombensicher & Co. wahrscheinlich nur im ursprünglichen Sinn« trifft nicht zu. Man kann ja mal bombensichere als Suchbegriff bei Google eingeben, um Belege für die Verwendung als attributives Adjektiv im ›nicht-ursprünglichen‹ Sinn zu erhalten.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 18.55 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4254


Hier mal etwas zur Beruhigung der Gemüter.

"Schwyz´r bedonen oalles foalsch".

(Für die Norddeutschen: auf der ersten Silbe).

Aus einem Sketsch, gehört auf DRS1.

Suum cuique.
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 19.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4255


Wertester Herr Konietzko: Ich habe 'wahrscheinlich' gesagt, Sie haben's ja sogar richtig zitiert. Das paßt (semantisch) nicht zu 'Behauptung'. Behauptet habe ich nichts.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 26.11.2008 um 22.28 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4256


@Frau van Thiel zu #4250:
Wäre demnach der klasse Kumpel auch ein Riesenunsinn?
nach oben

Matthias Künzer
Herzogenrath

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 07.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4257


Ähnlich auch: das ist mir wurst.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 09.01 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4259


Vom * riesen intellektuellen Unterschied wird so schnell kein Feuilletonist schreiben wollen, das ist wahr, aber den Fußballer, der einer »riesen verpaßten Chance« nachtrauert, muß man nicht lange suchen. Druckreifes Deutsch ist das zwar bis auf weiteres nicht, aber es ist nicht unaussprechlich wie * die Chance war riesen – und im übrigen sieht die hochoffizielle Schweizer Schreibweise alt Bundesrat auch nicht viel besser aus. Wär hät's erfunde?
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 10.56 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4260


Bei diesen 'riesen Dingern' und ihrer Akzeptanz spielt noch was anderes mit rein: Man hat sich mit seiner Muttersprache ja seit seiner Geburt auseinandergesetzt und fühlt sich automatisch 'überkompetent'. Was man nicht kennt, hält man für schlechtes Deutsch. Ich hatte gleich nach der 'Reform' den 'Albtraum' als den größten denkbaren Unsinn 'entlarvt' - und mir dann (von Herrn Ludwig) sagen lassen, daß in manchen Gegenden Deutschlands das Wort so schon immer als allein richtig galt... Ein riesen Professor in München hat mal in einer meiner Arbeiten 'unnormal' als 'nicht deutsch' angestrichen; er hat es gebrandmarkt, gewissermaßen. Er wollte 'anormal' lesen. Auch er war eben 'überkompetent', denn 'unnormal' stand schon damals, das war vor Jahrzehnten, so im Duden.
Das meiste, was (ohne Zwang von oben) in unsere Sprache kommt und sich dort auf Dauer einnisten kann, sollte man akzeptieren nach einer angemessenen Wartezeit (nur das Handy niemals)! KHI
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 11.41 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4261


Offensichtlich wirken auch hier wieder die verschiedensten Faktoren munter durcheinander, und vieles ist auch im Fluß. Wenn es irgendeine Formel geben sollte, dann muß sie sehr kompliziert sein. So könnte neben der Betonung auch die Wortlänge eine Rolle spielen. Ich würde zum Beispiel nicht schreiben: [Immer diese] Scheißsicherheitskontrollen[!], sondern scheiß Sicherheitskontrollen. Aber vielleicht ist ja doch die Bedeutung ausschlaggebend. Gedachter Dialog: »Warum hast Du den Müll nicht runtergebracht?« – »Ich dachte, heute wäre Dienstag.« – »Du immer mit Deinen scheiß Ausreden!« – »Wieso, ist doch 'ne gute Ausrede ...« – »Eine Scheißausrede ist das!« Hier haben wir es mit unterschiedlichen Bedeutungen, zumindest mit Bedeutungsnuancen, zu tun. Im ersten Fall wird Verärgerung darüber ausgedrückt, daß der Gesprächspartner ständig Ausreden gebraucht, im zweiten wird die Qualität der soeben vorgetragenen Ausrede beanstandet. So gesehen bringen hier die Bedeutungs- und nicht die Betonungsunterschiede verschiedene Schreibungen mit sich. Die Betonungsunterschiede spiegeln lediglich die Bedeutungsunterschiede wider. Das alles gilt natürlich nur, wenn sich der Schreiber für eine solche Unterscheidungsschreibung entscheidet. Nach meinem Empfinden steht es ihm frei, in beiden Fällen zusammenzuschreiben, d. h. die von mir gemachte Unterscheidung nicht im Schriftbild auszudrücken.
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 11.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4262


Na, das Händi gebärdet sich ja wenigstens wie ein Substantiv. Ohne an übertriebener Wörterbuchgläubigkeit zu leiden, wüßte ich nun aber doch gerne mal, wo *riesen als eine Art Adjektiv vermerkt wird. (Mit dem angeblich komischen Wort "unnormal", das ich gar nicht unnormal finde, ist es doch wohl nicht zu vergleichen.)
@Herrn Roth: Ich leugne gar nicht, daß es Wörter gibt, die eine Wandlung vom Substantiv zum Adjektiv durchmachen. Vielleicht ist "klasse" aus Wendungen entstanden wie "das ist einsame Klasse", und irgendwann wurde es dann auch attributiv verwendet. Aber bei "Es ist mir wurst/Wurst" klappt's schon nicht. "Das war mir eine *wurst Angelegenheit" werden wohl auch die Befürworter des *riesen nicht sagen.
"Alt Bundesrat": Könnte das nicht auch so etwas in der Art von "Alt Heidelberg", "klein Moritz" , "lieb Kindelein" sein?
Summa summarum: Was spricht denn eigentlich dagegen, den Riesenunterschied auch so zu schreiben? Daß in Zusammensetzungen das Bestimmungswort einmal verstärkend (Riesenunterschied), einmal näher bestimmend (Riesenschritte) ist, dürfte doch wohl nicht entscheidend sein, wie an unzähligen deutschen Wörtern ersichtlich.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 13.47 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4263


@Frau van Thiel
"Das meiste, was (ohne Zwang von oben) in unsere Sprache kommt und sich dort auf Dauer einnisten kann, sollte man akzeptieren nach einer angemessenen Wartezeit (nur das Handy niemals)! KHI"
Das schrieb gerade Herr Isleif, #4260.
Ich möchte das unterstreichen. Genau so hat DUDEN bis vor zehn Jahren gehandelt und war deswegen Kompetenz.

Der Reihe nach: klasse (Adjektiv); ein klasse Spiel: er spielt klasse; das ist klasse/Klasse. Aus Ickler Das Rechtschreib-Wörterbuch.
"Die Sprache beobachten und behutsam die Schrift anpassen" hieß früher die Devise. Hätte niemand klasse gesagt und - noch ohne Wörterbucheintrag - geschrieben, gäbe es die Schreibung klasse heute noch nicht. Aus dem klasse Kumpel würde dann ein Klasse(n?)kumpel, was aber etwas ganz anderes ist. So wird es ganz sicher auch mit riesen pp. geschehen. Nur muß befürchtet werden, im "Verordnungswege", siehe RSR, mit allen negativen Folgen.
Den Kritikern der RSR wird immer wieder der Vorwurf gemacht, erzkonservativ, ewiggestrig, Bremser usf. zu sein. Indem man sich jeder Neuerung verschließt, nährt man diesen Vorhalt.
"Dramaturgische Anweisung fürs Sprechen, um Emotionen kenntlich zu machen" schreiben Sie. Entschuldigung, seit wann soll ein Text steril sein?

Wenn meine Enkelin ausgehungert aus der Schule kommt, das Pausenbrot vergessen, ruft sie schon vor der Haustür: Oma, ich hab riiiesen Hunger! Ohne mich auf dichterische Freiheit berufen zu wollen, will ich Gefühle, Emotionen in meiner Sprache/Schrift so ausdrücken, wie ich empfinde. Und unsere Sprache ist besonders reich in Wortschatz und Ausdrucksvermögen. Aber sie muß auch den Wandel im Blick haben.
Was mag wohl einen bedeutenden philosophischen Denker , den Griechen Panagiotis Kondylis, bewogen haben, bewußt in deutscher Sprache zu publizieren?
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 14.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4264


31#4263: "So wird es ganz sicher auch mit riesen pp. geschehen."
Ich sag's nochmal, ich glaube nicht, daß das mit *riesen geschieht, weil es schon riesig gibt. Mit klasse konnte es geschehen, weil es kein *klassig gibt.

Aber andererseits – es gibt erst-, zweit-, drittklassig, mehrklassig, sogar ein hochklassiges Spiel habe ich schon gesehen, warum also nicht auch klassig?

Das erinnert mich an *jährig, das es auch nicht gibt, nur in Zusammensetzungen:
-jährig.

Und dann erinnern mich alle diese Wörter (-klassig, -jährig) an das Wort dimensional.
Dimensional steht sowohl im Duden (die Ausdehnung betreffend), als auch im Ickler. Ich kenne die Wörter ein-, zwei-, ..., n-dimensional, mehrdimensional, hoch- und höherdimensional, endlich- und unendlichdimensional usw., sicher noch einige. Aber wer kann mir einen vernünftigen Satz mit dimensional sagen? Gibt es das Wort wirklich? Mit Google habe ich nichts gefunden.
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 18.19 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4265


@Herrn Roth: Schriftsprache ist keineswegs die Wiedergabe gesprochener Sprache. Der Riiiiiieesenhunger läßt sich nur in Comic- oder salopper Schriftsprache darstellen. (Ohhh, schwuuupps o. ä.) Mir ist auch nicht klar, wieso der Leser, wenn er *riesen Hunger liest, diese Fügung ausgerechnet auf dem "Adjektiv" betonen soll. Eine Kombination aus Adjektiv und Substantiv kann so oder so betont werden. "Ein kléines Mädchen stand vor der Tür" (und nicht ein großes), "Ein kleines Mä´dchen stand vor der Tür" (und nicht die Horde Jungen). Mal ganz abgesehen von dem nichtexistenten Adjektiv *riesen, das doch eine Verkürzung von "riesigen" sein soll: Wer sagt, daß ein Riesenhunger kleiner ist als ein riesiger Hunger? Im übrigen würde ich sogar den Riesenhunger auf der ersten Silbe betonen. Es ist übrigens auch nicht möglich, Politikerpathos in der Schriftsprache exakt wiederzugeben, z. B. :"In díesem Lande ..." Dazu müßte man Akzente oder sonstige Kürzel in die deutsche Schriftsprache einführen.
Ich habe auch keinen Beleg für das Eindringen des Wortes *riesen in die Schriftsprache gefunden, weswegen es auch kein Wörterbuch "verbieten" muß. Höchstens in Internetforen wird so etwas auseinandergerissen, im gleichen Satz dann aber auch Schwarz brot und orthographisch zumindest sehr Ungewöhnliches geschrieben.
Das DWDS schreibt:
"Riesen-, riesen-
drückt ein gewaltiges Ausmaß aus; sehr produktiv/außergewöhnlich groß". Es folgt eine ellenlange Liste von -anstrengung, -appetit, -blamage, -durst bis zum -wuchs. Die meisten sind als umgangssprachlich gekennzeichnet, so auch der Riesenhunger (der Riesenwuchs natürlich nicht).
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 18.40 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4266


Belege für dimensional sind leicht zu finden; man muß nur nach "das dimensionale", "eine dimensionale" usw. suchen.

Keine Angst – daraus allein, daß bei Riesenhunger der Hauptakzent auf der dritten, bei Riesenwuchs hingegen auf der ersten Silbe liegt, folgt noch nicht die Getrenntschreibung im ersten Fall. Herr Riemer und Herr Konietzko haben schon die wesentlichen Gegengründe genannt.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 20.57 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4268


Einspruch, Herr Markner.
Hunger habe ich immer, das brauche ich nicht besonders zu betonen.
Aber ´Riesenhunger kann ich im Kompositum nicht darstellen. Bei riesen Hunger (verstärkend, ins Auge fallend), so es denn aufgenommen würde, schon. Ich denke dabei insbesondere an die Kindersprache, die bekanntlich oft wesentlich betonter , melodiöser gesprochen wird als die der Erwachsenen.
@ Frau van Thiel: zu klasse: trotz eifriger Suche konnte ich die zulässige Kleinschreibung, weder bei umg. noch bei salopp im Verzeichnis DWDS aufspüren. Die schreiben immer groß. Hinken die evtl. hinterher?
@ Herr Riemer, meinen Sie nicht auch, daß Ihr Argument, es gibt kein Adjektiv klassig, deswegen habe man als Surrogat klasse erschaffen, auf etwas schwachen Beinen steht, wo Sie doch selbst richtigerweise erstklassig, zweitklassig... anführen?
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 27.11.2008 um 22.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4270


Vgl. auch
Lángewèile vs. lànge Zéit
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 00.20 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4272


zu Ihrer Frage, Herr Roth:
Ich hätte gesagt, "es gibt kein Adjektiv klassig, deswegen habe man als Surrogat klasse erschaffen"?

Hier nochmal wörtlich, was ich gesagt habe:
"Mit klasse konnte es geschehen, weil es kein *klassig gibt."


Übrigens, wenn man die Klassefrau, den Riesenaufwand, den Klassewagen, den Riesenmotor usw. miteinander vergleicht, dann fällt auf, daß das Adjektiv klasse dem Bestimmungswort Klasse immer gleicht, während alle Zusammensetzungen mit Riese immer ein Fugen-n bekommen. Das Adjektiv riesen müßte also eigentlich riese heißen: riese Motor, riese Unterschied, mein Hunger ist riese. Das klingt natürlich gar nicht gut. Ein Fugen-n gibt es aber sonst nur bei Zusammenschreibungen.

Das Fugen-n gibt es auch bei Klasse. Aber der Klassenbeste, der Klassenunterschied, Klassenlehrer, ... , sie alle müssen nicht unbedingt klasse sein.

Vielleicht sind also auch Riesenparties gar nicht riese?
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 03.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4273


“[…] aber […] 'riesen' ist nach meinem Gefühl (und Wörterbuch) nicht (mehr) falsch.” (#4224)
““Eine Klássefrau wird auch anders betont als eine klasse Fráu.” #4227
“Was ist eigentlich die ratsgemäße Schreibung: total banane oder total Banane?” #4230
“Laßt uns also neue 'Adjektive' finden!” (Roger Herter, #4229)
“Mit klasse konnte es geschehen, weil es kein *klassig gibt.” (#4264)

Es gibt aber “klassisch”, mit etwa der gleichen Bedeutung. Aber wie konnten die in Frage stehenden Wörter denn überhaupt in Adjektivpositionen geraten? Bleiben wir mal bei den klasse Frauen. Die sind doch zunächst einmal unbestreitbar ganz große Klasse, — womit wir schon mal die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer besonderen Gesellschaftsklasse überspringen (Klássefrau?). Und bei weiterer Bewunderung sind sie ganz einfach noch Klasse, weil wir’s ja, wie die Herkunft es zeigt, mit einem Substantiv zu tun haben, oder schon klasse, letzteres wie eine Bluse rosa ist. Und wenn diese prädikativ ausgedrückte Qualität nun attributiv vor ein Substantiv tritt, ja, dann haben wir halt eins von Roger Herters neuen Adjektiven in Anführungsstrichen, die keines reichen Adjektivendungssystems fähig sind, denn von beigen Pullovern sind klasse Pullover noch weit weg. Oder aber wir haben weiterhin ein Substantiv, das ein anderes Substantiv modifiziert/erweitert, wodurch wir ein Kompositum bekommen, welches bis zur Interferenz durch die sinnlose Reform immer richtig als ein Wort geschrieben wurde (Riesenpullover). Ich verstehe dabei nicht ganz, inwiefern eine “Klássefrau” anders ist “als eine klasse Fráu”, außer daß ich mir bei letzterer vielleicht die Augen und die Sprache etwas überlaufen lasse. — Bei all diesem Bedenken möchte ich aber nicht ausschließen, daß “riesen” nicht doch einmal den Weg von Klasse/klasse geht, zumal –en, wie ja –e auch, eine gewohnte Endung im attributiven Endungssystem ist, was daneben das “s” in Mordshunger nicht ist. Denn aller Anfang ist, wie wir's aus Erfahrung wissen, nicht unbedingt total banane (wenn ich diesen Ausdruck richtig verstehe).
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 06.14 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4274


Man kann ja kaum noch schlafen, so sehr fesselt einen das Thema. Während die anderen Rubriken hier dahinsiechen, habe ich mitten in der Nacht am Internet gefunden:

"Wir bildeten eine riesen Schlange vor dem Laden."

"Riesenschlange fraß Kleinkind!"

"Eine riesengroße..." usw. im ersten Satz wäre natürlich auch korrekt, aber abends beim Bier (umgangssprachlich eben) hätte ich schon vor 1996 "riesen" gesagt. Das heißt, ich hätte, wäre ich dazu gezwungen worden, mein Gerede so, also klein und getrennt, aufgeschrieben. Damit hätte ich nur die Sprache meiner Umgebung nachgeahmt (ich trinke gern und viel). Auch wenn sich bei Nietzsche oder Martin Luther wahrscheinlich kein ähnlicher Satz findet, an den angelehnt sich ein für allemal regeln ließe, ob man das überhaupt darf, hätte ich es schon deswegen so geschrieben, weil das Bilden einer "Riesenschlange" dem lieben Gott vorbehalten ist. KHI
nach oben

Rominte van Thiel
Röttenbach

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 11.12 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4275


Ob beim Bier oder nicht: Die mythologische Riesenschlange schreibt sich auch nicht anders als die Riesenschlange vor dem Laden, die mir Riesenärger verursacht, riesenlang ist und in der riesengroße Leute stehen, die Riesenpakete in der Hand haben und auch noch Mordsbäuche vor sich hertragen. Überdies sind sie bärenstark, weswegen ich Mordsangst habe und mucksmäuschenstill bin.
Das -en in Riesen- ist keine Adjektivendung, sonst müßte das Adjektiv *ries heißen, sondern genauso Fugenelement wie in Bären- oder wie das -s in Mords- .
(Riesen-, riesen-, Bären-, bären-, Mords- etc. sind Elemente der Verstärkung, mit denen man ziemlich lange Reihen bilden kann - was ich aber schon einmal geschrieben habe.)
Ein dichterischer Text mit der Aufhebung von Substantiv, Adjektiv, Adverb, ihrer Umkehrung, Zusammenziehung, Verfremdung etc. sei im übrigen natürlich jedem unbenommen.
PS zu einem älteren Beitrag: Im Beispiel von Herrn Metz würde ich den Bindestrich wählen: Sch...-Sicherheitskontrollen.
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 13.25 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4276


So mancher mit seinem Riesenmunde
Macht dieses Forum zur miesen Runde.

Wir ernten mit derlei nur riesen Gelächter,
und wären, wenn wir dies ließen, gerechter.

Aber ein Gedanke ist doch sehr interessant: nach zwei oder mehr Bieren mag manch einer davon überzeugt sein, daß solcher Unsinn die einzig richtige Schreibweise sein muß, und zwar deswegen, weil er dieser Ansicht nun einmal ist, und so dürfte auch die Rechtschreibreform als Produkt bierseliger geselliger Runden fernab der Realität unserer Republik zu erklären sein.

Oans, zwoa, xuffa!
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 14.10 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4278


Ríesenschlange vs. Riesenschlánge ist ein hammerhartes Beispiel für die kontrastierenden Betonungsmuster. Bei ersterer handelt es sich um die Angehörige einer Tiergattung, das Erstglied ist also nicht bloß bedeutungsverstärkend, sondern klassifizierend. Vgl. z. B. auch Érzbischof vs. Erzdúmmheit.
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 14.18 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4279


Tja, Herr Lachenmann, ich habe natürlich verstanden, es war deutlich (und am Anfang sogar gekonnt). Ob das mit der Realität so ist, wie Sie es sehen, wird man sehen. Ich grüße Sie. Kleinlaut. KHI
nach oben

Walter Lachenmann
Waakirchen

Dieser Beitrag wurde am 28.11.2008 um 19.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4280


War nicht bös gemeint, lieber Herr Isleif. Machen Sie weiter wie bisher, kleinlaut wollen wir Sie hier nicht haben. Wir werden die Entwicklung von „riesen Unsinn“ genauestens verfolgen in den kommenden 50 Jahren.

Mit großleisen Grüßen
WL
nach oben

Karl-Heinz Isleif
Koganei, Tokyo

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2008 um 09.16 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4281


Noch'n Gedicht

Die Gürtellinie, sie schert uns nicht.
Hauptsache ist, wir ham ein Gedicht.
Drum, sei’n wir nicht übergenau;
denn sei er auch schmerzlich,
der Schlag darunter war rauh -
aber herzlich.

KHI
nach oben

Ruth Salber-Buchmüller
Mülheim-Ruhr

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2008 um 11.05 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4283


"Mit einem Quentchen Trost stirbt die Hoffnung zuletzt"

(FAZ.net, heute)

Immerhin!
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2008 um 02.03 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4285


Na, das Quentchen, anstelle dummdeutsch Quäntchen, zitiert aus der FAZ, gibt ja Hoffnung.

Bleiben wir doch aber auch bitte im Forum zwar hart, aber sachlich in der Argumentation und nicht persönlich.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2008 um 03.07 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4286


@ Herr Riemer.
Ihre Argumentation kann mich nicht überzeugen. Ob ein Fugen- n eingefügt wird oder nicht hängt mit der "Sprechbarkeit" zusammen. Die Karte für eine Fahrt bei der DB ist eine "Fahrkarte", keine Fahrtkarte.
Man spricht von Fahrkosten und nicht von Fahrtkosten. Es gibt viele andere vergleichbare Beispiele. Andererseits wird, wie bei "Daseinsberechtigung", ein s eingefügt. Bei Komposita sind flüssige Aussprachen ( die "Sprechbarkeit") vorrangig vor der Aussprache der beiden Wortteile, das Gesamtwort muß, wie in anderen Sprachen auch, fließend und sinnvoll über die Zunge kommen.
nach oben

Karin Pfeiffer-Stolz
Düren

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2008 um 07.32 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4287


„Sprechbarkeit“ ist gewiß für die Entwicklung mancher scheingrammatischer Zustände verantwortlich. Die Sprache entwickelt sich nicht nach logischen Kriterien, sondern nach den Anforderungen der Zweckgebundenheit. Wo eventuelle Mißverständnisse möglich sind, wird für den konkreten Fall eine abweichende Form gefunden. Dies mag die vielen Ausnahmen erklären, um die seit jeher heftig gestritten wird und die, oberflächlich betrachtet, als willkürliche Fehlentwicklungen erscheinen, die es „behutsam zu korrigieren“ gilt. Mitnichten!

Die Sprache entwickelt strategische Formen zur Vermeidung von Mißverständnissen. Diese Eigendynamik, die mit primitiven Regeln nicht beschrieben werden kann, ist jenem Personenkreis ständige Quelle des Ärgers, die gern das ganze System in narrensichere, kleine Happen aufteilen und wasserdicht verpacken würden. Es überrascht sie, wenn ihre mechanistischen Eingriffe die Sprache nicht zu regeln, ja nicht einmal befriedigend zu beschreiben vermögen. Sprache ist etwas Lebendiges. Die Vernachlässigung dieser Betrachtungsweise hat unsere selbsternannten Sprachverbesserer scheitern lassen. Wann hat ein Mensch jemals etwas Lebendiges verändern oder gar konstruieren können? Das Lernen vollzieht sich in allen kulturellen Bereichen allmählich und erfolgreich allein durch Beschäftigung und lebenspraktische Anwendung dessen, was man lernen möchte.
nach oben

Reinhard Markner
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2008 um 09.02 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4288


Man spricht von Fahrkosten oder Fahrtkosten, letztere Form überwiegt. Fahrkarte ist die von Heinrich von Stephan durchgesetzte Eindeutschung von Billet.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2008 um 21.13 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4290


@ Herr Markner: DUDEN 14. Aufl. kennt Fahrtkosten gar nicht. Ich weiß allerdings, daß es so im Amtsdeutsch verwendet wird. Vgl. auch Fahrgeld, nicht Fahrtgeld, oder Fahrplan, Fahrgast, Fahrschein. Schöne Beispiele für die Sprechbarkeit sind Fahrtenbuch, aber Fahrtrichtung. S. auch Beitrag von Frau Pfeiffer-Stolz.
nach oben

Manfred Riemer
Mannheim

Dieser Beitrag wurde am 01.12.2008 um 10.15 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4295


Ob man nun Fahrkosten oder Fahrtkosten sagt, Fahrgeld oder Fahrtgeld, handelt es sich hier überhaupt um ein Fugen-t?
Ich meine, es gibt das Verb fahren, in Zusammensetzungen Fahr-, und es gibt das Substantiv die Fahrt, mit beiden Wörtern kann man Zusammensetzungen ohne Fugenbuchstaben bilden. Einziges Fugenelement wäre m.E. das -en in Fahrtenbuch.
Ein echtes Fugen-t haben wir zum Beispiel in hoffentlich.
nach oben

Wolfram Metz
Den Haag, Niederlande

Dieser Beitrag wurde am 02.12.2008 um 21.37 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4298


Das Wort Fahrtkosten taucht im Mannheimer Rechtschreibduden zum erstenmal in der 18. Auflage (1980) auf. In der DDR fand es bereits zehn Jahre früher Eingang in den Duden (16. Auflage, 1970). Auch im »Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache« (1967) ist es aufgeführt.

Im Zweifelsfälle-Duden findet sich seit je ein Eintrag zur Frage »Fahr-/Fahrt-«. In der 1. Auflage (»Hauptschwierigkeiten der deutschen Sprache«, 1965) heißt es noch unter dem betreffenden Stichwort:

Bei den Zusammensetzungen mit „Fahr-“ und „Fahrt-“ treten im allgemeinen nur Zweifel auf, ob es „Fahrkosten“ oder „Fahrtkosten“ (entspr. „Fahrgeld“ oder „Fahrtgeld“), „Fahrdauer“ oder „Fahrtdauer“ heißt. Als sprachübliche Formen registriert der Duden „Fahrkosten(Fahrgeld) und „Fahrtdauer“. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß die Formen „Fahrtkosten“ und „Fahrdauer“ falsch sind, man sollte aber dem vorherrschenden Sprachgebrauch folgen. Zusammensetzungen mit „Fahrt-“ sind: Fahrtdauer, Fahrtrichtung, Fahrtwind (beim Auto u.ä.). Zusammensetzungen mit „Fahr-“ sind: Fahrdienst[leiter], Fahrgast, Fahrgeld, Fahrgeschwindigkeit, Fahrkarte, Fahrkosten, Fahrplan, Fahrwind (= guter Segelwind).

In der 3. Auflage (»Richtiges und gutes Deutsch«, 1985) und wortgleich (allerdings in Reformschreibung) in der 5. Auflage von 2001 (die neueste liegt mir nicht vor) liest man:

Es gibt Zusammensetzungen sowohl mit Fahrt- als auch mit Fahr-. Zusammensetzungen mit Fahr- sind z.B.: Fahrausweis, Fahrdienst[leiter], Fahrgast, Fahrgeschwindigkeit, Fahrkarte, Fahrplan, Fahrrinne, Fahrwind (= guter Segelwind). Zusammensetzungen mit Fahrt- sind z.B.: Fahrtrichtung, Fahrtschreiber, Fahrtunterbrechung, Fahrtwind (= Gegenwind). Bei Fahrkosten/Fahrtkosten sind beide Formen üblich; bei Fahrgeld/Fahrtgeld, Fahrtdauer, Fahrdauer wird jeweils die erste vorgezogen.

Und zu guter Letzt zum Vergleich noch der Eintrag aus dem »Wörterbuch der Sprachschwierigkeiten« (VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 3. Auflage, 1989):

Im ganzen überwiegen die Bildungen mit fahr-, Fahr-, z. B.: fahrtüchtig; Fahrbahn, -dienst, -geld, -geschwindigkeit, - plan, -rinne, -zeit. In einer Reihe von Fällen ist fahr-, Fahr- und fahrt-, Fahrt- möglich, doch überwiegt jeweils die eine oder die andere Möglichkeit. Überwiegend mit fahr-, Fahr-: fahrbereit, Fahrausweis, -kilometer, -kosten; überwiegend mit Fahrt-: Fahrtdauer. Gelegentlich liegt Bedeutungsdifferenzierung vor: Fahrbereich ‘Strecke, die ein Kraftfahrzeug mit eigener Maschinenkraft ohne Nachtanken zurücklegen kann’, aber Fahrtbereich 'Fluß- oder Seebereich, für den ein Schiff entsprechend seiner Größe, Konstruktion und Festigkeit zugelassen ist’; Fahrwind ‘Wind, der beim Segeln, Segelflug als Antriebskraft dient’, aber Fahrtwind 'starke Luftströmung, die bei schneller Bewegung eines Fahrzeugs entsteht’. Nur zu Fahrt- gebildet sind: Fahrtrichtung, -route, -schreiber, -ziel
nach oben

Paul Westrich
Kusterdingen

Dieser Beitrag wurde am 07.12.2008 um 13.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4323


Heutiges Fundstück in einem Forumsbeitrag:
"Kann man mit Hansaplast narbenpflaster den Narben den gar ausmachen?"

Armes Deutschland.
nach oben

Horst Ludwig
St. Peter, MN, USA

Dieser Beitrag wurde am 21.12.2008 um 17.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4367


Jetzt, wo's immer noch keine Verbrecherinnen gibt, möchte ich's von der dpa aber doch mal genau wissen. War's hier nun ein männlicher Schaffner oder war's eine Schaffnerin? Bei dem verkrampften Deutsch dieser Nachrichtenagentur weiß man am Ende eigentlich gar nichts Richtiges mehr: "Bremen (dpa) - [...] Diesmal schickte eine Schaffner zwar keine Kinder aus dem Zug, dafür aber ihre Mutter. [...] Der Schaffner hatte der Frau gesagt, sie solle die Fahrscheine beim nächsten Halt nachzustempeln." © Die Welt (21.12.2008 14:01 Uhr)
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2008 um 17.29 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4380


Riesen Kabelsortiment !
BAUHAUS -Prospekt KW 01/09.
nach oben

Robert Roth
Gau-Algesheim

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2008 um 18.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4382


Gaza Israel bombadiert Schmugglertunnel

Fette Überschrift
ZEIT Online, heute
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2008 um 20.34 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4383


Noch ein Wort des Jahres (man glaubt's beinahe nicht – aber es steht wirklich da):

Steinmeier sagte, die Automobilindustrie sei das Rückrad der deutschen Wirtschaft (WELT-online von heute)
nach oben

Oliver Höher
Braunschweig

Dieser Beitrag wurde am 29.12.2008 um 21.51 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4384


Aber lieber Kratzbaum,

Autos haben doch bekanntlich Räder. Ihnen kann die arme WELT aber auch gar nichts recht machen.

Und wenn es dann im Zuge der Finanzkrise in besagter Automobilindustrie heiß hergeht, dann kann sie auch schnell zum Rückgrad der deutschen Wirtschaft werden. Im Zuge der allseits beliebten Kollateralschäden der Rechtschreibreform bekommt Shakespeares Titel "As you like it" eine ganz neue Bedeutung.

Ich schlage vor, Sie machen mit den ganzen Rädern, Graden und was noch kommen mag einen Wettbewerb. Castingshows sind doch eh groß in Mode: "Deutschland sucht das Superwort!"

Nein, schreiben Sie besser "Germany' s next Superword", sonst macht womöglich niemand mit!
nach oben

verschoben


Dieser Beitrag wurde am 29.12.2008 um 22.50 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4385


Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 29.12.2008 um 19.26 Uhr

Ganz wild kommt heute eine Online-Umfrage daher:

"Welche der folgenden Dinge haben Sie in die vergangenen 4 Jahre? Und was trifft davon für den nächsten 12 Monaten vor?"
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 31.12.2008 um 20.44 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4394


Mal herhören!

"Die Welt hat über ihre Verhältnisse gelebt."

(Die Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache)
nach oben

Kratzbaum
*

Dieser Beitrag wurde am 01.01.2009 um 22.21 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4397


Erst wäg's, dann wag's!

"Weil die Kredite besichert waren, wogen sich die Banken in Sicherheit."

(Benedikt Fehr in der FAZ vom 31.12.)
nach oben

Wolfgang Wrase
Unterhaching

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2009 um 09.00 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4398


Ich habe mal eine nette Anekdote gehört. Ein amerikanischer Soldat kommt in ein deutsches Postamt und denkt:
Ich brauche eine Waage, ich will etwas wiegen.
Er sagt:
Ich brauche eine Wiege, ich will etwas wagen.
nach oben

Annette Winkelmann
Berlin

Dieser Beitrag wurde am 02.01.2009 um 23.45 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4399


Als Beitrag zur „Riesen"-Diskussion vom November möchte ich an Richard Fleißig, in der Zwischenkriegszeit Stammgast des Prager Cafés Urban, erinnern. Friedrich Torberg hat ihm, der den Beinamen „der Sprachreiniger“ trug, in „Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“ ein Denkmal gesetzt.

„Sein Reinigungskampf galt den vielen sinnentleerten Klischees, die sich in der Umgangssprache eingenistet hatten und von denen das achtlos verwendete Präfix ‚Riesen-’ seinen ganz besonderen Widerwillen hervorrief. ‚Riesen haben keine Portionen’, berichtigte er, wenn jemand die ‚Riesenportionen’ in einem neu eröffneten Gasthaus pries. Wer seine ‚Riesenfreude’ über ein empfangenes Geschenk äußerte, mußte sich sofort belehren lassen, daß Riesen keine Freude haben. Sie hatten auch kein Herz, keinen Wirbel, keinen Erfolg, sie hatten, Fleißig beharrte darauf, nur ein Gebirge, sonst nichts. Die Unerbittlichkeit, mit der er an seiner Manie festhielt, wurde ihm zum Verhängnis, als der Chef der Wäschefabrik, für die er arbeitete, ihn eines Tages zu sich rief:
‚Herr Fleißig, Sie müssen mit unserer neuen Kollektion sofort in die böhmischen Bäder fahren – wie ich höre, herrscht dort ein Riesenbedarf.’
‚Riesen haben keinen Bedarf, Herr Chef’, berichtigte tadelnd der Sprachreiniger Fleißig.
Und verlor seinen gut bezahlten Posten.“

Zum Thema Apostroph möchte ich endlich einmal schriftlich festhalten, daß es in Halle jahrelang einen Gebrauchtwagenhandel namens "Schöne Auto's" gab (heute heißt er, zumindest im Internetauftritt, "Schöne Autos"), und daß dieser herrliche Firmenname nicht nur auf großen ("riesen") Werbeschildern prangte, sondern auch auf den mitverkauften Nummernschilderhaltern von den Kunden durch die Stadt gefahren wurde.
nach oben

Urs Bärlein
*

Dieser Beitrag wurde am 03.01.2009 um 16.31 Uhr eingetragen.
Adresse: http://www.sprac